Samstag, 16. Februar 2019

Kardinalglossar


Es gibt verdammt wenige Kardinäle auf der Erde.

Derzeit sind es bei etwa 1,3 Milliarden Katholiken nur 223 Stück und von diesen gehören nur 123 zu der mächtigsten Klasse der Papstwähler.

Das sind also 10 bis 11 Millionen Katholiken pro Kardinal.
Kein Wunder, daß der Begriff „Kardinal“ auch metaphorisch für das Größte steht: Kardinalfehler, Kardinalproblem, Kardinalaufgabe.
(Zum Vergleich: Merkels Kabinett besteht aus 16 Mitgliedern, also kommen gut fünf Millionen Bundesbürger auf einen Bundesminister)
 Laien erkennen Kardinäle an ihren purpur-roten Abendkleidern und wissen, daß es sich bei ihnen um den allerhöchsten Rang der christlichen Geistlichkeit handelt.
Dabei sind Kardinäle keineswegs gleichrangig, sondern wiederum in verschiedene Ränge und Klassen aufgegliedert, welche den Kardinälen natürlich außerordentlich wichtig sind. Eifersüchtig versuchen sie aufzusteigen.

Wie schon erwähnt sind die unter 80-Jährigen als Papstwähler mächtiger als die älteren.
Kurienkardinäle besetzen wie schon der Name sagt machtvolle Schaltstellen im Vatikan und haben dadurch erheblich mehr Einfluss als Diaspora-Kardinäle.
Kurienkardinäle gibt es ebenfalls in drei Klassen:

·        Einfache Kuriale,
·        Kardinalpräfekten, die als Leiter vatikanischer Dikasterien (zum Beispiel Kongregationen) fungieren und schließlich den
·        Kardinalstaatssekretär (Staatssekretär Seiner Heiligkeit, Chef des wichtigsten Dikasteriums, nämlich des Staatssekretariats des Heiligen Stuhls. Amtsinhaber ist derzeit Pietro Parolin.

Abgesehen von den unterschiedlich mächtigen Kurienjobs, gibt es auch noch eine formale Rangfolge in vier Abstufungen. Der oberste Chef, der Kardinaldekan (lat. Decanus Sacri Collegii), derzeit noch Angelo Sodano, der frühere Kardinalstaatssekretär der römischen Kurie, muss immer in Rom sein und leitet im Falle einer Sedisvakanz die neue Papstwahl ein.
Unter dem Kardinaldekan gibt es drei Güteklassen (lateinisch ordines). Kardinaldiakone, Kardinalpriester und Kardinalbischöfe.

Letztere sind schon erheblich exklusiv; derzeit gibt es nur zehn Stück.
In der Regel sind alle Kardinäle vorher schon Bischöfe. Streng genommen müssen aber nur die Kardinalbischöfe auch Bischöfe sein. Franzl könnte aber auch einen einfachen Priester zum Kardinaldiakon erheben. Und auch das ist erst seit 1917 vatikanisches Recht. Bis dahin konnten auch Laien Kardinäle werden. Hauptsache es waren keiner Frauen.
Derzeit sind aber von 225 Kardinälen nur Roberto Tucci und Albert Vanhoye keine geweihten Bischöfe.
Sollte dieser im nächsten Konklave zum Papst gewählt werden, müßte er als „Bischof von Rom“ allerdings vorher noch die Bischofsweihe empfangen.

Auch über die Kardinalswürde wird oft falsch berichtet.
Der Papst „ernennt“ nicht etwa Kardinäle, sondern er „kreiert“ sie. Umgangssprachlich korrekt ist aber auch „Erhebung zum Kardinal.“

Da die Kardinalswürde mit keinem Sakrament verbunden ist, kann man sie anders als Dr.-Titel oder Bischofsränge tatsächlich zurückgeben.
Das passiert gelegentlich.
Louis Kardinal Billot (1846-1931) war ein so erzkonservativer Metaphysiker und Monarchist, daß er sich darüber dermaßen mit Papst Pius XI. zerstritt, daß er ihm 1927 die Kardinalswürde vor die Füße warf.

