Dienstag, 12. November 2019

Grenzen des Geldes.


Die Eitelkeit des Friedrich Merz muss durch seine wiederkehrenden parteiinternen Niederlagen gegen CDU-Frauen erheblich angekratzt sein.
Ganz im Gegensatz zu seinem Selbstbewußtsein.
Der Mann, der noch nie eine Wahl gewonnen hat, nie ein Regierungsamt innehatte und bei seinen ökonomischen und politischen Prognosen immer konsequent grotesk falsch lag („Mehr Kapitalismus wagen!“ erschien 2008, kurz vor der Mega-Kapitalismuskrise), hält sich selbst für den besten Kanzlerkandidaten.
Diese groteske Selbstüberschätzung sollte von einem guten Psychiater untersucht werden.
Eine andere Frage ist es, wieso es den Blackrock-Multimillionär überhaupt in so eine mies bezahlte Anstellung wie die des Bundeskanzlers zieht.


Möglicherweise kann man mit sehr viel weniger Arbeit außerhalb der Politik viel mehr erreichen. Dazu muss man nur die Lobby-Millionen in die richtigen Taschen leiten.
Das zahlt sich hundertfach aus.
Für eine Multimilliardärin wie Susanne Klatten, die in den meisten Jahren durch bloßes Dasitzen und Ausruhen um ein bis zwei Milliarden durch ihre BMW-Ausschüttungen reicher wird, weiß ihre regelmäßigen Parteispenden in sechsstelliger Höhe an die CDU gut eingesetzt. Zumal die Spende von der Steuer absetzbar ist und letztendlich auf Kosten der Allgemeinheit geht.
Die sonst so phlegmatische Kanzlerin wird immer ganz aktiv, wenn es darum geht den steinreichen und betrügerischen deutschen Autokonzernen mehr Geld zuzuschieben.


In den USA funktioniert es noch viel besser.
Die paar Milliarden, die sich amerikanische Megareiche den Trump-Wahlkampf kosten ließen, bekommen sie tausendfach zurück.
Zwei Trillionen Dollar hat sich die US-Regierung die Steuersenkungen für die Superreichen kosten lassen. Das sind zwei Millionen Millionen. Bei einem Einsatz von ca zwei Milliarden, also 20.000 Millionen für den GOP-Wahlkampf und Lobbyspenden an die Parteirechten, ist das eine 10.000%-Rendite.


 Notorische Ausbeuter und Steuervermeider wie Jeff Bezos, der weltweit Myriaden Existenzen zerstörte, weil Amazon ohne Mieten- und ohne Steuerzahlungen alle Läden mit Service und Beratung unterbietet, sowieso seine Pack-Sklaven so mies bezahlt, daß sie sogar von rechtsextremen Aufsehern in Schach gehalten werden müssen, ist also nur konsequent, wenn er sich nicht wie Bloomberg oder Trump selbst in die Politik begibt, sondern sich die passende Politik kauft.
Der Mann ist ungeheuerlich dreist. Als reichster Erdenbewohner mit einem Vermögen von 100 bis 200 Milliarden Dollar, trägt er nicht nur nichts durch Steuerzahlungen zum Allgemeinwohl bei, sondern lässt sich sogar noch mit Milliarden aus den klammen Kommunen dafür bezahlen sich überhaupt irgendwo anzusiedeln.

Der Firmensitz des Giganten mit 650.000 Angestellten und 240 Milliarden Dollar Umsatz ist immer noch Seattle, Washington.
Da kann Herr Bezos keine renitenten Kommunalpolitiker gebrauchen, die es wagen ihm zu widersprechen oder gar an solche Ungeheuerlichkeiten wie Steuern zu denken.
Seattle, landschaftlich sagenhaft schön gelegen, war bis vor wenigen Jahrzehnten eine bescheidene Arbeiterstadt.
Aber sie ist inzwischen Sitz mehrerer gigantischer Weltfirmen:
Bill Gates‘ Microsoft, Jeff Bezos‘ Amazon, Howard Schultz‘ Starbucks, Expedia, Nordstrom, Costco und T-Mobile.
Ein gewaltiger Aufschwung setzte ein, aber die Stadtväter verhielten sich gegenüber den Superreichen so devot, daß die Bevölkerung immer mehr verarmte. Heute leben in Seattle mehr Leute als je zuvor in Zelten, weil sie sich keine Wohnung mehr leisten können. In der Stadt von Bezos und Gates ist die Obdachlosigkeit zu dem großen Problem geworden.
Dann aber geschah das Ungeheuerliche: Im Stadtrat verfielen einige Lokalpolitiker dem ketzerischen Gedanken auch von den Multimilliradenmegakonzernen, die ihre Gewinne weltweit so verschieben, daß sie gar keine Steuern zahlen, Geld zu verlangen. Egal in welchen Steueroasen sie ihre dreistelligen Milliardengewinne parken; sie könnten doch eine sogenannte Head Tax zahlen – eine Abgabe von 275 Dollar je Mitarbeiter in Seattle im Jahr an die Stadt zu entrichten.
Amazon würde das über zehn Millionen Dollar Kommunalabgabe kosten. Bei einem Gewinn von gut zehn Milliarden Dollar wären das immerhin 0,1% Abgaben an den Stadtkämmerer von Seattle.

