Donnerstag, 25. März 2021

Von der Gnade des perfekten Geburtsjahres.

Früher beneidete ich die Unternehmergeneration, die in den 1930ern geboren wurde. Den zweiten Weltkrieg erlebten sie als Kinder, als sie noch zu jung waren, um die Schrecken richtig zu begreifen, bei Kriegsende war mein Vater acht Jahre alt, meine Mutter sieben und ihr Bruder 13 Jahre.

Sie wurden durch das Erlebte durchaus mit dem nötigen Ernst geboren, wuchsen ohne Luxus auf, so daß sie die kleinen Freuden des Lebens genießen konnten, wie ich mir das nicht mehr vorstellen kann.

Immer wieder erzählte meine Mutter mir beispielsweise davon, wie meine Oma nach dem Krieg die erste Orange nach Hause brachte. Meine Mutter sah des erste Mal so eine Frucht, die aber erst angeschnitten werden sollte, wenn alle Geschwister da waren. Durch ein unglückliches Missverständnis wurde die erste Orange aber ohne sie gegessen; die Enttäuschung vergaß sie ihr Leben lang nicht. Aber umso mehr blieb ihr in Erinnerung, als meine Oma einige Wochen später erneut eine Orange ergatterte, die meine Mutter dann zum Trost ganz allein essen durfte. Dieser Geschmack, die Frische, der Duft.

Ich denke immer wieder an diese Beschreibungen, wenn ich arglos im Gemüseladen stehe, mir achselzuckend die riesigen Berge voller Clementinen, Mandarinen, Pampelmusen, Pomelos und Orangen ansehe, die mich aber nicht so richtig locken können, weil Orangen ja so umständlich zu pulen sind. Davon kriegt man klebrige Finger.

Die jungen Männer, die Ende der 1940er Jahre, zum Start der Bundesrepublik Deutschland um die 18 Jahre alt waren, hatten improvisieren gelernt, vielfach waren die autoritären Familienstrukturen durch Abwesenheit der Väter aufgebrochen, so daß sie früher und freier als jede vorherige Generation unternehmerisch tätig werden konnten.

Es folgte ein paradiesisches halbes Jahrhundert in Deutschland. Es herrschte dauerhaft Frieden in Europa, man konnte überall hinreisen, der Umweltschutzgedanke war noch nicht entstanden, man rauchte und trank. Ökonomisch gab es nur eine Richtung: Aufwärts. Es wurde immer besser, ohne daß man hyperflexibel ständig neue Ideen entwickeln musste und nicht von globalen Veränderungen bedroht war.

Meine selige Elterngeneration! Ganz anders meine Großelterngeneration. Mein Opa, geb. 1890, hatte sich wirklich abgerackert und musste als Erwachsener gleich zwei Weltkriege über sich ergehen lassen, die seine berufliche Existenz komplett zerstörten.  Wie viel einfacher hatte es sein Sohn.

Erst in den 1990er Jahren schlug mit der Digitalisierung, Globalisierung und Überbevölkerung auf das deutsche ökonomische Paradies ein.

Viele Jobs, die über Jahrzehnte bestanden, fielen von eben auf jetzt weg, weil irgendein Land 10.000 km entfernt alles besser und schneller und billiger konnte, während gleichzeitig die Frachtkosten durch die Containerschifffahrt minimiert wurden.

Ganze Branchen brachen weg. Wer braucht heute noch die kleine Druckerei von nebenan? Fotogeschäfte, die Filme entwickeln? Videotheken? Plattenläden? Konzertkasse?

Die Multis und billiger.de-Portale ließen die Wertschätzung für Service schrumpfen.

Die Geschäfte meiner Teen- und Twen-Jahre, Buchläden, in denen die Inhaberin selbst alles gelesen hatte und mit der ich über die Inhalte diskutieren konnte, oder der Elektronikladen, dessen Fachverkäufer mir nicht nur alles über Stabmixer, Waschmaschinen und Cassettenrekorder erklärte, sondern der auch noch umstandslos zu mir nach Hause kam, wenn neue Sender einprogrammiert werden mussten, oder der Herd rumzickte.

Alles weg.    Die ewige Aufsteigergenration, geboren in den 1930ern, sollte möglichst inzwischen den Löffel abgegeben haben. Zu frustrierend ist es mit anzusehen, wie der kleine Familienbetrieb, der Zeitungskiosk, der Schusterladen, das Tante-Emma-Geschäft jedes Jahre weniger abwirft, weil die Margen kleiner werden und die Billig-Konkurrenz durch Milliardenschwere-Konzerne nebenan hockt.

So ein kleines Geschäft, das über Jahrzehnte die ganze Familie ernähren konnte und für bescheidenen Wohlstand sorgte – man hatte zwei Autos und ein Ferienhaus – trägt sich kaum noch, obwohl man immer mehr strampelt.

1950 musste man nur morgens die Ladentür aufschließen; die Kunden strömten von allein hinein und stürzten sich auf alles, das es gab.

 In der heutigen Überschussgesellschaft, in der jeder in Sekundenschnelle bei Amazon Preise vergleicht, geht das schon lange nicht mehr.

Man muss sich sehr spezialisieren, enormen Aufwand in Marketing und Werbung stecken, die Kunden umgarnen, Events veranstalten, Sonderkonditionen bieten.

Wenig überraschend haben die Millennials und die Generation Z (die um 2000 Geborenen) ohnehin keine Lust mehr auf Kaufmannsladen oder Serviceberufe.   Handwerksbetriebe und Krankenhäuser können überhaupt nur noch existieren, weil sie ihr Personal aus Migranten rekrutieren.

Die Zeiten der durchgängigen Erwerbslaufbahnen bei einem Arbeitgeber in demselben Job, den auch schon der Vater und Großvater ausgeübt hatten, sind vorbei.

Die Generation Praktikum und die Generation Z, die so handyaffin ist, daß sie keine Rechtschreibung mehr beherrscht, nie  ein Buch gelesen hat oder gar ein Gedicht auswendig kann, dafür aber nach zehn Minuten in Schnappatmung gerät, wenn das Internet down ist, läßt sich trefflich von meiner Generation auslachen.

Wie kann man nur so unselbstständig und weinerlich sein!

Aber der Dauerstress durch die sozialen Medien und ungewisse Zukunft mit immer größeren Bildungsanforderungen, sofern man sich nicht damit begnügt ein Leben als Geringverdiener zu führen, der niemals eine Stadtwohnungsmiete bezahlen kann und als Rentner von sozialen Transferleistungen abhängig zu sein, ist real.

Psychische Krankheiten nehmen exponentiell zu, jeder Teenager kennt die Begriffe „soziale Phobie“, „Burnout“ und „Depression“.

Heute wurde verkündet, das am 05.04. in Hamburg beginnende Sommersemester, fände erneut nur digital statt.

Das ganz große Mitleid bringe ich schwer auf, weil es Erstsemester des Jahres 2021 in vieler Hinsicht so viel leichter als ich haben.

Wie viele Myriaden endlose Stunden habe ich damals in Bibliotheken recherchiert, auf die Rückkehr ausgeliehener Bücher gewartet, irgendwelche riesigen Wälzer zu Copy-Shops geschleppt, nächtelang mit der Hand Protokolle und Arbeiten verfasst, in denen kein einziger Schreibfehler sein durfte, so daß man immer wieder eine ganze Seite neu schreiben musste, weil man natürlich in der letzten Zeile ein Wort vergessen hatte.

Und die Twens mit Laptop und MS WORD wollen mir erzählen, wie schwer sie es haben?

Aber sie haben es schwer, weil sie eine nicht digitalisierte Welt nicht kennengelernt haben, keine Vergleiche ziehen können.

So wie ich nie wirklich mitfühlen könnte, wie meine Mutter 1948 den Geschmack der ersten Orange ihres Lebens genoss.

Die emotionale und soziale Seite des Lebens scheint durch die unendlich große Auswahl des Onlinedatings auch nicht besser zu werden, weil durch die Möglichkeiten auch die Vergleichbarkeit exponentiell wächst.

Jeder junge Mann, der ein Mädchen kennenlernen will, kann sich anstrengen so viel er will – sie wird immer auf ihrem Klugtelefon jemand sehen, der noch bessere Bauchmuskeln, vollere Haare, schönere Zähne und ein fetteres Gehalt aufweist.   Umgekehrt natürlich genauso.

Ich bin froh ein „digital immigrant“ zu sein. Anders als die digital natives, kenne ich beide Welten, kann mich also mehr an einem neuen Song erfreuen, weil ich weiß welche wochenlange Mühe ich als Jugendlicher auf mich nehmen musste, um Plattenläden nach einer bestimmten Platte abzuklappern, statt immer alles per streaming zur Verfügung zu haben.

