Montag, 15. Oktober 2012

Pay Politik - Teil IV




 Die Lage spitzt sich zu. 
Es geht an die nächsten Wahlen. Zwar hatte die schwarzgelbe Regierung die Regierungstätigkeit schon lange eingestellt, aber inzwischen sind wir schon wieder im Wahlkampfmodus, rätseln mit welchen K.O.alitionspartner David McAllister am 20.01.2013 eigentlich Ministerpräsident bleiben will und wann genau Fipsi Rösler die Hühner satteln muß.
Mit der Auflösung des großen SPD-Kandidatenrätsels wird es außerdem zunehmend ungemütlich für die Kanzlerin.
 Statt des silberschöpfigen Stones kommt nun immer mehr der Stone ans Rednerpult, dessen Worte man nicht sofort wieder vergisst.

Und nun noch die Krise um die fromme Annette, die zwar schon seit Jahren nicht mehr als Ministerin arbeitet, aber im CDU-Präsidium als Angies Beichtmutter fungiert.


Merkel und Schavan sind mindestens seit 1998 ein vertrautes Duo. Merkel wurde damals Generalsekretärin, Schavan Partei-Vize. Abgesehen von Wolfgang Schäuble ist niemand länger in der CDU-Spitze als die beiden. In all den Jahren hat Schavan Merkel bei deren Aufstieg zur unangefochtenen Parteichefin geholfen.
Dabei war Schavan in vielerlei Hinsicht wichtig. Zum einen deckte sie für Merkel die katholische Flanke der CDU ab. Schavan sitzt im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, bis zu ihrer Wahl in den Bundestag war sie dessen Vizepräsidentin. Merkel und ihr Generalsekretär Hermann Gröhe sind Protestanten. Außerdem hatte Schavan viele Jahre lang im Landesverband Baden-Württemberg etwas zu sagen. Zusammen mit Nordrhein-Westfalen stellt der Südwesten die Hälfte aller Parteitagsdelegierten. Merkel braucht deren Unterstützung. […] [Schavan] hat Merkel in all den Jahren die im deutschen Föderalismus fallstrickhafte Bildungspolitik vom Leib gehalten. Sollte Schavan zurücktreten, würde ein gewaltiges Defizit der CDU offenbar: Außer Schavan gibt es in der Partei keinen profilierten Bildungspolitiker mehr. Als Merkel 2005 Kanzlerin wurde, stellte die CDU noch acht Landesbildungsminister, heute sind es nur noch zwei. Brunhilde Kurth aus Sachsen ist dabei noch nicht einmal CDU-Mitglied. Und der Niedersachse Bernd Althusmann ist bisher nur einmal bundesweit aufgefallen: als er sich wegen seiner Doktorarbeit Plagiatsvorwürfen stellen musste.


Merkel spricht öffentlich ihr Vertrauen aus, aber das hat zuletzt Norbert Röttgen erlebt was Merkels Vertrauen bedeutet, wenn es eng wird.



Es bröckelt gewaltig bei den sogenannten Bürgerlichen mit den unbürgerlichen Untugenden. 
Wer weiß wie lange das noch geht?
Wird Zeit noch die letzten Wünsche zu erfüllen, die von den FDP- und CDU-Parteispendern bestellt wurden.
 Aber es gibt immer noch Wünsche, die erfüllt werden wollen, solange man an den Fleischtöpfen der Macht sitzt.


Erbschaftsteuer: Fortsetzung der FDP-Klientelpolitik
Zur Forderung der FDP, die Erbschaft- und Schenkungsteuer abzuschaffen,  erklärt der zuständige Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion Carsten Sieling:
Die FDP lässt wieder einmal ihre Maske fallen. Ihre Forderung, die Erbschaft- und Schenkungsteuer abzuschaffen, reiht sich in eine lange Reihe purer Klientelpolitik ein. Erneut geht es allein darum, die Vermögenden auf  Kosten der Allgemeinheit zu entlasten.
Dabei zahlt schon heute nur ein Bruchteil der Erben in Deutschland die Erbschaftsteuer. Ihr Aufkommen liegt bei rund vier Milliarden Euro, obwohl im Jahr 2010 in Deutschland über 200 Milliarden Euro vererbt wurden.
Die Erbschaftsteuer fließt vollständig den Ländern zu und wird dort  dringend für Zukunftsinvestitionen in Bildung und Forschung gebraucht.