0,1% Steuern zahlen? Viel zu viel für Bezos. Der Amazon-Chef war empört und investierte statt der zehn Millionen lieber eine Million in den Kommunalwahlkampf, um den Gegnern dieser miesen Kommunisten zum Sieg zu verhelfen.
Unglücklicherweise sind die Bewohner am Lake Washington, 150 km südlich von Kanada besser gebildet als die FOX-glotzenden Redneck-Deppen im Mittleren Westen.
Bezos verkalkulierte sich.

[….] Kshama Sawant wird auch künftig dem Stadtrat von Seattle angehören. Das ist die reine Nachricht, und sie klingt nicht besonders spektakulär - doch sie ist es: Sawant hat einen Wahlkampf geführt, der laut der Behörde Washington State Public Disclosure Commission insgesamt 2060 Dollar gekostet hat. Die Wahlkampfkasse ihres Gegners Egan Orion: 617 592 Dollar. Sie war gefüllt worden von einer Lobbygruppe der Handelskammer der Metropolregion Seattle - unterstützt von Unternehmen wie Amazon, Starbucks und Expedia.
Insgesamt hat Amazon mehr als eine Million Dollar in diese Kommunalwahl investiert. Funktioniert hat das jedoch überhaupt nicht: Sieben von neun Sitzen standen zur Wahl, aber nur zwei der von Amazon bevorzugten Kandidaten haben gewonnen - möglicherweise gerade wegen der Spenden des Online-Versandhändlers. "Wir sind gegen den reichsten Mann der Welt angetreten", sagt Sawant, die am Ende 51,6 Prozent der Stimmen bekam. "Jeff Bezos hat wirklich alles gegeben, aber unsere Bewegung hat gewonnen." [….]
 In Seattle [….]  kam die Forderung auf, dass sich Unternehmen am Kampf gegen die Obdachlosigkeit beteiligen sollten. [….]
Die Unternehmen wehrten sich gegen die Sondersteuer, vor allem Amazon. [….]
 Der Konzern drohte damit, einen geplanten Büroturm doch nicht zu errichten und einen im Bau befindlichen Wolkenkratzer nicht in Betrieb zu nehmen. Vor einem Jahr wurde das Gesetz per Referendum zurückgenommen. [….]
"Diese Wahl ist eine Botschaft an Milliardäre, an die Bauindustrie und das Establishment", sagte Gewinnerin Sawant, nachdem ihr Wahlsieg feststand. Sie selbst bezeichnet sich als Sozialistin und stilisierte die Wahl zu einem Kampf zwischen Arbeitern und milliardenschweren Unternehmern. [….]

Montag, 11. November 2019

Morallehre für Doofe.


Fabeln sind manchmal etwas plump.
Aber sie sind schließlich nicht dafür geschaffen in Hochschulseminaren analysiert zu werden, sondern um kleinen Kindern eine Lehre zu vermitteln.

Die Geschichte mit dem Skorpion, der über den Fluss möchte, existiert zum Beispiel in unzähligen Varianten:

Ein Skorpion wollte einen Fluss überqueren. Da traf er am Ufer einen Frosch und bat diesen:
„Lieber Frosch, nimm mich bitte auf deinem Rücken mit zum anderen Ufer!“
„Ich bin doch nicht lebensmüde. Wenn wir dann auf dem Wasser sind und du mich stichst, dann muss ich sterben“, entgegnete ihm der Frosch.
„Wie könnt ich dich stechen, dann gehen wir ja beide unter und müssen beide sterben“, antwortete der Skorpion.
Der Frosch überlegte und sagte: „Ja, da hast du wohl recht. Steig auf meinen Rücken.“
Kaum sind sie einige Meter geschwommen, spürte der Frosch einen stechenden Schmerz und er schrie: „Jetzt hast du mich doch gestochen. Wir müssen beide sterben!“
Der Skorpion: „Ja, tut mir leid. Aber ich bin ein Skorpion und Skorpione stechen nun mal!“

Die fragwürdige Moral an der Geschichte: Man kann seine (schlechte) Natur nicht ändern.
Manche Wesen sind durch und durch schlecht, man kann ihnen nicht trauen. Das lässt sich manichäisch auf Ungläubige, Andersgläubige, Andersliebende, Menschen mit anderer Hautfarbe, etc missverstehen, wenn man bösartig ist.

