Samstag, 24. Mai 2014

Nicht alles schlecht.



Da ich als SPD-Parteimitglied gegen die GroKo stimmte und schon zwei Mal eine verheerende Bilanz der bisherigen Regierungsarbeit zog, könnte ich es mir leicht machen, indem ich mich schmollend von der 2014er SPD abwende.

In den sozialen Netzwerken beobachte ich wie Sigmar Gabriels Beliebtheit irgendwo zwischen Fußpilz und Mundfäule oszilliert.
Er findet das sicher unfair. Liefert denn die SPD nicht genau das Versprochene? Gerade wurde das monströse Rentenpaket der frommen Katholikin Nahles verabschiedet. Die Sozis finden sie hätten tapfer gekämpft, weil sie das extrem teure Paket gegen den Widerstand der Arbeitgeberlobby (INSM-Kampagne!) und der Großjournalisten (direkte Aufforderung zum Kampf gegen das Rentenpaket im SPIEGEL-Leitartikel letzte Woche) durchgesetzt hätten.
Das sollte doch der Wähler belohnen.
So mutig war das Rentenpaket dann aber doch nicht. Denn einerseits gibt es ohnehin eine 80%-Mehrheit der Bundesbürger, die dafür ist (mehr Geld für alle!!!) und andererseits traute sich Nahles nicht Selbstständige, Beamte oder Bundestagsabgeordnete zur Kasse zu bitten. Diese Gruppen sind weiterhin der Solidarität entzogen.

Es gibt genügend Gründe sich über die SPD-Bundesminister zu ärgern.

Ich glaube, daß Steinmeier, zumindest am Anfang, sehr viel falsch gemacht hat, indem er auf eine klare Schwarz-weiß-Politik setzte, also die guten westukrainischen Übergangsregierenden (inklusive Faschisten und Nationalisten) gegen die bösen von Russland angestifteten Ostukrainer.
Immerhin positioniert sich der deutsche Außenminister heute aber nicht mehr so einseitig und widersetzt sich auch der Putin-Verdammung, die Washington fordert. Steinmeier militarisiert auch nicht wie von der Leyen.
Ich gehöre also nicht zu den Linken, die sich über seine „Wutrede“ aufregen.
Im Gegenteil, in diesem Fall bin ich auf seiner Seite.
Diese verschwörungstheoretisierten Montagsdemonstranten sind nicht ernst zu nehmen; das zeigen ihre skandierten Parolen „Kriegstreiber! Kriegstreiber!“ eindeutig.
Steinmeiner mag einiges falsch einschätzen und mit seinen runden Tischen und den Oligarchen-Gesprächen noch nicht den Weltfrieden ermöglicht haben, aber man muß fairerweise anerkennen, daß er sich bemüht einen Krieg zu verhindern.
Er ist kein Kriegstreiber. Das ist absurd.
Die Schreihälse, denen solche Vorwürfe so leicht von den Lippen gehen, sollten erst mal einen sinnvollen Vorschlag machen, wie man aus der total verfahrenen Lage in der Ukraine wieder rauskommt. Kiews Anteil an der Eskalation wird inzwischen durchaus akzeptiert und analysiert.
Indem man das benennt, hat man aber auch noch keine  gewaltfreie Lösung für das Land.

Ein Wort zu Gabriel:
Ja, ich ärgere mich maßlos über Exportgenehmigungen von Waffen und Bürgschaften für Kriegsschiffexporte in den Nahen Osten.
Aber deswegen ist die GroKo noch nicht so schlecht wie es SchwarzGelb war. Der fromme Katholik Fipsi Rösler hatte nämlich überhaupt keine moralischen Grenzen. Und wenn es nur nach der CDU ginge, würden alle Waffenexportgenehmigungsanfragen bewilligt werden. Das zeigt schon die alarmistische Reaktion auf Gabriels Stopp der Überwachungstechnikausfuhrgenehmigungen.

