Mittwoch, 25. Juli 2018

Gott hat wenig Zeit.


Ein paar Jährchen hat unser Planet schon auf dem Buckel. Etwa 4,6 Milliarden Jahre.
4.600 Millionen Jahre ist im kosmischen Maßstab nicht richtig alt.
Nach knapp einer Milliarde Jahren tauchten in der Ursuppe erste primitive Lebewesen auf.

[….]  Die Erde war wüst und leer und noch keine Milliarde Jahre alt, da begann bereits das Leben zu keimen - und das an höchst unwirtlichen Orten: In der Nähe heißer Quellen auf dem Grund des Ur-Ozeans lebten womöglich bereits vor mindestens 3,77 Milliarden Jahren die ersten Bakterien - nur etwa 800 Millionen Jahre nach Entstehung des Planeten.
Ein internationales Forscherteam war nach Nordkanada an die Hudson Bay gereist, um den Nuvvuagittuq-Grünsteingürtel zu untersuchen, dessen Alter auf 3,77 bis 4,3 Milliarden Jahre geschätzt wird und das damit zu den ältesten Gesteinen der Erde gehört. Die Wissenschaftler um Matthew Dodd vom University College London stießen auf Röhren und Filamentstrukturen im eisenhaltigen Gestein, die im Aufbau Bakterienkolonien ähneln, die man auch heute noch in der Nähe hydrothermaler Quellen finden kann. Zudem entdeckte das Team Eisenoxid-Partikel und Karbonate. Dies seien weitere Hinweise auf frühes Leben, schreiben die Forscher im Wissenschaftsjournal Nature. [….] Der Fund fügt sich schlüssig in eine Reihe früherer Forschungsergebnisse. Erst im September hatte Nature die Entdeckung von 3,7 Milliarden Jahre alten Lebensspuren in Grönland veröffentlicht. Durch das Abschmelzen des Eispanzers waren dort sehr alte Felsformationen freigelegt worden, in denen Geologen auf bis zu vier Zentimeter große Stromatolithe stießen. [….]

Schon 30 Millionen Jahre vor dem Ende des Präkambriums (vor etwa 540 Millionen Jahren) gab es Tiere.

[…..]  Das erste Tier, das vor vielen hundert Millionen Jahren im Ozean entstand, war kein Schwamm, sondern eine Rippenqualle.
[….] Mit diesem Ergebnis einer Stammbaumanalyse stößt eine Forschergruppe um Casey Dunn von der Universität Hawaii das etablierte Lehrbuchwissen um (Nature, Bd.452, S.745, 2008).
Bisher hatten Evolutionsbiologen Schwämme für die ersten mehrzelligen Tiere gehalten. Sie bilden in der Embryonalentwicklung eine Lage von Zellen, während Quallen zwei Lagen besitzen.
Außerdem besitzen Rippenquallen Nerven, einen Magen und Muskelvorläufer, die Schwämmen fehlen. [….]

Die Viecher krauchten die folgende gute halbe Milliarde Jahre umher, bis irgendwann kleine haarige Affen begannen von den Bäumen zu klettern, um auf der Suche nach Nahrung die afrikanischen Savannen zu erobern. Sie reckten sich mehr und mehr, um in der Graslandschaft, in der man nirgendwo hochklettern konnte, möglichst weit zu gucken.
Man mag es ihnen a posteriori nicht verdenken; schließlich waren sie klein und schwach und mussten sich etwas einfallen lassen, um nicht den evolutionären Schwarzen Peter zu ziehen.
Wer konnte auch ahnen, daß sich daraus die zerstörerische Pest-Rasse „Mensch“ entwickeln würde, die nun die eigentlich recht hübsche Erde massakriert?

