Montag, 9. Juni 2025

Er will Bürgerkrieg

In Los Angeles, regiert von Karen Bass, leben vier Millionen Menschen, Im Großraum LA ballen sich 20 Millionen; in Kalifornien, regiert von Gavin Newsom, leben 40 Millionen US-Bürger.

Es ist der mit Abstand mächtigste Staat der USA. Nach Fläche der Drittgrößte, nach Bevölkerungszahl der Größte.

Insbesondere ist Kalifornien aber ökonomische Superpower, ohne die der Regierung in Washington die Luft ausginge.

[….] California's economy has overtaken that of the country of Japan, making the US state the fourth largest global economic force.

Governor Gavin Newsom touted new data from the International Monetary Fund (IMF) and the US Bureau of Economic Analysis showing California's growth.

The data shows California's gross domestic product (GDP) hit $4.10 trillion (£3.08 trillion) in 2024, surpassing Japan, which was marked at $4.01 trillion. The state now only trails Germany, China and the US as a whole.

"California isn't just keeping pace with the world - we're setting the pace," Newsom said.

The new figures come as Newsom has spoken out against President Donald Trump's tariffs and voiced concern about the future of the state's economy.

California has the largest share of manufacturing and agricultural production in the US. It is also home to leading technological innovation, the centre of the world's entertainment industry and the country's two largest seaports.

Newsom, a prominent Democrat and possible presidential candidate in 2028, filed a lawsuit challenging Trump's authority to impose the levies, which have caused disruption to global markets and trade.   [….]

(BBC, 25.04.2025)

Der Westküstenstaat gilt als demokratische Hochburg, wählt seit 33 Jahren zuverlässig links. Insbesondere bei den letzten drei Präsidentschaftswahlen, zu denen auf republikanischer Seite immer Donald Trump antrat, holte sich der orange geschminkte Faschist empfindliche Niederlagen. Alle 54, bzw 55, Wahlmänner gingen an die von Trump wie die Pest gehassten Clinton, bzw Biden, bzw Harris.

Kalifornien ist zudem ein melting pot und zeigt im Vergleich der US-Bundesstaaten ein ähnliches Phänomen, wie Hamburg im Vergleich zu den deutschen Bundesländern: Er wählt links, hat den zehnfachen Migrantenanteil der viel dünner besiedelten (stets stramm rechts wählenden) Staaten/Länder, aber eine unendlich größere Wirtschafts- und Anziehungskraft. Die Binnen-Migration geht weg von MeckPomm und Thüringen, hin nach Hamburg. Die klugen Köpfe der USA zieht es an die Küsten, die Doofen bleiben in den Red States in der Mitte.

Alle US-Bundesstaaten mit den höchsten Wirtschaftsleistungen pro Kopf sind blue states, werden schon lange demokratisch regiert.

Während Kalifornien 2024 auf ein BIP pro Kopf von 105.000 Dollar kam, liegen am anderen Ende der Skala nur stramm republikanisch regierte Red States: Die Habenichtse Mississippi (BIP pro Kopf 53.000 Dollar), Arkansas, West Virginia (je 60.000), Alabama (61.000), South Carolina (63.000), Idaho, Kentucky, Oklahoma (je 64.000). Das ist wenig verwunderlich, denn Republikaner, wie CDU, können keine Wirtschaft. Sie amputieren die eigene Kraft, indem sie gegen Wissenschaft, gegen Bildung, gegen Migranten, gegen Klimaschutz agitieren.

Unglücklicherweise sind die Wähler und die Mehrheit der Medien hüben, wie drüben, so dumm, genau das Gegenteil zu glauben.

 Sie wählen rechts, um die Wirtschaft zu stärken. Dabei verwechseln sie aber Milliardengeschenke an superreiche Industrielle mit „die Wirtschaft“.

Trump zeigt es gerade in Reinkultur; mit Rekordgeschwindigkeit ruiniert er die von Joe Biden boomend übernommene US-Wirtschaft. Rechte können nicht mit Geld umgehen. 

Trump gewinnt aber immer. Zumindest in seiner Selbstwahrnehmung. Wenn er mal nicht gewinnt, bekommt er sofort Schaum vorm Mund, beginnt zu schimpfen, wie ein Rohrspatz, verklagt den Gegner, bringt die Schiedsrichter vor Gericht und heult auf großer Bühne voller Selbstmitleid von Betrug. Alles ist „rigged against me.“


Die schiere Existenz Kaliforniens treibt Trump zur Weißglut.

Und so nutzt er seine enorme exekutive Macht, um den verhassten Staat ins Chaos zu stürzen. Sein Ego erträgt Kaliforniens Attraktivität nicht. Lieber zerschlägt er alles, treibt die USA in den Bürgerkrieg.


