Samstag, 22. August 2020

Ressourcen alle und noch so viel Jahr übrig


Mir fehlt es garantiert an Gier, unternehmerischen Geschicks und kaufmännischer Raffinesse, um jemals durch selbstständige Tätigkeit wohlhabend zu werden.
Glücklicherweise benötige ich auch keine Statussymbole und fröne keinen teuren Hobbys. Ich bin seit Jahrzehnten nicht mehr geflogen oder verreist, mein Auto ist wertlos, meine Wohnung zu klein. Keine Kinder, keine Haustiere, kein Ausgehen.

Ein Asket bin ich aber nicht; wie fast alle anderen Normalos stelle ich mir auch gelegentlich vor wie es wäre Lottomillionäre zu sein und über Nacht in unverdientem Reichtum zu schwelgen. Mir fällt eine Menge ein wofür ich Geld ausgeben könnte. In meinem Alltag würde sich aber äußerlich wohl nicht viel ändern. Einen Haufen Geld ließe ich auf dem Girokonto liegen. Einfach, damit es da ist und nicht mehr dieser unangenehme Zustand von „das Geld ist alle, aber es ist noch so viel Monat übrig“ eintritt.
Tahiti-Vanille-Schoten von Safran-Pütter. Die kosten 18,50 Euro pro Stück, oder günstig im 25-Schoten-Glas für 430 Euro. Oder die Raritäten-Sorten von Speicherstadt-Kaffee. Jamaika Clifton Mount Estate für 290 Euro/Kilo.
Lebensnotwendig ist das nicht, aber ich fände es schon schön mir diese Gaumenschmeichler leisten zu können, falls ich gerade Lust habe und nicht nur alle Jubeljahr mal eine Kleinstmenge davon zu probieren.
Das sind nachhaltige Produkte, die nicht auf Kosten der Natur und unter Auspressung der Arbeiter entstehen.
Auf beim Prassen würde ich auf nachhaltige Quellen achten, niemals mein Geld jemand in den Rachen schieben, der dann wie Apple, Bezos, BMW oder den Verdienst der Steuerpflicht entzieht und an die CDU spendet.
Nein, ich würde zu inhabergeführten Firmen mit persönlich haftenden Gesellschaftern gehen und auch bei ihnen nicht kaufen, unter dem Dritte leiden müssen.

(…..)  Die Sache mit den hochwertigen mechanischen Uhren werde ich nie verstehen.
Wieso ausgerechnet diese kleinen mechanischen Zeitnehmer wohl so viel Hass- und Neidgefühle triggern?

Es handelt sich dabei nämlich um Luxus und jeder Luxus ist dadurch definiert, daß es sich um irgendeine Art des Überflusses handelt. Luxus ist gerade das was man nicht unbedingt braucht.
Aber Luxus ist eben nicht exklusiv. Jeder genehmigt sich selbst in irgendeiner Weise Luxus.
Es gibt den Luxus, den man nur aus persönlicher Vorliebe schätzt, den Luxus, der nur dafür da ist andere zu beeindrucken, Luxus, der irgendetwas überkompensiert und natürlich auch alle Mischformen.
  Kaum einer lebt von neutraler Astronautennahrung, sondern bevorzugt Lebensmittel, die ihm persönlich gut schmecken. Auch das ist Luxus, da er unnötig ist.
Luxus sind Markenklamotten, überteuerte Apple-Produkte, Autos, Wohnungen, Reisen, Friseurbesuche, Musik, Kunst. Aber auch Puffbesuche, Drogen oder Restaurants. Mountainbikes, Gleitsichtbrillen, Kreuzfahrten, Flachbildfernseher oder Spielekonsolen.
All das ist überflüssig. Und natürlich braucht auch niemand eine Uhr, die 10.000,- oder 100.000,- oder 1.000.000,- Euro kostet.

