Samstag, 8. Juni 2019

Grünes Strohfeuer?


Die Grünen sind eine Partei im Glück; eine für sie extrem günstige politische Großwetterlage lässt sie quasi von allein in immer höhere demoskopische Sphären abheben.
Die allerneuste Forsa-Umfrage sieht sie inzwischen bundesweit sogar deutlich vor der CDU/CSU.
CDU 24%, SPD 12%, Grüne 27%, FDP 8%, Linke 8%, AfD 12%.
Auf den Grünen-Zug möchte natürlich jeder gern aufspringen, jetzt ist es schick zu sagen „ich habe grün gewählt“.
Während die Anhänger der SPD von ihrer Partei stets verlangen rote Linien einzuziehen und Kompromisse mit der Union übel nehmen, ist es bei den Grünen genau umgekehrt. Daß Grüne Minister in Hessen, Baden Württemberg und Schleswig Holstein umweltfeindlich agieren, der Autolobby hörig sind, Abschiebungen durchführen und die Frankfurter Flughafenstarbahnen durchwinken, wird ihnen sogar als „Realismus“ und „Regierungsfähigkeit“ hoch angerechnet.

 
Man muss sich vor den Grünen nicht fürchten – am wenigsten die Industrie.
Die Grünen verstehen außerdem die Kunst des Agendasettings und werden ganz selbstverständlich von jedermann als die Partei des Megathemas Klima assoziiert, während die CDU immer noch rätselt wie diese olle Kamelle es 2019 in die Schlagzeilen schaffte.


Schon in den 1990er Jahren hatte Bundesumweltministerin Merkel schließlich erkannt, daß Klimapolitik am besten bei der Autoindustrie aufgehoben ist, der man keine Vorgaben machen solle.

Was für ein Glück für die Grünen; sie können vage bleiben, auf Konzepte gegen Altersarmut, Pflegnotstand und Wohnungsnot verzichten. Abwarten und genießen, wie die (ehemals) großen Parteien im Panikmodus immer grotesker und altmodischer Fehler um Fehler produzieren.

Ein erratisch lachender Bundessuperinnenminister, der damit prahlt Gesetze extra kompliziert zu machen, da Unverständliches leichter durchzusetzen wäre.
Eine ohnehin lobbyhörige Landwirtschaftsministerin, die zum Schaden von Umwelt und Verbrauchern nun alle Hemmungen fallenlässt und sich Nestlé-Werbefigur einspannen lässt.


Dazu gibt es als kommenden CDU-Star Amthor auf allen Kanälen.



Zum Mitschämen, oder anders ausgedrückt: Läuft bei den Grünen.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Die Megathemen Klimawandel, Energiewende und Plastikmüll stehen nicht so weit oben auf der Agenda weil die Grünen, Rezo und Greta so sagenhaft begabte Spindoktoren sind, sondern weil tatsächlich in den letzten 14 Jahren unter der Kanzlerschaft Merkels total versagt wurde.
Deutschland ist in jeder Hinsicht zurückgefallen, hat beim Klima längst den Anschluss verloren und ist nun ein Klotz am Bein der Weltrettung.
Und es wird schlimmer; die neue CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer fällt sogar noch hinter die ohnehin antiquierten Ansichten der Umweltministerin Merkel aus den 1990er Jahren zurück.
Sie scheint „Öko“ und „Bio“ für oberflächliche Modelabels der Multikulti-Generation zu halten. Klimaschutz dürfe der Wirtschaft keine Kosten verursachen und niemand belasten. Kann man sich nicht ausdenken. Die Frau hat sich wieder einmal im Jahrhundert geirrt.

[….] AKK auf klimapolitischen Abwegen
„Die jüngsten Äußerungen von Annegret Kramp-Karrenbauer zum Klimaschutz sind ein verbaler Amoklauf. Nicht das Klima spaltet das Land, sondern die Koalition der Klimaschutzverweigerer. Menschen, die sich für den Erhalt der Lebensgrundlagen einsetzen, als Spalter der Gesellschaft zu diffamieren, ist nichts anderes, als den sprichwörtlichen Überbringer der schlechten Nachrichten zu köpfen“, kommentiert Lorenz Gösta Beutin, klima- und energiepolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, die jüngsten Äußerungen der CDU-Vorsitzenden zur Klimapolitik. Beutin weiter:  
„Die Aussagen der CDU-Chefin sind zutiefst demokratiefeindlich. Seit Monaten gehen Zehntausende in Deutschland und Europa auf die Straße, weil sie zehn Jahre des klimapolitischen Stillstands für einen Skandal halten und von der Politik Handeln fordern. Statt diese Menschen, die ihre Grundrechte wahrnehmen, ernst zu nehmen und zu hören, werden sie von der einstigen Volkspartei beleidigt und als Feinde der Gesellschaft hingestellt.
Die Energiewende als ‚Experiment‘ zu bezeichnen, erinnert stark an die Realitätsverweigerung à la AfD. Auch die AfD sät mit Fake News und Klimawandelleugnung Misstrauen gegen die Energiewende und stellt diese verschwörungstheoretisch als sinnloses Elitenprojekt dar. Kramp-Karrenbauer versucht hier ganz offensichtlich vor den anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland am rechten Rand zu fischen und riskiert damit, das weltweite Klimaschutz-Vorzeigevorhaben Energiewende in Misskredit zu bringen.“ [….]

