Mittwoch, 12. November 2025

Merzismus gescheitert

Diese geistigen Geronten, wie Reiche und Merz, sind mir ein Rätsel.

Wie kann es nur angehen, daß Menschen, die des Schreibens und Lesens mächtig sind, im Jahr 2025 immer noch an die primitive, rein angebotsorientierte Wirtschaftstheorie glauben? Milliarden zu den Superreichen rüberschieben und die machen dann schon. Trickle Down. Die Umwelt ist eine endlose Ressource, die man beliebig ausnutzen kann.

Das ist alles Unsinn und längst widerlegt.

Dabei erklären es Ökonomen doch seit Jahrzehnten immer wieder in einfacher Sprache, so daß es auch die intellektuell Langsameren in der Regierung kapieren könnten:

Wenn man zehn Milliarden Euro an einen Handvoll Überreicher verteilt, hat das keinen messbaren Effekt auf den Konsum, weil die auch nicht mehr essen können, mehr Zahnbürsten kaufen, öfter ins Kino gehen, sich ein größeres Eis gönnen, oder sich einen weiteren Zoobesuch im Monat leisten. Die Milliardäre können die zusätzlichen Milliarden gar nichts ausgeben und schieben sie in Steueroasen und Liechtensteiner Doppelstiftungsmodell, wo sie dem Wirtschaftsstandort Deutschland gar nichts nützen.

Wenn man zehn Milliarden an das ärmste Viertel der Bürger verteilt, werden sie nahezu vollständig ausgegeben. Verkonsumiert, weil im Alltag dieser Bürger überall Mangel herrscht. So werden Nachfrage und Steuereinnahmen generiert, die Wirtschaft angekurbelt.

Aber nein, die Schwarzen und die Gelben und die Braunen begreifen es einfach nicht.

Sie quetschen lieber die Ärmsten aus und erweisen damit nicht nur Dienstleistern und Handelsunternehmen eine Bärendienst. Viel schlimmer ist die Verschwendung von „humanem Kapital“, indem nicht geförderte Kinder mit bildungsfernen Umfeld in nicht vorhandenen Kitas und modrigen Grundschulen mit Lehrermangel aller Chancen beraubt werden.

[…..] Wie geht es den Kindern hierzulande? Man ahnt es, es geht ihnen schlecht. Schon seit längerem, und es wird schlimmer. Zu diesem Ergebnis kommt der »Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2025«, den UNICEF Deutschland am Mittwoch veröffentlichte. »Es bewegt sich zu wenig für Kinder«, konstatierte Georg Graf Waldersee, Vorstandsvorsitzender der Organisation, bei der Vorstellung des Reports mit Blick auf die sich stetig vergrößernde materielle Armut, in der Kinder und Jugendliche in der BRD demnach leben.

Zu den sechs Aspekten, die das mit der Erstellung des Berichts betraute Deutsche Jugendinstitut (DJI) zur Abbildung kindlicher und jugendlicher Lebensrealitäten herangezogen hat, gehören unter anderem die »materielle Situation«, Bildung und Gesundheit. In allen Bereichen zeichnet sich für die Bundesrepublik ein Negativtrend ab. So seien mittlerweile 14 Prozent der Minderjährigen – jedes siebte Kind also – armutsgefährdet. Ein Achtel der Kinder sei auf das Bürgergeld angewiesen, sie machten ein Drittel der Menschen im Bezug aus. Neun Prozent, das heißt 1,3 Millionen Kinder, erlebten »erhebliche materielle und soziale Deprivation«, was bedeutet, dass sie sich mehrere alltägliche Bedarfsgüter nicht leisten können – von einer ausreichend beheizten Wohnung oder einem zweiten Paar Schuhe bis zur Teilnahme an regelmäßigen Freizeitaktivitäten. Von den zwölf europäischen Ländern, die das DJI als Vergleichsmaßstab ausgewählt hat, weisen nur Spanien, die Slowakei und Ungarn höhere Zahlen auf.

Sabine Walper, Direktorin des DIJ, verwies am Mittwoch darauf, dass es zwar in der Theorie viele Sozialhilfsleistungen gebe, sie aber praktisch nur selten in Anspruch genommen würden. Oft wüssten die betroffenen Menschen nichts von den möglichen staatlichen Leistungen, oder aber die behördlichen Hürden seien zu hoch. Andere und explizit auch ökonomisch schwächere Länder schnitten bei der Bekämpfung von Ungleichheit deutlich besser ab, weil sie gezielt in die Förderung von Kindern und Jugendlichen investierten.

Das Aufwachsen in Armut hat weitreichende Folgen für das weitere Leben. Umgekehrt zeigt sich, wie sehr Bildungserfolg von der sozialen Herkunft abhängt: Während insgesamt circa ein Viertel der Kinder und Jugendlichen eine Leseschwäche aufweist, sind es laut dem Report bei jenen aus armen Haushalten ganze 39 Prozent. In wohlhabenderen Familien waren es nur acht Prozent. Auch der Zugang zu Kitas sei ungleich verteilt, führte Walper am Mittwoch aus. Dies erschwere die Erwerbstätigkeit der Eltern. Elf Prozent der Kinder lebten hierzulande in Haushalten, in denen die Eltern kaum am Berufsleben teilnehmen – ein EU-weiter »Spitzenplatz« für die BRD.

Ein dramatisches Bild zeichnet der Report zudem für die Entwicklung der Gesundheit der Minderjährigen.  [….]

(Junge Welt, 13.11.2025)

Solange aber insbesondere die Armen und Dummen FDP, CDU, CSU und AfD wählen, wird sich an den Zuständen nichts ändern. Die Superreichen selbst, die von der schwarzgelbbraunen Politik profitieren, sind nicht zahlreich genug, um die Reiches und Merze an die Schalthebel der Macht zu wählen. Aber sie nehmen überproportional Einfluss auf Medien und Entscheidungsträger. 

Es wird weiter kräftig von unten nach oben umverteilt und SELBSTVERSTÄNDLICH stagniert die Wirtschaft und es wird zu wenig sinnvoll investiert. Das kann jeder Mittelschüler begreifen. Die CDUCSU-Minister aber, sind leider zu blöd.

[….] So rechnen die Wirtschaftsweisen mit der Politik der Bundesregierung ab

Deutschlands Wirtschaft wächst nur langsam, das gigantische Sondervermögen wird teilweise für Haushaltslöcher und Mütterrente verschleudert: Das Jahresgutachten des Sachverständigenrats gerät zur Klatsche für Schwarz-Rot. [….]

(Markus Becker, 12.11.2025)

Merz kann es einfach nicht. Er richtet als Bundeskanzler katastrophalen Schaden an und muss dringend zurücktreten.

[…..] Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen: Regierung verkleckert Sondervermögen […..] Der Sachverständigenrat Wirtschaft kritisiert den Umgang der Bundesregierung mit dem kreditfinanzierten „Sondervermögen“ für Infrastruktur und Klimaschutz: Die vielen Milliarden werden die Konjunktur nur wenig anschieben, weil die Regierung das Geld zu großen Teilen nicht für zusätzliche Investitionen nutzt, sagen die Wirtschaftsweisen. Das von der Regierung selbst eingesetzte Gremium moniert in seinem am Mittwoch vorgelegten Jahresgutachten, dass zu viel Geld aus dem „Sondervermögen“ für Umschichtungen im Haushalt und kurzfristige Zwecke ausgegeben wird, die sogenannten konsumtiven Ausgaben.

