Freitag, 27. Dezember 2019

Wachstumsbremse Borniertheit


Wie immer zum Jahresende, listet das Hamburger Abendblatt auf welche Jobs sicher sind und wer möglicherweise im nächsten Jahr seinen Arbeitsplatz verlieren könnte.

Welche Firmen einstellen – und welche dagegen Jobs streichen. Das Abendblatt hat die Top 200 Unternehmen der Stadt gefragt.

Es entsteht eine gigantische beeindruckende Liste, deren letzte Spalte „Beschäftigungsprognose 2020“ lautet.
Das Bild ist diesmal nicht besonders ausgewogen. Bei rund 2/3 der 200 größten Arbeitgebern heißt es „mehr“, bei einem knappen Drittel „gleich“ und nur eine Handvoll Unternehmen bauen Stellen ab:
AXA, NDR, Vattenfall, Carlsberg Brauerei und einige Banken.

Bei allen anderen geht es stramm aufwärts. Hamburg boomt wie verrückt und hat im Gegensatz zu den anderen Millionenstädten Deutschlands seit Olaf Scholz 2011 Bürgermeister wurde so massiv den Wohnungsbau vorangetrieben, daß jährlich 10.000 neue Wohnungen entstehen und sogar der Mietenanstieg deutlich gebremst wurde. In absehbarer Zeit wird die Hansestadt die Zwei-Millionen-Einwohner-Marke erreichen. Die Arbeitslosenquote ist niedrig wie nie

Die exzessive Bautätigkeit nervt natürlich die Städter; es kommt zu Staus, Handwerker sind kaum noch zu bekommen und wer schon eine schöne Wohnung hat, wehrt sich dagegen, daß gegenüber auf der Grünfläche ein Haus für die weniger Glücklichen gebaut wird. Wichtiger als Solidarität, ist allemal der unverstellte Ausblick.
Hier sind die Fähigkeiten des Senats als guter Verwalter gefragt. Das hochtrabendere Wort „regieren“ kann man sich sparen.

Wird also alles gut? Werden wir Hamburger alle glücklich, reich und zufrieden?
Das könnten wir doch sein. Die Flüchtlinge sind integriert, die Kriminalität ist auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten, es gibt weniger Einbrüche denn je, die Aufklärungsquote steigt, es werden Velorouten gebaut, der ökologische Umbau ist im vollen Gang. Überall gibt es Leihfahrradstation und elektrisch betriebene MOIA-Kleinbusse lösen gerade die Taxis ab.

Also auf in die rosige Zukunft des ewigen Wachstums – mit ökologischer Note?
Wohl eher nicht, denn wir erleben gerade den Luxus der Quasi-Vollbeschäftigung.
Natürlich sieht der Arbeitsmarkt für völlig Unqualifizierte immer noch böse aus, aber jeder, der im weitesten Sinne „Fachkraft“ genannt werden kann, hat inzwischen die freie Auswahl.
Seit Jahren hemmt der Nachwuchsmangel alle Gewerke des Handwerks; nahezu alle Betriebe müssen regelmäßig Aufträge ablehnen, weil sie nicht genügend Personal haben.
Das ist auch ein der Hauptursachen für den Baustellenärger in Hamburg – selbst die Stadt, also ein Auftraggeber, der sicher zahlt und den besten Leumund hat – schafft es nicht mehr zeitnah Tiefbau-Unternehmen zu finden, um all die Brücken, Bahnhöfe, Bushaltstellen und Straßen zu sanieren.
Das Geld ist da, der Wille ist da, aber die Bau-Unternehmer haben so prallvolle Auftragsbücher, daß sie nichts mehr annehmen können.
Die historische Krugkoppelbrücke, vor 100 Jahren von dem legendären Oberbaudirektor Fritz Schumacher entworfen, ist bis heute das Nadelöhr, um nördlich um die Außenalster zu fahren. Vier Millionen Euro stellte der Senat für die dringend notwendige Sanierung bereit. Vier Millionen, die lange Zeit niemand haben wollte.