Unter Rotgrüner Regierung stieg die Mehrweg-Quote auf 2/3 aller Getränkeverpackungen.
Nach 14 Jahren Merkel sind wir kräftig in die ökologische Steinzeit zurück gestürzt.

2004 waren 33,7% der Verpackungen Einweg und 66,3% Mehrweg.
Dann kam Merkel.


Unter der phlegmatischen lobbyaffinen Nicht-Politik Merkels mauserte sich Deutschland zum Europameister des Verpackungsabfalls.
Mit weitem Abstand produzieren Deutsche den meisten Plastikabfall pro Kopf und Jahr – nämlich 221 Kilo! Das sind insgesamt 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsmüll jährlich aus Deutschland. Wir werden jährlich schlimmer.
Während sogar afrikanische Nationen wie Tansania die Zeichen der Zeit erkannten und Plastiktüten streng verboten haben, generiert sich Merkel-Klöckner-Deutschland als internationale Müllmaschine und Klimapest.
Auf der Gesamtabfall Deutschlands sprengt mit 412 Millionen Tonnen und 626 Kilogramm pro Bürger alle Rekorde.


Das ist keine Frage des Agendasettings oder politischer Mode.
Hier handelt es sich um sehr konkretes massives politisches Versagen der CDU und einer offenbar zu schwachen SPD in der Groko.
Die Grünen profitieren politisch, aber sie haben das Thema nicht etwa künstlich aufgeblasen, sondern es fiel uns schon vor langer Zeit stinkend auf die Füße.

[….]  Die Deutschen wollten früh mit Mülltrennen und Solarparks die Natur und das Klima retten. Doch das Land ist in vielen Bereichen zurückgefallen. [….] Jahrelang galt die deutsche Vorreiterrolle im Umweltschutz als unumstößliche Gewissheit. Umweltgruppen nutzten sie als Ansporn für mehr. Wer sich einmal an die Spitze der Bewegung gesetzt hat, der darf diesen Platz ja nicht verlieren. Immer wieder warnten sie, Deutschland dürfe diese Rolle nicht verspielen. Andere schufen dagegen das Bild vom zwanghaften Umwelt-Streber. Sie zeichneten die Bundesrepublik als Land, das ständig strengere Regeln aufstellt als eigentlich nötig, so die eigene Wettbewerbsfähigkeit schwächt und Unternehmen vertreibt. Vor allem die Industrie argumentierte so. Träfe das zu, sie hätte schon dreimal komplett ausgewandert sein müssen. Keine von beiden Seiten hatte recht, aber zurück blieb dieser eine Eindruck: Bei der Umwelt macht uns Deutschen so schnell keiner was vor. Was für ein Irrtum.
 [….] Die Geschichte deutscher Umweltpolitik ist in vielerlei Hinsicht eine Geschichte des Selbstbetrugs. [….]
 Ein Industrieland, das massiv mobilisiert für den Ausbau erneuerbarer Energien - das war tatsächlich ein Paukenschlag. [….] Doch Braunkohle-Kraftwerke produzierten Strom wie gehabt, jetzt allerdings für den Export. [….][….] Die Landwirte düngen heute oft zielgenauer und damit eigentlich schonender. "Weil aber die landwirtschaftliche Produktion zunimmt, auch weil weltweit immer mehr Fleisch gegessen wird, gerät am Ende nicht weniger, sondern gleich viel Dünger in die Umwelt", sagt Knut Ehlers, Agrarexperte beim Umweltbundesamt. Ähnlich ist es beim Plastikmüll. Es wird zwar mehr recycelt, aber die Menge des Plastikabfalls insgesamt wächst eben auch. Dieser Effekt macht vieles von dem zunichte, was zuvor mühsam für die Umwelt erstritten wurde. [….]

Nach den Zahlen des Bundesumweltamtes und des Bundesumweltministeriums explodiert die Menge des deutschen Plastikmülls.

