Freitag, 27. Juli 2018

Manche Kriege müssen geführt werden.


Gestern verhandelte der EU-Kommissionspräsident im Weißen Haus und einigte sich mit dem orangen Lügen-Golfer zunächst einmal nichts eskalieren zu lassen.
Keine neuen Zölle, während man über einen umfangreichen Zollabbau verhandelt. Freieren Zugang zu allen Dienstleistungen, Ausweitung des Soja-Handels und außerdem will die EU verstärkt US-Flüssiggas importieren.

Der Meinungs-Tenor der seriösen Presse in Europa ist recht homogen:

Erleichterung und vorsichtiger Optimismus nach Junckers Trump-Besuch.
Großes Lob für den allesküssenden Luxemburger, der mehr erreichte als Merkel, May und Macron zusammen. Leichte Skepsis wegen Trumps bekannter Sprunghaftigkeit. Aber alles, was einen Handelskrieg verhindert ist gut.

[….] Vor allem die deutschen Autobauer reagierten darauf mit Erleichterung, ihre Aktien legten kräftig zu. Das sei ein wichtiges Signal der Deesklation, heißt es beim Branchenverband VDA. „Damit besteht nun eine reale Chance, zusätzliche Zölle oder gar einen Handelskrieg zwischen den USA und der EU zu verhindern.“
Tatsächlich könnte der Deal, auf den sich Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Mittwochabend in Washington geeinigt haben, für beide Seiten von Vorteil sein. […..]

Offenbar herrscht in dieser Angelegenheit Konsens: Handelskrieg ist für alle Seiten so schlecht, daß jeder Kotau in Kauf genommen wird, um ihn abzuwenden.
Die ökonomischen Konsequenzen könnten nämlich auch Regierungen aus dem Amt fegen.

Die Börsen reagierten prompt, die US-Wirtschaft zeigt starkes Wachstum, das sich Trump natürlich selbst auf die Fahnen schreibt.

Mich wundert das Missverhältnis zwischen Handelskriegen und militärischen Kriegen. Erstere werden so sehr gefürchtet, daß sie unter allen Umständen verhindert werden, während letztere durchaus in Kauf genommen werden.
Dutzende bewaffnete Konflikte finden weltweit statt.


Der leichtfertigere Umgang mit militärischen Kriegen liegt offenbar daran, daß diejenigen, die in Ankara, Moskau, Washington, Paris und London Militärschläge anordnen keine persönlichen Konsequenzen fürchten müssen.
Sie werden nicht selbst zu den Opfern gehören. Die Toten gibt es weit weg.

Handelskriege sind für „den Westen“ schlimmer.

[….] Dies kann man festhalten: Es hat alle überrascht. Dass Donald Trump und Jean-Claude Juncker es bereits bei diesem Treffen geschafft haben, die Eskalationsspirale im Handelsstreit zwischen den USA und der Europäischen Union zu unterbrechen und beide Seiten zurück an den Verhandlungstisch zu bringen. Denn das ist den beiden Präsidenten gelungen, und das ist ein großer Erfolg. Zumindest für den Moment.
Um zu sehen, warum das so wichtig ist, muss man sich die Alternative noch einmal bewusst machen, auf die sich viele eingestellt hatten. Ein echter Handelskrieg, bei dem Zug um Zug Zölle erhöht werden, erst auf Stahl, dann auf Whiskey, Jeans, Motorräder und Autos. Und das auf der Grundlage, dass man im ehemals engsten Partner eine Gefahr für die nationale Sicherheit erkannt haben wollte, weshalb der Austausch mit ihm ab- statt zunehmen müsse, und Produkte teurer und Jobs in andere Weltregionen abwandern würden. Das Worst-Case-Szenario war schon fast eingepreist, zusammen mit der Überzeugung, dass es niemand schafft, diesen US-Präsidenten davon zu überzeugen, dass sein Vorgehen falsch ist und am Ende auch seinem eigenen Land schadet. [….]

Ich kann mich der Meinung von Wolfgang Schäubles Tochter nicht anschließen.

