Samstag, 3. Dezember 2022

Spinner überall  

Phasenweise fröne ich intellektuell niederschwelligen TV-Angeboten und tauche so lange in ein seichtes Genre ein, bis ich es vollständig erfasst habe.

Eine dieser peinlichen Episoden, war mein Interesse an „House-Flipping“-Sendungen auf Home And Garden TV (HGTV).

Es gibt eine große Auswahl von Paaren (es sind immer zwei Menschen), die in verschiedenen US-Städten, mit ganz verschiedenen Budgets in jeder Folge ein heruntergekommenes Haus kaufen, es sanieren, renovieren, dekorieren und schließlich mit stattlichem Gewinn weiter verkaufen. Alles mit perfekt ausgeleuchteten Vorher/Nachher-Bildern, die den Zuschauer staunen lassen. Es ist diese angenehme Form des Reality-TV, bei der man sich einbildet, eine ganz konkrete „reale“ Geschichte zu erleben, obwohl höchstwahrscheinlich alles gestellt und inszeniert ist.

HGTV streut so breit, damit jeder Zuschauer sich mit seinem Lieblings-Houseflipper-Paar identifizieren kann. Das funktioniert auch bei mir. Viele der Protagonisten sind so entsetzlich amerikanisch, laut und nervenaufreiben, daß ich sie nicht ertragen kann. Es gibt aber auch Unterhaltsame und sogar zwei, drei Flippe-Paarer, die ich wirklich sympathisch finde, so daß ich mich dabei erwische mit zu fiebern und ihnen einen hohen Gewinn zu wünschen.

Als deutscher Zuseher bekommt man ein Gefühl für Preise, beliebte Materialien, amerikanische Bauvorschriften und Bau-Methoden.

Ich meine, inzwischen aber alle Mechanismen erfasst zu haben und so flachte mein Interesse so stark ab, daß ich glücklicherweise HGTV nicht mehr einschalten muss.

Als Serviceleistung, um anderen Menschen Stundenlang Zeitverschwendung mit HGTV zu ersparen, folgt nun mein Destillat der Haupterkenntnisse:

1.)

Alle Amerikaner sind verrückt.

2.)

Arbeitsschutzkleidung ist unbekannt. Egal, ob Maurer, Zimmermann, oder Dachdecker: Bei der Arbeit trägt man Baggy Shorts, Flipflops und eine Baseball-Kappe.

3.)

Man wundere sich nicht über erhebliche Sturmschäden. Auch mehrere Millionen Dollar teure Luxushäuser, sind in der Regel nur bessere Pappschachteln. Keller und Fundamente gibt es kaum. Beim Neubau errichtet man ein Ständerwerk aus dünnen Holzlatten, lässt diese dann von den Trockenbauern mit Gipsplatten versehen und als Höchstes der Gefühle, wird an den Außenwänden eine dünne Schicht Putz aufgetragen.

4.)

Es gibt keine Geschmacksunterschiede, mal abgesehen von Nuancen bei der Farbwahl. Amerikaner müssen einen offenen Grundriss haben. Eine große Küche mit bunt gefliestem „backsplash“ und Kücheninsel, weil die Mutter den ganzen Tag brav kocht, aber dabei vom Herd aus die Kinder beobachten will. Es braucht unbedingt eine „entertaining area“ mit großem Flatscreen-TV, weil alle pausenlos „friends and family“ einladen, um gemeinsam Football zu gucken, während Muttchen alle bekocht. Die Eltern schlafen in einem möglichst riesigen Zimmer (master bedroom), das ein „en suite“ Bad haben sollte. Kinder hingegen benötigen offenbar keinen Platz und werden gern in winzige Kammern gesteckt, da sie sich im Gegensatz zu den Eltern, offenbar nicht bewegen und nie spielen. Teppich ist verpönt und ein Garten ist kein Garten ohne eine riesige Grillstation.

5.)

Egal, ob es sich um eine 150.000-Dollar-Hütte in Detroit oder eine 5 Millionen Dollar-Villa in Anaheim, Ca, handelt: Ohne „AC“ (Klimaanlage) geht es nicht. Strompreis und Klimapolitik spielt offenbar keine Rolle; jeder Raum muss sich eiskalt kühlen lassen.

6.)

Noch einmal: Alle Amerikaner sind verrückt. Bei Hausbesichtigungen schleppen sie Schaminnen an, die nach schlechten Stimmungen pendeln und den Geistern früherer Bewohner fahnden. Kein Einzug ohne esoterische Rituale. Mindestens ein Räucherbündel aus getrocknetem Salbei muss durch jeden Raum gewedelt werden, um die Umgebung „spirituell zu reinigen“.

 

Unglücklicherweise schwappt dieser Einheits-Wohngeschmack schon seit ca 15 Jahren auch nach Deutschland. In Deutschland errichtete Häuser mögen stabiler sein und über die, in den USA unbekannte Technik der unterirdischen Stromleitungen verfügen, so daß nicht bei einem Herbststurm alles wieder zusammenkracht, oder zumindest die Strom- und Internet-Masten umknicken.

Das Wohnungsbau-Design ist aber vollständig vereinheitlicht: Offene Küche, bodentiefe Fenster, lichtdurchflutet, heller Parkettboden (je nach Preislage ggf aus Laminat oder Vinyl).

Da die Leute keine Bücher mehr lesen, brauchen sie auch keinen Wandplatz für Regale. Wer als Interessent einwirft, daß eine geschlossene Küche auch Vorteile habe, weil man beispielsweise bei starker Geruchsentwicklung die Tür schließen könne, oder wer gar nicht so gern von den Nachbarn gegenüber, durch die „bodentiefen Fenster“ beobachtet wird, muss damit rechnen, als sonderlicher Ketzer aus der Stadt gejagt zu werden. Denn „das macht man jetzt so“, die Mieter/Käufer wünschen sich das.

Auch das schamanische Ausräuchern der Räume wird zwischen Flensburg und Bodensee populär.

[….] Boom der Räucherrituale: Warum sich die Deutschen die Bude vernebeln  [….]  Es ging schon harmonischer zu in mitteleuropäischen Haushalten als in den Jahren 2020 bis 2022. Für die Haushalte sind die Begleiterscheinungen der Pandemie aber anscheinend ein längerfristiges Problem: »Räume sind Energiespeicher. Sie vergessen nichts von dem, was in ihnen geschieht«, sagt Christine Fuchs. »Es ist wichtig, dass wir regelmäßig eine reinigende Hausräucherung durchführen!« Denn der Rauch von glimmenden Pflanzenteilen soll alles hinauskärchern, was sich an schlechter Stimmung in einer Wohnung eingenistet hat. Aha. Beim Räuchern werden getrocknete Kräuter, Harze oder Hölzer erhitzt oder verbrannt. Meist über glühenden Kohlen, alternativ in Schalen, auf Stövchen oder zum Büschel gebunden. Dabei entstehen Duft und Qualm. Christine Fuchs hat sich damit ein ganzes Imperium aufgebaut. Früher arbeitete die Betriebswirtin in der Personalentwicklung eines Stuttgarter Automobilkonzerns. Inzwischen vertreibt sie mit ihrer Firma Lab.danum Bartflechte aus Osttirol und Myrrhe aus Somalia, gibt Räucherkurse und hat mehrere Bücher zum Thema geschrieben. Mit Beginn des ersten Corona-Lockdowns explodierte der Bestelleingang ihres Onlineshops. [….]

