Dienstag, 6. August 2019

Offene Pforten der Hölle.


Nein, inzwischen glaube ich nicht mehr daran, daß Trump mich noch überraschen könnte.


 Es gäbe auch nichts, das seine fanatischen Kultanhänger gegen ihn aufbrächte.
Eine Milliarde aus der Staatskasse stehlen? Sextape mit Putin? Sextape mit Ivanka?
Alle moralischen Barrieren sind gefallen. Trump propagiert Rassismus, Nepotismus, verteidigt Pädophile und Vergewaltiger; andere Kriminelle sowieso.


Eins von Trumps zentralen Wahlkampfversprechen war es das Staatsdefizit abzubauen. Nach zweieinhalb Jahren im Amt  - davon die ersten zwei Jahren mit republikanischer Mehrheit in beiden Parlamentskammern, ist das Staatsdefizit um umfassbare zwei Billionen (amerikanisch Trillionen) Dollar angestiegen. 2.000 Milliarden. Das sind zwei Millionen Millionen. 2.000.000.000.000 Dollar 2.000.000 Millionen.

Mick Mulvany, der Stabschef lächelt das einfach weg, als sogar FOX-Mann Chris Wallace staunt, wie jemand behauptet das Defizit zu reduzieren, nachdem er es um zwei Trillionen erhöht hat.

Der Mann fördert aktiv Terror im eigenen Land, weigert sich kategorisch Maßnahmen zu unternehmen, die russischen Einfluss auf amerikanische Wahlen verhindern.

Es ist natürlich ein Moment der Erleichterung und Entspannung, wenn man jemand seiner Wut und Abscheu über den orangen Hitler Ausdruck verleiht.


Haach, ist das angenehm, wenn einem jemand aus dem Herzen spricht.



Trump und seine Millionen Fans sind nicht schwer zu verstehen.

Schwer zu verstehen sind für mich die liberalen Amerikaner, die immer noch hartnäckig behaupten „we are better than that“, Trump vorwerfen „unamerikanisch“ zu sein oder wie Michael Rapaport offenabr noch eine leise Hoffnung haben Trump könnte auch einmal etwas Richtiges tun. Einmal die richtigen Worte finden, oder der Nation „comfort“ geben.


Nein, das wird dieser Abschaum, der sich so wenig Empathie für seine Opfer empfindet, daß er sich nicht mal drei Stunden lang merken konnte in welcher Stadt der Amoklauf von Dayton stattfand und von „Toledo“ sprach, nie tun.

Möglichst viel Golfspielen ist das was wir bestenfalls von einer Trump-Präsidentschaft erwarten können.
Wenn Trump redet, wenn er handelt, wenn er agiert, wird es gemeingefährlich.

Montag, 5. August 2019

Angebot und Nachfrage


Das sind ja auch nur Ausländer, die da arbeiten“ beklagte sich eine Dame auf der Eigentümerversammlung über den Hausmeisterservice.
Eigentümerversammlungen sind ja mein neues Hobby; das macht einen Riesenspaß da hinzugehen und den alten Herren zu vertreten, um den ich mich kümmere.
Ich blickte die Hanseatin im Twinset strafend an und sogleich versicherte sie der Runde nun wirklich gar nichts gegen Ausländer zu haben, aber sie beobachte die immer ganz genau beim Treppenhausputzen und nachdem sie unter der Fußmatte gefeudelt hätten, legten sie diese oft ganz schief zurück.
Das müsse sie denen immer erklären, aber die verstünden ja meist gar kein Deutsch.
Stoisch-verzweifelte Blicke des Versammlungsleiters von der Hausverwalterfirma.
Nein, es gibt keine deutschen Treppenhausreinigungskräfte mehr. Nahezu alle Wohnungseigentümergemeinschaften möchten deutsche Putzkräfte/Hausmeister/Gärtner/Winterdienstler haben, aber die gäbe es nun mal nicht.
Es ist in Hamburg ohnehin fast unmöglich noch einen Reinigungsdienst für Treppenhäuser zu bekommen; er rate uns daher, es sich besser nicht mit diesen zu verscherzen, sonst müssten wir am Ende selbst putzen.

