Mittwoch, 27. Mai 2026

Die alten Methoden sind besser – Teil II

Vom Glück der frühen Geburt berichtete ich vorgestern. Der analoge Mensch kapiert mehr: Auf Papier gedruckte Texte werden besser verstanden, man lernt effektiver, wenn man mit der Hand schreibt, Zusammenhänge bleiben nachhaltiger im Gedächtnis, wenn man nicht kontinuierlich das Klugtelefon zur Nachhilfe benutzt.

Das Textverständnis, das Schreiben wird ausgefeilter, wenn man viele gedruckte Texte liest. Das Stilgefühl geht verloren, wenn man KI-generierte Texte konsumiert und immer nur kleine Zusammenfassungen konsumiert.

An dieser Stelle sei ein Artikel aus dem vorletzten SPIEGEL empfohlen, der erklärt, wieso KI und Large Language Models (LLMs) nicht in der Lage sind, witzig zu sein.

Selbstverständlich wird die KI nicht aufzuhalten sein, selbstverständlich kommen die Zeiten nicht zurück, in denen jeder mit der Hand schrieb und man nur auf Papier gedruckte Informationen verarbeitete.

Ich glaube ohnehin nicht an eine noch wesentlich länger währende Zukunft des Homo Sapiens. Das nächste Jahrhundert wird diese Spezies meiner Ansicht nach nicht erleben.

Als Antinatalist, der mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat, kommt mir das entgegen. Wer sich hingegen um den Fortbestand seiner eigenen egoistischen Gene sorgt, oder sich womöglich schon reproduziert hat, sieht das mutmaßlich anders.

Vielleicht irre ich mich und die Menschheit wird in hundert Jahren prosperieren; ich werde es sicher nicht erleben. Aber wenn es so käme, wären die „digital immigrants“, die letzten Vertreter des analogen Zeitalters ausgestorben. Die Menschen werden nicht vergleichen können und daher keinen Verlust empfinden, wenn niemand mehr alle Rechtschreibregeln beherrscht, mit einem Füller schreiben kann, auf stilistische Feinheiten in Texten reagiert.

Es wird Lebensqualität verloren gegangen sein, die niemand vermissen wird.

Dazu gehört für mich auch Musikverständnis. Es ist eine Unsitte, daß durch die allgegenwärtigen Streamingdienste heute jeder Song nur zwei Klicks entfernt ist und in Sekundenbruchteilen beurteilt wird, ohne den Sänger, den Produzenten, das Album, das Konzept, das Cover zu kennen. Ich alter Sack glaube ernsthaft, daß deswegen so viel zeitgenössische Musik so schlecht ist. Es wird für den ganz schnellen Erfolg einzelner kurzer Stücke produziert. Eingängliche Bass-lines, die Hooks werden primitiver.

„Konzeptalben“ sterben aus, weil ohnehin nur noch einzelne Schnipsel „zu meiner playlist geadded“ werden. Zum Glück gibt es für Dinosaurier wie mich noch genügend Musiker, die sich dem Trend widersetzen, so daß ich immer wieder Neues entdecken kann, das mich erfreut.

Aber ich empfinde viel Wehmut für die Zeiten, als man sich neue Popmusik noch mit erheblich mehr Mühe erarbeitete und sie daher auch viel mehr würdigte. Es war nicht alles über die Ohrstecker verfügbar, sondern erforderte technischen und logistischen Aufwand!

(….)  Schon bevor ich 16 wurde, [und noch keinen eigenen Plattenspieler hatte] kaufte ich mir Schallplatten, beispielsweise genau vor 40 Jahren, zum Erscheinungsdatum im März 1983, „The Hurting“ (Tears for Fears), die ich aber meinem Alter entsprechend keinesfalls immer in Gegenwart meiner Mutter im Wohnzimmer hören wollte. Also fuhr ich mit meiner Schallplatte und Leercassetten zu meiner liebsten Schulfreundin, die bereits einen eigenen Plattenspieler besaß und ließ mir dort alles überspielen. So wie ich schon zuvor meine Lieblingsmusik in der Zeit; Helen Schneider, Kate Bush, David Bowie, Depeche Mode und The Cure; immer auf Cassette umformatieren musste, um sie in meinem Zimmer hören zu können.

Eine Single-Platte kostete sechs D-Mark, Langspielplatten an die 20 DM. Kein Pappenstiel für Taschengeld-abhängige Jung-Teenager. Man musste darauf sparen. Zudem war es nicht unbedingt leicht, die Objekte der Begierde überhaupt zu bekommen. Zunächst einmal musste man sich durch Zeitschriften informieren und dann mit Bus und Bahn durch die Stadt fahren, die wenigen guten Plattengeschäfte aufsuchen, in die Alben reinhören und hoffen, daß noch ein Exemplar da war. Das erforderte oft viele Anläufe, viele Stunden Bahnfahrt und viele vergebliche Stunden Stöberei.

Für die Generation Klugtelefon mag das extrem umständlich klingen, aber der Gedanke kam mir logischerweise nie, weil ich es nicht anders kannte. Auch a posteriori möchte ich die Erfahrung nicht missen, da wir unsere neuen Schätze eben auch wie einen echten Schatz schätzten. Ich erinnere mich an eine Verabredung mit einer Mitschülerin, die vorher noch nie bei mir war, so daß ich üblicherweise einigen Aufwand betrieben hätte, um es ihr angenehm zu machen. An dem Tag bekam ich aber die lang ersehnte „The Head in the Door“ (The Cure, 1985), so daß ausführliche Untersuchungen des Covers, Lesen der Texte und ununterbrochenes Hören notwendig wurde.

Ich weiß noch genau, wie ich mich entschuldigte, nicht fragen zu können, was meine Besucherin gerne hören würde, aber nun müsse ich nun einmal ununterbrochen „in between days“ und „close to me“ hören. Aber selbstverständlich akzeptierte sie das, da es ihr auch immer so mit einer neuen Platte ginge; damit beschäftige man sich über Tage intensiv.(……..)

Heute gehöre ich zu den Alten, die sogar noch älter sind, als meine Eltern zu dem Zeitpunkt, als ich sie erstmals nicht mehr als totale Autorität akzeptierte.

Akustische Verbrechen wie Max Giesinger und Philipp Poisel können heute geschehen, weil die universelle, billige und superschnelle Verfügbarkeit jeder Musik das Urteilsvermögen der jungen Generation zerstört haben.

Daß ich vor 40 Jahren ein großen Aufwand für eine neue Schallplatte trieb und mich tagelang intensiv nach dem Kauf damit beschäftigte, korrespondierte mit den Ebenen der Plattenfirmen und der Künstler. Schallplatten waren ihre Haupteinnahmequelle und dementsprechend viel Mühe steckten auch die Musiker in ein neues Album. Sie wußten, es würde von jedem Käufer auf Herz und Nieren geprüft. Heute kommt das Geld durch Konzerte und Merchandising rein. Ein Popmusiker ist nicht mehr auf die Verkaufszahlen seiner CDs angewiesen. 12 ausgefeilte Songs aufwändig zu produzieren, ist pure Verschwendung. Ein radiotauglicher Track reicht. Der Rest wird lieblos zusammengesampelt, um das Album zu füllen. Die Konsumenten downloaden ohnehin nur das eine Lied. Da alle vernetzt sind, mögen ohnehin alle dasselbe. Social Media nivelliert die Jugend nicht nur optisch, sondern auch in jeder anderen geschmacklichen Hinsicht. (…….)

(Die Alten von heute, 07.04.2023)

Weil die enorme Arbeit, die Musiker in ein Album stecken, ohnehin nicht mehr gewürdigt werden, sind Vinyl-Platten und CDs kaum noch ein wirtschaftlicher Faktor. GenZ versteht nicht, wieso man 20 Euro oder mehr für ein haptisches Ding ausgeben soll, wenn die darauf gepressten Töne ohnehin quasi kostenlos zur Verfügung stehen.