[…] Donald Trump beschreibt die Opposition mit Kriegsvokabular und entsendet Soldaten. Das löst nun sogar in seiner Gefolgschaft Unbehagen aus. […] Nach Los Angeles an der Westküste hat der US-Präsident am Wochenende „mindestens 2000 Soldaten“ beordert, um Proteste gegen seine Migrationspolitik zu beenden, wie er in einer Erklärung schrieb. Am Sonntag trafen die ersten Nationalgardisten in der Stadt ein, mobilisiert gegen den Willen der Regierung von Kalifornien und der Bürgermeisterin von Los Angeles. […] In einer Botschaft zum Pfingstsonntag feierte Trump „freudig die Herabkunft des Heiligen Geistes“ und stimmte ein Gebet für den Frieden an. Am Abend zuvor hatte er noch die Demonstrationen in Los Angeles zu einer „Form von Rebellion gegen die Autorität der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika“ erklärt. Der selten verwendete Passus war seine Rechtfertigung dafür, die Nationalgarde in Kalifornien unter den direkten Befehl des Pentagons zu stellen, ohne von den kalifornischen Behörden darum gebeten worden zu sein. […] Trump signalisierte, dass er bereit ist, noch schwereres Geschütz aufzufahren. „Eine einst großartige amerikanische Stadt, Los Angeles, wurde überrannt und besetzt von illegalen Ausländern und Kriminellen“, schrieb der Präsident auf den sozialen Medien. Nun wüte „ein gewalttätiger, aufständischer Mob“ in der Stadt. Das ist Kriegsvokabular. […] Trump selbst sagte am Wochenende lediglich mit drohendem Unterton: „Truppen werden überall sein.“ Das war nun sogar dem Editorial Board des Wall Street Journal zu viel. Der Verteidigungsminister habe „unnötig provoziert“, hielt das Meinungsgremium des konservativen Finanzblatts fest, das sonst viel Verständnis für die autoritären Neigungen des Präsidenten zeigt. „Das Land will keine Militärpatrouillen in den Straßen von Amerika, außer unter den schlimmsten Umständen“, ließ die Zeitung das Weiße Haus wissen. […]

(Fabian Fellmann, 09.06.2025)

Der Verbrecher, Faschist und Insurrectionist auf dem Thron in Washington ist unfähig, sich zu beherrschen. Das Wohl anderer; zum Beispiel das der US-Amerikaner; existiert in seiner Gedankenwelt gar nicht. Dort gibt es nur sein Ego.

Wer es wagt, wie Gouverneur Gavin Newsom zu widersprechen, wird mit übelsten Flüchen und Fäkalsprache überzogen, bedroht und niedergewalzt.


 […] Autokraten brauchen den Ausnahmezustand. Wenn die Ordnung zerfällt und Chaos ausbricht, dann schlägt bekanntlich die Stunde der Exekutive, dann gilt es, wer die Männer und Frauen mit den größten Waffen kommandiert. Und wieso nur auf den Ausnahmezustand hoffen und warten? Wieso ihn nicht gleich selbst herbeiführen? Das ist es offenbar, was Donald Trump vorhat, wenn er 2.000 Nationalgardisten nach Los Angeles beordert – gegen den Willen der demokratischen Regierung Kaliforniens. In L. A. demonstrieren Menschen seit Freitag, nachdem die Abschiebebehörde ICE eine groß angelegte Suchaktion nach nicht registrierten Migranten gestartet hatte. […] Nicht der Protest gegen Trumps brutale Abschiebeoffensive ist die Eskalation, sondern die Entsendung der Gardisten selbst, die einen Notstand schafft, wo es bislang keinen gab. Aber Trump sieht sich ohnehin nicht an das Recht gebunden. Wenn die Gesetze seinen politischen Vorhaben und autoritären Versuchungen im Weg stehen, dann muss eben das Recht gebogen oder übergangen werden.

Trump und seine Handlanger zeichnen derweil die nächste Drohkulisse. Verteidigungsminister Pete Hegseth bringt eine Entsendung von Marinesoldaten ins Spiel, und Trump denkt offen über die Anwendung des Insurrection Act nach. […] Der Showdown in Kalifornien zeigt auch erneut die Schwäche der Demokraten. Wieder einmal hat Trump die Initiative, wieder einmal reagieren sie. […]

(Leon Holly, 09.06.2025)

Sonntag, 8. Juni 2025

Genau wie ich

Ganz, ganz dosiert gucke ich mir gelegentlich Reality-TV an. Meine offizielle Rechtfertigung vor mir selbst lautet, daß man informiert darüber sein muss, wie sich Abermillionen Menschen in Deutschland amüsieren, welche Werte und Gedanken die Jugend umtreiben. Insbesondere die sprachlichen Moden interessieren mich, weil ich, als Mittfünfziger-Bücherwurm ohne Kinder, keinen Zugang zu dieser Sphäre habe. Es gibt aber eine weitere, heimliche Ebene, die ich mir ungern eingestehe: Im Entsetzen über die grotesken Moden, die bizarren Bodymodifications und sagenhafter Bildungsferne, liegt natürlich ein erhebendes Gefühl, selbst so viel klüger zu sein. Obgleich es unverdient ist, freue ich mich über meine eigene Lesekompetenz oder die Kenntnis von Sprichworten. Denn für meine Generation und mein Umfeld, ist das so selbstverständlich, daß es einem nie bewußt wird. Erst, wenn ich im Reality-TV sehe, wie die Mehrheit der Probanden daran scheitert, einfachste Sätze vorzulesen, fällt mir auf, was wir, im Gegensatz zu den Twens von heute, alles gelernt haben.


Auch Dank der großartigen Anja Rützel mit ihren geistreichen RealityTV-Analysen im SPIEGEL, gelange ich zu mehreren befremdlichen Erkenntnissen über (zumindest große Teile) unserer Gesellschaft.

