Freitag, 15. März 2013

Das C im Namen.


Ist das nicht schön? 
Während kritische Katholiken wie Heiner Geißler oder Hans Küng noch vor Begeisterung über den Jesuiten Franziskus jubeln, nordet der uns schon mal ein und erklärt mir am zweiten Tag seines Pontifikats, daß ich den Teufel anbete.
Der Unfehlbare bezichtigt mich des Satanismus.
"Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel"

[…] "Wenn der Mensch nicht geht, bleibt er stehen", predigte er. "Wenn man nicht auf die Felsen baut, was passiert dann? Das, was Kindern passiert, die am Strand spielen und Sandburgen bauen. Irgendwann fällt alles ein - ohne Festigkeit. Wenn sich der Mensch nicht zu Jesus Christus bekennt, geschieht, was wir bei Leon Bloy lesen: Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel. Wer sich nicht zu Christus bekennt, gibt die Welt der Weltlichkeit des Teufels anheim."
Wie nett. 
Da haben wir ihn wieder in Reinkultur, den stinkenden Kern jeder Religion:
 „Wir sind besser als Ihr. Ihr seid Dreck und deswegen dürfen wir mit Euch machen, was wir wollen!“
Und bei dem Mann gerät die ganze Katholische Welt in Entzückung und erwartet einen liberalen Umschwung?
Ungefähr das haben tatsächlich viele erwartet oder sich zumindest gewünscht, insbesondere sich irgendwie links wähnende Leute, denen die katholische Kirche eigentlich herzlich egal oder reichlich suspekt ist. Die Vorstellung aber, irgendein Hungerleider aus der Dritten Welt könnte Papst werden, fand man in diesen Kreisen total süß („nicht eurozentristisch“).

Und zugleich hegte man, es stand an dieser Stelle schon mal, die Hoffnung, der neue Papst würde den Zölibat abschaffen, gleichgeschlechtliche Ehen gestatten, Frauen zum Priesteramt erlauben, die Sache mit der Jungfrauengeburt einer naturwissenschaftlichen Prüfung unterziehen, das gemeinsame Abendmahl mit Hinz und Kunz zulassen, Abtreibung in Maßen billigen und überhaupt unter den Soutanen den Muff von 2000 Jahren lüften.

Das ist die katholische Kirche, Himmelherrgott!

Doch selbstverständlich wird der neue alte Sack nichts von alledem tun.
Das „Wir-sind-etwas-besseres-als-ihr“-Christentum praktiziert auch die CSU, die gerade jetzt im Kampf gegen die Menschenrechte das „C im Namen“ als Argument wiederentdeckt.
Die Toleranz-Skala der CSU beginnt bei Null, das ist dann der sogenannte Dobrindt-Punkt. Im Streit um die rechtliche Gleichstellung von Homo-Ehen hat der Generalsekretär am Wochenende im Interview mit der Welt anschaulich erklärt, wie die Union aus seiner Sicht funktioniert. 'Die Union als Volkspartei hat die Aufgabe, der stillen Mehrheit eine Stimme zu geben gegen eine schrille Minderheit.' Schrille Minderheit - das sind in diesem aktuellen Fall die Schwulen und Lesben. Ganz allgemein steht die Minderheit in Dobrindts Koordinatensystem als Platzhalter für jene, auf deren Kosten die CSU meint, ein paar Prozente bei den Wahlen gewinnen zu können. Bei der schweigenden Mehrheit war die Partei in jedem Fall nie besonders wählerisch, solange sie bei der CSU ihr Kreuzchen macht, weshalb erfahrungsgemäß in Wahljahren früher oder später mit scharf an Ausländerfeindlichkeit grenzenden Parolen Stimmenfang betrieben wird. […]

