Donnerstag, 2. Februar 2023

And Another New Low

Es ist eine ganz typische Geschichte aus dem US-amerikanischen Alltagswahnsinn.

Carmen Quiroga, 42, Einwanderin aus Mexiko, kennt in ihrem ganzen Leben nichts anderes als Arbeit. Sie steht sieben Tage die Woche jeweils mindestens 12 Stunden in der Küche, hat keine Zeit für irgendwelche Hobbys, sieht keine Nachrichten, spricht schlecht englisch. 

[….] Quiroga said she became enamored with food as a child in Mexico City eating her mother’s enchiladas and pozole. In 2005, she and her husband moved to Willimantic, Conn., only speaking Spanish and seeking work in the food industry. They cooked in restaurants in the following years.  They opened Sotelo’s Pizza & Restaurant in Granby, Conn., in March 2015. Quiroga said she worked 12 hours a day but desired more time with her 9-year-old son. She sold the Italian restaurant last summer and rented a white building in August for her breakfast cafe in downtown Coventry. She’d only work in the mornings and afternoons.   While Quiroga planned renovations to the building, her 23-year-old son created the logo, featuring a fried egg in place of the “O” in Woke. The family included the logo on the restaurant’s website, menus and mugs. The shop’s catchphrase: “You woke up and made the right choice.” […..]

(Washington Post, 29.01.2023)

Wer könnte es der Familie verdenken? Etwas weniger Stress. Und ein Frühstückscafé im 12.000-Seelen-Ort Coventry. Sie steckten all ihr Geld in das neue Unternehmen, renovierten Monatelang, um am 19.01.2023 zu eröffnen.

[….]  Aufgewacht heißt auf Englisch woke. Darum nannte Quiroga ihr neues Café "Woke Breakfast & Coffee". "Wenn man morgens aufgewacht ist, denkt man doch zuerst an eine gute Tasse Kaffee", sagt sie. "Damit man richtig wach wird." [….]  Was Quiroga nicht wusste: Das Wort woke hat sich im Englischen in den vergangenen Jahren zu einer Metapher entwickelt für das vermeintlich linksliberale Wachsein für alle sozialen und politischen Ungerechtigkeiten, etwa für Rassismus und Diskriminierung von Frauen und Transmenschen. Wokeness wurde erst zum Schlagwort des Widerstands, aber dann ganz schnell vor allem zur Beschimpfung für "woke Linke", die sich als moralisch überlegen aufspielen.  […]

(SZ, 02.02.23)

Also fielen konservative Sender, QTrumpliKKKans über die arme Frau her, starteten wütenden Boykottkampagnen gegen das Woke-Café.

[….]  Quiroga worries nasty Facebook posts about her the restaurant would immediately ruin business without a fair shot.

'They don’t give me the opportunity to try my food and my work,' Quiroga told WTNH. Quiroga saw the cruel comments on a private Facebook page for the town. Several people were quick to bypass the true meaning behind the name which is to 'wake up and have a coffee,' according to the news outlet.  She claimed she had no idea what the political definition of 'woke' meant.

The cafe owner was left her in tears while reading the comments that have since been discouraged on the page. […]

(Daily Mail, 31.01.2023)

Der sprungbereite Dauerhass der Republikaner wird derzeit so sehr von dem Wort „woke“ getriggert, daß er sich in sofortigen Shitstorms entlädt, wenn auch nur der leiseste Verdacht, auf „woke Motive“ besteht.

Es ist ein absurder, hässlicher und bösartiger Planet, auf dem die GOPer leben.

Donald Trump vergiftete 75 Millionen Hirne. Der Schaden ist irreversibel.

30.000 Schußwaffen-Todesopfer jedes Jahr in den USA, zwei Mass-Shootings pro Tag.

Aber den christlichen PRO-LIFE-bewegten republikanischen Abgeordneten im Kongress sind es einfach noch nicht genug tote Kinder.

Sie propagieren immer fanatischer das Tragen von vollautomatischen Maschinengewehren.

Sie lieben AR15s und hassen eine Migrantin, die bloß Kaffee verkaufen möchte.

„Die“ Amerikaner wählen so eine Partei mit Mehrheit in den Kongress.

Mittwoch, 1. Februar 2023

Impudenz des Monats Januar 2023

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Wenn Merz sich für einen CDU-Führungsposten zur Wahl stellt, gewannen 20 Jahre lang immer andere. Merkel, Kramp-Karrenbauer, Laschet, Söder – irgendjemand überflügelte ihn immer. Erst als wirklich alle anderen freiwillig zurücktraten, blieb der Blackrock-Millionär im Rentenalter einfach übrig und wurde endlich Chef.