Das liegt unter anderem an meinem schlechten Charakter: Ich gönne Donald Trump keinen Verhandlungserfolg und sehe ihn lieber auf offener Bühne bei seinen Deal-Versuchen scheitern.

Es liegt aber auch im allgemeinen Interesse der Amerikaner und ihrer Handelspartnern wirklich zu erkennen wie schädlich Trumps Negierung aller moralischen und demokratischen Werte ist.
Mit Argumenten und Fakten sind jedoch die Dutzenden Millionen Anhänger der #45 nicht zu überzeugen; sie die völlig Realitäts-taub und blind.
Sollte Trump impeached werden, unter dem Druck der Presse zurücktreten oder von Herrn Mueller verhaftet werden, entstünde eine gewaltige Dolchstoßlegende.
60 Millionen Trumpwähler würden ihn noch mehr lieben und die Demokraten/Linken/People of Color/Liberals/Schwulen/Schwarzen mehr hassen, denn je.
Sie würden nie einsehen sich in Trump getäuscht zu haben und die Republikaner wüßten nun erst recht wie weit man mit gnadenlosem Hass, Populismus und Lügen kommt.

Trump kann man irgendwie, irgendwann loswerden, aber was nützt das schon, wenn der fanatische Abschaum, der bereit ist so eine ethisch völlig verkommene Type zu wählen, nicht nur bleibt, sondern sich angeheizt von religiotischen Demagogen und ultrarechten Medienunternehmern auch noch kontinuierlich vermehrt?

Daher halte ich es für notwendig, daß Trump seine Legislaturperiode ausfüllt und tatsächlich den Handelskrieg mit all seinen dramatischen Folgen durchzieht.
Seine Anhänger müssen auf die harte Tour lernen, daß rücksichtsloses „Amerika first“ mit all den Drohungen, Lügen und Vertragsverletzungen sich nicht auszahlt.
Dafür ist eine kräftige Wirtschaftsschrumpfung notwendig.
Erst wenn die Rednecks und Hillbillies in Trumpland in Massen ihre Jobs verlieren, aus der Krankenversicherung fliegen und aller Sozialleistungen beraubt werden….
Erst wenn die Climate-change-Leugner am eigenen Leib die Auswirkungen massiver Umweltkatastrophen spüren - aufgrund Trumps Natur- und Klimafeindlicher Politik…..
Erst wenn die tumben NRA-Waffennarren ihre eigenen Angehörigen in Mass-shotings verlieren…..
Erst wenn die Trumpbejubelnden Farmer auf ihren vertrockneten Ernten sitzen bleiben, weil keine Migranten mehr auf den Feldern helfen und China kein Soja mehr kauft...werden sie vielleicht einsehen, daß es nicht klug war einen brutalen Rüpel zum Präsident zu wählen, der allen halbwegs anständigen Regierungen ins Gesicht schlägt und dafür vor Salman, Kim und Putin kriecht.

Trump ist nicht nur wegen seiner zutiefst destruktiven soziopathischen Persönlichkeit gefährlich, sondern in erster Linie, weil er alle Regeln des Umgangs miteinander zerstört.

Lieber nehme ich ein paar Jahre Rezession in Europa, China und Russland in Kauf, bevor ich den Trumpisten und ihren rechtsextremen Claqueuren in Europa Erfolg gönne.

Dabei sieht auch Frau Schäuble klar bezüglich Trumps Glaubwürdigkeit.

[….] „Denkt daran, das was ihr seht und was ihr lest, ist nicht das, was passiert.“ Donald Trump steht an einem Pult in Kansas City, als er sie ausspricht. Er hält eine Rede vor Veteranen des Zweiten Weltkriegs, er dankt ihnen für ihre Tapferkeit und lobt dann vor allem: sich selbst. Wo stünde das Land ohne ihn? Ein Trottel, wer denkt, der Handelsstreit schade der US-Wirtschaft, dumm, wer den Journalisten und ihren Nachrichten glaubt, den „Fake News“.
 „Stick with us, just stick with us“, sagt Trump. Haltet euch einfach an uns.
Für den US-Präsidenten, so scheint es, gibt es nicht nur „alternative Fakten“, er lebt in einer alternativen Welt. Manchmal, wie vor wenigen Tagen in Kansas City, gelingt ein Blick hinein. Es ist eine Welt, in der Zweifel nicht angebracht sind, und er immer recht hat. Auch wenn er seine Meinung ändert.
Kritische Fragen sind nicht mehr erwünscht. [….]