(SPON, 13.03.2022)

Die multiplen Krisen wirken als Esoterik-Verstärker.


[….] Esoterik-Boom dank Krise [….] – Krieg, Corona, Inflation: Eine Krise jagt die nächste – und immer mehr Menschen sehnen sich nach Trost. Dabei suchen immer mehr Ratsuchende Zuflucht in esoterischen Angeboten – und die schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Bundesweit berichten Beratungsstellen von steigenden Anfragezahlen. „Sogenannte Schamanen, unseriöse Coachings und aggressive Verschwörungstheoretiker haben deutlichen Zulauf“, sagt Sabine Riede, Leiterin des Vereins Sekten-Info NRW. Ähnliches berichten zwei weitere staatlich geförderte Stellen: die Zentrale Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen (Zebra) für den süddeutschen Raum in Freiburg und die Sekteninfo Berlin. [….] Sehr beliebt seien derzeit etwa schamanische Angebote, die mit indianischen Amuletten, Bildern, Symbolen und Musik Stabilität gegen die „böse Welt“ draußen versprächen. […]

(MoPo, 16.11.2022)

Freitag, 2. Dezember 2022

Sex, Natur und Kirche  

Die umjubelte Ratzinger-Rede vor dem Bundestag am 22.09.2011 war für die fromme Katholikin Andrea Nahles ebenso, wie für den frommen Volker Beck, eine grandios genutzte Gelegenheit, sich nicht nur bis auf die Knochen zu blamieren, sondern auch noch der ganzen Welt ihre moralische und intellektuelle Unterbelichtung zu demonstrieren.

Noch niemals zuvor hat ein religiöses Oberhaupt vor dem Deutschen Bundestag gesprochen. Dafür gab und gibt es gute Gründe. Das Grundgesetz formuliert im Blick auf Religionen ein fundamentales Verfassungsgebot: Es verpflichtet den Staat deutlich zur religiösen und weltanschaulichen Neutralität. Das heißt, der Staat muss sich in religiösen und weltanschaulichen Fragen strikt unparteiisch verhalten.
[…] Diese privilegierte Hervorhebung durch den Bundestag wird auch als eine Zurücksetzung anderer Religionen und Weltanschauungen verstanden werden. Deshalb ist dieser Auftritt ein Fehler und mit der Neutralität des Staates unvereinbar. Zudem schafft er einen falschen Präzedenzfall für die Zukunft.
(Rolf Schwanitz in der FTD 21.09.2011)

Der Grünen Schwulenaktivist sprang zu standing Ovations auf, um dem radikal misogynen und homophoben Holocaustleugner-Fan und Kinderfic**r-Förderer zu applaudieren. Die Rote Sozialdemokratin fabulierte in diametraler Umkehrung des vom Papst Gesagten, er haben sich für den Naturschutz ausgesprochen.

Das arme pfälzische Dummerle hatte nicht die geringste Ahnung, was der philosophische Begriff des päpstlichen Naturrechts bedeutet, fand offenbar „Naturrecht“ und „Naturschutz“ fangen beiden mit Natur an und meinen dann auch das gleiche. Dabei bedeutet Ratzis mittelalterlich-frühneuzeitliche Naturrechtslehre, daß grundlegende Werte wie Sklaverei, Minderwertigkeit der Frau, Verdammung von Homosexualität „naturgegeben“ sind und sich daher einer demokratischen Gesetzgebung entziehen. Daraus abgeleitet, können Masturbation, PID, Verhütung, Abtreibung, Kondome, Frauenordination, Toleranz gegenüber Ungläubigen, keinesfalls durch weltliche Parlamente gerechtfertigt werden.

Ratzinger ist ein Fanatiker, der niemals vor dem Bundestag Rederecht bekommen haben dürfte.

Der Umgang mit den Missbrauchsfällen durch die Kirche, das gezielte Verstecken der Täter und die Einschüchterung der Opfer zeigen deutlich die Missachtung unseres Staates und unserer Gesetze. Dafür trägt der Papst die Verantwortung. Es ist ein schlimmer Affront für die Opfer dieses verbrecherischen Handelns, aber auch für jeden rechtschaffenen Bürger, wenn der Hauptverantwortliche für dieses kriminelle Verhalten der Kirche jetzt im Deutschen Bundestag reden darf. Wie sollen wir das unseren Kindern erklären, wenn wir sie zu Anstand und Rechtstreue erziehen wollen? Was sollen die vielen Bürger, die gerade wegen dieses Papstes und seiner erschreckenden Moral aus der Kirche ausgetreten sind, von unseren Volksvertretern halten?
(Offener Brief an die Bundestagsabgeordneten des GBS-München)

Wenn Naturforscher beobachten, wie Primaten masturbieren, Schildkröten oder Pinguine dem Homosex frönen, bedeutet das eben gerade nicht im päpstlichen Sinne „naturgegeben“ und somit zulässig.

In der verqueren vatikanischen Vorstellung bedeutet die „grundlegende Natur der Dinge“ genau das Gegenteil: Dass sich etwas eben nicht aufgrund aktueller Meinungen oder Erkenntnisse ändern ließe.

Die metaphysische Verklärung des Naturrechts, der auch Dummerle Nahles aufsaß, ist keineswegs harmlos. Genauso wenig ist „Natürlichkeit“ an sich für einen zivilisierten Menschen erstrebenswert.

(….)  Die Zivilisation ist aber unnatürlich. Deswegen bekommen in Hamburg Menschen mit Grauem Star eine Cataract-Operation. Wie am Fließband werden in einem kleinen ambulanten Eingriff neue Linsen eingesetzt und dabei auch gleich die Kurzsichtigkeit korrigiert.

Wir lassen der Natur eben nicht ihren Lauf, sondern greifen ein. Wir implantieren Zähne, passen Hochleistungshörgeräte und Cochlea-Implantate an, setzen Defibrillatoren und Pacemaker in die Brusthöhle, entfernen Tumore aus Prostata und Dickdarm. All das ist völlig unnatürlich und in der Geschichte der Menschheit sehr neu. Aber der evolutionäre Humanismus verlangt solche technischen Korrekturen an der natürlichen Biologie.

Dementsprechend wollen wir auch Kindersterblichkeit in Deutschland möglichst nicht akzeptieren – auch wenn das ein natürlicher Ausleseprozess wäre.

In vielen moralischen Aspekten ist Unnatürlichkeit überlegen.