Er wird sich sehr gefreut haben. Weniger schön für ihn ist aber, nun erstmalig in der praktischen Politik an seinen derben Sprüchen gemessen zu werden.

Vor vier Jahren hatte er im AfD-Fanblatt BILD angekündigt, die AfD zu halbieren.

 [….]  Ambitioniertes Ziel: Friedrich Merz, [….]  hat der AfD den Kampf angesagt[….]  will ihr die Hälfte der Wähler abjagen. Kurzfristig bekomme man die AfD zwar nicht weg, weil sie in allen 16 Länderparlamenten sowie im EU-Parlament und im Bundestag sitze, sagte der frühere Unionsfraktionschef der „Bild“. „Aber halbieren kann man sie.“  [….]

(WELT, 14.11.2018)

Drei Jahre hatte er, um theoretisch an dem Plan zu feilen. Seit einem guten Jahr, ist der Chef und kann ihn in die Praxis umsetzen.

Ich komme zur Bekanntgabe der Januar-Impudenz: Es ist – schon wieder – Friedrich Merz!

Der braune Fritz analysierte, welche Strategien garantiert die Nazis noch stärker machen und machte es ebenso.

Schon die Bundestagswahl 2017 hatte es klar gezeigt: Wenn rechte CDU-Landesverbände oder die CSU die braunen Parolen der AfD nachplappern, verlieren sie überproportional stark an die dumpfe Gaulandhöcke-Truppe.

Es bringt nichts, Nazis zu kopieren, oder ihnen hinterherzulaufen.

Dann wählen die Leute das Original oder die klare Alternative. Das gilt sogar international. Zuletzt durfte das am Sonntag die konservative ÖVP in ihrem Stammland Niederösterreich erleben.

[….] Zuletzt hatten Nehammer und Innenminister Gerhard Karner unter anderem das Thema Migration und Asyl in den Mittelpunkt ihrer Politik gestellt, eine Kampagne gegen "Asylmissbrauch" gestartet und gegen das "kaputte Asylsystem" in Europa agitiert. Politikwissenschaftler und Oppositionsparteien warfen der ÖVP daraufhin vor, der FPÖ bei ihrem Leib- und Magenthema in die Hände gespielt zu haben.  [….]

(Cathrin Kahlweit, SZ, 28.01.2023)

Merz trat als Partei- und Fraktionschef vor einem Jahr in die Bundespolitik ein, als die AfD bei 10% lag. Sofort begann er einen Parforceritt durch die AfD-Themen-Palette und plapperte den Brauen alles nach, hetzte selbst nach Herzenslust gegen Minderheiten.

Das Ergebnis ist genauso wenig überraschend, wie eindeutig. Merz stärkte die AfD, die im Bund rund 50% zulegte. In einigen Ländern sieht es noch schlimmer aus.

[…] Es war eine markige Ankündigung. Unter ihm als Vorsitzender könne die CDU die AfD „halbieren“, kündigte Friedrich Merz bei seiner gescheiterten Bewerbung um den CDU-Parteivorsitz Ende 2018 an. Vier Jahre später ist Merz CDU-Vorsitzender. Doch die AfD hat er nicht halbiert, sie hat sich vielmehr nahezu verdoppelt, zumindest in Niedersachsen. Dort sprang die AfD am Sonntag auf 10,9 Prozent, während die CDU mit 28,1 Prozent das schlechteste Wahlergebnis seit 1955 einfuhr.   [….]

(Handelsblatt, 10.10.2022)

Mit seiner xenophoben Hetze bestätigt eine alte Weisheit:

„Die Definition von Wahnsinn ist: immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

(Albert Einstein)

Nicht nur macht Friedrich Merz gezielt die völkischen Verschwörungstheoretiker stark, er animiert mit seinem Vorbild auch die Dumpf- und Dunkeldeutschen in seiner eigenen Partei.

Ausgerechnet in Thüringen, wo der AfD-Faschist Höcke herrscht und die CDU wirklich gebranntes Kind ist, schloß sich heute erneut eine braune Front zusammen.

[….] AfD, CDU und FDP verabschieden gemeinsam Änderung des Spielhallengesetzes.

Thüringens rot-grün-rote Minderheitsregierung muss sich der Opposition beugen. AfD, CDU und FDP votierten gemeinsam für einen Gesetzentwurf der Liberalen. Es ist offenbar ein Novum in dieser Legislaturperiode. [….]

