Sonntag, 25. Oktober 2015

Voll verhubert.



Theoretisch sollte eine absolute Wahlmonarchie wie der Vatikan, in der ein Papst nicht absetzbar ist und üblicherweise bis zu seinem letzten Atemzug als allmächtiger Alleinherrscher fungiert, demokratischen Meritokratien unterlegen sein.
Aber ich gebe zu, die Kardinäle hatten in den letzten 100 Jahren aus ihrer Sicht ein ganz gutes Händchen. Lediglich Albino Luciani und Joseph Ratzinger waren ein bißchen suboptimal. Ersterer drohte die mafiösen Finanzverstrickungen der Kurie offenzulegen und wurde mutmaßlich nach nur einem Monat als Papst vergiftet. Letzterer erfreute zwar die Tradis mit seinem Kuschelkurs bei den FSSPX-Holocaustleugnern und seinem Schwulen(selbst)-Hass, aber dafür war er außerhalb Roms notorisch unbeliebt.
Alle anderen modernen Päpste waren aber international hoch angesehen und wurden höchstens von Satanisten wie Rolf Hochhuth angepinkelt.

Die EKD kann aus einem größeren Pool schöpfen. Da kommen auch Frauen und Verheiratete in Betracht; sogar Heteros.
Außerdem wird man Chefs auch wieder los und kann, last but not least, mit den Grünen eine ganze Partei als EKD-Lobby einsetzen.

Da ist es durchaus bemerkenswert, wie die Jungs und Mädel aus dem Lutherverein es fertig bringen, mit sicherem Griff das jeweils intellektuell leichtgewichtigste Mitglied zum Chef zu küren.
Zu allem Unglück werden EKD-Ratsvorsitzende unablässig Plattformen geboten.
In Wort, Ton und Bild legen sie dann los, um immer wieder aufs Neue ihr unterirdisches Niveau zu beweisen. Beispielhaft steht dafür der an Eitelkeit kaum noch zu übertreffende Ex-EKD-Chef Wolfgang Huber, der von Mikrophonen magisch angezogen wird.

Ich hätte mir damals kaum vorstellen können, daß es intellektuell und persönlich nach Huber noch bergab gehen könnte unter den EKD-Bischöfen.

Verglichen mit seiner Blitzbirnen-Nachfolgerin Käßmann, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland 2009–2010, ist Huber geradezu noch bescheiden und hochintelligent.
Margot Käßmann kann man durchaus als dümmste Theologin Deutschlands bezeichnen.
Ihre einzigartige Mischung aus Kamerageilheit, Populismus und geistiger Schlichtheit führte zur bekannten Allianz mit dem Anti-Asyl- und Anti-Griechenland-Hetzblatt BILD, dem sie immer noch als Kolumnistin dient.

Nikolaus Schneider folgte Käßmann nach ihrem überraschenden Rücktritt und amtierte von 2010 bis 2014.
Natürlich war es angenehm, daß der rheinische Bischof nicht ganz so extrem selbstverliebt war und es durchaus Tage gab, an denen es ihn nicht in ein TV-Studio drängte.
Wenn er allerdings einmal ausführlicher zu Wort kam, staunte man nicht schlecht über die Primitivität seiner Gedankenwelt.
Seit 2014 steht nun Bischof Bedford-Strohm an der Spitze der EKD und der Mann scheint sogar Margot Käßmann Konkurrenz machen zu wollen mit seiner Doofheit.

Man ahnt ja nicht was evangelischen Bischöfen unterlektuell möglich ist!
Angesichts der gigantischen Flüchtlingskatastrophe und den Zehntausenden Menschen, die aufgrund der maßgeblich von Angela Merkel in der EU betriebenen Abschottungspolitik verrecken, sagte Bedford-Strohm den anwesenden Regierungsspitzen kürzlich:

Zu Gottvertrauen angesichts unruhiger Zeiten hat der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), aufgerufen. Er sprach am 2. Juli auf dem Johannisempfang der EKD in Berlin. Daran nahmen rund 800 Gäste aus Politik und Gesellschaft teil, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Bedford-Strohm nannte Frömmigkeit eine innere Haltung, „die Gott mehr zutraut als sich selbst“. Sie habe ein Gespür dafür, dass alle Selbstoptimierung ihre heilsame Grenze findet und aufgehoben wird in dem tiefen Vertrauen auf Gott. Die Welt brauche Menschen, die von der Güte Gottes wissen, von der Barmherzigkeit reden und aus der Dankbarkeit leben. Frömmigkeit sei eine „heute weit unterschätzte Quelle einer Lebenshaltung, die sich eigentlich viele wünschen, zu der sie sich aber nicht in der Lage sehen“. Frömmigkeit sei „eine der produktivsten Kräfte der Veränderung“. Menschen mit Gottvertrauen engagierten sich für Flüchtlinge, stünden an der Seite der Schwachen und setzten sich für eine ökologische Neuorientierung der Gesellschaft ein. Zudem stumpften sie nicht ab, „sondern lassen sich das Leid der Welt nahegehen“. Sie übten nicht nur aus sicherer Warte Kritik, sondern übernähmen Verantwortung in der Politik.

(Dank an Skydaddy für diesen Link!)

Bayerische Evangeliban leben quasi in der Diaspora. Vielleicht sind sie deswegen geistig besonders schlicht.

