Samstag, 22. Juli 2017

Kleines nettes Hamburg.



Inzwischen wächst es sich zu einer handfesten Manie des SPIEGELs heraus sich ständig über die Weltstadtambitionen der Stadt Hamburg lustig zu machen.
Hätten die Hamburger dieses Bestreben, würde ich mich natürlich auch darüber amüsieren.

Aber dabei handelt es sich um eine reine Medien-Hoax. Punktuelle Fake-News. Naja, allerdings ist Jan Fleischhauer der Autor, der gestern diese Attacke ritt.
Der selbsternannte Rächer der Konservativen, dessen SPIEGEL-Kolumne „der schwarze Kanal“ heißt, scheint sich mehr und mehr zum Nachfolger Matthias Matusseks, als braunes Enfant Terrible des Nachrichtenmagazins zu mausern.
Mindestens einen Profi-Verrückten braucht jedes Magazin.


Nachdem vor einem Monat Alexander Smoltczyk den toten Gaul „Weltstadt Hamburg“ ritt, sich über die Olympia-Blamage und den G20-Wahn mokierte und dabei vergaß, daß große Mehrheiten der Hamburger diese Megaprojekte eben nicht haben wollten, kommt nun Fleischhauer mit demselben Unsinn.
Niemand in Hamburg will Weltstadt sein.

[…..] „Hanseaten bleibt besser im Garten“, fordert Kolumnist Jan Fleischhauer. […..]
Dafür gibt es jede Menge Spott für den (angeblichen) Wunsch der Hamburger „unbedingt Weltstadt“ sein zu wollen, obwohl Hamburg definitiv nicht „irgendwie hip oder großstädtisch“ ist. Eher ein bisschen langweilig. […..]
Wenn die Stadt mal bei Ausschreitungen schmutzig werde, würden die Hamburger sofort aufräumen, man sei schließlich das „Stuttgart des Nordens“: „Andernorts warten sie nach Krawallen eine Woche auf die Stadtreinigung, in Hamburg rückt am nächsten Tag die Bewohnerschaft unter dem Motto ,Hamburg räumt auf‘ mit Besen und Eimer an.“
[…..] Wenn Fleischhauer mal auf Elternbesuch komme, schreibt er, würden die Hamburger U-Bahnen pünktlich fahren, würden sich die Obdachlosen artig bedanken und die Dealer unsichtbar machen. „Spießige Kaufmannsstadt“ eben. […..]

Ja, Herr Fleischhauer. Die Retourkutsche an das provinzielle Berlin, in dem man noch nicht mal einen richtigen Blumenstrauß bekommt und Weltläufigkeit mit mangelnder Hygiene der Bewohner und Unfreundlichkeit verwechselt wird, wälze ich lieber nicht aus.

Ich bin gerne im Fleischhauerschen Sinne Kleinstädtisch, wenn damit gemeint ist, daß ich es bevorzuge Menschen auf der Straße zu treffen, die öfter als einmal pro Woche duschen und einen nicht mit einer Pöbel-Attacke überziehen, wenn man freundlich grüßt.

Hamburg führte schon seit Jahrhunderten weltumspannenden Handelsbeziehungen, als Berlin noch ein Nest war. Berlin liegt kontinental, hat keinen internationalen Hafen, schmorte daher immer im eigenen Saft, während Hamburger von Natur aus polyglott veranlagt sind.

Hamburg beherbergt aufgrund seiner gewaltigen Handelsbeziehungen nach New York die zweitmeisten Konsulate der Welt. Im Gegensatz zu Berlin sind wir aber nie Sitz einer nationalen Regierung gewesen.
Staatsgäste trudeln bei Frau Merkel und Herrn Steinmeier in Berlin beinahe täglich ein; in Hamburg geschieht das kaum – aber der G20 zeigte welch zweifelhaftes Vergnügen es ist, wenn die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden müssen.

