Mittwoch, 14. Februar 2024

Die Blaunen hetzen nicht im luftleeren Raum

Es sind vor allem Söder, Merz und Aiwanger, die seit drei Jahren eine regelrechte Hetz- und Schmutzkampagne gegen die Grünen führen.

Die endlosen Lügen-Attacken von rechts schaden den grünen Umfragewerten weniger, als sie die Grünen-Hasser der AfD fördern.

Sie ermutigen aber insbesondere die potentiell Gewalttätigen, ihre Aggressions-Phantasien gegen Menschen in die Tat umzusetzen.

[….] Der wohl fieseste Seitenhieb in Söders gesamter Rede folgte kurz darauf – und schloss neben der Bundesvorsitzenden der Grünen auch Kevin Kühnert aus der SPD mit ein. „Was unterscheidet meinen Hund Molly von Kevin Kühnert und Ricarda Lang?“, fragte er das Publikum. „Mein Hund hat eine abgeschlossene Ausbildung, liebe Freundinnen und Freunde. Eine Ausbildung als Schutzhund“, spöttelte er. Der Saal grölte. Später veröffentlichte Söder den Ausschnitt aus seiner Rede auch auf der Nachrichtenplattform X (ehemals Twitter).  [….]

(M. Merkur, 14.02.2024)

Der grüne Vizekanzler Robert Habeck wurde in Schlüttsiel attackiert.

[….]  Keine andere Partei ist mehr von Gewalt betroffen als die Grünen. Das kann blutig ausgehen, wie ein Betroffener erzählt. [….]  „Hängt die Grünen, bevor die Bäume nicht mehr da sind“. Diese Nachricht richtete sich an einen Grünen-Abgeordneten, ist nur ein Beispiel von vielen – und noch nicht mal das krasseste. [….] Politisch motivierte Gewalt gegen Abgeordnete nimmt seit Jahren zu. Im ersten Halbjahr 2023 gab es in Deutschland insgesamt 637 Angriffe auf politische Vertreter. 301 davon richteten sich an Grünen-Politiker. [….] Bei den Grünen gibt es vor allem im zweiten Halbjahr – hier liegen noch keine offiziellen Daten vor – Berichte über tätliche Angriffe. Auf einer Wahlkampfveranstaltung zur Bayern-Wahl flog ein Stein in Richtung Grünen-Spitzenduo Katharina Schulze und Ludwig Hartmann. Der niedersächsische Landtagsabgeordnete Christian Schroeder erlitt nach einem Angriff auf einem Dorffest Prellungen. Der Berliner Abgeordnete Jian Omar wurde mit einem Hammer bedroht. [….] Viele Spitzenpolitiker der Partei reisen nur noch mit Personenschutz durchs Land und werden von Beamten des Bundeskriminalamts begleitet, etwa Robert Habeck oder Ricarda Lang, die Anfang des Jahres eine Patrone in ihrem Briefkasten fand. Von Angriffen betroffen sind aber vor allem Kommunalpolitiker, „die, im Gegensatz zu Spitzenpolitikern, weniger Möglichkeiten haben, sich zu schützen“, wie die Pressestelle der Grünen auf Anfrage schreibt.

Einer dieser Kommunalpolitiker ist der Berliner Fabio Scharfenberg. 2021 traf ihn eine Bierflasche am Kopf, als er Plakate für die Bundestagswahl aufhing. [….] Auch die Extremismusforscherin Lotta Rahlf beobachtet, dass die Grünen „zunehmend zum Zielobjekt für digitale wie realweltliche Anfeindungen werden“. [….]  Der bayerische Wahlkampf war geprägt von der klaren Abgrenzung zu Grün. „Die Grünen gehören nicht zu Bayern“, sagte etwa Markus Söder und stilisierte sie zur Verbotspartei. [….]

(FR, 23.11.2023)

Die Christlichen Blaunen provozieren physische Gewalt gegen Grüne.

[…..]  Vor allem ist es ein Versprechen, das sich durch Söders Auftritt zieht: die Absage an Schwarz-Grün im Bund: „Wir wollen keine Grünen in der nächsten Bundesregierung. Grün ist out. Schluss mit den Oberlehrern und Besserwissern.“

Die Attacken gegen Grün unterscheiden sich nicht von den Bierzeltreden während des Wahlkampfes, sind eher noch eine Spur härter. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck wolle Sozialismus in Deutschland, sagt Söder. Bundesumweltministerin Steffi Lemke wiederum bezeichnet er als „grüne Margot Honecker“. Sie sei ein Musterbeispiel für den Versuch der Grünen, die Freiheit der Fleißigen durch immer neue Auflagen einzuschränken. [….]

(Taz, 14.02.2024)

Hetze gegen den politischen Gegner kaschiert auch viel besser die eigene Unfähigkeit.

Die CDUCSUFWAfD-Aggressivität soll die Grünen einschüchtern und lähmen; ihre Arbeit sabotieren.

[….] Die Grünen haben ihren politischen Aschermittwoch in Biberach in Baden-Württemberg wegen heftiger Proteste abgesagt. Seit dem frühen Morgen blockierten zahlreiche Traktoren die Straßen zur Stadthalle, in der unter anderem Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hätte auftreten sollen. Vor dem Veranstaltungsort versammelten sich Hunderte Menschen. Ein Polizeisprecher sprach von "aggressiven Protestaktionen". Gegenstände seien geworfen, ein Fahrzeug beschädigt und mehrere Polizisten leicht verletzt worden. Die Beamten setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein, eine Person wurde festgenommen. Es habe Bedenken gegeben, dass "die Veranstaltung gefahrlos stattfinden" könne, sagte der Polizeisprecher, daher die Absage. Der Aschermittwoch in Biberach ist einer der wichtigsten grünen Termine des politischen Jahres. Zahlreiche prominente Mitglieder standen auf der Rednerliste, nicht nur Landwirtschaftsminister Özdemir, sondern auch die Parteichefin Ricarda Lang und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann.  [….]

(SZ, 14.02.2024)

 Die Blaunen verlassen den demokratischen Konsens, indem sie politische Mitbewerber lieber mundtot machen, als sich sachlichen und konstruktiven Diskussionen zu stellen.

[….]  Traktoren blockieren Zufahrtsstraßen, ein Misthaufen dampft auf der Straße vor der Stadthalle Biberach, Hunderte Demonstrierende veranstalten ein Getöse, Gehupe und Musik. Immer wieder skandiert die Menge Richtung Halle »Haut ab, haut ab«. Die Stimmung ist aggressiv, Journalisten werden als »Lügenpresse« beschimpft. Die Polizei setzt Schlagstöcke und Pfefferspray ein, um zwei Autos einen Weg zur Halle zu bahnen. Eine Scheibe geht zu Bruch, die Autos drehen wieder um. Daraufhin sagen die Grünen ihren Politischen Aschermittwoch im baden-württembergischen Biberach lieber ab. Wegen Sicherheitsbedenken. Eine »ordnungsgemäße Veranstaltung« sei nicht mehr möglich, sagte Michael Gross, Vorsitzender des Kreisverbandes Biberach. [….] Die Polizei sei massiv angegriffen worden, es wurden Tränengas und auch Schlagstöcke eingesetzt. »Dann ist die Kolonne wieder weggefahren«, sagt die Landesvorsitzende der Grünen in Baden-Württemberg, Lena Schwelling, dem SPIEGEL. »Das war der Moment, an dem es wirklich, wirklich brenzlig war.«

[….] Über Messengergruppen läuft auch die Nachbearbeitung der Blockierer. In einem Beitrag in einer großen Telegramgruppe, die zur Begleitung der Bauernproteste genutzt wird, heißt es: »Die grüne Partei ist mitsamt ihrer tollen Parteiführer und ›Chefideologen‹ abgereist.« Kritik oder Widerspruch ist nicht zu sehen, dafür werden zustimmende Emojis verteilt, Daumen hoch, Herzen, applaudierende Hände. [….] An einem Traktor in Biberach war ein Plakat angebracht, darauf der Satz, der auch schon auf anderen Bauerndemonstrationen zu lesen war: »Wer’s Land verkauft und Bauern fängt, ist’s wert, dass er am Galgen hängt«. Das Foto ging unter anderem auf der Plattform X herum. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium Franziska Brantner sagte dem SPIEGEL, dass sie es selbst heute in Biberach  aufgenommen habe. [….]

(SPON, 14.02.2024)

Sabotage statt Sachpolitik ist aus Merz-Sicht allerdings die einzige Option, da er zu ungebildet ist, um auf Augenhöhe zu diskutieren und außerdem ohne zu denken losplappert, so daß absurde Lügenmärchen und cringe AfD-Sprechblasen seinen Mund verlassen. Sein Team hat immer wieder große Mühe die Worte des Vorsitzenden wieder einzufangen.

 [….] CDU-Chef Friedrich Merz ist am frühen Morgen mit einer kleinen Delegation aus Jerusalem angereist. [….]

