Montag, 14. Mai 2018

Nitroglycerin ins Feuer


Das gewalttätigste Pulverfass der Welt dürfte Jerusalem mit den umgebenden Nationen sein.
Da kommt wirklich alles zusammen:
Heilige Stätten der drei großen monotheistischen Religionen, Apotheose des metaphysischen Draufhauens.
Meltingpot des Imperialismus, der schon vor 1200 Jahren die Bösartigkeit abendländischen Denkens als Kreuzzüge erlebte, die nichts anderes waren als Genozide. Jerusalem steht sprichwörtlich für den Zionismus des Theodor Herzls. Schon lange bevor man sich darauf einigte wo eigentlich ein Judenstaat entstehen könnte, etablierte sich die zionistische Grußformel „nächstes Jahr in Jerusalem.“
Yad Vashem, die weltweit zentrale „Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust“ und somit Symbol der größten Schande Deutschlands liegt in Jerusalem. Darüber hinaus ist die Stadt auch noch Symbol für die Ost-West-Konfrontation. Hier rangen schon NATO und Warschauer Pakt um die Vormacht, wie es heute Russland und die USA tun.
Die Stadt ist geteilt, mit allen Mitteln wird um Einfluss gerungen. Mit Gewalt, mit Gebeten und mit dem Scheckbuch.
Es erfordert die gesamten Anstrengungen der Welt, um diese brodelnde Metropole davon abzuhalten zu explodieren.
US-Präsidenten aller erdenklichen politischen Ausrichtungen wußten wie heikel die Lage ist und so verhinderten George W. Bush genauso wie Barack Obama in schöner Regelmäßigkeit alle sechs Monate mit ihrem Veto einen von fanatischen Rechtsradikalen im US-Kongress durchgepaukten Beschluss umzusetzen, nach dem die US-Botschaft in Israel nach Jerusalem umziehen möge.
Selbst GWB, der ohne zu zögern den Nahen Osten in Flammen setzte, viele Hunderttausend Tote in Kauf nahm und mehrere illegale Angriffskriege unternahm, schreckte vor dieser Mega-Provokation der gesamten Islamischen Welt zurück.
Und dann kam Trump, der zutiefst satanisch veranlagt einerseits den Hassfanatikern seiner evangelikalen Basis ein Zuckerchen geben wollte und andererseits in seinem rassistischen Wahn alles von Obama Bewirkte zu zerstören, doch das Undenkbare veranlasste:
Amerikanisches Nitroglycerin über die Israelischen Protuberanzen auszukippen.

Mit dem römischen Kaiser Nero wird man neben einer grandiosen schauspielerischen Leistung Peters Ustinovs für immer den absoluten Zerstörungswahn assoziieren. Adolf Hitlers „Nerobefehl“ vom 19. März 1945 meint die Taktik der verbrannten Erde. Die Wehrmacht sollte auf ihrem Rückzug sowohl in besetzten Gebieten als auch auf deutschem Boden absolut alles zerstören. Nach Hitler sollte nichts mehr existieren und die gesamte Nation mit Maus, Mann und Gebäude ausradiert sein.
Heute weiß man, daß Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus (* 15. Dezember 37; † 11. Juni 68), römischer Kaiser von 54 bis 68, vermutlich posthum Unrecht getan wurde.
Als der große Brand von 64 ausbrach, der Rom fast total zerstörte, war er mindestens 50 km außerhalb der Stadtmauern, hat also sicher nicht selbst den Brandt gelegt und war auch nicht wahnsinnig.
Nero, der noch 19 Jahrhunderte später metaphorisch für das absolute Böse herhalten musste, war immerhin besser als Trump.
Dieser zerstört wirklich aktiv und aus niederträchtigen Beweggründen.
Den Nahen Osten lässt er gern in Flammen aufgehen für das wohlige Gefühl a posteriori Barack Obama zu quälen.
In seltener Einigkeit lehnen die Nationen von China über Russland bis zu England, Frankreich und Deutschland Trumps Jerusalem-Plan ab. Kein anderes Land ist so verrückt und bösartig wie Amerika.