Die Wohnungseigentümer, die sich über die ausländischen Treppen-Putzkräfte und deren aufgrund des Zeitdrucks mangelhafte Ausführung echauffieren, sind übrigens Dieselben, die in den Jahren zuvor ständig Anträge einbrachten die bisherigen Hausmeisterfirma zu entlassen, weil die „ja viel zu teuer“ wären. Ob das nicht auch billiger ginge, nur mal eben das Treppenhaus durchzuwischen und die Briefkästen abzuseifen.

Gegenfrage: Würden SIE für neun Euro die Stunde Treppenhäuser putzen und sich dann auch noch von jedem einzelnen Bewohner anmeckern lassen, wenn das nicht schnell oder nicht gründlich genug ist?

Zum Abschied des alten Herren habe ich mich noch einmal länger mit der sibirischen Pflegerin des ambulanten Dienstes unterhalten.
Natasja hat Nerven aus Stahl, ist immer geduldig und freundlich.
Sie arbeitet bei der evangelischen Kirche; in dem Fall der Diakonie.
Den Job macht sie seit 1995, ist ausgebildete Krankenschwester und Altenpflegerin. Pro Tag hat sie 20 Patienten, für die sie jeden Tag – egal ob Sonntag oder Feiertag – kreuz und quer durch den alptraumhaften Hamburger Innenstadtverkehr rasen muss.
Einige Patienten sind schwerstpflegebedürftig, müssen im Bett gewaschen und mit Spritzen versorgt werden. Der Herr nach uns auf ihrer Tour ist ein ehemaliger Seniorpartner einer Rechtsanwaltskanzlei. Steinreich, lebt in einer großen Villa, sagt weder Bitte, noch Danke, begrüßt sie nicht. Sie muss ihm die Beine bandagieren und Thrombosespritzen geben.
Sofort beginnen kann sie aber nicht, weil er sie gern anherrscht „Du siehst doch, daß ich gerade ein Glas Rotwein trinke, in 15 Minuten habe ich Zeit!“
1.400,- bringt Natasja im Monat nach Hause.
Ihr weißrussischer Mann ist Kindergärtner in Norderstedt (nördlich von Hamburg) in einer Einrichtung für verhaltensauffällige Kinder. 15 von ihnen betreut er tagsüber allein und verdient ungefähr das Gleiche wie seine Frau im Monat.
Familienleben gibt es aufgrund des Schichtdienstes wenig, die beiden Kinder sind 9 und 11 Jahre alt. Es erfordert viel Koordination und Planung bei zwei berufstätigen Eltern die Kinder aufzuziehen.
Die Vier wohnen in Reinbek, östlich von Hamburg. Natürlich nicht in Hamburg, weil es mit normalen Gehältern unmöglich ist zentral eine Wohnung für vier Personen zu finanzieren.
Abends sitzen sie zusammen und studieren Sonderangebote, fahren gezielt Discounter ab, um immer das Billigste zu erwischen.

Auch in der Seniorenresidenz im äußersten Westen Hamburgs, in der der von mir betreute Herr nun wohnt, sind die Pfleger in der Regel nicht von weißer Hautfarbe.
Ihr Monatsbruttogehalt beträgt ungefähr ein Viertel dessen, was der Grundpreis eines Zimmers in der Einrichtung kostet.

Ist es nicht außerordentlich eigenartig, daß Pflegekräfte knapp sind?
Wieso wollen sich nicht deutsche, studierte junge Menschen in so einen Beruf begeben, bei dem man ein Leben lang Knochenarbeit unter höchster psychischer Anspannung leistet und dann grandioserweise sogar über 1.000,- im Monat verdient?
Sehr eigenartig.

Nastasja sagte, natürlich würde sie gern mehr verdienen, aber wichtiger wäre ihr die Anerkennung. Die Deutschen wollten eben nicht Altenpfleger, Kindergärtner oder Krankenschwester werden, weil Menschen in diesen Berufen keine Achtung erfahren.
Jeder wisse, das wäre ein Beruf, den niemand machen wolle und gucke sie auch dementsprechend mitleidig an.
Ein Loser-Job.
Ein Beruf, bei dem man wie Treppenhausputzkräfte auch noch mies von den Kunden behandelt wird.
Die neoliberale Gesellschaft Deutschlands funktioniert so. Es gibt eine neue Paria-Klasse von Billigarbeitern für die ein besonderes Arbeitsethos Voraussetzung ist.
Der durchschnittliche deutsche Langzeitarbeitslose steht dafür nicht auf, weil das Leben auf Hartz IV tatsächlich bequemer ist.
Dabei sind gerade Berufe im Pflegebereich eben keine unwichtigen Hiwi-Jobs, für die man unwillige Nörgler verdonnern kann.
Das sind im Gegenteil, sehr ehrenhafte, wichtige Berufe, die viel zu wenig Anerkennung erfahren.