[……] Baustellen-Posse in Hamburg. Diese Alster-Brücke wird einfach nicht fertig!
[…..] Eigentlich sei die Sanierung vom Januar bis Oktober 2018 geplant gewesen. Die Bauarbeiten an der Straße Krugkoppel/Fernsicht sollten, daran anschließend, Ende August vergangenen Jahres beginnen. Das Problem: Es fand sich kein Bauunternehmen, dass die Straßenbauarbeiten durchführen wollte. [……] Christian Füldner, Pressesprecher der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovationen (BWVI). „Die Auftragsbücher der Firmen sind voll, daher hat sich erst im zweiten Versuch eine Firma für die Straße gefunden“. [……]  

Den kleineren Privatunternehmen geht es noch wesentlich schlechter.
Längst sind die Zeiten vorbei, in denen sie sich unter einer Vielzahl Bewerber den Geeignetsten aussuchen konnten.
Die Verhältnisse haben sich umgekehrt, Ausbildungswillige und erst echt Fachkräfte kennen ihren Wert für den Arbeitsmarkt und lassen die Chefs um sie buhlen.
Das Problem besteht in vielen Branchen bundesweit, wenn auch unterschiedlich ausgeprägt.

[….] An diesem Montag kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Spitzenvertretern aus Regierung und der Wirtschaft zum Fachkräftegipfel im Kanzleramt zusammen. „Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist eine der größten Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vor dem Treffen. „Klar ist: Nur mit ausreichend gut qualifizierten Fachkräften werden unsere Unternehmen ihre Innovationskraft bewahren, weiterhin im globalen Wettbewerb bestehen und letztlich unseren Wohlstand sichern können.“
In ganz Deutschland fehlen Fachkräfte. Das ist im Gesundheits- und Pflegebereich der Fall, in technischen Berufen, aber auch im Handwerk und der Bauwirtschaft, wie die Engpass-Analyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigt. Aktuell werden bundesweit Klempner genauso gesucht wie Altenpfleger und Physiotherapeuten, Fachkräfte in der Energietechnik ebenso wie Lkw-Fahrer. Bei IT-Spezialisten sieht die Lage – je nach Bundesland – anders aus. […..]

In den ökonomisch schwächeren Ost-Bundesländern und Berlin gibt es kaum Personal-Probleme für die Unternehmer.
Aber in der Boomtown Hamburg und in Baden Württemberg sind nahezu alle Firmeninhaber betroffen: Händeringend suchen sie nach Mitarbeiten, werben mit immer ausgeklügelteren Methoden um Mitarbeiter.

[…..] Größter Fachkräftemangel in Hamburg
Zugleich verschärft sich aber der Fachkräftemangel – insbesondere in Hamburg erreicht er in der Metall- und Elektrobranche mittlerweile dramatische Ausmaße. 30 Prozent aller befragten Unternehmen wollen zwar zusätzlich Mitarbeiter einstellen, finden aber nur noch sehr schwer geeignete Fachkräfte. Oder gar nicht. In der Hansestadt beklagen das aktuell mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Unternehmen. Bei der Frühjahrsumfrage 2016 waren es erst knapp 41 Prozent gewesen.
Im Bundesländer-Vergleich ist der Expertenmangel damit in Hamburg am höchsten. [….]

Schon die rotgrüne Bundesregierung 1998-2005 sah das Problem kommen und engagierte sich intensiv für ein modernes Einwanderungsgesetzt. Gerd Schröder ließ Rita Süßmuth ein wegweisendes Gesetzeswerk erarbeiten, welches von nahezu allen Seiten – Gewerkschafter, Unternehmer, Ökonomen, Kirchen, Parteien – begrüßt wurde.
Nur die CDU/CSU verweigerte sich in ihrer schmollenden xenophoben Haltung total und ließ sowohl das neue Einwanderungsgesetzt wie das geplante Staatsbürgerschaftsrecht platzen.
Merkels zutiefst bornierte „Ausländer-Raus“-Attitüde siegte über jede soziale und ökonomische Vernunft.
Unnötig zu erwähnen, daß in Merkels 15. Regierungsjahr immer noch kein Einwanderungsgesetz verabschiedet wurde, weil konservative Bundesinnen- und Wirtschaftsminister immer nur danach trachteten Ausländern den Weg nach Deutschland zu blockieren, Einwanderung exzessiv zu erschweren und möglichst Viele abzuschieben.
Seit 2012 gibt es zwar die EU Blue Card, die einen vierjährigen Aufenthaltsstatus gewährt, aber die damalige schwarzgelbe Bundesregierung bürdete der blauen Karte so viele Bedingungen auf, daß es nach wie vor unattraktiv ist als Arbeitskraft aus einem Drittstaat nach Deutschland zu gehen.
Niemals verstand Merkel, daß es ein Irrweg ist Zuwanderung möglichst zu behindern und den Weg nach Deutschland zu erschweren.
Mittlerweile sind gut 25.000 Blue Cards im Umlauf – ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man bedenkt, daß allein im Bereich der Pflege 100.000 Stellen nicht besetzt sind. Die beliebteste Ausbildung ist die zur Sozialpädagogischen Assistenz (SPA) – ein durch die Scholz’sche Kitareformen ebenfalls boomender Beruf. Bei steigenden Geburtenraten und der inzwischen unglaublichen Anzahl von über 1.100 KITAs in Hamburg, wächst auch der dortige Personalbedarf exponentiell.

