Ist es meine chronische Übermüdung? Mangelnde Aufmerksamkeit
oder bereits einsetzende Demenz?
Heute las ich versehentlich die dem Hamburger Abendblatt
beiliegende Kirchenpostille „Himmel und Elbe“.
[…..] Sie erscheint achtmal im Jahr im Tabloid-Format und entsteht in
Zusammenarbeit mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche, der Diakonie, der
Katholischen Kirche und der Caritas. Herzstück des Heftes ist eine große, üppig
bebilderte Reportage. Ein Erzählstück, das ganz nahe an Menschen rangeht - auch
in seiner Bildsprache - und von Ängsten und Sehnsüchten, Höhen und Tiefen in
ihrem Leben berichtet. […..]
(HH Abla 2011)
Es ist unglaublich absurd, daß ich als Atheist gegen meinen
Willen diesen Mist geliefert bekomme. In einem Stadtstaat, einer Stadt, in der 99% der Menschen ohnehin nie in die Kirche
gehen.
Es ist ein Meisterstück der des Lobbyeinflusses der
steinreichen Klerikalen, daß sie auch in der absoluten Diaspora in der Lage
sind Konfessionsfreie und Selbstdenker nicht nur mit ihrer Propaganda zu
überziehen, sondern diese auch noch zwingen, selbst dafür zu zahlen.
Allerdings kenne ich keinen Abendblatt-Leser, der diese Beilage
nicht sofort in die Altpapiertonne wirft. Denn nur da gehört sie hin.
Wer sich allerdings; anders als ich; heute immer noch fragt
wieso denn eigentlich beide großen Kirchen in Deutschland kontinuierlich so
dramatisch Mitglieder verlieren, dem sei die „Himmel und Elbe“-Lektüre
empfohlen.
Hier kulminieren alle kommunikativen Fehler der Amtskirche.
Es wird eine unendlich öde Sprache praktiziert, die ich mir nur
damit erklären kann, daß die Theologiefakultäten systematisch von Atheisten
unterwandert wurden, die den zukünftigen Pfaffen einbläuen wie man Reden ohne
echte Aussagen so garantiert frei von Klimax und Spannungsbögen hält, daß
selbst wohlwollende Zuhörer eingeschläfert werden.
Unter „Homiletik“ versteht man heute offenbar die Kunst
Gläubige zu vergraulen.
Neben der unendlichen Langweile, die Theologinnen verbreiten
– die EKD-Führung ist heute überwiegend weiblich – ist das zweite große
Kennzeichen evangelischer Theologie die völlige Unfähigkeit zu abstrahieren und
sich in andere Perspektiven hineinzudenken.
Theologinnen halten sich selbst für den Nabel der Welt und
kommen gar nicht auf den Gedanken, es könne auch andersdenkende und andersfühlende
Mitbürger geben.
(….) Evangelische Theologie ist heutzutage ziemlich
weiblich, aber das ist wahrlich kein Aushängeschild für den Feminismus. Da sich
gebildete und intelligente Menschen beiderlei Geschlechts ohnehin von der
Kirche abwenden, bleiben offenbar keine durchschnittlichen Frauen der rapide
schrumpfenden Kirche als Pfarrerinnen erhalten, sondern es sind die geistig Schlichtesten, die sich zu Geistlichen entwickeln.
(…..) Frappierend ist insbesondere die Unfähigkeit
dieser Kategorie der Plapper-Bischöfinnen über ihren eigenen Tellerrand
hinauszublicken.
Genau wie Kollegin Käßmann, nimmt auch Breit-Keßler
stets sich selbst und ihr eigenes Leben zum Maßstab.
In ihren Texten erzählt sie aus ihrer Familie, ihrem Alltag,
beschreibt was ihr gefällt und
überträgt das dann flugs auf alle anderen.
Die ganze bischöfliche Theologie ließe sich auf den
Kernsatz: „Seid alle so wie ich, dann wird alles gut!“ reduzieren. Auch in der heutigen Kolumne geht das so. (….)
(Kirchenaustrittswochende 24.03.2016)
Die frömmelnden Frauen im Norden halten sich
ebenfalls streng an dieses Muster.
