Montag, 20. Mai 2019

Schwarz-Braunes.


Heute möchte ich die Namen der Zentrumspolitiker Heinrich Brüning
(1885–1970) und Franz von Papen (1879–1969), sowie des Parteilosen Kurt von Schleicher (1882–1934) in die Runde werfen.
Sie waren die letzten drei Reichskanzler vor Adolf Hitler und verstanden ihre Rolle als Konservative im Zweifelsfall eher an der Seite der Demokratie-zerstörenden extremistischen Nationalisten. Sie stellten sich gegen die Demokraten auf der linken Seite, stimmten für Hitler und protestierten gegen die SPD, die als einzige gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz stimmte.
Die frommen konservativen Christen fühlten sich dem Katholiken Hitler eher verbunden als den (damals noch) kirchenfernen Sozialdemokraten.

Brüning regierte ohne die NSDAP, war aber bereit selbst deutlich nach rechts zu rücken und Hitler Zugeständnisse zu machen, um ihn einzuhegen.
Nachfolger und Rechtsaußen von Papen nahm schon drei rechtsextreme, völkische Minister der „Deutschen Nationalen Volkspartei“ (DNVP) auf, deren Mitglieder nach 1933 alle in die NSDAP übertraten.
Reichskanzler von Schleicher, der ehemalige General und Reichswehrminister hielt sich aber nur wenige Wochen im Kanzleramt, bevor ihm sein Vorgänger von Papen zusammen mit Adolf Hitler aus dem Amt kegelte. Erneut hatte sich das katholische Zentrum mit den Nationalsozialisten gegen die Demokratie gestellt.
Der konservative Paul von Hindenburg ernannte den baldigen Führer zum Kanzler einer Koalition aus NSDAP und DNVP.

Während sich Sozialdemokraten immer grämend fragen was sie womöglich irgendwann falsch gemacht haben könnten, haben Konservative a posteriori nie Bauchschmerzen. Die CDU nahm nach 1945 die glühendsten NSDAP-Politiker auf, ernannte sie zu Ministern und hatte in Herrn Kiesinger sogar ein ehemaliges NSDAP-Mitglied als Kanzler und Parteivorsitzenden.
1990 fusionierte die westdeutsche CDU mit zwei ehemaligen SED-Blockparteien, der Bauernpartei und der Ost-CDU, die beide immer brav für Mauer und Schießbefehl eingetreten waren.
Auch dafür schämt sich die CDU bis heute nicht nur gar nicht, sondern wagt es ausgerechnet der SPD Vorhaltungen wegen möglicher Regierungsbündnisse mit den Linken zu machen.

Junge machtgeile Konservative wie Ole von Beust oder Sebastian Kurz kennen immer noch und schon wieder keine Skrupel. Der eine ließ sich 2001 in Hamburg von einem dubiosen Rechtsextremen zum Regierungschef wählen; der Andere 2017 in Wien.
Skrupellos ließen Beust und Kurz ihren jeweiligen extremistischen Stellvertreter die häßliche nationalistische Fratze zeigen und gegen Minderheiten hetzten.
Sie saßen alle Peinlichkeiten aus, ignorierten die internationalen Proteste, den gewaltigen Imageverlust, stellten sich nicht vor Verfassung und Pressefreiheit.
Beide zogen erst dann die Reißleine, als sie persönlich um ihre Macht bangten.
Beust und Kurz gingen aber auch dann nicht etwa in Sack und Asche, schämten sich dafür die braunen Menschenfeinde in die Regierung geholt, sie aufgewertet zu haben.
Nein, tolldreist inszenierten sie sich auch noch als Opfer.
DAS habe man nun wirklich nicht wissen können, wie sich Schill/Strache entwickeln würden.

Das Appeasement mit Nazis, Hetzern und Rassisten liegt Konservativen offenbar im Blut. Wir sehen das auch am Elend der GOP in den USA, die sich nicht mit den Demokraten für Verfassung und Rechtstreue einsetzt, sondern im Zweifelsfall immer mit Diktator Trump stimmt.

