Samstag, 7. November 2020

Highest vote total in the American history

Die Jubelgesänge auf den Straßen von Atlanta, Philadelphia, New York sind laut. In Washington DC sind sie so laut, daß sie deutlich im Weißen Haus zu hören sind.

Da sich Donald Trump wie erwartet im realitätsverweigernden Pöbel-Modus befindet und so bestialisch rassistisch tweeted, daß sich die TV-Sender weigern den Dreck vorzulesen, griffen seine Staffer zu dem einzigen Mittel, mit dem man den orangen Wüterich beruhigen kann: Sie schickten ihn golfen.

Und so tuckert #45 in einem golf cart auf seinem privaten Platz in Virginia umher, während seine Macht zerbröselt.

Daß sich Trump in der verbleibenden Amtszeit bis zum 20.01.2021 auf die dringenden Aufgaben der US-Regierung konzentriert, gilt als ausgeschlossen. Er wird keine bemerkenswerte concession-speech für die Geschichtsbücher wie John McCain 2008 halten, sondern stoisch weiter Lügen über seinen angeblichen Sieg verbreiten.

Corona gerät völlig außer Kontrolle in den USA; den vierten Tag in Folge gab es heute Rekord-Neuinfektionszahlen von weit über 120.000 Fällen.

Der egomane Demagoge ist nach wie vor absolut unfähig die Pandemie zu verstehen und wird die Lage weiter verschlimmern – genau wie in so vielen anderen Politikbereichen auch.

Es geht nur um ihn, seine Gefühle und seine Befindlichkeiten.

Die Kombination aus psychopathischen Charakter und überbordenden Borniertheit verhindert es nachdrücklich, daß Trump seine Niederlage anerkennt, conceded, Biden anruft und zu seinem Sieg gratuliert, zum traditionellen Besuch des Nachfolgers im Weißen Haus einlädt.

Reporter berichten, es gab in der Geschichte Washington noch nie solche riesigen Jubelszenen. Trump ist der „mad king“, den seine Berater nun verzweifelt von dem Oval Office fernhalten, damit er nicht völlig ausflippt.

Die mächtigen Republikaner schweigen alle, weil sie immer noch den Zorn Trumps fürchten und wissen welche Zerstörungskraft er als pseudoreligiöser cult-leader durch die ihm sklavisch folgenden 70 Millionen Anhänger entfachen kann.

Aber sie springen ihm auch nicht mehr öffentlich bei, während er behauptet es handele sich um Wahlbetrug. Die GOP-Senatoren und GOP-Gouverneure sind zwar allesamt völlig amoralisch, aber in der Regel noch nicht ganz so realitätsblind wie Trump. Sie können auch keinen Wahlbetrug erkennen, wissen um Bidens letztendlich klaren Sieg, den auch Trumps Zentralorgan FOX unmissverständlich meldet.

Die Republikaner in beiden Kammern des Kongresses haben sich einen Sieg Trumps gewünscht, weil sie mit Trump ihre radikalen Minderheitenprojekte durchsetzen können: Gegen gay marriage, gegen Obamacare, totale Steuerbefreiung für die Supereichen, Unterdrückung von farbigen Amerikaner, Hass auf Einwanderer, Klimawandel-Leugnung, Umweltzerstörung, Waffen für alle, Drogenkriminalisierung, Wissenschaftsfeindlichkeit.

Trump war ihr Mehrheitslieferant, mit dem sie hunderte extrem konservative Bundesrichter und drei ultraradikale Supremecourt-Richter auf Lebenszeit einsetzen konnten.

Aber gleichzeitig litten sie auch unter Trumps öffentlich zelebrierter Doofheit.

Vier Jahre lang mussten die GOP-Kongressabgeordneten vor Reportern flüchten, die sie auf den Fluren nach ihrer Meinung zu den neuesten Tweets des Präsidenten fragten.

Es war lästig und peinlich vier Jahre lang in jedes Mikrofon zu lügen, ‚nein, den Tweet des Präsidenten habe ich noch nicht gelesen‘ und stoisch zu behaupten die eindeutigen Aussagen des orange geschminkten Rassisten wären ganz anders gemeint gewesen.

Ohnehin liegt den Republikanern die Obstruktion habituell viel mehr als die Konstruktion.

Von 2010 bis 2016 wüteten sie in jede Kamera „Obama Care“ (Patient Protection and Affordable Care Act) müsse sofort abgeschafft werden.

„Repeal and replace Obama Care“ war einer der zentralen Schlachtrufe der Republikaner im 2016ner Wahlkampf. Das verhasste Obama-Gesetz sofort abzuschaffen und durch etwas Besseres zu ersetzen werde man in wenigen Wochen, behauptete Trumps Partei seit dem November 2016.

Nun sind vier Jahre um und ihnen ist immer noch nichts eingefallen, wie man Obama Care ersetzen könnte – und das nachdem sie in den ersten zwei Jahren große Mehrheiten in beiden Kongresskammern hatten.

„Nobody knew heath care is that complicated” – D.J. Trump.

Peinlich, wenn einem vier Jahre lang nichts einfällt.

Mitch McConnell, Lindsey Graham sind viel besser davon gekommen, als sie befürchten mussten. Beide gewannen ihre Senatsrennen deutlich. Die Republikaner behalten vermutlich die Mehrheit im Senat und sie konnten entgegen aller Umfragen und Erwartungen auch Sitze im House dazu gewinnen.

Ohne McConnell geht also auch weiterhin nichts in der Politik.

Aber nun kann er das tun, was er am liebsten tut – alles blockieren, das Demokraten wollen und das dem Land helfen könnte – ohne daß jemand fragt, was seine Partei denn stattdessen möchte.

Zukünftig kann er mit dem Finger auf das Weiße Haus zeigen und Joe Biden die Schuld zuschieben.

Es wird recht bequem für den Mann, der wie kein anderer gegenwärtiger Senator seinen politischen Einfluss dazu benutzte selbst steinreich zu werden.

Freitag, 6. November 2020

US-Präsident Joe Biden

So ist der Stand der Dinge heute: In 44 von 50 US-Staaten steht das Ergebnis der Präsidentschaftswahl 2020 fest.

Demnach führt Joe Biden mit 253 zu 213 Wahlmännern.

Insgesamt gibt es 538 Wahlmänner, also reichen 270 für den Sieg.

Nachdem ich heute den vierten Tag an der „Magic Wall“ klebe und schon das Gefühl habe mit John King und Phil Mattingly, den beiden Zahlen-Gurus, die sich an der CNN-Wand abwechseln, verheiratet zu sein, kann ich die verbleibenden sechs Staaten, den Auszählungsstand und die Wahlmänner, um die es dabei geht, im Schlaf aufsagen und muss nicht mehr nachsehen.


1.) Alaska, 3 Wahlmänner, Trump uneinholbar vorn.

2.) North Carolina, 12 Wahlmänner, Trump 1,4 Punkte vorn, 95% der Stimmen ausgezählt, kaum Chancen für Biden das noch aufzuholen.

3.) Nevada, 6 Wahlmänner, Biden 1,6% vorn, 92% ausgezählt, die noch nicht gezählten Stimmen stammen aus Biden-Hochburgen.

4.) Arizona, 11 Wahlmänner, Biden 1,3 Punkte vorn, 93% ausgezählt, die noch nicht gezählten Stimmen stammen aus Biden-Hochburgen.

5.) Georgia, 16 Wahlmänner, de facto Gleichstand, aber Joe Biden liegt 4.000 Stimmen vorn, 99% ausgezählt, die noch nicht gezählten Stimmen stammen aus Biden-Hochburgen.

6.) Pennsylvania, 20 Wahlmänner, Biden 0,2 Punkte vorn, 96% ausgezählt, die noch nicht gezählten Stimmen stammen aus Biden-Hochburgen.

Auch wenn ich heimlich abergläubisch bin und nicht das Fell des Bären verteilen will bevor er erlegt ist, schließe ich mich nun der drittmächtigsten US-Amerikanerin Nancy Pelosi an, die Biden bereits „President elect“ nennt.

Der amtierende Präsident hat de facto keine Möglichkeit mehr 270 Wählmänner zusammen zu bekommen. In den letzten 100 Jahren funktionierten US-Wahlen so, daß der Unterlegene den Sieger anruft, um ihm zu gratulieren, seine Niederlage einräumt und der Gewinner anschließend an die Presse tritt.

Natürlich ist Trump kein normaler Mensch, sondern zutiefst bösartig und leidet an mindestens drei schweren Persönlichkeitsstörungen gleichzeitig.

Er wird Biden nicht anrufen, um ihm zum Sieg gratulieren und er wird sicherlich auch nicht wie alle vorherigen US-Präsidenten in den zweieinhalb Monaten zwischen Wahl und Amtsübergabe fair mit dem Nachfolger zusammenarbeiten.