Anders als die 1930 Geborenen, war ich aber zu Beginn des Internetzeitalters gerade noch jung genug, um mir die Vorteile anzueignen.

Auch die Endlos-Pandemie erlebt man am bestens als 50-60-Jähriger.

Da ist man alt genug, um sich die Hörner abgestoßen zu haben.  Man muss nicht ausgehen, erlebt keinen „sexuellen Notstand“ mehr, muss niemand kennenlernen.   Man hat sich zu Hause eingerichtet und im letzten halben Jahrhundert ohnehin mehr Krams angesammelt als man braucht. Beschäftigung gibt es im Überfluss.   Es stehen in der Regel keine Prüfungen oder Abgabetermine an.

Die Zappeligkeit der Teens und Twens fehlt mir völlig. Twens, die so sehr ein Ende der Corona-Maßnahmen herbeisehnen, daß sie, wie ich heute wieder bei einer Fahrt entlang der Außenalster bei gutem Wetter um 19.00 beobachten konnte, zu 99% alle Abstands- und Maskenregeln ignorieren, sich ungeniert und ungeschützt zusammenballen, lachen, laufen, labern und lagern.

In meinem Alter bin ich kaum tangiert von den Maßnahmen, würde bei Aufhebung derselben auch nichts ändern.

Ich habe es aber nicht nur viel besser als Teens und Twens, sondern natürlich auch besser als die 80+Generation, da ich (noch) gesund genug bin (schnell auf Holz klopfen), um autark zu leben, keine Hilfe im Alltag benötige.

Die bisherigen SarsCoV-2 sind für meine Generation auch nicht so tödlich wie für Hochbetagte.  (Die verschiedenen Mutanten könnten das ändern.)

Nicht nur habe ich das perfekte Alter für eine Pandemie, sondern als Atheist, Misanthrop und Antinatalist auch den riesengroßen Vorteil keine Kinder zu haben.

Kinder ohne Kita und Schulen sind ein gewaltiger Zeitaufwand, der Millionen Eltern zur Verzweiflung bringt.

Fast noch schlimmer sind die noch rüstigen Großeltern getroffen, die in ihren 70ern eigentlich ihr Leben genießen möchten, nun aber täglich die Brut ihrer Kinder hüten müssen und sich nicht nur daran erinnern wie laut und anstrengend kleine Kinder sind, sondern auch feststellen, daß man diese Sonderbelastung mit 70 oder 80 weniger gut wegsteckt als mit 20, 30 oder 40.

Zumal viele der Dinge, die Opa und Oma üblicherweise mit den kleinen Rackern unternehmen, um sie zu bespaßen – Zirkus, Zoo, Spielplatz – auch den Corona-Regeln zum Opfer fallen, so daß man die Bälger die ganze Zeit in seiner Wohnung sitzen hat.

Zum Glück bin ich völlig sicher vor solchen Stressfaktoren. Es gibt keine Enkelkinder, die von einer Helikoptermutter morgens um 8.00 aus ihrem SUV-Hybrid an meinen Küchentisch getreten werden könnten.

Enkel machen in Coronazeiten nicht nur verdammt viel Arbeit, sondern sind zu allem Überfluss auch noch tödliche Virenschleudern.

[….] Kinder werden zur Gefahr für ihre Eltern   [….]  Die dritte Welle bricht, wie Virologinnen und Modellierer spätestens seit Januar prophezeien, mit Macht über Deutschland herein, die deutlich ansteckendere und gefährlichere Mutante B.1.1.7 überzieht das Land. Und anstatt die Kontakte drastisch zu beschränken, wird gelockert – vor allem bei den Schulen.   Was das bedeutet, lässt sich bereits an den Inzidenzkurven ablesen: »Der stärkste Anstieg ist bei Kindern zwischen 0 und 14 Jahren zu beobachten, wo sich die Sieben-Tage-Inzidenzen in den letzten vier Wochen mehr als verdoppelt haben«, heißt es im jüngsten Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI).  Tatsächlich explodierte das Infektionsgeschehen bei den bis zu 14 Jahre alten Kindern geradezu: Die Fallzahlen sind auf durchschnittlich 110 hochgeschnellt; damit haben sie sich in den vergangenen fünf Wochen nahezu verdreifacht. [….] Eine weitere Folge des laxen Umgangs mit dem Virus zeigt sich in jenen Ländern, in denen die Mutante schon länger wütet: Die Kinder stecken ihre Eltern an, und die werden krank, manche sogar sehr krank. [….]

(Rafaela von Bredow, 25.03.2021)

Keine Kinder, in den 1960ern geboren. Alles richtig gemacht!

Mittwoch, 24. März 2021

Wenn nur noch Trübsal blasen bleibt

Heute ist die Häme über die Rolle rückwärts der MPK-Osterbeschlüsse natürlich groß.

Mühsam hatte die Runde aus 16 Ministerpräsidentin, Kanzlerin und drei Bundesministern gekreißt, um einen einzigen Ruhetag anzusetzen und wurde binnen 24 Stunden von einem Lobbyistenwind wieder zurück gepustet.

Eine Maßnahme, die ohnehin zu lasch und zu kurz angesetzt war, wird wieder eingesammelt von einer Kanzlerin, die immerhin heroisch ganz allein die Schuld auf sich nimmt, obwohl jeder weiß, daß es eher die unverantwortlichen MPs waren, die stingentere Strategien verhindern.

Der Ministerpräsident in Kiel, Daniel Günther, genau wie sein Kollege in Düsseldorf ein geradezu fanatisch frommer Katholik, brauchte nur wenige Stunden nach der dramatischen MPK-Nachtsitzung, um für Schleswig-Holstein wieder einen Sonderweg anzukündigen, auf daß die Pandemiepolitik zur Freude der Covidioten noch mehr chaotisiert wird.

Noch ärgerlicher war Bundesarbeitsverweigerungsminister Seehofer, der ein Jahr untergetaucht war, nicht einen sinnvollen Satz zur Pandemie beigetragen hatte, aber unmittelbar nach dem Gründonnerstags-Beschluss seiner eigenen Regierung in den Rücken fiel.

[…..] Seehofer kritisiert Osterbeschlüsse von Bund und Ländern scharf »Ausgerechnet Parteien, die das C im Namen führen«: Innenminister Seehofer will die Bitte zum Verzicht auf Gottesdienste an Ostern nicht hinnehmen. Die Hygienekonzepte für Kirchen funktionierten doch. […..]

(SPON, 24.03.2021)

So viel Verblödung in drei Sätzen erlebt man auch nicht oft, obwohl wir im Trump-Zeitalter einiges gewohnt sind.

Sagenhaft, ausgerechnet jetzt gehen die Top-Katholiban Seehofer, Laschet und Günther auf Woelki-Kurs.

Es sollte nicht um Crazy Horsts religiöse Gefühle gehen, sondern um eine Millionenfach tödliche Epidemie, die in Deutschland schon 76.000 Tote forderte. Deutlich über 3.000 Covid19-Patienten liegen genau jetzt auf den Intensivstationen und kämpfen um ihr Leben.

Was ist denn Seehofers Plan? Auf Gebete und Globuli vertrauen und sehenden Auges die Todeszahlen multiplizieren?

[….] Berliner Forscher warnen vor 2000er-Inzidenz im Mai. Einer neuen Studie zufolge können die Notbremse, Impfungen und wärmeres Wetter die dritte Welle nicht aufhalten. Was muss stattdessen passieren? […..]

(Jan Kixmüller, 24.03.2021)

Normalerweise würde ich mich jetzt damit quälen, zuvor verwendete Begrifflichkeiten wie „politisches Totalversagen“, „Debakel“ oder „sagenhafte Unfähigkeit“ im Zusammenhang mit Personen wie Laschet, Spahn, Karliczek, Scheuer oder Seehofer erneut verbal zu überbieten.

Aber nach den grandiosen Regierungsvorlagen, wurden wir heute in den sozialen Medien mit einer derartigen Flut von Karikaturen und Memes überschwemmt, daß ich mich emotional ausreichend austoben konnte.

Die Kritik ist so ätzend, daß ich auch nichts mehr drauflegen kann.

Schlimmer ist aber etwas anderes: Die Tölpelei der (vornehmlich) C-Politiker wird zur ganz großen Vitaminspritze für  Rechtsextreme, Aluhüte, Covidioten, Querdenker, Pegidioten, AfD, Nena-Attila-Xavier-Wendler.

Die braune Pest um David Berger spürt enormen Aufwind unter ihren Höckeflügeln.

