Sonntag, 10. November 2013

Drei gute Nachrichten jenseits der Weißwurscht.



 Als Nordlicht versteht man fremde Kulturen unterschiedlich gut.
Wachsender Beliebtheit erfreut sich beispielsweise der Urlaubswohnungstausch mit Kopenhagenern. Angeblich sind sich die Bürger beider Städte so ähnlich, daß sie sich in der jeweils anderen Wohnung blind zu Recht finden.
Und dann die Sache mit den Briten.
Wir Hanseaten halten Hamburg gelegentlich für das britischere London. Wenn es in England regnet, gehen in Hamburg die Regenschirme auf, lautet ein bekanntes Sprichwort. So wird die Begeisterung für englische Lebensart erklärt.
Die steifen Hamburger sind dabei den Londonern gar nicht so ähnlich, wie den Kopenhagenern, aber wir lieben die britische Exzentrik und machen begeistert englische Hutmoden beim Derby in Klein Flottbek nach.

Gen Süden fremdelt der Hanseat.
Oktoberfest verstehen wir nicht. Hier gibt es zwar ein ähnlich großes Ereignis sogar dreimal im Jahr, den „Hamburger Dom“ mit denselben Fahrgeschäften, aber gerade mal ein Bierzelt („Zum Ochsen“) findet man. Es fällt in der Regel durch gähnende Leere auf. Zu Blasmusik zu saufen und zu schunkeln fiele keinem Hamburger ein.
Fasching und Karneval versuchen wir gar nicht erst.

Besonders rätselhaft erscheinen uns Bayerische Eigenarten wie die Akzeptanz von Korruption und Kriminalität.
Zu sehen war das bei der Bayernwahl am 15.09.13: All die CSU’ler, die durch besonders dreiste Bereicherungen ihrer Sippe aufgeflogen waren, wurden sogar noch mit Stimmenzuwächsen wiedergewählt.
Der Bayer akzeptiert nicht nur politische Schweinereien und Bestechung; er honoriert sie sogar. Auch Ulli Hoeneß ist beliebter denn je.
Das läuft in Norddeutschland offenbar ganz anders. Dort können auch lange im Sattel sitzende CDU-Regierungen plötzlich mit extremen Stimmenverlusten bestraft werden, wenn ein Skandal ans Licht kommt.
Man erinnere sich an Christoph Ahlhaus, der 2011 in Hamburg einen Verlust von 21 Prozentpunkten hinnehmen mußte.
Oder an Uwe Barschel, der in Schleswig-Holstein eine ähnliche Abfuhr kassierte. Wahlergebnis 1983 in Kiel; CDU = 49%; SPD = 43%.
Wahl 1988: CDU = 33%, SPD = 55%.

Heute erreichen uns allerdings gleich drei gute Nachrichten aus Bayern, die hoffen lassen!

1.) Die Bürger in CSUlandistan haben einer Olympiabewerbung bei Volksabstimmungen eine klare Absage erteilt!

Die Menschen in der Millionenstadt München haben Nein zu Olympia gesagt. Beim Bürgerentscheid stimmten am Sonntag 52,1 Prozent gegen die Bewerbung der Landeshauptstadt für die Olympischen Winterspiele 2022, lediglich 47,9 Prozent waren dafür. Von den insgesamt rund 1,3 Millionen Stimmberechtigten bei den Urnengängen in den vier geplanten Austragungsorten kommt mehr als eine Million aus München.
Auch die Bevölkerung in Garmisch-Partenkirchen (Ja: 48,44 Prozent - Nein: 51,56 Prozent, Wahlbeteiligung: 55,80 Prozent), im Berchtesgadener Land (Ja: 45,98 Prozent - Nein: 54,02 Prozent, Wahlbeteiligung: 38,25 Prozent) und im Landkreis Traunstein (Ja: 40,33 Prozent - Nein: 59,67 Prozent, Wahlbeteiligung: 39,98 Prozent) entschied sich gegen Olympia. Am deutlichsten fiel die Ablehnung damit im Kreis Traunstein aus, wo fast 60 Prozent Nein zu dem Großprojekt sagten.

