Samstag, 16. Mai 2015

Europas Moral



Aus der Perspektive eines Unfallkrankenhauses sind Krankenwagen (RTW) ganz großer Mist. Ständig bringen sie hilflose, nervige und teure Menschen rein, um die man sich kümmern muß. RTWs sind die Schlepperbanden der StVO.
Im Jahr 2014 gab es allein schon bei Verkehrsunfällen 389.000 Verletzte.
Sie überfluten die Krankenhäuser, nur weil sie nicht zu Hause bleiben konnten und sich in den potentiell sehr gefährlichen Straßenverkehr wagten.
Ein modernes deutsches Krankenhaus würde auch lieber seine extrem teuren Ressourcen für sich behalten und nicht all die kostbaren Instrumente, Medikamente, Blutplasmabeutel an all die Doofen verschwenden, die bloß kosten und besser zu Hause geblieben wären.
Ökonomisch steht die Zahl der Hunderttausenden Verletzten im krassen Missverhältnis zu den bloß 3368  Verkehrstoten (2014, laut Destatis).
Tote sind viel kostengünstiger.
Gut, die Beerdigung muß man berappen, aber da jeder Mensch ohnehin stirbt, ist ein Verkehrstoter volkswirtschaftlich kaum eine Mehrbelastung.
Das deutsche Gesundheitswesen hätte es doch viel einfacher, wenn es 368.000 Verkehrstoten und nur 3368 Straßenverkehrsverletzte gäbe, statt umgekehrt.
Es wäre also wünschenswert, wenn die Minister Gröhe, de Maizière und Schäuble RTWs verbieten würden.
Natürlich wäre damit zu rechnen, daß so ein Verbot nicht immer eingehalten wird.
Menschen tun auch Dinge, obwohl sie illegal sind. Insbesondere wenn es um ihr eigenes klägliches und ohnehin endliches Leben geht, stellen sie sich ganz furchtbar an.
Sie unternehmen alles, um zu überleben – auch wenn es nicht erlaubt ist.
Minister, die dem Idealbild der „schwäbischen Hausfrau“ verpflichtet sind, hätten also vermutlich mit schwarzen Schafen zu tun, die trotz der Mehrkosten für den Steuerzahler Straßenverletzte auch ohne legalen RTW in Krankenhäuser brächten, statt sie einfach am Unfallort krepieren zu lassen.
Das dürfte sich der Rechtsstaat aber nicht bieten lassen.
Illegales darf nicht toleriert werden. Es müßte engmaschige Polizeikontrollen rund um die Krankenhäuser geben, die jeden Smart und jeden Twingo aufmachen, um zu überprüfen, ob nicht ein blutender Schwerverbrecher drin liegt. Allerdings wäre das auch wieder suboptimal, da es womöglich zu schlechter PR kommen könnte, wenn Polizisten Verletzte nicht in Krankenhäuser durchließen und diese notgedrungen vor den Augen der Ordnungshüter die Löffel abgäben.
Da kann es eigentlich nur eine saubere Lösung geben. Statt nur eng vor den Krankenhäusern zu kontrollieren, sollten von der Leyens Jungs ausschwärmen und alle Verletzten-Schleuser, also jedes Auto sprengen, das in der Lage wäre einen Verletzten zu transportieren. So sähe christliche Politik aus. Verletzte kämen gar nicht erst auf dumme Ideen; sie würden gleich an Ort und Stelle sterben. Und die Krankenhäuser bräuchten nicht mehr gewaltige Risiken kalkulieren und könnten ihre schönen Vorräte für sich selbst behalten.