Gerade konnte ich im GONG vom 21.08.2015 ein Statement von Susanne Breit-Keßler, der Regionalbischöfin für München und Oberbayern, lesen.
Uiuiui.
Den Menschen, die sich keinen Urlaub leisten können, ruft sie zu:

Arbeit und Alltag sind eine Form der Selbstbestätigung, die einem zeigt: Hier hast du deine Fähigkeiten und Gaben- es ist schön, was du alles kannst! Die gleichen Handgriffe, die gleichen Gesichter. Tägliche Routine hat ihre guten Seiten. Es liegt an einem selber, ob man den Werktagen zusätzliche funkelnde Glanzlichter aufsteckt. „Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein“ heißt ein biblisches Wort (Jesaja 30,15). Gebete am Morgen und Abend setzten Akzente, die die Tage voneinander unterscheiden.
(Bischöfin Susanne Breit-Keßler)

Na, das hört eine alleinerziehende Mutter mit drei Putzjobs sicher gerne von einer Bischöfin, die aus Steuermitteln ein fünfstelliges Monatsgehalt bezieht.

Möglicherweise ist es tatsächlich so, daß der intellektuelle Niedergang der evangelischen Theologie, der in Huber und Käßmann ihre Apotheose fand, die eigentlich noch absurderen Katholiken (Zölibat, Primat des Papstes, Frauen-Ausschluss,..) in Relation gut dastehen läßt.

Im aktuellen SPIEGEL (15/2015 vom 04.04.2015) gibt es ein vierseitiges Doppelinterview mit dem EKD-Chef Bischof Heinrich Bedford-Strohm und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster unter anderem zum Thema „militanter Islam“.
Gratulation auch an die morialogische Glanzleistung des SPIEGELS zum Thema Gewalt im Islam von Juden und Christen nur ÜBER den Islam zu sprechen und nicht MIT ihm; ein muslimischer Vertreter darf gar nicht erst mitreden.
An einen Humanisten oder Atheisten wird ohnehin gar nicht gedacht.
Die Redakteure Frank Hornig und Katja Timm stellen die üblichen harmlosen Fragen nach Integration und Glaubensferne.
Ein Freifahrtschein für die beiden Top-Religioten zu überzeugen und für sich zu werben.
Schuster, als Vertreter einer in Deutschland sehr kleinen Minderheit schlägt sich nicht schlecht, fällt zumindest nicht durch besondere Doofheiten auf.
Aber der Nachfolger von Huber, Käßmann und Schneider gibt Plattitüden von sich, daß man immerhin wunderbar Heinz-Werner Kubitzas Essay wider die Theologie als „Wissenschaft“ bestätigt bekommt.
Bedford-Strohm ist Professor und demonstriert eine Anti-Intellektualität, daß er jeden Denkenden aus der Kirche treiben muß.

Beispiele:

Menschen haben auch im Namen Jesu Kriege geführt. Wir Christen haben dieses schlimme Erbe aufgearbeitet. Zum Glück ist es in die Einsicht gemündet, dass wir heute für die Menschenrechte einstehen und versuchen, eine Kraft der Versöhnung zu sein.

FALSCH!
Es wurde nicht nur „im Namen Jesu“ Krieg geführt, sondern das wird von ihrem Gott sogar explizit in der Bibel gefordert.
Es ist auch nicht nur Vergangenheit, sondern geschieht bis heute. Auch die evangelische Kirche ist tief verstrickt, indem sie beispielswiese Militärbischöfe stellt und Soldaten in aller Welt unterstützt.

Jesus ist am Kreuz gestorben als Folteropfer und hat gerufen „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Deshalb habe ich in einer Kirche im Nordirak vor Flüchtlingen aus Mossul gepredigt: Gott ist bei den Menschen, die leiden. Er ist ganz bestimmt niemand, der die Hände von Gewalttätern führt.

FALSCH!
Als ob Bedford-Strohm dabei gewesen wäre und wüßte was Jesus sagte.
Tatsache ist aber, daß bei dem Konzept eines ALLMÄCHTIGEN Jesus = Gott selbstverständlich dafür verantwortlich sein MUSS was Gewalttäter ihren Opfern antun. Ohne die Zustimmung des Allmächtigen kein Auschwitz – oder er ist eben nicht allmächtig.

Jesus war ein geborener Jude. Er hat zum gleichen Gott gebetet wie das jüdische Volk, und darum sind wir Christen für immer in den biblischen Bund Gottes mit dem Volk Israel einbezogen. Das hat man leider jahrhundertelang immer wieder übersehen. […] Es ist eine Hypothek der christlichen Theologie, dass man an dieser Stelle lange die Tatsachen verdreht hat. Die christlichen Kirchen haben sich diesem Versagen in den vergangenen Jahrzehnten allerdings intensiv gestellt.

FALSCH!
Was für ein perfider Euphemismus! Da wurde nicht nur etwas „übersehen“, sondern es wurden über Jahrhunderte aktiv Genozide angezettelt, Pogrome initiiert und Kreuzzüge verlangt.

Luther hat sich in seiner Spätzeit unhaltbar und in kruden Thesen über das Judentum geäußert. Diese Verirrungen können nur Anlass zu Trauer und Scham sein.

FALSCH!
Luther war nicht nur „in seiner Spätzeit“ etwas „krude“, sondern ein unverbesserlicher Rassist und Menschenfeind, der auch andere Gruppen als die Juden, beispielsweise die Bauern mit pathologischem Hass überzogen hat.

Wolfgang Huber, dem Lügenbold unter den evangelischen Bischöfen, wurde von den SZ-Kirchenfreunden in ihrer auflagenstarken Wochenendausgabe wieder eine halbe Seite freigeräumt.
Darin phantasiert er diesmal eine besonders abstruse These zusammen. Demnach zeichneten sich die streng Religiösen durch besondere religiöse Toleranz aus.
Lustig.