Ich hätte in Hamburg lieber deutlich weniger Großveranstaltungen – und bin mir darin offensichtlich sogar mit einer Majorität meiner Mitstädter einig, wenn ich die Reaktionen und Leserbriefe lese, die erschienen, als eine Woche nach dem G20-Wochenende wieder die halbe Stadt gesperrt wurde, weil Schlagermove und der Triathlon stattfanden.

Eine Stadt darf nicht zu provinziell sein, aber für meinen Geschmack sind etwas unter zwei Millionen Bewohner auf einer Fläche von 755 Quadratkilometern auch fast das Maximum.
Die echten Weltstädte, die über 10, oder gar 20 Millionen Einwohner haben, werden einfach zu anstrengend, weil der Verkehr kollabiert, die Pendelzeiten zur Arbeit extrem, die Mieten im Zentrum unbezahlbar werden.
Die Luft wird unerträglich, der Flughafen ist Stunden entfernt.

Nein, ich bevorzuge es klein und fein.
Dafür aber stabil und eigenständig. Hamburg hängt im Gegensatz zu einer gewissen größeren deutschen Stadt östlich davon nicht am finanziellen Tropf des Bundes.

Hamburg verfügt über das mit Abstand höchste Prokopf-Einkommen aller Bundesländer und ist in Kombination damit gerade groß genug, um bei den spezifischen großstädtischen Einrichtungen international mitspielen zu können.
Hier gibt es Weltklasse-Kardiologen, Weltklasse-Ballett und auch die ganz großen internationalen Stars wie Adele oder Madonna gastieren hier.

Natürlich ist Hamburg nicht überall spitze.
Mit der Presse ist es beispielsweise sehr eigenartig. Alle bedeutenden wöchentlichen Periodika, SPIEGEL, STERN und ZEIT sitzen in Hamburg.

Dafür gibt es aber keine einzige gute überregionale Tageszeitung aus Hamburg.

Bis 2014 das biedere „Hamburger Abendblatt“ mit seiner 175.000-Auflage an die FUNKE-Mediengruppe verkauft wurde, gab es de facto nur Springer-Tagespresse neben der kleinen Boulevard-Zeitung Hamburger Morgenpost.

Aber keine Hamburger Tageszeitung erreicht das Niveau der FAZ, der FR, oder gar der SZ.
Sogar der aufgabenschwache Berliner Tagesspiegel (100.000 verkaufte Exemplare) ist besser als das Abla.

Wer in Hamburg eine vernünftige Tageszeitung mit regionalen Informationen lesen möchte, muß sich mit mehreren Tageszeitungen behelfen.

Die Meldungen über die aktuelle Entwicklung der Kirchenmitgliedszahlen in Hamburg kann ich also nur durch die trübe lila Brille des Abendblattes lesen.

Grundsätzlich ist die säkulare Entwicklung in Hamburg sehr positiv.

(…..) Ungeachtet der schnöden Realität, die ein eklatantes Desinteresse an der Kirche zeigt, versuchen Medien und Politiker mit allen Mitteln für die Frommen zu werben.
In der Pfingstausgabe des Hamburger Abendblattes erschienen drei volle Zeitungsseiten unter dem Titel „Nicht ohne meine Kirche“.
Funke-Autor Peter Wenig hatte sich auf eine Reise zu den 44 Kirchen sowie rund 50 Gemeindehäusern und Pastoraten des Kirchenkreises Hamburg-Ost gemacht, die geschlossen werden.
Ein Drittel ihrer knapp 300 Gebäude muß die evangelische Kirche in Hamburg Ost innerhalb der nächsten acht Jahre aufgeben, weil sich einfach niemand mehr für ihre Gottesdienste interessiert.

[….] Jedes Jahr verliert der Kirchenkreis 5500 Mitglieder, binnen 25 Jahren ist ihre Zahl von rund 658.000 auf 433.000 gesunken. [….]
(Abendblatt, 03./04./05.06.2017)

Interessanterweise macht sich die Kirchenführung, die immer noch auf einem Milliardenvermögen sitzt, doppelt unbeliebt, indem sie systematisch die ärmsten und schwächsten Gemeinden streben läßt.

Kirchen in den reichen Stadtteilen stehen nicht zur Disposition.

