Samstag, 23. März 2013

Missionierung, nein Danke.



Zehn dicke Bände füllt das Mammutwerk „Kriminalgeschichte des Christentums“; eine einmalige Lebensleistung des großen Karl-Heinz Deschner.
Es dürfte wohl keine zweite Organisation dieses Planeten geben, die eine derartige kriminelle und menschenzerstörende Energie entfaltet hat, wie das Christentum.
Das systematische Diskriminieren, Foltern und Töten von Menschen, die krank oder schwach oder einfach ganz normal waren.
Während in der säkularen Zeit Menschen mit Epilepsie, Zwangsstörungen, anderen Hautfarben und sexuellen Orientierungen, mit Depressionen, Schizophrenie oder Tourette geholfen wird, wurden zu Zeiten, als die christlichen Kirchen absolute Macht hatten, solche Menschen gefoltert und getötet.
 Bis in die 1980er Jahre sind Kinder in christlichen Heimen WELTWEIT systematisch gequält und misshandelt worden.
Nein, danke, das brauchen wir nicht noch einmal.
Religion had its chance to run the world:
It is called the Dark Ages.
Von allen Verbrechen, die offizielle Christen begangen haben, erscheint mir die kulturzerstörende Missionierung die Perfideste zu sein.
100 Millionen Menschen kamen allein in Amerika durch die Christliche Mission um. Nur weil größenwahnsinnige Vatikanisti sich anmaßten alle Nichtschristen zwangsmissionieren zu dürfen.
 Ein Mammutverbrechen, für das der selige Kinderfickerbeschützer Papst Johannes Paul II, der nun auch noch heiliggesprochen werden soll, lapidar den Ausdruck „Glückliche Schuld“ prägte.
Ja, OK, man habe 100 Millionen Indianer abgemurxt – aber die sollten sich mal nicht beschweren, schließlich sind sie dafür Christen geworden.
Unfassbare verbale Barbarei, die der Papst im Jahr 1992 von sich gab!
Der Anlass für die Konferenz war die 500-Jahr-Feier der "Evangelisierung" Lateinamerikas. Johannes Paul II. gab in seiner Eröffnungsansprache die diesbezügliche Sprachregelung vor: Die Christianisierung Lateinamerikas durch die spanischen Eroberer weise zwar gewaltsame Züge auf und sei insofern zu verurteilen. Weil aber die "bewundernswerte Evangelisierung" zu einer "Ausweitung der Heilsgeschichte" beigetragen habe, handle es sich letztlich um "glückliche Schuld".

Während die brasilianischen Bischöfe in ihren "Richtlinien für Santo Domingo" vorsahen, die Kirche müsse für die Teilnahme an der Conquista Indianer und Afroamerikaner um Vergebung bitten, enthielt das Schlussdokument der Konferenz kein Wort kirchlicher Selbstkritik.

Als im Lauf der Konferenz die Vergabe des Friedensnobelpreises 1992 an die guatemaltekische Indianerin und Katholikin Rigoberta Menchú bekannt wurde, schlug ein brasilianischer Kardinal vor, ihr eine Grußbotschaft zu schicken. Das Präsidium lehnte ab mit der Begründung, ein solcher Schritt könne ideologisch missbraucht werden. Und als einige wenige Bischöfe erwogen, aus ihren Fünf-Sterne-Hotels auszuziehen, wurden sie zurechtgewiesen: Man könne die gastgebende Regierung, die diese Hotels zur Verfügung gestellt habe, nicht derart brüskieren.
Wenn Kirchisten also von „Missionierung“, bzw „Neuevangelisierung“ reden, sollte man sofort massiv dagegenhalten.
Die Worte des neuen Papstes sind bereits erschreckend.
 Zunächst hatte er den Ungläubigen attestiert Satan anzubeten, fünf Tage später stellt er immerhin noch fest, daß man gar nicht miteinander kommunizieren könne ohne seinen Gott.
Grundlegend in diesem Werk [des Dialogs der Kulturen] ist auch die Rolle der Religion. Man kann nämlich keine Brücken zwischen den Menschen bauen, wenn man Gott vergisst. [….] Und es ist auch wichtig, die Gegenüberstellung mit den Nichtgläubigen zu intensivieren, damit niemals die Unterschiede, die trennen und verletzen, überhand nehmen.
Nach 2000 Jahren Kriminalgeschichte, empfinden Christen immer noch keinerlei Scham.

