Sonntag, 15. November 2015

Die religiöse Dimension



Der Hass auf Obama, der in den rechten US-Medien verbreitet wird, ist für europäische Gemüter immer noch höchst erstaunlich.

Obama gilt als die Inkarnation des Bösen; keine Schandtat, die ihm nicht zugetraut wird.
Es gibt in der radikalisierten manichäischen Medienwelt Amerikas sicher viele Gründe, die diesen blanken Hass triggern.

Nach meinem Eindruck existieren aber drei Kardinal-Ursachen.

Erstens ist Obama nur zur Hälfte weiß und gilt damit als „schwarz“ (bei einem weißen und einem schwarzen Elternteil könnte er ja eigentlich mit gleichem Recht als „weiß“ durchgehen).

Außerdem wird dem Aufsteiger sein Erfolg geneidet. Obamas Vater stammt aus Kenia, die Mutter aus ärmlichen Verhältnissen und dann Rechtswissenschaftler an der Harvard Law School, Herausgeber der Fachzeitschrift Harvard Law Review und J.D.-Abschluss mit magna cum laude. Anschließend Abgeordneter und US-Senator. Das verbittert einen ungebildeten Hillbilly aus dem Bibelbelt, der es nie so weit bringen wird.

Drittens wird ihm ewig sein Satz über Religion und Pistolen aus dem Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton nachhängen. Das hätte ihn um ein Haar die Präsidentschaft gekostet-.

Obama was caught in an uncharacteristic moment of loose language. Referring to working-class voters in old industrial towns decimated by job losses, the presidential hopeful said: "They get bitter, they cling to guns or religion or antipathy to people who aren't like them or anti-immigrant sentiment or anti-trade sentiment as a way to explain their frustrations."

Der Guardian drückt es sehr bezeichnend aus; Obama habe völlig untypisch kurz die Kontrolle über seine Worte verloren.
Ihm ist also etwas rausgerutscht, das er eigentlich nie so sagen wollte.

Er brach ein klassisches Wahlkampftabu, indem er etwas Wahres aussprach, das aber viele Wählerstimmen kostet und daher tunlichst von einem, der noch gewinnen will, verschwiegen werden sollte.

Warum reagierten die Amis damals derartig gereizt auf den Obama-Satz?
Einem frommen Christen, der wirklich zweifelsfrei an Gott glaubt und aus voller Überzeugung der biblischen Lehre folgt, kann es völlig egal sein, was jemand anders über seine Glaubensmotive sagt.
Daß sich Amerikas Strenggläubige bis heute über Obama aufregen, ihn wahlweise als Antichristen, Muslim und Atheisten schmähen, liegt vermutlich daran, daß sie zumindest unterbewußt wissen wie Recht Obama hat.

Die ewig zu kurz Gekommenen, die Elenden, die Doofen hängen an Religion.

Unter amerikanischen Wissenschaftlern sollen hingegen nur 5% religiös sein.
Wer die so gepriesenen „amerikanischen Werte“ lebt, indem er durch Fleiß und Klugheit aufsteigt, sich neue soziale Schichten erobert und finanziell abgesichert wird, hat Religion weniger notwendig.
Er kann auf die religiösen Einschränkungen – kein Sex vor der Ehe, keine Gay Marriage, keine Verhütung, - immer mehr verzichten.
Wer sein Portemonnaie mit Geld und seinen Geist mit Wissen füllt, kann die beklemmenden Fesseln der kirchlichen Regeln lösen, weil er anderen Halt im Leben findet.
Er kann sich auf sich selbst und die eigenen Fähigkeiten, die ökonomische Potenz stützen.
Wer aber nichts hat, ist verführbar für die einfachen Lösungen der Religion.
Denn Religion nimmt einem das Denken ab, delegiert die Sorgen und schafft ohne Zutun des Gläubigen das wohlige Gefühl etwas Besseres zu sein.
Je höher der Bildungsstatus, desto weniger religiös sind die Menschen.

Die „Jecken“, also die deutschstämmigen Juden in Israel sind säkularer, weil es ihnen bis 1933 vergleichsweise sehr gut ging.
Sie waren so gut integriert und assimiliert, daß sie sich gar nicht vorstellen konnten aus Deutschland wegzugehen, das Land wegen ihrer tiefen Verwurzelung nicht verlassen wollten.
Die Aschkenasim, also aus Osteuropa stammende Juden in Israel brachten hingegen metaphorisch gesprochen ihr Schtetl mit, da sie ärmer und dadurch auch viel religiöser waren.
Die wirklich gefährlichen ultra-ultraorthodoxen Israelis des Jahres 2015 zeichnen sich alle durch minimale Schulbildung und Armut aus.
Nur 50 km weiter im Hightech-Tel Aviv mit den gut verdienenden Wissenschaftlern ist jüdische Religiosität hingegen kaum noch bemerkbar.