(SPON, 01.02.2023)

 

CDU-Rechtsaußen Christoph Ploß, Parteichef in Hamburg, ist einer dieser Erkenntnisresistenten, der mit seinem völkischen Kurs seine Partei, die noch vor 15 Jahren die absolute Mehrheit in Hamburg holte, bei der Bundestagswahl 2021 auf 11% einstampfte. Zu all den wirklich dringenden politischen Themen der Zeit kann er keine Antworten anbieten. Stattdessen surfte er ausdrücklich gemeinsam mit der AfD auf dem Anti-Gender-Brett.

[….] „Umerziehung stoppen“: Anti-Gender-Initiative bekommt mächtig Rückenwind

Keine Schüler*innen und Bürger:innen mehr in Hamburgs Schulen und Ämtern: Jetzt hat sich die Hamburger CDU als tatkräftige Unterstützung der Volksinitiative „Schluss mit der Gendersprache in Verwaltung und Bildung“ in Stellung gebracht. Für die umstrittene Initiative dürfte das den entscheidenden Rückenwind auf dem Weg zum Erfolg bringen  [….]

(Mopo, 01.02.2023)

Was für eine inhaltliche und moralische Bauchlandung der Christdemokraten.

[….] Wer die Schöpfung schützen will, könnte die Energiewende am radikalsten vorantreiben. Wer den Wohlstand bewahren will, könnte die Ungleichheit am dringlichsten bekämpfen. Wer Zukunftskompetenz beweisen will, könnte eine postfossile Verkehrspolitik vorantreiben. Wer sich auf christliche Nächstenliebe beruft, wer will, dass Menschen frei und selbstbestimmt leben, könnte die Rechte von trans Personen als erste verteidigen.

Stattdessen infantilisieren die Parteigranden Friedrich Merz und Markus Söder ihre Werte, verstümmeln und entstellen das, was bürgerlich und konservativ heißen könnte, und führen ins demokratisch-intellektuelle Nirwana eines Kulturkampfs, der die Kultur, die zu verteidigen er behauptet, kaum mehr kennt. Sie imitieren das historische Versagen anderer konservativer Parteien, ob in den Vereinigten Staaten oder im Vereinigten Königreich, in Frankreich oder Italien, die nur noch zwischen Banalität und Bösartigkeit zu pendeln vermögen, aber keine substantiellen politischen Konzepte mehr anbieten, ja, keinerlei stabiles Regierungshandeln mehr versprechen können, weil sie jene Institutionen und Regeln, die es dazu braucht, selbst destabilisiert haben.

Sobald die konservativen Parteien sich von rechtspopulistischen, neofaschistischen Bewegungen oder Figuren treiben lassen, sobald sie das Rationale als definitorischen Gegner ausmachen, leiten sie ihren eigenen Niedergang ein. Der rechte Rand diktiert die Themen, die langfristig die Mitte ihres bürgerlichen Gewissens und ihrer aufgeklärten Prinzipien beraubt, es reichen dann schon Trigger-Begriffe, keine Argumente, "Genderideologie", "Zwangsgebühren", "Sprachpolizei", und so begeben sich die konservativen Parteien ins Abseits eines Diskurses, der sie immer weiter von sich selbst entfernt.  Anstatt mit Gelassenheit die eigenen traditionellen Praktiken und Werte zu leben, wird unruhig Panik geschürt, als sei eine kurze Atempause beim Sprechen, wie sie bei den Worten Beerdigung oder Spiegelei vertraut und harmlos ist, der Untergang des Abendlandes, wenn sich darin der Respekt vor der Vielfalt der Geschlechter ausdrücken könnte. Wie sich ausgerechnet bürgerliche Parteien, denen Höflichkeit und Manieren etwas gelten sollten, nun mit dramatischer Geste dagegen wehren, dass bestimmte Begriffe nicht verwendet werden sollten, weil sie andere herabsetzen, ist nurmehr Symptom der Orientierungslosigkeit der Konservativen. Es herrscht Krieg in der Ukraine, die Inflation steigt unkontrolliert, die Klimakatastrophe bedroht Freiheit und Schöpfung - aber Merz und Söder sorgen sich um einen Stern. […]

(Carolin Emcke, 24.09.2022)

So generieren sich Ploß und Merz ihr parteiinternes Nazi-Problem.

Hans aus Kassel, der rechtsextreme, klar antisemitische Verfassungsschutzpräsident-Geist sprang aus der Flasche, verbreitet seinen braunen Spuk und will nicht zurück in die Flasche.

