Montag, 3. Oktober 2022

Post-Nationalität.

Es gibt nichts sinnloseres und nervigeres als Nationalfeiertage.

Es sei denn, man nimmt den Tag a priori nicht ernst und verwandelt ihn in ein schrilles Happening, bei dem das Volk ausführlich Körperflüssigkeiten austauscht.

In Holland finden am Geburtstag des Monarchen, dem „Koninginnedag“ (Königinnentag), bzw nach Beatrix‘ Abdankung, dem „Koningsdag“ (Königstag); König Willem-Alexander hat am 27. April Geburtstag; landesweit CSD-artige Paraden und Flohmärkte statt. Jeder zieht sich so schrill wie möglich an und die Flohmarkteinkünfte sind steuerfrei. Alle betrinken sich mit "Oranje-Bitter".

In Irland ist es das gleiche in grün. Buchstäblich. Party und saufen im Frühling, weil der Heilige Patrick im 5. Jahrhundert an einem 17. März starb. Nur daß alle Feierbiester statt des niederländischen orange in grüne Klamotten steigen.

Während bei diesen kleineren EU-Staaten die jeweiligen Partytage inkludierende schräge Happenings sind, veranstalten die dickeren Nationen – Frankreich, USA, Deutschland, Russland zum Beispiel – pathosbeladene Militärparaden und halten nationalistische Reden.

Von Feierkultur kann man in Deutschland ohnehin nicht reden. Bei derartigen Groß-Events wird erst Bier gesoffen, dann gegrölt und schließlich schlägt es in Aggression um – man befrage die Sanitäter beim Oktoberfest oder nach Bundesligaspielen.

Sehr unangenehm, wenn man es mit feiernden Deutschen zu tun hat. Das wird schnell Ballermann-artig und Melanie-Müller-esk, so daß im bierschwangeren Pathos der Gefühle der rechte Arm gehoben und „Sieg Heil“ skandiert wird.

Den deutschen Nationalfeiertag legte der multikriminelle Kanzler Kohl auf den Todestag eines bekannten bayerischen ehemaligen SS-Mitglieds: Franz Josef Strauß, * 6. September 1915; † 3. Oktober 1988; warum auch immer.

Man kann es zwar durchaus als pfiffige Idee betrachten, den Tag, als FJS den Löffel abgab, zu feiern, aber die Partyrituale sind nach 32 Jahren schon so altbacken, daß sich sogar die Witze darüber abgenutzt haben:
Tag der Wiedervereinigung = „Volkstrauertag West“. Haha.

Alle Politiker, die nicht zur Querfront gehören, beklagen an diesem Tag mit bitterernster Miene, wir hätten zwar so viel Grund zur Freude, aber die Lebensverhältnisse wären immer noch nicht angeglichen. Da liege noch viel Arbeit vor uns.

[….] Gleichwertige Lebensverhältnisse.  Das Misstrauen, das vor allem die Verdrossenen, Resignierten und Gekränkten der Gesellschaft, in der sie leben, entgegenbringen, macht nicht nur ihnen selbst das Leben schwer. Es gefährdet inzwischen auch die Demokratie. Im Jahresbericht des Ostbeauftragten heißt es dazu: "Um sie wieder mittels politischer Kommunikation zu erreichen und die Demokratie zu stärken, sollte das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Teilen Deutschlands wieder verstärkt in den Blick genommen werden."  […]

(Tagesschau, 03.10.2022)

Ist das ermüdend. Ich habe schon bei 1037 Gelegenheiten Lobhymnen auf die Heterogenität der deutschen Lebensverhältnisse angestimmt. Zum Glück, ist das Leben in der Hamburger Innenstadt nicht genau wie in einem oberpfälzischen katholischen Dorf. Eine wunderbare Sache ist es, daß die Menschen sich entscheiden können, ob sie lieber an einem dünn besiedelten Nordseeküstenort mit wortkargen Menschenschlag oder einem Kuddelmuddel aus rheinischen Frohnaturen wohnen möchten.

Auch zu dieser ziemlich debilen „Angleichung der Lebensverhältnisse“-Litanei gibt es, sich seit Jahren wiederholende müde Witze.

[….] Deutschland, einig Vaterland? So einfach ist das offenbar nicht. Auch 32 Jahre nach der Wiedervereinigung haben viele Menschen immer noch erschreckende Vorurteile: Einer neuen Umfrage zufolge hat ein Großteil aller Kölner eine schlechte Meinung über Düsseldorfer.  "Es ist sehr ernüchternd, zu sehen, dass sich fast drei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer die alten Klischees so hartnäckig gehalten haben", erklärt Heinz Geiwasser vom Meinungsforschungsinstitut Opinion Control. "Auch heute noch sind rund 57 Prozent aller Kölner davon überzeugt, dass Menschen aus Düsseldorf arrogante schnöselhafte Angeber sind, die ekelhaftes dunkles Bier trinken und auf der hässlichen Seite des Flusses leben. Man kann schon fast sagen: Der Rhein in den Köpfen treibt immer noch einen Keil zwischen beide Städte, die doch nur 34 Kilometer voneinander entfernt liegen."  Kann also von einem vereinten Deutschland gar keine Rede sein? Demoskop Geiwasser sieht das differenziert: Zwar seien auch in Düsseldorf noch viele der alten Vorurteile gegen Köln als schäbige Stadt mit Minderwertigkeitskomplex und wässrigem Möchtegern-Bier in winzigen Reagenzgläsern präsent. "Doch immerhin muss man feststellen, dass es im Kleinen durchaus Fortschritte gibt", erklärt er. [….]

(Postillon, 03.10.2022)

Etwas fehlt ebenfalls nie am 03.10.2022: Mürrische alte Nazis und faschistische Blogger, die sich bitterlich über die indolenten Deutschen beklagen, die den Feiertag bloß als „verlängertes Wochenende“ ausnutzten, ohne sich der Bedeutungsschwere bewußt zu sein.

Offensichtlich stellt sich Hetzblogger David Berger das angemessen nationale Begehen des Tages, als gemeinsames Masturbieren auf die Reichskriegsflagge vor, während man dabei die erste Strophe der Nationalhymne oder das Horst-Wessel-Lied anstimmt. Wenn er nicht schon so alt und klapprig wäre, würde er am Nationalfeiertag auch noch eine Asylunterkunft mit Molotowcocktails bewerfen und vor den Parteizentralen der Linksgrünversifften auf die Fußmatten scheißen.