Anschließend, falls es noch ein „anschließend“ gibt, will niemand etwas gewußt haben.

Strache und Gudenus sind Rechtsextreme? Woher soll Bundeskanzler Kurz das gewußt haben? Das konnte ja keiner ahnen!

[…..] Selbst im rechtskonservativen Milieu finden sich nicht viele, die zuvor tief in der Neonazi-Szene gesteckt haben. Die mit Kampfanzügen im Wald Krieg gespielt haben oder von der Polizei festgenommen wurden, weil sie mit der Wiking-Jugend marschiert waren - die wenig später wegen ihrer Wesensverwandtschaft zu Hitlers NSDAP verboten wurde.
Als Heinz-Christian Strache in den 90er-Jahren, inzwischen gelernter Zahntechniker, in der FPÖ aufsteigt, marschiert er nicht mehr mit Nazis, seine Kontakte ins rechtsnationale Milieu aber bleiben bestehen. Das stramm Rechte ist so etwas wie sein Markenzeichen in der FPÖ und außerhalb, und führt sogar dazu, dass sein Vater - der die Familie in Straches früher Kindheit verlassen hatte - seinen Nachnamen änderte. Er wollte nicht mit seinem Sohn in Verbindung gebracht werden.
Über das rechte Gedankengut kommt es sogar zum Bruch zwischen Strache und seinem einstigen Idol Jörg Haider, dem er vorwarf, dieses Klientel nicht mehr genug zu bedienen. [….]
(Süddeutsche Zeitung, s.3, 20.05.19)

[….][…..] "Die jüngsten Ereignisse sind ein Schlag für uns, aber wir werden aufrecht und kämpferisch in den Wahlkampf gehen", sagt ein ranghoher FPÖ-Politiker, der seinen Namen nicht genannt wissen will, dem SPIEGEL. "Ich gehe davon aus, dass wir uns weiter rechts positionieren werden, um uns von der ÖVP abzugrenzen. Unsere Zukunft ist rechts."
[…..] Verkehrsminister Norbert Hofer […..] in der Sitzung des Bundesparteipräsidiums einstimmig zum neuen Parteichef bestimmt worden sei. […..] Ideologisch steht der zwar auch rechtsaußen, […..] auch er hat in der Vergangenheit mit rechtsextremen Symbolen irritiert. Zeitweise trug er die blaue Kornblume am Revers, einst Erkennungszeichen der Nationalsozialisten. […..] Innenminister Herbert Kickl. Seine Stärken: Poltern und feindselige Sprüche. Kickl, wie Strache unter Jörg Haider in der FPÖ groß geworden, dann, nach Haiders Austritt stets treu an der Seite von Strache, war von 2005 bis 2018 Generalsekretär der FPÖ. Er ist der Erfinder von Sprüchen wie "Daham statt Islam" und "Abendland in Christenhand". […..] Kickl jedoch ist in seiner Radikalität der ÖVP und vor allem Kurz ein Dorn im Auge. Schließlich stand die Regierung Kurz immer wieder wegen Kickls Eskapaden in der Kritik. […..]

[….]"Joschi", wie Gudenus von Parteifreunden genannt wird, kennt Strache schon seit Jahrzehnten. Er war 15 Jahre alt, als er durch seinen Vater, den FPÖ-Veteran und Holocaust-Leugner John Gudenus, dem sieben Jahre älteren FPÖ-Bezirkspolitiker Strache vorgestellt wurde. 
Der Ältere wurde sein Mentor, wies ihn ein in seine Burschenschaft "Vandalia". Gudenus wurde Straches "Leibfuchs", sein untergebener Verbindungsbruder. […..] So sagte Gudenus 2013 bei einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung, sollte Strache Bundeskanzler werden und die Partei den Innenminister stellen, heiße es bei Bedarf "Knüppel aus dem Sack für alle Asylbetrüger, Verbrecher, illegalen Ausländer, kriminellen Islamisten und linken Schreier".[…..]