Die Evangelen sind keinen Deut besser.
Die Kirche muss sich nach Einschätzung des Theologen und Bildungsexperten Hans-Martin Lübking stärker um konfessionslose Menschen kümmern. "Die Konfessionslosigkeit wird in der Kirche unterschätzt", sagte der scheidende Direktor des Pädagogischen Instituts der Evangelischen Kirche von Westfalen am Mittwoch in Schwerte. Derzeit fühlten sich Untersuchungen zufolge etwa 70 Prozent der Menschen der Kirche zugehörig.

Der Anteil werde jedoch immer weiter abnehmen, während die Zahl der konfessionslosen Menschen zunehme. Die Kirche erreiche die Menschen auf Dauer immer weniger über die regulären Ortskirchen, sagte Lübking. Deshalb müssten verstärkt auch außerhalb der Kirchengemeinde interessierte Menschen angesprochen werden.

Der Göttinger Theologe Bernd Schröder warnte, die Kirche dürfe nicht als Selbstzweck existieren. Sie befinde sich im Wandel zu einer Einrichtung, die als Hauptaufgabe die Weitergabe des Glaubens ermögliche.
(epd 23.03.13)
Wenn ich kein Atheist wäre, würde ich beten, daß diese Wünsche nicht in Erfüllung gehen.

Möge der Anteil der konfessionslosen Menschen in der Bevölkerung schnell weiter anwachsen.

Wie es ist, wenn die Kirche bestimmt, wissen wir zur Genüge.
Aber es wird dennoch ständig Neues ans Licht kommen, das einen erschaudern läßt vor dem abgrundtief bösen Verhalten von Christen gegenüber Schwächeren.
Mögen sie nie wieder die Macht dazu erhalten psychisch kranke Kinder so zu quälen wie im St.-Johannes-Stift in Marsberg.
Schläge, Beruhigungsmittel, Einzelhaft in dunklen Zellen. Westpol hat bereits in der vorletzten Woche einen Missbrauchsskandal in der Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgedeckt. Bis in die 70er Jahre waren Kinder im St.-Johannes-Stift in Marsberg Gewalt ausgesetzt. Und nicht nur das: Nach über 40 Jahren des Schweigens berichten Ehemalige gegenüber Westpol jetzt auch von sexuellem Missbrauch in der Einrichtung. Pfleger und Nonnen sollen sich regelmäßig an Kindern vergangen haben. Experten sehen hier Parallelen zum Missbrauchsskandal in Heimen. Doch anders als hier sind die Leiden der Kinder in der Psychiatrie bis heute nicht aufgearbeitet worden.
(WDR 23.03.13)
In der Kinder- und Jugendpsychiatrie sollen Menschen in Not Hilfe finden. Doch bis in die siebziger Jahre wurden junge Patienten im St. Johannesstift im nordrhein-westfälischen Marsberg offenbar Opfer von Gewalt und Missbrauch.

[…] Pfleger und Nonnen hätten sich regelmäßig an ihnen vergangen.

Ein früherer Patient beschreibt in der "Westpol"-Sendung, die am Sonntag ausgestrahlt wird, wie ihn eine Schwester des Ordens der Vincentinerinnen 1964 in Marsberg im Alter von 13 Jahren mehrfach in ihr Zimmer beordert habe. Dort habe er sich ausziehen müssen, und die Schwester habe sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen. Ein anderer früherer Patient berichtet laut WDR, er sei von Nonnen regelmäßig im Genitalbereich gewaschen worden.  Experten halten die Schilderungen für glaubwürdig. "Das sind Einrichtungen, in denen Menschen über 24 Stunden des Tages einer Fremdbestimmung unterworfen sind", sagte der Sozialpädagoge und Psychotherapeut Manfred Kappeler dem WDR.

Laut Bericht waren die Patienten im St. Johannesstift in den fünfziger und sechziger Jahren zudem großer Brutalität ausgesetzt. Kinder seien tagelang in Isolationszellen eingesperrt und mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt worden.

Dem SPIEGEL erzählte der Aachener Jürgen Schubert schon im Jahr 2003 von seinen Leiden. Er war bis zum 18. Lebensjahr im St. Johannesstift untergebracht und scheiterte beim Versuch, seine früheren Peiniger zu verklagen. Er sagte damals: "Ich wurde immer wieder misshandelt, mit Fäusten und schweren Gegenständen traktiert." Aber es gab keine gerichtsverwertbaren Beweise. […]

Freitag, 22. März 2013

Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.