Soweit bekannt ist, weigert sich Donald Trump im Weißen Haus zeternd hartnäckig die Realität anzuerkennen. Die letzten verbliebenen Präsidentenberater, die über Rudimente von Verstand verfügen, versuchen einen Ausweg aus dieser Realitätsverweigerung zu finden.

In den verschiedenen US-Newssendern; heute habe ich sogar mehrfach in den FOX News-Livestream geschaltet; werden schon psychologische Strategien erörtert wie man mit diesem jähzornigen egomanen Dreijährigen umgehen könnte.

Die Methode mit den meisten Aussichten auf Erfolg wäre wohl massives Honig-um-den-Bart-schmieren und extremes Arschkriechen:
„Mr. President, Sie haben so viel erreicht wie noch kein anderer US-Präsident! Sie haben mit 70 Millionen Wahlstimmen mehr als jeder andere Republikaner in der Geschichte der USA geholt. Wir sind Ihnen so dankbar, Sie sind der beste Kandidat dieser Partei aller Zeiten!“

Allerdings dringen auch die engen Berater nicht mehr zu ihm durch.

Trump findet sich in „extreme denial“ und redet ausschließlich mit seinen ebenso psychotischen Kindern und den wahnsinnigen Verschwörungstheoretiker Rudolph Giuliani.


Da Trump nach wie vor keinen blassen Schimmer von der US-Verfassung hat, glaubt er, das oberste Verfassungsgericht, der Supremecourt und der Justizminister/Generalstaatsanwalt Barr wären seine persönlichen Anwälte, die er nach Belieben für seine Zwecke einsetzen könne.

[……] Trump adviser said Giuliani and others in inner circle are enabling the president as he refuses to grasp the reality that the WH is slipping away.  "People are enabling him," adviser said, calling situation inside WH right now "chaos." [……]

(Jim Acosta, CNN, 6. Nov. 2020)

 Don Junior, dessen schweres Drogenproblem inzwischen für jeden offensichtlich ist, gibt sich unterdessen als Hobby-Goebbels. Er setzt im Minuten-Takt Tweets mit wüsten Verschwörungstheorien ab, ruft zum „totalen Krieg“ auf. 

Ja, Joe Biden wird US-Präsident.

Aber wie bringt man es der im Bunker der Neurosen tobenden Trump-Familie bei?

Donnerstag, 5. November 2020

Wer ist nun Schuld an dem US-Desaster?

Die dramatische Auszählerei zieht sich hin; wir wissen immer noch nicht, ob sich Trump im Amt halten kann.

Ein paar Gewissheiten gibt es aber schon.

Nach derzeitigem Auszählungsstand bekam Biden 72,5 Millionen Stimmen und damit fast vier Millionen Stimmen mehr als Trump.

Noch nie in der US-amerikanischen Geschichte bekam ein Kandidat in absoluten Zahlen mehr votes als Biden.

Da noch weitere 15 Millionen Stimmen ausgezählt werden müssen, wird der uralte Demokrat am Ende wohl fünf Millionen Stimmen mehr als Trump haben und könnte dennoch verlieren.

Wahlverlierer mit einem Fünf-Millionen-Stimmenvorsprung zu werden, ist ebenfalls all-time-record und stellt Hillary Clintons Rekord von 2019, als sie mit 2,9 Millionen Stimmen vor Trump lag und dennoch verlor, in den Schatten.

Wie verrottet und ungerecht das Wahlsystem ist, wird spätestens jetzt für jeden offensichtlich.

Reiche weißte Wähler auf dem Land haben ein viel stärkeres Stimmengewicht, als arme städtische People Of Color.

 

Da das System in so extremer Weise die Republikaner bevorzugt, erklärt sich damit auch automatisch, wieso es nicht geändert wird.

Dafür wird nämlich eine 2/3-Mehrheit in House und Senat, sowie eine 3/4-Mehrheit aller Bundesstaaten benötigt. Es geht also nur, wenn fast die Hälfte aller republikanischen Parlamentarier ebenfalls zustimmt und die würden niemals etwas zum Wohle des Landes machen, wenn es gegen ihre Parteiinteressen steht.

Vorstellbar ist allenfalls eine Übereinstimmung darüber, das „the winner takes it all“ bei den Wahlmännern pro Bundesstaat aufzuweichen.

Dafür wäre allerdings Voraussetzung, daß die Demokraten mehrfach eine republikanische Bank wie Texas knapp gewinnen, dadurch alle 38 texanischen Wahlmänner bekommen und erstmals die Republikaner erfahren wie unangenehm es ist, wenn fünf, sechs oder sieben Millionen republikanische Stimmen aus Texas unter den Tisch fallen, während anderswo nur wenige hundert Stimmen Vorsprung entscheiden.

Erst wenn die GOP selbst von dem System mehrfach so übel ausgelacht würde, wäre sie bereit den Gedanken zu ventilieren, die Wahlmänner womöglich doch verhältnismäßig zu verteilen.

Allerdings weiß jeder wie kaputt das System ist und jeder weiß was für ein verheerender Präsidenten-Simulator Donald Trump ist. Vier Jahre lang hatte er derartiges Unheil angerichtet, daß niemand mehr indolent bleiben durfte.

 

Alles andere als eine gewaltige Blue Wave, die trotz der Widrigkeiten des Wahlsystems Trump und seine elenden GOP-Senatoren hinwegfegt, ist aus europäischer Sicht nicht zu verstehen.

Die Demokraten werden aber offenbar noch nicht einmal den Senat zurück erobern. Graham und McConnell wurden sogar mit satten Mehrheiten wiedergewählt – unfassbar!

Auch wenn Biden am Ende die Nase vorn haben sollte bei den electoral votes und wenn außerdem der US-Präsident seinen Platz räumen sollte, bleibt die Erkenntnis des großen moralischen Versagens der USA.

WE ARE SCREWED, stellt liberal pundit David Pakman vollkommen zutreffend fest.

Woran hat es nun gelegen, daß es so knapp wurde, oder daß Trump womöglich sogar wiedergewählt wurde?

Ein nicht namentlich gekennzeichneter RND-Text, der unter anderem heute in der MoPo erschien, macht sich an die Ursachenforschung.

[….] Der 77-jährige Joe Biden war ein schwacher Kandidat, aus den sich die Partei erstaunlich schnell geschlossen eingelassen hat. Er ist nicht sehr entschieden in Fragen des Alltagsrassismus und der Klimapolitik aufgetreten, was ihm vermutlich viele junge Wählerinnen und Wähler nachgetragen haben. [….]

(Mopo, 05.11.2020)

Diese Deutung halte ich für großen Unsinn.

Ich war bekanntlich auch kein Biden-Fan, aber die Deutung ihn als die falsche Kandidatenwahl zu brandmarken unterstellt, es habe eine rationale Abwägung der Wahlinteressen der US-Bürger gegeben.

Das war nicht so!

Biden hat nicht abgeschreckt wie Hillary Clinton, sorgte für eine Rekord-Wahlbeteiligung und konnte ein Rekord-Stimmen-Ergebnis erzielen.

Seit 1980 war die Wahlbeteiligung nicht höher. In vielen Staaten lag sie bei für amerikanische Verhältnisse unglaublichen 60-70%-

In New York oder Kalifornien wählten weit weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten, aber dafür mache ich das Wahlsystem verantwortlich. In den Staaten stand ebenso wie in Kentucky, Kansas, Utah, Alabama oder South Carolina das Ergebnis lange vor der Wahl felsenfest.

Wozu also noch zur Wahl gehen, wenn man nicht gerade in einem Swingstate lebt.

Ich behaupte, der demokratische Kandidat war weitgehend irrelevant. Es ging um Trump und die 70 Millionen Anmerikaner, die völlig von der Realität entkoppelt sind, so daß sie seiner spirituellen Chefberaterin Paula White zuhören.

Jemand, der Trump für ehrlich und kompetent, für einen guten Christen, für den Auserwählten Gottes hält, hätte auch nicht für die Demokraten gestimmt, wenn Harris, Booker oder Warren angetreten wären.

Diese Leute sind verrückt.

Schuld sind die Medienkonzerne wie FOX und religiösen Rechten, die über die Jahre große Teile der amerikanischen Bevölkerung in die totale geistige Verblödung getrieben haben.

70 Millionen Wahnsinnige, die sklavisch an den Lippen ihres Kult-Führers hängen, der so wüst, kriminell, antidemokratisch und verschwörungstheoretisch twittert, daß der Tech-Gigant fast jeden Tweet des mächtigsten Mannes der Welt und Leader Of The Free World als Falschinformation kennzeichnen muss.

Weder Biden, noch Mandela oder Jesus könnten daran etwas ändern.