Merz ist spät dran mit seinem Israelbesuch. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und sein Berliner CSU-Statthalter Alexander Dobrindt sind schon vor Wochen hier gewesen. Wie die meisten ausländischen Besucher wurden sie von den Israelis in den Süden gebracht, an die Grenze zum Gazastreifen, in die Dörfer, in denen die Terroristen der Hamas am 7. Oktober das schlimmste Massaker an Juden seit der Schoa verübten.

Weil alle anderen im Süden waren, fährt Merz nun also in den Norden. Der CDU-Chef will mit seiner Reise schließlich seinen eigenen Akzent setzen. [….]und irgendwann meldet sich Shaul Yomtov zu Wort, ein pensionierter Geschichtslehrer aus Kiryat Shomna, und sagt: »Herr Merz, wir wünschen Ihnen, dass Sie der nächste Kanzler werden.«

Merz lacht, denn Shaul Yomtov hat ja nur ausgesprochen, worum es ihm bei seiner Israelreise natürlich auch geht: Bilder zu erzeugen, die zeigen sollen, dass er als Oppositionsführer das Zeug zum Kanzler hat. [….] Und Merz? Bietet den Israelis die uneingeschränkte Solidarität seiner Partei an. Aber wem genau? Dem Staat Israel oder den Hardlinern in der Regierung von Premierminister Benjamin Netanyahu? Merz will wohl das Erste, aber dann macht er das Zweite.

Fast eine Dreiviertelstunde lang wird er von Netanyahu empfangen, obwohl der Premier völlig übermüdet ist. Bis tief in die Nacht hat er im Gefechtsstand des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet die Kommandoaktion verfolgt, [….] Doch selbst im müden Zustand ist Netanyahu Politprofi genug, seinen Gast aus Deutschland einzuwickeln. Der Ministerpräsident habe bei dem Gespräch eine große analytische Tiefe gezeigt, heißt es später anerkennend aus der Merz-Delegation. Es ist ein erstaunliches Lob für einen Mann, zu dem selbst der wichtigste Verbündete inzwischen offen auf Distanz gegangen ist. [….] Israels Militärkampagne in Gaza sei »überzogen«, hatte US-Präsident Joe Biden kritisiert. Die grüne Außenministerin Annalena Baerbock warnt bereits vor einer »humanitären Katastrophe mit Ansage«, sollte die israelische Regierung ihre Ankündigung wahr machen und eine Offensive gegen die Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens starten. Dort haben inzwischen etwa 1,3 Millionen Palästinenser Zuflucht gefunden.

Als Merz dagegen nach seinem Gespräch mit Netanyahu vor die Presse tritt, ist selbst von vorsichtiger Distanz nichts zu spüren. Er stellt sich uneingeschränkt hinter das israelische Vorgehen im Gazastreifen. [….] »Wahr ist auch, es gibt zivile Opfer. Es wird auch weiter zivile Opfer geben«, sagt der CDU-Chef da, »und ich persönlich habe dem Premierminister gesagt, dass ich das voll und ganz unterstütze.« Eine halbe Stunde lang wird dieser Unsinn über X verbreitet, dann ist er verschwunden. […..]

(Konstantin von Hammerstein, 14.02.2024)

Dienstag, 13. Februar 2024

Schöner sterben.

Es kursieren zahllose Varianten des Wunsch-Todesszenarios, in denen Männer sich ausmalen, bei bester Gesundheit, hoch in den 90ern, mitten beim Sex den „Liebestod“ zu sterben.

[….]  Alt-Playboy Rolf Eden hat seinem Vater Hans viel zu verdanken. Eigentlich sei der nur ein „ganz normaler Spießer“ gewesen, verriet der 82-Jährige FOCUS. Trotzdem habe sein Vater ihn wesentlich geprägt. „Einmal hat er mich als Jugendlicher mit in den Puff genommen, um mich in die Geheimnisse der Liebe einzuweihen“, sagte Eden. Auch im Tod wolle er ihm nacheifern: Hotelier Hans Eden erlitt einen Herzinfarkt beim Geschlechtsverkehr. Und das will nun auch sein Sohn. „Ich habe bereits eine fünfstellige Summe ausgelobt für die Dame, mit der ich beim Sex sterbe“, so Rolf Eden. [….]

(Focus 2014)

Diese Vorstellungen sind ziemlich schlecht, weil sie a) dieser typischen chauvinistischen Alter Knacker-Phantasie entspringen, in der junge vollbusige Blondinnen unheimlich gern mit welken 90-Jährigen Geschlechtsverkehr haben. Vor allem sind, b) solche Szenarien extrem unwahrscheinlich. Die allermeisten Menschen sterben eben nicht zufrieden und schmerzlos in ihrer gewohnten Umgebung, sondern im Krankenhaus. Die wahrscheinlichsten Todesursachen sind Herz/Lungen-Versagen, die mir widerlichen Erstickungsängsten einhergehen und an zweiter Stelle Krebs.

Tatsächlich starb Eden 92-Jährig „im Kreise seiner Familie“.

Wer einen angenehmen Tod haben möchte; schmerzfrei, angstfrei; hat sehr schlechte Chancen, wenn er einfach abwartet. Die meisten von uns werden stattdessen siech, von der Hilfe anderer abhängig sein und schließlich allein in einem fremden Bett und klinischer Umgebung die letzten Röchler tun.

Wer das vermeiden möchte, muss selbst aktiv nachhelfen und zwar rechtzeitig.

So wie der noch viel berühmtere Playboy Gunter Sachs, der sich 78-Jährig sofort eine Kugel in den Kopf jagte, als der erste Alzheimer-Verdacht aufkam.

„In den letzten Monaten habe ich durch die Lektüre einschlägiger Publikationen erkannt, an der ausweglosen Krankheit A. zu erkranken. […] Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten.“

(Gunter Sachs, 2011)

Nun ist eine Schusswaffe glücklicherweise nicht jedem zugänglich; insbesondere, wenn man bereits auf eine Geriatrie verfrachtet wurde.

In Deutschland hat man dann ganz schlechte Karten, weil die Bundestagsabgeordneten, fest im Würgegriff der kirchlichen Sadisten, entgegen des überwältigenden Wunsches der Bevölkerung, selbstbestimmtes Sterben verhindern, den Bürgern ihre Freiheit nehmen und sie zu grauenvollen Leiden verdammen.

(…..) Das Leben an sich zu schützen, ist ein Satz für Sonntagsreden. Insbesondere Christen und Konservative tragen diesen Satz wie eine Monstranz vor sich her, nennen sich gar selbst maximal plakativ „Lebensschützer“.

Mit der Realität hat das allerdings wenig zu tun.

Das beginnt schon damit, daß ausschließlich Homo Sapiens gemeint sind. Alle anderen Leben sind gerade den konservativen Fleischessern vollkommen egal. Selbst wenn es nicht um die eigene Ernährung geht, wird getötet – 45 Millionen männliche Küken werden nach der Geburt „geschreddert“, bloß weil es etwas teurer wäre, sie leben zu lassen.

Philosophisch betrachtet ist Lebensschutz ohnehin zum Scheitern verurteilt, weil mit jeder Geburt der Tod schon sicher ist. Jedes Wesen stirbt und in der Natur dient der Tod stets als Grundlage für anderes Leben. Es ist ein ewiger Kreislauf, der mit christlichen Vorstellungen rein gar nichts zu tun hat.

Sich auf einige wenige, ganz bestimmte Leben, die uns ähnlich sind und in der Nähe leben, zu konzentrieren ist so absurd, wie der Sternendeuter, der mit seinem Feldstecher auf einen Schemel steigt, um dem Himmel näher zu sein. (….)

(Selbstmord, 04.07.2023)

Der perfide und anmaßenden Sadismus der deutschen Christioten, die allen Menschen ihre Leidensideologie aufzwingen und selbstbestimmtes Sterben verbieten, ist insofern besonders bedauerlich, weil es eine Minderheitenposition ist, die sich durchsetzt. Die Lobby der Kinderfi**er ist hierzulande besonders eng mit dem Staat verknüpft. In anderen europäischen Ländern, die nicht weniger christlich sind, gibt es kaum kirchlichen Einfluss auf die Gesetzgebung. In den Beneluxländern lebt man wesentlich sorgenfreier. Die Katholiken Dries van Agt und seine Frau, Eugenie van Agt-Krekelberg, fanden vor ein paar Tagen das ideale Ende. In den Niederlanden ist aktive Sterbehilfe seit 2002 legal. Nur folgerichtig, daß ein ehemaliger Justizminister und Regierungschef auch davon profitiert.

[…..] Der frühere niederländische Premier Dries van Agt ist Hand in Hand mit seiner Frau durch aktive Sterbehilfe gestorben. Beide wurden 93 Jahre alt, das berichtet der britische „Guardian“.  Beide seien bereits am Montag an ihrem Wohnort Nimwegen gestorben, berichteten niederländische Medien. Das von van Agt gegründete Institut The Rights Forum hatte den Tod des Ex-Politikers im Namen der Familie gemeldet.

