Dienstag, 19. Juli 2022

Auch welcher Seite steht die FDP?

Markus Söder ist ein Hetzer und Lügner der ganz alten Schule, weil er wider besseres Wissen behauptet, mehr Minderheitenrechte (Homoehe, Streichung des §219a, erleichterte Namensänderung für Trans-Menschen, Cannabis-Legalisierung) würden anderen etwas wegnehmen und sie unter Zwang setzen.

Das ist natürlich alles hanebüchener Schwachsinn, den der fromme Bayer von sich gibt. Keine Hetero-Ehe ist bedroht oder weniger wertvoll, wenn auch ein Homo-Paar heiratet. Keine schwangere Christin wird zur Abtreibung gezwungen und niemand, der dazu keine Lust hat, wird gezwungen privat zu gendern. Kein bayerischer Biergartenbesucher wird mit Gewalt dazu gebracht, seine Maß gegen eine Bong zu tauschen.

[…] „Markus Söder, haben Sie das wirklich nötig? Ist das Ihr Niveau?“, fragt etwa der bayerische FDP-Landeschef Martin Hagen nach einem Söder-Interview mit der „Bild am Sonntag“. Dort beklagte der CSU-Chef, dass die Ampel als einzige Gemeinsamkeit eine „Umerziehung der Deutschen“ betreiben wolle. „Die gesellschaftliche Zeitenwende richtet sich gegen die Mehrheit der Normalbürger“, so Söder. „Es geht immer um Zwang statt um Freiheit.“ Es sei ebenso falsch, Gendern „zwanghaft zu verordnen“ wie etwa „staatliche Vorgaben zur Ernährung zu machen“ oder aber „Drogen wie Cannabis freizugeben“.  Hagens klare Antwort: „Markus Söder lügt. Die Ampel verordnet weder Gendern noch eine bestimmte Ernährungsweise. Das einzige, was stimmt: Ja, die Ampel legalisiert Cannabis. Das ist aber der Gegenteil von Zwang.“ [….]

(MoPo, 19.07.2022)

Es ist gut zu hören, daß sich auch der FDP-Justizminister der rechtsradikalen Hetze aus Bayern widersetzt. Allerdings gibt es auch keine Möglichkeit Söders verschwörungstheoretisches Raunen zu rechtfertigen. Er klingt nämlich genau wie die nach ganz Rechtsaußen zu Aldebaranern, Covioten, Reichsbürgern und Pegioten verlorenen gegangene PP-Drecksschleuder Vera Lengsfeld, die heute auf David Bergers antisemitischen Hetzblog gegen die Ampel wütet:

[….] Dem Familienministerium, in dem die Ministerin schon ausgetauscht werden musste, kommt eine Schlüsselrolle zu. Es geht um die Abschaffung der Familie. Das war bisher ein Projekt der Diktaturen, deswegen findet man im Koalitionsvertrag ein Lippenbekenntnis zur Familie, ohne dies näher zu definieren. Der Pferdefuß kommt mit dem Wort „Verantwortungsgemeinschaft“ mehrerer erwachsener Personen, die wie eine Familie behandelt werden soll. Da kann man auch gut die muslimische Mehrehe oder Kinderehe unterbringen, die bei uns noch aus guten Gründen verboten sind. [….] Jahrzehntelang ist ein erheblicher Teil der Grünen der Meinung gewesen, Deutschland sei nicht mehr als „ein mieses Stück Scheiße“. Die Bürger, die dieses Land all die Jahre am Laufen gehalten und zuletzt im Ahrtal bewiesen haben, dass sie im Gegensatz zu staatlichen Institutionen noch handlungsfähig sind, haben das hingenommen. Nun wird dem „miesen Stück Scheiße“ der Gnadenschuss verpasst und wir müssen sagen, wir sind dabei gewesen. Hinterher soll keiner behaupten, er hätte den Zusammenbruch, auf den mit aller Macht zugesteuert wird, nicht kommen sehen können. Das kann man schon an der Auswahl der Ministerien erkennen, die von den Grünen reklamiert wurden. Alle Ämter, die für die große Transformation unverzichtbar sind, haben die Grünen in der Hand, bis auf eins.  [….]

(Lengsfeld via PP, 19.07.2022)

Angesichts so eines bösartigen Framings, das nur darauf ausgerichtet ist, Hass und Gewalt zu schüren, bleibt demokratischen Politikern keine Wahl. Sie müssen das scharf zurückweisen.

Allerdings wird diese Hetze unter dem Dach der Parteien von Merz und Söder offensichtlich geduldet. Die CDU prüft zwar inzwischen das überfällige Parteiausschlussverfahren gegen die zutiefst bösartige


Schwurblerin Angelika Barbe. Aber was ist mit Hans-Georg Maaßen und Vera Lengsfeld?

Leider ist auch die FDP eben nicht willens sich von ihrem braunen Rand zu trennen.

(….) Rechtsaußen und Dunkelkatholik Thomas Kemmerich, vom 5. Februar bis zum 4. März 2020 der sechste Ministerpräsident des Freistaates Thüringen, ist bis heute FDP Landeschef in Thüringen, zeigte auf Covidioten-Demonstrationen ganz offen seine politische Verwandtschaft zur faschistischen AfD Thüringens. AfD-Freund Christian Lindner stört es nicht.

In der Baden Württembergischen FDP dominiert mit Hans-Ulrich Rülke, dem stellvertretenden Landesvorsitzender und Fraktionsvorsitzenden der FDP/DVP Landtagsfraktion ebenfalls ein stramm-rechter „AfD-Klon“ (CDU-Sozialverband).  (….)

(Kemmerich 2.0, 28.06.2022)

Auch in Hamburg können wir mit diesen Braun-Gelben dienen, die der Versuchung nicht widerstehen können, gegen Transmenschen zu hetzten.

[….] Während seine Partei in der Ampel-Koalition auf Bundesebene am Selbstbestimmungsgesetz arbeitet, mit dem das Leben für trans- und intergeschlechtliche Menschen verbessert und das Transsexuellengesetz abgelöst werden soll, schreibt FDP-Mann Wieland Schinnenburg in Hamburg transfeindliche Facebook-Postings.