Ich wurde vor über einem halben Jahrhundert in Deutschland als Sohn einer deutschen Mutter geboren. Wegen des deutschen Ius Sanguinis, welches die Nationalität nur bei väterlichem deutschen Blut vergibt, befindet mich die Bundesrepublik auch fünf Jahre nach meinem Einbürgerungsantrag noch nicht würdig, die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen.

Ich bin stolz ein Nichtdeutscher zu sein, liegt es mir auf der Zunge zu sagen, aber ich bin grundsätzlich nicht stolz auf Dinge, die dem reinen Zufall unterliegen. Ich bin auch Rechtshänder, Rotgrün-Verwechsler und kann die Zunge rollen und komme ob dieser angeborenen genauso wenig in Wallungen des Stolzes, wie bei meinem Trumpmerica-Pass.

In einer globalisierten Welt, in der jeder mit jedem durch das Internet vernetzt ist, Kriege um national-egoismierte Fleckchen (Krim, Taiwan, Jemen) zu führen, ist erbärmlich.

Ich stelle mir ein grünhäutiges Tentakelwesen von Alpha Centauri vor, welches in Luhansk/Луганськ landet und versucht zu begreifen, was eigentlich der Unterschied zwischen Ukrainern und Russen sein mag, die da gerade mit gewaltigem Aufwand versuchen, sich gegenseitig abzumurxen.

Nationalitäten sind nichts, das man feiern sollte.

Nationalfeiertage sind ein Anachronismus.

Ich würde gern die Abschaffung der Nationalfeiertage feiern.

Sonntag, 2. Oktober 2022

Irreparable Demokratie-Schäden.

Das habe ich von meiner Mutter geerbt. Ich war schon immer ein Wahljunkie, habe mir Wochen vor Wahltagen den Kopf darüber zerbrochen, wie es ausgehen könnte, welche Ereignisse für welche Ergebnisse sprächen, gebannt Umfragen und Prognosen studiert und schließlich mit einer Partei oder einem Kandidaten mitgefiebert. Am späten Wahlabend; spätestens am nächsten Morgen wußte man, wer gewonnen hat.

Dann kam aber der 07. November 2000. Der debile Schwachkopf George W. Bush errang 500.000 bis 600.000 Stimmen weniger als der brillante Al Gore, wollte aber dennoch der nächste US-Präsident werden.

So wie man auch durchaus ein Tennis-Match gewinnen kann, obwohl man weniger Punkte als der Gegner gemacht hat. Sicher, das US-amerikanische Wahlrecht gibt es her, denjenigen mit deutlich weniger Stimmen zum Sieger zu erklären. In diesem speziellen Fall musste GWB dafür die ultraknappe Mehrheit den Bundesstaat Florida gewinnen und dafür wahlrechtskonform 100% der Wahlmänner bekommen. Allerdings weiß man bis heute nicht, wer die Stimmenmehrheit in Florida wirklich gewann, weil Stimmzettel und Wahlmaschinen vielfach so gestaltet waren, daß man nicht sicher war, wen der Wähler wirklich angekreuzt hatte.

In Deutschland hatte die Ära des Trash-TVs begonnen. Die Idee, ein Dutzend Menschen abgeschottet von der Außenwelt unter totaler Kameraüberwachung in einen Container zu stecken, war noch so neu, daß sie zu einem Politikum wurde. Ich erinnere mich an das Ende von Staffel Zwei am 31.12.2000. Als die letzten Gestalten freigelassen wurden, die drei Monate zuvor in der Hoch-Phase des US-Wahlkampfes eingesperrt wurden, fragten, wer denn nun der neue Präsident wäre und „das weiß noch niemand“ als Antwort erhielten, erschienen mir die perplexen Gesichter als Apotheose des Wahlirrsinns. Die USA, das Mutterland der Demokratie, hatte Präsidentschaftswahlen abgehalten und zwei Monate später stritt man immer noch wie die Kesselflicker darüber, wer eigentlich gewonnen habe.

Aber das würde sich nicht wiederholen. Die Vereinigten Staaten waren sich schließlich einig, unter keinen Umständen jemals wieder so eine Blamage vor der Welt hinlegen zu wollen. Die Auszählungsprobleme würden behoben sein bei den Midterms.

Wie naiv man vor 22 Jahren war.

Al Gore verzichtete letztendlich darauf, jeden Wahlhelfer Floridas in Grund und Boden zu verklagen. Er fühlte sich der Staatsraison verpflicht, wollte nicht riskieren, die Hängepartie in eine Staatskrise zu verlängern. Die guten anständigen Demokraten.

Hillary Clinton fuhr 2016 einen sehr deutlichen Sieg über Donald Trump ein. Sie gewann drei Millionen Wählerstimmen mehr, war aber eine vorbildliche Staatsbürgerin und akzeptierte Trumps Mehrheit im electoral college. Die USA brauche eine stabile Regierung, hieß es aus der Clinton-Kampagne. Womöglich glaubten im November 2016, in den Tagen nach der Wahl, immer noch allerhand Demokraten, Trump würde sich im Präsidentenamt mäßigen und die ungeheuerlichen Lügen, die schrillen Auftritte des Wahlkampfes abstreifen, weil er Präsident aller US-Amerikaner wurde.

Wie naiv man vor sechs Jahren war.

Joe Biden regiert schon ein Jahr und neun Monate. Die Wahl hatte er mit über sieben Millionen absoluten Stimmen Vorsprung überzeugend gewonnen und erreichte 306:232 Wahlmännerstimmen im Electoral College.

Trump und die Republikaner erkannten aber die Ergebnisse des 03.11.2020 nicht an und seit dem 06.01.2021 ist es traurige Gewissheit: Mit der GOP ist eine gesamte Groß-Partei zur Staatsfeindin mutiert, die demokratische Spielregeln mit Füßen tritt und die Verfassung verachtet.

Sie wird geprägt von bösartigen Hetzern, die sich längst vollständig von der Realität abgekoppelt haben.

Sie verachten den eigenen Staat, die Mehrheit der eigenen Bürger, selbstverständlich auch den eigenen Präsidenten. Sie erkennen Wahlergebnisse nicht an und lobpreisen stattdessen den Kriegsverbrecher Putin.

Demokratie funktioniert aber nicht, wenn Fakten und Wahlergebnisse nur akzeptiert werden, wenn sie politisch erwünscht sind.