Dem „Guardian“ zufolge kommt es in den Niederlanden immer häufiger zur gemeinsamen Inanspruchnahme der aktiven Sterbehilfe durch Eheleute und Partner. Im Jahr 2022 wurde demnach 58 Personen der Wunsch nach gemeinsamer Sterbehilfe zusammen mit ihren Partnern gewährt. […..] Dries van Agt und seine Frau, Eugenie van Agt-Krekelberg, waren mehr als 70 Jahre lang ein Paar. Van Agt war nach einem Schlaganfall 2019 gesundheitlich schwach. Beide wurden den Angaben zufolge im engsten Familienkreis beigesetzt. Der frühere Christdemokrat war von 1977 bis 1982 Ministerpräsident der Niederlande. Und davor auch jahrelang Justizminister. [….]

(KSTA, 11.02.2024)

Montag, 12. Februar 2024

Rechtsradikale Vernetzungen

Die Zeiten, als professionelle und seriöse Gatekeeper die auf den Bürger einprasselnden Informationen filterten, sind leider vorbei.

Üblicherweise wird „ungefiltert“ recht positiv konnotiert; man möchte doch am liebsten an alle Informationen/Produkte/Meinungen kommen und selbst entscheiden, wie sie zu beurteilen sind. Aber das ist Theorie. In der Praxis ist es unmöglich, die Milliarden Meldungen, die minütlich im Internet aufpoppen, zu registrieren, oder gar factzuchecken.

Social-Media-Algorithmen sorgen dafür, daß uns die Dinge erreichen, die uns interessieren, mit denen wir uns wohlfühlen, oder aber, die sehr starke Emotionen/Reaktionen auslösen. Missbrauch wird Tür und Tor geöffnet. Wenn die Algorithmen mich kennen, werden sie mir auch gezielt KI-generierte Fake-News, Kreml-Propaganda oder Shitstorm-Bots auf den Hals hetzen. Mit dieser Methode wird mein Kaufverhalten beeinflusst und das wiederrum generiert den Cash-Flow bei Brin, Zuckerberg, Musk und Bezos. Mir nur das Geld aus der Tasche zu ziehen, ist vergleichsweise harmlos. Aber das vor genau zehn Jahren, von der britischen SCL Group gegründete Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica, zeigte mit dem Wahlsieg Trumps 2016 und dem Brexit, welche gewaltigen politischen Schäden angerichtet werden können. Putins Trollfabriken können heute Wahlentscheidungen und die Politik ganzer Kontinente beeinflussen.

Wenn man sich ein neues Klugtelefon und oder einen PC kauft und mit diesem frisch ins Internet geht, ohne einen Account oder mit einem eben angelegten Account Youtube oder Instagram aufruft, bekommt man einen Eindruck, wie wirr ungefilterte Informationsangebote aussehen. Dabei weiß Mark Zuckerberg schon in der Sekunde, in der ich den Computer anstelle einiges. Er kann beispielweise aus Ort und Uhrzeit meine mutmaßlichen Interessen ablesen und wird mir keine Artikel auf Suaheli oder Hindu-Gebetsvorschriften vorschlagen. Mit jedem Klick lernt der Algorithmus dazu. Für mich als Laien ist es immer noch erstaunlich zu sehen, wie umfassend ich ausgeforscht werde. Wenn ich auf Word einen Brief schreibe, diesen über ein Open Source-Programm als Email an einen Freund in Idaho schicke und anschließend Instagram aufrufe, erscheinen dort lauter gesponsorte Reels von Herrenschuh-Designern, weil ich in der Email erwähnt hatte, daß ich mir kürzlich neue Schuhe gekauft habe.

Natürlich versuche ich mich so weit wie möglich zu tarnen, indem ich mit meinen Daten geize, niemals private Informationen ins Internet stelle. Aber wer irgendeine Social Media Plattform nutzt, kann sich der Ausforschung nicht entziehen. Immerhin sind die Algorithmen nicht unfehlbar, können beispielsweise keine Ironie erkennen. So werde ich immer wieder mit AfD- und Kirchen-affinen Inhalten überflutet, weil Zuckerberg zwar erkennt, daß ich mich damit beschäftige, aber nicht genau weiß, ob mich die frommen Nazis begeistern oder abstoßen.

Als mir vor Jahren das erste mal bewußt wurde, wie sehr man in diesen Internet-Blasen lebt, in denen fast alle Mitglieder ähnlich wie man selbst denken, versuchte ich, diese gezielt zu durchstoßen, indem ich in konservativere Gruppen ging, News-Quellen abonnierte, die nicht meiner linksgrünversifften Haltung entsprachen.

Die Internet-Bubbles spalten die Gesellschaft und sind die ganz große Sammelstelle für Fake-News und Aufhetzung gegen andere, da die stark polarisierenden und empörenden Beiträge viel mehr Aufmerksamkeit als sachliche und abgewogene Analysen bekommen. Deswegen ist die AfD so eine gewaltige Macht auf TikTok. Die Chinesen spülen die rechtsradikale Hetze nach ganz oben in die Teenager-Feeds. Die seriöse, aber unspektakuläre Tagesschau/SPD/SZ, hat gegen die Krawall-AfD keine Chance.

[…..] Der Algorithmus von Tiktok begünstigt nicht nur Radikalisierung, sondern er beschleunigt sie auch. Extremisten betreiben höchst professionelle Radikalisierungskampagnen, in die sie viele Ressourcen stecken. Im Beliebtheitsvergleich politischer Parteien auf Tiktok hält die AfD inzwischen einen Marktanteil von 72 Prozent. Diese Vormachtstellung ist umso perfider, als Mandatsträger von SPD und AfD nahezu gleich viele Accounts auf dem Netzwerk betreiben: Jeweils 30 Prozent aller Tiktok-Konten von Parteien und ihren Vertretern entfallen auf sie. Doch die Marktanteile bei Beliebtheit und Virulenz sind massiv ungleich verteilt. Wo bleiben Analyse und Handlungen gegen solche algorithmischen Gefahren für die wehrhafte Demokratie?

Zwei Schlüsselfaktoren begünstigen sie: die mangelnde Sicherheitsinfrastruktur auf Social Media und die neue algorithmische Beschleunigung von Radikalisierung. Die Kontrolle digitaler Netzwerke bei der Verbreitung extremistischer Inhalte ist schlicht unzureichend, und die neue Geschwindigkeit dort lässt jedwede politische Reaktion immer als verspätet erscheinen. Wer Solidarität bräuchte, erfährt sie oft erst, wenn es bereits zu spät ist. Im Internet, dem Ad-hoc-Reaktionsraum unserer Zeit, treffen tagespolitisch Interessierte auf Extremisten, deren professionelle Ansprache sie durch leistungsfähige Algorithmen unter Bedingungen massiver Beschleunigung erreicht - ein toxisches Gemisch.  [….]

(Dr. Özgür Özvatan, 09.02.2024)

Für TikTok bin ich viel zu alt; der GenZ kann ich nicht mehr helfen. Musk und Bezos boykottiere ich grundsätzlich. Um Zuckerberg und Alphabet komme ich nicht ganz herum, versuchte aber, bis zur Pandemie möglichst niemanden zu blockieren. Ich wollte Fehlinformationen nicht einfach wegklicken, sondern ihnen widersprechen, Quellen nennen, um denjenigen, der sie gepostet hatte, nicht aufzugeben und die Blasenbildung zu verlangsamen. Immer mit der Absicht, den proklamierten „unentschlossenen stillen Mitleser“ wissen zu lassen, daß er hier nicht etwa auf einen konsensualen Befund, sondern einen Falschen; zumindest aber Umstrittenen stößt.

Mit dem Siegeszug der Covidioten, wurden die Fanatiker aber übermächtig. Was zuvor als Aluhüte oder Pegidioten oder Impfgegner oder Reichsbürger oder AfD eher unkoordiniert und zufällig aufpoppte, wurde nun zu einem einzigen braunen Amalgam, das derartig weit der Realität entrückt operierte, daß sachliche Unterhaltungen unmöglich wurden. Später entstehende rechtsfanatische Strömungen, wie Veganer-Hasser, Ukraine-Verachter oder Grünen-Schuldzuschieber, wurden schnell mit dem bestehenden Fanatiker-Strom amalgamiert und von Trollfabriken kontinuierlich verstärkt. Das bleibt nicht ohne Wirkung in der Realwelt: AfD-Rekordwahlergebnisse einerseits und verstärkter Personenschutz für Grüne und Rote Mandatsträger. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht neue zutiefst hasserfüllte Anti-Ricarda-Lang-Memes melde. Aber dagegen ist kein Kraut gewachsen, da sich diese Hetze auf unterstem Niveau, offenkundig zu großer Beliebtheit erfreut.

Jede Karikatur, die sie erneut als viel zu fett zum Auslachen preisgibt, wird mit Lach-Smileys nach oben gehypt.

Inzwischen habe ich es aufgegeben, die Verfasser auf die Verletzung der Menschenwürde hinzuweisen. Ich habe vor der Übermacht kapituliert und wähle stattdessen den ungeliebten Weg in die Blase: Entfreunden, Blockieren.