[…..] Gua­te­ma­la wird sei­nem Land nach Je­ru­sa­lem fol­gen. Pa­ra­gu­ay und Hon­du­ras sind grund­sätz­lich dazu be­reit, und auch Mi­kro­ne­si­en, die Mar­shal­l­in­seln, Togo, Pa­lau und Nau­ru ha­ben zu­sam­men mit den USA und Is­ra­el in der Uno-Voll­ver­samm­lung ge­gen die Be­schwer­de ge­stimmt, die die Welt zum Bot­schafts­um­zug auf­ge­setzt hat­te. Nau­ru liegt im Pa­zi­fi­schen Oze­an und ist mit etwa 10 000 Ein­woh­nern die kleins­te Re­pu­blik der Erde. […..]
(Alexander Osang, DER SPIEGEL, 12.05.2018)

Bei der heutigen Botschaftseinweihung waren neben Vertretern der nepotistischen Kakistokratie USA (Jared Kushner und Ivanka Trump) keine Vertreter der Welt eingeladen. Niemand wäre gekommen, nachdem 128 Nationen die Botschaftsverlegung in der UNO als kriegstreibend kritisierten.
Die diplomatischen Beziehungen der USA zu Palästina wurden de facto eingestellt.
Trump redet nicht mit anderen.

Und Trump bekam was er wollte:
Viele Tote, viele Verletzte, viel Gewalt. Die Palästinenser melden 52 Tote, rund 2400 Verletzte.

[….] Der zu dieser Zeit am besten geschützte Ort der Stadt befindet sich weiter südlich: Tausende Polizisten riegeln die neue US-Botschaft ab, die im Beisein von 800 Gästen eröffnet wird. Präsident Donald Trump, der seine Tochter Ivanka und seinen Schwiegersohn Jared Kushner geschickt hat, spricht per Videobotschaft: "Israel ist eine souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen", verkündet er. 73 Kilometer davon entfernt im Gazastreifen wird zu diesem Moment der 45. Tote des Tages gezählt. [….]

 [….] Dass die USA 70 Jahre nach Israels Gründung endlich Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt hätten, sei "dem Mut einer Person" zu verdanken, so Premier Benjamin Netanyahu. Trump habe, indem er die Geschichte anerkannt habe, Geschichte geschrieben. Ein großer Tag für Israel, ein großer Tag für die Partnerschaft mit den USA sei das, aber er glaube auch "ein großartiger Tag für den Frieden", sagte Netanyahu. Denn Frieden könne nicht auf einer Lüge basieren. Und die Wahrheit sei, dass Jerusalem schon immer die Hauptstadt Israels war und immer sein werde.
Als Netanyahu diese Worte sagt, sind bei Massenprotesten im Gazastreifen bereits viele Tote zu zählen, Tausende Verletzte. Israelische Soldaten haben nach palästinensischen Angaben mehr als 50 Menschen erschossen, die sich - trotz Warnungen der Israelis - der Grenze näherten. [….] Bei der Botschaftseröffnung kommentierte Trumps Chefberater und Schwiegersohn Jared Kushner die Ereignisse in Gaza: "Diejenigen, die Gewalt provozieren, sind Teil des Problems, nicht Teil der Lösung." Israels Minister für Öffentliche Sicherheit, Gilad Erdan, sagte nach Angaben der Zeitung "Haaretz" zu der hohen Zahl der Toten: Diese besage gar nichts - "genauso wenig wie die Zahl der im Weltkrieg getöteten Nazis den Nationalsozialismus zu etwas gemacht hätte, was man erklären oder verstehen kann. Es gibt eine Wahrheit" - die Hamas sei schuld am Blutvergießen. […..]

Wie man hört ist Trump dieser Tage hochzufrieden mit sich selbst.

