Montag, 16. Oktober 2023

Der Sauron der USA

In der Probeabstimmung über die Wahl des irren Fanatikers Jim Jordan zum drittmächtigsten Mann der USA, stimmten 55 Republikaner mit „Nein“.

Die Mehrheiten sind knapp. Jordan braucht 217 Ja-Stimmen. Seine Republikaner haben 221. Wer rechnen kann, erkennt hier ein Problem: 221 – 55 = 166.

Und 166 < 217.

Die Karriere des erzkonservativen Kevin McCarthy liegt deswegen in Trümmern, weil ihm acht Republikaner die Stimme verweigerten. Auch sein designierte Nachfolger, der noch konservativere Steve Scalise, war den acht Nazi-Aluhüten nicht irre genug und so zog er seine Kandidatur zurück.  Jim Jordan könnte aber bessere Chancen haben, obwohl die kategorische Ablehnung von einem Viertel seiner Fraktion zunächst einmal katastrophal für ihn aussieht.

Dabei handelt es sich um die Rudimente der GOP, denen es noch nicht völlig gleichgültig ist, ihre Nation endgültig vor die Hunde gehen zu lassen. Wem aber irgendetwas am Fortbestehen und Wohlergehen der USA liegt, kann nicht Jordan unterstützen.

[….] Jim Jordan ist im US-Kongress bekannt als Mobber, als Hardliner, als jemand, der sein Umfeld unter Druck setzt, wenn er nicht umgehend seinen Willen bekommt. Er ist gefürchtet als aggressiver Selbstdarsteller, die New York Times bezeichnete ihn einmal als "Pitbull". Kaum jemand spaltet die republikanische Fraktion im US-Repräsentantenhaus so sehr wie Jordan, und doch ist er nun als Speaker nominiert worden, als Sprecher des Hauses. Das ist die dritthöchste Position in den Vereinigten Staaten. Jordan zählt unter den 221 Abgeordneten der Republikaner zu den am wenigsten geeigneten Kandidaten, seine Partei oder gar das Haus zu einen. Er ist ein überzeugter Obstruktionspolitiker, immer dagegen. Jordan stand und steht fest an der Seite des ehemaligen Präsidenten Donald Trump, er hat dessen Lüge von der gestohlenen Wahl ebenso eifrig wie treu verbreitet. Dass die Republikaner im Repräsentantenhaus nun eben diesen Jordan dafür nominiert haben, das Repräsentantenhaus anzuführen, ist ebenso hilflos wie armselig.   [….]

(Christian Zaschke, SZ, 15.10.2023)

Rationale Menschen mögen sich jetzt fragen, wieso Jim Jordan nicht, genau wie Scalise, seine Kandidatur für den Speaker-Posten zurückzieht, wenn er sich nur vier Abweichler leisten kann, aber sogar 55 ihn nicht wollen.

Die Chancen des irren Jim sind tatsächlich besser, als die McCarthys oder Scarlises, weil er einen entscheidenden Vorteil hat: Cultleader Donald Sauron Trump will Pädo-Jim als Sprecher! Die 55 Abweichler trauten sich nur in einer geheimen Abstimmung „Nein“ zu sagen. Die eigentliche Abstimmung wird aber offen erfolgen und zuvor wurden sie von JJ zurück nach Mordor an ihre heimatliche Parteibasis geschickt. Dort gilt auch nur die leiseste Kritik an ihrem religiösem Führer als schwere Blasphemie und wird automatisch mit Mandatsverlust bestraft, indem so einer gar nicht erst zur Wiederwahl nominiert wird.

Die religiösen Aufwallungen der GOP-Basis-Orks werden die abtrünnigen Parlamentarier schon umfallen lassen. Die letzte Handvoll Republikaner ohne Rückgrat-Amputation wurde bei den Midterms 2022 aus dem Kongress entfernt.

Die glühenden Traumfanatiker können genüsslich lachend auf Saurons Rache verweisen und schon werden sich die 55 heimlich Mutigen allesamt in die Hosen machen.

[…..] Die Frage ist, wie viele dieser Jordan nicht wohlgesonnenen Abgeordneten sich schließlich auch trauen, in einer namentlichen Abstimmung im Haus gegen ihn zu votieren. Die Zahl dürfte schon allein deshalb beträchtlich sinken, weil ein öffentliches Votum gegen Jordan auch eines gegen Trump wäre. Weite Teile der Partei leben noch immer in Angst vor dem Furor des ehemaligen Präsidenten.

Jordans Unterstützer haben im Verlauf des Wochenendes zudem versucht, auch über die sozialen Medien Druck aufzubauen. Sie haben die Telefonnummern von manchen moderaten Republikanern veröffentlicht und die Basis dazu aufgefordert, dort anzurufen und ihre Vorliebe für Jordan lautstark kundzutun. Die Abgeordnete Anna Paulina Luna aus Florida fragte auf der Plattform X, vormals Twitter, ihre moderaten Kolleginnen und Kollegen: "Sie wollen ihren Wählern erklären, warum sie die Wahl von Jordan blockiert haben?" Ihre eigene Antwort: "Dann macht mal!"  […..]

(SZ, 15.10.2023)

Daß Jordan immer lügt, über keinerlei Sachkenntnis verfügt und zutiefst destruktiv agiert, verblasst innerhalb des Sauron-Kultes, in dem die Bewohner Mordors einen ganz offenkundig derartig mental Retardierten als Kult-Anführer aussuchten.

