Freitag, 14. März 2014

Übersicht verlieren



Ja, ich weiß schon weswegen ich üblicherweise keine Talkshows mehr gucke.
Gestern bin ich nach längerer Zeit mal wieder in Maybritt Illner geraten, natürlich ging es um diesen dicken bayerischen Fußballpräsidenten, der im Moment omnipräsent ist und von Radio bis Internet alles dominiert. Als ob die Welt keine dringlicheren Probleme hätte.
Es war wieder einmal das Tote-Qualle-am-Strand-Phänomen: Man weiß, es sieht nur ekelig aus und geht doch hin, um mit einem Stock daran rumzupulen.
Der Fall ist sehr einfach gelagert – ein Mann ist über mindestens zehn Jahre kriminell, zeigt keine Reue und bekommt dafür eine vergleichsweise milde Strafe, weil die bajuwarischen Honoratioren dem jovial-konservativen Wurstfabrikanten zu Füßen liegen.

Hoeneß hätte vielleicht eine Chance gehabt, dem Gefängnis zu entkommen. Er hätte von Anfang an die Wahrheit erzählen müssen, die ganze Wahrheit, nicht nur Bruchstücke. Er hätte, als seine Steuerhinterziehung öffentlich geworden war, nicht nur sagen müssen, dass ihm der "Riesenfehler" leidtue. Er hätte handeln müssen. Er hätte, wie Juristen sagen, "tätige Reue" zeigen müssen. Er hätte sein Amt als Präsident des FC Bayern niederlegen, den Vorsitz des Aufsichtsrates der FC Bayern AG abgeben und sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen müssen.
All das hat Hoeneß nicht getan. Er hat geglaubt, mit einigen bedauernden Worten, seiner Popularität, seinem Charme und dem Charisma des Erfolgsmenschen aus dem Schlamassel herauszukommen. Er hat sich nicht wie ein Täter benommen, sondern wie ein Opfer - wie einer, dem Staatsanwälte, Steuerfahnder und Öffentlichkeit Ungebührliches antun und abverlangen, weil sie Aufklärung von ihm wollen.

Die Person Hoeneß, irgendwelche Bayerischen Ballspielvereine und auch  Verurteilungen wegen Steuerstraftaten sind für mich irrelevant.

Spannender ist da schon die öffentliche Auseinandersetzung über Moral.
Da zerfließt man vor Mitleid mit dem heuchelnden schlimmen Wurstfinger.

Die Pfaffen drängten sich wie üblich an die Front, um Gottes Liebe zu dem Kriminellen zu verkünden: "Gott liebt auch Steuersünder".

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, hat nach dem Urteil gegen Uli Hoeneß vor Häme und Schadenfreude gewarnt. „Eines Menschen Straftaten zu ahnden, darf nicht dazu führen, den Menschen selbst zu verdammen - Uli Hoeneß genauso wenig wie jeden anderen Straftäter“, schrieb Rekowski am Donnerstag in seinem Blog. „Ein Mensch, der Fehler macht, wird bei Gott nicht zum Unmenschen.“ Gott ahnde die Taten, „aber er verdammt nicht den Täter.“

Bei Illner bestätigte sich auch mal wieder das Phänomen, daß Männer umso häßlicher sind, je bayerischer und rechter sie sind.

Peter Hausmann, Chefredakteur des Bayernkuriers und Mitglied des FC Bayern München, fordert mildernde Umstände: "Auch wenn Uli Hoeneß Steuern in Millionenhöhe hinterzogen hat, kann man seine Lebensleistung nicht einfach ignorieren!“
(ZDF 13.03.14)

Rotzbremse, Gonzo-Zinken, Adipositas – daß Hausmann CSU- und Hoeness-Fan ist, müßte man nicht extra erwähnen.