Dabei sind wirksame Maßnahmen für eine Konjunkturerholung dringend erforderlich. Die deutsche Wirtschaft ist zwei Jahre in Folge geschrumpft. Die Wirtschaftsweisen erwarten für 2025 ein minimales Wachstum von 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. […..] Die Konjunktur würde sich besser entwickeln, wenn wie ursprünglich vorgesehen das Geld aus dem Infrastrukturfonds, den die Bundesregierung geschaffen hat, tatsächlich für zusätzliche Projekte ausgegeben würde, so die Wirtschaftsweisen. Über einen Zeitraum von 12 Jahren werden 500 Milliarden Euro bereitgestellt, die über Kredite finanziert werden. […..] Auch die Wirtschaftsweisen kritisieren, dass zu wenig Geld in zusätzliche Investitionen fließt. Das Finanzpaket biete Chancen, sagt Monika Schnitzer, Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, bei der Vorstellung des Jahresgutachtens. „Diese dürfen aber nicht verspielt werden.“

Doch offenbar macht die Bundesregierung genau das. Bis zum Jahr 2030 lassen sich dem Gutachten zufolge nur 98 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen als zusätzliche Investitionen und Ausgaben für Klimaneutralität einordnen. Das ist weniger als die Hälfte der bis dahin eingesetzten Mittel aus dem „Sondervermögen“. Die Folge: Das mögliche Wirtschaftswachstum fällt viel geringer aus als bei einer Verwendung des Gelds ausschließlich für zusätzliche Investitionen. […..] Mit Blick auf die Staatsfinanzen stellt das Gremium auch aktuelle Projekte der Bundesregierung infrage. „Kurzfristig sollten fragwürdige Ausgaben wie die Ausweitung der Mütterrente, die Umsatzsteuerermäßigung in der Gastronomie, die Anhebung der Entfernungspauschale und die Wiedereinführung der Dieselkraftstoffsubventionen für Land- und Forstwirtschaft unterbleiben“, fordern die Wirtschaftsweisen. […..]

(Anja Krüger, 12.11.2025)

Keine Hoffnung, nirgends.

Dienstag, 11. November 2025

Zwei Parteien weg

Als es nach dem Europawahlerfolg richtig bergauf ging mit dem BSW und man die Partei schon auf dem Weg in die Bundesregierung sah, machten sich investigative Journalisten auf, um die Stimmung unter ihren Mitstreitern zu ergründen. Gibt es dort eigene Meinungen, oder hängen alle nur sklavisch an den Lippen ihrer Chefin und Namensgeberin? Eine naheliegende Frage; schließlich ist Wagenknecht selbst bekannt wie Merkel. Jeder weiß seit 20 oder 30 Jahren, wer sie ist.

In den Reportagen erfuhr man aber im wesentlichen das, was man schon vorher wußte. Putinella Wagenknecht ist intelligent, bewandert in ökonomischen Dingen, pflegt ihr Image als Ikone der Politik. Sie ist extrem egoman, sucht immer den Weg ins Rampenlicht und vollkommen skrupellos bei der Verwendung rechtsextremer Codes. Sie drischt ungeniert auf Minderheiten ein, hetzt Arme gegen Ärmere auf, steht mit einem Bein in der Schwurbler-Szene, pflegt ein völkisch-homogenes Weltbild, in dem kein Platz für Queere oder People Of Color ist.

Für eine so messianisch agierende Politikerin, bzw Sektenführerin, ist sie keine fähige Netzwerkerin. Das Zwischenmenschliche liegt ihr nicht. In ihrer Blase wird sie bewundert und respektiert, aber niemand mag sie. Sie ist im direkten Umgang radikal unsolidarisch, unfreundlich und abweisend.

[….] Während Wagenknecht öffentliche Auftritte zelebriert, ist sie im direkten Kontakt sehr zurückhaltend, fast schüchtern. In ihrem Umfeld gilt sie zudem als legendär humorlos: Wer in ihrer Gegenwart einen Witz mache, kassiere höchstens einen irritierten Blick, erzählen Wegbegleiter – niemals einen Lacher. [….]

(SZ, 21.06.2024)

Ich erspare mir an dieser Stelle nicht belegbare, küchenpsychologische Diagnostik-Spekulationen über Menschen, die unfähig sind, Ironie und Humor zu verstehen.

Aber Schwierigkeiten waren zu erwarten, nach ihrer Total-Pleite mit ihrem völkischen Projekt „Aufstehen“ und der blanken Feindschaft, die ihr innerhalb der LINKEN entgegenschlug. Eine unumstrittene Parteiführung, deren Wort Gewicht bei allen Mitgliedern hat, ist in der Politik prinzipiell eine gute Sache.

Das weiß ich insbesondere als Sozialdemokrat. Wir hatten zwar nach 1945 drei große Vorsitzende (Schumacher, Ollenhauer, Brandt) und vier weitere, die respektiert wurden (Vogel, Engholm, Lafontaine, Schröder), aber nun seit inzwischen über 20 Jahren eher Leichtgewichte, an denen jeder herumkritisiert. Da gibt es keine Liebe und Bewunderung, wie sie noch für Brandt und Engholm empfunden wurde.

Linke, Grüne und Sozis kritisieren notorisch an ihrer eigenen Führung herum und stürzen sie gern. Da hilft es schon sehr, einen einnehmenden Charakter zu haben, gemocht zu werden und keine solche Pestbeule wie Wagenknecht zu sein.

Selbst in der traditionell obrigkeitshörigen CDU, kann es durchaus Probleme bereiten, wenn man auf zwischenmenschlicher Ebene so miese Charakter zu sein, wie Schäuble oder Merz ist, die durch ihr herrisches und arrogantes Wesen immer mal wieder Mitarbeiter in die Flucht schlagen und Mitstreiter zum Weinen bringen. 

Putinellas Epigonen hatten genug. Die Partei ist umbenannt und sucht sich eine neue Führung.

[…..] Was bleibt vom Bündnis Sahra Wagenknecht ohne Wagenknecht an der Spitze? Die BSW-Chefin will den Vorsitz der Partei, die noch ihren Namen trägt, nun abgeben. Im Dezember will das BSW auf seinem Parteitag im Magdeburg zudem seinen Namen ändern. Das Kürzel soll künftig für Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft stehen – so der Vorschlag der Parteiführung. Das BSW sieht damit einer ungewissen Zukunft entgegen. Denn ob der BSW-Europaabgeordnete Fabio De Masi, der auf Wagenknechts Wunsch neben Amira Mohamed Ali künftig die Geschicke der Partei leiten soll, das Ruder noch einmal herumreißen kann, ist fraglich.

Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel: In diesem Zwischenstadium bewegt sich das Bündnis Sahra Wagenknecht wie ein Untoter, seit es bei der Bundestagswahl spektakulär knapp an der Fünfprozenthürde scheiterte. Nicht einmal 10.000 Stimmen fehlten dem BSW. Union und SPD wären dann zur Regierungsbildung auf die Grünen angewiesen gewesen. Tempi passati! Nun dümpelt das BSW in Umfragen bundesweit nur noch bei 3 bis 4 Prozent. […..]  Das historische Momentum scheint vorbei. Ihre Haltung zum Krieg in der Ukraine, der Wagenknecht einen Teil ihrer Popularität verdankt, polarisiert die Gemüter nicht mehr so sehr. Und die wiederauferstandene Linke hat mit ihrem Sozialpopulismus dem BSW die Show gestohlen. […..]

(Daniel Bax, 11.11.2025)

Das BSW wird mutmaßlich sterben. So wie die FDP.

Der neue Vorsitzende Christian Dürr ist so extrem ideologisch verstrahlt und bar jeder Einsicht, daß man nicht befürchten muss, die FDP könne wieder auf über 5% klettern. Die hepatitisgelbe Pest sollte für immer erledigt sein!

Das Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft sollte der FDP auf dem Weg in den Orkus folgen. Niemand braucht eine zweite schwurbel-rechtsextremistisch raunende AfD.

[….] Sahra Wagenknecht kämpft, aber mit ruchlosen Mitteln[…..] 9500 Stimmen mehr, und das BSW säße im Parlament. Dass es mit einem Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht eine Neuauszählung aller Stimmen erreichen wollte[…..] – alles absolut okay. […..] Gewiss ist es aber auch nicht. Sahra Wagenknecht will […..]  künftig […..]  als Vorsitzende einer Grundwertekommission vor allem wieder Sahra Wagenknecht von Beruf sein. Auf der Pressekonferenz am Montag hat sie auch die ruchlose Seite ihres Wesens gezeigt. Sie hoffe, „dass wir noch in einem Rechtsstaat leben“, sagte sie. Was sie nur dadurch bestätigt sähe, dass das Bundesverfassungsgericht „den Weg für eine Neuauszählung frei machen“ werde. Anders gesagt, nur ein Ergebnis, das ihr passt, wäre Beleg für einen nach wie vor existierenden Rechtsstaat. Geht’s noch?

Zugleich verbreitete sie noch ein Ammenmärchen, nämlich das von der angeblichen Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Deutschland. Diese manifestiert sich aber allenfalls darin, dass Sahra Wagenknecht diese Behauptung seit Jahren rauf und runter erzählen kann und dafür mit einer Talkshow-Einladung nach der anderen bestraft wird. […..]

(Detlef Esslinger, 10.11.2025)

Montag, 10. November 2025

Erotiker im Vatikan

Prevost ist schon ein bißchen öde. Ich vermisse den schrillen misogynen Ratzi, in seinen abgefahren goldenen CSD-Fummeln.

Da war immer was los, wenn er seine homophoben Tiraden losließ und gegen andere Menschen hetzte.

Außer den strammen jungen Schweizer Gardisten und natürlich seinem geliebten sexy Georgio, mochte er vermutlich niemanden wirklich. Vielleicht noch den Orgel-Ratz. Er fand alles scheiße und konnte richtig garstig werden.

Toleranz ließ er nur gegenüber Nazis, Holocaustleugnern und Kinderfic**rn walten.

Priester, die Messdiener vergewaltigten, schützte Ratzinger und wenn das aufzufliegen drohte, log er ungeniert.

[…] Vatikandokument belastet den Ex-Papst im Fall H.

Nach Recherchen von CORRECTIV und BR lagen Kardinal Joseph Ratzinger als Chef der Glaubenskongregation bereits 1986 Informationen über Sexualstraftaten des Priesters Peter H. an Kindern vor. Das geht aus einem bisher unbekannten Dokument des Vatikan hervor, das CORRECTIV und der Bayerische Rundfunk einsehen konnten. Der ehemalige Papst stritt immer ab, den Fall gekannt zu haben.

Aus einem Briefwechsel aus dem Jahr 1986 geht hervor, dass dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger Informationen über den sexuellen Missbrauch des ehemaligen Priesters H. vorlagen.

Damals hatte der stellvertretende Generalvikar des Erzbistums München und Freising, Bernhard Egger, in einem Brief im August 1986 an den Vatikan um Erlaubnis für den damaligen Priester H. gebeten, dass dieser wegen „absoluter Alkoholunverträglichkeit“ die Messfeiern mit Traubensaft statt mit Wein feiern dürfe. Das Erzbistum München und Freising sagte auf Anfrage von CORRECTIV und BR, das Schreiben aus dem Erzbistum München erwähne auch die Sexualstraftaten an Kindern, „die in alkoholisiertem Zustand begangen wurden.“ Kurz zuvor war H. wegen mehrfachen Kindesmissbrauch vor dem Amtsgericht Ebersberg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. 

Ratzinger, der damals Chef der Glaubenskongregation im Vatikan war, erlaubte H., den Traubensaft statt Wein für die heilige Messe zu trinken und unterschrieb den Antwortbrief persönlich. Diesen Brief konnten CORRECTIV und BR einsehen. In dem Antwortschreiben ging er nicht auf die Sexualstraftaten des Priesters H. ein.

Damit ist belegt, dass Ratzinger damals zumindest Informationen über den mehrfachen sexuellen Missbrauch des verurteilten Täters H. vorlagen, der damals weiterhin in der Gemeindeseelsorge eingesetzt werden sollte.  [….]

(Marcus Bensmann, Justus von Daniels, 21. Februar 2023)

Streng verurteilte er hingegen Frauen, die sich durch Kondome vor AIDS-Infektionen schützen wollten. Das wäre eine Sünde.  Kondome verschlimmerten die HIV-Epidemie.

Man wird wohl nie erfahren, wie vielen Menschen Ratzinger dadurch den Tod brachte. Daß HIV tödlich ist (war), wußte er. Denn in einer, speziell den Vatikan betreffenden Variante, gab Ratzi eine Kondom-Erlaubnis: Wenn Männer Sex mit Callboys haben.

Käuflichen Sex mit weiblichen Prostituierten, berücksichtigte er hingegen nicht. Vermutlich kam ihm, dem alten Vatikan-Insider, Heterosexualität gar nicht mehr in den Sinn.

[….] Wer als Katholik ein Kondom benutzt, muss nicht mehr zwingend ein schlechtes Gewissen haben: Papst Benedikt XVI. hat einen eingeschränkten Gebrauch erlaubt. Die neue Linie des Vatikan gilt allerdings nicht für die normale Empfängnisverhütung, sondern nur in Ausnahmefällen, etwa um die Verbreitung von Aids durch homosexuelle Prostituierte zu verhindern. [….] Die katholische Kirche war stets für ihre kompromisslose Haltung gegenüber Kondomen kritisiert worden, die vielen Kritikern besonders angesichts der Aids-Epidemie in Afrika als unhaltbar galt. Die katholische Lehre verbietet Kondome, weil sie als Form künstlicher Empfängnisverhütung gelten.   […..]