Es sind die Geister, die Merz selbst rief.

Dienstag, 31. Januar 2023

Dystopie

Oskar Werner (* 13. November 1922 in Wien; † 23. Oktober 1984) ist einer der Österreicher, die ich wirklich liebe. Der viel zu früh gestorbene begnadete Schauspieler hatte als Teenager in Österreich die antijüdischen Pogrome erlebt und wurde daraufhin nicht nur für den Rest seines Lebens überzeugter Pazifist, sondern verschrieb sich völlig dem Kampf gegen Nationalismus und Antisemitismus; zweifelsohne an seiner Rollenwahl erkennbar.

Seine bekanntesten Filme sind Stanley Kramers „Narrenschiff“, Stuart Rosenbergs „Reise der Verdammten“ und die beiden François Truffaut-Klassiker „Jules und Jim“, sowie „Fahrenheit 451“.

Meine Teenagerzeit in den frühen 1980ern, war geprägt von Endzeit-Themen, wie der 1987 drohenden Volkszählung, die zum totalen Überwachungsstaat führen würde. Ich las George Orwells „1984“ (erschienen 1949) und gruselte mich bei „Wargames“ und „The Day After“ ob der Atomapokalypse.

Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ erschien 1953, Aldous Huxleys „Brave New World“ sogar schon 1932, aber umso weiser wirkten diese Romanautoren auf mein jugendliches Ich. Auch Anthony Burgess‘ „Clockwork Orange“ lag schon 1962 vor. Alles lange, bevor ich selbst anfing zu lesen. „Fahrenheit 451“ lernte ich durch die Verfilmung mit Oskar Werner (1966) kennen.

In der hochpolitisierten Nachrüstungszeit der frühen 1980er, die gleich nach den ebenfalls schon dystopisch wirkenden RAF-1970ern mit Rasterfahndung und Radikalenerlass folgte, trieben die Schrecken vor der Zukunft immer wieder Hunderttausende, manchmal Millionen Demonstranten auf die Straße.

Aber erstens, kommt es anders, und zweitens, als man denkt.

Der Atomkrieg fand (bisher) nicht statt. Die Totalüberwachung hingegen, geht durch das Internet und die sozialen Medien weit über das hinaus, was ich mir beim Volkszählungsboykott 1987 vorstellen konnte. Videoüberwachung ist extrem populär; der Urnenpöbel wünscht sich in Umfragen die totale Beobachtung in der Öffentlichkeit. Das hätte ich als Teenager niemals geglaubt.

Die modische Nivellierung der Teens und Twens, die allgemeine Gleichgültigkeit und das achselzuckende Fortfahren bei der Umweltzerstörung deprimieren mich.

Wenn heute in Dresden 5.000 Covidioten und Pegidisten demonstrieren, ist das eine große Sache.

Warum eigentlich? Gegen die Pershing-II-Naschrüstung habe ich mit 500.000 Hamburgern demonstriert. Gekommen ist sie dennoch.

Heute interessiert sich keiner mehr und wir schwanken sehenden Auges in die Apokalypse.

Zu behaupten „früher war alles besser“ ist natürlich eine dümmliche Vereinfachung, die nur mit gewaltigen Scheuklappen behauptet werden kann.

Über solche Memes kann ich nur den Kopf schütteln. 1965 ist aus Sicht von 2023 keineswegs erstrebenswert.

Damals kamen Schwule ins Gefängnis, Priester vergewaltigten Kinder, ohne daß es jemand störte, Dünnsäure wurde in der Nordsee verklappt, uneheliche Kinder wurden zu 100.000en ihren Müttern weggenommen und ins Heim gesteckt, wo man sie schwer misshandelte. Es gab keinen Tier- und Umweltschutz, in der Schwangerschaft wurde geraucht, Lehrer schlugen Schüler, es gab keine adäquate Schmerztherapie, keine Abgaskatalysatoren, Frauen wurden begrabbelt und mussten ihren Ehemann um Erlaubnis fragen, wenn sie ein Bankkonto eröffnen wollten. Es gab nur Eisberg- und Kopfsalat, Telefonate nach Übersee waren unerschwinglich, 1000e Menschen mehr starben im Straßenverkehr, weil sich keiner anschnallte oder auf dem Rad Helme trug; es gab keine Airbags. Der RAF-Terrorismus stand bevor, grausige Schlagermusik im Radio, keine hochwertigen HBO-Dramaserien, keine minimalinvasiven OPs, akute Angst vor dem Atomkrieg, der gesamte Ostblock gehörte zum Warschauer Pakt, es gab keine Reisefreiheit; dafür aber eiserne Vorhänge. Dieses plumpe US-Republikanische "zurück in die 50er oder 60er" kann nur von besonders bornierten, konservativen, christlichen heterosexuellen, weißen Männern kommen.