Die Verteidiger des Kriminellen, die natürlich kein Wort sagen, wenn völlig Unschuldige in den Knast kommen (Stichwort „Abschiebehaft““ etc), verstiegen sich zu den tollsten Entschuldigungen.
Daß der zukünftige Gefängnisinsasse Staatsanwaltschaft, Polizei und Medien immer wieder systematisch belogen hatte, sahen sie ihm schon allein deswegen nach, weil die 70.000 Seiten Bankunterlagen einfach zu umfangreich gewesen wären.
Als ob das ein Grund zum Lügen wäre.
Als ob diese Fülle aus heiterem Himmel über Hoeness hereinbräche.
Als ob nicht der Delinquent ganz allein dieses Chaos verursacht hätte.

Es blieb an Jürgen Trittin hängen eine Selbstverständlichkeit zu äußern:
Das 70.000 Seiten-Chaos wäre erheblich übersichtlicher, wenn Hoeness nicht zehn Jahre seine Steuererklärungen gefälscht hätte, sondern jedes Jahr EHRLICH seine Einkünfte angegeben hätte.
Der Stoiber-Spezi Hoeness aber log grotesk die wildesten Zahlen zusammen. Erst zahlte er elf Millionen Euro Steuern nach, dann räumte er 3,5 Millionen nicht gezahlte Steuern ein, die schnell auf 18,5 Millionen emporschossen, umgehend auf 27,2 Millionen aufgerundet wurden und zuletzt um den Solidaritätszuschlag ergänzt auf 28,5 Mio zu steigen. Bayernkurier-Hausmann kullerten fast die Tränen vor Mitleid mit dem armen Wurtsmann.

So viel Scheiße zu bauen, daß man am Ende das Ausmaß der Scheiße selbst nicht mehr überblicken kann, ist keine juristische Rechtfertigung dafür mit der Scheiße ungestraft davon zu kommen.

Ein Pastor mitten im Biblebelt, in Alabama, hat derzeit ein ganz ähnliches Problem.
Auch er hat mittlerweile vollkommen die Übersicht verloren und erklärte vor Gericht er könne keinen genauen Schaden mehr beziffern.
Jeffrey Dale Eddie, 41, aka “Bruder Jeff” arbeite 16 Jahre als Kinderseelsorger in der Highland Park Baptist Church in Muscle Shoals.
Aufgrund von Hinweisen aus der Gemeinde, Bruder Jeff benehme sich eigenartig im Umgang mit Kinder, flog im Februar 2014 auf, daß Pastor Eddie nicht nur süchtig nach Kinderpornos ist, sondern sich auch an vielen Kindern der Gemeinde vergriffen hatte.

The investigation moved beyond child pornography when, after waiving his Miranda rights, Eddie reportedly admitted to sexually abusing members of his children’s ministry so many times that he could not remember how many.
On Feb. 4 he was charged with 31 counts of second-degree sodomy, three counts of sexual abuse of a child under 12 and two counts of possession of child pornography. His preliminary hearing is scheduled Feb. 18.

Zerknirscht ging die fromme Baptistengemeinde mit einem Online-Statement an die Öffentlichkeit.

FOR IMMEDIATE RELEASE
Statement Regarding Former Administrative/Children’s Pastor, Jeff Eddie
Muscle Shoals, AL - February 5, 2014
As a church, we are outraged, shocked and deeply saddened by the events that have unfolded over the last few days. First and foremost, we are striving to assist any children and families that have been affected by these events. The health and well being of these children is our number one priority at this time. For years, Highland Park Baptist Church has invested in the Shoals community and we are committed to helping our entire community cope with this situation.
(Highland Park Baptist Church)

Wenn die Gerüchte über die Beliebtheit von Childmolestern im Gefängnis stimmen, dann dürfte der Pfaff keine angenehme Zeit vor sich haben – auch wenn er nicht eben als „Sahneschnitte“ bei den Analsexwilligen gelten wird.


