Freitag, 18. Januar 2019

Geschichtsstunde


Es ist ja nicht so, daß ich in den vergangenen Jahren viel von den strategischen Fähigkeiten europäischer und amerikanischer Spitzenpolitiker gehalten hätte, aber 2019 zeigt wieder einmal eine weitere Steigerung des Irrsinns.
Sagenhaft was sich in den USA und in GB abspielt – ganz allein verursacht durch vollkommen Schwachsinnige an der Regierungsspitze.


Man mag gar nicht daran denken, daß diese Kategorie Regent mal mit einer echten von außen auf sie einprasselnden Katastrophe konfrontiert sein könnte.
Schwere Wirtschaftskrise, AKW-Supergau, Krieg, 9/11, Naturkatastrophe.
Diese Leute sind doch offensichtlich schon nicht in der Lage normale Regierungsgeschäfte zu führen.

Schon vier Wochen Kasperle-Theater, weil klein Donald nicht bekommt was er will. Und das müssen 800.000 amerikanische Familien ausbaden, die ohne Gehalt und Job da sitzen.

Neuester Stand: Der schmollende Präsident streicht der Nummer Drei im Staat ihre Flüge.

[….] Melania Flies Alone To Mar-A-Lago On Government Jetliner After Trump Cancels Pelosi’s Trip To Visit Troops [….]


Januar 2019

Die Situationen in London und Washington sind festgefahren. Nichts bewegt sich mehr.
Unglücklicherweise hilft noch nicht mal die Poesiealbum-Binse „der Klügere gibt nach“ weiter. Jeremy Corbyn ist genauso blöd wie PM May und verfügt über keinerlei Mehrheiten.
Klarer sieht es im Amerika aus; dort ist jeder klüger als #45. Aber sollte dementsprechend jeder Trump gegenüber nachgeben?


Nancy Pelosi ist ganz sicher sehr viel intelligenter als der Präsident und sie verfügt über einen veritablen Machthebel; sie könnte ihm die 5,7 Milliarden Dollar bewilligen. Wieviel sind schon fünf oder sechs Milliarden angesichts von 2.000 Milliarden Schulden, die Trump in zwei Jahren angehäuft hat?
Kann eine dem Wähler verantwortliche demokratische Partei Millionen Menschen wegen so einer überschaubaren Summe leiden lassen?
Gibt es hier nicht eine moralische Verpflichtung gegenüber 800.000 von Trump genommenen Geiseln, die Forderung des Erpressers zu erfüllen?

Der Wahnsinn ist sehr, sehr weit fortgeschritten.


Also Nancy, gib dir einen Ruck und rück’ die paar Milliarden raus.
Oder nicht?

Moralisch ist das keine einfache Frage.
Blicken wir zurück auf den 27.02.1975.

Peter Lorenz, Landesvorsitzender der Berliner CDU und Spitzenkandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters wurde drei Tage vor der Landtagswahl von Mitgliedern der Terrorgruppe „Bewegung 2. Juni“ entführt und als Geisel genommen. Am nächsten Tag veröffentlichten sie ein Bild von ihm und verlangten die Freilassung und Ausreise der sechs RAF-Terroristen Horst Mahler, Verena Becker, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Ingrid Siepmann, Rolf Heißler und Rolf Pohle.

Der SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt war in der Woche nahezu amtsunfähig, lag mit sehr hohem Fieber und Grippe im Bett.
Oppositionsführer Helmut Kohl, CDU-Bundesvorsitzender und enger Freund von Peter Lorenz übte erheblichen Druck auf die Bundesregierung aus auf den Vorschlag einzugehen. Anderenfalls werde der Entführte nicht überleben; außerdem mache es doch keinen großen Unterschied, ob die sechs Terroristen im Knast oder irgendwo am anderen Ende der Welt hockten.
Es kam zu dem „der Klügere gibt nach-Präzendenzfall“.
Die Regierung Schmidt ließ Verena Becker, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Ingrid Siepmann, Rolf Heißler und Rolf Pohle nach Aden ausfliegen. Nur der heute für die NPD aktive Horst Mahler weigerte sich.
Die Terroristen hielten Wort, die Ereignisse überschlugen sich:

02.03.1975:
Rekordergebnis für die Berliner CDU bei der Abgeordnetenhauswahl: 43,9%.
03.03.1975:
Fünf linksextreme Terroristen auf freiem Fuß im Jemen
04.03.1975:
Peter Lorenz wird tatsächlich freigelassen; Helmut Kohl, die CDU und Lorenz‘ Familie sind verständlicherweise glücklich.

