Sonntag, 14. Mai 2017

Schönes Wetter draußen.



Dumdidumdidum, lalalala, war irgendwas los heute?
Es ist doch nichts vorgefallen, das einen irgendwie bewegen müßte, oder?


Ach ja. Und weil heute so ein fröhlicher und unbeschwerter Tag war, dachte ich mal wieder darüber nach auszuwandern.

Fragt sich nur wohin.

Vor einen halben Jahr hatte ich meine Aufmerksamkeit auf die Outer Banks von North Carolina, OBX konzentriert.

Das ist diese dreihundert Meilen lange superschmale Inselkette im Atlantik vor Northcarolina.
An den schmalen Stellen sind die OBX nur um die 150 m breit. Das hätte den Vorteil, daß man mit etwas Glück ein Grundstück finden könnte, bei dem man kaum Nachbarn hat, weil im Osten (Atlantik) und Westen (Sound) Meer ist. Frische Brise ist garantiert (= ideal für mich Allergiker) und da alle auf die grandiose Aussicht scharf sind, haben die Häuser dort oft einen „umgekehrten Grundriss“, so daß man unten Bad, Küche, etc einbaut und das Wohnzimmer ganz nach oben rutscht. Üblicherweise haben die Einfamilienhäuser dort drei oder mehr Stockwerke. Wäre auch perfekt für mich. Ich würde ganz oben thronen und selbst wenn mal Leute dort rumlatschen, würden sie mich nicht sehen.
Zudem sind die Grundstücke an der Sound-Seite relativ geschützt vor Sturmfluten und die Preise sind natürlich nicht so hoch wie in anderen begehrten Küstenregionen (Florida oder Kalifornien zB).
Als ich den Plan einem Freund in den USA erzählte, lief er allerdings leicht grün an und schnappte nach Luft. Er war in NC aufs College gegangen und befand der gesamte Staat sei vollkommen  von „christian cunts“ durchseucht. Nur Fundis da.
OK, das ist nicht so ideal.

Vielleicht doch lieber Alaska?
Das ist immerhin die Heimat meiner ersten erwachsenen Lieblingsserie Northern Exposure, der ersten hochqualitativen Dramaserie mit sich stetig entwickelnden Charakteren, die gedreht von 1990-1995 noch vor den unübertroffenen Sopranos entstand.
Das ist klimatisch noch besser für mich. Natürlich ist das auch ein konservativer US-Staat, aber dort sind sie Individualisten gewöhnt. Viele Alaskaner legen äußersten Wert auf Abgeschiedenheit und wollen sich nichts vorschreiben lassen.
Die Grundstückspreise dort sind noch niedriger und an den Millionen Seen gibt es unberührte Natur der schönsten Art – nämlich einsame Natur. Menschenfrei.
Meine Sorge ist aber, daß ich dort als Vegetarier Probleme bekomme. Die Menschen in Alaska fressen jeden Tag mindestens einen Zentner Lachs und Elch pro Person und scheinen dementsprechend auch kaum etwas anderes zu tun außer angeln und Elche abzuknallen.
Und die bugs. Im Sommer kann man scheinbar aufgrund all der stehenden Gewässer die Hand vor Augen kaum sehen, weil die Mücken so dicht an dicht rumschwirren.
Ein bißchen weiter südlich, Seattle im Bundesstaat Washington zB, gefiele es mir politisch besser und aufgrund all der linksliberalen Hipser in Portland, könnte ich dort auch perfekt ernährt werden.
Die vorgelagerten Pazifik-Inseln wie zB Orcas-Island sind unübertroffen schön. Insbesondere gibt es dort die legendären Baumbestände aus riesigen roten Zedern und Mammutbäumen.
Blöd ist nur, daß andere das auch schon bemerkt haben und man daher ein großes Grundstück (erforderlich, um keine Nachbarn zu haben) erst nach dem Lotto-Hauptgewinn bezahlen kann.

