Montag, 18. Februar 2019

Dilemma

Du bist dir nur des einen Triebs bewußt,
O lerne nie den andern kennen!
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
O gibt es Geister in der Luft,
Die zwischen Erd und Himmel herrschend weben
So steiget nieder aus dem goldnen Duft
Und führt mich weg zu neuem, buntem Leben!
Ja, wäre nur ein Zaubermantel mein,
Und trüg er mich in fremde Länder!
Mir sollt er um die köstlichsten Gewänder,
Nicht feil um einen Königsmantel sein.
 (Faust I)

Ein politischer Kompromiss ist nicht sexy, weil er in der aufgeheizten Welt der sozialen Medien von den Anhängern der eigenen Partei als „Einknicken“ missverstanden wird.
Einer, der Kompromisse mit dem Gegner macht, gilt als Weichling, als rückgratlos und schnöder Realpolitiker.
Wer in Koalitionen geht, Lösungen auslotet, mit Blödmännern an einem Tisch sitzt, wird inzwischen geradezu verachtet.
Populärer sind die harten Knochen, die auf Maximalforderungen bestehen. Das sind die, die nicht einknicken und von der Presse gefeiert werden.
Deswegen schlagen auch so viele auf den Tisch, lassen sich für ihre Unversöhnlichkeit feiern.
Wohin das führt sehen wir im britischen Parlament.
Das House of Commons existiert seit über 300 Jahren und wird 2019 von dickköpfigen Hardlinern gegen die Wand gefahren, weil die sich darin gefallen möglichst kompromisslos zu sein.

Dabei ist es genau umgekehrt: Stark und mutig ist es politischen Gegnern zum Wohle des Ganzen etwas zu geben, mit solchen Widerlingen wie den GOPern oder CSUlern an einem Tisch zu sitzen – wohlwissend, daß man dafür zu Hause von der eigenen Parteibasis gesteinigt wird.

Es ist verdammt schwer etwas abzugeben, das man nicht abgeben will, etwas aufzugeben, das essentiell ist.
Ein Kompromiss, der einem nicht richtig wehtut, weil man sich nur auf Gegenforderungen einlässt, die einem unwichtig sind, ist ein Fauler.

Gute Kompromisse bringen nicht nur frisch aufgerissene Wunden, sondern es muss auch Salz hineingestreut werden, um zu verdeutlichen was man bereit ist zu geben.

Angela Merkel besitzt durchaus die Fähigkeit nachzugeben. So entstehen die vielen Last-minute-Gipfelkompromisse, für die sie berühmt ist.
Sie ist aber nicht stark genug für die Salz-Prozedur und flüchtet sich ins Schwammige.
Dann passiert so etwas wie das jetzt schon berüchtigte geheime Zusatzabkommen zum just in Aachen erneuerten deutsch-französischen Freundschaftsvertrag.

[…..] Deutschland und Frankreich bündeln mit ambitioniertem Vertrag Kräfte und leisten Bekenntnis zu einem starken und souveränen Europa.
Das Bundeskabinett hat am 9.1. seine Zustimmung zur Unterzeichnung des Vertrages zwischen Deutschland und Frankreich über Zusammenarbeit und Integration gegeben. Der Aachener Vertrag wird am 22.1.2019 von Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Macron in Aachen unterzeichnet. Der neue Vertrag wird den Elysée-Vertrag von 1963 nicht ablösen, sondern fortschreiben. [….]

In der nicht veröffentlichten Zusatzvereinbarung geht es um Rüstungsexporte.
Frankreich exportiert traditionell skrupellos, Deutschland etwas skrupulöser.
Bei gemeinsamen Rüstungsprojekten, soll der jeweils eine Staat dem Anderen nicht verbieten dürfen zu exportieren. (Es handelt sich konkret um Panzer und Kampfflugzeuge.)
Keine Exportbeschränkungen mehr für deutschfranzösische Panzer nach Saudi-Arabien? Da wollte die SPD nicht mitmachen, also führte man eine weitere Verschwurbelung ein, die zustimmungsfähig ist, weil sie vage und unklar ist.