Mittwoch, 4. November 2020

Amerika hat den Charaktertest nicht bestanden

 

Was seit meinem letzten Eintrag geschah:
Durch Corona und die extrem konfrontative Stimmung in den USA stieg die Wahlbeteiligung generell an, während gleichzeitig der Anteil der Briefwahlstimmen und vorzeitig abgegebenen Stimmen überproportional anstieg.

Da Trump und die Republikaner seit Monaten massiv „voter supression“ betreiben, wurde die Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe eher von Biden-Anhängern genutzt.

Die 50 Bundesstaaten zählen die Stimmen in unterschiedlicher Reihenfolge. Einige beginnen mit den Briefwahl- und early-voting-Stimmen, so daß sich am Beginn der Auszählung ein klarer Biden-Vorsprung zeigte. Das war in North-Carolina, Georgia, Ohio und zum Beispiel auch Texas der Fall. Alle vier Staaten hatte Trump 2016 gewonnen, aber nun sah anfangs es aus, als ob Biden sie holen könnte. North Carolina und Ohio hätten schon ausgereicht, um Biden ins Weiße Haus einziehen zu lassen.

Große Freude also bei den Demokraten; da fiel die Enttäuschung über das überraschend klar an Trump gehende Florida gar nicht mehr auf.

Sollte Biden etwa zu dem erwarteten und erhofften Durchmarsch kommen?

Bei fortschreitender Auszählung holte aber Trump auf und ging in allen vier genannten Staaten in Führung. Es wurde schlimmer.

Trump führte bald auch in den eigentlich sicher wieder demokratisch geltenden Rust-belt-Staaten Michigan, Wisconsin und Pennsylvania. In diesen drei Staaten hatte er 2016 wider Erwarten sehr knapp gewonnen. Vier Jahre später ging er dort sogar noch deutlicher in Führung. Trump schien der sichere Wahlsieger zu sein.

Aber dort wird in genau umgekehrter Reihenfolge gezählt: Erst die am Wahltag abgegebenen Stimmen und anschließend die mail-in-votes aus den demokratischen Hochburgen. Trumps Vorsprung in den nördlichen blue-collar-States schrumpfte also und der Diktator tat genau das was Bernie Sanders prophezeit hatte: Wüst lügend und betrügend erklärte er sich selbst zum Sieger und verlangte die Stimmauszählung in den Staaten, in denen er vor lag zu stoppen.

“What president Trump just said was undemocratic and false and premature. It is not accurate to say that he won.”

-      Jake Tapper, CNN, 04.11.2020

“And I think our founding fathers are probably rolling in their graves right now, they did not in vision a president of the United States delegitimizing an American election and that is what the president just did a few moments ago. It is historic and it is historically awful.”

-      Jim Acosta, CNN, 04.11.2020

Im weiteren Verlauf der Wahlnacht kam es zum einzigen echten „Flip“: Joe Biden holte mutmaßlich knapp John McCains Bundesstaat Arizona und prompt schlug ausgerechnet FOX die 11 Wahlmänner des sun-belt-Staates Joe Biden zu.

Das Trump-Headquarter wurde fortlaufend wütender und aggressiver, als nämlich in Wisconsin und Michigan Trumps Vorsprung schließlich ganz aufgezehrt war und die Fernsehsender begannen die beiden Länder hellblau einzufärben. Das wären nämlich weitere 26 Wahlmänner für Biden. Sollte er auch Arizona und Nevada holen, wäre er, ganz ganz knapp, mit 271 (bei 270 notwendigen) Wahlmännern mutmaßlich nächster US-Präsident.

Trump tobt derzeit immer hysterischer, führt sich auch wie ein lobotomierter Erdoğan auf Speed. In Pennsylvania, aber auch North Carolina und Georgia – dort führt Trump  - müsse sofort aufgehört werden Stimmen auszuzählen.

Der Präsident lügt dabei bewußt, es würden noch nach der Schließung der Wahllokale neue Stimmen abgegeben werden und neu auftauchen.

Das ist falsch! Die „neuen“ Stimmen, die noch gezählt werden, lagen alle rechtzeitig vor und wurden keineswegs erst nach dem Ende der Wahl abgegeben. Sie werden aber noch gezählt. Es wird gezählt und nicht mehr gewählt.

Besonders bizarr, sogar absolut grotesk sind die Forderungen der Trump-Kampagne allerdings unbedingt in den westlichen Staaten Nevada und Arizona weiter zu zählen. Denn dort liegt Trump sehr knapp hinten und hofft bei weiterer Auszählung Biden doch noch zu überholen.

„There is an intellectual inconsistency in the Trump argument!”

-      John King, CNN, 04.11.2020

Es ist absurd; das Kernelement der Demokratie, nämlich jede abgegebene Stimme zu zählen, wird vom Präsidenten selbst attackiert. Aber nur wenn es ihm nützt.

In den Staaten, in denen er führt, soll die Zählung abgebrochen werden. Wo er hinten liegt, muss weiter gezählt werden.

„Keep counting“ oder „Stop counting“ werden je nachdem wie es gerade am besten passt gleichzeitig gefordert.

Beide Kandidaten können also noch gewinnen, je nach dem Ausgang in den wenigen noch zählenden sehr knappen Bundesstaaten Georgia, North Carolina, Michigan, Wisconsin, Pennsylvania, Nevada und Arizona.

Es gibt derzeit ganz leichte Vorteile für Biden, da die bisher noch nicht ausgezählten Stimmen mehrheitlich aus demokratischen Gegenden stammen. Aber es ist extrem knapp.

Bis hierher handelt es sich um eine rein an den Fakten orientierte Zahlenanalyse. Niemand außer rechten Verschwörungstheoretikern zweifelt die offiziellen Daten an.

Nun aber zu dem verschwörungstheoretischen Teil:
2016 war der Trump-Sieg überraschend, weil vorher viel zu sehr auf die „popular votes“ geguckt wurde. Landesweit lag Hillary Clinton immer zwei bis zwei Prozentpunkte vor Trump.

Tatsächlich gewann Clinton auch mit 2,2% Vorsprung; beinahe drei Millionen Stimmen; landesweit vor Trump. Nur wegen des extrem die Republikaner bevorzugenden Wahlsystems wurde der orange Pöbler Präsident.

Die Umfragen vor vier Jahren waren also durchaus zutreffend; man hatte allerdings falsch interpretiert, indem man aus der Stimmenmehrheit auch auf den Wahlausgang schloss.

Das sollte dieses Jahr anders werden. Es wurde eine Fülle von Umfragen in den einzelnen Bundesstaaten gemacht. Insbesondere in den entscheidenden blue-collar-battlegrounds, die Trump vor vier Jahren überraschend gewonnen hatte.

In fast allen Rennen lag Biden deutlich vorn.

Außerdem war sein bundesweiter Vorsprung in allen Umfragen mit rund zehn Prozent gemessen worden und damit so erheblich größer als die zwei bis drei Prozent-Führung Clintons, daß selbst das absurde US-Wahlsystem nicht so eine enorme Verzerrung bewirken könnte, um Trump vorbei ziehen zu lassen.

Im Gegensatz zu 2016 lagen dieses Jahr aber alle Umfragen DRASTISCH falsch.

Auf nationaler Ebene lag Biden in der letzten Woche in den Umfragen zwischen sieben und elf Prozent vorn. Tatsächlich sind es bisher aber „nur“ zwei Prozentpunkte.

Biden 50.3% = 69.470.630  Stimmen und Trump 48.2% = 66.591.121 Stimmen.

Das entspräche genau dem Clinton-Ergebnis von 2016: Gute zwei Prozentpunkte und drei Millionen Stimmen Vorsprung für Biden. Damit könnte Trump dennoch Präsident werden, weil es eben nicht der erwartete Zehn-Prozent-Abstand ist.

In einigen Bundesstaaten ist das Missverhältnis sogar noch extremer.

Alle Umfragen in Florida sahen Biden klar vorn, teilweise bis zu acht Prozentpunkte.


Tatsächlich gewann Trump mit 3,4% Vorsprung. Eine Abweichung von zehn Prozent zu den Umfragen zu Ungunsten Bidens.

In den Umfragen aus Georgia lag Biden zuletzt zwei bis neun Prozentpunkte vorn.


Tatsächlich liegt Trump zwei Prozent vorn. Zehn Prozent Abweichung zu Ungunsten Bidens.

In Michigan waren 7% bis 13% Biden-Vorsprung prognostiziert. Tatsächlich liegt Biden nur wenige Zehntel vor Trump. Eine Abweichung von zehn Prozent zu den Umfragen zu Ungunsten Bidens.

North-Carolina: zwei bis acht Prozentpunkte Biden-Vorsprung.