Es ist immer derselbe Effekt.

Auch in der islamischen Geschichte kennen wir diesen Zusammenhang. Als es den Bürgern in den beiden historischen Kalifaten (Bagdad und Córdoba) ökonomisch gut ging und hohe Bildung angestrebt wurde, ging eine enorme Liberalisierung und auch Säkularisierung damit einher.
Mit der prosperierenden Islamischen Gesellschaft ging Freiheit einher.
Die Kalifen gewährten Juden und Christen nicht nur Aufenthalt und Toleranz in ihren Reichen, sondern ließen sie sogar direkt bei Hofe Karriere machen.

Das demokratische Prinzip stammt in Wirklichkeit von den Griechen und wird wiederbelebt durch die Renaissance und die Aufklärung. Ohne die Renaissance wäre die Aufklärung wahrscheinlich nicht zustande gekommen. Und die Renaissance wäre wahrscheinlich nicht zustande gekommen ohne den enormen Einfluss des Islam und dessen nahezu phantastische Übersetzertätigkeit. Aristoteles und die anderen großen griechischen Philosophen haben wir ja in Europa dadurch empfangen, dass in Bagdad und in Córdoba unter islamischer Oberherrschaft gleichberechtigt nebeneinander Christen, Muslime und Juden riesenhafte Übersetzerschulen gebaut haben, die die alten griechischen Autoren aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzten. Deshalb konnte Thomas von Aquin konnte die alten Griechen auf Lateinisch lesen. Hoffentlich wissen die heutigen Theologen das.

Der heutige „Kalif“, IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi verhält sich diametral entgegengesetzt zu den historischen Kalifen, auf die er sich bezieht:
Minimierung der Bildung und Entzug der ökonomischen Existenz durch Zerstörung.


Auf der anderen Seite leisten die ultrapuritanischen IS-Dschihadisten heute auch ein gutes Stück Verdrängung. Nicht nur Homosexualität wurde im historischen Bagdad goutiert. Auch Wein.


Begrabt mich, wenn ich sterbe,
am Stamme eines Weinstockes,
damit dessen Wurzeln in der Erde
meine Knochen tränken!
Begrabt mich nicht in der Wüste;
denn ich fürchte, den Wein
nicht mehr zu kosten,
wenn ich einmal gestorben bin.

Der irakische Dichter Abu Mihdjan, von dem diese Zeilen stammen, war im siebten Jahrhundert einer der Begründer der reichen bacchischen Dichtung, welche das Abbasiden-Reich in Fülle hervorbringen sollte; sein deutscher Übersetzer Gerhard Hoffmann nennt ihn liebevoll einen "bekannten Zecher und Poeten". Heute lässt der IS in seinem "Kalifat" echte oder vermeintliche Schwule mörderisch jagen, Alkohol und Zigaretten sind bei Strafe verboten, Musik und Lieder "in Autos, bei Feierlichkeiten, in der Öffentlichkeit sowie in Geschäften" untersagt, wie den Bewohnern der irakischen Stadt Mossul im Januar 2014 mitgeteilt wurde, nach der Eroberung durch den IS.
 
So kann er die intoleranteste, strengste Form des Islam durchsetzen.

In Frankreich, Belgien und Deutschland gedeiht der extremistische Islam auch genau dort, wo den Jugendlichen keine beruflich-sozialen Perspektiven haben und ungebildet sind.

Als 100%iger Atheist bringe ich Verständnis dafür auf, daß Menschen, die Jahrelang Terror und Bürgerkrieg erlebten, ihre materielle Existenz, ja sogar oft Freunde und Verwandten verloren, sich verstärkt der Religion zuwenden.
Das ist die einzige Struktur, die ihnen Hoffnung verspricht, die man ihnen nicht nehmen kann.

Als Atheist wünsche ich mir, daß sich die Elenden dieser Welt, die sich der Religion verschrieben haben, auch wieder davon lösen.