[…..] Das Mer­kel-Ma­cron-Ab­kom­men sieht vor, dass die Re­gie­run­gen bei Ge­mein­schafts­pro­jek­ten grund­sätz­lich kei­ne Ein­wän­de ge­gen ihre je­wei­li­gen Ex­por­te er­he­ben wer­den. »Die Par­tei­en wer­den sich nicht ge­gen ei­nen Trans­fer oder Ex­port in Dritt­län­der stel­len«, heißt es un­ter Zif­fer eins des zwei­sei­ti­gen Do­ku­ments, »es sei denn in Aus­nah­me­fäl­len, wenn ihre di­rek­ten In­ter­es­sen oder na­tio­na­le Si­cher­heit ge­fähr­det sind.« […..] »di­rek­te In­ter­es­sen« lässt al­ler­dings auch In­ter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum für ein deut­sches Veto.
Was pas­siert, wenn man sich nicht ei­nig wird? Da bleibt das Ab­kom­men mehr als wol­kig[…..] Eine en­ge­re deutsch-fran­zö­si­sche Zu­sam­men­ar­beit bie­te die Chan­ce, Eu­ro­pa sou­ve­rä­ner zu ma­chen, sagt Staats­mi­nis­ter Roth. »Aber da­für wer­den auch wir Deut­sche Kom­pro­mis­se ein­ge­hen müs­sen. Eu­ro­pe United kann ja nicht hei­ßen, dass je­der na­tio­na­le Be­schluss au­to­ma­tisch eins zu eins um­ge­setzt wird[…..] Strit­tig da­bei ist, wie viel Frei­heit Frank­reich für die spä­te­re welt­wei­te Ver­mark­tung der Waf­fen be­kommt. […..] Das deutsch-fran­zö­si­sche Ge­heim­ab­kom­men dürf­te den Kon­flikt zwi­schen bei­den Län­dern in Rüs­tungs­ex­port­fra­gen al­ler­dings bei Wei­tem nicht be­sei­ti­gen. Da­für sind die For­mu­lie­run­gen zu schwam­mig. Ex­em­pla­risch zeigt sich das in der Pas­sa­ge, die jene Rüs­tungs­ge­schäf­te be­trifft, wo etwa eine deut­sche Fir­ma ei­ner fran­zö­si­schen ein Bau­teil lie­fert und das fer­ti­ge Pro­dukt dann in ein um­strit­te­nes Dritt­land ge­hen soll. Da si­chern sich Deutsch­land und Frank­reich das »De-mi­ni­mis-Prin­zip« zu: So­lan­ge der Wert die­ses Bau­tei­les »un­ter ei­nem be­stimm­ten Pro­zent­satz« blei­be, dür­fe Deutsch­land oder Frank­reich die Lie­fe­rung des Bau­teils nicht un­ter­sa­gen. Die­ser Pro­zent­satz müs­se »ge­mein­sam vor­her fest­ge­legt« wer­den – wur­de er aber bis­her nicht. […..]
(DER SPIEGEL, 16.02.2019)

In dieser Angelegenheit weiß ich nicht wie ich entscheiden würde.

Die Überschrift der SZ von heute lautet: „Merkel will Rüstungsexporte erleichtern!“
Das spricht gegen alle meine Prinzipien.
Mehr Waffen für Krisengebiete, während Millionen Menschen aus Bürgerkriegen fliehen?
Wenn man so eine Überschrift liest, meint man, es handele sich um einen Schildbürgerstreich.





Es ist eins meiner essentiellsten politischen Ziele keine deutschen Waffen in Krisengebiete zu verschiffen. Ja, dabei spielt auch die deutsche Geschichte eine Rolle.

Mir ist aber genauso wichtig, daß sich Europa zusammenrauft. Noch wichtiger ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich.
Noch wichtiger als wichtig im Angesicht der Brexit-Fanatiker, der EU-Zentrifugalkräfte und des Trumpschen Angriffs aus Europa.
Noch wichtiger als wichtig sind Zugeständnisse an Frankreich deswegen, weil Deutschland den französischen Präsidenten seit einem Jahr schmählich im Stich lässt und damit womöglich Europa um seine letzte Chance bringt.
Schon sinkt Macrons Stern und die grauslich braune-Le-Pen-Gefahr steigt wieder auf.
Was nützt es meiner sozialdemokratisch-pazifistischen Seele, wenn sie auf Waffenexportstopp besteht, daran letztendlich die gesamte EU Kollabiert und dann gar keine ethischen Exportregeln mehr gelten?
Mehr Waffen exportieren, um anschließend weniger Waffen zu exportieren?

Ich bin dafür den Waffenexport radikal einzuschränken und gleichzeitig dafür Waffenexporte zu erleichtern (wenn das die letzte Möglichkeit ist, um die EU und das deutsch-französische Verhältnis zu retten.)
Eine OK der SPD zu mehr gemeinsamen Waffenexporten könnte also richtig sein, um die EU zu schützen und gleichzeitig falsch sein, weil es die SPD zerreißen könnte und damit die wichtigsten EU-Freunde aus der deutschen Bundesregierung verschwänden.
Das wird sehr schmerzhaft.