Zivilisierter wäre natürlich Kanada.
Im 2016er Wahlkampf warb Nova Scotia schon gezielt um Immigranten.
Die Halbinsel Nova Scotia (wir befinden uns wieder an der Ostküste), die sich größentechnisch zwischen Belgien und Österreich einordnen läßt, verfügt bisher nur über 900.000 Bewohner.
Allerdings bin ich bloß USAner und kein Kanadier. So wie sich Trump benimmt, wird der Migrationsdruck gen Kanada vermutlich noch stark zunehmen.
Kanada ist für seine liberalen Einwanderungsgesetze bekannt, aber das Punktesystem bevorzugt natürlich diejenigen, die sie gebrauchen können.
 Und was will Justin Trudeau mit einen geriatrischen US-expat anfangen?
Auswandern für Geronten geht immer nur gut, wenn man reich ist.

Könnte ich vielleicht nach Island? Ist nicht EU, recht liberal, prima Klima für mich.
Vermutlich müßte ich dafür aber auch eine Isländerin heiraten und wo finde ich die? Gibt doch nur so wenige. Außerdem wird Island inzwischen von Touristen überlaufen. Verhungern müßte ich ebenfalls, weil die Leute da nur giftigen, vergammelten Hákarl (aus fermentiertem Grönlandhai) und im heißen Boden geschmorte alte Hammel fressen. Ich will nicht.


Also wohin bloß?

Ich kann nur hoffen, daß mich die Außerirdischen bald abholen.

NRW kommt jedenfalls auch nicht mehr in Frage.


Samstag, 13. Mai 2017

Britenfrust

Zweifellos bestehen alle menschlichen Volksgruppen und Nationalitäten hauptsächlich aus Widerlingen; so ist Homo Sapiens nun einmal.
Es ist daher absurd und ungerecht einzelne Völker zu lobpreisen und andere zu verdammen.
Aber wer ist schon fair und objektiv?
Natürlich stecke auch ich voller Vorurteile, hege Zu- und Abneigungen aufgrund willkürlicher subjektiver Kriterien.
Sehe ich einen Dreizentner-Texaner mit Cowboyhut und Schlangenlederstiefeln oder einen Glatzkopf mit schwerem sächsischem Akzent, erwarte ich, daß der irgendwas höchst Unsympathisches von sich gibt.
Dabei gibt es gelegentlich positive Überraschungen, wenn sich so einer als „nett“ herausstellt.
Umgekehrt ist es aber schlimmer, weil Enttäuschung hinzukommt.
Kommen aus einer Volksgruppe, die man bisher mit positiven Vorurteilen bedacht hatte, rechtsradikale Töne, bin ich ernsthaft deprimiert.

Ich liebe Dänen und Holländer – umso gräßlicher, wenn gerade die rechtspopulistisch wählen.

Insbesondere hege ich seit Dekaden eine große Vorliebe für die britischen Nationen.
Ich mag das Spleenige, die Popkultur, die angelsächsische Musik, das lustige Königshaus und natürlich erst recht den englischen Hang zur Exzentrik.

Wieso müssen also ausgerechnet die Briten so einen europafeindlichen Mist wie den Brexit anzetteln?
Rhetorische Frage; man kennt die Gründe: Miserable Berichterstattung, extrem tendenziöse Boulevardmedien, radikale-unverschämte Lügen der Brexiteers und enormes Phlegma der jüngeren Hälfte der Briten.

Nur wenige Tage nach der Abstimmung bedauerte Queen Elisabeths Volk schon die Entscheidung, räumte ein sich gar nicht mit den Konsequenzen beschäftigt zu haben.

Im vergangenen Jahr gab sich allerdings die neue britische Regierung große Mühe sich von ihrer unangenehmsten Seite zu präsentieren. Ungeniertes Einschleimen bei Donald Trump, unfaire Behandlung der europäischen Freunde und unerhörte Drohungen mit Erpressung.
Und was machen die englischen Wähler daraus, die am 08.06.2017 ein neues Parlament wählen? Sie werden mutmaßlich den Tories eine riesige Mehrheit bescheren. Die Konservativen führen mit 15-20 Prozentpunkten vor Labour.

Dabei sieht die britische Zukunft unter Tory-Führung düsterer aus, denn je.
Über 100 Milliarden Euro muß England womöglich an die EU zahlen.