Daher beschwert sich GenZ auch laut lamentierend über Paywalls für ausgezeichneten Journalismus. Ihre ausgeprägte Gratis-Mentalität ist nichts anderes, als eine widerliche Missachtung der Leistung, des Könnens, der Mühe, der Arbeit Dritter.

Presseartikel haben aber eben nicht die gleiche Qualität, wenn sie ein Praktikant durch KI und Wikipedia zusammenbastelt – verglichen mit einem investigativen Journalisten, der recherchiert und alles nach dem Zwei-Quellen-Prinzip überprüft.

So wandert guter Journalismus heute in die Nische und wird immer teurer. Oder stirbt aus. Ein Alptraumszenario, denn so steht es Algorithmen und KI frei, das Volk nach Belieben zu manipulieren.

Musiker, die nicht verhungern wollen, suchen sich andere Einnahmequellen. Merchandising und Mega-Tourneen, wenn man schon berühmt ist. Anderenfalls Patreon und OnlyFans.

Man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Aber es nimmt gelegentlich erbärmliche Formen an, wenn alte und wirklich nicht gesunde Künstler aus purer Geldnot zu Tourneen und Auftritten gezwungen werden, weil über die Tonträger kein Cent mehr reinkommt.

Aber auch die ganz großen Stars stoßen an Grenzen in einem System, das ohne Plattenverkäufe läuft und somit eine permanente Geringschätzung der Hörer für ihre Stars darstellt. Konzerttickets werden derartig teuer, daß selbst die ganz Großen sie nicht mehr alle loswerden.

[…] Sein erster Tourstopp in Europa ist nicht ausverkauft. Ist Harry Styles schon in seiner »Flop-Era«? […] Was, wenn niemand kommt?

Keine Sorge, Harry: Natürlich kam jemand! Und doch wurde vor dem Auftakt seiner »Together Together«-Tour in Amsterdam getuschelt. In nahezu jeder Kategorie gab es am Tag des Konzerts noch Tickets zu kaufen. Auf TikTok berichteten  Fans , sie hätten aus »Produktionsgründen« bessere Plätze zugewiesen bekommen. Andere klagten, sie würden ihre Karten nicht mehr  loswerden  – und wenn, dann deutlich unter dem Originalpreis.  [….]

(SPIEGEL, 18.05.2026)

Megastar Styles wird es verkraften. Seine Tour findet statt, in Amsterdam gibt er gleich zehn Shows.

Andere müssen klammheimlich ihre gesamten Tourpläne begraben.

[…] Live-Konzerte in den USA kosten Fans oftmals ein kleines Vermögen. Immer häufiger sagen Künstler ihre Auftritte ab. Möglicherweise liegt das an schlechten Verkaufszahlen. […] In den USA gibt es schon einen neuen Begriff für das Phänomen: Das "blue dot fever" - das Blaue-Punkte-Fieber - gehe um. Das Phänomen ist benannt nach den blauen Punkten, mit denen Ticketplattformen freie Sitze markieren. Die These: Mehr Konzerte würden abgesagt, weil nicht genug Tickets verkauft worden seien. Nur wenige Acts räumen das freimütig ein, so wie die Pussycat Dolls. Sie gaben für die kürzlich abgesagten US-Konzerte ihrer Revival-Tour halbwegs deutlich zu: Man habe sich den US-Teil der Tour ehrlich angesehen und alle bis auf ein Konzert gestrichen. Die Konzerte in Europa hingegen finden statt.

Musiker wie Meghan Trainor, Post Malone oder Zayn Malik nannten dagegen andere Gründe für kurzfristige Absagen. Fans und Experten spekulieren trotzdem, ob Ticketverkäufe eine Rolle gespielt haben. […] Die Theorie von Musikjournalist Chris Willman: Topstars wie Billie Eilish oder Taylor Swift könnten zwar fast jeden Preis verlangen, aber wer nicht in der absoluten Top-Liga spiele, verkalkuliere sich schneller mal - mit der Höhe der Ticketpreise, der Größe der Halle oder der Zahl der interessierten Fans, sagte er bei Entertainment Tonight.

Die Konzertpreise in den USA sind hoch: Im Schnitt zahlt man mittlerweile für erfolgreiche Künstler nach Pollstar-Daten mehr als 130 US Dollar pro Ticket, für Superstars sind ein paar Hundert Dollar keine Seltenheit - und bei begehrten Tickets bestimmt immer öfter die Nachfrage den Preis, das sogenannte dynamic pricing. […]

 (Tagesschau, 25.05.2026)


Dienstag, 26. Mai 2026

Unkurierbare Verblödung.

Es ist heiß in Europa. Verdammt heiß. Und es kommt alles andere, als überraschend.

[….] Tropennächte schon vor dem Sommerbeginn

Die Bretagne ist nicht die heißeste Gegend Frankreichs - doch selbst hier gibt es jetzt Temperaturen von weit über 30 Grad. Das Land erlebt eine historische Hitzewelle - mit massiven Risiken.

In der sonst zu dieser Jahreszeit eher noch frischen Hafenstadt Saint-Malo in der Bretagne steuerte das Thermometer heute erneut auf die Marke von 34 Grad zu. Ähnlich hohe Temperaturen gibt es in Rennes. Hinter den erstaunten Einheimischen und Touristen liegen die ersten Tropennächte des Jahres, noch bevor der Sommer überhaupt begonnen hat.

Katou Blaise ist Krankenpflegerin in der Notaufnahme an der Uniklinik von Rennes: "Wir bekommen sehr viele ältere Menschen eingeliefert, die dehydriert sind." [….]

(Tagesschau, 26.05.2026)

Schon bevor der Sommer überhaupt angefangen hat, sterben in Europa Menschen an den Folgen der Hitze.

[….] In Großbritannien hat es auch heute wieder einen Mai-Hitzerekord [….] Temperaturen um die 35 Grad waren auf der Insel einst selbst im Hochsommer ungewöhnlich. Nun ist nicht einmal der Juni erreicht. [….] Im Met Office, dem nationalen meteorologischen Dienst, blickt man mit Sorge auf das Thermometer. Richard Betts, Leiter der Klimafolgenforschung, sagt im BBC-Radio, dies sei ein Vorgeschmack auf die Zukunft.

"Solche Hitzewellen werden öfter und auch heftiger stattfinden", erklärt er. In 20 Jahren könnten die Temperaturen schon bei mehr als 40 Grad im Sommer liegen, wenn der Mensch den Planeten weiter aufheize, so Betts.

Mit fatalen Folgen etwa für die Landwirtschaft. Im Winter habe es in den vergangenen Jahren vermehrt Überflutungen gegeben, die die Ernte in Großbritannien stark beschädigt hätten. Das Gegenteil passiere im Sommer: "Es ist mit vermehrten Dürreperioden zu rechnen, was die Nahrungsmittelproduktion erschweren dürfte." [….] Experten warnen vor dem "climate whiplash", zu Deutsch in etwa "Klima-Schleudertrauma". Der Begriff beschreibt, dass ein extremes Phänomen schnell von einem anderen abgelöst wird. [….]

(Tagesschau, 26.05.2026)

Europa erwärmt sich schneller als andere Kontinente.

2026 könnte der Hitze-Horror neue Maßstäbe setzen.

[….] Im Pazifik mehren sich die Anzeichen für das Klimaphänomen El Niño. Forschende warnen, ein starkes Ereignis könnte Extremwetter verstärken und die globale Temperatur noch weiter anheizen. [….] Sollte sich in den kommenden Monaten ein sehr starkes El-Niño-Ereignis entwickeln, könnte das die ohnehin schon aufgeheizte Erde zusätzlich belasten. Die Prognosedaten verschiedener Wettermodelle deuten darauf hin, dass sich das oberflächennahe Meerwasser des tropischen Pazifiks in der Nähe des Äquators in den nächsten Monaten erwärmen könnte - mit weitreichenden Folgen. [….] Klimaforscherin Otto richtet den Blick [….]  auf die Folgen. Ein starker El Niño, sagt sie, träfe heute auf eine Welt, die durch Treibhausgase bereits deutlich wärmer ist als noch bei früheren Ereignissen. El Niño werde die Auswirkungen des Klimawandels weiter verschärfen - mit heißeren Hitzewellen, schwereren Dürren und extremeren Waldbränden. El Niño wird damit ein natürlicher Verstärker auf einer bereits aufgeheizten Grundlinie.