[….] Kriminell oder unzurechnungsfähig?  Jetzt sollte auch der treueste und masochistischste deutsche Untertan erkennen: Entweder ist diese Frau im höchsten Maße kriminell oder nicht mehr zurechnungsfähig. Darüber zu rätseln ist müßig, denn beides können wir uns in dieser absolut desolaten Lage unseres Landes keinen Tag länger leisten.     Merkel muss weg, mit allen Mitteln, die das Recht dazu bietet. Und mit ihr die, die ihr den Rücken freigehalten haben, eunuchenhaft in ihrem Hofstaat abgenickt haben, was sie wollte. Und die genau dies weitertun:   Abschied von den Klatscheunuchen.   Dieselben 16 Länderchefs, die gestern mit ihrer Führerin beschlossen haben, uns über Ostern fast eine Woche lang einzusperren, klatschen nun Applaus, dass man alles wieder zurückzieht. Solche Waschlappen ohne Rückgrat haben in einer Demokratie keinen Platz als Politiker! Und: Nach der Bankrotterklärung des Merkel-Coronakabinetts müssen dessen Beschlüsse umgehend aufgehoben werden: Das Geschwätz von einer „neuen Pandemie“ ist unverzüglich zu beenden. Die Grundrechte müssen umgehend wieder hergestellt werden. […..]

(Phimose Paranoia-Blog, 24.03.2021)

In einem Superwahljahr die Hetzer und Antidemokraten so kräftig zu unterstützen, deprimiert mich derartig, daß ich noch nicht mal Lust habe Angela Merkel zu kritisieren.

Die Ideenlosigkeit ist schon gewaltig in der Runde der Entscheider. Dabei haben die doch alle Mitarbeiter, die Zeitungen lesen und Virologen zuhören.

Während einer Feiertagsballung, wenn durch den Ausfall der Einkaufstage am Freitag und Montag ohnehin schon großes Gedrängel in den Supermärkten herrscht – nämlich am Donnerstag und insbesondere Karsamstag – kann man aus Epidemiologischer Sicht zwei Dinge tun:

1.) Supermärkte für ein oder zwei Wochen ganz schließen, so daß es nicht zu Drängeleien kommt.

2.) Statt der eingeschränkten Einkaufszeiten, die zwangsläufig zu einer superspreaderigen Ballung führen, sollten die Öffnungszeiten auf 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche ausgedehnt werden, so daß die Kunden sich viel mehr verteilen können.

Die MPK tat stattdessen das einzige, das die Situation noch verschlimmert – sie wollte ein kleines Supermarkteinkaufsfenster am Samstagvormittag für alle schaffen.

Menschen sind nun einmal etwas blöd und ballen sich gern.*

Dem muss man entgegenwirken und politische Regelungen finden, die das verhindern.

Aber das erfordert kreatives Denken im Bundeskanzleramt.

Ist also ausgeschlossen.

Ich sehe schwarz, und zwar dunkelschwarz.

* Aus einem Brief vom November 2020:

Dieses Hamburg-Niendorf ist echt ein Spießerklischee!

Wenn man da spät abends längs fährt, also sagen wir mal nach 19.00 Uhr, ist es KOMPLETT ausgestorben. Da sieht man keinen einzigen Menschen auf der Straße. Noch nicht mal Autos fahren.

Aber eine halbe Stunde vor Eröffnung des Tibargcenters um 9.00 Uhr kommen ganze Kohorten von Frauen mit ihren Hackenporsches aus den Hauseingängen gequollen und rennen im Gänsemarsch zum Einkaufen.

Heute war ich, glaube ich, das erste mal an einem Samstag da. Da lassen sie die Omen und Open raus. Alle fünf Meter taperte auch in den ganz kleinen Straßen ein Weißkopp an seinem Rollator umher.

Um kurz vor 14.00 Uhr war ich fertig mit meinem Termin und wollte noch eben zu diesem großen EDEKA am Krähenweg, weil da ein gut sortierter Bäcker im Vorraum ist. Aber schon auf der Straße begann eine 100m-Gerontenschlange von akkurat maskierten +80-Niendorfern, die im 2m-Abstand mit ihren Einkaufswagen diszipliniert darauf warteten, den EDEKA zu entern.

Da habe ich natürlich gar nicht erst angehalten und bin auf dem Rückweg in Winterhude noch schnell zum Bäcker gegangen. Da war alles normal. Keine Schlangen vor den Geschäften.

Dort verteilt sich alles am Wochenende.

Aber die Niendorfer haben alle den gleichen Lerchen-Rhythmus und koordinieren offenbar ihren Tagesablauf, so daß sie alle immer in dichten Pulks unterwegs sind. WENN sie unterwegs sind. Normalerweise kommen sie nicht aus ihren Butzen raus. Ich mutmaße auch, daß die gar nichts machen. Sobald die nach dem Tibarg-Einkauf wieder zu Hause sind, verfallen die wie ein Android, dem man den Stecker zieht, in Starre. Dann harren sie 23 h aus und sobald der Morgen graut, macht sich der tausendfüßige graugesichtige Lindwurm wieder auf.

Ich weiß nicht, wie ich das mit einer möglichen Zukunft als Rentner in Niendorf vereinbaren soll. Mit 0,1 km/h geriatrisch am Rollator umhertappsend sehe ich mich durchaus auch bald. Aber dieses freiwillige Frühaufstehen?

Wieso sollte ich um 9.00 Uhr einkaufen gehen, wenn ich den ganzen Tag Zeit habe und die Läden um 20.00 Uhr schließen?
Normalerweise fläzt man sich dann doch bis 19.00 Uhr im Bett umher und denkt dann SCHEISSE SCHEISSE, jetzt muss ich mich beeilen, bevor der Laden zumacht.

Ich kann mir nicht vorstellen schon um 8.00 Uhr das Gebiss aus dem Kukident-Bad zu fischen und dann wie ein Hund mit gewaltigem Druck auf der Blase von innen an der Wohnungstür zu kratzen.

Unter „in Ruhe abrentnern“ stelle ich mir etwas ganz anderes vor. Aber ich bin eben auch kein Niendorfer.

Dienstag, 23. März 2021

Oh Deutschland, die Dummheit groß in Dir ist.

Als ich gestern über die Ursachen der steigenden Infektionszahlen bloggte, tagte die Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin noch.

Eine irgendwie geartete Fortführung des Lockdowns war zwar schon durchgesickert, aber angesichts der >100-Inzidenzen ohnehin allgemein erwartet worden.

Den um 2.30 Uhr nachts verkündeten Osterlockdown, nahm ich zunächst positiv überrascht zur Kenntnis. Kein Kirchengedöns, keine Osterausflüge und keine Supermärkte.

Eine Woche mit drei Feiertagen auszuwählen, erschien mit ebenfalls geschickt, weil das die wenigstens Arbeitstage trifft.

Schließlich sind es Kirchen, Konservative und Mr. Homophobia (Thierse), die seit Jahrzehnten mit haarsträubend-hanebüchenen Argumenten den Karfreitags-Lockdown beschwören.

Mit Schaum vorm Mund und blinden Eifer verlangen sie ganz ohne Infektionsgeschehen von jedem Atheisten, Konfessionslosen, Buddhisten, Hindu, Moslem und Agnostiker, sich 24 Stunden vollkommen still zu verhalten und auf gar keinen Fall einen Kinofilm wie „das Leben des Brian“ oder „Mary Poppins“ oder „Die Feuerzangenbowle“ anzugucken. Das Karfreitagstanzverbot wird auch in völlig atheistischen Städten wie Hamburg oder Berlin gnadenlos durchgezogen.

Im Jahr 2021 geht es aber nicht um Wolfgang Thierses und Margot Käßmanns private Missgunst, sondern um eine Millionenfach tödlich Epidemie, die in Deutschland schon 76.000 Tote forderte. Deutlich über 3.000 Covid19-Patienten liegen genau jetzt auf den Intensivstationen und kämpfen um ihr Leben.

Wenn das kein Grund ist, Rücksicht zu nehmen…

 Gestern Nacht hatte ich aber noch nicht das Kleingedruckte gelesen.

Urlaub im eigenen Wohnmobil im MeckPomm ohne Kontakt zu anderen Touristen verboten, Flieger nach Mallorca erlaubt. Zwar sollten die Airlines dann für Corona-Schnelltests sorgen, aber Andi Scheuer konnte dort leider noch niemanden erreichen, um artig anzufragen, ob es den Bossen genehm ist.

Supermärkte geschlossen am 01.04. (Gründonnerstag), 02.04. (Karfreitag), sowie am 04.04. (Ostersonntag) und 05.04. (Ostermontag). Aber damit es bloß nicht konsequent wird und die Viren eine Chance bekommen, dürfen sich am 03.04. (Karsamstag) alle zum Einkaufen bei REWE, EDEKA und Co zusammenballen.

In meiner ersten „Naja, wenigstens etwas“-Reaktion hatte ich außerdem den allgemeinen Frust nicht nur im immer größeren Covidiotenlager (Nena gesellte sich heute zu Michael Wendler, Xavier Naidoo und „Jana aus Kassel“) unterschätzt.

