Montag, 17. September 2018

Polyvölkisch

In manchen Ländern kann man leicht definieren welches Volk dort lebt.
Japaner zum Beispiel sind ein Volk von Japanern, weil ihr Land durch die Insellage relativ isoliert und homogen ist, über Tausende Jahre nie fremdbeherrscht war.
Andere Länder sind ganz klar Vielvölkerstaaten mit unterschiedlich starker familiärer Vermischung der verschiedenen Gruppen. Sowjetunion, Jugoslawien, Irak. Manchmal leben diese Gruppen wie in einer Apartheit getrennt, so daß ein ganzes Volk wie die muslimischen Rohingya in Myanmar abgeschlachtet und/oder vertrieben werden können.
Manchmal werden die innerstaatlichen Zentrifugalkräfte so groß, daß sie bei kleinsten Schwächen der Zentralregierung zu Abspaltung, Aufspaltungen und Abtrünnigkeiten führen. Der Südsudan spaltete sich ebenso vom Sudan ab, wie Eritrea von Äthiopien. Lettland, Estland und Litauen verließen die Sowjetunion und auf dem Balkan brach ein regelrechter Vielvölkerkrieg aus.
Manchmal werden Subvölker der eigenen Bevölkerung zwar eindeutig von einer starken Nationalregierung in Schach gehalten, kommen aber nie zur Ruhe und entwickeln ihre separatistischen Ideen immer weiter.
Spanische Basken, spanische Katalanen, britische Schotten, belgische Flamen, belgische Valonen, italienische Tiroler, französische Korsen, italienische Sizilianer, deutsche Bayern, türkische Kurden oder chinesische Tibeter – sie alle dringen mal mehr und mal weniger auf Selbstständigkeit.
In konzentrierter Form erlebt man das polyvölkische Problem in dem kleinen Israel. Araber und Juden sind sich so spinnefeind, daß alle halbwegs vernünftigen Regierungen auf eine Zweistaatenlösung setzen.
Mal abgesehen davon, daß die Zentralregierung strikt dagegen ist, gibt es da aber vor allem ein geographisches Problem, weil sie alle wild durcheinander leben. Ausgerechnet die fanatischsten und friedensfeindlichen Israelis, die Siedler, leben gern mitten in rein arabischen Gebieten.
Wie auch immer man die Grenzen ziehen würde – Hunderttausende würden anschließend auf der falschen Seite leben.
Geographisch eher möglich wäre es auf dem Staatsgebiet der Türkei, Jordaniens, Syriens, des Iraks und des Irans drei relativ homogene Länder aus 1. Kurden, 2. Schiiten und 3. Sunniten zu bilden. In dem Fall stehen aber die nationalen Grenzen dagegen. Niemals würde Erdogan ein Stück der Türkei einem neuen Staat Kurdistan abtreten.
Unterschiedliche Volksgruppen müssen sich natürlich nicht hassen wie die Pest. Im Gegenteil, sie können sich erheblich „vermischt“ haben und erst zum Problem werden, wenn sich nationale Separatisten durchgesetzt haben.
Ja, die Ukraine ist seit Dezember 1991 unabhängig. Aber es leben dennoch 8 Millionen Russen im Land – das sind knapp 20% der Bevölkerung. Dazu kommen weitere einhundert Ethnien.
Anfang der 1990er dürfte es den zur Minderheit in der Ukraine gewordenen Russen relativ egal gewesen sein, was auf ihrem Pass stand. Aber als dann im Putin-Russland ein gewaltiger ökonomischer Aufschwung stattfand, die Renten beim östlichen Nachbarn um ein Vielfaches höher lagen und in Kiew Chaos herrschte, mögen einige neu nachgedacht haben.
Aber das Wechseln der Nationalität ist nicht unbedingt leicht, wenn schon Bürgerkrieg herrscht und welche Nationalität hat man eigentlich, wenn man aus russisch-ukrainischen Ehen stammt?
30% der Bevölkerung in Lettland versteht sich als russisch. In Estland sind es 28%.
Paradoxerweise gibt es keine Beispiele von erfolgreichen separatistischen Bewegungen in der nördlichen Hemisphäre. Wann immer sich irgendwas ab- oder aufspaltete, wurde es später bitter bereut. Und dennoch wird Separatismus immer populärer. Angeheizt von rechten Medien von Fakenews wollen sich die Völker immer mehr voneinander abgrenzen und aus größeren Einheiten rauslösen. Solche Pläne entspringen fast immer einem gefährlichen Bauchgefühl und führen zu einer entsprechend heftigen Bauchlandung. Frau May erlebt das mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr bald, wenn es einen Brexit ohne Deal gibt.
Junge, Junge, war das eine blöde Entscheidung die EU zu verlassen!