(PM der SPD-Fraktion Nr. 1058 vom 11.10.12)

FDP blockiert bei der Wissenschaftsfreiheit
Zum Entwurf des Wissenschaftsfreiheitsgesetzes erklärt Krista Sager, Sprecherin für Wissenschafts- und Forschungspolitik:
Es klingt wie eine Posse aus Absurdistan, dass das Wissenschaftsfreiheitsgesetz ausgerechnet für die Wissenschaftseinrichtungen in der Zuständigkeit von FDP-Ministerien nicht gelten soll. Die FDP macht sich endgültig unglaubwürdig, wenn sie weiter blockiert. Wir fordern die FDP-Faktion auf, den Deutschen Akademischen Austauschdienst und die Alexander von Humboldt-Stiftung noch vor der Verabschiedung in den Geltungsbereich des Gesetzes einzubeziehen.
Seit Jahren verkauft die FDP in der Koalition die Wissenschaftsfreiheit als ihre ureigenste Erfindung. Jetzt kommt endlich das Gesetz. Aber gerade für die Wissenschaftseinrichtungen, für die das FDP-geführte Auswärtige Amt zuständig ist, soll es nicht gelten. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) sollen am Gängelband des FDP-Ministeriums bleiben, wie aus dem Gesetzentwurf hervorgeht.

Steuergeschenke an Reiche beleben die Binnennachfrage nicht.
"Angela Merkels Einsicht, dass angesichts der sich verschlechternden Konjunkturaussichten eine Stärkung der Binnennachfrage notwendig ist, kommt einem Eingeständnis des Scheiterns ihrer Krisenpolitik gleich. Auf Exporte als Wachstumsmotor zu setzen, während man gleichzeitig die eigenen Handelspartner mit Kürzungsdiktaten in die Krise zu stürzt, kann nicht funktionieren. Was wir jetzt brauchen, sind aber keine Geschenke an Reiche und Superreiche à la Mövenpick-Steuer, sondern echte konjunkturbelebende Maßnahmen", kommentiert Michael Schlecht die jüngsten Konjunkturprogosen sowie die Reaktion der Bundeskanzlerin, Steuern senken zu wollen. Der Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE weiter:
"Wer die Binnennachfrage stärken will, muss in erster Linie die Einkommen derjenigen erhöhen, die jeden zusätzlichen Euro für den Konsum ausgeben – das ist eine ökonomische Binsenweisheit. Deshalb sollte das allgemeine Lohnniveau durch Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von zunächst zehn Euro angehoben werden.
(PM der Linke-Fraktion12.10.12)

Sonntag, 14. Oktober 2012

Der Christ des Tages Nr LXIX





Unser geliebter Lieblingspapst Ratzinger ist ein Anhänger der Ökumene.
Nur eben nicht mit den gottlosen Luther-Perversen, sondern mit dem homophoben Flügel der Anglikaner und der christlichen Orthodoxie.

Die 80 Millionen Anglikaner haben ein echtes Problem. Die eine Hälfte lebt in England und denkt einen Tick liberaler als der Rest. Rowan Williams, der Erzbischof von Canterbury ist ein Quasi-Chef der anglikanischen Bischöfe; hat aber keine Weisungsbefugnis.
Daher kann er die empörten Afrikaner, die sich gegen Homo-Toleranz und Frauenordination wehren schlecht in Schach halten. Ein Schisma kündigt sich an.
Ob Frauen generell Bischöfinnen werden können ist bisher nicht geklärt. Die entsprechenden Mehrheiten wurden stets verfehlt. Dabei gibt es schon 14 (von 38) Provinzen, die Frauen theoretisch erlauben Bischof zu werden.
Bei der Frage, ob Schwulen und Lesben geistliche Ämter übernehmen dürfen, ist das Tischtuch erst recht durschnitten. Konservative Anglikaner sind kurz vorm Herzinfarkt und genau hier setzt Ratzi mit seinen Ökumene-Bemühungen ein.

Er fördert massiv den Übertritt der Homophoben zum Katholizismus. 

Die Liturgie ist ohnehin ähnlich und wenn man die Weiber und Tucken los wird, ist man der Papstkirche schon sehr nah.

Benedikt XVI kann den Englischen und Amerikanischen Übertritt-Willigen einen klaren Rahmen versprechen.