Über 3 Millionen Tonnen Plastik landen in Deutschland jährlich auf dem Müll.

 
Und um das Klimanachhaltig zu ruinieren, produzieren wir immer mehr Fleisch – es gibt kaum eine größere Sünde bezüglich des ökologischen Fußabdrucks.


Deutschland ist der internationale Master der Gülle, blockiert in Brüssel strengere CO2-Regeln für die Autoindustrie, überschwemmt die Ozeane mit immer mehr Plastik, ruiniert die afrikanische Landwirtschaft mit Billigfleischexporten, überzieht die Krisengebiete der Welt mit Waffen, brüstet sich damit immer mehr Flüchtlinge auszuweisen, stellt weltweit die umweltschädlichsten Autos her, verfügt über keine ökologische Verkehrsstrategie, setzt auf Flugzeuge.

 
Eine CDU-Chefin, die in den letzten anderthalb Dekaden ihre Hausaufgaben gemacht hätte, müsste sich heute nicht über demoskopische Grünen-Höhenflüge wundern.


Freitag, 7. Juni 2019

Teutonenphlegma


Deutsche Wähler, insbesondere die Westdeutschen, sind extrem phantasielos und ängstlich. Daher konnte sich hier das etablierte Parteiensystem viel länger als in anderen europäischen Staaten behaupten.
Deutsche gewöhnen sich nicht leicht um; sie wollen am liebsten, daß alles so bleibt, wie es immer war.
Wenn sich überhaupt etwas ändert, wird es eher von oben initiiert. Von Regierungschefs, die nicht nur an ihren nächsten Wahltermin denken, sondern das langfristigere Wohl Deutschlands im Blick haben.
An echte Änderungen haben sich bisher nur die drei sozialdemokratischen Kanzler Brandt, Schmidt und Schröder gewagt und für alle drei endete ihre politische Karriere frühzeitig.
Wenn man hingegen fest die Augen vor der Zukunft verschließt, bräsig jede Änderung blockiert und nur mit Begriffen wie „Kontinuität, Stabilität und Verlässlichkeit“ wirbt, kann man gefühlte Ewigkeiten im Amt bleiben, alles aussitzen und wird wie Adenauer, Kohl und Merkel vom Gewohnheitstier Wähler immer wieder bestätigt.
Na gut, wie haben zwar das langsamste Internet Europas, die Infrastruktur verfällt, wir können kein Mobiltelefon oder Elektroauto bauen, wir sind bei der Gentechnik genau wie bei der Künstlichen Intelligenz international abgehängt, weil Merkel niemals initiativ wurde und Vorgaben machte. Und so fallen wir täglich zurück. Deutschland kann kein Windrad offshore aufstellen, scheitert an Großprojekten und hält sich eine Bundeswehr, in der nur Jahrzehnte alter Schrott rumsteht, da die Anschaffung neuer Waffensysteme so viele Dekaden durchdiskutiert wird, daß sie bei Auslieferung schon lange verwaltet sind.
Symptomatisch dafür steht die Gorch Fock, das nicht mehr schwimmfähige Marine-Schulschiff, an dessen Sanierung das geballte Knowhow der Verteidigungsministeriums und der Marine scheitert. Es wurde 1958 für 10 Millionen DM gebaut. Seit 2015 wird das Schiff bei der Elsflether Werft in einem Schwimmdock in Bremerhaven saniert. Bisher wurden dafür 135 Millionen Euro verprasst. Wann das Schiff jemals wieder schwimmfähig ist, steht in den Sternen. Im besten Fall funktioniert das Kadettenausbildungsschiff in ein paar Jahren nach einigen weiteren hundert Millionen Euro Kosten wieder und Deutschland kann stolz sein auf seine Marine auf dem technischen Stand von vor 75 Jahren. Man sollte meinen, daß heutzutage von der Bundesmarine andere Fertigkeiten beherrscht werden sollten. Moderne Aufklärung, Drohneneinsatz, Tarnkappentechnik, Mobilität zu Luft. Aber wozu? Die deutschen Marinehubschrauber funktionieren sowieso alle nicht, Drohnen können wir nicht nur nicht herstellen, sondern sind seit zehn Jahren sogar zu doof welche zu kaufen. 500 Millionen hatte Ex-Verteidigungsminister de Maizière bei dem Versuch „Euro Hawk“-Drohen zu beschaffen, versenkt.
Das Projekt wurde eingestellt und immerhin besteht in den folgenden sechs Jahren Konsens darüber, daß man das Desaster nicht erklären kann und die technischen Probleme unlösbar sind.
Das ist eben Deutschland: Vollkommen unfähige und überforderte CDU-Minister und eine Regierungschefin, der das alles vollkommen egal ist.