Im Bereich der Überwachungstechnik setzt der SPD-Politiker seine neue Doktrin offenbar schon um: Der Zoll wurde angewiesen, Technik deutscher Firmen, mit der Unrechtsregime ihre Bürger überwachen können, strenger zu kontrollieren.
Aus der Union kommt Kritik an Gabriels Ankündigung: "Herr Gabriel ist hier unehrlich", sagt der CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl SPIEGEL ONLINE. Besonders ärgert sich Uhl über Gabriels zögerliche Haltung beim Export des Leopard-Panzers nach Saudi-Arabien. "Saudi-Arabien ist ein Stabilitätsanker in der Region. Wir sind gut beraten, das Land zu stärken und auch mit Rüstungsgütern zu beliefern."
[…]  Uhl warnt zudem, dass durch Abwanderung der Rüstungsindustrie Zehntausende Arbeitsplätze bei Rüstungsfirmen und ihren Zulieferern in Gefahr seien. "Wenn Gabriel ehrlich ist, muss er sagen: Wir wollen euch nicht mehr, ihr könnt gehen." Im Ausland werde der Industrie allerdings der rote Teppich ausgerollt.
Auch Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, sieht "gar keine Notwendigkeit, Rüstungsexporte künftig noch sanfter anzufassen". Im Gegenteil: "Genehmigungen liegen bei uns schon jetzt ewig. Bei internationalen Rüstungsprojekten halten uns unsere Verbündeten nicht mehr für verlässlich", sagt er SPIEGEL ONLINE. Langfristig werde Deutschland bei Rüstungsvorhaben innerhalb der Nato außen vor gelassen, fürchtet der CDU-Politiker. "Das wäre politisch und wirtschaftlich fatal."  […]

Offenbar macht Gabriel bei den Waffenexporten doch einiges richtig, wenn sich die Waffenfreunde in der Christenpartei derart echauffieren.
Die GroKo ist meiner Ansicht nach ein Übel.
Aber durch die SPD-Beteiligung ist sie immerhin ein deutlich kleineres Übel als es Schwarzgelb oder CDU-pur wären. So viel Ehrlichkeit muß sein, auch wenn man Pirat oder Linker ist.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) stoppt weitere Rüstungsdeals: Nach SPIEGEL-Informationen wurden im Bundessicherheitsrat auch weit fortgeschrittene Projekte zurückgenommen.
Der Bundessicherheitsrat hat in seiner letzten Sitzung am Mittwoch vor drei Wochen fast zwei Drittel aller Rüstungsexportanträge abgelehnt. Nach SPIEGEL-Informationen hat sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in dem geheim tagenden Regierungsgremium dafür eingesetzt, dass auch einzelne Projekte in weit fortgeschrittenen Stadien gestoppt werden.
Dabei riskiert die Regierung Schadensersatzforderungen der betroffenen Unternehmen. Einen Rüstungsexportantrag soll Gabriels Ministerium bewusst nicht zur Beratung im Bundessicherheitsrat zugelassen haben. Dabei handelt es sich um Zieloptiken für die Kanonen von Schützenpanzern, die nach Saudi-Arabien geliefert werden sollen.   […]



Freitag, 23. Mai 2014

Franz outet sich – Teil VII


Alle lieben Papst Franziskus. Dieses Wochenende wird es wieder eine Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung geben, weil Franzi nach Israel fährt.
Da ist die versammelte deutsche Journaille speichelleckend dabei.
Samstag wird Stefan Oster in sein Amt als Passauer Bischof eingeführt – stundenlang übertragen vom BR – und Sonntag gibt es dann bei der ARD mehrere Stunden Papst-Gottesdienste in Bethlehem.
Hoffen wir, daß sich nicht wieder Gelähmte, Amputierte, Zwerge oder Schwerhörige dazwischen mogeln. Denn Behinderte kann der Liebe Gott gar nicht leiden und verbannt sie ausdrücklich aus seinen Gottesdiensten.
Die Bibel ist da ganz eindeutig. Die Buckeligen und Gebrechlichen entweihen nämlich den Altar!