Solche Leute sind also rechtsextrem? Das konnte ja keiner ahnen!
Und so orakelt Kramp-Karrenbauers Sachsen-CDU weiter über eine Zusammenarbeit mit der AfD.
So schart sich die gesamte europäische Volkspartei und die deutsche CDU hinter ihrem CSU-Spitzenkandidaten Weber, dessen Partei immer wieder den FPÖ- und AfD-Fan Viktor Orban als Ehrengast bei ihren Parteiveranstaltungen begrüßt und umjubelt.

Sonntag, 19. Mai 2019

GOP next level


Donald Trump zerstört die alte Republikanische Partei.
Er macht sie für alle anständigen Menschen unwählbar und treibt somit urbane, gebildete Menschen, auch wenn sie völlig unpolitisch sind, zu den Demokraten.

Allerdings war #45 keineswegs der Anfang des GOP-Verfalls, sondern sprang auf den fahrenden Zug auf, als dieser sein Tempo in Richtung Abgrund schon auf Maximalgeschwindigkeit gestellt hatte.
Totale Destruktivität entwickelte schon Fraktionschef Newt Gingrich in den 1990 gegen Bill Clinton.
Irrationalität, Lügen und Frömmelei wurden unter George W. Bush zum Markenzeichen der Partei und mit dem Amtsantritt Barack Obamas brach bei den Republikanern blanker Wahnsinn und Rassismus aus.
Der Durchmarsch der Teebeutler Cruz, Palin und Bachmann war das Ende.
Trump versetzte dann lediglich den Todesstoß und jagte die letzten, wenigen verbliebene „sane republicans“ aus der Partei.

Was so dramatisch klingt, weil die GOP als rationale, ernsthafte Partei verschwunden ist und zu einem Sammelbecken irrer Fanatiker verkommen ist, bringt dem GOP-Abgeordneten durchaus noch Vorteile.
Während Trumps Dauer-Show des absoluten Wahnsinns können die etwas Minderwahnsinnigen in seinem Windschatten ihre extremsten politischen Träume verwirklichen.
Mr. Lie-10K im Oval Office absorbiert fast die gesamte Medienaufmerksamkeit, während das Land USA nachhaltig und langfristig verändert wird:
Hunderte Milliarden Dollar werden zu den reichsten 1% der Amis umverteilt, die GOP-Topspender freuen sich über gewaltige Steuerentlastungen und haben freie Hand bei der totalen Ausbeutung des Landes, weil Umweltschutzbestimmungen und Arbeitnehmerrechte systematisch abgeschafft werden.
Der US Supremecourt ist für Jahrzehnte auf ultrakonservativ gestellt und wird in gesellschaftspolitischer Hinsicht das Rad in die 1950er Jahre zurückdrehen. Schluss mit Frauen-, Minderheiten-, POC- und Homorechten. Die Herrschaft der reichen weißen alten Männer wird re-etabliert.


Schon jetzt überbieten sich die Bundesstaaten mit den radikalsten misogynen Schwangerschaftsgesetzen aller Zeiten.
All das ist möglich, weil Trump Mehrheiten generiert und die Pressefreiheit schleift.
Im Jahr 2019 können weiße mächtige Menschen wie Beer Kavanaugh Skandale überleben, die ihnen noch vor zehn Jahren das Genick gebrochen hätten: Offener Rassismus und Vergewaltigung.
Inzwischen sind das offenbar nur noch unschöne Petitessen, die eine politische Karriere nicht behindern müssen.
Lange Zeit waren die USA eine Meritokratie, in der mit sehr guter Ausbildung und Fleiß der sprichwörtliche Tellerwäscher ganz nach oben kommen konnte. Unabhängig von Hautfarbe, Herkunft und sexueller Orientierung.
Bildung und Qualifikation verlieren unter Trump ihren Stellenwert; Hautfarbe, Geld und Herkunft gewinnen an Bedeutung.

