Donnerstag, 23. Juni 2016

Systematisches Lügen und Fakten-Aussperren.



Es macht eigentlich nichts, wenn Rechte ständig der Lüge überführt werden, denn ihre Anhänger pflegen einen derart verengten Medienkonsum, daß sie ohnehin nicht mitbekommen, daß ihre Helden angeprangert werden.
Und selbst wenn es so wäre, würden sie „den Medien“ ohnehin nicht glauben.

Donald Trump sagt selten die Wahrheit. Und alle wissen es. Gerade deshalb hat er eine Chance auf das Weiße Haus.
Er sagt: "Es gibt keine Überprüfung für Flüchtlinge, die in die USA kommen." Stimmt nicht. Er sagt: Der Orlando-Attentäter sei "als Afghane geboren worden". Falsch. Er sagt: Hillary Clinton wolle "Hunderttausende Flüchtlinge aus dem Nahen Osten" in die USA holen. Quatsch. Stimmt alles nicht.
Donald Trump hat das behauptet, gerade eben in seiner Rede nach der Terrorattacke von Orlando. Donald Trump lügt. Ständig.
Die unabhängige Seite Politifact überprüft Aussagen der US-Präsidentschaftsbewerber auf ihren Wahrheitsgehalt. Das Ergebnis für den Republikaner Trump: 76 Prozent seiner Aussagen waren gelogen. Nur zwei Prozent der überprüften Aussagen sind wahr. [….]  Jeder Kandidat weiß: Die Richtigstellung der Faktenchecker liest nur eine Minderheit der Millionen Wähler, die beispielsweise eine TV-Debatte verfolgt haben. [….] Trump lügt so ausdauernd, dass nicht klar ist, ob er sich seiner Lügen überhaupt noch bewusst ist. Oder ob es ihm einfach egal ist, dass er beispielsweise in zwei Interviews, die nur Minuten auseinanderliegen, zwei völlig verschiedene Geschichten über ein und dieselbe Tatsache erzählt.
Vor dem Hintergrund der vielen Lügen tritt eine der erschreckendsten Charaktereigenschaften Trumps deutlich hervor: absolute Schamlosigkeit. Es scheint ihm nichts auszumachen, wenn er der Lüge überführt wird. Es wirkt, als sei es ihm völlig egal. Mehr noch: Er ist sich offenbar sicher, dass er von der Lüge profitiert. [….] Seine Gegner, auch und vor allem die Medien, können ihn noch so oft überführen, Fans und Trump selbst interessiert das nicht. Schlimmer noch: Jeder noch so genaue Nachweis einer Trump-Lüge gilt seinen Fans sofort selbst als Lüge. Und gleichzeitig als Beweis seiner Unabhängigkeit vom verhassten Polit-Establishment. [….]

Trumps und Petrys Partei praktizieren darüber hinaus auch den Ausschluss kritischer Presse.
Ihr weitgehend frei erfundenes Weltbild des Hasses soll keine Kratzer bekommen.

Trump entzieht "Washington Post" die Akkreditierung.
Im Streit um Äußerungen über das Orlando-Attentat wirft Donald Trump der Zeitung "verlogene" Berichte vor. Ihre Reporter sind bei Wahlkampfauftritten künftig unerwünscht.
(ZEIT, 14. Juni 2016)

