Donnerstag, 27. Oktober 2016

Der Depp der Woche – Teil III



Wenn ich den Namen Bedford-Strohm in den Medien auftauchen sehe, freue ich mich eigentlich immer. Denn dann ist sicher, daß er wieder etwas selten Dämliches von sich geben wird, so daß man was zu lachen hat und vermutlich wieder die Kirchenaustrittszahlen hochschnellen.

Gleichzeitig mache ich mir aber große Sorgen, da der Supertölpel Gabriel und die anderen frommen Religioten in der SPD-Führung nur zu gern einen evangelischen Bischof als Bundespräsident nominieren würden.
Käßmann und Huber haben schon abgesagt. Aber man muß fürchten, daß die theophilen Taktiker im Willy-Brandt-Haus gleich den nächsten EKD-Chef antanzen.

So komme ich zum leidigen Thema des aktuellen EKD-Chefs Bischof Bedford-Strohm. Der Bayer beeindruckte schon mit so sagenhaft infantilen Falschaussagen, daß man ihm durchaus auch eine BILD-Kolumne zwischen Käßmann und Franz-Josef Wagner zutraut.

Heute ziert der EKD-Fürst die Titelseite des Hamburger Abendblattes mit der Erkenntnis, Deutschland brauche mehr christliche Feiertage.
HBS guckt auf den 2017-Kalender und stellt fest, daß beeindruckenden NULL atheistischen Feuertagen nur gerade mal 16 christliche Feiertage gegenüberstehen, die (zumindest in einigen Bundesländern) auch gesetzliche Feiertage sind.

06.01.2017   Heilige drei Könige (BW,BY,ST)           
14.04.2017   Karfreitag
16.04.2017   Ostern                            
17.04.2017   Ostermontag                             
25.05.2017   Christi Himmelfahrt
04.06.2017   Pfingstsonntag                          
05.06.2017   Pfingstmontag
15.06.2017   Fronleichnam (BW,BY,HE,NRW,RP,SL,SN,TH)
15.08.2017   Maria Himmelfahrt (SL)
01.10.2017   Erntedankfest                                     
31.10.2017   Reformationstag (BB,MV,SN,ST,TH)                        
01.11.2017   Allerheiligen (BW,BY,NRW,RP,SL)                 
22.11.2017   Buß- und Bettag (SN)                          
24.12.2017   Heiligabend                                                   
25.12.2017   1. Weihnachtstag
26.12.2017   2. Weihnachtstag

Konfessionslose bilden in Deutschland zwar eine relative Mehrheit, aber die haben ja auch schon immerhin Null eigene Feiertage.
Höchste Zeit also – nach Ansicht des obersten Lutheraners in Deutschland – den Christen noch ein paar Feiertage zusätzlich zu geben.

Fotografieren ließ sich HBS für das Abendblatt-Interview in seinem bischöflichen Amtssitz unter einem Portrait eines der brutalsten und abscheulichen Antisemiten der gesamten Geschichte: Martin Luther.

"Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen...; Man sollte ihre Synagogen und Schulen mit Feuer anstecken, ... unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien (...) ihre Häuser desgleichen zerbrechen und zerstören."
(Von den Juden und ihren Lügen, Tomos 8, S. 88ff)

"Darum wisse Du, lieber Christ, und Zweifel nichts dran, dass Du, nähest nach dem Teufel, keinen bittern, giftigern, heftigern Feind habest, denn einen rechten Juden, der mit Ernst ein Jude sein will."
 (Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 182)

"Was wollen wir Christen nun tun mit diesem verworfenen, verdammten Volk der Juden? [...] Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Zum andern, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige darin, was sie in ihren Schulen treiben. Zum Dritten, daß man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein und Talmudisten. Zum Vierten, daß man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren. Zum Fünften, daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe. Zum Sechsten, daß man ihnen den Wucher verbiete und ihnen alle Barschaft und Kleinode an Silber und Gold nehme. Zum Siebten, daß man den jungen, starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel, und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nase."
 (aus Luther: Von den Juden und ihren Lügen, S. 233-238)

Hitlers Bruder im Geiste legte den Grundstein für die Vernichtung von Millionen Juden im 20. Jahrhundert – unter dem Jubel lutherisch-evangelischer Kirchenführer.

