Vor ungefähr 25 Jahren bat meine Mutter einen Beerdigungsunternehmer
zu sich, um für ihren Tod alles genau festzuzurren. Sie hatte auch meinen Vater
eingeladen, um zu erfahren, wie er einmal seine Asche untergebracht haben
möchte, aber ihm war das alles zu gruselig. Darüber wollte er nicht sprechen.
Ich fand es sehr spannend und kam natürlich dazu. Nachdem
wir schnell rausfanden, auf einer Wellenlinie zu liegen, gab der gute Mann eine
kurios-makabere Beerdigungsgeschichte nach der nächsten zum Besten. Meine
Mutter war begeistert; wir hatten einen wirklich grandiosen, lehrreichen und
urkomischen Nachmittag. Bei der Gelegenheit plante ich auch meine Beerdigung
durch und schloss einen Vertrag ab. Seither trage ich eine Visitenkarte mit
einer Notfallnummer im Portemonnaie mit mir herum. Sollte ich plötzlich
überfahren werden oder mir ein Ziegel auf den Kopf fallen, muss die Polizei nur
die Nummer anrufen und dann rattert alles automatisch los, ohne daß sich
irgendjemand kümmern muss oder Entscheidungen zu treffen hat.
Ich fand das immer sehr beruhigend.
Etwas später gab meine Mutter mir Geschenk; sie hatte
eine silberne Anstecknadel fertigen lassen, die eine dreistellige Nummer zeigt.
Die Ziffern sind der Friedhofs-Code für meinen Urnenplatz. Die Nadel trage ich
bis heute gern an meinem Revers.
Ein Vierteljahrhundert später sind alle final verscharrt.
Mit mir wird mein Familienname aussterben, was mich als Antinatalist mit einer
gewissen Genugtuung erfüllt. Zudem ist mein Nachname sehr selten und existiert
meines Wissens nur einmal in Deutschland. Wenn ich den Löffel abgebe, wird der
Name aus der Geschichte getilgt. Gut so, denn wenn es eins im Überfluss gibt,
dann sind es Menschen.
Mein Beerdigungsvertrag ist selbstverständlich immer noch
gültig, aber nachdem alle meine Verwandten weggestorben waren, musste ich zum
Notar gehen, um Patientenverfügung, Pflegeanweisungen, Organspende, Generalvollmacht
und ein Testament aufsetzen lassen. Das sollte sowieso dringend jeder machen,
weil es für die Angehörigen im Sterbefall eine Zumutung ist, sehr schnell diese
Dinge entscheiden zu müssen. Immerhin dürfen Kinder oder Ehepartner dann
entscheiden.
Wenn man aber keine Verwandten mehr hat, ist es noch viel
wichtiger, diese „letzten Dinge“ rechtlich sicher zu regeln.
Problematisch ist alles, was zwischen Krankheit und Tod
anfällt, weil es so viele Möglichkeiten gibt, in denen man physisch, geistig
oder finanziell nicht mehr selbst entscheiden kann. Nach Schlaganfall, Demenz,
Alzheimer, Parkinson, Locked-In-Syndrom, MS kann es noch sehr lange dauern, bis
man endgültig abgereist ist. Da heißt es Vorsorge treffen!
Nach dem Tod bleiben neben der Beerdigung in der Regel
zwei Probleme: Einerseits der Hausrat, zu dem so viele persönliche Dinge
gehören. In meinem Fall sogar besonders viele, da ich als letzter verbliebener
Verwandter auch jede Menge Fotos, Briefe, Aufzeichnungen, Bilder meiner
Eltern/Tanten/Großeltern etc verwahre. Dazu kommen haufenweise Bücher und „mein
Haushalt“ – von Küchenutensilien über Klamotten bis zu technischen Geräten.
Aus Erfahrung weiß ich immerhin: All das Zeug ist, im
Gegensatz zu dem was uns Trödel-Sendungen suggerieren, nahezu wertlos. Niemand
will gebrauchte Sachen haben. Annahmestellen für Möbel oder Anziehsachen, „die
noch gut sind“, haben in Hamburg fast alle aufgegeben, weil sie in einer Flut
von Sachen untergingen. Wir sind eine Überflussgesellschaft, in der jeder alles
hat. Keiner will gebrauchtes Geschirr oder einen Toaster, mit dem schon jemand
anders jahrelang toastete.