Die nordrhein-westfälische AfD will bei ihrem Parteitag Anfang Juli keine Journalisten als Beobachter zulassen.
[….] Entgegen der üblichen Parteienpraxis will die AfD in Nordrhein-Westfalen Journalisten von ihrem Parteitag am 2. und 3. Juli in Werl ausschließen. [….] Die Landespressekonferenz (LPK) protestiert gegen diesen Plan.
Die LPK habe das Vorgehen der AfD "irritiert zur Kenntnis genommen", schrieb der Vorsitzende Tobias Blasius in einem am Donnerstag in Düsseldorf bekannt gewordenen Brief an die Pressesprecherin der Landes-AfD, Renate Zillessen. Er schreibt von einem "schweren Eingriff in die Freiheit der Berichterstattung".
[….] Es sei in Nordrhein-Westfalen "seit Jahrzehnten geübte Praxis, dass alle Parteien, die im Landtag vertreten sind oder realistische Chancen auf den Einzug ins Parlament besitzen, ihre Landesparteitage medienöffentlich abhalten". Nur durch eine "ungefilterte Sicht auf den vollständigen Diskussionsprozess" sowie Zugang zu Parteitagsdokumenten ließen sich die Entstehung des Landtagswahlprogramms und die aktuelle Stimmungs- und Meinungslage innerhalb der AfD NRW seriös für Zuschauer, Leser und Hörer abbilden. [….]

Die Deutschen/Amerikaner/Ungarn/Polen/Franzosen/Briten/… kontinuierlich mit xenophoben Andeutungen zu unterfüttern, wirkt.

Auch in meinem privaten Umfeld befinden sich nun Leute, die grundsätzlich „den Medien“ nicht mehr glauben und ihnen sogar unterstellen ein „links-grünes Multikulti-Weltbild“ zu verbreiten.

(Dabei sind so gut wie alle großen deutschen Medienkonzerne, die die überwiegende Mehrheit der Zeitungen verlegen, definitiv konservativ ausgelegt: Friede Springer und Liz Mohn sind enge Freundinnen der CDU-Vorsitzenden, Funke-Mediengruppe, FAZ, Bauer und Burda sind ebenfalls klar rechts der Mitte verortet.)

Die Flüchtlingskriminalität werde systematisch verheimlicht, der radikale Islam würde unterstützt, die Gefahren der „Massenzuwanderung“ ausgeblendet.
Besonders verbreitet ist der Glaube, daß bei der Boulevardberichterstattung über Kriminalität jeder Art muslimisch, bzw ausländische Namen der Täter/Verdächtigen eingedeutscht würden.

In diesem Punkt habe ich in Zwiegesprächen immer wieder nachgehakt woher mein Gegenüber/Mailpartner die Informationen habe.
Natürlich bekomme ich darauf meistens gar keine Antwort oder es wird auf eine extrem dubiose rechtsradikale Quelle (Kopp, Compac, JF,..) verwiesen.

Hakt man erneut nach und weist darauf, daß ganz im Gegenteil Flüchtlingskriminalität hundertfach erfunden, aufgebauscht und als Hoax dokumentiert wird, erntet man wütende Kommentare, oder wird, sofern sich die Debatte auf Facebook abspielt, umgehend blockiert und gelöscht.

Asylbewerber erhalten Markenklamotten im Landratsamt, müssen im Supermarkt nicht zahlen und ein FKK-Bereich wird ihretwegen geschlossen. Die "Hoaxmap"-Webseite sammelt Falschmeldungen und verzeichnet sie auf einer Landkarte. Mittlerweile sind auch von Politikern verbreitete Gerüchte vertreten. Die Macher sind nominiert für den Grimme Online Award.
[….]  In Leipzig sitzt Software-Entwickler Lutz Helm, seine Partnerin Karolin Schwarz ist für ihren Job in der Verlagsbranche gerade für einige Wochen in Berlin. [….]  Im Februar haben die beiden die Hoaxmap gestartet, wollten endlich Übersicht haben über die zahlreichen Gerüchte, die sich um die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge verbreiten. Schwarz und Helm sammeln und posten seitdem Texte, die die Gerüchte widerlegen. Zeitungsartikel vor allem, aber auch Statements von Polizei oder Ämtern oder von vermeintlich betroffenen Unternehmen. Unter hoaxmap.org haben die beiden all die auf einer Landkarte platziert. [….] (Bastian Brandau, Deutschlandfunk, 23.06.16)

Das Schlimme ist, daß durch diese neue Lügenstrategie nicht nur der ohnehin vorhandene braune Bodensatz gegen Minderheiten aufgehetzt wird, sondern daß eigentlich auch nette und tolerante Menschen unter dem Lügentrommelfeuer für xenophobe und islamophobe Ansichten empfänglich werden.
Daß in Deutschland generell zu viele Ausländer lebten, daß der Zuzug dringend begrenzt gehöre, ist nun Mainstream.