 
Ja, doch, in Deutschland soll alles seine Ordnung haben.
Der laxe Umgang mit Steuergeldern geht schon mal gar nicht.
In Mühlhausen (Unstrut-Hainich-Kreis, Thüringen) hatte eine arbeitsscheue Bedarfsgemeinschaft riesige HartzIV-Summen zu Unrecht abzocken wollen.
Aber da waren sie bei dem tapferen Thüringer Jobcenter an der falschen Adresse.
 Es klagte beim Sozialgericht Nordhausen, verlor zwar, ging aber mutig in die nächste Instanz. Im Dezember 2012 unterlag das Jobcenter Mühlhausen unerkärlicherweise ebenfalls vor dem Thüringer Landessozialgericht.
Die laschen Sozi-Richter verlangten doch tatsächlich immer noch, daß diesen faulen Säcken Hartz-Gelder nachgezahlt werden, die ihnen gar nicht zustehen.
Aber es handelt sich schließlich um Steuergelder und die dürfen nicht irgendwie über den Daumen gepeilt dem Prekariat nachgeworfen werden!
Löblicherweise will das Jobcenter nicht kleinbeigeben und zieht nun vor das Bundessozialgericht in Kassel!

Ach ja, der ungeheure Streitwert beträgt übrigens 15 Cent.

Hinter dem Komma der errechneten Zahlungen standen nämlich 85 Cent, die nach geltendem Recht eigentlich auf den vollen Euro aufgerundet werden sollten.
 Aber diese Hartzler mit der gewaltigen Summe von zusätzlichen 15 Cent zu überschütten kommt in Thüringen nicht in die Tüte.
Herzlichen Glückwunsch, liebe Sozialministerin Heike Taubert (SPD)!
15 Cent sind ja nicht nichts.
Es ist Deutschland hier.
Und nicht Finnland, wo 1-, 2- und 5-Centmünzen gleich in den Müll geworfen werden.

Bei ganz kleinen Summen hingegen, darf der Staat auch schon mal Fünfe gerade sein lassen und Bedürftigen unter die Arme greifen.

Ich denke da zum Beispiel an Jeff Bezos.
Er hat ja nicht soo viel Geld.
Nur 25,2 Milliarden Dollar. Also 25.200 Millionen Dollar.
Damit ist der 49-Jährige Amazon-Besitzer lediglich der Neunzehnt-Reichste der Erde.
Es ist also noch Luft nach oben.
Man versteht, daß der Familienvater aus Washington, der immerhin auch noch vier Kinder durchfüttern muß, bei den Lohnkosten spart.
Und es ist nur zu verständlich, wenn eine christlich orientierte Regierung in so einem Härtefall auch mal großzügig mit Steuermitteln ist.
Die Christliche CDU-Bundesregierung und die christlichen CDU-Regierungen in Sachsen und Hessen ahnten, wer wirklich bedürftig ist.
Mit mehreren Millionen Euro haben der deutsche Staat und mindestens zwei Bundesländer Amazon unterstützt, als der US-Konzern in Deutschland Fuß fasste. Sieben Millionen Euro flossen im Rahmen des Förderprogramms 'Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur' (GRW) 2006, ein kleinerer Teil 2009, nämlich 74460 Euro. Das geht aus der Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die der SZ vorliegt. Die sieben Millionen Euro aus Berlin hat die Bundesregierung bestätigt, das betroffene Bundesland steuert im Normalfall noch einmal denselben Betrag bei. [….] Der Linken-Abgeordnete Klaus Ernst spricht von 'staatlich subventionierter Lohndrückerei': 'Während Leiharbeitsbeschäftigte drangsaliert und Stammbelegschaften untertariflich bezahlt werden, haben Bund und Länder die Geschäftspraktiken von Amazon mit Millionenbeträgen legitimiert.' Er fordert, Finanzhilfen nicht nur an Arbeitsplätze, sondern auch an Tarif- und Sozialstandards zu koppeln.
Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.

Donnerstag, 21. März 2013

Nicht ganz ungeteilte Euphorie.