Den Begriff Schuld kann man auf viele Arten
und Weisen betrachten [….] Ich erinnere mich noch gut
an eine Situation, in der ich als Kind einen Freund aus Wut beschuldigt habe,
etwas getan zu haben, und er dann eine Strafe von seinen Eltern erhielt, die er
eigentlich gar nicht verdient hatte. Ich hatte hinterher Scham-und
Schuldgefühle, konnte schlecht schlafen. Als mein Kumpel mir vergab, fühlte ich
mich wie von einer Last befreit. [….] Und vielleicht kann auch der Glaube helfen, wenn man sich sicher ist,
dass Gott immer zu einem hält, egal was man gemacht hat. (Sabine Tesche, Himmel & Elbe, Februar 2017)
„Und wo bleibt das Positive?“, wurde der
Schriftsteller Erich Kästner seinerzeit immer wieder gefragt, wenn er
seine zeitkritischen Gedichte und Kolumnen veröffentlichte. [….] Witze, die mitunter gerade aufgrund ihrer Arglosigkeit, in der sie
daherkommen, umwerfend wirken, uns erheitern und im selben Moment zum
Nachdenken bringen. Zu diesen gehört für mich jener: „Was sagt eine Schnecke,
die auf dem Rücken einer Schildkröte sitzt? – Hui!“ Das ist nicht nur einer der
besten Schneckenwitze, die ich kenne. Er ist darüber hinaus auch tiefsinniger,
als er zunächst klingt. Ich sehe zumindest sofort die Schnecke vor mir, der der
Fahrwind die Fühler um die Ohren schlenkert. [….]
(Pröbstin
Astrid Kleist)
[….] wenn ich
in die Kirche gehe, ist für mich der Segen am Schluss des Gottesdienstes immer
ein Höhepunkt. Weil er Kraft gibt, vielleicht Auch
beruhigend ist. Ich habe danach immer das Gefühl, unter Gottes Schutz zu stehen
– zumindest für den Tag oder den Anfang der Woche [….] Manche empfinden es als Segen, Freunde oder eine nette Familie zu
haben. Und das Schönste ist, jeder kann ihn geben: Die Eltern ihrem
heiratswilligem Sohn, die Ehefrau ihrem Mann auf den Arbeitsweg, eine Kollegin
einer anderen für eine Reise.[….]
(Sabine
Tesche, Himmel und Elbe, 2016)
„Ich musste
sofort an die Worte meiner Mutter denken: Auch in brenzligen Situationen
ruhigbleiben.“ Entscheidend ist zudem ein festes Wertegerüst, ein Glaube oder
eine Hoffnung. Kürzlich erzählte mir eine Freundin, sie stecke in Gedanken jede
gute Erfahrung in ihrem Leben in einen imaginären „Mutmachkoffer“. Bei Bedarf
schöpfe sie aus diesem Fundus, wenn sie verzagt sei und sich selbst Mut
zuspreche. Ganz ähnlich ist es mit unserer christlichen Tradition: Sie ist ein
unerschöpflicher Fundus von Mutmachgeschichten.
(Bischöfin
Kirsten Fehrs, Februar 2016)
Ich lese
gerade begeistert ein Buch über Hummeln. [….] Nicht
nur, dass die pummeligpelzigen Tierchen die Gesetze der Erdanziehung überlisten
und darin ein Wunder sind. Wie viele Abermillionen von Tomaten, Gurken und
Johannisbeeren werden jährlich durch sie bestäubt! Was für einen riesigen
Nutzen wir von diesen putzigen Lebewesen haben, war mir bis dahin nicht
bewusst.[….]
(Pröbstin
Astrid Kleist, Juni 2016)
Die norddeutschen Top-Theologinnen erstaunen nicht
nur mit der sagenhaften Banalität ihrer Gedanken, sondern auch mit einer
geradezu unheimlichen Unfähigkeit zur Abstraktion. Sie scheinen allesamt
überhaupt nicht über ihren eigenen Horizont hinausblicken zu können und sehen
die Gesellschaft als glückliches Abziehbild der 1950er Jahre, als der Mann
arbeiten ging, die glückliche Hausfrau ihm auf dem Weg ihren Segen wünschte und
alle zufrieden in die Kirche gingen.