Was zunächst nach einem großen Erfolg und glücklichem Ende aussah, erwies sich a posteriori als Desaster.

Die RAF verstand die Botschaft vom 03.03.1975 als Aufforderung weitere Politiker zu entführen; der Staat ließe sich bequem erpressen, so bekomme man die RAF-Kumpel immer wieder frei.
Die fünf Freigepressten kehrten umgehend nach Deutschland zurück und mordeten. Mehrere Opfer, insbesondere Polizisten waren zu beklagen. Am Blutigsten wurde es 1977 im Zuge der Schleyer- und Landshut-Entführung.
Diesmal sollten die Stars der Terrorszene freigepresst werden: Baader, Ensslin, Jan-Carl Raspe und Irmgard Möller.
Helmut Schmidt hatte schon im März 1975 den Austausch als schweren Fehler angesehen, seine Befürchtungen sollten sich bewahrheiten.
Gibt man einmal nach, wird es in Zukunft nur noch schlimmer. Wieso sollten skrupellose Menschen eine Methode, die sich aus ihrer Sicht als erfolgreich erwiesen hatte, nicht erneut anwenden?
Helmut und Loki Schmidt verfassten unbemerkt von der Öffentlichkeit eidesstattliche Erklärungen, daß sie im Falle der eigenen Entführung unter keinen Umständen ausgetauscht werden wollten, daß sie bereit wären ihren Tod zu akzeptieren; keinesfalls dürfe man den Forderungen terroristischer Entführer nachgeben.
Auch konservative Politiker und der Generalbundesanwalt Kurt Rebmann, der dem am 07.04.1977 von der zwei Jahre zuvor freigepressten Verena Becker ermordeten Siegfried Buback nachfolgte, folgten dem Beispiel der Schmidts.
Diese Schreiben blieben für Jahre geheim, damit Terroristen nicht bei der Auswahl von Opfern geholfen werden konnte. Sie dienten aber dazu den mit Entführern verhandelnden Personen moralisch zu helfen, um nicht die grausamen Entscheidungen allein fällen zu müssen.

Ich bin alt genug, um mich an den Herbst 1977 zu erinnern. Eine gespenstische Stimmung herrschte.
Helmut Schmidt bekam die volle Wucht der Staatskrise diesmal im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ab. Wieder ging es mit Hanns Martin Schleyer um einen persönlichen Freund vieler handelnder Politiker, aber Schleyer hatte nicht nur keine Anweisungen hinterlassen wie im Falle eine Entführung verfahren werden sollte, sondern seine Kinder und Ehefrau entfalteten den größtmöglichen Druck auf die Bundesregierung der RAF nachzugeben, um ihren Vater/Ehemann zu retten.

Der Bundeskanzler rief einen Krisenstab unter Beteiligung der Oppositionssitzen und Sicherheitschefs zusammen.
Der CSU-Rechtsaußen Friedrich Zimmermann (später Innen- und Verkehrsminister unter Kohl), sowie der vor vier Wochen mit 90 Jahren verstorbene damalige BKA-Chef Horst Herold waren derartig beeindruckt von Schmidts Führungsstärke und kühlem Kopf, daß sie bis zum Ende ihres Lebens nie ein schlechtes Wort über den Sozen verloren.
Das war in Anbetracht der grauenhaften Umstände allerhöchste Regierungskunst.
Versagt hatte allerdings das tiefschwarze CDU-Justizministerium in Stuttgart; das Chaos in Stammheim wurde nie richtig aufgeklärt, keiner kann genau sagen wie es Raspe, Baader und Ensslin gelingen konnte unbeobachtet zu sein und tödliche Waffen in ihren Zellen zu haben, um Selbstmord zu verüben.
Dadurch entstanden immer wieder Verschwörungstheorien.
Neben den vier ermordeten Sicherheitsbeamten, starben auch Jürgen Schumann, der Pilot der Landshut, sowie Schleyer selbst. 86 Geiseln wurden befreit.
Aber Schmidts harte Linie stellte sich langfristig als Sieg über die RAF heraus. So eine große Entführung wagten sie nie wieder.

