Dienstag, 12. August 2014

Wirrnisse


Als die kollektiv enthirnte US-Administration des GWB der Welt erklärte wie es mit dem Irak weitergehe, war die Sache klar:

Der Irak ist eine klassische Nation homogener Bürger, die gerne demokratisch leben würden, aber bedauerlicherweise von einem Usurpator regiert wird, der aus purer Bosheit Massenvernichtungswaffen aller Art hortet und Osama bin Laden anstiftete NY anzugreifen.

Während in Europa schon so ausführlich über die Konsequenzen diskutiert wurde, daß jeder Depp über die komplizierten Kräfteverhältnisse der ethnischen und religiösen Gruppen im künstlich generierten Staat Irak Bescheid wußte, ließ der US-Präsident auf einer Pressekonferenz erkennen, daß er noch nie von Sunniten und Schiiten gehört hatte.

Ich erinnere mich noch, wie ich staunte, daß das Frau Rice und Herrn Cheney noch nicht mal peinlich war. Der Präsident müsse das alles gar nicht wissen; dafür gäbe es schließlich Experten. George Bushs überragende Eignung als Präsident beruhe auf der Fähigkeit Entscheidungen zu treffen. Dieser Entscheidungskraft würde sein Stab bedingungslos vertrauen.

Warum auch nicht?
Die Welt war einfach. George W., gesegnet mit manichäischem Durchblick mußte nur das Böse, also Iran, Syrien, Nordkorea zB, identifizieren und dann wurde es weggebombt. Es blieb logischerweise nur das Gute übrig und so konnten paradiesische Zeiten anbrechen.
In Europa sah es genauso aus. Einerseits war da das moderne, NEUE, das gute Europa aus Spanien, Italien, England, Polen, Ungarn und den baltischen Republiken. Washington kannte sich aus mit Europäischer Geschichte; so begrüßte GWB in Madrid Präsident „Ansar“ und erklärte dem verdutztem König Juan-Carlos wie sehr er sich freue die REPUBLIK Spanien zu besuchen.
Es war gar nicht notwendig das böse, ALTE Europa zu bombardieren. Diese doofen Länder von gestern; Frankreich, Belgien, Deutschland und Russland; machten sich ja von selbst irrelevant.

Deswegen war früher auch alles gut und das erkennen die Amerikaner glücklicherweise.
Sie mögen GWB jetzt lieber als den doofen Obama, der alles so kompliziert gemacht hat.

George W. Bush is more popular than President Barack Obama in America and the GOP is celebrating how much they miss the former President by printing “I Miss W” T-shirts.
In a related report by The Inquisitr, it’s claimed that revelations over “finding” Iraq’s “missing” WMDs has vindicated George W. Bush, although some that his decisions in regards to the Iraq War set up the ISIS fiasco. But some critics are lashing out by claiming the Bush tax cuts made Americans lose $6.6 trillion because the government could not invest as much money into the infrastructure that supports business growth. While progressives may lap that up, conservatives will probably just laugh out loud.
Speaking of laughing, that’s what a lot of Republicans are doing lately while mixing in a whole lot of told-you-so’s. Based upon Obama’s approval rating dropping so quickly in recent times, it’s claimed by some that Obama is the worst U.S. President since World War 2. Even the youth, who used to be considered stalwart supporters of Obama, are supposedly feeling left in the cold by Obama’s actions. In fact, the only major demographic that heavily supports the President is Muslims. Obama’s approval rating with Islam followers is an astounding 72 percent while Christians, and especially Mormons, are pretty much the polar opposite.
According to a recent Gallup article, if take the entire presidency of George W. Bush and average out his approval rating then he stood at 49 percent for his entire time in office. In comparison, Barack Obama currently stand at 48 percent. […] Gallup is not the only polling organization pointing out this trend. A Zogby Analytics Poll also found Obama slipping in popularity down to a 44 percent approval rating, while his disapproval rating jumped to 54 percent. In addition, around 50 percent told the Zogby poll that Obama is “unable to lead the country.”
Amazingly, while George W. Bush is starting to become almost popular again, it’s claimed that both left and right-leaning journalists are starting to say that Obama has “checked out” as POTUS.

Ich werde ab jetzt auch nur noch diese T-Shirts tragen.