[….] Trumps früherer Kommunikationsstratege Steve Bannon hat diese Strategie jüngst neu interpretiert: Flood the zone with shit. Einfach so viel Blödsinn in die Welt pusten, so viele konkurrierende Narrative, Lügen, sich widersprechende Behauptungen, dass die Wahrheit selbst irgendwann auch nur wie eine von vielen Versionen der Realität erscheint.   Diese Strategie ist vor allem dann hilfreich, wenn man nicht vorhat, die Wahrheit zu sagen. Donald Trump etwa ist bekanntlich ein pathologischer Dauerlügner. Er lügt, um sein eigenes Ego zu streicheln, er lügt aus geschäftlichem Interesse, er lügt aus politischem Kalkül – und manchmal hat man das Gefühl, er lügt einfach aus Gewohnheit.  Die alten Lügen gebären ständig neue: Weil ihm zum Beispiel die New Yorker Staatsanwaltschaft vorwirft, den Wert vieler seiner Immobilien dramatisch übertrieben und sich so Vorteile verschafft zu haben, muss Trump jetzt einmal mehr etwas behaupten: Dass er selbst nicht etwa ein kriminell agierender Zocker ist, sondern eine verfolgte Unschuld. Dass die Tatsache, dass seine Verfehlungen ihn jetzt womöglich doch einholen, keine gerechte Strafe ist, sondern ein Ergebnis politisch motivierter Attacken.  [….]

(Christian Stöcker, SPON, 25.09.2022)

Heute könnte der Hassfanatiker und Faschist Jair Bolsonaro, der Süd-Trump, die brasilianischen Präsidentschaftswahlen verlieren.

Aber in der Post-2020-Welt der Trumpesken Nationenzerstörer sind Wahlergebnisse nur noch vage Empfehlungen.

Gut möglich, daß Lula mehr Stimmen holt. Aber so what?  Wird der Noch-Präsident das anerkennen?

[…]  Ergebnis der Präsidentenwahl in Brasilien noch unklar

In Brasilien führte der linksgerichtete Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva zunächst nach ersten Teilergebnissen bei der Präsidentenwahl. Inzwischen ist aber Amtsinhaber Jair Bolsonaro in Führung gegangen.  [….]

(DW, 02.10.2022)

Bei einem Auszählungsstand von 7% liegt Bolsonaro mit 49:42% vorn. Seinen Sieg würde er anerkennen. Aber etwa auch eine Niederlage?

[….] Eher zu Trumps Kategorie zählt auch Jair Bolsonaro, der diese Woche bei der Uno-Konferenz in New York wieder für alle erkennbar eine Unwahrheit nach der anderen verbreitete . Von seinem angeblich erfolgreichem Umgang mit Covid (trotz Hunderttausender realer Toter) bis zum angeblichen Wohlbefinden des Amazonas-Regenwaldes. Ihn werden seine Lügen hoffentlich spätestens bei der brasilianischen Wahl ab dem kommenden Wochenende einholen. [….]

(Christian Stöcker, SPON, 25.09.2022)

Unglücklicherweise schludert auch das deutsche Wahlsystem. Unglücklicherweise haben sich insbesondere in der Ex-DDR von der Demokratie verabschiedet.

Ulrike Nimz beschreibt in einer großen Montagsdemo-Reportage, wie ganz normale Ossis auf die Straße gehen, um die demokratischen Eckpfeiler auszumerzen

[….] Auf der Bühne hat nun Petra Scholz das Wort, eine schmale Frau mit schwarzen Locken, alleinerziehend, Friseurmeisterin mit eigenem Salon. Zwei Nebenjobs habe sie, um sich über Wasser zu halten. Impfgegner nennt sie „Superhelden“. Jeder müsse jetzt raus auf die Straße, sich den örtlichen Demos anschließen, egal, wer sie veranstaltet. „Lasst euch nicht mehr sagen, wen ihr hassen sollt“, ruft sie und erklärt, wen es stattdessen zu hassen gilt: die Grünen, die Klimaaktivisten, die „einzigen Extremisten“, die „Eigentum zerstören, um die Welt zu retten“. [….] Petra Scholz aus Plauen will nicht nur Haare schneiden und ein gutes Leben. Sie will die Regierung „endlich zum Teufel jagen“. Sie will, dass Deutschland „souverän“ wird, sich befreit von „der Diktatur des Westens“. Und wer sagt eigentlich, dass Betroffenheit und Radikalisierung sich ausschließen? Was, wenn es beim „heißen Herbst“ in Plauen, Bautzen und anderswo nicht nur um bedrohte Existenzen geht, sondern darum, den Volkszorn zu bündeln?  [….]

(SZ, 30.09.2022)

Ausgerechnet die deutsche Hauptstadt zeigt sich zu dysfunktional, um überhaupt korrekte Wahlen durchzuführen. Was für ein Geschenk an die rechtsextremen Demokratieverächter.

[….]  Was fast niemand erwartet hat, ist eingetreten: Berlin bereitet sich auf eine komplette Wiederholung der Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirken vor. Grund ist die Einschätzung des Berliner Verfassungsgerichtshofs, dass diese Wahlen vom 21. September 2021 ungültig seien. [….]

(taz, 02.10.2022)

Gute Nacht, demokratische Welt.

Samstag, 1. Oktober 2022

Impudenz des Monats September 2022

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Regierungschef ist ein schwieriger Job. Insbesondere, wenn man seine Verpflichtung ernst nimmt und strategisch denkt, statt nur kurzfristig auf Umfragen und Wiederwahl zu schielen.

Aber es hängt auch von Glück ab, in welchem Zustand man ein Land übernimmt. Da landete Merkel einen Volltreffer, die ein frisch durchreformiertes Land mit exzellenten außenpolitischen Beziehungen übernahm und lange Zeit die Früchte der Hartz-Reformen einsammeln konnte. Extremes Pech hatten hingegen Obama 2009 und Biden 2021, die eine Nation in katastrophaler Wirtschaftskrise mit einem gewaltigen Etat-Defizit und als Hass-Objekt der Welt übernahmen.

Die beiden weltweit fähigsten Regierungschefs meiner Lebzeit waren Bill Clinton und Helmut Schmidt.