Man kann mir nicht vorwerfen dem neuen Stellvertreter Gottes keinen Respekt entgegen zu bringen.
 Letzten Montag habe ich mir eine neue Gouldamadine gekauft und sie Franziskus genannt.
Franziskus benimmt sich auch tatsächlich ganz päpstlich. 
Zielstrebig fliegt er stets auf den obersten Ast der Voliere und guckt souverän auf die anderen kleinen Vögel hinab.
Seine Untertanen können noch so hektisch hin und her fliegen; Franziskus thront in sich ruhend über ihnen. Ganz wie sein Namensvetter im Vatikan legt er keinen Wert auf seine Insignien als Gouldamadine, sondern trägt schlichtes graubraunes Gefieder. 
Freilich wird es nicht so bleiben; das schlichte Auftreten ist rein jugendbedingt. 
Zu welchen Farben er sich entwickelt, wird man abwarten müssen.
Ich bin sehr begeistert von Franziskus, weil er so ein unprätentiöses und doch würdevolles Auftreten hat. Es ist außerordentlich befriedigend vor der Voliere zu sitzen und sich der Kontemplation hinzugeben. 
 
Andreas Englisch, dem 1000%ig katholischen Papstbejubler von Springers Welt-Gruppe geht es mit Bergoglio ganz ähnlich.
 Auch er ist voller Glücksseligkeit, wenn er seinen Franziskus ansieht.
Im Gegensatz zu mir drückt er seine Begeisterung aber nicht still und meditativ aus, sondern schreit es so laut er kann hinaus.
Gestern saß Englisch in der ZDF-Talkrunde „Lanz“ und gab solche Bergoooooglio-Urschreie von sich, daß Lanz um Ohrstöpseln bitten mußte.

Diese 120-Dezibel-Euphorie ist mir suspekt.
Muß sich da nicht einer erst noch selbst überzeugen, wenn er es nötig hat so dermaßen die Werbetrommel zu rühren?
Englisch beläßt es auch nicht bei einer „Ich finde den Papst super!“-Botschaft, sondern überhöht Franzi noch zusätzlich, indem er die anderen Kardinäle massiv herabsetzt.
Andreas Englisch: „Bergoglio ist für die Kurie der totale Alptraum.“
Kardinäle wären nämlich selbstverliebte Prasser, die ein Luxusleben mit 600er Mercedes-Dienstwagen führten und sich rund um die Uhr von Nonnen bedienen ließen. 
Zu tun hätten sie praktisch gar nichts außer hin und wieder mal eine Messe vom Papier abzulesen.

Die massive Jubelstimmung in den Medien nimmt inzwischen durchaus neurotische Züge an. Bergoglio hat noch keine einzige bedeutende Entscheidung getroffen, keinen Hinweis darauf gegeben mit welchen Personen die Kurie zukünftig besetzt sein solle und dennoch überschlagen sich die Journalisten mit Lobhudeleien.
 Bis auf wenige Ausnahmen ist die Presse gleichgeschaltet.
Wer zufällig kein papaphiler Katholiban ist, muß mit arg strapazierten Nerven zurecht kommen.
Auch atheistische Gefühle können verletzt werden

Die Berichterstattung über den neuen Papst Franziskus I. übersieht, dass diskriminierende Positionen nicht für alle selbstverständlich sind

[…] Die ungefilterte mediale Begeisterung für den Papst und die Bagatellisierung seiner Positionen als "etwas konservativ" sind für viele MedienkonsumentInnen eine Zumutung. Obwohl die Zeiten von 90 Prozent KatholikInnen in Österreich mehrere Jahrzehnte zurückliegen und der neue Papst in Österreich lediglich der Glaubensgemeinschafts-Chef von 63,2 Prozent ist, werden alle MedienkonsumentInnen in einer unerträglichen Frequenz mit Franziskus I. beschallt.

Dabei mutet der Stil der Berichterstattung fast schon liebevoll an: Kardinäle, Priester oder gläubige KatholikInnen schwärmen vor den Kameras mit einem Lächeln auf den Lippen vom "Papst der Armen", der so bescheiden stets mit dem Bus gefahren ist und der "fast schüchtern" am Abend seiner Wahl seine Schäfchen mit "Buona sera!" begrüßt hat. […]