Das betrifft den Beginn genauso wie das Ende des Lebens, welches wir mit Opiaten und Morphinen erheblich angenehmer gestalten, als es natürlich wäre.(…)

(Wunschkinder, 22.12.2015)

In dieser päpstlichen Weltsicht ist Sex eine ekelige Angelegenheit, die man eigentlich besser unterlassen soll und die man keinesfalls zum Vergnügen tun darf. Erlaubt ist Geschlechtsverkehr ausschließlich in der heterosexuellen Ehe zum ausdrücklichen Zweck der Fortpflanzung. Das bedeutet: Kein Oralsex, kein Analsex, kein Sex während der unfruchtbaren Tage, kein Sex während der Schwangerschaft, kein Sex nach dem Klimakterium und ganz bestimmt kein Sex mit Verhütungsmitteln. Selbstredend schließt das auch vorehelichen Sex, gleichgeschlechtlichen Sex oder Sex ganz allein aus.

Die einzige Ausnahme, die geduldet wird, ist wenn Priester Messdiener vergewaltigen. Das ist nach Kirchenrecht weniger schlimm, weil die missbrauchten Kinder in den Augen des Vatikans praktischerweise gar nicht existieren.

(……) Viel zu viel Aufmerksamkeit wird auch den schweren Religioten geschenkt, die sich immer noch hartnäckig für die Kindermissbrauchs-Organisation RKK einsetzen.    Niemand bei klarem Verstand würde auf Einsicht der Männer wie Müller, Ratzinger, Woelki, Heße, Marx, die sich seit Jahrzehnten bemühen Kinderfic**r zu beschützen und ihr Tun weiter ermöglichen, setzen.   Sie stehen für eine Organisation, die sich bis heute nicht den deutschen Gesetzen unterwerfen will, sondern ausschließlich auf das Kirchenrecht setzt, welches bezeichnenderweise in der Vergewaltigung von Kindern gar keinen Straftatbestand erkennt. Nur der Verstoß gegen den Zölibat wird geahndet.

[…..] Dass Kleriker zu Missbrauchstätern wurden und werden, liegt vielleicht sogar in der inneren Logik der Kirche begründet. Um das zu verstehen, hilft ein Blick ins Kirchenrecht: Kirchenrechtlich wird sexueller Missbrauch bis heute rein vom Priester her gedacht. Kirchenrechtlich gesehen verstößt ein Priester, der sich an einem Kind, Jugendlichen oder Erwachsenen vergeht, gegen das sechste Gebot: "Du sollst nicht ehebrechen." Und weil der zölibatär lebende Priester mit der katholischen Kirche verheiratet ist, betrügt er lediglich die Kirche. Die Opfer kommen als Geschädigte nicht vor, sie sind gar nicht da.  Aus diesem Grund haben Betroffene von sexuellem Missbrauch in kirchenrechtlichen Verfahren gegen Täter bis heute keinerlei Rechte. Sie können keine Akten einsehen, sie können nicht als Nebenkläger auftreten, sie sind nur Zeugen. Die katholische Kirche könnte etwas dagegen tun, sagt zum Beispiel die Theologin Doris Reisinger: Sie könnte ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung in ihren Rechtsnormen verankern; im weltlichen Bereich ist dies etwas völlig Selbstverständliches. Doch wenn sie das täte, müsste sie den Gläubigen auch zugestehen, über ihr Schlafzimmer selbst zu entscheiden. Hier liegt der Knackpunkt: katholische Kirche und Selbstbestimmung des Menschen - das geht offenbar nicht zusammen. […..]

(Annette Zoch, 19.03.2021)

Politikern wie Annette Schavan, Wolfgang Thierse oder Winfried Kretschmann, die sich für so ein Kindermissbrauchssystem engagieren, indem sie sogar im Zentralrat der Katholiken sitzen, kann ich nicht vertrauen. (…….)

(Unsichtbare Vernunft, 25.04.2021)

Nach ratzingerischer und bergoglioner Auffassung, sind Masturbation oder Homosex deswegen falsch, weil der Samen dabei entgegen seiner göttlichen Natur verschwendet wird. Der Same gehört aber ausschließlich in eine Vagina, in deren für Geistliche völlig unverständlichen Anatomie, schon ein befruchtungswilliges Ei wartet, so daß Gott ein neuen Leben schenkt. Das ist der in päpstlichen Augen „natürliche“ Weg des Ejakulats: Zum Leben hin ausgerichtet. Einen neuen Christen schaffen und nicht etwa in einem Kondom oder Taschentuch zu landen. Das wäre die bekannte „Kultur des Todes.“

Eine problematische Sichtweise. Nicht nur, weil es offensichtlich falsch und sogar hanebüchener Unsinn ist, sondern weil Biologie und Natur eben nicht so funktionieren. In der Natur ist das Leben keineswegs heilig. Im Gegenteil, es wird laufend getötet, um zu leben.

Den Christen sei an dieser Stelle ins Stammbuch geschrieben, daß auch die meisten menschlichen Embryonen ganz natürlich absterben, bevor sie geboren werden. Das hat Gott so eingerichtet.

Gott ist somit der größte Abtreiber überhaupt. Letztendlich läßt er 9 Embryos absterben, um ein Kind zu erzeugen

How many embryos and fetuses never make it to birth?  How many babies die in natural childbirth?  How many infants die before reaching age five?  The statistics are not good.  The most hazardous journey of life is the first few months. According to the calculations of Gregory Paul (see his published articles here), who used the best figures from embryology and neonatal doctors, as few as one-quarter of all conceptions avoid reabsorption or miscarriage, and of those fetuses that do make it to full-term, another large percentage die during natural childbirth.  It’s obvious that embryos are not well-designed for making it to infancy.

The female body was not well-designed for childbirth, either, since the ratio of fetal skull size to female hip size doesn’t make for great odds for the mother.  Every year, more than half a million women die in pregnancy or childbirth.  Natural evolution, not religion, explains the tough compromises forced on the human body, and why few embryos make it to infancy and so many mothers die in the process.

Although the odds of a fertilized egg making it to a live birth are less than 1 in 5, another hazardous journey through infancy lies ahead.  Before modern medicine, around 20% of children in England and the United States died before the age of five, and that number was much higher in pre-industrial societies.  For most of the existence of our human species, over the past one hundred thousand years or so, probably only around half of all born babies reached the age of five.

All these poor odds add up to the fact that for most of human existence there had to be 10 pregnancies or more to guarantee the life of a single five year old child.

(John Schock, 27.04.2011)

Wie schwachsinnig die christliche Vorstellung vom natürlichen Sex ist, zeigt sich auch an der Üppigkeit der natürlichen Fortpflanzung.

Die Mondfischdame stößt 300 Millionen Eier ab, wenn sie auf einen Kerl trifft. Dann bekommen sie 300.000.000 kleine Mondfischbabys. Da die Welt aber nicht gerammelt voll mit Mola Molas ist, sondern die riesigen Viecher, im Gegenteil, sehr selten sind, wissen wir auch, was Gott diese Leben wert sind: Nichts. Fast alle werden schnell wieder getötet.