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und FDP-Hamburg-Chef, der heute in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord sitzt, postete auf Facebook den Spruch: „Wir leben in einer Welt, in der Kinder keine Indianer darstellen dürfen, aber erwachsene Männer eine Frau.“ Dazu zeigte er noch ein Foto der Bundestagsabgeordneten Tessa Ganserer (Grüne), die eine von zwei trans*Frauen im Bundestag ist.  […]

(MoPo, 16.07.2022)

Montag, 18. Juli 2022

Nymphomanie und ihre schlimmen Folgen.

Bei einer derart Penis-fixierten Ideologie wie dem Christentum, orientiert sich die Morallehre natürlich auch am Gemächt.

Die Ethnologie-Professorin Susanne Schröter erklärt:

[….] Geschlechterauffassungen sind historisch gewachsen und verändern sich permanent – das Zweigeschlechter-Modell existiert auch bei uns erst seit etwa 300 Jahren. Zuvor gab es andere Vorstellungen, wie Körper beschaffen sind. [….] Es dominierte – zumindest im Gelehrtendiskurs – das Eingeschlechts-Modell. Es besagt, dass Frauen körperlich nichts anderes sind als minderwertige Kopien von Männern, mit (ins Innere verlagerten) verkümmerten männlichen Geschlechtsorganen. [….]  Wegen der fehlenden inneren Hitze bei den Frauen, so die Vorstellung, hätten sich die Organe nach innen gestülpt. Auch wurde spekuliert, dass Männer menstruieren – indem sie Hämorrhoiden ausbilden. [….] Einige Gelehrte führten die biologische Andersartigkeit der Frau als Beweis für ihre angeblich mindere Intelligenz an, darunter etwa Paul Julius Möbius mit seinem Buch »Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes« (1900).  [….]

(Prof Schröter, SPON, 18.07.2022)

Wer gar keinen Penis hat, ist eben minderwertig. So wird es in der mit vielen Milliarden hochsubventioniertes katholischen Kirche bis heute gelehrt. Wer keinen Penis hat, kann nicht Priester, oder gar Bischof werden.

Alle Weltreligionen und archaische Kulturen lehren uns eins über Frauen: Sie sind minderwertig, schwach, unselbstständig, wurden aus einem männlichen Abfallprodukt geschaffen, sollen sich unterordnen und gehorchen, devot die ihnen zugedachten Aufgaben annehmen.

Das ist schließlich der natürlich Gang der Dinge, also gottgewollt.

(…..) Die Ansichten der bedeutendsten christlichen Kirchenlehrer sprechen eindeutig nicht dafür, daß Weibsbilder Führungsrollen übernehmen sollten.

"...der Gang, wie sich die göttliche Lehre verbreitet: Von Gott zu Christus, von Christus in den Mann und von diesem in das Weib hinab. Umgekehrt verbreitet sich die teuflische Lehre: Sie kommt zuerst in das Weib, denn dies besitzt weniger Unterscheidungsvermögen."
(Alexander von Hales, 1185-1245, Lehrer des Thomas von Aquin)

"Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Es entspricht der natürlichen Ordnung, daß die Frauen den Männern dienen."

(Kirchenvater Augustinus, hl., 354-430)

"...wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben...es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, daß sie sich äffen und trügen lassen."
(Martin Luther)

"Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen. Die Frau ist ein Mißgriff der Natur... mit ihrem Feuchtigkeits-Überschuß und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger...eine Art verstümmelter, verfehlter, mißlungener Mann...die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann."
(Thomas von Aquin, hl., Kirchenlehrer, 1225-1274)

Offensichtlich ist das „Christliche Menschenbild“ soweit eindeutig. Jesus preist die Sklaverei, fordert von den Sklaven sich unterzuordnen und die RKK lässt bis heute Frauen wegen ihrer Minderwertigkeit nicht das geringste geistliche Amt übernehmen. (….)

(Warum man Weihnachte nicht in die Kirche gehen sollte, 18.12.2017)

Um mächtig zu sein, muss man aber nicht nur überhaupt erst mal einen Penis haben. Es spielt aber auch eine große Rolle, was man damit anfängt. Einfach damit rumspielen oder außerhalb einer katholischen Ehe damit hantieren, geht nicht, denn das ist eine Todsünde und führt direkt in die Hölle.

Noch schlimmer ist es, wenn so ein Penis in die falschen Öffnungen gesteckt wird – oral oder anal oder gar in einen Mann.

Das sieht Jesus gar nicht gern und es bleibt ihm nichts anderes übrig, als zur Strafe Erdbeben, Tornados oder Überschwemmungen zu schicken.

[….] Gott habe die Italiener mit dem Erdbeben für die jüngst beschlossene Legalisierung von homosexuellen Lebenspartnerschaften strafen wollen, so ein Mitarbeiter des Radiosenders, Pater Giovanni Cavalcoli. [….]

(ORF, 05.11.2016)

[….] Brian Tamaki of destiny Church has claimed to his followers that earthquakes are caused by sins such as people being gay. Quoting the Bible, he says when the earth convulses it is talking to God. Of Christchurch and its disastrous earthquakes six years ago he says that city did anything but live up to its name, being 'a haven for those who were absolutely anti-Christ in every way.” He said in a sermon recorded last Sunday that it was the “representative from that city who first put in motion gay marriage in this country in 2003,” an apparent reference to the support of then-Labour MP for Christchurch Central, Tim Barnett's highly public support for the ultimately successful Civil Unions bill In a blog posted after the sermon he wrote: "No other sin in the whole of the bible has any connection to earthquakes, floods and volcanic eruptions, but sexual perversions alone. [….]

(NZ Daily News, 16.11.2016)

Was soll Gott auch sonst tun, nachdem er schon mit der „Schwulenpest Aids“ eine präzisiere Waffen eingesetzt hatte und die Penisse dennoch weiterhin in die falschen Öffnungen gestülpt wurden?

[….] In der Schweiz wurde ein erster Patient mit Aids im Juni 1982 dem Bun­des­amt für Ge­sund­heit (BAG) gemeldet.  Zu diesem Zeit­punkt er­schie­nen erste Mel­dun­gen in allen Medien und be­rich­te­ten von einer neuen, un­be­kann­ten, töd­li­chen Krank­heit, die haupt­säch­lich schwule Männer befalle. Darum wurde sie "Schwu­len­seu­che" genannt. Vorerst trat sie in gewissen Teilen der USA (Ka­li­for­ni­en, Hawaii, New York) auf. Viele Leute in Amerika und bald auch in Europa nannten sie "Strafe Gottes für sündiges Tun der Be­trof­fe­nen".   [….]

