Mittwoch, 7. August 2019

Blindi Lindi


Der arme Christian Lindner.
Da rauschen die beiden „großen“ Parteien der Groko auf nie dagewesene Rekordtiefstwerte, setzen damit viele Millionen heimatlose Wähler frei, die schließlich irgendwo ihr Kreuz machen wollen und dann profitieren ausgerechnet die FDP-Intimfeinde von der grünen „Verbotspartei“, während die Lindners Gang bei schlaffen acht Prozent hängt, also noch mal deutlich unter dem Bundestagswahlergebnis von 2017.

Außerdem rächt sich nun auch die Strategie des Reservehauptmanns, Porschefahrers und Jägers alle anderen FDPler weggebissen zu haben; denn wem könnte man nun die Schuld für das Umfragedesaster zuschieben, wenn nicht Lindner selbst?
Welchem Durchschnittbundesbürger fällt überhaupt ein zweiter aktiver FDP-Politiker außer Lindner ein? Da muss man schon lange überlegen.
Die ehemaligen „Liberalen“ 2017 in eine „Liste Christian Lindner“ zu transformieren, hatte sich bei der Bundestagswahl ausgezahlt, weil man das inhaltliche Vakuum hinter rabiaten Gauland-Sprüchen und sexy Schwarzweiß-Bildern des frisch haartransplantierten Chefs mit Dackelblick verstecken konnte.









Nach zwei Jahren gibt es allerdings starke Ermüdungserscheinungen beim Publikum.
Lindner-Memes sind nun sogar noch häufiger als Spahn-Memes und kein bißchen schmeichelhafter.
Lindners „lieber gar nicht, als falsch regieren“-Diktum erweist sich immer mehr als Generalfehler.
Denn selbst in einer sehr unpopulären Regierung kann man sich profilieren. Das ist der Unterscheid zwischen Lindner und seinem Freund und Vermieter Jens Spahn: Letzterer hat ein Ministeramt und kann damit immer wieder Duftmarken setzen. Linder hat gar nichts außer seinem Hundeblick.
Außer dreistem Lobbyismus für die Superreichen hat die Partei der Besserverdienenden nichts anzubieten.

Das allerdings tut der FDP-Vorsitzende konsequent. Sobald im politischen Berlin eine Idee ventiliert wird, die den superreichen FDP-Spendern missfallen könnte, weil sie möglicherweise für Gerechtigkeit sorgt, wirft sich das blonde Fallbeil mannhaft dazwischen. Rolex-Träger und SUV-Fahrer wissen was sie an Lindner haben.
Dabei haben es diese Menschen gerade ausgesprochen schwer, da die böse Greta zusammen mit der Verbotspartei das Klimathema nicht loslassen, obwohl sich Mr. FDP das bereits mit dem Hinweis, man möge die Klimapolitik gefälligst den Profis (also ihm) überlassen, verbitten ließ.

[…..] Umweltbundesamt: Fahren von SUV teurer machen
Man sitzt höher, hat mehr Übersicht und fühlt sich sicherer: sportliche Geländewagen (SUV) sind ein Verkaufsschlager. Ihre Umweltbilanz ist jedoch sehr schlecht.
Angesichts des SUV-Booms hat sich das Umweltbundesamt dafür ausgesprochen, Fahrzeuge mit hohem CO2-Ausstoß zu verteuern. "Wir müssen Maßnahmen finden, um klimafreundliche Mobilität zu fördern", sagte die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger.
Ein Vorschlag sei ein aufkommensneutrales Bonus-Malus-System für Neufahrzeuge. Für Autos mit hohem CO2-Emissionen soll die Kfz-Steuer mehrere Jahre erhöht werden. Beim Neukauf von Autos mit geringem CO2-Ausstoß soll es Boni geben. […..]

SUV-Anschaffung teurer machen? Als Lindi das hörte fiel ihm vor Schreck das Kaviarhäppchen in den Champagner.
Im schönen Einklang mit den Toplobbyisten der Luxusautos hielt er sofort dagegen.


[…..] FDP-Chef Christian Lindner lehnt höhere Steuern für PS-starke Fahrzeuge wie SUV ab. „Klimaschutz sollte sich am tatsächlichen CO2-Ausstoß orientieren“, sagte Lindner dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
FDP-Chef Lindner hält CO2-Bilanz für entscheidend
„Nicht die Art oder der Antrieb eines Autos ist entscheidend, sondern die CO2-Bilanz“, erklärte der FDP-Chef weiter. Laut Lindner spielt dabei das Nutzungsverhalten der Autobesitzer eine wesentliche Rolle.
„Ein Diesel-SUV, das nur wenige Kilometer genutzt wird, ist umweltfreundlicher als der Kleinwagen mit hoher Fahrleistung. Die Steuerung sollte also über den Kraftstoffpreis erfolgen“, sagte der FDP-Vorsitzende. [….]

In der Öffentlichkeit wird nur noch wahrgenommen, wie sich Lindi schützend vor die Reichen schmeißt und da er anders als noch 2017 inzwischen nur noch so beliebt ist wie Fußpilz, folgen sofort Meme-Ströme.





Man nimmt den FPD-König einfach nicht mehr ernst.
Soweit hat er sich in die Sackgasse manövriert. Er ist nur noch eine Witzfigur.
Die Pointe dieses Witzes ist allerdings, daß er in einem klassischen Blindes-Huhn-Manöver diesmal aus Versehen etwas völlig Richtiges gesagt hat.