[…..] Monatelang bewerteten Experten jedes kirchliche Gebäude, vom Michel bis zum kleinsten Pastorat in den Vier- und Marschlanden. Ausschlaggebend waren vor allem Lage, architektonische Qualität, Zustand des Gebäudes sowie Größe der Gemeinde. Wer dann das Prädikat "C" erhielt, wusste: Es gibt künftig kein Geld mehr vom Kirchenkreis, wenn die Heizung streiken sollte oder gar der Turm für einen sechsstelligen Betrag saniert werden muss. Und so verbirgt sich unter dem Stempel "nicht förderfähig" das wahrscheinliche Sterben auf Raten. [….]
(Abendblatt, 03./04./05.06.2017)

Abendblatt-Autor Wenig bringt viel Mitleid auf für die Pastoren, denen von ihrer Kirchenleitung der blaue Brief mit dem „Kategorie C“-Diktum ins Haus flattert.

Viele fromme Kirchen-affine Journalisten beklagen das Sterben der Kirchen, zählen die immer gleichen Gründe auf.
Immer herrscht ein larmoyanter Ton.

Nur das einzig Naheliegende liest man nie: „Die Kirchen schrumpfen – das ist ein Grund zur Freude!“

Die Kirche in Hamburg ist so gut wie tot – und das ist auch gut so.

In Hamburg ist die Kirche marginalisiert.
Katholiken finden traditionell ohnehin kaum statt.
Gut so, denn abgesehen davon, daß niemand mehr die Predigten der hanseatischen Pfaffen hören will, sind sie auch noch unangenehm. (….)
So viel Geld und so viel Werbung für die Kirchen und dennoch laufen die Mitglieder zu Hunderttausenden davon.

Das bedauernswerte Abendblatt versucht heute aber wieder einmal alles, um eine rosige Zukunft der Kirche herbei zuschreiben.
Kirchenmitglieder wären bessere Menschen als die bösen Atheisten, fährt der HH-Redakteur fort und beklagt den traditionell hohen Anteil der Freigeister in Hamburg.
Christen betrachtet FUNKE als „das Salz der Erde“, oder der Suppe – was auch immer dem Lokalschreiberling metaphorisch gerade einfiel.

Danke Herr Edgar S. Hasse, daß Sie mich offenbar als „fade Suppe“ betrachten. Da zahle ich doch gleich doppelt gern mein Abendblatt-Abonnement.

[…..]  Die Mehrheit der Menschen, die hier lebt, gehört längst keiner christlichen Religionsgemeinschaft mehr an. Die neuen statistischen Daten der beiden großen Kirchen belegen, dass nur noch weniger als 40 Prozent evangelisch oder katholisch sind. […..] Ausgerechnet in der Stadt mit dem berühmten Michel, Norddeutschlands schönster Barockkirche, hat das institutionalisierte Christentum keinen leichten Stand. […..] Die Hanseaten sind wohl bevorzugt Freigeister, und nicht von ungefähr kamen aus Hamburg wesentliche Impulse für die Epoche der Aufklärung im 18. Jahrhundert.
[…..] Dass Christen immer mehr zur Minderheit werden, muss überhaupt nicht von Nachteil sein. […..] Selbst wenn ihre Zahl weiter sinkt, können die Christen das "Salz der Erde" bleiben. Auch mit weniger Mitgliedern hat die Kirche die Chance, die Welt und die Stadt ein bisschen besser zu machen. […..] Maßstab dafür kann nur sein, was der Herr der Kirche, nämlich Jesus Christus, auf den Weg gegeben hat: Gott und den Nächsten zu lieben. […..]
(Hamburger Abendblatt, 22.07.2017)

Zugegeben, mit solchen Zeitungen kann man sich nicht als Weltstadt gerieren.

Freitag, 21. Juli 2017

Achtung Satire



Trump ist stinksauer.
Nun ist er genau sechs Monate im Amt und er bekommt rein gar nichts umgesetzt. Natürlich haben daran nur die anderen Schuld, Hillary Clinton und die Demokraten zum Beispiel.
Alle anderen sind Versager, nur er selbst ist einfach brillant und so wird er auch nicht müde das zu betonen.