Beim gegenwärtigen Flüchtlingszustrom nach Deutschland spielen die Kirchen und ihre Gemeinden eine wichtige Rolle. Sie laden ankommende Flüchtlinge ein, organisieren Deutschkurse, sammeln Nahrungsmittel, Kleidung und Spielzeug, beteiligen sich an der politischen Debatte über gute Wege der Integration.

Nein, die C-Parteien sind die Hauptgegner der Flüchtlinge, höchste Kirchenvertreter wie Sachsens Bischof Bohl oder der Kölner Kardinal Woelki verlangen hysterisch nach schnelleren Abschiebungen. Die Kirchen als größte Immobilienbesitzer Deutschlands stellen keinen Wohnraum zur Verfügung.

 Die deutsche Gesellschaft insgesamt reagiert mutig und hilfsbereit auf die Krise.

Nein, Pegida hat Zulauf, die AfD ist auf Rekordwerte gestiegen, über 500 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte wurden bisher verzeichnet.

Muslime, Christen, Jesiden und andere religiöse Gruppen suchen Asyl. Wie oft Streitigkeiten zwischen Flüchtlingen einen religiösen Hintergrund haben, lässt sich schwer ermitteln. Aber die Befürchtung besteht, dass - beispielsweise bei syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen - christliche Minderheiten von muslimischen Mehrheiten bedrängt werden.

Nein, MENSCHEN  suchen Zuflucht, nicht "religiöse Gruppen! Die meisten fliehen ja gerade vor religiösen Gruppen.
Und wenn man nicht weiß, wer bedrängt wird, ist es höchst unseriös „zu vermuten“, die armen Christen würden von den bösen Muslims attackiert. Außerdem widersprechen selbst die Polizeigewerkschaften der These, daß Gewalt in Flüchtlingsheimen religiös bedingt ist, sondern weisen darauf hin, solche Konflikte gäbe es immer, wenn man so viele fremde Menschen in so einer extremen Enge zusammensperrt und dabei zur Tatenlosigkeit verdammt.

In allen Religionen muss sich die Einsicht durchsetzen, dass der Glaube an Gott und die Achtung vor dem Mitmenschen zusammengehören. Nur unter dieser Voraussetzung lässt sich religiöse Pluralität gestalten. Religion zur Privatsache zu erklären und sich dadurch das Problem vom Hals zu schaffen, reicht dagegen als Antwort nicht aus. Religion ist persönlich, aber sie ist auch öffentlich.

Nein! Religion widerspricht gerade der Achtung aller Menschen, weil ihr ein „Wir sind besser als ihr!“ innewohnt. Bis heute erkennt der Vatikan nicht die UN-Menschenrechtserklärung an. Religionen sind Ursache von Konflikten. Die Achtung der Mitmenschen mußte über 200 Jahre gegen den erbitterten Widerstand der Religionen erkämpft werden!

Wer einen Islam will, der zu Deutschland gehört, kann nicht alle Haltungen hinnehmen, für die der Islam in Anspruch genommen wird. Er muss mit Muslimen über das Verständnis der Freiheit und die Voraussetzungen der Freiheit sprechen. Weder das Faustrecht noch eine rechtliche Subkultur, die sich an der Scharia orientiert, verträgt sich mit dem Ziel der Integration.

Aus diesem Grunde muß auch dringend Hubers Gott Jesus aus dem Alltag verdrängt werden, da er in der Bibel Judenhass, Sklaverei, Frauenunterdrückung und Gewalt gegen Kinder befürwortet.

Daß der HERR Religionszwang und Sippenhaft schon in den zehn Geboten fordert, Sklaverei befiehlt, Frauen als minderwertige Wesen erachtet, die in der Gemeinde zu schweigen hätten und Juden einfach nur hasst, erwähnen Bedford-Strunzdoof oder Marx nicht.
Ich zitiere nur das NEUE Testament und lasse den richtig blutrünstigen Scheiß der Alten Testaments mal weg:

Das sind die Juden, die unseren Herrn Jesus getötet und das Gleiche schon mit den Propheten gemacht haben und auch uns verfolgen. Sie missfallen Gott und sind mit allen Menschen verfeindet, weil sie uns hindern wollen, den anderen Völkern die rettende Botschaft zu verkündigen. So machen sie das Maß ihrer Sünden endgültig voll, und der Zorn Gottes wird unweigerlich über sie hereinbrechen.
(1, Thes 2,14-16)

Ihr Sklaven, gehorcht den Herren nach Fleisch mit Furcht und Zittern in Einfalt eures Herzens wie Christus, nicht in Augendienerei wie Menschen zu gefallen Suchende, sondern als Sklaven Christi, tuend den Willen Gottes von Herzen, mit Willigkeit dienend, als dem Herrn und nicht Menschen, wissend, daß jeder, wenn etwas er tut Gutes, dies empfangen wird vom Herrn, sei er Sklave, sei er Freier!
(Epheser 6, 5-8)

 Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen in den Gemeindeversammlungen schweigen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie zu Hause ihre Männer befragen. Schändlich ist es nämlich für [die] Frau, in [der] Gemeindeversammlung zu reden.
(1 Kor 14,33-35)

Muslime würden für solche Ansichten heftig angegriffen werden.
Bei Christen ist es aber breit akzeptiert.

So weit, so heuchlerisch.

