Montag, 2. Mai 2016

Thema durch



Jeden Tag staune ich erneut über die Verblödung und sagenhafte Uninformiertheit der Menschen.
Man könnte sich heute so leicht wie nie informieren.
Es gibt doch alle Angebote.
Daher muß man leider in seinem privaten und social-media-Umfeld immer wieder alles erklären.

Manchmal allerdings kommt ein Punkt, an dem man merkt, daß man zu Erklärungen genötigt wird bei Dingen, die schon lange abgefrühstückt sind.
So lange, daß man es aufgibt erneut Rechtfertigungen aufzusagen.

Warum er denn Frauen, Schwule und Sikhs in der Regierung hätte wurde Justin Trudeau vor einigen Monaten gefragt.
„Because it’s 2015“ so seine inzwischen legendär-lapidare Antwort.


Recht hat er, der Kanadier.
Muß man sich etwa ernsthaft immer noch erklären, wenn man nicht Regierungen ausschließlich mit weißen, grauhaarigen anzugtragenden Männern bestückt?

Ähnlich albern wird die TTIP-Angelegenheit inzwischen.
Seit 2013 wird darüber verhandelt und immer noch sollen die 800 Millionen Menschen, die es betreffen wird auf Wunsch von Konzerninteressen im Dunkeln gehalten werden?

Ja, die deutsche Bundesregierung verfügt über besonders wenig Rückgrat, läßt sich devot nickend von amerikanischen Diensten ausspionieren und wagt es bis heute nicht Edward Snowden, der unter anderem die Bespitzelung Merkels öffentlich gemacht hatte, die Einreise zu genehmigen, weil Washington ja was dagegen haben könnte.

Ob TTIP mehr schadet oder mehr nutzt?
Ich vermute, Ersteres trifft zu.
Wissen kann man es nicht, weil die Verbraucher diesbezüglich wie Champignons gehalten werden: Im Dunklen gelassen und mit Mist gefüttert.

Dank Greenpeace und des Rechercheverbundes SZ/NDR/WDR sind nun einige Verhandlungspositionen geleakt worden.

Die TTIP-Leaks bestätigen, was Kritiker schon lange fürchten: Die USA führen die Verhandlungen als Diener der Konzerne. Die EU kann sich darauf kaum noch einlassen. [….]

Die Amis sind richtig pissed und Profikriecherin Angela Merkel, die zuvor gerade erst vor der NSA, dann vor Präsident Erdogan und zuletzt noch einmal vor der deutschen Autoindustrie auf Knien rutschte, versucht zu retten was zu retten ist.

Im rauen Verhandlungsklima sind am Ende auch andere Optionen denkbar. Brüssel könnte weich werden. Bisher fehlen wirklich klare Worte in der Öffentlichkeit: Wenn sich Washington nicht bewegt, dann gibt es kein Abkommen!  So deutlich war das bisher aus Brüssel nicht zu hören. Die europäischen Bedingungen könnten also leicht unterlaufen werden. [….]

Wer soll ausgerechnet einer Merkel-dominierten EU glauben, sie würde nicht ihre Werte verraten?

Die Kanzlerin will einfach so weiterwurschteln und TTIP schnell abschließen.

Die Parteien der deutschen Regierungskoalition sind sich offenbar nicht einig über die Bewertung der veröffentlichten TTIP-Dokumente. Die Kanzlerin will an einem schnellen Abschluss der TTIP-Verhandlungen festhalten. "Wir halten den zügigen Abschluss eines ehrgeizigen Abkommens für sehr wichtig", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Grundsätzlich wolle die Bundesregierung alles tun, um bei den Verhandlungen voranzukommen. […]

Und hier bin ich an dem Trudeau-Punkt angelangt.
Ich will gar nichts mehr hören darüber wie dringend die Regierung TTIP will und wie toll das alles werden könnte.

Es soll endlich veröffentlicht werden worüber überhaupt verhandelt wird, because it’s 2016.

In welchem Jahrhundert leben wir denn, daß Merkel meint solche weitreichenden Dinge buchstäblich im geheimen Hinterzimmerchen tun zu können?
Das Feudalzeitalter, in dem alles von oben entschieden wird, ist vorbei.
Es gibt nichts zu erklären, zu vermuten, zu eruieren und abzuwägen beim Thema Transparenz im Internetzeitalter.