Ich bin zu alt und zu schwach, um mich diesem gewaltigen braunen Vernichtungsstrom entgegen zu stellen.

Stattdessen konzentriere ich mich auf die Informationshygiene innerhalb meiner Blase; weise meine Onlinefreunde auf die Verwendung unseriöser Portale hin.

Außerdem bleibe ich meinen alten Feinden treu.

Den alten bösen, rechtsextremen, völkischen, homophoben, religiotischen, antisemitischen, misogynen, xenophoben miesen Männern.

Männern wie dem einst zweitmächtigsten Katholiken der Welt: Gerhard Ludwig Kardinal Müller (*1947), 2002 bis 2012 Bischof von Regensburg und von 2012 bis 2017 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre. Der Ratzinger-Sepp, sein großer Förderer, starb übrigens an Müllers 75. Geburtstag, dem Tag, an dem Bischöfe üblicherweise um Entpflichtung bitten. Kardinäle sollten bis 80 durchhalten, aber Müller und Bergoglio hassen sich gegenseitig wie die Pest, so daß der Rangniedrigere schmachvoll schon mit 69 Jahren aus der Kurie gegangen wurde.

Als wahrer Christ kennt Müller natürlich kein Verzeihen und keine Nächstenliebe. Stattdessen versucht er manisch, seinen Papst zu piesacken, indem er seine menschenverachtende Anhängerschaft mit rechtsextremen Verschwörungstheorien aufhetzt.

[…..] Kardinal Gerhard Müller hat erklärt, dass „selbsternannte“ Globalisten die Massenmigration nutzen, um die nationale Identität der Völker zu vernichten.

In einem Exklusivinterview mit LifeSiteNews sprach der bekannte Kirchenmann über die Ideologien, die hinter dem Globalismus stehen, und deren fatale Folgen.

„Bei der Masseneinwanderung geht es nicht darum, Menschen zu helfen, sondern darum, die nationale Identität zu zerstören“, erläutert Müller.

„Sie wollen, dass jeder völlig isoliert ist und nicht durch Sprache, Kultur, Familienbande oder ein Heimatland, in dem man sich zu Hause fühlt, verbunden ist“, sagt der Kardinal weiter: „Sie wollen, dass alle atomisiert werden, ohne kulturelle und religiöse Wurzeln und Identität.“

Der deutsche Kardinal sagte, dass viele Globalisten glauben, es  gäbe „zu viele“ Menschen auf der Erde gibt, was „Klimaschäden“ verursache. Um diese angebliche „Überbevölkerung“ zu bekämpfen, setzen diese Machteliten Abtreibung und Euthanasie als Teil eines „Ausrottungsprogramms“ ein, kritisierte der Kurienkardinal gegenüber LifeSiteNews und fügte hinzu: „Und gleichzeitig wird jeder, der dies kritisiert, von denjenigen als Nazi bezeichnet, die selbst die mörderische Nazi-Ideologie von ‚Macht schafft Recht‘ vertreten.“

Müller erklärte, dass der „Nazi“-Vorwurf häufig als „Machtinstrument“ zur Unterdrückung abweichender Meinungen eingesetzt werde.  [….]

(Zitiert von Felizitas Küble, 10.02.2024)

Natürlich begeistern solche Aussagen den dunkelkatholischen Trump- und Putin-Fan David Berger, der jubilierend Müller weiter verbreitet.

Nun stellt sich die Frage nach der PP-Reichweite. Er gibt sie in diesem Fall mit 2.700 Views an. Dafür gibt es aber keine seriöse Bestätigung und es wäre im Vergleich zu den Klickzahlen der großen Medienhäuser nur eine homöopathische Leserschaft.

Es handelt sich aber eine um eine Wiederverwertung der Wiederverwertung der Wiederverwertung. Berger übernahm die Meldung von Küble, die sie wiederrum im rechtsradikalen Verschwörungsportal „Christliches Forum“ postete, das sich wiederum bei der Hetzplattform LIFESITENEWS bediente.

(….) Wie Gloria bei „AUF1“, verwendet der verzweifelte Müller nun auch einen ultra-kruden Verteiler, nämlich die ultrarechte kanadische katholische, konservative Anti-Abtreibungs-Website LifeSiteNews, die so viele Fehl-Informationen und Verschwörungstheorien zu COVID-19 verbreitete, daß sie von den meisten Social-Media-Seiten verbannt wurde. Genau das Richtige also für den braunen Hass-Kardinal, der damit den bedauerlicherweise wieder aktiven antisemitischen Hetzer David Berger verzückt. (….)

(Regensburger Verfall, 07.12.2023)

Mögen bei PP tatsächlich mit dem Müller-Erguss nur ein paar tausend Klicks generiert werden, so sind die rechtsradikalen Hass-Portale alle miteinander vernetzt, zitieren sich gegenseitig, schieben sich Leser und Spender zu.

   Man beachte beispielshaft die Linkliste des „Christlichen Forums“ und die Liste seiner 250 „Gastautoren“.

[….] Dr. Heinz-Lothar Barth (Altphilologe, theologischer Schriftsteller)

Dr. David Berger (Philosoph, Theologe, Buchautor, Blogger: „Philosophia Perennis“)

Dr. Josef Bordat (Philosoph, Schriftsteller, Blogger: „JoBos-Blog“)

Reinhard Dörner (Publizist, Vorsitzender des Kardinal-von-Galen-Kreises und des Zusammenschlusses petrustreuer Vereinigungen)

Dr. Peter Düren (Theologe, Leiter des Dominus-Verlags, Buchautor)

Dr. Friedrich Engelmann (österr. Herausgeber der Monatszeitschrift „Der 13.“)

Prof. Dr. Hubert Gindert (Vorsitzender des Dachverbands „Forum Deutscher Katholiken“, Chefredakteur der Monatszeitschrift „Der FELS“)

Prof. Dr. Manfred Hauke (Theologe, Mariologe, Herausgeber der Zeitschrift „Theologisches“)

Peter Helmes (Journalist und ehem. Bundesgeschäftsführer der Jungen Union, Blogger)

Dr. Vitus Huonder (em. Bischof von Chur = Bistum in der Schweiz)

Dr. Wilhelm Imkamp (Prälat, Theologe, Publizist, ehem. Leiter des Wallfahrtsorts Maria Vesperbild)

Dr. Andreas Laun (em. Weihbischof im Bistum Salzburg, Buchautor)

Dr. Martin Lugmayr (Priester der Petrusbruderschaft, Publizist)

Christa Meves (Psychotherapeutin für Kinder/Jugendliche, Bestsellerautorin, Konvertitin)

Bernhard Müller (Chefredakteur des PUR-Magazin, Verlagsleiter des Fe-Medienverlags, Verleger/Herausgeber des Vatican-Magazin, Mitbegründer der Fatima-Aktion)

Prof. Dr. Wolfgang Ockenfels (Dominikanerpater, Sozialethiker, Chefredakteur von Neue Ordnung)

Dr. Michael Schneider-Flagmeyer (Autor und Blogger: Forum Deutscher Katholiken)

Monika Rheinschmitt (Vorsitzende v. PMT = Pro Missa Tridentina und Zeitschrift Dominus vobiscum)

Ursula Zöller (Verlagsleiterin, Journalistin, Mitbegründerin der „Neuen kath. Frauenbewegung“)

Dr. Joachim Cochlovius (Pastor, Publizist, Leiter des Gemeindehilfsbundes)

Margret von Falck (Theologin, Religionslehrerin, Autorin)

Peter Hahne (ehem. ZDF-Moderator, evang. Theologe, Bestsellerautor)

Eberhard Kleina (Berufsschul-Pfarrer i.R., Publizist)

Horst Koch (Blogger zu theol. Themen inkl. kritischer Analysen zu Esoterik/Charismatik)

Prof. Dr. Thomas Schirrmacher (Theologe, Chef der Weltweiten Evangelischen Allianz WEA, Vorsitzender des Internationalen Rats der IGFM, Verlagsleiter)

Thomas Schneider (Blogger, aktiver Lebensrechtler, Buchherausgeber)

Andreas Späth (Religionspädagoge, Publizist, Chefredakteur der evangelikalen Zeitschrift „Diakrisis“, Leiter der KSBB = Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern)

Hartmut Steeb (Generalsekretär der Dt. Evangelischen Allianz i.R., Vorsitzender des TCLG = Treffen christlicher Lebensrechtsgruppen, Mitgründer des BVL = Bundesverband Lebensrecht, Publizist)

Hans-Joachim Vieweger (Pressesprecher des ABC = Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern)

Prof. Dr. Michael Wolffsohn (Historiker, Bestsellerautor)

Hedwig von Beverfoerde (Leiterin der Familienrechtsbewegung „DemofürAlle“, Publizistin)

Odila Carbanje (Geschäftsführerin der CDL sowie CDL-Vorsitzende in NRW)

Prof. Dr. Paul Cullen (Chef der Ärzte für das Leben, Publizist)

Matthias von Gersdorff (Vertreter von SOS-Leben, Buchautor)

Cornelia Kaminski (Bundesvorsitzende der ALfA = Aktion Lebensrecht für Alle)

Gabriele Kuby (Soziologin, Buchautorin)

Birgit Kelle (Vorsitzende von „Frau 2000plus“, Bloggerin, Anti-Gender-Publizistin, FOCUS-Autorin)

Alexandra M. Linder (Bundesvorsitzende des BVL = Bundesverband Lebensrecht)

Martin Lohmann (Journalist, Buchautor, ehem. Bundesvorsitzender des BVL)

Mechthild Löhr (Ehrenvorsitzende der CDL = Christdemokraten für das Leben)

Cordula Mohr (Leitung der ALfA Münsterland, Vize-Chefin der CDL in NRW)

Dennis Riehle (psychologischer Berater, Blogger, Lebensrechtler)

Thomas Müller (Leiter des AKM = Arbeitskreis Menschenrechte, Blogger)

Erika Steinbach (ehem. menschenrechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU.Bundestagsfraktion, jahrzehntelange CDU-Parlamentarierin und Ex-Präsidentin des BdV = Bund der Vertriebenen)  [….]

