Samstag, 17. Juli 2021

Politisierende Fluten

Bei großen Katastrophen sind die jeweiligen Landesregierungschefs natürlich vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Es ist richtig und notwendig, wenn sich Malu Dreyer und Armin Laschet zeitnah in den Epizentren der Monsterflut blicken lassen. Vizekanzler Olaf Scholz erfüllt ebenfalls eine wichtige Funktion vor Ort, weil er als Finanzminister für die Milliarden-schweren Hilfen zuständig ist und sich Heimatminister Seehofer schon seit Jahren geistig in die Rente verabschiedet hat. Das Staatsoberhaupt Steinmeier hingegen mag eine moralische Unterstützung für manchen Betroffenen gewesen sein, aber da er keine Regierungsfunktion ausübt, bezweifele ich den Sinn seines heutigen Besuches in Erftstadt. Er sollte lieber erst einmal nicht den Rettern im Weg stehen. Vollends sinnlos ist der Besuch Baerbocks im Katastrophengebiet, weil sie kein Amt hat, nicht helfen kann und auch noch nie regiert hat.

Ihr Co-Parteichef analysiert zutreffend:

[….] „Jetzt ist die Stunde der Retter und nicht die Stunde von Politikern, die dort nur im Weg rumstehen. Und so einer wäre ich“ [….]

(Robert Habeck, 16.07.2021)

Es ist eine schwierige Gratwanderung für die zuständigen Politiker. Sie sollen Empathie und Interesse zeigen, helfen, aber sich nicht selbst inszenieren.

Einen besonderen Twist bekommt die die Hochwasserkatastrophe dadurch, daß jeder vernünftige Mensch die Häufigkeit von Extremwetterlagen erkennt und diese mit dem menschgemachten Klimawandel in Zusammenhang bringt. Es ist sind insbesondere eine Partei - die CDU, eine Landesregierung - die Schwarzgelbe von NRW  und ein Kanzlerkandidat – Laschet, die bisher Klimaschutz besonders kleinreden, eine miese Klimabilanz aufweisen und bei jeder Gelegenheit zu Gunsten der Klimapest-Industrien (Kohle/Verbrennungsmotoren/Flugzeuge) entscheiden.

Nichts könnte dem CDU-Chef ungelegener kommen als das Klima-Thema, welches er bisher recht erfolgreich kleinredet und verdrängt.

[….] Aus irgendeinem Grund ist das Klimathema plötzlich zu einem weltweiten Thema geworden [….]

(Armin Laschet, 26.09.2019)

Ein weiterer Twist ist die bevorstehende Bundestagswahl. Die Laschet-CDU vermochte es bisher mit Merkels berüchtigter und erfolgreicher Strategie der „asymmetrischen Demobilisierung“ jede inhaltliche Diskussion aus dem Wahlkampf zu halten, einfach nicht über die wichtigen anstehenden Themen zu sprechen und stattdessen das Wahlvolk über persönliche Kinkerlitzchen der Kandidaten diskutieren zu lassen.

140 Tote und noch viel mehr Vermisste erfordern nun aber eine Rückkehr der klassischen Politik in den Wahlkampf.


Jeder zieht Parallelen zu der Oderflut im Bundestagswahlkampf vor knapp 20 Jahren, die zwar nicht wie oft kolportiert die Wahl entschied, aber durchaus Schröder gut und Stoiber schlecht aussehen ließ.

Zufälligerweise ist Gerd Schröder, ähnlich wie Bill Clinton nicht nur ein politisches Naturtalent, sondern begnadet im Umgang mit Menschen im direkten Kontakt.

Ja, er war lange bevor Stoiber dran dachte seinen Urlaub abzubrechen, schon in Gummistiefeln auf den Deichen, aber er stand dort eben nicht nur sinnlos rum, sondern signalisierte den Ostdeutschen, daß er sich kümmere. Das tat er auch sagenhaft schnell, schob die geplante Steuerreform um ein Jahr auf, um Geld für den Wiederaufbau frei zu machen, setzte blitzartig die Bundeswehr als Hilfe ein.

Schröder half tatsächlich, während der im Umgang mit Menschen stets fremdelnde und abgehobene Stoiber eher Verwirrung stiftete. Als der CDU-Kanzlerkandidat in den Urlaub flog, lag er rund fünf Prozentpunkte vor der SPD, um dann erratisch am Wahlabend zu verkünden „jetzt mache ich mir erst mal ein Glas Sekt auf!“, während die SPD 6.000 Stimmen mehr als CDU/CSU einfuhr.

Die Parallelen der Flut-Wahlkämpfe 2002 und 2021 darf man aber nicht überstrapazieren. Schröder war Amtsinhaber, Stoiber lange Ministerpräsident. Das Wahlvolk kannte die beiden gut. Ganz anders 2021, während man über Charakterfragen grübelt und die meisten Menschen den Namen Baerbock erst seit ein paar Wochen kennen.

Außerdem waren vor 20 Jahren Klugtelefone, private Drohnenaufnahmen und Twitteraccounts noch nicht so dominierend. Die Bilder aus dem Oderbruch wurden noch sehr stark von Tagesschau, Heute und den Zeitungen geprägt. Schröder schuf Bilder und ein Narrativ, war im Umgang mit den Medien außerordentlich geschickt.

Alle drei Kanzlerkandidaten von 2021 sind viel leichtere Kaliber. Scholz macht keine großen Fehler, hält sich zurück, gilt als kompetent, aber auch als Langweiler. Laschet und Baerbock sind hingegen schon berüchtigt für ihre kleinen Fehltritte und unüberlegten Sprüche.

Eine Entschuldigungs-Aussage wie „ach, keiner schreibt doch heute noch ein Buch allein“ der flapsigen Grünen, wird natürlich sofort unter schweren Beschuss genommen, von all den seriösen Autoren, die teilweise Jahrelang mutterseelenallein über ihren Werken brüten.

[….] Nora Bossong schreibt, sie sei "einfach etwas fassungslos"

Ohne Frage ist das Pathos, das in der Gestalt des einsamen Schriftstellers daherkommt, auf dessen Schultern bestenfalls die Dämonen hocken, abgehangen. Es ist sogar ein wenig komisch. Es ist aber nicht halb so komisch wie der Satz von Annalena Baerbock, der vollständig so lautet: "Wie es so schön heißt: Keiner schreibt ein Buch alleine." Es liegt ja schon eine kleine Flunkerei in der Phrase "Wie es so schön heißt". Denn das Sprichwort "Niemand schreibt ein Buch alleine" gibt es so wenig, wie es sonst die hilfreichen Krakenarme einer seligen Schreibgemeinschaft gibt. Und die tollen Lektoren, ohne die kein Buch zwischen zwei Deckel kommen würde? Ihre Arbeit dürfte Annalena Baerbock nicht gewürdigt haben, als sie von der Vielzahl der Mitgestalter sprach. [….]

(Hilmar Klute, 11.07.2021)

Auch das sollte nicht wahlentscheidend sein, ist aber eins der vielen Mosaiksteinchen, die Baerbock als unseriöses Leichtgewicht zeigen.

Wenn einer Kandidatin solche verbalen Fehlleistungen nach einer ganzen Kaskade anderer kleiner Fehlleistungen passieren, winkt das Publikum irgendwann ab und interessiert sich nicht mehr für Inhalte.

Ein noch unglücklicheres Bild gibt Armin Laschet ab, der schon immer zur Tölpelei neigte, ebenfalls in seinem Buch plagiierte, während eines Telefoninterviews in den Swimmingpool stolperte und bekanntlich die Klausuren seiner Studenten verbummelte.

Ungeschicklichkeit allein ist noch nicht so problematisch. Hinzu kommt bei Laschet aber die unangenehme Eigenschaft, furchtbar viel zu lügen und sich mit Hingabe selbst zu widersprechen.

Es passt ins Bild, daß er seine Studenten, nachdem er ihre Klausuren verloren hatte, nicht etwa die Wahrheit sagte, sondern sich aus der Situation schummelte, indem er sich Lügenzensuren aus den Fingern saugte.