(….)   Als Bill Clinton im Januar 2001 das Weiße Haus verlassen musste, hatte er zwar ein Impeachmentverfahren überstanden, aber im Gegensatz zu den beiden Trumppeachments war das wirklich eine Großheuchelei und Hexenjagd.  Niemand konnte bestreiten, daß Clinton, das Naturtalent, ein großer Präsident war. Um ihn loszuwerden, konzentrierten sich die Republikaner auf eine kleine Eheaffäre.  Wie ehrlich das hypermoralische Ansinnen der Republikaner gemeint war, zeigt sich an ihrer bedingungslosen Unterstützung des Dauerehebrechers und Groß-Sexisten Donald Trump.

Bill Clinton war der intelligenteste US-Politiker des 20. Jahrhundert und seine Präsidentschaft litt ein wenig daran, daß er von keiner Megakrise gefordert wurde, an der er sein Können hätte zeigen können.  Als er aus dem Amt schied, hatte er die von den 12 Jahren republikanischer Herrschaft ruinierten Staatsfinanzen nicht nur in Ordnung gebracht, sondern ein gewaltiges Budget-Plus hinterlassen.

Er war das erste echte Opfer der Nach Roosevelt eingeführten Amtszeitbeschränkung auf acht Jahre und schied mit einer Rekord-Zufriedenheit von 66% aus dem Amt.

Final Approval Ratings US-Presidents:

2017 Obama 59%

2009 GWB 34%

2001 Clinton 66%

2021 Trump 29%

Ein Fall von echter Tragik, daß sich der 42.US-Präsident nicht zur Wiederwahl stellen konnte; bei seinen Rekordbeliebtheitswerten wäre er mit einem Erdrutschsieg in die dritte Amtszeit gewählt worden.

Er war gerade erst 54 Jahre alt, auf dem Höhepunkt seiner geistigen Kraft und der Welt wäre so viel erspart geblieben, wenn nicht die ideologischen Kriegstreiber um GWB Osama bin Laden gegenüber gestanden hätten. Gut möglich, daß es gar nicht erst zu dem Geheimdienstversagen bekommen wäre, das 9-11 möglich machte. Mit Sicherheit hätte Bill Clinton als Reaktion darauf aber nicht die Welt in zwei Lager gespalten, eine Million Menschen umgebracht, den Nahen Osten entflammt und das ehrliche Hilfsangebot aus Teheran barsch abgelehnt, um Iran zur „Achse des Bösen“ zu zählen. Europa wäre nicht auseinander dividiert, der Terrorismus nicht gefördert worden und ganz nebenbei hätten wir uns die Weltfinanzkrise zum Ende auch erspart.  Donald Trump ist das diametrale Gegenteil des gleichaltrigen Clinton. (….)

(Der Feind im eigenen Haus,18. Januar 2021)

Helmut Schmidt bekam, anders als Bill Clinton, eine ganze Kaskade von Monsterkrisen ab. RAF-Terror, Afghanistankrieg, Olympiaboykott, Ölkrise, Atomaufrüstung. Er war aber so weitsichtig und international so anerkannt, daß er auf Jahrzehnte das Weltgeschehen prägte. Er war der Vater des Euros, ersann die Weltwirtschaftsgipfel, führte durch den wirtschaftlichen Einbruch, schuf den NATO-Doppelbeschluss, erkannte als erster die Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft. Wollte durch einen Kabinettsbeschluss von 1981 (sic!) Deutschland mit Glasfaserkabeln versorgen und prägte über Jahrzehnte das Interaction Council ehemaliger Regierungschefs. Von Merkel hingegen wird rein gar nichts Zukunftsweisendes bleiben.

Die Kanzlerschaft des Olaf Scholz steht unter den denkbar schlechtesten Voraussetzungen. Deutschlands gesamte Infrastruktur ist rückständig, die Schulen marode, die im Zerfall begriffene EU von Misstrauen durchsetzt, die außenpolitischen Kanäle sind kalt, die Bundeswehr ein rostiger, nicht einsatzfähiger Schrotthaufen, zwei Jahre Corona, Windkraft und Photovoltaik wurden 2009-2013 schwarzgelb gestoppt, dafür schraubte Merkel die Gasabhängigkeit von Putin auf über 50% - am Ende der Schröder-Zeit war es nur gut die Hälfte.

Scholz kanzlert mit Corona-Pandemie, Welt-Energiekrise, Rezession und einen heißen Krieg mitten in Europa unter den schwierigsten Bedingungen seit 1949. Dabei war eine Kanzlerpartei noch nie so klein, wie die 2021er SPD und sein Charisma reicht auch nicht an Brandt, Schmidt oder Schröder heran.

Was für eine Horroraufgabe. Und das in einer Dreier-Koalition mit einer FDP, die de facto nicht regierungsfähig ist und deren vier Bundesminister ihren Aufgaben bei Weitem nicht gewachsen sind. Es sind so viele bisher beispiellose hochriskante Beschlüsse in Rekordzeit zu treffen, daß sehr viel schiefgehen muss.

Dies könnte in vielfacher Hinsicht die Stunde der Opposition sein.

Allerdings gewinnt die deutsche Bundestagsopposition den Titel als Impudenz des Monats September.

Obwohl sie die seltene Gelegenheit hat, von links, rechts und braunrechts zu attackieren, respektive konstruktiv mitzuarbeiten, versagen alle vier Oppositionsparteien AfD, CSU, CDU und Linke so dramatisch, daß man noch so sehr an der Ampel verzweifeln kann, aber keine Alternative entdeckt.

Am Konsequentesten ist die Linke Opposition um die völkische AfD-Vertreterin Sahra Sarrazin, die sich ganz ohne Zutun der anderen Parteien selbst auflöst.

Ausgerechnet in Zeiten mit extremer Inflation und den bei rasant steigenden Energiepreisen größten Nöten des Volkes, scheinen die Wagenknechte nur von einer massiven Todessehnsucht beseelt. Tagtäglich demonstrieren sie ihre fehlende Seriosität, garantieren absolut nicht regierungsfähig zu sein und wollen unbedingt verhindern, jemals wieder bei einer Wahl über 5% zu kommen.

Die covidiotischen Faschisten um Alice Weidel und Trix Storch hängen ohnehin an Putins Strippen und waren noch nie zu einem konstruktiven Vorschlag in der Lage.

An CDU und CSU läge es nun, ihre katastrophalen Fehler der letzten 16 Jahre zu revidieren. Die Gelegenheit ist günstig, schließlich ist Merz als Intimfeind Merkels bekannt. Die Union könnte nun ihren Patriotismus beweisen, indem sie ihrem Vaterland in der schwersten Krise seit 75 Jahren beisteht.