(CF)

Ich zeige hier nur eine kleine Auswahl. Man kann sich vorstellen, wie die PP/CF-Inhalte exponentiell verbreitet werden, wenn all diese Leute die Müller-Hetze auf ihren eigenen Blogs/Portalen/Social-Media-Accounts weitertratschen.

Sonntag, 11. Februar 2024

Welt am Abgrund

Wenn extrem verblödete rechtsextreme Hetzer, die professionell Verschwörungstheorien verbreiten – wie zum Beispiel Tucker Carlson – zu dem schlimmsten Kriegsverbrecher des Planeten pilgern – Wladimir Putin, um ihm zwei Stunden lang den Hintern zu küssen, entsteht dabei eine derartige Lügen-Konzentration, daß möglicherweise die kritische Masse überschritten wird und Moskau in einer gewaltigen Materie-Antimaterie-Implosion verpufft.

[…..] Nach dem zweistündigen Interview mit Wladimir Putin haben sich mehrere Faktenchecker-Seiten in aller Welt daran gemacht, die Behauptungen des russischen Präsidenten auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Das Ergebnis soll in einem 20-teiligen Sammelband auf rund 18.000 Seiten erscheinen. Derzeit arbeiten 400 Faktenchecker rund um die Uhr an der Publikation.

"Üblicherweise machen wir in solchen Situationen ein paar kurze Videos oder einen schnellen Artikel, um etwaige Halbwahrheiten oder Lügen geradezurücken", erklärte ein Sprecher des internationalen Verbands der Faktenchecker (IVF). "Aber in diesem Fall reicht das nicht einmal annähernd. So viele Lügen auf einem Haufen haben wir noch nie gesehen."

Tatsächlich soll der Faktencheck insgesamt einen Umfang von 20 dicken Bänden haben, in denen pro Band die Lügen von etwa sechs Minuten des Gesprächs mithilfe von Quellen widerlegt werden. Allein die ersten sieben Bände werden Putins historische Ausführungen zum Gegenstand haben. [….]

(DPO, 09.02.2024)

Die Ungeheuerlichkeit der Putin/Carlsonschen Lügenshow zeigt sich schon an der Berger-Indikator-Reaktion. Der rechtsextreme Hetzer und Verschwörungstheoretiker kann sich, wie alle deutschen und US-amerikanischen Nazis, kaum halten vor Putin-Begeisterung.

[……] Carlson war der erste westliche Journalist, der überhaupt seit Ausbruch der heißen Phase des Ukraine-Konflikts den Mut hatte, Putin zum Interview zu bitten. Souverän, mit einer professionellen Fairness dem Gesprächspartner gebenüber, hat Carlson das über zwei Stunden andauernde Gespräch mit einem ebenfalls überlegt, äußerst klug und versöhnlich erscheinenden Putin geführt. […..]

(David Berger, 09.02.2024)

Besser kann man sich nicht als „useful idiot“ des Kremls beweisen, als ausgerechnet Diktator Putin, dessen Kritiker alle rein zufällig bei mysteriösen Unfällen sterben, mit äußerst klug und versöhnlich zu charakterisieren.

Einen Tag später legte der PP-Nazi nach, schob die Schuld am Ukrainekrieg Biden und Scholz in die Schuhe und überschüttete sein Moskauer Idol erneut mit Lob.

Dieser Propagandaerfolg des über alle Maßen perfiden und brutalen Kriegsherrn wäre schlimm genug, wenn er sich auf rechtsextreme Hassfanatiker wie Carlson und Berger, sowie die Putin-affinen Parteien AfD und BSW beschränkte.

Extrem gefährlich wird es aber erst dadurch, daß es Putin gelang, auch 75 Millionen US-amerikanische Wähler, die gesamte Republikanische Partei und Donald Trump in seinen Bann zu ziehen. Die langjährige Regierungspartei der USA stellt sich ebenfalls ungeniert in den Dienst des Kremls.

[…..] Wie Donald Trump Kremlchef Putin in die Hände spielt

Ein schärferes Grenzregime gegen Hilfen für Kiew: So sah es ein Deal zwischen Demokraten und Republikanern im Senat vor. Doch Donald Trump torpediert den Plan – mit fatalen Folgen für die Ukraine. […..]

(René Pfister,  Alexander Sarovic, 09.02.2024) 

Die Trumpsche Hilfe für den schwulenhassenden Massenmörder begeistert selbstverständlich auch wieder David Berger.

Wie eine Marionette an Putins Strippen, spricht der womöglich schon in weniger als einem Jahr wieder mächtigste Mann der Welt, die Regieanweisungen aus Moskau nach.

[…..] Trump würde säumige Nato-Mitglieder nicht vor Russland schützen

Wer seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, wird nicht verteidigt: Das sagte Donald Trump in einer Wahlkampfrede – und riet Moskau, dann zu tun, »was zur Hölle sie tun wollen«. Kommentar des Weißen Hauses: »unhinged« – total verrückt. [….]

(SPON, 11.02.2024)

Damit hätte sich die NATO endgültig erledigt, wenn das mit Abstand mächtigste Mitglied des Militärbündnissen, während eines großen Krieges in Europa, zum Gegner überläuft. Putin wird sein Glück kaum fassen können. Oder, noch schlimmer, vermutlich kommt das alles wenig überraschend für den Kreml-Strippenzieher, der ganz genau weiß, wie die sagenhafte Verblödung der US-amerikanischen Wählerschaft und insbesondere die Borniertheit Trumps, zur Manipulation taugen. Für die EU wird es verdammt ungemütlich. Insbesondere, weil sie eben nicht zusammensteht, sondern aufgrund der intranationalen Fliehkräfte (durch Purin-affine Rechts-Parteien) gelähmt wird.

[….] Polen kritisiert Trump-Äußerung zu Nato-Beistandspflicht

Als Donald Trump US-Präsident war, hat Polen versucht, ihn mit der Aussicht auf eine ständige Militärbasis namens »Fort Trump« zu umschmeicheln. Die Zeiten sind wohl vorbei. In Warschau herrscht nun Entsetzen über ihn. [….]

(SPON, 11.02.2024)

Sich auf die Loyalität und Rechtstreue Trumps zu verlassen, ist ähnlich erfolgsversprechend, wie der Versuch, von einem Schimpansen mit einer Schreibmaschine, einen Literaturnobelpreis zu erwarten.

Das „Putin, mach mit Europa, was du willst“ vom möglichen US-Präsidenten No 47, kommt natürlich auch deswegen zur Unzeit, weil die Bundeswehr nach 16 Jahren Verwaltung durch CDUCSU-Verteidigungsminister, nur noch ein lächerlicher Schrotthaufen ohne Munition ist. Davor hat Putin nichts zu befürchten.

Putin hat uns “outsmarted”.

[….]Wladimir Putins Saat geht auf  [….] Für Leute, die Tucker Carlson schon seit längerer Zeit beobachten, kam sein liebedienerischer Besuch bei Russlands autokratischem Herrscher Wladimir Putin nicht sehr überraschend. Carlson hat lange vor dem russischen Marsch auf Kiew begonnen, für Putin zu schwärmen, ihn zu verteidigen und in Schutz zu nehmen. Jetzt gab sich der ehemalige Fox-News-Moderator und heutige freischaffende Propagandist für einen russischen Propagandacoup mitten im Wahlkampf her, in dem Putin lobend über seine »persönliche Beziehung« zu Donald Trump sprach. Ein dröger 2-stündiger Wahlwerbespot  für den russischen Diktator und den Möchtegern-Diktator Trump. [….]  Die amerikanische Rechte hält Putin für einen Verbündeten, einen, der ihre Werte teilt. Auch wenn das vorübergehend nicht mehr so laut gesagt wurde. Rechte Meinungs-Influencer wie Jordan B. Peterson  wiederholen standhaft russische Propagandabehauptungen wie die, dass Russland sich ja nur vor der Nato habe schützen wollen.