«Luther war ein Riese, er sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen.» So beschreibt Adolf Hitler sein Idol, den evangelischen Reformator Martin Luther, in einem Gespräch mit seinem Mentor Dietrich Eckart. So immens war Hitlers Bewunderung für Luther, dass die Nazis Luthers zahlreiche Dekrete gegen die Juden mit deutscher Gründlichkeit, rückhaltloser Unterstützung der christlichen Kirchen und der tatkräftigen Hilfe gütiger Christenmenschen umsetzten. «Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher» («Mein Kampf»).

Eine entsetzliche Schande, daß immer noch so viele Kirchen, Straßen und Plätze den Namen der Inspiration Adolf Hitlers tragen.

Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) fordert anlässlich des Reformationstages die Umbenennung der nach Martin Luther benannten Straßen und Plätze.
„Wenn heute an Martin Luther erinnert werden soll, darf dies nicht kritiklos geschehen“, sagt René Hartmann, erster Vorsitzender des IBKA. „Angesichts seiner Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, seiner Geringschätzung der Frau und vor allem seines extremen Antijudaismus ist Luther als Namensgeber für Straßen und Plätze absolut ungeeignet.“ Denn ein Straßenschild verschweige zwangsläufig die dunklen Seiten des Reformators und trage somit zu einem falschen Geschichtsverständnis bei.
Die evangelischen Kirchen rief Hartmann dazu auf, ihren Worten Taten folgen zu lassen und die Forderung des IBKA zu unterstützen. [….]

Der lutherische Oberbischof Heinrich Bedford-Strohm findet Luther hingegen offensichtlich ganz toll – so wie seine Vorvorgängerin Margot Käßmann, die als Lutherbotschafterin durch die Welt zieht.

[….] Wer Gott liebt [….], der kann gar nicht anders, als sich für das Wohlergehen der Menschen, und das heißt eben auch: für politische Fragen zu interessieren. [….]

Da ist ja die Kirche das beste Beispiel. Pogrome, Kolonialismus, Missionierung, Genozide, Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Inquisition, massenhaftes Kindervergewaltigen, exzessives Prügeln von Ehefrauen und Kindern, Sklavenhandel, Waffensegnen – ja, mit Liebe zu Gott orientiert man sich am menschlichen Wohlergehen. Der IS ist in dieser Beziehung ebenfalls führend.

[….] Bei Themen wie dem Umgang mit den Ressourcen der Schöpfung, dem Alter oder Pflegebedürftigkeit sieht man, dass man darüber gar nicht nachdenken kann, ohne das Feld der praktischen und damit auch politischen Gestaltung zu berühren. [….]

Deswegen heißt es auch in Pflegeheimen in christlicher Trägerschaft nach wie vor, daß Juden, Muslime und Atheisten unerwünscht sind, daß das Arbeitsrecht draußen bleiben muß, daß kein gewerkschaftliches Engagement geduldet wird.

[….] Gerade Christen sollten in politischen Parteien mitarbeiten, um diese Welt zum Wohl der Menschen aktiv mitzugestalten. Christen können sich für eine politische Kultur engagieren, in der es strikt um die Sache geht und nicht zuerst um Parteiinteressen. [….]

Das zeigt sich bekanntlich in der christlichen CSU und den christlichen US-Republikanern ganz stark, wie sie zum Wohle von Frauen und LGBTIs und Flüchtlingen engagiert sind.

[….] Martin Luther würde sicher wählen gehen, weil er politisch engagiert war. [….] Er hat sich für die Armen eingesetzt, etwa für eine kommunale Armenversorgung, die man als Vorgänger des modernen Sozialstaats sehen kann. Aber er hat sich auch gegen Fürsten gewandt, die jenseits ethischer Kriterien Kriege führen. [….]

Genau, HBS, Luther war ein Arbeiter- und Bauernfreund.