Solche Megaereignisse sind heutzutage sowieso nur noch absurd. Sie zerstören die Umwelt, kosten Milliarden mehr als geplant und dann ist da noch das Terrorproblem. Da muß man immer zehntausende Polizisten im Einsatz haben. Und all das nur für zehn Tage Mega-Kommerz, bei dem ein paar alte fette extrem korrupte Funktionäre dabei absahnen, wie ein paar gedopte Muskelberge und bärtige Chinesinnen sich kloppen.

Das Votum ist eindeutig. Die Bürger in und um München wollen nicht noch einmal Olympische Spiele ausrichten. Selbst in Garmisch-Partenkirchen, wo die Bewerbung für die Winterspiele 2018 noch Zustimmung gefunden hatte, gab es diesmal keine Mehrheit für den zweiten Anlauf, einer Kandidatur für den Winter 2022.
Das Ergebnis ist in dieser Deutlichkeit überraschend; bis auf die Grünen hatten alle maßgeblichen Parteien für ein Ja plädiert. Offenbar klafft der Wille der meisten Politiker und der der meisten Wähler bei der Frage "Wie halten wir es mit Olympia?" weit auseinander. Das zeigt das Dilemma bei vielen Großprojekten in diesem Land: politisch gewollt, aber beim Bürger nicht durchsetzbar.
Für München, Garmisch-Partenkirchen, Ruhpolding und Königssee bedeutet das Nein eine verpasste Chance. Bedrohlich aber ist das Verdikt für das Internationale Olympische Komitee. Auch in der Schweiz, wo das IOC residiert, haben die Bürger eine Bewerbung um Spiele im Schnee und auf Eis abgelehnt. In freiheitlichen Gesellschaften hat die olympische Idee offensichtlich ein Problem, noch Anklang zu finden.
Das Nein ist deshalb auch ein empfindlicher Schlag für den deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach. Es zeigt: Kommerz und Korruption, Intransparenz, Prunksucht und die Nähe zu fragwürdigen Mächten haben der Organisation, der er seit kurzem vorsteht, eine Krise beschert, die tief reicht. Das IOC wirkt wie aus der Zeit gefallen - Parallelen zur katholischen Kirche sind nicht fern. […]

2.) Ausgerechnet der stets als Hardcore-Law-and-Order-Politiker aufgefallene Günter Beckstein wollte Nachfolger von Kathrin Göring-Kirchentag als EKD-Präses werden.
Allein seinen Christenbrüdern gefiel es überhaupt nicht den ehemaligen CSU-Ministerpräsidenten zum Kirchenchef zu machen und ihn dann zu Waffenexporten und Flüchtlingen sprechen zu lassen.
Schade eigentlich. Denn damit hätten sich die Austrittszahlen bei den Protestanten auch noch mal stark vergrößert.

Auf der Jahrestagung des Parlaments der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist die Wahl eines Synoden-Präses am Sonntag zunächst gescheitert. In zwei Wahlgängen am frühen Abend erreichten weder der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) noch die Bremer Juristin und frühere Kirchenpräsidentin Brigitte Boehme die erforderliche Mehrheit. In beiden Wahlgängen unterlag Beckstein jedoch seiner Konkurrentin.   Beckstein - bisher Vize-Präses der Synode - erklärte daraufhin, er stehe für einen dritten Wahlgang nicht mehr zur Verfügung. [….]
Die bisherige Synoden-Vorsitzende Katrin Göring-Eckardt hatte das höchste Laienamt der evangelischen Kirche im September vorzeitig niedergelegt, weil sie sich ganz auf ihre Arbeit als Grünen-Fraktionschefin im Bundestag konzentrieren will. Beckstein war bereits 2009 mit dem Versuch gescheitert, an die Spitze des Kirchenparlaments zu kommen - damals unterlag er Göring-Eckardt.