In Sachen Weltoffenheit schließt die CSU gerade die Pforten, Eintritt hat im Wahljahr offenbar nur noch, wer weiß-blaue Unterwäsche trägt und schwört, alles zu tun, was der CSU jetzt und für immer guttut. Aus einer Abstimmung über die Klage gegen den Länderfinanzausgleich, mit der CSU und FDP erreichen wollen, dass der Freistaat in Zukunft weniger Geld an bettelarme Bundesländer überweisen muss, machte die CSU im Februar sogleich einen Patriotentest im bayerischen Landtag. Wer gegen die Klage ist, muss gegen Bayern sein. Prompt fanden sich auf Facebook all jene Abgeordnete der Opposition namentlich wieder, die sowohl etwas gegen die Klage wie auch gegen das übertriebene Bayerngehabe haben.
(Frank Müller und Mike Szymanski, SZ, 12.03.2013)
Ausländer, Tunten, Linke – all das sind Menschen, bzw eher Subhumane, die nicht der CSU-Religion angehören und als Ungläubige keine Rechte besitzen sollten.
Der CSU-Bundesinnenminister ist ganz eifrig dabei das Ausländerpack abzuwehren.
Friedrich muss populistische Eskapaden gegenüber Bulgarien und Rumänien beenden.

Innenminister Friedrich läuft sich mit markigen Sprüchen gegen Rumänien und Bulgarien für den Wahlkampf warm. Seine Verknüpfung der Schengen-Beitrittsfrage mit der Unterstellung von Sozialmissbrauch durch Zuwanderer aus diesen Ländern ist zudem schlicht unverantwortlich. Das eigentliche Problem ist die Korruption. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat Recht, wenn er sich in einem Brief an Bundespräsident Gauck beschwert, dass solche pauschale Aussagen aggressiv auf Roma gemünzt seien.
(PM Nr. 0198/13, Bündnis90/Die Grünen, 07.03.2013)
Schlimmer als Ausländer im Ausland, die aber womöglich hierher kommen könnten, sind für CSU-Politiker nur Ausländer in Deutschland.
Das bewies CSU-Sozialministerin Christine Haderthauer, die gestern bei einem Würzburg-Besuch mit Bischof Friedhelm Hofmann und Mitgliedern der lokalen Asyl-Arbeitskreise sprach. 
Großzügig wollte sie sich zeigen und den Asylanten nun doch mal Deutschkurse anbieten. 
OK; im Jahr 2013 ist es noch reichlich früh für eine solch progressive Tat. Wozu müssen Undeutsche denn Deutsch können?
Haderthauer wollte als Wohltäterin punkten, rechnete allerdings nicht damit, daß diese Nicht-Bayern auch mit ihr reden wollten.
Eine CSU-Ministerin, die mit Ausländern redet? 
Das ging ihr dann zu weit.
 Sie lehnte ab und flüchtete in ihren gepanzerten Dienstwagen. Einige dieser Ausländer wagten es aber frecherweise auf ein Gespräch zu bestehen und stellten sich einfach vor den Dienstwagen. 
Sauerei!
Für die Pressefotografen war das natürlich ein spektakuläres Motiv: Ein Asylbewerber auf Krücken etwa, der sich vor der stattlichen Limousine aufbaute und dort gut zehn Minuten lang mit anderen, die sich dazugesellten, stehen blieb.

Für die Opposition ist Haderthauer aber nicht das Opfer, sondern die Schuldige: "Eine Visite der eiskalten Schneekönigin", erklärte die unterfränkische Grünen-Abgeordnete Simone Tolle am Freitag. Kälter könne man Menschen, die Schutz suchen, nicht behandeln, sagte Tolle in Reaktion auf Haderthauers Definition des Begriffs "Flüchtling", mit welcher sie auch in Würzburg nicht hinter dem Berg gehalten hatte. Flüchtlinge, so betont die Ministerin stets, seien nur jene, die offiziell als solche anerkannt sind. Haderthauer weicht zudem keinen Millimeter davon ab, dass Asylbewerber auch weiterhin kein Geld erhalten sollen, um sich das Essen selbst kaufen zu können. Hier wolle sie erst einen Pilotversuch abwarten.

[…] Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) [sprang] in die Bresche.

Sie war beim Gespräch dabei gewesen. Während Haderthauer im Wagen saß, redete Stamm mit den Aufgebrachten und versprach, sich zu kümmern. Kopfschütteln herrscht am Tag danach beim Flüchtlingsrat: "Sie hätte einfach mal aus ihrem Auto aussteigen und mit den Asylbewerbern reden können", sagte ein Sprecher - seit Monaten hätten die Flüchtlinge um ein Gespräch gebeten.

