Mittwoch, 29. Juli 2015

Wie es hier so läuft – Teil III



Bei meiner politischen Bilanz nach 100 Tagen RotGrün in Hamburg, erwähnte ich die FDP nur in Bezug auf ihren Verkehrspolitiker Wieland Schinnenburg, der zwischen albern und peinlich changierend auffiel.
Das war ungerecht von mir.
Die liberalen Hanseaten haben außer Schinnenburg noch einen zweiten Politiker zu bieten, der Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Die Rede ist vom Bürgerschafts-Pykniker Immo von Eitzen, Jahrgang 1977, der schon in den letzten Jahren für Furore sorgte, nachdem er als Bezirksabgeordneter in Hamburg-Harburg kräftig in die Parteikasse gegriffen hatte.

Das haben sich die Parteistrategen sicher anders vorgestellt: Ausgerechnet in der heißen Phase des Bezirkswahlkampfs sorgen zwei Kandidaten für negative Schlagzeilen. So muss sich der FDP-Bezirksabgeordnete Immo von Eitzen am Montag vor dem Amtsgericht Harburg wegen angeblicher Untreue verantworten. Ihm wird vorgeworfen, in der Zeit von Anfang Dezember 2010 bis Anfang April 2011 in zwölf Fällen mit Hilfe der EC-Karte der FDP-Bezirksfraktion an verschiedenen Geldautomaten Abhebungen  in Höhe von insgesamt 2.352,13 Euro getätigt und das Geld für sich selbst verwendet zu haben.

Von Eitzen gab sich alle Mühe seine Mauscheleien zu vertuschen.

Belastet wird Immo von Eitzen von den FDP-Abgeordneten Kurt Duwe (63) und Carsten Schuster (40). Nachdem von Eitzen nicht wiedergewählt wurde und Schuster sein Amt übernahm, sollen sämtliche Belege und Kontoauszüge gefehlt haben.
Auch ein Kassenbuch habe es nie gegeben. Die beiden verstehen nicht, warum von Eitzen überhaupt eine EC-Karte besaß. Zudem gelte bei Anschaffungen das Vier-Augen-Prinzip.

Der FDP-Politiker wurde im Oktober 2014 zu einer Geldstrafe verurteilt.

Zuvor hatte von Eitzen seine eigene 94-Jährige Großmutter Wilma Stöterau als FDP-Kandidatin für den Wahlkreis Hamburg Süderelbe gewonnen. Leider vergeblich. Stöterau wurde trotz ihrer 94-jährigen Lebenserfahrung nicht in die Bürgerschaft gewählt.

Mit dem Mann kann man etwas anfangen, dachte sich der FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Carl Jarchow und bestellte Immo von Eitzen zu seinem persönlichen Referenten.
Jura-Student von Eitzen (38) war nicht nur verbal gut für den Einsatz in Katja Sudings Fraktion gewappnet, sondern zog auch mit einem langen Jagdmesser ins Parlament ein.
Mit der langen Klinge am Gürtel stapfte er die Sitzung des Innenausschusses.

Es soll ja noch immer Menschen geben, die ein kleines Taschenmesser am Gürtel tragen. Aber ein 20 Zentimeter langes Jagdmesser? Mitten im Rathaus? So bestückt spazierte FDP-Politiker Immo von Eitzen (38) in eine öffentliche Sitzung des Innenausschusses. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz – erst im September hatte von Eitzen sich wegen Untreue vor Gericht verantworten müssen.
Im Messer-Fall hat das Gericht Immo von Eitzen eigentlich schon verurteilt. 30 Tagessätze zu jeweils 60 Euro soll er Strafe zahlen, weil er im August vergangenen Jahres im Rathaus offen ein 20 Zentimeter langes Jagdmesser am Gürtel trug. Ein Polizeibeamter, der Senator Michael Neumann (SPD) begleitet hatte, entdeckte es und leitete ein Strafverfahren ein. Immo von Eitzen [….] will jedoch nicht zahlen und geht in Berufung.
Was wollte ein FDP-Politiker mit einem Messer im Rathaus? „Ich gehe seit 30 Jahren nicht ohne ein Messer aus dem Haus“, erklärt von Eitzen der MOPO. [….]
(HH MoPo 15.06.2015)

Eine tolle Truppe, diese FDP.
Für’s nächste Mal: Bitte nicht wiederwählen!