[….] Bislang war die Rede von 60 Milliarden Euro. Diese Summe könnte Großbritannien beim Verlassen der Europäischen Union in Rechnung gestellt werden, hieß es stets. Premierministerin Theresa May lehnt das kategorisch ab, ihre Regierung werde "keine gewaltigen Summen an die EU zahlen".
Die "Financial Times" berichtet nun, die Forderung an Großbritannien könne noch deutlich höher ausfallen. Demnach sei in Brüssel die Rede von über 100 Milliarden Euro. Die höhere Summe gehe vor allem auf Deutschland und Frankreich zurück, heißt es in dem Bericht weiter. Die EU-Verhandlungsführer hätten ihre ersten, ursprünglichen Kalkulationen als Reaktion auf Anfragen von mehreren EU-Mitgliedsländern überarbeitet und dabei die maximalen Forderungen erstellt.
Bei den Zahlungen geht es um die Schlussrechnung für Großbritannien zu Verpflichtungen nach über 40 Jahren EU-Mitgliedschaft. Dazu zählen Haushaltsverpflichtungen, Zusagen gegenüber EU-Institutionen sowie Pensionskosten für Beamte und etliches mehr. [….]

Das ist, absolut betrachtet, ohnehin eine gewaltige Summe.
Sie ist relativ aber sogar noch schlimmer, da wie erwartet die britische Wirtschaft schon jetzt aufgrund ihres europhoben Kurses schrumpft.

[….] Schlechte Nachrichten für Großbritanniens Wirtschaft: Die Firmen im Vereinigten Königreich haben im März deutlich weniger produziert - und das bereits den dritten Monat in Folge. [….] In der Industrie fiel der Rückgang mit 0,6 Prozent ebenfalls überraschend stark aus. Fachleute hatten dort eigentlich keine Veränderung des Produktionsvolumens erwartet. Aus anderen Daten ging zudem hervor, dass sich das britische Handelsdefizit stärker ausgeweitet hat, als angenommen. [….]

Dabei ist Großbritannien noch EU-Mitglied; die Wirtschaft dürfte noch deutlich mehr schrumpfen, wenn der Austritt vollzogen wird. Schon jetzt setzt eine große Flucht der internationalen Unternehmen ein.


[….] BaFin rechnet mit Umzug vieler Londoner Banken nach Frankfurt
Zahlreiche Londoner Banken werden nach Einschätzung der Finanzaufsicht BaFin wegen des Brexit Geschäfte nach Deutschland verlagern.
Deutlich mehr als 20 in Großbritannien ansässige Banken haben inzwischen wegen des Brexits bei der deutschen Finanzaufsicht BaFin vorgesprochen. Eine zweistellige Zahl habe bisher signalisiert, dass sie sich für den Standort Frankfurt interessiere, sagte der Chef der Bankenaufsicht, Raimund Röseler. Viele Geldhäuser würden die Anträge auf eine Banklizenz in Deutschland vorbereiten und vermutlich im zweiten Halbjahr einreichen.
[….] Viele deutsche und französische Politiker fordern, dass auch die Abwicklung von Derivategeschäften in Euro von London auf den Kontinent verlagert werden muss. […]

Der britische Außenminister Johnson verbreitet unterdessen flotte Ideen zum Thema wer die 12-stelligen Kosten übernehmen könnte, die in der Hauptsache Johnson selbst verursacht hat: Die anderen EU-Nationen!

Kann man sich nicht ausdenken.

[…..]  Der Streit zwischen der EU und Großbritannien über die Kosten des Brexits verschärft sich zusehends. Außenminister Johnson hat nun einen neuen Vorschlag vorgelegt. Brüssel solle die gesamten Kosten übernehmen - und dafür nennt er Gründe.
[…..] Brüssel will Vermögenswerte wie EU-Gebäude bei den Scheidungskosten nicht verrechnen. Die Begründung: Sie gehören der EU als Rechtsperson, die bestehen bleibt. "EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker denkt, dass es das Hotel California ist, wo man auschecken kann, aber man kann niemals gehen. Er hat unrecht", sagte Johnson in Anspielung auf einen Eagles-Song. [….]



Freitag, 12. Mai 2017

Wie man in Umfragen zulegt.



Seit acht Jahren geht das so!