Seit der schwule Musel aus Kenia das Land regiert, ist alles so unübersichtlich geworden.
Sein ewiges Zögern und Nachdenken hat ganz schreckliche Folgen.

Jetzt ist alles so wirr.

Auf einmal WÄHLEN die Ägypter demokratisch! Das geht natürlich nicht! Glücklicherweise hat das Militär den demokratisch gefundenen Präsidenten Mursi gleich wieder abgesetzt.

Die USA mögen seit 2011 nicht mehr im Irak Zivilisten killen und andererseits denkt ausgerechnet das ALTE Deutschland nun darüber nach den Irak mit Waffen zu versorgen.

Militärische Unterstützung aus Deutschland
Die Bundesregierung will die irakische Armee im Kampf gegen die Terrormiliz IS unter anderem mit gepanzerten Fahrzeugen und Sprengfallen-Detektoren unterstützen. Sie sollen aus Bundeswehrbeständen kommen und unter Beteiligung der deutschen Luftwaffe so schnell wie möglich ins Krisengebiet geschafft werden, wie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte. Auch Waffenlieferungen schließt die Bundesregierung nicht mehr kategorisch aus. Bisher hatte die lediglich humanitäre Hilfe für den Irak zugesagt. Die zusätzliche Unterstützung kündigte von der Leyen nach einem Treffen mit ihrem britischen Amtskollegen Michael Fallon an.

Und die doofen Kurden, die zu GWB-Zeiten als Terroristen galten, die Freund Erdogan ärgern (Bush verlangte einen EU-Beitritt der Türkei), werden jetzt gemeinsam von CIA und dem Iran (sic!) mit Waffen versorgt.

Die USA haben damit begonnen, die kurdischen Kämpfer im Nordirak direkt mit Waffen und Munition auszustatten. […]
Die amerikanischen Flugzeuge sind nicht die einzigen Transportflieger, die mit Waffen die Kurden im Nordirak ansteuern. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sichten westliche Geheimdienste seit einigen Tagen auf dem Flughafen im nordirakischen Erbil auch Flieger aus dem Nachbarland Iran. Demnach werden die unmarkierten Jets in einem Hangar etwas abseits des zivilen Flughafens entladen.
Durch die Meldungen scheint sich zu bestätigen, dass auch das schiitische Regime in Teheran wie die USA derzeit alles daran setzt, die sunnitischen IS-Kämpfer an einem weiteren Vormarsch zu hindern - und dabei in Kauf nimmt, die Kurden zu unterstützen, die auch in Iran als Rebellen gelten. Damit ist die Situation eingetreten, dass Iran und USA die Lage im Irak derart ähnlich bewerten, dass sie indirekt an einem Strang ziehen. […]

Unter GWB hätte es das nicht gegeben…..

PS:

Aus aktuellem Anlass:

Montag, 11. August 2014

KKK – Teil II

Wo „KKK“ drauf steht, verbirgt sich nie etwas Gutes.

Klu Klux Klan

Oder auch:
Konservativ, Katholisch, Koblenz.
Mit diesen drei Beleidigungen beschreibt sich CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs auf seiner Facebook-Seite selbst.
Gerade ist er mächtig stolz auf sich, weil er im SPIEGEL-Interview der Kanzlerin ordentlich eingeschenkt hat.
„Kritik der Kanzlerin“ alliteriert die Süddeutsche Zeitung die Meldungen über den frechen Fuchs, der mit 65 nun den Eindruck erwecken will erstmalig seine Hoden entdeckt zu haben.
Also gut, sehen wir mal nach, was der SPIEGEL von heute, neben seinem grandiosen Käßmann-Interview noch für Gespräche zu bieten hat.

Der promovierte Stabsapotheker der Reserve ist Multifunktionär. Er sitzt, bzw saß dem „Arbeitgeberverband Großhandel Rheinland-Pfalz“, dem „Taiwan-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft“, dem „Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels“, der „Bundesvereinigung Deutscher Handelsverbände“, dem „Landesverbandes Groß- und Außenhandel Rheinland-Pfalz“ und dem „Bundesverbandes Junger Unternehmer“ vor.
Außerdem agiert der CDU-Rechtsaußen an hervorgehobener Stelle im „Präsidium der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände“, der „Europäischen Handelsorganisation (FEWITA)“, des „Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft“, der Burschenschaft Germania Erlangen im Süddeutschen Kartell, des „Außenwirtschaftsbeirats beim Bundesministerium für Wirtschaft“, des „Rockefeller-Executive Committees der Trilateralen Kommission“ und des „Bundes Katholischer Unternehmer“.