Auch bei der seriösen Presse sind alle Dämme gebrochen; offenbar verbrauchten die Raffke-Methoden der CDU/CSU-Parlamentarier den letzten Rest Beißhemmung. Heute hagelt es vernichtende Kritik an den MPK-Beschlüssen.

Der enorme Vertrauensvorschuss der Kanzlerin scheint genau jetzt verbraucht zu sein.

Mir erschließ sich dieses Phänomen nicht vollständig, da sie sich bei mir nie einen solchen Vorschuss erarbeitet hatte.

Da die Ministerpräsidenten und ihre Berater eitel und schwatzhaft sind, konnte man heute in SPIEGEL und SZ sehr detailliert nachlesen, wie die Verhandlungen gelaufen waren: Als undisziplinierte Lockerungs-Fürsprecher traten die CDU-MPs Haseloff, Günther und Laschet auf. Sie chaotisierten und verlangten nach Extrawürsten.

Die drei Vernünftigen waren wie so oft Scholz, Merkel und Tschentscher, die in diesem Fall aber von Braun und Söder unterstützt wurden.

Aber die Zeit für differenzierte Betrachtungen scheint vorbei zu sein. Nun watschen auch die guten Journalisten „die Politiker“ in Bausch und Bogen ab, stechen durch, wie sich in Hintergrundgesprächen auch CDUCSU-Parlamentarier mit Grausen abwenden. Virologen sind frustriert über den untauglichen Versuch der MPK es allen irgendwie recht machen zu wollen, statt sich nur darauf zu konzentrieren, das Virus erst mal einzudämmen.

Wir sind jetzt alle BILD und folgen dem ehemaligen stellvertretenden Chefredakteurs des Schundblattes, der für SPON die Kanzlerin zerlegt.

[…..] Die Kanzlerin kann weg  […..] Stellen wir uns also vor, Angela Merkel wäre heute in der Runde mit den Ministerpräsidenten nicht dabei. Frage: Welchen Beschluss könnte man dann nicht fassen? Welchen der Beschlüsse müsste man ihr hinterher mitteilen, weil sie, die Kanzlerin, ihn mit der Bundesregierung umsetzen muss? Antwort zweimal: arg wenig. […..] Im ersten Dreivierteljahr der Pandemie war das anders, weil sich die Länder Richtung und Tempo vom Bund und von Merkel einheitlich vorgeben ließen. Die Runde war nie mehr als ein verfassungsrechtliches Novum (oder Nullum), aber lange Zeit eben auch die beste, pragmatische Antwort auf die Notlage. Das ist nun vorbei, zermürbt wie das Land selbst hält die Runde nicht mehr, was sie in ihrer gemeinsamen Beschlussfassung verspricht. […..] Das nimmt inzwischen tragikomische Züge an, wenn sich etwa in Nordrhein-Westfalen, Sachsen oder Brandenburg einzelne Städte ihren Landesregierungen widersetzen und Schulen öffnen, wo sie schließen sollten, oder schließen, wo sie öffnen sollten. Das haben die Ministerpräsidenten nun davon: Vor etlichen Wochen entzogen sie ihrer Runde mit Merkel das Kommando in puncto Schulen, die das zähneknirschend gewähren musste. […..]

(Nikolas Blome, 22.03.2021)

Ja, in vielen Dingen sind die Länder zuständig – diese katastrophale Lage haben wir übrigens dem damaligen CSU-Chef und Ministerpräsidenten Stoiber zu verdanken, der 2004/2005 all die Sonderrechte der Länder zementieren ließ.

Es ist immer übel, wenn die CSU Bundespolitik betreibt. Herdprämie, Hotelsteuersenkung, Anti-Ausländermaut und eben auch Föderalismusreform; die Partei ist das eiternde Furunkel Deutschlands.

In der vernichtenden ausführlichen aktuellen SPIEGEL-Titelgeschichte „Was zu vergeigen war“ wird ausführlich das Corona-Versagen in der Schulpolitik analysiert. Interessanterweise fällt der Name Anja Karliczek, immerhin deutsche Bundesministerin für Bildung und Forschung kein einziges Mal.

Sie ist ähnlich wie Horst Seehofer seit 13 Monaten vollständig abgetaucht und läßt ihr Amt in der zweitschlimmsten Krise der Nachkriegszeit (nach 1977) einfach ruhen.

Formal nicht zuständig.   Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Der Hamburger Innensenator Helmut Schmidt hatte während der ersten Sturmflutnacht 1962 auch nicht die Kompetenz und Zuständigkeit, um Bundeswehrkräfte zu dirigieren und deren Hubschrauber zur Menschenrettung einzusetzen.

Man kann aber mit Autorität und überzeugenden Argumenten jenseits der formalen Zuständigkeit sehr erfolgreich durchgreifen.

Ein fähiger Bundesinnenminister hätte, wie Otto Schily im Jahr 2001 das Heft des Handelns in die Hand genommen, Allianzen gebildet, Pläne vorgelegt.

So verfuhr auch Bundeskanzler Helmut Schmidt im „deutschen Herbst“, als er Helmut Kohl, Friedrich Zimmermann und Franz Josef Strauß ins Kanzleramt holte und sie allesamt mit seinen strategischen und taktischen Fähigkeiten so beeindruckte, daß sie sich allesamt fügten.

Sozi-Hasser Zimmermann verlor bis an sein Lebensende nie mehr ein schlechtes Wort über Schmidt.

Natürlich hätte eine fähige Bundesbildungsministerin schon im März 2020 erkannt, daß es ausgefeilte Pläne und Vorbereitungen bedarf, um die Schulen wieder zu öffnen. Sie hätte vorangehen müssen, die Kultusminister der Länder einbestellen und mitnehmen sollen.

Das Gleiche gilt für den Innen- und Heimatminister, der seit 13 Monaten das Lockerungs- und Urlaubs-Chaos von Landkreis zu Landkreis geordnet haben könnte.

Und das gilt natürlich auch für Merkel, die nicht immer schlaff feststellen sollte, wofür es in der MPK Mehrheiten gibt und jede andere Initiative vermissen lässt.

Wer hindert sie denn daran vorzupreschen, sich direkt ans Volk zu wenden, Maßnahmen gegen die Länder zu ergreifen?

Ich halte die föderalen Strukturen Deutschlands für etwas hinderlich in einer Pandemie. Aber das bedeutet nicht, daß automatisch dieses müde Chaos des März 2021 entstehen muss. Wir leisten uns aber einige kapitale Fehlbesetzungen in den Kernämtern. Neben den Genannten sind es auch noch Spahn und Scheuer. Katastrophale Totalausfälle, die Angela Merkel mit ihrer Richtlinienkompetenz längst rausgeschmissen haben könnte.

Kommen wir noch einmal zurück auf die eingangs erwähnten Kirchen, die seit 1949 intensiv ohne Not den Karfreitags-Lockdown für alle Ungläubigen durchsetzen.

Wer so viel Osterlockdown forderte, wird doch wohl einmal, wenn es um unmittelbare Lebensgefahr von Myriaden Menschen geht, den Lockdown nicht nur am Freitag, sondern auch dann, wenn es sie betrifft akzeptieren: Ostersonntag und Ostermontag.

Oder nicht?  Nein, natürlich nicht.

[….] Katholische Kirche erteilt der Politik eine Absage

Die katholische Kirche will der Bitte von Bund und Ländern zum Verzicht auf Präsenz-Gottesdienste an Ostern nicht nachkommen. Sie verweist vor dem wichtigsten christlichen Fest auf Erfahrungen an Weihnachten. […..]

(Spon, 23.03.2021)

Unverschämt, dreist, unsolidarisch, gefährlich und borniert! 76.000 Tote? 3.000 Intensivpatienten? Egal!

[…..] Die beiden großen Kirchen reagieren zurückhaltend auf die Bitte von Bund und Ländern, in diesem Jahr auf Ostergottesdienste in Präsenz zu verzichten. "Wir sind überrascht worden. Ostern ist das wichtigste Fest für uns, Gottesdienste sind kein Beiwerk", sagt der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, meldet Klärungsbedarf an. Die Politik müsse erklären, warum "warum die bewährten Hygieneschutz-Maßnahmen, die alle Landeskirchen für ihre Gottesdienste haben, nun nicht mehr ausreichen sollen". Bedford-Strohm ließ offen, wie die einzelnen Gemeinden mit der Bitte der Politik umgehen würden. […..]

(SZ, 23.03.2021)

Nun wissen wir ja schon lange, daß Bischof Heinrich Bedford-Strohm nicht die hellste Kerze auf der Torte ist und immer etwas länger braucht, um Zusammenhänge zu verstehen.

Deswegen erkläre ich es HBS noch einmal in einfacher Sprache, so daß auch er mit seinen eingeschränkten mentalen Fähigkeiten folgen kann.