(SPIEGEL, 20.11.2010)

Die rechtsradikal-schwulistische Show war bedauerlicherweise erst einmal vorbei, als mit Bergoglio ein mutmaßlich Heterosexueller Papst wurde. Er sprach zwar auch die „gay Mafia“ in der Kurie an, war aber offenkundig (anders als viele traditionelle Dunkelkatholiken), desinteressiert am Analsex unter Männern. Jorge empfand es nicht als das enorme Faszinosum, welches es für seine Vorgänger darstellte.

Beim Thema Kondome dachte der joviale Einlunger tatsächlich an eine heterosexuelle Variante und empfahl seinen traditionell rammelfreudigen Katholiken, nicht ganz so viele Schäfchen zu produzieren.

[….] Katholische Eltern müssen sich nach Ansicht von Papst Franziskus nicht unkontrolliert fortpflanzen. „Einige glauben, dass wir, um gute Katholiken zu sein, wie die Kaninchen sein müssen“, sagte er. Diese Ansicht teile er nicht.  [….]

(DLF, 20.01.2015)

Ob die dubiose Vatikan-Phase mit einem heterosexuellen Papst jetzt vorbei ist, vermag ich nicht zu sagen. Bob gibt bisher keine eindeutigen Signale.

Aber in einem bleibt er der Tradition mächtiger zölibatärer Männer im Kleid, treu: Er fühlt ebenfalls seine Zuständigkeit für die erotischen Vorlieben anderer Menschen.

[…]  Pornografie und Wetten: Papst warnt vor digitalen Süchten

Papst Leo XIV. hat vor neuen Formen der Sucht durch das Internet gewarnt. Die übermäßige Nutzung von Smartphones führe häufig zu Abhängigkeiten mit negativen Folgen für die Gesundheit, so der Papst am Freitag in einer Videobotschaft an eine Suchtkonferenz in Rom.  Die negativen Folgen äußerten sich etwa in Wettsucht oder übermäßigem Konsum von Pornografie. „Das Objekt der Abhängigkeit wird zur Obsession“, so der Papst. Solche Verhaltensweisen seien ein Symptom innerer oder psychischer Not und Ausdruck eines sozialen und moralischen Verfalls, der besonders Jugendliche betreffe.  [….]

(ORF, 07.11.2025)

Was will uns Prevost bloß damit sagen? Nicht so viel Pornos glotzen und an sich rumspielen, weil man davon blind wird und Rückenmarksschwund bekommt? Kommt lieber in die Beichtstühle; da ist es viel geiler?

Sonntag, 9. November 2025

Mitleid mit den Reichsten

Ist das öde; seit Jahrzehnten die gleiche Leier: Die konservative Medienwelt beginnt zu schreien und zu quieken, wenn ein Linker, Migrant oder gar eine Frau, an die Spitze einer Millionenstadt gewählt wird. 2019 kam es ganz hart für die Nazis, als Lori Lightfoot ihre vierjährige Regentschaft über die drittgrößte US-Stadt Chicago (im Großraum leben 10 Millionen Menschen) übernahm. Die erfolgreiche Juristin und Staatsanwältin ist a) eine Frau, b) schwarz und c) lesbisch.

Unvorstellbar für FOX-News: Die Menschen flohen dennoch nicht aus Chicago; die Stadt behielt ihre enorme Anziehungskraft.

Es ist wie die Heulerei der CDUCSUAFDP über den angeblichen Exodus deutscher Unternehmer, falls Steuerprüfungen forciert, oder gar Vermögenssteuer eingeführt würde.

“We're running out of rich people in this country” jammerte die berüchtigte GOP-Abgeordnete Michele Bachmann 2009, als man sie noch (zusammen mit Sarah Palin) für die dümmst-mögliche Politikerin aller Zeiten hielt und sich nicht vorstellen konnte, dieses unterirdische intellektuelle Niveau könne jemals von Myriaden komplett enthirnten MAGAs unterboten werden. Immer wieder sagten sie den Millionärs-Exodus aus New York voraus, immer geschah das diametrale Gegenteil.

Deutschland hat keine derartigen Weltstädte. Berlin ist, verglichen mit Paris, London, Rom, Madrid und Barcelona, tiefste Provinz. Die drei (oder vier, wenn man Köln mitzählt) deutschen Millionenstädte, werden niemals in der Liga LA, NY, Tokio, Shanghai, Singapur, Peking, Delhi oder Kairo mitspielen.

Aber auch die deutschen Millionenstädte sind allesamt Anziehungspunkte, obwohl sie doch eindeutige Nachteile gegenüber dem Dorfleben haben: Kriminalität, Lärm, Schmutz, Wohnungsmangel, sehr viel höhere Lebenshaltungskosten. Für die Mehrheit der Menschen überwiegen aber dennoch die Vorteile: Ökonomische, soziale und kulturelle Angebote. Liberalerer Geist, finanzielle Möglichkeiten, medizinische Versorgung, Verkehrsanbindungen.

[….]  Weltweite Verstädterung

Wir suchen eine Wohnung. Für zwei Milliarden Leute.

Die Welt braucht massenhaft neuen Wohnraum. Die globale Bauindustrie aber ist der größte Umweltsünder der Welt. Man könnte vieles verbessern, doch kaum jemand interessiert sich dafür.

Wenn ein heute geborenes Kind im Jahr 2050 seinen 25. Geburtstag feiert, werden fast 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Da es heute erst 55 Prozent sind, kommt in den kommenden Jahren einiges auf uns zu. Es ist allerdings nicht unbedingt das, was man sich als hasenfüßiger Europäer beim Thema Urbanisierung immer gleich ausmalt.

Die Erde wird nicht mit qualmenden Molochen oder Megacities Marke Los Angeles oder Chengdu zugestellt sein. Sie wird eher den deutschen Verhältnissen ähnlicher, die schon seit den Sechzigerjahren als verstädtert gelten, weil seither mehr als 70 Prozent der Einheimischen hierzulande in Städten leben. Die mögen dann Kulmbach, Paderborn oder Parchim heißen, gelten aber auch als mehr oder minder urbane Räume.  Wenn sich die Landflucht im Weltmaßstab vollzieht, machen sich nicht ein paar Tausend, sondern Hunderte Millionen Menschen auf den Weg. Das bringt Herausforderungen mit sich, deren Dimensionen geradezu aberwitzig erscheinen. […..]

(Ullrich Fichtner, 08.11.2025)

Es zeigt sich wieder einmal, wie richtig Helmut Schmidt schon vor Jahrzehnten lag, wenn er den Bevölkerungszuwachs als größtes Problem des Planeten anprangerte. Wir sind einfach zu viele Homo Sapiens auf dieser Primaten-Kugel.

Der maximal irrsinnige Pronatalismus weißer US-Rassisten, wie Elon Musk, ist die Apotheose des Scheiterns der Menschheit.

Pronatalismus, gespeist aus Ignoranz und Egoismus, wird sich nicht austreiben lassen. Bis wir unsere eigene Anzahl durch Pandemie, Erdüberhitzung oder Atomkrieg selbst drastisch reduzieren, fehlen also Milliarden Wohnungen. Ausgerechnet. Denn Beton- und Zement-Herstellung sind die größte Klimapest überhaupt. In den USA sorgt Trump sogar dafür, daß Beton maximal schmutzig hergestellt wird. Der menschliche Irrsinn kennt keine Grenzen.