[…..]  Je länger der Präsident im Amt ist, umso mehr zerfällt sein vom ihm über Jahrzehnte gepflegtes Bild als genialer Verhandler. Stattdessen wirkt der Präsident auch im jüngsten Interview wie jemand, der mit Aufmerksamkeit für seine Person leicht zu beeinflussen ist.
Über die kürzlich vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron für ihn inszenierte Militärparade in Paris schwärmt Trump fast wie ein Kind und in den üblichen Superlativen. Ein Essen am Eiffelturm habe so gewirkt, "als ob sie niemals eine größere Feier in der Geschichte des Eiffelturms hatten". Seine Rede in Polen hätten sogar "Feinde von mir in den Medien" als "großartigste Rede, die je ein Präsident im Ausland gehalten hat" gelobt. […..]

Zutiefst unverständlich erscheint Trump wieso immer noch wegen des Einflusses Russlands auf sein Team und die US-Wahl ermittelt wird.
Er soll seit Wochen manisch TV gucken und dabei Schreianfälle bekommen.

Auch nach einem halben Jahr hat Trump nicht im Geringsten begriffen was eigentlich sein Job ist.

Republikanische Senatoren beklagen inzwischen öffentlich, daß die bestehenden GOP-Mehrheiten in beiden Häusern  nicht stehen bei der Obamacare-Abschaffung, weil Trump nicht die widerstrebenden Pole der Parteien zusammenbringe. Er könne das nicht, da ihm jede Detailkenntnis fehle und er gar nicht wisse was in dem „Trumpcare-Gesetzentwurf“ stehe.

Und so ist die neue Devise: Lass das alte Gesetz gegen die Wand fahren. Obamacare soll scheitern. I don’t own it.
Er, Trump, habe gar nichts mit Gesundheitspolitik zu tun.
Die Bedeutung des Ausfalls einer Krankenversicherung für zig Millionen Menschen, daß nämlich viele von ihnen krank werden und sterben, weil sie sich die Behandlung nicht leisten können, ist Trump offensichtlich nicht klar, oder es ist ihm egal.

Sollen die Armen doch abkratzen; das interessiert niemanden im Weißen Haus.
Wichtig sind nur die Russland-Untersuchungen, die Trump mit allen Mitteln verhindern will.

Da versucht er so einiges, das er aus dem Immobilienbusiness kennt: Den Gegner mit Dreck bewerfen, Staatsanwälte diskreditieren, Vorwürfe erfinden.

Der Sonderermittler Robert Mueller dürfe nicht seine Geschäftsbeziehungen untersuchen. Das sei eine Red Line.

Trump warns Mueller against investigating his family's finances beyond Russia probe. […..]

Trump glaubt scheinbar, daß der Angeklagte dem Ermittler vorschreiben darf was dieser ermitteln kann.

Als nächstes schoss Trump auf seinen engsten Vertrauten und Justizminister Sessions, weil dieser ihm nicht den Ermittler vom Hals gehalten habe.

Da KKK-Freund Sessions selbst in den Russensumpf verstrickt ist und log, daß sich die Balken bogen, hatte er sich in der Causa für befangen erklärt.
Der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein, der am 17.05.2017 den Sonderermittler einsetzte und ihn als einziger auch wieder absetzen könnte, steht ebenfalls auf Trumps Abschussliste, weil er aus Baltimore stammt; da gäbe es kaum Republikaner und so einem hätte er nie vertraut. Ein gutes Argument!

Ebenfalls unter schwerem Feuer befindet sich auch Robert  Mueller selbst, über den Trump jede Menge schmutzige Informationen haben will. Auch über Muellers Team wird Dreck gesammelt.

[….] President Trump’s lawyers and aides are scouring the professional and political backgrounds of investigators hired by the special counsel Robert S. Mueller III, looking for conflicts of interest they could use to discredit the investigation — or even build a case to fire Mr. Mueller or get some members of his team recused, according to three people with knowledge of the research effort. […..]