Umso erschreckender, wie zielsicher wir trotz all unserer Erkenntnisfortschritte und der globalen Verfügbarkeit aller Informationen, dennoch in den Klimakollaps sprinten. Wie wir das Internet, statt zur Aufklärung, für rechtspopulistische Hetze nutzen, die nicht nur verschwörungstheoretische Proleten nach oben schwimmen lässt, sondern große westliche Staaten, die als Hort der Demokratie galten, ins Wanken bringt.

Trump, Brexit, Meloni und AfD gäbe es ohne Internet vermutlich nicht.

Fahrenheit 451, das schon mal als großer Namenspate für Michael Moores 2004er Dokumentarfilm Fahrenheit 9/11 stand, wird durch die völlig fanatischen US-Republikaner wieder aktuell.

Wir erinnern uns: Werner spielt den zukünftigen Feuerwehrmann Guy Montag, der die Aufgabe erfüllen muss, alle Bücher aufzuspüren und diese zu verbrennen. Sie gelten in der hedonistischen Gesellschaft als Problem-Ursachen, die das Volk ins Unglück ziehen und daher streng verboten sind. Bei 233°C (451 F) gehen sie in Flammen auf. Dies ist die einzige Aufgabe der Feuerwehren. Sollte einmal ein Gebäude in Brand geraten, wird es einfach abgerissen.

«Dies war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen», schrieb der Dichter Heinrich Heine (1797-1856).

Ron de Santis, just mit riesiger Mehrheit widergewählter Gouverneur von Florida, ist nicht nur GOP-Hoffnungsträger und größer innerparteilicher Konkurrent Donald Trumps, sondern verfolgt eine ganz ähnliche Strategie bei der Bildung.

In seinem Staat darf alles, das nicht in sein borniertes, konservatives, christliches heterosexuelles, weißes, männliches Weltbild passt, nicht unterrichtet, nein, noch nicht mal an Schulen ausgesprochen werden („Don’t say gay“-Gesetz).

Schulen müssen ihre Bibliotheken leerräumen, weil die regierenden Republikaner keine aufgeklärten Kinder dulden.

Immer längere Listen verbotener Bücher werden in Florida geschrieben. Welcome to America – Land Of The Unfree.

[….]  Efforts are underway in Florida counties to comply with a law championed by Republican Gov. Ron DeSantis that requires the approval of books in classroom libraries.

Manatee County School District teachers are experiencing “fear” and “confusion” as the district works to implement HB 1467, which requires that books be pre-approved materials or vetted by a media specialist trained by Florida’s Department of Education, according to Pat Barber, president of the Manatee Education Association, the county’s teachers’ union.

A document provided by the district that lays out new statutory changes to HB 1467 indicates violations could be considered a third-degree felony.

“It’s unconscionable to me that teachers would be put in a position that their good deed of providing classroom libraries for their students in order to instill the love of reading could possibly result in a felony,” Barber told CNN.

The books provision, which took effect in July after being signed by DeSantis last year, requires library media resources be approved by a “school district employee who holds a valid educational media specialist certificate,” according to a June memo. According to Florida’s Department of Education, which was putting out guidance memos as recently as December, selection of library materials – including classroom libraries – must be “free of Pornography” and prohibited material under the law, “suited to student needs and their ability to comprehend the material presented,” and “appropriate for the grade level and age group.”  [….]

(CNN, 25.01.2023)

Der Schritt bis zur Bücherverbrennung in Trumpmerica ist nicht mehr weit.