Auch der Homo Sapiens-Mann bekommt ein großes Problem, wenn er kein Leben verschwenden will. Pro Ejakulation werden 30 bis 600 Millionen lebensfähige Spermien ausgestoßen. Landen sie in einer ovulierenden Frau, sterben bei 600 Millionen Schwimmern, immer noch 599.999.999. Wenn Sex katholisch korrekt mit Ehe, Frau und verhütungslos stattfindet, sind die Quoten für das Überleben des einzelnen Spermiums annähernd genauso minimal, als wenn Mann direkt in die Kloschüssel onaniert oder vom 12-Jährigen Messdiener fellationiert wird.

Die Lösung wäre aus katholischer Sicht, wenn Mann es lernte, beim Orgasmus genau ein Spermium abzuschießen.

Die Mormonin Gabrielle Blair fordert bereits das „verantwortungsvolle Ejakulieren“.

Denn Sperma sei eine „gefährliche Waffe“.

[….] Kennen Sie den Film »Natürlich blond«? Reese Witherspoon spielt darin eine Art Barbiegirl, die an die Eliteuniversität Harvard kommt. Und in einer Szene sagt sie genau das, nämlich dass, wenn Männer ihr Sperma beim Masturbieren vergeuden, sie ihre potenziellen Kinder vergeuden. Das wurde vermutlich nicht so ernst genommen von dieser Figur und Männer wollen nicht in die Verantwortung gezogen werden. Aber dieser Gedanke, dass Männer ihr Sperma kontrollieren können und sollten, ist genau derselbe, den ich in meinem Buch vertrete. Wir müssen uns auf das Sperma konzentrieren, nicht das Ei. Wenn eine Frau Sex hat, kann sie in den allermeisten Momenten nicht schwanger werden. Ein Mann hingegen kann eine Frau immer schwängern.  [….] Ich finde es nicht übertrieben zu sagen, dass Sperma eine Waffe ist. Jeden Tag sterben 700 Frauen bei einer Geburt. Und man muss nicht mal den Tod heranziehen; Schwangerschaften sind ein Riesentrauma für den Körper. Ich war sechs Mal schwanger und habe sechs Kinder. Und wenn mich jemand vor ein paar Jahren gefragt hat, ob es schwierige Geburten waren, habe ich immer gesagt, nein, total unkompliziert. In Wahrheit habe ich dauerhafte Narben und alle möglichen Schäden davongetragen. Aber die erkennen wir nicht an. Ich fand schwanger sein schrecklich. Meine Karriere hat gelitten, mein Sozialleben, alles Mögliche. Ich habe es so gewollt, und es ist gut so, aber es hat meinen Körper eben auch dauerhaft verletzt. Aber es ist so normal, das nicht zu sehen und herunterzuspielen. Schwangerschaften reizen aus, was ein menschlicher Körper leisten kann, sie sind gefährlich. Und wir tun so, als wäre es keine große Sache und ein Wunder. Es ist ein Wunder, aber es ist auch verrückt und gefährlich und darüber reden wir nicht. Also, ja, Sperma verursacht Schwangerschaften und diese sind sehr gefährlich. Wir machen Witze über Sperma, aber es kann jemandem das Leben ruinieren, indem es eine Schwangerschaft auslöst. [….]

(Gabrielle Blair, 02.12.2022)

Da gibt es also noch so einiges für die Lehrpläne im Priesterseminar. Das Einzelsperma-Ejakulieren, wird viel zu schlecht beherrscht.

Donnerstag, 1. Dezember 2022

  Impudenz des Monats November 2022

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Sie grübeln noch. Prüfen, verifizieren, beraten, recherchieren.

Vier Jahre bereits rauchen die Köpfe einer Hamburger Behörde, ob dieser entscheidenden Silvesternacht des 31.12.1949:

Wo schlief meine damals 11-Jährige Mutter, wo wachte sie am 01.01.1950 auf?

Es konnte eingegrenzt werden auf Deutschland, auf Hamburg; auch der Stadtteil wurde eindeutig nachgewiesen. Aber in welchem Haus genau lebte sie damals??

 Die Mühlen des deutschen Staatsangehörigkeitsrechtes mahlen langsam.

Meine Ururgroßeltern waren in Deutschland geborene Deutsche, meine Urgroßeltern waren in Deutschland geborene Deutsche, meine Großeltern waren in Deutschland geborene Deutsche, meine Mutter war in Deutschland geborene Deutsche – all das ist Dank des NS-Ahnenpasses rechtssicher dokumentiert. Deswegen ist es nur folgerichtig, daß ich, nachdem ich ebenfalls in Deutschland geboren wurde, natürlich kein Deutscher sein kann. Schließlich wurde über die väterliche Blutlinie minderwertiges Ausländerblut eingekreuzt. So einem kann man nicht blitzartig, nach über einem halben Jahrhundert, einen Deutschen Pass geben. Damit verramsche man nämlich die Deutsche Staatsbürgerschaft, wie CDU und CSU feststellen.

Nein, bei so einem Undeutschen muss genau geprüft und 73 Jahre lang eruiert werden: Wo lebte die Mutter am 01.01.1950.

Sonst kann man natürlich nicht über den Einbürgerungsantrag entscheiden.

Das ist die behördliche Realität des Jahres 2022, wenn man sich um die Deutsche Staatsbürgerschaft bemüht. Ein Begehren, welches noch nicht einmal meinem Gehirn entsprang, sondern das 2011 von einem gewissen Olaf Scholz, der auch heute noch eine Rolle in der Deutschen Politik spielen soll, an mich herangetragen wurde.

 [….] Senat startet Einbürgerungsinitiative

Die ersten 4.000 von insgesamt 137.000 Bürgerinnen und Bürgern ausländischer Herkunft, die möglicherweise die Voraussetzung für eine Einbürgerung erfüllen, erhalten ab heute Post von Bürgermeister Olaf Scholz. Der Bürgermeister wirbt in einem persönlichen Schreiben für die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft.

„Die Einbürgerung ist viel mehr als ein Verwaltungsakt. Sie ist das Bekenntnis zu unserem Staat und zu unserer Gesellschaft. Wer hier schon länger lebt und die Voraussetzungen erfüllt, sollte auch deutscher Staatsbürger werden, weil nur dann alle Möglichkeiten der Teilhabe bestehen“, sagte Scholz und bezeichnete die Initiative als wichtigen Beitrag zur Integration. 

Mit dem deutschen Pass erhalte man zum Beispiel alle staatsbürgerlichen Rechte, insbesondere das volle aktive und passive Wahlrecht. Der Wegfall des aufenthaltsrechtlichen Verfahrens bedeute weniger Bürokratie für den Einzelnen. Und durch das Entfallen zahlreicher Visumspflichten würden Reisen ins Ausland deutlich erleichtert, heißt es in dem Brief des Bürgermeisters.