Genau darin liegt der zusätzliche Sprengstoff für die globale Temperatur. El Niño heizt die Erde nicht "neu" auf, sondern setzt auf den langfristigen Erwärmungstrend noch einen natürlichen Wärmeschub. Solange weiter Kohle, Öl und Gas verbrannt würden, steige die globale Mitteltemperatur weiter - und mit ihr das Risiko, dass natürliche Klimaschwankungen wie El Niño immer gefährlicher wirken. [….]

(Tagesschau, 31.03.2026)

https://www.ventusky.com

Menschen, Tiere, Pflanzen sterben durch den menschengemachten Klimawandel. Im reichen Europa wird man sich noch etwas länger schützen können, während in Asien, Nahost und Afrika bereits apokalyptische Verhältnisse herrschen.

[….] Über 45 Grad und keine Abkühlung in Sicht – Indien ächzt derzeit unter einer der stärksten Hitzewellen der vergangenen Jahre. Im Bundesstaat Telangana im südlichen Zentralindien verstarben an einem Tag mindestens 16 Menschen wegen der Folgen der enormen Hitze, [….] Schon seit Tagen schwitzt Indien unter den enormen Temperaturen. Am Samstag meldete der indische Wetterdienst im Osten des Bundesstaats Maharashtra mit 47,2 Grad die höchste gemessene Temperatur im Land. Bis Ende Mai wird die Schwitze-Hitze das Land auch weiterhin im Griff halten. [….]

(Sandra Marschner, 25.05.2026)

Deutschland tut alles dafür, den Planeten noch schneller zu erhitzen.

[…] Umweltschädliches Wirtschaften wird in Deutschland noch immer belohnt. Jahr für Jahr fließen Milliarden in den Verbrauch von Öl, Gas und Kohle – auch international steht Deutschland hier schlecht da.

Das Wort „nachhaltig“ hält seit Jahren einen festen Platz in politischen Reden. Und doch wird nicht-nachhaltiges, umweltschädliches Wirtschaften in Deutschland weiter belohnt. Auf zuletzt 65 Milliarden Euro pro Jahr addieren sich klimaschädliche Subventionen in Deutschland, hat das Umweltbundesamtes (UBA) 2021 berechnet. Dabei sind die milliardenschweren, in weiten Teilen umweltschädlichen Agrarsubventionen aus dem EU-Haushalt noch gar nicht berücksichtigt.  [….] Innerhalb der G7-Gruppe hat lediglich Kanada seine fossilen Subventionen seit 2016 (minus 11 Prozent) leicht gesenkt. Alle anderen Staaten haben die klimaschädlichen Zuschüsse gesteigert. Am größten fallen sie 2023 in den USA aus (790 Mrd. $), gefolgt von Japan (269 Mrd. $) und Deutschland (114 Mrd. $). Der extrem klimaschädliche Ausbau von Anlagen für Flüssiggas (LNG) wurde aufgrund mangelnder Daten in der Studie nicht berücksichtigt. 

In Deutschland wird der Klimaschutz besonders in den Bereichen Energieerzeugung und Verkehr durch Steuergeschenke untergraben. Zum Beispiel gibt es Subventionen für klimaschädliche Kohle, Steuerbefreiungen für Flugbenzin, Vergünstigungen für Dieselkraftstoff und das Dienstwagenprivileg.

Profiteure der umweltschädlichen Subventionen sind Energieversorger, die Auto- und Flugzeugindustrie sowie Unternehmen mit hohem Stromverbrauch, beispielsweise die Stahl-, Aluminium- und Zementindustrie. Diese genießen großzügige Ausnahmen bei der Stromsteuer und sind praktisch von der Umlage für Erneuerbare Energien befreit, die alle Verbraucher zahlen müssen.   [….]

(Gregor Kessler, Anne Eggers, GP, 03.02.2024)

Durch die Amtsübernahme der extremen Fossillobby-Erfüllungsgehilfen Merz, Reiche, Spahn, Söder wird das zu zaghafte Umsteuern der Ampel rückgängig gemacht.

Und in Deutschland wählen große Mehrheiten die Fossillobby-Parteien AfDPCDUCSUFWBSW, die auf Gasheizung und Verbrennerautos setzen. Wir geben 81 Milliarden für Gas/Ölimporte ausund subventionieren fossilen Energieverbrauch laut Greenpeace-Zahlen von 2024 mit weiteren 98 Milliarden Euro. (Tankrabatt, Entfernungspauschale, verbilligtes Flugbenzin, Agrardiesel, Dienstwagenprivileg,..) Eine Verblödung apokalyptischen Ausmaßes!

[….] Sieben Billionen US-Dollar wurden laut Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) 2022 für direkte und indirekte Subventionen fossiler Brennstoffe aufgewendet. Mitverantwortlich für den deutlichen Zuwachs des Vorjahres ist der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die in dessen Folge steigenden Energiepreise.

Aber auch davor zeigte der Trend schon nach oben, wie der Blick auf die Statista-Grafik verdeutlicht. Und auch künftig dürfte die Subventionen eher zulegen. Grund hierfür ist laut Analyst:innen-Einschätzung das Wirtschaftswachstum des globalen Südens und der daraus resultierende steigende Verbrauch von Kohle, Öl und Gas.

Wie enorm diese Summe ist, zeigt beispielsweise der direkte Vergleich mit einem anderen wichtig Haushaltsposten von Regierungen. So entspricht die staatliche Unterstützung bei fossilen Rohstoffen etwas mehr als sieben Prozent der Wirtschaftsleistung des Planeten. Dagegen machen die Bildungsausgaben aller Länder zusammengenommen 4,3 des globalen Bruttoinlandsprodukts aus.

Bei den fossilen Subventionen gegenzusteuern böte laut IWF nicht nur die Chance die Menschheit bei der Erreichung ihrer Klimaziele wieder auf Kurs zu bringen, sondern könnte auch jährlich 1,6 Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr vermeiden und die Staatseinnahmen um 4,4 Billionen Dollar zu erhöhen.  [….]

(Matthias Brandt, 11.10.2023)

Diese Menschheit hat es nicht verdient, zu überleben.

Montag, 25. Mai 2026

Die alten Methoden sind besser

Tatsächlich versteht man Texte besser, wenn man sie auf Papier gedruckt liest, als auf dem PC-Bildschirm.

[….] Das gedruckte Buch erlebt eine Renaissance – und die Wissenschaft erklärt warum. Aktuelle Meta-Analysen bestätigen den sogenannten „Bildschirm-Unterlegenheits-Effekt“. Demnach fördert Lesen auf Papier das tiefe Verständnis deutlich stärker als die digitale Lektüre.

Forschungsteams, unter anderem der Universität Valencia, werteten Daten Hunderttausender Teilnehmer aus. Ihr Ergebnis: Das Verständnis komplexer Texte leidet signifikant bei digitalem Konsum. Lesen auf Papier stärkt das Textverständnis um den Faktor sechs bis acht.

Experten führen das auf unterschiedliche Nutzungsmuster zurück. Der Bildschirm ist mit schnellem Scrollen und Multitasking verbunden. Das Gehirn schaltet unbewusst in einen Modus der Oberflächenverarbeitung. Papier hingegen signalisiert Ruhe und aktiviert die Fähigkeit zum „Deep Reading“.   [….]

(AdHoc News, 29.12.2025)

Tatsächlich lernt man auch viel besser, wenn man mit der Hand schreibt, als wenn man bloß auf dem Handy oder einer PC-Tastatur tippt.