Laschet macht im Fernsehen gern eine unglückliche Figur, weil er einfach drauflosdampfplaudert und gar nicht bemerkt, wenn er Unsinn erzählt.

Sein katastrophaler Lanz-Auftritt, als er erklärte Deutschland sei in so einem schlechten Zustand, ohne zu bedenken, daß seine Partei seit 16 Jahren regiert, ist schon jetzt Legende.

Die Fluten überfordern den Mann nun aber coram publico.

Blitzartig ließ er die beschwichtigenden Aussagen zum Klima aus dem CDU-Wahlprogramm entfernen, sagte nun das Gegenteil, die Anstrengungen für den Klimaschutz müßten intensiviert werden; um dann am selben Tag erneut umzufallen und zu verkünden „wegen eines Tages“ werfe ich er nicht die Politik um.



Anders als es 2002 möglich war, brach sofort ein Meme-Gewitter in den sozialen Medien los.


Laschet ist wieder einmal als Depp, der nicht weiß was er will, enttarnt. Vor einer Woche hatte er vehement bestritten als Kanzler Steuern zu senken, obwohl im CDUCSU-Wahlprogramm die Abschaffung des Solis für die Superreichen und Senkungen der Unternehmenssteuern versprochen  sind. Sein Wirtschafts-Genie Merz und Kollege Söder widersprachen heftig.

Es ist offensichtlich ein Muster: Laschet kennt die Fakten nicht und lügt wie es ihm gerade gefällt.

Heute kam es aber noch schlimmer, als er mit dem Bundespräsidenten unterwegs war und feixend im Hintergrund Witze riss, während Steinmeier sich betroffen über die 140 Toten äußerte.

Das ist immer noch keine konkrete Politik, keine Sachaussage, auf die man ihn festnageln könnte. Aber es ist im Social-Media-Zeitalter extrem toxisches Wahlkampfgift.


Was könnte unsympathischer sein, als ein Lobby-Landesvater, der sich angesichts der apokalyptischen Zustände vor seinen Augen bestens amüsiert?

Freitag, 16. Juli 2021

Wenn alle Neuronen durchgeschmort sind.

Der verschwörungstheoretische rechtsextreme tiefkatholische Hetzblog „Philosophia Perennis“ des fanatischen Minderheitenhassers David Berger befindet sich seit Jahren permanent im Aluhut-Modus.

Für Berger und seinen manisch masochistischen Pipi-Kumpanen Michl gibt es keine Pandemie und keinen Klimawandel.

Hinter allem wittern sie „Linksgrünversiffte“ am Werk, die Deutschland zerstören wollen. Um Bergers bösartig-destruktive Weltsicht zu verstehen, bedarf es psychiatrischer Analyse.

Dabei vollbringen die letzten überlebenden schwächlichen Synapsen in den Schrumpfhirnen der beiden Theologen erstaunliche Kurzschlüsse.

So haben sie beispielsweise den Hauptzerstörer des christlichen Abendlandes und der katholischen Kirche ausgerechnet in Jorge Bergoglio ausgemacht.

[…..] Mit der Abschaffung von „Summorum Pontificum“ schlägt Franziskus nicht nur seinem Vorgänger – bildlich gesprochen – ins Gesicht. Er setzt auch sein Zerstörungswerk der Catholica in einer Weise fort, die immer deutlicher einen Hass auf alles authentisch Katholische zutage treten lässt. Möchte er die katholische Kirche als traditionelle Hüterin des Wahren, Guten und Schönen mit in den zerstörerischen Strudel des Great Reset treiben? […..]

(David Berger, PP, 16.07.2021)

Als Atheist finde ich es recht amüsant zu sehen, wie der braune Katholiban-Tumor aus Würzburg, den Papst als größten Kirchenhasser detektiert.

Weniger erquicklich sind allerdings die letzten Worte. Im Hildmannschen Wahn baut Berger in jeden Artikel die Codes antisemitischer Verschwörungstheorien ein, sieht in den Juden Rothschild und Soros finstere Mächte des „internationalen Finanzjudentums“ (Hitler) am Werk.   Systematisch stachelt PP, wie so viele rechte Medien, den Hass auf jüdische Menschen und Einrichtungen an und stellt damit einen der Treiber antisemitischer Gewalttaten in Deutschland dar.  Einen außerordentlich perfiden Twist bekommt Bergers Agieren dadurch, daß er sich immer wieder ungeniert als besonderen Freund Israels selbst lobt.

(….)  Die vielleicht widerwärtigste Form des deutschen Rechtsextremismus nach der Vereinigung von 1990 sind die Salon-Faschisten des Schlages Alexander Gauland oder David Berger oder Donald Trump, die für ihren Hass auch Minderheiten - insbesondere Dunkelhäutige und Muslimische – den Staat Israel missbrauchen.

Das geht so:
1) David Berger hasst Muslime. 2) Bibi Netanjahu geht brutal gegen Islamisten und Palästinenser vor. 3) Berger propagiert seine Israel-freundliche Haltung, bzw Trump verlegt die US-Botschaft nach Jerusalem.

[…..] Wir sind pro-amerikanisch und pro-israelisch. Nicht nur aus einer wohlverstandenen historischen Verantwortung bzw. Dankbarkeit heraus, sondern auch, weil der moderne Staat Israel als einziger Staat im Nahen Osten weltweit ein Vorbild für die Abwehr des aggressiven Islam und dem gleichzeitigen Hochhalten von Menschenrechten und Demokratie ist. [….]

(DB/Phimosophila Penis)

Die Heuchelei ist enorm, denn gerade unter den Trump/AfD/PP-Anhängern konzentrieren sich die schlimmsten Antisemiten.   Nachdem in Charlottesville „Jews Will Not Replace US” gegrölt wurde, attestierte Trump ihnen “fine people” zu sein.

Den Randalierern vom 06.01.2021, die T-Shirts mit Hitlerportraits, Auschwitz-Parolen und dem besonders abscheulichen Akronym „6MANE“ (Sechs Millionen tote Juden sind nicht genug) trugen, bekundete Trump ihnen „we love you!“.

Berger lobt nicht nur Antisemiten, sondern produziert gleich selbst Judenhass, indem er auf seinem Blog kaum einen Tag vergehen lässt, an dem verschwörungstheoretische antisemitische Stereotypen verbreitet werden.

Er ist ganz offensichtlich manisch, wenn es um Menschen jüdischer Herkunft geht. Geifernd vor Hass greift er immer wieder George Soros an, den er als Wurzel aller Übel sieht. Natürlich war Soros laut PP auch Schuld daran, daß Bergers heißgeliebter Donald Trump das Präsidentenamt verlor.

In der nicht-antisemitischen deutschen Welt, weiß man gar nicht so genau welche Prominenten zufällig auch Juden sind. Bei PP hingegen wird das sehr genau registriert und so werden Gregor Gysi, Marina Weisband oder Annetta Kahane regelmäßig mit Hass überzogen.

Zum heutigen Holokaust-Gedenktag, feuert der AfD-Blog gleich drei judenfeindliche Artikel ab.   Ich kann das an dieser Stelle nicht zitieren, weil ich sonst in Ohnmacht falle.    Wer es mag, möge sich die drastische perfide Hetze gegen die 88-Jährige Charlotte Knoblauch ansehen.  Möge sich über Bergers Heuchelei, mit der er sich als Nicht-Nazi-Nationalist selbst preist.

[…..] Wer echten Nationalstolz bei den Deutschen wiedergewinnen will, auch um der von Antifa & Co tatsächlich schamlos instrumentalisierten Nazikeule und dem krankhaften Hass linksgrüner Kreise auf Deutschland etwas entgegen zu setzen, aber gleichzeitig die dunklen Stellen unserer Geschichte ausblenden und verstecken möchte, wird erbärmlich scheitern. […..]