[….] Amerikas Patrioten rüsten sich für einen Kampf um Leben oder Tod. »Ihr müsst es meinen KALTEN TOTEN HÄNDEN entreißen«, warnt der Abgeordnete Matt Gaetz . Es ist der alte Schlachtruf der Waffenlobby, aber der rechte Populist verteidigt diesmal nicht den Besitz von Sturmgewehren oder Maschinenpistolen – sondern den seines Gasherds. 1,4 Millionen Mal wurde das Filmchen, das der Ultrapopulist auf Twitter stellte, geklickt. Dabei ist darauf nichts zu sehen als ein Flämmchen, das an einer Kochstelle blau flackert.  Seit ein amerikanischer Regierungsbeamter ein Verbot von Gasherden ins Spiel gebracht hat, ist in den politischen Garküchen des Landes der Teufel los. Konservative wollen einen weiteren sinistren Plan der Linken erkannt haben, ihnen das letzte bisschen staatsbürgerliche Freiheit zu rauben. Bei einem Auftritt  in Florida versprach der Anti-Woke-Vorkämpfer der Nation, Ron DeSantis, in vorauseilendem Widerstand, in seinem Bundesstaat eine Steuerbefreiung für Gasherde zu prüfen. Auf seiner Website verkauft der Gouverneur, der selbst allzu gern Präsident der USA wäre, nun gelbe Kochschürzen. Auf Brusthöhe prangt das Bild eines Kochherds und der Schlachtruf »Trampel nicht auf Florida rum«. Mit 25 Dollar ist der identitätsstiftende Spritzschutz teuer bepreist , die Programmatik billig: »God. Guns. Gas stoves« twitterte  der radikalrechte Abgeordnete Jim Jordan schlicht. [….]

(Ines Zöttl, SPON, 31.01.2023)

Montag, 30. Januar 2023

Der Sünder

Früher, als Teen und Twen, dachte ich immer, über ein recht zuverlässiges Gaydar zu verfügen. Und zwar nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch bezüglich öffentlicher Figuren. Bei Ole von Beust und Guido Westerwelle war ich schon viele Jahre vor ihrem Outing ganz sicher.

Inzwischen sind meine Fähigkeiten eingerostet und die Jugend verstehe ich ohnehin nicht. Von Jannik Schümanns Outing vor einem Jahr war ich beispielsweise überrascht, weil ich nie darüber nachgedacht hatte, was er im Bett bevorzugt. A posteriori denke ich, es hätte da schon genügend Hinweise gegeben. Das Problem ist nur, daß alle früheren Schwulen-Klischees, auch die Positiven (Sensibilität, Kunstverständnis, Empathie, Modebewußtsein), ohnehin von den meisten Hetero-Teens und Twens ausgefüllt werden.

Die machen stundenlang ihre Haare, beschäftigen sich mit Hautpflege und Modemarken, stählen ihre Körper im Fitnessstudio, rasieren sich die Achseln und sind allesamt extrem haptisch im Umgang miteinander. Ich kann nur staunen, wie die TikTok-Heteros sich gegenseitig befummeln, liebkosen und abküssen. Sicher ist das gut und schön für sie, aber es ist eben anders als zu meiner Jugend. Meine männlichen Freunde habe ich niemals angefasst oder umarmt oder gar mit ihnen gekuschelt.

Eine positive Entwicklung. Denn wenn die Gaydars versagen, wird auch weniger, wegen vermeidlich „schwuler Verhaltensweisen“ diskriminiert. Schließlich wünschen wir uns doch alle, das Thema möge bald kein Thema mehr sein, weil homo und hetero gleichermaßen akzeptiert werden.

Aufgrund meiner genannten Unzulänglichkeit, weiß ich auch nicht sicher, ob Wolfgang Haas hetero ist und enthaltsam lebt. Ich habe keine Beweise, konnte den pummeligen Liechtensteiner nie beim Tête-à-Tête mit Priesterseminaristen in Unterwäsche beobachten. Er wirkt nach meinem persönlichen Empfinden schon extrem schwul. Drei Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit. Erstens ist er ein hoher Kleriker, unter denen der Homo-Anteil über 50% liegt. Zweitens gibt er sich öffentlich extrem homophob. Schlimmer als Ratzinger. Das ist beim katholischen Klerus und den US-Republikanern immer ein deutliches Anzeichen dafür, daß jemand seine gleichgeschlechtliche Veranlagung verbirgt und durch scharfe Worte überkompensiert. Drittens ist da noch die Art, wie Haasi ganz ratzingerisch begeistert seine extravaganten bunten Kleider zelebriert, Schmuck und Edelsteine vorführt.

Bei den sieben klassischen katholischen Todsünden  -  Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit,  Unmäßigkeit, Trägheit oder Überdruss (acedia) – spielt es allerdings ohnehin keine Rolle, ob Haasi seinen kleinen Wolfgang in einen Priester oder eine Nonne oder ein Messdienerchen penetriert. Alle drei Varianten sind ein Verstoß gegen den Zölibat und somit auch die Todsünde „Unkeuschheit“.

Aber vielleicht ist Haas ja keusch.