(Ernst Ostertag, August 2007)

Das Konzept Krankheiten als Strafe für falsche Penisverwendung zu schicken, wurde vom lieben Gott schon vor langer Zeit entwickelt, als es ihm zu mühsam wurde, wie in Sodom und Gomorrha oder bei der Sintflut (fast) alle Menschen auszurotten. Eine der highest ranking catholics of all times, die heilige Hildegard von Bingen (1098 -1179) Benediktinerin, Äbtissin, Universalgelehrte, erkannte diese Zusammenhänge schon vor 900 Jahren und so erhob folgerichtig der unfehlbare Papst Benedikt XVI.

Am 7. Oktober 2012 die heilige Hildegard zur Kirchenlehrerin (Doctor Ecclesiae universalis), auf daß die in der gesamten Welt verehrt werden möge.  Hildegard kannte sich halt aus und konnte auch eine der größten Geißeln des Mittelalters erklären: Lepra.

Menschen mit „Aussatz“ wurden in den guten alten Zeiten, als die Kirche auch weltlich das Sagen hatte, mit Pestschnäbeln versehen und aus der Stadt gejagt, damit so woanders sterben.  Wer Glück hatte, durfte in einem Siechenhaus dem Ende entgegendämmern, wenn er streng sexuell enthaltsam lebte, denn schließlich hatte die Wollust ihn erst krank gemacht.

[…] Diese Texte künden von strengen, fast klösterlichen Regeln, denen sich die Bewohner unterwerfen mussten. Wer nicht mehrmals am Tage betete und an den Gottesdiensten teilnahm, musste Strafe zahlen, wer sich »unkeusch« verhielt, ebenfalls. Lange hielt sich ein wohl vor allem auf die Mystikerin Hildegard von Bingen zurück­gehendes Gerücht, dass Lepra eine göttliche Strafe für einen unnatürlich gesteigerten Sexualtrieb sei. Auch das könnte ein Grund dafür gewesen sein, warum sich viele Regel­werke der »Leprosorien« ausführlich mit dem Thema Unzucht befassten. [….]

(SPIEGEL, 23.04.2022, s.108)

Sonntag, 17. Juli 2022

Hilfe durch Frömmigkeit.

Der arme Markus Söder. So lange war er der starke Mann unter den Ministerpräsidenten, dominierte die Corona-Phase. In der CDUCSU ging nichts mehr ohne ihn, er war der Liebling der Basis, die Kanzlerkandidatur wirkte wie eine Selbstverständlichkeit und die Wahl zum Bundeskanzler wäre nur noch Formsache gewesen – angesichts der am Boden liegenden SPD. Zudem hatte der fromme Markus, der ganz Bayern mit Kruzifixen überzog, auch noch Gott auf seiner Seite; schließlich ist Olaf Scholz Atheist.

Was konnte da noch schiefgehen?

Blöderweise: Alles.

Armin Laschet schnappte ihm die Kandidatur vor der Nase weg, die Union verlor die Bundestagswahl krachend, die CSU schnitt besonders schwach ab, Sozis und Grüne regieren das Land, es gibt keine CSU-Minister mehr, die ungeniert alle Fördermittel nach Bayern schieben und zu allem Übel ist noch nicht einmal Söders Wiederwahl zum bayerischen Ministerpräsidenten sicher.

[….] Der bayerische Ministerpräsident lässt gerade kein Bierfass unangezapft, kein Grußwort ungehalten, denn er übt für eine neue Rolle: Er muss sich und sein Amt verteidigen.  […]

(SZ, 15.07.2022)

Aber es ist wie verhext. Obwohl die Bundesregierung dem bayerischen Ministerpräsidenten mit dem G7-Gipfel auf der Elmau nahezu unendliche Möglichkeiten gab, sich in Szene zu setzen, blieb nur in Erinnerung, wie der verquollene Nürnberger schlecht angezogen, sein eigenes Gemächt nicht unter Kontrolle hatte und deshalb in den USA ausgelacht wurde.

Söders bayerische Klamotten waren vor den Regierungschefs der Welt so peinlich, daß Söders Tochter ihn verteidigen musste. Ich weiß nicht, ob es die eheliche Tochter war, oder eins von den Bälgern, welches der rollige Maggus beim Ehebrechen zeugte.

Noch jämmerlicher waren die bayerischen Fressalien, die der offensichtlich heillos überforderte Söder den Staatspräsidenten in Rucksäcken überreichte – inklusive Schafkopfkarten.

[…] Kaum hatten die G7-Teilnehmer einen Fuß auf den Boden des Münchner Flughafen gesetzt, wurden sie bereits mit einem bayerischen Potpourri aus Lederhosen, Trachtenjankern und Dirndln begrüßt. Gebirgsschützen und Trachtler salutierten dem US-Präsidenten Joe Biden, der die Begrüßung vor den laufenden Kameras der Weltpresse mit einem strahlenden Lächeln aufnahm.  Nun will Markus Söder offenbar sicherstellen, dass die mächtigsten Männer der Welt das Bundesland Bayern auch dann nicht vergessen, wenn sie wieder abreisen. „Solche Bayern-Rücksäcke gehen auf Weltreise: Alle Teilnehmer des G7-Gipfels bekommen einen Rucksack voller bayerischer Spezialitäten von uns“, schrieb der bayerische Ministerpräsident am Montag auf Twitter und verriet auch etwas zum Inhalt. „Für Lebensmittel sind wir weltberühmt. Drin sind Wurst, Käse, Süßigkeiten und Schafkopf-Karten. […]

(Merkur, 28.06.2022)

Nach dieser Tour de Blamage besann sich der lange MP wieder auf seine Kernkompetenzen: Geheuchelte Frömmigkeit. Rechter Populismus. Lügen.

Der Mann, der ganz Bayern mit Kruzifixen zwangschristianisierte, beklagt sich nun über angeblichen Genderzwang.

Die einzige Gemeinsamkeit der #Ampel ist ihr Wunsch nach Umerziehung. Die gesellschaftliche Zeitenwende richtet sich gegen die Mehrheit der Normalbürger. Es geht immer um Zwang statt um Freiheit. Es ist falsch, Gendern zu verordnen und staatliche Vorgaben zur Ernährung zu machen.