Im Gegensatz zu Rassismus und Antisemitismus, wird Homophobie durchaus noch von vielen Kirchlichen praktiziert. Das geht bis weit ins Spektrum der demokratischen Parteien. Bis heute weigert sich die Mehrheit der CDU und CSU Schwulen und Lesben die vollen Rechte zuzusprechen. Wer im Bett nicht auf Linie ist, soll diskriminiert werden.

Zur Gestaltung religiöser Pluralität wird gefordert, den islamischen MoscheeGemeinden müsse die gleiche Rechtsstellung wie den Kirchen zuerkannt werden; dazu müsse sich das bestehende Staatskirchenrecht zu einem Religionsverfassungsrecht weiterentwickeln.

NEIN!  Das „Staatskirchenrecht“ gehört abgeschafft! Die Kirchenprivilegien, die dazu genutzt werden Millionen Angestellte zu drangsalieren müssen endlich gestrichen und nicht etwa noch auf weitere Religionen ausgedehnt werden.

Vielmehr muss man auch diejenigen in den Blick nehmen, die als Angehörige der "Generation Allah" bezeichnet werden, junge Leute, die fundamentalistische Glaubensüberzeugungen mit der Ablehnung Andersdenkender verbinden.

Nein, die demokratiefeindlichen Einstellungen kommen derzeit aus dem christlichen Umfeld von Pegida und AfD. Saus ihren Kreisen werden hunderte Gewalttaten gegen Minderheiten begangen.
Es gab noch überhaupt gar keine Salafistischen Anschläge in Deutschland.

Religionspolitische Auseinandersetzungen - über die Verwendung des Kopftuchs in staatlichen Funktionen, das Tragen der Burka im öffentlichen Raum, die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen - sollten vorrangig gesellschaftlich ausgetragen und nicht nur den Gerichten oder dem Gesetzgeber überlassen werden.

Nein, die körperliche Integrität von Kindern ist überhaupt kein Gegenstand gesellschaftlicher Austragung, sondern klar vom Grundgesetz und der UN-Kinderechtskonvention geregelt. Die Volksvertreter haben sich danach und NICHT etwa nach den Wünschen der Kinderpenis-feindlichen Bischöfe zu richten!

Samstag, 24. Oktober 2015

Franz outet sich – Teil XIII


Die christlichen Kirchen sind in Deutschland die zweitgrößten Arbeitgeber nach dem Staat.
Die ultrafromme Arbeitsministerin Andrea Nahles stört sich aber nicht daran, daß 1,5 Millionen Angestellte nicht dem normalen Arbeitsrecht unterliegen, nicht streiken dürfen, untertariflich bezahlt werden, gar nicht erst eingestellt werden dürfen, wenn sie Moslems oder Juden sind, daß sie gefeuert werden können, wenn sie sich scheiden lassen oder zur Homosexualität bekennen.
So weit, so absurd.

Das asoziale und menschenrechtsfeindliche kirchliche Arbeitsrecht gibt es wegen der extrem starken Kirchenlobby, die 100% der Bundesregierung unter Kontrolle hat. Es läge aber durchaus in der Macht der deutschen Parlamentarier die absurden Privilegien der Kirchen abzuschaffen; sie könnten dafür sorgen, daß auch Juden, Lesben und Geschiedene in den zu 100% vom Staat finanzierten kirchlichen Kindergärten arbeiten dürfen.
Der Bundestag könnte Einrichtungen unter kirchlicher Trägerschaft dazu zwingen Menschenrechte, Antidiskriminierungsregeln und das Arbeitsrecht einzuhalten.
Er will nur nicht.

Papst, Kardinäle und Bischöfe sind hingegen autark bezüglich ihrer inneren Angelegenheiten. Wie wollen sie innerhalb der Kirche mit Minderheiten umgehen?

Papst Franz ist ein reaktionärer Knochen, der immer wieder beweisen hat, im Zweifelsfall Minderheiten lieber weiter zu diskriminieren, zu heucheln, zu hetzen und zu lügen. Wenn ein Kurienmitglied wie Prälat Krzysztof Charamsa ausnahmsweise mal ehrlich ist und diskriminierende Methoden ändern will, fliegt er auch unter Bergoglio noch am selben Tag im hohen Bogen raus!

Daß Papst Franz in Wahrheit knochenkonservativer denkt, als er die Welt oberflächlich glauben lassen will, merken wir schon lange.

Papst Franz weiß wie man gute PR macht, wie man sich vor den Massen inszeniert.
In diesen Dingen ist er Ratzi mit seiner wenig heterosexuellen Stimme, der abstoßenden Physionomie und der demonstrativen Prachtentfaltung deutlich überlegen.
Ihn deswegen zum großen Erneuerer, oder gar Marxisten hochzustilisieren, ist aber vollkommen absurd.
Natürlich ist der Jesuit Franz ein konservativer Mann, der niemals einem minderen Weibsbild erlauben würde Priesterin zu sein und akzeptieren könnte, daß ein gleichgeschlechtliches Paar dieselben Rechte wie ein Gegengeschlechtliches erhalten dürfte.

Ich staune tatsächlich immer noch darüber wie viele Menschen es auch in einem aufgeklärten Land wie Deutschland gibt, die der römischen Kurie ernsthaft moralische Kompetenz zubilligen.
Als ob die Bande nicht über viele Jahrhunderte bewiesen hätte wie menschenverachtend sie denkt. Hexenverfolgung, Missionierung, Sklaverei, Inquisition, Kreuzzüge, Antisemitismus, Sklaverei, Folter, Raffgier – so präsentieren sich Gottes Stellvertreter auf Erden seit 2000 Jahren.
Noch im 21. Jahrhundert werden und wurden kleine Jungs gequält und sexuell missbraucht, während man die Täter schützt.