Das böse böse kleine unsichtbare Krümelchen, das deine Gläubigen krank macht, bleibt nicht immer gleich! Früher reichte einen Stoffmaske, um sich vor den Krankmacherchen zu schützen, aber nun haben sich Verwandte aus Südafrika und England nach Deutschland begeben und die sind noch viel viel böser. Die springen deine Schäfchen bei der kleinsten Unachtsamkeit an.

Und deine Präsenzgottesdienste könnten womöglich mit viel Abstand einigermaßen sicher stattfinden, aber ihr seid ja leider ein bißchen doof und wollt immer noch singen. Das ist schlecht, weil dadurch die bösen, bösen Infektionskeime, die genau im Rachen wohnen, herausgeschleudert werden.

Drittens werden deine Gläubigen bedauerlicherweise nicht aus dem heimischen Schlafzimmer von Enterprise-Chefingenieur Scott direkt auf ihren Sitzplatz in der Kirche gebeamt, sondern sie müssen allein hinfahren, sich in Busse und Bahnen setzen, begegnen auf dem Weg anderen Leuten, drängeln sich in den Eingangstüren, müssen gefahren werden.

Verstehst du das jetzt, HBS?

Als Ami wundere ich mich über gar nichts mehr. Nach VIER Jahren Trump mit über 30.000 Lügen, denken sich 74 Millionen Menschen 'toller Mann! Den wählen wir wieder!'

Die Dummheit und die Schlechtigkeit sind tief in den Menschen verankert.

Es gibt nur einen ganz dünnen zivilisatorischen Firnis, der die Massen dazu bringt, ihre innere Abscheulichkeit nicht aus zu kübeln.

Aber wenn man mal daran kratzt, kommt all das zum Vorscheinen, das man lieber nicht sehen will.

Deswegen bin ich schon lange nicht nur Atheist und Misanthrop, sondern auch Antinatalist!

Montag, 22. März 2021

Selbst Schuld

Als ich vor ein paar Tagen Blumen kaufte, war die Inhaberin halb verzweifelt. ‚Komm rein, komm rein, wir dürfen noch‘.

Sie befürchtete natürlich, ihren Laden erneut ganz schließen zu müssen, nachdem Hamburg mehr als drei Tage eine 100+Inzidenz aufwies.

‚Wir sind alle so vorsichtig, woher kommen denn bloß immer noch die Ansteckungen? Wer treibt die Inzidenz denn jetzt noch hoch?‘

In ihrem Blumenladen, in dem alle Kunden FFP2-Masken tragen und die Behörden genau Auflagen machen, fällt es wirklich schwer das zu verstehen.

Im Gegensatz zu ihr, war ich hingegen ziemlich viel im Auto unterwegs und konnte sowohl im Stadtpark, als auch an der Außenalster und in Eppendorf beobachten, wie überall diese eindrücklichen dunkelblau-weißen Aufsteller angebracht sind, die seit dem 24.02.2021 auf erweiterte Maskenpflicht hinweisen

Klar, die …

„Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in der Freien und Hansestadt Hamburg (Hamburgische SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung - HmbSARS-CoV-2-EindämmungsVO) (gültig vom 20. bis 28. März 2021)“

…drückt es maximal kompliziert aus. Aber dafür gibt es schließlich an den betroffenen Arealen unübersehbare Hinweisschilder.

Nach meiner subjektiven Beobachtung halten sich bei dem gegenwärtigen sonnigem Wetter, etwa 20% der Eppendorfer Passanten an die Maskenpflicht, 5% der Spaziergänge an Alster und im gerammelt vollem Stadtpark, sowie 0% der Jogger und Fahrradfahrer, die keuchend ihre Sars-CoV2-Wolken hinter sich herziehen.

Am heutigen Montag lag die Inzidenz in Hamburg bei 114, morgen wird sie bei 115,2 liegen.

Wieso die Zahlen so stark steigen ist wenig rätselhaft. Ja, die über 80-Jährigen sind geimpft oder bleiben zu Hause. Die meisten Pflegeheimbewohner sind geimpft. Insgesamt wurden in Hamburg 173.735 Erstimpfungen und 79.430 Zweitimpfungen durchgeführt.

Aber die haben sich auch vorher nicht im Stadtpark gedrängelt.

Es sind die „ist-mir-doch-alles-egal“-Hedonisten der Teen- und Twen-Generation, die das Pandemiegeschehen befeuern.

In Hamburg gehen inzwischen über 80% der Neuinfektionen auf die hochinfektiöse britische B.1.1.7-Variante zurück.

Von allen Hamburger Corona-Infizierten, gehören mit 10.500 Fällen die meisten zu den 20-29-Jährigen.   Es folgen die 30-39-Jährigen mit 9.800 Fällen.

Meine Gruppe der geburtenstarken Jahrgänge, die 50-59-Jährigen verhält sich deutlich disziplinierter, kommt auf 7.600 Fälle.

Das RKI schlüsselt die Corona-Infektionen in Deutschland nach Altersgruppen auf. Für die Kalenderwoche 10 (2021) sieht man klar, daß es die Jüngeren sind, die uns die hohen Inzidenzen bescheren.

Der für mich unangenehmste Aspekt des Corona-Themas ist, daß alles so erwartet kommt. Alles geschieht genau wie prognostiziert für den Fall, daß man nicht die entsprechenden Maßnahmen ergreift.

Sehenden Auges schlittern wir eine fiese dritte Welle, in der die Intensivbetten knapp werden und Triage droht.

Schuld sind neben der Disziplinlosigkeit der Jungen, die mutwillige Verbreitung des Virus durch die Covidioten-Fraktion und die zauderig-zögerlichen Ministerpräsidenten, für die exemplarisch Laschet und Günther stehen. In Norddeutschland steuern wir auf einen Belegungsrekord zu.

In den meisten westdeutschen Bundesländern sind nur noch 13-15% der Intensivbetten frei.

Mitte März 2021 werden schon wieder rund 3.500 Covid-Patienten auf Intensivstationen künstlich beatmet. Das sind mehr als im ersten Lockdown April/Mai 2020, als die Leute noch diszipliniert waren.

Es sind nicht mehr die Hochbetagten, die die meisten Kapazitäten beanspruchen; sie sind geimpft oder sterben schnell, so grausam das klingt.

Die meisten Covind19-Patienten in den Krankenhäusern sind inzwischen unter 50 Jahre alt.

Tumb setzten Armin Laschet und Co weiter darauf die Schulen und Kitas zu öffnen, obwohl sie seit einem Jahr verschlampten, Belüftungsmaschinen und Schnelltests zu besorgen.

[….] Der Blick in Nachbarländer indes zeigt: Das Öffnen der Schulen ist ganz offenbar mit erheblichen Risiken verbunden. Der belgische Premierminister Alexander De Croo zog die geplanten Öffnungsschritte vergangenen Freitag in einer denkwürdigen Pressekonferenz zurück. Der Grund: Fast die Hälfte der Covid-Kranken in den Kliniken sei mittlerweile unter 48 Jahre alt. Und hätte sich hauptsächlich bei den eigenen Kindern angesteckt. Ähnlich sieht es in Österreich aus: Die Inzidenz bei den Fünf- bis 14-Jährigen liegt in Wien und dem Burgenland etwa bei 500. Seit den Schulöffnungen Anfang Februar stieg auch die Landes-Inzidenz dramatisch. [….]

(Mopo, 22.03.2021)

Das derzeitige Corona-Chaos der debakulierenden C-Ministerpräsidenten ist gefährlicher denn je.

Die Beispiele Südafrika und die apokalyptische Lage in Brasilien zeigen, daß die Hoffnung auf die warmen Sommertemperaturen blanker Unsinn ist, wenn die Mutanten übernehmen. Wieso glauben die Laschets nun, Inzidenzen und R-Werte wären zu vernachlässigende Kriterien, über die man sich auch nach Belieben hinwegsetzen könne?

[….] Inzidenz 100, 200, wer bietet mehr? Was soll schon noch Schlimmes passieren, so das Kalkül, wenn demnächst alle Alten geimpft sind?