3.) Möglicherweise haben selbst in Bayern die Zeiten ein Ende, in denen sich die Reichen und Mächtigen sich nicht um Gesetze scheren mußten, weil CSU-hörige Staatsanwaltschaften auf Geheiß der Staatskanzlei agierten.
Nun erwischte es eine der ganz großen Bayerischen Fußball-Ikonen.

Uli Hoeneß, Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident des FC Bayern, wartet noch auf seinen Prozess wegen Steuerhinterziehung, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat sein Verfahren bereits hinter sich. Nachdem Rummenigge Anfang Februar vom Zoll am Flughafen München mit zwei teuren Luxus-Uhren im Handgepäck erwischt worden war, hat er nun eine Verurteilung zu einer Geldstrafe von 249.900 Euro akzeptiert und das Geld bereits an die Staatskasse überwiesen.
Das hat der Landshuter Oberstaatsanwalt Markus Kring der SZ bestätigt: "Die Vollstreckung ist bei uns als erledigt gekennzeichnet." Rummenigge war nach einem Aufenthalt in Katar, wo 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet, mit den zwei Uhren zurückgekehrt. Statt zum Zoll ging er aber durch den Ausgang "Nichts zu verzollen". Als er erwischt wurde, hatte er angegeben, ein Freund hätte ihm die beiden Uhren geschenkt. […]
Der Vorstandschef gilt im landläufigen Sinn nun als vorbestraft.






Samstag, 9. November 2013

Nachtrag zu „Patriotismus – Nein, Danke!“




 Eins der gemeinsamen Übel von Religion und Patriotismus ist die arrogante Haltung, die beiden zu Grunde liegt.
Ein „Wir sind besser als die“-Denken, aus dem sich relativ leicht auch „wir dürfen mehr als die“ und „die sind nicht so viel wert wie wir“ ableiten lässt.
Diese Grundhaltung, die von oben herab erst mal den anderen etwas abverlangt, was man selbst nicht tun muß, kam exemplarisch in dem Leitartikel wider die doppelte Staatsbürgerschaft an Licht, den ich vor drei Tagen kritisierte.

Da dies ein Blog ist, in dem ich schreibe wie mir der Schnabel gewachsen ist, kann ich solche Artikel nicht wortwörtlich für andere Zwecke einsetzen.
Jedoch habe ich einen Leserbrief gleichen Inhalts, aber in höflicherer Formulierung an Matthias Iken geschickt.
Abgedruckt wurde er natürlich nicht, aber ich bekam eine Antwort des von mir gescholtenen Redakteurs.

Haben Sie vielen Dank für Ihren Brief, den ich mit großem Interesse gelesen habe und dessen Positionen ich verstehen kann. Wenn Sie den Leitartikel genau lesen, habe ich mich ja weder für das Ius Sanguinis noch für das alte verzopfte Staatsbürgerschaftsrecht der Siebziger Jahre ausgesprochen. Ganz im Gegenteil weiß ich, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist – und das ist auch gut. Ich finde aber die derzeitige Regelung, dass Kinder mit Migrationshintergrund als Erwachsene dann doch entscheiden können und sollen, welche Staatsbürgerschaft sie besitzen wollen. Sonst wird sich die multiple Staatsbürgerschaft von Generation zu Generation fortsetzen und ggfls sogar weiter vergrößern.
In einem Punkt aber gebe ich Ihnen recht und bedauere, nicht klarer formuliert zu haben: Es gibt gerade in der ersten Generation oder bei wie bei Ihnen Ausnahmefälle, wo doppelte Staatsbürgerschaften sinnvoll sind.

Herzliche Grüße…

So so, ich bin also ein Ausnahmefall.
Nach Ikens Politmoral dürfte ich also schon die doppelte Staatsbürgerschaft bekommen.
Das ist natürlich der Vorteil wenn man ein guter Amerikaner und kein schlechter Türke, Rumäne oder Bulgare ist!