Pope Benedict XVI has said gay people are not fully developed humans as they do not obey Catholic law.
The head of the Catholic Church made these claims while speaking to bishops about the French President Francois Hollande’s plans to legalize marriage equality.
During his speech at Castel Gandolfo, he reportedly said: ‘The family is threatened in many places by a defection of human nature.’
The German religious leader added: ‘Marriage and the family are institutions that must be promoted and defended from every possible misrepresentation of their true nature, since whatever is injurious to them is injurious to society itself.’
[…] In January, the Pope received criticism for saying gay marriages ‘threaten human dignity and the future of humanity itself.’

Das war eine Einladung an alle unzufriedenen Fundi-Anglikaner, denen sich die Fußnägel hochbiegen, wenn sie an die  Bischofsweihe des schwulen Gene Robinson in New Hampshire (USA) und die Wahl der lesbischen Mary Douglas Glasspool zur Bischöfin der Episkopalkirche im Bistum Los Angeles denken.

Bei der Russisch-Orthodoxen Kirche passt es noch besser. 
Die rund 100 Millionen Mitglieder hören auf den Prunk-Patriarchen Kyrill, welcher im eine-Million-Euro Maybach durch Moskau rast und eine Vorliebe für extrem teure Uhren auslebt.

Die Spitzen des Staates zeigen sich regelmäßig zu den Feiertagen beim Gottesdienst, der Klerus wurde in politische Gremien eingebunden, Patriarch Kyrill macht vor Wahlen stets klar, wen die Kirche für den richtigen Kandidaten hält, und preist die Putin-Ära als 'ein Wunder Gottes'.  […] Besonders die Jungen und die Angehörigen der Intelligenzija, […] stoßen sich heute daran, dass Würdenträger in Staat und Kirche sich in ihrem zynischen Verhältnis zur Macht immer ähnlicher werden. Selbstverständlich werden die Straßen gesperrt, wenn der Patriarch in seinem Maybach mit Begleitkolonne durch Moskau fährt, genauso wie das für den russischen Präsidenten oder Premier geschieht. […]  
Der Hang hochgestellter Kirchenmänner zu Prunk und Luxusgütern weckt bisweilen den Eindruck, als würde der Klerus jetzt nachholen, was die Oligarchen in den wilden Zeiten des Banditenkapitalismus vorgelebt haben.
 (Sueddeutsche Zeitung 27.04.12)

Der Prass- und Prunk-begeisterte Metropolit Kyrill rafft aber nicht nur Luxusgüter an sich und spannt den Staat für seine Geldgier ein, sondern er unterstützt auch euphorisch die diskriminierende Hetze gegen sexuelle Minderheiten in Russland.
 
"Moral ist entweder absolut, oder es gibt sie nicht. Wenn Sie Homosexualität rechtfertigen, warum dann nicht gleich Pädophilie?", erklärte Kyrill vor einem Jahr im Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel“.
 Der neue Chef der 135 Millionen Russisch-Orthodoxen Christen begründete seinen Vergleich mit der Heiligen Schrift: "Die Bibel nennt das Sünde", so Kyrill zur Homosexualität. Der CSD Moskau sei daher lediglich "eine aufdringliche Zurschaustellung von Unzucht".
(Queer.de 02.02.2009)

Menschenrechte, Demokratie und womöglich Schwulenrechte - das mag der Russische Patriarch in Moskau genauso wenig wie Ratzinger im Vatikan.

"Sie persönlich, Wladimir Wladimirowitsch, haben eine großartige Rolle bei der Korrektur des Laufs unserer Geschichte gespielt. Ich möchte mich bei Ihnen dafür bedanken", sagte der Patriarch nach Kirchenangaben. In der Vorwoche hatte Kyrill I. orthodoxen Christen abgeraten, an der dritten großen Protestkundgebung gegen Putin in Moskau teilzunehmen. Sie sollten lieber zu Hause beten, als Sprechchöre zu rufen. 
(Kathweb 09.02.2012)

Immer mehr scharf homophobe Gesetze werden in Russland durchgesetzt.
Dies ruft - wenig überraschend - rechtsradikale Schläger auf den Plan.