Alle Bundestagsparteien – leider auch Grüne und Linke – versagen dabei dieser kontinuierlichen homophoben, xenophoben, islamophoben Stimmungsmache entschieden entgegen zu treten.
Sie sollten eigentlich rund um die Uhr damit beschäftigt sein die AfD- und CSU-Lügen zu korrigieren und in den richtigen Kontext einzubetten.

Stattdessen hält sich Deutschland erbärmlicherweise einen Innen- und Verfassungsminister, der selbst systematisch die braune AfD-Stimmung weiter anheizt und selbst immer wieder bösartige Gerüchte gegen Zuwanderer streut.


Deutschland, mir graust vor Dir.
Hätte die Bundesrepublik eine Regierungschefin, für die Moral irgendeinen Wert hat, würde sie de Maizière längst entlassen haben.
Aber offensichtlich hält auch Merkel lieber die braune Gerüchteküche köchelnd…

Die Opposition hat Innenminister Thomas de Maizière wegen nicht belegter Vorwürfe zu Flüchtlingsattesten zum Rücktritt aufgefordert. In einer Aktuellen Stunde sagte Grünen-Fraktionschefin Karin Göring-Eckardt am Donnerstag in Berlin, auch angesichts vorheriger problematischer Aussagen über Flüchtlinge sei der CDU-Politiker „als Innenminister dieser Regierung aus meiner Sicht nicht mehr tragbar“. Er solle den Weg frei machen für eine faktenbasierte Politik. Die Linke schloss sich dieser Forderung an.
[….] Göring-Eckardt betonte, solche Äußerungen seien „Brennstoff für den Hass, der unser Land derzeit verzehrt“. De Maizière sei „ein Innenminister, der ganz offensichtlich Politik aus dem Bauch heraus macht“. Der Linke-Politiker Jan Korte sagte mit Blick auf den wachsenden Rechtspopulismus in Deutschland: „Die AfD braucht keine Plakate, solange es solche Minister gibt.“
 [….] Die Linksfraktion untermauerte ihre massive Kritik am Innenminister unter Berufung auf eine eigene Anfrage zu dem Thema: De Maizière habe „eine völlig frei erfundene Zahl zu angeblich falschen Attesten bei Abschiebungen in die Welt gesetzt, und auch im Nachhinein kann er keinerlei empirische Belege für seine Behauptung nennen“, sagte die Linke-Innenexpertin Ulla Jelpke. [….]

Mittwoch, 22. Juni 2016

Marxens Milliarden



Es sind vielleicht immer noch nicht genügend Witze über die Armutspredigten des Papstes und die Milliardenvermögen seiner Diözesen gemacht worden.
Reinhard Superprasser Kardinal Marx, 62, der womöglich auf dem größten Geldschatz aller Bischöfe  - nach dem Bistum Rom natürlich – hockt, ist jedenfalls kein Anhänger des spartanischen Lebensstils.

Kardinal Marx, der wegen seines ultraprächtigen Bischofsitzes, dem Rokoko-Palais Holnstein ohnehin schon eine 12 auf der Tebartz-Skala ist, braucht als ranghöchster Bischof in Deutschland eben einen gewissen Standard.

Für Luxus-Marx, der offenbar auf einem gewaltigen Geldspeicher sitzt und die Millionen nur so um sich wirft, kommt ein FIAT Panda jedenfalls nicht in Frage.

Just zum Rücktritt Ratzingers hatte der Münchner Erzbischof noch demonstriert, wie wichtig ihm sein persönliches Wohl ist.