Aber wenn ich mir die verschiedenen Formen des Luxus unter ökologischen und sozialen Aspekten ansehe, stechen hochwertige mechanische Armbandchronometer dadurch hervor, daß sie nachhaltig sind und keinen Schaden anrichten.
Fast alle anderen Formen des Luxus sind eine Pest für die Umwelt, verbrauchen unnötig Ressourcen und Energie und beuten zudem auch noch meistens irgendwo Menschen aus.
Jeder Flug ruiniert das Klima, jedes Auto stößt Schadstoffe aus, für iPhones werden Billigarbeiter ausgebeutet, für fast alle Kleidungsstücke gibt es am anderen Ende der Welt Menschen im Elend. Für einen Strauß Rosen aus Kenia, werden landwirtschaftliche Flächen ausgetrocknet und jeweils ein Liter Kerosin in die Atmosphäre geblasen. Jeder Computer und jede Spielekonsole hinterlässt Plastikmüll. Auf Reisen werden Tiere gequält, wird Fleisch gefressen.
Yachten sind durch ihren Schwerölverbrauch abartig, Großwildjagden sind amoralisch, PS-Protz-Autos sind Klimasünden.

Mir fallen tatsächlich nur mechanische Uhren als positives Luxusbeispiel ein. Sie sind absolut nachhaltig, werden quasi gar nicht weggeworfen, weil sie nicht nur ihren Wert behalten, sondern meistens sogar wertvoller werden. Sie verursachen kaum Müll und verschwenden so gut wie keine Rohstoffe, außer einer winzigen Menge Stahl und Edelmetall. (…………)

Vom Lottoreichtum zu träumen ist irrational und naiv.
Das ewig prall gefüllte Bankkonto wird für die meisten Menschen nie Realität werden.
So werden wir weiterhin bange auf den Ultimo warten und jeden Monat auf’s Neue feststellen, daß ein paar Einschränkungen notwendig sind.

Hier steht die soziale Frage als unsichtbarer Elefant im Raum.
Die wirklich Bedürftigen leiden überproportional, weil es keine Verteilungsgerechtigkeit gibt und das Volksvermögen kontinuierlich an das obere 1% der Bevölkerung verschoben wird.
Das ist insofern besonders ärgerlich, weil das zu ändern wäre, wenn dieses eine Prozent nicht übermäßig viel Einfluss erkaufen könnte. Wenn die Wähler einfach mal die Tomaten von den Augen nähmen und die Parteien in die Parlamente schicken, die solche Strukturen nicht noch verfestigen.

Aber das erforderte wieder nachhaltiges Denken und nachhaltiges Handeln, zu dem Homo Sapiens ganz offensichtlich viel zu dumm ist.

Wenn am 14. oder 17. des Monats das Konto leer ist, spürt man immerhin den Druck und muss sich strecken, einschränken, begnügen.

Auf einer höheren und noch viel dramatischeren Ebene spüren wir aber leider noch nicht mal Druck und prassen immer weiter über unsere Verhältnisse.

Die Menschen dieses Planeten haben am 22.08. sämtliche erneuerbaren Ressourcen, die in einem Jahr zur Verfügung stehen, aufgebraucht.
Der „Earth Overshoot Day“ wäre sogar schon am 22. Juli gewesen, wenn nicht Corona weltweit die Reisetätigkeit und Industrieproduktion heruntergefahren hätte.
Wir verbrauchen also doppelt so viel wie wir haben. Die größten Sünder sind dabei Nordamerika, Europa und die Golfstaaten. Die Zeche zahlen zunächst Afrika und Südasien. Dort schlägt die Erderwärmung erbarmungslos zu.
Die globalen Verursacher von Überschwemmungen, Versteppungen, Überfischungen und Landraub können durch ihr Geld die Konsequenzen der Ressourcenverprassung kompensieren. Wir bauen Deiche, Klimaanlagen, importieren Lebensmittel.

