Montag, 13. August 2012

Christenkultur




Filmfan bin ich wirklich nicht.
Nicht, daß ich es keine guten Filme gäbe, aber diese Blockbuster-Manie ist mir ein Rätsel. 
Zuletzt war ich 1990 im Kino.
Außerdem bin ich nun mal ein Leser und als solcher erlebt man bei Romanverfilmungen so gut wie immer herbe Enttäuschungen.
Eins der Bücher, die vom vielen Lesen schon so zerfleddert sind, daß sie nur noch von Tesastreifen zusammengehalten werden, ist James Clavells „Shogun“ von 1975.
Nicht gerade Weltliteratur, aber sehr spannend und lehrreich.
 Habe ich als Teenager sicher 10 mal gelesen.
 Und dann kam diese unsäglich schlechte Verfilmung mit Richard Chamberlaine als John Blackthorne von 1980. Grottig.

Clavells Kunstgriff ist es die Roman-Handlung aus der Sichtweise Dutzender Erzähler zu beleuchten. 
Der Leser setzt sich mit der Zeit ein Gesamtbild aus den vielen Perspektiven und Denkweisen der Akteure zusammen.
Die Zentralfigur Yoshi Toranaga ist nicht nur der mächtige strippenziehende und brutale Herrscher, sondern er ist auch komplex, überraschend und sogar sympathisch.

Blackthorne, der Europäer, der ohne Vorkenntnisse im frühen 17. Jahrhundert nach Japan kommt, ist von allen Akteuren der Unwissendste.
 Was natürlich auch daran liegt, daß er kein Japanisch spricht und dies erst mühsam lernen muß.

 Für die TV-Version kehrte Regisseur Jerry London die Perspektiven um. 
Er machte Blackthorne, also Richard Chamberlaine zur zentralen Figur, während Toranaga-Darsteller Toshirō Mifune auf einen eindimensionalen Despoten reduziert wird.

Konnte nicht klappen.

In der Clavell-Version gibt es einen interessanten Kniff.
 Sowohl Japaner, als auch Europäer halten die jeweils andere Seite für fürchterlich unzivilisierte Barbaren. 
Diese Wertung wird (scheinbar) durch das Erleben der anderen immer wieder bestätigt.

Ohne sich dessen richtig bewußt zu werden, übernimmt aber Blackthorne im Laufe des Romans die Japanische Sichtweise und hadert immer mehr mit seinen Christlichen Wurzeln und kulturellen Wertvorstellungen.

Der hochperverse, sadistische, verbrecherische, sexuell unersättliche und mörderische Papst Alexander VI, der berüchtigte Borgia, teilte kurzerhand die Welt in zwei Hälften.
Er unterwarf per Federstrich ganze Kontinente dem Katholizismus.
Die Linie, die die spanische von der portugiesischen Zone trennt verläuft nach der heutigen Landkarte ungefähr entlang der Westgrenze Brasiliens. Das heißt: Spanien wird der Süden und Westen Südamerikas, ganz Mittelamerika und ganz Nordamerika zugewiesen - Portugal der Bereich des heutigen Brasilien.
Die Chuzpe, mit der das Mini-Europa mal eben den Planeten und alle seine Ressourcen zwischen zwei katholischen Königen aufteilt, ist bemerkenswert.
 Auch die Japaner staunten nicht schlecht, als sie im 16. Jahrhundert  erfuhren offiziell zu Portugal zu gehören.

Man stelle sich das ganze umgekehrt vor: Die gesamte Welt wäre vom Tenno beispielweise zwischen Japan und Korea aufgeteilt worden. 
Ob die Europäer des Mittelalters das wohl freudestrahlend akzeptiert hätten und bereitwillig all ihre Edelsteine und Edelmetalle nach Fernost verschifft hätten und ihre Religion aufgegeben hätten?

In „Shogun“ ist einer der größten Schocker, den Briten und Holländer erleben müssen das ständige Baden der Japaner. 

Hygiene ist im Christlichen Europa unbekannt und sogar verboten!

Bis ins 19. Jahrhundert wurden Schlösser ohne sanitäre Anlagen gebaut. 

Die Apotheose der höfischen Hochkultur, der Sonnenkönig Ludwig XIV in seinem gigantischen Schloss Versailles, kam noch ohne Toiletten aus. 
Die Hochadeligen kackten einfach in die Ecken und pissten an die Wand. 
Gegen den bestialischen Körpergeruch gab es Schminke, Puder und Parfüm. 

So war das in Europa. 
Die Buddenbrooks, durch Thomas Mann weltberühmt geworden, stanken noch wie die Pest. 

Die kultivierten hanseatischen Ratsherren in Lübeck und Hamburg führten Flakons mit Kräuterdüften mit sich, weil sie als wandelnde Stinkbomben sonst ohnmächtig geworden wären.

"Die Menschen stanken nach Schweiß und nach ungewaschenen Kleidern; aus dem Mund stanken sie nach verrotteten Zähnen, aus ihren Mägen nach Zwiebelsaft und an den Körpern, wenn sie nicht mehr ganz jung waren, nach altem Käse und nach saurer Milch und nach Geschwulstkrankheiten." Das Paris des 18. Jahrhunderts, das Patrick Süskind in seinem Roman "Das Parfüm" schildert, scheint ein recht geruchsintensiver Ort gewesen zu sein.
[…] Als die Pest in Europa wütete, befürchteten die Menschen, die Krankheitserreger könnten über Poren in die Haut eindringen. Folglich wuschen sie sich nicht mehr, um die Poren so zu schützen. Statt mit Wasser und Seife reinigten sich die Menschen mit Tüchern und Puder. Am Ende des Mittelalters wurde dem Geruch sogar ein Schutz vor Krankheiten nachgesagt - ein strenger Körpergeruch stand stellvertretend für strotzende Gesundheit. Einige Parfums dieser Zeit enthielten sogar tierische und menschliche Fäkalien.
 (scinexx)

Die Japaner in Clavells Roman taten das einzig Richtige mit den verwahrlosten Stink-Europäern, die da nun eintrafen und ihnen von der überlegenen Christlichen Moral erzählten. 
Sie packten sie, zogen sie aus, verbrannten die Klamotten und schrubbten die Männer gründlich ab.
Da wußten die Christen, daß sie von Barbaren umzingelt waren - denn ein guter Christ badete nur zweimal in seinem Leben.
 Bei seiner Geburt und dann erst wieder beim Leichenwäscher.

Sauberkeit, Wasser und Körperpflege war schon deswegen im Christentum unmöglich, weil sie der Verteufelung des Körpers widersprachen.
 Die Japaner in ihren vielen Badehäusern zogen sich natürlich täglich NACKT aus, um ins Bad zu gehen. 
Ein klares Zeichen für hochgradiges Barbarentum diagnostizierten die Christlichen Eroberer.

Nacktheit war mindestens genauso teuflisch wie Sauberkeit.

Wilhelm, der Abt des Klosters Hirsau, verfasste im 11. Jahrhundert die peniblen Regeln für das Leben als Benediktiner.