Nachdem Peer Steinbrück die Finanzkrisenkohlen aus dem Feuer holte, sitzt Schäuble auf sprudelnden Einnahmen.
Nachdem Gerd Schröder die Agenda 2010 durchgesetzt hat, profitiert die Bundesregierung von deutlich sinkender Arbeitslosigkeit.
Nachdem EZB und EU eine extreme Niedrigzinspolitik fahren, wird Schäuble mit Geld zugeschissen.
Nach den Wahlsiegen von 2009 und 2013 kann Bundesfinanzminister Schäuble mit breiten parlamentarischen Mehrheiten gestalten was er will.
Nie in der gesamten Geschichte der Bundesrepublik hatte es ein Kassenwart so leicht endlich den außer Kontrolle geratenen deutschen Steuerdschungel zu lichten. Nie war die Gelegenheit so günstig ein zutiefst ungerechtes System zu reparieren, welches das Arbeitseinkommen einer Krankenschwester höher besteuert als die zehnstelligen Kapitalausschüttungen, über die sich Frau Klatten freut.
Wenigstens die völlige Mehrwertsteuerkonfusion könnte man leicht mal sortieren, wenn man denn wollte.
Schäuble betreibt aber seit seinem Amtsantritt als Finanzminister totale Arbeitsverweigerung. Er will einfach nicht.
Ich beklage das seit beinahe einer Dekade.

Dringend notwendige Reformen verschiebt der Minister oder sagt sie ganz ab.
Die Berechnung der Mehrwertsteuer, dieser Irrsinn im Quadrat, bleibt bestehen.

[….] Der Regierung liegt ein Gutachten vor, wonach der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent allein für Lebensmittel gerechtfertigt sei. Die Vergünstigung beispielsweise für Schnittblumen, zahntechnische Leistungen oder Zeitungen seien dagegen steuerlich nicht zu begründen. Die Gutachter empfehlen, für diese Güter den vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent zu berechnen. Der Finanzminister will dieser Empfehlung nicht folgen. In der Koalition wird Schäubles Weigerung mit Verwunderung aufgenommen, da sich der Finanzminister die Gelegenheit entgehen lasse, die Staatskasse zu füllen.
Die Regierung vertagte eine Entscheidung in dieser Frage immer wieder. Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, dass eine Kommission den Katalog der ermäßigten Steuersätze überprüfen soll.[….]
(Stuttgarter Zeitung 05.10.10)

Nun bleibt es bei dem Schilda-artigem Dickicht.
7% für Hotelübernachtungen, Windeln 19%, Rennpferde 7%, Apfelsaft 19 Prozent, aber Äpfel 7%. Aufgebrühter Kaffee 19 Prozent. Auf Kaffeebohnen, Haustauben, Bienen und Chicoree, Speisesalz (aber nicht in wäßriger Lösung!) gibt es 7 %.
Die schwarz-gelbe Steuersenkungskoalition hat in ihrem ersten Gesetz das Chaos noch vergrößert - wider alle Vernunft.
Inzwischen blickt keiner mehr durch und die Merkelregierung mit ihrer dicken Bundestagsmehrheit legt tatenlos die Hände in den Schoß.
Schäuble fällt aus und sagt Vereinfachungen ab.

So bleiben die ermäßigten Mehrwertsteuersätze ein Fall für Comedians.

So ist Esel nicht gleich Esel: Denn nicht nur für Hengste, Wallache, Stuten und Fohlen gilt der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent, sondern auch für Kreuzungen zwischen Eselhengst und Pferdestute (Maultier) sowie Pferdehengst und Eselstute (Maulesel). Der ermäßigte Satz ist auch für reinrassige Esel fällig, aber nur für geschlachtete. Schließlich wird ja auch "Fleisch von Pferden, Eseln, Maultieren oder Mauleseln, frisch, gekühlt oder gefroren" begünstigt. Für lebende "Hausesel und alle anderen Esel" gilt der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Reichlich Stoff für Büttenredner bietet auch diese Klarstellung: Genießbare getrocknete Schweineohren unterliegen dem ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent, auch wenn sie als Tierfutter verwendet werden. Getrocknete Schweineohren, die nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind, werden mit dem vollen Satz belegt. Zum Kuriositäten-Katalog gehört ferner: Ermäßigte Mehrwertsteuer für Hausschweine, normaler Satz für Wildschweine - und Flusspferde; ermäßigter Satz für Kartoffeln aller Art, aber Regelsatz für Süßkartoffeln; ermäßigter Satz für Tomatenmark und Tomatensaft, normaler Satz jedoch für Tomatenketchup und Tomatensoße. Oder: Pilze und Trüffel, ohne Essig haltbar gemacht: ermäßigt; Pilze und Trüffel, mit Essig haltbar gemacht: normaler Steuersatz. Und so weiter.
(Evang. 2.12.09)

Diese Koalition ist ein einziger Witz - ob ein Minister mehr oder weniger arbeitsfähig ist, spielt keine Rolle mehr.