In diesem Zusammenhang sei an die Unternehmensleitsätze der Axel Springer AG erinnert, denen jeder Journalist verpflichtet ist:

Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.
(AS, Grundsätze und Leitlinien)

Unterstützung von EU-Ländern oder der Türkei ist bei Springer-Journalisten nicht vorgesehen.
Angela Merkels Begründung, um den Amerikanern die Lauschangriffe zu verzeihen und Ed Snowden nicht aufzunehmen, nämlich die „überragende Bedeutung“ des Verhältnisses zu Amerika, liegt also genau auf Konzernlinie. Kein Wunder, daß Inhaberin Friede Springer eine enge Freundin der Kanzlerin ist und stetig Wahlkampfhilfe leistet.

Iken ist also in meinem speziellen Fall großzügig, aber „multiple Staatsbürgerschaften“ sind ihm ein Grauen, denn sie könnten sich von

Generation zu Generation fortsetzen und ggfls sogar weiter vergrößern!

Was für eine Horrorvorstellung!

Da prallen Welten aufeinander.
Ich empfinde es als sehr reizvoll multiple Staatsbürgerschaften zu haben. Ich freue mich für jeden, der das Glück hat und konnotiere das sehr positiv. Ich glaube fest daran, daß alle davon profitieren, wenn man geistig, kulturell und genetisch aus einen größerem Pool schöpfen kann und „Deutschland“ weniger inzestuös auftritt.
Die CDU und vermutlich auch die große Majorität der Deutschen haben sich aber immer noch nicht von der Idee eines „reinen Volks“, das nicht „durchrasst und durchmischt“ (O-Ton Edmund Stoiber) sein sollte verabschiedet.
So sehen auch die Leserbriefe zum Iken-Leitartikel aus.


Ja, so ganz langsam beginnt man zwar einzusehen, daß Einwanderung erstens nicht zu verhindern und zweitens möglicherweise auch noch notwendig ist (Facharbeiter! Altenpfleger! Rentensystem! Demographie!), aber dann sollen sich die Ausländer gefälligst auch ordentlich anstrengen und sich wie echte Musterdeutsche benehmen.
Kulturelle Vielfalt – Nein Danke. Assimilation schwebt den deutschen Integrationspolitikern vor.

Im Zuge der aktuell laufenden Koalitionsverhandlungen der Unionsparteien mit der SPD bekräftigte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Mittwoch seine Ablehnung der doppelten Staatsbürgerschaft mit folgender Begründung: „Wenn wir Millionen von Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft geben, die sie weitervererben, werden wir eine dauerhafte türkische Minderheit in Deutschland haben. Dies bedeute eine „langfristige Veränderung der Identität der deutschen Gesellschaft“.
Friedrichs Äußerung ist von drei Wunschdenken geprägt: 1. Er geht von der irrigen Annahme aus, die „deutsche Gesellschaft“ sei homogen, (2.) deren Identitätsveränderung verhindert werden müsse (3.) dadurch, dass Minderheiten – Friedrich nennt nur die Türken – nicht nur ihre Staatsbürgerschaft, sondern auch ihre Sprache, Identität, Bräuche und Sitten ablegen, sich also assimilieren. Andernfalls wäre eine Veränderung der „deutschen Gesellschaft“, allein schon aufgrund des Zusammenlebens, des selbstverständlichen gegenseitigen Prägens und Veränderns, unumgänglich.
[…]   Kommen wir zurück zu Friedrich: Seine Weltvorstellung in Bezug auf Minderheiten in Deutschland steht zur aufgeführten deutschen Politik zum Schutz der deutschen Identität der im Ausland lebenden deutschen Minderheiten nicht nur im krassen Widerspruch, sondern bringt auch seine Doppelmoral ungeheuerlichen Ausmaßes zum Vorschein, wenn man bedenkt, dass der Beauftragte für deutsche Minderheiten im Ausland dem Bundesinnenministerium, also Friedrich, untersteht.

Wer glaubte völkisches Denken und die Wahnidee von dem überlegenen deutschen Wesen, an dem die Welt genesen sollte, stürben aus, hat sich zu früh gefreut.