Jeder Novize hatte einen persönlichen custos, der ihn überall hin begleitete - auch nachts auf den Abtritt. Der Hirsauer Abt sah sich, offenbar aufgrund von schlechten Erfahrungen, genötigt, den Bettgang der Jünglinge penibel zu regeln: 'Der Novize setzt sich, noch mit der Kutte bekleidet, auf das Bett, streift seine Schuhe ab, wobei er die Hände auf beiden Seiten behält und nicht etwa in Richtung der Füße ausstreckt und auch nicht das eine Bein auf das Knie legt. Dann zieht er beide Beine gleichzeitig hoch und legt sie ins Bett. Dann zieht er, im Bett sitzend, die Kutte aus, jedoch erst, nachdem er die Bettdecke bis zu den Ellenbogen hochgezogen hat.' Rädle liest aus den Constitutiones eine grundsätzliche Sexualangst heraus.    Die Strafen waren drakonisch. Sie reichten von der Auspeitschung des entblößten Oberkörpers mit Ruten bis zu öffentlicher Zurschaustellung.
(SZ 13.08.12)

Der aberwitzige Aufwand, der in gebildeten Schichten Ende des 19.  / Anfang des 20. Jahrhunderts getrieben wurde, um sich angezogen zu baden, wird erstklassig in Stefan Zweigs Meisterwerk „Die Welt von Gestern“ beschrieben. 

Ich empfehle wärmstens das Kapitel „Eros Matutinos“

Als Karikaturen belachen auch die naivsten Menschen von heute diese sonderbaren Gestalten von gestern - als unnatürlich, unbequem, unhygienisch, unpraktisch kostümierte Narren; sogar uns, die wir unsere Mütter und Tanten und Freundinnen in diesen absurden Roben noch gekannt haben, die wir selbst in unserer Knabenzeit ebenso lächerlich gewandet gingen, scheint es gespenstischer Traum, daß eine ganze Generation sich widerspruchslos solch einer stupiden Tracht unterwerfen konnte. Schon die Männermode der hohen steifen Kragen, der >Vatermörder<, die jede lockere Bewegung unmöglich machten, der schwarzen schweifwedelnden Bratenröcke und der an Ofenröhren erinnernden Zylinderhüte fordert zur Heiterkeit heraus, aber wie erst die >Dame< von einst in ihrer mühseligen und gewaltsamen, ihrer in jeder Einzelheit die Natur vergewaltigenden Aufmachung! In der Mitte des Körpers wie eine Wespe abgeschnürt durch ein Korsett aus Fischbein, den Unterkörper wiederum weit aufgebauscht zu einer riesigen Glocke, den Hals hoch verschlossen bis an das Kinn, die Füße bedeckt bis hart an die Zehen, das Haar mit unzähligen Löckchen und Schnecken und Flechten aufgetürmt unter einem majestätisch schwankenden Hutungetüm, die Hände selbst im heißesten Sommer in Handschuhe gestülpt, wirkt dies heute längst historische Wesen >Dame< trotz des Parfüms, das seine Nähe umwölkte, trotz des Schmucks, mit dem es beladen war, und der kostbarsten Spitzen, der Rüschen und Behänge als ein unseliges Wesen von bedauernswerter Hilflosigkeit. Auf den ersten Blick wird man gewahr, daß eine Frau, einmal in eine solche Toilette verpanzert wie ein Ritter in seine Rüstung, nicht mehr frei, schwunghaft und grazil sich bewegen konnte, daß jede Bewegung, jede Geste und in weiterer Auswirkung ihr ganzes Gehabe in solchem Kostüm künstlich, unnatürlich, widernatürlich werden mußte. Schon die bloße Aufmachung zur >Dame< - geschweige denn die gesellschaftliche Erziehung - das Anziehen und Ausziehen dieser Roben bedeutete eine umständliche Prozedur, die ohne fremde Hilfe gar nicht möglich war. Erst mußten hinten von der Taille bis zum Hals unzählige Haken und Ösen zugemacht werden, das Korsett mit aller Kraft der bedienenden Zofe zugezogen, das lange Haar - ich erinnere junge Leute daran, daß vor dreißig Jahren außer ein paar Dutzend russischer Studentinnen jede Frau Europas ihr Haar bis zu den Hüften entrollen konnte - von einer täglich berufenen Friseuse mit einer Legion von Haarnadeln, Spangen und Kämmen unter Zuhilfenahme von Brennschere und Lok-kenwicklern gekräuselt, gelegt, gebürstet, gestrichen, getürmt werden, ehe man sie mit den Zwiebelschalen von Unterröcken, Kamisolen, Jacken und Jäckchen so lange umbaute und gewandete, bis der letzte Rest ihrer fraulichen und persönlichen Formen völlig verschwunden war. Aber dieser Unsinn hatte seinen geheimen Sinn. Die Körperlinie einer Frau sollte durch diese Manipulationen so völlig verheimlicht werden. […]  Im freien Meer quälten sie sich mühsam vorwärts in schweren Kostümen, bekleidet vom Hals bis zur Ferse, in den Pensionaten und Klöstern mußten die jungen Mädchen, um zu vergessen, daß sie einen Körper besaßen, sogar ihr häusliches Bad in langen, weißen Hemden nehmen. Es ist durchaus keine Legende oder Übertreibung, daß Frauen als alte Damen starben, von deren Körper außer dem Geburtshelfer, dem Gatten und Leichenwäscher niemand auch nur die Schulterlinie oder das Knie gesehen.[…]   Ein junges Mädchen aus guter Familie durfte keinerlei Vorstellungen haben, wie der männliche Körper geformt sei, nicht wissen, wie Kinder auf die Welt kommen, denn der Engel sollte ja nicht nur körperlich unberührt, sondern auch seelisch völlig >rein< in die Ehe treten. >Gut erzogen< galt damals bei einem jungen Mädchen für vollkommen identisch mit lebensfremd; und diese Lebensfremdheit ist den Frauen jener Zeit manchmal für ihr ganzes Leben geblieben. Noch heute amüsiert mich die groteske Geschichte einer Tante von mir, die in ihrer Hochzeitsnacht um ein Uhr morgens plötzlich wieder in der Wohnung ihrer Eltern erschien und Sturm läutete, sie wolle den gräßlichen Menschen nie mehr sehen, mit dem man sie verheiratet habe, er sei ein Wahnsinniger und ein Unhold, denn er habe allen Ernstes versucht, sie zu entkleiden. Nur mit Mühe habe sie sich vor diesem sichtbar krankhaften Verlangen retten können.
(Stefan Zweig 1942)

Noch zu Adenauers Zeiten erklärte das Generalvikariat Köln:


Nackt duschen widerspricht katholischer Moral.

Sonntag, 12. August 2012

Die famose Koalition - Teil V


 Während deutsche Spitzenpolitikern in martialischem Tonfall von anderen Ländern Sparanstrengungen verlangen, um deren Binnenwirtschaft endgültig zum Erliegen zu bringen, werden die Milliarden in Deutschland nach Herzenslust aus dem Fenster geworfen.

Deutschland ist das Subventionsparadies. 
Dabei gilt: Je sinnloser die Maßnahme und je reicher der Empfänger ohnehin schon ist, desto großzügiger gießen die Schwarzgelben Steuerzahlergeld aus.

Am allerliebsten hat es die Bundesregierung, wenn mit den zweckfrei rausgeschmissen Milliarden auch noch ein möglichst unerwünschter und kontraproduktiver Effekt erreicht wird.