Ich lehne solche Totschlag-Weisheiten eigentlich ab. Die Welt ist komplizierter.
Aber uneigentlich scheinen einige Menschen so schwer von Begriff zu sein, daß man ihnen mit fabelhaften Lehren die Bösartigkeit nahebringen sollte.

Seit Jahrzehnten erfahren wir aus allen katholischen Ecken der Welt nicht nur wie Myriaden Geistliche sich an kleinen Kindern vergehen, sie demütigen, schlagen, missbrauchen und vergewaltigen, sondern auch, daß die Institution Kirche weder gewillt ist das aufzuklären, noch diese Kindersexfälle zukünftig unterbinden will, indem sie die Ursachen (Zölibat, Verbot von Frauenpriestertum, Homoverbannung im Priesterseminar, Sexualmoral) abschafft.
Im Gegenteil, die letzten beiden Päpste förderten demonstrativ Kleriker, die pädosexuelle Täter schützten und die Opfer diffamierten.


Wer also dennoch seine Kinder in die Betreuung katholischer Geistlicher gibt, sollte sich nicht wundern, wenn diese Skorpione entgegen ihrer Versprechungen wieder zustechen.


In Mönchengladbach war es Norbert K., seit 2010 Pfarrer in St. Josef Hermges, ab 2013 Leitung der Gemeinschaft der Gemeinden Mönchengladbach-Ost, ab 2017 zusätzlich Pfarrer in St. Mariä Empfängnis Lürrip, der einen 12-Jährigen sexuell missbraucht hatte.
Die gutgläubigen Frösche der Gemeinde sind nun ganz fürchterlich entsetzt.
Das Opfer erfährt keine Hilfe, aber der Skorpion wird heftig von seinem Anwalt verteidigt.


[…..] Nach den öffentlich bekannt gewordenen Missbrauchsvorwürfen gegen den Mönchengladbacher Pfarrer Norbert K. ist das Entsetzen groß. In Hermges, Hardterbroich und Lürrip, die zur Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Mönchengladbach-Ost gehören und für die K. bis zu seiner Freistellung verantwortlich war, wurde am Wochenende in den Gottesdiensten ein Brief des Generalvikars des Bistums Aachen verlesen. Darin erklärt Generalvikar Andreas Frick, wie es zu der Freistellung nach der Anklage durch die Staatsanwaltschaft Aachen in der vergangenen Woche gekommen ist.
[…..] In der Kirche St. Mariä Empfängnis Lürrip predigte Frick am Sonntag selbst und informierte die Katholiken. „Wir wissen, dass es manchmal eine lange Zeit braucht, bis Menschen sprachfähig werden“, sagte Frick. Der damals Zwölfjährige, der im Jahr 2003 in zwei Fällen von dem Pfarrer in einer Gemeinde in Inden missbraucht worden sein soll, erstattete im vergangenen Jahr Anzeige. „Wir lernen als Kirche nach langer Debatte Schritt für Schritt, wie wir mit solchen Situationen umgehen“, sagte Frick.
Dieter Breymann, Rechtsanwalt von Norbert K., kritisierte die Schritte des Bistums: „Ich bin der Auffassung, dass das Vorgehen des Generalvikars aufgrund ihres Markenkerns der katholischen Kirche einen besonders faden Beigeschmack hat. Ich verstehe durchaus, dass die Kirche sich derzeit bei dieser Thematik in der Defensive befindet, dies darf jedoch nicht dazu führen, untadelige, ihren Zielen verschriebene Priester schutzlos der Öffentlichkeit auszusetzen.“ […..] „Das ist für uns alle eine schockierende Situation. Wir müssen jetzt als Gemeinde zusammenhalten“, sagte Horst Hommers, stellvertretender Kirchenvorstand von St. Mariä Empfängnis Lürrip. Für ihn stelle sich jetzt aber auch die Frage, was das Bistum wann vorher gewusst habe. In dem Brief des Generalvikars war von einem „grenzwertigen Nähe-Distanz-Verhalten“ die Rede gewesen, das zu konkreten Verhaltensauflagen für den Pfarrer geführt habe. „Über solche Auffälligkeiten sind wir nicht informiert worden“, sagten Hommers und Helmut Gaden, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands in St. Josef Hermges. […..]