Wie lange müssen wir noch beobachten wie sich Menschen mit ihrem Volksreinheitswahn ruinieren?
Und liebe Zentralregierungen, facht den Unsinn nicht auch noch unnützerweise an, indem ihr regionale Eigenheiten wegreguliert, indem ihr beispielsweise in der Türkei verbietet kurdisch zu sprechen.

Die Erfahrung zeigt, daß mannigfache kulturelle Einflüsse dem Wohl aller dienen, weil man weniger engstirnig denkt und das Beste aus vielen Welten adaptieren kann.

Ich halte es mit Peters Ustinov:
"Ich bin ethnisch sehr schmutzig und sehr stolz darauf."

Es ist nicht nur unsinnig, sondern falsch und sehr destruktiv, wenn konservative Politiker behaupten Kinder aus multinationalen Ehen müssten sich zu irgendwas entscheiden.

[…..] Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will eine doppelte Staatsbürgerschaft grundsätzlich nicht erlauben. Er sprach sich damit gegen Überlegungen in der SPD aus, den Doppelpass dauerhaft zuzulassen. […..] Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach ging noch einen Schritt weiter: "Wir wollen zurück zum alten Staatsangehörigkeitsrecht von vor 1999, weil es eben keine doppelte Loyalitäten bei der Staatsangehörigkeit geben kann", sagte er. […..]

Was für ein unglaublicher Schwachsinn, den Bosbach da von sich gab!


Ich fühle keine Loyalität zu einer Nation, wüßte auch nicht wozu das gut sein sollte oder wer mich dazu zwingen könnte.


(…) Loyalität ist positiv konnotiert und damit klingt auch die Forderung danach gut.
Eine praktische oder rechtliche Bedeutung gibt es dafür aber nicht.

Was soll Loyalität zu Deutschland eigentlich sein?

Muß ich ein Gauck-Portrait über meinem Bett aufhängen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich immer der deutschen Fußballnationalmannschaft die Daumen drücken?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich jeden Tag Sauerkraut und Eisbein essen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich Gartenzwerge auf meinen Balkon stellen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich schwarzrotgüldene Wimpel an mein Auto kleben?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich die Nationalhymne singen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich die Regierungspartei mögen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich kurze Hosen mit Treckingsandalen tragen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich Schlagermusik hören und Musikantenstadl gucken?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich Deutschland lieben?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich mir das 1000-Jährige Reich zurückwünschen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich meine Kinder Peter und Ursula nennen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich einen Schäferhund haben?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich schlechten Geschmack haben?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich zur Lorelei pilgern?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich VW Golf fahren?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich „Leitkultur“ leben?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

So wie man eine deutsche Staatsbürgerschaft nicht entzieht, wenn ein Deutscher dauernd Koreanisch isst, nur spanische Musik hört oder englische Bücher liest, wird sie auch nicht als Gnadenakt gewährt, wenn man sich loyal zu CDU, Kirche und Merkel verhält.

Die deutsche Staatsbürgerschaft steht jedem zu, der hier geboren wurde, oder aber eine bestimmte Zeit hier lebt. Ob er/sie/es durch familiäre Verstrickungen noch einen weiteren Pass in der Schublade hat, ist irrelevant.


Nationale Identitäten und nationale Loyalitäten sollten überwunden werden wie Religion. Sie sind schädlich.
Die Zukunft ist polyvölkisch und darauf können wir dann stolz sein.