[….] Vor Trump kamen sämtliche US-Präsidenten zu ähnlichen Schlüssen: Freihandel ist gut für Amerika, im Großen und Ganzen nutzt uns Einwanderung, und reife, selbstbewusste Verbündete machen uns stärker. Jetzt ist da jemand, der Immigranten als Bedrohung und Verbündete als Last empfindet, und gegen Freihandel kämpft. Das stellt Amerika, wie wir es seit 75 Jahren kennen, auf den Kopf. Wer eine beliebige Position des Präsidenten verstehen will, muss Barack Obamas Haltung dazu kennen - Trump macht das Gegenteil. Im Gesundheitswesen, beim Pariser Klimaschutzabkommen, beim Transpazifischen Freihandelsabkommen, Syrien, und jetzt Iran. […..] Trump fei­ert ge­ra­de, dass er Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich und Deutsch­land sei­nen Wil­len auf­ge­zwun­gen hat. […..]

Sonntag, 13. Mai 2018

Bleibt nicht mehr viel Wählbares.


Das ist heute wieder eine Aufregung um die LCL, die „Liste Christian Lindner“.
Das ist diese zwischenzeitlich mal liberale Partei, die sich dann Helmut Kohl an den Hals warf, alle liberalen Kräfte aus der Partei drängte, den Säkularismus aufgab, sich an die Kirchen ranschmiss, sich zur reinen Lobbyorganisation umdefinierte, politisch nur noch gegen Millionenzahlungen der Pharma-, Spielautomaten-, Hotel- ,Apotheken- , Privatversicherungs- , Immobilien- und Industrieverbände aktiv wurde, konsequent alle Frauen aus den Führungspositionen verdrängte, den Sexisten Brüderle aufsteigen ließ, den schweren Antisemitismus der 50er Jahre reaktivierte, mit Westerwelle und Möllemann gezielt judenfeindliche Stimmung erzeugte und seit einigen Jahren mit dem neuen Chef Lindner versucht Gauland rechts zu überholen, indem ständig europafeindliche und xenophobe Sprüche gemacht werden.
Seit Jahren strickt Lindner für seine AfDP an einem  braunen Muster und blinkte auch beim gestrigen Partietag wieder so rassistisch, daß die AfD-Führung sofort den roten, bzw braunen Teppich ausrollte.

[….] Lindners Bäcker-Anekdote: AfD-Fraktionsvorsitzende Weidel: FDP kann sich bei Migration gerne mit uns abstimmen. [….]
(FAZ, 13.05.2018)

Grundsätzlich ist es natürlich zu bedauern, daß eine einst stramm nationalliberale Partei, die mit den Freiburger Thesen von 1971 und großen liberalen Vordenkern wie Hamm-Brücher, Flach, Verheugen und Matthäus-Maier zu einer mutigen, modernen liberalen Partei wurde, nun endgültig wieder bei ihren miefigen völkischen Anfängen angekommen ist.
Aber andererseits erleichtert es das politische Geschäft, wenn die drei Rechtsaußen ihrer Parteien – Spahn, Dobrindt und Lindner – eine gemeinsame NPD-artige Strategie verfolgen.
Das erspart Gedankenspiele um Ampeln und macht es leichter mich mit der SPD zu identifizieren.
Eine parteipolitische Lagerkonstellation aus CDUCSUAFDP einerseits und R2G andererseits ist nur zu begrüßen, weil damit die Unterschiede deutlicher herauskristallisiert werden.
Das könnte die Demokratie spannender machen und andere Mehrheiten generieren, wenn der rechte Vierparteienblock zunehmend bei urbanen Menschen unwählbar wird.
So weit bin ich Christian Lindner fast dankbar, daß er alle Zweifel über seine Gesinnung vom Tisch wischt.

Was mich erheblich mehr umtreibt ist die Tatsache, daß nach der FDP auch eine zweite Partei aus dem ehemals liberalen Lager rübermacht zu den Rechten.
Immer deutlicher und immer vehementer öffnet sich die LINKE völkischen Gedanken. Das Ehepaar Lafontaine und Wagenknecht plappert absolut beratungsresistent den braunen Rattenfängern Gauland und Höcke nach – obwohl gerade die letzten Bundestagswahlen gezeigt haben, daß man damit nur das Original deutlich stärker macht. Die Unionslandesverbände, die sich am stärksten an die AfD heranwanzten – Bayern und Sachsen – verloren am meisten.
Die AfD war da am schwächsten – Hamburg – wo man ihr am konsequentesten entgegentrat.