So ein Toplobbyist ist im Bundestag, um Einfluss auszuüben und nicht um Geld zu verdienen.
Die Diäten sind für ihn nur Peanuts. Durch seine Nebentätigkeiten, gegen deren Veröffentlichung er sich 2012 vehement wehrte, verdient er ein Vielfaches.
Wie viel genau weiß niemand, da er laut Abgeordnetenwatch offenbar diesbezüglich falsche Angaben macht.

Jahrelang hat der Bundestagsabgeordnete Michael Fuchs mehrere Nebentätigkeiten verschwiegen, was eine klare Verletzung der Transparenzregeln des Deutschen Bundestages darstellte.

Er hält Beteiligungen an der Fuchs-Holding GmbH, der Fuchs Immobilienverwaltungs-GmbH und der Grundstücksverwaltungs- und Beratungs-GmbH, jeweils mit Sitz in Koblenz.
Im Januar 2013 wurde bekannt, dass Fuchs jahrelang Geld für „Vorträge“ von dem umstrittenen privaten Nachrichtendienst Hakluyt & Company bekam (siehe Fallbeispiel unten). Im Juli 2013 veröffentlichte der Bundestag, dass Fuchs nun auch im Beirat des Nachrichtendienstes sitzt. [….]
Erst durch öffentlichen Druck meldete Fuchs diese Posten nach:
    Vorstandsmitglied im Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft
    Vorsitzender im Taiwan-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft
    Vorstandsmitglied in der German Chamber of Commerce (GCC) in Hongkong

Der Begriff „Volksvertreter“ ist bei MdB Fuchs also bestenfalls irreführend. Für wessen Interessen er in Wahrheit kämpft, dürfte offensichtlich sein.
Herr Fuchs scheint allerdings nicht unbedingt ein Blitzmerker zu sein, denn nach nur neun Jahren Merkel-Kanzlerschaft fällt ihm auf einmal siedend heiß ein, daß Merkel gar keine stringente Politik macht, sondern kurslos umher mäandert.

Ob das gut geht?

Natürlich präferiert die Kanzlerin eindeutig eine Arbeitgeber-freundliche Politik und verteilte gewaltig von unten nach oben um.
Man soll es aber nicht auf den ersten Blick merken und im Zweifelsfall ist ihr der Machterhalt ohnehin viel wichtiger. Nie würde sie wie ihr Vorgänger für eine inhaltliche Position ihren Kopf hinhalten und damit ihren Job riskieren.
Und eins ist ganz sicher im Merkel-Universum: Sie läßt sich nicht an Bein pinkeln und macht alle innerparteilichen Gegner früher oder später einen Kopf kürzer.
Ihr wird es kaum gefallen, daß die beliebteste Regierung aller Zeiten von den eigenen Leuten schlecht gemacht wird.
Und in der Tat, nölt der Lobbyist im SPIEGEL ganz schön rum. Zudem sagt er auch noch laut was er will – Waffenexporte, Roland Koch und Stopp der Ökos!