[…..] Mit der Ankündigung von Finanzminister Schäuble, die Mehrwertsteuerreform auf Eis zu legen, beweisen Minister und Koalition ihre Reformunfähigkeit und ihr fehlendes Durchsetzungsvermögen gegenüber ihrer Klientel und den Lobbyverbänden. Nach der steuerlichen Forschungsförderung wird ein weiteres zentrales Reformprojekt der Koalition sang- und klanglos beerdigt. Damit kapituliert Schäuble vor der CSU und Teilen der FDP, die unbedingt an der Ermäßigung für Beherbergungsdienstleistungen festhalten wollen. Herr Schäuble und die CDU sind damit bei der Mehrwertsteuerreform gescheitert. […..]
(PM Nr 1170 der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. 5. Oktober 2010)
(…….)

Wie läßt sich diese demonstrative Tatenlosigkeit Schäubles erklären?
Ist es pure Faulheit? Senilität?
Vielleicht.
Ich glaube aber, es steckt Kalkül dahinter. Schäuble will beliebt sein und sein Amt behalten. Er weiß wie es allen forschen Ministern und Kanzlern erging, die grundlegend reformierten oder reformieren wollten: Sie wurden abgewählt.
Deutsche Wähler hassen Veränderungen und wählen immer das was am meisten Stillstand verspricht.
So erklären sich auch Schäubles anhaltend hohe Beliebtheitswerte.
Überquellende Kassen haben zudem den großen Vorteil, daß man als Finanzminister immer so viel versprechen kann.
Es werde Wohltaten geben, tönt es nun aus der CDU.
Aber natürlich nach der Wahl. Denn es muß ja einen Grund geben die seit 12 Jahren regierende Partei wieder zu wählen. Die Partei, die bisher nie etwas Sinnvolles mit dem Geld anzufangen wußte.
Aber der Urnenpöbel läßt es so gern mit sich machen.          
Die Union ist der SPD wieder weit enteilt.



[…..]  Mysteriös: Wieso sieht Schäuble Spielraum für Steuersenkungen immer nur kurz vor Wahlen?
Stecken dahinter Außerirdische? Oder ist es eine sich alle vier Jahre wiederholende Konstellation der Sterne, die dafür sorgt, dass Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) immer nur kurz vor wichtigen Wahlen plötzlich Spielraum für Steuersenkungen sieht? Ein Fall für Postillon Mystery.
Schäuble (Sternzeichen Jungfrau) selbst begründet seine Steuersenkungspläne in Wahlkämpfen stets mit der Wirtschaftslage, die plötzlich günstig liege und eine Entlastung der Bürger möglich mache. Gibt es also doch eine rationale Erklärung?
Nein, sagt der anerkannte UFOloge und Mystery-Experte Heinrich von Schwediken: "Der Staat erwirtschaftet seit Jahren Rekordüberschüsse. Schäuble hätte Steuersenkungen in seinen acht Jahren als Finanzminister längst umsetzen können. Dass sich der Spielraum dafür stets in einem kurzen Zeitfenster vor Bundestagswahlen oder wichtigen Landtagswahlen auftut, zeigt, dass hier übersinnliche Mächte walten müssen." [….]

Bizarrerweise denken die Bundesbürger immer noch in ihrer weitüberwiegenden Mehrheit Steuersenkungen wären etwas Gutes. Eine Wohltat für alle.

Das ist aber Unsinn. An der Einkommensteuer zu schrauben, betrifft die ärmere Hälfte der Bevölkerung gar nicht. Das sind Kinder, Studenten, Schüler, Hausfrauen, Arbeitslose, Geringverdiener und alle, die unter den Freibeträgen liegen. Wenn man also lediglich die Einkommensteuersätze runterschraubt, ist dies nichts anderes als eine zusätzliche Umverteilung von unten nach oben. Wie wir aber wissen, nehmen Armut und Reichtum in Deutschland kontinuierlich zu.
Steinreiche wie Klatten werden jedes Jahr von ganz allein um weitere Milliarden reicher. Es ist also kaum notwendig sie zu entlasten.

