Sonntag, 13. Dezember 2020

Immer noch nicht begriffen.

Jeder, der Augen im Kopf hat, konnte es seit Monaten sehen.

Jeder, der Augen im Kopf hat, konnte es seit Monaten lesen.

Es ist geradezu unheimlich wie präzise die Fachleute Prof. Drosten und Prof. Lauterbach genau das Infektionsgeschehen für das Ende des Jahres vorhersagten, das wir nun erleben.

Anders als klassische Kassandras wurden sie sogar durchaus gehört, ernst genommen und waren ständig öffentlich präsent.

Aber insbesondere die Ministerpräsidenten von NRW, Bayern und Ostdeutschland (Sachsen!) mussten ihr eigenes Süppchen kochen, ihre Muskeln spielen lassen, bayerische Starkbierfeste feiern und um der Medienöffentlichkeit willen Sonderregelungen durchsetzen. Der ein oder andere von ihnen will schließlich mal Bundeskanzler werden und konnte daher nicht widerstehen, die Chance zu nutzen sich beliebt und bekannt zu machen, statt ausschließlich das Wohl des Volkes im Auge zu haben.

Und so kam es wie es kommen mußte; die aussichtsreichsten Kanzlerkandidaten Söder und Laschet zeigten der Nation wie unfähig, unvernünftig und verantwortungslos sie sind.

In Bayern und NRW wütet Corona am schlimmsten.

Das deutsche Regierungsversagen ist gewaltig und offensichtlich, wie man unter anderem in der aktuellen SPIEGEL-Titelstory „Halbherziger Shutdown, Tausende Tote: Warum Deutschland im Corona-Winter so kläglich versagt“ nachlesen kann.

Der größte Versager von allen dürfte dabei Bundesgesundheitsminister Spahn sein, der dem Volk leutselig empfahl ruhig öfter mal zu gurgeln und sich ansonsten offenbar mehr um seine neue Oligarchenvilla in Dahlem kümmerte.

Und so müssen wir erleben, daß ausgerechnet in Deutschland, das vor sechs Monaten so viel besser als vergleichbare Länder da stand, das eine allgemeine Krankenversicherung kennt und in dem auch der erste seriöse Corona-Impfstoff entwickelt wurde, leider keine Vorkehrungen getroffen wurden.

Was für ein Treppenwitz – bei den Corona-Leugner Johnson und Trump wird bereits geimpft, aber Jens Spahn kommt nicht in Wallung. Spahn verschlief es bis heute für ausreichend FFP-Masken und Schnelltests zu sorgen.

Das Hamburger Pflegeheim, in dem ich zu tun habe, kündigte schon vor zwei Monaten einen mobilen Container für Corona-Schnelltests an, so daß Besucher sich vorher testen lassen können.

Die Kapazitäten sind immer noch nicht da und so wurde vor einer Woche erneut ein totales Besuchsverbot verhängt; also genau das was der Bundesgesundheitsminister noch im September ausschloss, dann aber offensichtlich die Hände in den Schoß legte und sich vermutlich nur noch um die Einrichtung seiner neuen Multimillionen-Villa kümmerte.

Wäre Angela Merkel eine wirklich verantwortungsvolle Kanzlerin, hätte sie Spahn längst mit einem kräftigen Tritt gefeuert und stattdessen Karl Lauterbach zum Bundesgesundheitsminister gemacht.

Aber wir leisten uns lieber Pfeifen an den Schaltstellen und haben dafür ein paar Tausend Tote mehr.

Der heute angesetzte Dezember-Lockdown ist so überraschend wie das Amen in der Kirche, nachdem sich all die C-Politiker ein halbes Jahr öffentlich spreizten.

[…..] Das haben sich alle gemeinsam eingebrockt   […..] Jetzt kommt, was das ganze Land vermeiden wollte: Ein scharfer Lockdown wird Deutschland über Wochen stillstehen lassen. […..]  Jetzt kommt die schwerste Phase in dieser Krise.   Wer nicht hören will, muss fühlen - so altmodisch und abstoßend dieser Spruch klingt, so treffend beschreibt er doch, was passiert ist. Denn auch wenn die Verlockung sehr schnell groß sein wird, "der Politik", "der Regierung" oder "den Ministerpräsidenten" die Schuld zuzuweisen - diesen Schlamassel haben sich alle gemeinsam eingebrockt. Das Kollektiv hat versagt; so muss man das zusammenfassen. […..] Die Bundesregierung [wirkte] nach der ersten Welle merkwürdig unvorbereitet […..], als es im Herbst wieder losging.  So wurden viele Gesundheitsämter nicht so verstärkt, wie es nötig gewesen wäre. Auch wenn diese formal kommunale Behörden sind, hätte der Bund in diesem vernetzten Gesundheitssystem nach der Krise im Frühjahr unterstützend eingreifen können, ja müssen. Außerdem fehlen in vielen Pflegeheimen ausgerechnet jetzt die besonders sicheren FFP2-Masken. […..]

(Stefan Braun, SZ, 14.12.2020)

Unglücklicherweise ist immer noch keine Vernunft eingekehrt.

Die Religioten-Übermacht in den 17 deutschen Regierungen  mit ihren katastrophalen Weihnachtsversprechen sorgt weiterhin für absolut vermeidbares Virus-Spreading.

[…..] Gottesdienste in Kirchen, Synagogen und Moscheen sowie die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften sind nur zulässig, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt werden kann. Es gilt Maskenpflicht auch am Platz, der Gemeindegesang ist untersagt. Wenn volle Besetzung erwartet wird, sollen sich die Besucher anmelden […..]

(Tagesschau, 13.12.20)

Der Mensch braucht Lebensmittel, Ärzte, Apotheken.

Der Mensch braucht aber keine Zusammenrottungen in Gottesdiensten!

Zumal leere Kirchen, Moscheen und Synagogen ohne ökonomische Bedeutung sind, während geschlossene Restaurants, Theater und Hotels gewaltige finanzielle Schäden hinterlassen.

Spahn, die MPs und die Kanzlerin haben offensichtlich immer noch nicht ausreichend begriffen was eine Pandemie ist.

Indem sie im Shutdown weiterhin die Kirchen offen lassen, sorgen sie nur für eine Verlängerung der Pandemie und mehr Tote.

Samstag, 12. Dezember 2020

Ist es doch noch nicht vorbei?

Als dann, eine knappe Woche nach dem 03.11.2020 die Stimmen der US-Wahl soweit ausgezählt waren, daß an Joe Bidens Sieg über Donald Trump feststand; er sogar mit 306 Wahlmännern sehr deutlich über der magischen Präsidentenschwelle von 270 Stimmen im Electoral College liegt, als die amerikanischen News-Sender ihn „President elect“ nannten, als er mit der zukünftigen Vizepräsidentin Kamala Harris bei seiner Siegesrede in Wilmington am 08.11. den Trumpianern die Hand ausstreckte, als auch FOX keinen Zweifel mehr daran ließ wer die USA ab dem 21.01.2021 regieren würde, blickte die gute Hälfte des „sane America“ milde auf Donald Trump.

Trump gratulierte seinem Nachfolger nicht, er ließ die Finanzmittel für Bidens Transition-Team sperren, verwehrte den Zugang zu den Geheimdienstinformationen und hielt - natürlich – nicht die von einigen erwartete Concession-Speech.

So ein Verhalten wäre bei jedem anderen der bisherigen 45 US-Präsidenten als ungeheuerlicher Skandal bewertet worden.

Ist doch die friedliche Machtübergabe der innerste Kern der US-Verfassung, die wichtigste Überzeugung des Gründungsmythos‘ einer Nation, deren „founding fathers“ alles dafür taten, um ihre Bürger für alle Ewigkeit vor einem „Mad King“ zu beschützen.

Ein Vierteljahrtausend, seit 1797, hatte es stets funktioniert. Kriege, Sklaverei, brutale Menschenrechtsverletzungen, Rassismus, Bürgerkrieg, systematische Misogynie und Homophobie konnten dem Grundprinzip der „peaceful transition of power“ nichts anhaben.

Wieso wurde also Donald Trump nach diesen ungeheuerlichen Attacken auf die US-Verfassung nicht spätestens in den Tagen nach dem 08.11.2020 mit Forken und Mistgabeln aus dem Weißen Haus gejagt?

Zumal sich das Land in einer miserablen Verfassung wie nie befindet? 50 Millionen Amerikanern hungern, zig Millionen stehen vor der Obdachlosigkeit und jeden Tag sterben 3.000 Menschen durch das katastrophale Corona-Missmanagement Trumps. Jeden Tag mehr als ein 9/11.