Folgendes wird passieren: Mit voller Wucht wird die dritte Welle die Mitte der Gesellschaft treffen – die 50- bis 80-Jährigen, die zu jung sind für die Impfung und zu alt für leichtere Krankheitsverläufe. Allein von den 50- bis 60-Jährigen gehört jeder Zweite zur Risikogruppe, hat Bluthochdruck, starkes Übergewicht oder Diabetes. Mediziner warnen davor, dass im Mai zwischen 12.000 und 25.000 Coronapatienten auf den Intensivstationen um ihr Leben kämpfen müssten, im Januar waren es maximal 6000. Jeder zweite Beatmungspatient wird sterben. Von den Überlebenden wird fast jeder Dritte unter den Langzeitfolgen (»Long Covid«) zu leiden haben. Die britische Variante breitet sich besonders in Kitas und Schulen aus und führt selbst bei Kindern häufiger zu schweren Verläufen. Und schließlich: Je mehr Menschen sich anstecken, desto wahrscheinlicher entstehen weitere gefährliche Mutationen. [….] Viele Menschen sind müde vom nicht enden wollenden Shutdown – das Virus ist es nicht. Mit einem Virus kann man keine Waffenruhe schließen. Niemand käme im Krieg auf die Idee, auf die Flucht in den Bunker zu verzichten, weil er müde ist von den fallenden Bomben. Die bittere Wahrheit lautet: Wir müssen nicht lernen, mit dem Virus zu leben, sondern uns weiter vor ihm schützen – auch wenn das bedeutet, notfalls noch ein paar Wochen oder Monate im Bunker auszuharren, weil die Abwehrmittel auf sich warten lassen. […..]

(Olaf Stampf, SPIEGEL-Leitartikel, 20.03.2021)

Ich sehe schwarz, und zwar dunkelschwarz!

Sonntag, 21. März 2021

Wer sich was leisten kann

Wir unterliegen in Deutschland alle denselben Gesetzen, aber selbstverständlich gelten nicht für alle die gleichen moralischen Ansprüche.

So gelten in vielen Teilen der Gesellschaft pädosexuelle Handlungen als höchst verwerflich. „Kinderficker“ gilt als eins der schlimmsten Schimpfworte überhaupt; angeblich sollen dafür Verurteilte sogar in der Knasthierarchie an unterster Stufe stehen.

Es gibt aber Ausnahmen. Bei katholischen Geistlichen wird nicht nur die sexuelle Handlung kleiner Jungs an sich toleriert, sondern die Organisation, die solche Taten myriadenfach organisiert, fördert und schützt, wird vom deutschen Staat mit vielen Milliarden Euro gefördert, als gemeinnützig anerkannt und von Strafverfolgung ausgenommen.

Aber auch die Menschen ohne Soutane werden nicht alle moralisch gleich bewertet. Ich behaupte, das ist auch nicht in jedem Fall notwendig.

Im künstlerischen Bereich gelten für Ausnahmetalente auch Ausnahmeregeln.

Wer so besonders singen, malen oder schreiben kann, daß er viele andere damit erfreut, darf auch unhöflich sein.

Natürlich gibt es hier keine scharfen Regeln und keine Gerechtigkeit.

Viele Nazi-Künstler wurden wie Juristen, Polizisten oder Ärzte nach 1945 vollkommen ungeniert weiter beschäftigt, machten Karriere.

Die Lieblingskünstler Hitlers wurden unterschiedlich behandelt. Regisseur Veit Harlan wurde völlig freigesprochen, arbeitete einfach weiter in seinem Metier. Bildhauer Arno Breker galt als „Mitläufer“, erhielt nach 1945 wenige staatliche Aufträge, wurde dafür aber international gefeiert und konnte sich vor Großaufträgen kaum retten; er starb zufrieden und glücklich 1991 im Alter von 101 Jahren. Leni Riefenstahl (1902-2003) hingegen, die nach meiner bescheidenen Meinung ein Jahrhunderttalent ist und die Film- und Foto-Kunst wie niemand anders beeinflusste, konnte nie wieder einen Film machen, wurde Jahrzehnte als Kassengift gemieden. Erst im biblischen Alter, als nachfolgende Generationen sie vergessen hatten, gab es einige Ausstellungen.

Ich sage nicht, daß Riefenstahl so unschuldig war, wie sie immer behauptete. Ich diagnostiziere nur ein Missverhältnis im Vergleich zu anderen Nazi-Stars, die wie Harlan-Ehefrau Kristina Söderbaum („Reichswasserleiche“) oder Burgtheater-Star Paula Wessely (1907-2000), die im NS-Propagandafilm „Heimkehr“ von 1941 besonders abscheuliche Hetze betrieb. Sie setzten einfach ihre Karrieren fort, wurden gefeiert.

Eine Karriere in Kunst und Kirche ist also möglich, auch wenn man die schlimmsten überhaupt denkbaren Verfehlungen – Nationalsozialismus und Kindervergewaltigung – begangen hat.    Im Fall „Kirche“ sogar beides.

Wenn es sich aber um lässlichere Sünden handelt, wird bei Personen mit besonderen Meriten darüber hinweg gesehen.

Ein brillante Herzchirurgin, ein begnadeter Designer, ein unverzichtbarer Diplomat, eine außergewöhnliche Journalistin kann sich unangenehme private Angewohnheiten leisten, die man nicht jedem Angestellten durchgehen ließe.

Tatsächlich gelten im politischen Bereich andere ethische Regeln. Ich meide den veralteten Begriff „Vorbildfunktion“; dafür ist das Gesamtimage der Toppolitiker viel zu angeschlagen.

Aber Politiker arbeiten nun mal nicht wie ein Bildhauer oder Imbissbetreiber auf eigene Rechnung, sondern werden von der Allgemeinheit als „Volksvertreter“ bezahlt.

Sie sollten sich darüber bewußt sein, daß nicht alles, das legal ist für sie auch legitim ist.

Es gibt natürlich vorbildlich transparente Abgeordnete, die wie einst Peter Conradi und Freimut Duve immer ihre Steuererklärungen veröffentlichen oder wie Karl Lauterbach jede einzelne Lobbyistenanfrage veröffentlichen, so daß gar nicht bestochen werden können.

Jens Spahn ist in vieler Hinsicht das diametrale Gegenteil Lauterbachs.

Ihm fehlt jegliches Fachwissen, aber dafür ist er stets der Erste, der die Hand aufhält und seinen privaten finanziellen Vorteil sucht.

Das Pampern reicher Lobbyisten zu Ungunsten des Steuerzahlers ist seine erste Natur.

(…..) Minister Scheuer verursachte durch seine persönliche Doofheit 540 Millionen Euro Verlust für den Steuerzahler.

Da kann Spahn nur lachen; allein mit seinen gegen alle Widerstände durchgedrückten FFP-Apothekendeals drückte er uns zwei Milliarden Mehrkosten auf.

[…..] Es war kein schönes Jahr für den Apotheker Simon Krivec aus der Ruhrgebietsstadt Moers. Erst die Pandemie und dann wurden auch noch die Erkältungsmittel zu Ladenhütern. Doch Mitte Dezember wendete sich das Blatt. Da bekam Krivec plötzlich 120 000 Euro überwiesen. Das Geld stammte von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und sollte Krivec - so wie alle Apotheker im Land - ermuntern, in seinen drei Filialen kostenlose FFP2-Masken an Covid-Risikopatienten zu verteilen. Bloß: Krivec brauchte das viele Geld dafür überhaupt nicht.   "Wir haben Masken gekauft für einen Einkaufspreis zwischen sechzig und siebzig Cent", sagt er. Der Bund rechnete dagegen mit sechs Euro pro Maske. Das sei "ein gutes Zubrot" gewesen, sagt Krivec. Man könnte es auch so formulieren wie der Berliner Pharmazeut Detlef Glaß: "Wir haben uns dumm und dämlich verdient", sagt er.  Die Verteilung von Schutzmasken wird die Steuerzahler letztlich mehr als zwei Milliarden Euro kosten. [……]

(SZ, 17.03.2021)

Das Gesundheitsministerium wußte genau, was der Wahnsinn kostet, aber die Beamten versuchten vergeblich den Apotheken-Großlobbyisten Spahn davon abzuhalten.

[…..] Bereits Anfang November warnte das Fachreferat demnach den Minister vor "gravierenden Finanzwirkungen" und wies daraufhin, dass viele Anspruchsberechtigte "durchaus in der Lage sind",  die Masken "selber zu finanzieren". Acht weitere Referate zeichneten das klare Votum ausweislich der Unterlagen mit: "Verzicht auf die Verordnungsfähigkeit von FFP2-Schutzmasken". Doch mit grünem Stift notierte Spahn handschriftlich auf die Vorlage: "Nein, bitte um kurzfristige Erarbeitung eines ÄA". Das Kürzel steht für "Änderungsantrag". Und das Wort "kurzfristig" hatte Spahn extra unterstrichen. […..]

(Tagesschau, 17.03.2021)

Wann reicht es endlich? Kann Angela Merkel nicht verdammt noch mal Jens Spahn endlich in Rente schicken? Viele Medien, die SPD und die überwältigende Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich Spahns Ablösung. (……)

(Wir wollen Karl, 18.03.2021)

Es vergeht kein Tag, an dem nicht neue Ungeheuerlichkeiten über den Superreichen in seiner 4,2-Millionen Villa in Dahlem bekannt werden.