[….] Schreiben mit der Hand ist keine veraltete Kulturtechnik – kein Relikt aus prä-digitalen Zeiten, das dank neuer Medien und Technologien früher oder später überflüssig wird. „Es ist genauso wichtig wie das Lesen und die Rechtschreibung“, sagt Dr. Marianela Diaz Meyer, Geschäftsführerin des gemeinnützigen Schreibmotorik Instituts. Mehr noch: Schreiben mit der Hand unterstützt das Lesen- und Schreibenlernen nachhaltig. Denn Handschreiben ist ein sehr komplexer Vorgang, bei dem zwölf Hirnareale aktiv sind, mehr als 30 Muskeln und 17 Gelenke zusammenwirken und von den Schreibenden – unbewusst – koordiniert werden. „Von Hand zu schreiben bedeutet, dass wir charakteristische Buchstabenformen schreiben. Der damit verbundene Bewegungsablauf wird im Gehirn verarbeitet. Schreibanfänger können etwa Buchstaben, die sie mit der Hand zu schreiben gelernt haben, besser erkennen. Beim Tippen handelt es sich dagegen immer um die gleiche Bewegung, egal, ob ich ein A, ein S oder ein B drücke“, erklärt die SchreibmotorikExpertin.

Schreiben macht schlau! „Zahlreiche neurowissenschaftliche Studien bestätigen, dass bei Kindern motorische und kognitive Entwicklung zusammenhängen – und dass sich das Schreiben mit der Hand positiv auf die Entwicklung der motorischen und geistigen Fähigkeiten auswirkt. Außerdem werden Merkfähigkeit, das inhaltliche Verständnis und die Kreativität gefördert“, weiß Dr. Marianela Diaz Meyer.

Die praktischen Erfahrungen der Lehrkräfte bestätigen dies: Dass sich Handschreiben positiv auf die Rechtschreibung auswirkt, meinen laut STEP-Studie 84 Prozent der Befragten, positive Auswirkungen auf die Fähigkeiten, Texte zu verfassen, sehen 77 Prozent, auf die schulischen Leistungen insgesamt 74 Prozent. Das ist nicht verwunderlich: Denn wer flüssig oder – wie es in der Fachsprache heißt – automatisiert schreibt, braucht sich über den Schreibvorgang selbst keine Gedanken zu machen. Er (oder sie) entlastet sein „Arbeitsgedächtnis“, dessen Kapazität begrenzt ist, und kann die freien Ressourcen für die wesentlichen Inhalte verwenden, sich also auf Rechtschreibung, Zeichensetzung, die Formulierung des Textes und die Beantwortung der Fragen konzentrieren.  [….]

(Friedrich-Verlag)

Tatsächlich verkümmert die Intelligenz, wenn durch die sekundenschnelle Informationsbereitstellung per Klugtelefon, Google, Gemini, KI, das Gehirn Fakten nur oberflächlich aufnimmt, statt sie sich zu erarbeiten.

Für uns alte Säcke (ich bin übrigens kein „B00mer“, sondern wurde nach der GenX-Schallgrenze geboren), sind diese mannigfachen Verblödungseffekte der Digital Natives offensichtlich.

Rechtschreibung und Grammatik gehen verloren. Copy and Paste von KI-generierten Texten führt zu immer schrilleren Formen der stilistischen Degeneration, wie die Misogynie-Debatte um Denis Scheck beweist, der in ganz kurzer From in seinen „Druckfrisch-TopTen“ Sophie Passmanns neuen Bestseller kritisierte.

[….]  «Was soziale Medien in einem Kopf ohne echte Bildungsressourcen anrichten, in dieser intellektuellen Desasterzone von einem Buch lässt es sich besichtigen. ‹Ich denke über die Frau nach, die ich sein könnte, wenn ich einen schöneren Bauchnabel hätte›, schreibt Sophie Passmann. Passmann auf diesen Denkbewegungen zu begleiten, ist ein schwerer Gang. Wie ein Wellensittich in seinem Käfig nur ein Blick für sein eigenes Abbild im Spiegel hat, so kreist Passmanns Schreiben unablässig um ihren eigenen Nabel: Bin ich schön? Bin ich attraktiv? Werde ich geliebt? In Passmanns Versuch, diesen Narzissmus zu reflektieren, kommt lediglich Narzissmus 2.0 heraus. Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins.» […..]

(Druckfrisch, April 2026)

In Wahrheit wurde Passmanns Buch offenkundig nicht lektoriert und entweder gar nicht von ihr gegengelesen, oder sie bemerkte ihre stilistisch völlig verunglückten Satzkonstruktionen nicht.

Titanic, Mai 2026

 

 

Ich mutmaße, hier handelt es sich um einen klassischen Fall des höheren kognitiven  Anspruchs der analog aufgewachsenen Leser-Generation. Wir sehen genauer hin und stolpern über die dankenswerterweise von der Titanic hervorgehobenen Sinnlos-Sätze, die Digital-Natives möglicherweise gar nicht auffallen.

[….] Der Literaturkritiker Denis Scheck steht nach zwei kontroversen Buchbesprechungen im Fernsehen in der Kritik: Mit harschen Worten hatte er die neu erschienenen Bücher der Autorinnen Sophie Passmann und Ildikó von Kürthy kritisiert. Er bezeichnete die Neuerscheinungen als »Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins« und als »Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette auf einer Hochzeit«. Die Autorinnen warfen Scheck daraufhin Sexismus und Verachtung von Frauen vor.

Als Reaktion darauf bemühte Scheck einen Spruch des Physikers und Literaten Lichtenberg. »Georg Christoph Lichtenberg sagte, glaube ich mal, wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es hohl klingt, dann muss es nicht unbedingt am Buch liegen«, sagte Scheck, als er bei der Vorstellung des Programms für das Literaturfestival LIT:potsdam gefragt wurde, ob er nach den Vorwürfen Schaden am Festivalprojekt befürchte. »Das trifft auch beim Zusammenstoß einer Literaturkritik und eines Kopfes in meinen Augen zu.«

Weiter wollte sich Scheck nicht auf die Vorwürfe einlassen. Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa sagte der 61-Jährige, seine Besprechungen gelten »den Werken, nicht ihren Urhebern oder Lesern«. [….]

(DPA, 16.04.2026)

Es ärgert mich über alle Maßen, wenn junge Frauen fälschlicherweise die Sexismus-Karte gegen alte weiße Männer ziehen, weil das alle Fälle diskreditiert, in denen solche Vorwürfe angebracht sind!

Frauen sollen keinen Sexismus erfinden, weil es genug Sexismus gibt. Schwule sollen keine Homophobie erfinden, weil genügend reale Homophobie existiert. Juden sollen niemanden fälschlicherweise des Antisemitismus bezichtigen, weil echter Antisemitismus virulent genug ist.

Schämt Euch, Nicolas Puschmann und Gil Ofarim!

(….)  Ähnlich katastrophal verhielt sich der schwule, schwarze Schauspieler Jussie Smollett, der eine schwulenfeindliche Attacke auf sich inszenierte, um als Opfer Ruhm und Schlagzeilen zu bekommen.

[….]  Schauspieler Jussie Smollett zu 150 Tagen Gefängnis verurteilt.

Er soll eine homophobe Attacke auf sich selbst vorgetäuscht haben: Nun muss Schauspieler Jussie Smollett für knapp fünf Monate in Haft – und eine hohe Geldsumme zahlen. [….]

(SPON, 11.03.2022)

Erbärmlich! Was für einen Bärendienst erweist Smollett Myriaden Schwulen in den USA, die wirklich homophob angefeindet werden und deren Berichten man nun skeptischer gegenüberstehen wird.

Im Sexualstrafrecht ist die „Falschbeschuldigung als Vergewaltiger“ regelrecht zum Mythos geworden, auf den sich tatsächliche Vergewaltiger nur allzu gern beziehen.

Frauen, die sich eine Vergewaltigung ausdenken, um einem Mann zu schaden, agieren doppelt verwerflich, weil sie eben nicht nur dem Opfer schaden, sondern allen wirklich vergewaltigten Frauen einen Bärendienst erweisen. Man wird ihnen weniger glauben.  (….)