Trump nimmt es inzwischen locker mit Erdoğan auf.
Daß höchstrangige amerikanische Geheimdienstler es wagten ihn zu kritisieren, nur weil er ganz offensichtlich log, daß sich die Balken biegen, erträgt er nicht.
So wie schon die seriöse Presse aus den White-House-Press-room verwiesen wird, so will er nun auch die Ex-Chefs von NSA und CIA medial kaltstellen.

[…]  US-Präsident Donald Trump erwägt, mehreren Ex-Geheimdienstvertretern ihre spezielle Sicherheitsgenehmigung zu entziehen. Trump prüfe, ob die Genehmigungen von Ex-CIA-Chef John Brennan, Ex-FBI-Chef James Comey, Ex-Geheimdienstkoordinator James Clapper und anderen aufgehoben werden könnten, sagte seine Sprecherin Sarah Sanders. [….] Bei der Sicherheitsgenehmigung (englisch: Security Clearance) geht es um einen speziellen Status, der nach einer sehr gründlichen Überprüfung gewährt wird und Regierungsmitarbeitern beispielsweise Zugang zu geheimen Informationen gibt. Frühere Geheimdienstvertreter behalten den Status üblicherweise.
Neben Brennan, Comey und Clapper nannte Sanders auch Ex-NSA-Direktor Michael Hayden, den früheren stellvertretenden FBI-Direktor Andrew McCabe sowie Susan Rice, die ehemalige nationale Sicherheitsberaterin von Barack Obama. Alle sechs sind Kritiker Trumps. [….]

Wir, als zivilisierte Humanisten können es uns nicht erlauben, einen Mann, der auf solche Methoden setzt, zum Erfolg zu verhelfen.
Daher lieber ein kräftiger Handelskrieg jetzt.
Iran, Russland, China, Japan, die EU, sowie Kanada und Mexiko gemeinsam mit voller Kraft gegen die USA.

Soll doch Trump schäumen und toben auf seinen Golfplätzen.
Wichtig ist, daß seine unterbelichteten Wähler trotz FOX merken, wie schlecht Amerika diese Politik bekommt.
Also Schluß mit den heißen feuchten Küssen von Jean-Claude Juncker, Schluß mit den kräftigen Umarmungen von Emmanuel Macron, Schluß mit Mays Händchenhalten.

[…..]   "Die EU kommt morgen nach Washington, um einen Handelsvertrag auszuhandeln", twitterte Trump. Er habe da einen Vorschlag: Sowohl die EU als auch die USA sollten einfach alle Zölle und Subventionen abschaffen. Aber natürlich würden die Europäer das nicht tun - womit er schon vorab die Schuld für ein Scheitern des Gesprächs bei Juncker abgeladen hat.
Dabei ist es Trump, der erst neue Strafzölle auf Stahl und Aluminium einführte und noch am Dienstag twitterte: "Zölle sind das Größte!" [….]
 Zugleich droht er unverhohlen mit einer weiteren Eskalation: Entweder, ein Land schließe mit den USA "einen fairen Deal", oder es werde mit Zöllen bestraft. "So einfach ist das", schrieb Trump.
Für die EU ist die Lage damit ebenfalls einfach: Ihr bleibt kaum eine Alternative, als eine harte Linie zu fahren. Juncker muss in Washington eines deutlich machen: Wenn Trump zuschlägt, schlägt die EU mindestens ebenso hart zurück.
 Für eine solche Strategie sprechen drei Argumente:
    Die EU hat es mit einem US-Präsidenten zu tun, dessen Reden und Handeln sich immer weiter von der Realität entfernen und der seine Interessen rücksichtslos durchsetzen will. Ein "fairer Deal" ist aus Trumps Sicht alles, was seiner "America First"-Doktrin entspricht. Bei Verhandlungen zielt er nicht auf Ausgleich, sondern auf die Unterwerfung des Gegners. Zu denen gehört auch die EU, wie Trump neulich ausdrücklich betont hat - und einiges deutet darauf hin, dass er am Zerfall der EU größeres Interesse hat als an einem Deal mit ihr.
    Der Versuch des Appeasements wäre deshalb keine gute Idee. Würde man Trump ohne Gegenleistungen Zugeständnisse machen, fühlte er sich in seiner Vorgehensweise bestärkt und unternähme vermutlich gleich den nächsten Erpressungsversuch.
    Die Europäer haben guten Grund, selbstbewusst aufzutreten - dank der Brexit-Verhandlungen. Sie zeigen, dass die EU notfalls bereit ist, für langfristige Erfolge kurzfristige Verluste zu riskieren. [….][….][….]