"Leiden, Leiden, Kreuz, Kreuz, ist der Christen Recht, das und kein anderes." (Martin Luther)

"Christen verzichten darauf, sich gegen die Obrigkeit zu empören."
(Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526)

"Denn freilich streiten die Christen nicht, noch gibt es bei ihnen eine weltliche Obrigkeit. Ihre Herrschaft ist eine geistliche Herrschaft, und dem Geiste nach sind sie niemandem als Christus allein unterworfen. Mit Leib und Besitz aber sind sie dennoch der weltlichen Obrigkeit unterworfen und Gehorsam schuldig. Wenn sie nun von der weltlichen Obrigkeit zum Kriege aufgerufen werden, sollen und müssen sie kämpfen, aus Gehorsam, nicht als Christen, sondern als Glieder und als untertänige, gehorsame Leute, dem Leibe und dem zeitlichen Besitze nach." (Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526)

"Wenn es rechtmäßig zugeht, hat die Obrigkeit mit ihren Untertanen nichts anderes zu tun, als das Recht zu bewahren, Gericht zu halten und Urteile zu fällen. Wenn sie sich aber empören und auflehnen, wie es jüngst die Bauern taten, ist es recht und billig, gegen sie mit Gewalt vorzugehen."
 (Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526)

"An sich ist das Amt des Schwertes recht und eine göttliche, nützliche Ordnung, und Gott will, dass sie nicht verachtet, sondern gefürchtet und geehrt wird und Gehorsam genießt. Anderenfalls soll es nicht ungerächt bleiben, wie der heilige Paulus Römer 13, 2 schreibt. Denn er hat eine doppelte Herrschaft unter den Menschen aufgerichtet: eine geistliche, durch das Wort und ohne Schwert, wodurch die Menschen fromm und gerecht werden sollen, so dass sie mit dieser Gerechtigkeit das ewige Leben erlangen. Solche Gerechtigkeit bewirkt er durch das Wort, das er den Predigern aufgetragen hat. Die andere Herrschaft ist weltlich durch das Schwert, damit diejenigen, die nicht durch das Wort fromm und gerecht für das ewige Leben werden wollen, dennoch durch diese weltliche Herrschaft gezwungen werden, fromm und gerecht zu sein vor der Welt. Und solche Gerechtigkeit bewirkt er durch das Schwert."
 (Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526)

"Es ist eine verdammte, verfluchte Sache mit dem tollen Pöbel. Niemand kann ihn so gut regieren wie die Tyrannen. Die sind der Knüppel, der dem Hund an den Hals gebunden wird. Es ist besser, wenn Tyrannen hundert Ungerechtigkeiten gegen das Volk verüben, als dass das Volk eine einzige Ungerechtigkeit gegen die Tyrannen verübt."
(Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526)

"Man darf dem Pöbel nicht zu viel pfeifen, er wird sonst gern toll. Es ist billiger, ihm zehn Ellen abzubrechen, als ihm in einem solchen Falle eine Handbreit, ja, die Breite eines Fingers einzuräumen.
(Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526)

"Der Mensch ist zur Arbeit geboren wie der Vogel zum Fliegen."
 ("Luther heute: Ein trefflich Wort", Verlag Neues Leben, S. 8)

"Armut ist in der Stadt groß, aber die Faulheit viel größer."
 ("Luther heute: Ein trefflich Wort", Verlag Neues Leben, S. 38)

"Geld, Güter, Land und Leute haben ist an sich selbst nicht unrecht, sondern Gottes Gabe und Ordnung."
("Luther heute: Ein trefflich Wort", Verlag Neues Leben, S. 40)

Bedford-Strohm ist ganz begeistert von diesem Luther und fährt fort:

[….] Wir brauchen heute viel mehr von dem, was Luther als Freiheit eines Christenmenschen bezeichnet hat: Wir könnten viel mehr aus der Zuversicht leben, aus der Hoffnung. Diese Welt geht eben nicht den Bach runter, sondern sie ist in Gottes Hand. Luther lehrt uns, aus solch tiefer innerer Freiheit für andere Menschen einzutreten. [….]


[….] Sowohl der Reformationstag als auch der Buß- und Bettag sind Tage, an denen ein Land zur Besinnung kommen kann und sich fragen kann: Wie wollen wir in unserem Land zusammen leben? Welche ethischen und kulturellen Grundlagen machen uns aus? Feiertage sind enorm wichtig für die moralische und soziale Infrastruktur Deutschlands. [….] Am besten wäre es, wenn beide bundesweite Feiertage wären: Der Reformationstag und der Buß- und Bettag. [….]
(Bedford-Strohm im HH Abla 27.10.16)
                             
Einen schönen Vorschlag las ich heute in einem atheistischen Forum.