[…..] Der Paläoanthropologe Tim White von der Universität von Kalifornien in Berkeley leitet zusammen mit seinen äthiopischen Kollegen Berhane Asfaw und Giday Wolde-Gabriel das Forschungsprojekt „Mittlerer Awash“. Der Name bezieht sich auf einen Abschnitt des Flusses Awash in der Afar-Region. Im Oktober 2009 hatten die Forscher eine Sensation publik gemacht – 15 Jahre nachdem sie dort, an einem Ort namens Aramis, rund 30 Kilometer nördlich des heutigen Yardi-Sees, das Skelett eines Frühmenschen gefunden hatten, der vor 4,4 Millionen Jahren gestorben war.  Die Tote war weiblich und gehört zur Spezies Ardipithecus ramidus. Deswegen wurde sie kurz „Ardi“ getauft. Die Überreste sind mehr als eine Million Jahre älter als das Skelett von „Lucy“, jener weltberühmten Frau der schon moderneren Gattung Australopithecus. Von „Ardi“ erhoffen sich die Forscher neue Aufschlüsse über eine Kernfrage der Evolution: Wie sah der Vorfahr aus, den wir Menschen mit dem Schimpansen gemeinsam haben? [….]

Seit rund 600.000 Jahren gibt es Zweibeiner, die ungefähr so aussehen wie wir und vermutlich über ähnliche kognitive Fähigkeiten verfügten.

Vor 50.000 Jahren entwickelte sich die Kunst.

Die ältesten architektonischen Kultstätten sind die Tempelanlagen von Göbebkli Tepe im Südosten der Türkei.
Dort kamen vor über 12.000 Jahren Menschen zu großen Festen zusammen und errichteten immer gleich aussehende Kreisanlagen aus einem Dutzend vier Meter hohen Kalksteinquadern, in deren Mitte zwei fünfeinhalb Meter hohe T-förmige Pfeiler standen. Niemand weiß, wie deren Partys genau funktionierten. Sicher ist aber, daß es einen hohen Organisationsgrad erforderte solche großen Anlagen zu bauen: Planung, Kooperation und Koordination.
Ein einzelner Trupp Jäger oder Sammler hätte nicht ausgereicht, weil viele Menschen lange gemeinsam gearbeitet haben müssen, während offenbar jemand anders die Nahrungsversorgung übernahm.

Vor 6.800 Jahren wurde die Kreisgrabenanlage von Goseck errichtet, vor 6.500 Jahren die Steinreihen von Carnac und vor 6.000 Jahren schließlich erschuf der liebe Gott die Welt, Sonne, Mond und Sterne, sowieso Tiere und Menschen.
Es folgten die berühmten Pyramiden von Gizeh vor 4.600 Jahren, wenige hundert Jahre später Stonehenge und vor rund 3.400 Jahren Pharao Echnaton, der die blöde Idee mit dem Monotheismus hatte und damit gegenüber den frühsten Gottesvorstellungen die radikale religiöse Intoleranz einführte, die schließlich vor 2.000 Jahren mit Jesus ihren Meister fand.
Seitdem hieß es „wir sind besser als die, allein seligmachend“ – vulgo: Tötet alle anderen.
Oder wie Ratzinger es ausdrückt: Extra Ecclesiam Nulla Salus.
Damit war das Elend vollkommen. Jesu Anhänger begingen weltweit Genozide, Auto Dafés, gingen auf Kreuzzüge, schlachteten 100 Millionen amerikanische Ureinwohner ab, töteten Menschenmassen bei Inquisition und Hexenverbrennungen, brachten im Zuge der christlichen Missionierung und Kolonialisierung Elend über alle Kontinente.

Die gute Nachricht ist, daß das Christentum nur 2.000 Jahre der 4.600.000.000 Jahre der Erdgeschichte infizierte.
99,99996% der Zeit kamen wir also prima ohne den Unsinn aus.
Das Christentum ist also erdgeschichtlich nicht nur zu vernachlässigen, sondern noch um viele Zehnerpotenzen irrelevanter als das was Alexander Gauland für „Vogelschiss“ hält.
Für die wenigen tierischen Lebewesen der letzten knapp 600 Millionen Jahre, die das Pech hatten, Zeitgenossen der Christen zu sein, ist das natürlich ein schwacher Trost.
Ich zum Beispiel ärgere mich sehr.
Wieso muß ich haargenau in diesem mikroskopisch kleinen Zeitabschnitt geboren werden und schaffe es andererseits nicht ein einziges mal einen Volltreffer beim Lotto oder der Glückspirale zu landen?
Meine drei Mathescheine an der Uni habe ich allerdings auch hauptsächlich durch Differenzialgleichungen und weniger durch Stochastik erworben.

Gemessen an meiner winzigen Lebensspanne fühlt sich das Andauern der Abrahamitischen Religionen schon ewig an.

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