Andere Lebensentwürfe, die nicht der
Bilderbuchfamilie entsprechen kennen sie gar nicht; echte Probleme wie Drogen,
Depressionen oder Gewalt kommen ihnen gar nicht in den Sinn. (….)
(Die kleinen Freuden genießen, 18.03.2017)
Diese Promi-Theologinnen – dazu gehört insbesondere auch die
Ethik-Rätin Petra Bahr mit ihrer einmaligen gedanklichen
Schlichtheit – projizieren aber ihre eigene simple
Gedankenwelt nicht nur auf alle anderen, sondern sie ignorieren auch hartnäckig
die Realität.
Die heutige „Himmel und Elbe“-Ausgabe behandelt das Thema „Rituale“.
Schon das ist eine sagenhaft öde Schwerpunktsetzung. Wer hat
schon einmal einen Theologen gehört, der nicht irgendwann anfängt das Mantra
von der Wichtigkeit der Rituale aufzusagen?
Das ist nur zu verständlich in einer konfessionsfreien Welt,
in der niemand mehr auf die Kirche hört, aber dennoch bei Tod, Geburt und
Hochzeit einen Pfaff dabei haben wollen. Das sind die entscheidenden
Schnittstellen für die Geldmaschine Kirche, um die Menschen dazu zu bringen zu
zahlen.
Ausgerechnet im Dezember, kurz vor Weihnachten, die Rituale
zu beschwören ist in etwa so einfallsreich wie Socken, Parfum und Krawatten zu
verschenken.
Ich stolpere aber auch deswegen über das Thema, weil ich
selbst ganz Ritual-frei lebe und es ausgesprochen unsinnig finde zum Geburtstag
oder dem Tod der Mutter oder des Vaters ein Ritual zu absolvieren, um Gefühle
auszudrücken.
Im Gegenteil, ich halte Rituale eher für Ablenkungen, die
das rationale Denken blockieren und zudem oft mit Zwang vollzogen, so daß die
Teilnehmer unangenehm berührt werden.
Es ist großer Mist eine Urne in der Hand zu halten, in der sich
die Asche der Mutter befindet, aber für mich fühlt es sich wie eine Flucht und
große Unehrlichkeit an, wenn ich in so einem Moment ein überkommenes Ritual
beginne.
Warum? Ist es nicht besser ohne Gedanken- und
Handlungskorsett zu formulieren was man denkt?
Die Hauptartikel der heutigen Beilage sind ein Interview mit
unserer Bischöfin Kirsten Fehrs, die von dem Ritual der Verabschiedung von
ihrem Mann jeden Morgen erzählt und erklärt, wie sie ihr Wohnzimmer umräumen
musste, Kerzen anzündete, um in Corona-Zeiten den TV-Gottesdienst zu genießen.
[…..] Das Wichtigste ist der Segen! [….] Die ersten Sonntage
während des Lockdowns im Frühjahr habe ich vor dem Fernseher versucht,
mitzufeiern. Ich wusste nicht: Soll ich aufstehen beim
Vaterunser, die Kaffeetasse im Wohnzimmer dabei im Blick? Das
war gewöhnungsbedürftig. Dann
haben mein Mann und ich den Raum verändert, die banalen Dinge zur Seite gestellt, eine
Kerze angezündet. Zugleich haben wir
gemerkt: Das Gemeinschaftserlebnis im
Gottesdienst ist schwer
ersetzbar, es ist elementar in unserem Glauben. [….]
(Bischöfin Fehrs, Himmel
und Elbe, 08.12.2020)
Nun ist Fehrs unter den deutschen Bischöfen noch
vergleichsweise erträglich und keineswegs derartig verblödet wie ihre
Kolleginnen Bischöfin Käßmann oder Bischöfin Breit-Kessler.
Fehrs wirkt geradezu sympathisch, wenn sie davon erzählt wie
sie beim virtuellen Gottesdienst fremdelt, aber diese persönlichen Einblicke
sind eben auch nur persönlich.