Mag sein, dass ein Verhütungsverbot, die Dämonisierung von gleichgeschlechtlicher Liebe oder die Kontrolle über den Körper von Frauen für Päpste, Kardinäle, Bischöfe und auch für viele gläubige KatholikInnen normal sind. Für sehr viele BürgerInnen ist es das aber nicht. Das Ereignis Papst-Wahl verleitete viele Medien dazu, zu vergessen, dass nicht nur religiöse Gefühle verletzt werden können, sondern auch atheistische.
Ein Guter ist das. Einer, der auch während der Gaukmania im Sommer 2012 gegen den Strom schwamm. Einer, der das Gehirn angeschaltet läßt, wenn sich alle dem Meinungsstrom hingeben.
 Treffend stellte er ob des fortgeschrittenen Alters und all seiner stockkonservativen Positionen fest, der neue Papst sein wie der einmal ein „alter Sack.“
Der neue alte Sack, der künftig unter dem Künstlernamen Franziskus auftreten wird, hat, so ist zu hören, als er noch Jorge Bergoglio hieß und Erzbischof von Buenos Aires war, gegen die Ehe von Lesben und Schwulen („Plan des Teufels“) und die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare („Kindesmissbrauch“) gekämpft. Noch früher soll er als Leiter der argentinischen Jesuiten ein enges Verhältnis zur Militärjunta (das waren jene Freaks, die auch die Falklands heimholten wollten) unterhalten haben.
Gut geschrieben.
Leider erschien dieser Artikel in der „taz“, also nur in homöopathischer Auflage, weil unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der Masse des Urnenpöbels.
Hier helfen allerdings die völlig lernunfähigen Katholiban weiter, die offenbar auch nach der blamablen Klage Ratzis gegen die Titanic kein bißchen dazugelernt haben.
Satt zu hoffen, daß die Papstkritik von möglichst wenigen Menschen gelesen wird, machen sie ein Affentheater und verhelfen dem Yücel-Artikel zu maximaler Aufmerksamkeit indem sie sich beleidigt aufführen und pressefreiheitswidrig mit dem Zensurfinger wedeln. Mit Schaum vorm Mund verbreiten sie den Link zur taz.
Doof, doofer, Christ.
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat gegen Schmähungen des Papstes in der Tageszeitung "taz" protestiert. Wie die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA berichtet, erklärte ZdK-Präsident Alois Glück am Montagabend in Bonn, gerade von einer Zeitung, die für sich in Anspruch nehme, für Offenheit und Respekt einzutreten, erwarte er einen anderen Stil. Respekt gegenüber den Religionsgemeinschaften und den Kirchen müsse man gerade auch in einer säkularen und offenen Gesellschaft pflegen, die vom gegenseitigen Respekt vor den Überzeugungen des jeweils anderen lebt, heißt es in einem Brief Glücks an die Chefredakteurin der taz, Ines Pohl.

[…]   Glück betonte, der Artikel verletze nicht nur die Würde der angesprochenen Personen, sondern auch die Gefühle und Wertvorstellungen vieler Menschen, die in der katholischen Kirche zu Hause seien und für die der Respekt vor dem Amt des Papstes und der Person des Amtsinhabers ein wichtiger Bestandteil ihres Glaubens sei. […] Der Artikel habe nach seiner Auffassung aber mit unabhängigem und kritischem Journalismus nichts gemein.
Getroffene Hunde bellen.
Ob es Glück wohl auch schon dämmert, daß wieder ein konservativer alter Sack Papst geworden ist?

Für Bergoglio selbst gelten die Regeln des Anstands, die das ZdK von der „taz“ fordert übrigens nicht. 
Franziskus hat bereits an seinem zweiten Amtstag die Majorität der Menschen bezichtigt den Teufel anzubeten.
Während kritische Katholiken wie Heiner Geißler oder Hans Küng noch vor Begeisterung über den Jesuiten Franziskus jubeln, nordet der uns schon mal ein und erklärt mir am zweiten Tag seines Pontifikats, daß ich den Teufel anbete. Der Unfehlbare bezichtigt mich des Satanismus.
"Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel"
[…] "Wenn der Mensch nicht geht, bleibt er stehen", predigte er. "Wenn man nicht auf die Felsen baut, was passiert dann? Das, was Kindern passiert, die am Strand spielen und Sandburgen bauen. Irgendwann fällt alles ein - ohne Festigkeit. Wenn sich der Mensch nicht zu Jesus Christus bekennt, geschieht, was wir bei Leon Bloy lesen: Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel. Wer sich nicht zu Christus bekennt, gibt die Welt der Weltlichkeit des Teufels anheim."
Wie nett. 
Da haben wir ihn wieder in Reinkultur, den stinkenden Kern jeder Religion:
 „Wir sind besser als Ihr. Ihr seid Dreck und deswegen dürfen wir mit Euch machen, was wir wollen!“
Ein extrem ungezogenes und meine Gefühle beleidigendes Flegel-Verhalten.