Der Kanzler spricht laufend Einladungen zur konstruktiven Mitarbeit aus.

Aber auch die CDUCSU verabschiedet sich aus dem Kreis der seriösen Parteien.

CSU-Chef Söder macht sich als allgemeiner Blockierer und St. Florian lächerlich.

CDU-Partei- und Fraktionschef Merz versagt in seiner Rolle als Chef der größten Bundestagsoppositionspartei nicht nur intellektuell, sondern auch charakterlich.

(….) Wie man sich nach vier rechtsextremen Regierungen in Europa zur Demokratie verhält, ist auch eine Charakterfrage. Hält man stand und kämpft für demokratische Werte und Anstand? Oder hängt man sein Fähnchen in miefige braune Briese?
Den Charaktertest besteht Friedrich Merz nicht. Wie immer. Dabei zeigt es Liz Cheney: Man kann auch stramm konservativ sein, ohne rechtspopulistische Lügen zu verbreiten. Dafür fehlt Merz allerdings nicht nur der Charakter, sondern auch das Rückgrat.  (…)

(Wo die europäische Reise hingeht, 27.09.2022)

CDU goes AfD. Die Merz-CDU befindet sich auf Abwegen. Die Christdemokraten bemühen sich ihrem angeblich geliebten Vaterland zu schaden, statt in dieser multiplen Krise der eigenen Regierung zu helfen. Der Hamburger CDU-Chef Ploß umwirbt heftig die AfD und der sächsische CDU-MP Kretschmer küsst Wladimir Putin den Hintern.

Man kann sich also 24/7 über die Ampel ärgern. Es hilft nur nichts. Sie ist eindeutig das kleinste Koalitions-Übel, das wir in Deutschland zu bieten haben. Etwas Besseres haben wir nicht. Nur den „schäbigen“ Merz:

[….]  Allein die Dreistigkeit, das Schicksal von Millionen von überfallenen, ausgebombten und vertriebenen Ukrainern, von traumatisierten Frauen und Männern, Kindern und Alten in einem Satz mit dem Wort Tourismus unterzubringen, ist eines deutschen Spitzenpolitikers unwürdig. So ganz nebenbei erhärtet es den Verdacht, dass Merz' berühmte Nachtzugreise nach Kiew die PR-Aktion eines Wählerstimmentouristen war. [….] Offensichtlich versucht Merz damit, das Wählerpotenzial der Union auch auf jene Bereiche auszudehnen, wo das Nationalkonservative ins Rechtsextreme ausfranst. Das ist nicht zuletzt auch eine strategische Dummheit. Niemand weiß das besser als sein Parteischwesterfreund Markus Söder, der einst mit der Parole vom "Asyltourismus" die Wählerschaft der CSU zugunsten der AfD verringerte und dabei lernte: Man kann das Stinktier nicht überstinken.  Das Gerede vom ukrainischen Sozialtourismus reiht sich ein in die jüngste Serie von Merz-Aussagen, die eigentlich alle weit unter seinem intellektuellen Niveau liegen sollten. Dazu gehören auch sein Kulturkampf gegen Sprachverbote, die gar niemand gefordert hat, das kalkulierte Fan-Getrommel für die Atomkraft sowie die plumpe Polemik gegen die Öffentlich-Rechtlichen, auch wenn diese gerade von einer Merz-Rede auf dem CDU-Parteitag berichten. [….]

(Boris Herrmann, 27.09.2022)

Freitag, 30. September 2022

Konsequenzlosigkeit

Trump lügt so dreist, so perfide und so oft, daß erst seine Wähler, dann die Journalisten und schließlich die gesamte Welt abstumpfte.

Wenn einer mit jedem Satz etwas mehr Arsen versprüht, sind die Zuschauer mit den Jahren vollständig abgestumpft. Sie schlucken ohne die geringste Reaktion zu zeigen Arsendosen, die ein aufgewachsenes Pferd umbringen würden.

Dabei ist die von Trump bei jeder Gelegenheit verbreitete Big Lie so ungeheuerlich, daß er allein dafür schon, für immer im Knast schmoren sollte.

Die antidemokratischen verbrecherischen Ausfälle der Republikaner sind allerdings in der gesamten Partei eskaliert. Die demokratische Immunreaktion des Wahlvolkes funktioniert aber schon lange nicht mehr. Die GOP liegt in Umfragen keineswegs bei Null Prozent, wie es in einer gesunden Demokratie sein müsste.

Ähnliches ist der römisch-katholischen Kirche gelungen, die ausgerechnet Kindervergewaltigung zu ihrem weltweit anerkannten Signature Move machte. Jeder Gläubige und Ungläubige; möge er noch so naiv sein; versteht inzwischen, wie heikel die Kombination aus katholischem Priester und Messdiener ist.

Ich erinnere mich noch gut an Zeiten, in denen man sich bei der Verhaftung eines Sexualstraftäters, der sich an kleinen Jungs „vergangen“ hatte, zuraunte Kinderschänder* wären selbst unter Schwerverbrechern in Knast so sehr geächtet, daß sie dort kaum überlebten.

Aber das ist vorbei. Inzwischen ist der Gewöhnungseffekt so enorm, daß es Meldungen über knabenvergewaltigende Priester nicht mehr in die Schlagzeilen schaffen.

Als just bekannt wurde, wie der Priester Dieter Scholz im oberfränkischen Wallenfels über Jahrzehnte Jungs vergewaltigt hatte, befand CSU-Bürgermeister Kern, Pater Scholz sei aber sehr charismatisch gewesen, die Gemeinde hätte ihm viel zu verdanken und der Ehrenbürgertitel werde ihm nicht posthum entzogen.

Selbst hochprominente Fälle wie der von Bischof Carlos Belo aus Osttimor, der immerhin 1996 den Friedensnobelpreis zugesprochen bekam, schaffen es kaum noch in die Schlagzeilen. Über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren vergewaltigte Belo Kinder. Es handelt sich nicht um dubiose Vorwürfe, sondern der Vatikan selbst bestätigte dies.