Selbstverständlich ist Trump nicht nur ein pathologischer Lügner, ein manischer Soziopath und intellektueller Totalausfall, sondern er ist auch noch völlig gaga.

Das ist aber irrelevant, weil ihn seine Jünger nicht als Menschen, oder Politiker, sondern als göttlichen Erlöser betrachten.

Beim „traveling facist circus“ (Ben Meiselas) zeigen die QTrumpliKKKan-Orks ihre vollständige Enthirnung.

[……] looking at the types of people who showed up at the Trump event which I call a traveling fascist circus over the weekend in Iowa you got people who show up and pickup trucks like this with the truck wrapped with Donald Trump's face superimposed over Scarface holding a weapon and and shooting a gun on the other side of the truck you have Donald Trump's face superimposed over somebody's body who has a sixpack at the events you have Donald Trump I'll just play this short clip and then we'll go back to the people who are there you got Donald Trump bragging that he says that his body is better than the body of President Biden like as we're going through like a very serious International crisis right now Donald Trump is saying that he's got a much better body than President Biden I mean just beyond unserious and weird and dangerous […..]

(Meidas Touch, 09.10.2023)

Sonntag, 15. Oktober 2023

Eine kleine Hoffnung für Israel.

In einer Welt, in der Soldaten geehrt werden und Frauen sich einen starken Kämpfer an ihrer Seite wünschen, bin ich als überzeugter Pazifist und Feigling fehl am Platze.

Zu allem Übel verfüge ich auch über keinerlei Patriotismus und gebe gern zu, im Falle eines Angriffs auf mein Land, lieber zu fliehen oder zu kapitulieren.

Gelegentlich hetzen Rechte in Deutschland gegen Ukrainische Männer. Was hätten die eigentlich im Krieg hier verloren, die sollten doch lieber ihr Land verteidigen.

Auf so einen Gedanken käme ich gar nicht, weil es für mich selbstverständlich erscheint, nicht bei den Gräueln in der Ostukraine dabei sein zu wollen.

Inkonsequenterweise beeindruckt es mich aber doch, zu lesen, wie anders sich offenbar die durchschnittlichen Israelis verhalten, die nicht nur in Israel völlig selbstverständlich zu den Waffen greifen. Nein, sogar, die ausgewanderten Israelis, die sich längst vor dem Kriegswahnsinn in Sicherheit gebracht haben, steigen in nächste Flugzeug, um nach Tel Aviv zu kommen.

[….] Yuval Cohen will kämpfen. Es ist keine 48 Stunden her, dass er in Israel gelandet ist. Er muss auch gleich los, wird sich ins Auto setzen und gen Norden fahren, dahin, wo Israel gerade einen Angriff der Hisbollah fürchtet. Man erreicht ihn am Telefon. Cohen ist 25 Jahre alt, seit anderthalb Jahren lebt er in Australien. Er hat dort einen Job, ein Zuhause, Freunde. Den Plan, nach Israel zurückzukehren, hatte er nicht. Aber als Cohen die ersten Meldungen über den Hamas-Angriff liest, als immer mehr und immer schrecklichere Nachrichten einlaufen, bricht er seinen Urlaub in Vietnam ab und bucht sich einen Flug.

Von Vietnam fliegt er nach Bangkok, von Bangkok nach Dubai, von Dubai nach Tel Aviv. Auf jedem Flughafen sei er anderen jungen Israelis begegnet, die aus allen Teilen der Welt zurück in die Heimat fliegen, um dort zu kämpfen.

Cohen ist Infanterist, er soll an die Front. Er hat nur das Nötigste eingepackt, Socken, Unterwäsche, ein Handtuch, ein Ladekabel. »Wir sind stark. Ich weiß nicht, wie lange es dauert. Aber wir werden gewinnen«, sagt Cohen. Und macht sich auf Weg.  [….]

(SPIEGEL, 14.10.2023)

Seltsam, obwohl ich das Konzept der soldatischen Tapferkeit für archaisch und lächerlich halte, dabei an alberne Filmszenen denke, in denen Horden aus Tausenden brüllenden Männern mit erhobenen Schwertern/Gewehren/Mistgabeln auf einander zurasen, um sich gegenseitig zu töten, erscheint mir diese israelische Furchtlosigkeit und Heimat-Solidarität irgendwie tugendhaft.

Aber dann atme ich durch. Die Palästinenser sind schließlich genauso mutig und werden angesichts der 700 durch israelische Luftschläge getöteten Kinder, die laut UNO-Angaben bereits innerhalb von einer Woche zu beklagen sind, genauso entschlossen für den Sieg kämpfen.

Das grausame Sterben unzähliger Unschuldiger ist das Wesen des Krieges.

Im SPIEGEL-Leitartikel wünscht sich Dirk Kurbjuweit ein möglichst besonnenes Verhalten Israels.

[….] Wenn man sich etwas wünschen dürfte für die kommenden Tage und Wochen, dann dies: dass die Regierung in Jerusalem und die militärischen Kommandeure in dem Bewusstsein handeln, dass sie eine Demokratie vertreten, dass der Anspruch auf Humanität zum demokratischen Projekt der Neuzeit gehört, dass dies auch in Zeiten des Krieges eine Rolle spielen sollte.

Kein Krieg kann human sein, weil das Töten von Menschen zum Wesen des Krieges gehört. Aber für eine Demokratie muss das Gebot der Mäßigung gelten: Zivilisten schonen, soweit es geht. [….]

(SPIEGEL, 13.10.2023)

Humanität? Es dürfte wohl bei dem frommen Wunsch bleiben. Die Realität wird sicherlich anders. „Gewaltige Rache“ hat Premier Netanyahu angekündigt.

