Dienstag, 25. November 2014

All the haters.



Antisemitismus ist natürlich grauenvoll und absolut verwerflich.

Die Bibel ist die Wurzel des Übels. Noch im Neuen Testament, der „Frohen Botschaft“ heißt es:

14 Denn, Brüder, ihr seid den Gemeinden Gottes in Judäa gleich geworden, die sich zu Christus Jesus bekennen. Ihr habt von euren Mitbürgern das Gleiche erlitten wie jene von den Juden.   15 Diese haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie missfallen Gott und sind Feinde aller Menschen;  16 sie hindern uns daran, den Heiden das Evangelium zu verkünden und ihnen so das Heil zu bringen. Dadurch machen sie unablässig das Maß ihrer Sünden voll. Aber der ganze Zorn ist schon über sie gekommen. (1, Thess, 2)

 Antisemitismus ist tiefsitzend und omnipotent. Eingeschrieben in die Abrahamitische DNS kann er sich quasi jederzeit bahnbrechen.

Aber rein wissenschaftlich betrachtet erscheint mir Antisemitismusforschung hochinteressant zu sein.

Üblicherweise geht Hass auf Minderheiten immer mit einem sozialen Komplex umher.
Jemand fürchtet um seine soziale Stellung, sein finanzielles Auskommen, seine bürgerliche Identität.
Xenophobie, Misogynie, Homophobie sind immer auch die Kehrseite der eigenen vollen Hosen.
Nur wer sich gerade selbst eingekotet hat, fürchtet daß „die Ausländer“ einem den Job, die Juden das Geld, die Türken die Frauen, die Schwulen die Exklusivität der Ehe oder die Frauen die eigene Vormacht wegnehmen.

Je angstfreier und selbstbewußter man ist, desto gelassener blickt man auf andere, bzw neue Mitspieler.

Der verheiratete heterosexuelle Mann, der sich seiner selbst sicher ist, wird nicht davon bedroht, daß irgendwo ein homosexueller Mann auch eine Beziehung führt.

Die Besonderheit der Juden als Ziel eines fremdenfeindlichen Reflexes ist, daß sie schon in der Theorie Praxis wird.
Antijudaismus tritt auch bei völliger Abwesenheit von Juden auf.
Antisemitismusforscher haben ein geschlossen antisemitisches Weltbild bei 20-30% der ostdeutschen Jugendlichen gefunden, obwohl dort praktisch überhaupt keine Juden leben.
Bei ausführlicheren Befragungen gaben die Judenfeinde auch offen zu persönlich noch nie einen Juden getroffen zu haben.

Homosexuell oder weiblich zu sein ist genetisch bedingt und kommt überall auf der Welt gleichmäßig vor.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit weiß man auch im kleinsten Dorf gerüchteweise irgendetwas über einen Schwulen. Zumindest der Verdacht taucht immer auf.
Mit Juden verhält es sich anders. Es gibt durchaus Landstriche, in denen gar keine Juden leben und dennoch werden sie dort genauso gehasst wie Schwule oder Schwarze.
Auch wenn gar keine Juden vorhanden sind wittert man als „sekundärer Antisemit“ überall dubiose jüdische Einflüsse.

Brandenburgische und sächsische Jugendliche, die noch nie in ihrem Leben einen Juden gesehen haben geben ungeniert an, daß sie keinesfalls einen Juden als Nachbarn haben möchten.

Ich möchte immer dem überzeugenden Giordano-Satz zustimmen, daß Deutsche den Juden niemals den Holocaust verzeihen werden.
Jeder Jude erinnert sie demnach an diese Schmach, an diesen absoluten Tiefpunkt der Moral. Daher will man a priori lieber nichts mit ihnen zu tun haben. […….] Sekundärer Antisemitismus ist es auch über die Jüdin Lea Rosh herzuziehen, weil man sie als zickig oder nervend empfindet.
Nun ist jeder frei Lea Rosh nicht zu mögen (ich allerdings finde sie großartig); das (sekundär) antisemitische daran ist aber aus seiner Antipathie heraus zu schließen, daß sie Jüdin sein müsse.
Denn sie ist KEINE Jüdin.

Ein sekundärer Antisemit ist politisch nicht up to date und hat den Komplex überall Tabus zu wittern.
Er poltert sofort mit „man wird doch noch sagen dürfen, daß….“ los, obwohl es nichts und niemanden gibt, der ihn daran hindert.
Selbstverständlich kann man die Israelische Regierungspolitik lang und breit kritisieren, ohne auch nur einen Hauch von Antisemitismus zu bemühen.

Um Minderheitenhass der dümmsten Art abzubauen hilft tatsächlich eine Konfrontationstherapie.