Sonntag, 16. September 2018

Wie der Herr, so sein Gescherr


Einiges können die Deutschen wirklich gut. Das steht ja außer Frage. Es gibt eine Menge mittelständischer und kleiner Betriebe, die tatsächlich weltweit führend in der Herstellung von Irgendetwas sind.
Rumfummeln, tüfteln und innovative Geräte/Maschinen herstellen ist etwas, das man durchaus mit Deutschland assoziiert.
Andere Dinge können Deutsche dafür gar nicht.
Sie haben keinen natürlichen Modegeschmack. Niemals werden sie mit so einer natürlichen Eleganz wie Franzosen, Italiener oder Spanier durch die Straßen gehen.
Popmusik ist ebenfalls sehr schlimm zwischen Bodensee und Flensburg. Auf nationaler Ebene gibt es zwar Superstars, aber die schaffen es fast nie über die Grenzen. Ganz im Gegensatz zu Briten, Skandinaviern und Amerikanern, die kontinuierlich Welt-Talente hervorbringen.
A propos Amerikaner. Die können TV, Serie und Kino. Haben geniale Showrunner, Late-Night-Talker, politische Comedians und Autoren.
All das sucht man vergeblich in Deutschland. International erfolgreiche Dramaserien gibt es nicht, weil hier geglaubt wird, die Serien-Azubis aus den täglichen RTL-Trash-Serien wären Stars und gute Autoren brauche man gar nicht.
Deutsche müssen aber auch nicht alles können. Wozu auch; das wäre ja absurd in der globalisierten Welt, wenn man nicht auf das Knowhow und die Fähigkeiten derer, die es viel besser können, zugriffe.
Es gibt zum Beispiel keinen deutschen Energiekonzern, der in der Lage wäre Off-Shore-Windräder aufzustellen. RWE hat mal vor Jahren testweise zwei Errichterschiffe in Pusan bauen lassen, weigerte sich aber Rat von erfahrenen Ingenieuren anzunehmen und beauftragte einen Reeder mit dem Betrieb, der bisher nur Containerschiffe charterte.
Dilettantismus und Provinzialismus potenzierten sich so wunderbar, daß beide Schiffe nach zwei Jahren Hals über Kopf an eine chinesische Reederei verkauft wurden. Nun macht RWE eben wieder in Braunkohle, rodet den Hambacher Forst. Die modernen Technologien wurden aufgegeben. Hocheffektive Windräder auf hoher See errichten nun Briten und Dänen. Was soll’s? In Deutschland kann auch niemand ein Mobiltelefon herstellen oder ein Groß-Bauprojekt planen. Also lieber gleich das nächste mal in China anrufen, wenn Elbphilharmonie, BER oder Stuttgart21 geplant werden.
Traditionell ausgelacht werden auch die westdeutschen Schlapphüte.
Das sind immer die Deppen, die auffällig irgendwo rumsitzen und darauf hoffen Tipps von richtigen Geheimdiensten zu bekommen.
Bis heute hängt Merkel am Rockzipfel der CIA und NSA, weil die Jungs in Pullach ohnehin nichts mitbekommen und hocheffektiven Diensten wie KGB und Mossad hoffnungslos unterlegen sind.
Ein Treppenwitz der deutschen „Wiedervereinigung“, daß von zwei Spionagediensten, deren Spione das gleiche taten, diejenigen, die richtig gut waren alle in den Knast geschickt wurden – nämlich Micha Wolfs Leute – und die Blödmänner vom BND das Sagen haben.

Herr Maaßen passt so wunderbar ins Bild. Während andere Topgeheimdienstler so geheim sind, daß man oft selbst in Fachkreisen nicht das Geringste über sie weiß – Mossad-Chefs leben völlig verborgen – watschelt Trottel-Maaßen von selbst zum seriösen Geheimdienstfachblatt BILD und sprudelt dort über von halbausgegorenen Theorien, die nicht etwa andere Diensten schwächen, sondern direkt die eigene Regierung schwächen.


Eine inzwischen kaum noch zu überblickende Liste von Fehlleistungen.
Der Mann ist ein Fall für die Satire geworden.
Es ist durchaus möglich, daß der Starrsinn und die katastrophale Unfähigkeit des Inlandsgeheimdienstchefs die Regierung der viertgrößten Wirtschaftsmacht des Planeten stürzen lässt.
Nachdem Maaßen die AfD mit exklusiven Informationen versorgte, um sie zu schützen verlangen nicht nur Linke und Grüne seine Abberufung, sondern auch die FDP und nahezu die gesamte SPD.


Es gilt als sicher, daß Merkel ihn am liebsten auch sofort feuern würde, nachdem er ihr mehrfach in den Rücken fiel.
Sie kann es nur nicht, weil sie damit CSU-Chef Seehofer überginge und der Irre im Heimatministerium ohnehin kurz davor ist, die Koalition zu sprengen.

So muß Hans-Georg Maaßen, CDU-Mitglied seit 30 Jahren, also im Amt bleiben, weil sein Chef verrückt ist und Merkel zu ausgelaugt und lahm, um sich darüber hinwegzusetzen.

[…..]  Hans-Georg Maaßen hat sich mit seinen Äußerungen zum Kronzeugen jener gemacht, für die die Medien und die Bundesregierung Lügner sind. Da hilft kein zerknirschtes Zurückrudern und keine trotzige Behauptung, er habe nie von einer Fälschung gesprochen, sondern nur infrage gestellt, dass ein Video "authentisch eine Menschenjagd in Chemnitz belegt" […..]  Ausländerrecht war Maaßen immer ein Hardliner. Schon in seiner 1997 veröffentlichten Doktorarbeit zur "Rechtsstellung des Asylbewerbers im Völkerrecht" wird das klar. Die 457 Seiten bilden ein kompliziertes Thema ab. Doch es finden sich auch Sätze und Meinungen, die weit rechts zu verorten sind. Von "unkontrollierter Einwanderung" ist dort die Rede, von "sogenanntem Asyltourismus" und einer steigenden Ausländerkriminalität. "Das, was Asylrecht in Europa heute kennzeichnet, ist sein Missbrauch", schrieb der Doktorand.
Im Innenministerium erarbeitete sich Maaßen den Ruf, so schwarz zu sein, dass er selbst im Kohlenkeller noch einen Schatten werfe. Bei einem Vortrag der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung kritisierte er 1997 Bürger, die Flüchtlinge im Kirchenasyl betreuten. Er hielt es für möglich, Gemeindemitglieder wegen "Bildung einer kriminellen Vereinigung" zu verfolgen. […..] 
(Maik Baumgärtner, Jörg Diehl, Martin Knobbe, Fidelius Schmid, Wolf Wiedmann-Schmidt, DER VSPIEGEL, 14. September 2018)