Donnerstag, 26. Juli 2018

Gott hat wenig Zeit – Teil II


Gebete sind wie Masturbation: Es fühlt sich toll an für den, der es tut, aber derjenige an den er währenddessen denkt, hat nichts davon.

Die völlige Wirkungslosigkeit von Gebeten läßt sich sehr leicht nachweisen.
Der allmächtige Gott kann nämlich offensichtlich sehr viele Dinge nicht:
Er heilt keine Amputierten, läßt keine Gelähmten wieder gehen und erweckt keine Toten zum Leben. Da kann man noch so viel beten.

Gebete haben aber eine ungemein praktische Wirkung auf Menschen, die für andere beten. Sie können sich in dem wohligen Gefühl wiegen etwas für verhungernde Kinder zu tun, ohne daß sie wirklich etwas tun müssen.
So schafft es der Vatikan auf seinen unfassbaren Milliarden-Geldbergen zu sitzen, immer mehr an sich zu raffen, nicht den ~ 20.000 jeden Tag verhungernden Kindern etwas zu Essen zu besorgen, obwohl er die Mittel hätte und dennoch ein Image als Wohltäter zu generieren.

Während immer mehr Menschen genug von der billigen Ausrede „ich bete für dich“ haben; wie die Parkland-Victims allergisch drauf reagieren, wenn die von der NRA eingekauften Republikaner „thoughts and prayers“ schicken, weil sie lieber andere Waffengesetze hätten, vertreten Strenggläubige immer noch verrücktere Thesen.
So entfesselte der mit katholischen Preisen überhäufte Rudolf Gehring einen „Gebetssturm gegen Abtreibung“ und verkündete fortan „Gebete sind die radikalste Form der Einmischung“.
Der Mann ist also ganz offensichtlich verrückt. Aber er sitzt nicht in einer Gummizelle, sondern bekam einen Job als Reporter beim katholischen Sender EWTN-TV.