Laut der letzten Zahlen des statistischen Bundesamtes sind Migranten immer noch extrem unterschiedlich in Deutschland verteilt.
In Ostdeutschland gibt es große Landstriche mit einem Ausländeranteil von um die ein Prozent und dort fürchten sich die Deppen vor „Überfremdung“, wählen weit überdurchschnittlich NPD, respektive AfD.



Die Bundesländer mit den höchsten Ausländeranteilen, Hamburg und Berlin, haben ein viel geringeres rechtes Wählerpotential.

Vielleicht bräuchte es also in Brandenburg und Sachsen nur eine Aufstockung des Migrantenanteils in der Bevölkerung um 1.500 bis 2.000 % und die Ossis wären weitgehend von ihrer Fremdenfeindlichkeit geheilt?

Aber wie sollte man das organisieren?
Nicht nur die Ossi-Jugendlichen, sondern auch die amtierenden Ossi-Politverantwortlichen sind sagenhaft verblödet.

Seit Monaten werden landein, landauf Zahlen präsentiert, daß wir nicht nur in Zukunft unbedingt Einwanderung nach Deutschland benötigen, sondern daß jetzt schon Migranten überdurchschnittlich zum Wohlstand beitragen, weil sie überdurchschnittlich oft in die Selbstständigkeit gehen und Arbeitsplätze schaffen und weil sie durch ihre Altersstruktur über sozialversicherungspflichtige Jobs besonders viel in die sozialen Sicherungssysteme einzahlen, während sie als Rentner wenig entnehmen.
Zuwanderer aus Osteuropa sind zudem deutlich besser gebildet als der Durchschnittsdeutsche und daher unverzichtbar für die hiesige Wirtschaft.
Sächsische Minister sollten sich also aus vielerlei Gründen darum bemühen möglichst viele von den kostbaren Migranten in ihr unterausländerisches Bundesland zu holen.

Aber auch bei ihnen ist die Entklugung viel zu weit fortgeschritten. Sie bedienen lieber ultrarechte, latent völkische Ideologien.
Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) will jetzt spezielle Polizei-Sondereinheiten bilden, um gegen die kriminelle Asylantenflug vorzugehen. Ausgerechnet in dem Bundesland, in dem es mit am wenigsten Migranten überhaupt gibt.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig macht Stimmung gegen Flüchtlinge. […] Schon ab Dezember sollen in Sachsen künftig spezielle Polizeieinheiten für straffällige Asylbewerber zuständig sein. „Wir beginnen mit dem Modell in Dresden und wollen sie dann im ganzen Land einsetzen“, sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU) der Dresdner Morgenpost. […] „Es darf nicht sein, dass einer, der kein Recht auf Asyl hat und dann noch schwer straffällig geworden ist, durch das Zusammentreffen von Strafprozessordnung und Ausländerrecht am Ende mit einer Art Bleiberecht belohnt wird“, erklärte Ulbig. […] Der sächsische Flüchtlingsrat hält Ulbigs Äußerungen für gefährlich und falsch. Die Kriminalitätsrate sei selbst nach Angaben der sächsischen Polizei im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften nicht gestiegen, so Sprecher Marko Schmidt. „Ulbig schürt Ängste“, sagte Schmidt der taz. Die Polizei sollte besser zunehmende rechtsmotivierte Übergriffe auf Asylbewerber aufklären.
Ulbig bediene die Argumentation der sogenannten „Patriotischen Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida), die seit Wochen in Dresden Stimmung gegen Asylbewerber machen, so Schmidt. Für den Montagabend hat die islamfeindliche Initiative bereits zum sechsten Mal zu einer Demonstration durch Dresden aufgerufen. […] Scharfe Kritik an Ulbigs Vorhaben kam am Montag von den sächsischen Linken. Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Rico Gebhardt, kritisierte Ulbigs Zungenschlag als befremdlich. Es handele sich um das Gegenteil von Willkomenskultur. „Es ziehen keine zugereisten marodierenden Banden durchs Land, sondern es müssen Asylbewerberheime rund um die Uhr vor befürchteten Übergriffen ,einheimischer' Täter geschützt werden“, so Gebhardt. […] Ulbig strebt derzeit eine Kandidatur als Oberbürgermeister von Dresden an. Die Wahl soll Anfang Juni 2015 stattfinden. Die oppositionellen Grünen vermuten darin auch das Motiv für Ulbigs Äußerungen: „Fremdenfeindlichen Einstellungen Vorschub zu leisten, gehört nicht zu den Aufgaben eines Innenministers. Und Oberbürgermeister-Wahlkampf auf niedrigstem Niveau genauso wenig“, sagte Petra Zais, migrationspolitische Sprecherin der Fraktion. […]
(taz, 24.11.14)

Herr Ulbig stellt damit die Moral seiner Partei wieder einmal zur Schau, verhält sich widerlich und menschenverachtend.
Aber eben auch saudumm.