[…..] Die Pflege, sagt Meyer, [renommierte Pflegewissenschaftlerin und Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung für das Gesundheitswesen] mache es sich zu einfach. Über Jahre habe sich eine Jammerkultur aufgebaut. Wir können nicht anders, wir sind so unterbesetzt. "Aber das stimmt nicht immer", sagt Gabriele Meyer. Und erzählt von dem alten Mann aus Sachsen-Anhalt, der vor Kurzem in der Badewanne starb. Er wurde verbrüht, weil die beiden Pfleger rausgegangen sind und nicht merkten, dass kochend heißes Wasser in die Wanne lief, in die sie ihn gesetzt hatten. Ob sie den Hebel aus Versehen in die falsche Richtung gedreht haben oder der Mann selbst daran kam, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Er war dement, konnte sich nicht wehren, nicht rufen. "Einen alten Menschen beim Baden allein zu lassen, ist gegen jede pflegerische Vorschrift, das hat nichts mit Pflegenotstand zu tun", sagt Meyer. "Wenn ich nicht sicher ein Vollbad anbieten kann, dann mache ich es auch nicht."
Offensichtliche Fehler, Unterlassungen und schlechte Pflege können doch nicht mit Personalmangel erklärt werden, sagt Meyer. "Das würde ich als Angehöriger dieser Profession nicht auf mir sitzen lassen." […..]

Nastasja ist eine sehr ehrenwerte Person, aber man möge mir verzeihen, wenn ich zwar auch ihren Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung unterstütze, aber eben auch verlange, daß solche großartigen Menschen verdammt noch mal erheblich besser bezahlt werden.
Leider wollen die privaten Träger der Pflegeheime das gar nicht. Die meisten gehören zu Caritas und Diakonie und bei denen werden Mitarbeiter generell als Menschen zweiter Klasse behandelt. Sie dürfen weder streiken, noch Gewerkschaften gründen, noch einen Flächentarifvertrag bekommen und schon gar nicht dürfen sie schwul oder lesbisch sein.
Das Kirchenarbeitsrecht, das so vehement von all den politischen Frömmlern – AKK, Merkel, Brinkhaus, Kauder, Spahn, Nahles, Göring-Kirchentag, Käßmann – verteidigt wird, macht es möglich.

[….] Die Koalition der Unwilligen
 [….]  Das Ziel sind höhere Löhne in der Pflege, um die Branche attraktiver zu machen und so den Fachkräftemangel zu lindern. Das Problem ist, dass das Arbeitgeberlager letztlich keines ist. Die Causa Tarifvertrag scheidet es vielmehr in drei Gruppen mit widerstreitenden Interessen: die Unwilligen, die Willigen und die Kirchen. [….] Zu den Unwilligen gehört nicht nur Greiners AGVP, sondern auch der BPA-Arbeitgeberverband mit seinem Präsidenten Rainer Brüderle, dem ehemaligen FDP-Bundeswirtschaftsminister. [….] Zunächst aber muss noch final geklärt werden, wer überhaupt mit im Boot ist. Derzeit sind von den größeren Trägern nur die Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Arbeiter-Samariter-Bund, die Diakonischen Dienstgeber in Niedersachsen, der Paritätische Gesamtverband und die Volkssolidarität Mitglied in der neuen BVAP, die mit Verdi verhandeln wird. Nicht dabei sind die beiden Arbeitgeberverbände der privaten Pflegeunternehmen, aber auch das Deutsche Rote Kreuz ist abgesprungen. "Unerklärlich", heißt es bei Verdi dazu, "bestürzend", sagt AWO-Geschäftsführer Gero Kettler. [….]
Eine wichtige Rolle werden am Ende die kirchlichen Träger spielen, bei denen fast ein Drittel der rund 765 000 Pflegebeschäftigten arbeitet. [….]  Diakonie und Caritas schließen in der Regel keine Tarifverträge ab und sind auch der neuen BVAP nicht beigetreten; für sie gilt das kirchliche Arbeitsrecht, der "dritte Weg". [….]

