Donnerstag, 21. September 2023

Ende einer Ära

Das Bischofsamt ist das höchste Weihesakrament. Das ist eine so verdammt große Sache, daß noch nicht einmal Gottes Stellvertreter auf Erden einen Bischof wieder entbischofisieren kann. Schließlich hatte der HeiGei (= Gott = Jesus) persönlich seine Hände im Spiel, wenn jemand dieses Supersakrament erhielt. Das kann kein Papst – Ätschibätschi – wieder wegwischen, weil er sich damit über den HeiGei stellen würde.

[….] In den Bischöfen, denen die Priester zur Seite stehen, ist also inmitten der Gläubigen der Herr Jesus Christus, der Hohepriester, anwesend. Zur Rechten des Vaters sitzend, ist er nicht fern von der Versammlung seiner Bischöfe (53), sondern vorzüglich durch ihren erhabenen Dienst verkündet er allen Völkern Gottes Wort und spendet den Glaubenden immerfort die Sakramente des Glaubens. Durch ihr väterliches Amt (vgl. 1 Kor 4,15) fügt er seinem Leib kraft der Wiedergeburt von oben neue Glieder ein. Durch ihre Weisheit und Umsicht endlich lenkt und ordnet er das Volk des Neuen Bundes auf seiner Pilgerschaft zur ewigen Seligkeit. Diese Hirten, die ausgewählt sind, die Herde des Herrn zu weiden, sind Diener Christi und Ausspender der Geheimnisse Gottes (vgl. 1 Kor 4,1).  [...] Um solche Aufgaben zu erfüllen, sind die Apostel mit einer besonderen Ausgießung des herabkommenden Heiligen Geistes von Christus beschenkt worden (vgl. Apg 1,8; 2,4; Joh 20,22-23). Sie hinwiederum übertrugen ihren Helfern durch die Auflegung der Hände die geistliche Gabe (vgl. 1 Tim 4,14; 2 Tim 1,6-7), die in der Bischofsweihe bis auf uns gekommen ist.“ […..] Sache der Bischöfe ist es, durch das Weihesakrament neue Erwählte in die Körperschaft der Bischöfe aufzunehmen. [….]

(Lumen Gentium 21)

Der durchaus machtbewußte Mega-Papst JP-II biss sich daher auch an dem abtrünnigen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) die Zähne aus. Woytila konnte ihm nicht das Bischofssakrament entziehen und ihn damit auch nicht daran hindern, immer neue Katholischen Priester und weitere Bischöfe zu weihen, bis ihm dann nervige rechtsextreme Holocaustleugner wie Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X, FSSPX-Bischof Richard Williamson (*1940) auf der Nase herumtanzten. Woytila ließ die fünf Pius-Bischöfe im Jahr 1988 exkommunizieren, also aus der RKK ausschließend, konnte damit aber nichts an der Gültigkeit der Bischofsweihen an sich ändern. Wegen HeiGei; siehe oben. Da Problem löste sich erst, als der im polnischen Widerstand gegen Nazi-Deutschland sozialisierte Woytila 2005 zum Chef abberufen wurde und sein Nachfolger, der frühere bayerische Hitler-Junge Ratzinger sich sagte „Holocaustleugner? Schwamm drüber, das stört mich nicht“, die Exkommunikation von 1988 aufhob und die vier FSSPX-Bischöfe 2009 zurück in die RKK holte.

Da der katholische Bischof Williamson aber privat eine Pestbeule zu sein scheint, geriet er mit seinen Co-Sektierern aneinander, den drei von Marcel Lefebvre geweihten Bischöfen Alfonso de Galarreta, Bernard Tissier de Mallerais und Bernard Fellay, die daraufhin ein Schisma im Schisma vollzogen und Holocaust-Richi im Jahr 2012 aus der FSSPX verbannten.