Tatsächlich liegt Trump 1,5% vorn. Eine Abweichung von zehn Prozent zu den Umfragen zu Ungunsten Bidens.

Pennsylvania: Fünf Prozentpunkte Biden-Führung in den Umfragen, tatsächlich steht es gerade 53% zu 45% für Trump. Eine Abweichung von 13 Prozent zu den Umfragen zu Ungunsten Bidens.

Wisconsin: 8% bis 13% Biden-Führung in allen Umfragen.

Tatsächlich liegt Biden nur wenige Zehntel vor Trump. Eine Abweichung von zehn Prozent zu den Umfragen zu Ungunsten Bidens.

Dabei hatten alle Pollster versichert die sich nicht ehrlich zu Trump bekennenden Wähler durch einen empirischen Faktor zu berücksichtigen. Die Umfragen sollten präziser denn je sein.

Und nun haben sich alle Institute in allen Staaten so grob verschätzt?

Sicher ist nur, daß die Bürger der USA moralisch versagt haben.

Tumb grinsend erklären die Trumpisten ihr Idol deswegen zu verehren, weil er immer so ehrlich sei. Der Mann mit den über 20.000 Lügen, den ständigen Angriffen auf die Verfassung und dem Berg aus 225.000 Covid19-Toten.

Ein anständiges Volk hätte Trump und die Republikaner mit einer Blue Wave weggefegt, so daß die GOP-Nebelkerzen, um das Ergebnis anzuzweifeln gar nicht.

Erschreckenderweise gelang auch der hoch erwartete demokratische Durchmarsch im Senat nicht.

In Georgia I liegt der brillante junge Demokrat Jon Ossoff mit 47% zu 51% hinter dem offen rassistischen David Perdue.

Mitch McConnell, der Trump-Enabler, der seit Monaten dafür sorgt den hungernden und darbenden Corona-Opfern jede staatliche Hilfe zu versagen, gewinnt seine US-Senatswahl in Kentucky mit 58% zu 37%.

Susanne Collins, hochumstrittene Umfallerin und ständiges Ziel von Lincoln-Project-Attack-Videos holte ihren Senatorensitz in Maine mit 50% zu 42%.

Sogar die extrem verlogene und heuchlerische Lindsey Graham, die neben Moscow-Mitch erbärmlichste Figur im US-Senat gewinnt mit 56% zu 42% in South Carolina gegen Jamie Harrison.

Unglaublich, auch wenn Biden noch knapp gewinnen sollte, haben die Amerikaner ihm wieder einen „Deadlocked Congress“ beschert, also ein arbeitswilliges demokratisches House, dessen Gesetzentwürfe allesamt von den ultrarechten Steinzeit-Senatoren der GOP abgeblockt werden.

Die Amerikaner haben moralisch und charakterlich versagt, indem sie diese Wahl überhaupt knapp werden ließen.

Und sie haben ihre ganze Dummheit bewiesen, indem sie wieder die republikanischen Blockade-Senatoren ermächtigten, die genau zu der Untätigkeit des Kongresses führen, die das Volk so verabscheut.

Waffen, Bibel, Abtreibung, Rassismus, Einwanderer raus, keine Krankenversicherung, scheiß auf Umweltschutz – das sind die entscheidenden Faktoren für die amerikanische Wählerschaft.
Zeit, meinen US-Pass loszuwerden.

Dienstag, 3. November 2020

Tunnelblick

Am US-Wahltag, an dem es endlich die Chance gibt Trump loszuwerden, an dem der US-Senat eine demokratische Mehrheit bekommen könnte und an dem auch das gesamte US-Repräsentantenhaus neu gewählt wird, an dem sich vermutlich zeigen wird, ob die US-Demokratie noch funktioniert, oder ob Möchtegern-Diktator Trump seine schwer bewaffneten paramilitärischen Truppen in einen Bürgerkrieg schickt, an dem Trumps Berater offen zu Wahlbetrug aufrufen, an dem in weiten Teilen der Nation in der Erwartung schwerer Unruhen Geschäfte mit Holzbalken zugenagelt wurden, an dem Hacker. Fälscher und aggressive Trumpisten mit miesen Methoden versuchen die Stimmabgabe zu verhindern, an dem amerikanische Senioren erstmals in ihrem Leben aus lauter Sorge um ihre Nation weinen, an dem es auch darum geht, ob Trump und sein kriminell-nepotistischer Klan im Gefängnis landen, an dem de facto die gesamte Weltpolitik stillsteht, weil alle wie das vor der Schlange paralysierte Kaninchen auf die Wahlergebnisse zwischen New York und Alaska starrt, wäre es absurd in diesem Blog noch ein anderes Thema anzuschneiden.

Das perfekte letzte Statement zur Wahl kommt von Brian Tyler Cohen.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Wer es, wie ich, nicht aushalten kann nachts zu schlafen und morgen in Ruhe die Ergebnisse anzusehen, weil er/sie/es viel zu gespannt ist, kann das Eintrudeln der Ergebnisse in diesen Live-Streams verfolgen:

CNN: https://edition.cnn.com/

ABC: https://abcnews.go.com/Live

NBC: https://www.nbcnews.com/now

PBS: https://www.pbs.org/newshour/politics/watch-live-election-results-2020-pbs-newshour-special-coverage

NY Times The Daily: www.nytimes.com/2020/11/03/podcasts/the-daily/the-daily-election.amp.html

Bloomberg Live: https://www.bloomberg.com/news/live-blog/2020-10-08/election-night-in-the-u-s

https://www.karldergrosse.ch/veranstaltungen/veranstaltung/us-election-night-2020/?fbclid=IwAR3ZFHQOF21zBofqpu701QuVS0bIC7ftNK-jqAhf3HwMMLN4bNjugOGOVj4

https://www.horizont.net/schweiz/nachrichten/us-wahlen-2020-wer-wird-45.-praesident-der-usa-blick-tv-sendet-die-ganze-wahlnacht-mit-illustren-gaesten-186843?fbclid=IwAR1m153nuzPuZwZRbJVyU0r3z0GlAetPjZYjf1GxnWoSjPHCKWGLFyIwG2I

Democracy Now:

https://www.democracynow.org/live/election_night_2020_coverage_with_d

Montag, 2. November 2020

Den toten Gaul reiten

Da in fast allen deutschen Periodika nur gläubige Kirchenfreunde über christliche Kirchen berichten, ist der Tenor a priori klar:

Religion ist gut, Christentum ist gut, Kirchenaustritte sind schlecht.

Es wird ein gar nicht vorhandener Konsens der Leserschaft vorausgesetzt, daß es gelte kirchliches Leben zu fördern, den Glauben zu festigen, die Positionen der Bischöfe zu hören.

Es gibt durchaus Entwicklungen, die von nahezu allen Bürgern begrüßt werden:
Weniger Verkehrstote, mehr Alphabetisierung, weniger Obdachlosigkeit, geringere Schulabbrecher-Quote, Eindämmung von Kriminalität.

Aber „weniger Kirchenaustritte“ ist kein gesamtgesellschaftliches Ziel, welches die Kirchenreporter in den Zeitungsredaktionen oder Kirchenpolitiker in den Parteien für alle postulieren dürfen.

Es gibt sehr gute Gründe für mehr Kirchenaustritte zu arbeiten und sich eine massive und andauernde Schwächung der Institution Kirche zu wünschen – auch wenn es für diese Position kaum öffentliche Teilhabe gibt.

(…..) Das ist einer der von mir immer wieder beklagten Presse-Missstände.

Alle Kirchenthemen werden von frommen Gläubigen behandelt.

Dafür hat Springer Badde und Englisch, der Tagesspiegel die unvermeidliche Claudia Keller, die Zeit Frau Finger und die SZ eben Matthias Drobinski.

(……) Man stelle sich vor über die CDU würden nur noch CDU-Mitglieder schreiben. Oder nur noch Soldaten über die Bundeswehr. 

Geht es um die Grundfrage des Christentums in Deutschland – was geht da eigentlich so sagenhaft schief, daß jedes Jahr Hunderttausende aus der Religionsgemeinschaft flüchten, während aus anderen Kontinenten ein reger Zulauf herrscht – wird es bei den großen Zeitungen ganz gediegen.

(Weinen mit Robert – 06.08.2013)

Wenn der fromme Kirchenfreund und ehemalige Theologie-Student Matthias Drobinski ermattet seine geliebte RKK kritisiert ohne das übliche Gejammer über das beschädigte Ansehen und die Befürchtung von mehr Austritte zu formulieren, weiß man, es ist ernst.

Woelki wiederholte den Christian-Pfeiffer-Skandal, dessen kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen für die RKK eine große Studie anfertigen sollte und 2011 von der DBK zurückgepfiffen wurde.