Wie kann es nur angehen, daß gebildete Menschen, die beispielsweise geschieden sind, ihr persönliches Glück davon abhängig machen, ob ein paar Dutzend völlig weltfremder misogyner Geronten im fernen Rom, die den ganzen Tag in bunten Kleidern und mit brennenden Handtäschchen umherschlurfen dazu bereit sind ihnen ein winziges Stück Esspapier zu überreichen?
Wie kann man nur so einer Selbst-Diminuierung unterliegen, daß man einer parasitären Lebensform wie der katholischen Geistlichkeit die Macht überlässt mit einer verweigerten Oblate Menschen ihre Würde abzusprechen?

Die Christlichen Kirchen sterben mit zunehmender Bildung der Menschen ohnehin aus – schon lange kann Papst Franz noch nicht einmal mehr genügend Priesternachwuchs generieren, nachdem die Hauptquelle – ungeoutete Schwule – ob der wachsenden Toleranz in Westeuropa nicht mehr zur Verfügung steht.

Nun ist also die so hochgejazzte „Familiensynode“ im Vatikan zu Ende gegangen und sämtliche Presseorgane blicken enttäuscht drein, weil erstaunlicherweise ausgerechnet die geriatrischen Fälle, die am allerwenigstens dazu qualifiziert sind über Familie zu reden, weil sie sich allesamt gegen Familien entschieden haben, keine Beziehungen führen, zölibatär leben und Frauen erst gar nicht mitreden lassen, weil diese weißhaarigen Transen aus dem Mittelalter keine Ahnung von modernen Familienbeziehungen haben.

[….] Institutionen sind wie die Menschen: Sie können schlecht heraus aus ihrer Haut. Einen Beleg dafür liefert in diesen Tagen ausgerechnet die katholische Kirche, die sich ja dem Wesen nach eben nicht als Menschenwerk, sondern als göttliche Stiftung verstanden wissen will. Dafür allerdings ging es auf der Bischofssynode in Rom zu Ehe, Familie und Sexualmoral sehr, sehr irdisch zu – mit bösen Worten und miesen Intrigen. Gipfel der Gemeinheiten war in dieser Woche das Gerücht, Papst Franziskus leide an einem Gehirntumor. [….]  Wie also sollen christliche Paare ihre Beziehung gestalten? Was sagt die Kirche zu verantworteter Sexualität - außer ihrer Beton-Formel "Sex ist Sünde, nur nicht in der Ehe".
[….] Und wann endlich überwindet die Kirche ihren theologisch und humanwissenschaftlich überholten Fundamentalismus in Sachen Homosexualität?
[….] Beim Thema Homosexualität ist von der Synode in Rom nichts zu erwarten. Gar nichts. Das steht schon vor der Verabschiedung des Schlussdokuments am heutigen Samstag fest. Die Reformverweigerer, vor allem aus Teilen Afrikas und Asiens, reagieren hier so allergisch und aggressiv, dass die Warnung vor einer Kirchenspaltung nicht bloß ein Drohszenario ist.
Aber auch die anderen "heißen Eisen" – wie den Umgang mit wieder verheirateten Geschiedenen – wird die Synode nicht geschmiedet bekommen. Die "Revolution", von der manche noch im vorigen Jahr sprachen, die Revolution fällt aus. [….]

Ich sage aber DANKE Papst Bergoglio, Danke, Kardinal Sarah, Danke Kardinal Schönborn, Danke Kardinal Müller, Danke Kardinal Pell, Danke Kardinal Burke und Danke Kardinal Gracias für den heutigen großen Dienst, den Ihr der Sache der Atheisten erweisen habt!
Ihr liefert uns zuverlässig die besten Argumente dafür, weshalb man dringend aus der Kirche austreten muß, sofern man das noch nicht längst getan hat.

In welcher Welt lebt nur ein Top-Religiot wie SZ-Kirchen-Chef Drobinski, daß er nun von Enttäuschung spricht? Was hatte er denn erwartet?

Rom kann sich nicht zu Reformen durchringen
[….]  Es ist eine herbe Niederlage für jene Bischöfe die sich für konkrete Reformen in der katholischen Kirche einsetzen - und auch für Papst Franziskus: Drei Wochen lang haben in Rom 270 Bischöfe auf ihrer Synode über Ehe und Familie diskutiert. Am Ende aber steht ein Abschlussdokument, das alle enttäuschen muss, die konkrete Änderungen gewünscht haben, zum Beispiel im Umgang mit Geschiedenen, die wieder geheiratet haben, mit Ehen ohne Trauschein oder mit homosexuellen Partnerschaften. Der Widerstand der konservativen Bischöfe in der Synode war zu groß.
[….]  Zu den wiederverheirateten Geschiedenen heißt es, das sakramentale Band der Ehe zu brechen, sei gegen den Willen Gottes, allerdings mache die "Komplexität der verschiedenen Situationen" Unterscheidungen notwendig. [….]  Ausdrücklich spricht der Text von einer "Berufung der Familie" - den Begriff Berufung verwendet die katholische Kirche sonst bei Priestern und Ordensleuten; theologisch wird die Ehe also aufgewertet. [….]