Es fragt sich nun wie viele Kinder Pfarrer Eddie missbraucht hat.
Das ist allerdings schwer nachzuvollziehen, weil er in all den Jahren den Überblick verloren hat.
Vielleicht versteht Herr Hausmann vom Bayernkurier das ja und legt ein gutes Wort ein. Ist es nicht auch ein bißchen zu viel verlangt von so einem armen Mann nach zehn Jahren Kinderficken innerhalb von vier Wochen jeden einzelnen Fall zu erinnern?

Alabama children’s pastor tells police he ‘cannot remember’ how many boys he molested
[…]  Alabama has a mandatory reporting statute that requires “[a]ll hospitals, clinics, sanitariums, doctors, physicians, surgeons, medical examiners, coroners, dentists, osteopaths, optometrists, chiropractors, podiatrists, nurses, school teachers and officials, peace officers, law enforcement officials, pharmacists, social workers, day care workers or employees, mental health professionals, members of the clergy” to report cases of child abuse or neglect.
According to court documents obtained by WAFF, Eddie confessed to performing acts of oral sex on many of the youths in his charge. When police asked how many youths he may have molested, Eddie said that there were “so many that [he] advised he cannot remember.”

Nun warte ich nur noch auf der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, der sich vor die Kameras schiebt, um zu verkünden:
 „Gott liebt auch Kinderficker!“


Donnerstag, 13. März 2014

Haltet Euch da raus – Teil II



Mein moralischer Bewertungskatalog ist recht simpel:
Du darfst das tun, was keinem anderen schadet.
(„keinem anderen“ ist dabei möglichst breit auszulegen: Man soll auch nicht einem Tier oder der Umwelt schaden)

Ob die Kirche aber ihren Mitglieder verbietet Sex zu haben, Kondome zu benutzen, denjenigen zu heiraten, den sie lieben oder auch nackt zu duschen, ist mir zunächst einmal egal.
Wenn das nur die Kirchenmitglieder betrifft und diese FREIWILLIG in der Kirche sind, sollen sie sich gerne danach richten.
Mir missfällt es nur, daß die Religioten dieses Landes in ihrem Wahn alleinseligmachend zu sein auch die Regeln für die Konfessionslosen bestimmen wollen.


Dabei wäre die Lösung für all die Probleme so einfach.


Jedes Mitglied der Kirche darf dann keine Schwangerschaftsunterbrechungen durchführen, darf nicht masturbieren, darf nicht in homosexuellen Partnerschaften leben, darf keine Patientenverfügungen aufsetzen, darf keinesfalls die PID nutzen und muß auch auf durch Gentechnik gewonnene Medikamente gegen Parkinson, Krebs und MS verzichten. Und jedes Kirchenmitglied soll natürlich mit allen Mitteln unter Aufbietung aller erdenklichen Qualen so lange wie nur irgend möglich am Leben gehalten werden. Jedem Mitglied der Kirche ist es streng verboten jedwede Form des Suizids in Betracht zu ziehen.


Gesetze würden natürlich weiterhin für ALLE Deutschen gelten - lediglich die angesprochenen gesetzlichen Einschränkungen der Freiheit, die ausschließlich religiös begründet sind, würden in ihrem Geltungsbereich auf die Kirchenmitglieder beschränkt.

Immerhin gibt es heute schon solche Zonen eingeschränkten Rechts, wenn es um die Arbeitnehmerrechte der kirchlichen Angestellten geht.
Ein Chirurg in einem katholischen Krankenhaus kann gefeuert werden, wenn er sich scheiden läßt und mit einer anderen Frau zusammen lebt.
Als Kirchenmitglied hat er also eingeschränkte Rechte.
Diese Einschränkung sollte konsequent ausgeweitet werden auf Verhütung, Homoehe, PID und Co.

Christen und Atheisten kämen sich nicht mehr in die Quere und vor allem wäre endlich der Gesetzgeber aus der Schusslinie!