Was hier vielleicht ein bißchen radikal klingt, wird im Mittelmeer praktiziert, indem die EU „Schlepperboote“ zerstören läßt.
Die Analogie hinkt natürlich ein bißchen: Deutsche Krankenhäuser arbeiten immerhin NICHT aktiv daran mehr Verkehrsverletzte zu generieren.
Die EU-Politik hingegen ist im hohen Maße mitverantwortlich dafür, daß Länder wie Libyen unbewohnbar geworden sind. Sie generiert Fluchtursachen und zerstört dann die Flüchtlingsboote.
Merkels Verfassungsminister Thomas de Maizière hatte sich genau mit dem Argument gegen Rettungseinsätze im Mittelmeer eingesetzt: Würden zu viele Notleidende auf dem Weg nach Europa überleben, wäre das erst recht ein Anreiz für Schlepper aktiv zu werden.
Der Mann ist übrigens tiefgläubiger und überzeugter Christ, der von seiner christlichen Kanzlerin, die erst diese Woche wieder die „Bibel eine wichtige Quelle der Inspiration“ nannte ausdrücklich gelobt und unterstützt wird.

"Die Abschottungspolitik der Festung Europa zwingt Flüchtlinge dazu, den lebensgefährlichen Seeweg über das Mittelmeer zu nehmen. Um das Massensterben im Mittelmeer zu stoppen, müssen endlich legale und sichere Wege für Asylsuchende in die EU geöffnet werden. Dazu gehört auch die Aufhebung der Visumspflicht für Schutzsuchende und die Abschaffung der Dublin-III-Verordnung, damit Schutzsuchende sich das Land ihres Asylverfahrens selbst auswählen können", fordert die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke. Die Abgeordnete weiter:
"Das von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller geforderte Milliardenprogramm der EU zur Stabilisierung in den Fluchtländern wird nur dann wirkungsvoll sein, wenn es nicht der Aufrüstung des dortigen Grenzschutzes dient, sondern der wirtschaftlichen Entwicklung.
Geradezu zynisch erscheint in diesem Zusammenhang Müllers Forderung nach einer diplomatischen Offensive der EU zur Befriedung Libyens und dem Aufbau staatlicher Strukturen – schließlich haben EU-Staaten zuvor mitgeholfen, den libyschen Staat zu zerbomben und zum Tummelplatz von Al Qaida zu machen. Zu einer grundlegenden Wende der europäischen Flüchtlingspolitik muss die Bekämpfung von Fluchtursachen gehören – nicht die Schaffung neuer Fluchtgründe."

Statt diese unfassbar perverse und amoralische Politik zu verdammen, kaprizieren sich weite Teile von Presse und Politik auf das Verdammen von Schlepperbanden – also ob sie die Ursache und nicht Symptom eines Problems wären.

Schlepper/Schleuser bieten vielen Menschen überhaupt erst eine Chance zum Überleben, die sie allein nicht hätten.
Erhellend dazu war – wieder einmal – ein PANORAMA-Bericht aus dem Februar 2015. Die Realität ist oft ziemlich anders, als das was uns de Maizière und Frontex weismachen wollen

Was ist es schön, wenn sich ausnahmsweise mal alle einig sind. Zum Beispiel beim Thema Schlepper. Widerlich. Menschenverachtend. Wie sie aus der Not der Flüchtlinge auch noch Kapital schlagen. Da regen sich alle mal so richtig schön auf. Man hat also Schuldige gefunden, die für das Elend im Mittelmeer verantwortlich sind. Ist ja auch viel bequemer auf andere zu zeigen, um von der eigenen Verantwortung abzulenken.
Warum fliehen denn Menschen übers Meer? Ertrinken und erfrieren? Weil sie nicht mehr in ihren Folterregimen leben wollen und weil wir in Europa ja alle Grenzen dicht gemacht haben. Aber wer will das schon hören?
Dann lieber Entsetzen über die schlimmen Schleuser.