Wohnungsbau ist aber nicht nur extrem umweltschädlich, sondern auch so abenteuerlich teuer, daß er von Normalverdienern nicht zu bewältigen ist. Hier treffen also Interessen superreicher Unternehmer auf eine elementare Not: Den Wohnungsmangel. Am Ende werden Klima und Mieter bluten. Zu groß ist die Macht der Reichen, um das zu ändern.

Wenn sich Möglichkeiten ergeben, aus der Not anderer Profit zu schlagen, können Konservative nicht widerstehen. Das zeigen exemplarisch die Maskendeals der CDUCSU-Politiker, die aus der tödlichen Corona-Gefahr, ihren Honig zu saugen wußten und Millionen Euro in ihre eigenen Portemonnaies leiteten, statt sich wie grüne und rote Politiker, um die Not der Bürger zu kümmern.

Natürlich sind die großen Wohnungskonzerne raffgierige asoziale Konstrukte, die zerschlagen gehören.

Man muss Mieter und Umwelt nicht so rücksichtslos ausbeuten. Das zeigen die zahlreichen kleinen Privatvermieter, die eher um ein gutes Verhältnis mit ihren Mietern bemüht sind und sich scheuen, im laufenden Mietverhältnis die Miete zu erhöhen.

Aber Mieter sind eben auch Menschen und daher auch entsprechend raffgierig.

Meine beiden Nachbarn auf meiner Etage sind Untermieter. Die jeweiligen Hauptmieter habe ich seit mehr als zehn Jahren nicht gesehen. Die erkannten schnell, was es für eine Goldgrube sein kann, in begehrter Lage eine (relativ) günstige Wohnung zu ergattern und vermieten ihre Buden für deutlich mehr, als das, was sie selbst zahlen, unter.

Es ist schon ein sagenhaft parasitäres Verhalten, wenn man als Stamm-Mieter Reibach macht, während der eigentliche Wohnungseigentümer alle Risiken trägt und Reparaturen zahlen muss.

Wie weit das rechtlich zulässig ist, bebrütet gerade der Bundesgerichtshof.

[…]  Die Mietpreisbremse ist seither ein Politikum. Sie soll die überhitzten Wohnungsmärkte in gefragten Ballungsgebieten abkühlen, indem sie eine Obergrenze für das monatliche Entgelt bei Neuvermietungen vorsieht. Im Wesentlichen stehen sich beim Streit um das Regulierungsinstrument zwei Seiten gegenüber: Auf der einen Seite Vermieterinnen und Vermieter, die sich in ihrer wirtschaftlichen Betätigung beschränkt sehen und um ihre Gewinne fürchten, und auf der anderen Mieterinnen und Mieter, die ob der prekären Situation auf dem Wohnungsmarkt nicht ausgebeutet werden wollen.

Besonders relevant ist die Mietpreisbremse im gefragten Berlin. Doch gerade dort hat nun ein Mieter die Sache auf den Kopf gestellt: Er selbst wohnte seit 2009 in einer Zweizimmerwohnung in der Hauptstadt und zahlte dort zuletzt eine Nettokaltmiete von 460 Euro pro Monat. Seit Juni 2015 gilt in seinem Wohngebiet die Mietpreisbremse nach § 556d BGB. Als er Anfang 2020 vorübergehend für längere Zeit ins Ausland ging, kündigte der Mann seinen Mietvertrag jedoch nicht, sondern vermietete die Wohnung selbst für monatlich 962 Euro kalt unter. Seine Vermieterin hatte er vorher nicht um Zustimmung gebeten. Nach der Mietpreisbremse wäre bei Neuvermietung der Wohnung eigentlich nur eine maximale Nettokaltmiete von 748 Euro erlaubt gewesen.

Dies führte offenbar zu Streit mit der Vermieterin, die an den Einnahmen partizipieren wollte. Als er das verweigerte, erklärte sie, nicht mit der Untervermietung einverstanden zu sein, und mahnte ihn ab. Schließlich erklärte sie die ordentliche Kündigung des Mietvertrages aufgrund vertragswidrigen Verhaltens (§ 573c Abs. 2 Nr. 1 BGB). Der Streit um diese Kündigung hat inzwischen den VIII. Zivilsenat des BGH erreicht, der sich am Mittwoch in der Verhandlung mit der Frage beschäftigen wird, ob auch Mieterinnen und Mieter an die Mietpreisbremse gebunden sind, wenn sie ihre Wohnung untervermieten – und ob sie ihre Vermieterinnen und Vermieter bei lukrativen Untervermietungen am Gewinn beteiligen müssen. [….]

(Maximilian Amos, 22.09.2025)

Hier überholt wieder einmal die Realität die Satire.

[…..] Du, Berliner Mieter,

wohntest ab 2009 in einer Zweizimmerwohnung für 460 Euro im Monat. Als Du 2020 für längere Zeit ins Ausland gegangen bist, hast Du die Wohnung untervermietet – für 962 Euro monatlich, also für mehr als das Doppelte. Ob das rechtens war oder gegen die Mietpreisbremse verstieß, klärt aktuell der Bundesgerichtshof.

Doch schon jetzt ist klar: Solche Aktionen gehen gar nicht! Wie kannst Du nur Geld mit der Vermietung von Wohnraum verdienen wollen? Ist Dir überhaupt klar, dass Dein Gewinn allein auf der Tatsache basiert, dass Deine Mitmenschen auf eine Wohnung angewiesen sind? Du machst nichts anderes, als eiskalt ihre Abhängigkeit auszunutzen! Stell Dir mal vor, andere Leute würden so etwas tun!

Schäumt vor Wut: Titanic […..]

(Titanic, November-Heft; Briefe an die Leser)

Samstag, 8. November 2025

Faul Geld verdienen

Meine Mutter, die 26 Jahre nach ihrer ältesten Schwester geboren wurde und daher als Kind lauter Erwachsene um sicher herum hatte, war eins dieser „Kriegskinder“. Vor dem Beginn des zweiten Weltkriegs geboren, erlebte sie, wie alle um sie herum extrem mit dem Überleben beschäftigt waren, schon ihre eigenen Familien hatten und kaum Zeit blieb, sich mit der ganz Kleinen zu beschäftigen. Möglicherweise hatte sie irgendeine Form des „Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms“, aber den Begriff gab es damals natürlich noch nicht. In der Schule galt sie als schwierig, wurde regelmäßig geschlagen. Einmal erschien meine Oma sogar an der Schule, weil der Klassenlehrer meine Mutter bewußtlos geschlagen hatte und sie reglos unter seinen Ohrfeigen zusammengesackt war.

Natürlich, sie war „ungezogen“, hatte dem Lehrer frech widersprochen. Daß ein Mädchen dafür verprügelt gehörte, wurde damals nicht in Frage gestellt, aber meine Oma war entschieden dagegen, ihre Jüngste bis in die Ohnmacht zu schlagen.