Hypothetische Geschichte ist sinnlos, aber natürlich wurde immer wieder spekuliert, daß es zu den späteren RAF-Morden und dem „deutschen Herbst 1977“ nie gekommen wäre, wenn die deutsche Bundesregierung schon im Frühjahr 1975 in der causa Lorenz knallhart geblieben wäre.

Ich weiß nicht, ob Nancy Pelosi die Vorgänge im Bonner Kanzleramt von 1975 und 1977 kennt, aber sie wird sicher schlau genug sein, um zu wissen, daß es im Mauerstreit mit Trump nicht um 5,7 Milliarden Euro geht, sondern darum Trump endgültig zu zeigen, daß er mit Erpressung nicht weiterkommt.
Bekäme er den Eindruck durch Regierungs-Shutdown seinen Willen zu erhalten, über die verhassten Demokraten zu siegen und mit dieser ruchlosen Erpressung seine rassistische Basis erfreuen zu können, griffe er bei nächster Gelegenheit wieder zu der Methode.
Das ist der tiefere Sinn von Pelosis Linie: Die Geiselnahme von 800.000 Staatsangestellten darf sich für Trump nichts als Erfolgsmodell herausstellen.

Donnerstag, 17. Januar 2019

Politchrist


William Barr ist ein sehr konservativer Katholik, der aus offensichtlichen Gründen neuer US-Justizminister und damit Mueller-Aufseher wird.

Wie man Jobs in der Trump-Administration bekommt, weiß der designierte 68-Jährige DOJ-Chef.

[….] Bei den Demokraten gibt es Befürchtungen, dass Barr von Trump dazu gedrängt werden könnte, Muellers Untersuchung zu behindern. [….] Die Befürchtungen der Demokraten gehen zurück auf eine Stellungnahme, die Barr im vergangenen Jahr über Muellers Ermittlungen geschrieben hatte. Darin äußerte er sich sehr kritisch gegenüber einigen Aspekten der Untersuchung. Sein Schreiben schickte er unaufgefordert an Trumps Anwälte. Die Opposition sah darin ein Bewerbungsschreiben für ein Amt in der Administration. [….]

Jurist Barr kennt sich aus mit der Verfassung und so ließ er schon mal wissen wie es laufen wird.

 […..] Theocracy alert: Trump’s Attorney General Pick William Barr is a Catholic conservative who rejects the separation of church and state, calls secularists “fanatics,” and blames secularism for “moral decline.”
[…..] Barr is a states’ rights, religious conservative who believes women do not have a constitutional right to abortion, that Roe vs. Wade was wrongly decided, and that the legality of abortion should be determined by individual states. As attorney general under the late President George H.W. Bush, Barr was the architect of America’s failed war on drugs and the current punitive criminal justice system. Barr was and is a big proponent of mass incarceration, despite the fact that research shows such a system fosters and promotes racial discrimination.
In addition to the racism and misogyny one would expect from a conservative Catholic, Barr is also a bigot when it comes to non-religious people and others who respect the separation of church and state.
In a 2011 address to “The Governor’s Conference on Juvenile Crime, Drugs and Gangs,” Barr condemned church/state separation in public schools:

    This moral lobotomy of public schools has been based on extremist notions of separation of church and state or on theories of moral relativism which reject the notion that there are standards of rights or wrong to which the community can demand adherence.

In a 2017 article published by The Catholic Lawyer, Barr bemoaned the rise of secularism and offered an answer to the challenge of “representing Catholic institutions.” [….]

Er sieht seine streng christlichen Überzeugungen offenbar am besten bei dem Mann vertreten, der im Oval Office sitzt und als Ausbund der Tugendhaftigkeit gilt.
Treue, Keuschheit, Wahrhaftigkeit, Fleiß, Bescheidenheit – wer stünde mehr für diese christlichen Werte als Donald Trump?


Bei so einem frommen Christen fühlt sich auch die Second Family, Karen und Mike Pence wohl.
VP Mike leidet unter so radikaler Sexualphobie, daß er grundsätzlich niemals mit einer anderen Frau als Karen allein in einem Raum ist. Mutmaßlich ist er diesbezüglich ganz auf Linie mit seinem Boss.
Ehefrau Karen braucht sich also endlich nicht mehr um die erotische Sittlichkeit ihres Gatten zu sorgen und kann wieder ihren eigenen Interessen nachgehen:
Grundschüler an der Immanuel Christian School in Virginia von der Homoperversion fernhalten.
Man kennt ja diese Sechsjährigen: Alle halbschwul und spitz wie Nachbars Lumpi. Da kann man gar nicht genug aufpassen.