Freitag, 23. Oktober 2015

Nächstenliebe 2015



Der neueste Hype ist das Veröffentlichen von „Faktenchecks“ zur „Flüchtlingskrise“.
Man will menschliche Schicksale in Zahlen fassen, errechnen was das kostet, ob es „uns was bringt“.
Sehr praktisch für die Xenophoben der C-Parteien, denn so können sie sich hinter pseudo-objektiven Floskeln verstecken und sich als „Stimme der Vernunft“ inszenieren.
So müssen sie aber insbesondere nicht laut aussprechen, was ihre eigentlichen Beweggründe sind: Tumbes Deutschtum und Fremdenfeindlichkeit.


Dabei ist doch die Haupterrungenschaft unserer demokratischen Gesellschaft, daß wir die Menschen eben nicht nur als ökonomische Kenngrößen betrachten.
Rein ökonomisch betrachtet wäre es auch sinnvoll Rentner einzuschläfern und Behinderte zu ersäufen.
Aber wir haben es glücklicherweise gelernt, daß JEDER Mensch eine unantastbare Würde hat, daß man sie eben nicht wie zu den christlichen Zeiten der Leibeigenschaft nach Belieben quälen und fremdbestimmen darf.

Schon allein aus grundlegenden moralischen Erwägungen obliegt es uns also auch 95-Jährige oder geistig Behinderte aufzunehmen.
Menschen an sich „kosten“ und sind unter rein ökonomischen Aspekten negativ.

BTW; es ist unfair wie sich jetzt 99% der Comedians auf Sigmar Gabriels angeblich so pampige Antworten im Schausten-Interview stürzen.
In Wahrheit war diesmal ER völlig im Recht, weil sie ihn immer wieder reißerisch auf eine Flüchtlings-Obergrenze festnageln wollte. Der Vizekanzler wies das RICHTIGERWEISE von sich, belehrte die ZDF-Frau, daß man so eine Grenze nicht nennen könnte und regierte schließlich ungehalten, als diese tumb immer weiter bohrte.
Man kann rechtlich keine Obergrenze von beispielswiese einer Million Menschen pro Jahr setzen und dann dem Einemillionundeinsten sagen, er hätte leider Pech gehabt und ihn dann zum Geköpft-werden nach Syrien zurückschicken.


Frau Merkel hat es schon vor über einem Monat klar gesagt: Das Asylrecht ist ein Grundrecht in unserer Verfassung  - Artikel 16a - und somit kann es gar keine „Obergrenze“ geben. Was auch immer man von Frau Merkel halten mag, aber hier ist sie im Recht!

Grundrechte werden in Deutschland in der Bundesverfassung und in einigen Landesverfassungen gewährleistet. Im Grundgesetz sind die Grundrechte im gleichnamigen I. Abschnitt (Artikel 1 bis 19) verbürgt. Sie sind subjektive öffentliche Rechte mit Verfassungsrang, die alle Staatsgewalten binden.
(Wikipedia)

Es kommen aber weitere Argumente hinzu.

1.   hat Deutschland eine bekannte Geschichte als Haupt-Fluchtverursacher und Genozid-Staat.
2.   sind wir auch heute für viele Fluchtursachen direkt verantwortlich und
3.   sind die Flüchtlinge eben kein „Verlustgeschäft“, sondern ein Segen für Deutschland.

Natürlich ist es unter rein ökonomischen Aspekten unbedingt erforderlich den hier Ankommenden so schnell wie möglich Zugang zum Arbeitsmarkt zu gewähren und Sprachkurse anzubieten.

Hier versagt Merkels Regierung vollständig und umfassend.
Heute in Deutschland ankommende Flüchtlinge erhalten den frühsten Termin beim BAMF, um überhaupt einen ANTRAG auf Asyl stellen zu können, im Spätsommer 2016.
Danach dauert es weitere Monate bevor eine Arbeitserlaubnis erteilt werden kann.
Gebildete und motivierte Menschen sind also dazu verdammt anderthalb Jahre untätig rumzusitzen und der Innenminister empört sich auch noch, wenn diese es wagen ihre Asylunterkunft zu verlassen, womöglich sogar Taxi fahren.
Um ihnen die Integration zusätzlich maximal zu erschweren, hat unsere grandiose Koalition nun auch noch beschlossen Geldmittel „soweit wie möglich“ durch Sachmittel zu ersetzen. Das heißt in der Praxis, daß es TEURER für den Staat wird, weil dafür erst Bürokratie und Personal in Massen geschaffen werden muß. Es heißt aber auch, daß den Flüchtlingen die Möglichkeit genommen wird mit eigenem Geld einkaufen zu gehen und dabei auf Deutsche zu treffen, der hiesigen Kultur überhaupt zu begegnen.
CDU, CSU und SPD haben also ein großes und teures Integrationshemmnis beschlossen.

Ein auch nur halbwegs fähiger Innenminister würde nun endlich mal anfangen Integrationshemmnisse abzubauen und zumindest das tun, was seit 10 Jahren jeden Tag gefordert wird: Sprachkurse anbieten und akademische Abschlüsse anerkennen.
De Maizière begreift es aber einfach nicht, tut das diametral Falsche; läßt weiter abschrecken.

Doch die Flüchtlinge und Helfer scheitern oft noch an den Strukturen in Deutschland, deren Motto scheint: "Abschrecken statt einbinden". Denn in deutschen Gesetzen und Verordnungen wimmelt es noch von Paragraphen, die eine Integration schwer machen, sagt etwa Prof. Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. "Wir haben lange versucht, Asylbewerber und Flüchtlinge abzuschrecken. Menschen, die man in ihre Heimatländer zurückschicken will, versucht man gerade nicht in den Arbeitsmarkt zu integrieren, versucht man nicht auszubilden, versucht man nicht sprachlich zu fördern. Das ist alles Gift für die Integration."