Von mir aus könnten wir die kirchlichen Feiertage gegen zehn zusätzliche Urlaubstage eintauschen. So wäre allen gedient: Die Christen könnten trauern, büßen und beten, die Muslime könnten ihr Zuckerfest machen oder was auch immer, und wir Atheisten fahren in die Ferien. [….]

Die Hoffnung, wenigstens einen atheistischen Feiertag zu bekommen, hegt offenbar wenigstens die Giordano-Bruno-Stiftung, die dies seit Jahren fordert.

[….] Christi Himmelfahrt soll künftig Evolutionstag heißen! Das ist das Ziel einer Kampagne, die die Giordano Bruno Stiftung am Aschermittwoch startete. Das Darwin-Jahr 2009 biete einen hervorragenden Anlass, um den enormen Erkenntnisgewinn durch die Evolutionstheorie gesellschaftlich stärker zu verankern, erklärte gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon am Stiftungssitz in Mastershausen.
Eine gute Möglichkeit hierfür sei die Einrichtung eines offiziellen Feiertags: „Am Evolutionstag sollte gefeiert werden, dass wir endlich den kindlichen Narzissmus überwunden haben, der uns dazu verleitete, unsere Art als 'Krone der Schöpfung’ zu betrachten.“ [….]

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Poppen.



Sex finde ich aus zwei Gründen ganz schlecht.

·        Einerseits ist er die Ursache für die gräßliche Überbevölkerung – und wir sind schon viel zu viele Menschen auf dem Planeten.

·        Andererseits geht der Sexualtrieb oft mit Machtgefühlen einher, so daß eine in irgendeiner Weise übergeordnete Person aus einer Machtposition heraus die Andere zum Sex nötigen kann. Das beste Beispiel dafür ist Donald Trump, der ganz offensichtlich denkt aufgrund seiner Berühmtheit und seines Reichtums auch 50 Jahre jüngere Frauen beliebig an die „Pussy“ grabschen zu können. Wie ekelhaft von ihm.

Schließt man aber diese beiden Problempunkte aus, indem man a) verhütet und b) streng einvernehmlich Geschlechtsverkehr praktiziert, finde ich Sex gar nicht.

Sex entzieht sich der moralischen und allgemeinen Bewertbarkeit.

Es ist absurd eine so private und intime Angelegenheit zu preisen oder auf einer Skala zu raten. Kein Mann und keine Frau steigt in meiner Achtung, weil er/sie besonders viel Sex praktiziert.
 Angesichts der extrem breiten Fächerung von sexuellen Vorlieben erscheint es mir auch grotesk mit der Gestalt seiner eigenen Primären, Sekundären oder Tertiären Geschlechtsmerkmalen zu prahlen.
Diminuiert es nicht die menschliche Kultur, wenn den Werbern weltweit immer wieder nur Anspielungen auf Busen und Penis als selling-arguments einfallen?

Es ist selbstverständlich genauso absurd sexuelle Aktivität zu verdammen, wie es nach wie vor in den allermeisten Kulturen und Religionen geschieht.
Aus religiöser Sicht ist es sinnvoll die totale Enthaltsamkeit zu verlangen, da sich so gut wie niemand daran halten kann und nur durch das daraus resultierende schlechte Gewissen die Gläubigen ihren religiösen Führern gegenüber hinreichend hörig und spendabel bleiben.
Darüber hinaus macht der kulturelle Jungfrauenwahn aber keinen Sinn.
Es ist erstens unfair, weil nicht jungfräulichen Männern frühere sexuelle Aktivitäten nicht zu beweisen sind, während Frauen das Hymen-Problem haben.
Es ist zweitens kontraproduktiv, da Geschlechtsverkehr wie die allermeisten Tätigkeiten Übung erfordert. Glücklicherweise wird es also üblicherweise im Laufe der Zeit besser als beim „Ersten Mal“.
Insofern sind djihadische Märtyrer eher gestraft, wenn sie im Himmel bei Allah 72 mal mit einer Jungfrau schlafen sollen.