[…..] Sahra Wagenknecht benennt zu Recht viele Missstände in diesem Land. Aber im Bereich der Flüchtlingspolitik hat sie sich wiederholt in einer Weise geäußert, die gar nicht geht. Dazu gehört, das Asylrecht als Gastrecht zu bezeichnen, die Grenzöffnung und damit Flüchtlinge indirekt verantwortlich zu machen für Terroranschläge oder von Kapazitätsgrenzen zu sprechen. Das ist eine Abkehr von linken Positionen und aus meiner Sicht ein Fischen am rechten Rand. Es ist schon richtig und wichtig, den rechten Parteien die Wähler abspenstig zu machen und den nationalistischen, rechtspopulistischen und neonazistischen Positionen den Boden zu entziehen. Es ist aber gesellschaftspolitisch fatal, dies zu tun, indem man selbst nach rechts rückt. [….]
(Die Bremer Bürgerschaftsabgeordnete Sofia Leonidakis, Sprecherin der Fraktion der Linkspartei für Flüchtlingspolitik, 12.10.2017)

Da ich Wagenknecht eigentlich für intelligent genug halte, um diese Zusammenhänge zu analysieren, sie aber dennoch seit Jahren rechtsextrem und völkisch blinkt, kann ich nur mutmaßen, daß sie keiner parteitaktischen Überlegung folgt (was schlimm genug wäre), sondern daß sie tatsächlich völkisch und ausländerfeindlich denkt.

[….] Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hat sich für eine Begrenzung der Zuwanderung ausgesprochen. "Die Menschen haben einen Anspruch darauf, dass der Staat sie vor Dumpingkonkurrenz schützt", sagte sie dem Magazin "Zeit Geschichte". Das Asylrecht für politisch Verfolgte müsse gelten. "Aber Arbeitsmigration ist ein Problem, gerade im Niedriglohnsektor", fügte Wagenknecht hinzu. […..]

Liebe Freunde von der Linkspartei. Das ist kein Ausrutscher mehr, sondern eine seit Jahren kontinuierlich fortgeführte ausländerfeindliche Abschottungspolitik.
Anfangs tröstete ich mich auch noch damit, daß nicht die gesamte LINKE so denkt.
Aber wenn man so ein Braunsprech seit Jahren von der mit Abstand prominentesten Figur und Bundestagsfraktionsvorsitzenden offensichtlich akzeptiert – Wagenknecht wird ja eben nicht abgewählt – macht man sich mitschuldig.
Ich könnte der LINKEN jedenfalls nicht mehr meine Stimme geben.
Bleiben noch zwei, die Grünen und die Sozis.
In einem Fall haben wir es mit einer CDU-begeisterten schwer religiotischen Fraktionsvorsitzenden zu tun, die Merkel liebt und im anderen Fall haben wir es mit einer CDU-begeisterten schwer religiotischen Partei- und Fraktionsvorsitzenden zu tun, die Merkel liebt.

Samstag, 12. Mai 2018

Irreversibel kaputt.


Das eigentliche Trump-Problem beschreibt Jake meines Erachtens völlig richtig:

Presse/Medien drehen sich im Kreis, springen auf täglicher Basis von einem Skandal zum anderen und lassen ständig alles stehen und liegen. [….]

Die Beleidigungen, Lügen und rassistischen Skandale kommen in einer derart schnellen Folge aus dem Weißen Haus, daß es unmöglich ist sie alle wahrzunehmen, geschweige denn sie angemessen medial zu „covern“.

Für die Trump-Fans sind seine Korruption, Korrumpierung und Chaos bloß noch „Weißes Rauschen“.
Für uns andere ist es der pure Stress, der einzige Ausweg ist gelegentliches Lachen aus Notwehr.