[….] "I have ordered a complete siege on the Gaza Strip. There will be no electricity, no food, no fuel, everything is closed. We are fighting human animals and we act accordingly." [….]

(Israeli Defense Minister Yoav Gallant, 9. Okt. 2023)

Wie sehr ein äußerer Feind einer unter Druck stehenden Nationalregierung hilft, habe ich schon in der Schule gelernt. So stabilisierte sich beispielsweise die Moskauer Revolutionsregierung von 1917, der man schwer vorwerfen kann, Schuld am Ersten Weltkrieg zu sein.

Aber die Erkenntnis, bei einem Krieg mit nationalen Wallungen und einem Popularitätsboost für den Regierungschef rechnen zu können, verführt natürlich dazu, selbst zu zündeln.

George W. Bush war ein sehr dümmlicher, weitgehend auf seiner Ranch urlaubender Präsident, den kaum ein Amerikaner ernst nahm. So war es die ersten neun Monate seiner Amtszeit. Mit dem 11.September 2001 änderte sich für seine Popularität alles. Sagenhafte 88% Approval-Ratings bekam er in der Folge für seine martialischen Worte, indem er die Wut geschickt nutzte. Den Irakkrieg begann er 2003 rechtzeitig zu seiner Wiederwahlkampagne und obwohl dabei alles schief ging und sich alle seine Prognosen als Lügen erwiesen, wurde er 2004 mit deutlich mehr Stimmen als 2000 wieder gewählt. Die Amis wollten ihrem Präsidenten nicht im Krieg in den Rücken fallen.

Der US-Staatsbürger Bibi Netanyahu sieht sicherlich diese Parallelen und hofft nun, seinem Masterplan, sich durch ewige Regierungsimmunität vorm Knast zu bewahren, ein Stück näher zu kommen.

[….] Die Hamas will die israelische Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttern und die arabischen Gesellschaften radikalisieren. Terror lebt von ruchloser Verhältnislosigkeit, von grausamer Radikalität, von Entgrenzung und Schockwirkung.

Hinzu kommt das langfristige politische Ziel, das die Hamas als Adept des iranischen Regimes antreibt: die Zerstörung des Staates Israel. Ganz konkret wollte die Hamas die sich abzeichnende Normalisierung der Beziehungen Israels zu seinen arabischen Nachbarn, vor allem zu Saudi-Arabien, unterbinden. [….] Die Monstrosität der Tat lässt wenig Zweifel daran, dass Israel alles Recht hat, die Hamas als Bedrohung für Leib und Leben jedes Bürgers und die eigene staatliche Existenz zu betrachten. Sie ist damit ein legitimer, auch militärischer Gegner. Das von Premier Benjamin Netanjahu erklärte Kriegsziel ist also umfassend: "Wir werden die Hamas zerstören."

Hier aber beginnt das eigentliche Problem, weil die Eindeutigkeit des von Netanjahu proklamierten Ziels im Widerspruch zu jeder Erfahrung im Umgang mit Terrororganisationen steht. Kein Land sollte das besser wissen als Israel, das seit Jahrzehnten im eskalierenden Kreislauf von Gewalt, Gegengewalt und Terror als ultimativer Waffe gegen jede Art von konstruktiver Deeskalationspolitik steht. Israel mag nun Führungsfiguren und Kämpfer der Hamas töten, die Infrastruktur zerstören, den Gazastreifen doppelt und dreifach einzäunen - aber es wird den Hass und die radikale Idee des antiisraelischen und antisemitischen Islamismus nicht auslöschen. [….] Die Komplexität des israelischen Sicherheitsdilemmas zwingt das Land aber dazu, seine militärische Übermacht nicht blindwütig, sondern politisch zielführend einzusetzen. Dies ist der eigentliche Test, den das Land nun bestehen muss. Die Erfahrungen der USA von 2001 müssen ihm hier Beispiel und Mahnung sein. Vor allem die Invasion zum Sturz Saddam Husseins im Irak war ein Krieg um des Krieges willen, eine Machtdemonstration ohne durchdachte politische Strategie. [….]

(Stefan Kornelius, 15.10.2023)

Als US-Präsident war GWB für alles verantwortlich, das während seiner Amtszeit geschah. Natürlich hatten die von ihm ausgewählten Gemeindienst- und Sicherheitsexperten katastrophal versagt, als die Flugzeuge ins World Trade Center krachten. Aber er war zu kurz im Amt, um ihn für den weltweiten islamisch geprägten Terror verantwortlich zu machen.

Das ist bei Dauerministerpräsident Netanyahu ganz anders, der ausdrücklich auf dem Sicherheitsticket seine Wahlen gewinnt: Seht mich an, ich bin vielleicht ein bißchen korrupt und kein guter Mensch, aber ich sorge für eure Sicherheit und halte die Palästinenser eisern in Schach.

Ausgerechnet in seiner einzigen Kernkompetenz so offensichtlich und so dramatisch versagt zu haben, schadet ihm jetzt schon, obwohl erst eine Woche seit der Hamas-Terrorattacke vergangen ist und die Bodenoffensive noch nicht mal begonnen hat.

Ja, die Israelis stehen 2023, wie die Amerikaner 2001 patriotisch zusammen, sind finster entschlossen gemeinsam ihr Land zu verteidigen.

Keiner drückt sich, alle fühlen die Verpflichtung zu kämpfen.