17 Rede zu Aaron und sprich: Jemand von deinem Samen bei ihren Geschlechtern, an dem ein Gebrechen ist, soll nicht herzunahen, um das Brot seines Gottes darzubringen; 18 denn jedermann, an dem ein Gebrechen ist, soll nicht herzunahen, es sei ein blinder Mann oder ein lahmer oder ein stumpfnasiger, oder der ein Glied zu lang hat, 19 oder ein Mann, der einen Bruch am Fuße oder einen Bruch an der Hand hat, 20 oder ein Höckeriger oder ein Zwerg, oder der einen Flecken an seinem Auge hat, oder der die Krätze oder Flechte, oder der zerdrückte Hoden hat. 21 Jedermann vom Samen Aarons, des Priesters, der ein Gebrechen hat, soll nicht herzutreten, die Feueropfer Jehovas darzubringen; ein Gebrechen ist an ihm, er soll nicht herzutreten, das Brot seines Gottes darzubringen. 22 Das Brot seines Gottes von dem Hochheiligen und von dem Heiligen mag er essen; 23 allein zum Vorhang soll er nicht kommen, und zum Altar soll er nicht nahen, denn ein Gebrechen ist an ihm, daß er nicht meine Heiligtümer entweihe; denn ich bin Jehova, der sie heiligt.
(3. Mose - Kapitel 21)

Allerdings findet der Gottesdienst im Heiligen Land statt und insofern ist es unwahrscheinlich dort Krüppel anzutreffen. Handelt es sich doch bei den Bewohnern Desselben um Gottes auserwähltes Volk.

Die Begeisterung der deutschen Medien für Ratzingers sympathischeren Nachfolger ist also ungebrochen groß.
Ich sehe das allerdings anders. Bergoglio ist auch nur ein konservativer Menschenrechtsantagonist.

Er läßt Ex-Staatssekretär Bertone in einer 700-Quadtrameterwohnung im Vatikan einziehen.


Mit den neuen Kardinälen Gerhard L. Müller und Ricardo Ezzati Andrello erhob Franz zwei in den zweithöchsten Stand, die dezidiert gegen die Aufklärung von sexuellem Kindesmissbrauch durch ihre Priester gearbeitet haben. Zwei Ex-Bischöfe, die vertuschten und die kinderfickenden Pädo-Priester protegierten.

Er beharrt auf homophober Politik.

Er läßt die schmutzigen Vatikanbanker weiter Geld waschen.


Franz ist ein moderner Papst und setzt Prioritäten.

Männer, die sich lieben, Frauen auf Kanzeln oder Kondome – nein, das kann auch Bergoglio nicht akzeptieren.
Und wer das Sakrament der Ehe schändet, indem er sich scheiden läßt, kann natürlich weiterhin nicht die heilige Kommunion (vulgo: Esspapier in der Größe einer Zweieuromünze) erhalten.
Die Scheidung ist „eine eiternde Wunde“, da kann man kein Auge zudrücken, so wie bei Petitessen wie Massenmord oder Kinderficken oder Holocaust.
Diese kleinen Sünden werden großzügig von der RKK verziehen; wer sich dessen schuldig macht, wird weiterhin von der katholischen Kirche unterstützt.

So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.
(Adolf Hitler)

Ich tat reinen Gewissens und gläubigen Herzens meine Pflicht.
(Adolf Eichmann, SS-Obersturmbannführer und Massenmörder)

Gottgläubig war ich im Leben, und gottgläubig sterbe ich.
(Die letzten Worte des SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmanns vor seiner Hinrichtung im Jahre 1962)

Wir haben Soldaten nötig, gläubige Soldaten. Gläubige Soldaten sind die wertvollsten. Die setzen alles ein.
(Adolf Hitler zu Bischof Wilhelm Berning von Osnabrück)

Die katholische Kirche hat 1500 Jahre lang die Juden als Schädlinge angesehen...Ich gehe zurück auf die Zeit, was man 1500 Jahre lang getan hat...und vielleicht erweise ich dem Christentum den größten Dienst.
(Adolf Hitler)

Mugabe, Hitler, Franco, Mussolini, Eichmann, Kaltenbrunner, Pater Murphy, Pater Macial – diesen an sich guten Menschen war das päpstliche Wohlwollen stets sicher. Ihnen half die RKK auch der irdischen Justiz zu entkommen.

Beauftragt von Pius XII organisierte Giovanni Batista Montini (später Papst Paul VI) die Flucht von Nazi-Schlächtern nach Argentinien.
Eichmann schlüpfte unter dem Schutzmantel des Vatikans nach Südamerika.

Als der Organisator des Holocaust 1960 von Israelis aus Buenos Aires entführt wurde, protestierte der argentinische Kardinal und Leiter der Katholischen Aktion, Antonio Caggiano:

"Es ist unsere Christenpflicht, ihm zu verzeihen, was er getan hat."

