Mittwoch, 17. Februar 2021

Spahn, Du nervst.

In großen Krisen guckt man natürlich auf die Regierungsspitzen, hört den Ministern zu, wartet auch offizielle Verlautbarungen und die Darlegung von Plänen.

Man möchte schließlich wissen, wie es weitergeht.

Während einer weltweiten Pandemie mit Millionen Toten und Lockdown des wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Lebens blickt man insbesondere auf den Gesundheitsminister. Dieser verbreitet nun Zuversicht und verspricht etwas, das man gern hört: Schnelltest für Zu Hause und für jeden.

[……] Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will von März an allen Bürgern kostenlose Corona-Schnelltests anbieten. So soll verhindert werden, dass sich das Virus in der Bevölkerung wieder rasch ausbreitet, wenn die Beschränkungen des öffentlichen Lebens gelockert werden. Die Tests seien mittlerweile "ausreichend am Markt verfügbar", teilte Spahn auf Twitter mit. [……]

(SZ, 17.02.2021)

Wow, das würde in der Tat das Leben erheblich vereinfachen, wenn man immer genau wüßte, wer infiziert ist.

Das Problem ist nur, daß wir nach drei Jahren Minister Spahn wissen, was von seinen Versprechen und Ankündigungen zu halten ist. Nämlich gar nichts.

2018 hatte Spahn angesichts des dramatischen Pflegepersonal-Mangels 13.000 neue Altenpfleger als Soforthilfe versprochen.

Es blieb aber bei dem Versprechen. Spahn kümmerte sich nie darum und bis heute gibt es diese Pfleger nicht.

(…..) Bei seinen Kernaufgaben, als beispielsweise den dramatischen Medikamenten-Engpässen oder den 150.000 fehlenden Pflegekräften geht schon gar nichts voran.

Die Marke von 150.000 zusätzlichen Pflegern aus dem Ausland (daß man deutsche Fachkräfte angemessen bezahlen könnte, so daß das ein für mehr Menschen attraktiver Beruf wird, kommt Spahn gar nicht in den Sinn) hat er ganz knapp verfehlt. Etwas unter 5.800 sind es innerhalb der letzten SIEBEN JAHRE geworden.

[…..] So sind in den vergangenen Jahren 5797 Pflegekräfte über ein spezielles Programm aus Bosnien und Herzegowina, Serbien, den Philippinen und Tunesien nach Deutschland gekommen.   Davon wurden seit 2013 3577 Menschen direkt an Arbeitgeber vermittelt, 2220 sind ohne Vermittlung eingereist und haben eine Arbeit als Pflegekraft aufgenommen. Zudem besuchen derzeit in Vietnam 107 Personen einen Deutschsprachkurs, sie sollen ab Mitte 2020 nach Deutschland kommen. Mehr als die Hälfte der eingereisten Pflegekräfte kommt aus den Philippinen. […..]

(SZ, 29.01.2020)

Offenbar nutzt Spahn seine Zeit lieber, um mit Grenell und Kurz anzubändeln, sich mit Rechtsextremen zu treffen und ultrakonservative Seilschaften zu knüpfen. (…..)

(Sehr viel heiße Luft, 31.02.2020)

Spahns Glaubwürdigkeit bewegt sich irgendwo zwischen Pinocchio und Trump.

(…..) Sachpolitik simuliert er aber nur; die meisten seiner Ideen und Vorhaben werden ohnehin nie umgesetzt. Die betroffenen Bürger haben also rein gar nichts davon. Aber das ist auch unnötig, da Spahns Ministeramt ohnehin nur der Befriedigung seiner Eitelkeit dient, ihm Bekanntheit verschaffen und so für höhere Aufgaben empfehlen soll.    Seine in der rechten Presse gefeierten Bemühungen für die 3,4 Millionen Pflegebedürftigen nutzt den Betroffenen also rein gar nichts

Kranke Menschen sind dem Gesundheitsminister, der erfrischend ehrlich sagt, er habe auch keine Lust seine eigenen Eltern zu pflegen, vollkommen egal.

(….) Und eins muss man sagen, Spahn schafft was weg (Merkel): Ein gutes Jahr nach seiner Ankündigung bundesweit 13.000 zusätzliche Pfleger einzustellen (gebraucht werden mindestens 50.000 Zusätzliche), hat er bundesweit schon fast 300 Neueinstellungen geschafft! Yippie, wenn das in dem Tempo weitergeht, sind die 13.000 Stellen in etwa 43 Jahren, also 2062 besetzt. Die 50.000 benötigten Kräfte wären dann im Jahr 2186 einsatzbereit. (….)

(Geld oder berufliches Ansehen, 31.08.2019)

(Realistische Kosten, 22.11.2019)

Seine Corona-bezogenen Ankündigungen sind genauso haltlos und verlogen, wie seine sonstigen Ministerversprechen.

(…..) Im September und Oktober behauptete Spahn, es werde keinen weiteren Lockdown, keine gesperrten Seniorenheime geben. Er richtete sich seine Multimillionen-Oligarchenvilla ein und so gibt es 10 Monate nach Beginn der Pandemie immer noch nicht genügend FFP-Masken.

Auch das nächste Mega-Problem, das sich seit Monaten ankündigt, verschläft Spahn: Wie soll man 80% der Deutschen impfen, wenn Covidioten und Impfgegner erfolgreich dagegen agitieren?

[…..]  Wo ist die Impfkampagne der Bundesregierung?  […..]  Albrecht Broemme, der Ex-Chef des Technischen Hilfswerks und jetzige Koordinator für den Aufbau der Impfzentren in Berlin, hat kürzlich ein Worst-Case-Szenario beschrieben: Der Corona-Impfstoff sei da, er könne aufgrund logistischer Probleme aber nicht verimpft werden. Dann sei, so Broemme in seiner direkten Berliner Art, „die Kacke am Dampfen“.  […..]   Es fehlt: die von der Bundesregierung angekündigte Impfkampagne. Offenbar glaubt sie, die älteren Menschen würden bei der Impfung schon brav mitmachen. Das ist eine Form der Bevormundung – und dazu auch noch ein fahrlässiges Versäumnis.   Sicher, wer Krankheiten wie Tuberkulose noch selbst erlebt hat, hat eine eher positive Einstellung zum Impfen. Aber die Skepsis gegenüber den in Rekordzeit entwickelten Vakzinen ist überall weitverbreitet. [….]

(Tim Szent-Ivanyi, RND, 23.12.2020)

Spahns sagenhafte Unfähigkeit kostet Menschenleben. (…..)

(Totalversager im Schatten, 22.12.2021)

Und nun also mal wieder ein Spahn-Versprechen; Schnelltests für alle.

Wenn Spahn das sagt, ist schon mal eins klar: Das wird nie etwas.

[….] Ein ziemlich leeres Spahn-Versprechen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mag Versprechen – und im Brechen ist er auch gut. Nicht gerade hilfreich, angesichts der ohnehin großen Verunsicherung in der Bevölkerung. So versprach er dem Einzelhandel im September, „mit dem Wissen heute“ keine Läden und Friseure mehr dichtzumachen. Seit Wochen sind die Geschäfte nun wieder geschlossen. Spahn versprach, alle Bewohner von Pflegeheimen bis Mitte Februar durchzuimpfen – noch immer warten Senioren auf ihre Dosis. [….] 

(Mopo, 17.02.2021)

Dienstag, 16. Februar 2021

Nervöse Grüne und Schwarze

Ist das immer noch demoskopische Stagnation oder doch schon eine ganz leichte Aufwärtsbewegung?

Emnid, GMS und INSA messen derzeit 17% für die Scholz-SPD in der Bundestagswahl-Sonntagsfrage.

Als Sozialdemokrat ist man Kummer gewöhnt, aber es frustriert natürlich, daß die Sozis im Wahljahr mal wieder drastisch hinten liegen, obwohl sie diesmal doch alles richtig gemacht haben. Frühzeitige Festlegung auf einen Kanzlerkandidaten. Ohne Chaos. Der Kandidat ist Partei-intern unumstritten, hat die besten demoskopischen Werte aller Sozis in der Gesamtbevölkerung, seine Kompetenz ist unumstritten. Die S-Bundesminister leisten fast durchweg ausgezeichnete Arbeit, die C-Minister versagen fast ausschließlich.

Aber 17%, da gibt es keine zwei Meinungen, sind noch ein Stückchen von Gerhard Schröder 1998er 41%-Regierungsauftrag entfernt.

Dabei lassen sich 1998 und 2021 durchaus vergleichen; denn in beiden Fällen neigt(e) sich eine 16-Jährige lähmend-bräsige CDU-Kanzlerschaft ihrem Ende zu.

Glücklicherweise lassen sich Umfragedaten immer auch mit einem anderen Spin versehen. Mit einigen virtuosen Relationen erscheinen 17% durchaus positiv.