Die zügig steigende Zahl von Asylbewerbern verunsichert Anwohner allüberall. In Sachsen ist diese Verunsicherung besonders groß, ein nur scheinbar paradoxer Grund dafür liegt im geringen Ausländeranteil an der Bevölkerung. […] Wenn Minister Markus Ulbig nun trotzdem spezielle Polizeieinheiten ankündigt, dann muss man darin ein aktionistisches Zugeständnis an jene Rechtsaußen erkennen, die noch glauben, einer so komplexen Herausforderung wie der Asylpolitik sei mit einfachen Antworten zu begegnen. […]
 (Cornelius Pommer, SZ vom 25.11.2014)





Montag, 24. November 2014

Nebenwirkungen - Teil II



Es tut sich ja auch wirklich gar nichts.
Alle puzzeln vor sich hin und ergehen sich mit vollen Hosen im Polit-Mikado.
Sobald irgendetwas aus dem großen gemeinsamen CDUCSUSPD-Koalitionsvertrag angefasst wird; Mindestlohn, Maut, Frauenquote, Ttip, Energiewende z.B.; melden sich sofort Profibedenkenträger bei den Presseagenturen und lassen zerknirscht ausreichten, daß man das doch lieber doch irgendwie nicht so doll, und wenn schon, dann lieber später umsetzen sollte.
Es könnte sich ja irgendjemand auf den Fuß getreten fühlen und womöglich rumnörgeln. Das wolle man doch lieber erst gar nicht riskieren.

Crazy Horst zum Beispiel setzte nach Fukushima zusammen mit Merkel die neue Anti-Atomkraftpolitik durch, verankerte diese Planung noch einmal im letzten Koalitionsvertrag und sobald tatsächlich Schritte in diese von ihm gewünschte Richtung unternommen werden, lehnt er alle vehement ab.


Gröhe, Schmidt, Wanka, Müller – wollten eigentlich mal irgendwas tun, haben bisher aber noch nicht damit angefangen.
Da ist Schäuble, wider seine Natur, ehrlicher:
Er hatte a priori klargestellt, daß er keinerlei Finanzpolitik betreiben werde. Keine Steuerreform, keine Abschaffung der kalten Progression, keine Mehrwertsteuervereinfachung, keine neu gegliederte Unternehmenssteuer, das heiße Eisen Erbschaftssteuer wird nicht angefasst und das böse Wort „Steuervereinfachungen“ wird noch nicht mal ausgesprochen.
Sogar die ewig PR-aktive Foto-Uschi hat sich zum Winterschaf zurück gezogen und lässt die gewaltigen Bundeswehrprobleme Bundeswehrprobleme sein.

Wenn man bedenkt, daß der Koalitionsvertrag den Titel trägt „Deutschlands Zukunft gestalten“, könnte man losprusten vor Lachen.

Verständlich, daß die beiden Oppositiönchenparteien sich mit dem Politphlegma angesteckt haben.
Die Grünen adaptieren gleich vollständig alle CDU-Positionen und die Linken kommen erst gar nicht mehr in den Bundestag.

Das aktuelle Parlament ist größer und manchmal auch langweiliger als das vorangegangene. Seit gut einem Jahr läuft der Betrieb ohne FDP, und angesichts der riesigen Allianz aus Union und SPD kämpfen Linke und Grüne um Aufmerksamkeit, meist vergeblich.   Eine Sache ist gleich geblieben: Der jetzige Bundestag ist kaum disziplinierter als der letzte, regelmäßig fehlen viele Abgeordnete bei namentlichen Abstimmungen.
[…] Das Wegbleiber-Phänomen ist in der Linksfraktion seit Jahren besonders ausgeprägt. Im Extremfall, wie bei der Abstimmung zum Haushaltsgesetz, fehlte fast jeder dritte Linken-Abgeordnete (29,7 Prozent). In anderen Fraktionen pendelten sich die Spitzenwerte bei niedrigeren Werten ein.
[…] Die Linksfraktion beherbergt übrigens eine prominente Wegbleiberin: Sahra Wagenknecht fehlte bei 27 von 63 namentlichen Abstimmungen.
[…] Die Daten zeigen ein bekanntes Problem: Ist man in der Exekutive, vernachlässigt man die Pflichten im Parlament. Viele Minister und Ministerinnen, die neben ihrem Regierungsamt ein Mandat ausüben, schaffen es nur selten ins Plenum. […]

Keine neue Entwicklung übrigens. Schon im April 2012 hatten die Linken die höchste Abwesenheitsquote.