So werden Agrarsubventionen vorzugsweise an gigantische Monokulturbetriebe der ganz alten Schule verteilt, damit bloß nicht auf umweltschonende oder giftfreie Produktion umgestellt wird. 

Schließlich möchte man sich auch morgen noch an Antibiotika-Puten, Dioxin-Eiern, Schweinepest-Fleisch, EHEC-Sprossen und Rinderwahn erfreuen.

Damit Deutschlands Nachwuchs zu verblödet bleibt, um zukünftig die dringend benötigten Ingenieure und IT-Fachkräfte zu stellen, werden Milliarden für Herdprämie, bzw Bildungsfernhaltungsgeld ausgegeben.

Immer wieder ist es die FDP, die ihren bevorzugten Spendern - Hoteliers, Apotheken und Pharmaindustrie Milliarden hinüber schiebt.

Besonders gaga ist auch das sogenannte „Kilometergeld“ (eigentlich Entfernungspauschale), mit der Benzinverbrauch und Umweltzerstörung mit Milliarden subventioniert werden. 
Genau umgekehrt wäre es richtig.

Die Pendlerpauschale sollte abgeschafft, die Pendler sollten stattdessen besteuert werden. „Abgase, Verkehrslärm, Stau oder Parkplatzmangel könnten gute Gründe sein, die Pendlerpauschale abzuschaffen und sie durch eine Pendlersteuer zu ersetzen“, sagte der Leiter des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) der Hamburger Morgenpost am Freitag. „Damit könnten Städter für das Leid entschädigt werden, das ihnen autofahrende Pendler antun.“

Durch den Homo-Vorstoß der „Wilden 13“ gerät nun auch das hochgradig absurde „Ehegattensplitting“ in den Fokus der Öffentlichkeit. 

15 Milliarden Euro - getarnt als „familienpolitische Leistung“ fließen an die Reichsten der Reichen - egal, ob sie Kinder haben, oder nicht.
Ob man noch dümmer Geld wegwerfen kann, würden einige Menschen bezweifeln.

 Aber angesichts der Tatsache, daß noch in den letzten Wochen SchwarzGelb für Millionenzuschüsse an besonders umweltfeindliche Unternehmen und die Rüstungsindustrie sorgte, wäre ich vorsichtiger.

Aber die deutsche Familienpolitik ist schon ein Highlight.

In den vergangenen Jahren wollte die Regierung Frauen dazu ermutigen, Kinder zu bekommen und gleichzeitig ihre Karriere zu verfolgen. Ursula von der Leyen von der CDU setzte deshalb das Elterngeld durch, Kanzlerin Angela Merkel forcierte den Ausbau der Kitas, und außerdem wurde den Frauen mit der Reform des Unterhaltsrechts drastisch klargemacht, dass sie nach einer Scheidung bald wieder auf eigenen Füßen stehen müssen.
Das Ehegattensplitting wirkt da wie ein Gegengift. Es belohnt nicht die Geburt von Kindern, es subventioniert allein die Ehe. Und es entmutigt Frauen, nach der Erziehung der Kinder wieder in den Beruf einzusteigen, weil jeder neu verdiente Euro die Steuerersparnis dahin schmelzen lässt. "Lass es, es lohnt sich ja ohnehin nicht", diesen Satz mussten sich in den vergangenen Jahrzehnten viele Ehefrauen anhören, die die Stellenseiten der Zeitungen durchsuchten.
Aber statt das Ehegattensplitting grundlegend zu reformieren, soll nun lediglich der Kreis der Anspruchsberechtigten erweitert werden. Geht es nach dem Willen von Grünen, SPD und einem Teil der Union, werden bald auch schwule und lesbische Paare in den Genuss jener Steuersubvention kommen, die bislang vor allem der traditionellen Hausfrauenehe zu Gute kam.
Das ist absurd, hat aber Methode: Die deutsche Familienpolitik gründet schon lange darauf, eine Subvention auf die nächste zu schichten. Mittlerweile gibt der deutsche Staat 196 Milliarden Euro pro Jahr für Ehe und Familie aus, das sind 7,6 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung. Nur leider wirkt sich das nicht auf die Geburtenstatistik aus, 1,39 Kinder bringt hierzulande eine Frau im Lauf ihres Lebens zu Welt, damit liegt Deutschland weit hinten in der EU. […] Die Experten der internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) betrachten die deutsche Familienförderung als abschreckendes Beispiel. In kaum einem anderen Industriestaat sei das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag so ungünstig. 146 000 Euro gibt Deutschland laut OECD-Statistik bis zum 18. Lebensjahr eines Kindes für Ausbildung und Familienpolitik aus - im OECD-Schnitt sind es 124 000 Euro. Doch bei den Geburten steht Deutschland am Ende der Tabelle; die Aussichten sind schlecht, Familie und Beruf unter einen Hut bringen zu können.
(Spiegel 13.08.12)

Hätten wir eine Regierung, die auch nur über Rudimente von Vernunft verfügte, würde dieser Wahnsinn sofort abgeschafft. 



Wenigstens hat ausnahmsweise mal meine Partei die richtige Idee. Aber das goutiert natürlich niemand.

Familiensplitting: Steuergeschenk für reiche Eltern

Anlässlich der Debatte in Teilen von CDU und FDP, das Ehegattensplitting
durch ein Familiensplitting ersetzen zu wollen, erklärt die stellvertretende
Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Dagmar Ziegler:

Es ist völlig absurd, dass aus den Reihen von CDU und FDP der Vorschlag
kommt, das Ehegattensplitting durch ein Familiensplitting ersetzen zu wollen.
Denn das Familiensplitting ist nichts anderes als ein Ehegattensplitting, das
um die Berücksichtigung von Kindern erweitert ist. Zentrale Probleme des
Ehegattensplittings löst es nicht.

* Ausgerechnet die reichsten Familien würden vom Familiensplitting
profitieren. Die Eltern mit den höchsten 20 Prozent der Einkommen wären
die wesentlichen Nutznießer, Familien mit kleinen und mittleren Einkommen
brächte es nichts – so das Ergebnis einer Studie der
Hans-Böckler-Stiftung.
* Das Familiensplitting belohnt – ebenso wie das Ehegattensplitting –
die Nichterwerbstätigkeit eines Partners, meist der Frau.
Partnerschaftliche Lebensmodelle, wie viele junge Menschen sie
praktizieren, bei denen beide erwerbstätig sind und zum Familieneinkommen
beitragen, berücksichtigt es nicht.
* Teuer ist das Steuergeschenk für reiche Eltern obendrein. Es schlägt –
je nach Ausgestaltung – mit einem zweistelligen Millardenbetrag zu
Buche.

Wir wollen eine bessere Förderung für alle Familien, die zeitgemäß und
wirkungsvoll ist. Dazu setzen wir auf

* ein neues und gerechtes Kindergeld, das nach Einkommen gestaffelt ist.
Damit fördern wir Kinder, unabhängig davon, ob ihre Eltern verheiratet,
alleinerziehend oder gleichgeschlechtlich sind.
* den Ausbau von Kitas und Ganztagssschulen. Ab 2020 wollen wir einen
Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung und –bildung einführen. Neben der
Quantität muss es auch um qualitative Verbesserung geben.
* einen gesetzlichen Mindestlohn, damit Eltern von ihrem Lohn leben können.
* eine Individualbesteuerung für neue Ehen und neu eingetragene
Lebenspartnerschaften. Das unterstützt junge Paare mit ihren
partnerschaftlichen Lebensmodellen. Für bestehende Ehen soll das
Splitting weiter bestehen bleiben – denn wir respektieren die
Lebensentscheidungen, die Menschen getroffen haben.