Immerhin ist der Abwärtstrend gestoppt.

Im gesamten zweiten Halbjahr 2019 lagen die Grünen stabil über 25%, kroch die SPD bei 13%. Die Grünen waren doppelt so stark wie die Sozis, träumten davon in einer grünschwarzen Habeck-Söder-Koalition als Seniorpartner den Kanzler zu stellen.

Der grüne Vorsprung ist im Februar 21 fast vollständig dahin. Rote und Grüne liegen gleichauf; er von beiden stärker durchs Ziel gehen wird, läßt sich noch nicht abschätzen.

Zwei Jahre vor den Bundestagswahlen schwebten die Grünen im inhaltslosen Raum, während sich die SPD mit praktischer Politik für die Bürger mühte.

Im  Wahljahr dämmert Teilen des Urnenpöbels aber offensichtlich die Notwendigkeit von konkreten Ideen und Plänen.

Schon haben die Sozis sich Umwelt- und Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben; weil die Grünen ihre ursprüngliche Kernthematik a priori ihren geliebten CDU/CSU-Koalitionen opfern.

Hinzu kommen schwere parteitaktische Fehler aus der 2020 großzügig erweiterten Grünen-Zentrale.

Annalena Baerbock wetterte in der jüngsten Anne-Will-Sendung populistisch für Schulöffnungen – „wir verlieren unsere Kinder“ – an die Adresse des anwesenden Olaf Scholz.

Ein klassisches Eigentor der Obergrünen. Der Bund hat keine Zuständigkeit für Schulen. Bildungspolitik ist Ländersache. In zehn von 16 Bundesländern regieren aber die Grünen.

Noch schädlicher dürfte die von den Hamburger Grünen angefachte Debatte um Baugenehmigungen für Eigenheime sein. Die Grünen wollen keine Baugenehmigungen mehr für Einfamilienhäuser erteilen. Der Bundestagsfraktionsvorsitzende Hofreiter unterstrich diese Ansicht im SPIEGEL-Gespräch – unterstützt vom Linkenchef Riexinger.

Es ist die klassische „5 DM für den Liter Sprit“-Falle. Es ist sachlich und ökologisch richtig auf Mehrfamilienhäuser zu setzen.

Aber es ist politisch unklug so etwas ausgerechnet im Wahljahr heraus zu posaunen. Der Traum vom Eigenheim ist der klassische deutsche Fetisch; womöglich sogar noch wichtiger als das Recht auf sinnloses Autobahn-Rasen. Zudem sind die Grünen-Wähler inzwischen so wohlhabend, daß sich unter ihnen der höchste Prozentsatz von Immobilienbesitzern befindet.

Außerdem haben die Grünen einen weiteren Effekt nicht bedacht – wenn ihrem Wunsch gemäß keine Baugenehmigungen mehr für Einfamilienhäusern erteilt werden, bedeutet das automatisch einen gewaltigen Wertzuwachs für die bestehenden Einzelhäuser. So werden Reiche schlagartig noch reicher und der Immobilienmarkt wird sich noch dramatischer von den finanziellen Möglichkeiten der Wohnungssuchenden entfernen.

Begeistert stürzen sich die Schwarzen auf die Grüne Eselei und haben nach dem Veggie-Day wieder ein populistisches Wahlkampfelement gefunden.

[…..] Da nütze es den Grünen auch nichts, dass Hofreiter im Interview klar macht, dass er nicht für ein Verbot von Einfamilienhäusern ist. Der Streit darum reicht bereits. „Es ist ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt diese Debatte anzufangen“, so Wiesendahl.  „Wir haben Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Das sind Häusle-Bauer-Länder. Das heißt, Hofreiter trifft dort einen bürgerlichen Kern von Wählern, die sicherlich durch diese Debatte abgeschreckt werden.“    […..] So twitterte der Generalsekretär der CDU, Paul Ziemiak, mit Blick auf das Hofreiter-Interview: „Dieser familienfeindliche Vorschlag ist nun auch im Herzen der Bundes-Grünen angekommen. Muss man wissen.“ Hofreiter zeige „exemplarisch für die Grünen deren gestörtes Verhältnis zum Eigentum und der Lebensrealität im ländlichen Raum“, ätzte der thüringische Landesvorsitzende Christian Hirte (CDU). […..]

(MoPo, 16.02.2021)

Und so liegen die Grünen nicht mehr auf Augenhöhe mit der CDUCSU, sondern mit der SPD.

Die Union ist demoskopisch enteilt. Das liegt weitgehend an Angela Merkel, die von vielen SPD-Wählern geliebt wird, die aber nicht mehr antritt.

Ihr Pandemie-Handling wird immer kritischer gesehen; insbesondere weil die anderen C-Größen Seehofer, Spahn, Altmaier und von der Leyen so extrem versagen.

Was ist eigentlich, wenn den Wählern bewußt wird, in der Bundestagswahl nicht zwischen Merkel und Scholz, sondern zwischen Habeck, Scholz und mutmaßlich Laschet auswählen zu müssen.

Bundeskanzler Laschet?    Der NRW-Ministerpräsident wird vom ultrakonservativen homophoben Dunkelkatholiken und Opus-Dei-Schüler Nathanael Liminski geleitet; eine schockierende Tatsache, die den meisten Wählern noch gar nicht bewußt ist.

(….) Hat man [Hendryk Broder] allerdings zufällig auf seiner Seite, sind seine Formulierungen ein absoluter Genuß.
Wenn er in seiner ruhigen Art in einer Talkshow sitzt und anwesenden Bischöfe zur Weißglut bringt, gefällt mir das natürlich.

Unvergessen, als er im Februar 2009 in Illners Schwatzrunde die „affirmative Schleimerei“ des Papst-Bewunderers Nathanael Liminski (23) von der "Generation Benedikt" beklagte.

Der anwesende Bischof (ich glaube es war Jaschke) warf ihm vor den „interreligiösen Dialog“ zu sabotieren, worauf Broder entgegnete er müsse sich diesbezüglich keine Vorhaltungen machen lassen, er führe den „interreligiösen Dialog“ jeden Tag, da er mit einer Katholikin verheiratet sei - das solle der Bischof ihm erst einmal nachmachen. (…..)

(Tammox I, 14.08.2010)

Will man einen von Liminski gesteuerten Laschet wirklich als Kanzler?

Armin Laschet ist ganz offensichtlich intellektuell dabei überfordert sein Bundesland durch eine Pandemie zu steuern.

[….] Wenn Angela Merkel auf Kritik angesprochen wird, antwortet sie mit einem langen Satz, an dessen Ende man nicht mehr weiß, was die Kritik war. Wenn Gerhard Schröder, ihr Vorgänger als Kanzler, auf Kritik angesprochen wurde, tat er gern so, als kenne er den Namen des Kritikers gar nicht: Bitte wer? Wenn Armin Laschet sich mit Kritik konfrontiert sieht, wirkt er, als hätte man ihn persönlich beleidigt.    Kürzlich platzte ihm in einer Videokonferenz mit Merkel und den anderen Ministerpräsidenten der Kragen. Sein Parteifreund, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, hatte angeregt, die Geschäfte noch länger geschlossen zu lassen, Laschet wollte sich gar nicht mehr einkriegen, bis die Kanzlerin ihn beruhigte: "Armin, alle können sehen, wie du dich aufregst."   Doch auch auf Merkel reagierte Laschet in dieser Schalte gereizt. Als sie, wieder einmal, die wissenschaftlichen Kriterien referierte, an denen man die Entscheidung über Lockerungen festmache, unter anderem die sogenannte R-Zahl, fragte Laschet: "Was ist jetzt wieder dieses R?", so wird er von Teilnehmern zitiert. [….]

(DER SPIEGEL, 02.05.2020)

Neun Monate und viele Zehntausende Tote später scheint Ministerpräsident Laschet immer noch nicht mit den simpelsten Pandemie-Kernbegriffen vertraut zu sein und plappert sich populistisch um Kopf und Kragen.

Der Mann, der schon während eines Telefoninterviews in einen Hotel-Pool plumpste und vertuschte, daß er die Hausarbeiten seiner Studenten verloren hatte, indem er sich einfach Zensuren ausdachte und dabei auch Diejenigen bewertete, die gar nicht bei der Klausur anwesend waren, ist privat ein bißchen schusselig.

So ein Tapsigkeit mag bei einem netten alleinstehenden Nachbarn ganz sympathisch sein. Wenn er allerdings auch erzkatholischer Religiot ist und das größte Bundesland mit ähnlichen Fehlleistungen regiert, wird es brenzlig.

Der soll Bundeskanzler werden?

Der Mann mäandert sinnfrei durch eine myriadenfach tödliche Pandemie.