6 Millionen Menschen umbringen ist also aus katholischer Sicht nicht nur theoretisch verzeihbar, sondern es ist sogar ChristenPFLICHT so eine Petitesse zu verzeihen.

Eine regelrechte Barbarin hingegen ist Martha Heizer aus Innsbruck.
Dieses Teufelsweib beging ein so abscheuliches Verbrechen, daß auch der liebe Papst Franz nun wirklich keine andere Möglichkeit hatte, als zur Höchststrafe zu greifen: Exkommunikation und damit eine Verurteilung zum ewigen Höllenfeuer – ohne Hoffnung auf Errettung der Seele.
Die päpstliche Exkommunikation ist grausam und wurde daher bei weniger üblen Verbrechern wie zum Beispiel Adolf Hitler auch nicht angewendet.
Aber diese Martha hat es verdient!
Diese Bestie!!!
Ortsbischof Manfred Scheuer griff vorgestern auf Anweisung Roms durch. Die Glaubenskongregation unter Kardinal Müller hatte den Daumen gesenkt. Es ging um ein Delikt gegen die Eucharistie, gemäß dem Kirchenrecht kann das nur die härteste Strafe bedeuten!

Martha Heizer, die Vorsitzende der gerade in Österreich sehr populären Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" trifft die härteste Strafe der katholischen Kirche diesseits der Hölle: den Ausschluss von allen Sakramenten und Ämtern. Ihren Mann Gerd trifft die Strafe gleich mit. Der Grund: unerlaubtes Feiern der Heiligen Messe - falsches Beten, zugespitzt gesagt.
Seit vielen Jahren trafen sich die Eheleute regelmäßig mit Freunden und feierten den Gottesdienst. Zunächst war auch ein Priester dabei, sodass alles seine Ordnung hatte. Doch der starb, ein neuer fand sich nicht, und irgendwann sagte die Gruppe: Wir machen das alleine mit der Eucharistie, "weil doch der Priestermangel so groß ist und wir gespürt haben, wie gut uns das tut". 2011 erzählte dies die heute 67-jährige Religionspädagogin locker in einem Interview - und trat die Lawine los.
Im katholischen Kirchenrecht gilt eine Messfeier, bei der kein geweihter Priester die Worte des Hochgebets zur Wandlung spricht, als Simulation. Sie ist sofort dem Bischof und der Glaubenskongregation in Rom zu melden, sie führt zur gleichen Strafe wie der Bruch des Beichtgeheimnisses, wie sexuelle Gewalt gegen Minderjährige.
[….] Der Bischof hätte ja mal mutiger sein und der Glaubenskongregation widerstehen können, findet Martha Heizer. Sie sei erbittert, "dass wir von keinem einzigen Missbrauchstäter wissen, der exkommuniziert wurde"; hier werde "mit unterschiedlichem Maß gemessen".

Wir halten noch einmal fest, wie die RKK unter Franzi funktioniert:

Erigierte Penisse in kleine Jungs stecken und/oder diese halbtot prügeln ist nie ein Grund für die härteste Kirchenstrafe.
Wer aber „falsch betet“, kommt in die Hölle.

Sehr schön auch, daß der Vatikan bei den wirklich wichtigen Dingen gleich durchgreift.
Das Kinderficken hingegen ist ja nun nicht so eine dringliche Angelegenheit, daß man da unbedingt etwas unternehmen müßte….

UN-Bericht kritisiert Vatikan scharf.
 Experten sehen noch erhebliche Mängel beim Umgang mit Missbrauchsopfern.
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate haben die Vereinten Nationen den Vatikan für seinen Umgang mit Kindesmissbrauch durch Priester scharf kritisiert. Der UN-Ausschuss zur Bekämpfung von Folter findet in seinem aktuellen Bericht, der am Freitag in Genf vorgestellt wurde, deutliche Worte: Die katholische Kirche habe nicht sichergestellt, dass Missbrauchsfälle lückenlos der Polizei gemeldet würden; sie habe Geistliche versetzt, um ihnen Strafverfolgung zu ersparen, und sie habe es verabsäumt, Missbrauchsopfer angemessen zu entschädigen.
Fast 3500 Fälle
Für den aktuellen UN-Bericht legten Vatikan-Abgesandte auch Zahlen offen. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre wurden demnach 848 Geistliche wegen sexueller Übergriffe ihres Amtes enthoben. 2572 weitere wurden – wegen fortgeschrittenen Alters oder gesundheitlicher Probleme – geringer bestraft. Insgesamt verfolgte der Vatikan zwischen 2004 und 2013 fast 3500 Fälle von Missbrauchsvorwürfen.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Schmerzfreie Grüne – Teil II