Erst kündigte er im Zeichen der Offenheit eine Untersuchung des sexuellen Missbrauchs in seinem Herrschaftsbereich als Metropolit der Kirchenprovinz Köln samt der Suffraganbistümer Aachen, Essen, Limburg, Münster und Trier an, aber als ihm die Ergebnisse nicht passten, setzte er dem schnell ein Ende. Wie immer in der römisch-katholischen Amtskirche ist es auch im Jahr 2020 dem mächtigsten und reichsten Kardinal Deutschlands wichtiger die Täter zu schützen, als an die Opfer zu denken. Wenn die Wahrheit andere Kirchenfürsten schlecht aussehen lässt, muss sie unter Verschluss bleiben.

[….] Die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl, die Woelki beauftragte, hatte schon 2010 die Akten des Münchner Erzbistums untersucht. Der Bericht blieb allerdings unter Verschluss, veröffentlicht wurde lediglich eine Zusammenfassung. Das sollte nun in Köln anders werden.   Aber am 12. März gab es keine Pressekonferenz. Es gebe rechtliche Probleme, hieß es. Nach Monaten des Wartens folgte am Freitag der große Knall: "Die Zusammenarbeit mit der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl wird beendet", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung des Erzbistums und des Beirats der Missbrauchs-Betroffenen. Eine "vollständige Neufassung der Untersuchung", verantwortet vom Kölner Strafrechtsexperten Björn Gercke, werde am 18. März 2021 veröffentlicht. [….]

(SZ, 01.11.2020)

Nachdem Kardinal Woelki aber tolldreist den Missbrauchsopfern seines Sprengels mit voller Wucht in den Rücken trat, weil er lieber die ehemaligen Kardinäle Höffner und Meisner, sowie den Hamburger Erzbischof Heße schützt, fiel auch dem SZ-Mann nichts mehr ein, um seine Kirchenfürsten zu verteidigen.

[…..] Selbst wenn im Text des Kölner Missbrauchsberichts nicht jeder Satz gelungen sein sollte - der Versuch, die Erkenntnisse zum systematischen Versagen der Leitung des katholischen Erzbistums im Umgang mit Fällen von sexueller Gewalt unter Verschluss zu halten, ist falsch. Die Art und Weise, wie dies gerade geschieht, macht ihn zur Katastrophe. […..]  Aus dem furchtlosen Aufklärer im Bischofsamt ist innerhalb eines halben Jahres der verzagte Hirte geworden, der - statt um die Wahrheit zu ringen - die verstorbenen Kardinäle Joseph Höffner und Joachim Meisner schützt, ihre noch lebenden Generalvikare und Personalchefs, von denen einer heute Erzbischof von Hamburg ist, Stefan Heße. Es hat das alte System gesiegt. […..] Wieder einmal sind die Betroffenen der sexuellen Gewalt die Opfer. Den Betroffenenbeirat des Erzbistums über den Tisch zu ziehen und ihn ein Gutachten kritisieren zu lassen, das er selber nicht kennt, war eine infame Aktion. Man sollte die Mitglieder das weggesperrte Gutachten lesen lassen - und sehen, welche Meinung sich diese dann bilden. [……]

(Matthias Drobinski, 02.11.2020)

Willkommen auf der dunklen Seite der Macht, Herr SZ-Redakteur!
„Infame Aktion“ – endlich eine gute Wortwahl.

Die Kirche ist nicht zu retten.  Dort liegt Unmoral und Gewalttätigkeit im System.

Zum Wohle aller gibt es nur eine Methode im Umgang mit der RKK: Sofort austreten.

Sonntag, 1. November 2020

Impudenz des Monats Oktober 2020

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Oh, ein zweiter Lockdown; wie überraschend. Einmal-Handschuhe sind in einigen Bundesländern fast ausgegangen und nur noch zu Mondpreisen erhältlich. Es gibt kein bundesweites Hygienekonzept für Schulen, Krankenhäuser oder Pflegeheimen. Keiner weiß nach welchen Kriterien die zu knappen Grippe-Impfdosen verabreicht werden und niemand kümmert sich um die Updates der Corona-App.

 Leider ist die Erarbeitung von entsprechenden Konzepten in den letzten acht Monaten versäumt worden, weil der fachfremde zuständige Gesundheitsminister zwar sehr gern öffentlich auftritt, um sich reden zu hören, aber nie seine eigene Arbeit erledigt.

Spahn hatte als Gesundheitsminister über Monate die Pandemiewarnungen aus China ignoriert, war unfähig Hygienematerialien aufzutreiben, scheiterte an seinen Plänen zur frühen Tracking-App und einem Immunitätsausweis.

(…..) Das Bundesgesundheitsministerium wurde am 31. Dezember 2019 durch das internationale Frühwarnsystem ProMED vor dem neuen Virus gewarnt.

Der Pharma-Lobbyist und Yellowpress-Aktivist Spahn begriff überhaupt nicht was das bedeutet und blieb wochenlang inaktiv. Es wurden keine Pläne ausgearbeitet, keine Behörden koordiniert und schon gar nicht dachte der junge Jeck Jens daran das zu besorgen, das man bei allen Seuchen braucht: Schutzkleidung.

[….] Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagt am 23. Januar in den Tagesthemen: "Der Verlauf hier, das Infektionsgeschehen, ist deutlich milder, als wir es bei der Grippe sehen." Ende Januar treten die ersten Fälle in Deutschland auf - die meisten mit einem milden Krankheitsverlauf. Der behandelnde Arzt, Professor Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing, sagt heute im BR-Interview: "Hätten wir ganz schwer symptomatische Patienten gehabt, hätte man die Gefährlichkeit vielleicht anders eingestuft."  Auch Berliner Regierungsbeamte kommen später zu dieser Einschätzung: Die ersten Infektionen in Deutschland hätten zu einem Trugschluss geführt: Seht, wir können es eindämmen. [….] Knapp zwei Wochen später, am 12. Februar, sagt Jens Spahn im Gesundheitsausschuss, die Gefahr einer Pandemie sei "eine zurzeit irreale Vorstellung". […..] 78 lange Tage.  Am 2. März kommt der Gesundheitsausschuss zu einer Sondersitzung zusammen. Es wird auch über die Absage von Großveranstaltungen diskutiert. Gesundheitsminister Spahn macht klar, die Behörden vor Ort sollten entscheiden - "ohne dass man belehrend aus Berlin kommt", heißt es im Protokoll. Bis zu einer Empfehlung des Ministers, Großveranstaltungen abzusagen, vergeht fast eine Woche.

(Tagesschau, 20.05.2020)

Kein Wunder, daß Richard Grenell und Jens Spahn privat so eng befreundet sind.

Vermutlich erinnert Spahns Leugnen und Debakulieren den amerikanischen Botschafter ein sein ganz großes Idol im Weißen Haus. (…..)

(Die internationalen Top-Covidioten, 20.05.2020)

In den nächsten Monaten beschränke er sich auf Warnungen, Appelle und das öffentliche Besorgt-Sein, statt für einheitliche Test-Modalitäten und Abstandsregeln im Bund zu sorgen.

(…..) Nach den Bildern der volltrunkenen deutschen Feierbiester an Mallorcas Proll-Schänken ist Jens Spahn besorgt.

[….] "Die Pandemie ist nicht vorbei, wir sind noch mitten in der Pandemie", warnte Spahn. Weltweit seien die Zahlen so hoch wie nie zuvor. "Die Gefahr einer zweiten Welle ist real. Wir sollten wachsam bleiben und sollten nicht übermütig werden." [….]

(SPON, 13.07.2020)

Das ist eben Spahn – schon vor vier Monaten begnügte er sich mit einem Appell an die Vernunft.

[…..] Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (39, CDU) hat angesichts der Einschränkungen im öffentlichen Leben in Deutschland die Menschen zum Mitmachen und zur Vernunft aufgerufen. […..]

 (Tag24, 19.03.2020)

Weitere drei Monate später klang der Minister nicht anders.

[….] Auch zu den angekündigten Großdemonstration am Wochenende äußerte sich Spahn. Zu demonstrieren und seine Meinung zu äußern, sei ein wichtiges Grundrecht. Die Bilder von dicht gedrängten Menschen bereiten ihm jedoch Sorge. "Deshalb kann ich nur an die Vernunft appellieren und an die Rücksichtnahme aufeinander." [….]

(ZEIT, 12.06.2020)

Spahn appelliert statt Regeln aufzustellen, weil Wähler es nicht mögen bevormundet zu werden. Sie wollen als intelligente, vernünftige Wesen angesprochen werden. (…..)

(Covidioten, 14.07.2020)

Für seine Corona-Fehlleistungen wurde Jens Spahn bereits zur Impudenz des Monats August 2020 gekrönt.