Das typische Verhalten eines Unschuldigen also: Laut Rumkreischen und die Ermittler bedrohen.

Sollte Mueller doch Beweise für Trumps kriminelles Verhalten finden, hat der US-Präsident aber noch ein Ass im Ärmel:
Er plant sich selbst und seine Familie zu begnadigen.

[….] Late Thursday, The Washington Post reported that President Donald Trump is seeking to understand his pardon power, a development that seems directly linked to the ongoing special counsel investigation into Russian meddling in the 2016 election and possible collusion between the Trump campaign and the foreign power.
The Post raises the possibility of Trump pardoning top advisers, family members and even himself. [….]

Tatsächlich ist das Präsidentenamt mit so viel Power ausgestattet, daß er jeden freisprechen und begnadigen kann.
Die Verfassung verbietet das nur für den Präsidenten selbst in einem Impeachmentverfahren, das aber noch nicht eröffnet ist.

Amerikanische Verfassungsjuristen sind sich einig, daß Trump Kushner oder Trump Jr. problemlos freisprechen könnte. Ob er sich selbst für unschuldig erklären kann, wenn es nicht um ein Impeachment geht, ist etwas umstritten.

Denkbar ist aber, daß Trump dies tut, Mueller unter Rosensteins Protektion (sofern Trump nicht auch Rosenstein feuert) weiterarbeitet, eine detaillierten Bericht mit den Beweisen für Trumps mutmaßliche Verbrechen vorlegt, die dann zwar jeder kenne, die aber kein juristisches Nachspiel hätten, da sich Trump schon vorher selbst begnadigt hätte.

Kann man sich nicht ausdenken.

Daß Trump sogar seinen engsten Alliierten Jeff Sessions attackiert, der fest in seinem Rektum verankert nichts anderes tut als Trump zu preisen, verstehen andere Mitarbeiter als Warnung.
Trump läßt einen nicht nur wie eine heiße Kartoffel fallen, sondern zerstampft einen auch mit Vergnügen zu Kartoffelmus.

Es wird also Zeit sich abzusetzen.

Trumps Anwalt Marc Kasowitz, der ihn seit 2000 vertritt und sich noch vor wenigen Tagen mit Cortisol vollgepumpt wüst pöbelnd für Trump einsetze, schmiss gestern hin.

Donald Trump's personal lawyer quits top role as administration faces fresh setback over Russia probe. […..]

Auch Kushners Anwalt Jamie Gorelick warf diese Woche das Handtuch.

In den Monaten zuvor hatten schon Trumps communications director Michael Dubke und Deputy chief of staff Katie Walsh das sinkende Schiff verlassen.

Es wird schon gewettet wer als nächstes geht.

[…..] Commerce Secretary Wilbur Ross’s interminable teleconference babbling to a Christian Democratic Union meeting in Berlin made him a laughingstock in Germany — and we know that the president is not amused by public mockery. National Economic Council director Gary Cohn has angered conservatives who believe him a moderating force on the president. [….]

Heute kündigte aber erst einmal, wie erwartet, der Mann, der “Comical Ali” wie einen seriösen Mann aussehen läßt; die weltweit ausgelachte peinliche Witzfigur Sean Spicer aka Melissa McCarthy.


Irgendwie schade, Spicy war viel lustiger als Sarah.

[….]  Paukenschlag im Weißen Haus: Trumps Sprecher Sean Spicer gibt seinen Job auf [….]  Spicer hatte sich zuletzt aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und die Pressebriefings seiner bisherigen Stellvertreterin Sarah Huckabee Sanders überlassen. Sie wird nun Spicers Nachfolge antreten. Das teilte Scaramucci kurz nach Spicers Rücktritt mit.
Spicer hatte als Sprecher mehrfach für Irritationen und Spott gesorgt. Schon zu Beginn von Trumps Amtszeit hatte er behauptet, Journalisten hätten falsch über die Anzahl der Zuschauer bei Trumps Vereidigung berichtet. [….] Im April musste sich der 45-Jährige entschuldigen, nachdem er den syrischen Machthaber Baschar al-Assad mit Adolf Hitler verglichen und gesagt hatte: "Nicht einmal Hitler hat Chemiewaffen eingesetzt." [….]