Rund 20 Maskierte haben am Donnerstagabend im Zentrum von Moskau einen explizit gay- and lesbian-friendly Club überfallen und mehrere Besucher verletzt.
[….] Der Übergriff geschah im Moskauer Nachtclub 7FreeDays, wo laut einem Korrespondenten von RIA Novosti am Donnerstagabend eine Party anlässlich des internationalen Coming Out Days im Gange war. […]  
Die rund 20 Angreifer trugen medizinische Atemschutzmasken, sagte der Veranstalter der Coming-Out-Party, Andrej Obolenski, zu RIA Novosti.  Dem Internetportal Lifenews.ru zufolge waren viele der dunkel gekleideten Männer kahlgeschoren.
„Am Eingang zum Club bedrohten sie die Security-Angestellten mit einer Pistole. Dann schrien sie ‚Sie haben doch eine Showeinlage bestellt‘ und begannen, alles rundum zu verwüsten – Möbel, den Tresen, Geschirr. Viele bekamen Schrammen und schwere Prellungen ab, viele waren blutüberströmt, da auf ihren Köpfen Flaschen zerschlagen worden waren“, so Obolenski.
Wie LGBT-Aktivist Sergej Ilupin, ein Augenzeuge des Überfalls, twitterte, waren die rund 70 Partygäste hauptsächlich Frauen. „Zwanzig Dreckskerle in Masken traten Frauen mit den Füßen die Köpfe ein. Meine Freundin ist von blauen Flecken übersät, eine andere junge Frau hat einen Splitter ihrer Brille ins Auge bekommen […]“, schrieb Ilupin.

So wünschen sich das offensichtlich auch viele Führer der Russisch-Orthodoxen Kirche.
Langer Rede, kurzer Sinn:

Der Christ des Tages Nr. 69 ist der der Abt der russisch-orthodoxen 'Kirche der Niederkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel' in Moskau, Pater Yuri I. Rybko.



Als junger Mann war Rybko Rocker und widmete sich der Musik. Bis er zu Gott fand.

A Russian Orthodox Priest Is Trying to Help Young Rockers Find God
On a Tuesday night, a dark rec hall on the outskirts of Moscow is hosting its weekly "Rock Festival." […]  
The Rev. Sergei Rybko makes his way up through the middle of the room and plops himself down in a chair 20 feet to the right of the stage. For someone who is so clearly out of his element, he doesn't get many looks from the hipsters and headbangers. They've seen him here before.
As the alternative band OffiGella finishes its set, Rybko, 49, gets up and heads to the stage. He waits in the wings while his long-haired sidekick, Yuri, introduces him as a former hippy and regular rock festival attendee. The audience of 30 in front of the stage cheers when Rybko takes the microphone and flashes the peace sign.
He keeps his talk short, keenly aware that the crowd won't put up with a long religious discourse. They've come together this night because in a way, he tells them, they're a club of lonely-hearts, like "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band." Together here, their hearts are united but, afterward, they will be all alone.
"You don't have to be alone," he says. "If you reach out to God, you will never be alone."
Another peace sign, a slight bow, and the crowd cheers as Rybko leaves the stage. A heavy metal band starts up, with a "singer" whose roar could shatter windows.

Als Gottesmann versteht er “Peace” und “rumrockern” ganz anders.

Rybko, der Vertreter der Nächstenliebe bedauerte angesichts der Nachrichten von dem Überfall auf den Moskauer Homoclub nur, daß er nicht selbst an dem Überfall teilgenommen hatte.

[Er] drückt sein Bedauern aus: "Leider bin ich Priester und darf an solchen Aktionen nicht teilnehmen." Der '(homosexuelle) Müll gehöre endlich raus aus Russland'.
[…] Kurz nach der Tat hat […] Pater Yuri I. Rybko, 'sein Bedauern' ausgedrückt. Allerdings nicht für die Opfer des feigen Anschlags, sondern darüber, dass er nicht selbst bei dem Überfall dabei gewesen ist: "Ich verstehe die Empörung des russischen Volkes. Die Heilige Schrift befiehlt, dass Homosexuelle gesteinigt werden müssen. So lange dieser Müll aus unserem Land nicht raus ist, stimme ich voll und ganz mit den Ansichten derer überein, die unsere Heimat davon befreien wollen. Wenn es der Staat nicht tun, tun es eben die Menschen", meinte der Geistliche. Der orthodoxe Glaube, die Kultur und die Zivilisation sei unvereinbar mit diesem Schlechten. Leider sei er jedoch Priester und könne sich an solchen Aktionen (den Überfällen auf LGBT-Klubs) nicht beteiligen, meinte der Vertreter Gottes laut Portal 'Orthodoxie und die Welt' in einem Interview mit der Zeitschrift 'Krestovsky Brücke'.