Leicht haben es nur die Hardliner beider Seiten. Die CDU/CSUler, die ohnehin keine moralischen Bedenken bei Rüstungsexporten haben und gern Parteispenden von Waffenproduzenten nehmen.
Und die ganz Linken, die kompromisslos „nein“ sagen, ohne sich mit den realpolitischen Konsequenzen eines schwer belasteten deutsch-französischen Verhältnisses herumzuplagen.

Sonntag, 17. Februar 2019

Geschlechtsverkehr


In früheren Lebensjahren beschäftigte ich mich intensiv mit Zootierhaltung, nachdem ich erfahren hatte, daß die Delphine im Hagenbecker Delphinarium, deren Shows ich als Kind so gern sah immer nur wenige Monate lebten.
Das winzige Becken für so bewegungsaktive Tiere, die sich auch noch mit Echolot orientieren war buchstäblich tödlich. Unbemerkt von der Öffentlichkeit schaffte der Tierpark einfach einen neuen Meeressäuger an, sobald mal wieder einer verreckt war und gab ihm den Namen des Vorherigen.
Die Neuen waren immer Wildfänge, weil sich Delphine unter diesen elenden Bedingungen kaum züchten lassen.
Die verblödeten Zoobesucher konnten die einzelnen Individuen ohnehin nicht auseinanderhalten und amüsierten sich königlich. Erst langsam führten Proteste von Tierschützern zum Erfolg. Viele Besucher boykottierten das Delphinarium, insbesondere als ein junger Delphin namens „Sindbad“ sogar während einer Show-Vorführung unter den Augen des Publikums starb. Viele waren der Ansicht, Sindbad hätte Suizid begangen.
1992 wurde endlich die Notbremse gezogen und das Delphinarium geschlossen.
In Westeuropa lernt man dazu und weiß inzwischen immer besser was Tierquälerei ist. Nur noch zwei deutsche Städte bieten solche Scheußlichkeiten an. Aber das Nürnberger Delphinarium hat einen sehr prominenten Förderer und Fan, der sich offenbar nicht um Tierwohl schert: Markus Söder.

[….] Noch immer wird in Nürnberg Chlor zur Desinfektion des mit Fäkalien belasteten Wassers eingesetzt. Chlor kann die Haut und die Augen der Delfine schädigen. In Ägypten erblindeten gar in Gefangenschaft gehaltene Delfine durch das gechlorte Wasser!
Die beiden Zoos in Duisburg und Nürnberg sind große Delfinfriedhöfe.
Etwa 100 Delfine und Wale starben dort bereits.
In Nürnberg starben 33 Delfine und in Duisburg über 60 Tiere.
Das Duisburger Delfinarium hat gar in den letzten zwei Jahren drei tote Delfin- Babys zu beklagen.
Lebendgeburten sind selten und die Überlebenschancen sind sehr gering. Obwohl das Delfinarium in Nürnberg bereits seit 1971 existiert, haben von über 20 Nachzüchtungen nur drei bis heute überlebt (1993 Noah, 1998 Naomi und 2014 Nami). […..]

Als Kind sah ich noch viele Zootiere in winzigen Gehegen unter schwerem Hospitalismus leiden, wie sie tumb hin und her schwankten.
Meine Einstellung zur Viecherhaltung hat sich seitdem radikal verändert.

Inzwischen ist nicht alles gut, aber doch vieles besser geworden. Hagenbeck hat, wie viele andere Zoos in Westeuropa und Nordamerika die Zahl der gehaltenen Arten deutlich zugunsten größerer Gehege reduziert.
Längst weiß man, daß ein kleiner Käfig mit einer Mahlzeit pro Tag nicht ausreicht.
Jeder Tierpfleger kennt den Begriff „Behavioural Enrichment“ und wendet viel Zeit auf, um den Gefangenen immer neue Aufgaben und viel Abwechslung zu bieten.
Niemand kann genau sagen was ein Tier denkt und fühlt, wie schrecklich es sich anfühlt in Gefangenschaft geboren zu sein und dort zu leben.
Meines Erachtens reagieren nicht nur Tierarten, sondern auch Individuen derselben Art unterschiedlich.
Das erleben Aufzucht-, Rescue- und Auswilderungsstationen, die sich um verwaiste und verletzte Tiere kümmern. Wenn sie soweit aufgepäppelt sind um freigelassen zu werden, hauen viele von ihnen sofort ab. Einige wollen aber nicht und haben sich aus verschiedenen Gründen an ein bequemeres Leben gewöhnt. Sie bleiben lieber in menschlicher Obhut.
Der Büchermarkt ist voll von rührenden Geschichten, in denen gesund gepflegte wilde Krähen, Elstern, Eichhörnchen, Pinguine, Waschbären zwar freigelassen wurde, aber anschließend freiwillig bei einer Menschenfamilie bleiben, weil sie sich offenbar wohlfühlen.