Statt also Milliarden Staatsgelder an die Gutverdienenden zu verteilen, wäre es sinnvoll die Geldberge in Form von Investitionen unters Volk zu bringen.
Es ist absurd, daß Schäuble im Geld schwimmt, während so viele Bereiche in Deutschland grotesk unterfinanziert sind.
Es gibt zu wenig Lehrer, zu wenig Sozialarbeiter. Grundschulen und Kitas verfallen, Unis sind überfüllt und schlecht ausgestattet, wir können uns nicht leisten Hygienemaßnahmen in den Krankenhäusern durchzuführen, so daß jährliche Myriaden Menschen an multiresistenten Keimen verrecken.
Brücken bröckeln, Straßen werden nicht gebaut, Jugendämter haben kein Personal, Grundlagenforschung ist unterfinanziert.

[…..] Ich will keine Steuergeschenke. Ich will mehr Geld für Schulen, für Kindergärten und ich will vernünftigen Breitband-Ausbau.
Steuergeschenke bedeutet: wer sich es leisten kann, der bekommt den besten Zugang zu Kindergärten, Schulen und Breitband.
Wir müssen die Teilhabe verbreitern, damit wir als Gesellschaft insgesamt davon profitieren. [….]

Es gäbe genügend zu tun für den Staat. Tatschlich gibt Schäuble auch extrem viel Geld aus. Allerdings immer möglichst unsinnig.

[….] Stattdessen gab der Bundesfinanzminister dank guter Kassenlage so viel Geld aus wie keiner seiner Amtsvorgänger: Die Große Koalition warf für Rente mit 63 und Mütterrente Milliarden aus dem Fenster - und Schäuble ließ sich für einen ausgeglichenen Haushalt nach dem anderen auch noch als Sparfuchs feiern, obwohl locker satte Überschüsse möglich gewesen wären.
Bildung, Forschung, Wohnungsbau, Brückensanierungen sind weitere Beispiele für Bereiche, in denen dringend Geld benötigt wird. […..]

Deutschland leistet sich also weiterhin vorsintflutliches Internet, überall Ortschaften, die noch gar nicht ans Netz angeschlossen sind im Jahr 2017.
Mit den vielen Milliarden in der Kasse könnte man das endlich mal in Ordnung bringen. Eine Win-win-win-win-Situation: Es würden direkt Arbeitsplätze geschaffen, es hülfe vielen Menschen insbesondere in ländlichen Gegenden, es wäre Voraussetzung für das Wachstum vieler kleiner Unternehmen, es bereitete den Ausweg aus dem Papier-verbrauchenden Zeitalter an.

Der deutsche Michel ist aber zu schwach zwischen seinen Ohren um solche Zusammenhänge zu verstehen. Er lauscht lieber ewig-gestrigen Versprechern wie Christian Lindner.

[….] Die deutsche Wirtschaft braucht für die kommenden schwierigen Jahre alles, nur keine großen Steuersenkungen für ohnehin schon Reiche. Schluss mit dem Wahlkampfgedöns.
Es hat schon etwas ganz Rührendes, wenn der Christian Lindner sich darum sorgt, ob es bei uns gerecht zugeht - und deshalb gern etwa Grunderwerbsteuer und Spitzensteuern senken würde. Obacht! Da stimmt etwas nicht. Entweder die FDP ist von ihrer Wertschätzung für die Wohlhabenden abgerückt. Oder der Mann will uns veräppeln und vor der NRW-Wahl am Sonntag noch ein paar (doch gar nicht so arme) Wählerchen gewinnen. Was dann allerdings nicht so viel an der Ungerechtigkeit ändert.   Jetzt ist der Reflex menschlich natürlich nachvollziehbar, Steuersenkungen zu wünschen, wenn der Finanzminister, wie gerade geschehen, neue Rekordsteuereinnahmen gemeldet bekommt. Nur ist es dazu ja nicht deshalb gekommen, weil "die Gier des Staates kleptokratische Züge angenommen" hat, wie es der verbal offenbar leicht hyperventilierende Herr Lindner volksnah diagnostiziert hat.
[….] Deutschland braucht einen Aufschwung zweiter Teil, mit mehr qualifizierten Kräften und erweiterten Kapazitäten in der Wirtschaft - weil er sonst in der Tat bald an seine Grenzen stößt. Und auch da helfen keine niedrigeren Steuern. Es wird ja nicht plötzlich mehr Ingenieure geben, weil Zahnärzte und Anwälte weniger Steuern zahlen (so sehr wir es ihnen natürlich gönnen). [….]