Von den cirka 1,8 Millionen Hamburgerinnen und Hamburgern verfügen etwa 400.000 – also mehr als 20 Prozent – über einen Migrationshintergrund. Von diesen besitzen wiederum 236.000 (noch) nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Etwa 137.000 Personen erfüllen möglicherweise die Voraussetzungen für eine Einbürgerung, insbesondere hinsichtlich der schon absolvierten Aufenthaltsdauer.

Die Einbürgerungsinitiative besteht aus folgenden Bausteinen:

    Briefkampagne des Ersten Bürgermeisters: Schreiben an alle 137.000 Hamburgerinnen und Hamburger ohne deutsche Staatsangehörigkeit, die mindestens 16 Jahre alt sind und die zeitlichen Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllen, um diese für eine Einbürgerung zu interessieren. Jeden Monat werden 4.000 Briefe verschickt. Auch wer noch keinen Brief des Bürgermeisters erhalten hat, kann selbstverständlich jederzeit die Einbürgerung beantragen.

    Fortsetzung der regelmäßigen Einbürgerungsfeiern im Rathaus und Begrüßung der neu eingebürgerten Hamburgerinnen und Hamburger durch den Ersten Bürgermeister. Zusätzlich gibt es ein persönliches Begrüßungsschreiben des  Bürgermeisters an alle Eingebürgerten.

    Fortführung der Kampagne „Hamburg. Mein Hafen. Deutschland. Mein Zuhause“, einschließlich des erfolgreichen Projekts „Einbürgerungslotsen“

    Behandlung des Themas „Einbürgerung“ im Schulunterricht: Künftig soll die Thematik im Unterricht der Jahrgangsstufen 9 und 10 sowie 11 bis 13 anhand eigens dafür entwickelter Unterrichtsmaterialien behandelt werden. […]

(Senatskanzlei Hamburg, 08.12.2022)

Zur Impudenz des Monats November 2022 küre ich Friedrich Merz, der wieder einmal inhaltlich kongruent zur AfD völkische und sehr schlechte Politik betreibt.

In Ermangelung eigener politischer Konzepte, kopiert Merz immer mehr die AfD, plappert ihre rechtspopulistischen Sprüche nach.

Völlig ungeniert machen CDU und AfD in den Bundesländern gemeinsame Sache.

Der CDU-Partei- und Fraktionschef kennt keinen Anstand und verbreitet das faschistische Narrativ der schmarotzenden Asylanten, die arbeitsscheu die üppigen Sozialleistungen abgriffen, die von den fleißigen Deutschen erarbeitet würden.

Das ist schlimm, weil es gesamtwirtschaftlich gesehen genau umgekehrt ist. Wir sind auf die Arbeitskraft der Migranten angewiesen, weil Deutsche zu faul und körperlich zu schwach geworden sind, um harte Jobs anzunehmen.

Wir brauchen aber nicht nur kräftige willige Menschen, die als  Straßenreiniger, Bauarbeiter oder Spargelstecher taugen (also Migranten), sondern auch kluge gut ausgebildete Fachkräfte, die als IT-Spezialisten, Architekten oder Ingenieure oder Ärzte arbeiten (also Migranten), weil zu viele Deutsche Analphabeten sind, die Schulen zu schlecht sind und viel zu wenig Informatiker ausgebildet werden.

Merzens Lügen sind aber in einem anderen Sinne sogar noch schlimmer: Sie werden nämlich von den meisten Deutschen geglaubt. Und so wird in den täglichen Umfragen eine erleichterte Einbürgerung immer kategorischer abgelehnt.

[…] Tatsächlich hat Deutschland sogar ein doppeltes Migrationsproblem. Es kommen zu wenige Leute zu uns. Und es hauen zu viele Fleißige und Gutqualifizierte ab. Anstatt über die Begrenzung von Zuwanderung zu reden, müsste deshalb auch die Union von früh bis spät über die gegenteiligen Fragen diskutieren: Wie schaffen wir es, mehr Leute ins Land zu holen, wie, sie zu halten?

Ausländer rein – diese Forderung kommt nicht von Multikulti-Träumern, sondern praktisch von allen, die sich auf seriöse Weise mit Wirtschaft und unseren sozialen Sicherungssystemen beschäftigen.

Das Statistische Bundesamt hat es mit kalter Präzision vorausberechnet: Die Zahl der Erwerbspersonen von derzeit etwa 44 Millionen würde ohne Zuwanderung sinken, und zwar um bis zu 25 Prozent bis 2060. Kein Fürsorgesystem der Welt ist in der Lage, das mal eben so abzufedern. Schon gar nicht die deutsche Rentenkasse, die Ähnlichkeit mit einem Schneeballsystem hat.  Die Zuwanderungsdebatte gehört endlich vom Kopf auf die Füße gestellt, das gilt auch für die Union.  [….]

(SPON, 01.12.2022)

CDU und CSU befinden sich nicht nur unangenehmerweise auf rechtspopulistischen Abwegen; sondern sie punkten damit beim Urnenpöbel, der in der Krise nur zu gern in die rechtsfaschistische Ecke folgt und CDUCSU zur beliebtesten Partei kürt.

Immer größere Schnittmengen zwischen CDU und AfD schaden nicht etwa den Christdemokraten, sondern SPD und Grünen.

[….] "Staatsbürgerschaft wird zu leichtfertig vergeben" – Union fordert Einbürgerungstest für Babys

Sie tauchen plötzlich in Deutschland auf, ohne Geld, ohne Job, ohne Ausbildung, ohne Sprachfertigkeiten – und doch erhalten sie problemlos die deutsche Staatsbürgerschaft: Die Rede ist von Babys. Allein 800.000 waren es im Jahr 2021. Die Union will diesen Missstand beheben und fordert einen verpflichtenden Einbürgerungstest spätestens einen Monat nach der Geburt.

"Wir haben herausgefunden, dass die allermeisten Deutschen ihre Staatsbürgerschaft einfach so bei der Geburt ohne irgendwelche Voraussetzungen erhalten", erklärte CDU-Chef Friedrich Merz. "Das ist ein absolutes Unding! Die allermeisten Babys können überhaupt nichts, sind ökonomisch komplett unproduktiv und liegen der Gesellschaft oftmals 15 und mehr Jahre auf der Tasche!"  [….]

(DPO, 29.11.2022)

Eine Schande für die Mehrheit der Deutsche, die diesem rechtspopulistischen CDUAFD-Pfad folgt.

Schande aber insbesondere für Friedrich Merz, der genau weiß, wie sehr er aufhetzt, den rechten Mob mobilisiert, zur Spaltung beiträgt und eben auch der deutschen Ökonomie schwer schadet. Aber Wählerstimmen und damit auch Macht, sind im wichtiger.

Pfui Teufel.

Mittwoch, 30. November 2022

Tiefsitzende europäische Xenophobie Teil II  

Wie wir gestern sahen, frönen die Deutschen mehrheitlich einer tiefsitzenden Xenophobie, die sie nicht nur unsympathisch und amoralisch macht.