Die Zeiten des alten Carl Hagenbeck, der kontinuierlich neue Wildtiere und Menschen in Afrika einfangen ließ, um sie in seinem Hamburger Zoo vorzuführen, sind vorbei.

Es ist keine Hundert Jahre her, daß man hier bei mir vor der Tür in Hamburg entrechtete Menschen in Käfige sperrte und anglotze.

Gerne wurden „Schau-Neger“ auf Jahrmärkten gezeigt. Carl Hagenbeck ließ für seinen Zoo in Hamburg allerlei „wilde Afrikaner“ einfangen und zeigte sie den höchst interessierten Hanseaten in seiner „Völkerschau“.
Den christlichen Besuchern kam es gar nicht in den Sinn, daß es irgendwie unmoralisch sein könnte, neben Löwen und Antilopen auch Hottentotten und Zulus in Käfigen zu zeigen.
Die Körperlichkeit der vielen afrikanischen Völkerschauen in Deutschland faszinierte insbesondere die Frauen in Deutschland - hatten sie doch in der Regel noch nie nackte Männer gesehen.

Blütezeit der Völkerschauen in Europa war zwischen 1870 und 1940. Allein in Deutschland wurden in dieser Zeit über 300 außereuropäische Menschengruppen vorgeführt. Teilweise lebten in diesen „anthropologisch-zoologischen Ausstellungen“ gleichzeitig über 100 Menschen.
(Wiki)

Tatsächlich konnten die in Hamburg gefangenen Afrikaner noch von Glück reden. Es war nämlich durchaus auch üblich „Neger“ aus praktischen Erwägungen auszustopfen oder des einfacheren Transports halber nur ihre Köpfe auszustellen.
Noch heute lagern in den Kellern der Berliner Charité kistenweise getrocknete Köpfe von Menschen aus allen Gegenden Afrikas.

Heute entwickelt man angesichts dieses Verhaltens Scham.
Die Nürnberger Rassegesetze von 1935 und die Konsequenzen beschämen inzwischen auch die anderen Mächte der Welt, die ein Jahr später fröhlich feiernd zur Olympiade in Berlin erschienen.
Machte ja nichts.
Vermutlich wird sich unsere Scham noch weiter entwickeln.
Ich halte es für wahrscheinlich, daß in 50 Jahren Jugendliche uns Uralte entsetzt fragen werden, wieso man ohne irgendwelche Skrupel mit Nationen Handel trieb, die Frauen steinigten und Schwule aufknüpften.

Heute muss ein Zoo auf das Tierwohl achten, da der Mensch in den letzten 150 Jahren ganze Arbeit leistete - beim Ausrotten und der Vernichtung von Lebensraum wilder Tiere.

Zum Glück gibt es bei den meisten Wildtierarten einen recht zuverlässigen Parameter, um die Haltungsbedingungen zu beurteilen: Geschlechtsverkehr.
Die meisten Tiere vermehren sich nicht, wenn die Lebensbedingungen zu schlecht sind.
Einen Mann und ein Weib einer sehr seltenen Tierart – zum Beispiel Eisbär, Nashorn, Orang Utan oder Tiger – zusammen in ein Gehege zu setzen reicht nicht aus, um automatisch Nachwuchs zu generieren.
„Panda-Sex“ wurde sogar schon zur allgemeinen Metapher für den Unwillen zu kopulieren.

Ein Zoo muss viel Aufwand betreiben, große Gehege und bestes Futter zur Verfügung stellen, bevor ein Gorilla oder ein Panda in Wallung kommt.

Viele Großtiere investieren offensichtlich nicht in die kraftraubende Angelegenheit Kinder aufzuziehen, wenn die Überlebenschancen zu klein sind.
Viele Tierarten handeln diesbezüglich sehr rational.
Es gibt Mäuse, die beim Eindringen einer Schlange in ihren Bau, schnell die eigenen Jungen auffressen, wenn es keinen rechtzeitigen Ausweg gibt. Es ist wichtig die Proteinzufuhr nicht dem Aggressor zu überlassen.

Eine menschliche Besonderheit ist das Kopulieren reziprok zu den Lebensbedingungen.
Wo es ihnen am schlechtesten geht – im Gazastreifen oder in den nordafrikanischen Hungerzonen – pressen sie ein Balg nach dem Nächsten aus den Lenden.

Eine hohe Geburtenrate ist sogar ein direkter Indikator für schlechte Lebensbedingungen.