Michael Fuchs:
Richtig ist jedenfalls, dass es so nicht weitergehen kann. Unserem Land geht es gut, vor allem im Vergleich zum Rest Europas. Aber wir haben im vergangenen halben Jahr das Fundament für unseren Erfolg geschwächt, und das muss aufhören. Wir müssen uns heute vorwerfen, dass wir bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPD viele Zugeständnisse gemacht haben. Daher brauchen wir in der Wirtschaftspolitik einen Neustart. Für den Rest der Legislaturperiode muss gelten: Wir müssen alles, was die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland schwächt, unterlassen. […]  Es ist ein Skandal, dass wir für die kommenden 20 Jahre jedes Jahr 24 Milliarden Euro an Subventionen in erneuerbare Energien stecken. Zudem macht mir Sorge, dass wir nicht mehr bereit sind, uns bei Zukunftsthemen gegen eine teilweise technologieskeptische Bevölkerung durchzusetzen. […]  Nehmen Sie das Thema Fracking. […] Sollen wir diese Möglichkeit, heimische Gasreserven zu nutzen, wirklich ganz abschreiben, gerade angesichts der sich verschlechternden Beziehungen zu Russland? Gleiches gilt für die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den USA. […] Ich kann dieses Gejammer nicht mehr hören. Wenn Sie etwas gegen amerikanische Chlorhühnchen haben, dann müssen Sie auch unsere Freibäder meiden. Da bekommen Sie beim Baden mehr Chlor ab, als wenn Sie ein Hühnchen aus den USA essen. […] Wir steigen aus der Atomkraft aus und vertreiben damit Unternehmen in der Kerntechnik aus unserem Land. Jetzt ist die Rüstungsindustrie dran. Als wohlhabende Gesellschaft können wir das alles machen, aber eine solche Politik hat ihren Preis. In der Rüstungsindustrie stehen 200 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, von sicherheitspolitischen Aspekten für unsere Bundeswehr gerade im Zeichen der Ukraine ganz zu schweigen. […]

Ein einigermaßen gelungenes Interview. Hier wird aufgezeigt was Fuchs will und jeder weiß woran das scheitert.
An seiner Chefin, Vorsitzenden und Kanzlerin.
Auch Fuchs hat, wie jeder der in der CDU ein hohes Amt besetzt, immer jeden Wunsch der Kanzlerin abgenickt.
Vor dieser Art Zwergenaufstand muß sich Merkel nicht fürchten.
Im Gegenteil, Herrn Fuchs kann man mit vollem Recht auslachen. Er nölt rum, aber mehr auch nicht.
Am Ende stimmt der Teppichvorleger doch immer wieder brav mit Merkel.

Michael Fuchs hat in neun Jahren Regierungszeit Angela Merkels das Optimum dessen erreicht, was einer in der CDU erreichen kann, wenn er fortwährend die Bundeskanzlerin kritisiert. [….] Fuchs gehört zum Wirtschaftsflügel der Union, weshalb ihm, kurz gefasst, alles zuwider ist, was mit staatlicher Regulierung oder dem Ausgeben von Steuergeldern zu tun hat – also ziemlich viel von dem, worauf Merkel sich in den Koalitionsverhandlungen eingelassen hat und was die SPD seit Monaten zu Gesetzen macht. [….] Der Fraktionsvize Fuchs ist formal nicht irrelevant. Und er spricht aus, was möglicherweise viele in der Union denken. Gleichwohl tut er das nicht zum ersten Mal. Und trotzdem hat sich eigentlich nie etwas geändert. Dafür gibt es zwei Erklärungen: Zum einen ist Fuchs gern dabei, Mut zu fordern, hat ihn aber selbst zu selten bewiesen. Er hat gemosert – und ist am Ende meist in Merkels Richtung marschiert. Zum anderen fehlt dem Wirtschafts- wie auch dem konservativen Flügel der Beweis dafür, dass der Kurs der Kanzlerin der Union schadet. [….]
(Nico Fried, SZ vom 11.08.2014)

Herr Fuchs ist ein Nichtsnutz, der Dank seiner Vernetzung einen der sichersten Wahlkreise der Bundesrepublik hat. Der Wahlkreis Koblenz in Rheinland-Pfalz umfasst die kreisfreie Stadt Koblenz, die Stadt Bendorf sowie die Verbandsgemeinden Rhein-Mosel, Vallendar und Weißenthurm aus dem Landkreis Mayen-Koblenz und aus dem Rhein-Lahn-Kreis die Stadt Lahnstein sowie die Verbandsgemeinden Bad Ems, Braubach und Loreley.
Dieser Wahlkreis wurde ausnahmslos immer von der CDU gewonnen.
Da könnte sich Herr Fuchs auch im Parlament nackt ausziehen und ans Rednerpult urinieren, wenn Merkel spricht.
Umso unverständlicher, daß er sich so sehr fürchtet vor der Frau von der Ostseeküste, daß er nie wirklich auf seine Überzeugungen pocht.

Sonntag, 10. August 2014

Macht es mir doch nicht so schwer!