Samstag, 13. Oktober 2012

Underneath the radar Teil II





Alles ist relativ.
Verglichen mit knackigen Konservativen der M-Fraktion (Mixa, Meisner, Müller, Marx) und den jungen Rechten mit den eigenartigen Namen (Franz-Peter Tebartz-van Elst, Dominik Schwaderlapp, Rainer Maria Woelki) ist der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke geradezu ein liberaler Geist.
Gerne würde der aus Oberschlesien stammende Kirchenfürst die Karriereleiter ein Stückchen höher steigen. Die Voraussetzungen sind so schlecht nicht. Eigentlich.
Es drängt ihn massiv in die Öffentlichkeit, er war schon so oft in Talkshows, daß er der bekannteste Weihbischof Deutschlands sein dürfte. 
Jaschkes Ausbildung ist ebenfalls geradezu ideal; sein Doktorvater war ein gewisser Joseph Ratzinger, zu dessen Ehemaligentreffen auch der Hamburger einmal im Jahr zu einem privaten Plausch im Castel Gandolfo reist.
Die Hamburger Nummer 2 ist zudem äußerst umtriebig, war Beauftragter der Bischofskonferenz zur Vorbereitung des Katholikentages 2000 in Hamburg und Beauftragter für die DBK für das Heilige Jahr 2000 und er ist der Vertreter der katholischen Kirche im Stiftungsrat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung.

Er ist für die Caritas in Hamburg und Schleswig-Holstein zuständig, für die Ökumene, ist Bischof für die Bundespolizei, für den runden Tisch der Religionen, für die Gesprächsgruppe interreligiöser Dialog, für den Malteser-Orden - da ist er Mitglied als Kaplan, wie im Orden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Ist Aufsichtsratsvorsitzender des Hamburger Marienkrankenhauses.

 Außerdem herrscht bei den deutschen Kirchenfürsten eine extreme Personal-Dürre. Vier der 27 Bischofssitze im katholischen Deutschland sind vakant: Dresdens Bischof Joachim Reinelt ist in Rente, Erfurts Bischof Wanke mußte krankheitsbedingt aufgeben, Passaus Bischof Schraml hatte mit 77 Jahren das Gerontenalter erreicht und Kurienerzbischof Müller wurde oberster Glaubenshüter und hinterlässt ein erleichtertes Regensburg - ohne Bischof.
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner wird zu Weihnachten 79 Jahre alt - Kardinäle gehen in der Regel mit 80 in den Ruhestand. Weiter rheinaufwärts ist der Mainzer Kardinal und ehemalige Vorsitzende der Bischofskonferenz, Karl Lehmann, zwar 'erst' 76, aber gesundheitlich angeschlagen. Sein Nachfolger im Vorsitz der Konferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, erreicht 2013 die Altersgrenze für Bischöfe: Er wird dann 75. Auch Hamburgs Erzbischof Werner Thissen ist mittlerweile 71 Jahre alt.
Wieso kommt einer wie Jaschke so offensichtlich nicht zum Zug? Er ist der dienstälteste Weihbischof Deutschalnds.
Mittlerweile ist der 70-Jährige seit 24 Jahren Weihbischof und rückt keinen Millimeter in der Hierarchie weiter.
Daß er jemals statt seiner virtuellen Diözese Tisili, deren Titularbischof Jaschke ist, ein Bistum in der realen Welt mit echten Menschen bekommen wird, glaubt er vermutlich selbst nicht mehr.

Der Grund dafür besteht in seiner Mutlosigkeit. 
Zwar läßt er sich zu jedem kritischen Thema befragen, aber er traut sich weder die Päpstliche Linie zu verlassen, noch haut er mal richtig auf die Liberalen ein.
Jaschke rechtfertigt umständlich den vom Apostel Paulus verbotenen Zölibat, fabuliert bei „Hart aber fair“ über die Sublimation seiner eigenen unterdrückten Sexualität und erklärt Frauenpriestertum stehe nicht zur Debatte.

Andererseits gelingt ihm auch kein echtes Schwulenbashing. Er beleidigt nicht die Protestanten und noch nicht mal die für jeden Karriere-Kirchenfürsten obligatorischen NS-Vergleiche hat er zur Hand.