Zuletzt machte der ehemals höchste Katholik Englands von dem Recht auf Exkardinalisierung gebrauch.
Keith Michael Patrick O’Brien (*1938) war Kardinal der römisch-katholischen Kirche und Erzbischof von Saint Andrews und Edinburgh.
Der Kurienkardinal hatte es lange abgestritten, mußte aber inzwischen aufgrund erdrückender Beweistlast zugeben in den 1980er Jahren mindestens vier Seminaristen sexuell belästigt zu haben.
Nun warf der schwule Schotte hin. (….)

Im Juli 2018 kam es zu einer weiteren Titelrückgabe wegen Kinderfickerei.
Theodore Edgar McCarrick, 88, früherer römisch-katholischer Erzbischof von Washington hatte nicht nur die Seminaristen des Priesterseminars sexuell belästigt, sondern auch einen 11- und einen 15-Jährigen über Jahre vergewaltigt.
Ins Gefängnis kam er deswegen natürlich nicht; er ist schließlich Kardinal und da drückt man  traditionell alle Augen zu, wenn es darum geht Kinder zu vergewaltigen.

Eine Besonderheit, die fast alle Kardinäle aufweisen ist, daß es sich bei ihnen um echte Charakterschweine handelt.
Selbst der deutsche liberale Vorzeige-Kardinal Lehmann, der von allen Politikern über den grünen Klee gelobt wurde, hat immerhin wissentlich und aktiv dafür gesorgt, daß pädosexuelle Gewalttäter vor der Justiz versteckt und neuen Opfern zugeführt wurden.
 Man wird ein keiner Zeitung ein böses Wort über Karl Lehmann finden, aber man nenne mich ruhig kleinkariert oder pingelig; ich finde es nicht akzeptabel Sadisten, die kleine Jungs missbrauchen zu schützen und sich konsequent auf die Seite der Täter, statt der Opfer zu stellen.
Die meisten Journalisten drücken aber beim Kinderficker-Vertuschen und Verharmlosen, beim Ermöglichen und beim Weggucken alle Augen zu. Ratzinger und Müller haben es getan und werden kaum kritisiert.

Kardinäle, die persönlich ihren Penis in kleine Jungs steckten, bekommen hingegen so schlechte Presse, daß sich auch Papst Franz, der eigentlich die Strafen für Päderasten-Kuriale verringert, nun zu einem radikalen Schritt veranlasst sah: Er versetzte McCarrick in den Laienstand.
Immer noch kein Gefängnis, aber nach Verlust seines Kardinaltitels, darf sich der in Kansas residierende Geront nun nicht mal mehr Priester nennen.

[….] Papst verhängt Höchststrafe gegen Ex-Kardinal  [….] Wenige Tage vor einem Vatikan-Gipfel zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche hat Papst Franziskus einen US-Ex-Kardinal aus dem Klerikerstand entlassen. Das ist die höchste Strafe im Kirchenrecht. [….]

Viele andere Kardinäle fahren aber damit fort ganz bibeltreue homohobe Widerlinge zu sein.

Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, als Präfekt der Glaubenskongregation ehemalige Nummer Drei der katholischen Welt und von diesem Papst in den Kardinalsrang erhobener extrem Opfer-feindlicher Hetzkleriker, legt heute im SPIEGEL nach.
Ungeniert breitet er sein perfides Weltbild aus, für das andere eine Anzeige wegen Volksverhetzung bekämen.

[…..] SPIEGEL: Am Donnerstag beginnt im Vatikan ein wichtiges Treffen zum Thema sexueller Missbrauch – mit mehr als hundert Vorsitzenden der Bischofskonferenzen. Sie behaupten, das Thema werde von Gegnern der Kirche instrumentalisiert. Warum?