Die Lage ist erstklassig, der Preis auch: Für 9,7 Millionen Euro hat das Erzbistum München-Freising in Rom ein neues Gästehaus gekauft. Böse Zungen haben der Immobilien auch schon einen Spitznamen verpasst: „Palazzo Marx“.  [….] Nach vier Jahren im „Schwabinger Asyl“ kehrt Erzbischof Reinhard Marx in dieser Woche wieder in sein traditionelles Quartier im Palais Holnstein in der Kardinal-Faulhaber-Straße im Stadtzentrum zurück. Das Gebäude, das 1733 bis 1737 im Auftrag des Kurfürsten Karl Albrecht als Rokoko-Adelspalais erbaut wurde, war seit Oktober 2008 vom Staatlichen Bauamt saniert worden. Marx war deshalb vorübergehend ins Schloss Suresnes in Alt-Schwabing gezogen.
[….]  Die Sanierung des Palais kostete 8,1 Millionen Euro, davon trägt die Kirche 1,56 Millionen.

Würden die Bischöfe Franzis bescheidenheits-Demonstrationen ernst nehmen, könnten sie sich nicht für Marx als Vorsitzenden entscheiden.
Daß sie es heute dennoch taten, hat einen Grund:
Sie wissen, daß der Papst Marx toll findet, weil er schon mit neuen Ehrungen und Ämtern aus Rom überhäuft wurde.
  [….]

So viel Leidenschaft für Prunk, Protz und Glamour wird auch in Rom bemerkt.
Der Pontifex spricht Klartext, wenn es um Reichtum und Armut geht.

„Für die Kirche ist die Option für die Armen in erster Linie eine theologische Kategorie und erst an zweiter Stelle eine kulturelle, soziologische, politische oder philosophische Frage.“
(aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (2013), Nr. 198)

„Wir alle sind gerufen, arm zu sein, uns von uns selbst zu entäußern; und deshalb müssen wir lernen, den Armen nah zu sein, mit den Menschen zu teilen, denen das Notwendigste fehlt, das Fleisch Christi zu berühren! Ein Christ beschränkt sich nicht darauf, über die Armen zu reden, nein! Ein Christ geht auf sie zu, er sieht ihnen in die Augen, er berührt sie.“ 
(Begegnung mit den von der Caritas betreuten Armen in Assisi, 04.10.2013)

“Ach, wie sehr möchte ich eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen!" (Begegnung mit den Medienvertretern am 16.03.2013)

„Der Aufruf, auf den Schrei der Armen zu hören, nimmt in uns menschliche Gestalt an, wenn uns das Leiden anderer zutiefst erschüttert.“
(aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (2013), Nr. 193)

„Die Armen. Die Armen stehen im Mittelpunkt des Evangeliums, sind das Herzstück des Evangeliums. Wenn wir die Armen aus dem Evangelium herausnehmen, können wir die gesamte Botschaft Jesu Christi nicht verstehen.“ (Eucharistiefeier mit Bischöfen, Priestern und Ordensleuten, Mariä-Empfängnis-Kathedrale, Manila, 16.01.2015)

„Es gibt immer jemanden in unserer Nähe, der in Not ist, materiell, emotional oder spirituell. Das größte Geschenk, das wir ihnen machen können, ist unsere Freundschaft, unser Interesse, unsere zärtliche Zuwendung, unsere Liebe zu Jesus. Ihn zu empfangen bedeutet, alles zu besitzen; ihn zu schenken bedeutet, das größte aller Geschenke zu machen.“
(Begegnung mit den Jugendlichen, Sportplatz der Santo-Tomas-Universität, Manila, 18.01.2015)

Folgt man diesen päpstlichen Vorgaben ist der Erzbischof von München und Freising sowie Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) Reinhard Kardinal Marx der perfekte Topkleriker.