Aber wie soll man auch schon motiviert werden seinen Hintern für lumpige 9.000 Euro im Monat in den Bundestag zu schleppen, wenn die schnarchige Regierung schon durch Arbeitsverweigerung auffällt und mit einer 80%-Sitzmehrheit sogar alle Gegenstimmen lächerlich wirken läßt?

Vielleicht ist es einigen Parteistrategen und bestimmt ist es vielen Lobbyisten sogar lieb, wenn die Entscheidungen außerhalb des Focus‘ vieler Abgeordneter und ohne Interesse der Öffentlichkeit getroffen werden.
Im Dunkeln ist gut munkeln.

Für mehr Ärger im Konrad-Adenauer-Haus sorgt, daß sogar die großen Konzerne das Interesse verlieren und nun nicht mehr ihre Scheckbücher zücken mögen.
Politikerverdrossenheit nun nicht mehr nur beim niederen Urnenpöbel, sondern auch in den Vorstandsetagen der DAX-Konzerne.
Merkels Politsimulation hat damit zu einer ganz neuen Qualität des rezeptiven Phlegmas geführt.
Bisher sahen wir schon eine Merkel-Demokratie ohne kritische Presse und ohne aufgeklärte Wähler. Nun bleibt auch noch das Schmiermittel Mammon weg.

Die deutsche Wirtschaft vergibt immer seltener Großspenden an Parteien. In diesem Jahr gab es bis Mitte November nur sieben Großspenden mit einem Wert von jeweils mehr als 50.000 Euro. Insgesamt spendeten die Unternehmen nur rund 758.000 Euro. […]  Im Jahr 2010 erhielten Union, SPD, FDP, Grüne und Linke bis Mitte November zusammen noch rund 2,063 Millionen Euro. Und im Nachwahljahr 2006 waren es bis Mitte November rund 2,205 Millionen Euro.
Für die etablierten Parteien bleibt heute also nur noch rund ein Drittel der Großspenden, mit denen sie in früheren Jahren bedacht worden waren. Die Entwicklung betrifft alle Parteien, besonders stark jedoch die CDU. Während sie 2010 noch 903.237 Euro erhielt, bekam sie im laufenden Jahr bis Mitte November nur noch 225.000 Euro. Auch im Vergleich zu 2013 und 2012 nahmen die Zuwendungen deutlich ab. […] Seit Jahren leiht BMW den Parteien Autos, verzichtet jedoch auf die sonst üblichen Leasinggebühren. Doch damit ist es nun vorbei – denn die Bayerischen Motoren Werke hören damit auf, Union, SPD, FDP und den Grünen kostenfrei Fahrzeuge zu überlassen, wie der Konzern auf Anfrage mitteilt. "Zum Jahreswechsel 2013/2014 ist das Angebot der Fahrzeugüberlassung ausgelaufen", sagt ein BMW-Sprecher.
Bisher war BMW einer der zuverlässigsten Großspender. […]  Am längsten durften Politiker der CSU kostenlos mit den noblen Karossen fahren. […]  



Sonntag, 23. November 2014

Fusion – Teil II



Eigentlich fühle ich mich meistens als Polit-Kassandra.
Da ist es doch schön, wenn man mal zur Abwechslung auf mich hört.
Vor gerade mal vier Tagen hatte ich eine Fusion aus CDU und Grünen vorgeschlagen und nun scheint es schon Realität zu werden.
Es ist doch schön, wenn sich eine Partei wie die Grünen so konsequent selbst abwickelt, nachdem sie sich zur Kriegseinsatz-, Waffenexport- und Autofahrerpartei aufgeschwungen hat.
Ich will nicht ungerecht sein und gerne zugeben, daß man Argumente dafür finden kann militärisch gegen den IS vorzugehen, bzw die Peschmerga und PKK mit Waffen zu versorgen.
Aber genau da treffen sich eben die einst mehr Waffen- und weniger PKK-freundliche CDU mit der einst mehr PKK- und weniger Waffen-freundlichen Grünen.
Nachdem nun beim soeben zu Ende gegangenen Hamburger Grünen-Parteitag die Schwaben-Fraktion durchmarschierte, sind alle Unterschiede zur CDU ausgeräumt.

Es scheint Jahrhunderte zurück zu liegen, daß auf Grünen-Parteitagen die Fetzen und Farbbeutel flogen, daß der Spitze von der Fundi-Basis ordentlich eingeheizt wurde.