Damit stießen sie aber bloß an die Grenze, an der JP-II schon 1988 stand. Man kann einen Bischof zwar piesacken und ihm seine weltlichen Ämter aberkennen, aber er bleibt dennoch ein vom HeiGei erwählter Bischof und hat damit das Recht, andere Spinner kirchenrechtlich gültig zu Bischöfen zu erheben.

Williamson machte ab 2012 davon regen Gebrauch und erhob inzwischen sogar acht Geistliche zu regulären katholischen Bischöfen seiner eigenen Klein-Sekte St.-Marcel-Initiative. 2013 hatte Ratzi bekanntlich keinen Bock mehr auf das Amt, das ihm der HeiGei beim Konklave von 2005 aufgebrummt hatte und gab an den argentinischen Einlunger ab, der ab jetzt das zweifelhafte Vergnügen hatte, den 1988 exkommunizierten und 2009 ex-exkommunizierten Williamson bei seiner wilden Weiherei zu beobachten. 2015 platze Bergoglio der Kragen und er warf Williamson erneut raus. Der Holocaustleugner wurde also gewissermaßen ex-ex-exkommuniziert und wartet nun mit seinen acht St.-Marcel-Initiative-Bischöfen möglicherweise darauf, von einem ultrakonservativen Bergoglio-Nachfolger ex-ex-ex-exkommuniziert zu werden.

Das ist also so ähnlich wie der deutsche Affentanz vom Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Atomausstieg, den Söder, Merz und Lindi derzeit propagieren.

Bischöfe wieder loszuwerden, ist also keine triviale Angelegenheit, die auch im Kirchenrecht bemerkenswert vage geregelt ist.

Das Rentenalter für Bischöfe lautet 75 Jahre. Kardinäle müssen bis 80 durchhalten. Eigentlich.

Uneigentlich verlieren sie keineswegs mit dem entsprechenden Geburtstag automatisch ihr Amt, sondern bieten dem Vatikan ihren Rücktritt an, den die Bischofs-Präfektur prüft und dem Papst zur letzten Entscheidung vorlegt. Das kann dauern. So bot Kardinal Woelki Franzi bereits Anfang 2022 seinen Rücktritt an, über den der Argentinier aber bis heute nicht entschieden hat. Erzbischof Heßes Rücktrittsangebot vom März 2021, lehnte Bergoglio ein halbes Jahr später ab – zum Glück, den Heße ist Norddeutschlands wichtigster Säkularisationsbeschleuniger. Der dritte Bischof aus der Meisnerschen Kinderfi**er-Koalition, „Brüder im Nebel“, Weihbischof Schwaderlapp, hatte ebenfalls dem Papst im März 2021 seinen Rücktritt angeboten, aber der wurde am 25.09.2021 aus Rom abgeschmettert.

Es bleibt ein heikler Prozess, weil weniger papsttreue Bischöfe, die sich vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn sie aufhören sollen, aber im Amt bleiben möchten, immer versucht sein könnten, die Lefebvre/Williamson-Karte zu ziehen, um ihr eigenes Ding zu machen. Recht bald nach seiner Amtsübernahme straffte Bergoglio daher das Kirchenrecht diesbezüglich.

[….] Die neue Verfügung, die Papst Franziskus in einer Audienz für Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin billigte, schreibt dieses Vorgehen nun fest. Weiterhin könnte es aber vorkommen, dass der Betreffende die Bitten des Heiligen Stuhls ignoriert. Im Extremfall hat der Papst die harte Möglichkeit einer Amtsenthebung - wie zuletzt die des paraguayischen Bischofs Rogelio Livieres, dem Falschaussage und üble Nachrede vorgeworfen wurden. Die sieben Artikel umfassende Anordnung ergänzt die Canones 401, 402, 411 und 354 des katholischen Kirchenrechts. Im Wesentlichen schreibt sie fest, was schon bisher Praxis war. Das gilt für den Amtsverzicht von Bischöfen, der nur selten pünktlich zum 75. Geburtstag mitgeteilt wird und beispielsweise auch erst nach dem 91. Geburtstag erfolgen kann. Das war das Alter, in dem der weißrussische Kardinal Kazimierz Swiatek seinen Bischofsposten aufgab. Indem Benedikt XVI. ihn so lange im Amt ließ, wollte er Swiatek als große Bekennergestalt seiner verfolgten Kirche ehren.  [….]