Die einzige Lösung ist ein professioneller Entrümpler.
Und die sind teuer. Deutlich teurer, als das was sie noch zu Geld machen
können. Es sei denn, jemand besitzt ausgesprochene Wertsachen, wie eine
Rolex-Sammlung oder einen Sack Krügerrands. Aber wer das besitzt, braucht auch
keinen Entrümpler.
Unglücklicherweise bin ich auch noch ein Sammler. Eine
Charaktereigenschaft, die ich gar nicht mag; aber das ist offensichtlich
genetisch bedingt. Ich sammele Dinge, wie Postkarten, CDs, Bücher, Bilder, weil
ich gern die Auswahl habe. Besonders schlimm ist es mit Papierwaren
(Briefpapier, Blocks, Kuverts) und Haushaltswäsche. Den Irrsinn pflegten schon
meine verstorbenen Ahnen, so daß ich eigentlich in einen Geschirrtuch-Handel
einsteigen könnte.
Über die Dekaden wachsen einem diese Dinge ans Herz; ich
mag sie nicht weggeben, obwohl ich weiß, daß ich keine zwei Regalmeter
Ansichtskarten verschicken werde. Rein emotional wüßte ich gern, daß jemand
nach meinem Tod den ganzen Kram so schätzt wie ich und weiter alles hegt und
pflegt.
Rational weiß ich aber, daß das nicht der Fall sein wird,
daß der ganze Tand wertlos ist und sehr wahrscheinlich blitzartig auf der
Müllkippe oder in einer Verbrennungsanlage landen wird. Auch das habe ich organisiert.
Das zweite Problem ist das eigentliche „Vermögen.“
Wenn mein Körper verbrannt, die Wohnung aufgelöst ist,
der Testamentsvollstrecker seine Arbeit getan hat, wird mutmaßlich Geld übrig
bleiben, das ich vererbe. In Ermangelung von Kindern, musste ich mir selbst Erben
aussuchen. Für diesen Fall hat der liebe Gott die Gemeinnützigkeit erfunden.
Ich habe mein Testament mit Vermächtnissen beschwert, um einige
Vereine/Stiftungen finanziell zu bedenken.
Die Details breite ich nicht im Internet aus; kann aber
ein paar Hinweise geben.
Nicht bedacht sind die Kirchen. Überraschung.
Nicht bedacht sind Parteien, obwohl es immerhin
anderthalb Parteien gibt, denen ich jeden Erfolg gönne. Aber ich habe nicht den
Eindruck, als ob deutsche Regierungsparteien so darben müssen, daß sie dringend
auf Erbschaften angewiesen sind.
Förderungswürdig sind meines Erachtens, einerseits Organisationen,
die für die Trennung von Staat und Kirche einsetzen und andererseits Vereine,
die sich Fauna und Flora verschreiben. Dabei geht es in erster Linie darum, dem Raubbau an der
Natur entgegen zu treten, indem beispielsweise Wälder aufgekauft werden, um sie
vor der Abholzung zu bewahren und damit möglichst vielen Tier- und
Pflanzenarten den Lebensraum zu bewahren.
Als Quasi-Küstenbewohner hänge ich insbesondere an den
Meeresbewohnern. Ich habe noch nie etwas gegessen, das im Wasser lebt. Eins meiner ersten Kinderbücher, das meine Oma mir immer „vorlas“,
handelte von den verschiedenen Walarten. Auch das blieb hängen. Ein weiterer
Focus liegt auf der Vogelwelt; erst an dritter Stelle kommen die Landtiere.
Beim Tierschutz plädiere ich sehr stark für eine
rationale Betrachtungsweise. Ich schwinge mit der „Extinction
Rebellion“, weil ich es für maximal unmoralisch halte, jeden
Tag durch die humanoide Lebensraumgier und die aberwitzige Vermehrung des Homo
Demens, andere Spezies auszurotten.