Genau das wird aber automatisch geschehen in dem Maße, in dem sie beispielsweise in Deutschland ökonomisch Fuß fassen und sich Bildung aneignen.
Schwer vorstellbar, daß ein Flüchtlingsnachfahr, der wie Obama einen exzellenten akademischen Abschluss und eine gesicherte beruflich-soziale Existenz aufweist, auf Dauer einer strengen Islam-Auslegung anhängen wird.

Leider dauert das alles lange.
In Deutschland brauchten wir auch 70 Jahre, um von der 99%-Kirchenmitgliedschaft direkt nach dem Krieg auf die heutigen 62% abzuschmelzen.
Es ist noch ein weiter Weg bis wir in Westeuropa die Religionen endlich losgeworden sind.
Im unsichereren Rest der Welt wird es noch viel länger dauern.

Gut möglich allerdings auch, daß sich Religioten nicht nur im Oval Office Kontrolle über die „nuclear codes“ verschaffen.
In Jerusalem und Islamabad und P'yŏngyang sind jetzt schon recht zweifelhafte Typen am Drücker der Atombomben.
Vielleicht erleben wir sogar in absehbarer Zeit, daß Marine Le Pen die Force de frappe kommandiert.
Möglicherweise erlebt Homo Sapiens das Ende der Religionen also nie mehr, weil Religioten vorher das Ende des Homo Sapiens herbeiführen.
Das wäre dann der ultimative Sieg Gottes über die Atheisten.
Dann wären alle Seelen im Jenseits.


Samstag, 14. November 2015

Der Spin von Paris


Lange Nacht gehabt, viele Informationen und Reaktionen liegen quer im Magen.
Frankreich erfuhr viele Worte des Mitgefühls und der Solidarität.
Und wer würde nicht „mitfühlen“ bei den sagenhaften Grausamkeiten, die sich gestern im Bataclan abspielten?

Schaltet man aber die moralische und emotionale Ebene aus, erkennt man wie effektiv der IS agiert.
Mit einem Minimum an Aufwand, lediglich acht Menschen und ein paar AK47s, wird die gesamte westliche Welt völlig durchgeschüttelt.
Natürlich sind die Anschläge von Freitag, dem 13. aus Sicht der Terroristen ein enormer „Erfolg“ – insbesondere, wenn man dagegen setzt wie viele zig Milliarden Dollar „der Westen“ im Kampf gegen „den Islamismus“ ausgibt und damit im Grunde nichts erreicht.
Der IS ist stärker denn je.
Wir, der Westen, sehen langsam unser gewaltiges Dilemma ein:
Im Gegensatz zu fanatisierten Möchtegern-Märtyrern, die auf ihre 72 Jungfrauen und ein Dasein im Paradies vertrauen, hängen wir an unserem diesseitigen Leben und verspüren den überwältigenden Drang in totaler Sicherheit vor Terrorismus zu leben. Aber genau diese totale Sicherheit kann es gar nicht mehr geben.
Was also tun?

Für viele GOPer, Front Nationaler und andere rechte Irre liegt der Rachegedanke nahe. Ein antizivilisatorisches Verhaltensmuster, das Bibi Netanjahu mit seinen vielen „Vergeltungsaktionen“ längst zur offiziellen Politik gemacht hat und damit eindrucksvoll die völlige Sinnlosigkeit und Kontraproduktivität dessen bewies.
Selbst in der George W. Bush-Administration konnte sich der durchaus ernsthaft diskutierte Vorschlag die Kaaba in Mekka weg zu bomben nicht durchsetzen.

Sarah Palin plädierte einst pro Todesstrafe für Selbstmordattentäter. Es ist unbekannt, ob sie die Dummheit ihres Vorschlages inzwischen begriffen hat, aber das Dilemma ist klar: Wenn man auf Selbstmordanschläge mit Racheaktionen reagiert, trifft man notwendigerweise immer Unschuldige, da die eigentlichen Täter bereits tot sind. Die Lage eskaliert nur immer weiter und somit hilft man der Todesideologie des IS sogar noch.

Die terroristische Gefahr ist nicht abzustellen.
Man kann keinen „war on Terror“ führen, weil Terror der Krieg derjenigen ist, die sich nicht solche Militärmaschinen wie der Westen leisten können.

"Der Terrorismus, der im furchtbaren 11. September kulminierte, ist ein Krieg der Armen gegen die Reichen. Der Krieg ist ein Terrorismus der Reichen gegen die Armen."
(Peter Ustinov)

So lange die Reichen die Armen der Welt systematisch ausbeuten, ihnen Waffen verkaufen und militärisch intervenieren, wird es Terror geben.