Das passiert, wenn Seehofer, der völlig Überforderte, das größte Ministerium in der Geschichte der Bundesrepublik leitet.

[…..] Noch nie hat ein Innenminister einen derart desaströsen Start hingelegt. Seit sechs Monaten ist er nun im Amt, und in dieser Zeit hat er fast die Bundesregierung in die Luft gejagt, er scherzte in Momenten, wo er besser geschwiegen hätte, und schwieg, als es nötig gewesen wäre, etwas zu sagen. Zuletzt nannte er den braunen Mob auf den Straßen von Chemnitz "unschön", ganz so, als hätten die Männer nicht "Ausländer raus" gegrölt, sondern nur vergessen, ihre Bierdosen ordentlich zu entsorgen. […..] Die Koalition zwischen Union und SPD leidet an vielem, am Siechtum der Sozialdemokratie, an der Apathie der späten Merkel, aber niemand verkörpert die Krise dieser Regierung so wie Seehofer, der erkennbar eine Fehlbesetzung für das Innenministerium ist. […..]  Seehofer wirkt wie ein Feuerwehrmann, der Brände mit Benzin löscht, immer, wenn er anrückt, schlagen die Flammen noch höher. […..]
(DER SPIEGEL Nr 38, 15.09.2018, s.13 f.)

So ist das eben in der Komikernation Deutschland mit der lahmen Ente Merkel als Regierungschefin.
 Wir sind zum allgemeinen Auslachen freigegeben.
Der Wähler wollte es ja so.


Samstag, 15. September 2018

Vom Fluch des Erfolgs


Das war schon aufregend und großartig für die Generation, die als Kinder und Jugendliche in der Nazi-Zeit aufwuchsen und dann als junge Erwachsene in den 1950ern erstmals die ganz großen Freiheiten erlebten.
In Deutschland selbst war es vermutlich nicht so toll jugendlich zu sein, sofern man nicht genügend spießig und angepasst war. Frauenrechte und individuelle Freiheiten waren noch nicht erfunden. Die konservative CDU-Herrschaft unterdrückte Individualität, sperrt Schwule ein, erlaubte Frauen nicht für sich selbst zu entscheiden und wer unehelich geboren wurde, verschwand gleich in einem christlichen Folterlager.
Auch mit dem persönlichen Luxus war es nicht weit her.
Lebensmittel waren teuer, es gab nur saisonales Gemüse und Früchte. Kaum einer besaß Fernseher oder Telefon. Bis zur Erfindung von Computern, Internet und Klugtelefonen sollte es noch Jahrzehnte dauern.
Aber Deutschland war nicht abgeriegelt. Endlich konnte man erforschen was außerhalb Deutschlands geschah.
Große Intellektuelle wie Helmut Schmidt und Marion Dönhoff, die das „dritte Reich“ als Erwachsene unternahmen nach 1945 ausgedehnte Reisen. Der aus kleinen Verhältnissen stammende Schmidt hielt sich 1950 in Minnesota auf, lernte dort fließend Englisch. Für Gräfin Dönhoff war die Welt schon seit Generationen ihr Zuhause und so verbrachte sie lange Zeit erst einmal in Afrika.

Aber auch meine Elterngeneration, die sich die damals horrenden Preise für Flugreisen nicht leisten konnte, ließ sich etwas einfallen.
Opa war mit seinen Kindern in einem VW-Käfer bereits Monate in Frankreich, Spanien und Portugal herumgefahren. Als meine Mutter alt genug war, erkundete sie in demselben Auto den Südosten.

(….) Ja, es stimmt, die 50er und 60er Jahren in Deutschland waren ungeheuer spießig. Es existiert eine anonyme Anzeige, die von der Polizei an meinen Opa weitergeleitet wurde, in der sich ein Kunde beklagte, daß das Frl. (meine Mutter) ein Rock trug, der nicht über die Knie reichte. Ihr Vater möge sie zur Raison bringen.
Es waren aber nicht alle Teens und Twens der Zeit Spießer. Im Gegenteil, es gab vielfach Eskapismus.