Und die Moral von der Geschicht,
Gebt eure Kinder in die Kirche nicht!


Sonntag, 10. November 2019

Stimmungsdiktatur


Mit voller Verachtung blickt man derzeit auf die republikanische Hälfte Amerikas. Nicht nur der Präsident selbst, sondern auch seine gesamte Anhängerschaft, seine Partei und die GOP-Abgeordneten, sowie die gewaltige Welt der stramm rechten Medien haben endgültig der Realität abgeschworen.
Sie alle haben gelernt zu lügen wie Trump, sich genauso ungeniert selbst zu widersprechen.
Lindsey Graham, einer der mächtigsten US-Senatoren, einstiger Trump-Gegner und nun dessen eifrigster Speichellecker geht sogar so weit öffentlich zu verkünden, er lese die vielen Aussagen hochdekorierter Geheimdienstmitarbeiter und diplomatischer Experten, die seinen Cult-leader Trump belasten erst gar nicht.

[….] Selbst die schriftlichen Aussagen von wichtigen Zeugen wie den Diplomaten Bill Taylor oder Gordon Sondland, die nun öffentlichen werden, scheinen auf sie wenig Eindruck zu machen. Er lese das alles gar nicht mehr, sagt der republikanische Senator Lindsey Graham. Die ganze Untersuchung der Demokraten in der Sache sei doch sowieso ein einziger "Betrug". [….]

Die Trump-affinen Scheinjournalisten vollführen derweil groteske Pirouetten, um aus der häßlichen Realität eine orange Scheinwelt zu erzeugen, in der IQ45 wie ein strahlender Prophet dasteht.

Am Dienstag verloren Trumps Republikaner den Gouverneursposten von Kentucky, einer extremen GOP-Hochburg, die er 2016 mit 30 Prozentpunkten Vorsprung vor den Demokraten gewonnen hatte.
FOX und Kellyanne tischten einem Millionenpublikum anschließend eine abenteuerliche Sichtweise auf.

[…..] “I think the president made this race competitive,” Conway said of the gubernatorial election in Kentucky, a state that Trump won by 30 percentage points.
[…..] Kellyanne Conway is known for her unmatched ability to spin, but the White House counselor’s take on Tuesday night’s gubernatorial election in Kentucky took her gift to new heights.
During a Wednesday morning appearance on Fox & Friends, Conway spent several minutes cherry-picking the handful of wins for Republicans before co-host Brian Kilmeade stopped to remind her that the state of Virginia “did not go the president’s way,” pointing out that the state legislature there is now fully controlled by Democrats.
Then Kilmeade asked, “Does the president look at it as a personal loss that Tom Bevin, as of now, looks like he is going to lose?”
After correcting him that the current governor of Kentucky’s name is Matt Bevin, Conway deemed the race “too close to call” and suggested that the state is looking into “voter irregularities in some places.”
As of midday Wednesday, Democratic candidate Andy Beshear had declared victory over the sitting Republican governor, but Bevin has refused to concede. According to the AP, with 100 percent of precincts reported, Beshear leads Bevin by 5,333 votes for a margin of less than 0.4 percentage points.  […..]

Die Medien, die immer noch über die Realität berichten und wahrheitsgemäß schreiben, werden offiziell verbannt.

[…..] US-Behörden sollen "New York Times" und "Washington Post" abbestellen
Das Weiße Haus will, dass Bundesbehörden die Abonnements der beiden Zeitungen nicht verlängern. US-Präsident Donald Trump sprach von "Feinden des Volkes". […..]

Ein konsequenter Schritt, um die freie Presse endgültig lahm zu legen. Schon lange finden im Weißen Haus keine Pressekonferenzen mehr statt, wird niemand mehr die Gelegenheit gegeben kritische Fragen zu stellen. Im Trump-Universum ist nur Speichelleckerei erwünscht.

IQ45 konzentriert sich jetzt auf ganz wenige Ziele:

1.) sich und seiner Familie die Taschen vollstopfen
2.) nicht ins Gefängnis kommen
3.) um wiedergewählt zu werden, die Wähler in den kritischen Swingstates mit selbstverfassten Lobeshymnen bei Laune zu halten.

Weite Teile der amerikanischen Demokratie sind längst über den Punkt hinweg, bei dem Wahlentscheidungen rational und auf Basis von Fakten getroffen werden.