Der Grund ist die Gewöhnung an den Wahnsinn.

Trump lügt jeden Tag wie gedruckt. Das weiß jeder. Er ist kein Demokrat, er ist ungebildet, er kennt die Verfassung nicht, er ist mental schwer gestört, er kann sich nicht kontrollieren. Seine schwere Persönlichkeitsstörung macht es ihm unmöglich eine Niederlage einzugestehen. Also läßt man ihn lügen und die Verfassung schleifen, so wie man einem an Tourette Leidenden nachsieht „ich ficke die Neger“ zu grölen: Es ist eine Krankheit, er kann nichts dafür.

Und so berichteten die CNN-hosts Tapper, Cooper, Cuomo, Lemon zwar pflichtschuldig über Trumps abartiges Verhalten; er ist schließlich Präsident; nahmen ihn aber nicht ernst. Bald würde es vorbei sein, bald würde Biden ins White House einziehen, bald müsse man sich nicht mehr um den Psychopathen IQ45 kümmern und es gäbe nichts, das die Republikaner und Trump dagegen tun könnten.

Einen Monat später, Mitte Dezember, wir befinden uns noch fünf Wochen vor der Amtsübernahme Joe Bidens, gibt es viel mehr Grund zu Besorgnis.

Trump ist zwar genauso bösartig und irre, wie man es kennt. Er lügt, hetzt, fordert zur Gewalt auf, bekämpft die US-Verfassung und die Realität.

„Sane America“ hatte aber die Republikaner immer noch für eine rechtsstaatliche Organisation gehalten - trotz der kontinuierlichen GOP-Entwicklung der letzten 20 Jahre, in denen sich die konservativ-christliche, patriotische und antizentralistische Partei in einen kriminellen, antidemokratischen, faschistischen Verschwörungskult verwandelte.

Was für ein Fehler. Bis heute gibt es nur eine sehr kleine Minderheit der Republikaner, die die Realität anerkennt.

Weite Teile haben sich vollständig dem psychotischen Trump-Untergangskult verschrieben und schicken mit Vergnügen ihre eigene Nation in die Hölle, wenn sie dafür nur von Trump gelobt werden.

Gestandene US-Senatoren, die noch im Jahr 2016 Donald Trump mit drastischen Worten öffentlich verdammten, ihn zu einem schwer gestörten Betrüger und pathologischen Lügner erklärten – Marco Rubio, Lindsey Graham, Ted Cruz – beugen sich nun voller Emphase und Begeisterung vorn über, präsentieren dem orangen Irren ihre nackten Hintern, in der Hoffnung coram publico von ihm gebumst zu werden.

Weit über 100 republikanische Abgeordnete unterstützen nun öffentlich den Versuch eines Staatsstreichs, der initiiert von Donald Trump, zuletzt aus Texas vor den Supreme Court gebracht wurde.

[….] 126 republikanische Abgeordnete haben eine Klage vor dem Obersten Gerichtshof unterschrieben, mit der das Wahlergebnis vom 3. November in sein Gegenteil verkehrt werden sollte. Auf den Punkt gebracht lautete ihre Forderung, dass nur Stimmen für den amtierenden Präsidenten Donald Trump gültige Stimmen sein können und die anderen deshalb annulliert werden müssten.  Von außen betrachtet stellt man sich schnell die Frage, wie es sein kann, dass gebildete Menschen mit langer politischer Erfahrung so viel Ignoranz gegenüber der Realität entwickeln können. Die Vorstellung verliert allerdings ihre Lächerlichkeit, wenn man auf das dahinter liegende Demokratieverständnis blickt: "In einer Demokratie gewinnt, wer sich durchsetzt. Wer ein Abstimmungsergebnis akzeptiert, hat schon verloren." […..]

(Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington, 12.12.20)

Trump war jeden Tag seiner Präsidentschaft sehr gefährlich, ist kurz davor den 300.000sten Covid19-Toten der USA verursacht zu haben, zerstörte die Beziehungen zum Rest der Welt, schürte Hunger und Rassenunruhen.

Aber nachdem er das zweite Mal deutlich die popular votes verlor; 2016 lag er mit knapp drei Millionen Stimmen hinter Clinton, 2020 mit über sieben Millionen Stimmen hinter Biden; bricht er endgültig mit dem Anschein ein Demokrat zu sein. Er will seine Nation lieber in Chaos und Gewalt untergehen sehen, als jemals einzuräumen, er könnte verloren haben.

Die Entspannung der US-amerikanischen Journalisten und Politologen aus den ersten Novemberwochen verfliegt.

Auch die hatten das Ausmaß der Heuchelei und Verkommenheit der gesamten republikanischen Partei immer noch unterschätzt und sehen nun mit an, wie diese Verbrecher auf einen Bürgerkrieg hinarbeiten.

Sie lassen Trumps neroesken Anstachelungen zu Bürgerkrieg und Chaos nicht nur geschehen, sondern unterstützen ihn.

Das könnte noch sehr sehr übel werden bis zur Amtsübergabe.

Daß Trump dort erscheint und Biden die Hand gibt, glaubt inzwischen niemand mehr.

Bestenfalls wird er schmollend und besessen twitternd in Mar A Lago sitzen. Vermutlich wird er persönlich sogar Gegenveranstaltungen abhalten. Möglicherweise wird er offen zu Gewalt und Widerstand gegen die US-Verfassung aufrufen.

Freitag, 11. Dezember 2020

CDU-Kandidat auf Abwegen

Die Pandemie verschärft die finanziellen Unterschiede in der Bevölkerung.

Die Habenichtse werden besonders extrem getroffen, während bei den Superreichen die Kassen klingeln wie nie.

[….] Nach einer Studie der Schweizer Großbank UBS und der Beratungsgesellschaft PWC sind die Vermögen der Ultrareichen bis Ende Juli 2020 auf ein neues Allzeithoch von 10,2 Billionen Dollar geklettert. Damit ist der bisherige Höchststand von 8,9 Billionen Dollar, der Ende 2017 erreicht wurde, deutlich übertroffen worden. Die Zahl der Milliardäre ist seither um 31 auf 2189 gestiegen. […..]

(FAZ, 07.10.2020)

Elon Musk (Vermögen 2019 nur 19,9 Milliarden Dollar) bringt es 2020 auf 68 Milliarden. Google-Gründer Sergey Brin (2019: 53,5 Milliarden Dollar) legte auf knapp 66 Milliarden zu, sein Kollege Larry Page (2019: 55,5 Milliarden Dollar) auf knapp 68 Milliarden Dollar.

Mark Zuckerberg legte von 70 Milliarden auf 85 Milliarden zu und schließlich Bezos, der von 115 Milliarden im Jahr 2019 nach der teuren Scheidung (Ex-Frau MacKenzie Scott bekam 70 Milliarden Dollar) wieder auf 180 Milliarden, andere sprechen von klar über 200 Milliarden, kletterte.

[….] Corona macht die reichsten US-Amerikaner noch reicher  [….] In den USA geht die Schere zwischen Reich und Arm in der Corona-Krise immer weiter auseinander. 17 der 20 reichsten US-Amerikaner sind laut dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ in den vergangenen zwölf Monaten reicher geworden. Und nicht etwa nur um einige Milliarden hier und da.  [….] Der Trend sorgt 2020 in den Forbes 400 für einen Rekord. Noch nie waren die 400 reichsten Amerikaner so reich. Ihr Gesamtvermögen stieg den Angaben zufolge um 240 Milliarden auf 3,2 Trillionen US-Dollar. Fast unglaublich, aber über ein Viertel des Zuwachses entfiel allein auf Jeff Bezos. [….]

(Capital, 05.11.2020)

Der groteske Vermögenszuwachs betrifft insbesondere die amerikanischen Tech-Giganten, aber natürlich auch viele andere Online-Handelsriesen oder Konzerne aus der Pharma- und Medizinbranche.

Besonders beliebt sind anschauliche Rechenbeispiele übe den Vermögenszuwachs des Amazon-Erfinders Jeff Bezos.

Jeff Bezos could give every Amazon employee $105,000 and still be as rich as he was before the pandemic.   If that doesn't convince you we need a wealth tax, I'm not sure what will.

(Robert Reich, 15. Sep. 2020)

During the worst economic downturn since the Great Depression, Jeff Bezos added $70,700,000,000 to his wealth.   Tax the rich.