Aber den deutschen Michel stört es scheinbar nicht. Die Bundeskanzlerin, die sich nach ihrem Verzicht auf den CDU-Parteivorsitz de facto gar nicht mehr um deutsche Politik kümmert und nur noch als präsidiale Sagengestalt über allem schwebt, erlebt ein neues demoskopisches Hoch, ist die mit Abstand beliebteste Politikerin.
Kein Wunder, denn Merkel „tut uns nichts“.
All die bösen Zukunftsthemen, die andere Politiker ansprechen und die uns erahnen lassen, daß es nicht immer so weitergehen kann – Pflegekatastrophe, Klimaerhitzung, Altersarmut – werden nicht mit der freundlichen Frau Merkel aus der Uckermark assoziiert.
Merkels bestes Wahlkampfargument ist nach wie vor, daß sie vorher schon lange Bundeskanzlerin war.
Ihre Untertanen mögen sich nichts anderes vorstellen.
Gegenwärtig haben wir die 19. Wahlperiode des Bundestages. Bei 19 Wahlen wurde nur ein einziges Mal eine völlig neue Regierung gewählt, als nämlich 1998 CDU-CSU-FDP durch SPD-GRÜNE ersetzt wurde.
Bei allen anderen Wahlen wurde mindestens eine Regierungspartei auch in die neue Regierung gewählt.
„Keine Experimente“, der berühmte CDU-Wahlslogan darf getrost als Motto für die Gesamtwählerschaft gelten.

Andere Nationen haben ein völlig anderes Demokratieverständnis und zelebrieren mit Lust möglichst radikale Wechsel, auch wenn es dazu keinen Grund gibt.
Man erinnere sich an die US-Wahl vom November 2000, als Bill Clinton die beste ökonomische Bilanz aller Zeiten hinterließ, Amerika international geachtet war und seine Zustimmungswerte Rekordhöhen erreichten.
Man hätte diese Politik fortführen können, indem man seinen intelligenten und sehr erfahrenen Vizepräsidenten Al Gore ins Weiße Haus schickt.
Aber nein, das Ami-Volk entschied sich für den Deppen GWB, der vorher nich nie im Ausland war und immer wieder mit sagenhafter Unkenntnis auffielt.
Das Ergebnis ist bekannt. Er zettelte nicht nur mehrere Kriege an, sondern stürzte auch die US-Wirtschaft in eine Rezession – inklusive Rekordschulden und der schwersten Weltfinanzkrise seit 80 Jahren.
2008 und 2016 entschieden die Amis erneut für die radikalen Wechsel.
In Italien beispielsweise ist es geradezu Volkssport denjenigen zu wählen, der am Verrücktesten wirkt.

In Deutschland gab es bisher nur CDU- und SPD-Kanzler, weil es immer nur SPD- und CDU-Kanzler gab.
Man kann sich nichts anderes vorstellen und die anderen Parteien finden sich mit der Rolle ab. Guido Westerwelle nannte sich einmal „Kanzlerkandidat“ und wurde dafür herzlich ausgelacht.

1988, nach fast 40 Jahren Bundesrepublik wurde Heide Simonis im kleinen Land Schleswig-Holstein die erste weibliche Landesfinanzministerin.
In elf Ländern und dem Bund; also gewissermaßen 12 mal 40 = 480 Jahre; amtierten nur Männer. „Frauen können doch nicht mit Geld umgehen“. Kernressorts sind nur für Männer; war immer so, soll immer so bleiben.
Die HartzIV-Kritiker haben seit 15 Jahren die Möglichkeit einfach DIE LINKE, also die einzige Partei, die Hartz wieder abschaffen will, zu wählen. Tun sie aber nicht, weil die Fantasie dazu fehlt, daß Linke in der Bundesregierung sitzen könnten.

Lange Zeit galt es als undenkbar Grüne in die Bundesregierung zu schicken. Es könnte doch nicht EIN GRÜNER, womöglich auf Turnschuhen, Deutschland repräsentieren. Fast 20 Jahre wurde täglich vor dem dann folgenden „rotgrünen Chaos“ gewarnt. Und nichts hasst der gemeine Teutone so sehr wie Chaos in der Regierung.
Nur durch einmalige außergewöhnliche Umstände, wird politisch etwas gewagt.
2011 gab es so eine Konstellation, als ein extrem unbeliebter MP Mappus, heimlich und dubios für fünf Milliarden Euro den Atomenergiekonzern EnBW kaufte, die Landeshauptstadt im Stuttgart21-Chaos unterging und dann auch noch Fukushima explodierte.
Nur so konnte mit Winfried Kretschmann erstmals ein Grüner Regierungschef werden. Ein MP, der sogar wiedergewählt wurde, da man sich inzwischen an ihn gewöhnt hatte.
1998 gab es ebenfalls außergewöhnliche Umstände, weil Helmut Kohl nach 16 Jahren einen gewaltigen Reformstau aufgetürmt hatte, sich vollkommen starrsinnig weigerte irgendjemand in der CDU Platz zu machen, Deutschland die höchsten Steuern aller Zeiten aufgebrummt hatte und zudem mit Gerd Schröder ein besonders dynamischer SPD-Kandidat antrat, der nicht nur eloquent redete, sondern in acht Jahren als Ministerpräsident von Niedersachsen bewiesen hatte, daß er regieren kann.