(Domradio, 06.11.2014)

Im August wurde Erzbischof Wolfgang Haas, Haasi, der womöglich irrste Bischof des deutschsprachigen Raumes, gewissermaßen eine gemäßtete Williams-Version, 75 Jahre alt.

(….) [….] Der frühere Churer Weihbischof Peter Henrici hat seinem ehemaligen Bischof, dem heutigen Erzbischof von Liechtenstein, Wolfgang Haas (73), und der Kirchenleitung unter Papst Johannes Paul II. schwere Vorwürfe gemacht. Haas [….] „war nicht fähig, sich als Bischof anerkennen zu lassen oder gar zu regieren", so Henrici in einem neuen Interviewband, aus dem die "Neue Zürcher Zeitung" (Samstag) zitiert.  Haas' gröbste Fehler macht Henrici demnach bei der Priesterausbildung aus. Es sei ihm darum gegangen, möglichst viele Jungpriester nachzuziehen, die sein äußerst konservatives Weltbild geteilt hätten. "Der Bischof nahm ungeeignete Priesteramtskandidaten auf, betreute sie persönlich und weihte sogar den einen oder anderen gegen den ausdrücklichen Rat von Regens Peter Rutz", so der frühere Churer Weihbischof und Generalvikar mit Sitz in Zürich (1993-2003). Der Schaden, den Haas dem Bistum zugefügt habe, liege "weniger in dem, was er tat, als in dem, was er nicht tat oder nicht tun konnte". [….] Unter dem sehr konservativ agierenden Haas (1988/90-1997) stürzte das Bistum in eine tiefe Krise, der der Papst aus Polen schließlich dadurch begegnete, dass er 1997 das kleine Erzbistum Liechtenstein schuf, um Haas aus Chur in seine Heimat zu befördern. Diese Ära der Spannungen wiederholte sich unter Bonnemains Vorgänger Vitus Huonder (2007-2019).[….]

(KNA, 27.11.2021)

Die Kombination aus Frauen- und Schwulenhass einerseits und freundlicher Toleranz gegenüber Kinderfi**ern andererseits, wird allerdings auch im Vatikan nicht mehr so uneingeschränkt positiv gesehen, wie früher. Also rüstete der Liechtensteiner Pykniker in den 10ner Jahren verbal etwas ab, um nicht wie ein zweiter TVE, als Kurienerzbischof im Vatikan zu versauern.

Das wäre natürlich insbesondere für die Atheisten äußerst bedauerlich, wenn ein Bischof mit einer so enormen Gläubigen-Vertreibungspotenz nutzlos in Rom versteckt würde. So wirkungsvolle Helden der Säkularisierung gibt es selten und sollten wie Woelki, Meisner, Mixa, Huonder, Krenn, TVE, Groer, Laun, Dyba, Burke, Viganò oder Bertone öffentlich maximal präsent sein, um die Kirchenaustrittszahlen kontinuierlich zu erhöhen.

Deshalb war ich sehr glücklich über Haasis Rückkehr in die Öffentlichkeit. Mit einem Paukenschlag reihte er sich in der Kaczyński-Kyrill-Putin-Orbán-Front ein und hetzte in einer derben menschenfeindlichen gegen Schwule.  (….)

(Wieso sich die konservativen Dunkelkatholiken im Aufwind wähnen, 18.03.2022)

Wie würde Papst Bergoglio mit dem formal angebotenen Rücktritt vom Traum-Posten des prunkverliebten Moppels umgehen?

Ein paar Jahre drüber nachdenken, wie bei Woelki?



Ihn noch weitere 16 Jahre im Amt lassen, wie Kazimierz Swiatek?