Dank des die GOP bevorzugenden US-Wahlrechts und der politischen Unfähigkeit der Demokraten sieht es so aus, als ob die Republikaner ihre Übermacht in den Bundesstaaten, dem Weißen Haus, der Juristerei und dem Senat noch eine Weile genießen können.
Das „bunte Amerika“ setzt hingegen auf seine demographische Power, hofft daß eines Tages so viele junge urbane people of color das Wahlalter erreichen, daß die GOP sie nicht mehr überkompensieren kann.
Als Strategie ist das zu wenig, da auch die Trumpster nicht untätig sind und versuchen durch Grenzschließungen, Panikmache und systematische Angriffe auf das Bildungssystem ihr demographisches Defizit auszugleichen.

Es sieht also nicht schlecht aus für die GOP und der Preis, den sie für Trump zahlen muss, ist nicht hoch: Klappe halten, Rückgrat entfernen lassen und dem König Honig ums Maul schmieren.

Trump ist durch seine Dummheit und Egomanie relativ leicht zu lenken.
Verbrecher wie Sheriff Arpaio, Michael Behenna oder Conrad Black wissen das. Man lobpreist den großen Präsidenten bis der Schleim trieft und bekommt eine Begnadigung.

[….] Der frühere Medienmogul Conrad Black ist von US-Präsident Donald Trump begnadigt worden. Das Weiße Haus teilte mit, der Oberste Gerichtshof habe Blacks Verurteilung wegen Betrugs und Justizbehinderung in fast allen Punkten gekippt.
In der Erklärung wurde der 74-Jährige, der ein Buch mit dem Titel "Donald J. Trump: Ein Präsident wie kein anderer" geschrieben hat, zudem als "Unternehmer und Wissenschaftler" gewürdigt, der einen "enormen Beitrag" in Wirtschaft und Politik geleistet habe.
In einem Beitrag für die von ihm gegründete kanadische Zeitung "National Post" berichtete Black, Trump haben ihm die Entscheidung persönlich am Telefon mitgeteilt. "Ist dort der großartige Lord Black?", lautete demnach Trumps Begrüßung. Der US-Präsident habe außerdem gesagt, dass er Black zwar schon lange kenne, dies sei aber ebenso wenig ein Grund für die Begnadigung wie "irgendeine der unterstützenden Dinge, die Sie über mich gesagt und geschrieben haben". [….]

Steve Mnuchin und William Barr wissen auch wie es geht: Ungeniert setzten sie sich über die Verfassung hinweg und sonnen sich dafür in der Gunst Trumps.

[…..] Kicking it off by noting that the country is “so fucked” that “Venezuela put us on the travel advisory,” the comedian added that “if America was a summer blockbuster, it would be called Democracy: Endgame.”
The revelation from earlier this week that Special Counsel Robert Mueller wrote a letter to the attorney general complaining that Barr had mischaracterized the findings in the Mueller report makes that very clear, he said.
“And Barr responded, ‘Well the report was my baby.’ My baby?! I thought Republicans were against killing babies,” Maher cracked
“This Bill Barr is so far up Trump’s ass he bumped into Hannity,” he added, referencing the pro-Trump Fox host who is known as the White House shadow chief of staff. […..]


Arschkriechen war schon immer die Lieblingsbeschäftigung der Rechten, aber kein Präsident war je so ein großes Arschloch und genoss das Hineinkriechen so sehr wie Donald Trump.

Ohne Anstand und Moral und Gewissen ist republikanische „Politmethode Zäpfchen“ ein ganz natürlicher Vorgang.

Die einstmals Trump-kritischen Senatoren Cruz und Graham haben ihr Dasein als mit einer dicken Schicht Anal Lube eingefetteten braunen Torpedos perfektioniert.




[….] Trump repeatedly insulted Cruz’s wife, Heidi Cruz, and at one point Trump suggested that Cruz’s father, a Cuban immigrant, may have been involved in the assassination of President John F. Kennedy.
Cruz, for his part, called Trump a “pathological liar,” a “sniveling coward,” a “serial philanderer” and “utterly amoral.” [….]