(Markus Söder,17.07.2022)

Markus Söder lügt. Die Ampel verordnet weder Gendern noch eine bestimmte Ernährungsweise. Das einzige, was stimmt: Ja, die Ampel legalisiert Cannabis. Das ist aber das Gegenteil von Zwang. @Markus_Soeder, haben Sie das wirklich nötig? Ist das Ihr Niveau?

(Martin Hagen, 17.07.2022)

#Söder lügt!

Es gibt kein #Zwang zum #Gendern!

Es gibt keine #Ernährungsvorgaben!

Es gibt keine Pflicht zu #kiffen!

Wenn man keine Argumente hat, dann bekämpft man #Windmühlen und nennt es #Umerziehung!

(Eduardt Storberg, 17.07.2022)

Nach so viel Gegenwind, wanzt sich der Linksträger im Janker lieber wieder an die Kirchen heran, kuschelt mit den Kinderfi**ern und zeigt seine ganze Verzweiflung, indem er den Profigläubigen passivaggressiv droht. Ohne ihn, den frommen Markus, könnten sie ihre Privilegien – also ihre üppig sprudelnden Geldquellen – verlieren.

[….] Demonstrativ zeigt sich der Ministerpräsident beim Jahresempfang des Erzbistums München und Freising. [….] Markus Söder wäre nicht Markus Söder, wenn es ihm an diesem Abend nicht auch um Wirkung ginge. "Das Kommen ist ein Statement, es ist ein Bekenntnis, es ist Wertschätzung, und es ist ein Dankeschön", sagt er gleich zu Beginn seines viertelstündigen Grußwortes beim Jahresempfang des Erzbistums München und Freising, und gegen Ende flicht er noch in seine Rede ein: "An Fronleichnam bin ich auch bewusst mitgegangen, um ein Zeichen zu setzen." Seht her, hier bin ich, soll das wohl heißen, der Landesvater steht an der Seite der Kirche. [….] "Ich bekenne mich ausdrücklich zur Institution Kirche", so Söder, "aber jedem muss klar sein, wenn die Mitgliederzahlen so weitergehen, werden diejenigen, die eine grundlegend andere Auffassung haben, besondere Stellungen und Privilegien infrage stellen und thematisieren, ob all dies noch zeitgemäß ist, ob man das nicht ändern muss." [….]

(SZ, 13.07.2022)

Durch seinen heißen Draht zum lieben Gott, weiß Söder auch, wieso es bei der FDP in den Umfragen steil bergab geht: Lindners Kirchenaustritt mit 18 Jahren!

 [….] Christian Lindner und Franca Lehfeldt feierten auf Sylt eine pompöse Hochzeit inklusive kirchlicher Trauung – dabei sind Berichten zufolge weder der Finanzminister noch die Journalistin Mitglieder einer Kirche. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder stichelt deshalb gegen Linder: Söder findet, die Hochzeit sei ein guter Anlass, sich zum Glauben zu bekennen.  »Offenkundig hat die Trauung in der Kirche beiden sehr gefallen«, sagte Söder der »Bild am Sonntag«. »Vielleicht ist das ein guter Moment, wieder in die Kirche einzutreten«, fügte der CSU-Chef hinzu. »Das wäre ein großartiges Signal für den Glauben in diesen Zeiten.  [….]

(SPON, 17.07.2022)

Markus Söder hat ganz offensichtlich die Kontrolle verloren und erträgt nicht, wie ihm die Macht peu à peu immer  mehr entgleitet. Zu Lindners großer Sylt-Sause mit Ministern, Kanzler, Laschet und Merz wurde der Bayern-Chef gar nicht erst eingeladen. Welch eine Schmach.

Daher ist er in Sphären weit jenseits der Realität abgedriftet und verkündet, nicht für die Kanzlerkandidatur 2025 zur Verfügung zu stehen – als ob irgendjemand sich so etwas Absurdes wünschen würde.

[….] Kann man auf etwas verzichten, das einem gar keiner angetragen hat? Der CSU-Vorsitzende kann, natürlich. Und ebenso natürlich: Der "Verzicht" ist eine Unverschämtheit gegenüber zwei CDU-Ministerpräsidenten.  [….] Aktuelle Meldungen, wonach sich Söder bezüglich der K-Frage soeben "aus dem Rennen" genommen habe, klingen jedenfalls ein bisschen so, als würde sich Armin Laschet freiwillig aus dem Rennen um den CDU-Ehrenvorsitz nehmen. Mit seinen Aussagen im ARD-Sommerinterview hat sich Markus Söder einer Debatte entzogen, die es noch gar nicht gab - zumindest bis zum Zeitpunkt dieser Aussagen. Nicht nur angesichts der Weltlage, der täglichen Frontberichte, der deutschen Heizungsangst und des auf unschöne Weise wieder interessanter werdenden Inzidenzwertes wären CDU und CSU regelrecht verrückt, wenn sie jetzt anfingen, über ihre Binnenmachtfrage im Bundestagswahljahr 2025 zu diskutieren. Aber genau das hat Söder getan. Seine Verzichtserklärung ist eine nicht einmal unzulänglich getarnte Spitze gegen CDU-Chef Friedrich Merz. Sie ist aber auch eine Unverschämtheit gegenüber den frisch wiedergewählten CDU-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst und Daniel Günther, die nun von Söder hochoffiziell gegen Merz in Stellung gebracht wurden. [….] Zumindest in der Kunst des vergifteten Lobs gehört er weiterhin bundesweit zur Spitze. [….]

(Boris Herrmann, 11.07.2022)

Samstag, 16. Juli 2022

Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Die sehr wenigen bekannten Kritiker der deutschen Waffenexporte an die Ukraine, die das nicht aus (heimlicher) Bewunderung für Putin tun, haben ein echtes Image-Problem.

Wer will schon in die Schublade mit den rechtsextremen AfDlern steigen, die sich für  die xenophobe, rassistische, homophobe, sexistische Kreml-Weltsicht begeistern? Die von einem christlichen, weißen, patriarchischen Weltbild ohne Schwule, Transsexuelle und emanzipierte Frauen träumen.