[….] Heute so, morgen so  […..] Vor Kurzem rief Armin Laschet noch zur Vorsicht im Umgang mit Corona auf – jetzt klagt er über vermeintlich erfundene Grenzwerte und warnt davor, Bürger wie »unmündige Kinder« zu behandeln. […..] Im Parlament in Düsseldorf verteidigt der NRW-Ministerpräsident den jüngsten Deal. Immer mal hatte Laschet – vor allem während der ersten Corona-Welle – so agiert, als sei er der liberalste Pandemiebekämpfer Deutschlands. Damals rieb er sich an der Kanzlerin, am bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und an all jenen, die auf eine besonders strenge Linie drängten.   An jenem Donnerstag aber ist Laschet der Mahner.   Man wisse nicht, wie die Virusmutationen am Ende wirkten, sagt der neugewählte CDU-Chef. »Deshalb ist die Vorsicht weiterhin das Richtige, was wir in diesen Tagen tun.« Und was ist mit den Rufen nach langfristigen Öffnungsstrategien? Es sei »eine Illusion«, sagt Laschet, »zu glauben, man könnte das Schritt für Schritt so planen«.  […..] Vier Tage später, Montag, wieder ein Laschet-Auftritt.  […..] Laschet ist jetzt der Lockerer.   […..] »Populär ist, glaube ich, immer noch die Haltung, alles verbieten, streng sein, die Bürger behandeln wie unmündige Kinder«, beklagt Laschet.   Aber: »Wir können unser ganzes Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen.«   Auch hier mahnt er abermals Vorsicht an – sagt allerdings dann: Genauso müsse man »all die anderen Schäden« im Blick haben – für die Gesellschaft, die Wirtschaft, für Selbstständige oder die Kultur.

Laschet klingt nun wieder wie früher. Nur: Was gilt denn nun?   […..] SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil wirft Laschet einen »Schlingerkurs« vor. »Armin Laschet legt die gefühlt 50. Wendung in seiner Corona-Politik hin und gibt jetzt den großen Kritiker der Politik, die er doch eigentlich selbst mitträgt«, sagt er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. […..]

(SPON, 16.02.2021)

Die mächtige rechts-neoliberale Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wird angesichts des debakulierenden Vorstellung ihrer CDU-Freunde so nervös, daß sie viel Geld in die Hand nimmt, um heute in extrem teuren ganzseitigen Anzeigen vor Olaf Scholz zu warnen.

Wenn die INSM vor dem SPD-Kandidaten zittert, bin ich als Sozialdemokrat zufrieden. Es ist ein Ritterschlag und bedeutet „alles richtig gemacht“.

Noch ist die Bundestagswahl 2021 nicht verloren für die SPD.

Montag, 15. Februar 2021

Republikanische Huhn-Ei-Problematik

Nach dem „Freispruch Zweiter Klasse“ für Donald Trump gehen weltweit die Kommentatoren hart mit den Republikanern ins Gericht.

Selbst die konservativsten Analysten sind entsetzt über den Abgrund von Amoral und Feigheit der GOP-Senatoren.

Der liberale Amerika-Korrespondent der SZ kann keinen Funken Hoffnung mehr für die GOP aufbringen.

[……] Die Republikaner sind nicht mehr zu retten. [……]

  Das schändlichste Verhalten eines Präsidenten und die besten Beweise dafür reichen nicht für einen Schuldspruch, wenn es genügend Abgeordnete und Senatoren gibt, die, aus welchen Gründen auch immer, kein politisches Interesse an einer Verurteilung haben.  Genau das ist in dieser Woche in Washington passiert. Hat Donald Trump den Mob aufgehetzt, der am 6. Januar das Kapitol gestürmt hat? Natürlich. Haben die Demokraten das bewiesen? Absolut. Hätte Trump daher wegen "Anstiftung zum Aufstand" verurteilt werden können und müssen? Auf jeden Fall. [……] Aber er wurde eben nicht verurteilt. Nur sieben der 50 republikanischen Senatorinnen und Senatoren schlossen sich den Demokraten an und stimmten für ein Schuldurteil. [……]  Was soll man machen, wenn die Republikaner Trump partout nicht zur Rechenschaft ziehen wollen? Eine der absurdesten Vorstellungen des Prozesses lieferte der republikanische Fraktionschef im Senat, Mitch McConnell ab. "Nicht schuldig", tönte er in den Saal, als über das Urteil abgestimmt wurde. Ein paar Minuten später legte er dann in einer eloquenten Rede dar, dass Trump den Mob am 6. Januar natürlich zu Gewalt angestachelt habe. Zynischer und opportunistischer kann man Politik eigentlich kaum betreiben. [……] Gegen böse politische Geister wie Donald Trump gibt es in einer Demokratie nur eine Abhilfe - Wahlen. Es ist Aufgabe der republikanischen Wähler zu verhindern, dass Trump je wieder ihr Präsidentschaftskandidat wird. Und es ist, wenn die Republikaner dabei wieder versagen, Aufgabe der amerikanischen Wähler zu verhindern, dass Trump noch einmal Präsident wird. [….]

(Hubert Wetzel, 14.02.2021)

Nun könnten nur noch die amerikanischen Wähler die Nation retten.

Für die rechten Funke-Zeitungen schreibt Leitartikler Dirk Hautkapp aus der Zentralredaktion eine Abrechnung.

[….] Donald Trump wollte einen durch seine ureigene Agitation groß und rasend gewordenen Mob als Brechstange gegen das Staatsgefüge einsetzen. [….]   Daß der alleinige Urheber dieses nur durch glückliche Umstände gescheiterten Coup-Versuchs  dafür nicht die ganze Härte des parlamentarischen Sanktionskastens zu spüren bekommt, ist Ausdruck eines Systems, in dem die Republikaner von Wächtern zu Totengräbern der Demokratie mutiert sind. [….]

Dass nur sieben von 50 Konservativen mit den Demokraten stimmten, die im Gegensatz zu Trumps fürchterlichen Winkeladvokaten eine lückenlose Beweiskette aufboten, zeigt die Dimension des moralischen Bankrotts einer Partei, die sich heute zu wesentlichen Teilen rechtsradikalen „Proud Boys“ und Verschwörungstheoretikern wie QAnon mehr verpflichtet fühlt als Abraham Lincoln. [….]   Aber ohne die rückstandslose Ausbootung Trumps und die unmissverständliche Abgrenzung von sämtlichen Extremisten, man kann auch von Inlandsterroristen sprechen, kann die „Grand Old Party“ nicht gesunden. [….]

(WAZ/Abla/Morgenpost, etc, 15.02.2021)

Die Hoffnung auf Mut, Einsicht und Anstand bei der GOP gibt Hautkapp auf.

Stattdessen setzt er auf die Überzeugungskraft Joe Bidens. Durch erfolgreiches Regieren könne er große Teile der 74 Millionen Trump-Wähler eines Besseren belehren. Die würden dem Trumpismus abschwören und die feigen Republikaner bei den nächsten Wahlen abstrafen.

 

Wetzel und Hautkapp hoffen auf den Einfluss der vernünftigeren konservativen Wähler auf die radikalen GOP-Abgeordneten.

Sie sehen offenbar die Parlamentarier als Antreiber des faschistoiden Extremismus und der Irrationalität.

Tatsächlich gibt es unter ihnen absolute Fanatiker – Cruz, Hawley, Jordan, Greene, Gaetz, Brooks, McCarthy – die wie einst Goebbels die Wähler aufhetzen, sie regelrecht zu Gewalt, Unfrieden und antidemokratischen Verhalten jagen.

Stimmte dieser Einfluss-Vektor, der von Parlamentariern auf die Wähler zeigt, könnten sich die amerikanischen Bürger dieser Kraft des Bösen widersetzen, indem sie einfach nicht mehr die rechten Fanatiker der GOP in ihre Ämter wählen.

In Wahrheit ist es aber mindestens eins wechselseitiger Einfluss. Trump, FOX, Cruz, Hawley, Jordan, Greene, Gaetz, Brooks, McCarthy treiben die Wähler nach rechts.

Aber meiner Ansicht nach treiben die ihrerseits von social media und ultrarechten Verschwörungssendern Breitbart, FOX, Newsmax und OAN aufgehetzten Wähler die republikanischen Politiker nach rechts.


Die GOP-Basis ist so radikal ungebildet, rassistisch und rechtsextrem, daß GOP-Politiker, die einen Hauch von Anstand zeigen, in ihren Wahlkreisen sofort einen Aufstand fürchten müssen.

Zuletzt erlebte das die ultrakonservative Liz Cheney, Tochter des GOP-Rechtsaußens Dick Cheney, der als Vizepräsident Hauptkriegstreiber war.

Cheney steht in jeder politischen Frage am äußersten rechten Rand des Parteispektrums.