30 Cent pro EU-Bürger würde es kosten die Hilfe so aufzustocken, daß niemand mehr im Mittelmeer krepieren muß.

Offensichtlich verschließen die EU-Innenminister und Regierungschefs alle Augen, inkl. Hühneraugen, vor den Verhältnissen beispielsweise in Libyen.
Das Land ist die IS- und Al Kaida-Hochburg Nordafrikas geworden, seit England und Frankreich die staatlichen Strukturen weggebombt haben.
Es herrscht brutalster Bürgerkrieg  dank des Engagements der EU, die sich nach dem Desaster, das sie anrichtete, schnell vom Acker machte und die Grenzen schloss, als Einheimische auch versuchten zu entkommen.

„Damit wird das Leben Tausender von Flüchtlingen aufs Spiel gesetzt“, kritisiert die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke, die Absicht der EU, ein Mandat des UN-Sicherheitsrates zu einem militärischen Vorgehen gegen Schleuserboote zu erhalten. Jelpke weiter:
„Wer die Abschottungspolitik der EU sogar mit Kriegsschiffen sicherstellen will, betreibt das Gegenteil einer humanen Flüchtlingspolitik. Es ist ein Armutszeugnis für die Europäische Union, wenn sie auf marode Flüchtlingsboote mit Kanonenbooten reagiert.
Niemand hat der EU den Krieg erklärt – schon deswegen ist es völlig illegitim, zu militärischen Mitteln zu greifen. Die Flüchtlinge brauchen Hilfe. Wenn die EU stattdessen die Boote zerstört, mit denen sie nach Europa gelangen wollen, wird ihr Elend in Afrika nur noch weiter andauern. Letztlich werden sie versuchen, auf noch riskanteren Wegen mit noch unsichereren Booten zu fliehen.
Deswegen warne ich: Der vermeintliche Krieg gegen die Schleuser wird zu einem Krieg gegen Flüchtlinge. Er wird, wie jeder Krieg, das Leben von Unschuldigen kosten. Ich fordere die Bundesregierung auf, sich innerhalb der EU klar gegen diese Militarisierung der Flüchtlingsabwehr zu stellen. Der Krieg, der hier geplant wird, ist ein deutlicher Verstoß gegen den Gedanken der Mitmenschlichkeit und Solidarität, wie er auch im Grundgesetz verankert ist. Es gilt, nicht zu schießen, sondern zu helfen. Das bedeutet, Flüchtlingen legale Einreisemöglichkeiten nach und faire Asylverfahren in Europa zu gewähren. Dann werden auch die Schleuser überflüssig.“

Daß die moralisch völlig verkommenen antihumanen Parteien CDU, FDP und CSU den Kampf gegen Schleuser forcieren, wundert mich nicht.
Glücklicherweise sprechen sich Linke und Grüne klar dagegen aus.

Aber was ist eigentlich mit meiner Partei; der SPD?
Seit sie wieder in der Regierung sind, haben fromme Christen wie Nahles, Thierse oder Gabriel offensichtlich ihr Gewissen ins Klo fallen lassen.
Nächstenliebe und Gastfreundschaft scheint vergessen.

[….] Die Pläne der EU, mit Militäroperationen gegen Schleuser auf dem Mittelmeer vorzugehen, werden von Linken und Grünen scharf kritisiert - während in der SPD für ein »robustes Mandat« plädiert wird. Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin nannte dies einen »wahnwitzigen Plan« und warnte die Bundesregierung davor, bei einer Abschottungspolitik mitzumachen, »die nichts mehr mit europäischen Werten zu tun hat«. Die Außenpolitik Deutschlands hat nach den Worten von Trittin »ihren Kompass verloren«.
[….]  Der Grüne warnte auch davor, mit einem UN-Mandat auch in Libyen zu intervenieren, um den Tod tausender Flüchtling auf dem Mittelmeer zu verhindern. »Schiffe versenken statt Menschen retten. Damit wird Libyen weiter zerfallen - auf Kosten der Menschenrechte«, sagte Trittin der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. Offensichtlich habe die Weltgemeinschaft nichts aus dem Desaster der Libyen-Intervention von 2011 gelernt, die ganz Nordafrika destabilisiert habe.
[….] Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow äußerte sich ähnlich. Der »Rheinischen Post« sagte der Linkenpolitiker, er halte »einen Militäreinsatz gegen Flüchtlingsboote für unvereinbar mit den Wertegrundlagen der Europäischen Union«. [….]