Wer will schon in die Schublade mit den antisemitisch, antilinken Nazis der Sorte David Berger steigen, die Selenskyj verachten, weil er Jude ist und von Grünen Politikern unterstützt wird?

Wer will schon in die Schublade mit den völkisch schwurbelnden Linken steigen, die Russland mit ausholendem Whataboutism alles nachsehen, weil die USA auch schlimme Sachen tun?

Die erste Hälfte des Whataboutism, nämlich die eigene Heuchelei aufzudecken und sich bewußt zu machen, welche Verbrechen man völlig unsanktioniert geschehen lässt, verwende ich auch. Daraus darf nur eben nie der Schluss gezogen werden, andere Verbrechen zu rechtfertigen. Wenn ich einen Menschen ermorde, bleibt das immer falsch und nicht zu rechtfertigen, auch wenn ich noch so viele andere Mörder aufzähle.

Es gibt viele sehr falsche Gründe, sich mit Putins Politik zu solidarisieren.

Mir fällt noch nicht mal ein richtiger Grund ein, mich mit Putin gemein zu machen.

Ich behaupte aber, daß es fahrlässig naiv ist, als einzige Auswege aus dem Krieg, einen totalen militärischen Sieg der Ukraine oder den Sturz Putins mit einem anschließenden Regimechange im Kreml zu akzeptieren. Nach der Logik hängt alles nur von genügend westlichen Waffenlieferungen nach Kiew ab und jede Form des Kontaktes mit Putin ist verwerflich.

Ich behaupte aber, daß diese beiden Optionen, den Krieg zu beenden höchst unwahrscheinlich sind. Russland ist ein riesengroßes mächtiges Land mit unverzichtbaren Bodenschätzen. Es ist eine atomare Supermacht und wird schon deswegen seinen Status als eine von fünf weltexklusiven UN-Vetomächten nicht verlieren, weil die Mehrheit der Weltbevölkerung (BRICS-Staaten!) sich nicht gegen Russland stellt.

Putins Charakter und die Frage wie sehr man ihn persönlich verachtet, sind irrelevant. Man wird eines Tages einen Modus Vivendi finden müssen. Es gelingt nicht einmal, das in der internationalen Diplomatie irrelevante und ökonomisch bedeutungslose Nordkorea auszuklammern, weil Kim Jong Un über mutmaßlich bis zu einem Dutzend Atomsprengköpfe verfügt. Russland verfügt über hochmoderne Atom-Uboote überall auf dem Planeten.

Die sehr wenigen bekannten Kritiker der deutschen Waffenexporte an die Ukraine heißen Harald Welzer, Richard-David Precht und im weiteren Sinne der 94-Jährige Klaus von Dohnanyi, der sich zwar nicht gegen Waffenlieferungen ausspricht, aber immerhin weiter denkt, für den Fall, daß die Ukraine doch nicht militärisch gewinnt, Putin sich deprimiert in ein Kloster zurückzieht und in Moskau eine pazifistische, liberale Regierung einzieht. Die vierte prominente Person ist Margot Käßmann, die aber im Gegensatz zu den drei Männern grenzenlos naiv daher plappert und schon gar keine Lösungsvorschläge aufzeigt.

Welzer und Precht werden gern lächerlich gemacht, wenn man ihnen unterstellt, sich gegen Redeverbote zu wehren. Das ist albern. Es gibt keine Redeverbote; alle vier Genannten treten in Talkshows auf, haben teilweise eigene Sendungen und Kolumnen, veröffentlichen Bücher, können sich in Zeitungen zu Wort melden.

[….] "Das wird enorm blutig werden (...), ohne dass wir dadurch etwas gewonnen haben." Philosoph und Schriftsteller Richard David Precht erklärt bei Markus Lanz, warum seiner Meinung nach Waffenlieferungen an die Ukraine nicht helfen, sondern die Situation für alle nur verschlimmern würden. [….]

(ZDF, 13.07.2022)

Es fällt mir schwer, mich auf Precht zu beziehen, weil mir der Mann zutiefst unsympathisch ist, aber in diesem Fall scheint er doch Recht zu haben.

Ihm wird natürlich nicht verboten, sich so zu äußern, aber die sprungbereite Feindschaft gegenüber solchen Positionen, ist zumindest in den sozialen Medien frappierend.

Es ist auch bei Liberalen und Grünen nahezu einhellige Meinung, Welzer und Precht zu verachten, weil man sie so interpretiert, dass sie Putins Spiel mitmachen. Argumentativ wird gar nicht erst auf sie eingegangen.

Die überwältigende Zahl der Journalisten echauffiert sich daher auch über schleppende Waffenlieferungen aus Berlin. Scholz und Lambrecht werden unisono niedergemacht, weil man es einfach als alternativlos voraussetzt, Kiew schnell viele deutsche Waffen zu liefern. Aber das bedeutet eben AUCH, jede Woche Blutbäder und hunderte Tote zu akzeptieren.

Ich vermisse in der veröffentlichten Meinung, die Diskussion darüber, welche Alternativen es zu Waffenlieferungen gäbe und wie es eigentlich mittelfristig weitergehen soll. Oder werden die Kampfhandlungen für immer anhalten?

Wer die Lieferung schwerer Waffen kritisch sieht, oder auch nur Bauschmerzen dabei hat, ohne sich dem zu verweigern, hat tatsächlich keine Lobby – außer den eingangs Genannten von ganz Links und ganz Rechts.

Kurioserweise listet der SPIEGEL, selbst einer der härtesten Scholz-Kritiker, diesen eigentlich unhaltbaren Zustand in einem hämischen Artikel über Martin Sonneborn auf, weil Satiriker offensichtlich die einzige laute pazifistische Stimme wären.