(Robert Reich, 20.11.2020)

Amazon -- the richest corporation in the world, which paid almost no taxes last year -- is offering UNPAID time off for workers who are sick and just 2 weeks paid leave for workers who test positive for the virus. Meanwhile, it demands mandatory overtime.   Shame on Jeff Bezos.

(Robert Reich, 18.03.2020)

Billionaire wealth gains during pandemic:

Jeff Bezos +$81,000,000,000

Elon Musk +$60,000,000,000

Mark Zuckerberg +$41,000,000,000

Daniel Gilbert +$38,000,000,000

Bill Gates +$15,000,000,000

Charles Koch +$6,000,000,000

Meanwhile, 40M Americans face eviction.

Tax the rich.

(Robert Reich, 04.09.2020)

Inzwischen steuert Bezos auf 200 Milliarden Dollar zu und es wird einfach nicht weniger, obwohl er sich durchaus auch ein paar private Kleinigkeiten gönnt.

[…..] Bezos beschenkte sich selbst bereits mit Annehmlichkeiten wie einer 165-Millionen-Dollar-Villa in Beverly Hills, einem 80-Millionen-Dollar-Penthouse in New York, einer 65-Millionen-Dollar-Gulfstream für nähere Reisen und einem eigenen Raumfahrtunternehmen für geplante Fernreisen sowie einer 42-Millionen-Dollar-Uhr, die 10.000. Jahre laufen soll und für ihren Besitzer „ein Symbol für langfristiges Denken“ ist. [……]

(Oliver Stöwig, 12.11.2020)

Es ist aber schwer das Vermögen abzuschmelzen, wenn der Amazon-Gewinn im Jahr 2019 schon bei knapp 14 Milliarden Dollar lag und Bezos insgesamt 1,2% Steuern zahlte.

Immerhin; 2017 und 2018 zahlte Amazon gar keine Steuern in den USA, sondern bekam noch Geld von der Finanzbehörde.

[….] Wie viele andere große Unternehmen senkt Amazon seine Steuern jedes Jahr durch eine Vielzahl von Schlupflöchern. Das Vorgehen: Der Konzern nutzt Steuergutschriften und setzt auf eine erhebliche Steuerbefreiung durch Bezahlung in Form von Aktien und Aktienoptionen.  Auf diese Weise erhielt das Unternehmen letztes Jahr einen Steuerfreibetrag in Höhe von 129 Millionen Dollar. Das führte laut "Washington Post" zu einem effektiven Steuersatz von etwa minus einem Prozent.  Es ist offenbar das zweite Jahr in Folge, dass Amazon einen negativen Steuersatz auf einen Multimilliarden-Gewinn erhält. Der durchschnittliche Steuersatz, den die ärmsten 20 Prozent der amerikanischen Haushalte zahlen, lag 2015 laut Tax Policy Center bei 1,5 Prozent. [….]

(SPIEGEL, 16.02.2019)

In Deutschland setzte Amazon im Jahr 2019 rund 20 Milliarden Euro um und beschäftigte etwa 20.000 Menschen.

Auch in Deutschland wurden bisher kaum Steuern gezahlt; allerdings änderte sich das im Jahr 2019. Amazon gab bekannt 261 Millionen Euro „Abgaben“ bezahlt zu haben. Darunter sind aber auch Sozial- und Rentenbeiträge für die 20.000 Mitarbeiter, so daß nicht erkennbar ist, ob sich unter diesen 1,3% des Umsatzes überhaupt Steuern befinden.

Eine feine Sache ist das natürlich nicht nur für amerikanische Milliarden-Konzerne. Auch die deutschen Megareichen kassieren ordentlich vom Staat ab.

Das Geschwisterpaar Klatten/Quandt ließ sich im Jahr 2020 immerhin 760 Millionen Euro Dividende allein für ihre BMW-Aktien auszahlen. 760 Millionen, die sie durch ehrliches Nichtstun und Eierschaukeln „verdient“ haben und kassierten gleichzeitig 30.000 mal aus Sozialbeiträgen finanziertes Kurzarbeitergeld für BMW-Angestellte, sowieso Milliardenschwere Verkaufsprämien für ihre Autos.

Das ist wenig verwunderlich, da die Superreichen gezielt Politiker und Parteien (CDU; CSU und FDP) durch „Spenden“, die auch noch absetzbar sind, kaufen.

 Da trifft es sich gut, daß die in fast allen anderen westlichen Ländern übliche Vermögenssteuer in Deutschland seit 1997 abgeschafft ist.

Die Kohl-Zeiten, als der Spitzensteuersatz bei 56% lag, sind lange vorbei.

Er wurde zu Schröders Zeiten auf 42% gesenkt und Dank einer Fülle von Sonderregelungen kann man diesen nominalen Steuersatz auf einen realen Steuersatz von Nahe Null herunter rechnen.

Also kaum Steuern für Deutschlands Reiche, keine Steuern für Deutschlands Superreiche.

Oder wie es ein bekannter geheimratsbeeckter leptosomer Sauerländer weinend ausdrückt:

[…..] "Der Bundesfinanzminister macht dann ja gleich [...] Vorschläge zu weiteren Steuererhöhungen. Da spricht er wohl nicht für die Koalition, da spricht er für die Sozialdemokratische Partei, aber nicht für die Union - jedenfalls nicht für mich. Die Zitrone mit Steuern in Deutschland ist weitgehend ausgequetscht, da ist nicht mehr viel zu holen, also insofern werden wir sicherlich auch über die Einnahmenseite des Staates in den nächsten Jahren zu reden haben." [….]

(RBB, 09.12.2020)

Schnüff, Deutschlands Reiche, ausgequetscht wie eine Zitrone.

Multimillionär Friedrich Merz ist ZU RECHT der Favorit der CDU-Mitglieder für den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur.

ER hat ein Herz für die Vermögenden und wird dafür sorgen, die armen Zitronen Klatten, Quandt, Schwarz, Albrecht, Porsche oder Bezos nicht noch mehr auszuquetschen.

Würde man Merz doch nur machen lassen; dann könnte er eine „negative Vermögenssteuer“ einführen, um Deutschlands Milliardären so wie in Trumpmerika staatliche Boni zu zahlen. Wir sehen ja an Bezos welche enormen Ausgaben diese Menschen für ihre Yachten, Privatjets und Villen zu stemmen haben. Das alles haben Krankenschwestern, Kita-Mitarbeiter oder Müllermann gar nicht; also brauchen sie auch nicht so viel Geld. Da könnte deutlich mehr an das oberste Prozent der Bevölkerung umverteilt werden.

Wenn nur nicht die garstigen Sozis und Linken wären, die dem Hedgefonds-Fritz frech widersprechen, als ob er sie um ihre Meinung gefragt hätte.

Besonders unverschämt ist dieser Hamburger Fabio de Masi, der den homophob irrlichternden Merz mit seinen verschwörungstheoretischen Ausrastern an dessen eigene Aussagen erinnert.

Seit wann darf ein rechter CDUler nicht mehr nach Herzenslust lügen und muss sich von vorwitzigen Linken an die schnöde Realität erinnern lassen.

Merz ist empört und verklagte de Masi sofort.

 

<blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Echte Männer: Stell Dir vor eine Frau will kein Sex mit Dir und Du schickst Ihr eine Abmahnung! <a href="https://twitter.com/hashtag/AusGr%C3%BCnden?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#AusGründen</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Merz?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Merz</a> <a href="https://t.co/OWNRktTkPU">https://t.co/OWNRktTkPU</a> <a href="https://t.co/rwR3e6LVeF">pic.twitter.com/rwR3e6LVeF</a></p>&mdash; Fabio De Masi (MdB) (@FabioDeMasi) <a href="https://twitter.com/FabioDeMasi/status/1336055481757003783?ref_src=twsrc%5Etfw">December 7, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>

[….] Friedrich Merz, CDU-Politiker und ehemaliger Wirtschaftslobbyist, will Bundeskanzler werden. Da kann er schlechte Presse nicht gebrauchen – auch keinen für ihn unvorteilhaften Tweet auf Twitter.   Einen solchen setzte Fabio De Masi von der Linken und Mitglied des Deutschen Bundestages am 6. Dezember ab. „Friedrich Merz auf einem Bierdeckel. 1997 votierte er gegen die Strafbarkeit der Vergewaltigung, wenn sie in der Ehe stattfindet. 2000 fordert er Rente ab 70, 2004 Abschaffung des Kündigungsschutzes und 2006 klagt er gegen die Veröffentlichung von Nebeneinkünften von Abgeordneten. Noch Fragen?“