Bermerkenswerterweise trat für die SPD und Gabriels Ministerium heute nur sein Staatssekretär Matthias Machnig vor die Kamera und der klang keineswegs mehr so, als ob TTIP kommen müsse.
Weg mit den albernen Konstruktionen wie Geheimleseraum und Sprechverbot.

Wenn Obama tatsächlich auf diese hochabstruse Form der Geheimniskrämerei besteht, dann soll man ihm die Tür vor der Nase zuschlagen.
So wollen wir Europäer nicht mehr behandelt werden, because it’s 2016.

Sonntag, 1. Mai 2016

Impudenz des Monats April 2016



Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Impudenz des Monats sind all die „bürgerlichen“ Politiker, die aus Angst vorm Wähler rechts blinken und dafür am Wahltag von den richtig Rechten überholt werden.

Die Republik Österreich, das kleine sympathische Land am Rande Bayerns wird gewohnheitsmäßig von einer nicht mehr allzu großen Koalition aus SPÖ und ÖVP regiert.
Seit gut zwei Jahren ist die Regierung „Faymann II“ im Amt.
Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) ähneln mit ihrer Hasenfüßigkeit ein bißchen der deutschen GroKo, ohne daß einer der beiden über den Machtinstinkt einer Angela Merkel verfügte.
Beide an der Regierung beteiligten Parteien verhalten sich wie rotes und blaues Wachs im Ofen. Sie schmelzen ab, während sich eine braune, amorphe Masse um sie herum bildet.
Mit knapp 27% (SPÖ) und knapp 24% (ÖVP) beeindruckte das Wahlergebnis der beiden Großen von 2013 ohnehin wenig; würde heute gewählt, wäre die rechtspopulistische FPÖ mit Abstand stärkste Partei.

Wie haben die das eigentlich hinbekommen?
Offensichtlich lernt man eben nicht aus der Geschichte.
Österreich war mal eine Weltmacht und erlebte seine absolute Blütezeit als Multikultistaat. Damals sprach man in Wien genauso selbstverständlich deutsch wie kroatisch oder ungarisch. Nie erblühte die Kultur so sehr wie im multikulturellen Österreich.
Inspiriert von einem besonders berühmten Landsmann probierten die Österreicher im 20. Jahrhundert das Gegenteil von Multikulti, nämlich den totalen Nationalismus und ernteten dementsprechend auch den totalen Niedergang.

Statt also Konsequenzen zu ziehen und sich gegen das Wiedererstraken von Nationalismus und Xenophobie zu stemmen, brunzen sich die österreichischen Bundespolitiker in die eigenen Hosen, weil sie aus lauter Angst vor den FPÖ-Blitzbirnen die Kontrolle über ihre Peristaltik verlieren.
In vorauseilendem Gehorsam drehten sie das Steuer auf ganz rechts, schlossen die Grenzen, kopulierten mit Orban und wollen nun auch mit dem Brenner Europas Nabelschnur kappen.
Im Ergebnis wird völkisches und rechtsradikales Denken hoffähig gemacht.
Daher gewann am 24.04.2016 FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer 35% und ließ alle anderen Parteien weit hinter sich.

Politiker müssen nicht so sein wie Seehofer. Auch nicht in der „Flüchtlingskrise“, wenn Bischöfe und Kardinäle für Abschiebung und Härte plädieren.
Michael Häupl, der Wiener Bürgermeister, hat es gestern vorgemacht: Mit einem klaren Kurs gegen Fremdenfeindlichkeit setzte er sich durch, während die CDU-Schwester ÖVP, die sich wie Seehofer an die Rechtsradikalen rangewanzt hatte, am Ende bei unter 10% landete. Endlich einstellig.

Politiker haben diese Lenkungsfunktion und können, sofern sie über Moral verfügen, anders als Seehofer auch in die richtige Richtung lenken.

Es gibt unbestreitbar eine Gefahr von rechts, überall in Europa (bis auf Spanien) blühen nationalistische, xenophobe, misogyne, homophobe, antieuropäische, islamophobe und antisemitische Parteien.