[….]Sen. Ted Cruz -- a man who once warned that the country would "plunge into the abyss" under a Donald Trump presidency -- is now offering gushing praise for the President, calling him a much-needed "flash-bang grenade" who has upended the status quo in Washington for the better.
"The fact that his first year as commander in chief disoriented and distressed members of the media and political establishment is not a bug but a feature," the Texas Republican wrote of Trump for Time magazine's list of the 100 most influential people of 2018 that was published Thursday.
The Texas Republican touts Trump's achievements as passing tax reform, bringing jobs back to the US and taking a "strong stand" against North Korea.
[….]


Graham und Cruz mauserten sich zu den eifrigsten Trump-Unterstützern im US-Senat.

Eine schöne Variante der Methode Trump-Zäpfchen lieferte der Bil­ly Nun­ges­ser, Vi­ze­gou­ver­neur von Loui­sia­na, als er Trump stolz seine Trump-Socken vorführte.
Trump war begeistert und wird Nungesser zukünftig unterstützen.






Samstag, 18. Mai 2019

Glück im Unglück

Die Monsteraffäre, die gerade die rechts-rechtsextreme Regierung Österreichs zerrockert hat diesen speziell Trumpischen Twist:
Einerseits sind die handelnden Personen moralisch derartig verkommen und agierten öffentlich schon so abscheulich, daß man ihnen das Schlimmste zutraut.
Kommen dann aber genau die eigentlich erwarteten korrupten und bösartigen Dinge ans Licht, ist man von der Realität trotzdem schockiert, starrt ungläubig auf seine Zeitung.

An dieser Stelle sei ein kleiner Shout-out an die Print-Verachter gestattet.
Das sensationelle Videomaterial über FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und FPÖ Hardliner Johann Gudenus in Ibiza, das in Rekordzeit die Regierung eines EU-Staates niederriss, gelangte exklusiv an die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und den SPIEGEL und ist nur ihren Abonnenten vollständig zugänglich.
Drei ganze Seiten erschienen dazu in der SZ-Printausgabe von heute.

Nun sind wir von Österreich einiges gewohnt. Seit 30 Jahren gibt es dort starke rechtsextreme politische Kräfte. Ich bin mit den österreichischen Peinlichkeiten Waldheim und Haider aufgewachsen.
Aber seit der Regierung Kurz-Strache (Antritt Dezember 2017) werden ungeniert demokratische Grundregeln zerstört.

Der radikale Antisemit Johann Baptist Björn Gudenus, 42, Abgeordneter des Nationalrats und Fraktionschef der FPÖ ist einer der gefährlichsten Rechtsextremisten Europas, weil er die antidemokratischen Kräfte vernetzt.
Er tritt bei der ungarischen rechtsextremen Jobbik auf, besucht den Präsidenten der russischen Teilrepublik Tschetschenien Ramsan Kadyrow, setzt sich zusammen mit belgischen Rechtsextremisten für die russische Krim ein, provozierte in Serbien beim verfassungswidrigen bosnisch-serbischen „Nationalfeiertag“, pflegt engste Kontakte zu Moskau und der AfD.
Der Beau ist insofern besonders gefährlich, weil er ähnlich wie einst der gern mit nacktem Oberkörper posierende Schönling Jörg Haider auf unpolitische junge Leute sympathisch wirkt; auch durch seine sexuelle Anziehungskraft Wählerstimmen generiert.
Das darf man nicht unterschätzen. So brachte es Karl-Theodor Baron von und zu Googleberg trotz kontinuierlichen Lügens, extremen politischen Versagens und rechtskonservativer Einstellungen zu 90% Zustimmung in Deutschland.
Die politische Agenda Alexander Gaulands unterscheidet sich nur minimal von Guttenberg, auch er lügt wie gedruckt und generiert Stimmungen, ohne irgendwelche Konzepte zu haben.
Gauland ist aber alt, dick, häßlich und hat vergammelte braune Zahnstümpfe.
Da bekommen weder Frauen ein feuchtes Höschen noch Männer feuchte Träume. Daher wurde Guttenberg von 90% gemocht und Gauland nur von 10%.