1.   Es gibt keine Scham mehr.

2.   Je respektloser und unverschämter sich jemand benimmt, desto lauter fordert er Respekt ein, beklagt selbst respektlos behandelt worden zu sein.

3.   Längst vergangen geglaubte Geschlechterrollen kehren zurück. Junge Frauen wünschen sich maskuline Beschützer, die ihnen Entscheidungen abnehmen.

4.   Der ultimative Gütemaßstab ist das eigene Ego. Das höchste Lob lautet „Du bist genau wie ich“, respektive „die finde ich geil, weil ich bin genauso!“

Letzteres stößt mir besonders sauer auf, weil es die Entsprechung des Selfie-Wahns und Influencertums ist. Man präsentiert sich, weil man sich ganz selbstverständlich für den Nabel der Welt hält. Die eigene Relevanz wird gar nicht erst in Frage gestellt. Die Qualitäten der anderen, werden in der Ähnlichkeit zu einem selbst gemessen. Das erstaunt mich insofern, als das in meiner Jugend als extrem egoistisch angesehen worden wäre, während man heute dafür beglückwünscht wird.

Es passt aber auch rein zufällig nicht zu meiner Persönlichkeit; ich fand immer die Menschen interessanter, die anders als ich sind und mochte nie fotografiert werden. Das Internet ist frei von meinen Selfies, weil es sie nicht gibt.

Sehr gut kenne ich aber das parallele Gefühl aus der Welt der Kunst: Ich liebe natürlich Maler, Autoren, Musiker, die Stimmungen oder Ideen transportieren, durch die ich mich verstanden fühle. Romanfiguren, die etwas durchleben, in dem man sich wiedererkennt, berühren. Songs, die ein Gefühl vermitteln, welches in einem selbst rumort, ohne es exakt ausdrücken zu können, begeistern.

Dabei verschwimmen bewußte und unterbewußte Ebene, indem man sich für einen Gedanken erwärmt, der einem zwar ganz neu ist, aber sofort vertraut wirkt: „Das habe ich schon immer gesagt!“

Deswegen bin ich auch Anja Reschke-Fanboy der ersten Stunde. Seit 25 Jahren bewundere ich diese Frau, die sogar ein paar Jahre jünger als ich ist und ausgerechnet aus München stammt. Eine Bayerin.

Jede Ausgabe PANORAMA und RESCHKE FERNSEHEN lohnt sich. Ich freue mich auf jede ihrer Sendungen.

Vorgestern war sie zu Gast bei Michel Abdollahis Käpt'ns Dinner. Dort erfuhr man viel Persönliches über ihren familiären Hintergrund. Für mich durchaus faszinierend von ihrer Gymnasialzeit zu hören, weil sie nur vier Jahre nach mir Abitur machte, aber ihre Schilderungen wie aus einer anderen Welt klingen. Vielleicht ist es der Unterschied zwischen Hamburg und München, vielleicht Zufall.

[…] "Ich bin mit konservativen Werten aufgewachsen: Familie zählt, Verlässlichkeit zählt, Verbindlichkeit und all diese Sachen - und heute gilt man damit als links. Finde ich lustig. Die Frau, die an Weihnachten Klavier spielt und mit der ganzen Familie singt ist auf einmal links. Und wieso ist überhaupt seit Neustem "für Menschenrechte einstehen" links?" […]

(NDR, 07.06.2025)

Es amüsiert mich, zu hören, daß sie das Oktoberfest liebt, welches für mich das absolute Grauen darstellt. Es befremdet mich, wie sie erklärt, zwar ungläubig zu sein, aber trotzdem zahlendes Kirchenmitglied zu sein, weil sie es für wichtig hält, daß es über der Gesellschaft irgendeine höhere Instanz geben müsse, an die die Menschen glauben. Die Kirche habe zwar enorme Schuld auf sich geladen, aber ihr fiele nichts besseres ein.

Es schmeichelt mir, wenn sie Dinge benennt, die ich zufällig genauso sehe: Hamburg ist im Vergleich zu München eine Weltstadt. Oder, daß sie lange Zeit Fan der britischen Royals war, aber mit dem Tod der Queen, ihr Interesse völlig abgeklungen sei. Sie könne absolut keine Neugier für die Harry-Meghan-William-Kate-Kabale aufbringen.

Es blieb beim Käpt’ns Dinner natürlich nicht bei Oberflächlichkeiten. Es gab auch Deep Talk.

Michel Abdollahis Schlussfrage zielte auf die Zukunft; „guckst Du auf ein gutes Jahr 2030?“ (Minute 29:00)

Meine Antwort ist lange klar und wird kontinuierlich in diesem Blog wiederholt: Ich bin zutiefst pessimistisch. Aber was würde eine Profi-Journalistin sagen, die ihr Leben der tiefen Recherche widmet, erwachsene Kinder hat und auf Enkel hofft?

Reschke: „Ich bin kein Pessimist, aber ..Nein!“ [….] „Ich meine es nicht nur klimatisch, …, du siehst was sich in den USA abspielt, du siehst was sich in den europäischen Ländern abspielt, was sich in der Welt abspielt, was sich im Sudan abspielt; das ist alles grauenvoll und im Moment habe ich nicht das Gefühl, daß die Menschheit in der Lage ist, das in den Griff zu kriegen. Das ist total doof.“

Das war der „die finde ich geil, weil ich bin genauso!“-Part.