  Der Tweet wurde tausendfach geliked und geteilt, De Masi ergänzte am selben Tag, dass „nicht nur Black Rock Lobbyist“ fehle: „Ich vergaß noch dieses große Interview in der Bunten: Friedrich Merz über Homosexualität von Wowereit: ‚Solange er sich mir nicht nähert, ist mir das egal.‘“

Der Satz zu Wowereit soll 2001 in der „Bunten“ gefallen sein, der Berliner „Tagesspiegel“ veröffentlichte ihn als „Fundsache“. Wowereit selbst sagte 2018 im „Hart aber fair“-Talk mit Frank Plasberg in der ARD, dass Merz noch eins draufgesetzt habe: „Dann hat er noch gesagt: Der Wowereit macht mit seiner Homosexualität Wahlkampf. Das war Friedrich Merz im Jahr 2001. Hoffentlich hat er sich da geändert.“   In einem Interview mit der „Bild“ im September 2020 äußerte sich der CDU-Mann zur Frage nach eventuellen Vorbehalten gegen einen homosexuellen Bundeskanzler. Die sexuelle Orientierung gehe die Öffentlichkeit nichts an, so Friedrich Merz. „Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft - an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht - ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion.“ Daraufhin wurde ihm abermals Homophobie vorgeworfen. [….] Fabio De Masi hat wegen des oben zitierten Textes eine Abmahnung erhalten. Er solle den Tweet löschen und eine Unterlassungserklärung unterschreiben. „Das werde ich selbstverständlich nicht tun. Da bin ich hart wie Granit oder ein Black Rock“, schreibt er auf Facebook in Anspielung auf das Tätigkeitsfeld in der Vermögensverwaltung des Friedrich Merz. Er habe lediglich „öffentlich bekannte Fakten“ stichpunktartig wiedergegeben. [….]  

(FR, 11.12.20)

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Glück und Unglück in Berlin Treptow-Köpenick

Die deutsche Hauptstadt im Unglück:
Berlin ist Corona-Hotspot, schockiert die Republik seit Monaten mit Covidioten-Demos und damit einhergehenden Rekord-Inzidenz-Werten.

Bürgermeister Müller erwägt nun als Verzweiflungsmaßnahme schon vor dem 24.12. einen totalen Lockdown; Schließung der Läden mitten im Weihnachtsgeschäft.

Die Berliner Bezirke im Unglück:

In der Pandemie sind Gesundheitsämter und Amtsärzte die entscheidenden Akteure vor Ort. In mehreren Bezirken, darunter Treptow-Köpenick, ist die entsprechende Stelle gar nicht besetzt.

[…..] In Berlin ist es schwierig, Amtsärzte zu finden. Auch in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf sind die Stellen mangels Bewerbern unbesetzt. […..]

(Taz, 03.12.2020)

Treptow-Köpenick im Glück:

In diesem östlichen Bezirk gibt es seit 2018 einen Mann, der rein zufällig besonders qualifiziert für eine Pandemie ist: Dennis Hedeler.

[…..] Der 51-Jährige ist Hygienereferent im Bezirksamt Berlin Treptow-Köpenick und dort der Experte zur Eindämmung der Corona-Pandemie.   Hedeler hat für "Ärzte ohne Grenzen" in Angola die Cholera bekämpft und in Sierra Leone Ebola. "Du musst immer schneller sein als die Pandemie", das hat er dort gelernt. Mit dem Ausbruch von Corona ist er dann in Treptow-Köpenick erfolgreich gegen diese Seuche vorgegangen. Die Infektionszahlen in dem Bezirk waren seit dem Frühjahr vergleichsweise niedrig. Hedeler hat schon darauf gedrängt, die Menschen umfassend zu testen, als andere Bezirke noch kaum daran dachten. Bei den ersten Anzeichen ist er persönlich in Altenheime oder Flüchtlingseinrichtungen gegangen, um sich ein Bild zu machen. "Die Unterstützung durch Herrn Denis Hedeler erfolgt in einer Qualität, die ihresgleichen sucht", heißt es in einem Schreiben des Johanniter-Pflegeheims im Bezirk. […..]

(Jan Heidtmann, 09.12.2020)

Treptow-Köpenick im Glück:

Dennis Hedeler war schon zwei Jahre stellvertretender Amtsarzt des Bezirks und wird außerordentlich geschätzt. In einer Online-Petition fordern bereits 37.671 Menschen Hedelers Einsetzung. Er bekam mehrere enthusiastische Empfehlungsschreiben.

Treptow-Köpenick im Unglück:

Dr. Hedeler ist schwarz.

Treptow-Köpenick im Unglück:

Dr. Hedeler ist schwul.

Treptow-Köpenick im Unglück:

Über Hedelers berufliche Zukunft entscheidet unter anderem AfD- Gesundheitsstadtrat Bernd Geschanowski.

Treptow-Köpenick im Unglück:

Geschanowski lehnte nicht nur Hedelers Bewerbung für den Amtsarztposten ab, sondern ließ ihn auch als Stellvertretender Amtsarzt feuern.

[….] Hedeler lebt seit 24 Jahren in Deutschland. 2018 kam er als Hygiene-Referent nach Treptow-Köpenick, wurde nach kurzer Zeit vom Amtsarzt zu dessen Stellvertreter ernannt. Im Umgang mit Seuchen ist der 51-Jährige erfahren. Für seinen Einsatz in der Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs 2014 in Westafrika wurde er im Bremer Rathaus geehrt. In der dortigen Gesundheitsbehörde war Hedeler vor seinem Wechsel nach Berlin jahrelang tätig.  Mittlerweile hat die kommissarische Amtsleiterin Hedeler von seinen Aufgaben entbunden, wie zuerst der "Tagesspiegel" berichtet hatte. Der Mediziner soll künftig als einfacher Facharzt in dem Bereich arbeiten, den er vor Kurzen stellvertretend leitete. "Als Hygiene-Referent habe ich keine Führungsverantwortung mehr, ich bin ein ganz normaler Arzt", sagt Hedeler. "Ich finde das auch okay. Aber was ich nicht okay finde, wer übernimmt jetzt die Verantwortung? Weil in der ganzen Abteilung bin ich der einzige Arzt." […..]

(RBB, 03.12.2020)

Treptow-Köpenick im Unglück:

Während die Pandemie tobt, versagen auch Bezirksbürgermeister Oliver Igel (42, SPD) und die kommissarische Amtsleiterin, die getrieben von der AfD nun sowohl die Stelle des Amtsarztes als auch des stellvertretenden Amtsarztes lieber vakant lassen.

[…..] Die kommissarische Amtsleiterin begründet die Absetzung mit ihrer "Fürsorgepflicht gegenüber allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitsamt und der Sicherung des ordnungsgemäßen Betriebes". Hedeler habe über einen längeren Zeitraum an keiner Dienstberatung teilgenommen und fachliche Anfragen nicht mehr selber beantwortet. Hedeler widerspricht dieser Darstellung. […..] Auch bei Amtsärzten aus anderen Bezirken ist der Fall ein Gesprächsthema. Aus ihren Reihen hieß es, das Vorgehen des Bezirks sei in der aktuell brisanten Corona-Lage eine "unnötige Eskalation" und geradezu fahrlässig, Hedelers Fachkompetenz sei nur schwer zu ersetzen. […..]

(Tagesspiegel, 30.11.2020)

Mittwoch, 9. Dezember 2020

Die klassischen Fehler

Das muss natürlich einen Grünen wie Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller unfassbar nerven:

Wegen einer vergleichsweise winzigen Verfehlung; einer Geschwindigkeitsübertretung, bei der niemand zu Schaden kam, hagelt es nun Rücktrittsforderungen aus den konservativen Parteien.

Wirklich? Nur weil er mal auf der Autobahn zu schnell fuhr?

Was für eine Heuchelei angesichts der Megaskandale, die sich Unions-Landesminister schon leisteten ganz ohne irgendwelche Konsequenzen.

Die paar Milliarden Euro Schaden für den Steuerzahler durch den EnBW-Kauf zum Beispiel.

2010 hatte der CDU-Ministerpräsident Mappus zusammen mit FDP-Justizminister Goll und Staatsminister Helmut Rau (CDU) heimlich in einer Nacht- und Nebelaktion ohne haushaltsrechtliche Grundlage oder Parlamentsvorbehalt für 4,83 Milliarden Euro die EnBW-Atomkraftwerke kaufte, also de facto verstaatlichte und der Grün-Roten Nachfolgerregierung einen wertlosen strahlenden Haufen Müll hinterließ.

Wenn es um private Verkehrsdelikte geht, ziehe ich auch immer wieder gern die Wiesheu-Karte.