[….] Es ist ein Rekord für die katholische Kirche in Deutschland. Das Erzbistum München und Freising hat am Montag erstmals sein Vermögen offengelegt. Es beläuft sich zusammengerechnet auf fast 6,3 Milliarden Euro, vor allem in Form von Immobilien und Geldanlagen. [….]  Das Erzbistum Paderborn hatte vergangenes Jahr ein Vermögen von vier Milliarden Euro ausgewiesen, das Erzbistum Köln 3,42 Milliarden. [….] Generalvikar Beer erklärte bei der Vorstellung der Bilanz, dass auch diese Zahlen das Vermögen seines Erzbistums insgesamt nur unvollständig wiedergeben - so seien zum Beispiel die Werte der 750 Pfarrkirchenstiftungen noch nicht erfasst. [….]

Da der wohlgenährte bayerische Kardinal so gut in das päpstliche Profil einer armen Kirche passt, wurde er mehrfach befördert.
Ehre wem Ehre gebührt; so ist Reinhard Kardinal Marx nun:

·        Mitglied des achtköpfigen Kardinalsrates, der den Papst bei der Leitung der Weltkirche beraten und im Hinblick auf eine Reform der Kurie Änderungen der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus. (April 2013)
·        Mitglied im Päpstlichen Rat für die Laien (seit 2014)
·        Mitglied in der Kongregation für das Katholische Bildungswesen (seit 2010)
·        Mitglied im Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden (seit 2010)
·        Mitglied der Kongregation für die orientalischen Kirchen (bestätigt 2014)
·        Mitglied des Päpstlichen Wirtschaftsratssekretariat (seit 2014), dessen Kardinal-Koordinator.

Die aberwitzigen Milliardenvermögen der Bistümer wachsen dank der sprudelnden Kirchensteuereinnahmen und der grundsätzlichen Steuerbefreiung immer weiter.

Rekord durch Steuereinnahmen Geldsegen für die Kirche
Trotz sinkender Mitgliederzahlen haben christliche Kirchen in Deutschland im vergangenen Jahr so viel Geld wie noch nie eingenommen. Die Kirchensteuer für das Jahr 2015: 11,5 Milliarden Euro.
[….] Die Angaben beziehen sich auf Veröffentlichungen der Evangelischen Kirche Deutschland sowie der Steuerkommission des Verbandes der Diözesen Deutschlands. Danach nahm die katholische Kirche rund 6,1 Milliarden Euro ein. Die evangelische Kirche erhielt knapp 5,4 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von 6,4 Prozent.
[….] Die Rekordeinnahmen konnten trotz sinkender Mitgliederzahlen erzielt werden. Seit Anfang der 1970er-Jahre geht die Zahl der Mitglieder sowohl in der römisch-katholischen als auch in der evangelischen Kirche fast kontinuierlich zurück. [….] Seit der deutschen Wiedervereinigung hat die evangelische Kirche 4,9 Millionen Mitglieder verloren. Die römisch-katholische Kirche verlor seit 1990 3,1 Millionen Mitglieder.

Man kann die Schuld für diese Milliardenverschiebungen zu Gunsten der Kirche noch nicht mal bei den zahlenden Schafen abladen, denn viele von ihnen sind Zwangsmitglieder.
Millionen Menschen, die bei Caritas oder Diakonie arbeiten, die ihre Kinder in christlichen Schulen oder Kindergärten betreuen lassen, weil die Kirchen in vielen Gegenden Monopole haben (obwohl die Einrichtungen zu 100% staatlich finanziert werden), können gar nicht austreten.

Ärgerlich sind aber die vielen frommen Journalisten, die sofort den Kirchen beispringen.
Matthias Drobinski, der überzeugte Katholik und oberste Kirchenschreiberling der Süddeutschen Zeitung, drückt schon mal auf die Tränendrüse angesichts des märchenhaften Reichtums. Denn, OH GRAUS, die Einnahmen könnten auch wieder sinken! Herr Gott, hilf!