Für die allermeisten Menschen ist dieser Segen offensichtlich völlig unwichtig. Anderenfalls würden mehr als 1% der
Hamburger das Bedürfnis verspüren sich im Gottesdienst segnen zu lassen.
[….] Ich glaube, dass es
eine starke Segenssehnsucht gibt, gerade in diesen
verunsichernden Zeiten. Aber die Menschen wissen schlicht oft nicht, an wen sie
sich dafür wenden sollen. […..]
(Bischöfin Fehrs, Himmel
und Elbe, 08.12.2020)
Das erklärt wohl den dramatischen Misserfolg der EKD in
Hamburg.
Fehrs glaubt offenbar, alle Menschen hätten
religiotisch-irrationale Sehnsüchte.
Das ist erstens offensichtlich gerade nicht der Fall und
zweitens sollten aufgeklärte und selbstdenkende Menschen sich eben gerade nicht
mental vom „Segen“ einer Ideologie mit extrem gewalttätiger, antisemitischer,
misogynen, homophoben und sexistischen Lehre abhängig machen.
Der Hauptartikel der Rituale-Beilage stammt von der
katholischen Theologin Claudia Kolf-van Medis und ist noch schlechter.
[…..] „Papa, liest du mir noch etwas vor?“ Viele Eltern kennen diese Frage
ihrer Kinder nach der gewohnten Geschichte vor dem Einschlafen. Kinder lieben
Wiederholungen und die damit verbundenen Rituale und fordern ihre regelmäßige
Einhaltung ein. Rituale wie die Geschichte am Abend geben Struktur und
vertiefen die Beziehung, sie vermitteln damit Orientierung und Verlässlichkeit.
Das spüren und wissen nicht nur Kinder, sondern auch wir Erwachsenen. Wir alle kennen Rituale. Dazu gehören religiöse Praktiken wie Gebete,
Besuche von Gottesdiensten, das Feiern von Festen im Jahreskreis wie
Weihnachten und Ostern oder auch Alltagsrituale wie der Kuss zum Abschied, der
„Tatort“ am Sonntagabend oder das gemeinsame Frühstück am Wochenende. [……]
(Kolf-van Medis, 08.12.20)
Da ist sie wieder die schöne heile Familienwelt der 1950er
Jahre, in der auch die Katholiban lebt.
Hamburg ist die Stadt mit über 50% Singlehaushalten und 82%
der Haushalte ganz ohne Kinder.
(….) Das halte ich für vollkommen natürlich, da deutlich über 80% der Haushalte in Hamburg kinderlos
sind.
[…..] In
18,0 Prozent aller Hamburger Haushalte lebten Ende 2019 Kinder unter
18 Jahren. Dabei bestanden zwischen den Stadtteilen starke Unterschiede:
Die anteilig meisten Haushalte mit Kindern gab es in Billwerder
(33,5 Prozent) und Neuallermöhe (31,7 Prozent). Verhältnismäßig
wenige Haushalte mit Kindern gab es dagegen in den innerstädtischen Gebieten.
So lagen in Kleiner Grasbrook/Steinwerder, St. Georg, Barmbek-Nord, Barmbek-Süd
und Dulsberg die Anteile der Haushalte mit Kindern jeweils bei unter elf
Prozent. Das geht aus einer Auswertung des Melderegisters zum Stichtag
31.12.2019 hervor, die das Statistikamt Nord durchgeführt hat. […..] (Statistik Nord, 136/2020)
Kinder werden zudem überdurchschnittlich oft in bildungsfernen
Haushalten und Gegenden außerhalb der Innenstadt geboren; zwei weitere
Faktoren, die gegen Kinder in meiner Lebenswelt sprechen. (…..)
(Kinderwunsch, 04.12.2020)
Hätte Kolf-van Medis in den letzten 20 Jahren nicht fest die
Augen vor der Realität verschlossen, wüßte sie, daß der Philologenverband stets
beklagt, es werde eben gar nicht mehr gelesen.
Es gab da nämlich dieses Internet und diese Computer.
Als Theologin preist sie, Überraschung, vor allem die
religiösen Rituale.