Bei den Einzelhändlern herrscht regelrechte Verzweiflung.

[….]  Besonders kleinere Geschäfte leiden unter dem Arbeitskräftemangel.
„Verkäufer gesucht.“ Auch in Zeiten fortschreitender Digitalisierung greifen zahlreiche Hamburger Einzelhändler auf eine ziemlich altmodische Methode zurück, um Mitarbeiter zu finden – mit einem Schild im Schaufenster ihres Geschäfts. Nicht selten verbunden mit dem Versprechen, dass man über die Arbeitszeiten auch reden könne. „Kommen Sie doch einfach herein.“ Wo noch vor einigen Jahren die Bewerber Schlange standen, melden sich heute immer weniger Arbeitswillige. Manchmal gar keine. Viele Unternehmen im Einzelhandel haben inzwischen ernsthafte Probleme. „Der Personalmangel wird sich weiter verschärfen“, sagt Brigitte Nolte, Hamburger Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord. […..]

Die Politik der Merkel-Regierung schadet dem Wirtschaftsstandort Hamburg massiv. Die xenophoben Unionsminister müssen ihre nationalistischen Scheuklappen dringend abstreifen, oder noch besser, geschlossen abtreten.

[……] Es ist bereits heute das größte Problem der Hamburger Wirtschaft – und es wird sich in den nächsten elf Jahren noch deutlich verschärfen: Industrie, Handel und Dienstleistungen brauchen dringend Fachkräfte.
Bis 2030 werde sich der Engpass von aktuell 58.000 auf 77.000 fehlende Fachkräfte erhöhen, sagte Sandra Hofmann vom Darmstädter Forschungsinstitut WifoR am Mittwoch bei der Vorstellung einer Analyse im Auftrag der Handelskammer Hamburg: „Die Generation der Baby-Boomer geht in Rente; Azubis und Studenten können das nicht durch ihren Eintritt in den Arbeitsmarkt ausgleichen.“
Um den Mangel zu bekämpfen, nannte Hofmann vier Maßnahmen: Digitalisierung, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, die längere Teilnahme am Arbeitsmarkt und Zuwanderung. [……] Stark betroffen ist zum Beispiel das Hotel- und Gaststättengewerbe, wo mehr als 4000 Arbeitnehmer fehlen. Jeder zehnte Arbeitsplatz ist nicht besetzt, bis 2030 wird es jeder achte sein.
„Wir können manche Veranstaltung nicht annehmen“, sagte Niklaus Kaiser, der im Hamburger Fachverband Dehoga für das Hotelgewerbe spricht. Bei den Auszubildenden hätten mittlerweile rund 60 Prozent einen Migrationshintergrund, viele seien Flüchtlinge. [……]

Welch bittere Ironie – ausgerechnet die migrationspolitischen Ereignisse von 2015, die der nun zuständige Innenminister Seehofer so massiv bekämpfte, die AKK verdammt und im Fall der Wiederholung Grenzen schließen lassen will und die Merkel selbst in den Folgejahren rückgängig machte – sind inzwischen überlebenswichtig für die deutsche Wirtschaft.

[…..] In Hamburg wurde vor wenigen Monaten ein neuer Stellenrekord erzielt, erstmals in der Geschichte der Hansestadt gibt es seitdem mehr als eine Million sozialversicherungspflichtige Jobs. Doch tatsächlich könnte diese Zahl noch viel höher liegen, wenn die zusätzlich vorhandenen offenen Stellen besetzt werden könnten. Das funktioniert aber gerade für Berufe mit Qualifizierungsanforderungen nicht, eine Entwicklung, die schon länger als Fachkräftemangel bekannt ist. Die Handelskammer Hamburg hat nun in einer Umfrage herausgearbeitet, welche Folgen diese Situation für die Unternehmen und deren Mitarbeiter hat.
Demnach kann mehr als die Hälfte der Unternehmen offene Stellen längerfristig nicht besetzen, so eines der Ergebnisse des Arbeitsmarktbarometers der Handelskammer. Als gravierendste Folgen des Fachkräftemangels nennen die Unternehmen eine Mehrbelastung der vorhandenen Belegschaft sowie steigende Arbeitskosten zur Haltung bestehender und Anwerbung neuer Fachkräfte. Im Herbst 2019 sehen sechs von zehn Unternehmen den Fachkräftemangel als größten Risikofaktor bei der wirtschaftlichen Entwicklung an. [….]
(Die Welt, 20.12.2019)

Ohne Flüchtlinge und Migranten bräche die Ökonomie zusammen. Sie baden jetzt die Versäumnisse der Ausländerschrecks Seehofer, Altmaier, Merkel, Schäuble, AKK, Söder und Bosbach aus. Die braunen Damen und Herren versündigen sich an Deutschlands Zukunft.