(DB, 27.01.2021)

Möge sich die ekelerregende Geschichtsklitterung betrachten, mit der PP heute Kommunisten den Antisemitismus in die Schuhe schiebt – bekanntlich war das diametrale Gegenteil der Fall. Kommunisten haben Auschwitz befreit und gegen Hitler gekämpft, während Bergers Konservative und Christen Hitler förderten. (….)

(27. Januar 2021)

Auffälliger Hass auf alle jüdischen Politiker in Kombination mit solchen Selbstbeschreibungen auf seinem Blog – allerliebst:
 

[…..] Zugleich betont auch dieses Fest [„Mariä Opferung“]  die enge Verbindung der Catholica mit dem Judentum – und damit mit Jerusalem bzw. Israel. Und wird so wie viele andere Leitmotive des katholischen Lebens zum klaren Signal, dass es nichts Unkatholischeres gibt als Rassismus, Judenhass bzw. Antisemitismus. [….]

(DB/PP, 21.11.2019)

Es braucht enorm starke Drogen, um den eigenen permanent zur Schau gestellten Judenhass als Stellungnahme gegen Judenhass zu verkaufen.

Zum Beispiel Corona-Schwurbeler Sucharit Bhakdi; ein besonders scheußliches Exemplar der Gattung Mensch.

[….] Antisemitische Aussagen und Hetze sind im Kreis der Corona-Leugner und Maßnahmen-Kritiker ja nichts Neues. Doch der Bundestagskandidat und „Querdenker“ Sucharit Bhakdi hat mit seinen aktuellen Aussagen eine neue Dimension erreicht.  Der Mikrobiologe und Bundestagskandidat der Partei „Die Basis“ vergleicht in einem Interview, das auf einer maßnahmenkritischen Internetseite erschienen ist, das heutige Israel mit Deutschland während der NS-Zeit. „Die Juden“ hätten „das Böse“ gelernt, so Bhakdi. [….] Bhakdi spricht in dem Interview vom „Volk, das geflüchtet ist aus diesem Land, aus diesem Land, wo das Erzböse war“ und dass die Juden ihr eigenes Land, sprich Israel, gefunden und es in etwas verwandelt hätten, „was noch schlimmer ist, als Deutschland war“. Und weiter: „Das ist das Schlimmste an den Juden: Sie lernen gut. Es gibt kein Volk, das besser lernt als sie. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt – und umgesetzt. Deshalb ist Israel jetzt living hell – die lebende Hölle.“  Bhakdi reiht sich mit seinen Äußerungen in zahlreiche antisemitische oder NS-relativierende Aussagen von bekannten Mitgliedern der maßnahmenkritischen Szene ein. So behauptete etwa der Rechtsanwalt Reiner Fuellmich, ebenfalls Bundestagskandidat der „Basis“-Partei, die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung seien Schlimmer als der Holocaust. [….]

(Mopo, 16.07.2021)

Abgesehen von „Die Basis“ oder dem Breitschuster-Bhakdi-Freund Til Schweiger gibt es wohl niemanden, der sich nicht angewidert von den drastisch antisemitischen Aussagen Bhakdis abwenden würde.

Außer dem selbsternannten großen Israel- und Judenfreund David Berger.  Er lobt den brutalen Antisemiten Bhakdi in sage und schreibe elf Artikeln.

[……] Volle Kraft voraus: „DieBasis“ startet mit prominenten Basisdemokraten in den Bundestagswahlkampf [……] Als Direktkandidaten oder auf Spitzenplätzen von Landeslisten haben dieBasis-Mitglieder in den letzten Stunden und Tagen namhaften Basisdemokraten und Fachleuten auf ihren Gebieten sowohl Stimme als auch Vertrauen gegeben: [……] Prof. em. Dr. Sucharit Bhakdi [……] Dr. Reiner Fuellmich [……]

(DB/PP, 05.05.2021)

[……] Ich empfehle Ihnen hierzu das youtube-Video auf dem Kanal Rubikon mit Prof. Dr. Sucharit Bhakdi: „Der Pandemie-Schwindel“  [….]

(DB/PP, 14.06.2020)

[……] Unabhängige Experten wie [……] Prof. Sucharit Bhakdi [……] warnten bereits damals vor einem voreiligen Lockdown [….]

(DB/PP, 19.09.2020)

[……] Wendler: Wer Corona-Dogma der Bundesregierung kritisiert, wird vernichtet[……] „Ich werfe der Bundesregierung schwere Verstöße gegen die Verfassung vor“ [……] Wendler fühlt sich dabei nicht alleine, [……] beruft sich auf Wissenschaftler wie den bekannten Professor Sucharit [……]

(DB/PP, 09.10.2020)

[……] Für mich wird die geistige Freiheit in Deutschland erst dann wieder hergestellt sein, wenn zum Beispiel vor aller Öffentlichkeit Prof. Sucharit Bhakdi mit Prof. Christian Drosten über Corona [……] diskutieren [….]

(DB/PP, 09.02.2021)

[……] Die vorgeblichen Gründe: Verbreitung medizinischer Fehlinformationen.

Mit diesem Argument wurde auch schon der weltweit renommierte Facharzt für Infektionsepidemiologie, Dr. Sucharit Bhakdi, bei Youtube gesperrt.  [….]

(DB/PP, 04.04.2021)

 [……] Auch [……]Sucharit Bhakdi hat – aufgrund der Sperrungen und Hetzkampagnen gegen seine Person – angekündigt, das Land zu verlassen. [….]

(DB/PP, 10.05.2021)

Donnerstag, 15. Juli 2021

Verblüffend wenig Verblüffung

Wenn es eine kirchliche, christliche Kernkompetenz gibt, die ich wirklich anerkenne, dann ist es Genozid.

Keine andere Ideologie hat über so lange Zeit so viele Genozide angestiftet und durchgeführt. Naturvölker in der ganzen Welt, Katharer, Templer, Pogrome gegen Juden, Muslime im „Heiligen Land“.

[….] Das Alte Testament (Samuel 11.12.31) berichtet, wie König David mit gefangenen Ammonitern umging: »Aber das Volk drinnen führet er heraus und legt sie unter eiserne Sägen und Hacken und eiserne Keile und verbrannte sie in Ziegelöfen. So tat er allen Städten der Kinder Ammons.« Der engagierte deutsche Kirchenkritiker Karl Deschner sieht hierin eine Vorwegnahme der Methoden Hitlers. [….] Die Puritaner im 17 und 18. Jahrhundert beriefen sich auf das Alte Testament, als sie die Ureinwohner Amerikas, die Indianer - ob Männer, brauen oder Kinder - mordeten. Blutigste Verbrechen wurden »legitimiert« durch Glaubensbekenntnisse. Zur Ausrottung des Bösen sei man von Gott bestellt. [….] In der berüchtigten Bartholomäusnacht vom 23. auf den 24. August 1572 starben 10 000 französische Protestanten. 13 Millionen nordamerikanische Indianer wurden von den weißen Siedlern, den angeblich Zivilisation bringenden Europäern, niedergemetzelt. Die blutige Bilanz der Ausrottung der lateinamerikanischen Indios seit 1492 beläuft sich gar auf 75 Millionen Tote. Der Sklavenhandel raffte zwei Millionen Afrikaner dahin. [….] (Bernhard H. F. Taureck,17.07.1999)

Bei Massenmorden – Inquisition, Hexenverbrennung, Auto Dafés, Missionierungen – macht niemand dem Christentum so schnell Konkurrenz. Insbesondere, wenn man einkalkuliert, daß der Holokaust, aber auch beispielsweise der Genozid an bis zu einer Million Tutsi in Ruanda 1994, auch fast ausschließlich von Christen begangen wurden.

Insofern sind wir auch nicht über die ungeheuerlichen Massenmorde und die versuchte Ausrottung von 150.000 indigene Menschen in Kanada, durch die katholische Kirche bis in die 1990er Jahre hinein, verblüfft.

(….) Ein Abscheulichkeits-Maximum erreichte die kirchliche Kinderfolter im 19. und 20. Jahrhundert in Kanada. Dort wurden in 139. katholischen Einrichtungen rund 150.000 indigene Kinder gefoltert und tausende davon umgebracht.