Gerade heute Morgen verteidigte ich noch den SPIEGEL lautstark gegen einen jungen Twen, der das Blatt und Bausch und Bogen ablehnt.
Die ganz harschen Urteile gegen das alte Nachrichtenmagazin kommen wie üblich von denjenigen, die den SPIEGEL sowieso nicht lesen.
Solche Leute nehmen den grauenhaft misslungenen Putin-Titel wahr und bestätigen damit ihr negatives Pauschalurteil.
Diese Menschen verwechseln SPIEGEL und SPON, die in Wahrheit zwei unterschiedliche Redaktionen sind und extrapolieren auf den gesamten Heftinhalt.
Dabei ist schon SPON ziemlich heterogen – da gibt es beklagenswerterweise Jan Fleischhauer, aber der ist nur einer von sechs Kolumnisten. Jakob Augstein, Sascha Lobo, Wolfgang Münchau, Sibylle Berg, Jan Fleischhauer und Georg Diez.
Die ersten vier von ihnen kann man keineswegs als „rechts“ oder „neoliberal“ bezeichnen. Sie nehmen die Bundesregierung und insbesondere die CDU-Kanzlerin gewaltig unter Feuer.
In jedem SPIEGEL-Heft stehen hundert Artikel und davon sind eben einige richtig gut, informativ und auch nicht ohne weiteres online zu finden.
Doch, der SPIEGEL ist schon immer noch das führende Nachrichtenmagazin Deutschland. Ohne ihn kann man nicht auskommen.
So tönte ich heute Morgen.
Und dann kam das SPIEGEL-epaper der morgen erscheinenden Ausgabe und was muß ich da sehen??
DREI Seiten Interview mit Frau Käßmann!
Die Käßmannsche, die Blitzbirne unter den Bischöfen, der Totalausfall der Theologie!
Jungs und Mädels vom SPIEGEL – warum tut Ihr mir das an?
Wie soll ich Euch verteidigen gegen den Vorwurf auf BILD-Niveau abzurutschen, wenn Ihr Euch dann die BILD-Kolumnistin und bekannte Denk-Abstinenzlerin als Interview-Partner holt?
Und wieso überhaupt? Plappermäulchen ist doch ohnehin omnipräsent auf allen TV-Kanälen, wöchentlich bei der BILD und kürzlich noch in der SZ.
Wer kommt auf die sagenhaft schwachsinnige Idee ihr schon wieder ein Forum zu bieten?
Wenn ich es ganz positiv ausdrücken sollte, würde ich mutmaßen, daß man sie entlarven wollte, indem man ihr „Nichts ist gut in Afghanistan-Gewäsch“ als solches dismantelt und sie für ihre Naivität über das Beten mit den Taliban auslacht.
Aber dafür braucht man doch nicht den SPIEGEL!
Das ist schon allein in diesem Blog seit Jahren dutzendfach passiert und nun wärmt das Nachrichtenmagazin Nr. 1 in Europa diese uralte Restesuppe noch mal auf?

Das Interview bringt das zu Erwartende: Käßmann outet sich als desinformierter Naivling, der zur Lösung aktueller Probleme so viel beiträgt wie eine Packung Immodium Akut bei Verstopfungen.

Zugegeben, den Spiegel-Redakteuren René Pfister und Christiane Hoffmann gelingt es durchaus, Käßmann als Deppin hinzustellen.