[……] In allen Religionen sind Rituale wichtig und unverzichtbar. Sie drücken
den Glauben in Gedanken, Worten und Symbolen aus. Wir kommunizieren mit
Ritualen. Sie können auf zweierlei Weisen wirksam werden: Von außen nach innen,
wenn wir uns vorgegebene Riten individuell aneignen und diese für uns zu einer
eigenen religiösen Erfahrung werden, wie zum Beispiel ein Gebet, das ich als
Kind gelernt habe und das sich auch im Erwachsenenalter bewährt. Oder Rituale
wirken von innen nach außen, wenn ein eigenes Bedürfnis einen Ausdruck in einem
Ritual findet, wie etwa der Gang zum Grab am Todestag eines geliebten Menschen.
So kann Glaube sich weiterentwickeln und neue Rituale schaffen. Rituale sind mehrdeutig und offen für verschiedene Auslegungen. So
verbindet wohl jeder Mensch etwas anderes mit einem Ritual, das gern
praktiziert wird. So kann die Bedeutung einer entzündeten Kerze unterschiedlich
sein, aber selten geht es nur darum, dass es heller wird. Viel wichtiger ist
die eigene Deutung des Symbols Kerze, etwa als Zeichen der Hoffnung oder der Erinnerung.
[……]
(Kolf-van Medis, 08.12.20)
Upps, fast hätte sich zugegeben, daß Rituale verzichtbar
sind, da offensichtlich Religion für viele Menschen verzichtbar ist.
Ähnlich wie Trump, der sich gelegentlich verplappert und
doch schon davon spricht das Weiße Haus zu verlassen, während er gerade
behauptet die Wahl haushoch gewonnen zu haben.
Dieser ketzerische Gedanke geht allerdings in dem sinnfreien
Geschwurbel über Kerzen unter.
Natürlich sind Kerzen seit Jahrtausenden Symbole für alles
Mögliche und waren insbesondere vor der Erfindung der Elektrizität
unverzichtbar.
Weltweit gibt es eine große Kerzenindustrie, weil sie als
Schmuckstücke oder als Geschenke verwendet werden. Seit einigen Jahren sind
hochpreisige Duftkerzen groß in Mode; auch als zusätzliches Standbein der
Parfümindustrie. Andere Kerzen werden mit speziellen Inhaltsstoffen versehen,
um bei lauen Sommerabenden die Insekten zu vertreiben.
Im Kerzenschein versucht man Romanik zu erzeugen, wenn man
sich Geschlechtsverkehr erhofft.
Ich mache jeden Abend zwei Kerzen an, weil ich fast immer
Tee trinke, der auf einem Stövchen mit einem Teelicht steht. So bleibt der Tee
heiß.
Mit Ritualen oder „Zeichen der Hoffnung und Erinnerung“ hat
das in den meisten Fällen rein gar nichts zu tun.
Wenn man mich als Ungläubigen bäte eine Sketch über den
totalen gesellschaftlichen Realitätsverlust von Theologen zu schreiben, um zu
erklären wieso so viele Menschen aus der Kirche austreten, würde ich mir
genauso so eine Theologin ausdenken. Da bekommen sie ACHT ZEITUNGSSEITEN in
einer großen Tageszeitung zur freien Verfügung, also mehr Propagandaplatz als
die gesamte Mehrheit der deutschen Atheisten in 100 Jahren hat, um die Leute zu
packen und dann kommt so ein seichtes Geplapper von der Symbolkraft der Kerze
und wie schön es doch war, als Papi uns früher vorgelesen hat.
Meine Deutschlehrerin hätte schlicht und ergreifend „Thema
verfehlt, Null Punkte“ drunter geschrieben.
Natürlich will nur eine winzige Minderheit der Hamburger mit
so einer inhaltlichen Leere konfrontiert werden.
(…. ) Von den 7% Katholiken gingen 8% im Jahr 2017
regelmäßig in den Gottesdienst, das sind etwa 0,5% der Hamburger. Dabei haben die Mitgliedszahlen noch keine
Aussagekraft über die Gläubigkeit der Hamburger. Die meisten Mitglieder sind
Karteileichen oder aber gezwungen Mitglied zu sein, weil sie ich einer
Einrichtung unter kirchlicher Trägerschaft angestellt sind, Eltern in einem
Heim des Diakonischen Werks untergebracht haben oder auf einen evangelischen
KITA-Platz angewiesen sind.