(SPD-Pressemitteilung Nr 854 vom 10.08.12)

Samstag, 11. August 2012

In Sarah Palins Schuhen.



Amerikanische Wahlkämpfe funktionieren nach vielen ungeschriebenen Regeln, die peinlich eingehalten werden.
Das Publikum hechelt gespannt den immer gleichen Etappen hinterher.

Mit großen Aufwand wir der Nominierungsparteitag inszeniert - obwohl dabei schon längst fest steht, wer gewinnen wird.

Voller Spannung blickt alles auf die drei TV-Debatten. Hatte nicht ein frischer JFK einst Nixon auf diese Art die Präsidentschaft entrissen? Dabei spielen die Medien heute eine ganz andere Rolle. Die meisten Zuschauer sind ohnehin schon vorher entschieden. George W. Bush unterlag in allen drei TV-Debatten klar gegen seinen Herausforderer Kerry und wurde dennoch klar wiedergewählt.

Und schließlich die VP-Frage. Derjenige, der „nur einen Herzschlag“ vom Oval-Office entfernt sein wird, soll gemeinhin all das kompensieren, was dem Top-Mann fehlt. Dabei ergeben Untersuchungen, daß der Vize so gut wie keine Auswirkungen auf die Wahlentscheidungen hat. 

Al Gore, der selbst Vize eines der erfolgreichsten US-Präsidenten aller Zeiten war, wollte sich die jüdischen Sympathien sichern, indem er den konservativen Joe Liebermann zu seinem Vize erkor. Wie die Wahl Gore gegen Bush im Jahr 2000 ausging ist bekannt.

Vizepräsident George H. Bush hingegen stand so sehr im Schatten seines Chefs Reagan, daß er als der Mann, der niemals Spuren hinterließ verspottet wurde.
Er zeigte seine ganze Doofheit, als er den erst 41-Jährigen Dan Quayle aus Indiana zu seinem „VP“ erkor. 
Obwohl dieser Quayle als regelrechte Witzfigur galt und sowohl sprachlich als auch intellektuell konsequent von Fettnapf zu Fettnapf sprang, wurde Bush dennoch zum Präsidenten gewählt.
"Republicans understand the importance of bondage between a mother and child."

"The Holocaust was an obscene period in our nation's history. I mean in this century's history. But we all lived in this century. I didn't live in this century."

"We're going to have the best-educated American people in the world."

"We have a firm commitment to NATO, we are a part of NATO. We have a firm commitment to Europe. We are a part of Europe."
"I love California, I practically grew up in Phoenix."

"It's wonderful to be here in the great state of Chicago."

"When I have been asked during these last weeks who caused the riots and the killing in L.A., my answer has been direct and simple: Who is to blame for the riots? The rioters are to blame. Who is to blame for the killings? The killers are to blame."

"Illegitimacy is something we should talk about in terms of not having it."

"For NASA, space is still a high priority."

"Quite frankly, teachers are the only profession that teach our children."

"It isn't pollution that's harming the environment. It's the impurities in our air and water that are doing it."

Der „Seriöse“ unter der Republikanern, John McCain, checkte 2008 den Background von Mitt Romney und entschied sich dann doch lieber für Sarah Palin als Vize.

Obwohl die Wahl grandios verloren ging, erreichte die Einfaltspinselin schnell Kultstatus à la Quayle. 
Zurecht?

US-Korrespondent Klaus Scherer ist selbstkritisch.

In den USA jagt eine vermeintlich oder potenziell wichtige Nachricht die nächste. Hecheln Sie als Berichterstatter dort zwangsläufig auch ein Stück weit den Spin-Doktoren hinterher?

Scherer: Der Nachrichtentakt ist schon enorm schnell. Das ist durch das Internet und durch die polarisierenden Medien in den USA noch dichter geworden. Aber auch durch den Unfug, den keiner mehr stoppt. Stellen Sie sich vor, jemand würde hier jeden Tag behaupten, Frau Merkel sei gar keine Deutsche, sie wolle außerdem die Monarchie einführen und sei insgeheim Buddhistin. Das würde in deutschen Redaktionsstuben in die Papierkörbe wandern. In den USA wird es gesendet, alles, andauernd. Da wird, vor allem bei den rechten "Fox-News", auch nicht unterschieden zwischen Fakten, Gerüchten und Meinung. Die werfen Obama die absurdesten Dinge vor, schon weil er als Präsident keine großen Fehler gemacht hat, die müssen sich halt was ausdenken, um Angst zu schüren. Aber weil Zuschauer es gewohnt sind, dass etwas, das veröffentlicht wurde, eine Art Relevanzhürde genommen hat, wird es plötzlich zum Thema. Und man fragt sich unwillkürlich: Ist das die neue Medienwelt? Kriegen wir das auch?

Verändert das schon jetzt Ihre Arbeit?

Scherer: Natürlich. Man nimmt oft Kleinigkeiten zu wichtig. Wir haben alle auch die Tea-Party zu wichtig genommen. In der Bevölkerung hatte sie nie so viel Rückhalt, auch Sarah Palin nicht. Aber sie war auf allen Kanälen. Außerdem haben Sie im Internet, aber auch in den sogenannten Nachrichtenkanälen, zu allem den passenden Verschwörungstheoretiker. Wir würden hier kaum jemanden in eine Talkshow einladen, von dem man vorher weiß, dass er lügt. Da sind die Qualitätsstandards noch andere, ich bin hoffnungsvoll, dass das so bleibt.

Nun also Paul Ryan. 


 42 Jahre, ultrakonservativer Hardliner im Repräsentantenhaus seit seinem 27. Lebensjahr, Vorsitzende des Haushaltsausschusses, fanatischer Steuersenkungsapologet, Washington-Insider, Katholik, drei Kinder.

In der Ryan-Welt sind Staatsleistungen schlecht und gehören abgeschafft. 
Nur mit tax-cuts für die Reichsten käme die Wirtschaft wieder in Gang.
Die Methode also, die bei GWB schon so grandios wirkte.



Romney inszeniert seine VP-Choice wie die legendäre „Mission accomplished“-Show des GWB am 1.Mai 2003 auf dem Flugzeugträger  USS Abraham Lincoln.