Meine Großeltern waren für ihre Zeit relativ liberal, ließen ihren Kindern viel Freiheiten, aber vor 100 Jahren war schwarze Pädagogik üblich. Es dauerte noch viele Jahrzehnte, bevor sich allmählich in der christlich geprägten Gesellschaft die Erkenntnis herausbildete, daß Kinder nicht verprügelt werden müssen, Frauen nicht ihren Ehemännern unterstellt sind, keine Erlaubnis brauchen, um ein Bankkonto zu eröffnen, oder einen Job anzunehmen. Ein gewisser Bundeskanzler stimmte noch im Jahr 1997 gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe. Merz ist übrigens deutlich jünger als meine Eltern, die ihm aber beide um Jahrzehnte in der gesellschaftlichen Entwicklung voraus waren. Der erzkonservative Sauerländer ist schließlich bekannt dafür, vieles erst als Allerletzter zu begreifen.

Bald nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, wurde meine Mutter auf ein Mädcheninternat in der Schweiz geschickt. Eine naheliegende Entscheidung. Opa hatte geschäftliche Verbindungen in die Schweiz, war vor dem Krieg viel dort hingereist; in der Wiederaufbauzeit, hatte man zu Hause noch weniger Zeit und Muße für eine aufmüpfige Teenagerin und da sie als etwas undiszipliniert galt, würde es ihr gut tun, mehr Strenge zu erleben. Nähen und Kochen zu lernen; was man eben so brauchte, um eine gute Ehefrau zu werden.

Das mit der Zukunft als treusorgende, devote Ehefrau, die ihre Erfüllung als Hausfrau findet, klappte nicht so. Der Widerspruchsgeist wurde nie ausgetrieben. Wenn meine Mutter ihren Vater oder die älteren Brüder so richtig zur Weißglut bringen wollte, weil die sich über ihre mangelnde Disziplin beklagten, sagte sie „ich kann nichts dafür; ich bin von Natur aus faul“.

Ich sehe es noch vor mir, wie mein Onkel nach Luft schnappte, ihm kleine Rauchwölkchen aus den Ohren schossen. „Wie kannst du sowas sagen!? Du versündigst dich!“

Es war die ultimative Schande, die jedem deutschen und insbesondere hamburgischen Selbstverständnis widerspricht. Fleiß ist die höchste Tugend, die jedem Kind schon in Poesiealben eingetrichtert wird. Faulheit ist eine biblische Todsünde, die sich bis heute als extrem negativ konnotiert gehalten hat. Mit Unkeuschheit kann man heute regelrecht prahlen; ein reiches Sexualleben wird bewundert. Faulheit niemals.

Erst Jahre nach dem Tod meiner Mutter, erinnerte ich mich an ihren Trigger-Spruch und begann ihn mit wachsender Lust selbst zu verwenden. Schon als soziales Experiment. Wenn ich nebenher auf die Frage, was ich heute gemacht hätte, beim Bäcker oder an der Käsetheke „gar nichts; ich bin von Natur aus faul“ antworte, halten das alle mir Wohlgesonnenen ganz selbstverständlich für einen Witz. „Nein, SIE sind doch nicht faul!“

Natürlich nicht. Denn ich bin ja nett. Die mögen mich. Wie könnte ich da faul sein?

Die Merze, Linnemanns und Spahns tuten ebenfalls in das faulophobe Horn. Die deutsche Wirtschaft lahmt, weil wir zu faul geworden sind. Es müsse wieder mehr geleistet werden. Mit Viertagewoche und Work-live-Balance, könne man im internationalen Wettbewerb nicht bestehen.

Mal abgesehen davon, daß diese Märchen über die Viertagewoche längst debunked sind, bezieht sich der Vorwurf der Faulheit immer nur auf die finanziell schlechter Gestellten. Wer reich ist und viel Geld verdient, ist nie faul. Nur Arme. Daß unbezahlte Care-Arbeit sehr viel Fleiß und Disziplin erfordert, käme einem Jens Spahn, der freimütig zugibt, er würde seine Eltern sicher nicht selbst pflegen, sondern dafür jemanden engagieren, gar nicht in den Sinn.

Reinigungs- oder Pflegekräfte, Erntehelfer, Lieferanten gehören für die CDUCSU nicht zu den Leistungsträgern. Die kann man outsourcen.

Kein Konservativer hinterfragt den Fleiß der 900.000 Privatiers in Deutschland. Wer sein Geld für sich arbeiten läßt, wird bewundert. Wir sollen am besten alle Aktionäre werden und andere für uns arbeiten lassen.

(….) Zudem halte ich Aktienbesitz für eine Form der Ausbeutung: Reiche werden durch inaktives Rumsitzen noch reicher, während andere die dafür nötige Arbeit erbringen, aber nicht profitieren. Die Shareholder-Value-Mentalität ist eine Ökonomiebremse, weil sie gesunden Unternehmen das Geld entzieht, um ihre Mitarbeiter fair zu bezahlen und zu investieren. (…)

(Geld für Alte, 30.10.2025)

Richtig reich wird man in Deutschland durch Erbschaften.

[….] Im vergangenen Jahr wurde geerbtes oder geschenktes Vermögen in Höhe von insgesamt 121,5 Milliarden Euro registriert. Das ist ein neuer Höchstwert in Deutschland. [….] Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Wert dieser Vermögensübertragungen um 19,8 Prozent und erreichte damit einen Höchstwert, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. 2022 war er noch um 14 Prozent gesunken.

Im Jahr 2023 wurden demnach Vermögensübertragungen durch Schenkungen in Höhe von 60,3 Milliarden Euro gezählt. "Das waren 44,7 Prozent mehr als im Vorjahr", hieß es vom Bundesamt.

Der Anstieg beruhe vor allem auf dem übertragenen geschenkten Betriebsvermögen von 24,8 Milliarden Euro, das sich damit gegenüber dem Vorjahr verdoppelte (plus 100,7 Prozent). Das übertragene geschenkte Betriebsvermögen über 26 Millionen Euro, sogenannte Großerwerbe, vervierfachte sich fast im Vergleich zum Vorjahr auf 15,7 Milliarden Euro (plus 273,3 Prozent).

Das berücksichtigte Vermögen durch Erbschaften und Vermächtnisse wuchs 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent auf 61,2 Milliarden Euro an. Das geerbte Betriebsvermögen stieg ebenfalls - um 22,3 Prozent auf 5 Milliarden Euro. Die Großerwerbe stiegen von 0,6 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 1,4 Milliarden Euro im   [….]

(ZDF, 16.07.2014)

Über 120 Milliarden, die durch pure Faulheit „verdient“ werden. Einfach als Bonus für das Glück in der Geburtslotterie. Für die faulen Reichen setzten sich die C-Politiker nur zu gern ein.

[…]  Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will die Erbschaftsteuer um 50 Prozent senken - für Todesfälle in Bayern. Da die Steuersätze der Erbschaftsteuer bisher bundesweit einheitlich sind, fordert Söder eine „Regionalisierung“ der Steuer. Söder will das nicht nur politisch in der schwarz-roten Koalition durchsetzen. Parallel läuft auch eine Klage Bayerns beim Bundesverfassungsgericht. 