Sonntag, 4. August 2019

MABA - Make Amerika Bad Again


Anders als beispielsweise die Generation der Parkland-Überlebenden, Kinder wie David Hogg, Emma Gonzalez, Sarah Chadwick, Jaclyn Corin, Ryan Deitsch, Aalayah Eastmond, Sam Fuentes, Cameron Kasky, Delaney Tarr and Alex Wind, die von Waffen-fanatischen Republikanern bekämpft werden, habe ich keinerlei Hoffnung, daß sich an den US-Waffengesetzen etwas ändert.
Zu tief stecken Trump und alle Republikaner im Arsch der NRA.

Das US-Christentum ist eine zutiefst abstoßende Religion der Niedertracht, das Donald Trump ins Amt half, ihn im Amt hält und möglicherweise 2020 wiederwählt.
Eins ihrer wichtigsten Argumente ist dabei sein radikaler Einsatz für Schusswaffen, der amerikanische Massaker alltäglich macht.

(…..) Die phallischen Mord-Instrumente sind im Land der 30.000 Schusswaffentoten den Rechten wichtiger als alles andere.

[….]  Trump signs bill reversing Obama rule to ban gun purchases by mentally ill
[….]  President Trump killed a regulation that would have tightened gun background checks Tuesday, signing a bill to undo one of his predecessor's executive actions following the San Bernardino shootings in 2015.
The Obama administration rule required the Social Security Administration to submit records of mentally disabled people to the National Instant Criminal Background Check System, the FBI database used to determine whether someone can buy a firearm under the 1993 Brady Bill.
The rule would have applied to about 75,000 people who were “adjudicated as a mental defective" and who had applied for Social Security benefits, and had a mechanism to notify those affected so they could appeal. But congressional Republicans said the rule could ensnare people who had mental health issues but otherwise were competent to own a gun. [….]  The bill signing fulfills a campaign promise for Trump. Even before Obama announced his executive actions before his State of the Union Address last year, Trump said he would "un-sign that so fast" once he becomes president. [….] 

Endlich können auch die psychisch Kranken ohne jede Einschränkung vollautomatische Waffen bekommen, so viel sie wollen.
Das freut das Republikanerherz.
Denn gegen Schulschießereien helfen bekanntlich nur Globuli und Gebete, nein, sorry, thoughts and prayers! Ich war kurz mit den evangelikalen Irren in Deutschland durcheinander gekommen.

[….]  Florida State Senator Kelli Stargel votes against assault weapons ban, claims “thoughts and prayers” are enough to stop school shootings.
 In a despicable but not surprising development, Republican State Senator Kelli Stargel voted against a moderate and sensible ban on assault weapons after the recent school shooting at Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, that left 17 dead and many more injured.
Adding insult to injury, the Florida lawmaker went on to suggest that “thoughts and prayers” are enough to stop school shootings. Speaking on the floor of the Florida Senate, Stargel said:
    Thoughts and prayers are really the only thing that’s going to stop the evil from within the individual that is taking up their arms to do this type of massacre. [….]

Dank der überzeugten Christen in Amerikas Parlamenten, werden die USA weiterhin extreme Hochburg des hausgemachten Terrors mit bis zu 40.000 jährlichen Toten durch Schusswaffen sein.
Es ist müßig das nach jedem grausamen Massenmordlauf, wie den beiden vom Wochenende in Texas und Ohio mit 29 Toten, erneut zu beklagen.
Die Trauer der Angehörigen ist natürlich echt, aber das kollektive Entsetzen im Land wirkt schal, wenn man sich vergegenwärtigt, daß je nach Gegenkandidat in den meisten Fällen eine absolute Mehrheit der Bürger Trump wiederwählen würde.

Die Parkland-Jugendlichen hatten sich an dem Gedanken berauscht zwar nicht die Republikaner umstimmen zu können, aber im Herbst 2018 bei den Zwischenwahlen die bösartigen NRA-Epigonen aus den Ämtern zu jagen.
Stattdessen bauten die Republikaner ihre Senatsmehrheit sogar aus und Moscow-Mitch blockiert hartnäckig jede Verbesserung für das amerikanische Volk.
Das bringt eine neue Qualität in die Diskussion über die Mass-Shotings in den USA, da es sich bei den Tätern immer weniger um verrückte Psychopathen handelt, sondern zuletzt die Täter meist radikalisierte glühende Trump-Fans waren.
Menschen mit tiefsitzenden Komplexen, die von Rassismus beseelt dem Hetzer im Oval Office zuhörten, bis sie sich eines Tages genötigt sehen zu handeln.
Gun-Massaker sind typisch für die USA, aber inzwischen hat eine Metamorphose zum „Weißen Terrorismus“ stattgefunden.