Ob wir es „asymmetrischer Krieg“ oder „Guerilla-Taktik“ nennen – gegen diese Art der Kriegsführung, in der eine Seite dem eigenen Leben keine Bedeutung mehr beimisst, ist keine noch so hochgerüstete westliche Armee gewachsen.

Wir scheitern in Afghanistan, dem Irak, Syrien, Libyen, Mali und Somalia.
Das Nichtfunktionieren des Drohnenkrieges ist eindrucksvoll bewiesen.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man über die Plagiatorin von der Leyen lachen, daß sie nun auch ein großes Kampfdrohnenprojekt für Deutschland gestartet hat. Das sind ja mal sinnig ausgegebene Milliarden.

Wir können lediglich mittelbar gegen islamistischen Terror vorgehen. Dazu gehört, daß wir nicht gerade immer mehr Waffen mitten in die Krisengebiete exportieren; so wie es derzeit geschieht.

Und wir könnten vor der eigenen Tür kehren; unsere sozialpolitischen und edukativen Hausaufgaben machen:
Abertausende IS-Kämpfer stammen aus Westeuropa und der USA.
Das sind also „im Westen“ aufgewachsene Kinder, die unsere Schulen absolviert haben, „unsere Werte“ kennenlernten und denen ihr Leben so abgrundtief perspektivlos erschien, daß sie sich zum kollektiven Morden in die Levante begaben.
Da ist etwas katastrophal schief gelaufen.
Nicht weniger katastrophal ist das tausend-fache Abgleiten europäischer Jugendlicher in den militanten Rechtsextremismus.
Wieso sind in Deutschland immer noch die Schulen personell so sagenhaft unterversorgt, daß sehenden Auges kleine NPD-Fans produziert werden, die ungeniert ihrer Hitler-Verehrung frönen, ohne daß rechtzeitig eingegriffen wird?
Wie kann es angehen, daß sogar eine völlig kontraproduktive Maßnahme wie die Verdummungsprämie an Eltern ausgezahlt wird, wenn sie ihre Kinder von Bildung und sozialer Entwicklung fernhalten?
Wer so eine Politik betreibt – in diesem Fall also auch CDU und SPD, die den CSU-Unsinn abnickten – macht sich mitschuldig an der Zunahme rechtsradikaler Anschläge und abgedrifteten IS-Fans.

Schließlich sollten wir im Moment alle unsere Worte sorgsam abwägen.
Niemand ist religionskritischer als ich, aber in dieser superaufgeheizten Stimmung ist es nicht sinnvoll mit pauschalem Islam-Bashing AfD, CSU und PEGIDA stark zu machen.

Nur wenige Stunden nach den Terroranschlägen in Paris hat sich die Organisation „Islamischer Staat“ in einem Video an einen Teil der deutschen Bevölkerung gewandt. In dem kurzen Clip, der in sozialen Netzwerken verbreitet wurde, bedanken sich mehrere schwer bewaffnete und vermummte Gestalten bei der AfD, den Pegida-Demonstranten und allen anderen „besorgten Bürgern auf Facebook und an den Stammtischen.“




Wir müssen Druck auf unsere Kanzlerin und unsere Bundestagsabgeordneten ausüben, daß Brandstifter wie Wolfgang Schäuble, Markus Söder und Horst Seehofer in ihre Schranken gewiesen werden.
Diese Menschen sind Abschaum.


Manche Menschen haben die Nacht durchwacht, aus Sorge, aus Ratlosigkeit und aus Angst, einzuschlafen und von noch schlimmeren Nachrichten geweckt zu werden.
Und dann gibt es Menschen wie Markus Söder (CSU) und den "Welt"-Autor Matthias Matussek. Nie um eine schnelle und simple Antwort auf jede noch so komplexe Frage verlegen, mit einem untrüglichen Gespür, jede sich bietende Gelegenheit dafür zu nutzen, die eigene politische Agenda voranzutreiben.

Ich plädiere dafür vor unserer eigenen Tür zu kehren und erbärmlichen christlichen Hetzern entgegen zu treten, die wie Matthias Matussek, Horst Seehofer, Markus Söder oder der so „seriösen“ FAZ nun den Opfern des IS, die vor dem IS zu uns fliehen, eine Mitschuld für den Tod der Opfer von Paris zuzuschieben.