40, 50 Millionen Amerikaner sind einem destruktiven Kult verfallen, in dem die USA wieder so hell und blond aussehen, daß sogar die „Blacks for Trump“ weiß sind.



 
Möglicherweise war es nur eine der üblichen Trump-Übertreibungen, als er 2016 erklärte, er könne mitten auf der New Yorker 5th Avenue jemanden in den Kopf schießen, ohne deswegen Wähler zu verlieren.
Inzwischen steht fest, daß er zumindest damit Recht hatte.
Vergewaltigung, schwerer Rassismus, 14.000 Lügen, Raffgier, Diebstahl, Pädophilie – es gibt tatsächlich nichts, das diese Millionen Amerikaner dazu bringen könnte jemand anderen als Trump zu wählen.


Und wie es sich für eine debile Sekte gehört, wird gar nicht mehr versucht mit Argumenten und Ratio den Gegnern entgegen zu treten.
Trumps offizielle spirituelle Beraterin Paula White erklärt nicht nur Trump und den Boden, auf dem er wandelt für heilig….

The White House Is ‘Holy Ground’ Because ‘Where I Stand Is Holy’


…nein, die offizielle Perdigerin des mächtigsten Mannes der Welt weiß auch mit welchen Methoden Demokraten und andere Liberale gegen ihren Messias Trump vorgehen: Mit Hexerei!

[…..] Trump spiritual adviser prays against president's opponents, suggests they operate in "sorcery and witchcraft."
President Donald Trump’s personal spiritual adviser, Paula White, launched the One Voice Prayer Movement on Tuesday, which accused the president’s political opponents of being aligned with evil spirits and using sorcery, […..] The White House officially announced last week that White would spearhead the president’s Faith and Opportunity Initiative. The wealthy televangelist has been a key religious supporter of Trump, and has rallied her Christian base to back the president.
“Lord, we ask you to deliver our president from any snare, any setup of the enemy, according to Ephesians 6:12. Any persons [or] entities that are aligned against the president will be exposed and dealt with and overturned by the superior blood of Jesus,” White said during her prayer in a conference call with other Christian leaders. […..]

Die Strategie könnte funktionieren.
Die Tagesschau nennt Trumps Wiederwahl WAHRSCHEINLICH!

[….] Die Konservativen, die schwer an die Urne zu kriegen sind, hat Trump mit einem zentralen Versprechen mobilisiert: dass er konservative Richter berufen würde, die dann nachhaltige Grundsatz-Entscheidungen im Sinne traditioneller Werte fällen. Auch und gerade bei Fragen, die Amerikas Traditionalisten am Herzen liegen: Abtreibung, Einwanderung, Waffenbesitz. Trump hat geliefert: Nur George Washington hatte mehr neue Richter ins Amt gebracht.
Auch sonst begeistert Trump im eigenen Lager, weil er mit beispielloser Konsequenz den angekündigten Kulturkampf ausficht: Mauerbau an der Grenze, weg mit lähmender Umweltgesetzgebung, weiter Waffen für jedermann, Hurra-Patriotismus zu jeder Gelegenheit. Und er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es gegen die geht, von denen sich Trumps Fans seit Jahren bevormundet oder missachtet fühlen. [….]

Samstag, 9. November 2019

Ich feiere nicht.


Das ist heute wieder mal der emotional-politische Overkill, kollektives Jubilieren der journalistischen Klasse und in keinem Bericht fehlen die Schlüsselworte „Freude“, „Tränen“ und „Trabbi“.
So schreibt Olaf Wunder in einem mehrseitigen Artikel über den Tag als nach dem Mauerfall über 100.000 Trabbis durch Hamburg rollten:

[….] Herzergreifend, mit was für einer Freundlichkeit die Gäste willkommen geheißen werden! Viele, ob „Ossis“ oder „Wessis“, weinen vor Freude, aber niemand schämt sich seiner Tränen.
„Was war das doch für eine Euphorie! Wunderbar!“, erzählt Freya Steps, eine Frau aus Bahrenfeld, die damals in der Zentrale der Allianz-Versicherung am Großen Burstah arbeitete. [….]