OK, die Grünen haben nicht gerade einen Lauf.
Wie sollten sie auch?
Die Groko dominiert mit ihrer 80%-Mehrheit nach Belieben und die Grünen haben alle ihre fähigen Führungskräfte aussortiert und dafür die Tumben, Unerfahrenen und Religiösen in die erste Reihe gestellt.
Von Fraktionschef Hofreiter weiß man inzwischen, daß er dringend einen Steuerberater und einen Friseur braucht.

Der schwäbische Obergrüne Özdemir war allerdings auch sehr erfolgreich bei der Suche nach dem Super-GAF. (Größter anzunehmender Fettnapf).
Gerade als sich der über alle Maßen in sich selbstverliebte Joachim Gauck so richtig als Religiot und Bellizist mit neoliberaler Gesinnung entpuppte, preschte der Grüne Parteivorsitzende zur absoluten Unzeit, drei Jahre vor dem Ende der Amtszeit vor und warb für eine zweite Amtszeit des umstrittenen Pfaffen. Gauck wäre dann am Ende 82 Jahre alt. Schön, daß die Grünen nicht nur ein Signal an die Rechten (Özdemir transportierte diese Idee gemeinsam mit dem FDP-Chef Lindner), sondern auch an die Jugend senden.

Nachdem ich in den letzten Tagen mehrmals auf den gegenwärtigen Zustand der großen Koalition zu sprechen kam, ist es wichtig auch noch einmal auf die Alternative zu sehen.
Bei den gegenwärtigen Mehrheitsverhältnissen gibt es außer einer GroKo nur Schwarzgrün.
RotRotGrün rückt aus zwei Gründen in immer weitere Ferne. Erstens schwächelt die SPD so sehr, daß es noch nicht einmal zu dieser Dreierkonstellation reichen dürfte.
Zweitens tun sich bei den aktuellen außenpolitischen Fragen derartige Gräben zwischen Linken und SPD auf, daß so eine Koalition schnell platzen könnte.

Man vergisst fast, daß am 22.09.13, dem Tag der Bundestagswahl ebenfalls eine Wahl in Hessen stattfand.
Auch dort reichte es nicht zu Rotgrün und nicht zu Schwarzgelb.
Auch dort fehlte es dem frommen SPD-Chef an Rückgrat und Mut, um die CDU in die Opposition zu schicken.

Am Ende schmiegten sich die Grünen an Bouffier, den Epigonen des braunen Rolands.

In Hessen wird mit dem rechtesten CDU-Verband Deutschlands koaliert.
Roland Kochs Kofferträger Bouffier, der alle ausländerfeindlichen Hetzkampagnen der Hessen CDU, die einst zig Millionen DM Schwarzgeld als „jüdische Vermächtnisse“ tarnte und bis heute nicht aufklärte woher das Geld stammte, darf jetzt mit Tarek Al Wazir an seiner Seite regieren, als ob die CDU eine absolute Mehrheit hätte.

Weiter so mit Bouffier
 […]  Eines kann man von der neuen Mannschaft des Volker Bouffier sicher nicht erwarten: einen „Politikwechsel“. Der CDU-Chef setzt dem Slogan, mit dem die Opposition aus SPD, Grünen und Linken im Wahlkampf losgezogen ist, genau das Gegenteil entgegen. „Weiter so“, lautet die Botschaft, die Bouffier mit seinem Personal aussendet.
Die alte Regierungsmannschaft der CDU ist im Wesentlichen auch die neue. Es sind genau jene Personen, die von den Grünen vor der Landtagswahl als „erschöpft und verbraucht“ gegeißelt wurden. Künftig sitzt man gemeinsam am Kabinettstisch des Volker Bouffier. […]

Das klappt eigentlich ganz vorbildlich, weil sich die neobellizistischen Grünen perfekt an ihren neuen schwarzbraunen Partner angepasst haben.