Aber es gab auch die erkenntnisreichen Sätze, in den Reschke Gedanken ausformuliert, die bisher nur eher schwammig in mir vorhanden waren.

Abdollahi fragt sie beispielsweise nach den drastischen Shitstorms, die sie 2015 von den Nazis erlebte. Minute 13:35. Sie stand aufgrund einiger klarer Worte im Tagesthemen-Kommentar in Zenit des AfD-Hasses. Damals noch etwas Besonderes, weil es nur wenige so heftig, wie Reschke traf, während zehn Jahre später, tausende öffentlich bekannte Personen, die sich mit humanen Ansichten zu Wort melden, mit Shitstorms überzogen werden.

Es war aber für Reschke 2015 dennoch leichter, weil sie noch von einem Grundoptimismus getragen wurde. Die Welt entwickelte sich schließlich  gesellschaftlich grundsätzlich in die richtige Richtung. Die Nazis, die sie angriffen, waren die Minderheit, die keinen Erfolg haben werden. Das sei jetzt aber anders. Nun fürchte sie, diejenigen, die mit Scheiße werfen, könnten Erfolg haben. Der Glaube an der stabile Land, daß der Faschismus überwunden sei, wurde ihr genommen.

Eine andere Frage Abdollahis lautete, wohin sich die Rechtspopulisten, die AfD, Trump eigentlich zurücksehnten. Die 1980er? (Minute 15:30)

 Reschke: „Die waren ja auch scheiße. [….] Am Ende ist der Mensch heute überfordert von dieser großen Anzahl der Möglichkeiten. Diese unfassbare Welt, die sich da aufgetan hat, wo du theoretisch alles werden kannst, alles haben kannst, alles sein kannst […] verspricht dir natürlich wahnsinnige Freiheit, bedeutet aber auch, daß mit jeder Entscheidung, die du in deinem Leben getroffen hast, du damit klarkommen musst, daß du irgendwas nicht geschafft hast. Es zeigt dir ja auch dauernd, ah guck mal, du hättest auch das sein können, ah guck mal, du hättest auch das kaufen können, du hättest auch dahin fahren können [….] dh du hast permanent das Gefühl es nicht richtig entschieden zu haben, was verpasst zu haben, andere zu sehen, die etwas besser gemacht haben, besser optimiert haben…“

Ich glaube, das ist ein ganz wesentlicher Punkt. In den Zeiten, zu denen sich Höcke und Trumpanzees zurücksehnen, war die Welt kleiner. Die Wege, die man ging, bereute man anschließend weniger und hatte weniger Gelegenheit, andere zu beneiden und sich ungerecht behandelt zu fühlen.

Samstag, 7. Juni 2025

Pride-Trittbrettfahrer

Wenn die Forschungsgruppe Wahlen die „politische Stimmung“ abfragt, wird sie als eine Art Naturgewalt gedeutet. Sie verlangt nach niedrigeren Steuern oder scharfen Asylgesetzen. Nach dieser Lesart, sind Parteien dem hilflos ausgeliefert und bekommen viel Lob von der Presse, wenn sie diesen Stimmungen entsprechen. Auch wenn diese Stimmungen der deutschen Ökonomie schwer schaden. Gesetze, Moral, Humanismus stören da nur.

In Wahrheit werden diese Stimmungen maßgeblich von den Parteien und ihren Themensetzungen, sowie der Presse erzeugt.

Wenn die AfD rund um die Uhr gegen Ausländer hetzt, die deutschen Talkshows den Hetzern den Roten Teppich ausrollen und CDUCSU-Politiker die xenophoben Narrative eifrig nachplappern, dreht sich natürlich die Stimmung gegen Migranten. Diese Stimmung, von Merz und Söder herbeigeredet, manifestiert sich in Gewalt. So kommt es zu einem Rekordhoch der rechtsextremen Straftaten in Deutschland.

Natürlich hat es Konsequenzen, wenn Nius, Springer, AfD und CSU geradezu manisch gegen alles Queere hetzen. Wenn ein Homophober, wie Merz, Bundeskanzler wird und klare Gegner der Menschenrechte um sich schart. Dobrindt, Reiche, Warken, AfD-Plapperer Weimer – alles Überzeugungstäter, die auf keinen Fall die Ehe für alle wollen.

Die schwulen- und transfeindliche Gewalt in Deutschland nimmt drastisch zu.