Natürlich gibt es diese einschneidenden politischen Daten, an die man sich erinnert.
Mondlandung und 9/11.
Die Freude über den Mauerfall vor 30 Jahren ist allerdings ein Ritual, bei dem verzweifelt Bedeutung suggeriert wird.
Zu keinem 09.Novemer fehlen die gnatschigen Hinweise auf die nach wie vor bestehenden Unterschiede zwischen Ost und West. Als ob das etwas Schlechtes wäre! Vive la différence! Nordfriesen und Franken sind auch nicht gleich, Hamburger und Niederbayern frönen einer völlig anderen Kultur. Zum Glück!
Nur bezüglich der Ossis gilt auf einmal das Ideal der völligen Homogenität.
Da aber alle Statistiken penibel Unterschiede auflisten, gilt es in kollektiver Autosuggestion den 09.11.1989 als Jahrhundert-Glückstag aufzubauschen.
Für viele war das selbstverständlich ein großer Tag, Hunderttausende DDRler konnten das erste mal legal und angstfrei ihr kleines Land verlassen.

Aber wenn wir mal ehrlich sind, waren zumindest die meisten Wessis herzlich desinteressiert. Ich zum Beispiel habe gar keine Erinnerung an den Donnerstag im November, als „die Mauer aufging“.

(….) In jeder Generation gibt es nur ein Handvoll Weltmedienereignisse, die sich so ins kollektive Bewußtsein eingravieren, daß sich jeder daran erinnert wo er an dem Tag war.

In den letzten Einhundert Jahren waren es das Attentat von Sarajevo vom 28. Juni 1914, der Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918, der „schwarze Freitag“ am 25. Oktober 1929, die „Reichskristallnacht am 09.November 1938, der Weltkriegsausbruch am 01. September 1939, das Kriegsende am 08.Mai 1945, die Krönung Elisabeth II. am 02. Juni 1953, das Kennedy-Attentat am 22. November 1963 und die Mondlandung  21. Juli 1969.
Es folgten die Maueröffnung am 09. November 1989 und schließlich der 09. September 2001.

Während ich den allerletzten Termin außerordentlich genau erinnere, muß ich zu meiner Schande gestehen, daß mein 09.11.89 von den aktuellen und bekannten Bildern überdeckt wird.
Was ich an dem Tag tat weiß ich nicht mehr.
Dabei gibt es durchaus politische Ereignisse, die ich sehr bewußt erinnere.
Ich saß am gemütlichen Montag, den 03.Oktober 1988 mit einer Freundin im Café Cocteau unweit der Reeperbahn in der Wohlwillstraße und soff Vodca, als der Wirt die Musik runterdrehte und durchsagte, daß soeben Franz Josef Strauß an seinem Erbrochenen erstickt sei und sich nun bei den „Barmherzigen Brüdern“ befände.
Darauf wurde erst einmal angestoßen.
Donnerstag, den 17. Januar 1991 war ich gerade aus Berlin kommend direkt zu einer privaten Party in der Talstraße, ebenfalls direkt an der Reeperbahn, aufgeschlagen, als die Musik ausging und wir erfuhren, daß soeben „Desert Storm“ begonnen hätte. Das war zwar nicht wirklich überraschend, aber doch so empörend, daß ein Kumpel und ich für ein Taxi zusammenlegten und mitsamt meiner dreckigen Klamotten, die ich noch aus Berlin dabei hatte, zum US-Konsulat fuhren.
Es war mitten in der Nacht und wir wurden schon 50m davor von der Polizei abgedrängt. Es trafen laufend mehr Demonstranten ein, die vergeblich ihren Protest vorbringen wollten.
Irgendwann zückte ich meinen US-Pass, hielt ihn den nächsten Polizisten ins Gesicht und sagte ihm auf Englisch, daß ich sofort meinen Konsul sprechen müsse. Bizarrerweise klappte das sogar. Die wütenden Leute um mich herum hörten sogar kurz auf zu skandieren, als ich durch die Absperrung auf das Gelände des US-Generalkonsulates geführt wurde.
Man brachte mich bis zu einem Nebeneingang, in dem ein Vertreter des Generalkonsuls auf mich wartete. Ich sagte ihm, daß ich hiermit offiziell gegen die US-Kriegspolitik George Bushs protestieren wolle und wurde zurück gebracht. Eine Aktion von 120 Sekunden und total sinnlos. (…..)

Ich erinnere den 27. September 1998 als ob es gestern wäre, als endlich nach der gefühlten Kohl-Ewigkeit eine rotgrüne Bundesregierung gewählt wurde.
Ich werde sich auch nie vergessen, als 4. November 2008 der erste schwarze US-Präsident gewählt wurde.
Aber diese schwülstigen 89er Erinnerungen sind aufgepropft und überhöht.
Wie friedlich war denn die Revolution für die in der DDR lebenden Vietnamesen und Mosambikaner, die nun auf den Straßen gejagt wurden?