(…..) Der damalige CSU-Generalsekretär Otto Wiesheu säuft sich zu bis Oberkante Unterkiefer, steigt ins Auto, fährt am 29.10.1983 einen Mann TOT und verletzt eine weitere Person lebensgefährlich, begeht Fahrerflucht und wird dann nicht nur NICHT eingesperrt, sondern wird von Stoiber zum Verkehrsminister ernannt.

VERKEHRSMINISTER - ausgerechnet!
Ein kleiner Klaps mit DM 20.000 Geldstrafe reicht wohl für einen CSU-Granden.
Stattdessen gab es reichliche Ehrungen; u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Bayerischen Verdienstorden.
Er erhielt 1997 den Deutschen Mittelstandpreis.
Das ist tatsächlich alles Realität – stammt also nicht aus dem Postillon.
Mehr als zwölf Jahre lang war er Superminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie.
Am 1. Januar 2006 stieg der CSU-Killer weiter auf - schließlich werden Christsoziale von ihren Spezis gerne mit fett dotierten Pöstchen zum Ende ihrer Laufbahn bedacht.

So sitzt Wiesheu nun als Bahn-Vorstand kuschelnderweise neben Mehdorn und muß mit mageren 1,65 Mio Euro im Jahr = € 138.000 monatlich zurechtkommen.

Wiesheu frohlockte, mit der Bahn fahre er da besser, er bekomme schließlich einen festen Fünf-Jahres-Vertrag. "Das gibt es in der Politik nicht."

Fünf Jahre, das sind also sichere 8,25 Millionen Euro Grundgehalt, die der für die Konzernsicherheit zuständige Vorstand in Ruhe erschlummern wollte.
Im Zuge des Mehdorn-Debakels flog Wiesheu dann doch zum 31. Mai 2009 aus der netten Vorstandsposition.

Die Annahme, dass sich der so oft gescheiterte Millionen-Scheffler nun mit 65 Jahren aus dem öffentlichen Leben zurückzieht, war falsch.

Er hat ja schließlich genügend Freunde in den Regierungsparteien, die ihn als „Unternehmer-Versteher“ schätzen.

Die armen Unternehmen aber auch - sie fühlen sich offenbar von Westerbrüderle und Co noch unzureichend gefördert.

Wiesheu ist neuer Präsident des Wirtschaftsbeirats der Union.
Gewählt wurde er bereits im Juli - einstimmig.

Die SZ erklärte das am 27.11.09 einleuchtend:

Die CSU braucht Wiesheu jetzt wieder. Wirtschaftspolitisch soll er ein Vakuum füllen, das nach seinem Weggang aus Bayern entstanden ist und spätestens seit Bildung der neuen Bundesregierung nicht mehr ignoriert werden kann. Weder in München noch in Berlin stellt die CSU den Wirtschaftsminister. Nach dem Debakel bei der Landtagswahl 2008 hatte die CSU in Bayern des Ressort an die FDP abgeben müssen. Das war schmerzlich, schließlich hat die CSU ihr Selbstbewusstsein immer auch aus der Wirtschaftskraft des Freistaats gezogen…… Für Erwin Huber, den wirtschaftspolitischen Sprecher der CSU im Landtag und ehemaligen Wirtschaftsminister, ist Wiesheu dafür der richtige Mann. "Er ist ein erfahrener Politiker und ein erfolgreicher Manager."

(Auf die Füße fallen 30.11.2009)

(….)  Ähnlich bizarr der Fall Wolfgang Schäuble, der massiv das Parlament belog, einen Koffer mit 100.000 DM Schwarzgeld verschwinden ließ und ob dieses grotesken Umganges mit Geld von Merkel zum Finanzminister gemacht wurde. (….)

(Konservative Toleranz, 15.09.2016)

Für Linke, Sozis und Grüne gilt natürlich eine ganz andere Fallhöhe, weil sie in dem strukturkonservativen Deutschland immer noch als Fremdkörper in der Regierung wahrgenommen werden; insbesondere in den Süd-Bundesländern.

CSU und CDU sind außerdem klar positioniert zu Gunsten von riesengroßer PKW-Verbrennungsmotoren, der Autoindustrie, der Bier-Sauferei und Gegner des Klimaschutzes und erst Recht Autobahntempolimits.

Da ist es nur natürlich einen gewissen Schwund, also Verkehrstote, zu akzeptieren.

Ein Grüner Raser im fetten PKW ist da schon problematischer.

[….] Mit unerlaubtem Tempo 177 war Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller auf der Autobahn unterwegs. [….] Franz Untersteller ist Befürworter eines generellen Tempolimits von 130 Kilometern pro Stunde. [….] Untersteller war mit 177 Kilometern pro Stunde unterwegs. Auf dem Abschnitt der Autobahn zwischen Stuttgart und Karlsruhe, wo er von der Polizei gestoppt wurde, war aber nur Tempo 120 erlaubt. [….] Der Chef der FDP-Landtagsfraktion, Hans-Ulrich Rülke, legte Untersteller den Rücktritt nahe. Auch die Junge Union hält ihn für nicht mehr tragbar. »Ein Umweltminister, der ein allgemeines Tempolimit fordert und dann selbst so viel zu schnell ist, hat sämtliche Glaubwürdigkeit verspielt und sollte zurücktreten«, sagte der Landeschef der CDU-Nachwuchsorganisation, Philipp Bürkle. »Wasser predigen und Wein saufen – das ist grüne Doppelmoral pur.« [….]

(Spon, 09.12.20)

Die Rücktrittsforderungen aus der FDP und CDU sind natürlich schäbig.

Aber auch nicht ganz unverdient, denn Untersteller gehört zu jener Sorte Politiker, die Petitessen-Skandälchen durch ihren Umgang damit vergrößern.

Statt das Richtige zu tun, nämlich unumwunden zu seinem „Fehler“ zu stehen und Besserung zu geloben, windet er sich und greift zu erbärmlichen Ausreden.

[….]  »Ich hatte es eilig«  [….] Untersteller wies die [Rücktritts-] Forderungen zurück und sagte an die Adresse der FDP: »Ich denke, dass Herr Rülke sich besser überlegen sollte, für welche Vergehen er diese Forderung aufstellt.« Er sehe seine Glaubwürdigkeit nicht beschädigt: »Wenn ich mit erhobenem Zeigefinger als Moralapostel Politik machen würde, wäre das vielleicht so. Aber das tue ich nicht.«    Der Grünenpolitiker wollte seinen Sohn besuchen, der mit zwei Kindern in Frankfurt an Main lebt. Der Minister erläuterte: »Ich war unterwegs zu meiner Familie und hatte es eilig, ich habe die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht beachtet und die Straßenlage hat es erlaubt, schnell zu fahren.« [….]

(Spon, 09.12.20)

So macht man es schlimmer.

Welcher Raser würde denn nicht behaupten, er habe es eilig gehabt? Und seit wann sind Verkehrsregeln optionale Vorschläge, nach denen man sich nicht richten muss, wenn man zufällig die Kinder besuchen will, in Zeitdruck ist oder die Straße gerade frei ist?
Dieses rechtlich ausweglose Eiern sollte sich ein Mitglied der Landesregierung sparen.

57 km/h zu schnell fahren ohne Konsequenzen geht eben nur bei C- und F-Politikern oder aber einzelnen G-Politikern, die sich über die Jahre schon so viel zu Schulden kommen ließen, daß ihre Glaubwürdigkeit ohnehin völlig aufgebraucht ist, wie zum Beispiel die Hamburger Grüne Justizsenatorin Anna Gallina.

Sie könnte durchaus auch den Wiesheu machen und würde von ihrer komplett entmoralisierten Partei im Amt gehalten werden.

Aber bei den Grünen ist es offenbar wie bei Andreas Scheuer: Wenn sich einer auflädt, was normalerweise für ein Dutzend Politiker-Rücktritte reichen müsste, wird es irgendwann egal.

Die nahezu wöchentlichen neuen Gallina-Skandälchen werden von den Grünendevot und still akzeptiert.