Der US-Präsident höchst selbst stiftet seine Follower zu terroristischen Attacken gegen ihr eigene Bevölkerung an.
Al Kaida und IS können jetzt in Rente gehen; ihr Job wird von den Amerikanern selbst viel effektiver erledigt.

[….]  Die demokratischen Herausforderer Donald Trumps machen den Präsidenten mitverantwortlich für die Morde von El Paso und Dayton. Die Gewalttaten könnten zu einem Wendepunkt im amerikanischen Wahlkampf werden.
  Donald Trump ist nicht dafür bekannt, dass er um Worte verlegen ist. Aber an diesem so furchtbaren Wochenende blieb der Präsident lange Zeit seltsam still. Was die Amerikaner und die Welt von ihm hörten, waren ein paar dürre Sätze auf Twitter: Dass seine Gedanken und Gebete bei den Bürgern von El Paso seien. [….]  Es waren Sätze, in die sich Trump schon so oft geflüchtet hat; Sätze, die so oder so ähnlich immer fallen, wenn wieder einmal die Eilmeldung über die Fernsehbildschirme jagt, dass ein Mann (und es sind fast immer Männer) mit einem Sturmgewehr ein Massaker angerichtet hat. In der Regel reichen die immer gleichen Phrasen aus, um zurückzukehren zur Normalität. [….]  Nach diesem Wochenende werden die Politiker in den USA nicht so schnell zur Tagesordnung übergehen. Und der Grund ist nicht nur, dass Stunden nach dem Terrorakt von El Paso ein bis an die Zähne bewaffneter Mann in Ohio ebenfalls neun Menschen tötete. Es liegt auch daran, dass in den USA Wahlkampf ist und die Demokraten keinen Zweifel daran lassen, wem sie eine Mitschuld geben für das Verbrechen in Texas.
"Donald Trump trägt die Verantwortung", sagte Cory Booker am Sonntag im Fernsehsender CNN. "Er benutzt selbst die Sprache des Hasses", so der Demokrat, der für seine Partei 2020 als Präsidentschaftskandidat antreten möchte.
So wie Booker, Senator in New Jersey, äußerten sich auch andere Anwärter. "Wir haben einen Präsidenten, der Mexikaner dämonisiert", sagte Pete Buttigieg, der Bürgermeister von South Bend, Indiana und fügte hinzu: "Wir erleben eine Form des weißen Terrorismus, der hier in den USA herangezüchtet wurde." Beto O'Rourke, der in El Paso geboren wurde, nannte Trump einen Rassisten, der an die Überlegenheit der weißen Amerikaner glaube: "Er befördert diese Gewalt." [….] 

Trump äußert sich schließlich nicht gelegentlich rassistisch oder setzt seinen Rassismus nur zu Wahlkampfzwecken ein.
Nein, die gesamte Familie Trump ist seit Generationen rassistisch, Trump selbst führt seit den 1970er Jahren rassistische Kampagnen und posaunt als Präsident beinahe täglich die übelsten rassistischen Attacken hinaus.
Rassismus ist aber keine bloße Unhöflichkeit oder Beleidigung, sondern führt zu Mord und Totschlag. Charles Manson brachte seine Opfer auch nicht mit eigenen Händen um.
Jeder halbwegs anständige Menschen versteht das; dafür muss man nichts selbst dunkelhäutig, schwul oder Ausländer sein.


Es gibt keine Rechtfertigung, um so ein mieses Stück Scheiße wie Trump zu akzeptieren.
Wir alle, von den einzelnen privaten Postern in den sozialen Medien bis hinaus zu den Regierungschefs müssen Trump und seinen ideologischen Freunden Johnson, Duterte, Salvini und Bolsonaro jederzeit massiv entgegen treten.