Donnerstag, 14. März 2013

Ansehensverlustimmunität



Heute ist auch in der atheistischen Szene noch alles vom Kampf um die Deutungshoheit der Personalie Bergoglio geprägt.
Während sich alle deutschen Politiker von ganz links bis ganz rechts freudig und erwartungsvoll zeigen, stöbern die wenigen kirchenfernen Schreiberlinge in Franzis homophober und Junta-philer Vergangenheit umher.
Ob der neue Papst nur ein normaler Schwulenhasser ist, wie es konservative Kleriker nun einmal immer sind, oder ob er das Homobashing mit einer manisch-neurotischen Verve wie Ratzi vertritt, muß man noch abwarten.

Katholiken sind offenbar immer sehr naiv. 
Als man 2005 in Deutschland „Wir sind Papst!“ jubelte, wurde die Wahl des erzkonservativen Panzerkardinals auch als Zeichen des Aufbruchs bewertet und eine Öffnung hin zur liberalen Weltanschauung erwartet.
Das ist ähnlich wahrscheinlich wie ein Eintreten Brüderles für einen Spitzensteuersatz von 100%.
Den besten Text zur Wahl Bergoglios fand ich beim Postillon und der besteht aus insgesamt drei Sätzen:
Überraschung! Katholische Kirche wählt alten, konservativen weißen Mann zum Papst!

Wer hätte das gedacht? Obwohl Franziskus (76) alt, weiß und erzkonservativ ist, wurde er Papst.
Oder etwas ausführlicher formuliert von Deniz Yücel:
Was hat man denn erwartet?

Alter Sack der Xte

Der neue Papst ist, den bislang vorliegenden Informationen nach zu urteilen, ein reaktionärer alter Sack wie sein Vorgänger, der seinerseits einem reaktionären alten Sack gefolgt war, der wiederum einen reaktionären alten Sack beerbt hatte. Alter Sack I. folgte Alter Sack II., Alter Sack II. aber folgte Alter Sack III., in einem fort, jahrein, jahraus.  Ob dieser oder jene alte Sack nun eine Schwäche für die Schwachen („katholische Soziallehre“) hatte oder sich lieber mit esoterischem Klimbim („katholische Dogmatik“) beschäftigte, ist in etwa so relevant wie die Frage, ob er nebenher Briefmarken sammelte oder lieber doch Schmetterlinge.

Der neue alte Sack, der künftig unter dem Künstlernamen Franziskus auftreten wird, hat, so ist zu hören, als er noch Jorge Bergoglio hieß und Erzbischof von Buenos Aires war, gegen die Ehe von Lesben und Schwulen („Plan des Teufels“) und die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare („Kindesmissbrauch“) gekämpft. Noch früher soll er als Leiter der argentinischen Jesuiten ein enges Verhältnis zur Militärjunta (das waren jene Freaks, die auch die Falklands heimholten wollten) unterhalten haben.
Aber ist das so verwunderlich? Und was hat man denn erwartet? Einen gutaussehenden schwulen Afrikaner, der George Bataille, Simone de Beauvoir und die Situationisten verehrt, der den Islam, das Judentum oder die Lehren irgendwelcher Bettelmönche aus dem Anhaltischen für ebenbürtige Wege zu Gott hält, der den päpstlichen Anspruch auf Führung („Petrus-Primat“) und Unfehlbarkeit („Ich hab recht, du nicht“) sausen lässt und der nach der Sonntagsmesse mit einem Joint beim Formel-1-Rennen Entspannung sucht?
Renate Künast (deren Friseur offenbar farbenblind geworden ist und ihr ein ganz grauenhaftes Orange auf die Birne geklatscht hat) entgegnete auf die Frage Gerd-Joachim von Fallois nach den schwulenfeindlichen Sprüchen des Papstes nur ganz entspannt, nun ja, sie erwarte ja auch nicht von der katholischen Kirche die Vorkämpferin für die Homoehe zu sein.

So einfach ist das also. 
Eine Organisation, die mit vielen Milliarden Euro Steuermitteln versorgt wird und allgemein als Vermittlerin der „WERTE“ bejubelt wird, kann ruhig auch extrem antihumanistische Hasspropaganda verbreiten. 
Macht ja nichts.

