So tief bin ich vielleicht noch nie gesunken. Vor drei Tagen war es soweit. Nach dem CDU-Desaster von Magdeburg, saß der unbeliebteste Bundeskanzler aller Zeiten zur Generaldebatte über den Kanzler-Etat im Bundestag und wirkte, während er von feixenden Nazis mit Häme überzogen wurde, so bedröppelt, daß ich Mitleid mit ihm bekam. Es wirkte, als hätte der Mann nach vollen 70 Jahren ohne jede Selbstzweifel; sieben Dekaden Überzeugung, der Klügste, Schönste und Beste zu sein, urplötzlich einen Moment der Erkenntnis gehabt: Also hörte sein „Ich“ nach 70 Jahren außer dem dominanten „Es“ das erste mal ein „Über-Ich“ mit der brisanten Frage „Und wenn ich nun doch nicht DER ALLERGEISTE bin?“
Aber nach drei Mikrosekunden war es wieder vorbei mit meinem Mitgefühl, als mir einfiel, wie höhnisch Merz über Olaf Scholz hergefallen war.
Wie er xenophobe Attacken ritt, queere Belange mit maximaler Arroganz als Zirkuszelt bewertete, so ziemlich auf jede Minderheit eindrosch, die meisten Bevölkerungsgruppen beleidigte und dem Ausland wieder „den häßlichen Deutschen“ präsentierte.
Aber so abstoßend die Merzsche Persönlichkeit auch auf sein Volk wirken mag, sie spielt verglichen mit dem eigentlichen Problem keine Rolle: Merz versteht einfach nichts von Politik! Er stellt seine bundeskanzlerischen Vorhaben immer noch kein bißchen in Frage. Er will dabei bleiben, die dringend benötigten Migranten aus Deutschland zu verjagen, die Binnenkonjunktur abzuwürgen, indem er den Menschen, die ihr Geld in die Läden tragen, die Mittel entzieht. Für ihn steht es weiterhin außer Frage, den Klimaschutz zurück zu drehen, den Wünschen der Fossillobby zu entsprechen und im Akkord küssend, jeden Milliardärshintern zu umkreisen.
Merz würde wirklich gern seine Politik besser und emotionaler verkaufen. Das gelingt ihm aber nicht nur nicht, weil er nicht kommunizieren kann und völlig empathielos ist, sondern weil sein Politik-Produkt einfach beschissen ist. Da nützen die beste Werbekampagne und der beliebteste Verkäufer nichts: Jedes Jahr über 80 Milliarden Euro für klimakillende fossile Energieträger aus Deutschland rauszuwerfen und darüber hinaus mindestens 60 weitere Milliarden den Energiekonzernen in die Hintern zu schieben, damit der Verbrauch von toxischen Erdaufheizungsprodukten gefördert wird, statt auf kostenlose und klimaschonende Techniken zu setzen, ist schlicht und ergreifend sagenhaft blöd. Da nützt ein hübsches rotes Schleifchen um Reiche herum auch nichts.
[….] Die Generaldebatte zeigt einmal mehr: Die AfD träumt vom Abriss der Demokratie. Umso mehr bräuchte es einen Kanzler, der eine eigene Erzählung dagegen stellt. Doch Merz liefert sie immer noch nicht.
Es ist ... ja, was eigentlich? Ärgerlich, traurig, bitter, beängstigend, enttäuschend? Jedes dieser Attribute passt auf das, was sich da im Bundestag abgespielt hat. Ein Kanzler, der ganz offensichtlich ratlos und hilflos mit dem Rücken zur Wand steht. Der es nicht fertiggebracht hat, eine Rede zu halten, die eines Kanzlers würdig ist. Eine Erzählung zu liefern, endlich zu sagen, wo er denn eigentlich das Land hin regieren will. [….]
Und der Kanzler? Reagiert dünnhäutig und bietet selber nichts an. Dabei hat er doch am Montag noch gesagt, er will es anders, besser machen als bisher. Er wolle die Menschen erreichen, auch mit Emotionen. Davon aber war nichts zu hören und wenig zu spüren. [….] Zwar gibt Merz in seiner Rede sogar zu, den Sinn der Reformen bisher nicht erklärt zu haben, gesteht das sogar als Fehler ein - lässt dann aber die Gelegenheit verstreichen, genau das zu tun. Und all das unter dem unerträglichen Gebrüll und Gejohle der AfD-Fraktion. [….]
(Tagesschau-Kommentar von Sabine Henkel, 09.09.2026)
Besser kann es nur werden, wenn Merz alle C-Mitglieder aus der Bundesregierung entlässt, sich selbst ebenfalls vom Kanzleramt fernhält und eine inhaltliche 180°-Wende eingeschlagen würde.
Natürlich fehlt dem Briloner Blindgänger die intellektuelle Kraft, um das zu begreifen und so reitet er tumb das längst verstorbene Kanzlerschaftspferd weiter in den Orkus.
Auch seinen CDU-Epigonen fehlt sie Einsicht, um den Satz „wir lagen mit allem falsch, Reiche hat versagt, wir müssen Habeck zurückholen“ auszusprechen. Aber ihre Politantennen empfangen wenigstens die Information, daß ihr eben noch angehimmeltes Sauerland-Idol aus den neoliberalen frühen 1990ern, die Prokura verlor.