[….] Trump selbst nannte Putin  noch Tage vor dem Einmarsch in der Ukraine »genial«.

Die Begeisterung für Russlands Autokraten hat unter dem russischen Angriffskrieg mit vielen Zehntausend Toten kaum gelitten. [….] Wladimir Putin hat nicht nur die radikale Rechte in den USA, sondern weltweit seit vielen Jahren mit viel Aufwand – und, wie wir heute wissen, auch mit viel Geld – umgarnt. Viele Jahre lang hatten Russlands Rechtsextremismus-Propagandisten beispielsweise an einer Allianz namens »World National-Conservative Movement« (WNCM), also »Weltweite Nationalkonservative Bewegung« gearbeitet. Der Vereinigung gehörte auch die deutsche NPD an . Bis heute pflegt Russland enge Bande  zu internationalen Rechtsextremen, bis hin zu Terroristen.

Putins Leute pflegten aber auch Kontakte zu Marine LePens französischer Rechtspartei [….] Auch die österreichische FPÖ, namentlich die Protagonisten der »Ibiza-Affäre«, pflegten intensive Kontakte zu Russland. [….] Auch die deutsche AfD tut, was Putin möchte . [….] Das Netzwerk zur verdeckten Propaganda aber ist viel, viel größer. Die eben aufgedeckte Trollarmee aus 50.000 X-Accounts , die auf Deutsch prorussische Propaganda und gefälschte Nachrichtentexte verbreiteten, ist nur ein winziger Ausschnitt. Die dokumentierten Beispiele sind zu zahlreich, um sie hier einzeln auszuführen, hier ein paar Beispiele:

    ein Troll-Netzwerk , das Politiker und Publikum in Großbritannien, Südafrika und Indien zum Ziel hat, aufgedeckt von britischen Fachleuten,

    Geldzahlungen, regelrechte Gehälter aus Russland an Prominente und Politiker in Bulgarien , mit dem Auftrag, Propaganda zu verbreiten,

    bezahlte Propaganda-Influencer auf TikTok ,

    6,8 Millionen Dollar für einen US-Nachrichtensprecher  und Verschwörungstheoretiker,

    massenhafte Hack- und Desinformationskampagnen, organisiert auch von einem Komplex aus Zulieferfirmen, Stichwort »Vulkan Files«,

    die berüchtigte St. Petersburger Trollfabrik , über die mittlerweile eine  Menge  bekannt  ist, bis hin zu Gehältern und Schichtsystem. Sie hat zweifelsfrei in den US-Wahlkampf 2016 eingegriffen  und in Deutschland für die AfD geworben .

Die Petersburger Trollfabrik begann übrigens auch spätestens 2016, das Propagandanarrativ zu verbreiten, das Wladimir Putin jetzt in seinem Gespräch mit Carlson ein weiteres Mal aufgriff: die Behauptung, die Ukraine sei in Wahrheit ein von Nazis dominiertes Land. Damals verbreiteten Putins Trolle ein Video, in dem das rechtsradikale ukrainische Azov-Bataillon angeblich Terroranschläge in den Niederlanden ankündigt . Russland pflegt in Wahrheit echte Beziehungen zu Neonazis, will die Ukraine aber angeblich »entnazifizieren«.[….] Wie nützlich diese strategische Einflussnahme sein kann, zeigt sich gerade an den Vorgängen im US-Kongress: Für das Ziel, der Ukraine weitere Militärhilfen zu verweigern, kann man schon einmal viel Geld und viele Arbeitsstunden von Trollen und Agenten investieren. Putins Saat scheint aufzugehen. [….]

(Prof. Christian Stöcker, 11.02.2024)

Samstag, 10. Februar 2024

Heterosport

Daß mit Thomas Hitzlsperger etwas nicht stimmen kann, wußte ich schon Jahre vor seinem 2014er Outing, weil ich, der größte Fußball-Hasser, seinen Namen kannte.

Der Fußballer hatte mehrfach der ZEIT Interviews gegeben, zu einem radikal unfußballerischen Thema: Literatur! Er schreibt sogar Essays für die ZEIT.

Die meisten Fußballer sprechen nur mit BILD und Kicker, dürften gar nicht wissen, daß es sowas wie ZEIT und SPIEGEL gibt.

[….] ZEIT ONLINE: Welche Bedeutung hat Lesen in Ihrem Leben?

Hitzlsperger: Lesen ist für mich Abwechslung und Ablenkung. Es entspannt mich und bildet.

ZEIT ONLINE: Es gibt Leute, die lesen nur im Urlaub, täglich im Bett oder nur in der U-Bahn. Einige fangen sieben Bücher an und lesen keines zu Ende. Welcher Lese-Typ sind Sie?

Hitzlsperger: Das ist unterschiedlich, ich lese oft aber nicht jeden Tag, manchmal auch eine Woche gar nicht. Die Bücher, die ich nicht zu Ende gelesen habe, kann ich an einer Hand abzählen. Bevor ich aufhöre, muss es schon verdammt schlimm sein. Mein Lieblingsleseort ist meistens ein schönes Café oder zu Hause auf dem Sofa. Aber mein Buch ist meistens dabei, ich lese auch in der U-Bahn.

ZEIT ONLINE: Welches Buch hat Ihr Leben verändert?

Hitzlsperger: Hmm, kein Buch hat bisher mein Leben verändert. Es gab ein paar, die mir gut gefallen haben und über die ich dann mit Freunden gesprochen habe. Es gibt Bücher, die man schnell wieder vergisst und welche, über die man lange nachdenkt.  [….]

(Die Zeit, 08.09.2013)

Der Mann las! Bücher! Unglaublich. Einer aus der Nationalmannschaft. Den Typen, die sonst mit Rolex, Ferrari und maximal Silikon-betitteten Blondinen ihren geistigen Horizont voll ausfüllen. Die politisch weit rechts stehen, sich mit den CSU- und CDU-Funktionären verbünden, für erzkonservative Typen als Wahlmänner in die Bundesversammlung gehen – wenn sie tatsächlich über Luxusuhren, Luxusautos und Luxus-Bräute hinausgehende Interessen haben sollten.

Da platzt Hitzelsperger rein und spricht über Bücher. Die er liest. Das ist so, als ob der Papst über sein Sexualleben plaudert.

Sicher, ich hatte 2012 auch das sehr lustige und informative Buch „Unser Mann in London“ von Moritz Volz gelesen. Ein belesener Fußballer, der sogar Buchkritiken schreibt und selbst ein Buch veröffentlicht. Aber Volz war schon als 15-Jähriger nach England geschickt worden und spielte später in der zweiten Bundesliga für St. Pauli; der ersten Mannschaft, die von 2002-2010 mit dem Grimmepreisträger, Grünen-Politiker und Theatermacher Corny Littmann eine Schwulen-Ikone als Vereinspräsidenten hatte. Der FC St. Pauli bindet als einziger Top-Verein linksalternative Multikulti-Fans. Die sind tolerant und akzeptieren sogar einen Spieler, der lesen kann.

Hitzelsperger agierte aber als deutscher Meister und Nationalmannschaftsspieler auf einem ganz anderen Prominenz-Niveau mit diesem bizarren Thema Bücher UND engagiert sich auch noch gegen den Rechtsextremismus. Da verkrampfen sich Uli Hoeneß die Eingeweide.

[….] ZEIT ONLINE: Die Fans von Lazio gelten nicht als Intellektuelle. Mit welchem Empfang rechnen Sie? Applaus für den blonden Deutschen oder Misstrauen gegen den Nazikritiker?

Hitzlsperger: Ich habe natürlich davon Kenntnis, was man über die Lazio-Fans sagt. Aber ich will unvoreingenommen die Sache angehen. Mein Prinzip ist es, erst nach gemachter Erfahrung zu urteilen.

ZEIT ONLINE: Es ist ein paar Jahre her, da haben Lazio-Fans eine Hakenkreuzfahne geschwenkt. Wie würden Sie reagieren?

Hitzlsperger: Meine Meinung, was Rechtsradikalismus betrifft, wird sich jedenfalls nicht ändern. Dass ich mich gegen Nazis engagiere, ist übrigens hier schon ein Thema für die Presse. Andererseits ist Italien ein Fußballland. Vor allem in Rom ist Fußball sehr wichtig. Entweder Roma oder Lazio, was anderes scheint es nicht zu geben.  [….]

(Die Zeit, 05.02.2010)

Wenn sich einer soweit von der Kultur seiner Mannschaftskollegen entfernt, ist es nur ein kleines Schrittchen heraus aus der Heteronormativität.