Hessen also, da regieren die Grünen geräuschlos mit einem CDU-Landesverband von vorvorgestern. Einer CDU, die ihre Vorurteile gegen Schwule und Ausländer kultiviert.

Alle außer CDU verurteilen Homo-"Heiler"
In Kassel planen LGBT-Aktivisten eine Demonstration gegen einen evangelischen Kongress mit Homo-"Heilern" – auch der Stadtrat verurteilt die homophobe Veranstaltung, allerdings nicht einstimmig.
Gegen den am Donnerstag beginnenden Kongress "Sexualethik und Seelsorge" formiert sich Widerstand, weil in der vom Verband Weißes Kreuz e.V. organisierten Tagung auch Homo-"Heiler" als Referenten eingeladen worden sind. So hat das Kasseler Stadtparlament mit den Stimmen von SPD, Grünen, Linken, FDP, Freien Wählern und Piratenpartei am Montag eine "Resolution gegen Homophobie" verabschiedet, in dem es sich von dem Kongress distanziert. Darin heißt es, dass die Einstufung von Homosexualität als "Krankheit" das Selbstbestimmungsrecht "religiös verbrämt" in Frage stelle. Lediglich die CDU stimmte gegen die Resolution.
[….]  Die evangelikale Gruppe vertritt eine höchst konservative Sexualmoral und lehnt Homosexualität generell ab: So hat der Verband eine Handreichung zum Thema erarbeitet (PDF), in der Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt wird ("einige lieben Kinder, Jugendliche oder Gleichaltrige"). Änderungswilligen Homosexuellen wird versprochen, "durch Therapie, Seelsorge oder Selbsthilfegruppen" heterosexuell zu werden.

Immerhin, beim Thema Schwule und auf kommunalerer Ebene trauen sich die Grünen schon noch sich auf die richtige Seite zu stellen.
Im Landtag sieht es schon anders aus.
Fest im Rektum der Hessen-CDU steckend, verurteilen die Grünen den Versuch der SPD endlich auch in Wiesbaden die mörderischen Pläne der Nazi-Terroristen um Beate Zschäpe aufzuklären.
Rechtsextremismus? Da muß man wohl nicht mehr so genau hinsehen, wenn es nach den Grünen-2014 geht. Die hessischen Sozis erzwangen jetzt einen Untersuchungsausschuss, der etwas peinlich für den mit grünen Stimmen gewählten CDU-Regierungschef werden könnte.
Also stellen sich die Grünen lieber an die Seite der Aufklärungsverweigerer der CDU und spucken den Angehörigen der von Nazis getöteten Opfern a posteriori noch einmal ins Gesicht.

Parlament soll Mord in Kassel untersuchen. CDU und Grüne werfen den Sozialdemokraten parteipolitisches Kalkül vor.
Im Herbst 2013 wählte Hessen einen neuen Landtag, der zur ersten schwarz-grünen Koalition in einem deutschen Flächenland führte. Die Lust der CDU auf weitere öffentliche Recherchen zu diesem Thema waren und sind begrenzt. Zur Zeit des Mordes 2006 war der heutige Ministerpräsident Volker Bouffier Innenminister des Landes. Und er hatte höchstpersönlich dafür gesorgt, dass Polizei und Staatsanwaltschaft bei ihren Recherchen im Kasseler Mordfall Yozgat an einem damals brisant erscheinenden Punkt nicht vorankamen.
Unmittelbar vor den tödlichen Schüssen auf Yozgat hatte sich Andreas T., ein Mitarbeiter des hessischen Landesamts für Verfassungsschutz, dort aufgehalten und am Computer in einem Flirt-Forum gechattet. Möglicherweise war er zum Zeitpunkt des Verbrechens noch in dem Laden, sicher feststellen lässt sich das nicht mehr. Er geriet kurzzeitig in Mordverdacht, der aber längst ausgeräumt ist. Die Schüsse will er damals nicht gehört und auch ansonsten nichts von dem Verbrechen mitbekommen haben. Die Ermittler wollten auch die von ihm geführten V-Leute vernehmen; Bouffier verweigerte den Spitzeln eine Aussagegenehmigung und begründete das mit dem Vertrauensschutz für Informanten. […]
 (SZ vom 22.05.2014)