Zum Glück haben wir wenigstens die Flüchtlinge. Sie sind ein Segen.

[…..]  Hamburgs Arbeitsamt-Chef „Ohne Flüchtlinge funktioniert unser Arbeitsmarkt nicht“ [……] Gerade verkündet die Hamburger Hochbahn, dass sie im kommenden Jahr allein 300 Busfahrer neu einstellen will. Und auch bei der U-Bahn und in der IT werden 150 Stellen beim Unternehmen geschaffen. Die Hochbahn setzt dabei gezielt auf Einwanderer. Wie Hamburgs Arbeitsagentur-Chef jetzt gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ sagte, würde es ohne Flüchtlinge gar nicht mehr funktionieren.
Alle suchen händeringend nach Fahrern, nicht nur die Hochbahn. Auch der Fahrdienst Moia braucht zusätzliche Fahrer. Die Hochbahn umwirbt dabei gezielt Einwanderer. Dazu Sprecherin Constanze Dinse: „Die Einstellung und Ausbildung von Einwanderern für den Busfahrdienst bleibt fester Bestandteil der Personalgewinnung.“ 70 Mitarbeiter konnten so seit 2017 bereits gewonnen werden. [……]  Der Chef der Arbeitsagentur Sönke Fock [……] Fock betont [……], wie wichtig die hier lebenden Flüchtlinge sind. „Ohne Flüchtlinge würde Hamburgs Arbeitsmarkt nicht funktionieren. Sie werden gebraucht“, so Fock. Ohne sie würden viele Firmen ihre Arbeit nicht leisten können.
Mittlerweile gehen in Hamburg 13.500 Flüchtlinge einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach. Davon 60 Prozent als Fachkräfte, die weiteren in Helfertätigkeiten. [……]

Hätten wir uns politisch in den letzten Jahren nach AfD und CSU ausgerichtet, wäre Deutschland jetzt in einer schweren Wirtschaftskrise.
Aber auch so ist es noch schwer in Hamburg.

[…..] Zahl der Stellenanzeigen hat sich verdoppelt. Gesucht werden Ingenieure, Ärzte, Pädagogen, Juristen und Sachbearbeiter. [….]

Donnerstag, 26. Dezember 2019

CDU ist anders


In vielen ostdeutschen Landstrichen lebt es sich nicht gut, wenn man zu einer der von Nazis gehassten Minderheiten gehört: Schwarz, schwul, Sinti, Roma, Flüchtling, Jüdisch, Muslimisch.
So wie in Sachsen muss man insbesondere auch in Sachsen-Anhalt „No Go Areas“ beachten, um nicht verletzt zu werden.

Drei Faktoren machen es besonders gefährlich:

1.   Eine stabile große Minderheit von echten Nazis, die so stark und so präsent sind, daß sie sich blitzartig zusammenrotten, wenn einer von ihnen ein potentielles Opfer ausmacht.

2.   CDU-geführte Innenministerien, Polizei und Justiz, die generell wohlwollend auf rechtsextreme Straftaten blicken.

3.   Unterentwickelter Bürgersinn, der dazu führt, daß die friedliche Mehrheit nicht aufsteht gegen rechts und Gewalttaten achselzuckend geschehen lässt.

Der dritte Punkt ist der grundlegende Unterschied zum Rechtsextremismus in westlichen Bundesländern.
Auch in Köln, München oder Hamburg versuchen sich AfD und Pegida an Fackelzügen und „Merkel-muss-weg“-Aufmärschen, aber es finden sich jedes Mal Gegendemonstranten in großer Überzahl ein, die den Nazis gründlich den Spaß verderben.