Es ist und bleibt ein Faszinosum für mich, daß eine Religion, die sich so nachhaltig als sadistisch disqualifiziert hat weiterhin als Autorität für Menschenrechte und moralische Werte angesehen wird.
Es ist schließlich kein Geheimwissen mehr über die hunderttausendfache Kindermisshandlung durch Kirchenmitglieder Bescheid zu wissen.
800.000 Kinder wurden allein in Deutschland von ca. 1950 – 1980 in protestantischen und katholisch geführten Gulags gequält, missbraucht, geschlagen, ausgenutzt, versklavt und unter Drogen gesetzt.
Und Deutschland ist keineswegs ein Einzelfall. In Holland, Belgien, Österreich, Irland oder der Schweiz verfuhren die Kirchen-Perversen genauso mit Menschen unter 21 Jahren.
Es gab durchaus Todesfälle, in Holland haben Bischöfe die Kastration von Jungen durchführen lassen, wenn sie diese für potentiell homosexuell hielten.
Millionen Menschen haben die christlichen Kirchen in den letzten Dekaden systematisch zu seelischen Wracks gemacht. Zu psychisch Gestörten, die bis heute unter schweren Angststörungen und Depressionen leiden und nie im Leben glücklich werden konnten.
Das ist das Werk der Kirchen.
Man weiß das alles. Letzte Woche gab es zu dem Thema mal wieder zur Primetime einen Film und eine Dokumentation im ZDF.
Über 800.000 Mädchen und Jungen waren zwischen Kriegsende und 1975 in westdeutschen Heimen untergebracht. In den sechziger Jahren gab es etwa 3000 solcher Einrichtungen, zwei Drittel davon standen unter kirchlicher Leitung, ein Viertel war staatlich, der Rest privat organisiert. Etwa die Hälfte der Insassen konnte das Heim nach zwei bis vier Jahren wieder verlassen, der Rest blieb bis zur Volljährigkeit, bis zum 21. Lebensjahr - die gesamte Kindheit und Jugend lang.

Wie es hinter den Mauern dieser Einrichtungen zuging, hat der SPIEGEL-Journalist Peter Wensierski aufgeschrieben. Sein Buch "Schläge im Namen des Herrn", erschienen 2006, beschreibt aus der Perspektive der Opfer, wie es war, pädagogisch schlecht oder gar nicht ausgebildeten Erziehern und Aufsehern ausgeliefert zu sein, verprügelt zu werden für Ungehorsam oder schlicht aus Willkür, keine schulische Ausbildung zu bekommen, dafür Zwangsarbeit verrichten zu müssen, eingesperrt zu werden in "Besinnungsstübchen" genannte Kerkerzellen.

"Schläge im Namen des Herrn" brachte eine Tatsache ans Licht, die lange verdrängt worden war: Auch in der Bundesrepublik gab es staatlich sanktionierte Menschenrechtsverletzungen.
Jede andere Organisation, die auch nur ein Promille dieser Schuld auf sich geladen hätte, wäre längst verboten, ihr Besitz wäre konfisziert worden.

Die Kirchen jedoch hält man hartnäckig für „werteorientiert“ und für besonders gut geeignet Kinderbetreuung zu übernehmen.
Dabei ist auch bekannt, daß katholische Geistliche mit ihrer bizarr unterdrückten Sexualität immer wieder kleine Jungs vergewaltigen und daß diese Fälle dann von den Vorgesetzten bis hoch zum Papst vertuscht werden.
Noch gestern fand man so einen Kinderfickerschützer so würdig den neuen Papst wählen zu lassen – würdiger als jede Frau dieses Universums!
Kardinal Roger Mahony, der bis 2011 über ein Vierteljahrhundert lang die Geschicke des Erzbistums von Los Angeles geleitet hatte, saß in der Sixtinischen Kapelle zur Wahl eines Papstes, als ihn die alten Geschichten aus der Heimat einholten: Seine Diözese verpflichtete sich zur Zahlung von 9,9 Millionen Dollar Entschädigung an vier Männer, die von einem pädophilen Priester über Jahre hinweg missbraucht worden waren.