Die Kirchen sind also nicht auf dem Weg in den märchenhaften Reichtum - sie gewinnen gerade Zeit, sich auf einen Wandel einzustellen, der unabwendbar kommen wird: auf die Zeit, in der vielleicht nicht einmal mehr die Hälfte der Deutschen einer Kirche angehört, in der die Kirchen zwar die größten Institutionen des Landes bleiben, die Christen aber doch zur Minderheit werden. Deshalb füllen die Kirchen nun ihre Rücklagen, bauen und sanieren jetzt, was sie sich möglicherweise in 20 Jahren nicht mehr leisten können.

Ebenso unerträglich sind unsere Volksvertreter, die darüber wachen daß 550 Millionen dubiose Dotationen zusätzlich aus den Portemonnaies ALLER BÜRGER – also auch Atheisten und Muslims – in die Geldsäcke der Bischöfe umgeleitet werden.

[….] Etwa 6,3 Milliarden Euro Vermögen hat das Erzbistum München und Freising, das damit eine der reichsten Diözesen weltweit sein dürfte. [….] Selbst Gruppen, die der Amtskirche an sich kritisch gegenüberstehen, loben die Transparenz, mit der die Kirche ihre Vermögensverhältnisse offengelegt hat. Und für die bayerische Staatsregierung ist das Milliardenvermögen noch lange kein Grund, die Millionensummen, die der Freistaat jährlich an die katholische Kirche überweist, infrage zu stellen. Im Gegenteil: "Staatliche Transferleistungen an die Kirchen und Religionsgemeinschaften sind sinnvoll", sagt der für Kirchenfragen zuständige Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU).
[….] Im Vergleich zu den evangelischen Brüdern und Schwestern im Freistaat ist das tatsächlich viel: Die evangelisch-lutherische Landeskirche Bayern hat bereits für 2014 eine vergleichbare Bilanz vorgelegt, die Vermögenswerte im gesamten Freistaat umfasst. Sie kommt auf rund 3,1 Milliarden Euro, wovon etwa 1,8 Milliarden in Versorgungsfonds für die Pensionen gebunden sind. Wie beim Erzbistum ist das Vermögen der einzelnen Kirchengemeinden nicht mitgerechnet.
[….] Im Vergleich mit der Stadt zeigt sich aber auch, dass die Gesamtsummen leicht trügen können. Das Erzbistum etwa hat Kirchengebäude nur mit symbolischen Ein- und Zwei-Euro-Werten miteingerechnet, die Stadt dagegen allein das Neue Rathaus mit insgesamt 148 Millionen Euro - obwohl es wohl nie verkauft werden wird. [….]

Liebe Mitbürger, die nicht aus der Kirche austreten können: Würdet Ihr bitte wenigstens solche Typen wie Spaenle nicht mehr wiederwählen?

Dienstag, 21. Juni 2016

Ungleichzeitige Entwicklungen



In vielen Islamischen Ländern gibt es eine schockierende Rechtsungleichheit für Schwule oder Frauen.
Zu Recht empören wir uns darüber.
Und es gibt noch eine Menge himmelschreiende verfassungsrechtliche Skandale in der Welt.
Man denke nur an schlicht nicht vorhandene Tierrechte in den meisten Ländern oder das nicht vorhandene Bewußtsein für die Bewahrung der Umwelt.
Daran wie in vielen asiatischen Ländern Kinder unter erbärmlichen hygienischen Umständen arbeiten müssen.
Ein bekanntes großes Land, in dem im Herbst ein Präsident gewählt wird, unterhält Folterlager und praktiziert die Todesstrafe.
Wir haben allen Grund uns zu empören. Unkontrollierter Waffenexport, Nahrungsmittelspekulationen. Zensur. Keine Pressfreiheit.
Fast 40 Millionen Menschen arbeiten de facto als Sklaven.