[…..]  Der sogenannte Welterschöpfungstag war eigentlich für Ende Juli prognostiziert, doch 2020 ist alles anders: Durch die Corona-Pandemie und den wirtschaftlichen Lockdown hat sich der Ressourcenverbrauch in den meisten Ländern schlagartig verringert. Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland: „Die Corona-Pandemie hat uns die Verletzlichkeit unseres Zusammenlebens und Wirtschaftens gezeigt. Der im Kalender 2020 nur kurz verzögerte Welterschöpfungstag ist keine Trendwende, sondern eine Warnung: Der Verlust von natürlichen Ökosystemen und biologischer Vielfalt bringt nicht nur die Gesundheit unseres Planeten, sondern auch unsere eigene Gesundheit in Gefahr. Wir müssen aufhören, die Natur für unseren verschwenderischen Lebensstil zu zerstören. Um unsere Lebensgrundlagen besser zu schützen, brauchen wir zügig Gesetze, die Sorgfaltspflichten für Menschenrechte und Umweltschutz auch entlang von Lieferketten verbindlich regeln.“  […..]
(WWF)

[…..] Bildlich gesprochen lebt die Weltbevölkerung derzeit so, als hätte sie 1,6 Erden zur Verfügung. Die Menschen nutzen die Natur also 1,6-mal schneller, als Ökosysteme sich generieren können. Mit vielfältigen Folgen für die Umwelt, wie u.a. Klimawandel, Artensterben oder schrumpfende Wälder. Noch 1987 fiel der Earth Overshoot Day auf den 19. Dezember. Durch das hohe Konsumniveau in Industrie- und Schwellenländern sowie das schnelle Bevölkerungswachstum ist der Tag im Kalender immer weiter nach vorne gerückt, auch wenn er in dem Ausnahmejahr 2020 durch die Corona-Pandemie einige Wochen nach hinten verschoben wurde.
Damit der Earth Overshoot Day zukünftig später im Jahr stattfindet, sind alle gefragt. Denn jede und jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten: Energie sparen, das Auto öfter stehen lassen, saisonale Lebensmittel und langlebige Produkte mit Recyclingmaterialien kaufen und Abfälle generell vermeiden. Würden beispielsweise allein die Nahrungsmittelabfälle weltweit halbiert, würde der Earth Overshoot Day 11 Tage später stattfinden. Eine Halbierung des CO2-Ausstoßes würde das Datum um 89 Tage verschieben. [….]

Freitag, 21. August 2020

ALL CAPS MODE


In den letzten vier Jahren bekamen wir viele verschiedene verstörende Aspekte der zutiefst destruktiven kranken Trump-Psyche präsentiert.
Die Weinerlichkeit, der Hass, die Illoyalität, die Skrupellosigkeit, das Fehlen jeglicher Empathie, der Größenwahn, die Bestätigungssucht, die Kritikunfähigkeit, die sagenhafte Borniertheit, die tiefen Menschenverachtung „and many many more“.
Der vielleicht charakteristische Zug seiner paraphilen Persönlichkeit ist sein manischer Drang stets im Mittelpunkt zu stehen, alles persönlich zu nehmen, immer alles nur auf sich zu beziehen.

Das Schlimmste, das so einem persönlichkeitsgestörten Soziopathen passieren kann, brach diese Woche auf ihn ein: Vier Tage Nominierungsparteitag der Demokraten und damit vier Tage Medienaufmerksamkeit für andere. Vier Tage, an denen er öffentlich nicht gelobt und mit Huldigungen umschmeichelt wurde.

Wie eine Gottesanbeterin, die nach dem Sex um ihre Mahlzeit in Form des Begatters betrogen wurde, hockte er zutiefst verstört und hungrig nach Aufmerksamkeit im Bett vor seinen Fernsehern und tat das was er immer macht, wenn seine rudimentären Hirnzellen völlig durschmoren: Er griff zum Smartphone, rastete das Display auf „all caps“ ein und schimpfte wie ein debiles Waschweib in Versalien auf seine 85 Millionen Follower ein.

[…..] Donald Trump within minutes, if not seconds after Barack Obama’s speech starting was completely and instantly triggered, starting to send out outrageous tweets in all caps; more the behavior of a child, really, than an adult, never mind an adult who happens to be the president of the United States of America.[….]