In den folgenden zwei Monaten bestach er weiterhin durch Untätigkeit, Konzeptionslosigkeit, allgemeine drastische Verschlimmerung der Pandemie-Lage und der Meldung sich selbst mit Sars-CoV-II angesteckt zu haben.

Während sich aber bei dem Thema viele nicht mit Ruhm bekleckern, steht Spahn auch noch für eine ausgesprochen sadistische Angelegenheit: Trotz anderslautender allhöchster Urteile zeigt er hunderten unerträgliche Schmerzen leidenden Menschen den Mittelfinger und lässt sie bewußt und mutwillig jeden Tag gegen ihren Willen die Hölle auf Erden durchleben.

Wer so handelt, ist ein bösartiger Sadist, Religiot oder beides.

(…..)  Rentenkonzepte, Steuersätze und Kinderfreibeträge sind selbstverständlich auch umstritten, aber nirgendwo prallt eine überwältigende Bürgermehrheit so hart auf die Volksvertreter-Realität wie bei den existentiellen Fragen:
Patientenverfügungen, Recht auf selbstbestimmten Tod, PID-Diagnostik, Drogenliberalisierung, Abtreibung, Zweiklassenmedizin, §219a, die erbärmliche Behandlungen von Pflegefällen.

Wieso wird das Recht auf einen staatlich unterstützten Suizid nicht eingeführt, obwohl (je nach Umfrage) zwei Drittel bis 90% der Bevölkerung sich genau diese Option wünschen, um am Ende diese extremste Privatentscheidung selbst treffen zu können?

Die Antwort ist einfach: Aktive Christen sind unter den Bundestagsabgeordneten extrem überrepräsentiert, keine Lobby ist so massiv mit dem Gesetzgeber und der Regierung verquickt wie die Kirchenlobby.

Eine groteske Form des gegen humanistische Werte gerichteten sadistischen theologischen Einflusses, der das sinnlose Quälen und Zufügen von Schmerzen, Unmündigkeit und Kriminalisierung von Liebe durchdrückt, ist die Besetzung des Ethikrates der Bundesregierung.

[…..] "Der Deutsche Ethikrat sollte rational, evidenzbasiert und weltanschaulich neutral argumentieren, was aber durch die Überrepräsentanz kirchlicher Interessenvertreter allzu oft verhindert wird", kritisiert der Philosoph und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung Michael Schmidt-Salomon. […..] "Dass sich die Mehrheit der Mitglieder des Deutschen Ethikrates gegen Selbstbestimmungsrechte am Lebensende aussprachen und für ein Gesetz votierten, das per einstimmigen Beschluss der Karlsruher Richter für verfassungswidrig erklärt wurde, ist ein Skandal, der noch nicht hinreichend thematisiert wurde", meint Schmidt-Salomon, der bei der mündlichen Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts als "Sachverständiger Dritter" für die später erfolgte Aufhebung des § 217 StGB plädiert hatte. "Die Unterstützung eines verfassungswidrigen Gesetzes ist nur eines von vielen Indizien dafür, dass der Deutsche Ethikrat in seiner Funktion immer wieder versagt. Interessanterweise kommt es dazu vor allem dann, wenn religiöse Interessen im Spiel sind, wie auch die Debatten zur Knabenbeschneidung oder Präimplantationsdiagnostik gezeigt haben. In einem gewissen Ausmaß kann man solche Defizite tolerieren, aber: Wenn sich – wie im Fall der Sterbehilfe-Diskussion – herausstellt, dass die Mitglieder des wichtigsten Ethikrates des Landes mehrheitlich nicht in der Lage sind, auf dem ethischen Niveau des deutschen Grundgesetzes zu argumentieren, ist dies keine Lappalie, die man auf die leichte Schulter nehmen könnte."  Nach der deutlichen Rüge aus Karlsruhe hätte man eigentlich eine Umorientierung in der inhaltlichen Ausrichtung sowie der personellen Zusammensetzung des Ethikrates erwarten dürfen, doch die am 30. April erfolgte Neubesetzung des Gremiums weise in eine andere Richtung, führt Schmidt-Salomon aus: "Durch die Neubesetzung ist der Rat nicht pluraler, liberaler oder kompetenter geworden. […..] Bei den neu hinzugekommenen Mitgliedern des Rates sind Personen mit religiös-konservativen Werthaltungen überproportional stark vertreten – Menschen, von denen man leider annehmen muss, dass sie 2017 ebenfalls für ein verfassungswidriges Gesetz votiert hätten." […..]  Hinzu komme, so Schmidt-Salomon, dass es weitere Ethikratsmitglieder gebe, "die zwar keine offiziellen Kirchenfunktionen wahrnehmen, aber doch entschieden für kirchliche Positionen eintreten". Ein Beispiel hierfür sei der Jurist Steffen Augsberg, der die Anliegen radikaler "Lebensschützer" mit entsprechenden Analysen untermaure (siehe etwa diesen Beitrag in der "Zeitschrift für Lebensrecht") und der "rhetorisch äußerst geschickt für ein Verbot professioneller Freitodbegleitungen gestritten" habe – sowohl als Mitglied des Deutschen Ethikrates als auch als Prozessbevollmächtigter der Bundesregierung in dem Verfahren zu § 217 StGB vor dem Bundesverfassungsgericht. […..]

(gbs, 18.05.2020) (….)

(Deutsche Zerrbilder, 21.05.2020)

Spahn ist eine Schande für das Ministeramt! Der politische Rechtsaußen und Grenell-Intimus Spahn hält es wie dessen Idol Trump und ignoriert den Rechtsstaat.

Dem Bundesverfassungsgericht zeigt Sadist Spahn freudig den Mittelfinger.

(…..) Wenn sich die beiden Topvertreter der größten Verbrecherorganisation in der Geschichte dieses Planeten so einig sind in ihrer Abwertung, weiß man, es war ein sehr guter Tag für die Menschenrechte und den Humanismus.

[…….]  Ein Paukenschlag  […….] Das Bundesverfassungsgericht hat mit seiner heutigen Entscheidung § 217 StGB für nichtig erklärt. Führende Politikerinnen und Politiker wie Angela Merkel und Jens Spahn müssen sich nun vorwerfen lassen, 2015 für ein Gesetz gestimmt zu haben, das nicht auf dem Boden der Verfassung steht.  [….]

(MSS, 26.02.20) (….)

(Es grenzt an ein Wunder, 20.02.2020)

Bis heute weigert sich Spahn zu handeln, ist nicht in der Lage einen Hauch Mitgefühl für Tausende Menschen in allergrößter tödlicher Not zu entwickeln, verweigert ihnen eiskalt und rechtswidrig Hilfe.

Interviewanfragen zu dem Thema werden abgeblockt.

[…..] Verfassungsrechtler Hubertus Gersdorf wirft Spahn und seinen Behördenmitarbeitern hier einen "Rechtsbruch" vor. "Wenn das Ministerium oder das entsprechende Institut hier Hürden errichtet, die nicht errichtet werden dürfen, dann verletzt das Institut und damit der Bund Grundrechte und damit die Verfassung", so Gersdorf.   Doch selbst das Urteil des höchsten deutschen Gerichts, des Bundesverfassungsgerichts, scheint den Gesundheitsminister nicht zu tangieren: Im Februar dieses Jahres entscheidet das Bundesverfassungsgericht: Die Einschränkung der Sterbehilfe, also der §217 Strafgesetzbuch, ist verfassungswidrig, verstößt gegen das Grundgesetz und gilt damit ab sofort als null und nichtig! Der damalige Bundesverfassungsgerichtspräsident Voßkuhle stellte in aller Deutlichkeit klar: "Die Entscheidung des Einzelnen, nach seinem Verständnis von Lebensqualität und Sinnhaftigkeit seinem eigenen Leben ein Ende zu setzen, ist als Akt autonomer Selbstbestimmung von Staat und Gesellschaft zu respektieren." […..]

(Panorama, 14.10.2020)

Samstag, 31. Oktober 2020

Noch drei Tage

Im Angesicht besonders wichtiger Wahlen wie den US-Präsidentschaftswahlen am 03.11.2020 verfolge ich so manisch die Prognosen, Analysen und Umfragedaten, daß ich fast vergessen, daß all die gesammelten Zahlenmaterialien und gesammelten Zeitungs-Artikel zur Wahl in vier Tagen obsolet sind.

Es wäre ein viel ökonomischer Umgang mit der eigenen knapp bemessenen Zeit, sich bis Dienstag-Nacht die gesamte Lektüre zu sparen.

Aber die vorherige Spannung, der sich daraus entwickelnde Spin und der weitgehend irrationale Glaube mit der Verbreitung von Informationen noch Einfluss auf den Wahlausgang nehmen zu können, verhindert es immer wieder loszulassen.