Im Mai 2021 entdeckte man in der westkanadischen katholischen „Residential School“ bei Kamloops (British Columbia), die bis 1978 betrieben wurde, 215 Kinderleichen, die die Geistlichen einfach heimlich verscharrt hatten.

Wenige Wochen später, der nächste Fund. Diesmal waren es 751 anonyme Kindergräber bei einem katholischen Kinderheim in der Provinz Saskatchewan. (….)

(Wenn das Mitleid aufgebraucht ist, 05.07.2021)

Wenige Tage nach dem dritten entdeckten Kinder-Massengrab auf dem Gelände Katholischer Einrichtungen, fand man gestern das Vierte.

[….] In Kanada sind erneut dutzende anonyme Gräber auf dem Gelände eines ehemaligen Internats für Kinder von Ureinwohnern gefunden worden. Mehr als 160 Gräber seien auf dem früheren Schulgelände auf Penelakut Island entdeckt worden, teilte der Chef des Stammes der Penelakut, Joan Brown, mit. In dem Internat auf der Insel westlich von Vancouver waren vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1975 Kinder von Ureinwohnern unterrichtet worden.   "Es bricht mir das Herz", sagte Kanadas Regierungschef Justin Trudeau zu dem neuen Fund. "Wir können diejenigen, die umgekommen sind, nicht zurückbringen, aber wir können und werden die Wahrheit ans Licht bringen und weiterhin mit den indigenen Gemeinschaften zusammenarbeiten, um Diskriminierung und strukturellen Rassismus zu bekämpfen."  In den vergangenen Wochen waren in Kanada mehr als tausend anonyme Massengräber indigener Kinder nahe vier verschiedenen Internaten entdeckt worden. Die Funde sorgten landesweit für Entsetzen.  In Kanada waren seit 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht. [….]

(DIE ZEIT, 14.07.2021)

Bis hierhin ist alles  - leider – überhaupt nicht verblüffend.

Das passiert eben, wenn Christen-Institutionen zu Macht kommen.

Insbesondere mit Schwachen, wie Kindern, gehen sie sagenhaft grausam um.

Auch das ist so gar nicht verblüffend, weil die RKK bekanntlich stets darauf pocht, Regeln wie der Ausschluss minderwertiger Menschen (Frauen und Schwulen) von geistlichen Ämtern, wären prinzipiell nicht zu verändern, weil sie von Gott geschaffen wurden.

Die Kirche hält sich viel darauf zu Gute eben NICHT aktuellen Ansichten (wie der, Pfui Pfui Pfui, „Ehe für alle“) zu frönen, sondern sich an ewig gültige Dogmen zu halten. Daher wurde ihr Lehr-Märchenbuch seit 2.000 Jahren eben auch nicht durch eine neue Bibel mit modernen  Regeln ersetzt.

Sklaverei, Antisemitismus, Misogynie und Kinder-quälen gehören zur katholischen DNA. Das zu ändern ist gar nicht möglich, da man nach kirchlicher Ansicht damit Jesus selbst einen Irrtum nachsage. Aber Unfehlbarkeit ist gerade das Wesen seiner Göttlichkeit.

Offensichtlich ist das auch richtig. Denn sofern es Jesus gibt (und das glauben tatsächlich viele Menschen) und dieser Jesus allmächtig ist, hätte er bei all den Genoziden, begangen von seinen Bodentruppen, eingreifen können. Das tat er aber offensichtlich nie und sah tatenlos dem Holokaust zu, ebenso wie den zu Myriaden durch Priester begangenen Kinder-Vergewaltigungen, oder den tausenden durch kanadische sadistische Geistliche begangenen Kindermorden.

Auch das verblüfft mich nicht. So ist Jesus eben.

160 massakrierte ungläubige Indianer auf der Penelakut-Insel nahe Vancouver locken ihn nicht hinterm Ofen hervor.

Mich verblüfft auch nicht die angemessen ehrlich schockierte und einfühlsame Reaktion des Premierministers Trudeau, weil er ein guter Typ ist.

Wenig verblüffend ist auch seine ehrlich empörte Forderung an den Vatikan.

[….] Kanadas Premier Trudeau fordert Entschuldigung vom Papst! Franziskus müsse sich für das Vorgehen der Kirche in Internaten für indigene Kinder entschuldigen, sagt Trudeau. Zuvor war ein weiteres Massengrab gefunden worden.  [….]

(Zeit, 26.06.2021)

Es verblüfft mich aber immerhin ein bißchen, wie teilnahmslos diese Massenmorde weltweit rezipiert werden.

Es verblüfft mich, daß ich nicht von allen Regierungen und internationalen Organisationen schwere Vorwürfe an die Adresse des Heiligen Stuhls höre.

Verblüffenderweise sagt niemand, so eine genozidale Kinderquäler-Organisation, die auch heute noch an genau den Werten festhält, mit denen sie 150.000 kanadische Kinder misshandelte und umbrachte, wäre ungeeignet, als Träger für Schulen und Kitas zu fungieren.

Daß niemand danach ruft, der RKK die Gemeinnützigkeit zu entziehen, verblüfft mich.

Mittwoch, 14. Juli 2021

Die braunen Drecksspatzen.

Die AfD ist mit Donald Trump insofern vergleichbar, daß sie nicht gewählt wird, weil ihre politischen Konzepte überzeugen.   Im Gegenteil, es ist nahezu irrelevant, welche kruden Ideen es ins Wahlprogramm schaffen oder nicht.

So wie niemand Trumps Mantra von der Riesenmauer glaubte, die er zu bauen gedenke und für die Mexiko zahlen werde. Das war a priori unsinnig und dementsprechend entstand in den vier Trump-Amtsjahren weder die Mauer, noch zahlte Mexiko dafür einen einzigen Cent.

Diese offensichtlichen Lügen und programmatischen Leerstellen spielen aber keine Rolle, weil man Trump/die AfD aus einem viel simpleren Grund liebt: Man hasst dieselben Leute.

Unglücklicherweise kennen wir inzwischen seit Jahren AfD-Fraktionen in sämtlichen Parlamenten.

Es gibt nicht nur keine konstruktive Mitarbeit der weit überwiegend sehr faulen und unbedarften braunen Abgeordneten, nein, die Figuren sind allesamt so garstig, daß sie sich binnen kurzer Zeit auch gegenseitig hassen.

Jede Faschistenfraktion, die sich in Deutschland bildet, beklagt Abgänge, Parteiaustritte oder zerstreitet sich so sehr, daß sie sich in verschiedene parlamentarische Häufchen aufteilen.

(….)  Der Hamburger AfD-Vorsitzende Jörn Kruse war so verhasst, daß er sich nur an der Spitze halten konnte, indem er einen Job in den USA annahm und dem Parlament fernblieb. Dennoch hagelte es Parteiaustritte, bis Kruse 2016 rausgeworfen wurde.  Gegenwärtig ist der alte Ronald-Schill-Intimus Nockemann neuer AfD-Chef in Hamburg.

Die AfD-Fraktion in Baden Württemberg spaltete sich 2016 gleich komplett in zwei Fraktionen. Die Bundesvorsitzende Petry schritt ein, geriet dabei so mit dem Führer der einen Partialpartei Meuthen, der zufällig auch ihr Co-Bundesspracher war, aneinander, daß sie am Ende auch noch ihren Posten verlor.

[….] AfD in Bayern: Schurken unter sich. Die AfD-Abgeordneten im bayerischen Landtag verleumden sich gern gegenseitig. Nun wirft das erste Fraktionsmitglied hin - und könnte die Spaltung befördern. [….]

(Anna Clauß, 30.03.2019)

Selbst der bayerische AfD-Fraktionsvorsitzende Markus Plenk hat die Nase voll von dem eigenen Saftladen und will nun der CSU-Fraktion beitreten.