Freitag, 15. Mai 2015

Inselverarmung



Jim Jefferies fasste den Inhalt der zehn Gebote auf den Kernsatz “Try not to be a cunt” zusammen.
Was müßten Christen doch für schlechte Menschen sein, wenn sie erst durch das Pochen auf Gottes Gebote zu der Einsicht kämen nicht zu morden.


Es ist schon viel Hirnverknotung notwendig, um anzunehmen, daß ein LIEBER Gott alle Menschen gemacht hat, daß aber diejenigen, die das nicht wissen gar nicht lieb sind und daher auch nichts Gutes tun.
Diejenigen, die es wissen, sind hingegen deswegen lieb, weil sie das per order di mufti UND aus rein egoistischen Motiven sein müssen, um später nämlich nicht in der Hölle zu schmoren.

In diesem christlichen Gedankengang ist so viel falsch und widersprüchlich, daß man einmal mehr versteht, wieso Christen generell einen niedrigeren IQ haben.

Christliche Nächstenliebe existiert also niemals aus altruistischen Motiven, sondern wegen Gottes Anweisungen so sein zu müssen.
Christlichen Altruismus kann es nicht geben, denn der Kern des christlichen Heilsversprechens liegt ja gerade darin, daß jede gute Tat vergolten wird, von Gott gewissermaßen auf das „Haben-Konto“ geschrieben wird und dereinst mit dem Himmelreich belohnt zu werden.
Christlicher Altruismus ist ein Oxymoron, weil es per Definition paradox ist altruistisch zu sein, um eine Belohnung verdienen zu wollen.

Christentum ist also offensichtlich schwachsinnig.
Man muß deutliche geistige Defizite haben, um in christlichen Gruppen der sozialen Netze solche Bilder zu posten und zu bejubeln, während täglich Hunderte oder Tausende Flüchtlinge elendig auf dem Mittelmeer ersaufen, weil die EU mit ihren christlichen Regierungschefs sie mit militärischen Mitteln abdrängt und nun sogar als Allheilmittel die Zerstörung der Fluchtboote plant.


Ich weiß gar nicht, ob Gott auch für Asien zuständig ist.
Falls ja, besteht da auch noch großer Bedarf an wohlfeilen Sprüchen von christlichen Facebookgruppen.

Die Schlepper haben sich davongemacht, nun treiben viele Boote vor den Küsten Thailands und Malaysias. Manche Flüchtlinge werden von Fischern gerettet, andere aufs Meer zurückgeschickt. Überlebende berichten von brutalen Übergriffen.
Was der Mann am Telefon schildert, klingt verzweifelt. Er sitzt mit vielen anderen Flüchtlingen in einem Boot auf der Straße von Malakka. In der Ferne können sie Inseln sehen, nachts die Lichter am Ufer. Doch der Diesel für den Bootsmotor ist alle, das rettende Land unerreichbar. Sie sind Strömung und Wetter praktisch ausgeliefert.
[….] Ungezählte Boote sind unterwegs, die Lage eskaliert zusehends. "Die Menschen waren sehr schwach. Im Hintergrund hörte ich die Kinder weinen", sagte Lewa der Nachrichtenagentur Irin. Die Schlepper, die den Passagieren versprochen hatten, sie nach Thailand zu bringen, seien bereits am Sonntag von Bord gegangen. Sie hätten 350 Menschen, darunter 84 Kinder und 50 Frauen, auf offener See ihrem Schicksal überlassen.
[….] Bis zu 5500 Flüchtlinge aus Burma und Bangladesch werden auf den Booten vermutet. Ihr Schicksal ist ungewiss: Zwar retteten indonesische Fischer am Freitag rund 800 Menschen, nachdem ihr Boot unweit von Aceh zu sinken begann. Zeitgleich wies Indonesien jedoch andere Boote mit Hunderten Flüchtlingen ab. Wie auch Malaysia und Thailand geht Indonesien neuerdings härter gegen Migranten vor und schleppt manche Boote zurück auf das offene Meer.[….]