 [….] That school bans anyone — students or parents — for “participating in, supporting, or condoning sexual immorality, homosexual activity or bi-sexual activity.” No gay people allowed… at least if they ever act on it.
The school also requires prospective employees to promise to live a life of moral purity. By their definition, that excludes transgender people. In fact, even acknowledging the existence of a trans identity goes against the requirement to accept the “unique roles of male and female.” [….]

Ja, so modern wünscht man sich die USA im Jahr 2019.

[….] Homo- oder bisexuelle Schüler werden nicht aufgenommen, Lehrer dürfen keinen vorehelichen Sex haben: [….] Eltern von Schülern müssen beispielsweise eine Einverständniserklärung unterschreiben, in der es unter anderem heißt: Die Schule habe das Recht, Schüler abzulehnen oder von der Schule zu verweisen, die "sexuelle Immoralität, homosexuelle Aktivitäten oder bisexuelle Aktivitäten betreiben, unterstützen oder befürworten".
Wer an der Schule unterrichten möchte, muss unter anderem angeben, keinen vorehelichen, außerehelichen oder homosexuellen Sex zu haben. Polygamie und Transgender werden an der Schule nicht geduldet. Bewerber müssen auch zustimmen, dass "eine Ehefrau dazu befohlen ist, sich ihrem Ehemann zu unterwerfen". Außerdem muss ein Haken gesetzt werden bei dem Punkt: "Der Begriff 'Ehe' hat nur eine Bedeutung: die Vereinigung von einem Mann und einer Frau." [….]

Diese Eigenschaft an Evangelikalen Christen schätze ich am Meisten; ihr Urteilsvermögen.
Sie erkennen einen guten Menschen, wenn sie ihn sehen, wie zB Trump.
Sie wissen wie Jesu‘ Konzept von der Nächstenliebe erfüllt wird: Folter, Waffenbesitz, Todesstrafe. Oder wie es auf Amerikanisch heißt: „Pro Life!“
Und sie kennen sich auch am besten mit Familienwerten aus: Ist eins ihrer Kinder schwul, wird es verprügelt, von der Familie verstoßen und mit einem kräftigen Tritt in den Sünder-Hintern auf die Straße befördert.


Trumps ausgesprochen christliche Moral wird auch von seinem Außenminister geschätzt: Mike Pompeo.
Er weiß wie das Heilige Land befriedet und Jesus näher gebracht wird:
Ordentlich Öl ins Pulverfass Jerusalem gießen (Umzug der US-Botschaft) und den radikalen Wahabiten in Riad, die Myriaden Jemeniten abschlachten und Schwule köpfen, für 110 Milliarden Dollar amerikanische Waffen liefern.

[….] Secretary of State Mike Pompeo opened a speech in Cairo on Thursday by referring to the Bible that he keeps in his small, wood-panelled office on the seventh floor of the State Department. “This trip is especially meaningful to me as an evangelical Christian,” he began, in a predominantly Muslim country that accounts for almost a quarter of the population in the Arab world. Only ten per cent of Egypt’s hundred million people are Christian. “I keep a Bible open on my desk to remind me of God and His Word, and The Truth.” [….]

Wo könnte jemand besser aufgehoben sein, der sich so offensive der Wahrheit verpflichtet fühlt, als bei Donald Trump?

Mittwoch, 16. Januar 2019

GOP und GOP


Es kommt einem vor wie ein Vorgang aus dem vorletzten Jahrtausend; die US-Republikaner gaben sich derart fromm und prüde, daß sie über Michelle Obama herfielen, als diese einmal ein ärmelloses Kleid trug.
Gary Hart, demokratischer Favorit für die US-Präsidentschaftswahlen 1988 musste seine Kandidatur zurückziehen, als Gerüchte auftauchten, er könnte eine außereheliche Affäre haben.
Gegen den amtieren US-Präsidenten Bill Clinton wurde gar ein Impeachment-Verfahren geführt, weil er eine Affäre hatte, bei der es – OGOTTOGOTTOGOTT – zu Fellatio gekommen sein soll.
Über Obamas Töchter zog man schon her bevor sie in die Pubertät kamen.