[…..] Müller: […..] Sexueller Missbrauch Heranwachsender kommt millionenfach in der ganzen Welt vor. Die Ursache liegt im verdorbenen Charakter des Täters, das hat nichts mit dem Amt zu tun. […..]
SPIEGEL: Sie behaupten unter anderem, es gebe einen Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität. Wie kommen Sie darauf?
Müller: In der Glaubenskongregation hatten wir statistisch den perfekten Überblick. Weit über 80 Prozent der Opfer sexuellen Missbrauchs Jugendlicher bis zu 18 Jahren waren junge Männer im pubertären und nachpubertären Alter. Bei dem am Donnerstag beginnenden Missbrauchsgipfel aber sollen diese Daten unvernünftigerweise keine Rolle spielen. Aus kirchlicher Sicht ist klar: Wer sich nicht beherrschen kann, ist für das Priesteramt nicht geeignet. Schönreden nützt da nichts. Übrigens bin ich der Meinung, dass kein Mensch gottgewollt als Homosexueller geboren wird, wir werden geboren als Mann oder Frau. […..]
 (DER SPIEGEL, 16.02.2019)

Wie immer wird auch im SPIEGEL so ein Abschaumbischof devot und unterwürfig behandelt, Eminenz genannt.

Freitag, 15. Februar 2019

Kompromisslosigkeit


Kompromisse sind das Wesen der Demokratie.
Unglücklicherweise wird das im Zeitalter der Informationsfilterblasen und der immer rüderen Artikulation von Maximalforderungen immer weniger verstanden.

Legendär ist die Aussage des damaligen SPD-Parteivorsitzenden Müntefering nach der Abwahl Gerhard Schröders, als er sich beklagte wie unfair es sei die SPD an ihren Wahlversprechen zu messen.
Bis heute wird das den Sozis höhnisch und voller Häme als Eingeständnis der Unzuverlässigkeit ausgelegt.

(…..) Mir tut heute noch Franz Müntefering Leid, den vor der Erfindung des Ausdrucks „Shitstorm“ ein solcher ereilte, nachdem er 2005 beklagt hatte es sei unfair die Parteien immer an den Wahlversprechen zu messen.
Das wollten alle nur zu gerne falsch verstehen. In der „Heute-Show“ von letzter Woche wurde Müntefering unter dem Gejohle des Publikums erneut mit diesem Spruch vorgeführt.
Gemeint hatte der damalige SPD-Chef natürlich nicht, daß Parteien generell lügen.
Vielmehr beklagte er die Zwänge einer großen Koalition, in der die SPD zu allem Übel auch nur Juniorpartner war.
ALLE Wahlversprechen kann und muß man umsetzen, wenn man die absolute Mehrheit bekommen hat. Eine absolute Mehrheit der SPD wollte der Wähler aber ganz offensichtlich NICHT.
Natürlich kann ein Koalitionsvertrag nicht zu 100% dem Wahlprogramm einer Partei entsprechen.
Viele Köche haben in den Koalitionsverhandlungen die Chance den Brei zu verderben.
Es ist tatsächlich unfair vom Wähler eine Partei an den Wahlversprechen zu messen, wenn er diese Partei durch ein mickriges Stimmenergebnis selbst daran hindert diese Versprechen 1:1 umzusetzen. (….)

Im Checks-and-balance-System USA mit de facto nur zwei Parteien ist es noch wichtiger, daß man stets mit der gegnerischen Partei kompromissfähig bleibt.
Wem aber ein grundsätzliches Verständnis von Demokratie abgeht, wer autokratische und absolutistische Herrschaftsformen präferiert, wer insbesondere keinen blassen Schimmer davon hat, wie amerikanischer Parlamentarismus funktioniert, wer unfähig ist Deals herbeizuführen, weil er Donald Trump heißt, wird zu einem riesigen das Land lähmenden Problem.
Politische und parlamentarische Kompromisse, vulgo „Deals“, setzen voraus, daß man seine eigenen Ziele klar benennt, daß man bereit ist auch den Gegnern Erfolge zuzubilligen und daß man als verlässlicher Vertragspartner agiert.
Trump versagt in allen drei Punkten und stellt sich daher als deutlich schlechtester Negotiator aller bisherigen US-Präsidenten dar.

Im Wall-Wahn gefangen talibanisiert er Land und Verfassung.




Trump versagt aber nicht  nur als Verhandler, sondern schafft es darüber hinaus sich öffentlich mit seinen sinnloseren Plappereien zum Gespött der Welt zu machen.