Als sie aber für das zweite Trump-Impeachment stimmte, machte die fanatische Trump-Basis Jagd auf sie. Don Junior und Matt Gaetz fielen in ihrem  ultrakonservativen Bundestaats Wyoming ein und mischten die Basis so auf, daß Cheney womöglich auch bald durch einen QAnon-Fanatiker ersetzt wird, der an von Juden gesteuerte Space-Laser als Ursache für Waldbrände glaubt und voller Überzeugung berichtet, wie demokratische Parteigrößen in geheimen Kellern Kinder gefangen halten und aussaugen.

Marjorie Taylor Greene, die neue Ikone das absoluten GOP-Wahnsinns läßt frühere Schock-Gestalten wie Michele Bachmann und Sarah Palin wie hochgebildete Liberale wirken.

Ihre Ansichten sind aber lange bekannt und dennoch wurde sie mit 75% in ihrem Wahlkreis Rome, GA in den US-Kongress gewählt.

Bei so einer endgültig und unrettbar debilen Bevölkerung sind Hauptkapps und Wetzels Hoffnungen auf die amerikanischen Wähler, die die GOP zur Vernunft zwingen könnten, a priori zum Scheitern verurteilt.

Diese Menschen sind nicht heilbar und schon gar nicht belehrbar. Sie sind tatsächlich böse und borniert.

Da hilft nur selbstverschuldetes evolutionäres Ausmendeln, weil sie keine Masken tragen und Masken verweigern. Weil sie sich Opioide in die Venen jagen, ihre Geschwister heiraten, betrunken schon jedem Dreijährigen automatische Waffen in die Hand drücken, weil sie Junkfood fressen, oder durch ihre radikale Ablehnung einer Krankenversicherung in einen frühen Tod gehen.

Oder ein Meteorit.

René Pfister vom SPIEGEL besuchte wie so viele andere staunende Journalisten aus aller Welt Greenes Wahlkreis in Georgia. So viel kann ich verraten: Weite Teile der Bevölkerung sind so radikal verblödet, daß sie sich niemals von Greene und Trump distanzieren werden.

 

[…..]  Im No­vem­ber wähl­te der 14. Be­zirk Geor­gi­as Mar­jo­rie Tay­lor Gree­ne als neue Ab­ge­ord­ne­te für den Kon­gress, und seit­her fal­len Re­por­ter in die Stadt mit ih­ren 36 000 Ein­woh­nern ein, als wäre dort ein Ufo ge­lan­det. Sie be­stel­len ei­nen Lat­te an der Broad Street und fra­gen die Pas­san­ten, wie sie auf die Idee kom­men konn­ten, eine Frau zu wäh­len, die Nan­cy Pe­lo­si, der Che­fin der De­mo­kra­ten im Re­prä­sen­tan­ten­haus, eine Ku­gel in den Kopf wünsch­te. Und die der Mei­nung war, in Wa­shing­ton re­gie­re eine sa­ta­ni­sche Sek­te, die Kin­dern das Blut ab­zapft.
Seit sich Do­nald Trump in sein Gol­f­re­sort in Flo­ri­da ver­zo­gen hat, ist Mar­jo­rie Tay­lor Gree­ne der neue Star der Rech­ten in Ame­ri­ka. Gree­ne hat sich ein Haus in Rome ge­kauft, ei­ner Stadt, in der die Re­stau­rants trotz Pan­de­mie schon zum Früh­stück rap­pel­voll sind. Es hat hier in der Ge­gend kaum je­man­den ge­stört, als mit­ten in Gree­nes Wahl­kampf ein Vi­deo auf­tauch­te, in dem sie Black-Li­ves-Mat­ter-Ak­ti­vis­ten mit Neo­na­zis ver­glich und sag­te, wer den Is­lam und die Scha­ria möge, soll­te am bes­ten gar nicht in die USA kom­men, son­dern da blei­ben, wo »ihr eine Men­ge Frau­en, Zie­gen und Scha­fe ha­ben könnt«. Bei der Wahl am 3. No­vem­ber schlug Gree­ne ih­ren de­mo­kra­ti­schen Ge­gen­kan­di­da­ten mit 74,7 Pro­zent der Stim­men.
[…..]  Kath­le­en Thor­man blin­zelt ei­nen Tag da­nach in die mil­de Win­ter­son­ne Geor­gi­as und sagt, Sor­gen be­rei­te­ten ihr die Wor­te des neu­en Prä­si­den­ten, nicht die von Mar­jo­rie Tay­lor Gree­ne. »Wir brau­chen je­man­den, der Ame­ri­ka schützt und uns vor dem So­zia­lis­mus be­wahrt.« Thor­man ist eine freund­li­che Frau von 64 Jah­ren, um de­ren Hals ein Kreuz bau­melt und die neun Kin­der groß­ge­zo­gen hat. […..]  . Wie die meis­ten Re­pu­bli­ka­ner hier traut sie den Me­di­en nicht über den Weg.
Thor­man ist Vor­sit­zen­de der Re­pu­bli­ka­ni­schen Par­tei in Gor­don Coun­ty, das zu Gree­nes Wahl­kreis ge­hört. Als sich Gree­ne für den frei wer­den­den Sitz im Kon­gress be­warb, war Thor­man erst ein­mal skep­tisch. Aber dann hör­te sie Gree­ne re­den: von der Ge­fahr, die dro­he, wenn die De­mo­kra­ten erst ein­mal das Sa­gen hät­ten in Wa­shing­ton. Von den Flücht­lin­gen, die dann das Land stür­men wür­den, und der staat­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, von der doch nur jene pro­fi­tier­ten, die auf der fau­len Haut lä­gen.
[…..]  Die »Idea­le«, für die der Sü­den kämpf­te, wa­ren die Skla­ve­rei und die Un­ter­drü­ckung der Schwar­zen. […..]  Rund ein Vier­tel der re­pu­bli­ka­ni­schen An­hän­ger glaubt, dass an den QA­non-Theo­ri­en et­was dran sei, wo­nach etwa die De­mo­kra­ten in Wahr­heit eine sa­ta­ni­sche Sek­te sei­en. Und mehr als drei Vier­tel der re­pu­bli­ka­ni­schen An­hän­ger sind der Mei­nung, Trump sei am 3. No­vem­ber der Sieg ge­stoh­len wor­den. »Trump won«, stand auf der Mas­ke Gree­nes, als sie am 3. Ja­nu­ar den Kon­gress be­trat, um ih­ren Eid als Ab­ge­ord­ne­te ab­zu­le­gen. Drei Tage spä­ter stürm­te ein wü­ten­der Trump-Mob in das Herz der ame­ri­ka­ni­schen De­mo­kra­tie. […..] 

 (DER SPIEGEL, 13.02.2021)

 

Es wird Zeit, daß ich die deutsche Staatsbürgerschaft bekomme.

Sonntag, 14. Februar 2021

Too many fucking egoists

Es liegt in der Natur der Sache: Mit etwas Geschick kann man aus einer Biontech-Vakzin-Ampulle statt fünf auch sechs, möglicherweise sogar sieben Impfdosen gewinnen.

Er wird in Trockeneis bei -78,64 °C gelagert, hält einen Monat und muss nach dem Auftauen schnell verbraucht werden, weil er nach dem Anbruch nur wenige Tage auf Kühlschranktemperatur verwendbar ist und nicht wieder eingefroren werden kann.

In der Praxis wird man also immer mal wieder nach der Abarbeitung eines Impfplans streng nach Patientenpriorität einige Impfdosen übrig behalten, die man zügig verimpft werden sollten, da sie sonst entsorgt werden müssen.

Das wäre während einer Pandemie mit viel zu knappen Vakzin-Mengen aberwitzig und unmoralisch.

In solchen Fällen wird unter den Anwesenden gelost, entscheidet ein Zufallsgenerator oder es wird ohne das Thema aufzublasen einfach subjektiv von den Impf-Teams entschieden.

Nun gibt es seit ein, zwei Wochen zunehmend Berichte über Impfvordrängler.

Das Thema wird in Boulevardmedien und unter Verschwörungstheoretikern natürlich gehypt, um Stimmung gegen „die Obrigkeiten“ zu machen und das Vertrauen in den Staat zu untergraben.

[…..] Kommunalpolitiker, kirchliche Würdenträger oder Polizisten: Zahlreiche Berichte über Personen, die sich unberechtigterweise gegen das Coronavirus haben impfen lassen, machten in den vergangenen Tagen die Runde. […..]

(Tagesschau, 12.02.2021)

Aber auch seriöse Medien, wie der SPIEGEL in seiner aktuellsten Ausgabe berichten von Zufallsgeneratoren, die im Fall von außer der Reihe zu vergebenden Impfdosen scheinbar wenig zufällig die Mächtigsten auswählen: Oberbürgermeister, Landräte, Stadträte, DRK-Chefs mitsamt Ehefrau, Bischöfe, Generalvikare, Funktionäre und viele Polizisten.