Gerade CSU-Politiker betreiben eine bemerkenswert perfide Volksverdummung, wenn sie suggerieren die totalen Kontrollen könnten Terroristen aus Deutschland fernhalten.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat nach der Anschlagsserie von Paris verstärkte Kontrollen an den europäischen Außengrenzen und den nationalen Grenzen gefordert. "Wir müssen sehr, sehr schnell festlegen, wie das mit den Grenzkontrollen in Europa und an unseren Binnengrenzen weitergeht", sagte Seehofer am Rande des Landesparteitags der CDU Sachsen. Das müsse "in Tagen" geschehen. Es seien dringend zusätzliche Sicherheitsanforderungen nötig. Dazu gehöre "auch eine stärkere Kontrolle der europäischen Grenzen, aber auch der nationalen Grenzen", so Seehofer.
(NTV, 14.11.15)

Als es für Terroristen noch viel schwieriger war sich zu informieren und zu kommunizieren, weil es noch kein Internet gab, als diese Terroristen noch lange nicht so brutal waren wahllos möglichst viele Unschuldige zu töten, hatten wir schon einmal total geschlossene Grenzen. Das war in den 1970er Jahren und wie wir wissen haben sich die RAF-Terroristen dennoch nahezu ungehindert mit gefälschten Papieren über alle Grenzen bewegt; reisten quer durch die Welt.

Seehofer und Söder sind widerliche Lügner, die ihr rechtsradikales Süppchen auf den Rücken der IS-Opfer kochen.

"Und während selbst AfD und Pegida so etwas wie eine Schamfrist wahren... stoßen Söder und Seehofer noch im weltweiten Luftanhalten schon als selbsternannte Touretter des Abendlandes ins rechte Horn.
Das ist erbärmlich in so vielen Facetten."
(Jens Oliver Haas)


Noch macht uns das Entsetzen über die feigen Anschläge von Paris fassungslos. Noch trauern wir um unschuldige Opfer einer menschenverachtenden Ideologie, die im Namen eines Gottes mordet, den sie selbst erschaffen hat. Und schon kriechen sie wieder aus ihren Löchern, die Parolenschwinger, die sich so erwartbar bestätigt sehen in Ihrem tumben Hass gegen Flüchtlinge. Welch widerwärtige Verdrehung! Es sind die Terroristen von Paris, vor denen viele aus Syrien und dem Irak fliehen. [….]
(Georg Restle)

Das ist das zusätzlich Elende an so einem furchtbaren Geschehen wie den Attentaten von Paris. Sie befördern Vorurteile, bei denen, die davon leben, sich ihre Vorurteile bestätigen zu lassen. Matthias Matussek zum Beispiel, bisher Kolumnist bei Springers Welt, schreibt herum, dass sich nach Paris jetzt vielleicht die Debatte über eine viertel Million junger islamischer Männer in Deutschland in eine "ganz neue frische Richtung" bewegen werde. Und weil er ein Schalksnarr ist, setzt er einen Smiley dahinter.
Sicher, am Montag werden die Dresdner Pegidisten ganz bestimmt in diese Richtung schreien, die nur keine neue, frische ist, sondern ein alte, modrige. Die Pegidisten nämlich können ihre schon alte Urangst-Parole (die Islamisierung des Abendlandes) mit der anderen, etwas neueren Urangst-Parole (unter den Flüchtlingen sind viele Verbrecher, lauter Schmarotzer, jedenfalls Deutschland-Verderber) zusammenkleben. Ihre Argumentationskette geht so: Wenn Leute, die sich auf den Islam berufen, Verbrechen begehen, dann sind nicht diese Leute die wirklichen Verbrecher, sondern möglicherweise alle, die auch dieser Religion angehören. Mindestens aber ist die Religion selbst eigentlich ein Verbrechen. [….]

Freitag, 13. November 2015

Moralischer Totalzusammenbruch



Die Theodizee-Frage gibt es seit 2.000 Jahren, ohne daß ein einziger Kleriker darauf eine Antwort gefunden hätte.
„Auschwitz hat die Nicht-Existenz Gottes bewiesen“ lautet die Theodizee-Kurzversion.

Es passieren jeden Tag genügend Grausamkeiten, die die Nicht-Existenz eines „lieben Gottes“ unzweifelhaft determinieren; man denke nur an die 20.000 jeden Tag elend an Hunger krepierenden Kinder, während Franzls Topp-Religioten in Saus und Braus leben.