[…..]  Erst Flüchtlinge retten, dann Hummer schlemmen?   […..]  Bewirtungsanlass Flüchtlingsrettung - wird ein luxuriöses Hummer-Dinner auf Malta Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne) zum Verhängnis? Die Hamburger Staatsanwaltschaft ist bei ihren Spesen-Ermittlungen gegen den Ex-Lebensgefährten der Senatorin auf Belege gestoßen, die Gallina weiter in Bedrängnis bringen können. […..]  Michael Osterburg, ehemaliger Fraktionschef der Grünen in Mitte, soll Gelder in Höhe von 67.900 Euro veruntreut haben. Inzwischen ist die Zahl der Belege, die die Staatsanwaltschaft überprüft, auf rund 4000 gestiegen. Darunter ist auch die Quittung für einen Strauß mit 40 roten Rosen, die Osterburg im Juni 2016 zwei Tage vor Gallinas 40. Geburtstag gekauft hat – und den er sich mutmaßlich von der Bezirksfraktion, also aus Steuergeldern, erstatten ließ. […..]   Besonders dreist […..]  wäre die Abrechnung eines noblen Hummer-Essens im Wert von 250 Euro im Mai 2017 auf Malta. Damals war Gallina Hamburger Grünen-Chefin und nahm an einer Rettungsmission der Sea-Eye auf dem Mittelmeer teil. Im Hafen von Malta ging sie an Bord. Nach MOPO-Informationen stellt der obligatorische Bewirtungsanlass auf dem Luxus-Beleg tatsächlich einen Bezug zum Thema Flüchtlingsrettung her. […..] 

(MoPo, 09.12.20)

Die Grüne Bürgermeisterin und größtes CDU-Fan-Girl findet es OK.

[…..] Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin, äußert sich mit einer Solidaritätsadresse für die Parteifreundin und Mit-Senatorin: „Mir ist wichtig klarzustellen: Das Ermittlungsverfahren gegen Michael Osterburg ist kein Ermittlungsverfahren gegen Anna Gallina.“ […..]

(MoPo, 09.12.20)

Dienstag, 8. Dezember 2020

Theologische Ödnis.

Ist es meine chronische Übermüdung? Mangelnde Aufmerksamkeit oder bereits einsetzende Demenz?

Heute las ich versehentlich die dem Hamburger Abendblatt beiliegende Kirchenpostille „Himmel und Elbe“.

[…..] Sie erscheint achtmal im Jahr im Tabloid-Format und entsteht in Zusammenarbeit mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche, der Diakonie, der Katholischen Kirche und der Caritas. Herzstück des Heftes ist eine große, üppig bebilderte Reportage. Ein Erzählstück, das ganz nahe an Menschen rangeht - auch in seiner Bildsprache - und von Ängsten und Sehnsüchten, Höhen und Tiefen in ihrem Leben berichtet. […..]

(HH Abla 2011)

Es ist unglaublich absurd, daß ich als Atheist gegen meinen Willen diesen Mist geliefert bekomme. In einem Stadtstaat, einer Stadt, in der 99% der Menschen ohnehin nie in die Kirche gehen.

Es ist ein Meisterstück der des Lobbyeinflusses der steinreichen Klerikalen, daß sie auch in der absoluten Diaspora in der Lage sind Konfessionsfreie und Selbstdenker nicht nur mit ihrer Propaganda zu überziehen, sondern diese auch noch zwingen, selbst dafür zu zahlen.

Allerdings kenne ich keinen Abendblatt-Leser, der diese Beilage nicht sofort in die Altpapiertonne wirft. Denn nur da gehört sie hin.

Wer sich allerdings; anders als ich; heute immer noch fragt wieso denn eigentlich beide großen Kirchen in Deutschland kontinuierlich so dramatisch Mitglieder verlieren, dem sei die „Himmel und Elbe“-Lektüre empfohlen.

Hier kulminieren alle kommunikativen Fehler der Amtskirche.

Es wird eine unendlich öde Sprache praktiziert, die ich mir nur damit erklären kann, daß die Theologiefakultäten systematisch von Atheisten unterwandert wurden, die den zukünftigen Pfaffen einbläuen wie man Reden ohne echte Aussagen so garantiert frei von Klimax und Spannungsbögen hält, daß selbst wohlwollende Zuhörer eingeschläfert werden.

Unter „Homiletik“ versteht man heute offenbar die Kunst Gläubige zu vergraulen.

Neben der unendlichen Langweile, die Theologinnen verbreiten – die EKD-Führung ist heute überwiegend weiblich – ist das zweite große Kennzeichen evangelischer Theologie die völlige Unfähigkeit zu abstrahieren und sich in andere Perspektiven hineinzudenken.

Theologinnen halten sich selbst für den Nabel der Welt und kommen gar nicht auf den Gedanken, es könne auch andersdenkende und andersfühlende Mitbürger geben.

(….) Evangelische Theologie ist heutzutage ziemlich weiblich, aber das ist wahrlich kein Aushängeschild für den Feminismus. Da sich gebildete und intelligente Menschen beiderlei Geschlechts ohnehin von der Kirche abwenden, bleiben offenbar keine durchschnittlichen Frauen der rapide schrumpfenden Kirche als Pfarrerinnen erhalten, sondern es sind die geistig Schlichtesten, die sich zu Geistlichen entwickeln.

(…..) Frappierend ist insbesondere die Unfähigkeit dieser Kategorie der Plapper-Bischöfinnen über ihren eigenen Tellerrand hinauszublicken.

Genau wie Kollegin Käßmann, nimmt auch Breit-Keßler stets sich selbst und ihr eigenes Leben zum Maßstab.

In ihren Texten erzählt sie aus ihrer Familie, ihrem Alltag, beschreibt was ihr gefällt und überträgt das dann flugs auf alle anderen.

Die ganze bischöfliche Theologie ließe sich auf den Kernsatz: „Seid alle so wie ich, dann wird alles gut!“ reduzieren.  Auch in der heutigen Kolumne geht das so. (….)

(Kirchenaustrittswochende 24.03.2016)

Die frömmelnden Frauen im Norden halten sich ebenfalls streng an dieses Muster.

  Den Begriff Schuld kann man auf viele Arten und Weisen betrachten [….] Ich erinnere mich noch gut an eine Situation, in der ich als Kind einen Freund aus Wut beschuldigt habe, etwas getan zu haben, und er dann eine Strafe von seinen Eltern erhielt, die er eigentlich gar nicht verdient hatte. Ich hatte hinterher Scham-und Schuldgefühle, konnte schlecht schlafen. Als mein Kumpel mir vergab, fühlte ich mich wie von einer Last befreit.  [….] Und vielleicht kann auch der Glaube helfen, wenn man sich sicher ist, dass Gott immer zu einem hält, egal was man gemacht hat.   (Sabine Tesche, Himmel & Elbe, Februar 2017)

 „Und wo bleibt das Positive?“, wurde der Schriftsteller Erich Kästner seinerzeit  immer wieder gefragt, wenn er seine zeitkritischen Gedichte und Kolumnen veröffentlichte. [….] Witze, die mitunter gerade aufgrund ihrer Arglosigkeit, in der sie daherkommen, umwerfend wirken, uns erheitern und im selben Moment zum Nachdenken bringen. Zu diesen gehört für mich jener: „Was sagt eine Schnecke, die auf dem Rücken einer Schildkröte sitzt? – Hui!“ Das ist nicht nur einer der besten Schneckenwitze, die ich kenne. Er ist darüber hinaus auch tiefsinniger, als er zunächst klingt. Ich sehe zumindest sofort die Schnecke vor mir, der der Fahrwind die Fühler um die Ohren schlenkert. [….]

(Pröbstin Astrid Kleist)

[….] wenn ich in die Kirche gehe, ist für mich der Segen am Schluss des Gottesdienstes immer ein Höhepunkt. Weil er Kraft gibt, vielleicht   Auch beruhigend ist. Ich habe danach immer das Gefühl, unter Gottes Schutz zu stehen – zumindest für den Tag oder den Anfang der Woche [….] Manche empfinden es als Segen, Freunde oder eine nette Familie zu haben. Und das Schönste ist, jeder kann ihn geben: Die Eltern ihrem heiratswilligem Sohn, die Ehefrau ihrem Mann auf den Arbeitsweg, eine Kollegin einer anderen für eine Reise.[….]

(Sabine Tesche, Himmel und Elbe, 2016)

„Ich musste sofort an die Worte meiner Mutter denken: Auch in brenzligen Situationen ruhigbleiben.“ Entscheidend ist zudem ein festes Wertegerüst, ein Glaube oder eine Hoffnung. Kürzlich erzählte mir eine Freundin, sie stecke in Gedanken jede gute Erfahrung in ihrem Leben in einen imaginären „Mutmachkoffer“. Bei Bedarf schöpfe sie aus diesem Fundus, wenn sie verzagt sei und sich selbst Mut zuspreche. Ganz ähnlich ist es mit unserer christlichen Tradition:  Sie ist ein unerschöpflicher Fundus von Mutmachgeschichten.