Aber während GWB 2001 dadurch automatisch die Autorität als Führungsperson zuwuchs, wackelt Bibi mehr als zuvor. Ja, es gibt nun eine Einheitsregierung und im Moment wird niemand mehr gegen die den Regierungschef protestieren.

Aber die Israelis werden ihm nicht so schnell verzeihen.

Gut möglich, daß er bei den nächsten Wahl endlich in Opposition und damit höchstwahrscheinlich auch hinter Gittern landet.

[……]  Im ganzen Land ist eine unbändige Wut auf Benjamin Netanyahu zu spüren. Nicht nur linksliberale Israelis fordern seinen Rücktritt, immer mehr rechte Israelis verlangen ebenfalls, dass er geht. Viele Bürger haben in den vergangenen Monaten gesehen, wie Netanyahu das Land spaltet. Die geplante Justizreform, die ein Ende der demokratischen Gewaltenteilung zum Ziel hat, zerriss die israelische Gesellschaft.

Doch nach dem brutalen Überfall der Hamas am 7. Oktober begreifen die Menschen auch, dass Netanyahu und seine rechtsextremen und nationalistisch-orthodoxen Koalitionäre das Land und seine Bürger im Stich gelassen haben. In den vergangenen Wochen warnten Militärs und Geheimdienst immer wieder: Der Streit um die Justizreform schwäche Israel, die Feinde des jüdischen Staates werden dies ausnutzen, sie werden Israel angreifen.

Um seine Haut zu retten, opferte Netanyahu die Sicherheit seines Landes.  […..]

(Richard C. Schneider, SPON, 15.10.2023)

Für den Frieden in Palästina sehe ich schwarz, aber wenn wenigstens Bibi und seine extremistischen Siedler-Minister weg sind, erscheint der Farbton wenigstens nicht mehr Ventablack, sondern lediglich Tiefschwarz.

Samstag, 14. Oktober 2023

USA out of order

Willkommen zu einer neuen Episode von „schlimmer geht immer“.

Wer dachte, mit McCarthy und dem zwischenzeitlichen Kandidaten Steve Scalise für das drittmächtigste Amt der USA, wäre nun wirklich Rock Bottom des Clown-House im US-Kongress erreicht, wurde man nach nur einem Tag eines Schlechteren belehrt.

Der misogyne, homophobe, Klimawandel leugnende, stolze Rassist Scalise gilt in der GOP von 2023 noch als zu liberal.

Jim Jordan, der feuchte Traum MTGs und Boeberts zur Zerstörung der Demokratie, wurde von der republikanischen Fraktion auf den Schild gehoben. Er verkörpert den klassischen Post-Politiker, der sich um keinerlei Agenda schert, sondern mittels irrer Q-Anon-Lügen („jewish space lasers“) ausschließlich seinem antiamerkanischen Zerstörungswahn frönt.

Das laute posthume Lachen Osama bin Ladens dürfte nur noch von der Freude Wladimir Putins übertroffen werden.

Steigt der radikale Verfassungsfeind und Verschwörungstheoretiker tatsächlich zum Herrscher über die US-Legislative auf, wird niemand die Supermacht mehr ernstnehmen können.

Der menschlich zutiefst verachtungswürdige „Gym Jordan“ verfügt über keinerlei Qualifikation. Er war Wrestlingtrainer, brachte in 16 Jahren im US-Kongress keinen einzigen Gesetzesvorschlag ein und wurde berühmt dafür, sexuelle Übergriffe auf seine minderjährigen Wrestler zu vertuschen.

Zudem lässt er sich mangels eigenen Gehirns ausgerechnet von dem einzigen noch irreren Mann der US steuern: Donald Trump, der Typ, der just die Hisbollah lobte, behauptete Jeb Bush habe den Irakkrieg gewonnen und aktueller US-Präsident sei Barack Obama.

Das Amt des „Speaker“ ist nicht mit Bärbel Bas‘ Job zu vergleichen, sondern ungleich mächtiger. Allein der Speaker bestimmt, was überhaupt im House auf die Tagesordnung gesetzt wird und wer welche Ausschüsse besetzt.

Solange des Amt des Speakers vakant ist, wird die gesamte US-Legislative lahmgelegt. Inmitten der größten außenpolitischen Krisen und der in vier Wochen anstehenden US-Zahlungsunfähigkeit, haben die Republikaner erfolgreich den politischen Betrieb zum Erliegen gebracht.

[….] Mitten in einer brandgefährlichen Weltlage stürzen die Republikaner den Kongress der Vereinigten Staaten in ein beispielloses Chaos. Seit acht republikanische Abgeordnete am Mittwoch vergangener Woche dafür sorgten, dass Kevin McCarthy seinen Job als Speaker of the House verlor, schlingert das wichtigste und einflussreichste Parlament der westlichen Welt führungslos vor sich hin. In der Ukraine tobt ein Krieg, im Nahen Osten könnte sich der Konflikt zwischen der Hamas und Israel zu einem Flächenbrand weiten, und in einem Monat droht der US-Regierung das Geld auszugehen – doch die Republikaner sind voll und ganz mit sich selbst beschäftigt. Sie versinken in einem Morast aus Ehrgeiz, Unfähigkeit und Eitelkeit, der es schier unmöglich macht, die Partei noch vernünftig zu führen. [….] Die republikanische Fraktion ist fest in der Hand von Radikalen wie Marjorie Taylor Greene aus Georgia oder Matt Gaetz aus Florida, deren politische Existenz vor allem daraus besteht, kleine Videoschnipsel zu produzieren, die für maximale Empörung sorgen und die in den sozialen Medien viral gehen. [….] Offenkundig macht sich Jim Jordan Hoffnungen auf die McCarthy-Nachfolge. Der ehemalige Ringer, zu dessen Markenzeichen es gehört, ohne Sakko aufzutreten, genießt zwar die Unterstützung des ehemaligen Präsidenten Donald Trump und wäre für Ultras wie Greene oder Gaetz jederzeit wählbar.