Es geht am Ende nur noch um diesen einen Satz. Einen Satz von unbestechlicher Klarheit. Aber auch ein Satz, der jenen in der Partei, die Waffenlieferungen unter Umständen für richtig halten, einen unmissverständlichen Riegel vorgeschoben hätten. Der Satz lautet: "Waffenlieferungen in Krisengebiete lehnen wir ab."
[…]  Özdemir hat den Kampf gewonnen, der Satz hat knapp die notwendige absolute Mehrheit verfehlt. […]

Wer die Bildung der ersten rotgrünen Bundesregierung bewußt verfolgt hat, erinnert sich an das böse Schimpfwort „Autokanzler“.
Damit wurde der frühere Ministerpräsident Niedersachsen und daher auch Vertreter im VW-Aufsichtsrat Gerd Schröder bezichtigt im Zweifelsfall den Umweltschutz hintan zu stellen, wenn es um die Wünsche der Autofahrer ginge.
Die Grünen forderten hingegen damals mutig und unpopulär, aber richtig: „5 DM für den Liter Benzin“.
Mut, Ehrlichkeit, Klugheit und Trittin sind heute abgemeldet bei den Grünen.
Dafür herrscht Anpassung, Hasenfüßigkeit Doofheit und Göring-Kirchentag.

Stuttgarts OB und Baden-Württembergs Ministerpräsident umschwärmen die Autoindustrie. Ihre Botschaft – die Grünen sind eine Autofahrerpartei.
[….] Sogar Oberbürgermeister Fritz Kuhn, der erste Grüne, der eine deutsche Landeshauptstadt regiert, besitzt ein kleines Porsche-Monument. Na gut, ein Porsche-Modell zumindest, er findet es nur gerade nicht, was mal passieren kann in einem fußballfeldgroßen Amtszimmer. Aber Kuhn begeistert sich, Kaffee und Wasser vor sich, sehr für Porsche, Daimler, Bosch [….] Und noch eine Aufgabe hat er, im grünen Doppel mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann: Sie wollen ihrer Partei klar machen, dass Seite an Seite mit der Wirtschaft Wahlen gewonnen werden – nicht gegen sie, wie es die Grünen bei der Bundestagswahl probierten.  [….] In diesem Sommer erst hat [Daimler-Vorstand] Weber Kretschmann einen Hybrid-Mercedes übergeben, in grüner Sonderlackierung, auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Die Fotografen knipsten das Motiv begeistert: Der Ministerpräsident, der Daimler-Vorstand, ein 100000 Euro teurer Schlitten, der nur 115 Milligramm CO₂ ausstößt, vier Liter braucht und 240 Sachen fährt. Für Grüne ein Raketenwagen. „Schaut gut aus, da lässt sich drin arbeiten“, sagte Kretschmann. [….] Seine Grünen, verkündete er dann 2012, seien „schon immer Autofahrerpartei gewesen“. Heute bezeichnet er die Autoindustrie als „Halsschlagader für den Wohlstand unseres Landes“. [….] Das grüne Selbstbewusstsein wächst. Vor kurzem erklärte Kretschmann beim Landesparteitag die Grünen zur „neuen klassischen Wirtschaftspartei“. Kuhn saß hocherfreut dabei in der Stadthalle von Tuttlingen. [….]
(Roman Deininger, Max Hägler und Josef Kelnberger, SZ vom 21.11.2014)

Da sieht der stets Fahrrad-fahrende Christian Ströbele auf einmal uralt aus.
In Hamburg klatschte der Stuttgarter MP die Rudimente der Fundi-Grünen an die Wand. Asylrecht? Bloß noch Verhandlungsmasse bei den Grünen 14.0

Übermacht der Kretschmann-Jünger
[…] Der Protest gegen Winfried Kretschmann schiebt sich zwischen den Ministerpräsidenten und die Fernsehkamera. Plakate verdeckten den Blick auf den Mann, den manche in der Partei für einen Verräter an grünen Idealen halten. "Menschen aus allen Herkunftsländern sind willkommen", steht auf einem. Ein anders kritisiert den Asylkompromiss, dem Kretschmann vor einigen Wochen im Bundesrat zugestimmt hat.
Es ist der Protest der grünen Jugend, der Kretschmann auf dem Parteitag in Hamburg trifft. […] Kretschmann muss noch warten, bis er weiterreden kann. Aus dem Block der Delegierten aus seiner Heimat schallt rhythmischer Applaus. Viele in der Sporthalle Hamburg schließen sich an. Kretschmann schaut sich um. Er kann sich jetzt schon sicher sein, dass seine Position nicht zur Minderheit gehört.
[…] Er wirbt um Verständnis für seine Lage als Ministerpräsident. […] Am Ende stehen sie in der Halle auf zum Applaus. […] Theresa Kalmer, die Chefin der Grünen Jugend, versucht noch, die Stimmung zu drehen. Kretschmann habe einen "historischen Bruch in der grünen Asyl- und Flüchtlingspolitik vollzogen". Damit sei eine "rote Linie auf jeden Fall überschritten worden". Das sehen hier wohl die meisten anders. […].