(Bischöfin Kirsten Fehrs, Februar 2016)

Ich lese gerade begeistert ein Buch über Hummeln. [….] Nicht nur, dass die pummeligpelzigen Tierchen die Gesetze der Erdanziehung überlisten und darin ein Wunder sind. Wie viele Abermillionen von Tomaten, Gurken und Johannisbeeren werden jährlich durch sie bestäubt! Was für einen riesigen Nutzen wir von diesen putzigen Lebewesen haben, war mir bis dahin nicht bewusst.[….]

(Pröbstin Astrid Kleist, Juni 2016)

Die norddeutschen Top-Theologinnen erstaunen nicht nur mit der sagenhaften Banalität ihrer Gedanken, sondern auch mit einer geradezu unheimlichen Unfähigkeit zur Abstraktion. Sie scheinen allesamt überhaupt nicht über ihren eigenen Horizont hinausblicken zu können und sehen die Gesellschaft als glückliches Abziehbild der 1950er Jahre, als der Mann arbeiten ging, die glückliche Hausfrau ihm auf dem Weg ihren Segen wünschte und alle zufrieden in die Kirche gingen.

Andere Lebensentwürfe, die nicht der Bilderbuchfamilie entsprechen kennen sie gar nicht; echte Probleme wie Drogen, Depressionen oder Gewalt kommen ihnen gar nicht in den Sinn. (….)

(Die kleinen Freuden genießen, 18.03.2017)

Diese Promi-Theologinnen – dazu gehört insbesondere auch die Ethik-Rätin Petra Bahr mit ihrer einmaligen gedanklichen Schlichtheit – projizieren aber ihre eigene simple Gedankenwelt nicht nur auf alle anderen, sondern sie ignorieren auch hartnäckig die Realität.

Die heutige „Himmel und Elbe“-Ausgabe behandelt das Thema „Rituale“.

Schon das ist eine sagenhaft öde Schwerpunktsetzung. Wer hat schon einmal einen Theologen gehört, der nicht irgendwann anfängt das Mantra von der Wichtigkeit der Rituale aufzusagen?

Das ist nur zu verständlich in einer konfessionsfreien Welt, in der niemand mehr auf die Kirche hört, aber dennoch bei Tod, Geburt und Hochzeit einen Pfaff dabei haben wollen. Das sind die entscheidenden Schnittstellen für die Geldmaschine Kirche, um die Menschen dazu zu bringen zu zahlen.

Ausgerechnet im Dezember, kurz vor Weihnachten, die Rituale zu beschwören ist in etwa so einfallsreich wie Socken, Parfum und Krawatten zu verschenken.

Ich stolpere aber auch deswegen über das Thema, weil ich selbst ganz Ritual-frei lebe und es ausgesprochen unsinnig finde zum Geburtstag oder dem Tod der Mutter oder des Vaters ein Ritual zu absolvieren, um Gefühle auszudrücken.

Im Gegenteil, ich halte Rituale eher für Ablenkungen, die das rationale Denken blockieren und zudem oft mit Zwang vollzogen, so daß die Teilnehmer unangenehm berührt werden.

Es ist großer Mist eine Urne in der Hand zu halten, in der sich die Asche der Mutter befindet, aber für mich fühlt es sich wie eine Flucht und große Unehrlichkeit an, wenn ich in so einem Moment ein überkommenes Ritual beginne.

Warum? Ist es nicht besser ohne Gedanken- und Handlungskorsett zu formulieren was man denkt?

Die Hauptartikel der heutigen Beilage sind ein Interview mit unserer Bischöfin Kirsten Fehrs, die von dem Ritual der Verabschiedung von ihrem Mann jeden Morgen erzählt und erklärt, wie sie ihr Wohnzimmer umräumen musste, Kerzen anzündete, um in Corona-Zeiten den TV-Gottesdienst zu genießen.

[…..] Das Wichtigste ist der Segen! [….] Die  ersten  Sonntage  während  des  Lockdowns im Frühjahr habe ich vor dem Fernseher  versucht,  mitzufeiern.  Ich  wusste nicht: Soll ich aufstehen beim Vaterunser, die Kaffeetasse im Wohnzimmer dabei im Blick?   Das   war   gewöhnungsbedürftig. Dann haben mein Mann und ich den Raum verändert, die banalen Dinge zur Seite gestellt,  eine  Kerze  angezündet.  Zugleich haben  wir  gemerkt:  Das  Gemeinschaftserlebnis  im  Gottesdienst  ist  schwer  ersetzbar, es ist elementar in unserem Glauben. [….]

(Bischöfin Fehrs, Himmel und Elbe, 08.12.2020)

Nun ist Fehrs unter den deutschen Bischöfen noch vergleichsweise erträglich und keineswegs derartig verblödet wie ihre Kolleginnen Bischöfin Käßmann oder Bischöfin Breit-Kessler.

Fehrs wirkt geradezu sympathisch, wenn sie davon erzählt wie sie beim virtuellen Gottesdienst fremdelt, aber diese persönlichen Einblicke sind eben auch nur persönlich.

Für die allermeisten Menschen ist dieser Segen offensichtlich völlig unwichtig. Anderenfalls würden mehr als 1% der Hamburger das Bedürfnis verspüren sich im Gottesdienst  segnen zu lassen.

[….] Ich glaube,  dass  es  eine  starke  Segenssehnsucht gibt, gerade in diesen verunsichernden Zeiten. Aber die Menschen wissen schlicht oft nicht, an wen sie sich dafür wenden sollen. […..]

(Bischöfin Fehrs, Himmel und Elbe, 08.12.2020)

Das erklärt wohl den dramatischen Misserfolg der EKD in Hamburg.

Fehrs glaubt offenbar, alle Menschen hätten religiotisch-irrationale Sehnsüchte.

Das ist erstens offensichtlich gerade nicht der Fall und zweitens sollten aufgeklärte und selbstdenkende Menschen sich eben gerade nicht mental vom „Segen“ einer Ideologie mit extrem gewalttätiger, antisemitischer, misogynen, homophoben und sexistischen Lehre abhängig machen.

Der Hauptartikel der Rituale-Beilage stammt von der katholischen Theologin Claudia Kolf-van Medis und ist noch schlechter.

[…..] „Papa, liest du mir noch etwas vor?“ Viele Eltern kennen diese Frage ihrer Kinder nach der gewohnten Geschichte vor dem Einschlafen. Kinder lieben Wiederholungen und die damit verbundenen Rituale und fordern ihre regelmäßige Einhaltung ein. Rituale wie die Geschichte am Abend geben Struktur und vertiefen die Beziehung, sie vermitteln damit Orientierung und Verlässlichkeit. Das spüren und wissen nicht nur Kinder, sondern auch wir Erwachsenen.  Wir alle kennen Rituale. Dazu gehören religiöse Praktiken wie Gebete, Besuche von Gottesdiensten, das Feiern von Festen im Jahreskreis wie Weihnachten und Ostern oder auch Alltagsrituale wie der Kuss zum Abschied, der „Tatort“ am Sonntagabend oder das gemeinsame Frühstück am Wochenende. [……]

(Kolf-van Medis, 08.12.20)

Da ist sie wieder die schöne heile Familienwelt der 1950er Jahre, in der auch die Katholiban lebt.

Hamburg ist die Stadt mit über 50% Singlehaushalten und 82% der Haushalte ganz ohne Kinder.

(….) Das halte ich für vollkommen natürlich, da deutlich über 80% der Haushalte in Hamburg kinderlos sind.

 […..] In 18,0 Prozent aller Hamburger Haushalte lebten Ende 2019 Kinder unter 18 Jahren. Dabei bestanden zwischen den Stadtteilen starke Unterschiede: Die anteilig meisten Haushalte mit Kindern gab es in Billwerder (33,5 Prozent) und Neuallermöhe (31,7 Prozent). Verhältnismäßig wenige Haushalte mit Kindern gab es dagegen in den innerstädtischen Gebieten. So lagen in Kleiner Grasbrook/Steinwerder, St. Georg, Barmbek-Nord, Barmbek-Süd und Dulsberg die An­teile der Haushalte mit Kindern jeweils bei unter elf Prozent. Das geht aus einer Auswertung des Melderegisters zum Stichtag 31.12.2019 hervor, die das Statistikamt Nord durchgeführt hat. […..]   (Statistik Nord, 136/2020)

Kinder werden zudem überdurchschnittlich oft in bildungsfernen Haushalten und Gegenden außerhalb der Innenstadt geboren; zwei weitere Faktoren, die gegen Kinder in meiner Lebenswelt sprechen. (…..)