Mahony hatte den Gemeindepfarrer zwar schon 1986 wegen sexueller Übergriffe verwarnt und in Behandlung geschickt, dann aber andernorts wieder als Pfarrer eingesetzt. Der Täter wurde rückfällig und im Jahr 2000 entlassen, ein Strafgericht verurteilte ihn später zu zehn Jahren Gefängnis, von denen er fünf absaß. Angeblich belästigte und misshandelte der Priester über drei Jahrzehnte 23 Jungen.

[…] Erst im Januar hatte die Kirchenbehörde 12000 Dokumente freigeben müssen, die nachzeichneten, wie lax der Kardinal Fällen sexuellen Missbrauchs durch Priester intern nachgegangen war. Ein Opferanwalt erklärte, die Papiere hätten eine außergerichtliche Einigung mit seinen Mandaten enorm beschleunigt: 'Kardinal Mahonys Fingerabdrücke waren überall auszumachen.'  
Macht ja nichts.
 Mit solchen Stimmen wurde Franzi gewählt.
Die schwulenhassende, kinderseelenvernichtende und sexuell übergriffige RKK ist keineswegs geläutert. 
 Auch im Jahr 2013 ist sie intensiv damit beschäftigt sich gegen die Aufklärung zu wehren und diejenigen zu diffamieren, die Licht ins Dunkel bringen wollen. 
Anfang der Woche wurde die katholische Kirche durch einen gerichtlichen Vergleich dazu gezwungen die Vorwürfe gegen Prof. Pfeiffer zurück zu nehmen. Wieder einmal hatten die Bischöfe gelogen.
Anfang des Jahres kündigte die Kirche das groß angelegte Projekt, seither schieben sich beide Seiten die Schuld zu. Konkret geht es im Vergleich darum, wie die Vertragsverhandlungen zwischen Kirche und Pfeiffers Kriminologischem Forschungsinstitut Niedersachsen (KfN) abliefen, die schließlich in die Zerrüttung führten. Die Bischofskonferenz darf auf ihrer Seite dbk.de nun nicht mehr behaupten, sie habe mit Pfeiffer schon im Juni 2012 eine Einigung erzielt, welche die 'Wissenschafts- und Publikationsfreiheit zweifelsfrei garantierten'. […]

Pfeiffer sprach am Dienstag von einer neuen Niederlage der Kirche vor Gericht. Sein Institut habe sich durchgesetzt. Die 'krasse Unwahrheit', man habe sich im Juni auf Publikationsfreiheit geeinigt, sei damit korrigiert. Schon im Januar waren die Kirchenanwälte mit einem Antrag gescheitert, dass Pfeiffer ihnen nicht mehr öffentlich 'Zensurwünsche' vorwerfen darf. Anders als mit einer bloßen Unterlassung sei die Kirche nun durch den Vergleich dazu verpflichtet, die Geschehnisse mit bestimmten Formulierungen darzustellen.
(SZ vom 13.03.2013)
Ja, Bergoglio mag im persönlichen Auftreten deutlich sympathischer als Ratzinger sein – aber das ist irrelevant das Kind RKK ist seit Dekaden im Brunnen.

Die Organisation gehört einfach abgeschafft.

Mittwoch, 13. März 2013

Franzi also.



Ein interessanter Aspekt der heute erfolgten Papstwahl ist die Entlarvung der Journalistischen Prognosen als völlige Makulatur.
Alle Namen, die die Großsprecher als Papabili ausposaunten kann man jetzt wieder vergessen. Paul Badde, Andreas Englisch, Jüsten, Dobrinski – sie alle hatten eben auch keine Ahnung was in den Köpfen der Purpurträger vorgeht.
Die Konklave-Berichterstattung ist überwiegend lächerliches Zeug. Kein Wunder: Fast alle Journalisten halten das Thema Kirche an sich für mittelalterlichen Schwachsinn.   Die derzeit in allen Details verhandelte Frage nach den Favoriten bei der morgen beginnenden Papstwahl ist ein Klassiker des fernfuchtelnden Hausfrauenjournalismus. Keiner hat eine Ahnung, aber alle haben etwas zu sagen. […] Also interviewen Journalisten, die ihre Basisinformationen von aus dritter Hand informierten Journalisten haben, Journalisten, die immerhin aus zweiter Hand informiert sind und zudem über den unschätzbaren Vorzug verfügen, dass sie die Tanten von Journalisten kennen, die einmal bei einer Zeitung gearbeitet haben, bei der es einen gibt, der sich „Vatikanist“ nennt.