Das Besondere am Holocaust war unter anderem die Tatsache, daß die ihm zu Grunde liegende antisemitische Ideologie so perfekt zur christlichen Kultur passte – ist doch die tiefe Judenfeindschaft eine zentrale Lehre der Kirchen.

So konnte es kommen, daß die etwa 600.000 Menschen, die direkt an der Tötung von sechs Millionen Juden beteiligt waren, alle Christen gewesen sind.

So konnte es kommen, daß sich die evangelische Kirche durch fanatische Verehrung Hitlers profilierte.

So konnte es kommen, daß der Papst im fernen Rom niemals öffentlich gegen die Judenvernichtung Stellung bezog, Hitler NICHT exkommunizierte, sondern ausdrücklich die Angehörigen der Roten Armee, welche Auschwitz befreiten kollektiv exkommunizierte.

Das ist ein in sich logisches Verhalten, denn schließlich ist es GOTT selbst, der eindeutig in der Bibel erklärt, daß er Juden nicht ausstehen kann.

Selbst für die Juden, die sich von ihrer alten Religion abwendeten und nun Jesus folgten, fand Gott/Jesus/der Heigei vernichtende Worte. Sie sind Kinder des Teufels – soweit der unfehlbare Jesus.

   31 Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger 32 und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
   33 Da antworteten sie ihm: Wir sind Abrahams Samen, sind niemals jemandes Knecht gewesen; wie sprichst du denn: "Ihr sollt frei werden"? 34 Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. 35 Der Knecht aber bleibt nicht ewiglich im Hause; der Sohn bleibt ewiglich. 36 So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei.
37 Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Samen seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn meine Rede fängt nicht bei euch. 38 Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; so tut ihr, was ihr von eurem Vater gesehen habt. 39 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so tätet ihr Abrahams Werke. 40 Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan. 41 Ihr tut eures Vaters Werke. Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren, wir haben einen Vater, Gott. 42 Jesus sprach zu ihnen: Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin ausgegangen und komme von Gott; denn ich bin nicht von mir selber gekommen, sondern er hat mich gesandt. 43 Warum kennet ihr denn meine Sprache nicht? Denn ihr könnt ja mein Wort nicht hören. 44 Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Lust wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang und ist nicht bestanden in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er von seinem Eigenen; denn er ist ein Lügner und ein Vater derselben. 45 Ich aber, weil ich die Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht.
(Johannes 8)

Auch Jesu Nachfolger, der Kirchen-Gründer Paulus stellt unzweideutig fest, wie Jesus über Juden dachte.

Die Bibel ist die Wurzel des Übels. Noch im Neuen Testament, der „Frohen Botschaft“ heißt es:

14 Denn, Brüder, ihr seid den Gemeinden Gottes in Judäa gleich geworden, die sich zu Christus Jesus bekennen. Ihr habt von euren Mitbürgern das Gleiche erlitten wie jene von den Juden.   15 Diese haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie missfallen Gott und sind Feinde aller Menschen;  16 sie hindern uns daran, den Heiden das Evangelium zu verkünden und ihnen so das Heil zu bringen. Dadurch machen sie unablässig das Maß ihrer Sünden voll. Aber der ganze Zorn ist schon über sie gekommen. (1, Thess, 2)

 Antisemitismus ist tiefsitzend und omnipotent. Eingeschrieben in die Abrahamitische DNS kann er sich quasi jederzeit bahnbrechen.

Der Initiator und Antreiber des Holocausts hatte also durchaus berechtigte Gründe sich auf die Bibel zu beziehen.

»Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher.«
Adolf Hitler

Der Vatikan wertete Hitlers Diktatur mit dem ersten großen internationalen Vertrag auf; dem berühmt-berüchtigten Hitler-Konkordat, an dem die RKK heute noch ungeniert festhält.

Echte Reue empfindet man offenbar auch über 70 Jahre später noch nicht.
 Das machte Papst Ratzingers Sympathie für die antisemitischen FSSPX-Holocaustleugner offensichtlich. Woytila hatte die vier Pius-Bischöfe samt ihrer hetzenden Epigonen bereits exkommuniziert, Ratzinger holte sie wieder zurück in seinen Schoß.
Ein echtes offizielles Schuldbekenntnis der RKK gibt es immer noch nicht.