Ein attraktiver intelligenter deutscher Rechtsextremer war daher schon seit Haiders Zeiten meine große Angst.
Glücklicherweise gab es zu Haiders Glanzzeiten, als seine FPÖ ein Drittel der Stimmen holte, nur alte, muffige Quasimodos wie Gerhard Frey (*1933 †2013, DVU) und Franz Schönhuber (*1923 †2005, Republikaner) in Deutschland, die kaum jemals die 5%-Hürde übersprangen.
Seither sind sie wenig schöner geworden und genauso dumm geblieben.
Sagenhaft naiv, ungebildet und durch ihre Faulheit auch unvorbereitet gehen die europäischen Rechtsextremen in ihre politischen Funktionen.

Wladimir Putin, den ich nach wie vor nicht für einen überzeugten Rechtsextremen halte, sondern einen vom Westen vor den Kopf Gestoßenen, der allerdings zu Skrupellosigkeit fähig ist, hat mit Typen wie Le Pen, Strache, Gudenus, AfD-Kaspar Markus Frohmaier und eben auch Donald Trump leichtes Spiel. Sie eignen sich nicht so sehr als Putin-Marionetten, weil sie egomane Rechtsextreme sind, sondern weil sie so sagenhaft dämlich sind, daß man sie leicht manipulieren kann.

Das ist einerseits umso erschreckender, wenn diese Typen wie in Washington und Wien in Regierungsverantwortung kommen, wird aber andererseits durch ihre Neigung zur Kriminalität und Skandalen wieder abgemildert.

So dümmlich-naiv wie sich der AfD-Bundestagsabgeordnete Frohmaier von Moskau benutzen lässt, reagierte auch Don Trump Jr. auf mutmaßliche russische Wahlkampfhilfe, schrieb über die Twitter-Plattform (sic!) „I love it“ und ließ das konspirative Treffen im Trump-Tower (sic!) stattfinden.
Genauso tumb ließen sich offenbar auch der Österreichische Vizekanzler austricksen.

Würde sich ein Bösewicht im Film so verhalten, hielte ich den Drehbuchautoren für unfähig, weil er den Figuren so plumpe Fehler zuschreibt. Das empfände ich als ärgerlich unterkomplex und unrealistisch.

Aber die Realität ist tatsächlich so einfach. Die Rechten sind so doof.
Trump schreibt tatsächlich als amerikanischer Präsident für Milliarden Menschen lesbar, daß Windmühlen Ohrenkrebs erzeugen.

[…..]  You want to see a bird cemetery? Go under a windmill sometime.
You will see the saddest, you got every type of bird. You know, in California you go to jail for five years if you kill a bald eagle. You go under a windmill, you see them all over the place. Not a good situation. [….]

Freitag, 17. Mai 2019

Macht Euch die Stadt untertan

Hilfe, wir platzen!
Hamburgs Wachstum erfreut natürlich Ökonomen, Finanzpolitiker und Unternehmer.
Immer mehr solvente Konsumenten, immer mehr Steuereinnahmen.
Sogar der katholische Erzbischof Heße ist froh. Der prozentuale Anteil der Hamburger Christen nimmt zwar weiterhin ab, aber durch die Bevölkerungsexplosion werden es in absoluten Zahlen sogar mehr Beitragszahler im Erzbistum Hamburg, also auch mehr Geld für Heße.
Überhaupt liegt Kirchenfürsten bekanntlich nichts so sehr am Herzen wie das Kopulieren. Immer mehr Schäfchen sollen gezeugt werden. Geschlechtsverkehr betreibt man schließlich nicht zum Spaß, sondern zur massenhaften Menschenproduktion.
Da sind sich alle abrahamitischen Religionen gleich. Ob ultraorthodoxe Juden, streng religiöse Muslims oder Hardcore-Katholiken: Da wird (ohne Verhütung!) gepoppt, was das Zeug hält und 10 Kinder sind für eine Frau keine Seltenheit.