Schon vor 20 Jahren stellte der IBKA fest, daß 98%
der Hamburger nicht mehr inhaltlich von den beiden großen Kirchen vertreten
werden.
[….] Inhaltlich
vertreten die beiden Kirchen nur noch 2,1 % der Bevölkerung
Wie gering die
Verbundenheit der Kirchenmitglieder mit ihren Kirchen ist, zeigt auch eine
Umfrage aus dem Jahre 2002 (vgl. anliegende Nr. 3) nach der sich nur 11 % der
Bevölkerung und nur 14 % der Protestanten als "gläubige Kirchennahe"
verstehen.
Geht man
zusätzlich davon aus:
dass sich 72 % der evangelischen Kirchenmitglieder
überhaupt nicht mehr am Leben ihrer Kirchengemeinde beteiligen2 und
dass am 1. Fastensonntag Invokavit 2,4 %
der Evangelischen in Nordelbien (54.000 von 2.234.000 Kirchenmitgliedern) den
Haupt - oder Kindergottesdienst besuchen3, und
von den Katholiken im Erzbistum Hamburg
(405.000) 13,1 % (53.000) als Teilnehmer/-innen am sonntäglichen Gottesdienst
gezählt wurden4
und sich in
der Kirchgangshäufigkeit eine öffentlich bekundete enge Verbundenheit und
innere Übereinstimmung mit den Kirchen ausdrückt, so befinden sich in Hamburg
nur noch 13.600 Evangelische und 23.300 Katholiken in innerer und äußerer
Verbundenheit mit ihren Kirchen. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung
repräsentiert die evangelische Kirche 0,78 % und die katholische Kirche 1,34 %
der Bevölkerung in Hamburg.
Diese geringen
Größenordnungen - für wie viele Menschen in Hamburg die beiden Kirchen
tatsächlich vertretungsberechtigt sind - dürften ein politisch-demokratisches
Interesse des Hamburger Staates an einem Vertrag mit diesen Organisationen
ausschließen. [….]
(IBKA 2002)
Von den etwa 25% der evangelischen Hamburger (2017),
gehen nur 2% regelmäßig in einen Gottesdienst.
Das sind noch mal 0,5% aller Hamburger.
2017 ging also maximal 1% der Hamburger sonntags in
einen Gottesdienst Jeder 100. Hanseat steht dafür auf, während 99 besseres zu
tun haben.
Tendenz weiter stark fallend. (…..)
(Das 99%-Bundesland, 27.11.2020)
Kolf-van Medis leitet das Referat „Religionspädagogik in
Kitas“ im Erzbistum Hamburg und muss dementsprechend im finalen Absatz das
frömmelnde Fazit hin klatschen, das ich aus all den intellektuell billigen Kolumnen
christlicher TV-Zeitschriften kenne. Natürlich mit aktuellem Corona-Bezug.
[…..] Wenn es in unserer Zeit ausdrucksstarke Bilder für den Sinn und die
Bedeutung von Ritualen gibt, dann sind es diese: Rituale sind Anker in
unruhigen Zeiten. Und sie sind Segel, die in Bewegung bringen, was das Hier und
Jetzt überschreitet, Hoffnung gibt und den Blick in die Zukunft weitet. […..]
(Kolf-van Medis, 08.12.20)
Was will uns die Autorin damit sagen? Sie steht immerhin in
Diensten der Organisation, die ohne irgendeine lebensnotwendige Notwendigkeit
weiterhin ihre Corona-Spreader-Events abhält.
Ich musste es zweimal lesen. Hat die erzbischöfliche
Pädagogin hier etwa etwas Sinnvolles gesagt? Segel, die in Bewegung bringen, was das Hier und Jetzt überschreitet?
Aber nach dem dritten Lesen bin ich mir doch sicher: In
ihren Worten verbirgt sich keinerlei sinnvolle Aussage; es ist bloß das übliche
Theologinnen-Geschwafel und wird glücklicherweise niemanden dazu bewegen in
ihrem Verein mitzumachen.