 [….] A senior staffer for a Republican congressman scolded President Obama's daughters for dressing like "they deserve a spot at a bar" and told them to "try showing a little class" in a Facebook post that has since gone viral, drawing her heavy criticism and prompting calls for her dismissal. [….]

Nichts auszusetzen haben die Republikaner allerdings an der Lebensführung eines zum dritten mal Verheirateten, der sich öffentlich damit brüstet Frauen zu belästigen, ihnen an die “Pussy” zu grabschen, von Dutzenden Opfern der sexuellen Belästigung bezichtigt wird und immer wieder Porno- und Titten-Darstellerinnen aus der Halbwelt vögelt.

Jahrzehnte regten sich die GOPer über angebliche demokratische Geldverschwendung auf, versagten Barack Obama die Aufnahme neuer Schulden.
Die Republikaner inszenierten sich als „deficit hawks“, die brutal alle Ausgaben strichen, weil sie fanatisch auf den Schuldenstand starrten. Das Defizit müsse runter – so die einzige und wichtigste GOP-Forderung.

Unter Trump explodieren die Schulden, in zwei Jahren häufte er zwei Trillionen Dollar neue Schulden an.
(2 US-Trillionen = 2.000.000.000.000 = 2.000 Milliarden = 2 Millionen Millionen Dollar)

[….] The US national debt stood at $21.974 trillion at the end of 2018, more than $2 trillion higher than when President Donald Trump took office, according to numbers released Thursday by the Treasury Department.
The national debt has been rising at an accelerated rate in the aftermath of the 2008 financial crisis, when Congress and the Obama administration approved stimulus funding in order to keep the economy afloat. [….]

Da es aber Trump-Schulden sind und kein GOPer über ein Rückgrat verfügt, halten sie alle die Füße still.

Dabei zeichnete sich das exzessive Schuldenaufnehmen schon gleich zu Beginn von Trumps Präsidentschaft ab.

[….] The warnings about the nation's $20 trillion debt have been dire: Washington is on track to "explode" the debt. The proposed budget is "radical" and "extreme." Politicians should be "ashamed" of empty promises to reduce the deficit.
But those warnings aren't coming from the tea party conservatives who rode a wave of fiscal frustration to Capitol Hill seven years ago and upended the Republican establishment. Instead, they are coming from Democrats who are embracing their inner deficit hawks to attack the tax plan forged by GOP leaders and President Donald Trump's administration. [….]

Kein GOPer traut sich etwas zu sagen; sie lassen Trump widerstandslos durchkommen.

Es ist verrückt, aber den GOPern gelingt es sich als die Fiskal-Konservativen und Wirtschaftsfreunde darzustellen, dabei können sie seit Jahrzehnten bewiesenermaßen überhaupt nicht mit Geld um gehen, scheitern auf ganzer Linie mit ihrer Trickle-Down-Politik, während die Demokraten das Chaos mühsam aufräumen.


[….] The Democrats Are the Party of Fiscal Responsibility
[….] By now, nobody should be surprised when the Republican Party violates its claims of fiscal rectitude. Increasing the deficit — through big tax cuts, mostly for the rich — has been the defining feature of the party’s economic policy for decades. When Paul Ryan and other Republicans call themselves fiscal conservatives, they’re basically doing a version of the old Marx Brothers bit: “Who ya gonna believe, me or your own eyes?”
Ever so slowly, conventional wisdom has started to recognize this reality. After Ryan’s retirement announcement last week, only a few headlines called him a deficit hawk. People are catching on to the con.
But there is still a major way that the conventional wisdom is wrong: It doesn’t give the Democratic Party enough credit for its actual fiscal conservatism.
Over the last few decades, Democrats have repeatedly reduced the deficit. They have raised taxes. They have cut military spending and corporate welfare. Some of them have even tried to hold down the cost of cherished social programs. Obamacare, for example, included enough cost controls and tax increases that it’s cut the deficit on net. [….]

Die GOP verstand und versteht sich außerdem hartnäckig als moralischere und frommere Partei.
Sie vertrete die „moral majority“ und setze sich von den liberalen Eliten der Küsten ab.

Die GOP greift gegen den Rassisten Steve King, republikanischer Abgeordneter aus Iowa, durch. Dieser hatte sich immer wieder als White Supremacist inszeniert.
Man habe aber in der Partei keinen Platz für Bigotterie und Hass, sagen nun die GOPer ohne rot zu werden.