[….] Etwa 600 Demonstranten haben einen Aufmarsch von Anhängern der rechtsextremistischen NPD im niedersächsischen Eschede verhindert. Sie blockierten der Polizei zufolge am Samstag die Straße von einem Bauernhof in Richtung des Ortes. Etwa zehn NPD-Anhänger mussten daraufhin den Versuch aufgeben, mit ihrem Lautsprecherwagen von dem Hof herunterzukommen. Die Lage blieb nach Polizeiangaben friedlich. Auf dem Anwesen, das der NPD-Landesverband Niedersachsen im Juni von einem NPD-Mitglied gekauft hatte, hielten sich einem Sprecher zufolge etwa 40 Rechte auf, die eine Feier zur Wintersonnenwende veranstalten wollten.
[….] Zu der Kundgebung gegen die NPD hatte das "Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus" aufgerufen. Unter dem Motto "Gemeinsam gegen die Nazitreffen in Eschede" haben das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus und der Deutsche Gewerkschaftsbund eine Versammlung veranstaltet. [….]

Die Sachsen oder Sachsen-Anhaltiner wählen dreimal so häufig AfD wie Hamburger oder Niedersachsen. Das Problem sind aber die indolenten Nicht-AfD-Wähler, die anders als im Westen Neonazi-Umtriebe in ihrer Nachbarschaft achselzuckend hinnehmen.
So gedeihen Pegida in Dresden und all die anderen braunen Aufmärsche in Chemnitz, Freital, Bautzen, Heidenau, Tröglitz, Meißen, Riesa, Clausnitz – das sind nur einige der vielen Synonyme Dunkeldeutschlands.

[…..] Kriminalität in Sachsen-Anhalt [….] mehr fremdenfeindliche Straftaten[….]
Die mit Abstand meisten politisch motivierten Straftaten waren auch 2018 weiterhin Straftaten aus dem politisch rechten Lager: Sie machten 1.461 der insgesamt 1.846 politisch motivierten Straftaten aus.
Mit fast 70 Prozent besteht der größte Teil davon aus sogenannten Propagandastraftaten wie beispielsweise dem Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole wie etwa einem Hakenkreuz. Linksmotivierte Straftaten gab es 2018 insgesamt nur 280.
Mehr Straftaten gab es 2018 jedoch bei fremdenfeindlichen und antisemitischen Straftaten. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr 348 fremdenfeindliche Straftaten, etwa sechs Prozent mehr als noch 2017. [….] Die Zahl der antisemitischen Straftaten in Sachsen-Anhalt ist 2018 um 18 Fälle auf 62 Fälle angestiegen. [….]

Gegen den Rechtsextremismus wenden sich nur die inzwischen stark geschrumpften Parteien Linke und SPD. Grüne und FDP finden nicht statt, die stark faschistoide Flügel-AfD schürt den Hass.
Und dann ist da leider noch die Dauer-Regierungspartei CDU, die immer noch glaubt im braunen Sumpf fischen zu müssen und, schlimmer noch, oft genug die xenophoben, misogynen, antisemitischen und homophoben Einstellungen der Braunen teilt.

So stimmen immer wieder die CDU-Fraktionen ostdeutscher Landtage mit der AfD ab, wenden geradezu manisch ihre Kraft für den „Kampf gegen den Linksextremismus“ auf.
Der Magdeburger Innenminister Stahlknecht (CDU) ist ein Rechtsaußen in seiner ohnehin Rechtsaußen stehenden Landespartei und wollte zur Freude der faschistoid Denkenden in seiner Bevölkerung den hochumstrittenen Rechtsaußen Rainer Wendt zum Staatssekretär machen.
Das sind alles Zeichen, die ganz rechts verstanden werden:
Die Regierung tickt doch auch wie wir.
Das ermutigt zu Gewalttaten.

Deswegen gibt es auch einen grundsätzlichen qualitativen Unterschied zwischen SPD und CDU.
Sozis denken solidarisch, stellen sich auf die Seite der Schwachen gegen die Starken.
Die CDU ist prinzipiell nicht solidarisch und sympathisiert mit den angreifenden Schlägern gegen die Schwachen und Minderheiten. Hakenkreuze werden akzeptiert. Kein Grund deswegen einen CDU-Politiker  zu kritisieren.