Ähnliche Kabale, die einem nicht gedanklich erinnerlich sein mögen, findet man für jeden Landesverband einer rechten Fraktion. Da kann man wahllos ein Bundesland in die Google-Suchmaske tippen. Zum Beispiel Niedersachsen – dort hassten sich die Spitzenkandidatin Guth und der Landesvorsitzende Hampel so sehr, daß sie ebenfalls die Partei zerlegten.

[….] 2017 – 2018: Eskalation des Machtkampfes und Absetzung des Landesvorstandes. Bereits am Abend der Landtagswahl kam es zum Bruch des Landesvorstandes. Sechs Landesvorstandsmitglieder forderten in einem Schreiben an die Kreisverbände einen personellen Neuanfang auf einem außerordentlichen Parteitag. Der Landeskonvent beschloss am 26. November einen Antrag beim Landesvorstand mit der Einrichtung eines Parteitages am 13. und 14. Januar 2018. Jeweils die Hälfte des Vorstandes verschickte dann Einladungen zu Landesparteitagen an unterschiedlichen Orten mit verschiedenen Tagesordnungen und bezeichnete die jeweils andere Einladung als ungültig. [….]

(Wikipedia) […..]

(Ruppige Rechte, 05.04.2019)

Auch die eigenen Parteivorsitzenden werden immer wieder von den semikriminellen Vorstandskollegen weggemobbt.

Die gegenwärtige AfD-Bundestagsfraktion schrumpfte durch Zank und Streit um acht Mitglieder.

Aber so wie es Trump-Fans nicht stört, daß ihr Idol über 30.000 Lügen von sich gab, kaum einen Satz zu Ende bringen kann, sich ständig verspricht, Fremdworte nicht aussprechen kann, schon mal seine Hose falsch herum anzieht, ein explodiertes Frettchen auf dem Kopf trägt und sich jeden Morgen mit organger Clown-Schminke ansprühen lässt, sind auch AfD-Wähler nahezu immun gegen das kriminelle Banausentum ihrer geistig und moralisch hoffnungslos überforderten Abgeordneten.




Dennoch scheint es in der nationaldebilen Parteiführung so nah an der nächsten Bundestagswahl die Sorge zu geben, daß allzu verkommen, ungepflegte und offensichtlich dämliche Kandidaten den ein oder anderen zwischen Merz-Maaßen und Höcke-Hampel schwankenden Wähler ins CDU-Lager treiben könnten.

Deswegen gibt das Meuthen-Hauptquartier einen Wahlkampf-Leitfaden für AfD-Kandidaten heraus.

Sicher ist sicher, denn bei den Neandertalern kann man Zähneputzen und Duschen nicht als selbstverständlich voraussetzen. So schwollen die Wahlkampftipps auf 76 Seiten Umfang an.

 [….] »Kontrollieren Sie vor den Fotoaufnahmen nochmals Ihre Optik: Sitzen die Haare? Entfernen Sie Fussel.«  [….] »Nicht nur Frauen, auch Männer benötigen für Fotoaufnahmen ein dezentes Make-up, um zum Beispiel glänzende Haut abdecken zu können.«  [….] »Es ist besser, sich zu rasieren und nicht mit fettigen Haaren zu erscheinen.« [….] »Formulieren Sie …. möglichst kurz und prägnant ›im BILD-Zeitungsstil‹. … Schreiben Sie Pressemitteilungen in möglichst einfacher Sprache, damit der sprichwörtliche BILD-Zeitungsleser diese verstehen kann.« [….] »Twitter ist eher links-grün-orientiert und entsprechend werden Sie viel Gegenwind erfahren.« [….] »Niemals mit Alkohol Soziale Netzwerke bedienen.«  [….] »Bitte prüfen Sie rechtzeitig vor einer Kandidatenaufstellung, ob es in der Vergangenheit Probleme gegeben hat, die Medien und politische Konkurrenten gegen unsere Kandidaten ›aus dem Hut zaubern‹ können.« [….]

(SPON, 14.07.2021) 




Dienstag, 13. Juli 2021

Härterer Kurs

Zu den vielen politischen Eigenarten der Pandemie gehört das von Politikerin aller Parteien immer wieder aufgesagte Mantra „Es wird in Deutschland keine Impfpflicht geben!“   Offenbar will man damit die Schwurbler-Szene beruhigen und den Verschwörungstheoretikern keine neue Nahrung geben.

Ich halte das für vergebene Liebesmüh. Die Impfgegner, die man lieber Seuchenfreunde nennen sollte, sind ohnehin nicht erreichbar für vernünftige Argumentationen.

Es ist ein langer und harter Weg bis zur Herdenimmunität. Da können wir uns keine Zweifler, Faulpelze, Unentschlossenen und Tagträumer leisten.

Die Hamburger Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard, die ich im Gegensatz zu ihrem Kollegen auf Bundesebene sehr für ihre Corona-Politik schätze, ist beim Thema „Impfpflicht“ ähnlich verdruckst und legt erstaunlichen Optimismus an den Tag.

[…..] Der Humangenetiker Wolfram Henn vom Deutschen Ethikrat fordert eine Impfpflicht für das Personal in Kitas und Schulen. Hintergrund ist die Debatte darüber, wie Infektionen bei Minderjährigen und eine Weitergabe des Virus in die Familien eingedämmt werden können. „Eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen sehe ich im Moment noch nicht“, sagte Leonhard. Beim Pflege- und Kitapersonal gebe es sehr gute Impfquoten von über 70 Prozent. Es könnte aber in einer Pandemie eine Situation geben, in der eine Impfpflicht wie bei Masern für bestimmte Berufe gesetzlich geregelt werde. […..]

(Mopo, 13.07.2021)

70% Geimpfte bei Priorisierungsgruppe Eins im Monat Acht der Vakzin-Verfügbarkeit, kann ich nicht als „gut“ bezeichnen, wenn wir in der Gesamtbevölkerung 85% benötigen.  In der dringlichsten Priorisierungsgruppe erwarte ich eigentlich eher eine Impfquote von annähernd 100%.

Wer als Pfleger oder Krankenschwester einen Beruf gewählt hat, bei dem man mit den vulnerabelsten Menschen dieser Gesellschaft umgeht, darf diese nicht gefährden.

Es kann auch kein Nichtschwimmer DLRG-Aufseher am Strand sein. Ein Maskenmuffel kann kein Chirurg werden. Wer Busfahrer sein will, muss einen Erste-Hilfe-Kurs machen.  Wer in Delta-Zeiten in einem Pflegeheim mit lauter bettlägerigen 90-Jährigen arbeitet und sich nicht impfen lassen will, kann das ja sein lassen, aber dann hat er sich einen anderen Job zu suchen.

Deutsche Politiker gehen, unterstützt von den frommen Ethikräten viel zu vorsichtig mit dem Volk um.

[……]  Frankreich und Griechenland führen sie ein: die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen. In Deutschland stoßen Forderungen nach einem solchen Schritt auf Ablehnung - auch die Ethikratsvorsitzende hält dies für nicht nötig. Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, hält eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen in Deutschland für unnötig. [……] Erstens gebe es für die meisten vulnerablen - also besonders gefährdeten - Gruppen andere Möglichkeiten zum Schutz. "Und: Wir haben viel bessere Impfraten bei den unterschiedlichen Berufsgruppen als beispielsweise in Frankreich", so Buyx. "Beim Gesundheitspersonal und bei den Lehrerinnen und Lehrern haben wir wirklich super Impfraten. Deswegen glaube ich, brauchen wir das gar nicht." […..]

(Tagesschau, 13.07.2021)

Ich kann Frau Buyx‘ Argumentation nicht nachvollziehen.

Deutschland hat jetzt schon, beim Stand von gerade mal 42% vollständig Geimpften, Probleme genügend Impfwillige zu finden. Für Kinder unter 12 Jahre ist noch keine Impfzulassung in Sicht und dann ist das noch der harte Kern der Scheuchenfreunde.

Woher nimmt Buyx die Zuversicht ohne Pflicht auf 85% Impfquote zu kommen?