Diese Haltung schadet der Deutschen Ökonomie erheblich, da die stärkere Abwehr von Migration den dramatischen Arbeitskräftemangel erheblich verstärkt.

Die Rechtspopulisten der CDUCSU verweigern sich aber diesem „Zuzug für den deutschen Wohlstand“. Lieber ruinieren sie Deutschlands Zukunft, als von ihrer tumben gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit zu lassen.

Der Internetmob wettert unterdessen insbesondere gegen Doppelstaatsbürgerschaft und die geplante Möglichkeit, schon nach fünf Jahren in Deutschland – statt nach acht Jahren wie bisher – einen deutschen Pass beantragen zu können.

Ich bin gegen plebiszitäre Elemente, weil bei grundsätzlichen moralischen Fragen (wie der Todesstrafe!) der „gesunde Menschenverstand“ in Deutschland bedauerlicherweise sehr ungesund ist.


Zudem sind die Fragen nach dem Staatsbürgerschaftsrecht durch die weit verbreitete Ignoranz der Bürger von tiefer Unkenntnis geprägt.

Sie kennen die gegenwärtige Rechtslage gar nicht, wissen nicht, wie man Deutscher wird. Aber das hält sie nicht davon ab, dennoch ihre Meinung heraus zu posaunen und kategorisch eine Verschärfung der Einbürgerungsregeln zu fordern.

Es ist sehr deprimierend zu diesem Thema, die Kommentarspalten von SPIEGEL Online oder MONITOR zu lesen. Die Minderheit der besonnenen Stimmen, die mit der Faktenlage argumentieren, kommen nicht gegen den rechten Mob an.

Kommentatoren mit „Ausländer-Raus“-Weltbild hören nicht auf andere Argumente, glauben keinen Fakten und lesen keine Informationen. Dabei beziehe ich mich nur auf die Online-Debatten in sehr seriösen und vergleichsweise linksliberalen Medien. Was bei BILD-online oder AfD-Facebookseiten zum Thema hyperventiliert wird, will ich gar nicht wissen.

Dank des braunen Narrativs von der „verramschten Staatsbürgerschaft“, das CDU und CSU in den xenophoben Echoraum ausrülpsen, glauben offensichtlich große Teile des Urnenpöbels, kriminelle Muslime ohne Deutschkenntnisse würden durch üppige Sozialleistungen ins Land gelockt und bekämen einen deutschen Pass, quasi im Vorbeigehen, wie ein Kondom im Laufhaus, in die Hand gedrückt.

Das ist natürlich alles Unsinn. Solche Anwärter würden schon an der Loyalitätserklärung scheitern.

Für unbescholtene Bürger ohne deutschen Pass wie mich, stellt sich die Lage nach über einem halben Jahrhundert in Deutschland aber ganz anders dar.

Zunächst einmal: Änderungen am Staatsbürgerschaftsrecht gelten offenbar nicht rückwirkend. Nach heutigem Recht könnte ich längst Deutscher sein. Ich falle aber durch die Maschen, weil es zum Zeitpunkt meiner Geburt andere Gesetze gab.

Ich selbst habe die amerikanische Staatsbürgerschaft und zwar nur den US-Pass.

In den 1960er Jahren in Hamburg geboren, habe immer in Deutschland gelebt. Natürlich ist deutsch meine Muttersprache, ich habe in Hamburg Abitur gemacht, in Hamburg studiert.

Nicht nur musste ich meine gesamten finanziellen Verhältnisse, Aufenthaltstitel, Meldebestätigung, Fotos, Steuerbescheinigung, Steuerbescheide, Mietvertrag, Einkünfte, Steuerunterlagen, den Lebenslauf, alle Zeugnisse und Personenstandsurkunden meiner Eltern und Großeltern vorlegen, sondern alles wurde eingehend von der Behörde geprüft.

Meine Mutter war in Hamburg geborene Deutsche und meine Familie ist seit Jahrhunderten in Norddeutschland ansässig.

Allerdings heiratete meine Mutter einen US-Amerikaner und als ich zur Welt kam, war die Rechtslage so, daß Kinder automatisch die Staatsbürgerschaft des Vaters bekamen. Frauen galten da in Deutschlands Staatsbürgerschaftsrecht noch als gänzlich wertlos. Sowohl Mutter als auch Geburtsort waren irrelevant. Es herrscht immer noch das Ius Sanguinis („Recht des Blutes“, Abstammungsprinzip) und nicht das Ius Soli („Geburtsortsprinzip“) wie in den USA.

Bekanntlich ist seitdem ein halbes Jahrhundert vergangen, aber ich bin und bleibe nach wie vor US-Amerikaner, obwohl ich inzwischen versucht habe Deutscher zu werden.

Das ist das zweite Problem, das in der veröffentlichten Meinung nicht vorkommt:

Meinen Antrag auf Einbürgerung stellte ich Anfang 2019. Alle geforderten Unterlagen konnte ich problemlos liefern. Ich wurde nie straffällig, habe nie Sozialleistungen bezogen, lebe ich gesicherten finanziellen Verhältnissen.

Allein, die Einbürgerungsbehörde arbeitet kaum an meinem Fall.
Die letzte Mitteilung vom Amt für Migration Hamburg erhielt ich am 04.10.2021. Um über meinen Einbürgerungsantrag „abschließend zu entscheiden“ müsse geklärt werden, wo meine Mutter am 01.01.1950 (sic!) wohnhaft gewesen wäre.

Acht Jahre oder fünf Jahre in Deutschland, Herr Merz, Herr Dobrindt,  sind nicht das Problem. Ich muss sogar nachweisen, wo ganz genau in Deutschland meine Deutsche Mutter vor 72 Jahren lebte! Zweiundsiebzig!

Ob man, wie bisher nach acht, ob womöglich zukünftig nach fünf Jahren eingebürgert werden könnte, ist in der Praxis irrelevant.

Alexander Dobrindt, Marco Buschmann, Dijan Bjir-Sarai und Friedrich Merz reden populistischen Unsinn. Der Deutsche Pass wird offenbar nicht „verramscht“, wenn man auch nach über 50 Jahren in Deutschlang mit Deutscher Familie und Deutschen Geburtsort immer noch keinen deutschen Pass bekommt.

Warum tun sie das? Wieso klären sie nicht auf, wie die Fakten wirklich sind?
Ganz einfach: Streng exkludierendes, völkisch anmutendes Staatsbürgerschaftsrecht ist sehr populär. Da kann man „dem Volk“ viel erzählen, weil niemand die Regeln kennt und keiner weiß, wie schwierig es ist, sich einbürgern zu lassen.

Noch etwas: Ich verstehe das Amtsdeutsch, kann in meiner Muttersprache Deutsch antworten und glücklicherweise führte schon mein Uropa eine Familien-Dokumentenmappe, so daß ich sämtliche Geburtsurkunden, Tauscheine u.ä. leicht zur Hand habe. Meine Steuerbescheide und Finanzunterlagen stehen abgeheftet im Arbeitszimmer.