Verblüffenderweise sind die meisten Menschen im 21. Jahrhundert immer noch nicht in der Lage ein neutrales Verhältnis zum Sex zu generieren.
In der Pubertät kichert und geniert man sich, man verheimlicht vor den einen, um vor den anderen umso mehr anzugeben.
In der Öffentlichkeit, auch das zeigt der amerikanische Wahlkampf mustergültig, wird schon das Sprechen über Sex als schockierend empfunden.
Verschämt sprechen US-Anchors vom „P-Word“, als ob einen beim Aussprechen von „Pussy“ oder „Penis“ sofort der tödliche Blitzstrahl Gottes treffe.
Konterkariert wird diese bizarre öffentliche Scham aber durch das immerwährende Faszinosum, welches die sexuelle Aktivität von Celebritys aller Art darstellt.
Scottie Nell Hughes kreischte noch vor einigen Tagen bei Erin Burnett hysterisch wie sehr sie immer noch offended davon wäre, daß ihr kleiner Sohn vor 20 Jahren fragte, was ein „Oral Office“ wäre, daß Bill Clinton das Amt wie kein anderer beschmutzt habe.

Nun, ganz offensichtlich war das was zwischen Bill Clinton und einer Praktikantin vorging, einvernehmlich, bzw sogar aufgrund der enormen Schwärmerei Lewinskis für ihren Chef entstanden. Clinton tat auch sicher nichts dafür dieses Vorkommnis öffentlich zu machen. Es waren eindeutig Nell Huges‘ Republikaner, die jahrelang über nichts anderes sprachen.
Ich finde es irrelevant und unpeinlich, wenn ein Präsident oder Kanzler Oralsex mit einer Person praktiziert, mit der er/sie nicht verheiratet ist.
Relevant und peinlich ist aber, wenn sich Parteien und Kirchen auch 20 Jahre später so brennend dafür interessieren, daß sie nicht aufhören können im maximalen Hypocritenmodus darüber zu sprechen.

Ob Angela Merkel im Bundeskanzleramt (einvernehmlichen) Sex mit anderen Menschen als Prof Sauer hat, ist politisch und moralisch so uninteressant, daß ich nicht sagen könnte, ob ich gut oder schlecht darüber denke.

Die Deutschen und ihre Medien sind hingegen schon auf die Gegenfahrbahn geraten.
Nach der großen Sorge, sie könnten aussterben, folgt nun das Lamento darüber, daß hierzulange zu wenig gepoppt werde.

Neue Studie zeigt: Immer weniger Deutsche sind sexuell aktiv. Vor allem die Jungen hängen durch. [Brüllwitz-Wortspiel – T.]
Bei vielen jungen Paaren herrscht heute Smog im Schlafzimmer: dicke Luft und kein Verkehr. Das ergab eine Langzeitstudie der Universität Leipzig. Heute sind demnach nur noch 67 Prozent der Deutschen sexuell aktiv; im Jahre 2005 waren es noch fast 74 Prozent. Das liegt vor allem an der jungen Generation, die offenbar etwas durchhängt. Hatte die US-Popsirene Madonna noch vor Jahren über die einschlägigen Qualitäten junger Männer gejauchzt: "Sie wissen zwar nicht, was sie da tun, aber sie tun es die ganze Nacht", so muss nun festgestellt werden, dass fast 30 Prozent der jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren nur noch ausgefallenen Sex praktizieren. Montag ausgefallen, Dienstag ausgefallen … [….]

Was für ein sagenhafter Unsinn.
Viel Sex ist genau gut oder schlecht, wie wenig Sex.

Schuld ist natürlich wieder einmal das böse Internet. Da der gemeine Millenial  jederzeit unkompliziert mit Youporn eine Masturbation einlegen kann, erspart er sich womöglich die zeitraubende Suche nach realen Kopulations-Kumpanen.
So what?
Die meiste Zeit in der Geschichte der menschlichen Zivilisation wurde Ersatz-Sex auf einseitiger Basis vollzogen.
 Prostitution gab es immer. Im 19. Jahrhundert stellten bürgerliche Familien aus Angst vor der Syphilis ein „Hausmädchen“ an, wenn sie einen pubertierenden Sohn hatten. (Stichwort Stefan Zweig: „Die Welt von gestern“). Es gab das „Ius Prima Noctis“ und wie man aus dem Kinsey-Report weiß, poppten Teenager in ländlichen Gebieten der USA in den prüden 50er Jahren mit großer Selbstverständlichkeit Kühe und Schweine.
Schließlich gab es gerade mal zwei Dekaden vor der AIDS-Krise, in denen Hippies und Kommunarden tatsächlich mehr Sex unter erwachsenen Menschen auf freiwilliger Basis hatten, aber das war den konservativen Schreiberlingen im „Hamburger Abendblatt“ schon gar nicht recht.