Dienstag, 28. Juli 2015

Unwertegemeinschaft

Das Heucheln nervt immer so sehr.
Die Double Standards.
Wie Schäuble und Merkel mit ihrer „Gürtel-enger-schnallen“-Rhetorik in Brüssel auftreten, das Hohelied vom Sparen singen und dabei natürlich nicht erwähnen, daß Deutschland in der problematischen Finanzkrisensituation von 2008 genau das Gegenteil tat:
Massiv Schulden machen und mit zig Milliarden schweren Investitionsprogrammen (zB Abwrackprämie) die staatliche Nachfrage ankurbeln.

Griechenland wird nun aufoktroyiert den gesamten staatlichen Besitz zu verscherbeln – Energieunternehmen, Müllabfuhr, Piräus – alles soll privatisiert werden.
Zu Hause in Deutschland hat man erkannt, daß das genau falsch ist und überall nehmen Kommunen große Anstrengungen auf sich, um einst verstaatlichte Kraftwerke, Netzbetreiber oder Krankenhäuser zurück zu kaufen.

Genauso sieht es mit der Russlandpolitik aus.
Heucheln und Double Standards.
Penibel wird von Russland die Einhaltung aller Menschenrechte eingefordert, während Gauck und Merkel fröhlich mit den China und Saudi Arabien kuscheln, die beide sehr viel extremere Menschenrechtsverstöße als Russland auf dem Kerbholz haben.
Sogar Amerika ist in vieler Hinsicht schlimmer als Russland: Die USA spionieren Regierung und Wirtschaft aus. Führen illegale Folterlager in aller Welt, töten tausende Menschen durch völkerrechtswidrige Drohnenattacken, bestehen als einziges westliches Land auf der bestialischen Todesstrafe.

Wenn Willy Brandt, Egon Bahr, Walter Scheel und Helmut Schmidt solche Maßstäbe an Russland angesetzt hätten, wäre es vielleicht nie zu einer Aussöhnung und zum Mauerfall gekommen.
Mit Sicherheit hätte man dann aber keine Gesandten mit dieser DDR ausgetauscht, in der eine gewisse Angela M. wohnte.

Wie den Streit mit Russland schlichten? Michail Gorbatschow und SPD-Legende Egon Bahr verlangen: Berlin muss auf Moskau zugehen - und nicht ständig die mangelnde Demokratie geißeln. Das mache man bei China ja auch nicht.
Das Bündnis für versöhnliche Töne gegenüber Russland ist breit an diesem Dienstagabend, Parteigrenzen zählen nicht. Das zeigt schon die Sitzordnung im Atrium des Moskauer Hotels Kempinski: Da sitzt etwa CSU-Mann Peter Gauweiler neben Antje Vollmer von den Grünen. Sie sind zu einer Buchvorstellung nach Moskau gereist. Wilfried Scharnagl, lange Chefredakteur der CSU-Parteizeitung "Bayernkurier" und Vertrauter von Franz Josef Strauß, hat es geschrieben.
"Am Abgrund" wirbt für mehr Verständnis für die Politik des Kreml in der Ukrainekrise. Im Mittelpunkt aber steht an diesem Tag in Wahrheit ein anderer: SPD-Legende Egon Bahr, 93 Jahre alt, und vor mehr als vier Jahrzehnten mitverantwortlich für Kanzler Willy Brandts Entspannungskurs gegenüber der Sowjetunion.
Es habe damals "weder in Washington noch in Bonn Illusionen über die Sowjetunion gegeben, eine Demokratie war das nicht", sagt Bahr. So sollte man es wieder halten, soll das heißen: pragmatisch mit Moskau zusammenarbeiten, ohne dauernd Kritik an der Verletzung von Bürgerrechten in Russland zu üben. Das Vorbild sei China, gegen das der Westen ja auch keine Sanktionen verhängt habe.
Bahr sieht in der Krise heute Parallelen zum Kalten Krieg, er plädiert für eine Art deutscher Ostpolitik 2.0. Deutschland solle wie damals eine pragmatische Vermittlerrolle zwischen den Lagern einnehmen - und Berlin dabei den ersten Schritt auf Moskau zugehen. Bahr zitiert Brandt: "Manchmal muss man sein Herz am Anfang über die Hürde werfen".
Und weiter: "Russland muss seinen eigenen Weg finden. Es muss sich nach seinen Traditionen entwickeln. Demokratie gehört nicht dazu", befindet der SPD-Mann. […]

Pragmatismus ist aber nicht mehr gefragt, sondern Ideologie und Heuchelei.