Aber in der Fraktion sitzen auch Dutzende Abgeordnete, die um ihre Wiederwahl fürchten müssen, wenn sie von einem Extremisten wie Jordan angeführt wird, der nach wie vor an der Lüge der gestohlenen Präsidentschaftswahl festhält und lieber heute als morgen die Militärhilfen für die Ukraine einstellen würde. Insofern sieht es im Moment so aus, als wären die Republikaner noch eine ganze Weile mit sich selbst beschäftigt. [….] 

(René Pfister, 13.10.2023)

Dennoch, die Republikaner stehen hinter dem irren „Election Denier“ Jordan und zeigen einmal mehr, daß sie lieber die USA zu Grunde gehen lassen.

Es bräuchte nur fünf vernünftige GOPer, um die USA aus der Starre zu lösen und die Nation, die sie angeblich so lieben, wieder funktionsfähig zu machen.

Aber die extremistische Bürgerkrieg der Trump-Partei hat jedes einzelne Mitglied erfasst. Mit der Nominierung des mental unterbelichteten Jordans stellt sich die gesamte GOP geschlossen gegen die USA.

Freitag, 13. Oktober 2023

Irrsinn und noch mehr Irrsinn

Es wird ein bißchen sehr viel.

Die globalen Megakrisen poppen jetzt in so schneller Folge auf, daß man gar nicht mehr genug Neurotransmitter ausschütten kann, um adäquat entsetzt zu sein.

Juden in Deutschland bleiben zu Hause, weil dazu aufgerufen wird, sie massakrieren?

[….]  Protestaufruf der Hamas – antiisraelische Vorfälle in ganz Deutschland

Auf Deutschlands Straßen sind wieder judenfeindliche Parolen zu hören. Für Freitag haben die Hamas-Terroristen explizit zur Gewalt gegen Juden aufgerufen. [….]  Der Schutz jüdischer Einrichtungen in Deutschland ist angesichts befürchteter Proteste und Gewalttaten noch einmal verstärkt worden. Die Bundesregierung gehe von einer »erhöhten Gefährdungslage« aus und nehme dies »sehr ernst«, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Der Schutz jüdischer Einrichtungen wurde bereits verstärkt – dieser habe »allerhöchste Priorität«, sagte ein Sprecher von Bundesinnenministerin Nancy Faeser. [….]

(SPON, 13.10.2023)


Deutschland im Jahr 2023.

Ein Drittel der Ostdeutschen würden Nazis wählen und die Hälfte des Urnenpöbels spricht sich sogar dafür aus, Nazi-Parteien in den Landesregierungen zu haben. 78 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Offensichtlich waren alle unsere Bemühungen, das Geschehene zu verstehen und eine Wiederholung zu verhindern, letztlich erfolglos.

Wenn man sich ansieht, welchen drastischen Krisen, Veränderungen und Bedrohungen Menschen in anderen Ländern ausgesetzt sind, kann man nur staunen mit welcher Ignoranz, Borniertheit, pathologischer Uneinsichtigkeit, debiler Selbstzufriedenheit und tumben Beharrungsvermögen meine deutschen Volksgenossen sich gegen die Realität stemmen.

Da denkt eine Regierung zum Wohl der eigenen Bürger darüber nach, in den nächsten 20 Jahren auf umweltfreundlichere Heizungen umzusteigen – Jahre nachdem andere europäische Länder längst eine Wärmepumpenpflicht eingeführt haben – und schon finden zehn Millionen Deutsche Geschmack am grenzdebilen Hobby-Hitler Bernd H. aus Thüringen.

Zwei Drittel der abgegebenen Stimmen und drei Viertel der Sitze im Landtag gehen nun an scharf rechte Parteien, die wie gedruckt Lügen über angeblich geplante Verbote der Grünen propagierten. 

Die Furcht davor, daß andere Menschen (noch nicht einmal man selbst) ein veganes Schnitzel essen könnten, ist so groß, daß lieber Nazis gewählt werden.


Carlo Masala beschreibt in einem eindrücklichen SPIEGEL-Essay, wie zukunftsunfähig und zukunftsnegierend das deutsche Volk durch die Gegenwart dilettiert. Kriege, Pandemie, Abhängigkeit von billigen russischen Gas, Chinas Aufstieg zur dominierenden Supermacht, der kommende Ausfall der USA als militärischer Beschützer, Falschinformationsdauerbeschuss der Demokratie, Erosion der EU – all das macht massive Veränderungen im Alltag der Deutschen unumgänglich. Statt sich aber darauf einzustellen, verweigern sie sich der Realität.

[…..]  Nicht wenige Deutsche scheinen sich aber nach ebendieser schönen alten Welt zurückzusehnen, in der billiges Öl und Gas wie Honig und Milch flossen, Kriege und Konflikte in weiter Ferne stattfanden und wir von den Segnungen der Globalisierung profitierten: Kurzum, in der Bullerbü noch existierte. Spätestens am 24. Februar 2022 war der Traum aus. Was Deutschland in Zukunft erwartet, sind massive Verschiebungen seines internationalen Umfeldes, auf die die Bundesrepublik nur unzureichend vorbereitet ist und an die sich die Mehrheit der deutschen Bürger und Bürgerinnen nicht anpassen will. [……] Polykrisen, Weltunordnung, neue Bipolarität, hybride Kriege und ein konfrontatives internationales System: Mehrheitlich wollen die Deutschen nicht wahrhaben, in welcher Welt sie zukünftig leben werden.