(Kinderwunsch, 04.12.2020)

Hätte Kolf-van Medis in den letzten 20 Jahren nicht fest die Augen vor der Realität verschlossen, wüßte sie, daß der Philologenverband stets beklagt, es werde eben gar nicht mehr gelesen.

Es gab da nämlich dieses Internet und diese Computer.

Als Theologin preist sie, Überraschung, vor allem die religiösen Rituale.

[……] In allen Religionen sind Rituale wichtig und unverzichtbar. Sie drücken den Glauben in Gedanken, Worten und Symbolen aus. Wir kommunizieren mit Ritualen. Sie können auf zweierlei Weisen wirksam werden: Von außen nach innen, wenn wir uns vorgegebene Riten individuell aneignen und diese für uns zu einer eigenen religiösen Erfahrung werden, wie zum Beispiel ein Gebet, das ich als Kind gelernt habe und das sich auch im Erwachsenenalter bewährt. Oder Rituale wirken von innen nach außen, wenn ein eigenes Bedürfnis einen Ausdruck in einem Ritual findet, wie etwa der Gang zum Grab am Todestag eines geliebten Menschen. So kann Glaube sich weiterentwickeln und neue Rituale schaffen.   Rituale sind mehrdeutig und offen für verschiedene Auslegungen. So verbindet wohl jeder Mensch etwas anderes mit einem Ritual, das gern praktiziert wird. So kann die Bedeutung einer entzündeten Kerze unterschiedlich sein, aber selten geht es nur darum, dass es heller wird. Viel wichtiger ist die eigene Deutung des Symbols Kerze, etwa als Zeichen der Hoffnung oder der Erinnerung. [……]

(Kolf-van Medis, 08.12.20)

Upps, fast hätte sich zugegeben, daß Rituale verzichtbar sind, da offensichtlich Religion für viele Menschen verzichtbar ist.

Ähnlich wie Trump, der sich gelegentlich verplappert und doch schon davon spricht das Weiße Haus zu verlassen, während er gerade behauptet die Wahl haushoch gewonnen zu haben.

Dieser ketzerische Gedanke geht allerdings in dem sinnfreien Geschwurbel über Kerzen unter.

Natürlich sind Kerzen seit Jahrtausenden Symbole für alles Mögliche und waren insbesondere vor der Erfindung der Elektrizität unverzichtbar.

Weltweit gibt es eine große Kerzenindustrie, weil sie als Schmuckstücke oder als Geschenke verwendet werden. Seit einigen Jahren sind hochpreisige Duftkerzen groß in Mode; auch als zusätzliches Standbein der Parfümindustrie. Andere Kerzen werden mit speziellen Inhaltsstoffen versehen, um bei lauen Sommerabenden die Insekten zu vertreiben.

Im Kerzenschein versucht man Romanik zu erzeugen, wenn man sich Geschlechtsverkehr erhofft.

Ich mache jeden Abend zwei Kerzen an, weil ich fast immer Tee trinke, der auf einem Stövchen mit einem Teelicht steht. So bleibt der Tee heiß.

Mit Ritualen oder „Zeichen der Hoffnung und Erinnerung“ hat das in den meisten Fällen rein gar nichts zu tun.

Wenn man mich als Ungläubigen bäte eine Sketch über den totalen gesellschaftlichen Realitätsverlust von Theologen zu schreiben, um zu erklären wieso so viele Menschen aus der Kirche austreten, würde ich mir genauso so eine Theologin ausdenken. Da bekommen sie ACHT ZEITUNGSSEITEN in einer großen Tageszeitung zur freien Verfügung, also mehr Propagandaplatz als die gesamte Mehrheit der deutschen Atheisten in 100 Jahren hat, um die Leute zu packen und dann kommt so ein seichtes Geplapper von der Symbolkraft der Kerze und wie schön es doch war, als Papi uns früher vorgelesen hat.

Meine Deutschlehrerin hätte schlicht und ergreifend „Thema verfehlt, Null Punkte“ drunter geschrieben.

Natürlich will nur eine winzige Minderheit der Hamburger mit so einer inhaltlichen Leere konfrontiert werden.

(…. ) Von den 7% Katholiken gingen 8% im Jahr 2017 regelmäßig in den Gottesdienst, das sind etwa 0,5% der Hamburger.    Dabei haben die Mitgliedszahlen noch keine Aussagekraft über die Gläubigkeit der Hamburger. Die meisten Mitglieder sind Karteileichen oder aber gezwungen Mitglied zu sein, weil sie ich einer Einrichtung unter kirchlicher Trägerschaft angestellt sind, Eltern in einem Heim des Diakonischen Werks untergebracht haben oder auf einen evangelischen KITA-Platz angewiesen sind.

Schon vor 20 Jahren stellte der IBKA fest, daß 98% der Hamburger nicht mehr inhaltlich von den beiden großen Kirchen vertreten werden.

[….] Inhaltlich vertreten die beiden Kirchen nur noch 2,1 % der Bevölkerung

Wie gering die Verbundenheit der Kirchenmitglieder mit ihren Kirchen ist, zeigt auch eine Umfrage aus dem Jahre 2002 (vgl. anliegende Nr. 3) nach der sich nur 11 % der Bevölkerung und nur 14 % der Protestanten als "gläubige Kirchennahe" verstehen.

Geht man zusätzlich davon aus:

    dass sich 72 % der evangelischen Kirchenmitglieder überhaupt nicht mehr am Leben ihrer Kirchengemeinde beteiligen2 und

    dass am 1. Fastensonntag Invokavit 2,4 % der Evangelischen in Nordelbien (54.000 von 2.234.000 Kirchenmitgliedern) den Haupt - oder Kindergottesdienst besuchen3, und

    von den Katholiken im Erzbistum Hamburg (405.000) 13,1 % (53.000) als Teilnehmer/-innen am sonntäglichen Gottesdienst gezählt wurden4

und sich in der Kirchgangshäufigkeit eine öffentlich bekundete enge Verbundenheit und innere Übereinstimmung mit den Kirchen ausdrückt, so befinden sich in Hamburg nur noch 13.600 Evangelische und 23.300 Katholiken in innerer und äußerer Verbundenheit mit ihren Kirchen. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung repräsentiert die evangelische Kirche 0,78 % und die katholische Kirche 1,34 % der Bevölkerung in Hamburg.

Diese geringen Größenordnungen - für wie viele Menschen in Hamburg die beiden Kirchen tatsächlich vertretungsberechtigt sind - dürften ein politisch-demokratisches Interesse des Hamburger Staates an einem Vertrag mit diesen Organisationen ausschließen. [….]

(IBKA 2002)

Von den etwa 25% der evangelischen Hamburger (2017), gehen nur 2% regelmäßig in einen Gottesdienst. Das sind noch mal 0,5% aller Hamburger.

2017 ging also maximal 1% der Hamburger sonntags in einen Gottesdienst Jeder 100. Hanseat steht dafür auf, während 99 besseres zu tun haben.

Tendenz weiter stark fallend. (…..)

(Das 99%-Bundesland, 27.11.2020)

Kolf-van Medis leitet das Referat „Religionspädagogik in Kitas“ im Erzbistum Hamburg und muss dementsprechend im finalen Absatz das frömmelnde Fazit hin klatschen, das ich aus all den intellektuell billigen Kolumnen christlicher TV-Zeitschriften kenne. Natürlich mit aktuellem Corona-Bezug.

[…..] Wenn es in unserer Zeit ausdrucksstarke Bilder für den Sinn und die Bedeutung von Ritualen gibt, dann sind es diese: Rituale sind Anker in unruhigen Zeiten. Und sie sind Segel, die in Bewegung bringen, was das Hier und Jetzt überschreitet, Hoffnung gibt und den Blick in die Zukunft weitet. […..]

(Kolf-van Medis, 08.12.20)

 Was will uns die Autorin damit sagen? Sie steht immerhin in Diensten der Organisation, die ohne irgendeine lebensnotwendige Notwendigkeit weiterhin ihre Corona-Spreader-Events abhält.

Ich musste es zweimal lesen. Hat die erzbischöfliche Pädagogin hier etwa etwas Sinnvolles gesagt? Segel, die in Bewegung bringen, was das Hier und Jetzt überschreitet?

Aber nach dem dritten Lesen bin ich mir doch sicher: In ihren Worten verbirgt sich keinerlei sinnvolle Aussage; es ist bloß das übliche Theologinnen-Geschwafel und wird glücklicherweise niemanden dazu bewegen in ihrem Verein mitzumachen.