Dabei sind nicht jede Pflanze und jedes Tier positiv,
denn gerade die Ackerbau-Monokulturen und die geradezu aberwitzige
Massentierhaltung fressen Ressourcen auf und entziehen komplexen Biotopen den
Raum.
(….) Und die nächstgrößere Umweltpest, die unsere
Zukunft ruiniert, wird ebenfalls nicht angesprochen: Haustiere. Ein Hund ist so
umweltschädlich wie ein KfZ, weil seine Futterproduktion so einen dramatischen
Energie- und Wasser-Fußabdruck hinterlässt.
[…] In vielen Artikeln lässt sich nachlesen, wie schädlich die Haltung von
Rindern für das Klima ist. Doch welchen ökologischen Fußabdruck hat eigentlich
der beste Freund des Menschen? Dieser Frage sind Kim Maya Yavor und Dr.
Annekatrin Lehmann nachgegangen. Sie haben unter der Leitung von Prof. Dr.
Matthias Finkenbeiner am Fachgebiet Sustainable Engineering der Technischen
Universität Berlin die Ökobilanz eines durchschnittlichen Hunds erstellt.
Wieviel CO2 produziert ein Hund?
Demnach stößt ein 15 kg schwerer Hund im Laufe von 13 Lebensjahren etwa
8,2 t CO2 aus. Das entspreche laut Prof. Dr. Finkenbeiner ...
... 13 Hin- und Rückflügen
von Berlin nach Barcelona
... oder fast der Menge, die
bei der Produktion eines Mercedes C250 emittiert wird.
Darüber hinaus scheidet der Durchschnittshund rund 1 t Kot und knapp
2.000 l Urin aus.
Das alles hat signifikante Folgen für die Umwelt. Dessen Ausmaß
überrascht sogar die Forscher. Ihre Ökobilanz ist die erste, die den kompletten
Lebensweg eines Hundes umfasst - vom Tierfutter bis hin zu den Ausscheidungen.
In ihre Berechnungen haben Yavor, Lehmann und Finkenbeiner alle Stoff- und
Energieströme einbezogen, die in einem Produkt stecken und auf die Umwelt
wirken:
Ressourcen für das Futter
Ressourcen für die Herstellung
des Futters
Ressourcen für die Verpackung
des Futters
Ressourcen für den Transport
des Futters
Umweltauswirkungen der
Exkremente
Produktion der Kotbeutel
Ressourcen für die
Straßenreinigung
Hund: Futter und Kot am schädlichsten für die Umwelt
Tierfutter und die Exkremente der Hunde haben den größten ökologischen
Fußabdruck. Die Forscher haben verschiedene Indikatoren untersucht, sogenannte
Umweltwirkungskategorien; unter anderem den Klimawandel, Ozonabbau, Ozonabbau,
Smog, Versauerung von Böden oder die Landnutzung. Bei fast allen Parametern
fällt das Hundefutter mit circa 90 Prozent am schwersten ins Gewicht. […]
(Agrar Heute, 21.10.21)
Aber gerade in der Pandemie
fangen die Deutschen an, sich wie wahnsinnig neue Hunde zuzulegen, so daß die
Züchter ihre Rüden rund um die Uhr decken lassen und doch nicht den Bedarf erfüllen. (….)
(Erkenntnisse umsetzen, 15.03.2022)
Ich verstehe es natürlich, wenn Menschen ihre Haustiere
lieben, aber sich selbst für einen Tierfreund, oder gar Naturschützer zu
halten, weil man ein Haustier besitzt, ist aberwitzig.
Eine Erbschaft an den lokalen Tierschutzverein, an das
Tierheim oder die kommunale Katzenhilfe halte ich aus der Naturschutzperspektive
für extrem kontraproduktiv. Golden Retriever oder Hauskatzen sind nicht vom
Aussterben bedroht. Natürlich hat das einzelne Exemplar dasselbe moralische
Recht zu leben, wie ein anderes Tier und darf nicht gequält werden – genau wie
Schlachtschweine oder Legebatteriehühner auch!
Aber radikale Tierschützer, die einen enormen
finanziellen und Arbeitsaufwand an den Tag legen, um einen einzelnen bissigen
Kampfhund vorm Einschläfern zu retten, kann ich nicht ernst nehmen.