(…..) Pro Jahr werden es 83.686.000 Menschen mehr, das sind 229.277 Menschen pro Tag; 159 Menschen pro Minute und 2,7 Menschen pro Sekunde.

Ein paar von denen kann man aushalten, aber ein Zehntel würde locker ausreichen. 750 - 800 Millionen betrug die Gesamtweltbevölkerung Ende des 18. Jahrhunderts. Die Eine Milliarde-Menschen-Marke wurde 1804 geknackt. Reicht das nicht?

Schon damals konnten wir Ebenbilder Gottes bekanntlich Kriege, Genozide und Ausbeutung ganzer Kontinente vollbringen, weil es genug Soldatennachschub gab, weil die Frauen im Durchschnitt so viele Söhne hatten, daß sie es hinnahmen, daß ab und zu einer davon „auf dem Feld der Ehre“ zerhackt oder zerfetzt wurde.

Der enorme Bevölkerungsdruck, die Verzehnfachung der Menschen in 200 Jahren führte aber zu noch viel mehr Konflikten, Kampf um Ressourcen, Massenmigrationen, Fluchtwellen.

In den Teilen der Welt, die ein sehr geringes Bevölkerungswachstum ausweisen, oder gar wie Deutschland, Japan, Südkorea und die baltischen Länder (Fertilitätsrate bis 1,3) schrumpfen, ist die Kriegsmüdigkeit hingegen recht ausgeprägt.
Verständlich, denn wenn man/frau bloß ein Kind hat, geht es ihm einerseits ökonomisch besser, so daß es weniger wahrscheinlich auf die Idee kommt Soldat zu werden und andererseits sind die Eltern auch protektiver, lassen ihre Kindern weniger gern in den Krieg ziehen.

Länder mit den höchsten Fertilitätsraten – Gaza 4,9 Jemen 5,0 Ruanda 5,3 Kongo 5,8 Uganda 6,1 Somalia 6,3 Ost-Timor 6,3 Afghanistan 6,4 – sind offenbar auch besonders unfriedlich, weil die enorme Kinderzahl die Ressourcen erschöpft, Konkurrenz entsteht und Eltern auch eher mal den Tod eines ihrer Blagen verkraften.

Wir brauchen also weniger Menschen und daher weniger Nachwuchs.
Es ist wohl auch kein Zufall, daß die Länder mit der höchsten Bevölkerungsdichte auch die mit den geringsten Geburtenraten sind.

Abgesehen von den Stadtstaaten sind dies Südkorea mit 493 Einwohnern pro km², Holland 408 Einwohnern pro km², Belgien 371 Einwohnern pro km², Japan 336 Einwohnern pro km² und Deutschland mit 227 Einwohnern pro km².

Am unteren Ende der Skala liegen Estland mit 28 Einwohnern pro km², Schweden mit 22 Einwohnern pro km², Finnland und Norwegen mit 16 Einwohnern pro km², Kanada 4 Einwohnern pro km², Island und Australien mit 3 Einwohnern pro km².

Abgesehen von der Bevölkerungsdichte ist die schiere Masse Mensch offenbar weder gut für die Umwelt noch für die individuelle Zufriedenheit.
Nicht China und Indien (je gut 1,3 Mrd Menschen), USA (325 Mio), Indonesien (260 Mio), Brasilien (210 Mio), Pakistan (190 Mio) oder Nigeria (185 Mio) stellen glückliche Nationen dar, sondern der World-Happiness Report listet regelmäßig ganz kleine Länder als die glücklichsten Völker auf.

Schaut man sich die Top Ten der glücklichsten Länder der Erde an, so hat man den Eindruck, dass das Glück vor allem in Europa beheimatet ist. Mit Dänemark auf Platz 1, das mit der Schweiz auf Platz 2 die Positionen tauscht, Island, Norwegen und Finnland landeten auf den vorderen fünf Plätzen ausschließlich europäische Nationen.
Auch die Niederlande (Platz 7) und Schweden (Platz 10) schafften es unter die ersten Zehn des World Happiness Report 2016, der am Mittwoch in Rom vorgestellt wurde und auf einer Studie des Earth Institute der New Yorker Columbia Universität beruht. [….]

Bezüglich des Umgangs mit Ressourcen, der Kriegsgefahr und des Verhältnisses zur Umwelt ist es also ein Segen, daß Deutschlands Bevölkerung kaum wächst, daß die Geburtenrate im unteren Viertel aller Nationen liegt. (….)

Reiche europäische, asiatische und amerikanische Staaten sollten also stolz auf ihre kleinen Geburtenraten sein.