Man hat oft den Eindruck, dass die deutsche Gesellschaft in diesen Fragen das Verhaltensschema eines kleinen Kindes aufweist, das sich die Hände vor die Augen hält, um nichts mehr sehen zu müssen und sich dann auch einbildet, selbst nicht mehr gesehen zu werden. Diese Verhaltensweise ist der Größe und der ökonomischen Exponiertheit der Bundesrepublik nicht angemessen.

Der Mentalitätswechsel geht bei uns selbst nach fast zwei Jahren Landkrieg in Europa nicht so weit, dass wir bereit wären, eine unserer ökonomischen Bedeutung entsprechende politische Verantwortung zu übernehmen. Sind wir etwa bereit, gegebenenfalls militärisch freie Handelswege im Indopazifik zu schützen? Eher weniger, aber wir profitieren enorm davon, wenn andere diese Wege freihalten. Wenn Iran in der Straße von Hormus Öltanker oder Handelsschiffe bedrängt, ist der Aufschrei hierzulande groß, aber die Bereitschaft, einen aktiven militärischen Beitrag zur Sicherheit der Seewege zu leisten, gering. […..]

(Carlo Masala, 12.10.2023)

Selbst wenn ein Wunder geschehe, Olaf Scholz über Nacht zum mitreißenden Meisterkommunikator mutierte; wenn die FDP-Chaostruppe um Schäffler, Dürr, Kubicki, Wissing und Lindner erkennen würde, wie ihre konstante Destruktion und Blockade nicht nur die Gelben aus den Landesparlamenten jagt, sondern auch der Nation Deutschland massiv schadet, wäre das notwendige Umsteuern gar nicht mehr möglich, da der durchhysterisierte Urnenpöbel in seinen angebräunten Facebook-Blasen feststeckt und wie ein garstiges Balg sofort seine AfD-Zunge herausstreckt, wenn man ihn vorsichtig auf kommenden Veränderungen einstimmen möchte. Es erinnert an das Verhalten von nicht adulten Brüllaffen, die mit Exkrementen um sich werfen; nur daß, anders als im zivilisierten Dschungel, im realen Deutschland sofort Aiwanger, Merz und Julian Reichelt zur Stelle sind, um dieses Verhalten auch noch zu loben.

Dabei musste Prof. Masala die größte Gefahr von allen – den Klimawandel - noch nicht einmal erwähnen. Gerade bei Thema aber, sind wird Tumb-Teutonen im kollektiven NIMBY-Modus besonders unfähig.

[….]  Wie egoistische Verhinderer die Republik lahmlegen

Der SPD-Vorsitzende bekämpft eine Bahnstrecke, die CSU Stromtrassen, die CDU Radwege, mancherorts sind sogar Grüne und Linke gegen Windkraftanlagen. So wird das nichts mit der Transformation.   [….]

(Christian Stöcker, 08.10.2023)

Eisern halten die hepatisgelben Minister daran fest, den Verbrauch fossiler Energien zu fördern.

60 Milliarden Euro läßt es sich der Steuerzahler kosten, billiger und mehr CO2 in die Luft zu blasen, um die Klimaziele ad absurdum zu führen.


Endgültig den Gar ausmachen wird dem Klima aber die Aufrüstung.

Es ist alles hoffnungslos. Dabei sind die Deutschen noch nicht mal die Irrsten unter diesem Himmel. Meine zweiten Landsleute jenseits des Atlantiks, sind noch deutlich debiler. Aber dazu morgen mehr.

Donnerstag, 12. Oktober 2023

Kollaterale Menschen

Sich über das Leid anderer Menschen, die Trauer um Angehörige zu freuen, ist immer falsch und amoralisch. Ob dahinter persönlicher Sadismus steht oder ein akutes biblisches Rachebedürfnis („Auge um Auge, Zahn um Zahn“) befriedigt wird, ist irrelevant.

Man erquickt sich nicht am Schmerz Dritter!

Es gibt aber auch keinen moralischen Weg, immer darauf zu verzichten, Unschuldigen Schmerz zuzufügen, weil der zivilisierte Mensch nun einmal eine abartige Bestie ist, die so apokalyptisches Leid verursacht, daß andere Menschen auch Leid erzeugen müssen, um noch mehr Leid zu verhindern.

Ja, die Alliierten mussten im Zweiten Weltkrieg deutsche Städte bombardieren und Myriaden unschuldige Zivilisten massakrieren, weil diese Deutschen einen Vernichtungs-Weltkrieg führten und ihre Planung, elf Millionen europäische Juden umzubringen, schon halb umgesetzt hatten.

Wenn wir aber von achtstelligen Opferzahlen sprechen, kann es keine Moral mehr geben, weil Einzelfallgerechtigkeit ausgeschlossen ist. Natürlich starben bei den alliierten Luftangriffen auf Berlin oder Hamburg auch Widerstandskämpfer und versteckte Juden. Trotzdem war das Agieren der „Siegermächte“ zweifellos richtig, auch wenn es manche dumpfdeutsche Dresdner acht Dekaden später immer noch nicht wahrhaben möchten.