[….] Ein vatikanisches Schuldbekenntnis zum Schweigen über die Shoa und eine Vergebungsbitte für die Diplomatie Pius XII. sind überfällig. Davon aber ist im Vatikan keine Rede.
Siebzig Jahre nach dem Ende der Shoa wäscht der Vatikan immer noch seine Hände in Unschuld. Zu bedauern gebe es nichts – im Gegenteil. Pius XII. habe so viele Juden gerettet wie kein anderer und er habe seine Stimme erhoben gegen den Vernichtungswahn der Nazis. Er sei einer der großen Gerechten dieser Welt. [….]
Wie selbstgerecht argumentiert wird, lässt sich in der einzigen Verlautbarung Roms zur Shoa aus kirchlicher Sicht gut nachlesen. Das Dokument mit dem gewichtigen Titel: „Wir Erinnern. Eine Reflexion über die Shoa“ (1998) will nur „einige christliche Kreise“ für den Antijudaismus in der Geschichte verantwortlich sehen. Sie hätten gewisse Aussagen im Neuen Testament irrig ausgelegt. Die „Kirche“ habe daran keinen Anteil gehabt – das wird eigens betont.

[….] Es gibt reichlich Stoff zur Gewissenserforschung; zum Beispiel:

– Statt sich den hellsichtigen und eindringlichen Weckruf der Jüdin Edith Stein Anfang April 1933 zu Herzen zu nehmen, ignorierte man sie und schloss überstürzt ein Konkordat mit Hitler einige Wochen später. [….]

– Statt das machtvolle Wort: „Geistlich sind wir alle Semiten“ des alten Papstes Pius XI. im September 1938 aufzugreifen und als Speerspitze gegen die neuen Rassengesetze Mussolinis zu verwenden, verhinderte Pacelli dessen Veröffentlichung in vatikanischen Medien und sorgte für eine Tilgung des Wortes im Fundus päpstlicher Lehräußerungen. Die Kurie und die Päpste heute sind der Peinlichkeit ausgesetzt, dass sie auf eine fremde, außervatikanische Quelle verweisen müssen, wenn sie das Semiten-Wort Pius XI. selbstbewusst zitieren.

– Statt sich im Namen Jesu über die brennenden Synagogen zu empören, angezündet am Abend des weltweit begangenen hohen Festtages der Kirche zur „Mutter aller Gotteshäuser der Stadt Rom und des Erdkreises“/Lateranbasilika, gab es nach Wochen des Schweigens neuerlich einen Versuch gütlichen Einvernehmens zwischen Rom und Berlin. [….]

– Statt am Vorabend des Weltkrieges die vorbereitete Anti-Rassen-Enzyklika Pius XI. zu veröffentlichen, in der jedes Drangsalieren und Verfolgen von Juden gegeißelt wurde, begrub Pius XII. als frisch gewählter Papst das Projekt. [….]

– Statt den diabolischen Genozid am europäischen Judentum öffentlich anzuprangern, den Gläubigen das Gewissen zu schärfen, sich schützend vor die Juden zu stellen und Widerstand zu leisten, getreu dem päpstlichen Hüter- und Wächteramt, gab es die Diplomatie des Schweigens, der Zurückhaltung und pedantischer Neutralität. [….]

– Statt die Juden seiner eigenen Bischofsstadt Rom vor der drohenden SS-Razzia im Herbst 1943 zu warnen, sie während der Razzia zu verteidigen, zu schützen und vor der kollektiven Ermordung zu retten, verschanzte sich Pius XII. hinter der scheinbar diplomatischen Notwendigkeit kein Aufsehen zu erregen und Berlin in Ruhe zu lassen.
Der Todeszug verließ die Ewige Stadt in Richtung Auschwitz ohne päpstlichen Widerstand. Es gab auch kein Wort des Trostes an die Hinterbliebenen, kein Missfallen gegenüber deutschen Stellen in Rom oder Berlin, nicht einmal eine unverdächtige Meldung im „L‘ Osservatore Romano“. [….]

Neben Jesus ist vermutlich Martin Luther, die Ikone der Protestanten, der berühmteste Antisemit der Weltgeschichte.

Sein abstoßender und eliminatorischer Judenhass wirkte so nachhaltig, daß sich die Nazis beim Holocaust ausdrücklich auf ihn bezogen.

Käßmann findet Luther toll.

Protestanten haben nach Ansicht der Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, viele Gründe, 2017 ein großes Reformationsjubiläum zu feiern.
Der Reformator Martin Luther habe Entscheidendes für die Sprachfähigkeit der Kirche, die Bildung und die Freiheit des Glaubens geleistet, sagte Käßmann am Freitag in Stuttgart beim "Kleinen Kirchentag". [….]