Oder würde er Haasi so schnell wie möglich absägen, mit der Gefahr, daß dieser auf den Lefebvre-Geschmack kommt und ein Dutzend homophober Liechtensteiner Nazi-Stampfer zu Bischöfen macht?

Aber in diesem Fall reagierte der Papst verblüffend klar; zu groß ist offenbar seine Abneigung gegen den dicken Aluhut aus dem Bergreich.

[….] Kontroverser Bischof geht in Ruhestand

Der Erzbischof von Vaduz in Liechtenstein, Wolfgang Haas, ist zurückgetreten. Papst Franziskus nahm den altersbedingten Amtsverzicht des 75-Jährigen an. Als Erzbischof von Vaduz und zuvor Bischof von Chur ist er oft angeeckt.

Mit der Übergangsleitung beauftragte der Papst den Bischof von Feldkirch in Österreich, Benno Elbs,wie das vatikanische Presseamt am Mittwoch mitteilte. Haas war der letzte Amtsträger aus einer Riege kontroverser und entschieden konservativer Bischofsernennungen der späten 80er Jahre unter Papst Johannes Paul II. (1978-2005) im deutschen Sprachraum. Dazu gehörten etwa die Kardinäle Hans Hermann Groer (Wien) und Joachim Meisner (Köln) oder Bischof Kurt Krenn in Sankt Pölten.  […]

(Domradio, 20.09.2023)

Ach Haasilein, ich werde ihn vermissen!

Mittwoch, 20. September 2023

Merz goes Steffel

Erinnert sich noch jemand an Frank Steffel? Den Reinickendorfer Teppichhändler, der 2001 als CDU-Spitzenkandidat bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl antrat, die wohl peinlichsten Politbilder des Jahrzehnts produzierte, als er sich bei Eierwürfen furchtsam hinter Edmund Stoiber duckte, auf die Frage, welches seine Lieblingsstadt sei, als Berliner Spitzenkandidat „MÜNCHEN!“ sagte, die CDU von 41% (1999) auf 23% (2001) schrumpfte und gnadenlos gegen den als „schwul“ diffamierten Klaus Wowereit unterging?


Steffel ist der Mann mit der gepflegten Ausdrucksweise.

(….) Frank Steffel, Jahrgang 1966, ist ein wandelndes Klischee. Keiner verkörpert den Westberliner kleinbürgerlichen Spießer-Klüngel besser als der CDU-Vielfach-Funktionär, der schon mit 16 in die Partei Diepgens und Landowskys eintrat. Von Papi erbte er eine Teppichverleger-Firma und fühlte sich allein dadurch seinen Mitbürgern überlegen.
Linke, Migranten, Künstler - kurzum die ganze Berliner alternative Szene hasste er schon immer wie die Pest und drückte dies auch in seiner eigenen Sprache aus:
Die Süddeutschen Zeitung vom 23. August 2001 berichtete als Erste darüber, er habe in seiner Zeit bei der Jungen Union Schwarze „Bimbos“ und Türken „Kanaken“ genannt.
Behinderte waren für ihn „Mongos“ und eine Lehrerin, die diese Ausdrücke bemängelte, bezeichnete Jung-Steffel als „Kommunistenschlampe“.
Die Kritik an seinen Manieren konnte er nicht verstehen und erklärte Michel Friedman: „Einem Jugendlichen rutscht sowas schon mal raus!“  Im Intrigantengestrüpp der Berliner CDU hangelte er sich 2001 zum Bürgermeisterkandidat empor und forderte Klaus Wowereit heraus.

(Der Christ des Tages – Teil X, 11.10.2009)

Zu seinem Glück vergaß die Öffentlichkeit das Bundestagsmitglied Steffel (2009-2021) bis er 2018 wieder Aufmerksamkeit erregte, als er seinen erschummelten Doktor-Titel zurückgeben musste.

Wieso sich CDU- Bundeschef ausgerechnet an Frank Steffel orientiert, bleibt sein Geheimnis.

Auch Merz blamiert sich immer wieder mit rechtsschmutzigen Ausdrücken, für die er anschließend schief angesehen wird.