[….] Den Unterzeichnern offener Briefe, die etwas anderes fordern als unverzügliche Lieferungen schwerer Waffen, schlägt auf breitester Front offene Feindseligkeit entgegen.  Die allgemeine Unerbittlichkeit hat im aktuellen »Merkur« der Philosoph Gunnar Hindrichs analysiert. Es herrsche im zivilgesellschaftlichen Diskurs ein Bekenntnisdrang, der »nur das Pro und Contra der Kriegsparteien« dulde, »nichts Drittes«. In dieser aufgeladenen Atmosphäre würden jene der »Zeugnisverweigerung« angeklagt, »die sich zu keiner Kriegspartei bekennen«. Nach dieser Logik werde selbst »die Ablehnung des Krieges als ein Bekenntnis im Krieg« gewertet: »Weil man sich mit seiner Neutralität oder seiner Ablehnung des Krieges weigert, Position im Krieg zu beziehen, lässt man die gerechte Seite im Stich.«  Was Hindrichs Bekenntnisdrang nennt, ist kein theoretisches Konstrukt. Jede Leserin und jeder Leser wird ihn schon an sich selbst verspürt, ihm nachgegeben und sich entsprechend bekannt haben. Ratlosigkeit ist keine Option, Ratschläge an die Angegriffenen sind eine Unverschämtheit, und jedes Räsonieren über eine Zeit danach bereits Defätismus. Das ist die Lage. Und daher auch das Unverständnis und die Verachtung, die all jene trifft, die auf dem pazifistischen Feldherrenhügel verharren. [….]

(DER SPIEGEL Nr.28, 09.07.2022. s. 112)

Das ist nicht gut. Niemand muss alle Lösungen parat haben. Aber wenn schon Zweifel und Ratlosigkeit mit Shitstorm beantwortet werden, ist etwas völlig aus dem Gleichgewicht geraten.

Ich bin sehr froh, daß Macron und Scholz noch mit Putin telefonieren und beneide beide nicht um diese Gespräche.

Ich bin auch froh, daß es mit Gerd Schröder noch einen Politiker gibt, der auch von Putin gehört wird.

99% der Deutschen mögen mir da widersprechen, aber ich halte es für denkbar, daß eine Eskalation der Situation eintritt, in der dieser Draht in dem Kreml noch sehr wichtig werden kann.

Freitag, 15. Juli 2022

Geschichte wiederholt sich

Keiner weiß genau wieso, aber ausgerechnet bei der Bundestagswahl 2009, also ein Jahr nach dem weltweiten Börsen- und Finanzcrash, der alle Glaubenssätze des Neoliberalismus pulverisierte, dachte sich der deutsche Urnenpöbel „ach, jetzt ist mal genug mit den Sozialausgaben, wählen wir doch mal mit Rekordergebnis die neoliberale FDP in die Regierung!“

Es kam wie es kommen musste: Nicht nur hatte sich das primitive politische Programm der peinlichen Partei – Steuern senken für die Superreichen, Sozialausgaben runterfahren, den Markt total deregulieren – als absolut toxisch für die ganze Welt herausgestellt. Nein, der gesamten FDP war auch nichts anderes eingefallen. 15% brachten fünf Ministerien – darunter das Entwicklungshilfeministerium für den FDP-Waffenlobbyisten Dirk Niebel, der im Wahlkampf vehement gefordert hatte, das Entwicklungshilfeministerium abzuschaffen. Die FDP-Minister waren a) unerfahren und b) faul. Sie holten Lobbyisten direkt in die Ministerien, verteilten Milliardengeschenkte an ihre reichen Parteispender und nutzen die Regierungsbehörden, um hunderte treue FDP-Parteigänger ohne jede fachliche Qualifikation mit hoch dotierten Beamtenposten zu versorgen. Westerwelle war omnipräsent, auch der neue Generalsekretär Christian Lindner drängte vor jede Kamera. Allein, es konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Hepatitisgelben eine Sache absolut nicht konnten: Regieren. Alle fünf FDP-Minister waren Lachnummern; von 15% bei der Bundestagswahl ging es kontinuierlich bergab auf unter 5%. Nach zwei Jahren warf Lindner jammernd hin und suchte das Weite. Großzampano Westerwelle war als Vizekanzler und Außenminister so hoffnungslos überfordert, daß er den Parteivorsitz ausgerechnet an das niedersächsische Küken Philipp Rösler verlor, der wiederum als Wirtschaftsminister so debakulierte, daß er selbst von Satirikern nur noch mitleidig als „unser kleiner Fipsi“ belächelt wurde. Als tausende „Schlecker-Frauen“ durch die Pleite ihre Jobs verloren, zuckte der zuständige Rösler mit den Schultern und erklärte, diese könnten sich ja „um eine Anschlussverwendung bemühen“.

Schnell machte der Spruch von „der schlechtesten Bundesregierung seit 1949“ die Runde und der Spiegel titelte verzweifelt „AUFHÖREN!“

[….] Angela Merkel steht vor den Scherben ihrer Kanzlerschaft. Ihr Sparpaket stößt auf Widerstand, der Konflikt unter den Koalitionspartnern eskaliert, das Vertrauen ist aufgebraucht. Der Tag der Bundespräsidentenwahl könnte das Ende der Regierung bedeuten. [….]

(DER SPIEGEL 24/2010)

Da die regierungsunfähige FDP offenkundig nicht mit praktischer Politik überzeugen konnte, schaltete sie um in den Raufboldmodus, sabotierte die eigene Regierung und zettelte Streit an, um überhaupt noch vorzukommen.

Ihr eigener Wunschpartner von der CDUCSU nannte die daraufhin öffentlich „Gurkentruppe“ und Wolfgang Kubicki sagte den einzig richtigen Satz seiner Politikerkarriere; die FDP stehe unter Generalverschiss.

Der Urnenpöbel erkannte seinen riesigen Fehler von der Bundestagswahl 2009 und strafte Westerwelle/Lindner/Rösler bei den nächsten Wahlen brutal ab.

[…] - Nordrhein-Westfalen (9. Mai 2010): Die FDP erhält 6,7 Prozent und fliegt aus der Regierung. […]

- Sachsen-Anhalt (20. März 2011): Mit nur 3,8 Prozent fliegt die FDP nach neun Jahren aus dem Magdeburger Landtag.

- Rheinland-Pfalz (27. März 2011): Die Liberalen scheitern mit einem Ergebnis von 4,2 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde.

- Baden-Württemberg (27. März 2011): 5,3 Prozent reichen der Partei gerade so, um im Landtag zu bleiben. In ihrem Stammland ist das Ergebnis gleichwohl miserabel. Die FDP muss in die Opposition.

- Bremen (22. Mai 2011): Mit 2,4 Prozent fährt die FDP ihr bis dahin schlechtestes Ergebnis ein und fliegt aus der Bürgerschaft.