Glücklicherweise gibt es auch besonnenere Stimmen, aber Mehrheitsmeinung ist das noch lange nicht. Heribert Prantl beschreibt einer ungleich größeren Leserschaft als dem Migazin, daß die Optionspflicht die Menschen vor den Kopf stößt und damit die angeblich gewollte Integration sogar massiv behindert.

Beim Widerstand gegen die doppelte Staatsbürgerschaft handelt es sich um das wohl letzte Gefecht eines Kampfes, der jahrzehntelang unter dem Motto "Deutschland ist kein Einwanderungsland" geführt wurde. Es war dies ein Anrennen wider den Augenschein, weil der Alltag jedem in Deutschland zeigt, dass er in einer Einwanderungsgesellschaft lebt. Die Anerkennung einer doppelten Staatsbürgerschaft ist auch Anerkennung dieses Faktums.
Die doppelte Staatsbürgerschaft verlangt vom Bürger, der in zwei Kulturen zu Hause ist, nicht mehr, sich zu zerreißen. Sie nimmt den Bürger so, wie er ist: mit seiner Geschichte, mit seiner Tradition, mit seinen Wurzeln und mit der Identität, die sich daraus ergibt. Gewiss: Ein neuer Bürger muss sich entscheiden - aber doch nicht dafür, ob er sich nun ein wenig mehr türkisch oder ein wenig mehr deutsch fühlt. Er muss sich entscheiden für Demokratie, Rechtsstaat und die Grundwerte der Verfassung. Die Doppelstaatsbürgerschaft kann dabei helfen. EU-Bürger, Spätaussiedler und die Kinder aus binationalen Ehen leben gut in Deutschland mit der doppelten Staatsbürgerschaft; warum sollten dann nicht auch Deutsch-Türken gut damit leben? Man kann nicht nach Herkunft darüber entscheiden, ob ein Mensch zwei Pässe haben darf oder nur einen. […]



Freitag, 8. November 2013

Auch kein sympathischer Zug!

Klar, natürlich freue ich mich über den „Tebartz-Effekt“ , der jetzt schon zum geflügelten Wort geworden ist.

"Tebartz-Effekt" vergrault Christen
Die Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat das Vertrauen vieler Katholiken in ihre Bischöfe massiv erschüttert. In ganz Deutschland ist die Zahl der Kirchenaustritte von September auf Oktober rasant angestiegen, wie bundesweite Recherchen der Nachrichtenagentur dpa ergaben.
[….]   Aus Rückmeldungen sei zu erfahren, dass die Affäre um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst der Anlass für Kirchenaustritte war, sagte der Sprecher des Bistums Trier, André Uzulis. Das Bistum erhalte Briefe und Anrufe, in denen Katholiken ihrem Unmut Luft machten. [….]
Auch dem Bad Homburger Amtsgerichtsdirektor Stephan Schmidt zufolge ist ein "Tebartz-Effekt" deutlich zu sehen. [….]
Einer Statistik der Deutschen Bischofskonferenz zufolge verliert die katholische Kirche in Deutschland seit 1990 jährlich mehr als 100.000 Mitglieder durch Austritte. 2012 waren es 118.288 Menschen. Auch aus der Evangelischen Kirche Deutschland traten zuletzt deutlich mehr als 100.000 Gläubige pro Jahr aus. Beide christlichen Kirchen haben derzeit jeweils um die 24 Millionen Mitglieder.
[Religionssoziologe] Pollack sieht auch finanzielle Erwägungen als ein entscheidendes Motiv für Kirchenaustritte. "Man fühlt sich oft seit Jahren nicht mehr eng mit der Kirche verbunden und entscheidet sich dann in einer Situation des finanziellen Engpasses für den Austritt, um die Kirchensteuer zu sparen", sagte er. […] Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge erschütterte der Unmut über Tebartz-van Elst das Vertrauen in die katholische Kirche. 65 Prozent der deutschen Katholiken halten demnach ihre Kirche für wenig oder überhaupt nicht glaubwürdig. Rund ein Fünftel denke nach den Debatten über Vermögen und Verschwendung über einen Austritt nach.