Es ist ja auch witzig zu sehen wie die Kabarettisten aufdrehen.






Aber während wir paralysiert auf den Bildschirm starren, haben wir zugelassen, daß sich die Pforten der Hölle nicht nur geöffnet haben, sondern auch fest eingerastet sind.
Nun heißt es „Anything Goes“.
Es gibt keine Schäbigkeit mehr, die nicht einfach durchflutschen würde.
Jüngstes Beispiel ist die ekelige Bemerkung der White-House-Kommunikationsstrategin Kelly Sadler (since May 2017 under the role of Special Assistant To The President and focuses on illegal immigration), die eine extrem verletzende Bemerkung losließ.
John McCains Bedenken gegenüber der Nominierung der folteraffinen Gina Haspel als CIA-Chefin, wären egal, da er eh bald sterbe.
Sehr widerlich in jedem Fall, aber insbesondere wenn es einen hochgeachteten Parteifreund, Senator, Kriegshelden, POW und ehemaligen Präsidentschaftskandidaten handelt.
Natürlich gibt es in jedem großen Regierungsapparat Idioten, die idiotische Dinge sagen.
Aber in so einem Fall würde jeder der anderen bisherigen 44 US-Präsidenten dasselbe getan haben: Sadler feuern und dann sofort zum Telefonhörer greifen, um Cindy McCain anzurufen, ihrem Mann gute Genesung zu wünschen und in aller Form als Präsident um Entschuldigung zu bitten.
Damit wäre die Sache aus der Welt geschafft.

[…..] McCains Tochter Meghan McCain sagte dem Sender ABC am Freitag (Ortszeit), sie verstehe nicht, wie Sadler noch immer im Amt sein könne. McCains Ehefrau Cindy wandte sich direkt via Twitter an Sadler: „Wenn ich Sie daran erinnern darf, mein Mann hat eine Familie, 7 Kinder und 5 Enkel.“ Der ehemalige Vize-Präsident Joe Biden sagte laut Berichten am Freitag: „Die Leute haben sich gefragt, wann der Anstand bei dieser Regierung den Tiefpunkt erreichen würde. Gestern ist es passiert.“ Ähnlich fassungslos äußerten sich zahlreiche weitere Abgeordnete. [….]
(FAZ, 12.05.2018)

Joe Biden wird sich getäuscht haben. Für Trump gibt es keinen moralischen „rock bottom“, den er nicht leicht unterschreiten könnte.

Ana Navarro, Freundin der McCain-Familie wies auch noch auf die 104-Jährige Mutter McCains hin, die den Spot aus dem Weißen Haus über ihren schwer krebskranken Sohn ertragen müsse.

Das größere Problem als Sadler versus McCain besteht aber darin, daß Trump eben dieses moralisch schwarze Loch erzeugt hat.
Er, der sich fünf Mal mit einem dubiosem Attest eines Fersensporns um den Wehrdienst in Vietnam gedrückt hatte, macht sich über einen Kriegshelden lustig und weist ganz offensichtlich seine Pressechefin Sanders an sich keinesfalls dafür zu entschuldigen, daß erneut ein Sterbenskranker von seiner Administration in den Dreck gezogen wird. Seine erbärmlichen Epigonen wie Paris Dennard verteidigen das im TV und lügen wie gedruckt.

Wie naiv waren wir noch 2015, als wir dachten, DAS wäre nun aber echt der absolute Tiefpunkt:

[…..
]  Donald Trump might finally have crossed the line.
Appearing on Saturday at the Family Leadership Summit in Ames, Iowa, the real estate mogul took his running feud with Arizona Sen. John McCain to a new level.
“He’s not a war hero,” said Trump. “He was a war hero because he was captured. I like people who weren’t captured.” [….]

Ich halte es nicht für vorstellbar, daß man dieses Rad jemals zurückdrehen kann.
Amerikas internationale Reputation ist ohnehin zerstört, jeder weiß, daß man sich nicht auf die USA verlassen kann.
Donald Trump hat uns allen klar seinen Mittelfinger gezeigt und wird dabei von den Republikanern nach wie vor trotz seiner 3.000 öffentlichen Lügen genauso unterstützt, wie von einem großen Teil der amerikanischen Medien und Millionen fanatisierter weißer Rassisten, die ihn dafür bejubeln.