Meine Mutter guckte sich mit so gut wie keinem Geld in der Tasche die umliegenden europäischen Länder an, um dann Anfang 1961 mit einer Schulfreundin mit besagtem Käfer die Autoput hinunter zu fahren.
Ausführlich bereiste sie Jugoslawien, die Türkei, Anatolien, Syrien, den Libanon, Jordanien, Israel und Ägypten.

Mein Opa! Daß Töchter studieren oder gar ein Geschäft führen könnten, kam ihm zwar nicht in den Sinn, aber andererseits war er doch so liberal auch seine Jüngste für fast ein Jahr im Nahen Osten zu verschwinden erlaubte. (….)

Es gab so viel zu entdecken, wo noch nie einfache Touristen gewesen waren, schon gar nicht allein reisende junge Frauen im Auto.

Wie unvergleichlich einfach und billig solche Reisen heute sind!
Deswegen werden sie ja auch von einer Million mal mehr Menschen unternommen. Beschwerlichkeiten gibt es nicht mehr. Man bucht pauschal, ist in wenigen Stunden da, lebt billig und komfortabel in All-inclusive-resorts, kollidiert nicht mehr mit anderen Währungen/Sprachen/Kulturen, bekommt zum Frühstück deutsche Brötchen und Schwarzbrot. BILD-Zeitung und RTL.
Die spanischen Küsten, die türkische Riviera haben einen gewaltigen ökonomischen Aufschwung hinter sich. 50 Jahre rasante Bautätigkeit haben alle Strände mit Betonburgen zugestellt.
Reisen boomte über Jahrzehnte kontinuierlich. Selbst Terrorismus hält den gemeinen Teutonen nicht davon ab, seine Wampe möglichst zweimal im Jahr in die Sonne eines südeuropäischen Billigresorts zu halten.
Kostet ja fast nichts und man hat üblicherweise sechs Wochen Urlaub im Jahr.

Wer aber reisen möchte, um etwas zu entdecken, hat Pech gehabt. Alle europäischen Länder sind zu Tode erschlossen. Überall wimmelt es von Touristen und professioneller Tourismus-Industrie.
Man muss schon sehr weit fliegen und lange recherchieren, um etwas weniger überfüllte Ecken der Welt zu finden. Aber eigentlich verbietet sich das auch, weil man durch das Bereisen von Geheimtipps auch diese letzten Refugien zerstört.
Davon mal abgesehen sind Fliegen und Autofahren unter dem klimatisch-ökologischen Aspekt ohnehin nicht mehr zu rechtfertigen.
Also besser zu Hause bleiben. Oder in den Zug steigen und halbwegs in der Nähe bleiben. Holland. Ostsee. Oder Sachsen vielleicht. Da dürfte es zunehmend leerer werden.
Der Ferntourismus ist eine derartige Erfolgsgeschichte, daß Reisen heute zur Klimapest und Massenveranstaltung geworden ist.
Da ist es nur folgerichtig, daß sich der degenerierte Teutone heutzutage mit Vorliebe auf 100% künstliche Kreuzfahrtschiffe begibt, um auf 250 m Länge zusammengepfercht mit 6000 anderen dicken Deutschen professionell bespaßt zu werden und sich durch die All-You-Can-Eat-Angebote zu fressen, während die Schiffs-Dieselaggregate so viel Abgase wie eine 300.000-Einwohnerstadt produzieren.

Ich sehe nur zwei Vorteile an der Massen-Kreuzfahrererei: Die Menschenmassen bleiben den herkömmlichen Touristenzielen erspart und die Lebensmüden können dezent den Küblböck machen.