Allein die Überlegung Impfprivilegien einzuführen oder einen Zwang für bestimmte Berufsgruppen einzuführen, führt zu einem enormen Anstieg der Impfbereitschaft.

[……] Rekordzahlen in Frankreich Fast eine Million Impfanmeldungen nach Macrons Brandrede.  Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, strengere Coronaregeln einzuführen. Er appellierte an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Mit Erfolg: Schon am nächsten Tag buchten mehr Menschen einen Termin als je zuvor. […..]

(Spon, 13.07.2021)

Richtig so, Macron! Die Infektionszahlen steigen überall wieder an. Wir brauchen solche Maßnahmen. Die vierte Welle kommt.

Die erste Coronawelle, die von China über Italien und Österreich nach Deutschland schwappte, war extrem unheimlich, weil man so wenig über die Krankheit wußte. Nach weltweit über vier Millionen Covid19-Toten; davon 92.000 in Deutschland; haben sich unsere Sorgen als begründet erwiesen.

Umso unheimlicher ist es, daß wir nach der dritten Welle, mit all dem in der Zwischenzeit gewonnenen Wissen; aus politischer Feigheit, Opportunismus und Lockdown-Müdigkeit die gleichen Fehler immer wiederholen.

Nur weil die Intensivstationen Dank der Geimpften nicht mehr vor dem totalen Kollaps stehen, können wir nicht so tun, als habe sich das Virus auf wundersame Weise in Luft aufgelöst.

[…..] Aber es ist langsam an der Zeit zu erkennen, wie erschütternd unambitioniert diese Zielvorgabe - den totalen Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern - war und ist. Anstatt niedrige Inzidenzen anzustreben, weil eben jede einzelne Infektion zählt, weil jede einzelne Erkrankung zu "Long Covid" führen kann und weil wieder steigende Inzidenzen wieder Quarantäne-Unterbrechungen und damit soziale und ökonomische Schäden bedeuten werden.   Was an der Methode der Modellierung haben die noch nicht verstanden? Warum fällt es nach anderthalb Jahren der Pandemie so schwer, in Wenn-dann-Funktionen zu denken? Warum hoppeln wir ständig den Ereignissen hinterher? Am Wissen, was geschehen könnte und wie es sich verhindern oder einhegen ließe, mangelt es ja nicht. Gerade haben noch alle einmütig die Kinder und Jugendlichen gelobt für ihre Rücksichtnahme, haben sie bedauert für all das, worauf sie verzichten mussten, und nun ist schon erkennbar, dass die Schulen immer noch nicht vorbereitet sind auf den Herbst. Bei allem, was an demokratischen Zumutungen und Ausnahmen beschlossen werden konnte, soll es nicht möglich sein, zügig Luftfilter in den Schulen einzubauen? Wem wollen sie das erklären? […..]

(Carolin Emcke, 02.07.2021)

Mopo-Mann Christian Burmeister spricht sich ebenfalls ganz selbstverständlich gegen eine Impfpflicht aus, [Warum?] konstatiert, manche bräuchten noch mehr Zeit zum Nachdenken [nach anderthalb Jahren Pandemie!].

Möglicherweis ergebe sich aber ein sozialer Impfzwang, indem Geimpfte ihre ungeimpften Freunde nicht dabei haben wollten, oder Arbeitgeber keine Seuchenfreunde mehr einstellten.

[…..] Jeder hat in diesem Land die Freiheit, sich gegen das Impfen zu entscheiden. Und das ist auch gut so. Aber genauso hat die Mehrheitsgesellschaft die Freiheit, Impfverweigerer auf Distanz zu halten, wenn sie eine mögliche Gefahr darstellen.  Wer also im Herbst oder Winter feststellt, dass sein Leben ohne Impfung komplizierter und weniger abwechslungsreich geworden ist, darf sich nicht beschweren: Er oder sie hat sich freiwillig so entschieden! [….]

(Mopo Leitartikel, 13.07.2021)

Das ist aber zu simpel gestrickt. Man kann sich nicht so ohne weiteres die Seuchenfans vom Leib halten. Sie sitzen in Zügen und Bussen, arbeiten im Service oder in Krankenhäusern.

Ich kann den staatlichen Kleinmut nicht verstehen, der die „Freiheit sich nicht impfen zu lassen“ gegen das Risiko von mehr Corona-Toten und lebenslang leidenden Delta-Longcovids abwägt.

Wer allein im Homeoffice sitzt oder einen anderen Beruf ganz ohne Kontakte hat, der keinen ÖPNV benutzt und alle Einkäufe online erledigt, kann weiterhin darauf bestehen, sich nicht impfen lassen zu wollen.

Aber für alle anderen Menschen fordere ich mehr Impfhärte vom Staat.

Montag, 12. Juli 2021

Fromme an der Spitze

Angela Merkel gilt als fromm, weil ihr Vater Horst Kasner Pfarrer war.  Als Vikar an der Epiphanienkirche im feinen Hamburg-Winterhude heiratete er die Lehrerin Herlind Jentzsch und wurde offensichtlich ein immer frommerer Pfaff.

Einer, der noch 1954 aus dem säkularen westdeutschen Hamburg in das DDR-Dorf Quitzow bei Perleberg ging; offenbar vom missionarischen Eifer getrieben, die sozialistischen Ost-Schäfchen zu guten Christen zu machen. Klein Angela und ihre Mutter blieben noch einige Wochen in der piekfeinen Eppendorfer Isestraße, bis sie dem frommen Horst in den Sozialismus folgten.

Nach gängiger Lesart sind DDR-Christen als bockige Minderheit in der atheistischen Mehrheitsgesellschaft ganz besonders gläubig. Die Hardcore-Christen Wolfgang Thierse und Kathrin Göring-Kirchentag scheinen die These zu bestätigen.

Angela Merkel betonte als ewige Vorsitzende der größten christlichen Partei Deutschlands natürlich auch ihre christlichen Überzeugungen.

Aber eigentlich haben wir keine Ahnung, ob Merkel ein so tiefgläubiger Mensch wie Schavan und Nahles ist und den ganzen Tag voller Entzücken mit feuchtem Höschen an den lieben Herrn Jesus denkt.

Es hat etwas von Sippenhaft, vorauszusetzen, daß sie ähnlich fromm wie ihr Vater sein müsste. Die Wahl ihres Studiums spricht nicht dafür. Glaubensferner als Physik geht es nicht.   Wir wissen aber, daß Merkel einen ausgeprägten Machtinstinkt hat und dafür ist es in einem strukturkonservativen Land wie Deutschland, in dem nun einmal die meisten CDU wählen, sinnvoll neben dem Ministerjob eine Parteilaufbahn in jener CDU anzustreben. Wenn man keine störenden moralischen oder sozialen Ansichten hat, ist das machttaktisch sinnvoll und in dem Fall sagt man natürlich nicht laut, daß einem die Religion nichts bedeutet.

Die nächste CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer hingegen darf man getrost zu den Katholiban zählen. Sie ist tief verwoben in das katholische Brauchtum, Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Botschafterin der Hardcore-Christen von der Stiftung pro missio.  Im Falle AKK strahlen ihre aus dem Katholizismus übernommenen menschenfeindlichen Überzeugungen immer wieder auf ihre Politik aus. Sie diskriminiert offen und wiederholend Schwule, Lesben oder Transgender.