Nur nach den bedeutendsten Bischöfen wird ein Effekt benannt!
Es freut mich selbstverständlich wie effektiv TVE in meinem Sinne arbeitet.
„Bitte sofort aus der Kirche austreten!“ ist schließlich schon lange eins der wichtigsten Ziele meiner politischen Agenda.
Der Limburger Bischof selbst dürfte von seiner Namenspatenschaft allerdings ähnlich begeistert sein wie Peter Hartz über sein Image als Vater von „Hartz IV“.

Als Atheist könnte man sich zufrieden zurücklehnen und beobachten, wie sich der Kirchenadel weiterhin sein eigenes Grab schaufelt.
Es ist auch schön zu wissen, daß Papst Franz einen wie TVE eben nicht auf der Stelle feuert, sondern einen überführten gewohnheitsmäßigen Lügner, der von seinem gesamten Bistum gehasst wird, demonstrativ NICHT von seinem Posten abzieht.

Dennoch habe ich ob der Meldungen über den „Tebartz-Effekt“ Grund in Depressionen zu verfallen. Denn was sind eigentlich die Kriterien, nach denen der gemeine Kirchenmitgliedler seinen möglichen Austritt kalkuliert?

Daß die Kirchen über viele Jahrzehnte den sexuellen Missbrauch an Myriaden Kindern vertuscht haben, brachte die TVE-bewegten Austreter offenbar noch nicht dazu die Kirche zu verlassen.

Daß die Kirchen mehrere Hundertausende Jugendliche in kirchlich geführten Heimen generalstabsmäßig verprügelten, misshandelten, versklavten und psychisch demolierten, brachte die TVE-bewegten Austreter offenbar noch nicht dazu die Kirche zu verlassen.
Daß die Kirchen bis zum heutigen Tage Frauen und Schwule diskriminieren, brachte die TVE-bewegten Austreter offenbar noch nicht dazu die Kirche zu verlassen.

Daß die Kirchen sich mit fremden Federn schmücken, zweistellige Milliardenbeträge vom Staat abzocken, um dann unter Umgehung der Arbeitsschutzregeln und der Antidiskriminierungsgesetze im sozialen Sektor Kasse machen, brachte die TVE-bewegten Austreter offenbar noch nicht dazu die Kirche zu verlassen.

Daß die Kirchen massiv für Adolf Hitler und den Krieg warben, daß sie die Ursache für den eleminatorischen Judenhass sind, brachte die TVE-bewegten Austreter offenbar noch nicht dazu die Kirche zu verlassen.

Daß Kirchenvertreter wie eine gigantische Krake, Rundfunkräte, TV-Stationen und den Parlamentsbetrieb infiltriert haben, brachte die TVE-bewegten Austreter offenbar noch nicht dazu die Kirche zu verlassen.

Daß die Kirchen in ihrer Geschichte mehr Kriege und Genozide als irgendein anderer ideologischer Verein verursacht haben, brachte die TVE-bewegten Austreter offenbar noch nicht dazu die Kirche zu verlassen.

Daß Kirchen für die quantitativ größten Verbrechen dieses Planeten verantwortlich zeichneten (Inquisition, Ausrottung der Völker in Süd- und Nordamerika, Hexenverbrennung, Kreuzzüge,...), brachte die TVE-bewegten Austreter offenbar noch nicht dazu die Kirche zu verlassen.

Daß die Kirchen sich im Jahr 94 nach dem Verfassungsauftrag der Entflechtung zwischen Staat und Kirche immer noch auch atheistische Steuerzahler auszupressen, brachte die TVE-bewegten Austreter offenbar noch nicht dazu die Kirche zu verlassen.

Kinderficken, Frauen diskriminieren, Schwule jagen – all das störte offenbar weniger, als ein einzelner Bischof, der sich mit den Millionen, die sein Verein den Schäfchen abgeknöpft hat, einen schicken Amtssitz baut.

Bei so ziemlich jeder Schweinerei drückt der Deutsche alle Augen, inklusive Hühneraugen, zu.
Aber geht es um Geld, kommt sofort Neid auf und dann wird gehandelt.