[….] CSDs trotzen rechten Angriffen: „Wir haben Angst, dass es wieder wird wie in den 90ern“ In Brandenburg finden diesen Sommer 17 CSD-Paraden statt, in ganz Ostdeutschland 50. Mit Gegenprotest von jugendlichen Neonazis ist zu rechnen. [….] Die CSD-Saison startete Ende April im sachsen-anhaltinischen Schönebeck – und das gleich mit einem Eklat. Die Polizei beendete die Veranstaltung vorzeitig, angeblich wegen fehlenden Sicherheitspersonals, später kritisierte sie auch den ungenügenden politischen Charakter der Reden. Die Veranstalter sprachen von Vorwänden, fühlten sich gegängelt und nicht gewollt. Schlecht ging es dann Mitte Mai im Westen weiter: Der CSD Gelsenkirchen musste wegen einer „abstrakten Bedrohungslage“ abgesagt werden. [….] Besorgt sind die Veranstalter:innen nicht mehr nur aufgrund einer gesellschaftlichen Stimmung oder mitunter feindlich gesinnter Stadtverwaltungen. Inzwischen sind es ganz praktische Sicherheitsfragen wie die Angst vor Nazi-Übergriffen, die die CSD-Orgas auf dem ostdeutschen Land beschäftigen. Präsent sind die Erinnerungen aus dem vergangenen Sommer. Damals kam es erstmals zu großen rechtsextremen Gegenprotesten. In Bautzen durfte ein militanter Mob aus 700 Neonazis dem CSD-Aufzug hinterherlaufen und dabei seinem Hass frönen.  Gezählt wurden 2024 insgesamt 27 Mobilisierungen gegen CSDs. Es war das Outcoming einer neuen Generation junger Neonazis, die den Sprung von der Internetvernetzung auf die Straße vollzogen. Inzwischen hat sich die Szene gefestigt, organisiert in immer mehr Gruppen. Die Feindschaft gegen Queers ist dabei eines der Grund­elemente dieser ideologisch wenig gefestigten Szene. Für die Organisator:innen der CSDs war Bautzen eine Zeitenwende. Das Thema Sicherheit ist seitdem viel präsenter, sagt Anna Klumb vom CSD Rheinsberg. Ebenso wie in Eberswalde fand in der nordbrandenburgischen Kleinstadt vor einem Jahr der erste CSD statt – Bautzen stand noch bevor – und Sorge vor Naziübergriffen hatte man kaum. Damals stand die „Konfrontation mit der Stadt“ im Vordergrund, erzählt Klumb. Der CSD war eine Antwort darauf, dass sich der Bürgermeister geweigert hatte, eine Regenbogenfahne zu hissen.

„Dieses Jahr haben wir eher Sorge vor Angriffen von außerhalb“, sagt Klumb. Trotz der hohen Kosten und fehlender Unterstützung vom Land habe man sich daher extra eine professionelle „Schutzgruppe“ eingekauft, um für die Sicherheit der Teilnehmer:innen, die auch aus Berlin und Hamburg anreisen werden, zu sorgen. [….]

(taz, 31.05.2025)

In den USA macht Fritzes neuer Freund Trump mit seiner gesamten Administration Jagd auf alles, das nach queer riecht. Schwulenrechte stehen nicht nur wieder zur Disposition, sondern werden in Rekordtempo zerschmettert.

Nun sieht man sehr schön, was die große gesellschaftliche Unterstützung der queeren community wert war: Nahezu nichts.

[….] Trumps Kampf gegen LGBTQ-Rechte verdüstert die Festivitäten zum Pride Month. In [….] diesem Jahr haben es Amerikas LGBTQ-Festivitäten so schwer wie seit den Unzeiten der weitverbreiteten Diskriminierung nicht mehr. Sponsoren ducken sich weg, Gäste bleiben aus, Galakonzerte werden abgesagt, die Organisatoren fürchten um die Sicherheit der Paraden.

Der Hauptgrund, wie so oft in diesen Tagen: Donald Trump.

»Die Regierung zeigt nicht, dass sie der LGBTQ-Community gegenüber freundlich und unterstützend eingestellt ist«, sagt deHarte, 60, dem SPIEGEL. Eine diplomatische Formulierung: Seit Trumps Amtsantritt hat sich das Klima enorm zulasten sexueller Minderheiten verschärft.

Der US-Präsident tut viel, um die LGBTQ-Gemeinschaft zu diskriminieren, zu schikanieren und aus dem öffentlichen Leben zu tilgen . Trans Personen werden aus dem Militär und dem Sport geworfen, Gelder für die HIV-Bekämpfung gestrichen, Regenbogenflaggen verboten, Dragshows verteufelt. Auch erkennt das Weiße Haus den Juni nicht länger als »Pride Month« an, sondern hat ihn zum »Title IX Month«  ernannt. »Title IX« ist ein Gesetz von 1972 gegen sexuelle Diskriminierung im Bildungswesen, das Trump gegen trans Personen im Schulsport instrumentalisiert hat.

Der jüngste, plakative Schlag gegen die LGBTQ-Community: Verteidigungsminister Pete Hegseth hat angeordnet, das Marineschiff USNS »Harvey Milk« , benannt nach dem 1978 ermordeten schwulen Politiker aus San Francisco, umzutaufen. Milks Name und die Namen anderer Bürgerrechtler – meist Frauen, Schwarze oder Latinos – haben in Hegseths Militär künftig nichts mehr zu suchen.