[….] In Sachsen-Anhalt besteht die Gefahr, dass ein ganzer CDU-Landesverband nach rechtsaußen abdriftet. [….] Am Ende hatte die CDU also nicht einmal die Kraft, sich selbst von dem Kreispolitiker mit Neonazi-Tattoo zu trennen - Robert Möritz ist jetzt aus der Partei ausgetreten. Doch abgeschlossen ist der Fall damit noch lange nicht. Denn die Causa Möritz zeigt exemplarisch, wie groß die Probleme der CDU in Sachsen-Anhalt sind. Dort besteht die Gefahr, dass ein ganzer Landesverband nach rechts außen abdriftet. Es gibt in Sachsen-Anhalt viele Christdemokraten, die sich statt der Kenia-Koalition auch eine von der AfD tolerierte CDU-Minderheitsregierung vorstellen können. Und es gibt dort jede Menge Parteimitglieder, die Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen politisch näher stehen als der eigenen Bundeskanzlerin.
Nur zur Erinnerung: Robert Möritz hat - sogar als Ordner - an einer Neonazi-Kundgebung teilgenommen. Er hat sich für rechtsradikale Bands begeistert. Er ist erst in der vergangenen Woche aus dem umstrittenen Verein Uniter ausgetreten. Und er trägt noch immer sein Neonazi-Tattoo. Es ist erschütternd, dass so jemand in die CDU aufgenommen und sogar in einen Kreisvorstand gewählt wurde. Das zeigt, dass es bei den Christdemokraten Kreisverbände gibt, in denen christliche und demokratische Reflexe nicht mehr richtig funktionieren.
[….]  Es geht darum, dass weder die Spitze der Landespartei noch die der Bundes-CDU sich stark genug gefühlt haben, um in diesem Fall durchgreifen zu können. Zu groß sind in Sachsen-Anhalt die Truppen der Freunde von Rechtsaußen. Es waren ja keine einfachen Parteimitglieder, die im Juni verlangt haben, dass es der CDU wieder gelingen müsse, "das Soziale mit dem Nationalen zu versöhnen". Es waren die beiden stellvertretenden Vorsitzenden der Landtagsfraktion. [….]

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Der schamlose Franz


Sagen Sie mal, Herr Bergoglio, wissen Sie eigentlich was ein Kardinal ist?

Das sind diese supermächtigen Roten, die nur Sie selbst als Papst kreieren können. Es ist die allerhöchste Würde nach dem Papst und bedeutet die ganz besondere päpstliche Mitverantwortung an der Gesamtleitung der Weltkirche.
Und nur in Kardinäle pflegt der Heilige Geist einzudringen, wenn er beim Konklave den neuen Stellvertreter Gottes auf Erden bestimmt.

[…..] Es gibt verdammt wenige Kardinäle auf der Erde.
Derzeit sind es bei etwa 1,3 Milliarden Katholiken nur 223 Stück und von diesen gehören nur 123 zu der mächtigsten Klasse der Papstwähler.
Das sind also 10 bis 11 Millionen Katholiken pro Kardinal.
Kein Wunder, daß der Begriff „Kardinal“ auch metaphorisch für das Größte steht: Kardinalfehler, Kardinalproblem, Kardinalaufgabe.
(Zum Vergleich: Merkels Kabinett besteht aus 16 Mitgliedern, also kommen gut fünf Millionen Bundesbürger auf einen Bundesminister)
 Laien erkennen Kardinäle an ihren purpur-roten Abendkleidern und wissen, daß es sich bei ihnen um den allerhöchsten Rang der christlichen Geistlichkeit handelt.
Dabei sind Kardinäle keineswegs gleichrangig, sondern wiederum in verschiedene Ränge und Klassen aufgegliedert, welche den Kardinälen natürlich außerordentlich wichtig sind. Eifersüchtig versuchen sie aufzusteigen. [….]

Sie Bergoglio werden als unfehlbarer Stellvertreter Gottes sicherlich wissen, wieso sie gerichtlich überführte Kinderficker wie George Pell oder den aktiven Kinderficker-Förderer Gerhard Ludwig Müller befördert, respektive überhaupt zum Kardinal erhoben haben.
Immerhin scheint mir das eine konsequente Personalpolitik zu sein; schließlich sind Sie selbst ja auch ein Förderer und Heiligsprecher von Kinderfickern und erlassen den Tätern Strafen, während Sie dafür sorgen, daß sie Kinderficker-anziehenden Strukturen der Priesterseminare (Verheiratete, Frauen, Schwule müssen draußen bleiben) erhalten bleiben.

Aber wieso sind Sie so inkonsequent beim Thema Flüchtlinge?
Bei besonderen Gelegenheiten wie heute zum 25.12.19 mahnen Sie den Schutz der zu Tausenden sterben Migranten an……

[……] Papst Franziskus hat in seiner Weihnachtsbotschaft zum Frieden in der Welt aufgerufen. Auf dem Petersplatz in Rom äußerte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei strahlendem Sonnenschein die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Syrienkonflikts. Von der internationalen Gemeinschaft forderte Franziskus am Mittwoch eine "Sicherheitsgarantie" für den Nahen Osten. Vor allem die Kinder litten unter den Kriegen der Welt, sagte der Papst.
Er sprach zudem weitere Auseinandersetzungen im Nahen und Mittleren Osten und auf dem amerikanischen Kontinent an und forderte einen besseren Schutz für Flüchtlinge. Für den Konflikt im Osten der Ukraine wünsche er sich "konkrete Lösungen für einen dauerhaften Frieden", sagte der 83-Jährige. [……]