[…..] War­um aus­ge­rech­net der Rat­haus­chef die­ses Pri­vi­leg er­hielt und nicht bei­spiels­wei­se ein be­tag­ter Hoch­ri­si­ko­pa­ti­ent oder ein Me­di­zi­ner, wur­de aus Wie­gan­ds Schil­de­run­gen nicht recht klar. Es gebe für sol­che Fäl­le eine Lis­te mit wich­ti­gen Per­so­nen der Stadt, da ste­he er drauf, so Wie­gand. Au­ßer­dem soll in dem Ver­fah­ren noch ein »Zu­falls­ge­ne­ra­tor« eine Rol­le ge­spielt ha­ben – wel­che ge­nau, wuss­te der Ober­bür­ger­meis­ter [von Halle] in­des nicht zu er­klä­ren. Vom Impf­team in der Dia­ko­nie sei ihm aber ver­si­chert wor­den: Wenn er nicht so­fort kom­me, wer­de der ver­derb­li­che Impf­stoff »weg­ge­wor­fen«. [……]

(DER SPIEGEL, 13.02.2021)

Es ist wie so oft bei Politikerskandälchen:

Eine Petitesse, eine Ärgerlichkeit triggert das Gerechtigkeitsgefühl der Bürger.

Der Imageschaden für „die Politiker“ insgesamt, der Vertrauensverlust in die politische Klasse ist um ein Vielfaches schwerwiegender als die eigentliche Tat.

Und gerade in der Pandemie brauchen wir dringend Vertrauen in das Führungspersonal. Aber dieses Vertrauen wird von den partiell kriminellen Großversagern wie Jens Spahn, der nicht nur einen gewaltigen finanziellen Schaden für den Staat anrichtet, sondern dessen Maskendebakel womöglich auch zu Myriaden unnötig Infizierten geführt hat, ohnehin schon strapaziert.

Es versteht nur kaum ein Bürger wie das EU-Beschaffungsprogramm für die Impfstoffe verschiedener Hersteller funktionierte. Das Impfstoffdebakel zerstört das Fundament des Staates. Spahn kommt demoskopisch glimpflich davon, weil seine Entscheidungsprozesse ohnehin für die meisten nicht nachvollziehbar sind.

Sehr plastisch vorstellen kann sich aber Otto Normalverbraucher, der für Oma und Opa stundenlang die Impfhotline anwählte, wie dringend man die Impfung braucht und platzt dann vor Wut über den Landrat, der sich mal eben vordrängelt.

Es ist wie mit Ulla Schmidts Dienstwagen. Kaum einer versteht eine Gesundheitsreform oder kann nachvollziehen wie und wofür die vielen Milliarden in der Pharmaindustrie versickern.

Aber eine in Spanien bereitgestellte Dienstlimousine zum Preis weniger tausend Euro regt das Volk über alle Maßen auf. Das sind die Dimensionen, in denen man denken kann.

Es ist mir herzlich egal, ob sich bei 50, 60 oder 70 Millionen zu impfenden Personen in Deutschland, ein paar Dutzend Funktionäre vordrängeln.

Es wäre naiv anzunehmen, dabei käme es zu keinen Unregelmäßigkeiten.

Selbstverständlich ist der Egoismus einzelner größer als das Verständnis für den Vertrauensschaden, den sie in Deutschland anrichten.

Sie sollten wissen, daß keine Zeitung, keine Boulevardsendung und keine Verschwörungstheoretiker-Facebookgruppe über die 90% oder 99% Mitglieder der Impfteams berichten, die bei übrig gebliebenen Vakzinen verantwortungsvoll agieren und nicht irgendwelche Bonzen bevorzugen.

Menschen sind Idioten und deswegen machen die ertappten Impfvordrängler es wie 99% der bei Betrügereien erwischten Funktionäre stets noch schlimmer. Das Handling des Skandals wird durch Leugnen, Salamitaktik und erbärmliche Ausreden viel schlimmer als der eigentliche Skandal.

Statt einfach zuzugeben, sich vorgedrängelt zu haben und kleinlaut Besserung zu geloben, kommen sie mit abenteuerlichen Geschichten von Zufallsgeneratoren, die ihren Namen ausgespuckt hätten.

Besonders dreist verhalten sich Kirchenfürsten wie der 60-jährige Augsburger Bischof Bertram Meier und sein Generalvikar Harald Heinrich.

Als Seelsorger dürfe er nicht seine Schäfchen in Pflegeheimen gefährden.

[…..] „Ich habe mich nach der Impfung nicht gedrängelt“, betonte er. "Die kranken und alten Menschen in den Heimen brauchen Zuwendung und menschliche Nähe. Wer besucht sie denn noch? Sie brauchen aber auch die größtmögliche Sicherheit, dass ihnen niemand die Viren ins Zimmer bringt", so der Bischof. […..]

(BR, 10.02.2021)

Allerliebst. Das sagt der Bischof nach einem Jahr, in dem Millionen verzweifelte Angehörige nicht mehr ihre kranken oder dementen Familienmitglieder besuchen durften. Myriaden Kindern und Ehepartnern das Herz gebrochen wurde, weil ihre Liebsten allein gestorben sind und sie sich nicht verabschieden konnten.

Aber ich bedauere keinen weiteren Imageschaden für die Kirche. Sie ist ohnehin ein Parasit und sollte sich ihrem Ende entgegenschrumpfen.

Bei der Politik ist es anders. Die brauchen wir noch.

Samstag, 13. Februar 2021

Too many fucking idiots.

Es ist kalt und da in Hamburgs Zentrum ein großer See ist, warten wir alle darauf, ob die Außenalster so zufriert, daß man gefahrlos darauf herum laufen kann.

Wie sich jeder mit einem IQ über Zimmertemperatur vorstellen kann, besteht ein Unterschied zwischen der ersten hauchdünnen Eisfläche und der Eisstärke, ab der 500.000 Menschen auf der Alster umhertrampeln dürfen.

Es gilt eine lange Zeit abzuwarten, während sämtliche Behörden, Zeitungen, Ämter, TV-Sendungen, Polizisten und Radioshows dringend davor waren das Eis zu betreten.

Leider gibt es einfach zu viele Idioten auf der Welt -  auch in Hamburg.

[….] Von 6 bis 19.30 Uhr verzeichnete die Polizei am Samstag 170 Einsätze, wie der Lagedienst auf MOPO-Nachfrage mitteilte. Am Freitag waren es bereits 121 Einsätze gewesen. „Erschreckende Szenen“ seien das teilweise gewesen, wie ein Sprecher sagte. Vor allem das Verhalten der Leute an und auf der Alster bereitet den Beamten Sorge: „Das Eis trägt nicht. Es besteht akute Lebensgefahr.“ Am Leinpfad brach eine 13-Jährige in die Alster ein und musste gerettet werden. Das Mädchen blieb aber zum Glück unverletzt, wie die Polizei der MOPO bestätigte.   Die Alster sieht an Teilen zugefroren aus – sie ist aber laut Polizei noch nicht dich genug, um sie zu betreten. [….] Für das Wochenende mobilisierte die Polizei ihre Kräfte und will weiter verstärkt Eisflächen kontrollieren, zu Land und aus der Luft: „Die Wasserschutzpolizei wird entsprechende Gebiete verstärkt bewachen, dazu wird ein Hubschrauber unterwegs sein“, so der Sprecher.  Auch mehrere Familien mit Kindern seien auf gefährliche Eisflächen gegangen. „Es gab zahlreiche Platzverweise, weil viele nicht einsichtig waren“, so der Sprecher weiter. In einem anderen Fall informierten die Beamten sogar das Jugendamt wegen Verdachts auf Kindeswohlgefährdung. […..]

(MoPo, 13.02.2021)

 

Themensprung zum Impeachment.

Es geht nicht darum was richtig ist, es geht nicht darum was Recht ist und schon gar nicht geht es darum was moralisch ist.

Natürlich müsste der US-Senat Donald Trump bei seinem zweiten Impeachment schuldig sprechen. Die Beweise sind überwältigend.

[…..]   Anklageführer Jamie Raskin begann direkt im Anschluss mit seinem Schlussplädoyer. Er forderte mit Nachdruck eine Verurteilung Trumps. Die Beweislast für Trumps Verantwortung für die Erstürmung des Kapitols durch seine Anhänger am 6. Januar sei »überwältigend und unwiderlegbar«, sagte Raskin. Trump habe den Mob nach Washington gerufen, die Menge angestachelt und dann das Feuer entfacht, argumentierte der Demokrat.   Der Ex-Präsident habe keine Reue gezeigt, sondern sich an der Gewalt »ergötzt«, so Raskin. Es handle sich um eine gravierende Missachtung seines Amtseids. Er sei an jenem Tag nicht der Oberkommandierende der Streitkräfte, sondern der »Ober-Anstifter« des Mobs gewesen, sagte der Ankläger. »Trump unterstützte das Handeln des Mobs.« […..]