»Wir bewegen uns als Gesellschaft rückwärts«, klagt Eric Holguin, ein schwuler Demokrat und Latino-Aktivist aus Texas. »LGBTQ-Menschen werden diffamiert. Und viele andere schweigen dazu.«

Besonders betroffen sind zurzeit die größten Pride-Veranstaltungen, bei denen die errungenen LGBTQ-Rechte mit Märschen, Straßenfesten und Dancepartys zelebriert werden – darunter in New York, Los Angeles, Atlanta und Chicago. »Doch das ist nichts Neues«, sagt Ron deHarte. »Wir mussten immer schon lange und hart für alles kämpfen, was wir erreicht haben. Das wird so weitergehen.« [….] Ähnliches erleben auch andere Pride-Festivals. Bei einer Umfrage  unter mehr als 200 US-Konzernen gaben fast 40 Prozent im April an, ihr LGBTQ-Engagement – Sponsoring, Pride-Merchandise, Social-Media-Posts – gedrosselt zu haben. Die Mehrheit fürchtet Boykotte durch Konservative oder Konsequenzen aus Washington, das jegliche unternehmerische Diversitätsmaßnahmen für illegal erklärt hat. »Es ist klar, dass die Regierung und ihre Anhänger hinter dem Sinneswandel stecken«, sagt Luke Hartig, der Chef der Consultingfirma Gravity Research, die die Umfrage veranstaltete, zu CNN. »Unternehmen stehen unter wachsendem Druck, keine offene Stellung mehr zu beziehen.« [….]

(Marc Pitzke, 07.06.2025)

Vor 20 Jahren begannen ökonomische Interessen, die kulturelle Borniertheit der Industrie über zu kompensieren. Die Wirtschaft sah in Schwulen etwas weniger die schrillen Sonderlinge und etwas mehr die DINKS – double income no kids. Sehr konsumfreudige Doppel-Gutverdiener. Wenn einen Marke bei Schwulen „angesagt ist“, zahlt sich das massiv in den Kassen der Hersteller aus. (In diesem Fall ist es richtiger von „Schwulen“, statt von dem inklusiveren „LGBTIQ*“ zu sprechen, weil es nun einmal Männer sind, die mehr Geld verdienen in dieser Gesellschaft.)

Allerdings kommt mit den MAGAs und Trump eine enorm mächtige Gegenbewegung, die frühere Pride-Unterstützer reihenweise einknicken lässt.

[….] Am Wochenende soll in Washington D.C. die WorldPride stattfinden. [….] Dieses weltgrößte Festival der Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transmenschen, Queeren und Non-Binären war in den vergangenen Jahren in anderen Metropolen wie London, Madrid, Kopenhagen und Sydney zu Gast. Diesmal ist erstmals D.C. an der Reihe, der amerikanische Bundesdistrikt, der auch noch gleichzeitig das 50. Jubiläum des jährlich dort stattfindenden Capital Pride feiert.

Erst rechneten die städtischen Behörden mit zwei bis drei Millionen Besuchern, inzwischen wurden die Zahlen nach unten korrigiert. Man hört von fehlenden Hotelbuchungen und Aktivisten, die lieber zu Hause bleiben. Das liegt nicht daran, dass es am Wochenende etwa regnen soll – das Problem besteht eher darin, dass Donald Trump ins Oval Office zurückgekehrt ist. [….] Er regierte auch 2019, als der World Pride zuletzt in den Vereinigten Staaten Station gemacht hatte. Damals wurden in New York dennoch um die fünf Millionen Gäste gezählt, es war eine andere Zeit. Diesmal begann der US-Präsident seine zweite Amtszeit im Januar unter anderem mit der Verfügung, dass es in den USA nur noch zwei Geschlechter gebe, Männer und Frauen. Diese seien „unveränderlich und basieren auf einer fundamentalen und unumstößlichen Realität“.

Diese Verordnung trug den Titel „Schutz der Frauen vor dem sexuell-ideologischen Extremismus und Wiederherstellung der biologischen Wahrheit in der Bundesregierung“. Und in diesem Ton geht es seither weiter. Der oberste Amerikaner lässt keine Gelegenheit aus, über alles herzuziehen, was mit dem Wort „gender“ zu tun hat, es ist für ihn und seine Leute ungefähr so schlimm wie „wokeness“, also irgendwie links zu sein. Er ließ auch sämtliche Programme beenden, die mit „diversity, equity and inclusion“ zu tun haben. Vielfalt, Gleichheit und Inklusion, kurz DEI.

Transgender-Personen werden aus der US Army und von Wettkämpfen für Frauen ausgeschlossen. Falls sie im Gefängnis sitzen, dann ist die Verlegung in Haftanstalten für Männer vorgesehen. In Pässen und Visa muss wieder das „korrekte biologische Geschlecht“ angegeben werden, Trump will im Zuge seines Kahlschlags mit Steuersenkungen auch Hunderte Millionen Dollar bei der Bekämpfung von HIV kürzen. Kürzlich behauptete er wieder, dass mit der Zucht von „Transgender-Mäusen“ Geld verschwendet worden sei, dabei ging es um Forschung.

Aggressionen vor allem gegen Transgender-Menschen nehmen zu, im Viertel Adams Morgan von D.C. wurde kürzlich eine LGBTQ+-Bar demoliert. „Faggot“ hat jemand an eine Wand geschmiert, ein Schimpfwort für homosexuell. In diesem Klima also findet dieser World Pride 2025 statt, wobei das mehrheitlich demokratische Washington alles andere als eine konservative Hochburg ist, sonst wäre dieses Ereignis ja nie hier gelandet. [….]

(Peter Burghardt, 05.06.2025)

Freitag, 6. Juni 2025

Nazis im Pech

Es ist natürlich DAS weltweite Megathema der letzten 24 Stunden.

Ausgerechnet mitten im Pridemonth zerbricht die große Männerliebe zwischen dem mächtigsten Mann der Welt und dem reichsten Mann der Welt.