So nimmt „der Westen“ Massenaufmärsche und Gefechte des faschistischen „Rechten Sektors“ in Kiew und der Westukraine schulterzuckend hin, während Separatisten in der Ostukraine energisch verurteilt werden.

Ja, man fordert immer nur dann Konsequenzen, wenn es gerade zu den eigenen Interessen passt:
Irak und Libyen und Serbien und Mali wurden bombardiert. Syrien und Ägypten und Saudi Arabien und Nordkorea aber nicht.

Aktuelles Beispiel der Superheuchelei ist die Türkei.
Erst fand man es im NATO-Hauptquartier noch ganz nett, daß Erdogan de facto dem IS half – denn dadurch wurde der verhasste Assad geschwächt.
Die Türkei gestattete es dem IS Gebiete entlang der Grenze zu Syrien als Operationsbasis zu nutzen, aber half auch durch die Behandlung verletzter IS-Kämpfer in türkischen Krankenhäusern. Das NATO-Mitglied Türkei finanzierte den IS maßgeblich, indem es Erdöllieferungen aus den besetzten Gebieten Syriens und des Iraks aufkaufte. Auch der Waffennachschub kam direkt aus der Türkei.
Inzwischen findet man aber den IS noch doofer als Assad, hat vergessen, daß dieser schon Giftgas gegen die eigene Bevölkerung einsetzte und entscheid sich deswegen dafür Assad zu helfen, indem man den IS bombardiert.

Mit Billigung des Westens
Tatsächlich förderte Ankara die Jihadisten in Syrien bis 2014 nicht im Alleingang, sondern in Kenntnis und mit Billigung des Westens - auch Deutschlands. In jüngster Zeit ist immer wieder darauf hingewiesen worden, dass "die Rekrutierungsorte des IS in der Türkei der lokalen Bevölkerung bekannt" gewesen seien: "Wenn die Menschen wissen, wie diese Organisationen arbeiten, wie sie sich treffen und wie sie rekrutieren, weiß der Staat das nicht auch?", wird zum Beispiel der Menschenrechtler Osman Süzen zitiert.[2] Dieselbe rhetorische Frage könnte der Bundesregierung gestellt werden, nicht nur, weil der Bundesnachrichtendienst (BND), wie seit letztem Jahr bekannt ist, die Türkei offiziell als "Aufklärungsziel" führt.[3] Seit die Bundeswehr in Kahramanmaraş in der Südost-Türkei stationiert ist, muss davon ausgegangen werden, dass sie in ihrem Operationsgebiet die allgemein üblichen Aufklärungstätigkeiten durchführt. Zudem sind Polizei und Geheimdienste seit Jahren intensiv mit der Ausreise deutscher Jihadisten nach Syrien befasst, die gewöhnlich über Netzwerke in der Türkei bewerkstelligt wird. Trotz seiner mutmaßlich detaillierten Kenntnis über die Aktivitäten der Jihadisten in der Türkei schritt Berlin bis zum Beginn des Krieges gegen den IS nicht gegen dessen Förderung durch Ankara ein. Das Motiv, das diverse westliche Staaten zur wohlwollenden Billigung der türkisch-saudischen Unterstützung für den IS trieb, benannte der US-Militärgeheimdienst DIA im August 2012 ganz offen: Ein "salafistisches Fürstentum" in Ostsyrien könne helfen, so hieß es, die Regierung in Damaskus zu isolieren.

Nun ist auch die Bundesregierung umgeschwenkt. Um 180°.
Die Verteidigungsministerin bejubelt den türkischen Kriegseinsatz, der sich auch gegen die PKK richtet – jene Partei, die der einzige Stabilitätsfaktor im Irak ist, die den Jesiden das Leben rettete und die deswegen auch mit deutschen Waffenlieferungen ausgerüstet wurde.