Mitt Romney hat das Jackett abgelegt, läuft unter dem mächtigen Geschützturm des Schlachtschiffs entlang, dann die Gangway herunter nach Norfolk, Virginia. Seine Leute drehen die Musik auf, sie klingt wie der Abspann eines patriotischen Hollywood-Streifens à la "Top Gun".
Romney ruft "Ah!", die Leute vor der USS "Wisconsin" rufen "Mitt!". Es sieht aus, als kehre Romney von ausgedehnter Fahrt auf feindlichen Meeren heim. Doch das Schiff ist nur Fassade, nur noch Museum. Die "Wisconsin" kämpfte im Zweiten Weltkrieg, sie war vor Korea im Einsatz und während des zweiten Golf-Kriegs auch. Jetzt dient sie Romney als Kulisse, um die Präsentation seines Kandidaten für die Vizepräsidentschaft zu inszenieren.
[…] Ryan verstehe die Schuldenkrise der USA; er verfluche nicht die Dunkelheit, "sondern zündet eine Kerze an". So spricht Romney. Und dann guckt er zur USS "Wisconsin" und ruft: "Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Paul Ryan."
Präsident? Egal, die Musik geht wieder los, Ryan joggt unterm Geschützturm entlang, die Gangway runter, mit Jackett, ohne Krawatte. "Wow", ruft er und dreht sich zum Schiff um, das ganz zufällig den Namen seines Heimatstaates trägt: "Und das direkt vor der USS 'Wisconsin'."
Weiter gelangt er nicht, weil Romney sich von hinten nähert und ihn unterbricht: "Wart' mal." Er sei ja "hin und wieder" bekannt dafür, einen Fehler zu machen, sagt Romney. Der Kerl neben ihm werde natürlich "der nächste Vizepräsident der Vereinigten Staaten". Wäre das auch geklärt.

Wie Paul Ryan sich die Staaten vorstellt, haben die Demokraten schon 2011 filmisch dargestellt.

Mit dem Ryan-Plan hatte der 42-jährige Chef des Haushaltsausschusses bereits dargelegt, wie er das erreichen will – unter anderem durch Kürzungen in den Gesundheitsprogrammen für Alte und Arme. Das Programm war seinerzeit selbst vielen Republikanern zu radikal, doch es gefällt jenen konservativen Parteigängern, die den Staat auf ein Minimum reduziert haben wollen.
(Niels Rüdel 11.08.12)



Mit der „VeePee“-Personalie buckelt Romney erneut vor den strippenziehenden Milliardären, wie den Koch-Brüdern. Präsidentschaften lassen sich kaufen.
 Auch das für die 0,1% der reichsten der Reichen passende Personal läßt sich mit Geld bestimmen.



Romney kommt mit seinem Schachzug den Rufen konservativer Meinungsführer in den USA nach. Diese hatten zuletzt immer lauter Paul Ryan als republikanischen Vizekandidaten für die Präsidentschaftswahl im November gefordert.
Das einflussreiche Magazin Weekly Standard etwa trommelte für den Kongressabgeordneten aus Wisconsin, auch das wirtschaftsnahe Wall Street Journal (WJS) sprach eine Empfehlung für Ryan aus.  […] Der Budgetplan, den der Haushaltsexperte im März durch das Repräsentantenhaus brachte, sieht Kürzungen von mehr als fünf Billionen Dollar über das kommende Jahrzehnt vor - darunter bei Lebensmittelhilfen und der Krankenversicherung für Arme. Die Steuern sollen dagegen sinken, auch für Reiche. […]
Fakt ist: Mit der Wahl Ryans zum Mitstreiter wird Romney den Wahlkampf weiter polarisieren. […]  Dass die krisengebeutelnden Europäer nicht gerade wohl gelitten sind bei Ryan, ließ der republikanische Jungstar unlängst wissen. Diese Wahl sei "ein einmaliges Fenster" für einen Kurswechsel, verkündete. Werde dieses nicht genutzt und Obama wiedergewählt, dann drohe Amerika etwas sehr Schlimmes, warnte Ryan: Dann stehe das Land vor europäischen Zuständen.

Gott bewahre!
Krankenversicherung auch für Arme?
Soweit würde es der Katholik Ryan nie kommen lassen!





Freitag, 10. August 2012

Mitt, the twit - Teil II




Jeder, der Verwandte in Amerika hat, versuchte am 11.09.2001 sie zu erreichen.
Da ich Sippschaft in Washington UND New York habe, wurde ich entsprechend nervös als ich gemütlich vorm TV saß und mir ansah, wie Ulli Wickert das Zusammenfallen der WTC-Türme kommentierte.

Spät am Abend begann „Kabula Rasa“; die bekannten grünen Videospielartigen Bombardierungsbilder, die man schon aus dem Golfkrieg 1991 kannte.
Wer nicht emotional ausgeflippt war, fragte sich natürlich eins:
Was können eigentlich die Zivilisten in Kabul dafür, daß das WTC in Trümmern lag?
Die Kabuler sind doch ganz sicher unschuldig und was ist daran gerecht, wenn die jetzt gemeuchelt werden?

Die Mischpoke aus Washington wollte davon nichts wissen.
„Sind die Zehntausend Toten aus dem WTC etwa nicht unschuldig?????“
 schalt es zurück. 
(Zunächst ging man noch von viel mehr Opfern in NY aus.)

Die Unlogik war entwaffnend:
 Wenn hier Unschuldige sterben, hat Amerika das Recht anderswo auch jede Menge Unschuldige zu morden.

Und dann die Tränen. 
Wie sollte man mit jemanden diskutieren, der gerade etwas so Schockierendes und Schreckliches erlebt hatte, daß er während des Telefonats immer wieder von Heulkrämpfen erstickt wurde?

Das Fazit, welches ich am 12.09.01 aus Washington hörte war klar, eindeutig und fordernd zugleich:
 „DER TALIBAN MUSS WEG!“
 Ich Depp muß ja immer anfangen zu erklären und versuchte zu erläutern was es mit dem Begriff „Taliban“ auf sich hat. 
Daß es nicht DER Taliban ist, sondern DIE Taliban sind. 
Und wo dieses Kabul überhaupt liegt.
Wollte man in Washington nicht hören.* 

„DER TALIBAN MUSS WEG!“ Schluß, aus.

Auch in Deutschland gab es am Anfang wenig differenzierte Stimmen. 
In den Autos und Wohnungsfenstern hingen US-Fahnen, die Menschen pilgerten zu den US-Konsulaten und sammelten fleißig für die Hinterbliebenen der Opfer in NY und DC.
 (Natürlich nicht für die Opfer in Kabul)

Gerd Schröder sprach von der „uneingeschränkten Solidarität“ und alle fanden es großartig.

Meine Damen und Herren, ich habe dem amerikanischen Präsidenten das tief empfundene Beileid des gesamten deutschen Volkes ausgesprochen. Ich habe ihm auch die uneingeschränkte – ich betone: die uneingeschränkte – Solidarität Deutschlands zugesichert. Ich bin sicher, unser aller Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Ihnen gilt unser Mitgefühl, unsere ganze Anteilnahme.
Ich möchte hier in Anwesenheit des neuen amerikanischen Botschafters Dan Coats noch einmal ausdrücklich versichern: Die Menschen in Deutschland stehen in dieser schweren Stunde fest an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika.

(Beifall im ganzen Hause)

Kritik an der 100%-Solidarität gab es kaum.

Ausgerechnet der so belächelte Bundespräsident Johannes Rau war der einzige Politiker, der unmittelbar nach den Anschlägen schon vor militärischen Gegenmaßnahmen warnte. 
„Uneingeschränkte“ Solidarität könne man nicht versprechen.

Er stellte sich klar gegen Gerd Schröder und bekam dafür reichlich Kloppe aus CDU, CSU und FDP.

Es spricht für Schröder, daß er sich heute klar zu einem Irrtum bekennt und zugibt, es wäre besser gewesen damals auf Rau zu hören.