Anderes Beispiel: Das coole, kaputte, kreative Berlin der 1970er und 1980er Jahre.
Diese nicht lebensfähige Insel am Tropf Westdeutschlands mit den Zweite-Klasse-Abgeordneten ohne Stimmrecht im Bundestag war ein zerfallendes Kuriosum.
Als ich begann Berlin zu bereisen staunte ich über den mangelnden Komfort. Die Freunde in meinem Alter, die dorthin gezogen waren, um sich dem Wehrdienst zu entziehen, lebten zum großen Teil in Wohnungen ohne Badezimmer und mit Kohleöfen. Ich konnte es nicht fassen wie die Luft der Stadt in den eiskalten Winternächten der frühen 1980er roch, wenn eine Millionen Kohleöfen in Gang waren und von drüben die typischen Zweitackter-Trabbi-Abgase rüberschwappten. Wohnen ohne Badezimmer? Das kannte ich aus Hamburg gar nicht.
Ob dieser heruntergerockten Zustände war allerdings alles unglaublich billig.
Das Wohnen, das Saufen, das Bahnfahren.
Ausschlafen, irgendwo günstig frühstücken, die Einschußlöcher an der gegenüberliegenden Häuserfassade angucken und in den Tag reingammeln war allerdings auch eine angemessene Tagesbeschäftigung, da nachts so ungeheuer viel los war in Berlin.
Und nach wenigen Aufenthalten in der Frontstadt hatte man auch Kontakt zu einer dieser typischen Riesen-WGs aus ehemaligen Architekturstudenten in einem besetzten Haus hergestellt. Die bauten sich gerne große Badezimmer aus. Logisch, denn das war Mangelware.
Ich kannte damals ein paar Typen in einem riesigen 5-Stöckigen Altbau in der Silbersteinstraße. Vorderhaus und Hinterhaus. Komplett besetzt. Wenn ich mich recht erinnere gab es mindestens drei funktionierende Badezimmer mit richtig tollen Duschen, die heißes Wasser mit viel Wasserdruck lieferten.
OK, für mich als spießigen Hanseaten war es etwas eigenartig, daß das große schwarz geflieste Bad im EG des Vorderhauses ein Durchgangszimmer zur großen Gemeinschaftsküche war und das Klo auf einem kleinen Podest mitten im Raum stand. Man wollte eben die bisherigen Strukturen aufbrechen und coram publico kacken.
Ich glaube, das letzte Mal wohnte ich Ende 1989 dort, als die ganze Stadt klickerte, weil vier Millionen Mauerspechte ihre Andenken aus dem antifaschistischen Schutzwall hämmerten. Plötzlich brach die Welt in die Exklave hinein und die stinkigen Trabbis kamen einem unangenehm nah.
Das arme, sexy Berlin existierte noch weiter. Das merkten erst die osteuropäischen Auswanderer (Wladimir Kaminer), dann die Amis, die ab 2000 vor GWB flüchteten und feststellten, daß man als Künstler in Berlin ein Atelier für ein Hundertstel der Miete in New York bekam und außerdem Nippel und Penisse malen durfte, ohne zensiert zu werden.
Man durfte ich in Parks nackt machen und im Fernsehen „Fuck“ sagen, ohne überbeept zu werden.
Auch Israelische Auswanderer kamen, denen Paris und London zu teuer geworden waren.
So arm ist Berlin jetzt nicht mehr. Der Senat geriert Haushaltsüberschüsse, saniert und modernisiert. Es geht wirtschaftlich rasant aufwärts. Startups und immer mehr Touristen fluten die Stadt.
Leider ist Berlin auch nicht mehr sexy. Alle Fassaden sind verputzt und der ganze große Standortvorteil, die billigen Mieten durch den massenhaften Leerstand, ist Geschichte. Die Wohnungspreise sind so rasant angestiegen, daß sie fast schon Hamburger Niveau erreichen. Vorbei die Zeiten als ich meine Berliner Freunde herzlich auslachte, wenn sie mir ihre Nettokaltmiete nannten.
Berlin erreicht mit 35.000 EURO Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner nur die Hälfte des Hamburger BIP/Einwohner von 65.000 EURO im Jahr
Umso schlimmer, wenn die Berliner Durchschnittsmieten aus dem Bestand um neun Euro/qm liegen. In Hamburg sind es mit gut 11 Euro/qm nur rund zwei Euro mehr – bei doppelter Kaufkraft.
Vorbei die Zeiten, als zwei Studenten mit lausigen Nebenjobs ausgebreitet auf 120 qm in Neukölln lebten.
Auch Berlin ist Opfer seines Erfolges.

In Hamburg stehen wir vor ähnlichen Problemen – auf einer höheren Ebene.
Die hervorragende Wirtschaftspolitik des SPD-Senats führte zu einem derartigen Boom, daß trotz nie dagewesener Bautätigkeit enormer Wohnungsmangel entstanden ist.
Wir haben nahezu Vollbeschäftigung und sind das am stärksten wachsende Bundesland Deutschlands.

[….] Hamburg wächst und wächst. Die Hansestadt hat 2017 im Verhältnis zur Einwohnerzahl die größte Bevölkerungszunahme aller 16 Bundesländer verzeichnet. Mehr als 20.600 Einwohner kamen binnen eines Jahres dazu, das entspricht einem Plus in Höhe von 1,1 Prozent [….] Bundesweit stieg die Einwohnerzahl nur um 0,3 Prozent – auf insgesamt 82,8 Millionen. [….]
(Abendblatt, 15.09.18)

Alle kommen nach Hamburg, weil hier Arbeitskräfte gesucht werden und gut bezahlt wird. Die Stadt platzt aus alle Nähten, es wird nah- und nachverdichtet.
Kaum ein freies Plätzchen, auf dem nicht Häuser hochgezogen werden. Gentrifizierung extrem. Kaum einer erinnert sich noch daran, daß klassische Arbeiterstadtteile wie Barmbek noch vor 15 Jahren „bähbäh“ waren.
Schluss mit der Ruhe.