Wenn ein Atheist gegen passive Sterbehilfe oder Stammzellenforschung ist, könnte er in eine Kirche eintreten.
Umgekehrt könnte eine christliche Schwangere, die sich das Recht zur Abtreibung nehmen will, aus der Kirche austreten.

Die Rechte wären individualisiert, Kirchen und Parteien und Politik müßten keine Stellvertreterkriege mehr führen.

Die augenblickliche Situation ist hingegen höchst unbefriedigend.

 Die Hauptkampflinien des Jahres 2013 sind immer noch die rechtlich gleichgestellte Homo-Ehe, die steuerliche Gleichstellung, die sogenannte Homo-Adoption und die Lust am straffreien Verstümmeln von Kinderpenissen.
Aber auch an anderen Stellschrauben versuchen die organisierten Christen immer noch den Ungläubigen Vorschriften zu machen.
Eine der widerlichsten kirchlich-staatlichen Bevormundungen betrifft das Intimste, das es überhaupt gibt – nämlich das eigene Leben!
Selbstbestimmt über das Ende desselben zu entscheiden, verhindern die von Religionen beeinflussten Parlamentarier. Man ist in den meisten Fällen zur Todesfolter unter grausamen Schmerzen und entwürdigenden Bedingungen gezwungen. Die Kirchen wollen es so. Über 90% der Menschen sterben in Krankenhäusern, ohne daß man dem Leiden selbst ein Ende setzen darf.
Aber selbst nach dem Tod greift noch die Kirche ein – sie verteidigt das Bestattermonopol und den Friedhofszwang. Man darf noch nicht mal mit seinem toten Körper machen was man will. Für die Kirchen ist das eine Frage des Geldes. Ihnen gehören die meisten Freudhöfe und dort können sie reichlich Gebühren abkassieren. Die eine Million Euro „Kirchensteuern“, die die Kirchen PRO STUNDE kassieren, reichen ihnen nicht.

Die Moralkeule holen Religioten überall in der Welt am liebsten bei schwulem Sex und Schwangerschaftsunterbrechung heraus.
Da sie offenbar selbst ahnen, daß ihre Argumentation ethisch sehr wackelig ist, interpretieren sie diese beiden Akte zu einer Tat zu Lasten Dritter um.
Sie behaupten sich für Föten und verführte Jugendliche einzusetzen.
Das Wohl einer Frau und ihr körperliches Selbstbestimmungsrecht gegen einen Zellhaufen abzuwägen ist dabei fast genauso idiotisch wie die Verquickung von Homo- und Pädosexualität.
In beiden Fällen mischen muffige und falsche Vorurteile mit: Frauen würden aus reiner Bosheit gerne Kinder töten und könnten nur durch Verbote davon abgehalten werden. Und wer schwul ist, fasst auch kleine Kinder an, um diese auch schwul zu machen.
Nun ja, so ganz langsam, gegen den Widerstand der konservativen Parteien und der Kirchen, kommt die Gesellschaft aber zu dem Konsens, daß man schwul sein darf und daß nicht der Pfaff über den Uterus bestimmt.

Bei anderen „moralischen Fragen“ hapert es allerdings noch gewaltig. Da befinde ich mich mit meiner liberaleren Einstellung noch in absoluter Minderheit.
Zum Beispiel bin ich ausdrücklich dafür ERWACHSENEN Drogen zu erlauben.
Aus vielen Gründen ist diese Entkriminalisierung anzustreben. Insbesondere weil man Kranke nicht kriminalisieren darf.
Süchtigen muß geholfen werden, sie dürfen nicht in den Knast geschoben werden.
Aber es entsteht auch ein enormer wirtschaftlicher Schaden durch Beschaffungskriminalität. Das sollte man doch tunlichst den Süchtigen ersparen.
Die Prohibition hat gezeigt, wie nur durch so ein Gesetz die Mafia groß wurde. In ähnlicher Weise hat das Verbot von Koks und Co die Drogenbosse zu massenmordenden milliardenschweren Kartellen aufgewertet.