In Hamburg merkt man, daß Wochenende ist daran, wenn im Hamburger Abendblatt süßliche Homestories über bekannte Kirchenvertreter abgedruckt sind.
So ist das in der christlichen Diaspora.
 In die Kirche geht keiner und daher versucht uns wenigstens der Springer-Verlag einzuhämmern wie bedeutend die Kirchenmänner sind.
Heute gibt es, mal wieder, ein ganzseitiges Jaschke-Portrait. 
Aber der zwischen allen Stühlen Sitzende hat es noch nicht verstanden, wie man sich im Vatikan bekannt macht, wie man ein „Ich will ein Bistum!“ formuliert. Das Rotwelsch fehlt Jaschke. Richtig müßte es heißen:

„Homosexuelle, die nicht enthaltsam leben, können nicht in den Himmel gelangen. Und für die Ökumene gibt es gute Chancen, wenn sich die verirrten Protestanten von Luther lossagen, den Zölibat einführen, Frauen verbannen und den Papst als oberste Instanz anerkennen!“
Stattdessen lesen wir:
Im Urlaub fährt er in die Dolomiten, wandert allein los. Als er vor zwei Jahren eine Geröllhalde zehn Meter herabstürzte, schoss ihm durch den Kopf: "Das hätte das Ende sein können." Trank abends einen guten Wein und wusste wieder: "Das kann nicht alles gewesen sein." Noch hat er mehr Angst vor seinem 75. Geburtstag, da müssen Bischöfe dem Papst ihren Amtsverzicht anbieten. Abgeschnitten zu sein von seinem Wirkungskreis - den Gedanken mag er nicht.
Wir wechseln ein letztes Mal das Thema. Er ist ein Mann Gottes - welches Bild hat er von Gott? "Ich liebe sehr ein Bild von Gott, das Irenäus formuliert hat: Gott hat gewissermaßen zwei Arme. Mit denen umarmt er uns Menschen. Der eine Arm ist der Sohn - Gott wird den Menschen gleich, und der andere Arm ist der Geist. Gott bleibt nicht für sich, er tritt aus sich heraus. Mit seinen Armen hält er unsere Geschichte in den Händen, bei all dem, was wir nicht begreifen können und was auch so falsch läuft." Er macht eine Pause. "Und dann ist Gott sichtbar in jedem Menschen, nach Gottes Abbild. Jeder Mensch hat irgendwie mit Gott zu tun."
Er sagt das, und fast klingt es ein wenig müde - so oft, wie er es schon erklärt hat. "Wir können nicht die Antworten aus der Tasche hervorzaubern. Ich spüre bei den Menschen meistens eine Grundsympathie für die Kirche. Manchmal wird ihnen der Blick verstellt durch Regeln, die sie nicht verstehen können und die wir auch nicht immer geschickt vertreten. Da versuch ich dann, der Ausgleichende zu sein."
 So wird das nichts.
Weder mit Jaschkes Karriere noch mit dem Stopp des Kirchlichen Verfalls.

Man kann das bedauern, so wie heute der Kirchen-Redakteur der Süddeutschen Zeitung im Leitartikel.
Der Nachfolger von Papst Benedikt wird nicht mehr der Konzilsgeneration angehören. Wird er, was seine Väter im Glauben da beschlossen, in die vatikanischen Archive verbannen? Die Kräfte sind stark, die das wünschen.
Die katholische Kirche bräuchte jedoch das Gegenteil: ein neues konziliares Denken. Eine Diskurskultur, bei der nicht Theologen ein bischöfliches Schweigegebot fürchten müssen, wenn sie ein falsches Interview geben. Bei der Priester und Bischöfe offen sagen: Ich sehe die Dinge anders, als sie in Rom gesehen werden. Eine Kirche, die sich nicht an die schwindende Macht der Institution hängt, die sich den Fremdheitserfahrungen der Moderne aussetzt und den Menschen, denen der Glaube fremd geworden ist. Diese Kirche könnte sich dezentralisieren statt zu zersplittern; sie könnte dem globalen Markt eine globale Moral zur Seite stellen, könnte eine Gemeinschaft sein, in der die Armen der Maßstab sind. Sie könnte das Evangelium und die Menschen in ihre Mitte stellen.
Diese Kirche ist erneut gefangen in einem zu engem Panzer. Sie könnte ihn sprengen, sie könnte die gewohnten Sicherheiten aufgeben. Wenn sie nur den Mut dazu fände.
(Matthias Drobinski SZ vom 13.10.2012)
Für Atheisten ist die Mutlosigkeit der Römer ein Glück. 

Solange sie sich darauf versteifen am Status Quo festzuhalten und ihre ganze Energie darauf verschwenden gegen Schwulenrechte, Gleichberechtigung von Frauen, Verhütung, AIDS-Prävention und den Humanismus anzukämpfen, können wir uns beruhigt zurück lehnen und zusehen, wie sich Ratzingers Verein selbst das Grab gräbt.