[….]  Die mexikanische Regierung spricht nach dem Terroranschlag im texanischen El Paso von "fremdenfeindlicher Barbarei". Der Vize-Außenminister lässt keinen Zweifel daran, wen er für den Anstifter hält.
[….]   "Wir verurteilen diese barbarische Tat, bei der unschuldige Mexikaner getötet wurden", sagte Außenminister Marcelo Ebrard [….]  Auch sein Vize, Jesús Seade, verurteilte den offenbar rassistisch motivierten Angriff: "Solche mutwilligen Taten der fremdenfeindlichen Barbarei haben keinen Platz in der heutigen Welt", schrieb er auf Twitter. Und weiter: "Die Rhetorik, die sie anstachelt, muss komplett beendet werden."
Eine deutliche Ansage an Donald Trump: War es doch der US-Präsident, der sich in den vergangenen Wochen mehrfach massiv rassistisch geäußert hatte. [….] 

So wie Trump seit drei Jahren die Zahl der Hate-Crimes in Amerika Monat für Monat ansteigen lässt führen auch die AfD und deutsche Hetzblogs zu einem kontinuierlichen Anstieg der Gewalt gegen Minderheiten.


[…..] AfD schürt Furcht vor Zuwanderern
Die AfD rückt ausländische Tatverdächtige in den Mittelpunkt und zeichnet im Vergleich zur Kriminalstatistik ein verzerrtes Bild. Das mache sie "überraschend konsequent", sagen Forscher, die AfD-Pressemitteilungen analysiert haben.
Eine Studie von Medienforschern über die AfD kommt zu dem Ergebnis, dass die Partei systematisch Angst vor Zuwanderern schürt. Die Professoren Thomas Hestermann (Hamburg) und Elisa Hoven (Leipzig) werteten dazu mehr als 240 Pressemitteilungen der AfD zum Thema Kriminalität auf Bundes- und Länderebene aus dem Jahr 2018. […..]

Ob AfD, ob Weidel, ob Steinbach, ob Berger oder ob Grenell, Trump, Johnson oder Salvini – diese Typen sind Abschaum.
Man muss sich ihrer Agenda 24/7 widersetzen.

[…..] Die EU täte gut dar­an, ihr ei­ge­nes au­ßen­po­li­ti­sches Pro­fil zu schär­fen. Ego­zen­tri­kern wie Trump und John­son ist nicht bei­zu­kom­men, in­dem man sie ein­bin­det, ihre Es­ka­pa­den her­un­ter­spielt. Ge­gen Po­pu­lis­mus hel­fen nur Hal­tung und Klar­heit. Kon­kret be­deu­tet das, dass die EU mit John­son nicht über das Aus­tritts­ab­kom­men nach­ver­han­deln und sich kei­nes­falls Trumps Iran­po­li­tik an­schlie­ßen soll­te. Statt­des­sen soll­ten sich die Eu­ro­pä­er um eine Schutz­mis­si­on in der Stra­ße von Hor­mus be­mü­hen und gleich­zei­tig nach di­plo­ma­ti­schen We­gen su­chen, das Ab­kom­men zu ret­ten. Wäh­rend des Irak­kriegs 2003 ge­wann Eu­ro­pa an Sta­tur, in­dem Frank­reich und Deutsch­land eng zu­sam­men­stan­den. Es ist an der Zeit, dass bei­de Staa­ten die­se Al­li­anz wie­der­be­le­ben.  […..]
(Der Spiegel, M. Popp, Leitartikel 03.08.2019)

 

Samstag, 3. August 2019

Ein glückliches Leben.


Heute habe ich einen Umzug durchgeführt.
Der alte Herr zwei Häuser weiter, den ich schon lange betreue, kam in ein Pflegeheim.
Ich hatte in den letzten Jahren alles nur irgendwie Mögliche getan, um ihm Hilfe zu organisieren, daß er in seiner vertrauten Umgebung bleibt, aber ab einem gewissen Stadium der Demenz ist das nun mal nicht mehr zu verantworten.
Verwandte gibt es nicht, also hängt es an mir.

Da ich als Wrack mit einer Menge Edelstahlteilen in den Knochen nur sehr bedingt als Möbelpacker tauge, holte ich mir Hilfe von Herrn Durrani, einem pakistanischen Kleinst-Unternehmer, der mir schon ein paarmal bei Transporten geholfen hatte.