[….] Der erste offen homosexuelle deutsche Fußballstar? Nein! Das sollte es nicht sein, was vom ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger nun im Gedächtnis bleibt.  Fast auf den Tag genau fünf Jahre ist es her. Thomas Hitzlsperger spielte als Kapitän für den VfB Stuttgart, wir saßen das erste Mal zusammen, nach dem Training, in einem Restaurant bei ihm um die Ecke. Er war zu jener Zeit bereits langjähriger Nationalspieler, Held der Bundesliga und Premier League, Deutscher Meister, Fußballer des Monats, zweiter bei der EM 2008 und dritter bei der WM 2006 im deutschen Sommermärchen, wirkte aber im ersten Moment erstaunlich zurückhaltend.

Danach gab er als Kolumnist regelmäßig Interviews für ZEIT ONLINE. Ich schrieb ein Porträt. Später, als er zu Lazio Rom, West Ham United und dem VfL Wolfsburg wechselte und wegen vieler Verletzungen keine Titel mehr feierte, glich seine Karriere mehr und mehr jener eines Pechvogels. Und nun, wenige Monate nach seinem Karriereende, soll dieser Text wieder ein Porträt werden, jetzt über den schwulen Hitzlsperger. Weil nun alle wissen wollen, wer er ist, der erste deutsche Fußballstar, der über seine Homosexualität redet.

Nun, er ist immer noch derselbe. Thomas Hitzlsperger eben. Mit der Veröffentlichung seiner Sexualität hat das wenig zu tun.  Sein Interview über seine Homosexualität ist nur insofern charakteristisch für ihn, als dass er schon oft andere Wege ging als seine Kollegen. Sein Berufsleben begann mit einer ähnlich mutigen Entscheidung.  [….]

(Steffen Dobbers, 08.01.2014)

Zehn Jahre später fällt schon auf, daß Sportler, die sich wie der Turmspring-Olympiasieger Tom Daley oder der Handballer Lucas Krzikalla outen, eher einen Candy-, als einen Shitstorm erleben.

Also was ist ausgerechnet mit dem Fußball, der populärsten Sportart in Deutschland los, daß es dort keine Outings gibt?

Offenbar sind es weniger „die Medien“, oder „die Fans“, sondern tatsächlich die beschissenen Fußballprofis selbst, die ihren Kollegen das Leben schwer machen.

[….] SZ: Hat sich in den letzten zehn Jahren ein aktiver Profi bei Ihnen gemeldet?

Hitzlsperger: Nein.

SZ: Aber es hat sich doch was getan im Fußball, oder?

Hitzlsperger: Finde ich schon. Es gibt eigentlich keinen Bundesliga-Verein mehr, der nicht schon mal die Regenbogenfahne rausgezogen hätte, der keinen schwul-lesbischen Fanklub hat. Es gibt Vereine, die beim Christopher Street Day dabei sind, das Magazin 11 Freunde hatte die Aktion „Wir stehen zu euch“. Sogar der Kicker hat eine Beilage gemacht. Es ist so viel passiert, Vielfalt ist heute Teil der offiziellen Kommunikation. Von Journalisten höre ich oft, der DFB und die Klubs müssten viel mehr machen. Aber nein, die machen schon genug. Es liegt jetzt wirklich an den Spielern zu erkennen: Die Zeit ist reif.

SZ: Es gibt heute 265 000 Profifußballer weltweit, sieben von ihnen leben offen schwul. Wovor genau haben die anderen noch Angst?

Hitzlsperger: Meine größte Sorge war die Mannschaftskabine. Ich erinnere mich an zwei Diskussionen, da wurden zum Teil krasse Sachen gesagt. „Mit einem schwulen Mitspieler würde ich nicht duschen.“ Oder eine Bemerkung zu unserem Physiotherapeuten: „Wenn du schwul wärst, ich würd’ mich von dir nicht anfassen lassen.“ Ich meine, das waren Mannschaftskollegen von mir!

SZ: Und Sie, was haben Sie gesagt?

Hitzlsperger: Natürlich nichts. Weil ich total unsicher war. Meine Stimme hätte so gezittert, ich hätte mich quasi zwangsgeoutet.

SZ: In Deutschland hat es Ihnen bis heute kein Spieler nachgemacht. Sind Sie der Quotenschwule des deutschen Fußballs?

Hitzlsperger: Nein, das wäre ja eine lächerliche Quote. So verschwindend gering, dass es peinlich wäre, überhaupt davon zu sprechen. Und genau das ist das Problem: Wenn es im Fußball zu dem Thema kein Gesicht gibt, denken viele, es gibt im Fußball keine Schwulen. Genau darauf bauen Klischees auf. Diese hartnäckige Vorstellung, Schwule werden Flugbegleiter oder Friseur. Ich bin schwul, und ich bin Fußballer, das gibt es also. Gleichzeitig beschreibt mich keiner dieser Begriffe ganz, ich bin noch eine Menge anderer Dinge.  [….] SZ: Beim DFB ist jetzt Rudi Völler Sportdirektor. Ein Mann, der in Interviews sagt: „Am Ende werde ich immer meine klassisch-männliche Haltung beibehalten und deswegen weiterhin das Frauengetränk Latte macchiato verweigern.“

Hitzlsperger: Da sage ich, ähnlich wie bei Uli Hoeneß: Das überrascht mich nicht.

SZ: Also bitte, das ist doch ein total verklemmtes Verständnis von Männlichkeit!

Hitzlsperger: Rudi Völler hat als Trainer letztes Jahr noch mal ein Spiel gemacht gegen Frankreich, und das Stadion hat ihn gefeiert. Er ist eine Kultfigur im deutschen Fußball. So einen Spruch mögen viele verwerflich finden, aber was für die Zuschauer im Stadion am Ende zählt, ist das Ergebnis. [….]

(SZ-Interview mit Thomas Hitzlsperger, 02.02.2024)

Mich beruhigt das.

Offenbar ist Fußball nach wie vor genauso furchtbar, wie ich immer dachte. Es besteht also kein Grund dafür, sich damit zu beschäftigen.

Freitag, 9. Februar 2024

Antisemitismus linksrechts

Das Leid der Menschen in Gaza, die vielen tausenden Kinder, die durch Israelische Bomben sterben, haben mehrere judenfeindliche Strömungen deutlich angefacht.

Einerseits den arabischen Antisemitismus, der sich gegen die militärischen Aktionen des Staates Israel wendet. Andererseits den politisch-linken Antisemitismus, der insbesondere an US-Hochschulen und unter Künstlern verbreitet ist. Schließlich ist da noch der eliminatorische rechtsextreme Antisemitismus, der die Großwetterlage nutzt, um von der Vertreibung/Vernichtung aller Juden zu träumen.

Dabei ist es gar nicht so schwer, sich zu positionieren, ohne in gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit abzudriften.

(….)   Viele Rechtsextreme, viele Idioten und leider auch zu viele engagierte Linke, blamieren sich, seit die Hamas am 07.Oktober 2023 mehr als 1.400 Israelis massakrierte und rund 250 Menschen als Geiseln verschleppte, mit verstörenden Aussagen.

Möglicherweise gab es schon beim Jom Kippur-Krieg 1973, oder dem Sechstagekrieg von 1967 so abwegige deutsche Meinungen dazu. Aber glücklicherweise gab es damals noch kein Internet, so daß nicht jeder Depp seine irrelevanten Ansichten publizierte.

Ich möchte 20 Axiome zur Nahost-Meinungsäußerung in Deutschland nennen, die ich mir nicht etwa gerade selbst ausdenke, sondern seit Jahrzehnten rauf und runter gebeten werden. Aber offensichtlich dennoch immer weniger gehört werden.

1.   Niemand ist gezwungen sich zu positionieren.

2.   Niemand muss Nahost-Experte sein.

3.   Kritik an Israelischer Politik ist nicht verboten.

4.   Politisches Handlungen der Jerusalemer Regierung zu kritisieren, ist nicht antisemitisch.

5.   Einzelne Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland für Netanyahus Handlungen zu beschimpfen, ist antisemitisch.

6.   Die Hamas ist nicht identisch mit den Palästinensern.

7.   Ein nach 1945 geborener Deutscher ist nicht Schuld am Holokaust.

8.   Die Deutschen Bürger sind aber dafür zuständig, den Holocaust nicht zu vergessen und ihn nicht zu wiederholen.

9.   Für die historischen Leiden des jüdischen und des palästinensischen Volkes ist Deutschland sehr stark mitursächlich und sollte deswegen auf internationaler Ebene nicht ausgerechnet am Lautesten kritisieren und den moralischen Zeigefinger schwenken.

10.Hamas-Terror, der zum Beispiel beinhaltet, die deutsche Geisel Shani Louk, nackt zur Schau zu stellen, sie zu vergewaltigen, foltern, köpfen, zu zerstückeln und mit solchen Taten im Netz zu prahlen, ist eben nicht mit den Aktionen Israelischer Soldaten zu vergleichen.

11.Wenn man auf Social Media Israel beschimpft und dafür seinerseits kritisiert wird, bedeutet das nicht „man darf ja gar nichts mehr sagen“.

12.Meinungsfreiheit in Deutschland bedeutet nicht das Recht, seine Meinung immer widerspruchslos kund zu tun.

13.Wenn deutsche Juden nur unter besonderem Schutz in Schulen oder Synagogen gehen können, ist das nicht ihre Schuld, sondern eine elende Schande für die deutsche Gesellschaft.