Ausgerechnet Alexandria Ocasio-Cortez fand die richtigen Worte:

“Oh, man, the girls are fighting, aren’t they?”

Falls irgendjemand unter einem Stein leben sollte und es noch nicht mitbekommen hat; folgendes ist passiert.


Ich schließe mich den beiden Hauptdeutungen an.

Erstens war dieses Zerwürfnis, wie auch AOC an ihre fighting-girls-Bemerkung anschließend ausführte, von fast allen politischen Beobachtern erwartet worden. In MAGAstan ist nur Platz für einen Gott. Aber weder Trump noch Musk sind in der Lage, irgendwo die Nummer Zwei zu spielen.


[….]  “You know, I would say that this was something that was a long time coming, where we’ve been seeing that these two huge egos were not long for being together in this world as friends. And so I think this breakup, we’ve been seeing a long time coming. But we’ll see what the impacts are of it legislatively.” [….]

(Mediaite, 06.06.2025)

Zweitens war die Eskalation viel schneller und heftiger, als erwartet. Der US-amerikanische Terminus lautete „Elon went nuclear“. Die nukleare Option ist immer die äußert und extremst mögliche. Das klingt dramatisch, aber die Analogie ist etwas schief, da der Sinn einer nuklearen Bedrohung darin besteht, diese Option zu vermeiden, weil sie beide Seiten vernichten würde.

 

Ohne ins Lager der Verschwörungstheoretiker zu wechseln, gehört nicht viel Phantasie dazu, enorme wechselseitige Zerstörungskräfte zu wittern. Geld und Macht können sich selbstverständlich bestens ergänzen, um noch mehr Geld und Macht zu generieren. Tatsächlich wurde Trumps Macht von Geld gekauft und seine Präsidialmacht flugs dafür genutzt, ihn selbst und seine Milliardärskumpels sehr schnell viel reicher zu machen. Die Korruption erfolgt nun offen. Trump begreift seine zweite Amtszeit als Aufforderung, sich und seinen Kindern die Taschen vollzustopfen. Das Wohlwollen des US-Präsidenten kann man kaufen.

Für 40 Millionen Dollar lässt Jeff Bezos, der bereits eine Million Dollar zahlte, um bei der Trump-Amtseinführung hinter ihm zu stehen, eine Hochglanz-Dokumentation über Melania Trump erstellen, bei der 28 Million Dollar als persönliches Honorar für Melania vorgesehen sind. So sichert man sich, als zweit- oder drittreichster Mann der Erde, seine Geschäftsinteressen in Washington ab.

Bedenkt man, wie korrupt und kriminell Musk/Trump sind und über welche enorme technische, administrative und finanzielle Macht die beiden verfügen, möchte man nicht ins Kreuzfeuer geraten. Man weiß zwar um die de facto nicht vorhandene Selbstkontrolle Trumps, wundert sich aber doch, wie fahrlässig er die gesamte MAGA-Koalition wackeln lässt. Gewinnen können Trump und Musk nichts; sie können nur die verhassten linken, liberalen Gegner glücklich machen, die jetzt das Internet mit Popcorn-Memes fluten.

Aber es ist, wie Hillary Clinton im Wahlkampf 2016 immer sagte; Trump ist „the man you can bait with a tweet.“ Oder wie es unzählige Comedians immer wiederholen „Trump can’t help himself“; er muss über jedes Stöckchen springen und manisch unentwegt lügen, um sich selbst zu loben.

Hätten Trump und Musk auch noch den Hauch der Selbstkontrolle eines Kindergartenkindes, würden sie einfach die Klappe halten. Aber sie können tatsächlich nicht. Ihr bis zum Bersten aufgeblasenes Ego zwingt sie, sich auf offener Weltbühne immer lächerlicher zu machen.

Das sind seltene Glücktage für die Linke und stürzt die rechtsradikalen Parteien weltweit in die Krise. Ihre Anhänger lieben Trump! Mit seinen menschfeindlichen Attacken können sie immer wieder ihre eigenen Hassgefühle befriedigen und ihn zudem als Blaupause dafür nutzen, wie man selbst an die Macht kommt.
Wenn ihr oranger Messias also aus allen Rohren gegen den „Afrikaner Musk“ hetzt,
fühlen sie sich gezwungen, ebenfalls Musk zu verdammen. Aus Neigung und auch, weil Trump unbedingte Loyalität verlangt.

Unglücklicherweise können sie aber nicht Musk total verdammen, weil er der Mann mit dem Geld ist, der die Nazi-Parteien in GB, FRA und DT finanziert und Weidel mit gemeinsamen Auftritten boostet.

Das Zerbrechen der großen Männerliebe ist also nicht nur für Magamerica, sondern auch die europäischen Nazis gefährlich. Trump selbst fürchtet nicht den zaudernden politischen Gegner, nicht die zahnlose Presse und nicht die viel zu harmlose Justiz. Er muss aber Musk fürchten, weil der Gehör in Trumps eigener Blase findet.