(SPON, 13.02.2021)

Direkt nach den tödlichen Ausschreitungen am 06.01.2020 hatten sich schon die mächtigsten GOP-Senatoren Graham und McConnell leicht von Trump abgesetzt, signalisiert, daß sie ein Impeachment akzeptieren könnten.

Inzwischen sind die Beweise noch viel dramatischer. Es war schlimmer und mörderischer als man zunächst wußte.

Außerdem blockiert die Person Trump die Präsidentschaftsambitionen anderer Senatoren und fungiert offensichtlich als Urnengift.

Dennoch sind Leningrad-Lindsey und Moscow-Mitch gleich wieder umgefallen, sitzen nun wieder fest im Mastdarm Trumps.

Die orange Drohung ist größer als Recht und Moral.

[…..] Insgesamt ist die Partei bis hinunter in die Ortsverbände vom Trumpismus infiziert. Trump hält die Partei umklammert. Aber der größte Teil der Partei fühlt sich in dieser Umklammerung sehr wohl.    […..] Wie das in der Praxis aussieht, musste Cheney, die den Bundesstaat Wyoming im Repräsentantenhaus vertritt, vor zwei Wochen erleben. […..] Für Liz Cheney könnte das Votum gegen Trump das Ende ihrer politischen Karriere bedeuten. […..] Auch andere Republikaner, die Kritik an Trump wagen, bekommen den Zorn der Parteibasis zu spüren. Ein guter Teil jener Abgeordneten und Senatoren, die für das Impeachment gestimmt haben, wurden von den Parteiverbänden in ihren Heimatstaaten umgehend gerügt. Zuletzt erwischte es Senator Bill Cassidy aus Louisiana. Er hatte am Dienstag als einer von sechs Republikanern mit den Demokraten dafür gestimmt, dass der Impeachment-Prozess verfassungsgemäß ist und fortgesetzt werden soll. Die Republikanische Partei in der Hauptstadt Baton Rouge nannte das "einen Verrat am Volk von Louisiana und eine Zurückweisung all jener, die Präsident Trump unterstützen".Für republikanische Politiker gibt es daher wenig zu gewinnen, wenn sie sich gegen Trump stellen. Eher bringen sie sich dadurch in Gefahr. Einer aktuellen Umfrage zufolge sagen fast 70 Prozent aller republikanischen Wähler, dass sie nicht für einen Kongresskandidaten stimmen wollten, der für Trumps Verurteilung votiert hat. […..]

(Hubert Wetzel, SZ, 13.02.2021)

Es ist letztlich wie mit Covidioten in Sachsen oder den Eis-Einbrechern auf der Hamburger Außenalster.

Politik könnte schon das Richtige tun, aber es gibt einfach zu viele Idioten auf der Welt.

Vor diesen Idioten des US-Wahlvolks kriechen die GOPer, da ihr Mehrheitswahlrecht ihnen sonst das Amt kosten könnte.

Freitag, 12. Februar 2021

Woelkige Schavan.

Eine noch schlimmere Katholidiotin als Andreas Nahles ist Annette Schavan, die ihr Leben lang keusch blieb und das Stundengebet durchführt.

Die baden-württembergische Abiturientin (das ist der höchste akademische Titel der ehemaligen Forschungsministerin nachdem ihre Schummeleien aufflogen) durfte Dank ihrer Busenfreundin Angela Merkel von 2014 bis 2018 ihren Lebenstraum erfüllen.


Als erste Nicht-Akademikerin wurde sie Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland beim Vatikan, setzte sich artig einen schwarzen Deckel auf den Bubikopf*, durfte vor dem Papst knicksen und sauste auf einer roten Vespa durch die Vatikanstadt.

*[…..] „Liebe Annette Schavan, Sie haben ein wunderbares, unverheiratetes Lehrerinnen-Gesicht. Ihre Frisur ist bubihaft. So kämmten sich Frauen vor 30 Jahren. Sie sind wie eine Cousine, die keinen Mann bekommen hat. Wahrscheinlich essen Sie gerne Ziegenkäse.“ […..]

(FJ Wagner, BILD, 24.01.2013)

Zurück im ketzerischen Deutschland beschäftigt sich die fromme Frau, wenig überraschend, mit der katholischen Kirche.

Eine halbe Zeitungsseite bekam die Katholibanin im Meinungsteil der Freitagsausgabe der SZ, um die Megakrise des rheinischen Katholizismus‘ um Kardinal Woelki zu erklären, um Auswege aufzuzeichnen.

Es ist faszinierend; wie bei der großen Theodizee-Frage, die auch trotz intensiven Nachdenkens Millionen katholischerer Gelehrter über Jahrhunderte keine Antwort findet, weiß auch Profi-Katholikin Schavan nach einem halben Jahrhundert des täglichen Betens und Bibelstudiums nichts, um den Bedeutungsverlust der Kirche aufzuhalten.

Freilich hält es sich nicht davon ab, ihr Nichtwissen und ihre Ratlosigkeit in epischer Breite mit theologischen Floskeln niederzuschreiben.

Wie immer klingt das für Desinteressierte, Ungebildete und flüchtige Zuhörer tiefgründig und schwerwiegend.

Liest man Schavans Worte aber ein, zweimal aufmerksam, vielleicht auch laut, fällt alles in sich zusammen zu einem sinnfreien Phrasenbrei, der glücklicherweise Atheisten wie mir keinerlei Anlass gibt, freundlicher über die RKK zu denken.

[…..] "Ohne Vision keine Mission." […..] "Wir haben (...) das weit größere Problem, dass die Mehrheit der Christen, obwohl sie getauft sind, so dahinlebt, als ob es Gott nicht gäbe." […..] Wie wirken solche Aussagen auf gewöhnliche Christen, die sich redlich mühen, ihr Leben mit Anstand zu leben und ihren Glauben ebenso, auch in Zeiten des Zweifels und der Mühsal? […..] Diese Pandemie wirkt auch klärend und deckt Schwachstellen auf. Sie lässt erkennen, dass mehr Weltgemeinschaft notwendig ist. Gerade jetzt könnte die Weltkirche Impulse geben. […..] Dies ersetzt aber nicht die Kraft zu prophetischen Visionen bei jenen, die in der Kirche leiten […..] Es haben sich viele hoch engagierte Menschen auf den Synodalen Weg begeben, […..] die Jahre und Jahrzehnte auch im öffentlichen Leben Zeugnis von ihrem Glauben geben […..]; sie wissen um den Wert der Weltkirche. […..] Das Land der Reformation war immer besonders unter Beobachtung und wird es auch bleiben. Dagegen hilft nur eines: Kommunikation. […..] Und doch ist es, ein wenig schwärmerisch gesagt: ein wunderbarer Katholizismus, der für die Weltkirche immer wichtig war und der nun zu zerbrechen droht. […..] Diese Weite darf in Köln nicht verloren gehen. […..]

(A. Schavan, 12.02.2021)

Irgendwie sollten die Chefs mehr Visionen haben und mehr führen. Das Kirchenvolk weiß zwar, daß seine Wünsche für die Hermelin-bepelzten kurialen Kleriker im Vatikan ohnehin irrelevant sind, aber Franz ist womöglich gar nicht so streng wie man denkt, wenn man doch nur mehr miteinander rede.

Ich bin begeistert. Die inhaltliche Ebene tangiert Schavan gar nicht erst.

Das massenhafte Kinderfi**en, die Vertuschung, die Pädosex- und Gewalt-fördernden Strukturen, den Menschenrechtsantagonismus, die abenteuerlichen Finanzen – all das ist kein Thema für die Vatikanbotschafterin a.D..

Schon gar nicht weiß sie eine Erklärung weshalb ein vernunftbegabter Mensch eigentlich überhaupt für diese Ideologie einer primitiven Hirtenkultur durch seine Mitgliedschaft zahlen soll.

Aber die Katholiken sollten zusammenhalten, auf ihre Bischöfe hören und viel darüber reden.

Was für ein geistiges Armutszeugnis der langjährigen Ministerin.

Da bekommt sie in der auflagenstärksten seriösen Zeitung Europas in der Freitagsausgabe eine halbe Seite für einen persönlichen Debattenbeitrag ihres Leib- und Magenthemas, aber ihr fällt kein einziger Satz ein, der hängenbliebe oder gar lösungsorientiert ihrem Anliegen diente.

Die 400.000 Geistliche bilden die Führung der 1,3 Milliarden Katholiken Sie haben offenkundig versagt.

Schavan demonstriert, wie schwach die katholischen Laien sind.

Die RKK geht in Europa unweigerlich ihrem Ende entgehen.

Donnerstag, 11. Februar 2021

Twen-Hygiene

Heute war ich Pandemie-konform erst nach 21.00 Uhr und auch nach einer längeren Pause Grocery-shopping.