Wer aber als Flüchtling nach Deutschland kommt, wird vermutlich eher nicht Kistenweise Dokumente und Zeugnisse und Steuerbelege dabei haben.

Wie die sich durch den Dschungel der Regelungen kämpfen können, verstehe ich ohnehin nicht. Es sei denn, man schaltet einen Anwalt ein.

Das wird in meinem Fall wohl auch der nächste Schritt sein, nachdem die Einwanderungsbehörde seit vier Jahren nicht vorankommt. Ohne Anwalt (300 Euro ohne Mehrwertsteuer Stundenlohn) habe ich offenbar keine Chance auf einen deutschen Pass.

Dienstag, 29. November 2022

Tiefsitzende europäische Xenophobie  

Die Briten sind nach aktuellen Umfragen gegen den Brexit.

[….] Eine aktuelle Umfrage von YouGov kommt zu dem Schluss, dass 56 Prozent der Briten den Brexit für einen Fehler halten. Ein Fünftel derer, die für den Austritt gestimmt haben, sagen, sie hätten sich getäuscht. [….]

(Tagesschau, 23.11.2022)

Kein Wunder. Das britische Gesundheitssystem steht vor dem Zusammenbruch, der Brexit führte zu massivem Ärztemangel, das Pfund ist abgeschmiert, der Handel um 20% geschrumpft, die Inflation beträgt 12% und 2023 wird eine schwere Rezession erwartet. Alle konservativen und rechtsextremen Versprechen vom entfesselten Britannien waren glatte Lügen. In diesem Winter müssen sich Millionen Briten entscheiden: Heizen oder Essen; für beides reichen die Mittel nicht mehr.

Neben den bürokratischen Zoll-Irrsinn gibt es den großen Hauptgrund für das Desaster: Arbeitskräftemangel.

Anders als sich das die schwäbische Hausfrau denkt, bleibt bei weniger Essern, nicht mehr Kuchen für die Verbliebenen übrig, sondern der Kuchen schrumpft so stark, daß alle weniger haben. Um komplexe ökonomische Zusammenhänge darzustellen, braucht es bessere Metaphern.

[….] Die formalen Hürden für Einwanderer nach Deutschland sollen gesenkt werden. Der Arbeitsmarktforscher Enzo Weber begrüßt das: Eine vernünftig gesteuerte, offene Zuwanderungspolitik helfe der Wirtschaft – sie mache den Kuchen für alle größer.  [….]

(Deutschlandfunk, 29.11.2022)

Dabei haben die Briten noch nicht mal aktiv alle Migranten rausgeworfen, sondern wurden lediglich etwas weniger attraktiv für Zuwanderung.

Ganz ohne „Ausländer“ stünde sofort alles still.

Unglücklicherweise gibt es bei den Themen Nationalismus, Migration und Staatsbürgerschaftsrecht für die Rechten von AfD, CDU, CSU und FDP viel zu gewinnen, daß große Teile des Volkes latent xenophob sind und sich in grober Unkenntnis der aktuellen Rechtslage, sehr leicht für Grenzschließungen und jede migrantenfeindliche Position begeistern lassen.

Daher springt nun auch die FDP wider besseres Wissen und wider ihre eigenen Versprechungen in das braune Merz-Dobrindt-Boot; es ist so schön voller Wähler.

[….] Gerade die FDP hat in der Vergangenheit unterschiedlichen Vorhaben eine Absage erteilt, weil diese so nicht im Koalitionsvertrag stünden. Worauf sich die Ampel aber zum Beispiel geeinigt hat: eine Reform des Staatsangehörigkeitsrechts. Steht so schwarz auf weiß im Koalitionsvertrag auf Seite 94. Doch diverse prominente FDP-Politiker kritisieren den nun bekannt gewordenen Entwurf zur Reform und vermischen dabei die Themen Einwanderung und Abschiebung. Richtig ist, dass im Koalitionsvertrag auch vorgesehen ist, Menschen, die illegal in Deutschland leben, schneller abzuschieben. Dieses Vorhaben ist jedoch nicht Teil des Kapitels zur Einwanderung und daran auch nicht gebunden.  In ihrem eigenen Wahlprogramm hatte die FDP noch ein "liberales Staatsangehörigkeitsrecht" gefordert und sich dafür ausgesprochen, eine Einbürgerung nach bereits vier Jahren zu ermöglichen. Der Gesetzentwurf von Bundesinnenministerin Faeser (SPD) sieht derweil eine Verkürzung der Wartezeit von acht auf fünf Jahren vor. Das ist in vielen anderen EU-Ländern auch der Fall.   […..]

(Monitor, 29.11.2022)

Selbst für Lindner-Verhältnisse, ist es schon erstaunlich erbärmlich, wie die FDP wider besseres Wissens und zum schweren ökonomischen Schaden Deutschlands agiert, um populistisch am rechtsbraunen Rand Wählerstimmen zu ergattern.

Eine schändliche, unverantwortliche Partei, die als Mühlstein am Hals der  Bundesregierung die notwendigen Vorhaben bremst.

[….] Liberale 2022 vs. Liberale 2021:  Die doppelte FDP-Bürgerschaft

Eine erleichterte Einbürgerung hatte die FDP im Wahlkampf gefordert und in den Koalitionsverhandlungen unterzeichnet, trotzdem distanziert sie sich jetzt von der Reform. Auf Druck der Union. […]

(SPON, 29.11.2022)

Merz und Lindner wissen, wie sehr sie Deutschland schaden, aber es ihnen aus machtpolitischen Erwägungen egal. Menschenrechte, Moral und Anstand haben bei Konservativen keine Relevanz. Dabei ist es gerade Deutschland, das mit seiner ausbeuterischen Politik weltweit massiv Fluchtursachen  schafft. Schon deswegen sollte der große Waffenexporteur Deutschland seine Grenzen für Migranten öffnen.

 Aber auch wenn man jede Ethik weglässt, führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, daß Deutschland jetzt schon an massivem Arbeitskräftemangel leidet. Die demographische Entwicklung wird das Desaster massiv verschärfen. Wir brauchen jedes Jahr 400.000 - 500.000 Menschen Nettozuwanderung nach Deutschland.

Um das dem xenophoben deutschen Michl zu verdeutlichen, würde ich gern alle Migranten in Deutschland für einen Monat wegbeamen können. In den Urlaub. In schöne All-inclusive-Clubanlagen. Alle auf einmal.

Dauert es dann Stunden oder vielleicht einen halben Tag bis Deutschland kollabiert? Krankenhäuser, Pflegeheime, Gastro, Lieferdienste, Logistik, Hafen, Dienstleistungen, Paketboten, Reinigungskräfte: Es ginge NICHTS mehr. Millionen Pflegebedürftige würden binnen kurzer Zeit sterben, wenn hunderttausende polnischen Panis nicht mehr für umgerechnet einen Euro die Stunde in Privathaushalten die germanischen Geronten umsorgten.