Der Sieg über Deutschland war eine Befreiung, das Kriegsende ein Grund zum Jubeln. Es kann aber nie einen Grund zur (deutschen) Schadenfreude geben, keine moralische Rechtfertigung für Begeisterung über das Leid anderer.

Es gibt keine Rechtfertigung, um nach der Ermordung von 3.000 US-Amerikanern am 11.09.2001 anderthalb Jahre später eine Millionen Iraker und Syrer zu töten, die nichts damit zu tun hatten. Die Attentäter waren fast alle Saudis und wurden in Afghanistan ausgebildet. Die frommste US-Regierung aller Zeiten, das täglich gemeinsam betende GWB-Kabinett, kannte aber nur Rache und keine Moral.

Rache zu nehmen, scheint ein weit verbreitetes menschliches Bedürfnis zu sein. Viele Opfer nehmen es mit grimmiger Befriedigung auf, wenn ihrem Peiniger etwas „heimgezahlt“ wird. Das ist der Stoff unzähliger Romane und Filme:
X leidet, weil Y seinen Sohn/Frau/Hund getötet hat und kommt erst wieder zur Ruhe, wenn er Sohn/Frau/Hund von Y getötet hat.

Schließlich will es Gott/Jahwe/Allah so.

[….] "Wenn Männer miteinander raufen und eine schwangere Frau stoßen, so dass ihre Leibesfrucht abgeht, es aber kein tödlicher Unfall ist, wird eine Zahlung auferlegt in der Höhe, die der Ehemann ihm auferlegt, und er bezahlt vor Zeugen. Wenn es ein tödlicher Unfall ist, gibst du Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Striemen für Striemen." [….]

(Ex 21,22-25; vgl. Lev 24,20 und Dtn 19,21)

Da zeigt sich aber nur, daß es sich bei abrahamitischen Religionen um eine heute zutiefst untaugliche Sammlung archaischer Regeln einer primitiven Hirtenkultur handelt.

Schon der misogyne Antisemit Mahatma Ghandi erkannte "Auge um Auge lässt die Welt erblinden".

Ja, Krieg und Grausamkeiten, das Töten Unschuldiger kann auch heute noch perverse Notwendigkeit sein, um noch Schlimmeres zu verhindern. Stichwort Rettung der Jesiden.

Aber niemand bleibt dabei unschuldig. Niemand hat das moralische Recht, sich über das vergossene Blut der anderen, die Tränen der Angehörigen, zu amüsieren, den Tod zu feiern.

Wer im Krieg moralisiert, kommt in Teufels Küche.

Jo'aw Galant, 64, Likud-Mann, ehemaliger Generalmajor der israelischen Armee und Kommandeur des Südkommandos und israelischer Verteidigungsminister, wird eines Tages erklären müssen, wieso er überhaupt alle Panzer und Truppen von der Grenze zum Gaza-Streifen abzog, um sie in die Westbank zu schicken, so daß niemand von der Armee da war, der sich der Hamas entgegen stellte, als die palästinensischen Mordkommandos loszogen und über Tausend Israelis massakrierten.

Bis es soweit ist, spuckt er martialische Töne - „Wir kämpfen gegen Bestien“ - und niemand wird ihm in Israel dabei widersprechen.

[….] Als Reaktion hat Israel eine "totale Blockade" des Gazastreifens angekündigt. Es wird keinen Strom, keine Lebensmittel und keinen Treibstoff geben", erklärte der israelische Verteidigungsminister Jo'aw Galant. "Wir kämpfen gegen menschliche Tiere und handeln entsprechend", fügt er hinzu. [….]

(T-Online.de, 09.10.2023)

Schon nach wenigen Tagen übersteigen die zivilen Opferzahlen in Gaza mutmaßlich die Israels.

[…..] Over five days, Israeli warplanes have pummelled Gaza with an intensity that its war-weary residents had never experienced. The airstrikes have killed more than 1,100 people, according to the Gaza Health Ministry. Officials have not said how many civilians are among the dead, but aid workers warn that Israel’s decision to impose a “complete siege” on the crowded enclave of 2.3 million people is spawning a humanitarian catastrophe that touches nearly every one of them.

There is no clean water, and after the territory’s only power plant ran out of fuel on Wednesday, electricity has become a precious commodity, while the enclave sits in near-total darkness during the night.

“This is an unprecedented scope of destruction,” says Miriam Marmur, a spokesperson for Gisha, an Israeli human rights group. “Israeli decisions to cut electricity, fuel, food and medicine supplies severely compound the risks to Palestinians and threaten to greatly increase the toll in human life.”  […..]

(Guardian, 12.10.2023)

Wer jetzt noch Moral und Anstand sucht, wird scheitern. Wer Tod gegen Tod aufrechnet, wird scheitern.

Wer Leid gegen Leid, Blutlache gegen Blutlache aufrechnet, wird scheitern.

Die Naivität eines bekannten 80-Jährigen frommen katholischen Bibelfreundes wirkt fast rührend.