(Bärendienste, 12.04.2022)

Bei Sophie Passmann habe ich den Eindruck, daß sie als Buchautorin gar nicht versteht, worauf die Kritik an ihrem Werk zielt.

Das hat aber nichts mit ihrem Geschlecht oder Alter zu tun. Es ist viel einfacher: Sie schreibt schlecht. Möglicherweise merkt sie es nicht, weil die digital aufwuchs. Das ist nicht ihre Schuld!

Selbstverständlich hätte ich Klugtelefone auch in der Schule genutzt, wenn es das damals schon gegeben hätte. Es ist reiner Zufall, wenn man noch analog aufwuchs. Elitäre Generationenbeschimpfungen sollen hier keinen Platz haben. Zumal es keine Option ist, zu Stift, Papier und Druckerpresse zurück zu kehren. Dafür sind insgesamt die Vorteile der Digitalisierung zu überwältigend.

Aber natürlich kann ich der Versuchung nicht widerstehen, gelegentlich über die digitale Abhängigkeit der jüngeren Generationen Witze zu reißen.

Nach dem großen Blobb, wenn ein elektromagnetischer Impuls oder der Zusammenbruch der Energieversorgung, nur noch mechanische Geräte funktionieren ließe, wäre sie völlig aufgeschmissen. Sie könnten sich nicht ohne GoogleMaps orientieren, wüßten nicht wie man ein Drehscheibentelefon bedient, wären außerstande die Uhrzeit auf einer Zweizeiger-Uhr abzulesen.

Die analoge Welt führte aber nicht nur zu höheren kognitiven Leistungen, sondern auch zu mehr Lebensqualität.

Dazu morgen mehr.

Nachtrag: Sorry, doch erst ÜBERmorgen. 

Sonntag, 24. Mai 2026

Told you so

Es ist und bleibt der allergrößte politische Frust der 2020er Jahre:

Die Desaster treten so unüberraschend ein. Wir wissen um unsere strukturellen Probleme. Es wurde zu allen großen Problemfeldern lang und breit analysiert, wie wir in eine Sackgasse rennen, was daher geändert werden muss.


·        Die dringend nach jährlicher Zuwanderung von 500.000 Menschen verlangende Demographie.

·        Die Abkehr von der rein Export-orientierten Wirtschaft hin zu mehr Nachfrage und Binnenkonjunktur.

·        Die absolut notwendige Energiewende, weil wir nicht ewig von billigem Russen-Gas abhängig sein können.

·        Wir können nicht ewig weiter die gleichen übermotorisierten überteuerten Verbrenner-Bonzenautos nach China verkaufen.

·        Monokultur-Landwirtschaft mit immer höherem Einsatz von Pestiziden und Antibiotika ruiniert natürlich jede Biodiversität, das Klima, die Böden und unsere Gesundheit.

·        Ein Land ohne relevante Bodenschätze kann nicht seine Schulen und Universitäten verrotten lassen, sondern muss massiv in die Bildung seiner Bürger investieren.

·        Man findet keine Fachkräfte, kann niemanden aus dem Ausland herlocken, wenn es keinen bezahlbaren Wohnraum gibt und die Menschen (insbesondere in Ostdeutschland) unfreundlich empfangen, ja sogar bedroht und belästigt werden.

·        Der Rechtsradikalismus ist eine tödliche Gefahr für uns, die immer größer wird, je mehr die anderen Parteien sich AfD-Propaganda zu eigen machen und deren Narrative hoffähig machen.

 

·        Es ist ein schwerer Irrtum zu glauben, wir bräuchten in der EU keine gemeinsame Außenpolitik, jede Nation können ihr eigenes Süppchen auf der internationalen Bühne kochen und Brüsseler Entscheidungen per Veto blockieren.

·        Die USA werden selbstverständlich nicht für immer unser großer Bruder sein, der die gesamte militärische Last übernimmt, während die Europäer ihre Verteidigung verrosten lassen.

·        Wir dürfen nicht unsere gesamte Arzneimittel- und Hygieneartikel-Produktion China und Indien überlassen und uns dann wundern, wenn wir in Krisen plötzlich ohne Aspirin, Hustensaft und Masken dastehen.

·        KI, Social Media, Software, Clowddienste, unkomplizierte Bezahldienste, Messenger, Rechenzentren, Klugtelefone, Computer brauchen wir unbedingt und sollten in der Lage sein, uns das Zeug selbst herzustellen, statt sich tumb der Abhängigkeit von Musk, Bezos, Thiel und Zuckerberg auszuliefern.

·        Trickle Down funktioniert nicht; immer nur einseitig die Superreichen zu pampern, macht diese nur superreicher und führt zu schweren sozialen Verwerfungen.

·        Man kann nicht die Aufklärung und Prävention von Kinders€x-Gräueltaten allein den Tätern selbst überlassen und dann erwarten, den Opfern widerführe Gerechtigkeit.

Es nervt so ungeheuerlich: Die Erkenntnisse sind alle da, aber wir Europäer, insbesondere wir Deutschen, sind einfach zu doof und zu behäbig, um wenigstens mal in einem Fall rechtzeitig zu reagieren, rechtzeitig umzusteuern, Vorsorge zu treffen. Wir wählen die absolut falschen Personen in Verantwortungspositionen.

[….] Als Schwarz-Rot kürzlich ein Jahr alt wurde, hielt Friedrich Merz es für angebracht, der SPD mal so richtig zu drohen. Der Sinn dieses Manöver war eher rätselhaft, denn Zoff in der Regierung kommt beim Publikum nie gut an. Kürzlich war der Kanzler in der SPD-Fraktion, um den selbst angerichteten Schaden zu reparieren. Das schien sogar erfolgreich zu sein. Anders als auf dem Katholikentag und beim DGB wurde Merz immerhin nicht ausgepfiffen. Und er verkündete danach forsch eine neue Linie. Union und SPD würden ab jetzt die Gemeinsamkeiten betonen und aufhören, sich „gegenseitig rote Linien aufzuzeigen“.

Keine 24 Stunden später zog der Wirtschaftsflügel in der Unionsfraktion dicke rote Linien. Auf keinen Fall werde die Unionsfraktion mit der SPD über Steuererhöhungen oder die Schuldenbremse diskutieren. Manchmal kann man fast Mitleid mit Merz haben. Selbst wenn er etwas richtig macht, geht es schief. Seine Macht zerfällt. Kürzlich ließen CDU-Ministerpräsidenten die von Schwarz-Rot beschlossene Entlastungsprämie im Bundesrat scheitern.

Wenn das Kanzleramt schon an der Koordinierung des eigenen Ladens scheitert – wie sollen dann großformatige Reformen gelingen?   [….] Merz hat das Talent, diese angespannte Lage zu verschlimmern. Schuld sind bei ihm immer die anderen: Rentner, Arbeitnehmer, Migranten. Er hat, so der Parteienforscher Karl-Rudolf Korte, außer Kleinkindern alle gesellschaftlichen Gruppen beleidigt; und außer Millionären, wäre zu ergänzen. Viel anzukündigen und wenig hinzubekommen, wirkt in dieser verdrießlichen Stimmung auch ungut. [….]

(Stefan Reinecke, 24.05.2026)

Im Gegenteil, wir wählen mehrheitlich ewiggestrige Parteien, AfD, CDU, CSU, FW, BSW, FW, die zarte Versuche, in die richtige Richtung zu gehen, rückabwickeln und auf Konzepte aus den 1980ern setzen.

Verbrenner-Autos, Zweiklassenmedizin, fossile Energieproduktion, Sparen bei den „kleinen Leuten“, die ihr Geld ausgeben würden, um die Nachfragekonjunktur anzukurbeln, Superreiche mit Milliarden zuscheißen, die sie in Steueroasen abziehen, Untertänigkeit gegenüber Trump, Regierung kommuniziert auf Musks „X“, Einkauf von Thiels Palantir, nationale Egoismen in Brüssel, Blockade von Windkraft und Solarenergie, „Ausländer raus“, Grenzen zu, massive Subventionen für mehr Benzin- und Gasverbrauch.