[…..] US-Präsident Donald Trump kann es bekanntlich nicht leiden, wenn andere im Rampenlicht stehen. Der Parteitag der Demokraten in dieser Woche bedeutete aber, dass täglich zur besten Sendezeit nicht er über die Fernsehbildschirme flimmerte, sondern Rednerinnen und Redner, die in erste Linie davon kündeten, dass sie ihn aus dem Weißen Haus wählen wollen. Für einen Mann, dem das Fernsehen das wichtigste Medium ist und der täglich Stunden vor den Bildschirmen verbringt, muss das schmerzhaft gewesen sein.
Trumps Team hatte daher ein aufwendiges Gegenprogramm ausgetüftelt. Unter anderem trat er in Arizona, in Wisconsin und in Minnesota auf. Zudem war er, wenn man so will, ein ebenso erwünschter wie ungebetener Dauergast auf dem demokratischen Parteitag. Erwünscht in dem Sinne, dass es eine wohlüberlegte Strategie war, dass sich so viele Reden darauf konzentrierten, den Präsidenten als inkompetenten Spalter, als selbstverliebten Lügner darzustellen. Ein ungebetener Gast insofern, als er sich fortwährend einmischte, die Reden teils live auf Twitter kommentierte und unentwegt moserte, motzte und schimpfte. […..] Es braucht nicht viel, bis der Präsident zum Telefon greift und twittert. Eine kleine Provokation hier, ein leiser Vorwurf da, schon tippt Trump Tiraden in sein Telefon, in denen er in mindestens doppelter Lautstärke zurückwettert. […..] Trumps Twitter-Konto lief regelrecht heiß, da er, wenn er nicht gerade selber tippte, unentwegt Botschaften seiner Unterstützer verbreitete.
Zwischendurch gelang es ihm noch, Laura Loomer zu loben, die in einem Wahlkreis in Florida als republikanische Kandidatin für das Repräsentantenhaus antreten wird - Loomer ist eine hart rechte Verschwörungstheoretikern, die sagt, sie sei stolz auf ihre Islamophobie. […..]

Zu allem Übel schien den Demokraten nahezu alles zu gelingen. Der virtuelle Parteitag ging ohne echte Pannen über die Bühne und dadurch, daß man hunderte von Clips von Supportern in ihrer natürlichen Umgebung – in ihren Küchen, Kellern, mit Kittelschürzen und Kindern – sah, wirkte die Veranstaltung so viel ehrlicher und authentischer als die bisher übliche Mega-Ballon-Show, bei der alle herausgeputzt in einer Halle einer Regie folgen.

Die emotionssüchtigen Amis kamen voll auf ihre Kosten – so sehr lie0en die vorproduzierten Clips es menscheln.



Zu allem Übel erlebte das demokratische Amerika nicht wie befürchtet einen fahrigen Kandidaten mit Anzeichen von Senilität, sondern einen Joe Biden in Bestform, der alle Erwartungen übertraf. Der DNC endete mit Euphorie der Trumpgegener.


[….] Die Sache ist simpel: Weiß oder Schwarz, Licht oder Dunkelheit, Gut oder Böse. Die "Star-Wars"-Konstellation zeugt auch von der galaktischen Dimension, die Biden dieser Wahlentscheidung beimisst. Immer schon wurde "die Seele Amerikas" beschworen, die Schicksalhaftigkeit, um die Spannung zu erhöhen und die Wähler zur Stimmabgabe zu motivieren. Diese Saat fällt 2020 auf besonders fruchtbaren Boden. Viele Amerikaner berührt der Niedergang ihres Landes, sie spüren ihre Isolation in der Welt und bemerken, wie der Staat und sie selbst als Gesellschaft versagen. Amerika ist schwach geworden. Seine demokratischen Institutionen sind beschädigt, der Glaube an die Strahlkraft der USA schwindet.
Bemerkenswert ist auch der wachsende Überdruss an dem Geschrei und Gezeter der Politik, das die meisten Amerikaner über ihre sozialen Medien erreicht. Das Pew Research Center misst, dass sich 55 Prozent aller Wähler und gar 63 Prozent aller Republikaner ausgelaugt zeigen von den politischen Botschaften und den Diskussionen. Trump regiert nicht nur schlecht, er zehrt auch aus. […..]