Für die FDP in NRW werden bei der Landtagswahl am Sonntag 13,5% erwartet.
Die Menschen sind eindeutig zu doof für herkömmliche demokratische Wahlen.

Donnerstag, 11. Mai 2017

Und das noch zur Causa Comey.



Während tout Washington in heller Aufregung wegen der Entlassung des FBI-Direktors ist, den Trump damit ganz offensichtlich davon abhalten wollte weiter zu untersuchen wie Trump und sein Team mit Russland verstrickt sind, trifft sich Moral Midget im Oval Office mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem russischen Botschafter Sergej Kisljak, der die zentrale Figur im „Russian Ties“-Skandal ist.
Die drei Männer waren bester Laune, aber verständlicherweise wollte Trump ungern Bilder des tollen Trios ausgerechnet an dem Tag in der Presse sehen. Daher wurden die Medien ausgeschlossen.
Nur die Hausfotografen des Kreml waren anwesend.
Willkommen im „land oft he free“; während das FBI die Verbindungen Trumps nach Russland untersucht, werden amerikanische Journalisten vom Weißen Haus ausgeschlossen. Lediglich die Kreml-Leute dürfen im Zentrum der US-Macht Bilder machen.

Trumps Administration war offensichtlich dieses neumodische Dings, das Internet, nicht bekannt. Daher dachte wohl niemand, daß in Russland verbreitete Bilder des Treffens in Windeseile auch in den US-Medien auftauchen  könnten.
War ahnt schon sowas?

Kein amerikanischer Journalist, der gestern nicht an Nixon erinnert hätte; war doch die Entlassung des Chefermittlers des Untersuchungsausschusses zum Watergate-Skandal, Archibald Cox, damals das Ende der republikanischen Präsidenten. 
(Saturday Night Massacre).

Für den Fall, daß auch nur ein einziger Medienvertreter diese für Trump extrem peinliche Parallele nicht öffentlich breittritt, lud Trump außerdem Nixons Chefberater und späteren Außenminister Henry Kissinger ins Weiße Haus.

Kann man sich nicht ausdenken.

[….] But it wasn't Lavrov they found sitting with the president! It was Henry Kissinger, best known for his role as Secretary of State to President Richard Nixon.
Reporters asked Trump about the firing of FBI Director James Comey. Trump responded, briefly, that Comey was simply "not doing a good job." It was apparently lost on Trump that the last 16 hours had been dominated by comparisons between Nixon's "Saturday Night Massacre" -- where he jettisoned the independent counsel investigating Watergate -- and Trump's decision to part ways with Comey. Either that or Trump was pulling the greatest troll move ever by having Kissinger there when he took his first questions from reporters about the Comey firing. (I'm not ready to rule that option out.) […..]

Ein Präsident mit einem höheren IQ als Zimmertemperatur würde wissen, daß so ein Verhalten weltweit enorme Wellen schlägt, hätte sich eine gute Begründung für Comeys Rausschmiss überlegt und auch gleich einen Nachfolger präsentiert.
Trump Fans verweisen nun immer noch darauf, daß seine Administration so jung und unerfahren sei. Als ob nicht auch jede Hausfrau auf der Straße voraussehen könnte was für einen Wirbel es macht, wenn ein US-Präsident den just gegen ihn ermittelnden FBI-Chef feuert.

Trumps Presseabteilung war völlig unvorbereitet, so daß sich Sean Spicer in einem Busch versteckte. Wie üblich im Irren-Quartett aus Conway, Kushner, Bannon und Priebus gab das Weiße Haus in den folgenden 24 Stunden sich munter widersprechende Erklärungen heraus.
Bannon flog erst, weil Trump so großes Mitleid mit der armen Hillary Clinton hatte, dann weil er in einer Anhörung versehentlich eine falsche Zahlenangabe zu Huma Abedins Mails abgab, mal sollte es Unzufriedenheit im FBI selbst gewesen sein, zwischenzeitlich war es auch mal die Abberufungsempfehlung des stellvertretenden Justizministers Deputy Attorney General Rod Rosenstein und schließlich befand Trump, Comey mache einfach generell „a bad job“. Nur der wahre Grund; die Russland-Untersuchung; wurde nie genannt.