[….] Es sei wirklich wichtig, dass Israel trotz all des Ärgers und des Frusts nach den Regeln des Krieges handele, so Biden in seiner Rede. „Und es gibt Regeln des Krieges“, fügte er hinzu. Biden hatte US-Medien zufolge den israelischen Premier bereits in Gesprächen aufgefordert, die Zahl der zivilen Opfer in Gaza so gering wie möglich zu halten und nach dem Völkerrecht zu handeln. In einer Rede am Dienstag sagte Biden mit Blick auf Netanjahu: „Wir haben auch darüber gesprochen, dass Demokratien wie Israel und die Vereinigten Staaten stärker und sicherer sind, wenn wir nach rechtsstaatlichen Grundsätzen handeln.“

Biden sprach vor führenden Vertreterinnen und Vertretern jüdischer Gemeinden. Er richtete dabei auch eine Warnung an den Iran: „Wir haben es den Iranern klar gemacht: Seid vorsichtig.“ Bei seiner Rede war der Demokrat sichtlich emotional. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Bilder von Terroristen, die Kinder enthaupten, sehen ..bestätigt bekommen würde“, sagte der US-Präsident weiter. „Es geht nicht um Rache, es geht um Anstand, einfach nur um Anstand“, betonte er. [….]

(Tagesspiegel, 11.10.2023)

Ich glaube Biden, daß er wirklich emotional tief betroffen ist. Aber der Drohnenkrieger, der als Vizepräsident schon tausende Kollateral-Opfer bei illegalen Tötungsoperationen überall in der Welt mitverantwortete, sollte wirklich davon ablassen, von „Anstand“  zu reden.

Es gibt keinen Anstand im Krieg, auch wenn er notwendig ist. Es gibt nur unterschiedliche Maßstäbe und Schuld.

[….] "I have ordered a complete siege on the Gaza Strip. There will be no electricity, no food, no fuel, everything is closed. We are fighting human animals and we act accordingly." [….]

(Israeli Defense Minister Yoav Gallant, 9. Okt. 2023)

[…..] Russia’s attacks against civilian infrastructure, especially electricity, are war crimes. Cutting off men, women, children of water, electricity and heating with winter coming - these are acts of pure terror. And we have to call it as such. [….]

(EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, 19.10.2022)

Von der Leyens Worte sind umso erschreckender, als sie lange Verteidigungsministerin war und daher wissen sollte, wie angreifbar sie sich macht.

Von der Leyens Worte sind umso erschreckender, als sie CDU-Mitglied ist, der Partei, die GWB laut zu seinem illegalen Angriffskrieg auf den Irak applaudierte und sich gar nicht daran stört, daß ausgerechnet die USA keine internationalen Gerichte anerkennen.

Selbstverständlich wittert nun jeder Doppelmoral, der mit den Menschen im Gaza-Streifen sympathisiert.

[…..] If you simply swap the word Russia with Israel, it is as accurate, if not more. And yet no leader in the US or EU is willing to do exactly what @ursulavonderleyen is doing with Russia, with Israel … , calling out an occupier for its war crimes and terrorism and insisting we must call it as such.

@ursulavonderleyen how can you declare so forcefully that Russia is committing war crimes and terror, but Israel is not? Instead, you defend Israel's right to terrorize and commit war crimes on an occupied and besieged people? Why must we call it what it is in Ukraine but not in Gaza? Asking for my friends, who believe in Justice and dignity for all. This is dystopian and dangerous hypocrisy, and while it isn’t new, it is no longer permissible to ignore. […..]

(Ahmed Eledin, 11.10.2023)

Und nun, von der Leyen?

1.) Israel hat das Recht sich zu verteidigen.

2.)  Israel muss seine Bewohner schützen und

3.) Wer nicht in Israel lebt, soll sich mit moralischen Bewertungen zurückhalten.

Dazu dreimal ein klares Ja.

Aber die EU, die NATO, die USA, der Westen, die in markigen Worten mal völlig zu Recht Kriegstreiber verurteilen und in anderen Fällen (GWB, Jemen) schweigend bis desinteressiert wegsehen, müssen sich nicht wundern, wenn sie in großen Teilen der Welt nicht als moralische Autoritäten ernst genommen werden und für ihre Doppelmoral angegriffen werden.

Die Palästinenser im Westjordanland, die täglich von Bibis Siedlern angegriffen werden, haben lange den Glauben an die Gerechtigkeit des Westens verloren. So berichtet beispielswiese Abadallah Oteh, der in einem Vorort von Nablus ein Hotel betreibt, in das kein Gast mehr durchgelassen wird.

[…..] Vor zwei Jahren, sagt er, hätten nämlich die Bewohner der neben seinem Resort liegenden israelischen Siedlung Yitzhar begonnen, die Autos seiner Gäste zu zerstören oder zu beschädigen.

Seit vier Jahren schon greifen sie ihn immer wieder an, sagt er. Einmal haben sie demnach seine beiden Lastwagen in Brand gesetzt. Das letzte Mal kamen sie an diesem Montag. Rund 40 Siedler und Soldaten seien den Hang hinter seinem Resort hinuntergekommen. Ein Haus in der Nähe hätten sie in Brand gesetzt. Die Videos, die er von den Übergriffen auf seinem Handy hat, zeigen israelische Soldaten. Sie begleiten marodierende jüdische Siedler.

Diese Gewalt der Siedler, Israels unterdrückerische Politik, das sagen die meisten hier, sei einer der Gründe, weswegen die Hamas aus dem Gazastreifen angegriffen habe. Niemand findet sich hier, der die Attacke verurteilen will. »Die Siedler hören nie auf, niemand stoppt sie. Das sehen auch die Menschen in Gaza.« Oteh findet, die internationale Gemeinschaft interessiere sich nur für tote Israelis. Tote Palästinenser seien ihr egal. »Wir sind Menschen; sie sind Menschen. Wo liegt also der Unterschied? Wenn die Hamas Zivilisten angreift, läuft die ganze Welt Sturm. Aber wir werden seit vielen Jahren angegriffen. Das ist die Doppelmoral.«  […..]

(SPON, 12.10.2023)