14.Empathie für die getöteten Kinder im Gaza-Streifen zu empfinden, bedeutet nicht, israelfeindlich zu sein.

15.Empathie für die von der Hamas gefolterten und getöteten Israelis zu empfinden, bedeutet nicht, alle Palästinenser zu hassen.

16.Die internationale Gemeinschaft verlangt nicht von Fritze Meier in der Fußgängerzone von Buxtehude, eine Lösung des Nahostkonfliktes aus dem Ärmel zu schütteln.

17.Nicht jeder Deutsche muss über historisches Fachwissen verfügen.

18.Wer historische Vergleiche bemüht, sollte aber die Fakten kennen.

19.Deutsche Rechtsradikale, die mit ihrem extremen Hass auf Migranten und Muslime Stimmungen machen, sind nicht automatisch Israel-Freunde.

20.Die Kriegsverbrechen Putins rechtfertigen selbstverständlich nicht, 80 Jahre rückwirkend den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. (….)

(Historisch aufgeladene Zeiten, 04.11.2023)

In seinem neuen Buch „Judenhass“ (Berlin Verlag 2024) dröselt Michel Friedman die Situation auf und erklärt in leicht verständlichen Worten, was judenfeindliche linke Akademiker und Kunstschaffende bedenken sollten.

[….] Die Documenta in Kassel  hat in aller Deutlichkeit gezeigt, dass BDS* auch ein eliminatorisches Prinzip formuliert. Selbst die bekanntesten Wissenschaftler, Künstlerinnen, Musiker sollen nicht mehr auf­

treten dürfen, bekommen also ein lebenslanges Berufsverbot, nur weil sie israelische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sind. Selbst wenn sie sich gegen die Regierung auflehnen, ihre Politik also verurteilen und für eine Zweistaatenlösung kämpfen, ändert das nichts an dem Bann. Sie sind Juden und als solche verdächtigt, angeklagt. Verurteilt. Eine Kollektivstrafe, die der Einzelne nicht aufheben kann. Diese autoritäre, größenwahnsinnige Haltung, die auch von vielen Nichtjuden aus unterschiedlichen Gründen als mutig und konsequent angesehen wird, ist Antisemitismus. Boykott ist immer undifferenziert. Wenn also wie bisher israelische Musiker, Wissenschaftlerinnen und Künstler nicht mehr auftreten dürfen, nur weil sie Israelis sind, und dies als gerecht empfunden wird, ist das für mich ein Ausdruck blinder Selbstgerechtigkeit.  [….]

(M. Friedmann, zitiert aus dem SPIEGEL, 27.01.2024)

* Boycott, Divestment and Sanctions ist eine transnationale politische Kampagne, die den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren will.

Neben Friedman gibt es einen zweiten bedeutenden jüdischen Intellektuellen in Deutschland, der dafür bekannt ist, CDU zu wählen: Den inzwischen 87-jährigen Wolf Biermann.

(….) Man braucht schon ein Elefantengedächtnis, um sich an die Zeiten zu erinnern, als Wagenknecht eine konstruktive und kenntnisreiche Politikerin war.

Es ist ungewöhnlich, wenn meinungsmachende Figuren einen vollen öffentlichen Horst Mahler aufführen, also von ganz links nach ganz rechts marschieren.

Dafür sind aber einige Beispiele für diese Rechtsdrift sehr prominent. Henryk M. Broder, Arnulf Baring, Vera Lengsfeld, Angelika Barbe, Wolfgang Clement, Monika Maron, Cora Stephan, Boris Palmer, Oswald Metzger.

Besonders bedauerlich erschien mir das in seinen allerletzten Jahren offensichtlich Abdriften des von mir eigentlich hochgeschätzten Ralph Giordanos. Ein bißchen ähnlich bewegt sich Wolf Biermann, dessen Prosa-Texte mit politischen Analysen, die vor 35, 30 Jahren regemäßig im SPIEGEL erschienen, ich grenzenlos bewunderte, jedes Wort verschlang. Seit einigen Jahren bekundet er aber, Merkel zu wählen und wettert manisch gegen Links. (….)

(Wieder eine ins Spinner-Lager abgedriftet, 24.10.2022)

Off topic: Biermann liefert im noch aktuellen SPIEGEL beim Gespräch über ein mögliches AfD-Verbot, eine hübsche Charakterisierung eines bekannten braun-völkischen Politehepaars aus dem Saarland.

[….]  SPIEGEL: Ist der AfD also nicht mit demokratischen Mitteln beizukommen, sondern nur mit einem Verbot?

Biermann: Das wäre noch schlimmer als ein Rechtsbruch, es wäre ein Fehler. Damit würde man diesen Leuten ein Gratisgeschenk machen. Da könnte der Herr Gauland in sein Jagdhorn blasen und seinen Menschenjägerhund schon mal füttern. Nein, nein! Auch bei der Linken, diesen Erben der DDR-Diktatur, war ich nie dafür, dass sie verboten wird.

SPIEGEL: Was ist dann die richtige Reaktion?

Biermann: Erst mal, dass man aus dem Aufstieg dieser Partei nicht schließen sollte, dass das einzige Gegenmittel ist, noch links- oder rechtsreaktionärer zu werden als die.

SPIEGEL: Wen meinen Sie damit?

Biermann: Sahra Wagenknecht. Sie will so reaktionär sein wie die AfD. Und so kommunistisch wie ihr Mann, Oskar Lafontaine, der niemals ein Kommunist war. Es ist ein nationalistisch-nationalkommunistisches Familiendrama.

SPIEGEL: Bereitet Ihnen die Wagenknecht-Partei mehr Sorge als die AfD?

Biermann: Ich finde beide zum Kotzen, beide sind ein gefährlicher Schaden für die Demokratie. [….]

(Wolf Biermann, zitiert aus dem SPIEGEL vom 04.02.2024)

Biermanns Sohn Eliyah Havemann ist gläubiger Jude und lebt in Tel Aviv. Biermanns Vater Dagobert Biermann wurde als Jude und Kommunist 1943 in Auschwitz umgebracht.

[….] Mein Vater lebt als Toter in der Heimat der Juden in Israel. Wo denn sonst? Der ist mit der Asche aus dem Schornstein hochgeflogen und musste ja irgendwo hin. Mit den Winden des Jetstream floh er nach Israel. Dort ist nun seine Heimstatt. Doch jetzt sterben dort wieder auch die Toten. Es sind eben in Israel nicht nur die lebenden Juden in Gefahr.  [….]

(Wolf Biermann, zitiert aus dem SPIEGEL vom 04.02.2024)

Selbstverständlich ist Wolf Biermann der Staats Israel also besonders wichtig. Selbstverständlich weint er aber auch über die vielen Toten in Gaza. 

Anders als die linken BDS-Anhänger aus der universitären und künstlerischen Szene, sieht er aber die Menschen in Gaza nicht als willenlose Wesen, die durch den Staat Israel quasi gezwungen wurden Hamas zu wählen, 1.200 Unschuldige zu massakrieren und 150 Geiseln zu nehmen.

[….]  Die Alliierten haben die Nazis in Deutschland auch nicht durch Argumente oder Flugblätter oder Geld besiegt. Dafür brauchte es Stalingrad und ein Inferno wie 1943 in Hamburg, wo rund 35.000 Menschen verbrannt sind. Das habe ich überlebt, weil meine Mutter mit mir als Klammerrucksack auf dem Rücken durch den Nordkanal geschwommen ist. Das hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt, nichts ist vergessen. Und ich weiß noch, dass meine Mutter mir schon damals, als Hitler noch in ewiger Allmacht stand, erklärt hat: Die Bomben befreien uns von all dem Bösen. Eine absurde Interessenlage. Wir freuten uns über die Freiheitsbomben, die nur den Fehler hatten, dass sie uns selber auf den Kopf fielen. [….] 


Das könnte wie meine Mutter auch manche Mutter im Gazastreifen denken. Es war unser grauenhaftes Glück, dass die Alliierten Deutschland zerbombt haben, so entkam ich als sogenannter Halbjude der Vernichtung. Und ja, insofern haben auch die Bomben auf Gaza etwas furchtbar Gutes. Zugleich treffen sie Tausende unschuldige Menschen. So, und endlich kommen wir zu der peinlichen Kernfrage. Wie unschuldig kann ein Volk sein? Sind die Palästinenser ewige Kindmenschen ohne Eigenverantwortung? Nur Opfer des Weltgeschehens? Das ist dieser Romantismus der linksalter
naiven Schwärmer, die im Grunde die Palästinenser entmündigen. Wenn man ihre Menschenwürde achten will, muss man auch wissen und bedenken, dass sie für sich selbst verantwortlich sind.  [….] Wir müssen das Volk der Palästinenser als selbstverantwortliches Subjekt ernst nehmen. Sie sind keine unschuldige Opfermasse. [….]

(Wolf Biermann, zitiert aus dem SPIEGEL vom 04.02.2024)