Wenn es einen Unterschied zwischen Deutschen und Ausländern gibt, so ist das die Flexibilität.
Erst Donnerstagabend hatte sich die Chance ergeben den Umzug heute, am Samstag zu machen.
Ruft man aber Freitags einen deutschen Handwerker/Umzugsunternehmer an, gehen die ohnehin nicht ans Telefon ist, weil es ja nur „ein halber Tag“ ist und wenn man nach Terminen MORGEN fragt, auch noch am Wochenende, lachen die sich tot oder legen auf.
Herr Durrani hingegen geht immer ans Telefon. Ob nun am Wochenende oder nachts; das ist egal. Und er ist immer gut gelaunt, zuvor kommend.
Seine Antwort ist immer „kein Problem.“
Leicht irritiert war er nur als ich nach Luftpolsterfolie fragte. Daß man Wandgemälde vor einem Transport in Schutzhüllen packt, war ihm neu.
Aber auch das war selbstverständlich „kein Problem“, er kauft gern noch vorher diese Folie bei Bauhaus.
Er rief sogar noch mal an aus dem Laden, weil ihm die Dinger offenbar nicht geheuer waren, „wie viele soll ich kaufen? Zwei ganze Rollen?“

Wir kamen fast gleichzeitig vor dem Haus an, er stand breit grinsend
 - Kurze Hose, ausladender Bauch, Flipflops – da und vermittelte den Eindruck, er habe sich noch nie über etwas so sehr gefreut, wie mich zu sehen.
Verblüffend, denn ich freute mich überhaupt nicht auf den Tag.
Der Herr, dessen Haushalt ich umzog, wußte nämlich nichts von seinem Glück.
Ich hatte ihn trickreich kurz zuvor zum Friseur gebracht, wo er ausgibig behandelt wurde und nun die Aufgabe in seiner Abwesenheit seine persönlichen Sachen einzupacken und wegzuschleppen.
(Natürlich legal; ich habe die notarielle Vollmacht.)
Aber ich bin so deutsch sozialisiert, daß ich extremen Widerwillen davor habe in die Privatsphäre anderer Menschen einzugreifen. Ich klaube nicht gern den Inhalt des Schreibtisches und Nachschranks anderer Leute auseinander.
Herrn Durrani störte hingegen gar nichts.
Seine Arbeitsweise war auch viel effektiver als Meine. Während ich schnell im Staub saß, schwitzte und fluchte, stellte sich sein „zweiter Mann“ (um den ich gebeten hatte), als Duo heraus. Zwei junge Pakistaner, höflich, klein, dünn, kein Wort deutsch sprechend, packten nämlich nicht „mit an“, sondern sie waren „die Anpacker“.
Herr Durrani guckte ganz irritiert, als ich ihm einmal einen Blumenkübel in die Hand drücken wollte. Nein, er sei nur da zum Koordinieren. „Ich gebe hier die Anweisungen“.
Die beiden Jungs flitzen, schwitzten, schufteten. Ich schwitze und schuftete. Herr Durrani grinste immer mehr, erzählte, guckte zu und koordinierte.
Ob der Bewohner wohl sehr alt wäre, schließlich wären die Möbel alle antik. Ihm gefiel das sehr; er liebe alte Handwerkskunst und möge kein IKEA.
Klar, ihm konnte es ja auch egal sein, ob man die schweren Stücke auseinanderbauen kann.
Als ich im erklärte, der Besitzer der Möbel wisse noch gar nichts von seinem Umzug, weil er schon zu dement sei, um mit ihm zusammen zu planen, fragte er nach dem Alter, pfiff kurz erstaunt auf und meinte, das wäre auch zu alt.
Er plane mit 75 zu gehen. In der nächsten Welt wäre es ohnehin viel schöner und da gäbe es keine Demenz.
Von der nächsten Welt hielte ich nichts, gab ich zu bedenken, aber ja, auch ich hoffte möglichst vor der Alzheimerkeule den Löffel abzugeben.
Nun wurde er kurz ernst, die nächste Welt sei real, Mohammed habe sie mit eigenen Augen gesehen. Der habe sie besucht und von Allahs Herrlichkeit und dem Glück, welches uns alle erwarte genau berichtet.
Wie könne er sich da so sicher sein, warf ich ein. Schließlich sei Mohammeds Bericht schon 1.500 Jahre alt und man wisse doch wie im Laufe der Zeit Geschichten verändert würden.
Das allerdings verstand er wirklich gar nicht. Nein, Mohammeds Prophezeiungen gelten selbstverständlich für „alle Millionen Jahre und für alle Menschen“ grinste er wieder zufrieden in sich ruhend. Ich sah einen völlig zufriedenen Menschen vor mir.
Und dann koordinierte er noch ein wenig.