Ich verlange eine Entschuldigung vom Papst. 

Oder zumindest eine stellvertretende Entschuldigung von Alois Glück.

Mittwoch, 20. März 2013

Auf dem rechten Auge blöd - Teil III


Zum Glück, zum Glück, zum Glück sind die Rechten meistens blöd.
Logisch eigentlich, denn wer nicht blöd ist, wird auch nicht rechts.
Viele Wähler sind zwar auch blöd, aber wenn die zu Wählenden Parlaments-Halbhirne sich so offensichtlich als geistig retardiert erweisen, wie es DVU’ler, Repse und NPD’ler gemeinhin in Landesparlamenten tun, schreckt das irgendwann auch den umnachteten Urnenpöbel ab.

Die neue Hoffnung der Salonrechten, „Alternative für Deutschland“ tölpelt offenbar auch schon rum und muß sich von den ersten Nazis trennen, die sich eingeschlichen hatten.
Beim parteipolitischen Rechtsextremismus sehe ich gar nicht so braunschwarz. 
Eine neue Partei aus dem Boden zu stampfen ist so leicht nicht. 
Da braucht es professionelle Medienarbeit und eine belastbares Grundkonzept, wie es die Grünen mit der Ökologie und die Linken mit „sozialer Gerechtigkeit“ haben.
Gänzliche Konzeptionslosigkeit wie bei den Piraten, oder ein muffiges „Wir sind gegen alles“ wie bei den Rechten trägt auf Dauer nicht.

Leider ist der Schoß aus dem dieses Gedankengut kriecht, stets fruchtbar.
Wenn es zu rechter Gewalt kommt, schwingt doch immer wieder der Gedanke mit, die Opfer hätten irgendwie auch selbst Schuld.
Wird ein aus Israel stammender Junge in Laucha verprügelt, weil der Orts-Nazi Lutz Battke die Jugendlichen aufhetzt, fragt man mit leisem Vorwurf was denn ein Jude auch in Ostdeutschland zu suchen habe.
Werden immer wieder türkische Geschäftsleute erschossen, denkt man nicht an rechtsradikale Täter,  sondern schiebt erst mal den Opfern die Schuld in die Schuhe. 
Es sind ja immerhin Türken und ist das bei denen nicht ganz normal, daß die kriminell sind und sich gegenseitig erschießen?

Da gibt es eine Grundstimmung in Teilen des Volkes, die einfach hingenommen wird.
Die Bundesregierung fühlt sich nicht gefordert etwas dagegen zu unternehmen.
Rassismus im Fußball?
 Herrgott, dann sollen die Schwarzen doch nicht Fußball spielen.
Irgendwann hatte Ikenna Onukogu genug an diesem Tag Anfang März. Von den Pöbeleien, von den Schimpfworten "Neger", "Nigger", "Affe". Mindestens eine Halbzeit lang, so beschreiben es Augenzeugen, war der dunkelhäutige Torhüter des Bezirksligisten Hertha Hamborn im Spiel bei Dostlukspor Bottrop beleidigt worden. Dann reichte es ihm - und er warf eine Plastikflasche. Die Flasche, so erinnert sich der Keeper im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, sei ihm zuvor mit der Aufforderung entgegengeschleudert worden, er solle sie sich "in den Arsch schieben". […]

Seit Jahren macht der DFB Front gegen rassistische Pöbeleien. Und so sollte der Vorfall aus dem Bezirksligaspiel im Ruhrgebiet tatsächlich auch Konsequenzen haben. Doch es sind unerwartete Konsequenzen, die noch für viele Diskussionen sorgen dürften. Denn der Niederrheinische Fußballverband sperrt einstweilen: Ikenna Onukogu, das Opfer.