[……] Ein Blick auf ihre religionspolitische Haltung zeigt aber, dass die gläubige Katholikin eine christliche Hardlinerin ist, die das Rad der Geschichte zurückdrehen möchte.  Die 56-jährige Annegret Kramp-Karrenbauer ist bekannt für ihren leidenschaftlichen Einsatz im Dienste der Religion. Sie ist nicht nur Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), sondern demonstriert immer wieder ihre Frömmigkeit, wenn es um politische Inhalte geht.  So ist es noch nicht lange her, als Kramp-Karrenbauer sich gegen die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare aussprach, da diese zu einer Zulässigkeit von Inzest und Polygamie führen könne. Einen Grund zur Entschuldigung wollte sie auch nach heftigen Reaktionen nicht sehen. Vielmehr bekräftigte sie ihr christliches Eheverständnis erst kürzlich bei der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" und im Interview mit dem ZDF-Morgenmagazin.   Ihre Aussage reihte sich in eine lange Liste religiöser Peinlichkeiten ein: Kurz nach dem Attentat auf die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" sprach sie sich etwa gegen eine Streichung des sogenannten "Blasphemie-Paragraphen" (§ 166 StGB) aus. Denn dieser verdeutliche, dass Religion und die damit verbundenen Gefühle der Menschen ein schützenswertes Rechtsgut seien.  Ebenso entschieden positionierte sie sich gegen die Aufhebung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche (§ 219a StGB) und verteidigte die selbsternannten "Lebensschützer" von Durchblick e. V., die regelmäßg Plastik-Embryonen versenden, um Abtreibungen anzuprangern. Verständnis für Kritik an der geschmacklosen Aktion hatte Kramp-Karrenbauer nicht. Im Gegenteil: "In einer Gesellschaft läuft einiges schief, wenn sich die Öffentlichkeit nicht mit 1.278 Abtreibungen allein im Saarland beschäftigt, sondern über eine Kampagne zum Thema aufregt", meinte die damalige saarländische Familienministerin gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur idea.  Als Retterin des christlichen Abendlandes inszenierte sich Kramp-Karrenbauer auch, indem sie sich gegen eine Entscheidung des Saarbrücker Amtsgerichts wandte, Kreuze aus den Sitzungssälen entfernen zu lassen: "Das Kreuz verdeutlicht, dass der Mensch nicht das Maß aller Dinge ist", so Kramp-Karrenbauer laut Saarländischem Rundfunk. Die NS-Justiz habe gezeigt, was es bedeute, wenn sich der Mensch zum absoluten Richter mache. "Deswegen hat es für mich keinen Sinn, das Kreuz generell aus Gerichtssälen zu verbannen".  Durch die Initiative von Kramp-Karrenbauer wurde zudem der Reformationstag in vielen Bundesländern zum Feiertag erklärt. Als saarländische Ministerpräsidentin nahm sie unter anderem an einem "Fest zu Ehren Martin Luthers" teil. [….]

(hpd, 10.12.2018)

Armin Laschet ist sogar noch extremer als Kramp-Karrenbauer. Monsignore Heribert August, 74, begleitet seit 30 Jahren jeden Schritt des CDU-Vorsitzenden.

[…..] Armin Laschet ist auf eine katholische Grundschule gegangen, danach auf das Bischöfliche Pius-Gymnasium. Er hat in seiner Gemeinde Jugendarbeit gemacht, war Messdiener und sang im Kirchenchor. Als Jugendlicher überlegte Laschet kurz, Priester zu werden, entschied sich dann aber dafür, Jura zu studieren. Während des Studiums in München und Bonn war er Mitglied in katholischen Verbindungen. 1991 wurde er Chefredakteur der Kirchenzeitung in Aachen, später Geschäftsführer des katholischen Einhard-Verlags. Bis 2016 war Laschet Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken. [….]

(Spiegel, 20.06.2021)

Für einen wie Laschet sind Homoehe und Transgender-Menschen bis heute einfach bähbäh.

Er ist nicht nur überzeugter Katholik, der sich fortwährend mit Priestern bespricht und sich schützend vor die schlimmsten Kinderfi**er-Bischöfe stellt, sondern pflegt Kontakte  zum ultra-ultrakonservativen Opus Die; jenem berüchtigten geheimen Folter-Orden innerhalb der RKK.   Sein Mastermind und engster Vertrauter, der radikal homophobe Staatssekretär Liminski gehört zum Opus Dei. Aber auch die Familie, in die er einheiratete, ist berüchtigt für ihre Verbindungen zum dunklen Geheimorden.

[…..]  Der deutsche Theologe Peter Hertel beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Opus Dei. »Schleichende Übernahme« heißt eines seiner Bücher über die Organisation. Ziel des Opus, schreibt Hertel, sei ein autoritärer, uniformer und schlagkräftiger Katholizismus – durch »Besetzung zentraler kirchlicher Schaltstellen und Kapitalansammlung«. […..]  Eng verbunden mit dem Opus Dei ist auch der Jugendklub »Linie 15« in Bonn – ein Klub nur für Jungen, gegründet von Eltern, die laut Selbstbeschreibung »eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für ihre Söhne mit einer tiefen christlichen Prägung« suchen. Liminski ging hier in seiner Jugend regelmäßig hin. Als 20-Jähriger baute er die »Generation Benedikt« mit auf, ein Jugendnetzwerk, benannt nach dem konservativen, 2013 emeritierten Papst.  Im Jahr 2009 trat Liminski als Redner beim Kongress »Freude am Glauben« des Forums Deutscher Katholiken auf. Er stand auf einer Bühne unter einem Bild des Papstes und schimpfte auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, deren Schriften »nicht mehr aufklärerisch, sondern eher pornografisch« seien. Er sprach von »sexueller Orientierung als Instrument vermeintlicher Selbstbestimmung«. Und er bedauerte, dass aus Schulen, Gerichten und öffentlichen Gebäuden Kreuze entfernt würden. […..]   Kurt Malangré, der Bruder von Laschets Schwiegervater, saß einst für die CDU im Europaparlament, war Oberbürgermeister in Aachen und das erste Opus-Mitglied in Deutschland. Sein Bruder Heinz Malangré, Laschets Schwiegervater, war Miteigentümer der Kirchenzeitung, für die Laschet einst als Chefredakteur arbeitete. […..]  (Spiegel, 20.06.2021)

Laschet ist keineswegs nur privat Katholik.

In der Pandemie gefährdete er massiv Menschenleben, indem er sich hartnäckig für die hochriskanten Kirchenöffnungen einsetzte.

Als Ministerpräsident trachtet er danach, die menschenrechtsfeindlichen Opus-Dei-Fanatiker mit Posten zu versorgen.

[…..] Unter den fünf Organisationen, die von der Politik neu in den Rundfunk entsendet wurden, ist der Verband kinderreicher Familien Deutschland. Er soll auf Initiative der CDU-Fraktion, der auch Ministerpräsident Armin Laschet angehört, zu seinem Sitz im WDR-Gremium gekommen sein.  Die Lobbyvereinigung setzt sich für Toleranz und Anerkennung von Großfamilien ein. Das klingt zunächst harmlos und ehrenwert, allerdings agieren im Hintergrund des Verbands offenbar Personen mit erzkonservativen, fragwürdigen Positionen. Es sind Ansichten, die jenseits des Wegs von »Maß und Mitte« liegen, den Unions-Kanzlerkandidat Laschet im Bundestagswahlkampf gern propagiert.  Den Verband kinderreicher Familien e.V. gibt es seit 2011, der Sitz der Geschäftsstelle ist in Mönchengladbach. Laut eigener Auskunft hat er 6000 Mitglieder. Es gehe darum, Menschen Mut zu machen, drei und mehr Kinder zu bekommen, heißt es vonseiten des Verbands.[…..] In den vergangenen Jahren trafen sich Verbandsvertreter mit dem NRW-Familienminister und Vizeministerpräsidenten Joachim Stamp (FDP) und mit Nathanael Liminski (CDU), dem Chef der Staatskanzlei in Düsseldorf. […..] Teil des Beratergremiums ist Manfred Spieker. Der Sozialwissenschaftler ist Mitglied bei Opus Dei, jener erzkonservativen Organisation katholischer Laien und Priester, die der Mythos eines Geheimbunds umgibt. Spieker war einst auch CDU-Mitglied, er trat 2017 aus, als die Große Koalition mit Stimmen der Union die Ehe für alle beschloss.  Homosexualität bezeichnete er damals als »lebensfeindlich«. Die kirchliche Segnung homosexueller Paare, sagt er, schade der Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft. Zusammen mit AfD-Politikerinnen und AfD-Politikern trat Spieker schon bei den sogenannten »Demos für Alle« auf, deren Veranstalter gegen die Rechte sexueller Minderheiten mobil machen.  Auch Herwig Birg, ein emeritierter Bevölkerungswissenschaftler, gehört zum Verbandsbeirat. Den Fachkräftemangel solle Deutschland durch eine »Steigerung der Geburtenrate« und nicht »durch Zuwanderungen aus dem Ausland« bekämpfen, forderte er 2019 in einem Interview mit der Stiftung für Familienwerte. […..] 2015 trat Birg beim AfD-Bundesparteitag auf. Manche seiner Thesen tauchten in AfD-Pressemitteilungen auf. […..] Der Verband kinderreicher Familien hat im Rundfunkrat nur einen Sitz, sein Einfluss in dem Gremium dürfte begrenzt sein. Dennoch stellt sich die Frage: Warum unterstützt die CDU eine Organisation, in der Homophobie und antimoderne Denkmuster verbreitet zu sein scheinen? […..]