Donnerstag, 20. Juli 2017

Sterben – Teil II



Jedes Jahr sterben in Deutschland zwischen 850.000 und 950.000 Menschen.


Sterben ist die natürlichste Sache der Welt.

Das Leben ist eine durch Geschlechtsverkehr übertragene Krankheit, die zu 100% tödlich endet.
Oder wie der Amerikaner sagt:

    „Life sucks – and then you die“

Wir sterben also alle und zwar auf jeden Fall.
Seltsamerweise bildet sich der kleine Homo Sapiens ein durch intensives Ignorieren und Verdrängen die absolute Sinnlosigkeit des eigenen Seins ausblenden zu können.

Niemand will an sein eigenes Ende denken.
Daß man endet ist klar, aber WIE man endet, ist außerordentlich vielfältig. So unterschiedlich, daß man dabei glatt vergessen könnte, daß man ja doch stirbt und demnach alles egal ist was man tut.

    Ich möchte im Schlaf sterben wie mein Großvater, nicht schreiend und heulend wie seine Beifahrer im Wagen.
    (Will Shriner)

Zig Millionen Menschen sterben weltweit jedes Jahr und in der Geschichte des Homo Sapiens starben bisher etwa 110 Milliarden Individuen.
Allein heute sind bis 23.00 Uhr etwa 152.000 Menschen gestorben.

Dank der wunderschönen Website WORLDOMETERS erfährt man das menschliche Sterben in Echtzeit.

Wie viele Menschen sind auf der Welt heute gestorben?
Wie viele sind es in diesem Jahr bisher?
Woran sind dieses Jahr die Menschen gestorben?


Angesichts der gewaltigen Fallzahlen und der über 590.000 Suizide, die es dieses Jahr bereits gab, ist es reichlich bizarr den Selbstmord einer bekannten Persönlichkeit als großes Tabu zu betrachten.

Vor einigen Stunden erhängte sich Chester Bennington, der 41-Jähriger Sänger der „Nu Metal“-Band Linkin Park.

Das ist natürlich sehr bedauerlich für seine vielen Fans überall auf der Welt. Seine sechs Kinder und die weiteren Angehörigen. Auch seine Bandkollegen sind heute frustriert; erst recht das Management, welches sich um das in finanzieller Hinsicht zugkräftigste Mitglied grämt.

Für eine Person ist dieser Suizid aber gut und das ist Chester Bennington selbst.
Man muß kein Fan seiner Musik sein, um zu wissen, daß der Mann mit schweren Depressionen und diversen Suchterkrankungen litt.
Er hat es jetzt hinter sich.
Er hat das hinter sich, was wir alle, ausnahmslos alle noch vor uns haben.

Es gibt unterschiedliche Angaben über die Mortalität von Depressionen. 15% der an schweren Depressionen Erkrankten sterben. Das Leiden ist also gravierender als so mache Krebsart. Psychisch so zu leiden, daß man sich deswegen umbringt, ist also offensichtlich sehr grausam. Das an die Adresse all derjenigen, die depressive Erkrankungen nicht ernst nehmen und glauben, man müsse sich nur zusammenreißen.

Ich staune über die Verdruxtheit mit der wieder einmal alle Medien das Thema behandeln.
Völlig verklemmt wird von „Hinweisen auf Suizid“ orakelt.
Viele Websites lassen diesen Aspekt ganz weg und diejenigen, die es erwähnen, lassen pawlowsch sofort anschließend die Hinweise auf die Suizidprävention aus der Feder.

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hier finden Sie - auch anonyme - Hilfsangebote in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch.

Suizide bekannter Personen dürfen nicht öffentlich erwähnt werden, weil alle den Nachahmungs-Effekt fürchten, der beispielsweise nach dem Selbstmord des Ballspielers Robert Enke 2009 zu registrieren war.