Heute leben mehr Menschen in der Sklaverei als jemals zuvor in der Geschichte.
Unter Zwangsarbeit (engl.: Forced Labor Slavery) versteht man jede Art von Arbeit, die unter Anwendung von Täuschung, Drohungen oder Gewalt von jemandem verlangt wird. Zwangsarbeiter werden für ihre Arbeit nicht oder nur sehr gering entlohnt und können somit kein unabhängiges Leben führen.
Obwohl diese Form der Sklaverei in den meisten Ländern der Welt verboten ist, arbeiten Millionen Kinder, Frauen und Männer unter diesen Bedingungen in Steinbrüchen, Reismühlen, Ziegelbrennereien, Fischereien, Bekleidungsfabriken und anderen Gewerben.

Wir sollten uns noch viel mehr empören, statt gemütlich ein Bier zu zischen, den Grill anzuwerfen und Fußball zu gucken.

Unangebracht ist es aber hochnäsig zu werden und andere Länder als unterentwickelt zu betrachten.

In China, Mesopotamien, der Levante, Persien, Südamerika und natürlich Ägypten gab es viele Jahrhunderte Hochkulturen und fortschrittliche Wissenschaft, als die Menschen in Germanien noch auf den Bäumen hausten und sich gegenseitig mit Keulen auf den Kopf schlugen.

1000 Jahre lang war die muslimische Welt dem im finsteren Mittelalter versunkenen Christentum wissenschaftlich weit voraus.

China hat 5.000 Jahre als Hochkultur zugebracht  und dabei die Welt weder unterjocht, versklavt, kolonial ausgebeutet, noch die Umwelt ruiniert oder gar Weltkriege angezettelt.
All das hat Deutschland in gerade mal 100 Jahren mehrfach geschafft.

Ja, es ist empörend wie Schwule im Iran, Frauen in Katar behandelt werden.
Aber Deutschland hängt bei den Homorechten dem Rest Europas und auch Amerika weit hinterher.
Die Unionsparteien stehen durchaus noch im Mittelalter und verweigern sich im Jahr 2016 immer noch allen Menschen die gleichen Rechte zuzusprechen, weil sie offenbar von dumpfen Vorurteilen getrieben Millionen Mitbürger als minderwertig erachten.

Und ja, hört, hört, in Deutschland ist eine Frau Regierungschefin, während Herr Erdogan Frauen wieder unter das Kopftuch verbannen will.

Konservative deutsche Politiker mögen die Türkei nicht.
Vor allem wegen der Türken.
Die sind so rückständig.
Frauen dürfen da nicht in der ersten Reihe der Politik mitmachen.
 In Deutschland wurde hingegen FRAU Merkel Kanzlerin.
(Das war im Jahr 2005 - also nur 17 Jahre nachdem im islamischen Staat Pakistan Benazir Bhutto Regierungschefin wurde und 12 Jahre nachdem in der islamischen Türkei Tansu Çiller Ministerpräsidentin wurde.)
Die leben da irgendwie noch auf dem Dorf.
(Istanbul hat 14,5 Millionen Einwohner)
Die türkische Wirtschaft ist so rückständig.
(Kontinuierlich über 5% BIP-Wachstum seit 1980)

Der verdammte Erdogan. Der reagiert immer so empfindlich mittelalterlich, wenn es um seine Ehre geht.
Majestätsbeleidigung. Wo gibt es denn sowas?

Nun zum Beispiel in der Bundesrepublik Deutschland. CDU, CSU und FDP ließen Kritiker der Regierung ins Gefängnis stecken.