(SPON, 12.07.2021)

Sonntag, 11. Juli 2021

Merkel 16.0 – Teil II

Es ist ein Trauerspiel; die ersten Chips und Computer wurden in Deutschland entwickelt. Die SPD-Regierung unter Helmut Schmidt plante vor 40 Jahren (sic!), im Jahr 1981, den Glasfaserausbau, aber der bräsige Helmut Kohl und die bräsige Angela Merkel ließen alles einschlafen.

Nach 16 Jahren mit ihren Digitalisierungskatastrophen Ramsauer, Oettinger, Bär, Dobrindt und Scheuer, werden auf Regierungsebene Faxe verschickt, die die Ministerialen dann umständlich mit der Hand abtippen müssen. Wir schreiben das Jahr 2021.

Die CDU vermochte es, die einstige technologische Führung nicht nur zu verspielen, indem sie einseitig und tumb Technologien des letzten Jahrtausends – AKWs, Verbrenner-PKWs, Massentierhaltung – förderte und alles Fortschrittliche aus Deutschland vertrieb. Nun sind wir Europas Internet-Schlußlicht. Es ist unklar, ob der Rückstand noch aufzuholen ist. Ganz sicher sind aber die asiatischen Länder technisch längst uneinholbar enteilt.

Während in China schon große Teile des Lebens von KIs gesteuert werden, gibt es in Deutschland noch nicht mal mehr das Knowhow ein Smartphone herzustellen. Als ich meine erste Corona-Impfung erhielt, bekam ich einen Stempel in mein gelbes Papier-Impfheftchen von 1969. Weiter sind wir noch nicht.

Nicht vergessen sollte man die 16 Jahre C-Bundesinnenminister unter Merkel.

Der große Otto Schily hatte den Laden bis 2005 im eisernen Griff und erheblich modernisiert, reagierte wöchentlich mit neuen Initiativen auf die neuen Terrorgefahren seit 9/11.

Mit Merkel wurde aber auch an dieser Front jede Arbeit eingestellt.   Für die CDU-Kanzlerin debakulierten als Innenminister Wolfgang Schäuble (2005-2009), Thomas de Maizière (2009-2011), Hans-Peter Friedrich (2011-2013), Thomas de Maizière (2013-2018) und seither scheinamtiert der ewig abwesende „Erfahrungsjurist Crazy-Horst“ Seehofer als Superminister, der noch so gut wie keinen Gesetzentwurf vorgelegt hat.   Daß sich Strafverfolgung und Kriminalität längst auch in der digitalen Sphäre abspielen, ist ihnen bisher noch nicht aufgefallen.

Wenn ein mittelständischer Betrieb, wie die grundsolide Hamburger Familienfirma Wempe Opfer einer Cybererpressung wird, wie es im Juni 2019 geschah und die Polizei ruft, zucken die Beamten mit der Schulter. Tja, da könne man leider nichts machen; mit Computern kenne man sich nicht aus. Der Rat der Ermittler: „Zahlen sie am besten das Lösegeld und hoffen auf das beste!“

Das geschieht jedes Jahr hundertfach in Deutschland. Im Januar 2021 traf es beispielsweise die FUNKE-Mediengruppe; aber die Polizei ist technologisch hoffnungslos abgehängt.

Der höchst gefährliche, rechtsextreme, antisemitische Verschwörungsideologe Attila Hildmann wird seit einem halben Jahr mit Haftbefehl gesucht, tauchte aber, mutmaßlich aufgrund einer Insider-Warnung, rechtzeitig unter.

Im November 2020 wurden nach einer Fülle von Anzeigen bei einer Hildmann-Hausdurchsuchung Laptops und Klugtelefone sichergestellt. Drei Monate später hatten die LKAs Berlin und Brandenburg noch nicht mal angefangen die Daten auszulesen, weil es dafür offenbar nicht ausreichend polizeiliches Knowhow gibt.

[…..] Drei Monate nachdem die Berliner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Attila Hildmann übernommen hat, sind nach Informationen  von WDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) wichtige Beweismittel immer noch nicht ausgewertet. […..] Zunächst hatte die Brandenburger Justiz gegen den in Wandlitz im Landkreis Barnim wohnhaften Hildmann ermittelt, der vor allem über seinen Telegram-Kanal regelmäßig gegen die Corona-Politik der Bundesregierung hetzt und krude Verschwörungsmythen verbreitet. […..] Ende November hatte die Berliner Staatsanwaltschaft das Verfahren von der Cottbusser Justiz übernommen. 60 Bände [Natürlich alles in Papierform –T.]  und mehr als 33 Fallakten sollen übergeben worden sein. […..] Bislang aber wurden die beschlagnahmten Beweismittel nach Informationen von WDR und SZ noch nicht ausgewertet. [….]

(Tagesschau, 22.02.2021)

Der rechtsextreme Wahnsinnige dreht seither erst richtig auf und tanzt der Polizei auf der Nase herum.

Die Telegram-Kanäle sind immer noch zugänglich, auf Twitter sondert Hildmann im Zehn-Minuten-Takt seine braune Hasspost ab.

[…..] Noch vor Kurzem postete Hildmann, der ursprünglich als Kochbuchautor bekannt wurde, bei Telegram eine Fotomontage mit Angela Merkel in KZ-Kleidung und schrieb dazu: "Sperrt diese Untermenschen Jüdin endlich nach Auschwitz wo sie hingehört bevor noch mehr Kinder Selbstmord begehen und wehrlose Alte mit Judenspritzen ermordet werden!" […..] Die einzigen Richter, die unterdessen auch in Abwesenheit Hildmanns ein Urteil fällen können, sitzen in der Pressekammer des Landgerichts Berlin. An sie hat sich der ehemalige Grünen-Politiker Volker Beck gewandt, um zumindest einen zivilrechtlichen Unterlassungsanspruch gegen Hildmann zu erstreiten. Hildmann hatte mehrmals erklärt: Wenn er "Reichskanzler" wäre, würde er für den Grünen die Todesstrafe "durch Eier-Treten" einführen. […..]

(Süddeutsche Zeitung, 11.07.2021)                

Mehr als acht Monate nach der Beschlagnahme, gelang es den Polizei-Blitzbirnen nun die Mobiltelefon-Daten teilweise auszulesen.

Nicht aber die Festplatten der Laptops. Das ist zu schwierig für sie.

[…..] Einer der Wortführer der Corona-Leugner-Szene, der Verschwörungsideologe Attila Hildmann, wird von der Justiz mit neuen Vorwürfen verfolgt. Nachdem das Berliner Landeskriminalamt nach Informationen von SZ und WDR nun vier Mobiltelefone ausgewertet hat, die bereits im vergangenen November bei einer Durchsuchung von Hildmanns Wohnung sichergestellt wurden, hat die Staatsanwaltschaft Berlin ihre Ermittlungen gegen Hildmann auf 80 einzelne Straftaten erhöht. […..] Aber: Mehrere Notebooks, die bereits vor mehr als einem halben Jahr bei Hildmann sichergestellt wurden, seien weiter nicht vollständig ausgewertet. […..]

(Süddeutsche Zeitung, 11.07.2021)