Unglücklicherweise gibt es kaum noch unentschiedene Wähler.
Wer auch nur halbwegs bei Verstand ist und das politische Geschehen verfolgt, wählt ohnehin Joe Biden.
Aber die 62 Millionen Trump-Fans, die ihm schon 2016 wählten, gucken ohnehin nicht den DNC-Wahlparteitag.
Sie werden von FOX und den Trump-Tweets infiziert. Daher steigen Trumps Wahlchancen zuletzt wieder an; nach einer CNN-Umfrage hat er beinahe zu Biden aufgeholt.

Donnerstag, 20. August 2020

Unter Frommen – Teil II

In Deutschland für die Kirche oder eine der vielen Firmen und Institute unter kirchlicher Trägerschaft zu arbeiten, ist nur bedingt empfehlenswert.
Da ohnehin nur Kirchenmitglieder für christliche Kindergärten/Krankenhäuser/Pflegeheime/Verlage arbeiten dürfen, ist es unnötig eine solche Warnung an Atheisten, Muslime, Hindus oder Juden auszusprechen. Sie sind in den Augen unserer lieben Bischöfe – von Käßmann über Bedford-Strohm und Marx bis zu Woelki – ohnehin unwürdig auch nur durchzufegen in ihren edlen Räumen.

Aber auch für die gläubigsten und kirchentreuesten weißen Christen kann es schnell mal ungemütlich werden mit so einem Arbeitgeber.
Der Chirurg in einem katholischen Krankenhaus, der es wagt sich scheiden zu lassen und dann womöglich sogar eine andere Frau heiratet, wird genauso gefeuert, wie die allseits beliebte Kindergärtnerin, wenn sie die furchtbare Todsünde begeht sich in eine Frau zu verlieben.

Arbeitsschutzrecht, Antidiskriminierungsregeln, Tariflöhne, Streikrecht – all das was für alle anderen Angestellten in Deutschland selbstverständlich ist – kann man als Krankenpfleger oder Lehrerin unter kirchlicher Trägerschaft ohnehin vergessen.
Kirchen haben das Recht zu diskriminieren und ihre Mitarbeiter mit Gering-Löhnen abzuspeisen.

(…..) Finanzielle Überlegungen klammer Kommunen sind fast immer der Grund dafür Krankenhäuser, Pflegeheime, Seniorenstifte, Kitas oder eben auch Schulen in kirchliche Trägerschaft abzugeben.
Der Staat spart dadurch Personalkosten.

Aber wieso eigentlich?
Der Grund ist das kirchliche Arbeitsrecht, welches Krankenpfleger, Putzfrauen, Ärzte, Lehrer, Kindergärtnerinnen klar schlechter stellt. Es gelten keine allgemeinen Tarifverträge, Streiks sind grundsätzlich verboten.

Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, ob es gesellschaftlich eigentlich wünschenswert ist Pflegekräfte und Grundschullehrer noch schlechter zu bezahlen, gilt es auch zu bedenken, daß die 1,3 bis 1,5 Millionen Angestellten von Caritas und Diakonie unter kirchlicher Knute diskriminiert werden dürfen.
Läßt sich ein katholischer Chefarzt scheiden, kann die Kirche ihn feuern. Outet sich seine Kollegin als lesbisch, fliegt sie ebenso.
Noch abartiger: Kirchen stellen in der Regel nur Kirchenmitglieder ein.
Bei der Personalpolitik heißt es also „Juden unerwünscht.“
Natürlich auch „Muslime unerwünscht und Atheisten unerwünscht!“