[…]  Angesichts der dramatischen Zuspitzung an der Grenze der Türkei zu Syrien und zum Nordirak ist es also keine wirkliche Überraschung, dass Generalsekretär Jens Stoltenberg auf Ersuchen aus Ankara für diesen Dienstag die Botschafter der 28 Nato-Staaten zusammengerufen hat.
[…] Derzeit wiederum ist es für die Amerikaner vorrangig, die Türkei bei Laune zu halten. […]
Wenn also weder die Türkei noch die USA daran interessiert sind, die Nato mit viel mehr als Worten gegen die islamistischen Terrorkämpfer in Stellung zu bringen, so sind es die anderen Verbündeten erst recht nicht. […]  Praktisch aber richtet die Allianz ihre neue Speerspitze, also die neue superschnelle Eingreiftruppe, hauptsächlich gegen eine mögliche Bedrohung aus Russland. […]

Wertegemeinschaft NATO - Welche Werte?
Und dann schweigen sie einfach. Die heutige Reaktion der NATO auf die türkischen Angriffe auf PKK-Stellungen kommt einem Offenbarungseid gleich. Die Verteidigungsgemeinschaft, die sich so gerne als Wertegemeinschaft bezeichnet, hat heute blank gezogen: Vor den Interessen der türkischen Regierung. Vor den bilateralen Absprachen zwischen Obama und Erdogan. Und vor ihrem eigenen Anspruch sowieso - wenn es den denn überhaupt noch gibt. Dass die Türkei sich zum Kampf gegen den "IS" hat hinreißen lassen, hat nur einen Grund: Sich die PKK im Grenzgebiet vom Hals zu schaffen. Die gleiche PKK, die mit den Truppen der Peschmerga im Nordirak gegen den "IS" kämpft und dafür von Deutschland bewaffnet wurde. So sieht's aus: Wo die Freiheit Deutschlands im Nahen Osten verteidigt werden sollte, opfert man diesen Kampf jetzt den durchsichtigen Interessen eines NATO-Mitglieds, das genau diesen Kampf nie führen wollte. Dass die Bundesregierung dazu genauso schweigt wie die NATO-Führung, zeigt: Die Gemeinschaft funktioniert - ganz wertefrei.
(Georg Restle, Monitor 28.07.2015)


Montag, 27. Juli 2015

Der Christ des Tages LXXXIII



Ob nun per Videotext, news.google, Frühstücksfernsehen, Zeitung und Twitter – kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht als erstes etwas Widerliches aus Dresden hört.

Erneut ist in Sachsen ein zukünftiges Asylbewerberheim angegriffen worden. Wie die Polizei mitteilte, wurde aus einer Gruppe von rund 30 Menschen am Sonntagabend ein ehemaliges Hotel mit Steinen beworfen. Sechs Fensterscheiben wurden bei dem mutmaßlich fremdenfeindlich motivierten Angriff zerstört. […] Am Sonnabend hat in dem ehemaligen Hotel noch ein Tag der offenen Tür stattgefunden. Bereits bei der Besichtigung des künftigen Heims kam es zu einem Zwischenfall. Unbekannte haben Berichten zufolge eine übelriechende Flüssigkeit verteilt. Dabei handelte es sich vermutlich um Buttersäure. Noch in dieser Woche sollen dort rund 30 Asylbewerber untergebracht werden.

Was für ein Alptraum. Da flüchten Menschen vor IS und Boko Haram, haben oft miterleben müssen, wie ihre Familien getötet wurden, verloren alles und dann landen sie in Dresden, wo einen tumbe gewaltbereite Sachsen mit Steinen und Brandsätzen bewerfen.

Immer wieder Sachsen.
Das Bundesland des Grauens ist nicht nur Schauplatz der ewigen CDU-Herrschaft, sondern auch Brutstätte von Pegida, Hotspot der rechtsradikalen Anschläge und ewige Hochburg der NPD.

Unfassbar; nachdem in Hamburg die widerliche braune AfD, die hier weitgehend von höchst unappetitlichen Ex-Schillianern bestimmt wird, in die Bürgerschaft einzog, brach so etwas wie ein Richtungsstreit bei dem braunen Mob aus: Auf der einen Seite steht dabei die ewiggestrig-völkische Sachsen-AfD und der Hogesa-freundliche Hamburger Landesverband gilt noch als vergleichsweise liberal.