Käßmann: Können Sie mir nur einen Krieg in den letzten 60 Jahren nennen, den man mit vernünftigen Gründen rechtfertigen kann?
 SPIEGEL: Uns fallen vor allem Beispiele dafür ein, dass die Völkergemeinschaft durch ihr Wegsehen Massenmord zugelassen hat. 1994 zum Beispiel, als die Hutu in Ruanda mindestens 800000 Tutsi und gemäßigte Hutu töteten. Oder 1995 in Srebrenica, als die Serben eine Uno-Schutzzone überrannten und ein Massaker unter den bosnischen Muslimen anrichteten.
Käßmann: Es ist interessant, dass Sie immer vom Ende her denken, wenn es keine gewaltfreie Lösung mehr zu geben scheint. Heute existieren viele Friedensforschungsinstitute, die Strategien entwickelt haben, um Konflikte zu vermeiden oder zu schlichten. Man muss es eben nur wollen. Aber am Willen hapert es. [….]
SPIEGEL: Ihre Theorie setzt voraus, dass Menschen immer friedfertigen Argumenten zugänglich sind. Möglicherweise ist das bei Massenmördern wie Hitler oder Pol Pot nicht der Fall.
 Käßmann: Das mag so sein. Aber mich faszinieren Menschen, die es wagen, nicht mit Waffengewalt zurückzuschlagen. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“, heißt es in der Bibel.
SPIEGEL: Auf einem Kirchentag mögen sich Konflikte mit Sinnsprüchen aus der Bibel lösen lassen, in der realen Welt leider nicht. […]
Wenn Ihnen das Militärische so suspekt ist, wie sehen Sie dann die Institution des evangelischen Militärbischofs, der den Soldaten im Kampf den Segen erteilt?
Käßmann: Ich halte den Begriff Militärbischof nicht für glücklich, und viele Pfarrer im Osten fanden es befremdlich, dass sich ein Bischof eigens um die Soldaten kümmern soll. [….] Die evangelische Kirche hat insgesamt sieben Kriterien aufgestellt, die erfüllt sein müssen, damit ein Einsatz gerechtfertigt ist. So muss zum Beispiel unter allen Umständen dafür gesorgt werden, dass Zivilisten geschont werden. […]
SPIEGEL: Damit hätten der Krieg der Alliierten gegen Hitler und der Einsatz der Nato im Kosovo nicht stattfinden dürfen. Bei beiden kamen Zivilisten zu schaden, und im Kosovo gab es kein Uno-Mandat. Wäre es nicht ehrlicher von Ihnen zu sagen: Ich bin ganz gegen Kriegseinsätze, ohne diese rhetorischen Verrenkungen? […]
Käßmann: Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat einmal gesagt, Leute mit Visionen sollten zum Arzt gehen. Aber ich finde die biblische Vision vom Frieden wunderbar. Friede und Gerechtigkeit werden sich küssen, heißt es in der Bibel. Was für ein schönes Bild!
(Der Spiegel 11.08.14, s.23 f)

Allerdings ist es unerklärlich wieso Pfister und Hoffmann die Ex-Bischöfin mit „Friede und Gerechtigkeit“-Sprüchen davon kommen lassen, ohne zu fragen, wie eigentlich ohne Militär verhindert werden soll, daß IS-Truppen Jesiden, Kurden und Christen massakrieren.

Die größere Frage ist aber wozu man überhaupt ein Interview mit ihr führt. Ihre platten Sprüche kann doch ohnehin schon jeder singen.
Da ist das Hamburger Abendblatt aus dem SPRINGER-Konzern mit seiner unerträglichen Lobhudelei auf den kriegsfreundlicheren Gauck noch Gold.
Abla-Redakteur Edgar S. Hasse schrieb gerade letzte Woche deutlich auf wie weit es mit dem Pazifismus der Evangelischen Kirche her ist.