[….] With his decision to blow up the Iran deal, U.S. President Donald Trump has thrown Europe into uncertainty and anxiety -- and raised the specter of a new war in the Middle East. One thing is certain: the trans-Atlantic relationship has been seriously damaged. [….]


Der Geist ist aus der Flasche, man kann Zahnpasta nicht zurück in die Tube drücken, aus Rührei wird niemals wieder ein rohes Hühnerei – egal welche Metaphorik wir bemühen:
Trump ist kein schlechter Präsident wie es auch schon andere lügende und schlechte US-Präsidenten gegeben hat.
Nein, er transformiert das gesamte Land moralisch final in den Abgrund.
Das können selbst die integersten und kompetentesten #46, #47, #48 ff nicht wieder gutmachen.

Und bleibt nur Galgenhumor.


Freitag, 11. Mai 2018

Hätte, hätte, Fahrradkette.


Martin Schulz war wirklich ein extrem unglücksseliger Kanzlerkandidat.
Er jammerte, beklagte sich ständig ungerecht behandelt zu werden, konnte gar nicht begreifen, daß irgendjemand gegen ihn war, schließlich findet er sich selbst ganz großartig.
Es ist nach wie vor atemberaubend und surrealistisch was uns Markus Feldenkirchen in „Die Schulz-Story“ vor Augen führt.
So viel dadaistische Unfähigkeit wie im Willy-Brandt-Haus kann man sich gar nicht vorstellen.
Während Peer Steinbrück sich 2013 noch gegen die radikal verblödete Kampagne unter der hoffnungslos überforderten Debakel-Generalin Nahles wehrte und verzweifelt versuchte die Querschüsse von Parteichef und Urnengift-Andrea zu unterbinden, war Schulz selbst Parteichef und hatte alle Freiheiten.
Aber er suchte mit viel Mühe und Akribie Möglichkeiten sich selbst ins Knie zu schießen, indem er beispielsweise denjenigen, der als Generalsekretär die Bundestagswahl 2009 zum schlechtesten SPD-Ergebnis aller Zeiten ritt, erneut zum Generalsekretär bestimmte. Und Heil lieferte; unter seiner WBH-Führung debakulierte sich die SPD sogar noch unter den Wert von 2009; nur noch 20,5%.

Die ganz große Tragik ist aber, daß Martin Schulz als sozial, international und europäisch denkender Mensch doch noch klar besser gewesen wäre als Phlegma-Merkel der Kanzlerjahre 13-16.

Sein Macron-Namedropping war mehr als peinlich, aber Recht hatte er dennoch: Die einzige Chance für Europa und womöglich sogar die einzige Chance für Frieden in der Welt, ist jetzt der ganz intensive Schulterschluss zwischen den EU-Mächten.
Sie müssen einen monolithischen Block gegen den großen Antagonisten USA bilden.
Das Iran-Desaster zeigt sogar, daß die notorischen Washington-Poodle in London fest an der Seite Europas gegen Trump stehen.
Ein auch nur halbwegs zurechnungsfähiges Kanzleramt stünde schon seit einem halben Jahr an der Seite des Élysée-Palasts und würde den Macron-Weg für Europamitgestalten.
Stattdessen sitzt aber die womöglich schon lange entschlafene Merkel im Kanzlersessel und blockiert, moniert, verhindert, nörgelt, bremst, verneint.