- Mecklenburg-Vorpommern (4. September 2011): Von 9,6 Prozent im Jahr 2006 stürzt die FDP auf 2,8 Prozent ab und muss raus aus dem Landtag.

- Berlin (18. September 2011): Die FDP fährt desaströse 1,8 Prozent ein - ihr bislang schlechtestes Ergebnis in Berlin.

- Saarland (25. März 2012): Die FDP im freien Fall - 1,2 Prozent sind das schlechteste Ergebnis, das sie jemals in einem westlichen Bundesland bei einer Landtagswahl erzielt hat.  […]

(Zeit, 06.05.2012)

Bei der Bundestagswahl 2013 wurde die FDP völlig gerechtfertigt zur außerparlamentarischen Opposition (APO) bestimmt.

Zu Merkels großem Unglück vertrug die SPD die zweite Groko sehr schlecht und wollte nach der Bundestagswahl von 2017 nach dem Rücksturz des verzweifelten Martin Schulz auf 20,5%, in die Opposition.

Die Kanzlerin musste über eine Jamaika-Koalition verhandeln, für die der grüne Verhandlungsführer Habeck bereitwillig alle grünen Prinzipien opfern wollte. Es lag nun an der FDP. Im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern Westerwelle und Rösler verfügte Christian Lindner aber über so viel Realitätssinn zu wissen, was seine Partei nicht kann: Regieren! Ohne Konzept und ohne Personal blieb Lindner wieder einmal nur die Flucht vor der Verantwortung, wie er es schon so oft in seiner  „Karriere“ getan hatte. Bundesregierung? Ohne ihn! Mit seiner Liebe zum hohlen Pathos stellte sich Lindner allerdings selbst ein Bein; 2021 konnte er nicht erneut heulend wegrennen und musste in der Regierung mitmachen.

Diesmal unter für ihn doppelt schwierigeren Bedingungen: Er musste in die ungeliebte Ampel mit einer selbstbewußten SPD und es gab keine rechnerische Alternative.

Im Regierungsalltag wiederholt sich nun auf frappierende Weise die Geschichte.

Alle FDP-Minister sind unfähig, blockieren sinnvolles Regierungshandeln mit ihrer Covitioten-Affinitität und der strikten Weigerung, die klima- und energiepolitischen Realitäten anzuerkennen.

Die Gelben verhindern vorausschauende Corona-Politik, verweigern sinnvolle Energie-Sparmaßnahmen wie das Tempolimit mit hanebüchenen Begründungen – man habe in Deutschland nicht genügend Schilder – und subventioniert gleich mit zwei milliardenschweren Maßnahmen den Energieverbrauch.

(…) Was macht man, wenn es an einer Ware wie Gas extrem mangelt?

Da gibt es prinzipiell zwei politische Stellschrauben. Einerseits auf der Angebotsseite für mehr Gas zu sorgen. Das tat Habeck, indem er bei jedem noch so dubiosen und noch so teuren Staat zusätzliches Erdgas einkaufte. Andererseits auf der Nachfrageseite für weniger Gasverbrauch zu sorgen. Hier haben wir die FDP, die ernsthaft Gasverbrauch sogar subventioniert und Milliarden Euro dafür ausgibt, damit die Menschen mehr Energie und mehr Gas verbrauchen.

Drei Beispiele:
1.) Blockade des Tempolimits

2.) Drei Milliarden aus Lindners Kasse für den Tankrabatt, um Porschefahrer wie ihn oder Privatflugzeugflieger wie Fritz Merz zu pampern.

3.) Fünf bis sechs Milliarden Euro Betriebskostenzuschuss für energieintensive Betriebe, damit viel Gasverbrauch belohnt wird. Das sind direkte Energiepreissubventionen für die Industrie – der Steuerzahler löhnt - für Lindners superreiche Industriefreunde.

Das ist FDP-Politik aus der Hölle. Absurder hätte es sich kein Schildbürger ausdenken können. (…)

(Deutschland sitzt in der Scheiße, 11.07.2022)

Geschichte wiederholt sich. Wir sind zurück in das Frühjahr 2010 gesprungen, als Deutschland mit offenen Mund fassungslos auf das Totalversagen der FDP-Minister starrte.

Die selbsternannte Bildungspartei FDP stellt mit Frau Stark-Watzinger nicht nur die Bildungsministerin, sondern auch die unbekannteste Ministerin. Auch die einzige Frau in der gelben Regierungstruppe ist heillos von ihrem Ministerium überfordert. Nach einem Dreivierteljahr kommt sie das erste mal in der Presse vor. In der akademischen Welt wird gespart.

[…] Forschung: "Die Verunsicherung in der Wissenschaft ist groß"

[…] Die Bundesregierung kürzt die Mittel für den internationalen akademischen Austausch. Aber auch andere Projekte berichten von Sparmaßnahmen.  In der deutschen Wissenschaft geht die Angst um, die Angst vor dem Rotstift. Hauptgrund sind Budgetkürzungen bei Organisationen, die sich um die internationale Vernetzung der deutschen Forschung kümmern, allen voran der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH). Doch auch andere Projekte an deutschen Hochschulen klagen über plötzliche Einsparungen. […] Das Haushaltsjahr sei "von besonderen Herausforderungen geprägt", heißt es dagegen aus dem BMBF, das die FDP-Politikerin Bettina Stark-Watzinger führt. […]

(SZ, 14.07.2022)

Eins der wichtigsten Themen, die Einsparung von Strom und Gas, um sowohl den Klimawandel, als auch die Abhängigkeit von Putins Lieferungen zu bekämpfen, betrifft gleich mehrere Ministerien, die von Scholz aufgefordert wurden, zu liefern.

Wirtschaftsminister Habeck (Grüne) und Bauministerin Gleiwitz (SPD) kamen dem mit detaillierten Konzepten nach. Beim dritten großen Player, FDP-Verkehrsminister Wissing präsentiert sich hingegen, wie für die Hepatisgelben üblich, als Totalausfall. Er ist der einzige, der kein Konzept vorlegen kann.