Auch Merz versteht es, bei Werbeveranstaltungen für seine Partei, einprägsam peinliche Bilder zu produzieren.

Das neue CDU-Logo verwirrt nicht nur durch peinliche Farben – „als Zeichen absoluter Hilflosigkeit“, sondern auch durch einen perfekt an die AfD angepassten „CDU-Bogen“.


Als Krönung der Peinlichkeit, verwechselte seine CDU auch noch den Berliner Reichstag mit dem verwaisten Georgischen Präsidentenpalast in Tiflis.

[…..] Wer sich wie bei Rudi Carrell seinerzeit auf den Clip konzentriert und dann memoriert, was zu sehen ist, kann aufzählen: diverse CDU-Kanzler, ein Wäre-gern-Kanzler namens Merz, ein Familienidyll wie aus dem Heimatfilm, eine Deutschlandfahne, Berge, Wandern, Fußball spielen, aufs Handy starren (kein Empfang?), irgendwas mit Digitalisierung und in Sekunde 19 irgendwas mit Kuppel. Genauer: Es geht um den ehemaligen Präsidentenpalast von Georgien in Tiflis. […..] Übrigens präsentiert die CDU neue Farben im aktualisierten Corporate Design. Türkisgrün ist die Grundierung ("Cadenabbia" steht laut Generalsekretär Carsten Linnemann für "Vitalität"), worauf die Buchstaben CDU in einem tiefen Schwarz prangen - neben einem "Deutschland-Bogen" in Schwarz, Rot und Gold. […..] Der neue Look, so die CDU, sei "auf Augenhöhe mit den Menschen & der Zeit". Und mit Tiflis. Der laut Wikivoyage "monströse Palast" wurde auf Initiative des früheren Präsidenten Michail Saakaschwili gebaut, dient heute aber nicht mehr als Amtssitz. […..] Hier dennoch ein Hinweis für Friedrich Merz, der kürzlich Kreuzberg (Berlin, laut Merz nicht Deutschland) offenbar verwechselte mit dem Gillamoos in Bayern (Volksfest, laut Merz Deutschland): Kreuzberg, Gillamoos und Bundestag gehören allesamt nicht zu Georgien.  [….]

(Gerhard Matzig, 20.09.2023)

Damit lud Merz im full Steffel-mode natürlich zum allgemeinen Gespött ein.

Auch Merz desavouierte seine eigene Partei meisterhaft, als er ungefragt und ohne Not, Bayern zum am besten regierten Bundesland erklärte.

[….]  Viele Menschen würden gern mit ihnen tauschen; in Bayern leben, in dem am besten regierten Bundesland, im Freistaat Bayern der Bundesrepublik Deutschland. Danke, CSU! [….]

(Friedrich Merz, Gillamoos, September 2023)

Faszinierend; von den 16 deutschen Bundesländern, werden gegenwärtig sechs von einem CDU-Mann regiert: Günther, Rhein, Wüst, Wegner, Kretschmer und Haseloff.

Zwei weitere Länder, Brandenburg und Baden Württemberg, werden von der CDU mitregiert.

Als Antwort auf die Frage nach der besten Landesregierung, bestand also schon rein statistisch, eine 50:50-Chance für den CDU-Chef, eine Regierung SEINER Partei zu nennen.  Stattdessen wählte er das Land, in dem es keine CDU gibt und das von einem rechtsextremen Antisemiten mitregiert wird.

Wer wie Günther und Rhein und Wüst so einen Parteichef hat, braucht keine Feinde mehr.

Dienstag, 19. September 2023

Ausgerudert.

Fritze Merz war sein ganzes Leben ein  erzkonservativer Rechtspopulist, der sich homophob, misogyn und xenophob äußerte.