Auch 2019 könnte ein Jahr mit einer außergewöhnlichen Konstellation sein.
Enorme Groko-Müdigkeit, sich weltweit manifestierende Klimakrise und gleich mehrere Parteichefs, die mit kaum je dagewesener Unfähigkeit auffallen.
Nicht nur Nahles und AKK debakulierten in den letzten Monaten auf hohem Niveau, sondern auch die kleinen Parteien werden durch Megafinanzskandale (AfD), brutalen Führungsstreit (Linke Wagenknecht) oder extreme Widerlichkeit (Lindner) gebeutelt.
Bleiben nur die Grünen, die erstens das Glück haben, daß die Jungwähler sich nicht mehr daran erinnern, wie sie 1998-2005 noch radikaler als die SPD soziale Einschnitte forderten, HartzIV bewarben und in einen Krieg ohne UN-Mandat zogen. Und die zweitens genau zum richtigen Zeitpunkt Europawahlen hatten; denn im „fernen Europa“ experimentieren deutsche Wähler schon eher.
Das 20%-Rekordergebnis vom 26.05. hat nicht nur zwei Parteichefinnen in extreme Schwierigkeiten gebracht, sondern dem Wähler etwas vor Augen geführt, das er sich bisher nicht vorstellen konnte:
Ein Grüner im Kanzleramt!
Bisher war das ausgeschlossen, da man nur das wählte, was wahrscheinlich war.
Deutsche Wähler hängen sich gern an Trends, wollen auf keinen Fall den Wahlverlierer angekreuzt haben. Man will zu den Gewinnern gehören und springt auf den Zug, der kurz vor der Wahl demoskopisch am besten dasteht.

Bei einer SPD im freien Fall, einer völlig überforderten CDU-Führung ohne Konzept und zudem einer LINKEN, die einfach abgetaucht ist und im Wagenknecht-Vakuum gar nicht mehr medial vorkommt, wird auch einmal das Vorstellbare, konkret denkbar. Ja, Robert Habeck könnte wirklich Kanzler werden. Und wäre das nicht irgendwie besser als Scholz oder AKK?
Der Gedanke beflügelt und ganz ohne irgendein inhaltliches Argument machen die Grünen als Inkarnation der selbsterfüllenden Prophezeiung seit der Europawahl weitere gewaltige Sprünge. Erfolg generiert Erfolg.
Schon zwei Institute – Forsa und Infratest Dimap – sehen die Grünen als stärkste Partei in Deutschland. Vor der CDU. Bis vor kurzem unvorstellbar. Aber da nun die Vorstellung möglich ist, kann es weiter bergauf gehen.





Donnerstag, 6. Juni 2019

60 Millionen Amis immun gegen Schamgefühle.


Amerikas grauenhaftester Politiker debakuliert weiter durch Europa.
In den Sozialen Medien findet man viel Satire darüber wie die gesamte Trump-Familie in Europa ausgebuht wird und das liberale Amerika bittet die Briten um Entschuldigung für den Staatsbesuch des Grauens.
Gern wird dazu gesagt, so wäre Amerika gar nicht, Trump repräsentiere nicht die wahren USA.
Das ist leider nur halb richtig. Nach über 10.000 Lügen und Skandalen jeder Art halten über 40% der Amerikaner fest zu #45. Gut möglich, daß der orangehäutige Möchtegerndiktator nächstes Jahr wiedergewählt wird.

Ana Navarro-Cárdenas hat wieder einmal Recht – die Peinlichkeit Trumps ist noch steigerungsfähig.


 Einst gab es einen gesellschaftlichen Konsens, daß man im Ausland respektiert sein wollte. Daher wurden Politiker besonders geschätzt, die in der Lage waren „Bella Figura“ zu machen. Die ein paar Fremdsprachen beherrschten, sich ordentlich kleideten, über Bildung verfügten und schlicht und ergreifend wußten wie man sich benimmt.