Der zweite Kritiker der ersten Stunde war ausgerechnet der Bellizist Peter Scholl-Latour.
Im Gegensatz zu den meisten anderen kannte er Afghanistan, wußte was es mit „dem Taliban“ auf sich hat, kannte Topographie und ethnisches Durcheinander des riesigen Landes am Hindukusch.

Scholl-Latour war damals Dauergast in deutschen Talkshows und Infosendungen. 

Immer wieder erzählte er empört davon, daß in den USA auf offener Straße ein Sikh erschlagen worden wäre, weil die aufgebrachten Amis nicht zwischen Moslems und Sikhs zu unterscheiden wußten. 

(Natürlich sind Vergeltungsmorde an Moslems genauso wenig zu rechtfertigen.)

Viele Gemeinsamkeiten haben die 23 Millionen Anhänger des Sikhismus allerdings nicht mit den rund eine Milliarde Moslems.
Praktizierende Sikhs, erkennt man an einem kunstvoll gebundenen Turban (Dastar).


Für den Ami des Jahres 2001 galt aber die einfache Regel:

Orientalische Hautfarbe + eigenartige Kopfbedeckung 
= fanatischer Amerikahasser.

In den meisten Ländern Europas setzte der Lernprozess relativ schnell ein.
 Man glaubte den Scholl-Latours im TV, die erklärten Kriege gegen Afghanistan und Irak müßten im Desaster enden.
Als es 2003 gegen Bagdad losging, hatte Amerika eine überwältigende Mehrheit der Öffentlichkeit gegen sich.
 Solidaritäts-US-Fahnen sah man schon lange nicht mehr in Deutschland.

In Amerika selbst dauerte die Lernphase erheblich länger.  
 Ende 2004 scharte man sich noch mal mehrheitlich hinter Präsident George W. Bush und seine Kriege. Seine Kompetenz beim „war on terror“ sicherte ihm die Wiederwahl.

 Ein echter Treppenwitz der Geschichte - denn wer könnte bei der Terrorismusbekämpfung inkompetenter als die Bush-Administration gewesen sein?

Erst 2008 dämmerte den Amerikanern, daß die Kriege gegen Afghanistan und den Irak die Lage noch verschlimmbessert hatten.

In einigen umnachteten Hirnen kam es allerdings nie zu einem Lernprozess. Dort ist die Doofheit so gewaltig, daß kein Informationszufluss etwas ändern kann.

Der Amerikaner Wade Michael Page, der am Sonntag in einem Sikh-Tempel in Oak Creek, einem Vorort von Milwaukee im (US-Bundesstaat Wisconsin) ein Massaker angerichtet hat, trug ein „Remember 9/11-Tattoo“

Warum richtet man Massaker unter Sikhs an?

Nach dem Amoklauf wurden Indizien bekannt, die auf Rassenhass und Rechtsextremismus des Amokläufers hindeuteten. Der 40-Jährige war demnach ein aus dem Militärdienst entlassener Soldat, der in rechtsextremen Bands mit Namen wie "Definite Hate" und "End Apathy" spielte. Außerdem postete er immer wieder in Internetforen für rechtsextreme Skinheads.

Die menschliche Doofheit ist unendlich.

Natürlich muß man immer damit rechnen, daß es extrem verdummten gewalttätigen Bodensatz in einer Gesellschaft gibt.

Atemberaubend ist es allerdings, wenn sich im Jahre 11 nach den WTC-Anschlägen einer der Topverblödeten, der ganz offensichtlich nicht die geringste Ahnung von anderen Kulturen und Religionen hat, dazu aufschwingt US-Präsident zu werden.



Mitt Romney, der gerade noch seine geistige Unterentwicklung eindrucksvoll in England, Israel und Polen zur Schau stellte, bedauerte nach dem Anschlag von Oak Creek die „Scheichs.“

Mitt Romney ist erneut in ein Fettnäpfchen getreten. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa wollte der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner eigentlich Anhängern der Sikh-Gemeinde sein Mitgefühl aussprechen. Ein Mann hatte im US-Bundesstaat Wisconsin einen Tempel der Religionsgruppe angegriffen und sechs Menschen erschossen.
Doch dann leistete sich Romney einen peinlichen Patzer. Statt "Sikh" sagte er "Scheich" - und das gleich mehrfach.

Der Unterschied zwischen Sikhs und Scheichs ist dem außenpolitisch Desinteressierten  ganz offensichtlich gar nicht bewußt.

Der Kandidat der Republikaner, dem schon der Besuch zur Eröffnung der Olympischen Spiele in London zu einer "Pleiten, Pech und Pannen"-Serie geriet, sprach nach dem tödlichen Amoklauf in einem Sikh-Tempel von diesen "Scheich-Leuten". Scheich heißt auf Englisch "sheik", hat aber wenig mit der Religion der Sikhs zu tun. Egal, sagt Romney, diese "Scheich-Menschen" sind die friedlichsten und liebenswürdigsten überhaupt.

So steht es in einer SPRINGER-Zeitung, also einem Blatt aus jenem Konzern, der seine Mitarbeiter per Unterschrift dazu verpflichtet Amerika-freundlich zu schreiben. 
Aber was soll man da noch beschönigen? 


Das Niveau der amerikanischen Politiker verfällt noch schneller als das der Minister in Deutschland.

Darf man sheik und sikh verwechseln, nur weil beide auf ein K enden und weil die Mitglieder beider Gruppen eine turbanartige Kopfbedeckung tragen? Nein, darf man nicht, vor allem nicht, wenn man Präsident der USA werden will.
Mitt Romney, der Kandidat der Republikaner, hat sich diesen Fehler geleistet und als Versprecher abgetan. Der Mann sei übermüdet gewesen, hieß es. Ehrlich gesagt: Das ist eine lausige Entschuldigung. Die Verwechslung zeugt im besten Fall von Ignoranz - Romney ist es einfach egal, um was für eine Gruppe es sich hier handelt, so wie es der Mehrheit seiner Wähler egal sein wird. Im schlechtesten Fall zeugt es von grandioser Unbildung und Klischeehuberei.
Der Kandidat steht freilich in bester Gesellschaft. Sarah Palins außenpolitische Tölpeleien waren geradezu Kult und trugen zur dauerhaften Beschädigung der Kandidatin vor vier Jahren bei. George Bush zeigte sich vor seiner ersten Wahl zum Präsidenten ebenfalls erschreckend unbeleckt. Wenn es um die Welt geht, ist Amerikas politische Klasse oft zutiefst provinziell.
(Süddeutsche Zeitung 10.08.12)

*(Die Person, die ich eben zitierte, mutierte später zum extremen GWB-Gegner und ist heute der größte Kritiker der US-Kriegseinsätze)

Donnerstag, 9. August 2012

Konservative Werte



Zu den wirklich unangenehmen Konservativen gehört die bayerische Justizministerin Beate Merk.
Wie Kollegin Kristina Schröder kann man sie unter „blond, blöd und böse“ abhaken.

Am 23. Oktober 2009 erklärte die bayerische Justizministerin Beate Merk voller Empörung, daß es auch Grenzen geben müsse!

"Es kann nicht sein, dass ein homosexuelles Paar ein Kind adoptiert. Da ist der Rubikon überschritten!"