Ginge es nur nach der Reproduktionsrate, müssten die ultra-ultraorthodoxen Juden längst die Mehrheit in Israel stellen. Zu ihrem Leidwesen lebt man dort aber so eng mit normalen Juden, Säkularen und Atheisten zusammen, daß durch den schädlichen weltlichen Einfluss auf die fundamentalistische Brut vier von zehn Kindern an Internet, freie Liebe und Party verloren gehen.
Das Leben dieser Jung-Ultraorthodoxen ist nicht nur wegen der strengen religiösen Vorschriften hart und entbehrungsreich. Da die Männer grundsätzlich nicht arbeiten und den ganzen Tag in der Thora-Schule abhängen, muss Muttern das Geld verdienen. Viel ist das nie, da solche Frauen nur einfachste Schulbildung haben (ab 16 ist Kinderkriegen angesagt) und wegen der dauernden Schwangerschaften zeitlich sehr eingeschränkt sind.
Die zehn Kinder leben also meist alle in einem Raum. Muttern kocht und putzt und wenn der Alte abends heimkommt, muss sie sofort die Beine breit machen, um noch mehr Kinder zu bekommen.
Kennt man keine anderen Verhältnisse, mag das akzeptabel sein, aber in Israel lernt man in Schule oder Armee mit hoher Wahrscheinlichkeit Gleichaltrige kennen, die viel weniger Geschwister, aber Eltern mit viel mehr Geld haben und daher ein Leben in Luxus und mit allein Freiheiten führen. Zumindest aus Sicht eines Siedler-Kindes, das sich mit einem Dutzend Geschwistern zwei Betten teilt.

Ich schweife ab. Im säkularen Hamburg werden derartig kinderreiche Familien nicht auf so engem Raum eingepfercht.
Man pfercht offenbar generell kaum Leute zusammen mit anderen ein, wenn sie sich separate Wohnsitze leisten können.
Über 50% der Haushalte sind Singlehaushalte.
Wir werden nicht nur in absoluten Zahlen mehr Hamburger, sondern auch in Relation zur Gesamtbevölkerung immer mehr Haushalte.
Also muss gebaut werden wie verrückt: 10.000 neue Wohnungen wurden 2018 fertiggestellt. 2019 sollen es noch mehr werden.

Einigen Stadtplanern ist mittlerweile sogar aufgefallen, daß man Häuserzeilen trotz des anschwellenden Verkehrs nicht einfach auseinanderschieben kann, um mehr Fahrspuren einzurichten. Bauland ist so knapp, daß aberwitzig nachverdichtet wird.

[…..] Also müssen Nachverdichtungen her, sprich Aufstockungen auf bestehende Gebäude sowie die Bebauung von Hinterhöfen und Zwischenräumen. [….]

Bald sitzen wir alle im Dunkeln, weil die Häuser im Abstand von einer Armlänge gebaut werden.

Wer mit dem Flugzeug nach Hamburg kommt, wundert sich über die für Großstädte ungewöhnlich vielen Grünflächen.
Hamburg ist dünner besiedelt als die anderen Deutschen Millionenstädte und verfügt in Relation zur Bevölkerung über viel mehr Bäume.
In Berlin und München leben fast doppelt so viele Menschen auf einem Quadratkilometer.


Die Münchener Bevölkerung schrumpft deutlich, Köln wächst langsam, Berlin stärker und am stärksten Hamburg.


Mit dem Boom Hamburgs verlieren wir Grünflächen.
Hanseaten wie mir ist das ein Graus; unsere Stadt soll nicht do grau wie die anderen deutschen Millionenstädte werden.

Abgesehen von meinem ästhetischen Empfinden ist das Verschwinden der Grünflächen eine Katastrophe für meine gefiederten Freunde, die sich traditionell in keiner anderen deutschen Großstadt so wohl fühlen.

[…..] In Hamburg brüten so viele Vogelarten wie in keiner anderen deutschen Großstadt - zugleich sind aber immer mehr der brütenden Paare gefährdet. Das geht aus der "Roten Liste der Brutvögel" hervor, die Umweltsenator Jens Kerstan am Dienstag präsentierte. "Der Bericht zeigt das Wohl und Wehe unserer Vogelwelt", sagte der Grünen-Politiker.
Demnach sind in Hamburg 151 Arten mit einem Gesamtbestand von rund 450 000 Brutpaaren heimisch - 35 000 Brutpaare mehr als noch vor zehn Jahren. Ursache sei der Zuzug zahlreicher Waldvögel in die Stadt. Aber auch der Seeadler habe sich inzwischen dauerhaft niedergelassen. [….]