[…..] Die Vorwürfe gegen das ehemalige Oberhaupt der katholischen Kirche in Osttimor, Bischof Carlos Belo, geisterten schon lange durch die Welt, doch erst jetzt wurden sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt - und der Vatikan hat sie bestätigt.   Die niederländische Wochenzeitung "De Groene Amsterdammer" hatte an diesem Mittwoch Ermittlungen veröffentlicht, nach denen dem heute 74-jährigen Belo vorgeworfen wurde, von den 1980er-Jahren an mehr als 20 Jahre lang Kinder und Teenager missbraucht zu haben.

Schweigegeld für sexuelle Handlungen  Das Blatt zitiert zwei heute 42 und 45 Jahre alte Männer, die beide anonym bleiben wollen. Sie seien in den 90er Jahren als 14- bis 16-jährige Teenager jeweils von Belo in dessen Residenz in Dili beziehungsweise in ein Kloster eingeladen worden, wo es zu sexuellen Handlungen gegen ihren Willen gekommen sei. Anschließend habe der Bischof den Jungen Geld gegeben, um ihr Schweigen zu erkaufen und damit sie wiederkämen.

Es gebe zahlreiche Berichte von ähnlichen Fällen, so die Zeitung, die nach eigenen Angaben mit weiteren Betroffenen sowie mit 20 Personen, die Kenntnis von den Vorgängen gehabt hätten, gesprochen hat: Kirchenvertreter, Politiker, Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen und Fachleute. Die Vorwürfe reichten bereits bis in Belos Zeit als Leiter des Bildungszentrums der Salesianer Don Boscos zurück, bevor er 1983 Bischof wurde.  Einer der Männer sagte, der Bischof sei damals nicht nur das mächtige Oberhaupt der katholischen Kirche von Osttimor gewesen, sondern auch ein Nationalheld und ein Hoffnungsträger für die Menschen. Belo habe seine Machtposition gegenüber Jungen missbraucht, die in extremer Armut lebten. Aus Angst und Scham hätten sie nicht über die Vorfälle gesprochen. [….]

(Deutsche Welle, 29.09.2022)

Was für ein PR-Coup der RKK. Sie vermochte es, das angeblich selbst unter Verbrechern nicht tolerable Verbrechen des Kinderf*cken so zu enttabuisieren, daß selbst die berühmtesten und bekanntesten Exzellenzen der Erde über Dekaden pädosexuelle Grausamkeiten begehen können, ohne daß es nennenswerte Empörung darüber gibt.

Dabei wendete sie einen Trick an, den auch Trump perfekt beherrscht. Auch Trump ist ein Sexualstraftäter und umgibt sich darüber hinaus demonstrativ mit verurteilten Pädophilen, die er seine Freunde nennt oder aber dringend zur Wahl empfiehlt (Roy Moore).

Um gar nicht erst zu ermöglichen, daß sich die Zuschauer auf die Perspektive der Opfer einlassen, inszeniert sich Trump selbst als das größte Opfer. Seine öffentliche Wehleidigkeit bildet neben der manischen Lügerei und dem tiefsitzenden Rassismus die dritte Säule seines Charakters. Kein Interview, kein Tweet, kein Wahlkampfauftritt, bei dem er sich nicht laut selbst beweint, abendfüllend lamentiert, wie schlecht und ungerecht er behandelt werde.

Papst Ratzinger, der persönlich unter Androhung höchster Kirchenstrafen weltweit dafür gesorgt hatte, pädosexuelle Priester zu beschützen, die Opfer auszulachen und immer wieder zu demütigen, gab den Weg vor, indem er sich öffentlich über die angeblichen Angriffe der Opfer auf die Täter echauffierte.

Er kenne die "allzeit sprungbereite Aggression" (Benedikt XVI.), mit der die Atheisten die armen frommen Gottesmänner verfolgen.

Ratzi war es auch, der des Baseler Hardcore-Bischof Kurt Koch am 1. Juli 2010 zum Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ernannte, ihm den Titel eines Erzbischofs ad personam verlieh und schließlich zum Kardinal erhob. Kurt Kardinal Koch, KKK, verwendet die Methode Dyba/Mixa/Meister, indem er seine Kirche nicht nur als armes Opfer darstellt, sondern dies auch noch ultraperfiderweise in NS-Vergleiche kleidet.

[…..] Das Klima bei der Herbstversammlung der deutschen Bischöfe ist wegen des Streits zwischen Reformern und Konservativen schon vergiftet. Und ein unsäglicher Nazi-Vergleich macht alles nur noch schlimmer. […..]  Erst am Montag hatte der Papst-Botschafter in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterović, wieder eines seiner unvermeidlichen Grußworte dagelassen. Er geißelte darin zu viel Parlamentarismus und die Anwesenheit der Presse beim Synodalen Weg, diese würde die Freiheit der Bischöfe beeinträchtigen.

Einen Tiefpunkt der Debatte markierte dann am Donnerstag aber der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch, der in einem Interview eine Parallele zog zwischen der kirchlichen Reformdebatte und der NS-Zeit. Auch damals hätten die sogenannten "Deutschen Christen" - eine NS-treue Strömung im deutschen Protestantismus - zusätzlich zur Schrift neue Quellen angenommen und "Gottes neue Offenbarung in Blut und Boden und im Aufstieg Hitlers gesehen", so Koch in der Tagespost. Ja, auf diesem Niveau ist man inzwischen angelangt. […..]

(Annette Zoch, SZ, 30.09.2022)

Und so nehmen wir es inzwischen alle achselzuckend hin: Katholische Geistliche ficken Kinder. Ist nun mal so. Konsequenzen? Keine.

 

 