Nachdem er nach vielen Anläufen Partei- und Bundestagsfraktionsvorsitzender der CDU wurde, erwartete man von ihm, einerseits einen klareren Kurs als von Merkel, AKK und Laschet. Andererseits sprach er nun nicht mehr als Privatperson, sondern repräsentierte eine große Volkspartei und stellte den ersten Anwärter für die Kanzlerkandidatur, schickte sich somit an, Regierungschef aller Deutschen zu werden. So einer plappert üblicherweise nicht drauf los, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, sondern wägt seine Worte sorgsam ab, übt sich in staatsmännischer Ausdrucksweise, versucht möglichst niemanden vor den Kopf zu stoßen.

Allein, diese Fähigkeit geht Merz vollkommen ab. Immer wieder verstolpert er sich verbal, muss seine eigenen Statements zurecht rücken und seine braunen Testballons mit dem miefenden Inhalt wieder einfangen.

Man mag es Strategie nennen, um zu sehen, wie weit man gehen kann. Aber Merz schien immer wieder überrascht von den heftigen Reaktionen, wurde sogar in seiner eigenen Partei deutlich kritisiert.

·        Mit Homosexualität habe er seinen Frieden gemacht, aber wenn die sich an Kinder ranmachten, höre der Spaß auf.

·        Asylrecht abschaffen.

·        Populistische Angriffe auf den öffentlichen Rundfunk

·        Kreuzberg/Migranten gehören nicht zu Deutschland

·        Ausländerkinder benehmen sich wie kleine Paschas.

·        Die CDU ist eine „Alternative für Deutschland mit Substanz“.

·        AfD-Koalitionen auf Kommunalebene sind akzeptabel.

Kann ein Mann sich so häufig verplappern? Und wenn ja, ist er dann als Bundeskanzler geeignet? Wird das nicht reichlich peinlich, wenn Kanzler Merz bei internationalen Gipfeln immer wieder Sprüche kloppt, die der Regierungssprecher anschließend relativieren und dementieren muss?

Oder kennt Merz das Gefühl des Peinlichberührtsein gar nicht?
Schließlich geht es ihm bei seiner selbsterklärten Kernkompetenz, der Ökonomie, schon seit Jahren so, daß er mit finanzpolitischen Fachbegriffen um sich werfend beeindrucken will, aber die staunenden Journalisten feststellen, welchen Unsinn der Mann von sich gibt, der offenbar noch nicht einmal die Basics der Volkswirtschaft versteht.

Das Merzsche Dauerzurückrudern bei seinen rechtsextremen Blinkereien hat immerhin ein Ende. CDU und CDU haben beide ihre postulierte Brandmauer-Phase offiziell aufgegeben und stehen nun klar für ihre AfD-Affinität ein.

Während sich Söders antisemitischer Stellvertreter Aiwanger, mit der Bitte um Unterstützung direkt an die rechtsextreme NDP wendet, paktiert die Union in Thüringen mit den ultrarechten Höcke-Faschisten.

Merz großspuriges Versprechen von dem unmittelbar folgenden Parteiausschlussverfahren, ist Makulatur.

War die postulierte „Brandmauer zur AfD“ bisher schon eher nur eine luftige großmaschige Gardine, soll sie nun ganz aufgegeben werden. Andreas Rödder, der Vorsitzende der CDU-Grundwertekommission, will zukünftig mehr mit den Faschisten zusammenarbeiten.

[….] Erstmals hat die CDU in einem Landtag gemeinsam mit den Rechtspopulisten ein Gesetz durchgebracht. [….] Andreas Rödder, Vorsitzender der CDU-Grundwertekommission, hat sich in der unionsinternen Debatte über den Umgang mit der AfD zu Wort gemeldet. Rödder hat seiner Partei einen Strategiewechsel empfohlen und zeigt sich offen für CDU-Minderheitsregierungen im Osten: „Die CDU darf nicht länger über falsche Brandmauern streiten. Das hat nur den Effekt, dass die AfD die CDU immer wieder vorführen kann“, sagte Rödder in einem am Dienstag (19. September) veröffentlichten Stern-Interview. Vielmehr müsse die CDU „selbstbewusst auftreten und eigene Positionen formulieren“. Sie müsse aus der Defensive herauskommen. „Nur so kann sie die rechte demokratische Mitte für sich gewinnen.“ [….] Er halte schon das Wort Brandmauer für falsch. „Es teilt die Welt in zwei Lager: ‚wir‘ und ‚die‘, auf der einen Seite das grüne Auenland, auf der anderen Seite die verbrannte Erde“, sagte Rödder. „Die Brandmauer-Hysterie führt doch nur dazu, dass die AfD immer mehr Zulauf erhält.“