Donnerstag, 7. November 2013

Mein politischer Liebling des Tages.




 Hätten wir eine am Wohl ihrer Bürger interessierte Regierung, wäre sie längst aktiv geworden, um Kranken, Armen, Alten und Pflegebedürftigen zu helfen.
Obdachlosen, Opfern von rechter Gewalt, Drogenkranken, Depressiven oder Niedriglöhnern könnte man sich durchaus annehmen, indem man die für sie nachteiligen Regelungen ändert und in die entsprechenden Hilfsstrukturen investiert.

In der Realität sind diese „weichen Werte“ dem CDU-Kabinett herzlich egal.
Humanitäres Denken in der Christen-Union kein relevanter Faktor.

Merkels Trupp springt allerdings sofort, wenn die „harten Werte“, also die WIRTSCHAFTLICHEN bedroht werden.
Dann gibt es sofort Rabatte für energieintensive Betriebe, arbeitgebergenehme Leiharbeiterregelungen und Subventionen.

Da ist es nur natürlich, daß psychisch Kranke erst ins Visier der Ursula von der Leyen gerieten, als sie nicht mehr Familienministerin war, sondern als Arbeitsministerin den ökonomischen Schaden, den Krankheiten mit sich bringen, kalkulierte.

Zahlen dazu gingen unter anderem aus dem Anfang dieses Jahres veröffentlichtem "Stressreport Deutschland 2012" hervor.

Nach der Studie sind Termin- und Leistungsdruck in Deutschland häufiger als im Durchschnitt der 27 EU-Länder: Knapp 60 Prozent der Befragten gaben an, verschiedene Aufgaben gleichzeitig betreuen zu müssen. […]  17 Prozent der Befragten fühlten sich in den letzten zwölf Monaten während der Arbeit häufig körperlich und emotional erschöpft. Zudem haben die Beschwerden an sich - von Rücken- oder Nackenschmerzen, über Müdigkeit, Schlafstörungen bis hin zu Reizbarkeit und Nervosität - zugenommen.
[…] Wenn es um den Schutz vor körperlichen Gefahren gehe, seien deutsche Unternehmen "spitze", leider machten sich aber noch viel zu wenige Betriebe Gedanken, wie sie ihre Mitarbeiter vor Stress und Burnout schützen können", erklärte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen. "Wir haben 2011 59 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen registriert. Das ist ein Anstieg um mehr als 80 Prozent in den letzten 15 Jahren." Daraus ergäben sich Produktionsausfälle von sechs Milliarden Euro. "Es kostet richtig viel Geld." Psychische Erkrankungen seien bei der Frühverrentung mit 41 Prozent inzwischen "Ursache Nummer eins".

Sechs Milliarden Euro Produktionsausfall hört man nicht gern in der CDU.
Die dahinterstehenden Schicksale der Erkrankten sind allerdings noch nicht im Bewußtsein der Christen-Politiker angekommen.
Dabei haben klinische Depressionen mit rund 15 % eine höhere Mortalität als so mache Krebsart. Nur würde einem an Hodenkrebs Erkrankten niemals einer sagen „Nun reiß‘ Dich mal zusammen und stell‘ Dich nicht so an!“

Depression und Suizidalität
Der mit Depressionen einhergehende hohe Leidensdruck dokumentiert sich eindeutig darin, dass die große Mehrheit der jährlich 10.000 Suizide und ca. 150.000 Suizidversuche in Deutschland auf dem Boden einer nicht optimal behandelten Depression erfolgen. Die bei depressiv Erkrankten deutlich erhöhte Mortalität ergibt sich zusätzlich durch in den letzten Jahrzehnten nachgewiesene massive negative Einflüsse auf andere Erkrankungen, wie Herzerkrankungen oder Diabetes mellitus.
Depression ist eine lebensbedrohliche Krankheit.

Depressionen sind im Übrigen fast immer heilbar. Dies geschieht aber nicht, weil es einfach nicht genügend Therapeuten gibt.
Hier schläft die Politik.