Die Bundeskanzler Brandt und Schmidt waren solche Staatsmänner und daher war es umso unfassbarer, daß ihnen der Provinzler Helmut Kohl folgte, der kein Wort Englisch verstand und als echter Kulturbanause galt.
Helmut Kohl auf Staatsbesuchen bedeutete immer ein zielsicheres Hüpfen von Fettnapf zu Fettnapf.
Das eigentlich Erstaunliche war aber, daß Kohl immer wiedergewählt wurde. Offenbar war es den Deutschen nicht nur viel weniger wichtig als gedacht „bella figura“ machen zu können, sondern dem tumben Durchschnittsteutonen, der in Sandalen und kurzen Hosen durch Lloret de Mar und Rimini stapfte und von den Einheimischen verlangte deutsch zu sprechen, gefiel es im plumpen Kohl sich selbst zu erkennen.


Und im Mutterland des bella figura, indem Klasse, Design und Etikette selbstverständlich sind, wählte man fünfmal Berlusconi zum Regierungschef.
Amerikaner gelten ohnehin als weniger Kultur-affin. Sie haben wenig Interesse am Ausland, kaum Fremdsprachenkenntnisse und keine Neigung zu Scham.
Amerikanische Touristen bemerkt man üblicherweise schnell als solche.
Soweit das Klischee.


Dennoch erwartete auch der Average-Ami von seiner Führungsriege die Fähigkeit sich nicht zu blamieren. Gekrönte Häupter und ehrenwerte Präsidenten aus aller Welt, sollten im Weißen Haus nicht auf Bauern treffen und man war Jacky Kennedy für Jahrzehnte dankbar, daß sie Kunst und Klasse einführte.
George W. Bushs verbale Tölpeleien beschämten die meisten Amerikaner. Es war einfach peinlich, wenn er in Brasilien fragte, ob die da eigentlich auch Schwarze hätten, oder in Madrid bei der Begrüßung durch König Juan-Carlos erwiderte wie schön es sei in der „Republik Spanien“ zu sein.
Was für eine Erleichterung die acht Obama-Jahre in der Hinsicht waren.
Abgesehen von jeder Politik, konnte man sich stets drauf verlassen, daß sowohl Michelle als auch Barack mit ihrer Bildung und Schlagfertigkeit brillierten, daß sie immer gut angezogen waren, vollendete Manieren an den Tag legten und zudem auch noch beide exzellente Redner waren.


Aber die ultrarechten Medien, die Teebeutler und Trump haben es in erstaunlich kurzer Zeit vermocht all diese Ansprüche an das Präsidentenamt zu schleifen.
Nun steigen eine groteske Witzfigur und seine verblödete Nepotistengang aus der Air Force One. Sie sind alle schlecht angezogen, desinteressiert, unhöflich, vulgär und in jeder diplomatischen Hinsicht erbärmlich.
Dabei übertrifft IQ45 selbst seine Familienmitglieder in der Disziplin des diplomatischen Affronts um Längen. Schon vor seiner Landung in einem anderen Land hat Trump üblicherweise mehrere schwere Beleidigungen ausgestoßen und wie ein Elefant mit ADHS das diplomatische Porzellan zertrampelt.

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While participating in D-Day celebrations, on sacred ground, with graves of soldiers in the background, the coward with fictional bone-spurs deemed it appropriate to attack Mueller, a decorated war veteran who was awarded a Purple Heart. Trump is a disgraceful embarrassment. https://t.co/xtXUhGrtzu
— Ana Navarro-Cárdenas (@ananavarro) 6.
Juni 2019

Je ernster und trauriger der Anlass, desto sicherer blamiert Trump sein Land.

[….] Die Queen hat es versucht, Angela Merkel auch, nun also Emmanuel Macron: Frankreichs Präsident beschwört gegenüber Donald Trump die historischen Bande der USA zu Europa. [….] Omaha Beach ist die letzte Station auf der Europareise des US-Präsidenten. Nach dem Pomp bei der Queen, den Massenprotesten am Trafalgar Square und der internationalen Gedenkfeier in Portsmouth soll der US-französische Festakt am exakten D-Day-Jahrestag der wichtigste Moment sein - der Moment an dem Trump die westliche Allianz dort würdigt, wo sie geboren wurde. So jedenfalls der Plan.
Bedenken sind angebracht. Trump sieht die Uno, die Nato und die EU, jene wichtigen Nachkriegsallianzen, als lästig. Er scheint meist taub für historische Lektionen. Er beschimpft die Verbündeten als "Abzocker", weil sie nicht genug zahlen würden für den Schutz, den die USA gewährten.
Außerdem liebt Trump zwar Generäle, Paraden und sonstigen Militärbombast, doch den eigenen Wehrdienst vermied er mit einem Attest. Er sei nie ein "Fan" des Vietnamkriegs gewesen, begründete er das in dieser Woche in einem Interview. Das sei so "weit weg" gewesen: "Damals kannte das Land keiner." Aber gegen Hitler zu kämpfen, das sei doch was ganz anderes. [….]