Wenn man nur alle zwei, drei Wochen einmal Lebensmittel kauft, hat man natürlich weniger Kontakte, als wenn man alle zwei Tage ein paar Kleinigkeiten kauft.

Außerdem versuche ich die Stoßzeiten vermeiden, so daß der Laden möglichst leer ist.

Schlecht ist beispielsweise kurz nach Ladenöffnung zwischen 08.00 und 09.00 Uhr, weil dann Rentner die Bude stürmen.

Die haben den ganzen Tag nichts zu tun, können sich die Zeit einteilen, leiden aber offensichtlich alle an seniler Bettflucht und müssen sich unbedingt zu den Stoßzeiten, im morgendlichen Berufsverkehr auch ins Gewimmel werfen.

Die Mittagszeit ist auch nicht so gut, weil dann die Menschen aus dem umliegenden Büros und dem Gymnasium nebenan in Grüppchen bei REWE und EDEKA einfallen, um sich Cola, Chips, Kaffee in Plastikbechern mit Strohhalm und Zigaretten zu kaufen.

Nur das Allernötigste

Zwischen 17.00 und 18.30 Uhr ist ebenfalls eine schlechte Großeinkaufszeit, weil all die Berufstätigen auf dem Rückweg von der Arbeit noch zwischen den Yoghurt-Regalen einfallen.

21.00 Uhr ist eher meine Zeit. Da hat man noch eine Stunde Zeit bis sie zumachen und die Massen sind nicht mehr da.

Am liebsten wären mir natürlich 24/7-Öffnungszeiten wie in den USA. Dann würde ich nur nachts einkaufen. Unter Pandemiegesichtspunkten wäre es ohnehin besser, weil sich die Kunden besser verteilen würden.

Das Problem der Lebensmittel-Spätschicht ist nur, daß dann all die Twens invasieren, die scheinbar tagsüber „chillen“ und denen kurz vor Ladenschluss einfällt, noch Chia-Samen, Prosecco und abgepackten Nudelsalat zu brauchen.

Das Problem an Twens ist wiederum, daß die alle verblödet sind.

Zugegeben, sie sind nicht ganz so hirnlos wie Teens, aber schon noch recht desorientiert.

Twens sind in diesem unangenehmen Alter, in dem man glaubt schon erwachsen zu sein, sich dementsprechend selbstbewußt benimmt, aber noch nicht erkannt hat, wie ernst das Leben sein kann.

Sie halten sich noch für unverletzlich und wissen nicht, daß man irgendwann schlechter sieht, weniger attraktiv wird, einem Haare aus den Ohren wachsen, man Bauch ansetzt, der Rücken beim Aufstehen Geräusche macht.

Twens ahnen gar nicht, daß sie auch mal krank und alt werden, daß man Vorsorge betreiben muss und es generell nicht besser wird.

Daher erkennen Twens auch nicht die Gefahr einer Pandemie. Sie erachten ihr eigenes Immunsystem als nahezu unbesiegbar und sind daher auch davon überzeugt im Falle einer Ansteckung den Covid19-Verlauf kaum zu bemerken.

Also achten sie auch nicht an Abstandsregeln, pressen sich an fremde +50Männer heran, die gerade in die Käse-Auslage starren und nicht von der jungen Generation molestiert werden wollen.

Ein weiteres Manko der Twen-Männer besteht darin, daß sie keinen individuellen Stil kennen und dementsprechend einheitlich frisiert und gekleidet sind.

(Das war wenigstens zu meiner Teen- und Twen-Zeit mangels Social Media noch anders. Damals pflegte man sein individuelles Aussehen.)

99,5% aller Twen-Männer tragen Vollbart. Niemand wagt es der Modepolizei entgegen zu treten.

Daher sind diese Bärte der Jungen schon zu einem Symbol für jugendliche Männlichkeit geworden, so daß Typen, die auf die 40 zugehen, wie zB Christian Lindner, natürlich auch Vollbart tragen.

Ich verachte diesen Trend, weil ich a) diese Uniformität grundsätzlich ablehne und b) Bärte ohnehin ekelig finde.

Es ist aber nur ein kleines b), da ich solche Wesen glücklicherweise nicht küssen muss.

Durch die Pandemie gibt es aber zwei weitere Vollbart-Probleme.

Bärte sind nämlich, c) prinzipiell unhygienisch.

(…..)  Durch Social Media nivelliert trauen sich Millennials keinen eigenen Stil mehr. Sie sehen alle vollkommen gleich aus.

99% rasieren sich Achseln und Hoden; das ist mir egal, da ich das üblicherweise nicht sehe.

Aber die Abstrusität, daß sich eben diese 99% der Ganzkörper-Epilierten auch alle einen Vollbart wachsen lassen, ist nicht nur optisch beleidigend und zeigt den erbärmlichen Uniformitäts-Drang der Jugend, sondern ist zudem auch noch extrem unhygienisch. Vollbärte sind ein Alptraum für Virologen, weil sie die perfekten Siff-Biotope für Keime aller Art sind. In einer durchschnittlichen Männer-Gesichtsbehaarung finden sich mehr Fäkalbakterien als in einer Kloschüssel. Die armen Frauen, die so etwas küssen müssen.

Bärtige Männer sind verkeimter als Straßenhunde.

[….] Wie sich zeigte, waren die Männerbärte deutlich unhygienischer als der gewöhnliche Hundepelz. So wiesen die Forscher in den Bärten der Männer deutlich mehr Keime nach – mehr als 30 „kolonienbildende Einheiten“ – als im Nackenpelz der Tiere. Dort fanden die Experten bei den Tieren die meisten Keime. Bei sieben Männern wiesen die Forscher außerdem den Menschen krankmachende Erreger nach, aber nur bei vier Hunden.

Deutlich weniger Keime in den Maulabstrichen der Hunde

Bei den Mund- und Maulabstrichen kamen die Forscher zu einem ähnlichen Ergebnis. [….]

(Rundschau, 24.04.2020) 

[……]   Männer sollten dringend dazu angehalten werden sich ihre ekeligen Bärte abzurasieren, um herumirrenden Sars-Cov2s keine perfekte Heimat mehr zu bieten.

[…..] Man könnte also annehmen, dass sich bärtige Männer während der Corona-Pandemie tatsächlich einem höheren Infektionsrisiko aussetzen als Männer ohne Bart – zumindest unter bestimmten Umständen.

Tröpfcheninfektion: Bart tragen als Gefahr?    Woran genau liegt das? Das Coronavirus wird per Tröpfcheninfektion übertragen. Dabei bleiben die Viren leicht in den Barthaaren hängen. Das berichtet die „Augsburger Allgemeine“.

Auch wenn sich Männer ins Gesicht fassen, bleiben die Viren der Hände am Bart haften. Die Gefahr: Die Viren gelangen vom Bart aus leichter in Mund, Nase und Augen – und somit in die Schleimhäute.

 „Sie müssen sich rasieren!“ – die Worte des Präsidenten der Vereinigung der Notärzte in Frankreich, Patrick Pelloux. Er riet schon vor Wochen vom Bart tragen ab und beschrieb dies als Infektionsgefahr für die Bevölkerung. Warum? Das Coronavirus könne über einen langen Zeitraum in den Barthaaren überleben, warnt er.    Und nicht nur das: Die Schutzwirkung von Masken kann laut des Robert-Koch-Instituts durch einen Bart reduziert werden, da die Abdichtung der Maske so beeinträchtigt würde. […..]

 (Mopo, 12.04.2020)

Also; Bart ab!
Ich freue mich schon darauf wenn diese Regelung in den streng islamischen Staaten eingeführt wird und man ultraorthodoxen Juden mit Bartschneidern droht. (….)

(Kommen Haare wieder dahin wo sie hingehören?, 12.04.2020)

Das war der Stand der Hygiene im April 2020.

Zehn Monate später und Millionen Tote weiter, wissen wir mehr über die Pandemie.

Wir kennen die AHA-Regel und haben im Gegensatz zum ersten Lockdown auch begriffen wie wichtig medizinische Masken sind.

Inzwischen gibt es sogar trotz Spahns Totalversagen genügend FFP2-Masken.

Fernsehen, Zeitungen und Internet überschütteten uns mittlerweile mit Testberichten über FFP-Masken; jeder wollte wissen wie die Dinger funktionieren.

Die TÜV-Ergebnisse zeigen oft gute Werte bei der Partikeldurchlässigkeit und dem Atemwiderstand.

Aber in Testsituationen werden die FFP-Masken fest am Dummy verklebt.

Im Alltag hingegen sitzen sie weit weniger fest am Gesicht. Sie müssen aber so gut mit der Haut abschließen, daß man wirklich nur durch die Maske atmet und nicht am Rande vorbei.

Beschlägt die Brille noch, hat man etwas falsch gemacht.

Das ist Punkt d) Vollbartträger können medizinische Masken, aber insbesondere FFP2-Masken nicht richtig tragen.