Kaum zu glauben; kaum poppen die Deutschen aber etwas weniger, wird das auch wieder beklagt.

WARUM INTERESSIERT DAS JEMAND???

Die Kollegen von der Süddeutschen Zeitung grübeln unterdessen wie zukünftig die „kulturelle Leistung“ der Privatpornos zu bewerten sei.

Nach Erkenntnissen einer Datenanalyse im Auftrag der Firma Vexcash hat jeder sechste Deutsche schon einen »Privatporno« gedreht. Obwohl leicht rätselhaft bleibt, was um Himmelswillen die übrigen fünf Sechstel mit ihren hochleistungsfähigen Smartphonekameras anfangen, entsteht hier eine beeindruckende Datenmenge. Selbst, wenn wir konservativ annehmen, dass also rund 10 Millionen Deutsche jeweils einen etwa fünfminütigen »Privatporno gedreht« haben, ergibt dies eine akkumulierte Privatporno-Laufzeit von fast hundert Jahren. Ist dies der wahre Datenschatz, den die Cyberarchäologinnen der Zukunft heben werden, und mit Hilfe dessen sie analysieren werden, wer wir waren? Ist es das, was am Ende von uns und unserem Zeitalter bleiben wird? [….]

WIESO INTERESSIERT DAS JEMAND???

Wir wissen von Höhlenmalereien, daß auch Onkel Neandertaler poppte.
Was für eine Überraschung.

Sofern in 1000 Jahren noch Menschen existieren und dann Speichermedien mit sexuellen Aufzeichnungen aus dem frühen Internetzeitalter auftauchen sollten, wird es ebenso wenig überraschend sein, daß schon im 21. Jahrhundert gepoppt wurde.

Im „Jetzt“, dem Jugend-Ableger der SZ, befürchtet man hingegen, die Liebe käme zu kurz.

Die Vereinbarkeit von Liebe und Leben scheint 2016 keineswegs sichergestellt. „Wenn es mehr als ein Jahr dauert, ohne Garantie, wie sollen wir uns dann bitteschön verlieben?" Und leise, aber durchdringend höre ich das Schleifen der Verantwortung auf dem Boden der Tatsachen, wie sie gerade wieder einmal von jedem einzelnen von sich weggeschoben wird. Dass es an sich legitim ist, die Knappheit der Ressource Zeit zu beklagen, dass in der Entschuldigung „keine Zeit für die Liebe“ ein Viertelkörnchen Wahrheit steckt, weil man für viele Sachen wirklich keine Zeit hat, macht diese Verteidigung nicht besser. [….]

Natürlich, Herr Karig, war es in den meisten Jahrhunderten viel einfacher, als man Liebe und Ehe synonym verwendete, als jemand anders die Auswahl des Partners übernahm.
Onkel Neandertaler schlug Tante Neandertaler aus dem Nachbarstamm vermutlich einfach mit einer Keule bewußtlos und schleppte sie dann mit in seine Höhle.
Hat auch funktioniert.

Durch das Internet ist die Auswahl bei Sex und Liebe sehr viel größer. Das macht es komplizierter als vor 300 Jahren, als für die Bauernmagd ohnehin nur der hinkende Bauernjunge vom Nachbarhof blieb.

In der Regel lebt man auch nicht mehr zusammen mit fünf Schweinen, drei Kühen und 12 Geschwistern in einem Schuppen, so daß nachts coram publico einmal über die Angetraute rübergerollt wird – egal, ob sie will oder nicht.

So einfach ist es nicht mehr.
Aber will man solche Zeiten zurück?