In Niedersachsen robben sich die Grünen sogar an die konservativsten aller CDU-Wähler heran. Die legendär schwärzesten Schweinzüchter-Wahlkreise Cloppenburg und Vechta, die seit Jahrzehnten konstant mit über 70% CDU wählen, finden ebenfalls Gefallen an den Grünen 14.0.

[…] [Agrarminister Christian] Meyer, 39, gehört zu den Grünen, die gerade versuchen, die Welt zu verändern. Er braucht dafür ziemlich gute Nerven, aber er hat dabei auch die Chance, das Profil der Grünen als Manager der Zukunft zu schärfen. In sechs Bundesländern leiten Grüne das Landwirtschaftsministerium. […] Landwirtschaft ist eigentlich ein Hoheitsgebiet der Konservativen. Bei der Union sehen die Bauern ihre Interessen und Traditionen normalerweise ganz gut aufgehoben. Aber mittlerweile ist die Zukunft angebrochen. […] Die Grünen graben schwarzes Stammland um. […] Die Traditionalisten unter den Bauern werden sich wohl abfinden müssen mit dem Wandel in Grün. Zumal ihre Stammpartei auch nicht ewig das gleiche denken mag. 2010, als die CDU in Niedersachsen noch regierte, trat Agrarministerin Astrid Grotelüschen zurück, die wegen ihrer Verbindungen in die Geflügelbranche angreifbar war. Ihr folgte der Agrar-Experte Gert Lindemann. CDU-Mitglied Lindemann brachte den Tierschutzplan auf den Weg, den der Grüne Christian Meyer jetzt unter vielstimmigen Beschwerden umsetzt. Meyer sagt: „Dafür bin ich ihm dankbar.“

Wenn Winfried Kretschmann nun noch Angela Merkel einen Heiratsantrag macht, wird das die Hochzeit im Himmel.

Samstag, 22. November 2014

Doofe Homos!


In den sozialen Netzwerken flattern mir auch immer die Queer-news über den Bildschirm. Daran habe ich insbesondere dann Interesse, wenn es dabei um Konfrontationen mit der organisierten Religiosität handelt.
In Kirchen und Co haben wir einen „gemeinsamen Feind.“
Anders als die organisierten Homos möchte ich, daß organisierten Religioten all ihre Privilegien verlieren, daß ihre Verstrickungen mit dem Staat gekappt werden und daß sie mich ansonsten in Ruhe lassen.
Wer privat gläubig sein will, kann das gern tun.
Wenn Kirchisten mich als Atheisten nicht akzeptieren, macht mich das allerdings eher stolz. Ich verzehre mich nicht nach deren Anerkennung. Im Gegenteil; ich bin dezidiert der Meinung, daß die Gesellschaft umso besser dasteht, je mehr der Einfluß der Religiösen zurückgeht. Wenn ich mit dieser Position eine kleine Minderheit repräsentiere, während die Majorität quer durch alle Parteien den Schulterschluss mit Kirchen sucht, stört mich das nicht.
Ich glaube ohnehin nicht an Schwarmintelligenz und weise philanthropisches Denken von mir.
Homo-Organisationen sind da oft ganz anders und lassen eine tiefe Sehnsucht nach zumindest friedlicher Koexistenz mit den Homophoben erkennen.
Lieber wollen sie nicht nur toleriert, sondern akzeptiert und geschätzt werden.
Immer wieder machen sie sich damit selbst klein, daß sie devot auf ein Umdenken den Kirchisten hoffen. Immer wieder strecken sie die Hand aus, die seit Jahrhunderten nicht nur aus-, sondern auch abgeschlagen wurde.

Verschiedentlich arbeitete ich mich an der deutschen HUK ab. Gern verwende ich den Vergleich mit einer „kommunistischen Plattform“ in der FDP; das bringt nichts.
Bis heute hat sich an meinem Vorurteil wenig geändert. Ich halte die Jungs und Mädels für naiv, gaga und überflüssig.

Doch, daß sich nicht alle Schwulen outen mögen, halte ich für absolut verständlich, wenn auch bedauerlich.
Das mag für mich eher eine theoretische Frage sein, aber ich kann mir nur sehr schwer vorstellen mich für einen Verein, wie zum Beispiel die Katholische Kirche oder die Fußballbundesliga, zu engagieren, der mich grundsätzlich ablehnt.
Im Falle der RKK werfe ich das auch allen Frauen vor: Wieso engagiert ihr euch ausgerechnet für einen Laden, der euch für so minderwertig hält, daß ihr noch nicht mal niederste Ämter selbst übernehmen dürft?
Wie erbärmlich es ist, wenn die 2000 Jahre lang Unterdrückten bei den ersten Brotkrumen, die sie zugeteilt bekommen, gleich vor Dankbarkeit in Verzückung geraten!