Luthers 7-Punkte-Plan zur Judenverfolgung: Originaltext
1.
"Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will, mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien"
2.
“Zum anderen, das man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben Dafur mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auff das sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande“
3.
“Zum dritten, das man jnen nehme all jre Betbüchlein und Thalmudisten, darin solche Abgötterey, lügen, fluch und lesterung geleret wird“
4.
“Zum vierten, das man jren Rabinen bey leib und leben verbiete, hinfurt zu leren“
5.
“Zum fünften, das man die Jüden das Geleid und Straße gantz und gar auffhebe“
6.
“Zum sechsten, das man jnen den Wucher verbiete und neme jnen alle barschafft und kleinot an Silber und Gold, und lege es beiseit zu verwaren“
7.
“Zum siebenden, das man den jungen, starcken Jüden und Jüdin in die Hand gebe flegel, axt, karst, spaten, rocken, spindel und lasse sie jr brot verdienen im schweis der nasen“
(Martin Luther, Von den Juden und ihren Lügen)

Es ist und bleibt eine Schande ersten Ranges, daß sich die protestantischen Kirchen nicht entschieden von diesem Apologten des Hasses distanzieren und immer noch stolz an jeder dritten Kirche „Lutherkirche“ prangen haben.

Darum wisse Du lieber Christ und zweifle nicht daran, daß Du nähest dem Teufel keinen giftigeren, bittereren, heftigeren Feind hast, denn einen rechten Juden.
(Martin Luther)


Die unerträgliche Schuld und Schade, die auf der Evangelischen Kirche lastet, zeigt sich heute dreifach:

1.)
Es dauerte sage und schreibe voll 70 Jahre nach 1945 bis sich die EKD überhaupt dazu bequemte ihre Mitschuld am Judenmord und der treibenden Kraft Luther einzugestehen. Volle 70 Jahre verstreichen zu lassen, ohne tätig zu werden, ist nur einer gänzlich unmoralischen Organisation möglich.

2.)
Immer noch relativieren die Evangelen die Schuld Luthers und wollen sich nicht von ihm distanzieren. Käßmann und Co weisen immer wieder darauf hin, daß Luther erst in seinen späteren Jahren so extrem eliminatorisch schrieb. Früher hätte er die Juden nur als normale Minderwertige und Ungläubige betrachtet.
Er sei allerdings von ihnen enttäuscht worden, da sie nicht zum Christentum à la Luther konvertieren wollten. Erst dadurch sei Luther zum Hassfanatiker geworden.
Käßmann, Huber und Bedford-Strom versuchen also tatsächlich Judenhass ein wenig zu relativieren und fügen damit gleich noch sekundären Antisemitismus heutiger Prägung hinzu: Waren die Juden nicht irgendwie auch ein bißchen SELBST SCHULD, weil sie sich nicht missionieren ließen?

3.)
Noch 70 Jahre nach dem Holocaust kann sich die EKD nicht dazu durchringen sich von der Judenmission zu distanzieren.
Es gäbe einfach zu starke Kräfte in der EKD, die Juden nicht tolerieren und stattdessen missionieren wollten, entschuldigte sich Präses Irmgard Schwätzer.
Ein bißchen Judenfeindschaft muss also noch sein; mindestens zwei Jahre.
Unfassbar!

Bis 2017 werde die evangelische Kirche außerdem ihre Haltung zur umstrittenen Judenmission klären, kündigte Synodenpräses Irmgard Schwaetzer zum Abschluss der Jahrestagung des Kirchenparlaments an.
Zum Auftakt der Synode hatte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, von der evangelischen Kirche eine deutliche Distanzierung von der Judenmission gefordert. Dieses für die Juden sehr wichtige Thema werde in der Kundgebung der Synode "leider sehr vage" behandelt, sagte Schuster.

Ob Antisemitismus wirklich schlecht ist, kann die Offizielle deutsche evangelische Kirche im Jahr 2015 also immer noch nicht sagen.
Man stelle sich vor, so würde sich irgendein anderer Verein äußern.
Der Kirche gehört sofort der Status der Gemeinnützigkeit entzogen und selbstverständlich müssen alle Vertreter dieser Horrororganisation sofort aus sämtlichen öffentlichen Gremien entlassen werden.