Hamborns Präsident Christian […] Birken ist fassungslos. "Ikenna hat die ganze zweite Halbzeit über versucht, den Schiedsrichter zum Eingreifen zu bewegen. Aber der hat sich wohl nicht getraut." Warum? Birken möchte mit seiner Antwort nicht zitiert werden.[…]

Hans-Günter Drießen, der Vorsitzende der für das Spiel zuständigen Bezirksspruchkammer drei, wollte den umstrittenen Vorfall auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren. Er werde "einen Teufel tun" und sich "zu einem laufenden Verfahren äußern".
Das ist Alltag in Deutschland.
 Man kann rassistisches uns revisionistisches Zeug grölen und niemand zieht daraus Konsequenzen.
 Das gilt für den Fußballplatz in der Regionalliga genauso wie für’s Halbdebilen-Unterhaltungsprogramm vom ZDF.
Talkshow Arnulf Baring verbreitet die wüst rechtskonservative Ansicht, die Juden seien auch Täter gewesen. Die "Celebrity-Society" kann dem nichts entgegensetzen. Nach 75 Minuten von der Talkshow "Markus Lanz" sitzt man ratlos da. Was ist erschreckender: Dass ein greiser Historiker, der in der SPD Mitglied war, in den Jahrzehnten immer konservativer wurde und nun "den Juden" auch als "Täter" verunglimpft oder, dass es einer Gesellschaft aus halbgebildeten Promis kaum mehr gelingt, dem skandalösen Auftritt von Arnulf Baring entgegenzutreten?

[…] Baring begann schon zu Anfang, von "Unsere Mütter, unsere Väter" zu schwärmen. Aus seiner Sicht sei dieser Film ein Beitrag, die Grenze von Täter- und Opfervolk endlich aufzuheben: "Ganz großartig an dem Film ist, dass man sieht, dass die ganze Teilung , von der wir seit Jahrzehnten reden, nämlich die von Opfern und Tätern, dass die nicht hinhaut. Die Opfer sind irgendwo Täter und die Täter sind irgendwo Opfer."

[…]  Er wiederholte seine These durch die Sendung mehrmals, bis hin zu diesem Satz: "Der Jude war auch Täter, um seine Haut zu retten."

Zusätzlich stellte er die biologistische These auf, die Massenvergewaltigungen an deutschen Frauen seien in die Gene der kommenden Generationen eingeflossen. […] Lamoryant und nebenbei negiert er die Hauptschuld des Deutschen Reichs für den 1. Weltkrieg  und niemand wagt es zu widersprechen.
Baring und der DFB bereiten hier den Boden für die NPD, die die so geschürten Stimmungen nur einsammeln muß.

Die braune, stinkende Ideologie wird außerdem unterstützt mit rund 20 Millionen Euro aus der Steuerzahlerkasse.
Die Regierung wird weiter hart attackiert, da sie keinen Antrag für ein NPD-Verbotsverfahren stellen will. Besonders aus den Ländern kommt Kritik: Man dürfte organisierten Rassismus nicht aus Steuermitteln finanzieren. Tatsächlich kassierte die NPD seit 2003 mehr als 20 Millionen Euro. Sie ist immer noch eine legale Partei. Unter anderem weil sich Angela Merkel wie so oft davor drückt etwas zu unternehmen. Die Bundesregierung trägt den Verbotsantrag jedenfalls nicht mit

NRW-Innenminister Ralf Jäger war einer, der in erster Reihe für einen Verbotsantrag der Bundesländer gekämpft hatte. Nun ist Jäger offenkundig sauer. Sauer auf die Bundesregierung, der er vorwirft, sie habe monatelang "laviert" und sei "herumgeeiert". Während die Länder eine "sorgfältig" zusammengestellte Materialsammlung vorgelegt hätten, habe die Regierung gezaudert und nun ein "verheerendes Signal" gegeben. Sie ducke sich weg, so Jäger.

"Als Demokraten haben wir die Pflicht, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um die höchsten Werte unserer Verfassung zu schützen", unterstrich der SPD-Politiker. "Die NPD bereitet den Boden für braune Gewalt und schürt Hass gegen Ausländer, ihre Ideologie ist menschenverachtend und antidemokratisch. Sie gefährdet das friedliche Zusammenleben der Menschen in unserem Land." Jäger betonte, er "finde es unerträglich, dass wir diesen organisierten Rassismus aus Steuermitteln unterstützen".