Die Mopo berichtete kürzlich tränenrührig von den engagierten
Frauen, die sich um die postpandemischen streunenden Hamburger Straßenkatzen
bemühen.
[…] 10.000
Streunerkatzen leben auf Hamburgs Straßen, viele krank und halb verhungert.
Tierschützer kommen mit der Hilfe kaum noch hinterher. […] Katzenretterin
Monika Freytag (52) vom Hamburger Tierschutzverein HTV hofft inständig auf die
Katzenschutzverordnung: „Bei uns gehen immer mehr Notrufe ein. Wir kommen mit
der Katzenrettung einfach nicht mehr hinterher. Es sind so viele schlimme
Katzenschicksale. Die Wege durch die ganze Stadt sind in der Zeit einfach nicht
zu schaffen. Ich wünschte, wir hätten einen Hubschrauber.“ Abgemagert und voller Läuse, das Fell
verfilzt, die Augen verklebt – der Zustand, in dem verwilderte Katzen und ihre
Jungen im Tierheim Süderstraße landen, ist oft zum Heulen. Etwa 10.000 Streuner
leben auf Hamburgs Straßen, eine niemals endende Aufgabe für den
Tierschutzverein, möglichst viele zu kastrieren.[…] Während
sie das sagt, hält die Katzenfreundin ein zwölf Wochen altes Streunerkatzenbaby
auf dem Arm – munter, aber viel zu klein für sein Alter. [….]
(Mopo, 23.03.2022)
Liebe Monika Freytag, Sie haben das Herz am rechten Fleck
und sind sicher ein guter Mensch. Aber Sie haben einen Knall.
Das was da betrieben wird, ist aberwitzige
Ressourcenverschwendung. Kranke, verlauste, unterernährte Streunerkatzen sollten
eingeschläfert werden und selbstverständlich müssen Hauskatzen kastriert und
gechipt sein. Die Arbeit und das Geld sollte man unbedingt in
sinnvollere Naturschutzprojekte stecken.
Der Katzenretterwahn geht inzwischen noch einen Schritt
weiter.
Der Deutsche Tierschutzbund höchstselbst ließ
fast 50 Straßenhunde und verwahrloste Katzen aus der Ukraine nach einem
vierwöchigen Quarantänestopp in Rumänien nach Deutschland holen.
[….] Der
Deutsche Tierschutzbund hat 49 Hunde und Katzen aus dem ukrainischen Odessa
nach Deutschland gebracht. Es handelt sich um Straßentiere, die auf menschliche
Obhut angewiesen sind. 49 Hunde und Katzen sind mit Hilfe des Deutschen Tierschutzbundes
vor dem Krieg in der Ukraine gerettet und nach Bayern und Schleswig-Holstein
gebracht worden. Die 42 Hunde und sieben Katzen waren zunächst aus dem Zentrum
des Tierschutzbundes in Odessa gerettet und die vergangenen vier Wochen im
rumänischen Tierheim Smeura zur Quarantäne untergebracht worden, wie der
Tierschutzbund am Donnerstag in Bonn mitteilte. Jetzt wurden die Tiere in deutschen Tierheimen unter anderem in
Garmisch-Partenkirchen in Bayern und Kappeln in Schleswig-Holstein aufgenommen.
Die Katzen wurden nach Brandenburg gebracht. Weitere sieben Katzen warten den
Angaben zufolge noch in Rumänien auf die Weiterreise. [….]
(RND, 21.04.2022)
Abgesehen davon, daß es sich um eine Tortur für die armen
Viecher handelte, kann man weder die Kosten noch den CO2-Verbrauch
für den Transport unter Naturschutzaspekten rechtfertigen. Dafür hättet man einen halben Hektar Savanne kaufen und
retten können.
Außerdem, und das sage ich als Antinatalist, finde ich es
zynisch den Aufwand für Straßenhunde zu betreiben, wenn man stattdessen auch
Menschen aus dem Krieg retten könnte.
Das ist jedenfalls auch klar; wenn ich endgültig die
Hühner sattele, bekommt der Tierschutzbund ebenfalls nichts.