Es ist naheliegend anzunehmen, daß Menschen, die angesichts dieser Zustände frohlockend von der Botschaft Jesu sprechen geistig und geistlich retardiert sein müssen.

Faszinierenderweise können aber auch Menschen, die offensichtlich nicht auf den Kopf gefallen sind, so etwas glauben.
Hamm-Brücher, Hans-Jochen Vogel sind weitere Beispiele.

Es gibt eindeutig Korrelationen zwischen Bildung und IQ einerseits und Spiritualität und Religiotie andererseits.
Unzählige Umfragen zeigen, daß die Religiosität mit höherer Bildung abnimmt.
Typischerweise sind die amerikanischen Eliteunis Hochburgen des Atheismus, während die Highschool-Dropouts im Biblebelt, die auch glauben in Brasilien spreche man brasilianisch und der Kanzler von Deutschland hieße Hitler, jedes Wort der Bibel ernst nehmen.

Unter Intellektuellen gibt es die höchste Atheistenquote.
Aber genauso wie einige Atheisten dennoch Idioten sein können, gibt es auch Hochgebildete, die trotzdem sehr überzeugte Christen/Juden/Moslems sind.

Warum bloß?

Die einzige Erklärung, die ich bisher für dieses scheinbare paradox habe ist die gewissermaßen neurologische Argumentation Michael Schmidt-Salomons. Stichwort „Inselverarmung“

Solange nämlich Religioten das Sagen auf unserem Planeten haben - und das haben sie leider, Mensch sei’s geklagt, in vielen Teilen der Welt -, sind alle Versuche, das Zusammenleben der Menschen vernünftiger, freier, gerechter zu gestalten, notwendigerweise zum Scheitern verurteilt. (Denken Sie nur an die muslimischen Extremisten in Somalia, die 2011 dringend benötigte internationale Hilfe für die hungernde Bevölkerung nicht zuließen.) Versuchen wir also angesichts der Bedeutung dieses Phänomens eine kurze Definition des religiotischen Syndroms:
Religiotie ist eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Sie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht.
 Bemerkenswert ist, dass sich Religiotie nicht notwendigerweise in einem generell reduzierten IQ niederschlägt: Religioten sind zwar weltanschaulich zu stark behindert, um die offensichtlichen Absurditäten ihres Glaubens zu erkennen, auf technischem oder strategischem Gebiet können sie jedoch (siehe Osama bin Laden) hochintelligent sein. Wie es „Inselbegabungen“ gibt (geistig behinderte oder autistische Menschen mit überwältigenden mathematischen oder künstlerischen Fähigkeiten), so gibt es offensichtlich auch „Inselverarmungen“ (normal oder gar hochintelligente Menschen, die in weltanschaulicher Hinsicht völlig debil sind).
Religiotie sollte daher als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff, den der Entwicklungspsychologe Franz Buggle schon vor Jahren vorgeschlagen hat, um die spezifischen Denkhemmungen religiöser Fundamentalisten zu erfassen.

Es widerstrebt mir und erschüttert mich regelrecht einen Mann, den ich wie Vogel fast adoriere als partiell debil zu bezeichnen.

Aber wie soll man es besser ausdrücken?

Daß er überzeugter Katholik ist und demnach an all die sadistisch-paradoxen Sätze der Bibel, die grundgesetzwidrigen Regeln, die antihumanistischen Traditionen und die kriminelle Mutter Kirche glaubt, IST debil.