Rödder zeigte sich offen für Minderheitsregierungen seiner Partei im Osten, selbst wenn diese hin und wieder von der AfD unterstützt würden. [….] Nach Ansicht Rödders jedoch sollte sich die CDU auch parlamentarischen Initiativen der AfD künftig nicht von vornherein verschließen. [….]

(Franziska Schwarz, FR, 19.09.2023)

Carsten Linnemann, CDU-Rechtsaußen und CDU-Generalsekretär, bereitet mögliche kommende AfD-CDU-Koalitionen unterdessen auch optisch vor. Die Parteifarbe wird der AfD angepasst.

[….] Die CDU verpasst sich einen neuen Anstrich. Der Parteiname der Christdemokraten soll künftig in schwarzer statt roter Schrift erscheinen. Neue Grundfarbe wird ein helles Türkisblau. [….] Teil des neuen Logos sind zudem drei nebeneinander ansteigende Streifen, die dem Parteinamen in den Farben der deutschen Nationalflagge vorangestellt werden. Die schwarz-rot-gelben Streifen sollen einen »CDU-Bogen« darstellen, der für Aufbruch und Dynamik stehen soll. [….]  »Die CDU wird wieder schwarz«, sagte nun Generalsekretär Linnemann. [….] Bei der Präsentation des neuen Designs wies Linnemann Interpretationen zurück, wonach das Türkisblau dem Blau der AfD ähnele. [….]

(SPON, 19.09.2023)

 

Die Deutschen Christen und Konservativen wiederholen ihren Move von vor 90 Jahren, als sie schon einmal den Nazis den Weg zur Macht bereiteten.

(….) Der konservativ-nationale Katholik Heinrich Brüning von der Zentrums-Partei amtierte vom 30. März 1930 bis zum 30. Mai 1932 als Reichskanzler. Er band erste Faschisten in eine Rechts-Koalition ein. Erst wollte er die Nazis der NSDAP und DNVP aus der Regierung halten, indem er auf Notverordnungen setzte und sich von der SPD tolerieren ließ. Aber der erzkonservative Reichspräsident Hindenburg wollte keine Sozis in der Regierung. Seinen Freunden in Militär und Adel war Adolf Hitler einfach sympathischer als die Arbeiterpartei. Also kuschelte Brüning mit den Faschisten, bis Hindenburg um die Subventionen für sein Gut Neudeck fürchtete („Osthilfe“) und Franz von Papen zum nächsten Reichskanzler ernannte.

Der ehemalige Zentrums-Mann entmachtete die SPD Preußens, hielt aber mit einer Gruppe aus Adeligen („Kabinett der Barone“) nur fünf Monate durch.

Nachdem am 03.12.1932 der bisherige Reichswehrminister Kurt von Schleicher neuer Reichskanzler wurde und versuchte ein breites Bündnis aus NSDAP, Konservativen und Militärs unter seiner Führung zu vereinen, verhandelte von Papen mit Hitler über eine Koalitionsregierung zwischen der nationalkonservativen DNVP und der NSDAP. Man müsse die Anliegen der Rechtsradikalen ernst nehmen und durch eine Einbindung in die Regierung würden sie auf den Boden der Tatsachen geholt. Tatsächlich wurde von Papen, der nach nur sieben Wochen von Schleicher-Regierung unter Hitler Vize-Reichskanzler und trat 1938 in die NSDAP ein. (…)

(Es geht rapide bergab, 25.06.2023)