Sind wir mal ehrlich; die DDR war wirtschaftlich am Ende, wie alle anderen kommunistischen Diktaturen auch.
Sie war bereits seit 1982 in gewaltigen Zahlungsschwierigkeiten und überlebte nur noch dank der D-Mark-Milliarden, die der CSU-Chef Franz-Josef Strauß nach Ostberlin pumpte.
Die Christenunion war die Retterin der kommunistischen Diktatur. Und dafür gab es einen Grund: Der bayerische Ministerpräsident war schlicht und ergreifend zu blöd; ein echter Tölpel hatte sich von den schlaueren SED-Genossen austricksen lassen.

[…..] Franz Josef Strauß rettete die DDR 1983 mit einem Milliardenkredit, im Gegenzug baute das Ost-Regime Selbstschussanlagen ab - so die Legende. Doch SPIEGEL-Recherchen zeigen nun: In Wahrheit hat Erich Honecker den CSU-Chef ausgetrickst. [….] Die DDR stand 1983 vor der Zahlungsunfähigkeit, und ausgerechnet der lautstarke Antikommunist Strauß half ihr aus der Klemme. Kurz vor seinem Besuch bei Honecker vermittelte der bayerische Ministerpräsident einen Milliardenkredit westlicher Banken. [….] Die gängige Version, die sich in Geschichtsbüchern, Strauß-Biografien, Nachschlagewerken und TV-Dokumentationen findet, ist die: Strauß habe seinem Verhandlungspartner Honecker "menschliche Erleichterungen" abgetrotzt, etwa bei Familienzusammenführungen oder Ausreisen. Vor allem aber habe er erreicht, dass die DDR danach die etwa 60.000 barbarischen Selbstschussanlagen des Typs SM-70 an der innerdeutschen Grenze abbaute. [….] Strauß sei gegenüber der DDR-Führung "an die äußersten Möglichkeiten" gegangen, lobte sein einstiger Adlatus Peter Gauweiler. Auch Tochter Monika Hohlmeier verbreitete diese Deutung der Geschichte - nur leider ist sie falsch.
Denn der große Verhandlungserfolg war keiner. Zwischen Milliardenkredit und Abbau der Selbstschussanlagen besteht kein direkter Zusammenhang. Der einstige Dachdeckerlehrling Honecker hat den "Jahrhundertpolitiker Strauß" (CSU-Chef Horst Seehofer) einfach ausgetrickst.
Das zeigen Dokumente, die nun der SPIEGEL ausgewertet hat. Die Papiere stammen von der Stasi oder sind vom Auswärtigen Amt und dem Bundesarchiv veröffentlicht worden, teilweise schon vor längerer Zeit.
Danach war Honecker bereits vor den Verhandlungen über den Milliardenkredit entschlossen, die Todesautomaten abzubauen. Er hatte damit offenbar auch bereits begonnen. Und beides war in Bonn bekannt. Honecker hatte es selbst erzählt, am Montag, dem 13. September 1982. […..]

Verglichen mit der Wirtschaftsleistung der BRD war die DDR klein und schwach, aber mit Klugheit konnten sie in einigen Bereichen den Erzkonkurrenten im Westen weit übertrumpfen.
Das galt für jedermann sichtbar im Sport, aber das DDR-Politbüro konnte manches mal den Westen austricksen, der DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski war seinen westlichen Verhandlungspartner geistig weit überlegen und insbesondere der Geheimdienst war extrem erfolgreich; gehörte international zu den Großen, während der westliche BND eine reine Lachnummer war, über die sich Agenten aller anderer Nationen bis heute kaputtlachen.

Es fällt heute leicht über die unbedarften, unmodischen, unwissenden Ossis des Jahres 1989 zu lachen.
Denen konnte man den ganzen Schrott andrehen, den hier keiner mehr haben wollte und insbesondere mit Pornoheftchen konnte man Ossis gefügig machen wie einst die Conquistadores Urvölker mit Glasperlen.