Über viele Jahrhunderte haben katholische Offizielle Schwule, Gottlose, Hexen, Ehebrecherinnen und viele andere mehr gefoltert und umgebracht und nur weil sie das nun seltener tun, ist alles verziehen?

Ebenso gut könnte Kenan Kolat (Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland e. V.; TGD) auf Knien zur NPD-Zentrale robben und sich dafür bedanken, daß heute kein von Migranten bewohntes Haus angezündet wurde.

Die Leute von der HUK möchte ich eigentlich zum Psychiater schicken und ihre Schizophrenie behandeln lassen.

Wir, die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (kurz: „HuK”), wollen die volle Teilhabe von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Queeren (LGBTQs) am kirchlichen und gesellschaftlichen Leben. Als Zeuginnen und Zeugen der befreienden Botschaft von Bibel und persönlicher Gotteserfahrung arbeiten wir
-      am Abbau von Vorurteilen gegenüber und Diskriminierung von LGBTQs innerhalb der Kirchen,
-      für die vollständige berufliche Gleichstellung mit heterosexuellen Biomännern und -frauen,
-      gegen die Diskriminierung von HIV-Positiven und an AIDS Erkrankten,
-      an der Schaffung von Räumen, um als LGBTQs Spiritualität zu teilen, und
-       an der Erkennbarkeit von uns als Christinnen und Christen innerhalb der LGBTQ-Gemeinschaft.

Wenn man Teilhabe und Anerkennung möchte, sollte man sich dringend eine andere Ideologie suchen!
In der Bibel, die nur so strotzt von Strafandrohungen, dem Zorn und der Eifersucht Gottes, der Intoleranz und Brutalität ausgerechnet „die befreiende Botschaft“ zu erkennen, zeugt schon von schwerer geistiger Umnachtung.

Homos in aller Welt sind aber nicht von ihren naiven Hoffnungen zu heilen. Wieder einmal blickten sie bang nach Rom. Würden die Profi-Homophoben vielleicht doch ein kleines bißchen weniger homophob werden?

Es ist aber nicht nur die HUK, die natürlicherweise nach Anerkennung lechzt, sondern auch „normale“ Schwule, wie sie von Queer.de. oder dem Lesben- und Schwulenverband Deutschlands (LSVD) repräsentiert werden, ordnen sich gerne devot dem real existierenden Religiotismus unter, indem sie immer noch betteln und Hoffnungen hegen.

Jüngste Beispiele:

1.)

LGBT-Moscheebesuch zum zweiten Mal gescheitert! […]
In Berlin wird der Dialog zwischen LSVD und der Şehitlik-Moschee zur Farce: Zum zweiten Mal kündigte der LSVD einen Besuch an, zum zweiten Mal will das Gotteshaus nichts davon wissen.
[…] Zwischen dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg und der Şehitlik-Moschee ist der Gesprächsfaden abgerissen – und beide Gruppen geben einander die Schuld. Eigentlich hatte der LSVD am Donnerstag angekündigt, am 8. Dezember gemeinsam mit Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) die Moschee zu besuchen, um in den Dialog mit den Gläubigen zu kommen (queer.de berichtete). Die Moscheeleitung dementierte am Abend jedoch, dass es zu einem Gespräch in der Moschee kommen werde.
[…] LSVD-Geschäftsführer Jörg Steinert zeigte sich enttäuscht über den Rückzieher der Moschee: "Es ist bedauerlich, dass Lesben und Schwule in der Moschee nicht willkommen sind", so Steinert gegenüber queer.de. […] [Moscheevereins-Chef Ender] Çetin erklärte […], er habe den Dialog mit dem LSVD nur behutsam angehen wollen – und möglichst ohne Presse. Er kritisierte, dass ein allzu offener Umgang mit Vertretern der LGBT-Community gerade älteren Gläubigen nicht vermittelbar sei, da diese Homosexualität generell ablehnten. "Natürlich besteht hier ein Konflikt", so Çetin. […]

Was gibt es da zu jammern und zu bedauern?
Ich kann nur begrüßen, daß der Moscheeverein so klar zeigt wes Geistes Kind er ist. Das sollte dann auch von den Claudia Kellers dieser Welt, die so dringend die „muslimische Religionsgemeinschaft“ aufwerten und staatlich unterstützen wollen, bedacht werden.
Keine Unterstützung für Diskriminatoren.