Während hunderte Unternehmer nach Spahns umstrittenen Open-House-Verfahren daran verzweifelten, ihre importierten Masken loszuwerden, weil sie niemand im Gesundheitsministerium erreichen konnten und/oder nie bezahlt wurden; hatte ein Mann gar keine Probleme Steuerzahler-Geld vom Gesundheitsminister zu bekommen: Daniel Funke. Burda-Lobbyist und rein zufällig Jens Spahns Ehemann.

[…..]   Das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) hat im vergangenen Jahr FFP2-Schutzmasken von der Burda GmbH gekauft. Das geht aus Unterlagen hervor, die das Ministerium an den Bundestag schickte und die dem SPIEGEL vorliegen. Der Masken-Deal könnte Interessenkonflikte bergen, weil der Ehemann von Minister Spahn, Daniel Funke, als Lobbyist und Büroleiter der Burda-Repräsentanz in Berlin arbeitet.   Das Bundesgesundheitsministerium hat dem Gesundheitsausschuss am Donnerstag eine umfangreiche Liste mit Firmen zukommen lassen, mit denen das Haus Verträge über die Lieferung von Schutzmasken geschlossen hat. Dort taucht die Burda GmbH auf. Sie hat laut der Aufstellung 570.000 FFP2-Masken an Spahns Ministerium geliefert. […..] Das Maskengeschäft ist in der Aufstellung als »Direktbeschaffung« ausgewiesen, das heißt, sie ist ohne vorherige Ausschreibung direkt zwischen Spahns Ministerium und der Firma vereinbart worden. Damit ist der Deal auch nicht als Teil des sogenannten Open-House-Beschaffungsverfahrens zustande gekommen, einer Art vereinfachtem Vergabeverfahren, bei dem sich das Ministerium in den Monaten März und April verpflichtete, von jedem Anbieter Masken abzunehmen, der bestimmte Kriterien erfüllte. [….]

(SPON, 21.03.2021)

Insgesamt versenkte Spahn neben den zwei Milliarden Euro für die Apothekenmasken noch weitere 4,6 Milliarden Euro durch dubiose Anschaffungen seines Ministeriums.

[…..] Das Bundesgesundheitsministerium hat im vergangenen Jahr Aufträge im Wert von rund 4,6 Milliarden Euro ohne Ausschreibung an externe Unternehmen vergeben. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Linken-Fraktionschefs Dietmar Bartsch hervor, die WELT AM SONNTAG vorab vorliegt.  Demnach vergab das Haus von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) 210 Aufträge ohne Ausschreibung – den weit überwiegenden Teil aller von Bundesministerien auf diese Weise vergebenen Aufträge. [….]

(Annette Dowideit, 21.03.2021)

Damit ist Jens Spahns Fass so sehr übergelaufen, daß Merkel ihn sogar dann rauswerfen müsste, wenn er der beste und fähigste Minister der Welt wäre.

Das Maß ist voll. Der Schaden für die Politik insgesamt, für die demokratische Kultur, ist so gewaltig, daß der Mann untragbar ist, egal wie unverzichtbar er in seinem Job wäre.

 Genug ist genug.

Hinzu kommt aber, daß Spahn nicht nur persönlich und moralisch untragbar ist – die Raffgier und Amoralität ist CDU-Immanent und ansteckend – sondern zudem auch noch als Fachminister ein Totalausfall ist.

Selbst als hochanständiger ehrlicher Mann, müsste er gefeuert werden, weil er seinen Job nicht kann und dem deutschen Volk gewaltigen Schaden zufügt.

[….] Prävention: Trotz bekannter Gefährdungspotenziale und einschlägiger Stresstests wurde staatlicherseits darauf verzichtet, im Krisenfall dringend benötigtes Material einzulagern. »Privat vor Staat« war lange Zeit die Devise eines sich fröhlich deregulierenden Landes, das Vorsorge nicht länger nötig zu haben glaubte.
Masken: Anfangs unisono als nutzlos abgetan von Politik und Wissenschaft, waren die Lager leer, als sich diese Bewertung schließlich um 180 Grad drehte.
Impfstoff: Auf deutschem Boden zuerst produktreif, wurde die Bestellung und Beschaffung im europäischen Konzert nicht energisch genug vorangetrieben, aus Geiz und mangelnder Weitsicht vergeigt.
Schnelltests: Vom Gesundheitsminister versprochen, vom Corona-Kabinett kassiert, bis heute nicht flächendeckend verteilt, wodurch ein zusätzliches Mittel für mehr Sicherheit und gefahrlosere Öffnungen hierzulande fehlt.
Impfkampagne: Sie schien gut zu beginnen, die Länderfürsten führten schon im Advent durch umgewidmete Messehallen und ließen das Ausland staunen. Organisieren, ja, das können die Deutschen – aber seither funktioniert nichts, wie es soll, nicht die Terminvergabe für Impflinge, nicht die Verteilung, nicht die digitale Bestandsverwaltung. Es drängt sich der Schluss auf, dass in Deutschland die Kultur staatlichen Handelns, die das Gemeinwohl auch weit über den Tag hinaus im Blick behält, verfallen ist.
[….]

(DER SPIEGEL, 20.03.2021, „Was zu vergeigen war“, s.9)

Es reicht. Es reicht in jeder Hinsicht.

Von Spahn ist nichts zu erwarten, aber Laschet und Merkel müssen endlich den Schleudersitz auslösen.

Samstag, 20. März 2021

Krasse Kölner Kardinäle

Die Berichterstattung zum Kölner Missbrauchsskandal langweilt mich.

Die Fakten werden seit Jahrzehnten gemäß des „täglich grüßt das Murmeltier“-Prinzips wiederholt: Katholische Geistliche quälen, schlagen, missbrauchen, vergewaltigen, demütigen, misshandeln Kinder (vornehmlich kleine Jungs). Ihre vorgesetzten Generalvikare, Bischöfe, Kardinäle und Päpste setzen ihre ganze Energie dafür ein, die Täter zu schützen, die Kindersex-Strukturen zu erhalten, gegen aufklärungswillige Medien und Opfer-Anwälte vorzugehen, zu vertuschen.

Die deutsche Politik und Justiz guckt kollektiv weg, ermutigt damit indirekt die Kinderquäler, weiter zu vergewaltigen.

Politik und Justiz überlassen es der Täterin der zehntausendfachen Kindervergewaltigung selbst zu entscheiden, ob sie dazu irgendetwas veröffentlichen möchte und womöglich Konsequenzen zu ziehen. Die Täterorganisation setzt dazu natürlich nur sehr kirchenaffine und den Tätern verpflichtete Juristen ein, die sorgsam darauf achten der Organisation RKK nicht zu schaden. Im Jahr 2002 entstand erstmals die ganze große weltweite Medienöffentlichkeit für das Thema „massenhafter Kindesmissbrauch durch Priester“. Es entzündete sich an USA-Kardinal Law, ein gewisser Deutscher namens Joseph Ratzinger, wurde als derjenige identifiziert, der weltweit verfügt hatte niemals den Behörden zu melden, wenn Pfaffen Pennäler penetrierten. Bei Drohung mit der schwersten Kirchenstrafe, der Exkommunikation wiesen Ratzinger und Woytila allen Bischöfen an, zu schweigen, den Opfern nicht zu helfen, die Täter zu beschützen.

Zum Dank wurde Ratzi Papst und Woytila heiliggesprochen.

Auch im Jahr 2021 guckt der Vatikan systematisch weg, schweigt.

 Von 2002 bis 2010 hagelte es weltweit Berichte aus Bistümern mit jeweils hunderten, manchmal tausenden Fällen sexuell missbrauchter Kinder. Die Anzahl der „NUR“ geschlagenen und psychisch gequälten Kinder liegt um den Faktor 10 höher. Allein in Deutschland betrifft es mindestens 800.000 in kirchlichen Heimen misshandelte Kinder nach 1950. Sie können schon gar nicht auf Hilfe zählen.

Acht Jahre nach Boston und Kardinal Law, wurde das, was in vielen Politmagazinen, Zeitschriften, Zeitungen und Blogs seit Jahrzehnten öffentlich beschrieben wurde, aber es nie zu Topmeldungen brachte, durch den Fall Canisius endlich in die Schlagzeilen promoviert.

Von 2010 bis 2021 geschah, wenig überraschend, nichts.

Die katholischen Bundesminister überließen es weiterhin den Kindesmissbrauchern selbst, ob sie irgendetwas unternehmen wollten. Sie wollten natürlich nicht. Inzwischen gibt es dafür den Begriff #Hängemattenbischof.


Die geballte Phalanx der Religioten in der Toppolitik – also die gesamte CDUCSU, ein Großteil der FDP, aber auch relevante Teile der RRG-Parteien; Winfried Kretschmann, Kathrin Göring-Kirchentag, Thierse, Nahles, Griese, Ramelow – wollen die Missbrauchsopfer nicht schützen.