Natürlich „brauchen wir Reformen“, wie Fritze Merz immer sagt. Aber nicht irgendwelche Reformen und schon gar nicht Retroformen in Vergangenheitskonzepte.

Das kann nur schief gehen.

Und das geht auch schief.

Die AfD erreicht Rekordwerte, die Wirtschaft schmiert ab. Spanien kann es besser.

Mit dem Wahlverhalten des deutschen Urnenpöbels sind wir international chancenlos und werden gnadenlos untergehen.

Samstag, 23. Mai 2026

Mega-Mieten.

Seit ich 18 bin, wohne ich allein, war und bin bis heute Mieter.

Seit zehn Jahren bin ich auch Vermieter und kenne daher beide Seiten.

2015 stieß ich zufällig in das letzte Zeitfenster, in dem man noch eine Immobilie kaufen konnte, wenn man nicht zufällig steinreich ist. Damals waren die Immobilienpreise noch nicht völlig unbezahlbar und die Kreditzinsen niedrig. Meine „Baufinanzierung“ läuft noch acht Jahre und anschließend steht eine Umschuldung an. Aber ich habe den damals niedrigen Zinssatz bis Ende der Laufzeit festschreiben lassen. Ein „gutes Geschäft“ als Neu-Miethai: Durch die Inflation wird die Abzahlung des Kredits relativ immer billiger, während gleichzeitig die Mieten steigen und ich immer mehr einnehme. Gleichzeitig steigt mein Vermögen kontinuierlich an, weil durch die Tilgung jeden Monat ein bißchen mehr von der Wohnung mir; und ein bißchen weniger der Bank gehört.

Der dritte Pluspunkt ist eine Alters-Sicherung. Die Wohnung ist zwar winzig, zu klein für meine jetzigen Bedürfnisse, aber barrierefrei. In einer insgesamt extrem unsicheren Zukunft, könnte ich dort entweder selbst einziehen und somit mietfrei wohnen, oder aber ich hocke in irgendeiner Form des betreuten Wohnens und hätte ein Extra-Einkommen, wenn der Immobilienkredit abgezahlt ist.

Idealerweise macht man das als weiter so, schafft sich weitere Immobilien an.

Aber während der vergangenen Dekade, veränderten sich alle Kerndaten. Zwar steigen weiterhin die Mieten (gut für die VERmieter), aber die Immobilienpreise stiegen um ein Vielfaches. In Hamburg braucht man bei einer Bestandswohnung nicht mehr 20 Jahresmieten, um den Kauf zu finanzieren, sondern eher 40. Zudem sind die Zinsen höher. Das Geschäft rechnet sich nicht mehr. Es sei denn, man ist aus zufälligen Gründen reich und kann einen enormen Eigenkapitalanteil einbringen.

Die steigenden Immobilienpreise hängen natürlich mit einer Verknappung des Angebotes zusammen.

[….]  Zahl fertiggestellter Wohnungen so niedrig wie seit 2012 nicht mehr

Die Daten des Statistischen Bundesamts zeigen ein düsteres Bild vom deutschen Wohnungsmarkt. Der eklatante Mangel, so viel ist sicher, wird so bald nicht abgestellt werden.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr so wenige Wohnungen gebaut wie seit 2012 nicht mehr. Die Zahl der Fertigstellungen ​brach um 18,0 Prozent oder 45.400 auf 206.600 ein, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Damit sank sie bereits das zweite Jahr in Folge deutlich: 2024 hatte es einen Rückgang ‌von 14,4 Prozent gegeben, nachdem die Fertigstellungen in den Jahren 2021 bis 2023 bei jeweils rund 294.000 gelegen hatten. Zuvor war die Zahl neuer Wohnungen von ihrem Tiefststand von 159.000 im Jahr 2009 auf den Rekord von 306.400 im Jahr 2020 gestiegen, beflügelt auch durch niedrige Zinsen.

Bundesbauministerin Verena Hubertz sprach von »schlechten Zahlen«. Diese seien das Resultat der vergangenen Krisenjahre. »Rund 206.000 gebaute Wohnungen im letzten Jahr sind zu wenig«, sagte die SPD-Politikerin. »Das ist die ehrliche Botschaft an alle, die heute eine Wohnung suchen.« […..]

(SPON, 22.05.2026)

Das Angebot schwankt zwischen zwei Problemfeldern:

Neubauten mit dem Vorteil, daß alle energetischen Anforderungen erfüllt sind und auf Jahrzehnte nichts saniert werden muss, die aber so exorbitant teuer sind, daß man sie allein durch Mieteinnahmen nie refinanziert bekommen kann.

Wohnungen aus den 1950ern- 1980ern, die zwar noch halbwegs finanzierbar sind, aber so einen enormen Sanierungsbedarf aufweisen, daß ständige Sonderumlagen für Fassaden, Fenster, Dächer, Heizungen, Leitungen, Fahrstühle, Siele absehbar sind. Das kostet nicht nur Geld, sondern für kleine Privatvermieter auch enorm viel Nerven, weil sie sich auf Eigentümerversammlungen um Sanierungsfahrpläne streiten müssen, die oft daran scheitern, für einige Eigentümer nicht finanzierbar zu sein oder aber keine Handwerker zu finden.

Die Kosten gibt man dabei üblicherweise eben nicht an die Mieter weiter, weil a) die Mietpreisbremse gilt und man b) als Privatvermieter meist ein persönlicheres Verhältnis zu seinem Mieter/Mieterin hat, welches man nicht belasten will.

(Mein Mieter zahlt seit fünf Monaten gar nicht, aber ich scheue mich, mit maximaler juristischer Gewalt gegen ihn vorzugehen, weil ich sein Schicksal kenne und ungern für seine Obdachlosigkeit verantwortlich sein möchte.)

Das katastrophale Image der Vermieter entsteht fast ausschließlich durch Wohnungskonzerne, die natürlich nicht in „Wohnungseigentümergemeinschaften mitmischen und an das extrem komplizierte WEG-Recht gebunden sind, sondern Zinshäuser besitzen, in denen sie ganz allein bestimmen. Zudem gibt es dort keine persönlichen Bindungen, sondern Rendite-Erwartungen. Deren Mieter werden nicht geschont, sondern mit dem maximalen Mietzins belastet.

In diesen Fällen leidet nur der Mieter, während die Shareholder des Konzerns profitieren. Hier ist der Gesetzgeber gefragt, der sich aber, entgegen des Wunsches vieler Bürger, niemals trauen wird, Großkonzerne mit Hunderttausenden Wohnungen zu sozialisieren.

Und so sitzen wir letztlich alle in der Patsche. Selbst in Hamburg, dem Bundesland, in dem seit der Regierungsübernahme Scholz im Jahr 2011 vorbildlich gebaut wurde, kollabiert inzwischen aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Markt.

[…] Zahl der fertiggestellten Wohnungen in Hamburg bricht ein

Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2025 fast ein Drittel weniger Wohnungen bezugsfertig[…] Wohnungsmangel und steigende Mieten – das ist seit fast zwei Jahrzehnten ein Dauerbrenner in Hamburg. Selbst der Bau von zeitweise mehr als 10.000 neuen Wohnungen pro Jahr konnte das Problem bestenfalls eindämmen, aber nicht beseitigen. Seit der Wohnungsbau infolge des Ukraine-Krieges einbrach, hat sich die Lage wieder zugespitzt. Diese neue Zahl belegt das: Im vergangenen Jahr wurden in Hamburg nur 5976 neue Wohnungen fertiggestellt. Das waren 2343 Wohnungen oder 28 Prozent weniger als 2024 (8319), wie das Statistikamt Nord am Freitag mitteilte.