Mittwoch, 5. Juni 2019

Der Christ des Tages - Teil LXXXVIII


Das Bistum Joliet im Nordosten von Illinois ist neben Belleville, Peoria, Rockford und Springfield eins von fünf Suffraganbistümern des Erzbistums Chicago.
Altbischof Joseph Leopold Imesch (*1931 †2015) führte seine 600.000 Katholiken und mehrere hundert Geistlichen in 120 Pfarreien von 1979 bis 2005 an.
In über einem Vierteljahrhundert unter seiner Leitung gab es zwar eine Menge Kinderficker unter seinen Priestern, aber Imesch sah in ihnen ausgezeichnete Hirten, die lediglich ab und zu ein bißchen unter mangelndem Urteilsvermögen litten, wenn sie kleine Jungs vergewaltigten.

[….] Bishop Imesch [….] defended accused clerics, saying they were good priests who exercised poor judgment and were victims of smear campaigns and reckless media coverage. [….]  Bishop Imesch had a long history of covering up pedophilia, transferring at least four accused priests inside his diocese without alerting parishioners. And he brought in a convicted child molester, the Rev. Gary Berthiaume, who had served as an associate pastor under him at a Detroit church years earlier. [….] Early in 2002, he said that some people are not traumatized by sexual abuse and that some priests who molest adolescents should be allowed back into ministry after therapy. [….]

Priesterpenisse in Messdiener zu stecken kann ja mal vorkommen. Nichts, das die Kinder ernsthaft schädige, befand der Kirchenfürst und falls sich jemand darüber beschwert, kann man den Priester ja immer noch in eine andere Pfarrei zu neuen Kinder schicken.
Nach zwei Dekaden als Bischof war Imesch immer noch überrascht wenn sich von seinen Pfaffen missbrauchte Jungs später beklagten.

[…..] Three priest case Two brothers, John and Jeff Welch sued the Diocese of Joliet Chancery , claiming three priests, John C. Slown, Arno Dennerlein and Richard Ruffalo abused them 1962-68 while they attended St. John the Baptist Church in Winfield. DuPage Circuit Judge John T. Elsner ruled a new state law extending the time limit for lawsuits in cases of sexual abuse of children cannot be applied retroactively to revive the brothers’ allegations.
Two priest case Two brothers sue the Diocese of Joliet, claiming sexual abuse by two different priests. The lawsuits filed in Will County Circuit Court brought to 15 the number of suits pending against the diocese in Will and DuPage counties, May 2006. […..]

Keine große Sache. Bisher sind ja auch bloß 42 Priester des kleinen Bistums angeklagt worden Kinder vergewaltigt zu haben.
Einige der Gottesmänner gingen dabei so fromm vor, daß es Gott vermutlich eine Freude war zuzusehen.

Damit komme ich zum Christen des Tages Nr. 88:
Pfarrer Frederick Lenczycki, 74, kam 1963 in das Priesterseminar des Bistums, wurde 1972 ordiniert und erklärte von Beginn an, er wolle mit Kindern arbeiten, er sei an  “adolescent psychology” interessiert.
Er interpretierte diesen Aufgabenbereich offenbar auf sehr spezielle Weise, wurde 1980 erstmals wegen „unknown difficulties” vom Bischof nach St. Isaac Jogues versetzt. 1984 beschuldigte ihn ein 12-Jähriger der Vergewaltigung. Die Staatsanwalt ermittelte und fand dreizehn weitere von Lenczycki missbrauchte Kinder.
Bischof Imesch bat ihn daraufhin “to spend some time away from the diocese” but that by “June of 1987” Lenczycki could return. 
Die drei Jahre verbrachte er kinderfickend in San Francisco und wurde warmherzig wieder in Jolie aufgenommen, wo er erneut Dutzende Kinder vergewaltigte.