In diesem Posting geht es mir aber ausdrücklich um die moralische Dimension:
Nehmen wir an eine bestimmte Droge sei höchst ungesund.
 (Was bei vielen heute verbotenen Drogen fraglich ist). Nehmen wir an, die Substanz sei so gefährlich, daß sie binnen kurzer Zeit zu totaler Abhängigkeit und unentrinnbarem Organversagen führen würde.
Ich neige dazu auch solche Substanzen erlauben zu wollen.

Wenn ein erwachsener Mensch im Vollbegriff seiner geistigen Kräfte gerne ein Pfund Arsen essen möchte – warum nicht?

Wer ist der Staat ihm das zu verbieten?

Andere Ansatzpunkte für die moralische Keule sind Inzest und Vielweiberei, bzw Vielmännerei.
Wenn Bruder und Schwester ein Kind zeugen, ist das womöglich genetisch ungünstig für den Nachwuchs.
Ich sehe das Problem.
Aber es gibt auch andere Konstellationen, in denen Kinder größere Risiken haben behindert zu sein – zum Beispiel Schwangerschaften über 40-Jähriger.
Wo kämen wir dahin, wenn wir das alles verbieten würden?
Darf dann auch keiner mehr ein Kind bekommen, in dessen Familie überdurchschnittlich viel Brustkrebs oder viele Herzinfarkte vorkommen?

Außerdem gibt es bekanntlich Verhütungsmethoden.
Bruder und Schwester können auch einfach so zum Vergnügen Sex miteinander haben!
Ich finde es absurd, daß dies verboten ist. Zumal Sex zwischen zwei Brüdern oder Sex zwischen zwei Schwestern erlaubt ist.

Die Ehe zu dritt, also die Lieblingsdrohkulisse der Religioten im Kampf gegen die Homoehe („Wo kämen wir da hin….“), ist das Paradebeispiel falscher Moral. Dabei wird niemand geschädigt und niemand wird dazu gezwungen.
Wenn aber zwei Männer und eine Frau sich heiraten möchten – warum zum Teufel nicht?
Das ist moralisch nicht vom Staat zu bewerten, sondern deren Angelegenheit.
Ich halte das für wesentlich unproblematischer als beispielsweise meinen Nachbarn, der gerne abends seine volle stinkende Mülltüte vor der Wohnungstür stehen läßt, weil er keinen Bock mehr hat runter zur Mülltonne zu gehen.
DAS belästigt mich! Das stinkt, das steht im Weg, das ist eine Beleidigung für die Augen aller, die durch das Treppenhaus gehen müssen, das wertet die ganze Immobilie ab (Broken Windows Theorie!).
Das sollte verboten sein, weil es andere tangiert.
Sollte mein Nachbar hingegen den dringenden Wunsch verspüren seine drei Brüder und eine Cousine zu heiraten – bitte; ich habe nichts dagegen. Das geht nur ihn was an.

Das Persönlichste, das es überhaupt gibt, ist natürlich das eigene Leben.
Die Geburt kann man schon nicht bestimmen. Aber den Tod.

Eine absolute Frechheit, daß christliche Politiker sich in diese Intimitäten einmischen wollen.