[….] Rainer Harter erkennt in seinem Verhältnis zu Gott eine intensive Form der Intimität. Vergleichbar mit jener, die Partner in der Ehe erleben. Ein Auszug aus seinem Buch „Brannte nicht unser Herz“:
[….] Intimität und Leidenschaft sind zwei Zustände, die sehr nahe beieinanderliegen; der eine kann sogar zum anderen führen. [….] Ich genieße es, wenn ich mit meiner Frau alleine bin. Manchmal sprechen wir stundenlang kaum ein Wort miteinander, weil jeder in einem guten Buch versunken ist. Und doch sind wir beieinander, denn unsere Intimität ist über die Jahre so gewachsen, dass wir auch diese Momente als gemeinsame Zeit erleben, die wir miteinander teilen. [….] Ich kenne den Geruch ihrer Haut, die Form ihrer Füße, [….] Sehe ich ihre Hausschuhe im Flur stehen, wenn sie gerade nicht da ist, durchströmt mich ein Gefühl der Liebe und Zuneigung. Es sind nicht einfach Schuhe, darin stecken immer wieder ihre Füße. [bohhh, und ich bin bekanntlich sowieso FUSSPHOBIKER! Ist das ekelig! –T.] Diese besondere Intimität gibt es nur zwischen uns beiden, [….]. Intimität bedeutet Nähe. So ist es auch mit Gott.
Ein Freund von mir sagte einmal: „Gebet ist weitaus intimer als Sex.“ Er hat völlig recht. Die Beziehung zu Gott übersteigt die intimste Beziehung zwischen Mann und Frau. Mancher christliche Single stellt sich unter der körperlichen Zärtlichkeit mit einem geliebten Menschen die Erfüllung seiner Sehnsucht nach Intimität vor. Aber obwohl das Geschenk der Sexualität wunderschön ist, reicht es doch nicht an die erfüllende Intimität heran, die wir in der Liebesbeziehung zu Gott erleben können. In der Begegnung mit ihm werden unsere tiefsten Sehnsüchte gestillt. Wenn man das weiß und erlebt hat, wird die Bedeutung des Gebets in ein gesundes Verhältnis zu unserer Sehnsucht nach Intimität gerückt. [….]

Ich bin ehrlich beeindruckt. Ist das Chuzpe? Ist Rainer Harter ein alter ego eines Titanic-Redakteurs? Der Nachname im Zusammenhang mit Sex könnte ein Hinweis sein.
Und wie findet das eigentlich Frau Harter, wenn ihr Mann coram publico erklärt, er poppe zwar schon irgendwie gern mit ihr, aber das Zusammensein mit Jesus wäre doch noch deutlich geiler?

Andererseits glauben die Harters an einen ganz offensichtlich hilf- und tatenlosen Jesus („Auschwitz hat die Nichtexistenz Gottes bewiesen“) und finden es auch gar nicht lächerlich, daß der Schöpfer erst in der letzten Nanosekunde auftauchte, als 99,99996% der Erdgeschichte schon vergangen waren.

Eine so morialogische Ideologie wie das Christentum funktioniert recht gut, solange die Gläubigen wirklich sehr dumm und ungebildet sind.

Wenn aber der biblisch verlange Religionszwang abgemildert ist und die Bürger zudem über freien Informationszugang verfügen, wenden sie sich in Scharen ab.

[…..]  Im vergangenen Jahr sind rund 660.000 Menschen aus den beiden christlichen Großkirchen ausgetreten. Dabei verlor die katholische Kirche knapp 270.000, die evangelische 390.000 Mitglieder. Das geht aus der aktuellen Jahresstatistik der Deutschen Bischofskonferenz hervor. [….] Dem Religionssoziologen Detlef Pollack von der Universität Münster zufolge sind die Mitglieder überaltert, und die Jugend werde "so wenig im Glauben erzogen, wie das in Deutschland in den letzten Jahrzehnten nie der Fall war". Der Publizist Andreas Püttmann sagte der dpa, dass der Mitgliederrückgang sei nicht so sehr demografisch bedingt sei, sondern vor allem darauf zurückführen lässt, dass die Weitergabe des Glaubens nicht mehr richtig funktioniere. "Wir sehen deshalb jetzt erdrutschartige Abbrüche in der jungen Generation." [….] An Geld hingegen mangelt es den Kirchen trotzdem nicht. Die Kirchensteuereinnahmen stiegen auch 2017 weiter an: Die katholische Kirche erhielt 6,43 Milliarden Euro (2016: 6,15 Milliarden Euro), die evangelische Kirche 5,67 Milliarden (2016: 5,45 Milliarden Euro). [….]

Mittwoch, 25. Juli 2018

Gott hat wenig Zeit.


Ein paar Jährchen hat unser Planet schon auf dem Buckel. Etwa 4,6 Milliarden Jahre.
4.600 Millionen Jahre ist im kosmischen Maßstab nicht richtig alt.
Nach knapp einer Milliarde Jahren tauchten in der Ursuppe erste primitive Lebewesen auf.