Nachdem im Jahr 2024 noch eine Steigerung um rund 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2023: 5999 Wohnungen) verzeichnet wurde, war hier und da schon Hoffnung auf eine Trendwende aufgekeimt. Doch das war offensichtlich verfrüht. Ohnehin sagen die Fertigstellungszahlen wenig über die Zukunft des Hamburger Wohnungsmarktes aus. Denn sie beziehen sich auf die Vergangenheit: Bauprojekte, die 2025 fertig wurden, wurden in der Regel etwa zwei Jahre vorher begonnen. […] Für die Zukunft viel entscheidender ist, was seit 2023 genehmigt wurde und noch wird – und das ist zu wenig. Nachdem von 2013 bis 2022 durchgängig immer zwischen 9500 und 13.400 Wohnungen pro Jahr auf den Weg gebracht wurden, brach diese Zahl 2023 auf nur noch 5400 ein. Insofern überraschen die aktuellen Fertigstellungszahlen Experten kaum: Fertig werden kann halt nur, was einige Jahre vorher genehmigt wurde. […]

(Andreas Dey, HH Abla, 23.05.2026)

Ganz offensichtlich wird im Bundeskanzleramt die Brisanz des Themas überhaupt nicht verstanden.

Keine Wohnung zu finden, macht es für Unternehmen umso schwerer Mitarbeiter einzustellen. Wer will in der Innenstadt als Pfleger, Krankenschwester, Busfahrer, Justizangestellter arbeiten, wenn mit dem Gehalt keine Wohnungsmiete bezahlbar ist?

Es wird unterschätzt, welch unglaublichen Frust die Wohnungssuche produziert.

Am Ende lacht nur die AfD, die den Unmut in ihre Hetze-Bahnen lenkt und auf Sündenböcke zeigt.

Freitag, 22. Mai 2026

Das wird nichts mehr – Teil III

Den vorletzten Presseclub „Ein Jahr an der Macht: Kann Merz Kanzler?“ vom 03.05.2026 habe ich etwas verspätet gesehen und mich daher über Andreas Rinke, den Reuters-Chefkorrespondenten amüsieren können, der hartnäckig optimistisch von den Merzschen Reformen sprach, die dieser jetzt sehr schnell umsetzen werde.

Das Treffen in der Villa Borsig mit der 1.000-Euro Entlastungsprämie habe gezeigt, wie durchsetzungsstark der Kanzler sei. Das Ergebnis könne sich sehen lassen.

Am 08.05.2026, fünf Tage nach Ausstrahlung der Sendung, kollabierte das Konstrukt sang und klanglos im Bundesrat. Kein schwarzer Ministerpräsident stimmte zu. Bund-Länder-Koordinator Michael Meister, Kanzleramtschef Frei und CDU-Chef Merz hatten, wie üblich, mal wieder total versagt, weil sie das kleinste Einmaleins des Regierungshandelns nicht verstehen.

Wenn die Bundesregierung ein Gesetz auf den Weg bringt, welches von den Ländern finanziert werden muss und dem die Länder zustimmen müssen, um in Kraft zu treten, muss das Kanzleramt natürlich VOR der Bundesratsabstimmung mit den Ministerpräsidenten, auf deren Stimmen es ankommt, sprechen. Da muss im Zweifelsfall hart geschachert werden. Das funktioniert nicht einfach von allein, nur weil der Kanzler es gern so hätte.

Man staunt. Ich war bekanntlich noch nie Bundeskanzler oder Ministerpräsident, aber das weiß ich schon lange.

Hat Merz während der Schröder-Jahre geschlafen, als Merkel, Schröders „Mrs. Njet“-Nemesis, als Fundamentalopposition jede Reform im Bundesrat abblocken ließ und die Rotgrünen nichts unversucht ließen, um ein Land mehr aus der Neinsager-Phalanx zu reißen?
Anfang 2002 gab es einen gewaltigen Bundesratsshowdown, als es Schröder gelungen war, Brandenburg zu einem Split-Votum (gegen den CDU-Koalitionspartner in Potsdam) zu bewegen und damit das hochumstrittene Zuwanderungsgesetz zu beschließen. Der Eklat vom 22.03.2002 ging in die Geschichte ein. Wir alle saßen gebannt vorm TV und guckten Phoenix. Damals war Friedrich Merz noch CDUCSU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag und begriff offenbar nichts. 

Oder er konnte es sich nicht merken.

In der oben genannten Sendung fragte Moderatorin Susann Link in die Runde, ob Merz der richtige Bundeskanzler für diese Zeit sei.

Rinke billige dem Sauerländer Greenhorn zu, dieser erkenne die Probleme und wisse, wie hoch der Handlungsbedarf sei.

Die sagenhafte Kommunikationsunfähigkeit dieses Kanzlers wurde ausführlich belegt, aber Annette Binninger, die Chefredakteurin der „Sächsischen Zeitung“, hatte die einzig sinnvolle Antwort auf Links Frage: Wir hätten nun einmal Merz als Kanzler und er werde es auch bleiben. Für die Frage seiner Eignung sei es nun zu spät.

  

Tatsächlich gibt es kein realistisches Szenario, wie Merz unkompliziert durch einen fähigeren Mann oder eine fähigere Frau, ersetzt werden könnte. Andere Bundestagsmehrheiten - außer einer Koalition mit den Nazi - sind entweder mathematisch nicht möglich, oder politisch ausgeschlossen (CDU-Linke-Grüne-Koalition).

Eine Minderheiten-Regierung wäre komplett von der AfD abhängig und bekäme nie Mehrheiten im Bundesrat. Neuwahlen sind schwer herbei zu führen, würden aber definitiv das Scheitern und die Regierungsunfähigkeit von CDUCSU und SPD belegen. Die jetzt schon der Union demoskopisch enteilten Nazis, bekämen einen weiteren Boost.

Deswegen wird Merz erst einmal Kanzler bleiben.

Deswegen werden wir damit leben müssen, wie die Ideologen der CDUCSU, als größte Polittrottel seit 1949, täglich mehr Schaden anrichten.

Es ist schließlich nicht nur Merz, der mit völliger Erkenntnisunfähigkeit frappiert. Auch die anderen maßgeblichen C-Größen sind offenkundig politisch minderbemittelt.

Merz kann es nicht. Aber in seiner Partei gibt es auch keine anderen durchsetzungsstarken Politiker, die für einen schlaueren Kurs ständen. 

Ein Kanzler Spahn, Wüst oder Söder wäre mindestens genauso schlimm. Kanzler Günther wäre niemals in der C-Bundestagsfraktion durchsetzungsfähig. Die Mehrheiten sind ohnehin extrem knapp; nur 12 Stimmen über der Kanzlermehrheit.  Ausgeschlossen, daß Günther alle Stimmen der CSU bekäme.

Es gäbe natürlich viel fähigere Leute, als Merz, bei den Grünen und der SPD. Aber dafür ist wiederum der Urnenpöbel zu unfähig. Die Bundesbürger wählen nicht RRG.

Also müssen wir weiterhin mit dem Fritzekanzler leben, hoffen, daß die SPD das Schlimmste verhindert und intensiv Ausschau halten nach einem Raumschiff, das einen endlich von dieser Affenkugel abholt.

Donnerstag, 21. Mai 2026

Nachruf ohne Tränen.

Lange nichts mehr von Roger Kusch gehört“, dachte ich mir vor drei Tagen, als mich via hpd die Nachricht erreichte, er sei vom Chefposten seines Sterbehilfevereins abgewählt worden.

[…] Der frühere Justizsenator Roger Kusch gilt als Wegbereiter einer liberalen Sterbehilferegelung in Deutschland. Jetzt haben ihn die Mitglieder seines eigenen Vereins als Präsident abgesetzt, begleitet von schweren Vorwürfen. Es geht um Zehntausende Euro für Fahrten nach Zürich, hohe Anwaltskosten - und die Renovierung einer Wohnung.