Außer natürlich mein Liebling des Tages.
Er weiß wie man mit psychischen Erkrankungen umgehen muß.
Und er sollte das auch wissen, denn er ist Vorsitzender des mächtigsten Gremiums, welches es im deutschen Gesundheitssystem gibt.
Der Jurist Josef Hecken (* 2. August 1959) ist seit 1. Juli 2012 Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, G-BA.
Der stramm katholische CDU-Politiker war unter anderem saarländischer Justiz- und Gesundheitsminister und von 2009 bis 2012 Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Als Saarländischer Minister war er der Erste, der der niederländischen Kapitalgesellschaft DocMorris die Erlaubnis gab eine Filiale in Deutschland zu betreiben, Bis dahin galt das strenge Gebot von der inhabergeführten Apotheke.
Hecken brach diese Regelung vermutlich nicht nur aus politischer Überzeugung.
Zur Franz Haniel & Cie. GmbH, der Konzernmutter von DocMorris, gehört auch Heckens früherer Arbeitsgeber METRO.
Man hilft sich ja gerne. Zwischen CDU-Staatssekretären und zahlende Konzerne passt kein Blatt Papier.
Der G-BA, dem Hecken vorsitzt, ist zwar der Bevölkerung weitgehend unbekannt, aber dafür umso einflussreicher. Diverse Gesundheitsminister haben sich an ihm schon die Zähne ausgebissen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist das höchste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands. Er ist durch den Gesetzgeber beauftragt, in vielen Bereichen über den Leistungsanspruch der Solidargemeinschaft von etwa 70 Millionen in Deutschland gesetzlich krankenversicherten Menschen rechtsverbindlich zu entscheiden.

Als mächtigster Mann in allen Gesundheitsbelangen der gesetzlich Versicherten, weiß Hecken Bescheid über Depressionen und ihre wirksamen Behandlungen.

Nicht jeder benötige einen Therapeuten, eine Flasche Bier tue es manchmal auch. Das sagte einer über psychisch Kranke, der als mächtigster Mann im Gesundheitswesen gilt. […]  In Deutschland warten psychisch kranke Menschen Wochen oder Monate auf einen Therapieplatz. Es geht nicht um Kleinigkeiten, sondern um schwer depressive Patienten, die dringend Hilfe benötigen. Seit Jahren suchen Krankenkassen nach Auswegen, Psychologen und Psychiater klagen über den Missstand, gleichzeitig steigt die Zahl der von psychischen Leiden Betroffenen stetig an.
In dieser Situation wird ein Zitat über psychisch Kranke bekannt. Von jenem Mann, den viele für den mächtigsten Mann im deutschen Gesundheitswesen halten: Josef Hecken. Er ist Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), jenes Gremiums, das aushandelt, welche Therapien und Medikamente die Versicherten erhalten. Die Vertreter von Krankenkassen, Ärzten und Krankenhäusern entscheiden unter anderem, welche psychotherapeutischen Verfahren von den Kassen übernommen werden.
In einer Sitzung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen sagte Hecken, man benötige nicht für jeden Bürger einen Psychotherapeuten, eine Flasche Bier tue es manchmal auch. Der Satz findet sich in einem Protokoll, das von der öffentlichen Sitzung angefertigt wurde und das SPIEGEL ONLINE vorliegt. Auf Anfrage dementiert Hecken die Äußerungen nicht. […] Wie viele Ärzte und Psychologen sich mit einer Kassenzulassung niederlassen dürfen, legt die Bedarfsplanung fest, über die auch im G-BA entschieden wird. Aus dem inoffiziellen Protokoll der Sitzung beim GKV-Spitzenverband wird deutlich, dass Hecken es für einen Fehler hält, dass Kassensitze, die nicht mit Ärzten besetzt werden können, ab 2014 auch an psychologische Psychotherapeuten gehen können. […] (Dennis Ballwieser und Christian Teevs 05.11.13)

Tja lieber Urnenpöbel. Das ist wenig überraschend.
Genau solche Typen bekommt man, wenn man immer eifrig Merkel wählt.