Kampf für einen selbstbestimmten Tod
Religionskritische Verbände wehren sich gegen Unionspläne, die Beihilfe zum Suizid zu verbieten.
Sie berufen sich auf den Willen der Mehrheit der Bevölkerung und lehnen ein Verbot von Sterbehilfe ab: Mehrere humanistische Verbände haben sich zu einem Bündnis zusammengetan, um gegen die geplante gesetzliche Regelung der Beihilfe zum Suizid zu protestieren. Suizidbeihilfe dürfe nicht kriminalisiert werden, sagte die ehemalige SPD-Politikerin Ingrid Matthäus-Maier als Koordinatorin des Bündnisses am Mittwoch. „Wir wollen Politik, Ärzte und Öffentlichkeit davon überzeugen, dass neue Verbote der falsche Weg sind“, sagte sie.
Die religionskritischen Organisationen reagieren damit auf Bestrebungen vor allem der Unionsfraktion, noch in diesem Jahr ein Sterbehilfegesetz zu verabschieden. Nach derzeit geltendem Recht ist die Beihilfe zum Suizid nicht strafbar, weil der Suizid selbst auch nicht bestraft wird. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und weite Teile der Union sind deshalb seit längerem dafür, jede Form der organisierten Sterbehilfe zu verbieten. Die Haltung des Koalitionspartners SPD ist zwar deutlich liberaler, ein einheitliches Meinungsbild hat sich in der SPD-Fraktion aber noch nicht gebildet.
 [….] Gita Neumann vom Humanistischen Verband warnte, ein neuer Strafbarkeitsparagraf führe nur zu neuer Tabuisierung und Sprachlosigkeit. „Suizidgefährdete oder sterbewillige Patienten werden sich noch weniger trauen, sich mit existenziellen Nöten an einen Arzt ihres Vertrauens zu wenden.“ Sie verwies darauf, dass Palliativ-Medizin und Hospize nicht für alle sterbenskranken Menschen eine Alternative seien. Die stationäre Versorgung in Hospizen sei auf die letzten Lebenstage und Wochen beschränkt. Das treffe zu 90 Prozent nur auf Krebskranke im Endstadium zu, so Neumann. Pflegeheimbewohner seien zudem von vornherein ausgeschlossen. Matthäus-Maier ergänzte: „Es können nicht alle in die Hospize. Es wollen auch nicht alle, deshalb brauchen wir beides.“



Mittwoch, 12. März 2014

Auf den größten Haufen scheißen.



 Katholische Bischöfe sind natur-devot und passen sich amöbenartig an das an, was aus Rom vorgegeben wird. Sie sind die klassischen Radfahrer-Persönlichkeiten: Nach unten treten und nach oben buckeln.

Daß ein Oberhirte wie Franz Kamphaus eine abweichende Meinung auch gegenüber dem Vatikan vertritt, ist extrem selten.
Natürlich stimmten viele Kollegen dem TVE-Vorgänger inhaltlich bezüglich der Schwangerschaftsberatung zu; es war auch zu absurd was Ratzinger und Woytila von den Deutschen verlangten. Aber inklusive Lehmann beugten sich alle dem grotesk-frauenfeindlichen Diktat aus Rom. Kamphaus war ohnehin schon alt und würde bald sein Bistum abgeben.
Und schließlich war der Fall des renitenten Limburgers Ratzinger eine Lehre. Als der Posten neu zu besetzen war, kam das diametrale Gegenteil Kamphaus‘ ans Ruder: Tebartz-van-Elst!
Bei dem bestand jedenfalls keine Gefahr mehr, er würde sich mit dem einfachen Volk gemein machen und die Sorgen der Frauen ernst nehmen. Was TVE stattdessen interessierte ist inzwischen mindestens 31-millionenfach bekannt.

Nun ist aber ein neuer Papst am Ruder und im Gegensatz zu seinem Vorgänger, ist sich das deutsche Episkopat nicht sicher, was man von ihm halten soll. Was will Bergoglio?
Sein Auftreten ist so ganz anders als das des Protz-Benedikts. Aber inhaltlich hat er nichts liberalisiert. Im Gegenteil, der ultrakonservative Pädophilen- und TVE-Freund Müller ist inzwischen sogar Kardinal und bestimmt die Glaubenslehre der 1,2 Milliarden Katholiken weltweit.
TVE ist eben NICHT gefeuert worden, sondern sonnt sich ungeniert im Vatikanischen Glanz.