Großstädte wie Hamburg sind ein guter Platz für Vögel. Hier gibt es viel Grün, es wird im Winter auf jedem zweiten Balkon gefüttert, in der Stadt ist es deutlich wärmer als im Wald und zudem sind natürliche Feinde hier sehr viel seltener.
Anpassungsfähige, vielseitige Vögel zieht es nach Hamburg und ich staune immer wieder wie stoisch kanadische Graugänse, Reiher oder Eisvögel beispielsweise in den Grünanlagen um die Außenalster ihr Leben leben und sich kein bißchen vor den vielen Autos und Radfahrern fürchten.

Die spezialisierten Vögel, die auf ganz bestimmte Nahrungsquellen oder Brutplätze angewiesen sind haben es in dieser Dauer-Bau-Boom-Stadt schwer.

[…..]  Dramatischer Schwund Spatz und Star sind in Hamburg bedroht!
Der Verlust ihrer Lebensräume und das Sterben der Insekten macht den Vögeln der Stadt zu schaffen. Hamburg hat jetzt als erste deutsche Großstadt Spatz und Star auf die Stufe von gefährdeten Vogelarten gesetzt. Der Bestand des Haussperlings hat sich laut Umweltbehörde in etwas mehr als zehn Jahren fast halbiert!
Dabei war der Spatz bis in die 80er Jahre hinein noch die mit Abstand häufigste Brutvogelart in der Stadt. Doch von 29.000 Brutpaaren im Jahr 2005 sind heute noch maximal 16.000 übrig geblieben. [….]

Das bricht mir Spatzenfreund das Herz. Die überall zu sehenden Blaumeisen, die auch vor meinem Wohnzimmer in einem Nistkasten brüten, sind wunderhübsch.
Aber der schlichte Sperling übt immer noch die größere Anziehungskraft auf mich aus.

Die bauenden Hamburger müssen unbedingt dafür sorgen viel natürliches Grün für unsere Fauna zu erhalten. Gerade als Städter hat man eine besondere ethische Verantwortung, den kleinen Tieren, die wild zwischen uns umher hoppeln/fliegen/kriechen/hüpfen/laufen ihren Lebensraum zu erhalten.

Unglücklicherweise stimmen nicht alle mit mir überein.

[….]  Abschüsse in Hamburg Jäger knallen 3400 Tiere ab
[….]  Nutrias, Füchse, Feldhasen – Hamburgs Jäger haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Tiere geschossen als in den Jahren davor. Das geht aus dem aktuellen Wildnachweis der Wirtschaftsbehörde hervor. [….]  Insgesamt wurden laut Bericht 3398 Tiere von Jägern erlegt (Vorjahr 2710). Eine Steigerung um fast 700 Tiere. Das liegt zum einen daran, dass Nutrias bisher nicht in der Liste enthalten waren. Außerdem wurden deutlich mehr Enten, Tauben, Gänse und Krähen geschossen.
678 Rabenkrähen mussten ihr Leben lassen. [….]  Bitter: Trotz intensiver Tierschutz-Kampagnen stieg die Zahl der getöteten Füchse (394/353) und Feldhasen (415/357) weiter. [….] 
Abschüsse in Hamburg im Jahr 2018/19
    Stockente 1167
    Rehwild insg. 1105
    Ringeltaube 688
    Rabenkrähe 678
    Feldhase 415
    Fuchs 394
    Nutria 313
    Wildkaninchen 310
    Rehkitze 280
    Wildschwein 155
    Steinmarder 142
    Marderhund 139
    Fasan 138
    Lachmöwe 63
    Damwild 61
    Dachs 40
    Hauskatze 15
    Höckerschwan 15
    Waschbär 4
    Iltis 1 […..]

Mein Kommentar zu den Hamburger Jägern ist nicht zitierfähig.