…..aber das sind doch sehr offensichtlich nur leere Worte.
Nie kämen Sie auf die Idee mit dem vatikanischen Milliardenvermögen selbst Rettungsschiffe unter päpstlicher Flagge vor der Libyschen oder Griechischen Küste zu finanzieren.
Man wartete auch vergeblich auf Ihren Einsatz als beispielsweise die deutsche Kapitänin Rackete versuchte nach Italien zu gelangen, um ein paar ausgehungerte Elende zu retten und vom Italienischen Innenminister Salvini gehindert und verklagt wurde.
Italien? Sagt Ihnen das was? Kennen Sie das Land zufällig? Wie man hört, soll es auch dort den ein oder anderen Katholiken geben.

Aber diese Flüchtlinge sind Ihnen offenbar nur in Sonntagspredigten wichtig.

Geld ausgeben oder kirchliche Türen für arme verhungernde Menschen öffnen, wollen Sie nicht.

(….) Verblüffend ist, daß es ausgerechnet der konservativ-christliche BILD-Kolumnist Hugo Müller-Vogg war, der in einer der harmlosen Blabla-Talkshows die eigentlich angebrachten Worte fand.

Der Papst hätte  lieber sagen sollen: (Aus dem Gedächtnis zitiert)

„Heute habe ich alle meine Bischöfe angewiesen jedem ihrer Pfarrer zu befehlen mindestens drei Flüchtlinge in ihrer Pfarrei aufzunehmen!“

Darin steckt viel Wahrheit. Eine steinreiche Organisation mit 400.000 Priestern könnte mit so einem einfachen Wort des Pontifex Maximus aus Rom Millionen Flüchtlinge versorgen.
Das tut Franziskus aber nicht. Er behält die Milliarden des IOR lieber selbst während die Elenden im Mittelmeer ersaufen und zeigt auf andere. (….)

Sie, Bergoglio schweigen auch zustimmend, wenn der reichste deutsche Kardinal Woelki mit islamophobem Gewäsch die menschenfeindliche Anti-Flüchtlingsrhetorik der AfD fördert.

Offenbar sind Sie auch d’Accord mit ihrem obersten Ungarischen Rotrock Erdö, der den antisemitischen, flüchtlingsfeindlichen Kurs des rechtsextremen Victor Orbán unterstützt.

[….] Márta Orosz (freiberufliche Deutschlandkorrespondentin für ungarische Medien mit Sitz in Berlin): Das Problem ist, es gibt bei den großen Kirchen in Ungarn keine zentrale Richtlinie, was das Thema angeht. [….] Sehr viele sehen die Rolle der katholischen Kirche kritisch und sagen, die katholische Kirche ist nicht da, sie ist nicht in diesem Ostbahnhof, wo in den letzten Tagen so viele Flüchtlinge waren und die setzen sich nicht genügend ein.

domradio.de: Der ungarische Kardinal Erdö spricht zum Beispiel davon, dass die Kirche in Ungarn keine Flüchtlinge aus rechtlichen Gründen aufnehmen darf, „sonst wird die Kirche zum Schleuser", hat er gesagt. Ist denn da was dran?

Orosz: Diese Aussage hat natürlich für sehr viel Kritik gesorgt. Leider ist es tatsächlich so, dass man laut dem ungarischen Recht einfach keine Flüchtlinge zu sich aufnehmen kann, weil man sich damit strafbar machen kann. Das ist natürlich ein riesengroßes Problem, aber es ist natürlich auch kein Grund für die Kirchen sich aus dieser Verantwortung herauszunehmen. [….]

Und wie sieht es im flüchtlingskritischsten Land Europas aus? In Polen, das zusammen mit Ungarn den Widerstand gegen Flüchtlingshilfen anführt und alles darauf setzt, möglichst viele Kinder in den dunklen Fluten des Mittelmeeres absaufen zu lassen?
Da soll es doch auch Katholiken geben, die nicht völlig ohne Einfluss sind.
Aber die menschenfeindlichen Attacken Ihrer Topkleriker passen ins Bild und stützen die rechtsradikale antidemokratische PiS-Regierung.