In der letzten Wochenend-Ausgabe der SZ wurde Babynahrungsproduzent Claus Hipp eine ganze Seite lang von Martin Wittmann über seinen Glauben interviewt.
Der 77-Jährige ist geschäftlich extrem erfolgreich, hat Kunst und Jura studiert, engagiert sich sozial und kulturell sehr stark.
Er ist vermutlich das, was unsere Gesellschaft unter einem „guten Christen“ versteht.
Jeden Morgen öffnet er die Wallfahrtskirche Herrenrast, zündet die Kerzen an, betet. Sonntags ministriert er im Münchner Dom am Marienplatz; der Frauenkirche – eine hohe Ehre.
Sich sozial zu engagieren leitet er aus seinem Glauben her.
Offensichtlich erwartet er also, daß Gott ihn beobachtet und an seiner himmlischen Registrierkasse sitzend viele Pluspunkte hinter den Namen Hipp, Claus eingibt.
Nun können die bizarren Motive der glaubenden Wohltäter den Bedürftigen theoretisch egal sein.
Man mag auch von evangelikalen Kirchen in Amerika schaudernd davonlaufen, aber dennoch sind sie gelegentlich wohltätig, helfen Armen und Alten und Kranken.
Hipp aber kommt beim Lobpreisen seines eigenen Glaubens (und damit natürlich sich selbst) nicht umhin den bösen Atheisten eins mitzugeben.
Und spätestens da wird er sehr unsympathisch.
Oder aber, um es mit MSS auszudrücken: DEBIL

Ist Wirtschaftsethik für einen gläubigen Christen überhaupt von Religion zu trennen?

Sehen Sie, in schwierigen Zeiten kann der Gläubige all das unternehmen, was auch ein Atheist unternehmen kann. Doch in Situationen, in denen man machtlos ist, kann er zusätzlich noch beten und hoffen. Das bringt ihn rein wirtschaftlich gesehen in die stärkere Position. Dazu kommt, dass sich der Atheist keiner höheren Macht verpflichtet fühlen muss.

Er kann sich auch ohne Gottbezug einer höheren Sache verantwortlich fühlen.

Vielleicht der Allgemeinheit. Aber ein Gläubiger, der sich Gott verantwortlich fühlt, lebt in einer anderen Dimension. Das kann man nicht leugnen. Natürlich ist das ein Unterschied.

Wer nach Kants kategorischem Imperativ handelt, lebt nicht unmoralischer als ein religiöser Mensch.

Die moralische Verpflichtung des Atheisten kann aber niemals höher sein als die des Gläubigen.

Haben Sie denn lieber Christen im Betrieb als Atheisten?

Nein. Wir haben Atheisten, wir haben auch Moslems, alle möglichen Religionen. Es mag manchmal leichter sein, wenn die Mannschaft sich ideologisch versteht. Aber wenn ich jemanden einstelle, dann muss das Fachliche stimmen, und der Angestellte muss mit Menschen umgehen können. Ein Moslem kann gefühlvoller sein als jemand, der mir vom Glauben her nähersteht. Das Gefüge muss stimmen. Bei uns kommt sicher auch Mobbing und manch anderes Unschönes vor. Aber das versuche ich zu unterbinden.

Sehen Sie sich als Missionar?

Nein, ich lasse jedem seine Freiheit. Aber es ist mir unverständlich, wenn Menschen sagen: Ich kann nicht glauben. Natürlich kann man, man muss nur wollen. Glauben ist ein Akt des Willens: Ich möchte etwas für wahr halten, was ich nicht weiß; von etwas überzeugt sein, was ich nicht sehe.
(Claus Hipp in der SZ vom 08.05.2015, befragt von Martin Wittmann)

Donnerstag, 14. Mai 2015

Christi Himmelfahrt.