 In kirchlichen Einrichtungen gilt das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) nicht. In § 118, Absatz 2 heißt es, dass das Gesetz „auf Religionsgemeinschaften und ihre karitativen und erzieherischen Einrichtungen unbeschadet deren Rechtsform“ keine Anwendung findet. Die Kirchen praktizieren ein eigenes kirchliches Arbeitsrecht, das in wichtigen Punkten vom allgemeinen Arbeitsrecht abweicht und mit mehreren Grundrechten kollidiert.
Für die über eine Million Beschäftigten in kirchlichen Einrichtungen, vor allem von Caritas und Diakonie, hat dies in zweierlei Hinsicht weitreichende Folgen.
Zum einen gilt dort eine besondere Loyalitätspflicht, die sich nicht nur auf das Verhalten am Arbeitsplatz erstreckt, sondern bis ins Privatleben der Beschäftigten reicht. Das bedeutet zunächst, dass Konfessionslose und Angehörige nichtchristlicher Religionsgemeinschaften in diesen Einrichtungen generell keine Anstellung finden.
[…] Zum anderen müssen die Beschäftigten auf grundlegende Arbeitnehmerrechte verzichten. In kirchlichen Einrichtungen wird der sog. Dritte Weg praktiziert. […]  Der Dritte Weg kennt […] kein Streikrecht, auch ein Betriebsrat ist nicht vorgesehen.
[…]  Das kirchliche Arbeitsrecht hat zur Folge, dass in Sozialeinrichtungen wie Krankenhäusern oder Sozialstationen, die völlig oder weitestgehend aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden, die Grundrechte nicht uneingeschränkt gelten. Insbesondere das Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit ist weitestgehend außer Kraft gesetzt. Dies führt zum Phänomen der „Zwangskonfessionalisierung“ […]  Diese Sonderstellung kirchlicher Sozialeinrichtungen ist Ergebnis intensiver Lobbyarbeit der Kirchen. Sie widerspricht jedoch dem Geist des Grundgesetzes ebenso wie dem den europäische Antidiskriminierungsrichtlinien.

Angesichts des dieser Tage wieder extrem medial präsenten Fachkräftemangel in der Pflegebranche ist es ein Skandal größten Ausmaßes auf kirchliche Träger zu setzen.

Null Prozent Finanzierung durch die Kirche, aber 100 Prozent Hoheit über die private Lebensführung der dort Beschäftigten! Das dürfe wohl nicht sein! […]  Kirchliche Krankenhäuser werden nicht etwa aus der Kirchensteuer finanziert – wie die meisten Menschen glauben. Die Investitionen zahlt der Staat nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz, die laufenden Kosten der Behandlung werden durch Beiträge der Versicherten über die Krankenkassen oder Zusatzbeiträge bezahlt. Damit ist es völlig unvereinbar, dass einer vergewaltigten Frau die Hilfe verweigert wird. […]  Die Eingriffe der Kirchen und ihrer Einrichtungen wie Caritas und Diakonie in die private Lebensführung ihrer rund 1,3 Millionen Beschäftigten passen nicht in die moderne Demokratie. Sie verstoßen auch gegen Grund- und Menschenrechte: Zum Beispiel gegen den Gleichheitsgrundsatz nach Artikel 3 Grundgesetz, wie das Bundesarbeitsgericht im Falle der Kündigung eines Chefarztes in einem katholischen Krankenhaus wegen Wiederverheiratung als Geschiedener entschieden hat.  Oder die Diskriminierung Homosexueller. Oder sie verstoßen gegen das Recht auf Streik nach Artikel 9 GG, wie mehrere Landesarbeitsgerichte und das Bundesarbeitsgericht entschieden haben.
Oder gegen die Menschenrechtskonvention, so der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, als einem Organisten nach 14 Jahren untadeliger Arbeit wegen Ehebruch gekündigt wurde. Dieser Mann musste sich 13 Jahre lang durch 7 (!) Instanzen quälen, bevor er Recht bekam. Und dann der dauernde Verstoß gegen die Glaubensfreiheit nach Art. 4 GG, wenn zum Beispiel Krankenschwestern oder Pfleger in kirchlichen Krankenhäusern aus der Kirche austreten und dann gekündigt werden. Oder als Konfessionslose oder Muslime erst gar nicht hineinkommen. […]  Es ist doch geradezu absurd, dass bei den Kirchen für das ganze Personal inklusive Putzfrau, technisches Personal, Laborkräfte wichtige arbeitsrechtliche Schutzrechte und Mitbestimmung ausgeschlossen sind. Und wenn – wie zum Beispiel im Rheinland – weit über die Hälfte der Krankenhäuser kirchlich sind, dann führt das eben dazu, dass bei der Berufsberatung eine Mitarbeiterin jungen Muslimen, die sich für eine Ausbildung im pflegerischen Bereich interessieren, davon abrät, weil sie in der Gegend hier keine Arbeitsstelle finden würden!!
[…]  In vielen Gegenden finden Sie überhaupt keine nichtkonfessionellen bzw. städtischen Kindergärten. Mein Mann und ich haben das selbst erlebt, dass unsere Kinder im katholischen Kindergarten in Königswinter nicht aufgenommen wurden, weil wir und die Kinder nicht in der Kirche waren. Das ist nun wirklich toll: Mit meinen Lohn- und Einkommensteuerzahlungen als Konfessionsfreie bezahlt die Stadt den katholischen Kindergarten fast oder ganz komplett mit der Folge, dass man danach seiner Kinder nicht hineinbekommt.
[…]  Den Kirchen ist es gelungen, diesen Irrglauben zu verbreiten. Dabei steht fest, dass die Kirchensteuer nur zu einem Bruchteil von unter 5 % für soziale Zwecke ausgegeben wird. Der frühere Caritasdirektor und Finanzdirektor der Erzdiözese Köln, Norbert Feldhoff, hat schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass die Kirche die Kirchensteuer nicht benötigt, um die Sozialarbeit zu finanzieren. […] 