Seine enorme Leibesfülle, seine grenzenlose Wut auf liberalere Geister und der offensichtliche Stolz, mit dem er seine privilegierte Stellung zelebriert, lassen allerdings keine Zweifel: Das Todsündenkonto des Haas ist prall gefüllt.

Wolfgang Haas, 7. August 1948 in Vaduz geboren, brachte es trotz dürftiger theologischer Kenntnisse und vermasselter Dissertation, 1974 zum Priester, 1988 zum Koadjutorbischof des schweizerischen Bistums Chur, zu dem auch das winzige Liechtenstein gehörte und rückte schließlich 1990 zum Diözesanbischof auf. Zu dem bedeutenden Bistum in der Ostschweiz gehören die u.a. Kantone Graubünden, Schwyz, Uri und Teile Zürichs. Das sind über zwei Millionen Untertanen in 309 Pfarreien.

Ein schöner Posten für den prunkverliebten Moppel.

Leider trat dann aber ein dramatisches Problem auf, welches gar nichts mit seiner abstoßenden Physiognomie zu tun hatte: Sein mieser Charakter und seine toxische Persönlichkeit. Der ultra-radikalkonservative Haas, machte sich einen Namen als der Maaßen der RKK. Selbst die frommsten der Frommen können nicht anders, als den adipösen Liechtensteiner zu hassen. Die Gläubigen probten den Aufstand, wollten unter keinen Umständen mehr etwas mit Haas zu tun haben.

Von 1990 bis 1997 verwoelkite die Lage in Chur derart, daß den wahrlich selbst ultrakonservativen Herren Woytila und Ratzinger nichts anderes übrig blieb, als Haas aus dem Bistum zu stanzen und ihn auf seiner winzigen Liechtensteiner Heimatscholle im Osten des Bistums sein eigenes Ding machen zu lassen.

In der konservativ-katholischen Monarchie werde er sich schon eher einleben, als mit den aufmüpfigen Schweizern, hoffte man im Vatikan.

[….] Günther Boss [….] Religionslehrer und Wissenschaftler [….]  erzählt von 1997, als Papst Johannes Paul II. Liechtenstein mit damals gerade mal 31 000 Einwohnern überraschend aus dem Schweizer Bistum Chur schälte, zu dem es Jahrhunderte gehörte, und zum eigenständigen Erzbistum erhob. Gleichzeitig beförderte er den wegen seiner Amtsführung umstrittenen Churer Bischof Wolfgang Haas zum Erzbischof von Vaduz. "Unter seiner Führung war das Bistum Chur gespalten und heillos zerstritten", sagt Boss. "Haas musste weg, damit wieder Ruhe einkehrt." Obwohl Haas gebürtiger Liechtensteiner ist, demonstrierten damals mehr als 1000 Menschen in Vaduz gegen die päpstlichen Entscheidungen, 8500 unterschrieben eine entsprechende Petition, der Landtag lehnte das neue Erzbistum mit 24 gegen eine Stimme ab. Fürstenhaus und Regierung fühlten sich überrumpelt und waren verärgert.  [….]

(Uwe Ritzer, SZ, 28.01.2023)

Von zwei Millionen auf 30.000 Schäfchen, von 309 auf 10 Pfarreien. Was für ein Absturz. Da ist, als würde man Markus Söder zum Landrat von Miltenberg „befördern“. Aber Erzbischof.

Haas störte der Gebietsverlust nicht weiter. Wichtiger war ihm der höhere Titel.

So machte er sich in seiner neuen alten Heimat gleich ans Werk. Er setzte seine Kernkompetenzen ein. Bald schon hasste ihn das gesamte Land; sogar der erzkonservative Fürst Hans-Adam II. weigert sich, seine Messen zu besuchen.

Als 2021 Fürstin Marie Aglaë Bonaventura Theresia von und zu Liechtenstein, Herzogin von Troppau und Jägerndorf, Gräfin zu Rietberg, geborene Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau, die Ehefrau des Staatsoberhaupts, im Alter von 81 Jahren starb, kamen Königin Sofia von Spanien und Prinzessin Caroline von Hannover zur Trauerfeier. Ein Monsignore aus Österreich predigte beim Trauergottesdienst, weil sich selbst der katholische Hochadel weigerte, einer erzbischöflichen Haas-Predigt beizuwohnen. 

Während aber andere europäische Diözesen durch dramatischen Priestermangel ausdorren, weil ein einziger Priester bis zu einem Dutzend Pfarreien betreuen muss, erlebt Vaduz geradezu eine Priesterschwemme.