Konrad Adenauer und seine Minister haben auf vermeintliche Beleidigungen nach SPIEGEL-Recherchen mit teils empfindlichen Strafen reagiert. Der Kanzler wollte sogar einen Psychiatriepatienten belangen.
Die Bundesregierung unter Kanzler Konrad Adenauer (1949 bis 1963) stellte Hunderte Strafanträge wegen "politischer Beleidigung". Diese führten allein bis Ende 1952 zu mehreren Dutzend Gefängnisstrafen von durchschnittlich drei Monaten. Das geht aus Akten im Bundesarchiv hervor, die der SPIEGEL eingesehen hat. Betroffen waren Journalisten, Linke, Kommunisten, aber auch unverbesserliche Nazis und pöbelnde Wutbürger.
Adenauer stellte schon Strafanträge, wenn er als "Lakai" von Briten und Amerikanern oder die Bundesregierung als Ansammlung von "Feiglingen und Lumpen" bezeichnet worden war. Der Kanzler wollte sogar einen Psychiatriepatienten belangen, der ihn als "Oberpharisäer des 20. Jahrhunderts" beschimpft hatte.
Zeitweise nahm die Beschäftigung der Regierung mit Beleidigungen fast groteske Ausmaße an. Das Justizministerium führte eine "Beleidigungskartei" der Übeltäter; in umfangreichem Schriftverkehr koordinierten der Kanzler, die Minister und ihre Mitarbeiter das Vorgehen.
  
Wir sollten uns auch daran erinnern, daß unsere deutsche Demokratie nach 1945 zwangsverordnet werden mußte, nachdem die Deutschen einen Genozid und dazu noch einen Weltkrieg mit 65 Millionen Toten angezettelt hatten.

Erst 1949 trat das Grundgesetz, auf welches wir heute so stolz sind in Kraft.
Das war 270 Jahre nach der britischen Habeas Corpus Akte (1679), 260 Jahre nach der Bill of Rights und 162 Jahre nach der Constitution der USA.

Und mit unserer wunderbaren deutschen Verfassung durften Frauen weder ohne Zustimmung des Mannes eine Arbeitsstelle annehmen, noch ein Konto eröffnen. Sie durften sogar in der Ehe straflos vergewaltigt werden.

Wussten Sie, [….] dass eine Ehefrau bis in die 50er Jahre hinein nicht ohne Zustimmung ihres Mannes arbeiten durfte? Unglaublich, aus heutiger Sicht, dass wir diese Rechte erst seit ein oder zwei Generationen besitzen. Denn für uns sind das Recht auf Arbeit sowie das Wahlrecht mittlerweile selbstverständlich.
[….] Die Möglichkeit zu arbeiten und selbst über das eigene Leben zu entscheiden war in der Jugend unserer Eltern und Großeltern noch alles anderes als selbstverständlich. Großmutters Satz "Das hätte es früher nicht gegeben!" ist in vielen Fällen leider traurige Wahrheit.
So galt bis Ende der 50er Jahre das "Letztentscheidungsrecht" des Ehemannes in allen Eheangelegenheiten. Und dieses Recht hatte es in sich: Beruf, Führerschein, Kindererziehung, eigenes Geld und Konto - all das wurde per Gesetz zu Gunsten des Mannes geregelt. So hatte der Ehemann das Recht, über das Geld seiner Ehefrau frei zu verfügen. Und das betraf nicht nur ihr Einkommen, sondern auch das Geld, das sie mit in die Ehe gebracht hatte. Frauen konnten noch nicht einmal ein eigenes Konto eröffnen. Der Mann konnte sogar den Job seiner Frau ohne deren Zustimmung kündigen.
Diesen Missständen wurde erstmals am 1. Juli 1958 begegnet, als das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf Grundlage des bürgerlichen Rechts in Kraft trat. Mit dem neuen Gesetz wurden unter anderem die Vorrechte des Vaters bei der Kindererziehung eingeschränkt. Es sollte jedoch noch bis zum Jahr 1977 dauern, bis Frauen ohne Einverständnis ihres Mannes erwerbstätig sein durften und es keine gesetzlich vorgeschrieben Aufgabenteilung in der Ehe mehr gab.
[….] Frauen durften  [….]  bis 1958 nur dann ihren Führerschein machen, wenn ihr Mann oder ihr Vater die Erlaubnis dazu erteilte.

Wir sind also noch ziemlich neu im Werte-Geschäft.
Schwule rechtlich schlechter zu stellen, Waffen in Krisengebiete zu schicken, jährlich 60 Millionen Küken zu schreddern finden wir aber immer noch OK.