Es ist wie ein schlechter Witz. Auch wenn der phlegmatische Sachse es lange zu verheimlichen suchte: Es kommen dieses Jahr 800.000 bis 1.000.000 Heimatvertriebene nach Deutschland.
Hunderttausende sind lange da und im ganzen Jahr 2015 schafft es de Maizière gerade mal Deutschkurse für 1.500 Menschen zu organisieren.

Was für eine erbärmlich schlechte Regierungsleistung!
Totalversagen auch beim so wichtigen Thema „Integrationskurse“

Berlin Es gibt zu wenige Integrationskurse
[…] Trotz aller Bekenntnisse zu einer entschlossenen Integrationspolitik reichen die Integrationsangebote des Bundes bisher nur für einen Bruchteil der Flüchtlinge: Der Großteil der dieses Jahr eingereisten Menschen wird frühestens im kommenden Jahr an entsprechenden Kursen mit Sprachunterricht und einer Orientierung in Recht, Kultur und Geschichte teilnehmen können. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die dem Abendblatt vorliegt.
Danach werden an den Integrationskursen, die die Bundesregierung als "Kernstück" des Integrationsangebots bezeichnet, in diesem Jahr nur insgesamt 190.000 Zuwanderer teilnehmen – lediglich 50.000 mehr als im vergangenen Jahr, obwohl sich die Zahl der Flüchtlinge voraussichtlich verfünffacht hat. Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann warf dem Bund Versagen vor: "Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Schaffung eines ausreichenden Angebots an Sprach- und Integrationskursen sind völlig unzureichend", sagte Zimmermann dem Abendblatt. "Doch ohne eine gute Sprachförderung ist es für viele Betroffene schwer bis unmöglich, in Arbeit zu kommen." Die große Koalition sei "an dieser Stelle der größte Integrationsverweigerer". Bisher waren Asylsuchende und Geduldete von den Kursen ausgeschlossen, nur anerkannte Asylbewerber und Flüchtlinge durften teilnehmen. […]

Tja, wenn die Deutschen nicht so doof wären den „ökonomischen Nutzen“ der Zuwanderung mit aller Macht zu blockieren, könnte dieses Land noch viel mehr von den neuen Bürgern profitieren.


Flüchtlinge zu integrieren und zu fördern ist zwar nach absoluten Zahlen „teuer“ – man spricht von bis zu 10 Milliarden Euro, die das dieses Jahr kosten kann.
Aber relativ gesehen ist das bei sprudelnden Steuereinnahmen doch recht wenig.
160 Milliarden Euro verprassen wir, weil Schäuble und Co sich hartnäckig weigern gegen Steuerflucht und Steuerschlupflöcher vorzugehen.
Wir sehen debil-glücklich zu, wie internationale Riesenkonzerne (Eon, Amazon, IKEA, Starbucks, etc) Milliardengewinne in Deutschland machen und keinen Cent Steuern zahlen, weil sie DANK UNSERER GESETZE legal in irgendeiner Steueroase hocken und sich arm rechnen.
Sogar die katholische Kirche, die schon von Grundsteuern befreit ist, geht bei ihren Beteiligungen so vor, daß diese in Holdings im Ausland gebündelt sind, so daß auf die gewaltigen Gewinne kein Cent Steuern in Deutschland gezahlt wird.
Das Bistum Köln (drei Milliarden Euro auf der hohen Kante) wickelt beispielsweise seine Immobiliendeals mit Hilfe von PricewaterhouseCoopers in den Niederlanden ab.


Wir sollten also sehr froh über den Segen der Zuwanderung sein und uns für den Brain-Drain schämen, den diese Migration in den Herkunftsländern bedeutet.
Deutschland hat im Moment großes Glück.
Da sind sich die Fachleute weitgehend einig.
Wir können es uns aber selbst kaputt machen, indem wir der AfD-Pegida-CSU-Pest nachgeben und weiterhin indolent zusehen, wie hunderte rechtsradikale Anschläge passieren.