Frankly, I knew he is going to be crooked, I didn’t know he’ll be stupid.
(Paul Begala on Trump 10.05.2017)

Formell gekündigt wurde James Comey übrigens von Justizminister Jeff Sessions, der bei seiner Senatsanhörung log und ein Treffen mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak verschwieg. Er ist selbst so schwer in den Russland-Skandal verstrickt, daß er sich offiziell für befangen erklärte und insofern Comey gar nicht anrühren dürfte.

[….] Jeff Sessions and the Justice Department are helping Trump lie [….] And when, briefly, concerns about Sessions’s own ties to Russia threatened to distract from that — when Sessions’s independence on the question of open investigations of the president and his allies was examined — Sessions quickly resolved those questions by recusing himself from the Russia investigation. It was the act of someone who wasn’t primarily in his role to defend the president. [….]

Tollpatsch Trump, der in den Ministerien bis heue tausende Stellen nicht besetzt hat, so daß Tillerson und Co gar nicht richtig arbeiten können, präsentierte natürlich auch keinen Comey-Nachfolger.

Es rückte also dessen Stellvertreter nach, der sofort an die Presse ging und ebenfalls Trump der Lüge bezichtigte.

[….] Die Entlassung von FBI-Chef James Comey kam für viele überraschend - vor allem für die Behörde selbst. Nun sorgt eine Aussage des vorübergehenden Direktors für Aufregung: Die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter habe eine positive Beziehung zu Comey gehabt, sagte Andrew McCabe vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats. Er habe große Unterstützung genossen. Die Aussage steht damit im Gegensatz zu Gründen, die Donald Trump für den Rauswurf angeführt hat.
Der US-Präsident hatte gesagt, Comey habe die Unterstützung in der Behörde verloren und zudem schlechte Arbeit abgeliefert. [….]

Trump, der offenbar immer noch nicht die Job-Beschreibung gelesen hat und gar nicht weiß, daß er als Präsident das Beste für sein Land tun soll und nicht alles nach seinem persönlichen Wohl ausrichten soll, hat sich in den letzten beiden Tagen gründlich in die Grütze geritten.
Nun weiß jeder, daß dem Orangen oft die Hutschnur platzt und er dann in „Weißglut“ ausrastet.

[….] A longtime friend who talked to the President over the weekend described him as "white hot," a mood that set the table for Comey's firing.
[….] Several people familiar with the decision say the President grew increasingly frustrated at Comey after his congressional hearing last Wednesday when he testified that he was "mildly nauseous" over the idea that he helped sway the election. Even the health care victory in the House one day later couldn't take his mind off Comey, two people close to Trump said.
"He wouldn't hear it (that he should be encouraged)," the friend said. "It's Russia. Russia. Trump and Russia." The President complained, with expletives, about Comey's "mildly nauseous" answer and said his answer when pressed on leaks convinced the President he was far less concerned about the leaks than Trump thought he should be. [….]

Dumm wie Bohnenstroh und "white hot stewed over Comey's fate“ – wer würde sich so einen nicht als Hüter der Atomcodes und Oberbefehlshaber der größten Militärmacht der Welt wünschen?
Für jeden auch nur halbwegs anständigen Politiker wäre nun Schadensbegrenzung angesagt.
Nicht so bei Trump. Er gibt sich Mühe durch Zetern und Pöbeln den miserablen Eindruck seiner Performance noch deutlich zu verschlechtern.

Kann man sich nicht ausdenken.

[….] Trump tritt nach
Das Echo auf den Rauswurf des FBI-Chefs James Comey ist verheerend für US-Präsident Donald Trump. Der attackiert den Geschassten nun persönlich. US-Präsident Donald Trump hat sich in einem Interview nochmals zur Entlassung des FBI-Direktors James Comey geäußert. Trump beschimpfte Comey: "Er ist ein Blender, ein Angeber, das FBI war unter ihm in Aufruhr. Jeder weiß das."
[….] Außerdem soll Comey vorige Woche um eine "bedeutende Aufstockung von Geld und Personal" gebeten haben, um das Russland-Verfahren auszuweiten. Der Adressat war Vizejustizminister Rod Rosenstein - ausgerechnet der Mann, der Trump am Dienstag Comeys Entlassung empfahl. [….]