[…] In jenen Augusttagen vor 100 Jahren, als der Erste Weltkrieg mit dem Einmarsch in Luxemburg und Belgien begann, stand das deutsche Volk nahezu geschlossen hinter dem preußisch-protestantischen Monarchen Wilhelm II. Dieser verkündete in seiner Kriegserklärung: "Vorwärts mit Gott, der mit uns sein wird, wie er mit den Vätern war."
Während die Kunde der Mobilmachung wie ein "leuchtender Blitz das Dunkel erhellte" ("Berliner Tageblatt", 2.8.1914) und "Ergriffenheit" die Seelen der Menschen erfasste, sah auch der Hamburger Michel-Hauptpastor August Wilhelm Hunzinger seine Chance gekommen. […] Seine Worte, die Mut für den Kriegseinsatz machten, aber nicht für den Frieden. "Wer Gott zum Trotz hat, der wird siegen", ermutigte er die Gemeinde von der barocken Michel-Kanzel herab. "Germania, lass dich bitten, lass dich beschwören, niemals, was auch kommen mag, von diesem Trotz zu lassen."
[…] "Der Krieg hatte der christlichen Botschaft, gleichsam auf dem Rücken der nationalen Gesinnung, neue Geltung verschafft", betont der Tübinger Historiker Dietrich Beyrau. Der Krieg, schreibt der Kirchenhistoriker Gerhard Besier in der Zeitschrift "Zeitzeichen", "wurde von allen Seiten, wenn auch unterschiedlich intensiv, als eine Art Kreuzzug interpretiert – aus der Sicht Deutschlands für die christlich-deutsche Kultur und gegen den sittlich-moralischen Verfall des Westens". […] In jenen Augusttagen vor 100 Jahren entstand sogar eine neue Gattung evangelischer Verkündigung – die "Kriegspredigt". Allein der nationalkonservative Hamburger Hauptpastor Hunzinger hat Dutzende von ihnen im Michel gehalten und später veröffentlicht. Stolz über die wiedererlangte religiöse Deutungsmacht schrieb er im Vorwort für sein erstes Buch "Kriegspredigten": "Als der Krieg ausbrach, erlebten wir das Wunder der deutschen Völkerwanderung in die Kirche. In jenen denkwürdigen Tagen wurde, wie durch einen allerhöchsten Beschluss, das furchtbare Odium der Überflüssigkeit von der Kirche genommen." Die Stimme des Volkes habe der Kirche noch einmal den heiligsten Beruf anvertraut, den es gebe: "Die Größe der Zeit zu deuten und ihre Kräfte zu segnen."
Hunzinger war kein Einzelkämpfer. Ob im Michel, im Berliner Dom, in Frankfurt am Main oder bei den Feldgottesdiensten – überall wetterten die evangelischen Geistlichen gegen den Feind und beschworen den Schutz des "deutschen Gottes". Im Berlin wetzte der Hof- und Domprediger Bruno Doehring noch ein Jahr vor Kriegsende verbal die Klingen und forderte Opferbereitschaft. "Wohnt Christus in unserem Volk, dann mögen sie uns hinmorden wie die Juden einst unseren Herrn, aus unserm Grabe steht das neue Deutschland auf." Und der evangelische Lazarett-Pfarrer und spätere Erlanger Professor für Systematische Theologie, Paul Althaus, bekannte: "Nach meiner Überzeugung wird dieser Feldzug in der Kriegsethik für uns das Schulbeispiel eines gerechten Krieges sein." […]
 (Edgar S. Hasse, 05.08.14)

Samstag, 9. August 2014

Piratenpartei 3.0



Es gibt Menschen, die mich wegen meiner Printabos auslachen.
Das sei ja mal richtig veraltet. Heute liefe doch alles über Bits und Bytes.
Dieser Typ des sich selbsterhöhenden Zukunftsmenschen hat auch nur Verachtung für die sogenannten „Altparteien“ übrig.
Die wären allesamt nicht mehr wählbar, verkörperten das Gestern und wären ohnehin Lobby-gesteuert.
Man müsse auf das gesunde Volksempfinden setzen und Deutschland plebiszitär regieren. Es sollten sich immer die Bürger mit Abstimmungen beteiligen und dann würden nur noch weise, nicht von Großkonzernen gesteuerte Entscheidungen getroffen. Zauberwort „Liquid democracy!“
Für Typen, die so denken gibt es natürlich nur die Piratenpartei – jene Ansammlung von Internet-Nerds, die sich längst aus den alten Rechts-links-Schablonen gelöst hätte und durch komplette Vernetzung eine Schwarmintelligenz erzeuge, die der Kompetenz der alten repräsentativen Demokratie weit überlegen sei.
Brave new world.
Wenn die Piraten regieren, würde das erste Mal echte Demokratie herrschen, weil alle Regierten simultan an den Entscheidungen beteiligt würden.

Na, das hat sich vielleicht als Schwachsinn herausgestellt!