In Deutschland werden pro Jahr Vermögen im Wert von etwa 400 Milliarden Euro vererbt. Ganze zwölf Milliarden Euro werden vom Staat als Erbschaftsteuer abgeschöpft. Geregelt ist dies in einem Bundesgesetz, doch das Steueraufkommen geht vollständig an die Länder, in denen die Verstorbenen ihren Wohnsitz hatten. Bayern nimmt so pro Jahr 2,4 Milliarden Euro ein, Thüringen nur 27 Millionen, weil in den neuen Ländern wenig vererbt werden kann. [….]

(Christian Rath, 02.09.2025)

Freitag, 7. November 2025

Das merzophobe Berliner Stadtbild.

Der arme Fritze! Seine Beliebtheitswerte ins tiefste Kellergeschoss gestürzt, die Fraktion rebelliert, Minister wackeln, Wirtschaft im Sinkflug, Pleiten, Pech, Pannen in der Außenpolitik und die volle Legislatur durchzuhalten, traut ihm auch kaum noch jemand zu. Dann soll er auch noch einen Homo zum neuen Außenminister machen. Ausgerechnet! Dabei mag Merz die Typen nun gar nicht; auch wenn Spahn wenigstens genauso eifrig, wie Merz selbst, die AfD stärkt.


Und nun auch noch das. Genau vor Merzens Nase. Mitten in Berlin: Eine evangelische Pfarrerin verheiratet vier Männer miteinander! Da weiß Merz gleich wieder, wieso er Katholik ist! Frauen als Gottesmänner…, Gottesmänninnen, das haben weder Jesus, noch seine zwölf rein männlichen, cis-männlichen, Jünger … gewollt …. , cis-männliche heterosexuelle Männer, die keine Frauen unter sich haben wollten und deren Nachfolger heute ihr Leben lang unverheiratet bleiben, schrille bunte Kleider tragen, mit brennenden Handtäschchen rumlaufen und partout keine vaginalen Kontakte haben mögen. Und das ist vielleicht eine Pfarrerin! 

Anfang 30, schrille Outfits, Mathematikerin und sie gendert G*tt!

Zum Glück sind Dyba, Meisner und Ratzi schon tot, sonst würden sie spätestens jetzt, angesichts der Lena Müller-Bilder mit einem schrillen Schmerzensschrei über die Wupper gehen.

Und nun noch die Sache mit den vier Männern.

[….] Müller [….] postete am vergangenen Wochenende einen Beitrag von ihrer »ersten Polyhochzeit«. Dazu zeigte sie Bilder und ein Video der Zeremonie, in denen die vier Männer zu sehen sind. »Vier junge Männer haben zueinander ja gesagt«, schreibt Müller. Sie hätten sich unter Gottes »bunten Segen gestellt« und sich für den Bibelvers »Die Liebe hört nie auf« entschieden. »Dass sie fest daran glauben, wurde schon im Vorgespräch deutlich, als sie von der Warmherzigkeit, Großzügigkeit und Offenheit in ihrem Polykül sprachen«, schreibt Müller.

Die kleine gottesdienstliche Zeremonie habe im Rahmen des Pop-up-Hochzeitsfestivals der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) stattgefunden, sagte Müller der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. [….]  Dort hätten sich dann die vier Männer vorgestellt. »Man konnte sofort sehen, dass da ganz viel Liebe zwischen ihnen war«, sagte Müller: »Deshalb waren wir uns im Team schnell einig: Was sollte Gott dagegen haben, dass es nun eben vier sind und nicht zwei?« […]

(SPON, 07.11.2025)

Über Jahrhunderte hatte die Kirche Frauen und Queere kurzerhand auf dem Scheiterhaufen verbrannt, große Hexenverbrennungen organisiert und sich bei Autodafés amüsiert.

Aber Ende des 20. Jahrhunderts ging es bergab. Erst mussten sie aufhören, nach Herzenslust Hunderttausende Kinder in Lagern sexuell und ausbeuterisch zu missbrauchen, dann erklommen die Weibsbilder die Kanzeln, kurz danach durften sie nicht mehr Schwule in die Hölle verdammen und schließlich kamen noch Gendern und Transsexuelle.

Wann ist damit Schluß damit, fragen der Sauerländer Kanzlerazubi und die Oberkleriker?

Männer segnen? Und gleich vier Stück? Für Liebe??????


Potzblitz. So geht es ja nicht.

[….] Der Berliner Bischof Christian Stäblein hat sich von der als Trauung dargestellten Segnung von vier Männern durch eine Kreuzberger Pfarrerin distanziert. "Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz traut nur Paare, die standesamtlich verheiratet wurden. Vorwürfe von Polygamie in diesem Kontext sind gegenstands- und haltlos", erklärte Stäblein am Freitag. [….] Auch Pröpstin Christina-Maria Brömmel unterstrich, dass evangelische Trauungen "die Ehe zweier liebender Menschen" segnen. [….] ". Die vier Männer hätten sich zum Teil schon länger gekannt, in der polyamorösen Konstellation seien sie in diesem Jahr zusammen gekommen. [….]

(epd, 07.11.2025)

Wo ist Kreuznet, wenn man es zur moralisch braucht?
Müller rechtfertigt sich mit der Bibel. Ein etwas lahmes Argument, denn in der Bibel steht bekanntlich alles und sein Gegenteil. Damit kann man alles rechtfertigen.

[….] Diese Art von Partnerschaft sei auch nicht gegen die Bibel gerichtet, davon ist Müller überzeugt: "Es gibt in der Bibel ganz unterschiedliche Beziehungskonstellationen. Manche halte ich für empfehlenswerter als andere. Im Alten Testament begegnen uns immer wieder Männer, die mehrere Frauen haben", erklärte sie etwa. "Die bürgerliche Kleinfamilie ist dagegen keine biblische Norm, und auch die heterosexuelle Liebesheirat, bei der die Frau genauso viel mitzureden hat wie der Mann, ist eine neuere Entwicklung. Deshalb würde ich sagen: Sich allein auf die biblischen Vorbilder zu berufen, ist nicht zielführend, sondern wir müssen uns heutige Beziehungen ansehen und sie im Sinne der Bibel deuten." 

Sie halte sich daher an eine Aussage im 1. Johannesbrief (4,16b), in dem es heiße: "Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm."  […]

(Queer.de, 07.11.2025)





Ich habe dazu aber auch zwei Anmerkungen:

Erstens geht es niemanden etwas an, was Erwachsene aus freien Stücken tun, wenn sie damit keine Dritten stören. In diesem Fall werden aber nur Missgunst und Vorurteile gestört. Sozial und finanziell gesehen, sind Vielehen ohnehin der Einehe überlegen.

Zweitens halte ich es für etwas erbärmlich, sich für seine Liebe ausgerechnet den Segen der weltweit größten Kinderfic**rorganisation mit 2.000 Jahre währender Kriminalgeschichte zu suchen. Aber das betrifft natürlich jede gesegnete Partnerschaft.

Donnerstag, 6. November 2025

Männer, die es nicht können.