Soziale Einrichtungen unter kirchlicher Trägerschaft sind in Wahrheit natürlich nicht billiger für den Staat, wenn man die rund 20 Milliarden Euro jährlich dagegen verrechnet, die uns allen durch die  Steuerfreiheit der Kirchen verloren gehen. RKK und EKD zahlen keine Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer oder Umsatzsteuer. Es fallen keine Schenkungssteuern und Erbschaftssteuern an, wenn man die Kirche als Begünstigten einsetzt. Spenden an die Kirchen gehen auch zu Lasten des Steuerzahlers, da sie bei Einkommens-/Körperschaftssteuer steuermindernd berücksichtigt werden. (…..)

Schon in den 1960ern und 1970ern startete die Humanistische Union (damals noch mit starker Unterstützung der FDP) Kampagnen gegen diese unhaltbaren Zustände.

Letztendlich waren all die Versuche erfolglos. Es wurde nur immer grotesker, weil die Post-1982er FDP immer konservativer und frommer wurde. Heute wagt kein „Liberaler“ mehr Widerworte gegen die RKK; die es ermöglichte Myriaden kleine Kinder sexuell zu missbrauchen und zu quälen.
Dafür übernahm die SPD den säkularen Part im Parteienspektrum. Die Kirchenferne der Sozis erreichte unter dem ungläubigen Gerd Schröder ihren Höhepunkt, als ein halbes Dutzend Sozi-Minister mit ihm ohne die Gottesformel eingeschworen wurden.
Sein Staatssekretär Schwanitz wurde sogar zu einer bedeutenden Figur der organisierten deutschen Atheisten.
Aber mit dem Ende von RotGrün im Jahr 2005 übernahmen mit Macht die frommen Christen die SPD. Nahles, Thierse, Steinmeier, Griese – allesamt Hardcore-Religioten.

Was für ein grotesker Witz: Die Deutschen treten in Rekordzahl aus den Kirchen aus; deren Ansehen sinkt aufgrund der Prügel- und Pädophilie-Skandale ins Bodenlose, aber dafür sind die Bischöfe so stark im Bundestag vernetzt wie nie.
Unter den Parlamentariern aller Parteien sind fromme Christen grotesk überrepräsentiert und sorgen energisch dafür ihren religiösen Führern Milliarden Euro und Sonderrechte zu erhalten.