Vor jeder US-Wahl wird beschworen, es handele sich diesmal wirklich um die wichtigste Wahl überhaupt, EVERYTHING IS AT STAKE, aber auch diesmal bin ich geneigt der Einschätzung zuzustimmen: Trump und seine Republikaner haben die Welt-Supermacht USA so schwer beschädigt, daß es sich um ein de facto irreparables Desaster handelt. Sie setzten eienr seit Dekaden verfehlten Entwicklung die Krone auf.

[…..] Amerikas ökonomische Talfahrt begann keineswegs mit Chinas Aufstieg, und sie begann erst recht nicht mit der Amtsübernahme Donald Trumps. Sie begann bereits mit der Abwanderung der ersten Industriebranchen in den Fünfziger- und Sechzigerjahren und setzte sich fort mit der Entfesselung der Finanzmärkte in den Achtzigern. Die Friktionen, die diese Entwicklungen auslösten, blieben zunächst unter einem Berg aus Arroganz und Selbstbetrug sowie dem Gerede über das vermeintliche "Ende der Geschichte" verborgen. Und doch verwandelten sie die USA in ein zerrissenes Land, das heute weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.  Der entscheidende Fehler war wohl der bewusste Entschluss der amerikanischen Politik- und Wirtschaftselite, der Industriearbeit den Rücken zu kehren und Wohl und Wehe des Landes auf dem wackeligen Fundament eines neuen Finanzkapitalismus aufzubauen. Sollen doch die anderen die Drecksarbeit machen, so lautete das unausgesprochene Credo zunächst der Republikaner, später auch der Demokraten - wir sammeln dafür am Ende die Gewinne ein. [….]

(Claus Hulverscheidt, 01.10.2020)

Abgesehen von den ultrarechten Fanatikern, Realitätsblinden und Religioten analysieren aber die Beobachter in der Welt und in den USA selbst, von ganz links bis weit ins konservative Milieu hinein die Situation einheitlich und meiner Ansicht nach auch richtig:

1.   Der kolossale Abstieg des Welt-Hegemons zeichnet sich schon seit einem halben Jahrhundert ab.

2.   Die gewaltigen Schwächen innerhalb der amerikanischen Gesellschaft wurden durch ökonomische Macht, Selbstbewußtsein und Patriotismus immer nur kaschiert, aber nie beseitigt.

3.   Auch die demokratischen Two-Term-Präsidentschaften Clintons und Obamas haben keine wesentliche Verbesserung bei Bildung, sozialer Ungerechtigkeit, Infrastruktur, Waffenwahn und Gesundheitssystem gebracht.

4.   Trump war nicht der Anfang des Desasters, sondern die Folge einer langen sozialen, religiösen, edukativen und medialen Fehlentwicklung.

5.   Selbst im günstigsten Fall, also Blue Wave mit Biden-Erdrutschsieg und progressiven Mehrheiten im House und Senat,  werden die USA nicht mit sich selbst versöhnt werden können.

6.   Auch ohne Trump bleibt das eigentliche Problem – rund 70 Millionen fanatisierte, militaristische, der Realität entkoppelte, rassistische Trump-Fans – bestehen.

Die Fronten sind dermaßen verhärtet, daß die unterlegene Seite; insbesondere die Republikaner das Ergebnis in weiten Teilen nicht akzeptieren werden.

Die USA sind kaputt, so kaputt, daß sich die Amerikaner bald nicht mehr leisten können gegeneinander zu kämpfen.

[….] Heute gibt es in den USA Hunderte, ja Tausende Dörfer und Städte, in denen ein Teil der Häuser und Geschäfte verrammelt ist. In denen bleiverseuchtes Wasser aus den Hähnen fließt, ganze Familien medikamentenabhängig sind und die Polizei die Kontrolle über einzelne Viertel verloren hat. In denen Brücken bröckeln, Schulen schließen und Eisenbahnschienen wegrosten. [….]

(Claus Hulverscheidt, 01.10.2020)

Viele der US-amerikanischen Probleme sind gar nicht mehr Reformen aus Regierung und Parlament, mit Gesetzen und Kampagnen zu beheben, weil sie tief in die Mentalität der Bürger eingestempelt sind: Isolationismus, Größenwahn, Bildungsfeindlichkeit, Waffenwahn, Religiotie, Hass auf staatliche Eingriffe.

So konnten die USA von allen westlichen Demokratien viele einsame Spitzenplätze einnehmen:

Die höchste Mordrate, die höchste Zahl der Gefängnisinsassen, die meisten Obdachlosen und trotz der pro Kopf gerechneten höchsten Gesundheitsausgaben, sinkt die Lebenserwartung. Die Amerikaner werden immer fetter und kleiner, weil so viele Kinder mangelhaft ernährt werden.

Körpergröße und Lebenserwartung geben einen besseren statistischen Indikator als das Prokopf-Einkommen, da der Reichtum so eklatant ungerecht verteilt ist, daß es ein Bezos und ein Gates das durchschnittliche Vermögen extrem verzerren. Das völlig versagende öffentliche Gesundheits- und Sozial- und Bildungssystem führt dazu, daß es keine „Mittleren“ mehr gibt.

Es werden einerseits ungesunde, schlechte gebildete Arme produziert und andererseits die durch elterlichen Reichtum, Privatschulen- und Privatversicherungen hochgebildeten Kerngesunden mit Adonis-Figur.

Das „vom Tellerwäscher zum Milliardär“-Versprechen ist längst obsolet. In die Oberschicht gelang man fast ausschließlich, indem man Eltern aus der Oberschicht Mama und Papa nennt.

[…..] Der Verzicht auf eine allgemeine, staatlich organisierte Krankenversicherung etwa ist aus Sicht vieler Bürger keineswegs unsozial, sondern schlicht Ausdruck von Freiheit. Wenn ein Land jedermann die Freiheit bietet, einen Beruf zu wählen, eine Firma zu gründen und reich zu werden, so die Lesart, dann trägt umgekehrt jedermann auch die Verantwortung dafür, wenn der Job verloren geht, die Firma Insolvenz anmelden muss oder das Konto überzogen ist. Selbst Krankheit ist vor diesem Hintergrund eine Privatangelegenheit, zumal man ja nicht weiß, ob der oder die Betroffene nicht vielleicht Lastern frönte oder es sich mit dem lieben Gott verscherzt hat. Warum, so der Gedanke, sollte der Staat, die Allgemeinheit, für Fehlverhalten oder mangelnde Frömmigkeit einstehen?  Es ist diese Spielart des Individualismus, man könnte auch sagen: diese Rücksichtslosigkeit, die die USA über Jahrzehnte mit groß gemacht hat. Ein Land, das auch im 21. Jahrhundert Erfolg haben will, braucht jedoch beides: kreativen, willensstarken Individualismus und mutigen, solidarischen Gemeinsinn. […..]

(Claus Hulverscheidt, 01.10.2020)

Sollte es am Dienstag einem Trump-Wahlsieg geben, prophezeie ich den drastischen weiteren Abstieg der USA.

Sollte Biden knapp gewinnen, wird es ein endloses Chaos mit möglicherweise bürgerkriegsähnlichen Zuständen geben.

Sollte den Demokraten auf allen Ebenen ein Durchmarsch gelingen, bleiben die US-Probleme dennoch fast unlösbar; zumal die erzkonservative katholische 6:3-Mehrheit im Supreme Court auf Jahrzehnte fortdauern könnte und es fast keinen Weg gibt, das zutiefst ungerechte Wahlsystem zu ändern.

Für Amerikas Zukunft sehe ich schwarz, und zwar dunkelschwarz.

Freitag, 30. Oktober 2020

Die Quittung

Es ist ein faszinierender Fall von „I told you so“ – nun wird in ganz Europa die Notbremse gezogen; das öffentliche Leben wieder herunter gefahren, nachdem die Bürger über Monate von allen Experten und seriösen Politikern gehört hatten, genau das werde am Ende des Jahres passieren, wenn man nicht penibel die Hygiene- und Abstandsregeln einhalte.

Aber überall werden die Sars-CoV-II-Aerosole ungehindert hinausgewirbelt, weil Homo Demens entweder unabsichtlich nachlässig die Maske nur unter Kinn oder an Ohr hängen lässt, oder aber schon ins Aluhut-Lager gewechselt ist und es wie Trump trotzig als sein Recht ansieht andere Menschen in tödliche Gefahr zu bringen.

AFDP-Chef Linder hat den Pfad eines seriösen Politikers längst verlassen.