Immer wieder die gleichen öden Reaktionen aber auch in der Presse.

Irgendjemand gräbt irgendeinen Katholiken aus, der erklärt, nun aber aus der Kirche auszutreten.

[…..] Der Soester Ladenbetreiber Dirk Vogelsang ist frustriert und empört – und hat angekündigt, nach langem Nachdenken nun die katholische Kirche zu verlassen. […..]

(Soester Anzeiger, 20.03.2021)

Nach 20 Jahren in breiter, weltweiter öffentlicher Kirchenmissbrauchs-Diskussion, erkennen geniale Publizisten, daß womöglich auch deutsche Kardinäle etwas wußten.

[….] „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ habe Kardinal Rainer Maria Woelki in seiner Zeit als Kölner Weihbischof Kenntnis über Vorwürfe zu sexueller Gewalt gehabt, sagte der Kirchenrechtler Bernhard Anuth im Dlf. […..]

(Deutschlandfunk, 19.03.2021)

Sogar den größten Kirchenfreunden schwant nach zwei Dekaden etwas Erstaunliches, man könne nicht mehr an der These festhalten, daß niemand etwas wußte.

[….] Das Gutachten entlarvt die Lüge von Kardinal Meisner, der 2010 in gespieltem Entsetzen behauptet hatte, erst jetzt von den schlimmen Taten zu erfahren - und in Wahrheit eine persönliche Handakte mit dem schönen Titel "Brüder im Nebel" führte. Es lässt die Darstellung des Generalvikars Feldhoff bröckeln, dass Meisner alles an sich gezogen habe: Er hatte lange den einzigen Zugang zum "Giftschrank" mit den Akten der Täter. […..]

(Matthias Drobinski, 18.03.2021)

Donnerschlach, nach 20 Jahren im Rampenlicht, erkennt auch der katholische kirchenfreundliche SZ-Mann Drobinski etwas:

[…..] "Nichts geahnt? Das ist nicht mehr möglich" [….]

(SZ, 18.03.2021)

Das größte Ärgernis dieses Skandals ist aber wieder einmal der grundsätzliche Tenor der Berichterstattung. Von taz bis FAZ schwingt immer Sorge und Mitleid um die Kirche mit, es wird betrübt von den vielen Austritten berichtet, der Bedeutungsverlust der Kirche beklagt, die Zukunft der RKK in grauen Farben gemalt.

Als dramatische Konsequenz werden die Amtsverzichte von zwei Weih- und einem Erzbischof angesehen.

Dabei sind Schwaderlapp, Heße und Puff nicht etwa im Gefängnis oder haben finanzielle Einbußen zu fürchten; im Gegenteil, ihr fünfstelliges Monatsgehalt vom Staat bleibt ihnen lebenslang. Sie haben ja auch nur mit dafür gesorgt massenhaft Kinder schwerste psychische, körperliche und sexuelle Gewalt anzutun. Also nicht so etwas Schlimmes wie Schwarzfahren.

Das zweitgrößte Ärgernis sind für mich all die liberalen und konfessionsfreien Stimmen, die sich diese Bischofsrücktritte herbei sehnen, sich über Demissionen freuen, sich endlich liberalere und homofreundlichere Oberhirten wünschen.

Das ist aber das letzte, das ich möchte. Ich freue mich über möglichst unsympathische Typen an der Spitze, weil ich natürlich nicht der Kirche helfen möchte ihr Image zu korrigieren und ihre Mitgliederzahl zu stabilisieren, sondern ich hoffe auf möglichst viele Austritte.

[….] Verehrter Kardinal, Euro Eminenz, Rainer, diese Forderungen will ich hiermit empört und entsetzt zurück weisen!
Lassen Sie sich nicht beugen, hören Sie nicht auf die irrlichternden Konfessionsfreien, die sich eine weiblich-liberale scheinkatholische Welt wünschen, in der die ehernen römisch-katholischen Werte nur noch auf dem Papier existieren.

Bleiben Sie stark, geben Sie nichts auf die weltlichen Ansinnen, die von Frauenpriestertum, Schwulenehe und Abschaffung des Zölibats reden.

In Ihren 36 Jahren als Priester haben Sie sich nie verbiegen lassen. Eure Eminenz zogen eine klare Linie zwischen sexuell übergriffigen Priestern und ihren minderjährigen Opfern, Sie schützten die Ihrigen vor Polizei, Staatsanwaltschaft und finanziellen Schadensansprüchen der Opfer.

Klar, unnachgiebig und konsequent zeigen sie Haltung gegenüber der lästigen Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl aus München, deren Ergebnisse bei Veröffentlichung so ein schlechtes Licht auf die Heilige Kirche werfen könnte.

Indem Sie über Wochen und Monate die Gläubigen Ihrer Kirchenprovinz durch eisernes Schweigen in die Verzweiflung trieben, drastisch gegen aufmüpfige Geistliche vorgingen, haben Sie dem Anliegen des Atheismus einen unschätzbaren Dienst erwiesen.

Wir Humanisten, Säkularen und Atheisten sind so schwach organisiert, daß unsere Interessenvertreter von IBKA, gbs, bfG oder HU in den klassischen Medien so gut wie gar nicht stattfinden. Sie werden nur alle paar Jahre einmal in Talkshows geladen und verkaufen ihre Bücher in homöopathischen Auflagen, während jedes deutsche Massenmedium über christlich engagierte Journalisten verfügt, die im Sinne der Kirche berichten.

Ihre Kirchenvertreter sitzen in Ethikräten und Rundfunkkommissionen, sie betreiben soziale Einrichtungen und werden auf Kosten des Steuerzahlers ausgebildet. Wir sind weniger als finanzielle Zwerge gegenüber der katholischen Finanzpower. Jedes deutsche Bistum verfügt über Milliarden, wir Humanisten müssen um Briefmarken betteln, dürfen noch nicht einmal einen Arbeitskreis in der SPD bilden.

Umso dankbarer sind wir für die freundliche und solidarische Unterstützung führender Kirchenvertreter.

Seit Jahrzehnten erwärmen sich Bischöfe, Erzbischöfe und Kardinäle für unsere Sache des Kirchenaustritts und geben sich viel Mühe die zahlenden Mitglieder zu vertreiben.

An dieser Stelle möchte ich Ihre heldenhaften Brüder im Amte Dyba, Krenn, Mixa, Müller, Meisner, Ratzinger, Groer, Haas, Overbeck und den völlig zu Unrecht vergessenen großen Bischof Tebartz-van Elst loben. [….]

(Offener Brief an meinen Helden, 04.02.2021)

Dieser Linie bleibe ich seit 15 Jahren öffentlich treu; je unangenehmer und abstoßender die Kirchenfürsten, desto besser.

Erzbischof Heße war ein großes Glück für Hamburg. In nur fünf Jahren schaffte er es, das positive Image seines Vorgängers Erzbischof Thissen ins diametrale Gegenteil zu verkehren und alle Hamburger Katholiken gegen sich aufzubringen.

Daher wünsche ich mir von Herzen, Papst Franz möge seinen angebotenen Rücktritt nicht annehmen, damit er sein Werk der Säkularisierung Hamburgs weiter führen kann.

Die Heßes und Woelkis und Meisner zeigen nur ehrlich auch welcher Ideologie ihr Verein fußt.

[…..] Dass Kleriker zu Missbrauchstätern wurden und werden, liegt vielleicht sogar in der inneren Logik der Kirche begründet. Um das zu verstehen, hilft ein Blick ins Kirchenrecht: Kirchenrechtlich wird sexueller Missbrauch bis heute rein vom Priester her gedacht. Kirchenrechtlich gesehen verstößt ein Priester, der sich an einem Kind, Jugendlichen oder Erwachsenen vergeht, gegen das sechste Gebot: "Du sollst nicht ehebrechen." Und weil der zölibatär lebende Priester mit der katholischen Kirche verheiratet ist, betrügt er lediglich die Kirche. Die Opfer kommen als Geschädigte nicht vor, sie sind gar nicht da.  Aus diesem Grund haben Betroffene von sexuellem Missbrauch in kirchenrechtlichen Verfahren gegen Täter bis heute keinerlei Rechte. Sie können keine Akten einsehen, sie können nicht als Nebenkläger auftreten, sie sind nur Zeugen. Die katholische Kirche könnte etwas dagegen tun, sagt zum Beispiel die Theologin Doris Reisinger: Sie könnte ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung in ihren Rechtsnormen verankern; im weltlichen Bereich ist dies etwas völlig Selbstverständliches. Doch wenn sie das täte, müsste sie den Gläubigen auch zugestehen, über ihr Schlafzimmer selbst zu entscheiden. Hier liegt der Knackpunkt: katholische Kirche und Selbstbestimmung des Menschen - das geht offenbar nicht zusammen. […..]

(Annette Zoch, 19.03.2021)