[….] Der Einzelhandel verdiente gut an den Ost-Besuchern. [….]
100 Mark Begrüßungsgeld, damit kam ein DDR-Besucher nicht sehr weit. Zumal überall in der Stadt die Geschäftemacher lauerten: Juweliere lockten mit angeglichenen Super-Rabatten, Kaufhäuser holten Ladenhüter aus dem Lager und machten sie zu Geld. Den unerfahrenen Ostdeutschen konnte man eben noch alles andrehen. [….]
Besonders große Anziehungskraft auf DDR-Bürger hatte die Reeperbahn. Das Beate-Uhse-Kaufhaus war voll mit Männern aus dem Osten, die beim Blättern in diversen Magazinen Stielaugen bekamen. Der Kassierer der Live-Peep-Show stand kurz vorm Nervenzusammenbruch. Während er sonst mit seinem Lautsprecher verzweifelt Kunden anlockte, musste er jetzt versuchen, des Ansturms Herr zu werden. „Nein, nicht zu dritt in eine Kabine“, brüllte er. „Nervt doch woanders rum, wenn ihr kein Geld mehr habt.“ […..]

Aber niemand kann im Ernst behaupten, es handelte sich um eine spezifisch ostdeutsche Grunddämlichkeit.
Wäre Deutschland im Jahr 1945 entlang anderer Grenzen geteilt worden, so daß beispielsweise Bayern und Baden-Württemberg eine sowjetisch besetzte Zone geworden wären und dafür Brandenburg und Meckpomm von den USA und Westeuropa als Bollwerk gegen den Warschauer Pakt gepampert worden, würden sie heute über die Südis lachen, die sich alle 1989 übers Ohr hauen ließen.

Generell mögen es Menschen in Diktaturen zu leben, da Demokratie anstrengend ist. Pluralität schafft Verunsicherung. Nicht jeder mag Selbstverantwortung.
Auch in den Demokratien ist der Ruf nach einem „starken Mann“ populär; das zeigen die Wahlergebnisse in den USA, in Brasilien, in Russland, in der Türkei, auf den Philippinen, in Israel.
Demokratische Werte wie Minderheitenschutz, Redefreiheit oder liberaler Strafvollzug sind unpopulär.
Große Teile der Bevölkerung rufen gern nach „schärferen Gesetzen“, ersehnen Verbote, schreien „Kopf ab“ und haben keine Lust sich um Transgender oder ethnische Minderheiten zu sorgen.
Sie haben gern Ordnung, Polizei, die durchgreift und Richter, die streng und schnell alles wegsperren.
Auch das ist eine Form der „Ostalgie“ – damals war alles so geordnet und sicher und homogen. Keine Streiks, keine schrägen CSD-Umzüge, keine Existenzsorgen.

Die totale Planwirtschaft funktioniert aber offenbar wirtschaftlich nicht sehr gut.
Wenn man wie in Vietnam oder China als „kommunistisches“ Land mit strenger Überwachung und allmächtiger Parteiführung dennoch marktwirtschaftliche Methoden zuläßt, kann man prächtig gedeihen – ohne Menschenrechte und ein paar Tausend Regimegegner weniger, die jedes Jahr geköpft werden.

Die andere Möglichkeit ist sich wie Nordkorea abzuschotten.
Das fiel der DDR aber im Gegensatz zu anderen Warschauer-Pakt-Diktaturen extrem schwer, da es stets ein zweites Deutschland nebenan gab, dessen Fernseh- und Radiowellen empfangen werden konnten, deren offenbar steinreiche Bewohner das Land bereisten.
Rumänien und Polen hatten hingegen kein prosperierendes West-Rumänien und West-Polen als Dauerkonkurrenten im Blick.

Diese perfide Konkurrenz-Situation, der Geldmangel  und insbesondere der ideologische Verlust des großen Bruders „Sowjetunion“ brachten die DDR schließlich zu Fall.
Es wäre früher oder später ohnehin dazu gekommen.
Lange vor den Ossi-Dissidenten in Leipzig und Dresden hatten schon die Polen und Ungarn ihre Regime in den Grundfesten erschüttert.
Beim Prager Frühling hätten freiheitsliebende Tschechen um Alexander Dubček beinahe schon 1968 die sozialistische Diktatur abgeschüttelt; sie konnte sich nur durch sowjetische Panzer behaupten.
Auch Josip Tito in Belgrad lockerte sein Land lange vor der DDR und nebenan in Ungarn herrschte lange der sogenannte „Gulaschkommunismus“ – ja man war zwar Teil des Ostblocks, aber nahm die Partei auch nicht allzu ernst.

Die SED saß hingegen besonders fest im Sattel, weil das deutsche Volk sich gern unterordnet und zudem traditionell große Freude an der Denunziation hat.
Da muckt man nicht so auf. Aber irgendwann musste es halt doch kommen.
Ob da ein paar mehr oder weniger Menschen in irgendwelchen ostdeutschen Kirchen Lieder sangen oder nicht, ist irrelevant.
Unter den Bedingungen musste das Regime irgendwann kollabieren.