Wieso scheint es ein Naturgesetz zu sein, daß sich die „Parteien der Mitte“ manisch dem rechten Pöbel andienen wollen, Zugeständnisse machen und nationalistische Politik imitieren?
Könnten sie nicht AfD, FN, FPÖ, Jobbik, PVV (Wilders) so scharf verurteilen, wie sie das üblicherweise mit kommunistischen Parteien machen?

Die FPÖ hat leichtes Spiel
 [….]  Weil es UN-Generalsekretär Ban Ki Moon war, der am Donnerstag im Nationalrat in Wien eine Rede hielt [….]  hatte sich auf der Regierungsbank das ganze Kabinett versammelt.
Vom sozialdemokratischen Kanzler über den konservativen Vizekanzler bis zu jenen Minister, die die Schließung der Balkanroute organisiert und die Sperren am Brenner vorbereitet haben, wurde beifällig genickt und applaudiert. Es waren dieselben Menschen, die tags zuvor ein Asylgesetz befürwortet hatten, mit dem eine "zunehmend restriktive Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik" in Österreich fortgesetzt wird. Beschlossen wurde es, mit großer Mehrheit, in jenem ehrwürdigen Haus, in dem unter den Habsburgern ein Vielvölkerparlament getagt hatte.
Nationale Interessen müsse man kompromisslos vertreten, weil Brüssel beim Schutz der Gemeinschaft scheitere, argumentiert die Regierung. Bei der FPÖ heißt das gedankengleich, nur knapper: Österreich zuerst. [….] Mit einer solchen Abschottungspolitik ist Österreich nicht allein. Und in einem Staat, der sich als Ziel der Sehnsüchte vieler Migranten überfordert sieht, kann über eine restriktive Zuwanderungspolitik durchaus sachlich argumentiert werden. Aber die Debatte wird nicht mehr sachlich und auf Ausgleich bedacht geführt. Das rot-schwarze Establishment fühlt sich von den Rechtspopulisten getrieben. [….]  Hier manifestiert sich exemplarisch jener Bruch, der nicht nur Österreich, sondern auch viele andere EU-Staaten im Inneren spaltet: Politik ohne Anspruch und Vision, als Erfüllungsgehilfin all jener, die Europa schon als gescheitert ansehen - das führt zu einer Entfremdung der Zivilgesellschaft und legt eine weit tiefere Verunsicherung bloß, als sie mit der Flüchtlingskrise allein begründet werden kann. [….][….]

Man stelle sich vor CDU, FDP und SPD hätten in den 1970ern und 1980ern wöchentlich betont, man müsse die Anliegen der RAF-Anhänger endlich ernst nehmen und dann schon mal angefangen die Wünsche Christian Klars und Brigitte Mohnhaupts umzusetzen, indem nach RAF-Vorstellungen am Grundgesetz gerüttelt würde.

Klingt absurd, aber der rechte Terrorismus forderte sehr viel mehr Todesopfer als die RAF und deren Vorstellungen von Abschaffung des Asylrechts und Ausländerdrangsalierung werden bereits umgesetzt.

Die deutsche Bundesregierung läßt die Menschen, die sich gegen rechts engagieren allein, kooperiert mit Folterregimen und setzt einfach voraus, daß jeder sich wünsche weniger Ausländer um sich zu haben.

Der deutsche Innenminister schürt sogar absichtsvoll mit klaren Lügen xenophobe Vorurteile, die gesamte CSU kopiert AfD-Politik und je hetzerischer Rechte daher plaudern, desto intensiver werden Storch, Scheuer, Söder, Bosbach und Sarrazin von MaischbergerWillIllnerLanz an ihre Brust gedrückt.

Man stelle sich vor die gesamte politische Klasse des Bundes setzte sich jeden Tag für den Zuzug neuer Mitbürger ein, klärte über die ökonomische Notwendigkeit und menschliche Gebotenheit dieser Politik auf.

Aber nein, die herkömmlichen Parteien päppeln die Rechten erst auf und wundern sich anschließend, wenn sie von ihnen überrollt werden.