Wer also seinen Bart behält, gefährdet seine Mitbürger.

Der Bart muss ab!

[…..] Bartträger haben da nun ein Problem. Das sagt auch der Mainzer Virologe Bodo Plachter: "Jede FFP-2-Maske lebt davon, dass sie dicht ist. Dass sie komplett an der Gesichtskontur anliegt, damit nichts zwischen Maske und Haut nach draußen dringt. Das ist bei einem Vollbartträger nicht hundert Prozent gewährleistet."   Der Haupteffekt einer FFP2-Maske ist nämlich der Eigenschutz. Und der ist mit Bart nicht mehr gegeben. Ab einer gewissen Stoppellänge kann ein Leck in der Maske entstehen. Und jede Lücke ist eine Eintritts- und Austrittspforte für Viren. "Auch ein Dreitagebart kann unter Umständen schon die Dichtigkeit der Maske deutlich beeinträchtigen", sagt Plachter. Da hilft also nur rasieren, der Gesundheits zu Liebe. [….]

(SWR, 22.01.2021)

Um Corona zu bekämpfen, müsste es also eine Rasurpflicht geben. Bärte fördern die Epidemie.

Wie ich heute wieder feststellen musste, halten sich Bartträger aber nicht an Hygiene, benehmen sich unsolidarisch.

Es verwundert wenig, da vorwiegend Twens Bartträger sind und die sind, wie ich schon eingangs bemerkte, alle doof.

Mittwoch, 10. Februar 2021

Die orange Drohung

Bei einem Impeachment-Verfahren simulieren House und Senat Ankläger und Richter.

Das House brachte die Anklage, die zweite Impeachment-Klage gegen Trump, mehrheitlich und überparteilich auf den Weg.

Seither schied der schlechteste Präsident aller Zeiten aus dem Amt und die republikanische Mehrheit des Senats verschwand ebenfalls.

Die Zulässigkeit eines Verfahrens nach der Amtszeit wurde gestern mit 56 zu 44 Stimmen bestätigt. Ach sechs GOP-Senatoren waren von den demokratischen Argumenten überzeugt: Könnte man einen US-Präsidenten, wie die GOP behauptete, grundsätzlich nicht nach seinem Ausscheiden verurteilt werden, könnt er im Umkehrschluss in seinen letzten Amtswochen morden, vergewaltigen und Hochverrat begehen, ohne irgendwelche Konsequenzen zu befürchten.

In diesem Fall geht es immerhin um einen versuchten Coup, den versuch führende Parlamentarier und den Vizepräsidenten zu töten, 140 verletzte Polizisten, fünf Todesopfer und zwei weitere Polizisten, die am 06.01.2021 so traumatisiert wurden, daß sie inzwischen Suizid begingen.

„Impeached“ wird ein US-Präsident nur mit 2/3-Mehrheit. Es müssen also mindestens 67 Senatoren zustimmen.

Würden die insgesamt 100 US-Senatoren wie von den Vätern der Verfassung in diesem Fall als dem Recht verpflichtete Richter urteilen, wäre Trumps Schicksal klar:

1.   Für Trumps Schuld gibt es überwältigende Videobeweise.

2. Die Richter=Senatoren waren während der Tat selbst Augenzeugen.

3.   Die juristische Argumentation der Demokraten ist brillant und schlüssig. Einige hochkarätige Rechtsexperten sprachen gestern von der besten politischen Anklageschrift der Geschichte. „Chefankläger“ Jamie Raskin (Impeachment Manager der Demokraten) wird mit Ehrfurcht und Lob überschüttet. Sein Eröffnungsplädoyer ist schon jetzt ein Klassiker.

4.   Im diametralen Gegensatz steht Trumps Verteidiger-Team um Bruce Castor. Drittklassige Juristen, die ein desaströses Plädoyer voller sachlicher, formaler und juristischer Fehler ablieferten.

Die juristische Blamage der GOP ist so total, daß sogar Trump begriff gegen die Demokraten untergegangen zu sein.

[…..] Als erster geht Castor ans Rednerpult, nicht Schoen. Fast eine Stunde mäandert er durch seine Rede, kommt nicht auf den Punkt. Wirr, weitschweifend, einschläfernd ist das. […..]  In Florida gibt es jemand, der damit gar nicht einverstanden ist. In seinem neu eingerichteten Büro im Ressort Mar-a-Lago, außerhalb des Hauptgebäudes, verfolgt Donald Trump das Verfahren. Er sitzt, wie so oft, vor dem Fernseher. Und was er da sieht, macht ihn wütend. So berichten es unter anderem die New York Times und CNN, die mit Personen aus dem Umfeld Trumps gesprochen haben.   Frustriert sei er in diesem Moment - und irritiert. Auf einer Wutskala von eins bis zehn sei das eine acht, berichtet jemand aus Trumps Umfeld der New York Times. Und CNN weiß, dass Trump irgendwann fast den Fernseher anschreit. Trump will eine flammende Verteidigungsrede, er bekommt halbgaren Wortbrei.

Auch die Berater Trumps sind ob der Vorstellung Castors unzufrieden. Allein schon, der Gegenseite einen guten Auftritt bescheinigt zu haben, halten sie und Trump für einen Fehler. Auch dass Trumps Anwälte offensichtlich nicht auf das Video vorbereitet sind, obwohl bereits Tage vorher in Washington darüber geredet worden sei, trägt zur schlechten Laune bei. […..]

(Sebastian Giercke, 10.02.2021)

Ein Schuldiger, der seine Taten vorher selbst coram publico ankündigt, dessen Verbrechen auf tausenden Videos eindeutig festgehalten werden und der dann auch noch katastrophale Verteidiger hat, während die Staatsanwaltschaft in einer Sternstunde brilliert?
Wie dürfte das wohl ausgehen?

Wir können sicher sein, wie es für jeden einzelnen der Rioter nach einem Sturm auf das Kapitol mit sieben Toten ausginge, wenn er schwarz wäre.

Er säße längst im Knast und jeder, der auch nur mit ihm zusammen im Auto gesessen hätte, würde ebenfalls wegen „felony“ für 20 Jahre hinter Gitter schmoren, selbst wenn er persönlich gar nicht in die Nähe des Kapitols gekommen wäre.

Trump aber ist bekanntlich weiß; oder, nun ja, zumindest orange. Er ist weiß, reich und mächtig.

Außerdem sind 50% der Richter moralisch zutiefst verkommen.

Daher werden die 67 Stimmen für einen Verurteilung nicht zusammen kommen.

Trump wird auch nach seinem zweiten Impeachment mit einem Freispruch davon spazieren und damit können die Demokraten auch nicht das erstrebte Verbot für eine neue Präsidentschaftskandidatur Trumps durchsetzen.

Trump, der in so vieler Hinsicht als Präsident verloren hat, dürfte sich also immerhin bald damit brüsten als einziger US-Präsident der Geschichte gleich zwei Impeachmentverfahren „gewonnen“ zu haben.

Für Demokraten, jeden, der sich an Fakten orientiert oder auch nur einen Funken Anstand verfügt, ist es ein Desaster zu sehen, wie sich Trump wieder einmal herauswindet, weil nahezu seine gesamte Partei vollständig korrupt und verbrecherisch ist.

[…..] Vielleicht sind die Amerikaner und ihre Politiker längst so verblendet, polarisiert und eingegraben, dass die Wahrheit ihnen ohnehin egal ist. Das ändert nichts daran, dass die Bürger die bestmögliche, sorgfältigste Version der Wahrheit verdient hätten. Vielleicht wird man deshalb in einigen Jahren, falls Donald Trump wieder kandidiert und mit seinen beiden überstandenen Impeachments prahlt, zurückschauen und eine verpasste Chance bedauern. […..]

(Hubert Wetzel, 09.02.2021)

Als Demokrat kann ich mir so ein Ergebnis aber auch schönreden.

Trump war schon 2016 so abstoßend, daß er fast drei Millionen Stimmen hinten lag. 2020 lag er sogar sieben Millionen Stimmen hinter Biden.

Trump wird kontinuierlich erratischer und irrer. Träte er 2024 mit dann 78 Jahren erneut als GOP-Kandidat an, steuert er vermutlich auf einen 11-Millionen-Stimmen-Niederlage zu.

Wollen die Republikaner House, Senat oder Weißes Haus zurückerobern, sollten sie sich von Trump trennen.

Die womöglich einzige Chance dazu ist JETZT und ausgerechnet die selbst so ehrgeizigen Möchtegern-Präsidentschaftskandidaten Graham, Cruz und Rubio, schießen sich gerade in die eigenen Füße, indem sie das größte Hindernis auf ihrem Karriereweg – Trump – sogar selbst stützen.

Das ist eine parteistrategische Selbstmord-Aktion, für die der oder die demokratische/r Kandidat/in dankbar sein sollte.