[….] Zu dem nur zehn Pfarreien zählenden Erzbistum Vaduz, einem der kleinsten überhaupt, gehört ein Mehrfaches an Priestern, als dort benötigt werden. Insgesamt 66 - darunter 33 Deutsche, 14 Schweizer und zehn Österreicher - weist zum Stichtag 1. Oktober 2021 ein internes, als vertraulich deklariertes Personalverzeichnis aus, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt.  [….]

(Uwe Ritzer, SZ, 28.01.2023)

Wie schafft ausgerechnet Haas, der so sympathisch wie Fußpilz ist, diese ungeheuerliche Hirtenvermehrung in seiner Erzdiözese?

Ganz einfach; da ihm seine Schäfchen völlig gleich sind, rafft er in den umliegenden Ländern den Bodensatz zusammen. Die unverträglichen und ungeeigneten Gestalten, die in Österreich, Deutschland und der Schweiz von ihrem jeweiligen Regens vor die Tür gesetzt werden.

Lügner, Kriminelle, Kinder**cker, Nazis, psychisch Gestörte, sozial Inkompatible und natürlich Verschwörungstheoretiker aller Art.

Den Abschaum, den andere Bischöfe nicht mal mit der Kneifzange anfassen würden, holt Haas nach Vaduz und weiht ihn im Schnelldurchgang zum Liechtensteiner Bischof.

[….] Seit Jahren weiht Erzbischof Haas von anderen Bischöfen abgelehnte Männer zu Priestern. [….] Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Erzbistum Vaduz zu einem Zentrum kirchlich, politisch und anderweitig auffälliger Priester im deutschsprachigen Raum. Corona-Schwurbler und Weltverschwörer sind darunter, auch andere merkwürdige Gestalten. [….] Erstaunlich viele dieser Priester fielen auf fragwürdige und bisweilen auch groteske Weise auf.  So stand ein deutscher Haas-Zögling in der Schweiz unter Korruptionsverdacht; staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wurden eingestellt, seine Pfarrstelle war er trotzdem los, und der zuständige Bischof verbot ihm, in dem Bistum Gottesdienste zu zelebrieren. Ein anderes Mitglied des Vaduzer Klerus' sorgte im September in Kärnten (Österreich) für Schlagzeilen, weil er unter Brücken schlief. [….] Ein deutscher Wanderprediger erweist sich als besonderer Eiferer. Der Erzbischof stellte ihn 2014 für Evangelisation frei, zum Missionieren also. [….]  Der SZ liegt der Tonmitschnitt eines Auftrittes vor, bei dem er das unter anderem von Papst Franziskus geäußerte Argument, eine Corona-Impfung sei auch ein Akt der Nächstenliebe als "Hohn" und "satanische Täuschung" geißelt. Es käme von Mördern ungeborener Kinder und letztlich vom Teufel persönlich. "Das ist der Köder, den der Satan legt", so der Gottesmann. "Die ganzen Globalisten wollen nur eine Dezimierung." Mit "satanischem Hohngelächter" wolle der Teufel die Menschen "verführen und uns in diese Impfung hineintreiben", die "letztlich nur den Tod hervorbringt. Gesundheit verspricht er und Leben, den Tod werden wir ernten." [….] Nicht zufällig weihe Haas auch in Deutschland Priester für die ultratraditionalistische   [….]

(Uwe Ritzer, SZ, 28.01.2023)

Ratzi und Bergoglio war braune Irrensumpf des bizarren Pyknikers offensichtlich egal. Seit 33 Jahren treibt er nun sein Unwesen, vertreibt die Gläubigen aus der Kirche. Offensichtlich weiß niemand wie man ihn loswerden soll. Und so konzentriert sich die Hoffnung auf dem 07.08.2023, wenn Haasi 75 wird und offiziell Franzi bitten muss, ihn aus seinen Pflichten zu entbinden. Die Gelegenheit, den Hermann Göring der Alpen zu pensionieren. 

Als Atheist bin ich natürlich traurig, daß Haas, anders als Woelki, kein Kardinal ist. Denn die bleiben üblicherweise bis zum Alter von 80 Jahren im Amt. Das wären fünf weitere Jubeljahre, um die Kirche zu entvölkern. Mit den Haas-Priestern, die eifrig Kinderpornos sammeln und Hitlers „Mein Kampf“ auf ihre Handys laden, zeigt die RKK nur umso deutlicher, wieso man schreiend von ihr wegrennen sollte.