Dienstag, 25. Oktober 2016

Fluchtursachen bekämpfen – Teil III



Im Kanzleramt klopft man sich engagiert gegenseitig auf die Schulter.
Das hat doch gut geklappt, die Flüchtlingszahlen gehen deutlich zurück; Auffanglager können geschlossen werden und Angela Merkels Beliebtheit steigt wieder an.
Die GroKo im Glück; einer vierten Merkel-Amtszeit steht nichts im Weg. Sie wird die 16 Jahre voll machen. Vermutlich auch die 20 Jahre.

Nicht ganz so wundervoll sieht es für die heimatvertriebenen Menschen aus, die völlig verzweifelt aus den total zerstörten syrischen Städten fliehen.
Die Kehrseite von Merkels „Erfolg“ ist, daß Frauen, Kinder, Greise, Säuglinge, Männer ins Mittelmeer getrieben werden und dort ersaufen.

„Die Zunahme der Todesfälle im Mittelmeer geht direkt aufs Konto der Europäischen Union“, kommentiert die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke, Meldungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, denen zufolge bislang in diesem Jahr 3740 Flüchtlinge auf dem Mittelmeer ums Leben kamen. Das sind noch vor Beginn der stürmischen Wintermonate fast genauso viele wie im ganzen vergangenen Jahr. Jelpke weiter:
 „Die Abschottungspolitik der EU zeigt ihre tödlichen Folgen: Weniger Menschen wagen die Überfahrt in die EU, aber die Zahl der Todesfälle steigt.
Die Schließung der Balkanroute und des Fluchtweges über die Ägäis führen erwartungsgemäß zu einer Rückverlagerung der Fluchtrouten ins zentrale Mittelmeer. Die Menschen sind so verzweifelt, dass sie sich von einer Flucht nicht abhalten lassen. Doch je mehr die EU nordafrikanische Grenzschützer ausstattet, mit Frontex und Kriegsschiffen Präsenz zeigt und gegen Schlepper vorgeht, desto mehr werden Flüchtlinge dazu gezwungen, auf immer gefährlichere Fluchtwege und Schiffe auszuweichen.
Die EU hat es in der Hand, das Sterben auf dem Mittelmeer zu beenden. Sie muss den Türkei-Deal aufkündigen und endlich legale und sichere Fluchtwege eröffnen.“
(PM Die Linke, Bundestagsfraktion, 25.10.2016)

Aber in Berlin herrscht eitel Sonnenschein. So lange die Menschen in Mossul, Aleppo oder im Mittelmeer verrecken, stört es die frommen Christen der Bundesregierung nicht.
Hauptsache, sie kommen nicht (lebendig) in Deutschland an.

Man könnte natürlich theoretisch auch versuchen den Menschen zu helfen, bevor sie entweder tot, oder derart verzweifelt sind, daß sie fliehen müssen.
Ein verwegener Gedanke, der offensichtlich im Bundeskanzleramt unbekannt ist.

Merkel sorgt mit dafür, daß Fluchtursachen verstärkt werden.

Drei Beispiele dafür:

1.) In Syrien bewaffnet die Bundesregierung sowohl die Kurden, als auch die Türken, die gegen die Kurden kämpfen. Mit dem Waffennachschub für beide Kriegsparteien wird dafür gesorgt, daß der entsetzliche Krieg in Syrien weiter geführt werden kann.

2.)   Die EU intensiviert ihre Bemühungen Afrikas Landwirtschaft zu zerstören und ruiniert die Lebensgrundlagen dort so sehr, daß für Millionen Menschen nur Flucht bleibt.

[…] Die Ausbeutung eines an Rohstoffen so reichen Kontinents ist da nur ein Aspekt. Das geplante "Freihandelsabkommen" zwischen der EU und afrikanischen Staaten ist ein anderer, noch wesentlich empörender Aspekt.  Angesichts dieses "Irrsinns" gab sogar Frank Plasberg seine Äquidistanz auf, und ARD-Korrespondentin Shafagh Laghai erklärte, was die ungleiche "Partnerschaft" schon heute bedeute. Dass nämlich die EU künftig sogar zollfrei tiefgefrorene Schlachtabfälle nach Ghana exportieren könne und damit den dortigen Bauern unterbiete, der in seiner Heimat nur noch einen Markanteil von zehn Prozent halte - am Markt für Hühnerhälse, Hühnerflügel oder Hühnerfüße, wohlgemerkt. Bei Coltan oder Diamanten dürfte es nicht viel fairer zugehen.  Auch der Klimawandel, führte Bierdel aus, ist nicht eben auf afrikanische Schwerindustrie zurückzuführen - die blutigen Umwälzungen rund um den Tschad-See aber sind eine sehr konkrete Folge dieses Wandelns. [….]