Die Option, die Wahrheit zu sagen und zu schreiben, existiert offensichtlich nicht. Die Wahrheit ist: Wir haben keine Ahnung, weder von den Mechanismen in den Führungsetagen der römisch-katholischen Kirche, noch von den Mustern und Inhalten der Interaktion unter den Wahlberechtigten, eigentlich nicht einmal in Grundzügen von der Organisation, um die es geht. Ist aber so: Es gibt in Redaktionen kaum noch Menschen, die die katholische Kirche nicht für eine skurrile Ansammlung von wirklichkeitsfremden Idioten mit kinderschänderischen Neigungen halten, deren Noch-Existenz sie für ein im Grunde unverzeihliches Versäumnis der Evolution halten.
Erstaunlich an dieser kollektiven journalistischen Schmach ist die Tatsache, daß der Neue, Franzi, (nicht der Erste! Beim Ersten sagt man das noch nicht!) bis vor kurzem noch Jorge Mario Kardinal Bergoglio SJ (* 17. Dezember 1936 in Buenos Aires, Argentinien), enorm gut in das Anforderungsprofil der RKK passt.

Bergoglio ist schon deswegen nicht sehr überraschend, weil er auch schon im Konklave 2005 ein heißer Kandidat war und an die 40 Stimmen zusammenbrachte, bevor er zu Gunsten Ratzis zurückzog. (Im ersten Wahlgang 10, im zweiten Wahlgang 35 und im dritten Wahlgang soll er 40 Stimmen erhalten haben.)

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er eben nicht zur Kurie gehört.
 Offensichtlich hat man allgemein übersehen wie extrem unbeliebt die Vatikanischen Kardinäle geworden sind. Zu offensichtlich war das totale Regierungs- und Verwaltungsversagen während der Herrschaft Woytilas und Ratzinger.
Vatileaks, Bischof Williamson, Moto Proprio, Personalentscheidungen, Vatikanbank IOR. Selbst Kurienbischöfe mußten mindestens acht Monate auf einen Termin beim Papst warten. Es gab noch nicht einmal Kabinettssitzungen, weil die einzelnen Vatikanischen Ministerien (Präfekturen/Diskasterien) eifersüchtig auf ihre Einflussgebiete achteten und stets gegeneinander arbeiten.
So konnte es nicht weitergehen. Das sprach klar gegen einen Kurienkardinal und gegen einen Italienischen Kandidaten.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er Südamerikaner ist.
 Südamerika ist nun einmal der katholischste Kontinent des Planeten. Dort leben fast 50% der Katholiken. Im globalen Süden wächst die RKK, in Europa schrumpft sie. 
Die enorme personelle Dominanz der Europäer im Kardinalskollegium ist ein abzuschaffendes Relikt.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er als persönlich bescheiden gilt.
Die Prunksucht Benedikts ging schließlich mehr und mehr Menschen auf die Nerven. 
Was war das heute für ein Unterschied zu Ratzingers Auftritt im April 2005 nach seiner Wahl – er trat im maximalen Protz mit allen päpstlichen Insignien vor die Gläubigen, reckte beide Arme im Politikergestus über sich.
Franziskus hingegen kam in der ganz schlichten weißen Soutane, jubelte nicht und zeigte sich demütig.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er als Jesuit a priori als Asket gilt.
Der Name Franziskus ist natürlich Programm. Der heilige Franz von Assisi, 1181-1226, Gründer der Franziskaner propagierte absoluten Verzicht auf jede Form von materiellem und geistigem Besitz.
Welch kluger PR-Schachzug des Konklave so einen Mann der steinreichen Kirche mit ihren Luxus-verliebten Kardinälen vorzusetzen.
In der Kurie pflegte man bisher einen ganz anderen Stil.
Geistliche teilen sich Palazzo mit Schwulensauna

[…] 19 Geistliche, unter ihnen ein Kardinal, wohnen in einem Palazzo Tür an Tür mit Europas größter Schwulensauna. So viel Nähe zur Homosexualität pflegt die katholische Kirche in der Öffentlichkeit sonst eher selten.