Er geht allein. Es ist 16.17 Uhr, Sonnabend Nachmittag, als der frühere Hamburger Justizsenator und in diesem Moment auch Ex-Präsident des Vereins Sterbehilfe, Roger Kusch, den großen Saal eins des Cinemaxx-Kinos am Bahnhof Dammtor verlässt. 389 Stimmen gegen ihn, nur 100 für ihn, „damit ist meine Abwahl erfolgt“, hatte er ohne erkennbare Gefühlsregung vom Podium aus erklärt. Dann steht er auf, legt die Jacke über den Arm und nimmt seine Tasche.

Ihn begleiten dürrer Applaus -und schwere, möglicherweise rechtlich relevante Vorwürfe.   [….]

(Thorsten Fuchs, RND, 17.05.2026)

In den Anfangsjahren dieses Blogs, zwei Dekaden ist das her, spielten die beiden rechten Freunde Beust und Kusch eine prominente Rolle, weil sie als Bürgermeister und erzkonservativer Justizsenator Hamburgs Politik maßgeblich bestimmten.

Beust, der sich mit Hilfe des rechtsextremen Hallodris Ronald Schill zum Regierungschef aufschwang und sein „schwarzer Sherif“ Kusch, der zuvor dafür bekannt war, in Kohls Kanzleramt kurz vor der Amtsübergabe an Gerd Schröder Akten geschreddert zu haben.

Ole und Roger, die im Hamburger Nachtleben szenebekannte feste Größen waren, wechselten ins politische Geschäft und richteten gewaltigen finanziellen und strukturellen Schaden an, den Hamburg bis heute nicht überwunden hat. Der Ausverkauf der Hamburger Versorger, der wichtigsten Immobilien, das Verschleudern der städtischen Krankenhäuser an den Asklepios-Konzern, der Abriss der alten Kontorhäuser an der Binnenalter, um die grauenvolle Europapassage zu errichten, das Zig-Milliarden-Desaster bei der HSH-Nordbank, das nachhaltige Image-Desaster durch den Zweiten Bürgermeister Schill, mit seinem Hitler-Herpes, der heute vorzugsweise splitternackt sein Gemächt präsentierend, durch die Trash-Shows zieht, um den staunenden Jungproleten zu erzählen, wie er als Bürgermeister jeden Abend im K*ksrausch eine andere junge Frau begattete, um es in jedem Zimmer des Rathauses einmal getrieben zu haben, die endlose Kette der Kusch-Justizskandale,…

Als Hamburger schäme ich mich noch ein Vierteljahrhundert später dafür, daß solche Typen hier jemals regierten.

Der arbeitsscheue Beust, der als „DiMiDo-Bürgermeister“ in die Geschichte einging, weil er gern 4-Tage-Wochenenden auf Sylt feierte, kannte keine Moral. Er ließ desinteressiert seine dubiosen Senatoren debakulieren.

Es sei denn, sie gefährdeten statt des Ansehen Hamburgs, sein schönes Amt. Dann konnte er kurzen Prozess machen.

2003 schasste er Schill.

[….] Ronald Barnabas Schill ist eine schillernde Persönlichkeit, smart, groß gewachsen. [….] Im Jahr 2000 gründet Schill seine Partei Rechtsstaatliche Offensive (PRO). Sie steht für eine Law-and-Order-Politik mit Fokus auf innerer Sicherheit, einer Verschärfung des Strafrechts und konsequenten Abschiebungen von straffälligen Migranten. [….] Nach zwei Jahren endet das "Zweckbündnis" in einer Schlammschlacht. Als es wegen einer Personalie zum Streit zwischen den beiden Politikern kommt, droht Schill von Beust "als schwul" zu outen. Der Erste Bürgermeister schmeißt Schill daraufhin aus der Regierung: Er sei charakterlich nicht mehr geeignet, das Amt eines Hamburger Senators weiterzuführen, erläutert von Beust seine Entscheidung in der Pressekonferenz am 19. August 2003. Mario Mettbach wird Schills Nachfolger als Innensenator. "Richter Gnadenlos" ist politisch am Ende, selbst seine Partei geht zum großen Teil auf Abstand. Sogar ein Parteiausschluss Schills wird angestrebt. Allerdings kann es mit dem Mitte-Rechts-Bündnis so nicht weitergehen. Die nächsten Wochen sind sehr unruhig.

Am 9. Dezember 2003 hat Ole von Beust endgültig genug: "Jetzt ist finito", sagt er auf einer Pressekonferenz. Die politischen Vorgänge der vergangenen Tage seien mit der "Würde der Stadt" nicht vereinbar. [….]

(NDR, 29.08.2025)

2006 schasste er Kusch.

[….] 2006 musste [Kusch] allerdings zurücktreten, als bekannt wurde, dass seine Behörde vertrauliche Unterlagen weitergegeben hatte. Er trat aus der CDU aus, seine eigene Partei „Heimat.Hamburg“ blieb allerdings erfolglos.

Daraufhin widmete sich Kusch seinem Aktivismus in der Sterbehilfe, stellte im Jahr 2008 einen selbstgebauten Injektionsautomaten zur Selbsttötung vor. Einige Jahre später gründete er dann den Verein Sterbehilfe, in dem er bis zuletzt aktiv war.   […]

(HH MoPo, 21.05.2026)

Es entspricht einer gewissen Tradition der rechtsaußen stehenden Hamburger CDU, daß sich immer wieder Partei-Mitglieder mit einer noch rechteren Abspaltung selbstständig machen. STATT-Partei, Rechte Mitte HeimatHamburg, Partei Rechtsstaatlicher Offensive, Pro DM/Schill, Offensive D., Die MittelstandsPartei – Die bürgerliche Mitte, Pro-Bürger-Partei (PBP). Eine schlimmer, als die nächste.

Glücklicherweise machten die Hamburger nach der STATT-Partei (1993) nur noch einmal den Fehler – 2001 – so einen Rechtsaußen-Spinner ins Parlament zu wählen. Die anderen Rechtsextremen CDU-Abspaltungen gingen alle kläglich unter. Bis die AfD kam.

Roger Kusch machte mir das Leben schwer, weil ich ihn für seine rechtsextremen politischen Ansichten verabscheue, aber er leider mit dem konsequenten Eintreten für die Legalisierung aktiver Sterbehilfe, einen Punkt hat.

„Mein Ende gehört mir“! Ich vertrete mit Verve das Recht, über sein Leben selbst zu bestimmen. Der Staat und die Kirchen dürfen nichts gegen den Willen des Individuums erzwingen.

Ein so unseriöser, dubioser Mitstreiter wie Roger Kusch schadet der Angelegenheit.

Seit heute allerdings nicht mehr.

[…] Jetzt hat Roger Kusch, der 71 Jahre alt wurde, seinem Leben selbst ein Ende gesetzt. Am Wochenende war der Jurist als Vorstand des von ihm gegründeten Vereins Sterbehilfe Deutschland in einer turbulenten Generalversammlung abgewählt worden.

Nach Informationen des Abendblatts wurde Kusch von Polizeibeamten am Donnerstagmorgen leblos im Keller des Hauses am Hansaplatz (St. Georg) gefunden, in dem er seit vielen Jahren eine Wohnung hatte. Die Beamten hatten zuvor in der Küche der Wohnung zwei Becher und mehrere leere Packungen von Substanzen gefunden, die in der aktiven Sterbehilfe Anwendung finden. Offensichtlich hatte Kusch die Substanzen zu sich genommen und sich dann in den Kellerraum, der zu seiner Wohnung gehört, begeben. […] Der Suizid steht nach Überzeugung von Vertrauten in unmittelbarem Zusammenhang mit den Ereignissen auf der Generalversammlung des Vereins Sterbehilfe, die am vergangenen Sonnabend im Cinemaxx-Kino am Dammtorbahnhof stattgefunden hatte. Für Kusch offensichtlich in der Massivität überraschend, hatten andere Vorstandsmitglieder heftige Vorwürfe gegen ihn erhoben und seine Abwahl gefordert. Allerdings war der Konflikt zuvor über Monate eskaliert.  […]

(HH Abla, 21.05.2026)