Barack Obama unterlag vom Anfang seiner Amtszeit an einem ähnlichen Denkfehler.
Ich glaube, er empfand sich sogar selbst  - schwarz, liberal und Irakkriegsgegner – als Zumutung für das Establishment.
Statt also seine exekutive Gewalt und die legislativen Majoritäten zu nutzen, war auch er von dem Wahn besessen den rechten Republikanern Wünsche zu erfüllen.
Statt also gleich von Anfang an knallhart seine für amerikanischen Verhältnisse linken Ambitionen (Krankenversicherung, Schwulenrechte, Folterverbot, ..) durchzusetzen, eierte er in gebückter Haltung vor der GOP.
Der Erfolg: Die GOP wurde stärker, holte sich die Mehrheiten in beiden Kammern, wurde durch die Teebeutel noch deutlich rechtsextremer und zu allem Übel blieben dann die ursprünglichen „linken“ Anhänger Obamas auch enttäuscht zu Hause.

Ja, Gabriel, wenn man es der AfD recht machen will, muß man sich nicht wundern, wenn die braunen Brechmittel in den Ländern die SPD überholen und die Sozis nicht mehr zur Wahl gehen.

Samstag, 30. April 2016

America first



Die liberalen Medien sind schuld an Trumps Aufstieg.
Das ist ausnahmsweise nicht nur das übliche Gejammere der ganz rechten GOPer, sondern auch die Klage seriöser Politikwissenschaftler und Medienbeobachter.
Die amerikanischen Journalisten hätten Trump längst inhaltlich stellen müssen und ihn knallhart auf seine ständigen Widersprüche festnageln sollen.
„Go after him“ heißt das im Medien-Englisch.

Stattdessen freuten sich die Sender und Zeitungen von links bis rechts über die Aufmerksamkeit und Quoten, die Trump ihnen bescherte.
In aller Ausführlichkeit wurde jede noch so sinnlose Tat von ihm weiterverbreitet, medial multipliziert.
Hunderte Reden, tausende Statements und über ein Dutzend offizielle Fernsehdebatten bestritt Trump ohne jemals konkret zu werden. Er muß sich noch nicht mal Mühe geben seine Unwissenheit zu kaschieren, sondern wirbelt mit Füllstanzen wie „and many more“, „and so many other things“ um sich, wenn es darum geht, was er eigentlich tun würde als Präsident.
Devot ließ sich die gesamte Journaille über ein halbes Jahr damit abspeisen, er werde später mal eine außenpolitische Rede halten.
Als seine außenpolitische Grundsatzrede im Washingtoner Mayflower-Hotel endlich, diese Woche gehalten wurde und sich als die erwartete Karikatur aus vollkommen undurchführbaren und paradoxen Absichten herausstellte, kümmerte es immer noch niemand.

Klar, im Ausland gibt es schon mal einen Journalisten, der wenigstens versucht aus Trumps wirren Hetzreden Konkretes abzuleiten.

So! Oder so! Oder anders!
[….] Trump wirft Obama vor, alte Verbündete verprellt zu haben und droht dann damit, die Nato-Partner der USA zu einem stärkeren finanziellen Engagement zu zwingen. Er sagt, er wolle "raus aus dem Business", anderen Staaten die Demokratie beizubringen, um ein paar Sätze später zu betonen, wie wichtig es sei, in der Welt "für die Erfolge der westlichen Zivilisation" zu werben. Er meint, Amerika müsse wieder "unberechenbarer" werden, aber verspricht den Freunden der USA, künftig wieder ein verlässlicher Partner zu sein.
Trump will das Verhältnis zu den Chinesen verbessern, aber auch einen Handelskrieg mit ihnen anfangen. Er ist gegen Interventionismus, und wirft Obama vor, dabei zuzuschauen, wie der "Islamische Staat" Christen abschlachte. Er beklagt, die USA hätten "jahrzehntelang in das Militär investiert, um Europa und Asien zu verteidigen" und spricht wenig später von der Notwendigkeit, "das Militär neu aufzubauen".[….][….]

Im Spektakel-Amerika des Jahres 2016 bedeuten aber massive Fehltritte und Lügen keine Konsequenzen mehr.
Immerhin in diesem Punkt hatte Trump recht: Er könnte vermutlich wirklich jemand auf der Straße in Manhattan erschießen, ohne daß es ihm schadete.

Teebeutlertum und flächendeckend verboulevardisierter Journalismus haben eine solche Wähler-Indolenz bewirkt, daß Skandale, verbale Ausfälle, größtdenkbare „insults“ ohne Konsequenzen bleiben.