Aber auch innerhalb der einzelnen Nationen hängt die Geburtenrate vom Wohlstand ab.
Während mehr als die Hälfte der wohlhabenden Akademikerinnen in Deutschland gar keine Kinder haben, sind Transferempfänger deutlich empfänglicher.
Dabei bekommen Frauen umso mehr und umso eher Kinder, je ungebildeter sie sind.
Wegen der enormen sozialen Unterscheide gibt es auch in den USA eine vergleichsweise hohe Geburtenrate. Die ungebildeten Rednecks in den Trailerparks haben nichts anderes zu tun.

Herr Orban, der gern damit prahlt fünf Kinder gezeugt zu haben, während die verweichlichten Flüchtlings-freundlichen 3M (May, Macron, Merkel) allesamt kinderlos sind.
Das stimmt zwar, spricht aber eher gegen Orban.

Wie viele Rechtsradikale und Rechte ist der Ungarische Premier davon besessen mehr Menschen der eigenen Ethnie und Nationalität zu zeugen.
„Kinder statt Inder“ plakatierte die NRW-CDU einst unter MP Rüttgers mit radikal rassistischem Unterton.
Dabei sorgt ein Genmix für hohe Intelligenz.

[….] Es war im Hochgefühl des jüngsten Wahlsiegs, als Premierminister Viktor Orbán seinen Ungarn ein neues Großprojekt verhieß: Um die Demografie wolle er sich in der neuen Legislaturperiode vorrangig kümmern, sagte er im April 2018 und kündigte dazu eine "Vereinbarung mit Ungarns Frauen an". Das Ziel hat der dabei hoch gesteckt: Von derzeit durchschnittlich knapp 1,5 Kindern pro Frau soll die Geburtenrate bis 2030 auf 2,1 ansteigen. [….] "Wir leben in Zeiten, in denen in ganz Europa immer weniger Kinder geboren werden. Die Westler antworten hierauf mit der Einwanderung. So viele sollen hereinkommen, wie fehlen, und dann werden die Zahlen in Ordnung sein", schimpfte er diese Woche in einer Rede zur Lage der Nation. In Abgrenzung zum wertevergessenen Westen präsentierte er den "ungarischen Menschen", der das Problem anders angehe: "Wir brauchen keine Zahlen, sondern ungarische Kinder." [….]
Zur Aufrüstung in diesem Kampf will Ungarns Regierung nun offenbar viel Geld investieren. Der "Aktionsplan zum Schutz der Familie", der in diesem Sommer in Kraft treten soll, verspricht dabei zum Beispiel jeder ungarischen Frau unter 40 Jahren bei der ersten Eheschließung einen Kredit in Höhe von zehn Millionen Forint, umgerechnet gut 30 000 Euro. Bei der Geburt des ersten Kindes wird die Rückzahlung für drei Jahre ausgesetzt. Nach dem zweiten Kind wird ein Drittel, nach dem dritten der gesamte Kredit erlassen. Frauen mit vier oder mehr Kindern sollen künftig lebenslang von der Einkommensteuer befreit werden. [….] Auch Orbán selbst hat das Thema in seiner Rede mit der EU-Wahl verknüpft, die er als "finale Schlacht" bezeichnete. "Im Vorfeld der europäischen Wahlen hat Europa erneut den Punkt erreicht, an dem wir unsere ungarische Identität, unser christliches Erbe verteidigen müssen", sagte er. [….]

Der arme Irre sorgt mit gigantischem Aufwand dafür Menschen aus Ungarn fernzuhalten, sie ins Meer zu treiben und ersaufen zu lassen und beklagt sich dann über die angebliche Unterbevölkerung Ungarns.
 Nun also die finanzielle Fick-Förderung, statt den Menschen zu helfen, die auf der hoffnungslos überbevölkerten Welt schon vorhanden sind. Poppen für den Premier.


[…..] Im vergangenen Jahr ist erstmals jede zweite neu geschaffene Arbeitsstelle in Deutschland mit ausländischen Arbeitskräften besetzt worden. Ganze Branchen sind auf Arbeitnehmer aus dem Ausland angewiesen. Waren im Jahr 2008 noch 28,8 Prozent der Beschäftigten in der Gastronomie ohne deutschen Pass, sind es inzwischen 56 Prozent. In Schlachtereien ist der Anteil ausländischer Arbeitnehmer von zwölf Prozent im Jahr 2008 auf 53 Prozent 2018 gestiegen. Im Hochbau sind es 43,5 Prozent, und auch im Reinigungsgewerbe hat mehr als jede dritte Reinigungskraft keinen deutschen Pass, insgesamt 34 Prozent. Die deutsche Wirtschaft - und über die Steuereinnahmen wir alle - profitieren davon erheblich. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit in Hamburg, Sönke Fock, betont, dass die gute wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre in Deutschland ohne die ausländischen Arbeitskräfte nicht realisierbar gewesen wäre: "Es wären Stellen unbesetzt geblieben, es hätten Aufträge nicht bearbeitet werden können." [….]