Die braunen Sachsen sind zu allem Übel nicht nur national und xenophob, sondern zudem schwer religiotisch angehaucht.
Es ist, als ob der vor zwei Jahren abgeschlagene Kreuznet-Arm politisch wieder in Sachsen aus dem Sumpf ragt.

Nicht nur in Duisburg finden Rechtspopulisten und konservative Christen beider Konfessionen zusammen. Auf etlichen islamfeindlichen Protestzügen hielten Teilnehmer in den vergangenen Wochen schwarz-rot-golden angestrichene Kreuze hoch, die teilweise elektrisch illuminiert im Dunkeln strahlten. Andere reckten Schilder mit einem schwarzen Kreuz oder der Parole „Dresdner Christen grüßen die Pegida“ in den Himmel. Sachsens Bischof Jochen Bohl verzichtete auf scharfe Kritik an den rechtspopulistischen Demonstrationen und trat für Verständnis und Dialog ein – wohl aus Rücksicht auf die Evangelikalen in seinem Bistum, die im „Bibelgürtel“ vom Erzgebirge bis zum Vogtland beheimatet sind. […]  Populisten und fundamentalistische Christen kämpfen gemeinsam gegen Islamisierung oder Homosexuelle und für ein traditionelles Familienbild, stellte eine Studie im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung über Evangelikale in Sachsen fest. Der Schulterschluss zeigt sich am Beispiel der AfD-Bundessprecherin Frauke Petry. In ihrem sächsischen Landesverband forderte sie ein Referendum gegen die Abtreibungsregelung; es gehe um „das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation“. […] Eine Langzeitstudie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt […], dass Gläubige beider Kirchen für rechtsextreme Einstellungen anfälliger waren als konfessionslose Bürger. Katholiken stachen in der Studie zudem durch einen „höheren Chauvinismuswert“ hervor. Vor allem die katholische Kirche hat ein Problem mit rechtslastigen Gläubigen: Diese haben sich […] radikalisiert. Häme und Hass gegen Andersdenkende prägen eine selbst ernannte neue Glaubenselite. Sie schart sich um Institutionen wie „Kirche in Not“, „Christdemokraten für das Leben“, das „Netzwerk katholischer Priester“ und das „Forum Deutscher Katholiken“.

So wie sich die sächsische Kirche nicht traut von ihrem ausländerfeindlichen Rand zu distanzieren, kuscheln sich auch die Sachsen CDU-Politiker immer wieder gern an das kotbraune Milieu.

Da hat er schon mal ein wenig zwischen den Zeilen hervorgelugt, der hiermit zum Christen des Tages Nr. 83 gekürte Jochen Bohl.

Ist so eine Situation, in der Ethik und Moral völlig abhandenkommen, nicht der klassische Fall, in dem die Kirchen sich einmischen sollten?
So tönen doch immer die Käßmanns, Schneiders und Bedford-Strohms dieser Welt.
Kirche könne Werte vermitteln und Orientierung geben.

Und genau das tut Sachsens evangelischer Landesbischof jetzt.
Wenn brutal verfolgte Opfer von einem üblen hasserfüllten braunen Mob in Dresden angegriffen werden, bezieht Bohl Position.
Er bezeugt Verständnis für die Täter und stellt sich gegen die Opfer.

Eine beliebte Methode der deutschen Kirchenfürsten, die wir von den katholischen Kollegen kennen, die sich jahrzehntelang schützend vor die Kinderficker stellten und ihre Opfer diskriminierten.

So auch Bohl, der sich nicht etwa dem Abschaum in den Weg schützend vor Flüchtlingsheime stellt, sondern die Positionen von PEGIDA und AfD nachplappert.