Wie bereits beschrieben, befanden sich die deutschen Bischöfe ob dieser Unklarheiten in einem Dilemma.
Wen sollte man in dieser Situation zum Vorsitzenden wählen? Einen der „jungen“ Konservativen, die beim Kirchenvolk so beliebt wie Fußfäule sind?
Overbeck, Tebartz-van-Elst oder Woelki wären ganz nach dem Geschmack des Pontifex Emeritus.
Aber was wäre, wenn man sich auf so einen harten Hund geeinigt hätte und dann stellt sich womöglich raus, daß Franzi es mit seinen Reformen und der neuen Bescheidenheit doch ernst meint?
Da liegt Konfliktstoff in der Luft. Die deutschen Oberhirten verzichten jedenfalls bisher nicht auf ihre Luxuslimousinen. Tatsächlich war Franz Kamphaus der einzige Bischof, der je so ein bescheidenes Auto wie der jetzige Papst gefahren hatte.
Für Luxus-Marx, der offenbar auf einem gewaltigen Geldspeicher sitzt und die Millionen nur so um sich wirft, kommt ein FIAT Panda jedenfalls nicht in Frage.

Just zum Rücktritt Ratzingers hatte der Münchner Erzbischof noch demonstriert, wie wichtig ihm sein persönliches Wohl ist.

Die Lage ist erstklassig, der Preis auch: Für 9,7 Millionen Euro hat das Erzbistum München-Freising in Rom ein neues Gästehaus gekauft. Böse Zungen haben der Immobilien auch schon einen Spitznamen verpasst: „Palazzo Marx“.  [….] Nach vier Jahren im „Schwabinger Asyl“ kehrt Erzbischof Reinhard Marx in dieser Woche wieder in sein traditionelles Quartier im Palais Holnstein in der Kardinal-Faulhaber-Straße im Stadtzentrum zurück. Das Gebäude, das 1733 bis 1737 im Auftrag des Kurfürsten Karl Albrecht als Rokoko-Adelspalais erbaut wurde, war seit Oktober 2008 vom Staatlichen Bauamt saniert worden. Marx war deshalb vorübergehend ins Schloss Suresnes in Alt-Schwabing gezogen.
[….]  Die Sanierung des Palais kostete 8,1 Millionen Euro, davon trägt die Kirche 1,56 Millionen.

Würden die Bischöfe Franzis bescheidenheits-Demonstrationen ernst nehmen, könnten sie sich nicht für Marx als Vorsitzenden entscheiden.
Daß sie es heute dennoch taten, hat einen Grund:
Sie wissen, daß der Papst Marx toll findet, weil er schon mit neuen Ehrungen und Ämtern aus Rom überhäuft wurde.

Marx ist bereits jetzt viel mehr als nur Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz. In den vergangenen Jahren hat er Ämter und Positionen geradezu angehäuft: Seit 2012 leitet er die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft. Nach der Papstwahl 2013 machte Franziskus ihn zu einem von acht Kardinälen, die an der Reform der Kurie arbeiten sollen. Und erst am Samstag gab der Vatikan bekannt, dass Marx auch noch den neu geschaffenen 15-köpfigen Wirtschaftsrat in Rom koordinieren soll. Das Gremium soll eigenständig mit der neuen zentralen Finanzverwaltung der katholischen Kirche zusammenarbeiten. Reichlich Amt und Würden - aber eben auch Arbeit.  Und die wartet eigentlich auch im Erzbistum auf ihn. Das plagt sich mit einer Strukturreform, die Verwaltung ist im Umbruch, Pfarreien werden zu Verbänden zusammengefasst, die Stimmung ist angespannt. Der Diözesanrat liegt Marx mit 61 Reform-Empfehlungen in den Ohren, die Priester und Laien schon vor Jahren in einem "Zukunftsforum" erarbeitet haben. Sie wollen endlich Ergebnisse sehen.  Hinter vorgehaltener Hand grummeln einige darüber, dass sich der Kardinal um so viele andere Dinge zu kümmern hat. Dazu kommt ohnehin noch der Ärger mit der Insolvenz des Weltbild-Verlags. Nebenher muss Marx Italienisch lernen, damit er in Rom besser diskutieren kann, denn im Kardinalsrat gibt es keine Dolmetscher. Der Kardinal hat reichlich zu tun, auch ohne den Vorsitz der Bischofskonferenz. [….]