[…]  In der Ewigen Stadt wohnt der 76-jährige Inder [Kardinal Ivan Dias] laut der britischen Zeitung Independent in einem schicken Zwölf-Zimmer-Luxusappartement - nur einen Stock über Europas größter Schwulensauna, dem "Europa Multiclub".  […] Laut Independent und BBC hat sich der Vatikan 2008 für rund 23 Millionen Euro in den Gebäudekomplex eingekauft. Den Saunaklub beherbergt der riesige Palazzo seit 2004.

Ein beworbenes "Special" der Schwulensauna ist die "Bären-Nacht". In einem Video tritt ein rundlicher Mann auf, der strippt. Bevor er sich auszieht, verwandelt er sich in einen Priester im Gewand.
Solche Pressemeldungen möchte man doch zukünftig bitte vermeiden.
Dennoch gehen die Kurialen mit Bergoglio nicht das Risiko ein die Kirche völlig umzukrempeln. Der Mann ist immerhin 76 und gilt als gesundheitlich angeschlagen.
Da wird er schon nicht allzu forsch die Diskasterien ausmisten, mag mancher Präfekt insgeheim denken.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er trotz seiner Parteinahme für die Armen und seines persönlichen Desinteresses an Statussymbolen, moraltheologisch als stramm konservativ gilt. Als unter der Präsidentin Cristina Kirchner in Argentinien als erstes amerikanisches Land die volle rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Ehen eingeführt wurde, hielt der Erzbischof von Buenos Aires stramm dagegen. Schwule, Verhütung, Kondome, Frauenpriestertum – all das wird es mit Franziskus nicht geben.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er unter den stramm konservativen Kardinälen als angenehm rechts gilt. Mit menschenrechtsfeindlichen Faschisten arrangierte er sich offenbar gern.
Bergoglio wurde verschiedentlich eine zu große Nähe zur Militärdiktatur 1976–1983 vorgeworfen, die ca. 30.000 als „subversiv“ eingestufte Personen entführen und ermorden ließ. Der Menschenrechtsanwalt Marcelo Perrilli warf dem in Argentinien als „Kardinal der Armen“ verehrten Bergoglio 2005 vor, in das Verschwindenlassen der Jesuiten Franz Jalics und Orlando Yorio im Jahr 1976 verwickelt gewesen zu sein. Perrilli erstattete deshalb Anzeige gegen Bergoglio bei einem Gericht in Buenos Aires. Ein Sprecher des Kardinals bezeichnete die Anzeige als Verleumdung. Nachdem sie wieder freigekommen waren, sagten Jalics und Yorio gegenüber dem Ordensgeneral Pedro Arrupe in Rom aus, sie seien von Bergoglio denunziert worden. Noch während die beiden Priester verschwunden waren, hatte Bergoglio Arrupe brieflich mitgeteilt, Jalics und Yorio seien aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen worden.

Während der Militärdiktatur kam es zu weiteren Entführungen und Misshandlungen von Seminaristen, Mitarbeitern des Colegio Máximo San José und politischen Aktivisten in San Miguel, einige davon unter Beteiligung des Jesuitenpaters Martín González. Betroffene und Zeitzeugen sind der Ansicht, dies hätte nicht ohne das Wissen Bergoglios geschehen können, der während seiner Amtszeit als Ordensprovinzial seinen Sitz im Colegio Máximo hatte.
(Wikipedia)
Man wird Franzi erst genauer beurteilen können, wenn er Personalentscheidungen getroffen hat.

Als Atheist bin ich natürlich enttäuscht, da er wesentlich sympathischer als sein Vorgänger wirkt und daher nicht unbedingt die Kirchenaustritte so effektiv wie Benedikt XVI. fördern wird.

Aber ich bin zuversichtlich; auch er wird schnell demonstrieren, daß man aus seinem Verein austreten muß.