[….] Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche plädiert für eine harte Linie in der Flüchtlingspolitik. Asylverfahren von Balkanflüchtlingen müssen für Jochen Bohl dringend verkürzt und beschleunigt werden. Probleme in Montenegro, Serbien oder Bosnien-Herzegowina könnten nicht dadurch gelöst werden, dass ihre Bewohner nach Deutschland kommen. »Das ist einfach undenkbar«, sagte der Bischof der dpa.   [….]  Für Zuwanderer, die nach Deutschland kämen, weil sie keine Zukunft sehen, sei das Asylrecht nicht vorgesehen.
Bohl befürwortet, in Verfahren von Balkanflüchtlingen das Konzept der sicheren Herkunftsstaaten anzuwenden. »Wenn man weiß, dass in einem Land (...) keine systematische politische Verfolgung stattfindet, können die Anträge auch in verkürzten Verfahren behandelt werden.« Angezeigt seien auch rasche Abschiebungen. Es könne »nicht so sein, dass jeder, dem es gelingt, deutschen Boden zu betreten, auch das Recht hat, hier dauerhaft zu bleiben.«
Indirekt deutete Bohl sogar Verständnis für Mobilisierungen gegen Flüchtlingsunterkünfte an: Es führe »bei vielen Menschen zu einem gewissen Verdruss«, dass »offenkundige Probleme sehr schwer und mühselig geregelt werden und es nicht zeitnah zu einer Lösung kommt.«

Die Kombination aus „Sachsen“ und „Kirche“ ist eben genauso übel, wie man es erwarten konnte.

Sonntag, 26. Juli 2015

Wieso Gott so angepisst ist



Früher war alles besser in der Gott-Branche.
Da hat es einen Blitzeinschlag gegeben, da brauchte nur ein trockner Busch abfackeln während ein Säufer, der schlecht destillierten Schnaps getrunken hatte, daneben stand und schon war eine Religion gegründet.
So einfach war das. Und schon konnte man genüsslich seinen sadistischen Gelüsten nachgehen.
Man muß das schon mögen, wenn man als Gott zusieht, wie im eigenen Land König Herodes der Große (* 73 v. Chr.; † 4 v. Chr.) vorsorglich alle männlichen Babys in Bethlehem abgeschlachten lässt, um seinen Sohn auch zu erwischen.

    „Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte.“
(Mt 2,16 EU)

Erwischt hat Herodes den kleinen Jesus natürlich nicht, denn Jesus ist ja Gottes Sohn und Gott gleichzeitig, so daß er unsterblich ist.
Gott kann man nicht töten und somit war die Kinderkill-Aktion offenbar nur Spaß.
Ganz pünktlich war Gott ohnehin nicht.

Wie und wann Jesus geboren wurde, wissen wir ja aus der Bibel:

1 In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. 2 Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. 3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. 4 So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. 5 Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. 6 Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, 7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen.
(Lukas-Evangelium 2)

Die erste Provinzzählung unter Publius Sulpicius Quirinius in der Provinz Judäa wurde im Jahr 6 n. Chr. durchgeführt. Herodes starb schon 4 v. Chr.
Da Jesus also erst eine Dekade nach Herodes Tod geboren wurde, mußte er sich auch nicht sorgen als Baby abgemurxt zu werden.
Sämtliche Knaben einer ganzen Stadt wurden also überflüssigerweise erschlagen.
Aber so ist das im Heiligen Land. Da mordete man schon immer besonders fleißig. Gefällt dem lieben Gott offenbar so.

This Land Is Mine from Nina Paley on Vimeo.
A brief history of the land called Israel/Palestine/Canaan/the Levant.
Who's-killing-who viewer's guide here: http://blog.ninapaley.com/2012/10/01/this-land-is-mine/

Wenn man heute als Prophet und/oder Gott Myriaden Kinder umbringen will, klappt das natürlich immer noch recht einfach.
Gott hat nie damit aufgehört.
Allerdings muß er das inzwischen etwas tarnen und lässt es nicht seine Statthalter per Befehl durchführen.
Täglich krepieren etwa 20.000 Kinder an Hunger. Verhungern dürfte dafür noch wesentlich brutaler und sadistischer sein als Erschlagen.
So viele Kinder jeden Tag hinzurichten ist allerdings auch keine kleine Leistung Gottes. Denn seine geschöpften Menschen könnten das anders als bei fiesen Kinderkrankheiten, leicht verhindern. Dazu bräuchte es nur ein bißchen Geld und auf diesem Geld sitzen insbesondere die christlichen Kirchen. Bischöfe bauen sich Protzresidenzen, die Vatikanbank schwimmt in Milliarden, allein das Erzbistum München und Freising wälzt gegenwärtig eine Dreiviertel-Milliarde Euro um.