Samstag, 16. Februar 2019

Kardinalglossar


Es gibt verdammt wenige Kardinäle auf der Erde.

Derzeit sind es bei etwa 1,3 Milliarden Katholiken nur 223 Stück und von diesen gehören nur 123 zu der mächtigsten Klasse der Papstwähler.

Das sind also 10 bis 11 Millionen Katholiken pro Kardinal.
Kein Wunder, daß der Begriff „Kardinal“ auch metaphorisch für das Größte steht: Kardinalfehler, Kardinalproblem, Kardinalaufgabe.
(Zum Vergleich: Merkels Kabinett besteht aus 16 Mitgliedern, also kommen gut fünf Millionen Bundesbürger auf einen Bundesminister)
 Laien erkennen Kardinäle an ihren purpur-roten Abendkleidern und wissen, daß es sich bei ihnen um den allerhöchsten Rang der christlichen Geistlichkeit handelt.
Dabei sind Kardinäle keineswegs gleichrangig, sondern wiederum in verschiedene Ränge und Klassen aufgegliedert, welche den Kardinälen natürlich außerordentlich wichtig sind. Eifersüchtig versuchen sie aufzusteigen.

Wie schon erwähnt sind die unter 80-Jährigen als Papstwähler mächtiger als die älteren.
Kurienkardinäle besetzen wie schon der Name sagt machtvolle Schaltstellen im Vatikan und haben dadurch erheblich mehr Einfluss als Diaspora-Kardinäle.
Kurienkardinäle gibt es ebenfalls in drei Klassen:

·        Einfache Kuriale,
·        Kardinalpräfekten, die als Leiter vatikanischer Dikasterien (zum Beispiel Kongregationen) fungieren und schließlich den
·        Kardinalstaatssekretär (Staatssekretär Seiner Heiligkeit, Chef des wichtigsten Dikasteriums, nämlich des Staatssekretariats des Heiligen Stuhls. Amtsinhaber ist derzeit Pietro Parolin.

Abgesehen von den unterschiedlich mächtigen Kurienjobs, gibt es auch noch eine formale Rangfolge in vier Abstufungen. Der oberste Chef, der Kardinaldekan (lat. Decanus Sacri Collegii), derzeit noch Angelo Sodano, der frühere Kardinalstaatssekretär der römischen Kurie, muss immer in Rom sein und leitet im Falle einer Sedisvakanz die neue Papstwahl ein.
Unter dem Kardinaldekan gibt es drei Güteklassen (lateinisch ordines). Kardinaldiakone, Kardinalpriester und Kardinalbischöfe.

Letztere sind schon erheblich exklusiv; derzeit gibt es nur zehn Stück.
In der Regel sind alle Kardinäle vorher schon Bischöfe. Streng genommen müssen aber nur die Kardinalbischöfe auch Bischöfe sein. Franzl könnte aber auch einen einfachen Priester zum Kardinaldiakon erheben. Und auch das ist erst seit 1917 vatikanisches Recht. Bis dahin konnten auch Laien Kardinäle werden. Hauptsache es waren keiner Frauen.
Derzeit sind aber von 225 Kardinälen nur Roberto Tucci und Albert Vanhoye keine geweihten Bischöfe.
Sollte dieser im nächsten Konklave zum Papst gewählt werden, müßte er als „Bischof von Rom“ allerdings vorher noch die Bischofsweihe empfangen.

Auch über die Kardinalswürde wird oft falsch berichtet.
Der Papst „ernennt“ nicht etwa Kardinäle, sondern er „kreiert“ sie. Umgangssprachlich korrekt ist aber auch „Erhebung zum Kardinal.“

Da die Kardinalswürde mit keinem Sakrament verbunden ist, kann man sie anders als Dr.-Titel oder Bischofsränge tatsächlich zurückgeben.
Das passiert gelegentlich.
Louis Kardinal Billot (1846-1931) war ein so erzkonservativer Metaphysiker und Monarchist, daß er sich darüber dermaßen mit Papst Pius XI. zerstritt, daß er ihm 1927 die Kardinalswürde vor die Füße warf.

Zuletzt machte der ehemals höchste Katholik Englands von dem Recht auf Exkardinalisierung gebrauch.
Keith Michael Patrick O’Brien (*1938) war Kardinal der römisch-katholischen Kirche und Erzbischof von Saint Andrews und Edinburgh.
Der Kurienkardinal hatte es lange abgestritten, mußte aber inzwischen aufgrund erdrückender Beweistlast zugeben in den 1980er Jahren mindestens vier Seminaristen sexuell belästigt zu haben.
Nun warf der schwule Schotte hin. (….)