Merkel ist nicht irgendeine minderwichtige Regierungsperson, die nichts ausrichten könnte.
Sie amtiert viel länger als die meisten anderen und kontrolliert die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Erde, das mit Abstand größte Land der EU und den gegenwärtigen Exportweltmeister. (……)

Unsere grandiose Bundesregierung setzt eben andere Prioritäten.
So verkündete die allseits beliebte Angela Merkel, während sie global dafür sorgt die Fluchtursachen zu verstärken, indem z.B. neue Handelsabkommen mit Afrika die Lebensgrundlage von Millionen Armen zerstören (Stichwort: Holländische Landnahme in Äthiopien), es liege ihr daran, daß die Deutschen wieder mehr Kirchenlieder sängen.


Am besten werden Fluchtursachen aber aufgeplustert, indem wir ordentlich Waffen mitten in die Krisengebiete exportieren.

Deutschlands Rüstungsexporte steigen erneut, allein die Ausfuhr von Munition für Kleinwaffen hat sich in diesem Jahr verzehnfacht. Mit ihnen werden in Bürgerkriegen wie in Syrien die meisten Zivilisten getötet.
Insgesamt hat die Bundesregierung in den ersten sechs Monaten 2016 Rüstungsexporte im Wert von mehr als vier Milliarden Euro genehmigt - mehr als eine halbe Milliarde mehr als im Vorjahreszeitraum. Aufschlussreich sind die Einzelheiten im Rüstungsexportbericht, über den die Nachrichtenagentur dpa berichtet und der am Mittwoch im Kabinett beraten werden soll.
So hat die Bundesregierung die Ausfuhr von Kleinwaffen im ersten Halbjahr leicht zurückgefahren, doch haben sich zugleich die Exporte von Munition für diese Waffen verzehnfacht. Auffällig sind auch Verschiebungen in der Liste der wichtigsten Bestimmungsländer. So rückte etwa die Türkei seit Beginn der Flüchtlingskrise von Platz 25 auf Rang 8 vor. [….]

Herzlichen Glückwunsch, Merkel-Regierung!
Irgendwie muß man doch noch mehr Leute in die Flucht treiben und krisengeschüttelte Bürgerkriegsländer noch mehr in Chaos und Tod stürzen.

[….]  „2015 war schon ein Rekordjahr, das er in diesem Jahr offenbar nochmals übertroffen hat: Für das erste Halbjahr 2016 dürften die Zahlen noch einmal deutlich höher als die von DPA gemeldeten vier Milliarden Euro liegen, da Sammelausfuhrgenehmigungen noch nicht berücksichtigt worden sind – diese allein machen ein bis zwei Milliarden Euro aus.  Diese dramatischen Zahlen zeigen, dass das ganze System der Exportkontrolle überhaupt nicht funktioniert. Wir brauchen jetzt endlich klare, gesetzliche Verbote und als allererstes ein sofortiges Verbot von Kleinwaffenexporten. Denn die Vorstellung, dass jeden Tag irgendwo auf der Welt mit deutschen Waffen und deutscher Munition gemordet wird, ist unerträglich.
Wenn sich die von dpa gemeldeten Zahlen bestätigen, ist der Anstieg der Rüstungsexporte in kriegsführende Länder ganz besonders besorgniserregend. Saudi-Arabien führt gerade einen brutalen Krieg im Jemen - trotzdem haben sich die Waffenexporte aus Deutschland an die Saudis offenbar verdreifacht. Gleiches gilt für den massiven Anstieg der Waffenexporte an die Türkei, die gerade dabei ist völkerrechtswidrig und gegen den Willen der dortigen Regierung im nächsten Nachbarland, dem Irak, eine militärische Eskalation zu riskieren. Damit macht sich Deutschland auch mitschuldig an den Toten in Jemen, Kurdistan und dem Irak.“