2.)

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ist neuer EKD-Chef. Er hat in der Vergangenheit die Gleichwertigkeit homosexueller Beziehungen verteidigt.
[…] Bedford-Strohm setzt sich für gleichgeschlechtliche Paare ein. Im vergangenen Jahr hatte er etwa die Gleichwertigkeit von homo- und heterosexuellen Beziehungen betont. Damals sagte er: "Der entscheidende Punkt ist, dass da, wo Menschen gleichgeschlechtlich zusammenleben […], genau das gleiche gelten muss wie bei der Ehe auch – nämlich dass sie verbindlich miteinander leben." [….]


Aus welchem Grunde wollen sich Schwule eigentlich unbedingt an ein antiquiertes Familienbild anhängen?
Laut RKK dürfen Schwule gar keinen Sex haben. Nun sagt der EKD-Oberbischof, daß sie vielleicht schon Sex haben dürften, aber dabei soll es auf monogame und in langen währende Beziehungen beschränkt bleiben.
Wieso akzeptiert Redakteur Klein die Einschränkung „verbindlich miteinander leben“?

Ich halte es für absurd Monogamie und Verbindlichkeit zum Götzen aufzublasen.
Die Ehe an sich hat doch keinen moralischen Mehrwert  gegenüber einer lockeren Konstellation.
Ich behaupte, daß beispielsweise moderne Mutter, Mutter, Vater-Kind-Konstellationen moralisch der monogamen herkömmlichen Mann-Frau-Ehe keineswegs nachstehen.
Doofe Schwule; nun hat man schon extra den schönen Begriff „Regenbogenfamilien“ für alle anderen Konstellationen erfunden und ihr orientiert euch nun doch an einem kirchlichen Leitbild, das offenbar alle anderen Lebensgemeinschaften gegenüber eine Ehe abwertet.

Nein, ich habe nichts dagegen, wenn andere Menschen verheiratet sind.
Ich finde Ehepaare aber nicht deswegen besser als eine WG aus drei alten Heteros, nur weil letztere nicht miteinander verheiratet sind.
Ehe kann; muß aber nicht sein.
Und Ehe nur um der Ehe Willen zu führen, ist absurd und schädlich.
Es ist ein großer moralischer Fortschritt, daß Ehen heute viel problemloser geschieden werden können als vor 50 Jahren.
Eine Ehe aus unfreiwillig Verheirateten ist nämlich kein vom Staat zu förderndes Modell, sondern die Hölle.
Glückliche Menschen können Vorbildcharakter haben. Bloß Verheiratete, wie es Bedford-Strom und offenbar auch Queer.de denkt, nicht.

Eine miese Ehe schlägt nicht nur auf die Stimmung, sondern greift auf Dauer auch das Herz und andere Organe an. Zu diesem Ergebnis kommt die Soziologin Hui Liu von der Michigan State University. Im Fachmagazin Journal of Health and Social Behavior (online) zeigt sie, wie sehr ältere Paare darunter leiden, wenn das Miteinander zur Qual geworden ist und die Partner nur noch zusammenhängen wie zwei ineinander verbissene Hunde.
Das Forscherteam hatte 1200 verheiratete Männer und Frauen im Alter zwischen 57 und 85 Jahren untersucht und danach gefragt, wie sie ihre Ehe einschätzen. Zudem wurden Herzinfarkte, Schlaganfälle und Bluthochdruck dokumentiert sowie das C-reaktive Protein im Blut erfasst, das Auskunft über entzündliche Vorgänge im Körper gibt. Die Ergebnisse waren einigermaßen beunruhigend: Demnach schädigt eine schlechte Ehe mit ständigen Mäkeleien und überhöhten Ansprüchen die Gesundheit stärker als eine gute, unterstützende Ehe nutzen kann.
Mit zunehmendem Alter nehmen die negativen Folgen einer unbefriedigenden Ehe weiter zu: Der chronische Stress und Ärger führt zu einem Anstieg der Entzündungswerte im Blut; Infarkt und Schlaganfall treten häufiger auf, der Blutdruck steigt. Da mit dem Alter die Abwehrkräfte schwinden, kann sich der Organismus nicht mehr so gut gegen die ständigen Anfeindungen zur Wehr setzen und das Risiko für Herzleiden und andere Krankheiten steigt. Frauen sind stärker von den gesundheitlichen Folgen einer missglückten Ehe betroffen, haben die Forscher beobachtet. Sie vermuten, dass Frauen chronische Probleme eher verinnerlichen und deshalb schwerer daran zu tragen haben. […]
(SZ vom 20.11.2014)