Es gibt natürlich einen anderen GOP-Politiker, der noch viel rassistischer, Hass-Säender, bigotter und verlogener ist. Donald Trump.

Kein GOPer wendet sich aber deswegen gegen Trump, weil Trump mächtig ist, über 57 Millionen Twitter-Follower verfügt, die Teebeutelbasis verzückt und Posten verteilt.
King hingegen ist auf dem absteigenden Ast und gewann nur noch ganz knapp seinen ultrakonservativen Wahlkreis.

Da die GOPer offensichtlich viel zu feige, rückgratlos und amoralisch sind, um Trump zur Raison zu rufen, wenden sich diejenigen, die noch Rudimente eines Gewissens haben gegen Rep. King. Dann tut es nicht mehr so weh vor Trump auf den Knien zu rutschen.

[….] So now the party abhors bigotry? How convenient.
[….] Senator Ted Cruz, the Texas Republican, told Chuck Todd on NBC’s “Meet the Press” on Sunday that King’s remarks were “stupid” and “hurtful” and that Americans “ought to be united, regardless of party, in saying ‘white supremacism,’ ‘white nationalism’ is hatred, it is bigotry, it is evil, it is wrong.”
Strong and righteous words. Hats off to Senator Cruz. But that indignation eluded him when he was running for president in 2016. Just before the Iowa caucuses, Cruz touted King’s endorsement of him. For good and fawning measure, he chose King as the national co-chairman of his campaign.
It wasn’t as if King, a member of the House since 2003, had been keeping his hateful values under wraps. By the time that Cruz came courting, King had insinuated that Barack Obama was some darling of “radical Islamists,” embraced the birther conspiracy, tweeted a cartoon of Obama wearing a turban and, most famously, said that for every child of an undocumented immigrant who goes on to academic glory, “there’s another 100 out there who weigh 130 pounds and they’ve got calves the size of cantaloupes because they’re hauling 75 pounds of marijuana across the desert.”
That passed muster with Cruz, as it did with many other Republicans, because King was a king maker from a disproportionately influential state. What’s a little racism among political allies? [….] Trump’s own racist behavior and remarks — including, in the run-up to the midterm elections, his proud embrace of the term “nationalist” — have emboldened the Steve Kings of the world. Many Republicans recognize that. And despite all the pride that they have swallowed since Trump’s ascent and all the principles that they have betrayed, many of them yearn to make a stand or at least a statement against white nationalism, for the sake of their party’s long-term survival and, yes, for the country. [….] So they’re taking on King instead of taking on Trump. It’s safer. [….]

Dienstag, 15. Januar 2019

Die armen Viecher.

Als guter Antinatalist kann ich mich auch auf den Standpunkt stellen, daß Brexit und Mexico-Mauer den Menschen das Leben so gewaltig und unnötig erschweren, daß sie als gigantische steingewordene Beispiele „manufactured crisis“ zu begrüßen sind.



Sollen sich doch die Menschen selbst das Leben maximal schwer machen; vielleicht bringt das endlich die Geburtenrate ein wenig runter.

Sich gegenseitig auszusperren, gewaltige Absperrungsanlagen, Befestigungen zu errichten, um anderen möglichst endgültig die Freiheit zu nehmen, ist eindeutig in Mode.

Israelische Anti-Palästina-Mauer Westjordanland

Idiot

Spanische Exklave Cueta

Ungarischer Anti.Migrantenzaun beim Nordserbischen Horgos

Exklave Melilla in Marokko
Diese albernen Mauern, mit denen sich die kleinen Menschlein (Durchschnittsalter ~30 Jahre) auf einem 4,6 Milliarden Jahre alten Planeten ihre Plätzchen abstecken, von denen sie behaupten, sie gehörten exklusiv nur ihnen und keinem anderen Mitglied der infektiösen Spezies Homo Sapiens, sind eine wunderbare Metapher für den Irrsinn der Globalisierung.

Leider sind Grenzanlagen, Mauern, Wälle, Kanäle, Straßen oder auch Uferbefestigungen für viele andere Spezies tödlich.

Wir Menschen haben zwar einerseits geistige Kapazitäten den Irrsinn zu erfassen, zeigen aber unsere ganze Lächerlichkeit bei den Versuchen dem entgegenzuwirken.