Donald Trump hatte gestern, nach dem demokratischen Durchmarsch, der von seinen MAGA-maggots natürlich bestritten wird und mit „Wahlbetrug“ erklärt wird, einen kurzen lichten Moment. Hinter verschlossenen Türen machte er seinen GOP-Epigonen Vorhalte wegen des Shutdowns und kündigte auf seiner Hetzplattform an, künftig selbst das Thema „affordability“ zu besetzen – Ätschi.

[…]  Trump makes an overdue discovery: ‘They have this new word called affordability’

After Democrats scored election victories, the president started talking about “affordability.” Unfortunately, his assessment is rooted in nonsense.

Donald Trump spent years publishing assorted messages to the social media platform formerly known as Twitter, but he literally never wrote a tweet that included the word “affordability.”

On his own platform, however, the president has taken a sudden interest in the term.

On Tuesday morning, as Election Day 2025 got underway, he wrote online, “If affordability is you [sic] issue, VOTE REPUBLICAN! Energy costs, as and [sic] example, are plummeting.” (In reality, energy costs are climbing, not sinking.)

The day after Democratic election victories, Trump assured the public, “Affordability is our goal.” That was followed by a related online rant: “2025 Thanksgiving dinner under Trump is 25% lower than 2024 Thanksgiving dinner under Biden, according to Walmart. My cost [sic] are lower than the Democrats on everything, especially oil and gas! So the Democrats [sic] ‘affordability’ issue is DEAD! STOP LYING!!!”

Whether the president understands this or not, Walmart lowered the cost of its Thanksgiving dinner by reducing the number of items included in the package and replacing brand-name products with value products. It was not, in other words, the result of the White House’s awesomeness. [….]

(MSNBC, Nov. 6, 2025)

Der Blitzmerker hatte offenbar vergessen, seinen 2024er Wahlkampf mit dem Thema Preissenkungen bestritten zu haben. US egg prices waren das große Ding. Er wollte blitzartig mit seinen Zöllen die Lebenserhaltungskosten runterbringen. Das klappte nicht nur nicht, sondern heizte die Inflation an. Überraschung.

Unnötig zu erwähnen: Trump lügt, wie gedruckt über angeblich gesunkene Preise. Bei Medikamenten fantasiert er, jenseits der mathematischen Möglichkeiten, von 100%igen, 500%igen und 1.000%igen Preissenkungen.

Amis lassen sich traditionell viel einreden, aber da jeder Lebensmittel braucht, fällt es den 99% auf, wenn an der Wal Mart-Kasse immer größere Beträge aufgerufen werden.

Das mit den vollmundigen Versprechungen kann durchaus nach hinten losgehen, wie auch Fritze Merz gerade bemerkt, während er durch seine katastrophale Unkenntnis die Ökonomie in die Grütze fährt.

Was hatte er als Oppositionsgroßmaul nicht alles Olaf Scholz vorgeworfen. Der Klempner der Macht, könne nicht kommunizieren.

Genau ein Jahr nach dem das andere große Politgroßmaul, Christian Lindner, triumphal den Sturz der Ampel einleitete, hat der Fritzekanzler immerhin eins geschafft: Die Menschen wünschen sich den im November 2024 historisch unbeliebten Olaf Scholz zurück. Der aber, sitzt still und bescheiden auf den Bundestagshinterbänken, mischt sich nicht in die große Politik ein.

[….] Obwohl er mit 67 Jahren das Rentenalter erreicht hat, wechselte Scholz vom Kanzleramt auf die Hinterbank des Bundestags. Dort will der in seinem Wahlkreis Potsdam direkt gewählte Abgeordnete auch die ganze Legislaturperiode bleiben. Für ihn gilt: „Das höchste Amt, in das man in Deutschland direkt gewählt werden kann, ist das des Abgeordneten im Deutschen Bundestag.“

Allerdings nimmt Scholz sein Mandat auf Sparflamme wahr. Um das Rednerpult im Plenarsaal macht er einen Bogen, einem Ausschuss gehört er nach dem Abgeordnetenverzeichnis des Bundestags nicht an.  [….]

(Hamburger Abendblatt, 05.11.2025)

Scholz ist im diametralen Gegensatz zu seinem Nachfolger, so diszipliniert und intelligent, sich nicht von unüberlegten Stimmungen zu Verbalattacken hinreißen zu lassen. Vielleicht ärgert er sich noch sehr über sein Kanzler-Aus. Über Lindner. Vielleicht frohlockt er auch heimlich, weil Merz so sehr an der Realität scheitert. Wir wissen es nicht.

Kanzler-Azubi Merz taumelt unterdessen weiter durch seine Amtszeit, ohne irgendeine Lernkurve erkennen zu lassen. Immer wieder beschwöre ich angesichts der AfD-Bedrohung, seine Alternativlosigkeit. Die Kleiko ist zum Durchhalten und zum Erfolg verdammt.

Aber die Merzisten zeigen deutliche Zerfallserscheinungen.

Zu unfähig sind die C-Politiker, um sinnvoll zu regieren. Auch ihnen wird, wie Trump, das Thema „Affordability“ gewaltig vor die Füße fallen.

In den USA hoffe ich auf weiter explodierende Lebenshaltungskosten. Nur wenn die Bürger es dramatisch im eigenen Portemonnaie spüren, werden sie davon ablassen die GOP zu bejubeln und erwägen, die Opposition zu wählen. Im Zweiparteien-Mehrheitswahlrechtssystem sind das die Demokraten. Gut so.

In Deutschland hingegen werden nicht die „guten Parteien“ vom Scheitern der CDUCSU-Chaoten profitieren, sondern die Nazis. Schlecht so.

Ich begrüße jeden Autoritäts- und Zustimmungsverlust des US-Präsidenten.

Es verschafft mir auch Genugtuung, an den demoskopischen Daten abzulesen, wie immer mehr Deutsche in Merz das Desaster erkennen, das er nun einmal ist.

[….] Die Kommunikation dieser Bundesregierung ist ein Desaster [….] Es ist eine Zahl, die die CDU erschüttern muss. Nur noch 17 Prozent der Deutschen trauen der Union am ehesten zu, mit den Problemen im Land fertigzuwerden. Das hat Forsa gerade ermittelt. Für eine Partei, deren Selbstverständnis es immer war, das Regierungshandwerk zu beherrschen und funktionierende Volkspartei zu sein, ist das ein katastrophaler Wert. [….] [….] Ausgerechnet Merz, der seinem Vorgänger Olaf Scholz ständig schlechte Kommunikation vorgeworfen hat, reiht eine Kommunikationspanne an die nächste. Etwa wenn er in Brüssel eine Einigung in der EU auf ein Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten verkündet, die es noch gar nicht gibt – und sich deshalb offenen Widerspruch des französischen Präsidenten einfängt. Oder wenn er einen Teilstopp der Waffenlieferungen an Israel verkündet, ohne das in seiner Partei vorher kommuniziert zu haben. Und deshalb einen Aufruhr in der CDU verursacht. Oder wenn er mit unpräzisen und generalisierenden Äußerungen eine Stadtbild-Debatte lostritt, die in dieser Form nur der AfD hilft. Wer so regiert, darf sich nicht wundern, wenn einem nur noch 17 Prozent vertrauen. […]

(Robert Roßmann, 05.11.2025

Leider kann man sich nicht über den Merz-Absturz freuen.