[….] Am Mittwoch wollte die Ampel Pläne zur Senkung des CO₂-Ausstoßes vorlegen. Das Verkehrsministerium aber lieferte nicht […] Die Bundesregierung kommt beim Klimaschutz langsamer als geplant voran. Bauministerin Klara Geywitz (SPD) und Klimaschutz-Staatssekretär Patrick Graichen (Grüne) legten am Mittwoch zwar ein Sofortprogramm für mehr Klimaschutz bei Häusern vor. […]  Auf Maßnahmen im Bereich Verkehr haben sich die zuständigen Minister Volker Wissing (FDP) und Robert Habeck (Grüne) bisher nicht verständigen können, obwohl sie ebenfalls bis Mittwoch hätten darlegen müssen, wie sie bei Autos, Lastwagen oder Flugzeugen die CO₂-Vorgaben einhalten wollen. […] Laut Gesetz sind die zuständigen Minister verpflichtet, einen Maßnahmenkatalog vorzulegen, wenn in ihrem Bereich mehr Treibhausgasemissionen festgestellt werden, als das Klimaschutzgesetz erlaubt, das war bei Gebäuden sowie im Verkehr vergangenes Jahr der Fall. Habeck und Geywitz hatten sich rechtzeitig geeinigt. Deren Liste trägt den Titel Sofortprogramm, wird jedoch nicht sofort wirken, weil Änderungen an Häusern wie Sanierungen oder neue Heizungen meist einen langen Vorlauf benötigen. Vergleichsweise schnell gehen könnte die Optimierung von Heizungen, etwa durch niedrigere Temperatureinstellungen, dies soll gefördert, aber auch gesetzlich gefordert werden.  Der elf Punkte umfassende Katalog sieht zudem vor, dass öffentliche Gebäude schneller als bisher energetisch saniert werden. […] Die Grünen-Energiepolitikerin Lisa Badum sagte mit Blick auf Wissing, alles Nötige sei bekannt, etwa eine Reform des Dienstwagenprivilegs und der Kfz-Steuer. "Das Ministerium muss runter von der Bremse und jetzt die Mobilitätswende anschieben." [….]

(Roland Preuß, 13.07.2022)

Parteichef Lindner glänzt unterdessen mit Abwesenheit – seine Protzhochzeit auf Sylt nimmt ihn zu sehr in Anspruch.

Von dort aus läßt er immerhin hanebüchene Falschaussagen über das Kirchenrecht verlautbaren.

Bei den Landtagswahlen ergeht es Lindners Leuten verständlicherweise ebenfalls wie vor 12 Jahren:

1.   27.03.2022 Landtagswahl Saarland: FDP = 4,8%

2.   08.05.2022 Landtagswahl Schleswig-Holstein: FDP-Absturz auf 6,4%(2017: 11,5%), Verlust aller Ministerposten.

3.   15.05.2022 Landtagswahl NRW: FDP-Absturz auf 5,9% (2017: 12,6%), Verlust aller Ministerposten.

Inhaltlich überfordert, handwerklich unfähig und personell blamiert, greift Lindner nun auf die nicht bewährte Methode der FDP von 2009/2010 zurück. Er verläßt demonstrativ die seriöse Regierungspolitik und beginnt aus Frust und Neid mit purer Obstruktion. Zum Schaden Deutschlands.

Mit der Attitüde eines typischen Bullys sucht er sich das, von den rechten Presseblättern seiner Frau und Exfrau niedergeschriebene vermeidlich schwächste Mitglied der Bundesregierung – Verteidigungsminister Lambrecht – und drischt BILD- und WELT-wirksam auf sie ein. Er schreibt einen öffentlichen Beschwerdebrief an Scholz und gibt damit klar zu verstehen, daß er nicht an Lösungen zum Wohle der Nation interessiert ist. Denn er sieht Lambrecht und Scholz regelmäßig bei Kabinettssitzungen, hat dort jederzeit die Möglichkeit zur internen Klärung.

Aber genau das interessiert ihn gar nicht. Er gibt offiziell das Ziel des gemeinsamen Erfolgs der Ampelregierung auf und zeigt allen: Die Gurkentruppe und Wildsäue sind wieder da.

[…] Lindner brüskiert Lambrecht […] Ein belehrender Brief von Finanzminister Christian Lindner (FDP) an Bundeskanzler Olaf Scholz und Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (beide SPD) verursacht schlechte Stimmung in der Ampelkoalition. Lindner hatte in dem Schreiben an die Kabinettskollegin größere Anstrengungen bei der Reform des Beschaffungswesens in der Bundeswehr angemahnt. […] Lambrecht hat angekündigt, Prozesse zu vereinfachen, und dazu bereits erste Schritte in die Wege geleitet. Schon ihre Vorgängerinnen an der Spitze des Wehrressorts, die CDU-Politikerinnen Annegret Kramp-Karrenbauer und Ursula von der Leyen, hatten sich bemüht, Rüstungsvorhaben zu beschleunigen, allerdings mit nur mäßigem Erfolg. Lindner zeigt sich nun besorgt, dass die zusätzlichen Milliarden nicht rasch genug in der Truppe ankommen. Den Verbleib des Geldes im Blick zu behalten, zählt zu seinen Aufgaben als Finanzminister. Ungewöhnlich ist jedoch die Form, in der er sich nun eingeschaltet hat: Er wählte einen Brandbrief, der auch gleich mit an den Kanzler ging. […] Wolfgang Hellmich, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, reagierte am Dienstag verärgert. Er erwarte von Lindner, dass dieser "mit seiner Kabinettskollegin spricht, anstatt Briefe zu schreiben", sagte Hellmich. Eine große, mutige Reform des Beschaffungswesens, wie Lindner sie sich offenbar vorstellt, hält Hellmich sogar für den falschen Weg. Dadurch wäre eine zentrale Säule der Bundeswehr über Jahre hinaus nur noch "mit sich selbst beschäftigt". Dabei müsse der Bundeswehr umgehend ermöglicht werden, ihrer Aufgabe der Landes- und Bündnisverteidigung wieder nachkommen zu können. Verbesserungen müssten deshalb im laufenden Betrieb stattfinden. […]

(Mike Szymanski, 12.07.2022)

Guten Morgen Deutschland; das ist genau das, was man erwarten durfte, wenn man FDP wählt: Destruktion, Chaos, Eitelkeit, Unfähigkeit.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es für die FDP bei den Bundestagswahl 2025 wieder den Gang in die APO. Aber bis dahin sind es leider noch mehr als drei Jahre, in denen die Partei sehr viel Schaden anrichten kann.