Das bizarre Alpenvolk leistet sich nämlich eine Regierung, die noch im Jahr 2009 ein Normenkontrollverfahren beim Bundesverfassungsgericht anzettelte, um die böse Homoehe zu verhindern.

"Insbesondere eine Volladoption durch Lebenspartner wird es mit mir nicht geben", kündigte Merk an.

Homos sind nämlich bähbäh weiß die CSU.
In eine Koalition mit der FDP gezwungen, mußte Justizchefin Merk die in Karlsruhe anhängige Klage zwar widerstrebend zurückziehen, aber die Christsozialen vergaßen nicht klarzustellen, wie sie die Causa sehen:

“Ich glaube, dass die Ehe zwischen Vater und Mutter, dass die Familie mit Vater und Mutter die Zukunft ist, nicht etwas anderes, das ist die Moderne, und nicht eine Fehlentwicklung, die sich hoffentlich bald wieder legen wird.”
(Unions-Bundestags-Fraktionsjustizexperte Norbert Geis)

Schwule und Lesben sind eine „Fehlentwicklung“, also unnatürlich - soweit der K.O.alitionspartner von Guido Westerwelle.

Man möchte den Bayern einen in Blick in den Brockhaus empfehlen – das immerhin anerkannteste Lexikon-Werk der Welt – in dem es dazu heißt:

In der Sexualforschung geht man davon aus, dass die HOMOSEXUELLE ORIENTIERUNG EBENSO WIE DIE HETEROSEXUELLE tief und UNABÄNDERLICH mit der Persönlichkeit verknüpft ist. Die Homosexualität wird inzwischen VON ALLEN MIT IHR BEFASSTEN WISSENSCHAFTLICHEN DISZIPLINEN als ein häufig vorkommendes sexuelles NORMALPHÄNOMEN angesehen.

Zum Unglück für Geis und Merk hat sich die Homosexualität entgegen ihrer Prognosen aber drei Jahre später immer noch nicht „wieder gelegt“.

 Nein, es gibt sie immer noch, die Schwulen. 
Und es gibt immer noch Politiker, die das Thema auf die Agenda setzen.
 Bisher konnten CDU, CSU und FDP im Bundestag eine rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften verhindern. 
Die FDP stimmte dabei ohne mit der Wimper zu zucken an der Seite der CSU’ler gegen ihre eigenen Überzeugungen, so daß beispielswiese letztes Wochenende die Organisatoren des CSD-Hamburg der FDP und der CDU dringend empfahlen nicht am CSD teilzunehmen. 

CDU- und FDP-Abordnungen auf einer Großdemo für Schwulenrechte, nachdem beide Parteien noch einen Monat zuvor im Bundestag gegen Schwulenrechte gestimmt hatten, erschienen den CSD-Machern etwas absurd.

Beate Merk, die Christin des Tages Nr. XVII und Koalitionspartnerin der FDP, machte noch Ende 2009 homophobe Stimmung:
"Ich werde Ehe und Familie weiterhin gegen eine schrittweise Gleichsetzung verteidigen. Wer aus vermeintlicher Political Correctness immer weitere Zugeständnisse an andere Lebensformen macht, beschädigt in Wahrheit das Institut der Ehe"

(Eigentlich hätte sich die Bayerische Hadcore-Ministerin schon damit für den Titel der Christin des Tages qualifiziert - aber sie legte noch ordentlich nach.

Als Walter Mixa Anfang Februar 2009 seinen Ruf als peinlichster und dümmster Bischof Deutschlands aufpolierte und tout Bundesrepublik entgeistert den Kopf über seine Gaga-Ansichten (Schuld am Kindesmißbrauch in katholischen Kirchen seien die 68er) schüttelte, sprang ihm Merk zur Seite.

Im diametralen Widerspruch zu ihrer pathetisch auf der eigenen Webseite verbreiteten Zielsetzung „Opferschutz vor Täterschutz“ stellte sie sich ohne zu zögern auf die Seite der klerikalen Täter.

Die CSU-Politikerin hatte sich hinter Mixa gestellt, der die sexuelle Revolution vergangener Jahrzehnte für den sexuellen Missbrauch an Kindern in katholischen Einrichtungen als mitursächlich bezeichnet hatte.
Merk hatte gesagt, sie sei Mixa sehr dankbar für diese klare Stellungnahme, weil es ein Tabu sei, über sexuellen Missbrauch zu sprechen und weil uns jede öffentliche Diskussion weiterbringt und den Opfern hilft. Sie sehe deshalb in Mixas Worten "keine unglückliche Formulierung, sondern den Versuch einer Erklärung".

Die Kirchlichen Missetäter zu ahnden kam der Bayerin nicht in den Sinn.
Tatsächlich fordert Merk gerne schwerere Strafen - gegen Jugendliche allerdings.
Das Jugendstrafrecht soll nach den Vorstellungen der CSU-Wuchtbrumme in Zukunft Höchststrafen von 15 Jahren, statt zehn Jahren ermöglichen.)

Daß nun, im Sommer 2012 ausgerechnet die bis ins Bräunliche konservative Bundesfamilienministerin der homophoben Linie Bayerns widerspricht, regt die CSU’ler mächtig auf.

Die bayerische Justizministerin Beate Merk wurmte vor allem das Timing der Debatte. Die stellvertretende CSU-Chefin kritisierte, dass die 13 Angeordneten ihr Anliegen in den Parlamentsferien öffentlich gemacht haben: "Ich bin der Meinung, dass die Sommerpause nicht der richtige Zeitpunkt für diese Debatte ist", sagte Merk zu Süddeutsche.de. Die Diskussion müsse "behutsam und mit viel Ruhe" in den Gremien der Parteien geführt werden.

Wie schon über 1000 Jahre lang, ist JETZT natürlich nicht der richtige Zeitpunkt Homos gleiche Rechte zuzuerkennen.
Merk würde damit lieber bis zum St. Nimmerleintag warten.

Aber was treibt eigentlich die Herdprämien-, Frauenquotenhasserin- und Nationalgesinnungs-TÜV-Frau Kristina Schröder dazu mit Fipsi Rösler gemeinsame schwule Sache gegen Schäuble zu machen?

Ganz einfach; die Frauenministerin hat erkannt, daß Schwule konservativ wären und „konservative Werte“ lebten.

Auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder unterstützt den Appell. Die CDU-Politikerin sagte der Süddeutschen Zeitung, der Vorstoß komme "zur rechten Zeit, denn in lesbischen und schwulen Lebenspartnerschaften übernehmen Menschen dauerhaft Verantwortung füreinander, sie leben damit konservative Werte".
Am 1. August hatte das Verfassungsgericht entschieden, dass verpartnerte Beamte, Richter und Soldaten im Besoldungs- und Versorgungsrecht mit Ehegatten gleichgestellt werden müssen und deshalb auch einen Anspruch auf den Familienzuschlag haben.
Bisher lehnt die Union eine steuerliche Gleichbehandlung von Ehen und homosexuellen Lebenspartnerschaften ab.

Eine ungewohnte Erfahrung für die Watschenfrau der Journaille und bestgehasste Politikerin: Plötzlich erntet sie Lob für ihren „Mut“ Schwule als Bewahrer „konservativer Werte“ zu charakterisieren.

Eigenartig.