Freitag, 14. September 2018

Kreativität Null, Tatkraft Null


Merkels Sommerurlaub scheint diesmal wirklich lange anzudauern.
Ist sie eigentlich zwischendurch schon mal wieder in Deutschland angekommen?
Man weiß es nicht so genau.
Ich habe da zwar irgendwas Merkel-artiges in der Bundestagsgeneraldebatte gesehen und es wurde anschließend auch über sie geschrieben.
Dazu muss ich aber noch mal nachsehen, weil ich mich schon wieder an nichts erinnern kann.

Es ist ja nicht so, daß nichts los wäre in der Welt und in Deutschland. Syrien, Türkei, Chemnitz, Köthen, gravierende Altersarmut, Niedriglöhne, massenhafter Unterrichtsausfall durch 50.000 fehlende Lehrer, antisemitische Übergriffe in Berlin und Ostdeutschland, bundesweite Wohnungsnot.
Erosion der einstigen Volksparteien, Schulterschluss von AfD, NPD und Pegida, hitzige Auseinandersetzungen über die deutsche Energiepolitik, Dieseldrama.
Aber zu all den Themen sind keine Debattenbeiträge Merkels in Erinnerung.
In der ersten Wochenshow nach der Sommerpause konnte Oliver Welke nur ganz müde fragen „wer regiert denn eigentlich seit 13 Jahren ununterbrochen?“, als es um Volker Kauders Bildungsnotstands-Klage ging.
Wieso wollte Merkel bloß noch mal Kanzlerin werden?
Offensichtlich ist es wirklich so einfach wie meine Mutter schon sagte – „Merkel mag einfach gern Kanzlerin sein; mehr steckt nicht dahinter!“.
Undenkbar, daß ein Gerd Schröder oder Helmut Schmidt so planlos plätschernd durch ihre Legislatur latschen würden.
Merkel vermeidet nicht nur Position zu beziehen, sie lähmt auch ihr gesamtes Kabinett, unterdrückt jeden Fortschritt.

Was war also vorgestern los im Bundestag bei der Generalaussprache?

[…..] Tagesschau.de: "Die sinkenden Umfragewerte für CDU, CSU und SPD sollten den Parteien eine Warnung sein. […..]  es ist auch Verdruss darüber, dass vieles in diesem Land zu lange dauert oder nicht gut gemanagt wird. Wie sagte die Kanzlerin heute am Ende ihrer Rede: 'Ja, wir wissen, dass es noch viele Mängel gibt, aber wir stellen uns den Herausforderungen, und wir kommen Schritt für Schritt voran.' Ambitionsloser kann man Regierungspolitik in der größten Volkswirtschaft der EU kaum ausdrücken."

[…..] "General-Anzeiger": "Der Debatte fehlte indes der Impuls, wie Deutschland seinen Wohlstand für die nächsten Jahrzehnte sichern kann. Zu viel Nabelschau, zu wenig Konzeptionelles. […..]

"Badische Neueste Nachrichten": Die Generaldebatte legt trotz, oder gerade wegen ihrer Rituale und Gesetzmäßigkeiten offen, wie dünn das Eis ist, auf dem diese Regierung derzeit agiert. Die Methode Merkel stößt offensichtlich an ihre Grenzen, der Druck von innen wie von außen nimmt zu. Geht das noch lange gut? […..]

Wenn es nur nicht so abgedroschen wäre, aber wir werden wirklich unter Wert regiert. Aber was soll man erwarten von einem bräsigen Volk, welches genau nach seinem minderen Wert wählt?


Die Idioten, die nun frustriert zur AfD wechseln, weil sie glauben lahme CDUSPDCSU-Politik rechtfertige Menschenhatz, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie verstehen gar nicht, daß sie damit nur den politischen Merkel-Stillstand zementieren.


Wenn nämlich weder linkes Lager (SPD, Linke, Grüne), noch rechtes Lager (CDU, FDP, CSU) stabile Mehrheiten generieren können, müssen sie notgedrungen und widerwillig in Stillstandskoalitionen gehen.

Merkel hat sich nicht trickreich mit Russenbots ins Kanzleramt gemogelt, sondern sie ist Ausdruck der Wahlergebnisse. Genau so erzwingt es nämlich die Majorität der abgegebenen Stimmen.

Abendfüllend kann ich jeden Tag in den sozialen Netzen nachlesen, wie blöd unsere Politiker sind, wie sehr Nahles, Merkel und Lindner verabscheut werden.
Aber diese Typen fallen nicht vom Himmel, sondern sind direkt oder indirekt vom Volk ins Parlament geschickt worden. Wer nicht wählt, oder seine Stimme in den braunen AfD-Mülleimer wirft, erzwingt am Ende rundgelutschte Risikoscheue wie sie jetzt dominieren.