Das Erzbistum München und Freising verzeichnet Rekorde, im Guten wie im Schlechten. 20 552 Menschen sind hier im vergangenen Jahr aus der katholischen Kirche ausgetreten, fast so viele wie im Missbrauchsjahr 2010. Ende 2014 lebten nur noch 1,739 Millionen Katholiken auf dem Gebiet des Erzbistums, so niedrig war diese Zahl seit mehr als 50 Jahren nicht mehr. Doch finanzielle Konsequenzen für die Kirche hat der Mitgliederschwund offenbar kaum.
Am Donnerstag hat das Erzbistum seinen Etat für das Jahr 2015 veröffentlicht und einmal mehr einen Rekord präsentiert. Die Kirche rechnet mit Einnahmen und Ausgaben in Höhe von jeweils 735 Millionen Euro; das sind 36,5 Millionen Euro beziehungsweise 5,2 Prozent mehr als im Jahr 2014, der Haushalt ist ausgeglichen. Nie hat das Erzbistum mehr umgesetzt - und dabei ist die tatsächliche Finanzkraft der Kirche voraussichtlich noch einmal erheblich höher.

Da leistet Gott schon etwas!
Seine Leute predigen Nächstenliebe, echauffieren sich über Abtreibung, preisen jedes Leben und krallen sich gleichzeitig an ihren Milliarden fest, während täglich Zehntausende Kinder verhungern.
Das muß man erst mal hinkriegen, daß das alles so hingenommen wird, ohne daß die jungfräulichen alten Männer in den bunten Kleidern wegen ihrer extremen Heuchelei mit Forken und Mistgabeln aus der Stadt gejagt werden!

Insofern finde ich es auch unfair, wenn jetzt freche Blogger aufzählen, was Gott alles nicht kann.

Gott kann Sie nicht vergessen
Gott kann keine Mühe scheuen, wenn es um Sie geht
Gott kann nicht lügen

Nobody is perfect. Na und?
Gott ist ja auch nur ein Gott.
Da unterliegt man eben gewissen Beschränkungen.
Gott scheitert auch bei der Heilung von Amputierten. Er hat noch nie geschafft einen abgehackten Arm oder ein fehlendes Bein nachwachsen zu lassen.

Und bei schweren Steinen ist er auch immer ganz schlecht.


Aber das ist doch noch lange kein Grund dafür, daß die Atheistenbrut nun auf einmal alles kritisiert was Gott tut und noch nicht mal mehr Kinder töten will, wenn Gott das verlangt.
Gottes Bodenpersonal ist schon richtig traurig. Wo soll das nur hinführen? Am Ende müssen sie noch ihre Jobs aufgeben und das wäre schade, da die richtig gut bezahlt sind. Ein Monsignore aus Bonn fängt gleich an zu weinen über seine eigene Unfähigkeit den Menschen klar zu machen, weswegen sie besser in der Kirche bleiben sollten.

Ende vergangener Woche schockierten die neuen fürs Erzbistum und das Stadtdekanat Bonn alarmierenden Austrittszahlen aus der Katholischen Kirche: 2014 verließen im Bistum 19 557 Menschen ihre Kirche, mithin 14,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. […] Jeder der 1231 Austritte schmerzt Monsignore Wilfried Schumacher.
[…]  "Gott gerät immer mehr in Vergessenheit. Das beunruhigt mich; aber ich weiß keine Lösung", gibt Schumacher zu. Nur eines wisse er: Allein der Papst, die Bischöfe oder andere Amtsträger könnten das nicht ändern. "Dafür brauchen wir jeden einzelnen Katholiken."
[…] Ähnlich analysiert Ernst F. Jochum, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christliche Kirchen Bonn (ACK), die derzeit für beide Volkskirchen erschreckenden Verluste. "Letztlich geht es vielleicht gar nicht so sehr um die Kirche als um Gott. Menschen können mit ihm nichts mehr anfangen", meint der evangelische Pfarrer im Ruhestand. Der desolate Zustand, den Menschen auf der Erde schafften, habe ja aufgeräumt mit einem Gott, den Menschen sich als Erfüllungsgehilfen ihrer Wünsche geschaffen hätten. […]

Tja Gott.
Ich glaube das Problem liegt in Deiner Personalpolitik. Das sind aber auch alles Luschen….