Man könnte die Verquickung von „schwul“ und „konservativ“ auch als neuen Gipfelpunkt der Schröderschen Doofheit ansehen.

Das eine hat mit dem anderen nämlich nichts zu tun. 
Natürlich gibt es jede Menge stramm konservative Schwule - man denke nur an die Kurienkardinäle.
In der CDU, in der GOP - überall gibt es schwule Unter-Gruppen.

Dennoch spricht einiges dafür Homosexuelle als tendenziell etwas liberaler als den Durchschnitt anzusehen, da sie in eine Minderheit gezwungen werden und dadurch möglicherweise mehr Verständnis und Mitgefühl für andere Minderheiten entwickeln.

Die zweite Schrödersche Doofheit besteht darin zu unterstellen, es wäre „konservativ“, wenn Menschen „dauerhafte Verantwortung“ übernähmen.

Eine regelrechte Unverschämtheit ist das. 
Ich bin zwar kein Soziologe, aber ich kenne mich ein wenig in Pflegeheimen und Krankenhäusern aus. Dort erlebe ich genau das Gegenteil. 
Es sind eher Linke, Alternative, Soziale (oder wie auch immer man es nennen will), die für ihre Angehörigen, Eltern, kranken Kinder dauerhaft Verantwortung übernehmen.

Daß es nur Konservative wären, die sich jahrelang rührend um ihre Dementen Großeltern oder krebskranken Kinder oder gelähmten Ehepartnern kümmern, kann nur einer Kristina Schröder einfallen.

Möglicherweise zielte sie aber auch mit „dauerhafte Verantwortung“ auf eheliche Treue ab. 

Dabei sind die CSU’ler, die jetzt am lautesten das Credo der herkömmlichen Ehe beschwören mit Horst Seehofer und Markus Söder ausgerechnet zwei Männer, die während ihrer Ehe noch mit einer zweiten Frau uneheliche Kinder zeugten.

Der Sozi Helmut Schmidt lebte 68 mit derselben Frau zusammen.

Die konservativen Ministerpräsidenten Öttinger und Wulff hingegen setzten ihre angetrauten Eheweiber vor die Tür und verlustierten sich mit einer Kebse. 
Auch Merkel und Gauck leben in Scheidung. 
Von Beust ist schwul.

Aber selbst wenn ein Funken Wahrheit dran wäre, daß Schwule konservativ sind, taugt das nichts als Argument ihnen großzügig die Ehe zu erlauben.

Menschenrechte sind universell und es obliegt nicht einer latent verblödeten Familienministerin Rechte zuzugestehen oder abzulehnen.

Das Recht eine Partnerschaft einzugehen hängt schon gar nicht von politischen Wohlgefallen gegenüber der Agenda der augenblicklichen Regierung ab.

Auch wenn alle heiratswilligen Lesben Fans der Kommunistischen Plattform wären und ausschließlich Sahra Wagenknecht wählten, hätten sie dasselbe Recht zu heiraten, wie „konservative“ Lesben.

Der Ehebrecher Seehofer erklärt ex cathedra, daß Homosexuelle nicht die Rechte bekommen sollten, die selbstverständlich für ihn gelten.

CSU-Chef Horst Seehofer hat vor einer steuerlichen Gleichstellung homosexueller Paare mit der Ehe gewarnt. Ehe und Familie sollten privilegiert bleiben - daran solle man nicht rütteln, sagte Seehofer der Zeitung «Die Welt».

Zur Freude von Hakenkreuznet poltert auch Norbert Geis, der Rechtsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, gegen das neuerliche Ansinnen der FDP-Minister + Schröder:
Der Vorschlag eines Splittings für Homo-Gestörte wurde von dreizehn CDU-Homoabgeordneten vorgebracht.   Das Grundgesetz wird für die Homos aufgehoben.  Geis belehrt das deutsche Bundesverfassungsgericht.    Dieses müsse bedenken, daß durch eine immer größere Annäherung der Ehe zu einer homogestörten Ehe-Parodie der Unterschied zwischen beiden nicht mehr erkennbar sei. […]   Der Abgeordnete erinnert an die Tatsache, daß die Homo-Verkuppelung verfassungswidrig ist. […]      Seine Frage: „Das soll man ändern, nur weil es ein paar Leuten einfällt?“   […]  Homos argumentieren nicht – sie beschimpfen.  Geis deckt auf, mit welchen dreckigen Mitteln die Homo-Mafia arbeitet: „Es gibt Kreise, die der Meinung, die ich vertrete, sehr intolerant gegenüber stehen. Ich bekomme massenhaft E-Mails, in denen ich beschimpft werde.“  Er glaubt, daß er das „ertragen“ müsse: „Aber es ist auch mein Recht, meine Meinung zu sagen, verdammt noch mal.“
(Kreuznet 08.08.12)

Während Geis schon immer Schwule, Frauen und vieles mehr hasste, kann Seehofer morgen schon Vorkämpfer der „Homo-Verkuppelung“ sein. 
ER, der Vorzeigekonservative mit der Freundin und dem unehelichen Kind neben seiner Hauptfrau und Hauptfamilie wechselt seine Ansichten deutlich häufiger als seine Unterwäsche.

Der bayerische Ministerpräsident ist ein Mann mit schier unendlich vielen Überzeugungen. Zu jeder hat er selbst gleich eine Gegenmeinung.  […] Horst Seehofer ist mit seinem Ego immer eng befreundet gewesen. Die beiden machten miteinander Karriere, erst außerhalb Bayerns, dann auch dort, stiegen zum CSU-Chef und Landesvater auf, was immer sich so ergab. Seehofer und sein Ego stehen ständig im Wettstreit miteinander, wollen sich gegenseitig übertrumpfen. Kaum bekundet Seehofer: Bayern kommt zuerst, das ist mein Auftrag, da beansprucht sein Ego gleich die Richtlinienkompetenz für Europa: Es wird auch künftig keine Hilfen ohne strikte Auflagen und Reformvorgaben geben. Kaum hat der eine der Neuregelung des Länderfinanzausgleichs zugestimmt, da legt der andere schon Klage beim Bundesverfassungsgericht ein. Und so schmelzen Seehofer und sein Ego zu einem Prototyp der deutschen Politik zusammen: dem Mann, der noch größer ist als seine Widersprüche.

Während sich die Minister der Bundesregierung mal wieder wie die Kesselflicker kloppen, wäre es interessant zu hören, was die Frau mit der Richtlinienkompetenz zur causa Homogattensplitting zu sagen hätte.
Aber, unnötig zu erwähnen, Merkel sagt nichts. 
Wie immer bei kontroversen Themen. Sie will beliebt sein und das ist alles.
 Mit einer Positionierung würde sie entweder der Konservativen oder die Normalen in ihrer Partei verschrecken. Das wagt sie nicht.
Sollen doch die Lesben und Schwulen für immer warten.

Der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter sagte am Mittwoch, es biete sich in den kommenden Wochen die Gelegenheit, die "zweifelsohne vorhandenen unterschiedlichen Meinungen auszutauschen und möglichst in Einklang zu bringen". Die Bundeskanzlerin sei zwar in ihrem Urlaub mit der Angelegenheit "befasst", sie werde sich von dort aus aber "jetzt nicht aktiv in den Ring" werfen. […] Zur persönlichen Haltung Merkels wollte Streiter nichts sagen.