Internet macht Kluge klüger und Dumme dümmer.
Die Möglichkeiten sind tatsächlich gigantisch.
Blöderweise gibt es im Volk nur wenig Kluge. Und die Dummen können sich daher überproportional vermehren, indem sie wie besessen süße Katzen-Videos, Selfis und wackelige Home-Pornos verbreiten.
Für alle erdenklichen Verschwörungstheoretiker, Rechtsextremen, Katholo-Tradis, Revanchisten-Spinner, Ufologen, Montagsdemonstranten und Gendermainstream-Warner ist das Internet ein Segen.
Da ich die Putinisten schon entsprechend lobend erwähnte, nenne ich heute den godfather of the Montagsdemos Jürgen Elsässer, der in seiner COMPACT-Zeitschrift (bewußt ohne Link!) und mit diesen Compact-Konferenzen illustre Arschgeigen wie Eva Herman, Gabriele Kuby und Thilo Sarrazin mit Spinnern aller Art zusammenbringt.
Der kleine Hardcore Katholik Rudolf Gehrig, hier schon zweifach als Christ des Tages geehrt, schreibt neben seiner Haupttätigkeit beim extremistischen Christensender EWTN auch für Compact und Kathnet
Ich dachte ursprünglich, das sei eine mikroskopisch kleine Szene und war daher ZIEMLICH verblüfft, daß jetzt überall im Hamburger Zeitschriftenhandel diese Compacts mit dem Titel "Ami Go Home" ausliegen. Und zwar nicht irgendwo verschämt dazwischen wie früher "der Landser", sondern ganz prominent, teilweise auf eigenen Ständern.
So, daß es schon von weitem ins Auge fällt. Irgendwie muß der Elsässer da einen Coup mit dem Vertrieb gelandet haben.
Diese Hotspots aus komprimierter Scheiße wirken wie schwarze Löcher und ziehen PI-Epigonen, Anders Breiviks und religiöse Fundis magisch an.
Das ist die Kehrseite des „freien Internets“ – potentiell hochgefährliche Spinner können ungebremst von seriösen Redakteuren ihre Propaganda verbreiten.
Genau dadurch erklärt sich auch der Erfolg der IS-Kalifat-Armee: Durch Internetpropaganda rekrutieren sie Kämpfer aus allen Teilen der Welt. Allein jeweils Hunderte aus Deutschland und Amerika.
Von dem hohen Ross, als moderne Internet-affine Truppe mußte die Piratenpartei längst herabsteigen.

Nichts ist den Piraten so wichtig wie die Basis: Die Partei entstand als Versuch, mit konsequent durchgezogener Basisdemokratie unter Einbindung der Mitglieder in alle Diskussionen und Entscheidungen die politische Landschaft zu verändern. Das Mittel dazu sollte die Netzplatzform LiquidFeedback liefern, doch dieser ehrenwerte Plan scheiterte spektakulär. Zu oft produzierte die Echtzeit-Einbindung der Masse nichts als Streit - die noch immer 28.000 Mitglieder zählenden Piraten gelten heute als zutiefst zerstrittene Gruppierung.

Die Piraten sind erledigt.
Sie sind so verwirrt und konzeptionslos, daß sie selbst in einem Land mit so vielen Wirrköpfen wie Deutschland kaum noch bei irgendeiner Wahl über ein Prozent der Stimmen kommen können.
Die gesamte Piratenfraktion des Berliner Abgeordnetenhauses will nun aus der Partei austreten, weil sie in kürzester Zeit das erreicht hat, wofür die FDP 60 Jahre brauchte: Sie haben „beim Wähler als Marke verschissen“. Das Piraten-Logo wirkt jetzt nur noch als Urnengift.
LiquidFeedback ist tot; die Idee stellte sich als Schöpferin von purer Schwarmdummheit heraus.
Da fast alle Piratenpromis laut fluchend und schimpfend aus der Partei ausgetreten sind, versucht nun ein Nobody die klägliche Rudimente einzusammeln. Der neue Parteivorsitzende Stefan Körner will per Mitgliederbefragung endgültig die inhaltliche Ausrichtung des elenden Polithäufchens bestimmen.

Die Methode dazu hat sich Körner wohlüberlegt:
Byebye Internet, willkommen Snailmail!

Die so wichtige Befragung soll keineswegs online, sondern ganz klassisch per postalisch verschickten Fragebogen durchgeführt werden.
Postbote statt Liquid Democracy? Ja, bestätigte der Parteivorsitzende Stefan Körner der Nachrichtenagentur dpa: Es gebe keine Software, mit der eine verbindliche Mitgliederbefragung online abgewickelt werden könne. Außerdem seien solche IT-Systeme anfällig für Manipulationen. "Deswegen werden wir den ersten Basisentscheid jetzt wohl ganz konventionell, ganz herkömmlich auf Papier durchführen", sagte Körner.