[….]  Die Erde war wüst und leer und noch keine Milliarde Jahre alt, da begann bereits das Leben zu keimen - und das an höchst unwirtlichen Orten: In der Nähe heißer Quellen auf dem Grund des Ur-Ozeans lebten womöglich bereits vor mindestens 3,77 Milliarden Jahren die ersten Bakterien - nur etwa 800 Millionen Jahre nach Entstehung des Planeten.
Ein internationales Forscherteam war nach Nordkanada an die Hudson Bay gereist, um den Nuvvuagittuq-Grünsteingürtel zu untersuchen, dessen Alter auf 3,77 bis 4,3 Milliarden Jahre geschätzt wird und das damit zu den ältesten Gesteinen der Erde gehört. Die Wissenschaftler um Matthew Dodd vom University College London stießen auf Röhren und Filamentstrukturen im eisenhaltigen Gestein, die im Aufbau Bakterienkolonien ähneln, die man auch heute noch in der Nähe hydrothermaler Quellen finden kann. Zudem entdeckte das Team Eisenoxid-Partikel und Karbonate. Dies seien weitere Hinweise auf frühes Leben, schreiben die Forscher im Wissenschaftsjournal Nature. [….] Der Fund fügt sich schlüssig in eine Reihe früherer Forschungsergebnisse. Erst im September hatte Nature die Entdeckung von 3,7 Milliarden Jahre alten Lebensspuren in Grönland veröffentlicht. Durch das Abschmelzen des Eispanzers waren dort sehr alte Felsformationen freigelegt worden, in denen Geologen auf bis zu vier Zentimeter große Stromatolithe stießen. [….]

Schon 30 Millionen Jahre vor dem Ende des Präkambriums (vor etwa 540 Millionen Jahren) gab es Tiere.

[…..]  Das erste Tier, das vor vielen hundert Millionen Jahren im Ozean entstand, war kein Schwamm, sondern eine Rippenqualle.
[….] Mit diesem Ergebnis einer Stammbaumanalyse stößt eine Forschergruppe um Casey Dunn von der Universität Hawaii das etablierte Lehrbuchwissen um (Nature, Bd.452, S.745, 2008).
Bisher hatten Evolutionsbiologen Schwämme für die ersten mehrzelligen Tiere gehalten. Sie bilden in der Embryonalentwicklung eine Lage von Zellen, während Quallen zwei Lagen besitzen.
Außerdem besitzen Rippenquallen Nerven, einen Magen und Muskelvorläufer, die Schwämmen fehlen. [….]

Die Viecher krauchten die folgende gute halbe Milliarde Jahre umher, bis irgendwann kleine haarige Affen begannen von den Bäumen zu klettern, um auf der Suche nach Nahrung die afrikanischen Savannen zu erobern. Sie reckten sich mehr und mehr, um in der Graslandschaft, in der man nirgendwo hochklettern konnte, möglichst weit zu gucken.
Man mag es ihnen a posteriori nicht verdenken; schließlich waren sie klein und schwach und mussten sich etwas einfallen lassen, um nicht den evolutionären Schwarzen Peter zu ziehen.
Wer konnte auch ahnen, daß sich daraus die zerstörerische Pest-Rasse „Mensch“ entwickeln würde, die nun die eigentlich recht hübsche Erde massakriert?

[…..] Der Paläoanthropologe Tim White von der Universität von Kalifornien in Berkeley leitet zusammen mit seinen äthiopischen Kollegen Berhane Asfaw und Giday Wolde-Gabriel das Forschungsprojekt „Mittlerer Awash“. Der Name bezieht sich auf einen Abschnitt des Flusses Awash in der Afar-Region. Im Oktober 2009 hatten die Forscher eine Sensation publik gemacht – 15 Jahre nachdem sie dort, an einem Ort namens Aramis, rund 30 Kilometer nördlich des heutigen Yardi-Sees, das Skelett eines Frühmenschen gefunden hatten, der vor 4,4 Millionen Jahren gestorben war.  Die Tote war weiblich und gehört zur Spezies Ardipithecus ramidus. Deswegen wurde sie kurz „Ardi“ getauft. Die Überreste sind mehr als eine Million Jahre älter als das Skelett von „Lucy“, jener weltberühmten Frau der schon moderneren Gattung Australopithecus. Von „Ardi“ erhoffen sich die Forscher neue Aufschlüsse über eine Kernfrage der Evolution: Wie sah der Vorfahr aus, den wir Menschen mit dem Schimpansen gemeinsam haben? [….]