Man wundert sich kaum noch, wenn konservative, fromme Parteifreunde übereinander herfallen.
So abartig Trump auch sein mag; sein Konkurrent Ted Cruz ist schlimmer und wird in weiten Teilen seiner eigenen Partei noch mehr gehasst, als die Beleidigungsmaschine Trump.

„Ich habe demokratische Freunde und republikanische Freunde. Ich komme mit fast jedem aus, aber ich habe niemals mit einem schlimmeren Hurensohn zusammengearbeitet.“
So redet der Republikaner und ehemalige Sprecher des amerikanischen Repräsentantenhauses, John Boehner, über den Republikaner und Präsidentschaftskandidaten Ted Cruz. Cruz sei „der leibhaftige Teufel“ („Lucifer in the flesh“), und für alle, die es bis dahin nicht verstanden hatten, fügte der 66-Jährige am Mittwoch in Kalifornien hinzu: „Nur über meine Leiche wird er Präsident werden.“

Ein interessantes Niveau, welches die moralischen, bibeltreuen Republikaner an den Tag legen.


Wie Donald Trump selbst sein Credo „Make America Great Again“ auslegt, kann man unter anderem in den „Panama Papers“ nachlesen.
Ein Großskandal. Der vor zehn oder 20 Jahren das sofortige Aus im Rennen um die US-Präsidentschaft bedeutet hätte.
Aber heute ist das egal.

[….] Der mögliche US-Präsidentschaftskandidat taucht in den Panama Papers auf. Er verdient Millionen mit einem Luxus-Hochhaus, in das sehr viel Geld aus Briefkastenfirmen fließt.
[….][….] Trump, vor allem wegen seiner Hochhäuser in Manhattan bekannt, entdeckte gerade Mittelamerika. Panama kannte er, weil er dort ein paar Jahre zuvor seinen Schönheitswettbewerb "Miss Universe" ausgerichtet hatte. Nun war die Zeit reif für ein größeres Projekt, also für ein Bauprojekt: Trump Ocean Club International Hotel and Tower, 70 Stockwerke, 500 Wohnungen, 370 Hotelzimmer. Ein Symbol des aufstrebenden Lateinamerika. [….] Trumps Verbindungen zu den Klienten Mossack Fonsecas sind allenfalls indirekt, aber sein Projekt Ocean Club war unter diesen Klienten durchaus begehrt.
Wie begehrt, zeigen die Panama Papers: Mossack Fonseca hat etlichen Interessenten dabei geholfen, Wohnungen im Trump Ocean Club zu kaufen und damit selbst eine Menge Geld verdient. Die Juristen in Panama-Stadt kümmerten sich um die Formalitäten, forderten Unterlagen an und besichtigten im Auftrag ihrer weltweit verstreuten Klienten die Immobilien. [….][….] In mancher Hinsicht erinnert der Turm in Panama zudem an die politische Karriere Donald Trumps, der sich dieser Tage um die Nominierung der Republikanischen Partei für das Weiße Haus bewirbt. Es geht darum, mit einem großen Namen Aufmerksamkeit zu erregen und sich großen Ertrag zu sichern, ohne aber ein allzu großes Risiko einzugehen. Und sollte die Unternehmung am Ende schiefgehen, stehen genügend Partner oder Sündenböcke bereit, um die Kosten und die Schuld zu tragen. In Wirtschaft wie Politik kann es ein Erfolgsrezept sein, dass man einerseits wie die Überfigur wirkt, sich andererseits aber nicht zu sehr verstricken lässt.
[….] [….][….][….]

Freitag, 29. April 2016

Die Grube weiter ausheben



Die drei Landtagswahlen vom 13.03.2016 waren eine Katastrophe für die SPD.
Statt heulend in der Ecke zu sitzen, wurden die heftigen Arschtritte des Wählers aber flugs umgedeutet.
Gabriels Narrativ:
Da wo wir die Regierung anführten, haben wir uns stark behauptet. So war es in Mainz mit Frau Dreyer.
Die Niederlagen in Magdeburg und Stuttgart waren hingegen unverschuldet, weil wir nur den Juniorpartner stellten und der jeweilige MP alle Aufmerksamkeit auf sich zog.