Aus der Politik ist keine Hilfe mehr zu erwarten.
Die Grünen sind längst zu einer Tochter-Organisation der EKD geworden. Der einzige grüne Ministerpräsident ist Mitglied im Zentralrat der Katholiken und bekundet immer wieder für die fromme Frau Merkel zu beten.
Kaum besser sieht es bei den Linken aus. Deren einziger Regierungschef, Bodo Ramelow in Thüringen, ist ebenfalls streng gläubiger praktizierender Christ.

Von dem Joch der Pfaffen kann sich Deutschland nur durch anhaltende Massenaustritte befreien.

Wolfgang Köhler hatte nie eine Intention der Kirche zu schaden; arbeitet er doch beim ultrafrommen Sender „Bibel-TV“.
Seine Religiotie war so sehr ausgeprägt, daß er annahm als Bibel-IT-Spezialist Wertschätzung und faire Behandlung seiner frommen Chefs zu erfahren.
Als das nicht funktionierte, beschloss der fromme Köhler mit zwei Kollegen einen Betriebsrat zu gründen, um die Anliegen der Bibel-TV-Angestellten zu vertreten.
Sehr witzig. Arbeitnehmervertretung bei den Religiösen!
Bibel-TV, ansässig in Hamburg-Hammerbrook, wird herzlich gelacht haben und feuerte alle drei Aufsässigen.

Bibel-TV wurde inzwischen von der Kirche Gewerkschaft verklagt, mehrere gefeuerte Mitarbeiter erstellten einen Offenen Brief.



Sie alle werden noch lernen, daß es nur einen Weg gibt mit der Kirche zu leben: Nämlich ohne sie. Austreten ist das einzige, das hilft.

[…..]  Aus der Arbeitgeber-Bibel.   Der christliche Fernsehsender Bibel TV aus Hamburg behindert die Gründung eines Betriebsrats. Potenzielle Gründer wurden gefeuert.
[…..]   „Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft“, wer „eine Wahl des Betriebsrats behindert“, heißt es in § 119 des Betriebsverfassungsgesetzes.
Ausgerechnet ein mit christlicher Ausrichtung für sich werbendes Unternehmen aus Hamburg sieht sich nun mit einem entsprechenden Strafantrag konfrontiert: […..]  Bibel TV.
Gestellt hat den Strafantrag die Kirchengewerkschaft.[…..] Der Vorwurf der Gewerkschaft: Der promovierte Theologe, der auch Pastor in einer Hamburger Gemeinde ist, habe den Sender verlassen müssen, weil er einen Betriebsrat gründen wollte. […..]  Mehrheitseigner von Bibel TV ist die Rentrop-Stiftung mit 52 Prozent. Namensgeber Norman Rentrop wiederum ist Gründer des VNR Verlags für die Deutsche Wirtschaft AG. […..]  Zu den Minderheitsgesellschaftern gehört das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), in dem auch die renommierte Zeitschrift epd Film erscheint. Finanziell gesehen geht es Bibel TV gut. Laut dem letzten veröffentlichten „Wirkungsbericht“ nahm man 2018 10,8 Millionen Euro Spenden ein. Der Jahresüberschuss betrug 603.000 Euro.
Die Geschichte hinter dem Strafantrag beginnt im August 2019, als eine Gruppe um Preuß zu einer Betriebsversammlung zwecks Wahl eines Wahlvorstandes für einen Betriebsrat einlädt. Im September erfährt Preuß, dass sein bis Ende Juli 2020 laufender Vertrag nicht verlängert wird. Zwei Tage später bekommt er seine erste Abmahnung, vier weitere Tage später die nächste, im November noch eine.
Kurz vor Weihnachten erhält er eine betriebsbedingte Kündigung und wird mit sofortiger Wirkung freigestellt. Einer weiteren Person, die einen Betriebsrat auf den Weg bringen wollte – einer fest angestellten Online-Redakteurin – wird fristlos gekündigt. […..]  Hubert Baalmann, der Sekretär der Kirchengewerkschaft, sagt, einen Betriebsrats-Verhinderungsversuch habe er „in dieser massiven Form“ bisher noch nicht erlebt. [….]