Der damalige CDU-Ministerpräsident Christian Wulff hatte zu einer geigantischen Trauerfeier in einem Fußballstadion geladen und inszenierte sich vor 35.000 anwesenden Fans.

[….] Nach der Andacht von Pfarrer Heinrich Plochg wurde der Sarg Enkes zum Song "The Rose" von Bette Midler und dem Fußball-Kultlied "You'll never walk alone" von Vereinskollegen des Torwarts aus dem Stadion getragen. Tränenreich nahmen die trauernden Zuschauer endgültig Abschied von ihrem Idol. [….]

Die seinerzeitige Ratsvorsitzende der EKD, Bischöfin Margot Käßmann, hielt den Trauergottesdienst in Hannover.

[….] Doch Robert Enke ist seinen Weg alleine zu Ende gegangen. Ganz alleine in der Dunkelheit, die ihn umgab und die in ihm gewesen sein muss. Alle dachten, er ist wieder da, kehrt zurück zu seinem geliebten Sport, geht seinen Weg weiter gemeinsam mit der Mannschaft und den Fans von Hannover 96, weiter auch mit der Nationalmannschaft. Und dann kam gestern Abend die unfassbare Nachricht, dass er in diesem Leben nicht mehr weitergehen wollte. […..]

Ein voller Erfolg für den frommen Wulff und die Bischöfin.
Das inspiriere einige Nachahmer. Nun sprangen drei Mal so viele Menschen vor Züge wie zuvor.

[…..] Geht es nach den Psychotherapeuten, sind Depression und Suizid für Journalisten heikle Themen. Da ist zum Beispiel der Fall Robert Enke. Als sich der Bundesliga-Torwart im November 2009 an einem Bahnübergang das Leben nahm, schnellte die Zahl der Nachahmer in die Höhe, immer mehr Menschen sprangen vor Züge.
Kam es in den Jahren zuvor zu durchschnittlich 2,3 „eisenbahnsuizidialen Handlungen“ pro Tag, stieg die Zahl am Todestag Enkes zunächst auf drei an und kletterte dann auf einen Höchststand von neun Vorfällen täglich. Nach eineinhalb Wochen sank die Zahl wieder, der Durchschnittswert vor 2009 wurde aber nicht mehr erreicht.
Verantwortlich dafür soll unter anderem die Berichterstattung sein. [….]

Was lernen wir daraus?
So eine gewaltige massenwahn-artige Suizidaltrauer wie im Stadion von Hannover ist keine brillante Idee.

Es ist aber auch absurd um eine Todesursache ein so lautes Schweigen anzufangen, daß man inzwischen schon sicher gehen kann, daß es sich um einen Suizid handelt, wenn nicht ausdrücklich eine andere Todesart genannt wird.

Die Chester Bennington-Nachricht erreichte mich vorhin zufällig über Facebook und da wir im Zeitalter des Internets leben, war die soziale Plattform in Windeseile mit Berichten über die genaue Methode geflutet.

(Ehrlich gesagt wundere ich mich, daß jemand, der offensichtlich so einen problemlosen Zugang zu harten Drogen hat und dazu auch noch sehr reich ist, eine so mechanische Methode wie Erhängen wählt. Wäre eine Überdosis nicht naheliegender und weniger quälend?)

Aus lauter Panik vor Nachahmern drücken sich die herkömmlichen Presseorgane um Details, während überall sonst schon jeder weiß, daß sich der Mann erhängte.

Man sollte lieber offen darüber reden, kein Tabu inszenieren und den Tod verdammt noch mal endlich als das behandeln was er ist: Ganz normal und natürlich.

Wer über sein Lebensende selbst bestimmen will, soll das gefälligst tun dürfen, ohne daß moralische Zeigefinger erhoben werden.

Vermutlich konnte der Fall Enke nur deswegen so viele Menschen dazu inspirieren sich ebenfalls vor einen Zug zu werfen, weil immer so ein Bohei um den Tod gemacht wurde und diese Menschen nicht in der Lage waren ohne Hysterie darüber nachzudenken.