Aber der dicke Münchner plant seine Karriere nach dem Motto „Bescheidenheit ist eine Zier – weiter kommt man ohne ihr!“
Das deutsche Episkopat leistet damit seinen Offenbarungseid.
Indem es immer nur Marx, Marx, Marx schallt, beweisen sie wie dünn ihre Personaldecke ist und was von den jüngeren Bischöfen zu halten ist – nämlich nichts.

Aber nicht nur bezüglich des Protzes bleibt die deutsche RKK auf Ratzingers Linie, auch in der Disziplin „Homophobie“ ist Marx voll auch Mittelalterkurs.

Der neue Vorsitzende hatte in den letzten Jahren wiederholt mit homofeindlichen Äußerungen für Aufmerksamkeit gesorgt. Besondere Aufregung erzeugte seine Aussage aus dem Jahr 2011, als er bei einem Gesprächsforum in Mannheim erklärt hatte, dass Homosexuelle "gescheiterte und zerbrochene Menschen" seien. Der Lesben- und Schwulenverband nannte die Aussagen "beleidigend und herabwürdigend" und verlangte vom Kardinal entweder eine Richtigstellung oder eine Entschuldigung. Später [….] beschuldigte Marx Homosexuelle, einen schlechten Einfluss auf die Gesellschaft zu haben. So sagte er Ende 2012, dass es zum Tod der Gesellschaft führen würde, wenn Schwule und Lesben gleichberechtigt heiraten dürfen.
Matthias Drobinski, der SZ-Geist, der stets bejaht, wirft sich auch sofort dem neuen Chefbischof Deutschlands zu Füßen:

Just an diesem Mittwoch in der Morgenmesse soll er im Dom predigen; Marx nutzt die Gelegenheit zu einer beeindruckenden Bewerbungsrede. Die Lesung stammt aus dem Buch Jona der hebräischen Bibel. Geht hinaus, predigt er den Mitbrüdern - wie einst der Prophet Jona in die Stadt Ninive. [….]  Marx spricht frei, seine Sätze sind klar, fromme Floskeln fehlen, und was er sagt, klingt ungefähr so, wie Papst Franziskus in Rom predigt. [….]
Das kann Marx wie kein Zweiter in dieser manchmal arg verdrucksten Konferenz: Die Sache auf den Punkt bringen und ihr dann auch eine Richtung geben. Das war seine Stärke, als er, der Sozialexperte, 1997 zu den wichtigen Autoren des gemeinsamen Sozialworts der Kirchen gehörte, als er ein Jahr später den Dialog zwischen katholischer Kirche und den Grünen voranbrachte. Das war seine Stärke, als er sich 2010 in jenen Wochen, da mehr und mehr sexuelle Übergriffe in der Kirche bekannt wurden, zu radikalem Handeln entschloss und alle Akten des Erzbistums nach Taten und Tätern durchforsten ließ - die Detail-Ergebnisse jedoch im Tresor verschwinden ließ. Ein tatkräftiger Vorsitzender mit bestem Draht nach Rom, geeignet, die von dort kommenden Ansprüche des Papst-Sekretärs und Erzbischofs Georg Gänswein und des Präfekten der Glaubens-Kongregation, des Kardinals Gerhard Ludwig Müller, abprallen zu lassen - kann den deutschen Bischöfen Besseres passieren?  [….]