Vielleicht wäre das ganz heilsam für den rechten Mob, der jetzt pawlowsch sabbernd Nancy Faesers Pläne zur Entrümpelung des Staatsbürgerschaftsrechtes ankläfft.

[…]  Es gibt wegen des demografischen Wandels kein Szenario, wo wir ohne größere Einwanderung auskommen. Wir brauchen im Saldo 400 000 zusätzliche Arbeits- und Fachkräfte im Jahr. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Das haben wir mit dem Einwanderungsgesetz für Fachkräfte vor zwei Jahren zugegeben, aber im internationalen Vergleich sehr spät. Und ausländische Arbeitskräfte müssen hierzulande noch immer vergleichsweise viele Hürden nehmen. Das beginnt bei Engpässen bei der Visavergabe und geht über unterbesetzte Ausländerämter und die Anerkennung der Abschlüsse bis zu den sprachlichen Barrieren. Daher muss die Politik nochmals ran und eine Schippe oben drauflegen. Das soll ja auch passieren.  [….]

(Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, 28.11.2022)

Die allermeisten Deutschen haben noch nicht ansatzweise begriffen, was für eine Katastrophe uns gerade durch MANGELNDE ZUWANDERUNG droht und erwärmen sich dafür, die Migration hierher noch auszubremsen.

Olaf Scholz, Nancy Faeser und alle Wirtschaftsfachleute wissen es besser und versuchen das Volk zu überzeugen. Unglücklicherweise fallen ihnen CDU, FDP und CSU dabei in den Rücken und verbreiten AfD-Propaganda.

Das wird böse enden.

[….]  Ein ernüchternder Kommentar von Chris Pyak (auf Twitter), einem Recruiter für hochqualifizierte Fachkräfte, zur aktuellen Debatte der Reform des Staatsbürgerrechtes in Deutschland: Ich lese tweets zur Staatsangehörigkeit und kann nur noch den Kopf schütteln.

Als jemand der in 7 Ländern gelebt hat & hunderten internationalen Fachkräften bei der Jobsuche in Deutschland geholfen hat:

Liebe Mitbürger – ihr müsst mal in der realen Welt ankommen!

Viele Deutsche leben in einer Fantasiewelt. Hier ein paar Illusionen von denen ihr euch bitte trennt, wenn ihr nicht von der harten Wirklichkeit bestraft werden wollt:

    Niemand, wirklich niemand, träumt davon nach Deutschland zu ziehen.

Fast alle meine Klienten sehen Deutschland als EINE von mehreren Karrieremöglichkeiten. Findet sich ein besseres Angebot in Holland, US, UK – dann gehen sie halt da hin. Das bringt mich zur zweiten Illusion. Die Ausländer die heute kommen müssen nicht “dankbar” sein & auch nix beweisen. Die sind überwiegend BESSER ausgebildet als der Durchschnittsdeutsche.

Erst vorgestern berichtet mir eine indische Fachkraft, dass sie von einem dt. Unternehmen abgelehnt wurde, mit der Begründung “wir stellen nur englischsprachig (!) ein”.

Die Frau hat einen Abschluss von PRINCETON.

Die dritte Illusion: Zu denken dem hochqualifiziertem Expat wäre es egal wenn ihr gegen Asylanten hetzt. Ich hatte bereits mehrfach Coaching Klienten die dringend aus Ostdeutschland wegwollten.

Auf der Straße in #Dresden sah niemand ihren Doktortitel. Nur ihre dunklere Hautfarbe. Jeder von Ihnen wurde regelmäßig beschimpft, bespuckt, bedroht.

Soviel kann kein Arbeitgeber zahlen, dass fähige Menschen sich so erniedrigen lassen.

Vierte Illusion: #Rassismus wäre für Weiße folgenlos. Eine frühere indische Klientin von mir hat nach einem Jahr ihren Forschungsjob gekündigt und ist weggezogen. Damit war das Forschungsprojekt des Arbeitgebers tot. Alle (deutschen) Laborassistentinnen wurden entlassen. Grund: Die Deutschen waren unfreundlich und sie fühlte sich isoliert. Kein Einzelfall, sondern der Regelfall.

Deutschland hat einen schlechten Ruf bei hochqualifizierten Fachkräften.

@InterNationsorg führt jedes Jahr eine weltweite Studie unter Expats durch

Gefragt wird u.a. “Wie freundlich ist ihr Gastland?”  Deutschland landet jedes Jahr auf einem der letzten 4 Plätze. Das hat Folgen.

Wer die BESTEN Fachkräfte will, muss sich um sie bemühen. Wer das nicht tut, bekommt nur jene DIE KEINE ANDERE WAHL haben. Internationale Fachkräfte sehen wie wir z.B. Geflüchtete behandeln – und ziehen ihre Schlüsse. Im Gegensatz zum rechten Pöbel können internationale Fachkräfte auch längere Wörter lesen ohne den Finger zur Hilfe nehmen zu müssen.

Darum verstehen sie: Unser Einwanderungs- und Staatsbürgerschaftsrecht ist designed, um die Bestrafungsphantasien von Rassisten zu bedienen. Und NICHT um die besten Talente der Welt für unser Land zu begeistern. Das muss sich ändern. Das neue #Staatsbuergerschaftsrecht ist ein Schritt dorthin.

PS: Auch die Gesellschaft muss endlich verstehen, wer hier wen braucht.

Ohne Einwanderung ist unsere Wirtschaft & unser Sozialsystem am Arsch:

Ohne #Gastarbeiter hätte es das Wirtschaftswunder nie gegeben.

Heute reduzieren Firmen ihren Bewerberpool an Software-Entwicklern usw. FREIWILLIG um 99% (!) – weil sie nicht auf Englisch einstellen:

http://pyak.eu/klartext

Es ist verrückt: Alle jammern vom #Fachkräftemangel aber nur VIER Prozent aller Firmen stellt auf Englisch ein. 100% Homeoffice bietet auch nur eine Handvoll. Folge: Ich muss teilweise Ivy League (!) Absolventen bei der Jobsuche in DE helfen:  http://immigrantspirit.com/paperback

Wir müssen unsere Gesetze ändern & unser Verhalten.

Meine Frau z.B. lebt seit 10 Jahren in DE, spricht besser Deutsch als die meisten Deutschen und finanziert mit ihren Steuern locker ein kleines Bundesland. Aber Deutsche kann sie mit dem jetzigen Recht nicht werden.

Warum? Sie ist Usbekin. Ihr Land erlaubt theoretisch die Aufgabe der #Staatsbuergerschaft; praktisch aber nicht. Und deutsche Behörden interessiert nur die Theorie. Deutschland zeigt ihr: “Wir wollen Dich nicht!” – und erwarten “Integration”? ENDE

PS: Wer erinnert sich noch an den CDU Slogan “Kinder statt Inder”?

Wer glaubt das wäre möglich sollte dringend diese Zahlen sehen – und danach “Menopause” googeln. (Siehe oben) [….]

(Chris Pyak, 07.06.2021)