Im Juli 2018 kam es zu einer weiteren Titelrückgabe wegen Kinderfickerei.
Theodore Edgar McCarrick, 88, früherer römisch-katholischer Erzbischof von Washington hatte nicht nur die Seminaristen des Priesterseminars sexuell belästigt, sondern auch einen 11- und einen 15-Jährigen über Jahre vergewaltigt.
Ins Gefängnis kam er deswegen natürlich nicht; er ist schließlich Kardinal und da drückt man  traditionell alle Augen zu, wenn es darum geht Kinder zu vergewaltigen.

Eine Besonderheit, die fast alle Kardinäle aufweisen ist, daß es sich bei ihnen um echte Charakterschweine handelt.
Selbst der deutsche liberale Vorzeige-Kardinal Lehmann, der von allen Politikern über den grünen Klee gelobt wurde, hat immerhin wissentlich und aktiv dafür gesorgt, daß pädosexuelle Gewalttäter vor der Justiz versteckt und neuen Opfern zugeführt wurden.
 Man wird ein keiner Zeitung ein böses Wort über Karl Lehmann finden, aber man nenne mich ruhig kleinkariert oder pingelig; ich finde es nicht akzeptabel Sadisten, die kleine Jungs missbrauchen zu schützen und sich konsequent auf die Seite der Täter, statt der Opfer zu stellen.
Die meisten Journalisten drücken aber beim Kinderficker-Vertuschen und Verharmlosen, beim Ermöglichen und beim Weggucken alle Augen zu. Ratzinger und Müller haben es getan und werden kaum kritisiert.

Kardinäle, die persönlich ihren Penis in kleine Jungs steckten, bekommen hingegen so schlechte Presse, daß sich auch Papst Franz, der eigentlich die Strafen für Päderasten-Kuriale verringert, nun zu einem radikalen Schritt veranlasst sah: Er versetzte McCarrick in den Laienstand.
Immer noch kein Gefängnis, aber nach Verlust seines Kardinaltitels, darf sich der in Kansas residierende Geront nun nicht mal mehr Priester nennen.

[….] Papst verhängt Höchststrafe gegen Ex-Kardinal  [….] Wenige Tage vor einem Vatikan-Gipfel zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche hat Papst Franziskus einen US-Ex-Kardinal aus dem Klerikerstand entlassen. Das ist die höchste Strafe im Kirchenrecht. [….]

Viele andere Kardinäle fahren aber damit fort ganz bibeltreue homohobe Widerlinge zu sein.

Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, als Präfekt der Glaubenskongregation ehemalige Nummer Drei der katholischen Welt und von diesem Papst in den Kardinalsrang erhobener extrem Opfer-feindlicher Hetzkleriker, legt heute im SPIEGEL nach.
Ungeniert breitet er sein perfides Weltbild aus, für das andere eine Anzeige wegen Volksverhetzung bekämen.

[…..] SPIEGEL: Am Donnerstag beginnt im Vatikan ein wichtiges Treffen zum Thema sexueller Missbrauch – mit mehr als hundert Vorsitzenden der Bischofskonferenzen. Sie behaupten, das Thema werde von Gegnern der Kirche instrumentalisiert. Warum?

[…..] Müller: […..] Sexueller Missbrauch Heranwachsender kommt millionenfach in der ganzen Welt vor. Die Ursache liegt im verdorbenen Charakter des Täters, das hat nichts mit dem Amt zu tun. […..]
SPIEGEL: Sie behaupten unter anderem, es gebe einen Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität. Wie kommen Sie darauf?
Müller: In der Glaubenskongregation hatten wir statistisch den perfekten Überblick. Weit über 80 Prozent der Opfer sexuellen Missbrauchs Jugendlicher bis zu 18 Jahren waren junge Männer im pubertären und nachpubertären Alter. Bei dem am Donnerstag beginnenden Missbrauchsgipfel aber sollen diese Daten unvernünftigerweise keine Rolle spielen. Aus kirchlicher Sicht ist klar: Wer sich nicht beherrschen kann, ist für das Priesteramt nicht geeignet. Schönreden nützt da nichts. Übrigens bin ich der Meinung, dass kein Mensch gottgewollt als Homosexueller geboren wird, wir werden geboren als Mann oder Frau. […..]
 (DER SPIEGEL, 16.02.2019)

Wie immer wird auch im SPIEGEL so ein Abschaumbischof devot und unterwürfig behandelt, Eminenz genannt.