Während wir also einerseits die westliche Welt mit immer neuen Mauern ziselieren, bauen wir gleichzeitig Brücken, um die Getrennten wieder zu verbinden.
Nur durch „grüne Brücken“ können Wildtiere in Europa und Amerika überleben.
Für sie meisten Tiere sind gewisse Wanderungen lebenswichtig.
Flugunfähige Tiere, wie Reh, Fuchs oder Haselmaus verfügen allerdings über wenige Kenntnisse der politischen Geographie und scheren sich wenig um Staatsgrenzen.

[….] Durch den Bau von Autobahnen und Bundesstraßen in ländlicher Umgebung werden insbesondere Wildtiere in ihrer natürlichen Lebensweise gestört. Ihre Wanderungen auf der Suche nach Nahrung, Unterkunft oder Artgenossen sind von den viel befahrenen Straßen unterbrochen. Allein in den USA zählt man jährlich fast 1,5 Millionen Wildunfälle, in Deutschland sind es über 200.000 - Tendenz steigend. Doch das könnte verhindert werden.
In den Fünfzigerjahren begannen erstmals französische Naturschützer mit dem Bau von Tierbrücken, auch Grünbrücken genannt. Sie bieten den Tieren auf ihrer natürlichen Wanderung eine gefahrlose Über- oder Unterführung und verringern gleichzeitig die Gefahr für Autofahrer. In Deutschland gibt es mittlerweile 37 Brücken, die über Autobahnen und Bundesstraßen führen; ebenso viele sind in Bau. Die Niederlande sind mit nahezu 600 Tierbrücken weltweites Vorbild. [….]

Es gibt Bestrebungen „grüne Bänder“ von Nord-Südeuropa zu errichten, damit Tiere wandern können und somit einen gewissen Schutz vor Lebensraumraub und Nahrungsmittelknappheit haben.

Einen ganzen Kontinent wie Nordamerika mittendurch zu schneiden ist ökologisch betrachtet eine Großkatastrophe.

[….]  Das Wüsten-Dickhornschaf ist ein Opfer der Einwanderung. Bevor die Europäer Amerika besiedelten, waren die geschickten Kletterer überall in den Wüsten zwischen Kalifornien und dem Golf von Mexiko zu finden. Doch jagende Siedler und eingeschleppte Krankheiten haben die Art fast ausgerottet. [….]  Erst in den vergangenen Jahren hat sich die Population dank Bemühungen von Naturschützern etwas erholt. Doch nun könnten die Wiederkäuer wieder Opfer der Einwanderung werden - der Einwanderungspolitik Donald Trumps.
Der US-Präsident will eine Mauer zwischen den USA und Mexiko errichten, also genau durch den Lebensraum der Dickhornschafe. Und durch den vieler anderer Spezies. Eine kontinuierliche Barriere an der 3200 Kilometer langen Grenze würde den Lebensraum von 1100 Tier- und 400 Pflanzenarten durchschneiden, schätzen Biologen in einer Analyse im Fachjournal BioScience. Die Studie ist zugleich ein Aufruf, vom Mauerbau abzulassen. Dieser "gefährdet einige der biologisch vielfältigsten Regionen des Kontinents", warnen die Wissenschaftler.
Die Mauer würde auch Jaguare, Ozelots und sogar manche Vogelarten gefährden
62 Arten, die entlang der Grenze leben, gelten laut der Roten Liste der Naturschutzunion bereits als gefährdet. Die Co-Autorin Jennifer Miller von der Naturschutzorganisation Defenders of Wildlife nennt die Grenzbarrieren im Scientific American "eine ungezügelte ökologische Katastrophe". Etwa 2600 Wissenschaftler aus aller Welt haben den Aufruf unterzeichnet, mehr als die Hälfte davon aus den USA. [….]  In Europa sind neue Zäune für den Naturschutz ein großer Rückschlag. Wildtiere in Europa profitierten die vergangenen 30 Jahre vom Fall des Eisernen Vorhangs und der allmählichen Grenzöffnung in Osteuropa. So konnten sich vormals getrennte Habitate wieder verbinden, Wölfe und Luchse Richtung Westeuropa einwandern. Diese Zeiten gehen zu Ende. Vielerorts werden wieder Barrikaden hochgezogen oder verstärkt, derzeit an der Grenze zwischen Ungarn und Serbien, oder zwischen Russland und der Ukraine. Auch die baltischen Staaten denken über neue Befestigungen an der russischen Grenze nach. [….]