Die größten Feiertage mit der eindeutig gewaltigsten ökonomischen Bedeutung sind in Europa und Amerika natürlich die Weihnachtstage. Man feiert die Geburt Jesu, der allerdings wohl eher im März geboren wurde und bedient sich dabei heidnischer Traditionen – zB Bäume schmücken.

Christlich wesentlich bedeutender ist aber Ostern, das hierzulange ebenfalls rein heidnisch begangen wird: Osterfeuer, Eier-Schmuck, Lammbraten.
Für Franzl, Kässi und die anderen Religioten bildet Ostern hingegen den Kern der christlichen Botschaft: Überwindung des Todes. Papa Gott massakriert Junior-Gott (Karfreitag), erweckt ihn wieder zum Leben (Ostersonntag) und schickt ihn schließlich doch in den Himmel (Himmelfahrt).
Um die Sinnhaftigkeit des Plans zu verstehen, empfiehlt sich eine Lobotomie.
Gott ist sauer auf seine eigene Schöpfung, hat also offenbar selbst versagt, läßt das aber jemand anders ausbaden, der aber gleichzeitig er selbst ist.
Diese Todesstrafe war so ein enormes Opfer, daß sieben Milliarden Menschen noch 2000 Jahre später dankbar und ehrfürchtig sein müssen, obwohl Gott natürlich unsterblich ist und insofern eine Hinrichtung auch keine so große Sache ist, wenn man kurz danach ohnehin wieder zum Leben erweckt wird, um dann noch mal 39 Tage in Ruhe zu chillen, bis man sich endgültig ins Paradies absetzt, um nie wieder zu kommen, aber nach weiteren neun Tagen doch irgendwie wieder Bock auf Mutter Erde hat und daher sich selbst – diesmal als Heiligen Geist – wieder zu den Menschen schickt (Pfingsten – „Ausgießung“ des HeiGei).

Die Himmelfahrt hat man sich übrigens wörtlich vorzustellen. Jesus nahm keinen Fahrstuhl oder Heißluftballon; nein, er sauste wie Supermann aus eigener Kraft nach oben. Interpretationsspielraum gibt es nicht; das MUSS man glauben.

Dass Christus mit Leib und Seele in den Himmel auffuhr und nun zur Rechten des Vaters sitzt, ist ein Dogma, das alle Glaubensbekenntnisse bezeugen.
Christus ist aus eigener Kraft in den Himmel aufgefahren, und zwar als Gott in der göttlichen Kraft und als Mensch in der Kraft der verklärten Seele, die den verklärten Leib bewegt, wie sie will. Im Hinblick auf die menschliche Natur Christi kann man mit der Heiligen Schrift auch sagen, dass er (von Gott) in den Himmel aufgenommen oder erhoben wurde (Mk 16,19 EU; Lk 24,51 EU; Apg 19,11 EU). Vgl. Summa theologiae III 57, 3; Catechismus Romanus I 7, 2; KKK 659-667.
(Kathpedia)


Es lag wohl in der Familie. Auch Jesus‘ Mutter hob eines Tages einfach ab und schoss hinauf ins Paradies.
Auch hier gibt es nichts zu deuten und zu interpretieren. Es ist ein Dogma und MUSS daher so geglaubt werden.

Am 1. November 1950 formulierte Papst Pius XII. in der Apostolischen Konstitution "Munificentissimus Deus" das Dogma der leiblichen Aufnahme in den Himmel und bestätigte damit das, was bereits seit langer Zeit gefeiert wurde:

"In der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und auch kraft Unserer eigenen verkündigen, erklären und definieren Wir: Es ist ein von Gott geoffenbartes Dogma, dass die immerwährende Jungfrau Maria, die makellose Gottesgebärerin, als sie den Lauf des irdischen Lebens vollendete, mit Leib und Seele zur himmlischen Glorie aufgenommen wurde."