mdr

[….] Wie Geistliche in Polen Ängste vor Flüchtlingen schüren
[……]  Vor der Papst-Initiative fielen Polens Bischöfe im europäischen Flüchtlingsdrama vor allem durch Schweigen auf. Zwar sind mehr als neun Zehntel der Polen offiziell Katholiken. Gleichzeitig sind viele von ihnen Fremden gegenüber wenig aufgeschlossen.
Das gilt auch für die Regierung und erst recht für die an die Macht drängende Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Vor allem die PiS, zu vergangenen Regierungszeiten besonders enger Partner der katholischen Kirche, ist gegen die Aufnahme einer großen Zahl von Flüchtlingen. Erst recht ist sie gegen Flüchtlingsquoten der EU: Das unterstrich Andrzej Duda, der von der PiS gestellte neue Präsident Polens, erst am Dienstag wieder. [……] Die katholische Kirche [……] zeigt sich tatsächlich nicht als Anhängerin einer Aufnahme vieler Flüchtlinge.
Zwar gehen Polens Bischöfe nicht so weit wie der ungarische Bischof László Kiss-Rigó, der den Papst offen kritisierte und von einer "Invasion" durch muslimische Flüchtlinge sprach, die "Allah ist groß" riefen und Ungarn erobern wollten. Doch auch in Polen machen Geistliche seit Monaten gegen muslimische Flüchtlinge mit dem Argument Stimmung, sie könnten - etwa als eingeschmuggelte Terroristen des Islamischen Staates (IS) - Polens Sicherheit gefährden.

mdr
Der Krakauer Bischof Tadeusz Pieronek, Ex-Vorsitzender der Bischofskonferenz, sekundierte am Mittwoch in einem Interview der Tageszeitung Fakt, Ängste vor muslimischen Flüchtlingen seien "berechtigt". Es werde immer schwierig sein, Muslime von Kämpfern des IS zu unterscheiden. [……]

Vielleicht halten Sie, Bergoglio, lieber in Zukunft einfach die Klappe, wenn es um Flüchtlinge geht, so lange Ihre eigenen Topkleriker gegen Menschen in Not hetzen und Sie selbst mit Vorliebe die menschenfeindlichsten Hetzer der Flüchtlingspolitik wie Salvini und Seehofer zu Audienzen empfangen, um mit ihnen um die Wette grinsend Wahlkampfhilfe zu geben.

[….] "Trendsetter" dieser amoralischen Entwicklung ist ausgerechnet Italien, der Schoß der katholischen Kirche. Den jüngsten Coup landete dieser Tage der italienische Senat, der kurz vor den Ferien auf Druck von Innenminister Salvini ein irrwitziges Gesetz durchgewunken hat. Ein Gesetz, das die Todesrate im Mittelmeer weiter ansteigen lässt.
Das Machwerk verlangt von den Behörden, Seenotretter mit einer Strafe von bis zu einer Million Euro zu belegen, wenn sie ohne Erlaubnis einen italienischen Hafen anlaufen. [……] Innenminister Salvini [……] kümmert es nicht, ob das Gesetz möglicherweise die Verfassung oder das internationale Seerecht tangiert.
[……] Da fragt man sich, wo das kollektive christliche Gewissen geblieben ist. Einzelne Aufschreie besonnener Italiener verhallen im tosenden Applaus für Salvini. Vor allem aber: Wo bleibt der Aufschrei von Papst Franziskus? Wo bleibt seine Anmahnung der christlichen Barmerzigkeit und Nächstenliebe?
[……]  Jetzt, wenn sich das Drama vor seiner Haustüre zuspitzt? Das Schweigen hat wohl einen einfachen Grund: 80 Prozent der Italiener sind katholisch. Auch die Mehrheit der Abgeordneten. Franziskus hat Angst, den Zorn eines großen Teils der italienischen Bevölkerung auf sich zu laden, der Salvini zujubelt. Angst um seinen Ruf.
Das italienische Phänomen lässt sich auch in den USA beobachten. Dort grassiert es auch bei den Musterchristen, den Frommen aus Freikirchen. Rund 80 Prozent wählten bekanntlich Donald Trump. Einen Mann also, der Frauen verachtet, Flüchtlinge verhöhnt, Hispanos mit Tieren vergleicht, lügt, Verschwörungstheorien verbreitet und rassistische Ideen absondert. Und alles deutet darauf hin, dass sie ihn wieder wählen werden.
Ähnlich verhält es sich in Brasilien, wo christliche Kreise stramm hinter Präsident Bolsonaro stehen. [….]

Sie, Bergoglio, führen sich zu Weihnachten als guter Mensch auf und sind ein elender Heuchler. Schlimmer als diejenigen, die wenigstens ehrlich sagen, daß sie Migranten hassen und ins Meer treiben wollen.