[…..] Eine so seltsame Freundschaft wie die von Donald Trump und Elon Musk, das war zu erwarten, zerbricht nicht einfach so. Wenn zwei Egos von diesen galaktischen Ausmaßen sich trennen, dann tun sie das nicht nur mit Pauken und Trompeten, sondern auch mit Raketen und Stinkbomben. Und siehe da: „Es ist Zeit, die wirklich große Bombe zu zünden“, schrieb Musk im Zuge seiner Social-Media-Schimpfattacke über seinen eben noch besten Freund im Weißen Haus. Donald Trump, so Musk, „ist in den Epstein-Akten“. Das sei der Grund, warum sie nicht öffentlich gemacht wurden. „Einen schönen Tag noch, DJT!“, schob Musk hinterher – wohl wissend, dass er gerade eine Linie überschritten hatte, hinter die es kein Zurück gibt. Denn er hatte den Präsidenten damit mehr als nur andeutungsweise mit einem der berüchtigtsten Sexualstraftäter Amerikas in Verbindung gebracht.

Eine seiner Parolen, die Donald Trump schon zu Beginn seiner Karriere ausgegeben hatte, lautete: „Es gibt keine schlechte Presse, es sei denn, du bist ein Pädophiler.“ Eine konkrete Verbindung zum Fall Epstein, wie Musk fast feierlich suggerierte, hätte aber allemal das Potenzial für schlechte Presse im Sinne Trumps.

Der Investmentbanker und Multimillionär Jeffrey Epstein war im August 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden. Die Ermittler schlossen, dass es sich um Suizid gehandelt habe. Ihm waren zuvor unzählige Sexualverbrechen zur Last gelegt worden, er soll unter anderem über Jahre hinweg an Sexhandel mit minderjährigen Mädchen beteiligt gewesen sein. […..] In der Welt der Reichen und Berühmten, also der Welt von Donald Trump, war Epstein bestens vernetzt. Es ist kein Geheimnis, dass die beiden sich aus New York und aus Florida kannten, […..] Und jetzt also die plötzlich wieder brandaktuelle Frage: Weiß Elon Musk dazu mehr, als der Rest der Welt weiß? Und vor allem: mehr, als Trump recht sein kann?

Es liegt wohl in der Natur dieser höchst heiklen Sache, dass zum Fall Epstein seit Jahren unzählige Verschwörungserzählungen kursieren, nicht zuletzt deshalb, weil ein Teil der Akten bislang nicht veröffentlicht wurde. Vor allem in der extrem rechten Blogger-Sphäre hat sich eine Art Epstein-Obsession entwickelt. In diesen Erzählungen geht es häufig darum, dass der sogenannte „Deep State“ am Werke sei, um die volle Wahrheit zu vertuschen und den Siegeszug der Rechten in Amerika zu untergraben. […..] Rechte Blogger und Podcaster drängen die US-Regierung seit Jahren dazu, die restlichen Epstein-Akten zu veröffentlichen. Das musste sich Trump genauso anhören wie sein Vorgänger Joe Biden. […..]

(Boris Herrmann, 06.06.2025) 

Heute greife ich so gern zu den Zuschauer-Popcorn, weil das wirklich für Trump heikel ist, in was er sich da gerade hinein manövriert. Das kann für die MAGAs böse enden.


[…..] tagesschau: Ein Thema überlagerte den Antrittsbesuch des Bundeskanzlers bei Trump: Nämlich der aufziehende Streit zwischen Trump und seinem wohl ehemaligen Vertrauten Elon Musk. Erleben wir da auf internationaler Bühne ein Zerbrechen einer Männerfreundschaft im Stil einer US-Seifenoper?

Clüver Ashbrook: Ja, wenn es nur eine Männerfreundschaft mit Potenzial für eine Seifenoper wäre ... Hier ist unglaublich viel Geld im Spiel. Elon Musk hat seine privatwirtschaftlichen Unternehmen nur retten können, indem er die großen Verträge aus der Regierungsebene bekommen hat - zum Beispiel für SpaceX. Und umgekehrt liegt er nicht falsch, wenn er sagt, die 270 Millionen US-Dollar, die er in den Wahlkampf von Donald Trump gespült hat, haben den Sieg für Donald Trump erst möglich gemacht.

Gestern hat Elon Musk inmitten dieses Streits gefragt, ob er eine dritte Partei gründen und mit ihr in den Vorwahlkampf ziehen sollte. Wir sehen hier Abhängigkeiten zwischen zwei mächtigen Männern im US-amerikanischen System. Wenn es um die Weltraumpolitik der USA geht, dann sind hier Abhängigkeiten, die man lösen könnte, wenn zwei rationale Männer am Werk wären. Das sind sie aber nicht. Es ist keine simple Männerfreundschaft, die hier zerbricht. Eine Partnerschaft, die in diesem Sinne zerbricht, hätte Konsequenzen, sowohl für die Innen- wie vielleicht eben auch für die Außenpolitik. […..] Dass es nun so weit gekommen ist, dass auf unterstem Niveau öffentlich argumentiert wird, ist vielleicht den Charakterschwächen beider Männer zu schulden. Aber hier stehen realwirtschaftliche Fragen im Raum. Musk könnte mit Starlink (Anm. d. Redaktion: Starlink ist ein Satellitennetzwerk, das auch in entlegenen Orten den Zugang zum Internet ermöglicht) den Krieg gegen die Ukraine beeinflussen. Das ukrainische Militär nutzt den Dienst. […..]

(Tagesschau-Interview Cathryn Clüver Ashbrook, 06.06.2025)