Vor der Verkündung des Dogmas über die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel beriet sich Papst Pius XII. mit allen Bischöfen der Welt. Das Ergebnis war ein Plebiszit für das marianische Dogma. Nur 22 von 1181 Oberhirten sprachen sich dagegen aus.
(Kathpedia)

Aber wie das so ist mit dem Zwangsglauben; immer mehr der doofen Christenschafe fangen das unerlaubte Denken an und beginnen zu zweifeln.
Unverschämtheit.
Das sind eben die bösen Folgen von Schule und Alphabetisierung.

[….]  Jeder zweite Deutsche (48 Prozent) verbindet mit dem kirchlichen Feiertag „Christi Himmelfahrt“ den Vatertag. Für 39 Prozent geht es an diesem Tag um die Auffahrt Jesu in den Himmel. Jeder 20. Deutsche (5 Prozent) hält Himmelfahrt für eine Luftfahrtschau. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa-Consulere (Erfurt) im Auftrag der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). [….]  
Das Institut ermittelte auch die Haltung von Parteianhängern zu dem Feiertag. Vor allem für Wähler der „Alternative für Deutschland“ (AfD/52 Prozent) und der CDU/CSU (50 Prozent) bedeutet das Fest die Auffahrt Jesu in den Himmel. Niedriger sind die Werte bei Sympathisanten der FDP (45 Prozent), der SPD (43 Prozent), von Bündnis 90/Die Grünen (36 Prozent) und der Partei „Die Linke“ (32 Prozent). [….]

Als man sich vor 500 Jahren noch nach der Kirche richtete, weil die Kirchenfürsten auch ganz direkt die staatliche Gewalt ausübten, war das alles irgendwie besser: Leibeigenschaft, Sklaverei, Frauenentrechtung, Ius Prima Noctis, keine Bücher, nur Analphabetismus und was der Pfarrer befahl wurde auch getan.


Und jetzt muß man solche Meldungen lesen:

[….] Das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Ottweiler plant, vier Kirchen und zwei Gemeindehäuser aufzugeben. Grund sind die sinkende Zahl der Gemeindemitglieder und finanzielle Probleme. Der Beschluss fiel auf einer Klausurtagung am Wochenende.
[….] Betroffen sind den Angaben zufolge das Gemeindehaus in Ottweiler, die Kirchen in Steinbach, Stennweiler und Hirzweiler-Welschbach sowie die Kirche und das Gemeindehaus in Mainzweiler. Die Zahl der Gemeindemitglieder sei kontinuierlich gesunken - waren es 1990 noch über 8000 Mitglieder, liege ihre Zahl nun bei 5600. [….]

Sogar in Gottes eigenem Land bröckelt es gewaltig.
Wie kann das nur sein? Die Christliche Himmelfahrts-Geschichte ist doch so ungeheuer glaubwürdig und überzeugend!

Die Amerikaner fallen vom Glauben ab
"God's own Country" - das war einmal. [….] Die Zahl der US-Bürger, die sich selbst als Christen identifizieren, ist in den vergangenen sieben Jahren deutlich gefallen - von 78 auf 71 Prozent. Im gleichen Zeitraum wuchs die Zahl der Amerikaner, die keiner Religion zugehören, von 16 auf 23 Prozent. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des renommierten Pew Research Centers.
Die schwindende Zahl der Christen zieht sich quer durch alle Altersstufen und alle sozialen Schichten. "Der Rückgang findet in allen Regionen des Landes statt, sogar im 'Bible Belt'", sagte der Herausgeber des Pew-Berichts, Alan Cooperman, mit Blick auf die konservativ-christlich geprägten US-Südstaaten.
Die traditionellen protestantischen und katholischen Konfessionsgemeinschaften sind besonders stark von dem Mitgliederschwund betroffen. [….] Insgesamt leben heute in den USA fünf Millionen weniger Christen als noch 2007. Die Gesamtbevölkerung wuchs in diesem Zeitraum um etwa 18 Millionen. [….]