Ein Argument, dass beispielsweise auch vom Zentralrat der Juden oder der Türkischen Gemeinde angeführt wird. Und tatsächlich finanziert sich die NPD seit Jahren zu einem guten Teil aus Steuergeldern.
Es ist insbesondere die FDP, die schonend-indolent mit den Braunen umgeht.
Es ist einfach nur blamabel, was sich die Bundesregierung da leistet.
Der Postillion orakelt, die FDP stoppe nur deshalb den NPD-Verbotsantrag um wenigstens eine NOCH unbeliebtere Partei als sie selbst im legalen Spektrum zu behalten.
"Rösler verharmlost die Neonazis auf unerträgliche Weise. Denn Faschismus ist keine Dummheit, sondern ein Verbrechen", kommentiert die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke, die Aussage von FDP-Chef Philipp Rösler, seine Partei werde einem Verbotsantrag der Bundesregierung gegen die NPD nicht zustimmen, da sich 'Dummheit nicht verbieten' lasse. Jelpke weiter:

"Entscheidend für die Zustimmung zu einem NPD-Verbotsverfahren sollte sein, ob ausreichendes Beweismaterial für die verfassungswidrige Einstellung der Partei vorliegt. Natürlich würde durch ein NPD-Verbot rechtsextremes und fremdenfeindliches Gedankengut, das bis weit in die Mitte der Gesellschaft reicht, nicht automatisch verschwinden. Aber die rechte Hetze würde zumindest nicht durch Millionen Steuergelder in Form der staatlichen Parteienunterstützung subventioniert. Die Nazis könnten ihre hassgeladenen Aufmärsche nicht mehr unter dem Schutz des Parteienprivilegs durchführen. Und gegenüber der Bevölkerung würde ein klares Signal gesetzt, dass Faschismus eben keine normale Meinung unter anderen ist."
So tickt eben die schwarzgelbe Bundesregierung. Großzügig gegenüber den Rechtsradikalen und knallhart gegen die Opfer des rechten Terrors.
"Die Blockade bei den Ghettorenten ist ein Affront gegen die Überlebenden des NS-Terrors", wirft die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke, der Bundesregierung und den Koalitionsfraktionen vor, nachdem die Koalition heute im Ausschuss für Arbeit und Soziales die Anträge der Oppositionsfraktionen zu den sogenannten Ghettorenten abgelehnt hat. Die Koalition will auch keine eigenen Initiativen entfalten. "Das Verhalten der Koalitionsparteien zeugt von unglaublicher Dreistigkeit. Sie wollen das Problem aussitzen und warten kaltschnäuzig eine biologische Lösung ab", sagt Matthias W. Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Fraktion.

Jelpke: "Der Bundestag hatte im Jahr 2002 einmütig beschlossen, die Ghettorenten rückwirkend ab 1997 auszuzahlen. Wegen fehlerhafter Rechtsauslegung begannen die Zahlungen aber in den allermeisten Fällen erst 2005. Wenn sich die Koalition nun der Korrektur dieses Fehlers verweigert, kündigt sie den bisherigen Konsens auf. Für viele der rund 20.000 Überlebenden bedeutet dies, dass ihnen mehrere Tausend Euro vorenthalten werden. Die Koalition begeht damit einen Diebstahl an den Überlebenden des Holocaust."

"Wir erwarten von den Abgeordneten der Regierungsfraktionen, dass sie sich morgen bei der Abstimmung im Bundestag von dieser skandalösen Verweigerungshaltung lösen und sich von ihrem Gewissen leiten lassen", so Birkwald abschließend. "Es darf nicht sein, dass der Deutsche Bundestag den letzten Überlebenden des NS-Terrors ihre Rechte verweigert."


Die Union hat heute im Ausschuss für Soziales erklärt, dass Sie bei den Ghetto-Renten nichts mehr unternehmen wird. Dazu erklären Volker Beck, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer, und Wolfgang Strengmann-Kuhn, Sprecher für Rentenpolitik:

Es ist traurig und beschämend! Es leben heute noch knapp 20.000 Juden, deren Anträge auf eine so genannte "Ghetto-Rente" zunächst rechtswidrig abgelehnt wurden. Dieser Fehler wurde zwar korrigiert, die rückwirkende Auszahlung aber nur bis 2005 gewährt. Es war der politische Wille des Gesetzgebers, diese Renten rückwirkend bis 1997 auszuzahlen. Die Menschen werden nun um ihre rückwirkende Rente bis 1997 gebracht, weil es die Merkel-Mehrheit verhindert. Das ist skandalös und unverantwortlich vor dem Hintergrund der deutschen Vergangenheit. Der täglich kleiner werdende Empfängerkreis ist heute in hohem Alter und meist auf Pflege und Medikamente angewiesen, weshalb die rückwirkende Auszahlung der ihnen zustehenden Renten einen nicht unerheblichen Teil zur Verbesserung ihrer Lebensumstände beigetragen hätte. Wir werden deshalb morgen im Bundestag diese Debatte öffentlich führen und darüber abstimmen.