Seit rund 600.000 Jahren gibt es Zweibeiner, die ungefähr so aussehen wie wir und vermutlich über ähnliche kognitive Fähigkeiten verfügten.

Vor 50.000 Jahren entwickelte sich die Kunst.

Die ältesten architektonischen Kultstätten sind die Tempelanlagen von Göbebkli Tepe im Südosten der Türkei.
Dort kamen vor über 12.000 Jahren Menschen zu großen Festen zusammen und errichteten immer gleich aussehende Kreisanlagen aus einem Dutzend vier Meter hohen Kalksteinquadern, in deren Mitte zwei fünfeinhalb Meter hohe T-förmige Pfeiler standen. Niemand weiß, wie deren Partys genau funktionierten. Sicher ist aber, daß es einen hohen Organisationsgrad erforderte solche großen Anlagen zu bauen: Planung, Kooperation und Koordination.
Ein einzelner Trupp Jäger oder Sammler hätte nicht ausgereicht, weil viele Menschen lange gemeinsam gearbeitet haben müssen, während offenbar jemand anders die Nahrungsversorgung übernahm.

Vor 6.800 Jahren wurde die Kreisgrabenanlage von Goseck errichtet, vor 6.500 Jahren die Steinreihen von Carnac und vor 6.000 Jahren schließlich erschuf der liebe Gott die Welt, Sonne, Mond und Sterne, sowieso Tiere und Menschen.
Es folgten die berühmten Pyramiden von Gizeh vor 4.600 Jahren, wenige hundert Jahre später Stonehenge und vor rund 3.400 Jahren Pharao Echnaton, der die blöde Idee mit dem Monotheismus hatte und damit gegenüber den frühsten Gottesvorstellungen die radikale religiöse Intoleranz einführte, die schließlich vor 2.000 Jahren mit Jesus ihren Meister fand.
Seitdem hieß es „wir sind besser als die, allein seligmachend“ – vulgo: Tötet alle anderen.
Oder wie Ratzinger es ausdrückt: Extra Ecclesiam Nulla Salus.
Damit war das Elend vollkommen. Jesu Anhänger begingen weltweit Genozide, Auto Dafés, gingen auf Kreuzzüge, schlachteten 100 Millionen amerikanische Ureinwohner ab, töteten Menschenmassen bei Inquisition und Hexenverbrennungen, brachten im Zuge der christlichen Missionierung und Kolonialisierung Elend über alle Kontinente.

Die gute Nachricht ist, daß das Christentum nur 2.000 Jahre der 4.600.000.000 Jahre der Erdgeschichte infizierte.
99,99996% der Zeit kamen wir also prima ohne den Unsinn aus.
Das Christentum ist also erdgeschichtlich nicht nur zu vernachlässigen, sondern noch um viele Zehnerpotenzen irrelevanter als das was Alexander Gauland für „Vogelschiss“ hält.
Für die wenigen tierischen Lebewesen der letzten knapp 600 Millionen Jahre, die das Pech hatten, Zeitgenossen der Christen zu sein, ist das natürlich ein schwacher Trost.
Ich zum Beispiel ärgere mich sehr.
Wieso muß ich haargenau in diesem mikroskopisch kleinen Zeitabschnitt geboren werden und schaffe es andererseits nicht ein einziges mal einen Volltreffer beim Lotto oder der Glückspirale zu landen?
Meine drei Mathescheine an der Uni habe ich allerdings auch hauptsächlich durch Differenzialgleichungen und weniger durch Stochastik erworben.

Gemessen an meiner winzigen Lebensspanne fühlt sich das Andauern der Abrahamitischen Religionen schon ewig an.