   *Der Begriff „Kinderschänder“ ist ein Propagandabegriff mit dem sich Abseitige aller Couleur unter anderem für Todesstrafe und Folter stark machen.
Kinderschänder sind in der Hierarchie der Verbrecher die ultimativ unterste Stufe.
Der Begriff ist aber sachlich komplett falsch - wenn man mal in ein Herkunftswörterbuch guckt.
Glücklicherweise habe ich die diesbezüglichen Begriffe
1.) Entomologie, 2). Enantiomorphorie, 3.) Endarteriektomie, 4.) Eleuteriologie, 5.) Embolektomie, 6.) Entomogamie, 7.) Enzephalomalazie, 8) Endokrinologie, 9.) Epigastralgie 10.) Etymologie schon in einem anderen Posting definiert.
Er drückt nämlich aus, daß über das Kind von dem Vergewaltiger Schande gebracht wurde!    Ganz so, wie man in einigen archaischen islamischen Gesellschaften die eigene Tochter umbringen muß, wenn sie vergewaltigt wurde, um die Familienehre wieder herzustellen, während der Vergewaltiger nicht belangt wird - zumindest nicht getötet wird.
Nun sind humanistische Standards sehr unterschiedlich - ICH finde es jedenfalls höchst amoralisch das OPFER zu töten und den Täter zu schonen.
Genau das impliziert aber der verbale Gebrauch des Wortes Kinderschänder:
Die Opfer leben in Schande.
Tatsächlich ist das auch bis auf den heutigen Tag in der Mehrzahl der Fälle so, wie auch wieder die jüngsten Enthüllungen aus Irland zeigen:
Die mißbrauchten und vergewaltigten Opfer schämen sich, schweigen ob ihrer Schande über Dekaden, während die Täter aus den Reihen der Priester weiter unbehelligt bleiben.
Es wird mitunter sogar noch schlimmer, da einige Bischöfe den Opfern die Schuld in die Schuhe schieben - da liegt es dann der schwarze Peter nach Auffassung des höchst perversen Bischof Bernardo Álvarez Afonsos bei den 13-Jährigen Knaben, die es darauf anlegen.    Die moralisch verwerflichste Form des Indiviuums war wohl der deutsche Kardinal Degenhardt, der den Müttern eine Mitschuld zuschob - denn wenn sie überhaupt einen nackten Kinderkörper den Ehemännern zugänglich machten, wäre es verständlich, daß sie ihren Begierden nicht widerstehen könnten.
Damit offenbart der Kirchenfürst, daß seiner persönlichen Ansicht nach jeder Mann ein potentieller „Kinderschänder“ (in diesem Fall tatsächlich Pädophiler) sei. […..]

(Kirchenschänder, 24.05.2009)

Donnerstag, 29. September 2022

CDU contra Natur

Neben den üblichen politischen und religiösen Seiten, folge ich auf Instagram vielen Natur-Themen, weil dort der Fokus auf Photographie liegt. Darunter gibt es eine FSK18-Seite „wild.phobia“ mit 558.000 Followern, die ich schon oft entfolgen wollte, weil dort brutales Naturgeschehen gezeigt wird. Keine süßen Katzenbabys, sondern eher mal eine Großkatze, eine Löwin, die ein Kitz ermordet.

Das ist nichts für schwache Nerven, aber ich finde es wichtig, „die Natur“ nicht mit der kitschigen Haustierwelt zu verwechseln. Natur ist extrem grausam. Ein ewiges Fressen und Gefressen werden. Der liebe Gott griff eben nicht nur bei seiner „Krone der Schöpfung“, dem Killerparasiten des Planeten kräftig ins Klo, sondern versagte erst Recht bei den „niederen“ Kreaturen, die fast alle unter Entbehrungen und Hunger leben, um schließlich von einem Größeren und Stärkeren zerrissen und zerfleischt zu werden.

Das Zusammenspiel der Jäger und Gejagten ist allgemein betrachtet sagenhaft faszinierend. Nichts wird verschwendet. Niemand ist sicher. Für jede Abwehrtaktik, gibt es Spezialisten, die sie überwinden können. Die biblische Vorstellung der Arche Noah, in der ein Paar von jeder Art freundlich ausharrte, bis die Flut vorbei war, ist hanebüchener Blödsinn, die von völliger naturwissenschaftlicher Unkenntnis des Erzählers zeugt. Selbst die wenigen Tierarten an der absoluten Nahrungsspitze, die Top-Prädatoren, chillen keineswegs als faule Privatiers durchs Leben. Nehmen wir nur den König der Tiere: Die meisten Löwenbays werden nie erwachsen, zwei Drittel sterben bevor sie ein Jahr alt sind. Gern werden sie von fremden Löwenmännern totgebissen, die damit die Löwinnen wieder empfängnisbereit machen. Infantizid als Mittel, um seine eigenen Gene durchzusetzen. Erwachsene Löwen hungern und dursten meistens. Beute ist rar, Wasser erst Recht. In 90 bis 95% der Jagden entkommt das Opfer, obwohl die Jäger viel Energie aufwenden. Oft wird man brutal verletzt, weil Antilopen Hörner haben und Zebras heftig austreten. Selbst die extrem starken Löwenmänner sterben keines natürlichen Todes, weil sie in der Regel dauernd gegen andere Löwen kämpfen und sich dabei entsetzliche Fleischwunden zuziehen. Sie können 13, bis maximal 16 Jahre alt werden, aber das kommt selten vor, da sie eher von jüngeren Konkurrenten lebensgefährlich verletzt werden.

Wie wir schon in der Grundschule lernten, helfen diese Prädatoren dabei, die Beutetiere zu dezimieren, die sich sonst unkontrolliert vermehren würden, so daß sie sich nicht mehr ernähren könnten. Sie haben aber auch eine evolutionäre Funktion, indem sie die schwachen, humpelnden, einbeinigen, blinden oder schwerhörigen Gnus zuerst fressen. So überleben nur die stärksten Gnus so lange, um sich zu vermehren. Dadurch werden die Gnus immer mehr verbessert. Evolution ist ein Geniestreich, aber alles andere als Ponyhof. Anders als in der zivilisierten menschlichen Gemeinschaft überlebt der Sohn mit Trisomie 21 oder dem verkürzten Bein eben nicht, sondern wird als Erstes zu Nahrung des Nächstgrößeren umfunktioniert.

Wölfe, Canis lupus, sind faszinierende Viecher, die zwar nicht ganz so stark wie ein Tiger oder Braunbär sind, aber diesen physischen Nachteil durch ihr hochkomplexes Sozialverhalten so perfekt ausgleichen, daß sie an der Spitze der Nahrungskette stehen. Sie sind so wichtig für den Gesamttierbestand, daß sie als „Schlüsselspezies“ betrachtet werden.