Wenn also Landesregierungen von SPD-Politikern geführt werden, muß deren enormer Amtsbonus auch zu Wahlerfolgen führen.
Zum Glück stellt die SPD derzeit eine Menge Ministerpräsidenten und Bürgermeister. Vermutlich wird also bald alles gut. Oder nicht?

Berliner SPD sackt auf Zehnjahrestief
[….] Rund fünf Monate vor den Wahlen verliert die SPD in Berlin bei der Bevölkerung offenbar an Rückhalt. Bei einer Umfrage des Instituts dimap für die "Berliner Morgenpost" und die RBB-"Abendschau" fiel die Partei um den Regierenden Bürgermeister Michael Müller auf 23 Prozent - das ist der schlechteste Wert der SPD in der Hauptstadt seit zehn Jahren.
[….] Auch in Mecklenburg-Vorpommern schwächelt die dort ebenfalls regierende SPD. Gut vier Monate vor der Wahl verloren die Genossen ihre Position als stärkste Partei an die CDU. Wenn bereits an diesem Sonntag gewählt würde, zöge die AfD als drittstärkste Kraft in den Landtag ein, ergab eine Infratest-dimap-Umfrage im Auftrag des NDR. [….]

Ooopsi?
Wie konnte das jetzt passieren?

Vielleicht mag es eben doch nicht jeder SPD-Anhänger so gern, wenn Arbeitsministerin Andrea Seehofer AfD-Politik imitiert und Ausländer lediglich als Problemmasse ansieht, die mit Zwang und Schikane behandelt werden muß.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will die Sozialleistungen für Zuwanderer aus Mitgliedsstaaten der Europäischen Union deutlich beschränken. Künftig sollen EU-Bürger, die nicht in Deutschland arbeiten und nicht in die deutsche Sozialversicherung eingezahlt haben, erst nach fünf Jahren Aufenthalt in Deutschland Anspruch auf Sozialhilfe und Hartz IV erhalten. Gleichzeitig soll eine "Nothilfe" eingeführt werden, die EU-Bürger ohne Anspruch auf Sozialleistungen einmalig beantragen können. Sie soll für höchstens vier Wochen den unmittelbaren Bedarf für Essen, Unterkunft, Körperpflege und medizinische Versorgung abdecken. Danach sollen die Betroffenen ein Darlehen erhalten können, das ihnen die Reise zurück in ihr Heimatland finanziert.

Als Herr Cameron einst so etwas forderte, war die SPD noch empört.

Vielleicht ist auch nicht jeder SPD-Sympathisant begeistert davon wie Wirtschaftsminister Gabriel die milliardenschwere Auto-Industrie pampert und mit Steuergeldsegen überschüttet.

Vielleicht wundert sich auch der ein oder andere Sozi-Fan über das Verhalten des Fraktionschefs Oppermann.

[….] Eins wissen die Genossen am Ende dieser Sitzungswoche mit Gewissheit: Als Autor für die Neuauflage des Bestsellers "Wie man Freunde gewinnt" kommt der SPD-Fraktionschef im Bundestag nicht infrage.
"Völlig daneben" sei der Auftritt von Thomas Oppermann, 62, gewesen, raunen sozialdemokratische Abgeordnete. Es fallen Sätze wie: "Das war schon eine krasse Fraktionssitzung." Oder: "Er hat die Lage völlig falsch eingeschätzt und die Leute verprellt."
[….] Statt eine Lösung [….] vorzuschlagen, beschimpfte er seine Kollegen jedoch. Einen nannte der Fraktionschef "hasenfüßig", eine bayerische Genossin raunzte er an: "Du hast wohl Angst, dass du deinen Wahlkreis verlierst."
Angesichts zahlreicher Zwischenrufe wollte sich Oppermann anschließend entschuldigen. Doch er machte alles nur noch schlimmer. Gegenüber der bayerischen Kollegin klang das dann so: "Ich hatte vergessen, dass ihr in Bayern ja gar keine Wahlkreise direkt gewinnt."
[….]  Das Grummeln unter den Abgeordneten über Oppermann währt schon länger - und das hat nichts mit seiner Rolle in der Edathy-Affäre zu tun. "Er schafft es nicht, Stimmungen, Schwingungen oder Ängste aufzunehmen", sagt einer aus der Führungsriege. [….]