[…..] Die Verleihung des Karlspreises nutzt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für Klartext - nicht alles dürfte Angela Merkel gefallen haben. Angesichts der Entfremdung mit den USA mahnt er zum Handeln.
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat Deutschland einen zu strikten Sparkurs und mangelnden Mut bei der Reform Europas vorgeworfen.
Bei der Entgegennahme des Internationalen Karlspreises in Aachen forderte Macron die Bundesregierung am Donnerstag zu höheren EU-Ausgaben auf und kritisierte einen "Fetischismus" für Budget- und Handelsüberschüsse. Die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stemmt sich bisher gegen deutlich höhere Ausgaben und bekennt sich nur zu den Mehrkosten durch das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU (Brexit). Um in Europa voranzukommen, müsse man sich auch von Tabus lösen, mahnte Macron. [….]
(Hamburger Abendblatt, 11.05.2018)

Statt seinen Vorurteilen gegenüber Russland zu frönen, muss die deutsche Bundesregierung jetzt das tun, was das kleinste Übel ist:
Angesichts der ungeheuerlichen vertragsbrüchigen Lügenstorys aus Washington muss eine Allianz der herkömmlichen Staaten geformt werden, die wenigstens nicht völlig wahnsinnig sind.

Das bedeutet, daß Merkel als mächtigste und erfahrenste Person Europas nun Tag und Nacht wie Schröder und Fischer 2003 an einer großen Entente aus dem Iran, Russland, China, Frankreich, England, Deutschland und der EU arbeiten muss.
Sie hätte längst dafür sorgen müssen Xi, Putin, May, Macron, Rohani und Federica Mogherini zu einer Petersberger Krisenkonferenz zu laden.
Dort hätte man angesichts der dramatischen Lage in den USA in den sauren Apfel beißen müssen, die antirussischen Sanktionen und den aberwitzigen Brexit erst mal beiseite stellen müssen.
In dem Fall müsste Deutschland seine geballte Wirtschaftsmacht einbringen und zusammen mit dem auch nicht gerade armen China garantieren, daß kleine Nationen und Privatfirmen nicht vom Amoktrio Pompeo-Bolton-Trump gezwungen werden können dem Iran in den Rücken zu fallen.

Man könnte noch viel mehr Länder ins Boot holen. Wer, außer Netanjahu steht denn noch aus Überzeugung zu Trumpmerica?

Der äußerst Russland-kritische Heiko Maas, der bisher sehr viel mehr Distanz zu Putin hält als sein Vorgänger Gabriel, hat immerhin diese Notwendigkeit erkannt, ist nach Moskau gereist, spricht mit Lawrow.

Merkel hingegen sitzt tumb in der tiefsten deutschen Provinz, beim Kirchentag in Münster.
Für ihre Verhältnisse setzt sie sich schon dramatisch von Trump ab, indem sie sagt, der Ausstieg aus dem Iran-Abkommen sei „nicht richtig“.

[….] Nach der vielbeachteten Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Eröffnungstag bekommt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel viel Applaus für ihre deutlichen Worte auf dem Podium.
Die Aufkündigung des Iran-Abkommens durch US-Präsident Donald Trump sei „ein Grund großer Sorge, auch ein Grund von Bedauern“, sagt sie klar und spricht damit dem Publikum aus der Seele. Es sei nicht richtig, ein Abkommen, das verabredet wurde, über das man dann im UN-Sicherheitsrat abgestimmt hat, es einstimmig gebilligt hat, einseitig aufzukündigen, so Merkel am Freitagmittag in der Halle Münsterland. [….]
(WN 11.05.18)

Nicht zu fassen!
Die Kanzlerin soll nicht mit den christlichen CDU-Stammwählern schmusen und laue Worte absondern, die eins garantiert nicht tun, nämlich Trump beeinflussen.
Los, ab in den Regierungsjet und Pendeldiplomatie.
Moskau, Peking, Paris, Teheran.
Washington hat fertig. Die Besuche Macrons, Merkels und Johnsons haben es ja eindrucksvoll gezeigt: Egal wie man mit Trump redet, wie dringlich man es macht, ob man mahnt, warnt oder das volle Schmeichel-Programm abspult: Der Mann bleibt unbelehrbar, borniert, bösartig und eine einzige Abrissbirne für den Weltfrieden.
Auch Schulz hätte bei Trump nichts bewirkt, aber er hat immerhin erkannt, daß man ihm massiv entgegentreten und alternative Machtstrukturen generieren muss.