Den Notstand wegen einer Einwanderungswelle zu erklären, die sich seit 20 Jahren kontinuierlich abschwächt und in den 24 Monaten der republikanischen Mehrheit im Kongress nie ein Thema war, zeigt zunächst einmal den malignen Wahn dieses gemeingefährlichen Psychopathen, legt aber noch erschreckender offen, wie Realitäts- und Moral-entkoppelt zig Millionen Amerikaner und weite Teile der US-Presse sind.
Immer noch bejubeln sie den lobotomierten Nero im höchsten Staatsamt, statt die Männer im Weißen Kittel zu rufen.


(….) Die Grenells dieser Welt machen Trump möglich. Denn sie sind es, die übrig bleiben, nachdem die härtesten Generäle alle jammernd das Weite gesucht haben.
Und so kann Trump ungehindert sein Volk mit Nonsens talibanisieren.

January 2017 - GOP majority
January 2017 Wall not an emergency
February 2017 Wall not an emergency
March 2017 Wall not an emergency
April 2017 Wall not an emergency
May 2017 Wall not an emergency
June 2017 Wall not an emergency
July 2017 Wall not an emergency
August 2017 Wall not an emergency
September 2017 Wall not an emergency
October 2017 Wall not an emergency
November 2017 Wall not an emergency
December 2017 Wall not an emergency
January 2018 Wall not an emergency
February 2018 Wall not an emergency
March 2018 Wall not an emergency
April 2018 Wall not an emergency
May 2018 Wall not an emergency
June 2018 Wall not an emergency
July 2018 Wall not an emergency
August 2018 Wall not an emergency
September 2018 Wall not an emergency
October 2018 Wall not an emergency
November 2018 Wall not an emergency
November 2018 Democratic majority elected in House
January 2019 EMERGENCY!!!!!

Nicht, daß man irgendeine Form von Anstand erwartet hätte bei den GOP-Parlamentariern des 21. Jahrhunderts, aber wie devot sie den Wahnsinn wegstecken, raubt einem die allerletzten rudimentären Hoffnungsschimmer auf menschliche Vernunft unter Konservativen.

Schon jetzt sind vernunftbegabte Beobachter am Rande es eines Nervenzusammenbruches. Nicht nur wegen Trump, sondern insbesondere, weil die USA sich so einen gefallen lassen. (…..)

Ja, das Wesen der Demokratie ist der Kompromiss, aber Trump ist kein Demokrat, sondern ein Nepotist, Usurpator, Despot und Kakistokrat.
Mit so einem darf man eben keine Kompromisse machen, weil ihn das stärken und somit die demokratische Verfassung der USA weiter schwächen würde.

[…..] Der US-Präsident […..] geht jetzt soweit, einen nationalen Notstand auszurufen, obwohl es diesen gar nicht gibt. Nur weil er auf demokratischem Weg nicht bekommt, was er will: Geld vom Kongress, um endlich seine Mauer zu Mexiko bauen zu können. Von der er behauptet, sie sei schon fast fertig, auch wenn noch nicht ein Meter der Mauer gebaut ist.
[…..]  Solange es seiner Basis gefällt, ist ihm nichts zu schäbig. Da greift er auch zu unlauteren Mitteln, um ein Wahlversprechen umzusetzen, das die Hälfte der US-Bevölkerung für ausgemachten Unsinn hält.
Was sonst als Amtsmissbrauch soll es sein, wenn Trump einen Notstand an der Grenze zu Mexiko ausruft, den es faktisch nicht gibt? Eine Krise ist ein vorübergehendes Notfallereignis, das sofortiges Handeln erzwingt. Seit Jahren aber geht die Zahl illegaler Grenzübertritte in die USA massiv zurück. Von über 1,6 Millionen Migranten im Jahr 2000 auf unter 400 000 im Jahr 2018. Und von denen reisten auch noch die meisten gar nicht über Land ein. Sondern per Flugzeug.
[…..] Trump kriminalisiert unschuldige Menschen, um seine Fans bei Laune zu halten. Er missachtet demokratische Regeln und die US-Verfassung, wenn er jetzt einen nationalen Notstand ausruft. Er dehnt und biegt dafür das Gesetz. […..] Trumps Verhalten ist nicht nur absurd. Es ist gefährlich. […..] Die USA waren mal eine stolze Demokratie. Trump regiert sie gerade auf Ramschniveau hinunter. [….]