[….] Der Wolf wird von vielen Autoren als Schlüsselspezies innerhalb eines Biotops betrachtet wegen des Einflusses auf die Populationen seiner Beutetiere (Populationsdynamik). Nach Untersuchungen zur Prädation von Wapitis im Yellowstone-Nationalpark erbeuten die Wölfe neben den bevorzugten Jungtieren auch ältere weibliche Individuen, von denen manche altersbedingte Krankheiten aufweisen. Das Erbeuten altersschwacher Tiere aus einer lokalen Population verringert die intraspezifische Konkurrenz um Nahrungspflanzen zugunsten der jüngeren Tiere. Die von den Wölfen nach dem Fressen liegen gelassenen Kadaverreste bieten zahlreichen Aasfressern eine breitere Nahrungsgrundlage. Im Yellowstone-Nationalpark sind rund ein Dutzend Tierarten Nachnutzer, unter anderem Bären, Adler und Rabenvögel. Die Anwesenheit von Wolfsrudeln verringert die Prädation durch andere Beutegreifer, sowohl bei wildlebenden Huftieren, als auch bei Weidetieren, denn sie beeinflusst die Populationen anderer Raubtiere mitunter negativ. Sie kann damit auf dem unterhalb liegenden Trophieniveau kleinere Arten begünstigen, so unter anderem durch die Trophische Kaskade vom Wolf zum Kojoten und Rotfuchs und deren Beutetieren in Nordamerika.[64][65] Die Regulierung der Pflanzenfresser als Konsumenten erster Ordnung wirkt sich günstig auf die Vegetation aus, unter anderem auf die Naturverjüngung in Waldbeständen. Hiervon profitieren andere Tierarten.  [….]

(Wikipedia)

Nach acht Millionen Jahren als Schlüsselspezies begann die Parasitenspezies Homo Sapiens vor 500 Jahren damit, Canis Lupus auszurotten.

Mitte des 19. Jahrhunderts war es geschafft.

[….] Um 1850 gab es praktisch keine frei lebenden Wölfe mehr. Vereinzelt auftauchende Exemplare wie der "Tiger von Sabrodt", der 1904 in der Lausitz erschossen wurde, waren vermutlich aus Wildparks, Zoos oder Zirkussen ausgebrochen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg verirrten sich vereinzelte Wölfe ab und zu nach Deutschland, diese wurden allesamt überfahren oder erschossen. […]

(Planet Wissen)

Der Wolf wurde Opfer des Homo Sapiens, der wolfphobes Mobbing betrieb, indem er Lügengeschichten über den schlauen Vierbeiner verbreitete.

Da Wölfe sehr viel wandern und es keine Selbstschussgrenzlagen zum Warschauer Pakt mehr gibt, kommen vereinzelte Wölfe seit den 1990ern wieder nach Deutschland.

Eine zweiteilige Arte-Doku rekonstruierte 2015 auf faszinierende Weise die tausende Kilometer langen Wanderwege dreier Wölfe.

[….]  Die drei Wanderwölfe Ligabue, Alan und Slavko überwinden bei ihrer Suche nach einer Partnerin atemberaubende Distanzen und bewältigen die tödlichen Barrieren der menschlichen Zivilisation. Von einem uralten Impuls getrieben, überqueren sie mehrspurige Autobahnen, reißende Flüsse und frostklirrende Gebirge. Bis heute ist es für die Wissenschaft ein Rätsel, warum immer wieder einzelne Wölfe plötzlich ihre Rudel verlassen und zu Wanderungen über mehr als 1.000 Kilometer aufbrechen. Diese Frage war auch der Grund für den Start mehrerer europäischer Forschungsprojekte. Und um eine Antwort zu finden, wurden die Wölfe Ligabue aus Italien, Alan aus Deutschland und Slavko aus Slowenien mit Sendern ausgestattet. Gemeinsam mit den Wolfsforschern Luigi Boitani, Francesca Marucco, Ilka Reinhardt und Hubert Potocnik hat man dann vier Jahre lang die Reisen der drei Wanderwölfe nachvollzogen.  [….]

(Die Odyssee der einsamen Wölfe)

Eine faszinierende wissenschaftliche Dokumentation, die aber nie die echten Ligabue, Alan und Slavko zeigte, weil Wölfe so extrem scheu sind und so konsequent den Menschen meiden, daß sie selbst bei vierjährigen Recherchen nicht zu filmen waren.  Gezeigt werden stattdessen zahme, trainierte Wölfe.

Nun könnte man als Mensch beschämt darüber sein, was dem Wolf angetan wurde und sich freuen, daß es wenigstens wieder ein paar hundert Tiere in Deutschland sind – auch wenn man sie nie antreffen wird.

Es gibt in Deutschland 22,3 Millionen Schweine und 49,6 Millionen Hennen.

Man könnte also meinen; ein Wolf pro 150.000 Schweinen, wäre verkraftbar. Das ist ein knapper Wolf auf einen halbe Million Menschen.

Hätte Mensch Moral und Anstand, würde er Schutzgebiete einrichten, um der einst ausgerotteten Schlüsselspezies wieder Lebensraum zu bieten.

Man kann aber auch so moralisch verkommen wie die CDU sein und sofort wieder Vorurteile schüren.

Wer wie Merz rassistische xenophobe Vorurteile gegen Kriegsflüchtlinge in die Welt setzt, schreckt natürlich nicht davor zurück, Tiere erneut ausrotten zu wollen, um die Wählerstimmen der Doofen zu gewinnen.

[…]  Union will »wolfsfreie Zonen« in Deutschland

Der Umgang mit Wölfen ist ein Dauerstreitthema, nun positioniert sich die Unionsfraktion im Bundestag: Sie will die »rechtssichere Wolfsentnahme« erleichtern – auch ohne dass den Tieren Angriffe nachweisbar sind. Die Union will schärfere Maßnahmen gegen Wölfe in Deutschland ermöglichen. »In Arealen, in denen ein effektiver Herdenschutz technisch und zu vertretbaren Kosten nicht umzusetzen ist, (sind) wolfsfreie Zonen zu definieren«, heißt es in einem Antrag, den der Fraktionsvorstand von CDU/CSU im Bundestag am Montagabend beschlossen hat. Er liegt dem Nachrichtenportal »t-online« vor. »Hierzu zählen vor allem die beweideten Küsten- und Hochwasserdeiche sowie die Almregionen.« Wölfe stehen in Europa unter Schutz, seit einigen Jahren breiten sie sich in Deutschland wieder aus. Was Naturschützer freut, wird von vielen Schäfern und anderen Tierhaltern kritisiert. [….]

(SPON, 27.09.2022)

Offensichtlich wird man so Umfragekönig in Deutschland.

Während sich Scholz mit Gaspreisdeckeln, Ukrainekrieg, Energiewende und Atomkriegsgefahren müht, will Merz Wölfe abschießen lassen, die 99,99% der Menschen nie zu Gesicht bekommen. Dem Urnenpöbel gefällt es.