[…..] Deutschland, ein Jahr nach der Wahl: ein Verfassungsschützer außer Rand und Band, ein Innenminister, der die eigene Regierung bekämpft und eine Kanzlerin, die alles mit sich machen lässt. Während sich im Land die rechte Gefahr ausbreitet, feiert die Regierung in Berlin Chaostage.
Rechte Horden ziehen durch deutsche Städte, ermuntert von einem Innenminister, der endgültig zum Irrlicht geworden ist, und einem Verfassungsschützer, vor dem man die Verfassung schützen muss. Der Kanzlerin entgleitet ihre Macht.
[…..] Horst Seehofer und Hans-Georg Maaßen sind Meuterer und Angela Merkel ist eine lahme Ente am Steuerrad. Vor versammelter Mannschaft fallen die beiden Männer ihrer Kanzlerin in den Rücken - und sie sieht zu. […..] Angela Merkel hat die Möglichkeit, Maaßen und seinen Dienstherrn Seehofer dahin zu versetzen, wo beide hingehören: in den Ruhestand. Aber die Kraft hat sie nicht mehr. […..]

Ich bin ein großer Freund offener Worte und wünsche mir lebendige meinungsstarke Diskussion.
Wenn es allerdings um die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Erde mit 82 Millionen Einwohnern geht, kann man nicht 13 Jahre alles dahinplätschern lassen.
Mal einen Bildungsgipfel einberufen, mal alles kurz ansprechen und dann aber auch alles wieder vergessen, wenn sich doch nichts tut.
Die am Boden liegende Hamburger SPD aus der ersten Dekade des 3. Jahrtausends rang sich einst dazu durch nach einem Vollprofi zu suchen.
Olaf Scholz riss dann alles an sich – Parteivorsitz, Spitzenkandidatur, Regierungschef und pflegte während seiner sieben Jahre an der Elbe immer wieder zu sagen „Wer bei mir Führung bestellt, bekommt sie auch!“.
Führung. Das klingt zunächst einmal maximal unsympathisch in linken Ohren.
Aber machen wir uns nichts vor; unter gewissen Umständen und in gewissen Größenordnungen ist Führung absolut notwendig.
Insbesondere wenn man verhindern möchte, daß sich eines Tages aus dem Chaos der Führungslosigkeit ein „Führer“ à la Höcke erhebt.
Autokratien sind weltweit auf dem Vormarsch, überall erheben Möchtegern-Führer ihr braunes Haupt aus dem Sumpf. Warschau, Washington, Budapest, Moskau. Deutsche Wähler mögen keine Reformen und wählen wie die verängstigen Kinder, die sich bereits eingenässt haben, das was sie schon kennen, diejenige, die sie vor Veränderungen bewahrt.
Aber wenn es dann nur noch Stillstand gibt, kann sich offenbar in 12 Jahren so viel Führungssehnsucht ansammeln, daß man statt Führung gleich einen Führer bestellt.

 […..]  Nur der Beitrag der Kanzlerin war öde. Ihr fehlen die Richtlinien, die sie angesichts der derzeitigen Lage dringend bräuchte.
 […..]  Angela Merkel war fast so wie immer; sie ist nicht schlechter geworden. Aber das genügt nicht mehr, weil die Zeiten andere geworden sind. Nach Chemnitz, nach der Verbrüderung von Neonazis und AfD und in einer Zeit, in der die Verunsicherung der Gesellschaft mit Händen zu greifen ist, ist es nötig, die Demokratie und den Rechtsstaat mit Leidenschaft und Klarheit, mit verlockenden oder auch schmerzhaften Perspektiven zu verteidigen.
Das tut Merkel nicht,  […..]  Das Land leidet an ihrer Leidenschaftslosigkeit; diese liegt wie eine Grundschuld auf der großen Koalition.  […..]   Deswegen glänzt in der Regierung Merkel IV selbst dort nichts, wo es funkeln könnte - etwa bei der Arbeit der Minister Hubertus Heil und Franziska Giffey. Das heißt: Diese Regierung verkauft sich unter Wert und unterhalb der Möglichkeiten ihres Koalitionsvertrags.
Es fehlt in der Koalition Merkel/Scholz nicht nur die Leidenschaft; es fehlt an Führung. Führung, so sagte es einmal Rainer Barzel, ein Vorgänger von Merkel im Amt des CDU-Chefs, ist durch nichts zu ersetzen. […..] Es gehörte zum Bemerkenswerten der Bundestagsdebatte, dass man sich die Kanzlerin wegdenken konnte, ohne dass sich etwas am Gesamteindruck geändert hätte. […..]