[……] Das Virus [……] macht im Zweifel, was es will. Entsprechend absurd ist der Satz von FDP-Parteichef Christian Lindner, wonach dieser zweite Teil-Lockdown „der letzte“ gewesen sein müsse. Eher liegt das Gegenteil nahe. [……]

(Markus Decker, RND/MoPo, 30.10.2020)

Das blonde Fallbeil kennt keine moralischen Grenzen mehr und verbreitet auch noch ungeniert Verschwörungstheorien über den SPD-Gesundheitsexperten Prof. Karl Lauterbach, der nun von der Naidoo-Hildmann-Fraktion Morddrohungen erhält. Schuld sind BILD und Lindner, die gemeinsam mit bösartig aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten hetzten.

[…..] BILD und Christian Lindner verbreiten Falschdarstellungen über Lauterbach[…..][…..][…..]  Lauterbach hat also nur das für NRW gefordert, was für die meisten Deutschen ohnehin gilt. […..] Christian Lindner trat dabei mit einem Interview in der BILD eine Kampagne des Springer Verlags los und bezeichnete Lauterbachs Aussagen zuerst als eine Forderung nach “Kontrollen in Privatwohnungen” und sagte gar darüber, dass das Maßnahmen seien, die “schärfer sind als die bei der Terrorismusabwehr”. Nochmal: Über eine Forderung für NRW, die in Bayern, Berlin und Baden-Württemberg längst gilt. […..]   Eine halbe Stunde DANACH lügt Christian Lindner immer noch auf Twitter, das Lauterbach das gefordert hätte, und wiederholt seine unsinnige Anschuldigung, dass dies “schärfer als Terrorismusabwehr” wäre. […..] (Andreas Bergholz, 28. Oktober 2020)

Der FDP-Mann bildet inzwischen eine offene Allianz mit Gaulands braunen Lügentruppen im Bundestag, man unterstützt und beklatscht sich gegenseitig.

[…..] Wolfgang Schäubles Autorität droht einen kurzen Moment zu wackeln. [Merkels] Regierungserklärung wird von AfD-Abgeordneten durch wüstes Gebrüll immer wieder unterbrochen, deren Fraktionschef Alexander Gauland sagt später, Deutschland sei auf direktem Weg in die „Corona“-Diktatur. Merkel macht immer wieder Pausen, ignoriert Anfeindungen und Rufe wie: „Wir sind das Parlament.“ Aus der SPD-Fraktion brüllt jemand: „Haltet doch mal die Klappe.“ […..] "Lüge und Desinformation, Verschwörung und Hass beschädigen nicht nur die demokratische Debatte, sondern auch den Kampf gegen das Virus", sagt sie Richtung AfD. Die Maßnahmen seien „geeignet, erforderlich und verhältnismäßig. […..] Lindner hatte zuvor das Bild einer deformierten Demokratie gezeichnet, einer Kanzlerin, die zusammen mit den Ministerpräsidenten einsam sehr weitreichende Beschlüsse fasse, am Parlament vorbeiregiere und von Corona-Maßnahmen, die völlig unverhältnismäßig sein. „Der Deutsche Bundestag kann den Beschluss nur noch nachträglich zur Kenntnis nehmen“, kritisiert Lindner den Bund-Länder-Beschluss für einen „Wellenbrecher“-Lockdown ab kommendem Montag. […..]  „Das muss der letzte Lockdown sein.“  Lindner bekommt von den eigenen Leuten viel Applaus, und von einer weiteren Fraktion: der AfD. […..] „Der Lindner sucht sein Thema“, ätzt einer aus dem nordrhein-westfälischen Regierungsapparat. […..]

(Tagesspiegel, 29.10.2020)

Ich bin ein großer Freund der Merkel-Kritik, aber es wäre schon ganz nett, wenn die AFDP bei der Wahrheit bliebe. Was sollte denn das Motiv der Bundesregierung und aller Bundesländer sein, das öffentliche Leben derart einzuschränken und der deutschen Ökonomie diesen katastrophalen Schaden zuzufügen, wenn es keinen übergeordneten Notstand gäbe?
In diesem Fall sind die beiden Motive der Regierenden so klar wie selten; sie wollen Menschenleben retten und spätere noch viel brutalere Lockdownmaßnahmen vermeiden.

Ja, die Regierten sind genervt, die Zustimmung zu den Regierungsmaßnahmen bröckelt.

Aber einerseits gibt es immer noch eine deutliche Mehrheit, die den „lockdown light“ unterstützt und andererseits hat das verantwortungslose oder bestenfalls schluderige Verhalten der Bürger genau zu dem rasanten Anstieg der Infektionen und Todesfälle geführt, den wir gerade erleben.

Das „gesunde Volksempfinden“, BILD-getriebene Wut und Umfragen sind keine guten Ratgeber.

Die Bürger sind eben gerade nicht vernünftig.

[…..] Chaos und Schlangen in Supermärkten: Hamburger hamstern wieder!

Die Rückkehr der Hamsterkäufe: Kurz vor Beginn des angekündigten „Teil-Lockdowns“ ab Montag in Hamburg reagieren viele Bürger im Supermarkt offenbar panisch. Wie im Frühjahr gab es am Freitagabend vielerorts leere Klo- und Haushaltspapier-Regale, endlose Schlangen an den Kassen und Einkaufswagen prall gefüllt mit Konserven, Mehl und Zucker. [….]

(Mopo, 30.10.2020)

Es geht wieder los; Covidioten einerseits, die Reptiloiden vom Aldebaran-Nebel zusammen mit Gates und Soros am Werk sehen und andererseits aufgescheuchte Paniker, die glauben hinter eine Klorollen-Batterie Pandemie-sicher zu sein.

Meine Wochenend-Einkäufe hatte ich schon auf gestern vorgezogen.

Da morgen Feiertag ist, erwartete ich in Kombination mit dem Nudel- und Klopapierrausch schon seit ein paar Tagen heute die totale Überfüllung in den Läden.

In dem EDEKA nebenan hingen schon wieder Hinweisschilder, man dürfe pro Person nur einmal Klopapier, einmal Hefe und einmal Nudeln kaufen.

Die Menschen kamen mir aber nicht panisch vor; es war eher eine Stimmung wie vor dem Winterschlaf.

Noch einmal Vorräte auffüllen und dann ein paar Wochen in seiner Höhle verschwinden.

Ich habe heute schon angefangen; wozu noch rausgehen?

Den ganzen Tag mit Café und Zeitungen im Bett verbracht.

Der Semi-Lockdown -  so sehr mir natürlich die Existenzsorgen der Gastronomen, Veranstalter, Musiker bewußt sind – ist für mich ein Geschenk.

Das Leben auf das Notwendige beschränken, mehr Zeit für sich nehmen und keine anderen Menschen sehen.

Diesmal ist es noch schöner als im Frühjahr, weil auch das Wetter nach dem heißen Horrorsommer ganz nach meinem Geschmack ist. Frische Luft draußen, man kann wunderbar lüften und sogar schlafen ohne alle zehn Minuten schweißgebadet zu sich zu kommen.

Das ist Sozialphobikers Traum. Der Winter kommt und das alles begleitet von einem seichten Lockdown, so daß man zwar noch einkaufen kann, aber jedes Socializing mit dem Hinweis auf Covid19 abblocken kann.

F*ck You Weihnachtsmarkt, f*ck you Silvestersause, f*ck you Sonne, f*ck you Menschenmassen, f*ck you Großevents, f*ck you Sport-Wahn, f*ck you Gottesdienste.

Mein Traum wäre es, den Zustand bis Januar oder Februar durchzuziehen, weil ich nichts grauenhafter finde als den Weihnachtskonsum-Rausch, die fürchterliche inszenierte Zwangs-Familienstimmung, das Fressen und Prassen, das Glühwein-Saufen, den ganzen unerträglichen Kitsch, die Horror-Musik, die riesigen aus China importierten Plastik-Santa-Claus-Puppen, die an jeder zweiten Fassade hängen.

Das Gute am Dezember ist das Wetter. Ohne den Weihnachtswahn wird es noch viel besser.

Und ja, natürlich weiß ich, daß ich eine Minderheitenposition bekleide.

Natürlich weiß ich, daß es für viele, sehr viele Menschen fürchterliche finanzielle Folgen hat, daß auch sehr viele unter Isolation und Einsamkeit leiden.

Aber deren Befindlichkeiten werden auch tagtäglich in allen Medien transportiert, so wie auch im Sommer alle Medien einfach davon ausgehen, daß sich JEDER viel Hitze und Sonne wünscht.

Aber bei mir ist es umgekehrt: Ich leide unter Nähe zu Menschen und Lärm und Zwangsbeglückungen. Ich leide unter heißen Sommern.

Ich reagiere regelrecht allergisch auf Weihnachtsdekoration und die damit verbundene Nivellierung der Menschen, die manisch alle genau das gleiche machen und mich seit Ewigkeiten dafür schief angucken, mich aus dieser ganzen Feierei grundsätzlich fernzuhalten.

Einmal in meinem Leben bin ich nun derjenige, der sich im Dezember wohlfühlen kann.