[….] Bishop Imesch helped find Lenczycki an assignment within the Archdiocese of San Francisco and recommended him saing he was “an excellent priest” who “will do a fine job.”    During his tenure in the Archdiocese of San Francisco, Lenczycki abused at least three children in the late 1980s and early 1990s.
In 1992, Lenczycki applied for faculties within the Archdiocese of St. Louis and Bishop Imesch stated “I have no reason why he should not be permitted to perform priestly ministry in the Archdiocese of St. Louis.”  During the 1990s and early 2000s numerous victims came forward, including a two former seminarians who were abused by Lenczycki at St. Charles Borromeo in 1979 one under the guise of “psychological research” and another during spiritual direction, as well as a victim who was taken to Lenczycki for “counseling” when he was approximately 10 years old.  In November 2002, the DuPage County State’s Attorney filed charges against Lenczycki for the 1984 sexual abuse.  Lenczycki pled guilty in 2004 and was sentenced to five years in prison.  Just before his release in 2006, it was decided that he was too sexually dangerous to release and he served another three years. He was released on parole in 2009 and is a registered sex offender.   Over his 25-year career as a priest, it is estimated that he sexually abused at least 24 boys in three separate states. […..]

Lenczyckis Taten sind wohldokumentiert. Orginalbriefe, Ermittlungsergebnisse, bischöfliche Schreiben aus drei Jahrzehnten kann man frei einsehen.

Mit Unterstützung seines Bischofs konnte der katholische Priester nach Herzenslust Kinder quälen.

[….] Abishop’s fatal decisions: Imesch sent Fr. Lenczycki out of state in 1985 to avoid criminal charges in the abuse of 14 boys, then Bishop didn’t disclose Lenczycki’s past to new assignments and personally covered-up firsthand knowledge of abuse Cleric molested at least 25 boys in three states, convicted in 2004 The story of Father Frederick Lenczycki is the perfect example of how Bishop Imesch’s criminal cover-up of sexual abuse allowed a predator cleric to destroy dozens of children across three states.Fr. Lenczycki admitted to abusing boys as early as 1984, even providing the names of victims to church officials. Instead of calling the police, Bishop Imesch sent Lenczycki to Missouri and then to California to avoid criminal prosecution. In both states, Lenczycki quietly underwent treatment and worked in local parishes. All the while, he continued to sexually abuse children. In addit ion, Imesch didn’t disclose Lenczycki’s past crimes to officials at his later assignments in Missouri, where he continued to abuse minors. By 2002, Imesch could no longer keep a lid on the allegations against Lenczycki and was forced to bring him back to Illinois to face charges. In 2004, Lenczycki pled guilty to abusing 3 boys. When his sentence ended in 2006, the cleric was remanded back to prison as a sexually violent predator. Lenczycki was released in 2009 and is a registered sex offender in Illinois. He currently lives in Berkeley, Illinois.[….]

Wieso sieht Jesus tatenlos zu, wenn seine Gottesmänner so agieren?
Womöglich schätzt der Gottessohn ja die speziellen sexuellen Gewohnheiten des triebhaften Gottesmannes.

Lenczycki schätzte es nämlich seine Opfer wie das Jesuskind selbst zu verkleiden, bevor er sich an ihnen verging. Er versuchte also gewissermaßen Jesus selbst zu begatten. In der perversen Phantasie des Katholizismus, in der Gott seine eigene Mutter schwängert und Nonnen sich allesamt als Ehefrauen dieses Gottes verstehen, fühlte sich Lenczycki so seinem Schöpfer näher.

[….] A pedophile Catholic priest made young boys dress up as the Baby Jesus in swaddling clothes then sexually abused them. Frederick Lenczycki, 74, admitted two counts of sodomy Thursday, after a court in St Louis, Missouri, was told how he molested two boys between 1991 and 1994. [….] One of the victims had his genitals repeatedly grabbed by Lenczycki, while the pervert clergyman kept trying to rip the second one’s clothes off. They were attacked while he was chaplain of St Louis’s DePaul Health Center. [….] Lenczyski admitted his crimes in St Louis County Circuit Court Thursday [….] Those youngsters told how the priest, who they knew as Father Fred, would swaddle them in cloths like the Baby Jesus was after being born. He did so under the guise of organizing religious pageants, which never took place, and which were used as a front for the abuse. [….]  Lenczyski admitted that sex abuse in 2004 and was jailed for five years. Randy Kanaday, who is one of the two victims Lenczyski admitted attacking at Thursday’s court hearing, said the pervert’s guilty plea would help put his ordeal behind him. [….]  Church and court files seen by the paper say Lenczyki admitted abusing up to 30 boys across Illinois, Missouri and California over the course of 25 years. [….]

Immer wenn man denkt, keine Gräueltat eines katholischen Priesters könne einen noch überraschen…
Dann kommt eine Sexsoutane daher, die bizarren Fetisch-Jesus-Baby-Sex-Rollenspielen frönt und von dem Bischof als „guter Mann mit möglicherweise schlechtem Urteilsvermögen“ gelobt wird.