Vielfalt zahlt sich aus
Steve Jobs war das zur Adoption freigegebene Kind eines Syrers. […]
Über viele Jahrzehnte hinweg waren die USA das Traumland zahlreicher Einwanderer und ein Vorbild für Offenheit und Willkommenskultur. So auch für das Mathematiker-Ehepaar Michael und Eugenia Brin, das 1978 die damalige Sowjetunion verließ. Obwohl sie nicht direkt in ihrer Existenz bedroht waren, so sahen sie doch aufgrund ihres Glaubens in den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umständen ihrer Heimat keine Perspektive für sich. Sie wollten einfach ein besseres Leben haben. Würden sie heute nach Deutschland kommen? Und würden wir sie aufnehmen? Die aktuelle Flüchtlingssituation wirft für viele Menschen bei uns die Frage auf: Wie offen, wie einladend, wie vielfältig, aber auch wie risikofreudig und tolerant wollen wir als Gesellschaft insgesamt sein? Und was haben wir am Ende von dieser neuen Vielfalt?
Sergey, der Sohn der Brins, war fünf Jahre alt, als er mit seinen Eltern in die USA kam. Heute steht der Mitbegründer und Technik-Chef von Google auf Platz elf der Forbes-Liste der reichsten Menschen. Sein Unternehmen beschäftigt mehr als 50 000 Mitarbeiter, 60 Prozent von ihnen in den USA, dem Gastland der einstigen Einwandererfamilie. Google steht auf Rang drei der wertvollsten Unternehmen in den USA. Rang eins belegt Apple. Gegründet von Steve Jobs, dem zur Adoption freigegebenen Kind eines Einwanderers aus Syrien. Offenheit hat sich ausgezahlt.
Dass Vielfalt gewinnbringend ist, lässt sich auf der Ebene eines einzelnen Unternehmens mittlerweile mit harten Fakten belegen. Das beginnt schon bei der Personalbeschaffung: Wer unabhängig von Herkunft, Geschlecht und anderen Ausgrenzungskriterien rekrutiert, der weitet seinen Talent-Pool aus, verkürzt die Zeit für Stellenbesetzungen deutlich und verdient schneller Geld. Für vielfältig zusammengestellte Teams im Unternehmen lässt sich nachweisen, dass diese mit 45 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit in der Lage sind, Marktanteile gegenüber den Wettbewerbern auszubauen. Spezielle Untersuchungen bei mittelständischen Unternehmen haben gezeigt, dass diejenigen mit höherer ethnischer Vielfalt im Vergleich zu anderen mehr Kunden und Aufträge gewinnen können.
Die Gründe liegen auf der Hand: Eine breitere Aufstellung schafft ein umfassenderes Verständnis unterschiedlicher Zielgruppen und bietet mehr Ansatzpunkte zum Aufbau einer Kundenbeziehung. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Erschließung neuer Märkte. Hier ist ein vielfältig zusammengestelltes Team mit einer siebzigprozentigen Wahrscheinlichkeit erfolgreicher als ein eher homogenes Team. Und Teams, die ein besonders hohes Maß an Vielfalt aufweisen, erzielen Performance-Werte, die - je nach Studie - zwischen 35 und 80 Prozent über herkömmlichen Teams liegen.
[…] Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ist der Nutzen der Zuwanderung für die Gesellschaft längst bewiesen. So füllen schon heute mehrheitlich Menschen mit Migrationshintergrund einen größeren Teil der wachsenden Fachkräftelücke, beispielsweise im Gesundheitswesen. […]

Flüchtlinge nutzen mehr, als sie kosten.
Ökonomisch war selten etwas so sinnvoll wie Angela Merkels “Wir schaffen das” von Anfang September, während ihr peinlicher Bittgang zum türkischen Autokraten aus ökonomischer Sicht unnötig und sogar kontraproduktiv war. Unser alterndes Land braucht auf Jahrzehnte hinaus Zuwanderer, wenn es seinen Lebensstandard halten will, wenn nicht immer weniger Erwerbstätige eine immer größere Zahl von Alten versorgen sollen.
Ich halte die Flüchtlinge für ein unerwartetes und höchst willkommenes Geschenk. Ein paar arme Länder treten einen Teil ihres “Humankapitals” an eines der reichsten Länder ab, ohne etwas für die “Investitionskosten” zu verlangen, also die Kosten für die Erziehung und Ausbildung der meist jungen Menschen, die zu uns kommen. Wir sollten uns für dieses Geschenk erkenntlich zeigen, auch finanziell, wenn es die Umstände eines Tages zulassen.
Um es etwas abstrakt mit den Begriffen der Volkswirte auszudrücken: Der Gegenwartswert der künftigen Wertschöpfung (des Einkommens) eines Flüchtlings dürfte bei mindestens 750.000 Euro liegen, die Kosten der Integration und der Vorbereitung auf das Berufsleben in Deutschland aber höchstens bei 50.000 Euro. Wir zahlen 50.000 Euro für etwas, das einen Wert von 750.000 Euro hat.
[…] Im Frühjahr hatte die Bertelsmann-Stiftung eine Studie veröffentlicht, in der gezeigt wurde, dass es ohne eine beträchtliche Netto-Zuwanderung von außerhalb der Europäischen Union nicht möglich sein wird, die Anzahl der Erwerbspersonen bei rund 45 Millionen zu stabilisieren. Ganz ohne Zuwanderung wäre bis 2050 mit einem Rückgang auf 29 Millionen zu rechnen. Diese Gruppe müsste dann immer mehr Menschen unterhalten, die nicht arbeiten, Kinder, Jugendliche in der Ausbildung, Hausfrauen und Hausmänner, Arbeitslose, Arbeitsunfähige und Rentner. Das wird nicht leicht fallen. Es ist im allgemeinen Interesse, dass es nicht zu einem solchen Ungleichgewicht kommt.
[…] Ich halte es für die Pflicht der Politiker, den Menschen klarzumachen, dass wir mit dem Flüchtlingsansturm keineswegs finanziell überfordert sind, dass wir es hier vielmehr mit einer einmaligen Chance zu tun haben, die wir uns nicht durch Kleinmut entgehen lassen sollten.

Das heutige Schlusswort gebe ich den Experten für Nächstenliebe.
Einem Pfarrer, der sich den Lehren der Bibel verpflichtet fühlt.

Freikirchenprediger nennt Flüchtlinge "räuberische Horden"
[…] Mit polarisierenden Äußerungen zu Flüchtlingen hat der Pastor einer Evangelischen Freikirche in Riedlingen (Kreis Biberach) heftige Kritik auf sich gezogen. Der Mann hatte unter anderem von einer "illegalen, zum Teil sogar gewaltsamen Invasion" gesprochen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wolle das deutsche Volk in "bürgerkriegsähnliche Zustände" steuern.
"Jesus hat definitiv nicht davon gesprochen, dass wir unser Land von einfallenden räuberischen Horden ausplündern lassen müssen", sagte der Pastor in einer Predigt, die als Tondatei auf der Webseite der Freikirche veröffentlicht wurde. […]