So rüffelte der CDU-Bundesvorsitzende öffentlich den Kohlekraft-Fetischisten und Fraktion-Vize Sepp Müller. Dieser möge sich zurückhalten und Noch-MP Sven Schulze keine Messer in den Rücken rammen.
Der Mann aus Dessau ließ Merz allerdings wissen „ist mir doch egal, was du willst“ und stürzte sich erst Recht in den Kampf um die Macht in der Landespartei. Als sein Intimfeind Schulze in einem maximal absurden Stunt, als amtierender Ministerpräsident in einer Kampfanstimmung auch noch mit 8:7 Stimmen den Fraktionsvorsitz errang, ging der Unterlegene zu Markus Lanz und pestete los.
[…] Der stellvertretende Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Sepp Müller, hat sich über die ersten Personalentscheidungen seiner Partei nach der Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt enttäuscht gezeigt. Mit Blick auf den noch amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU), der am Dienstag von der Fraktion zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt wurde, sagte Müller in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz: »Es ist ein fatales Signal, wenn man am Abend zuvor sagt, man macht den Weg frei für einen Neuanfang.« [….] Müller sagte, seine Partei liege in Trümmern. Die Glaubwürdigkeit fehle. Müller gilt als dezidierter Gegner Schulzes und vertritt die Auffassung, dass jegliche Zusammenarbeit mit der Linken die CDU zerreißen würde. [….]
Ebenso bezeichnend für den Zusammenbruch der Merzschen Autorität ist eine Nachwirkung der von ihm völlig verhunzten Kabinettsumbildung, die den dezidierten gesundheitspolitischen Ahnungslosen Linnemann zum Gesundheitsminister hochjazzte. Nun brauche Merz blitzartig einen neuen Generalsekretär und berief die Hamburgerin Franziska Hoppermann.
Seinem Markenzeichen entsprechend, die Konsequenzen nicht
zu antizipieren, hatte er vergessen zu ergründen, wie die Personalie wohl im
Stab des Generalsekretariats ankam: Nämlich sehr schlecht. Linnemanns Vize, die
stellvertretende CDU-Generalsekretärin Christina Stumpp, kann Hoppermann nicht
ausstehen. Die beiden Frauen hassen sich wie die Pest.
Also ging Merz zu ihr, um sie rauszuschmeißen, damit seine neue Personalie
Hoppermann nicht beschädigt wird.
Da kam der 70-Jährige Bundeskanzler, der Regierungschef der drittgrößten Industrienation der Erde und CDU-Bundesparteivorsitzende also zu der 38-Jährigen Frau aus der zweiten Reihe und diese sagte ihm: „Nö, ist mir doch egal was du willst, ich bleibe!“
Der Sauerländer Simpel war so verdattert, daß er sie am nächsten Tag ein weiteres mal aufforderte, ihren Posten zu räumen und wieder drehte sie ihm nur eine lange Nase. Die CDU im Hühnerhaufenmodus. Das Personal tanzt auf den Tischen und ignoriert die Wünsche des Bosses.
Immerhin, nach all den Querelen scheint Merz es heute doch geschafft zu haben, die junge Schwäbin niederzuringen:
[…] Sie wehrte sich vehement: Kanzler Merz drängt prominente CDU-Politikerin zum Rückzug[….] Die CDU hat in diesem Sommer schon einige, eher außergewöhnliche Personaldebatten erlebt, aber diese toppt das Bisherige: Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz wollte seine stellvertretende Generalsekretärin Christina Stumpp loswerden. Doch die 38-jährige Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg weigerte sich zunächst, ihren Posten aufzugeben.
Am Freitagabend kam dann die Pressemeldung aus der CDU-Parteizentrale: Demnach wird Stumpp ihr Amt am 21. September niederlegen. Der Parteivorsitzende Friedrich Merz werde den Parteigremien als Nachfolger den Bundestagsabgeordneten Michael Hose aus Thüringen als kommissarischen stellvertretenden Generalsekretär vorschlagen. [….] Zuerst hatte Table.Briefings über die Causa Merz und Stumpp berichtet. Darin hieß es, der Parteichef und die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann hätten die Ablösung Stumpps beschlossen - und Merz habe ihr bereits vor Tagen nahegelegt, zurückzutreten. [….] Doch sie blieb: Sie sei weiterhin „stv. Generalsekretärin der CDU Deutschlands“, teilte Stumpp auf der Plattform X mit. Die Behauptung, dass sie ihren Posten aufgebe, sei „unzutreffend“. [….] Für ihre Weigerung, ihren Posten aufzugeben, nannte Stumpp zuvor auch formale Gründe. Nach Informationen von Table.Briefings erklärte sie in einer Telefonschalte mit den CDU-Generalsekretären von Bund und Ländern, sie sei vom Parteitag gewählt und werde im Amt bleiben. Politische Beobachter werteten dies allerdings als ein weiteres Indiz, dass die Autorität des CDU-Vorsitzenden Merz beschädigt ist. [….]
In den Hauptstädten der Welt wird man sich ausschütten vor Lachen über die Kaspereien im Inneren der Merz-Partei.





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