Ja, die Kosten für den Individualverkehr sollten im Angesicht der Klimakatastrophe dem tatsächlichen Benzinverbrauch, also CO2-Ausstoß entsprechen.
Die deutsche Politik betreibt hingegen eine abstruse Lenkungspolitik, indem sie mit zahlreichen Maßnahmen Verbrennungsmotoren gleichzeitig fördert und blockiert.
Es gibt Abwrackprämien, Dienstwagenprivilegien, Abschreibungsmöglichkeiten und Kilometerpauschalen, Interessenvertretung der KfZ-Hersteller in Brüssel, um den Gebrauch von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren für den Verbraucher billiger zu machen.
Gleichzeitig gibt es aber zahlreiche Maßnahmen, um den Gebrauch von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren für den Verbraucher teurer oder umständlicher zu machen: Benzinsteuer, KfZ-Steuer, Haftpflicht, Maut, Vignetten, Fahrverboten, Innenstadtplaketten, Tempolimits, Grenzwerte, Blitzanlagen, Parkgebühren.

Ich bin sicher viele Maßnahmen vergessen zu haben, aber klar ist, daß Bund und Länder dem Autofahrer gleichzeitig Stopp UND Go sagen.

Ein sagenhafter Unsinn.
Eine jährlich zu bezahlenden Vignette trifft denjenigen, der einmal im Jahr 70 km in den Nachbarort zu seinem Cousin fährt, genau wie den, der täglich zwischen Hamburg und Berlin pendelt.
Und ja, auch wenn ein SUV unverantwortlicherweise pro 100 Km sehr viel mehr Abgase auspustet, als ein Citroen C1, hat Lindner dennoch Recht, wenn er den (unwahrscheinlichen) Fall konstruiert, daß der SUV-Besitzer seinen Wagen womöglich hauptsächlich in der Garage parkt und nur alle drei Monate einmal nebenan zum Tante Emma-Laden fährt, während der C1-Besitzer womöglich rund um die Uhr am Steuer sitzt.

Und ja, ich gebe zu; ich spreche als Betroffener.
Mein Auto ist uralt und verbeult. 2012 habe ich ihn zuletzt schätzen lassen und erfuhr das harsche Urteil „wertlos“.
Wenn ich das Auto aber nicht in Zahlung geben kann, habe ich keinen Anreiz einen Neuen zu kaufen.
Mein  Reifen-Typ zuckte damals mit den Schultern und sagte „fahr‘ ihn doch zu Ende.“ Ich fand das despektierlich, beherzigte aber den Rat. Inzwischen hat er also weitere sieben Jahre auf dem Buckel, kam immer anstandslos durch den TÜV. Er fährt zuverlässig (schnell auf Holz klopfen) und die Beulen sind mir egal.
Der enorme Benzinverbrauch von über 10 Litern ist mir ein Dorn im Auge.
Natürlich wäre ein Neuer deutlich sparsamer.
Aber ich habe eine gute Ausrede: In annähernd 20 Jahren habe ich noch nicht mal 30.000 km auf dem Tacho, weil ich nie mit dem Auto verreise oder lange Strecken fahre. Es ist nur ein Lastesel, wenn ich etwas transportiere.
Trotz des hohen Verbrauchs/100km, dürfte ich also auf ein Jahr gerechnet weit weniger CO2 emittieren als die meisten anderen Autobesitzer.
Ich glaube, in so einer überalterten reichen Single-Stadt wie Hamburg ist mein Fahrverhalten gar nicht so selten. In den extrem teuren Wohngegenden leben viele Senioren, die natürlich ein Auto haben, weil sie alle drei Wochen damit einmal zum Friseur oder zu EDEKA gurken, die aber längst aus dem Alter raus sind Autobahn zu fahren.
Wieviel diese alten Karren pro 100 km verbrauchen, ist also relativ irrelevant.

Man könnte jeden einzelnen Bundesbürger nach seinem individuellen Fahrverhalten befragen und erhielte Millionen verschiedene Antworten.

Es ist absurd anzunehmen, mit der Vielzahl der bestehenden Maßnahmen ….

Abwrackprämien, Dienstwagenprivilegien, Abschreibungsmöglichkeiten und Kilometerpauschalen, Interessenvertretung der KfZ-Hersteller in Brüssel,
Benzinsteuer, KfZ-Steuer, Haftpflicht, Maut, Vignetten, Fahrverboten, Innenstadtplaketten, Tempolimits, Grenzwerte, Blitzanlagen, Parkgebühren.

…. eine einheitliche ökologische Lenkungswirkung zu erzielen.
Wirklich allen gerecht wird man nur über den Benzinpreis.

Daher schlage ich vor alle genannten Maßnahmen komplett abzuschaffen und alle Kosten auf die Benzinsteuer zu addieren.
Wenn der Liter fünf, sieben oder neun Euro kostet, werden es sich die Menschen schon überlegen, ob sie nicht auf andere Verkehrsmittel ausweichen.
Gleichzeitig hätte man es der Hand sich ein Auto anzuschaffen oder zu sharen, weil die Grundkosten (KfZ-Steuer zB) wegfielen.

Idealerweise würde dieses Konzept europaweit eingeführt, so daß die Menschen in Grenznähe nicht schummeln können.

Pendler bekämen natürlich ein gewaltiges Problem, aber das würde letztlich bei den Arbeitgebern landen, die schließlich auf ihre Mitarbeiter angewiesen sind.
Sie müssten ihren Beitrag zahlen, indem sie Wohnraum in der Nähe ihrer Betriebe schaffen, sich für alternative Verkehrsmittel engagieren oder aber die Fahrtkosten direkt übernehmen.
Damit wären Arbeitgeber belastet und gezwungen ökologisch vorzusorgen.
Das wäre Lindner konsequent zu Ende gedacht.
Huhn, Korn, Christian.
Er selbst wird allerdings nicht so weit gedacht haben.

Dienstag, 6. August 2019

Offene Pforten der Hölle.


Nein, inzwischen glaube ich nicht mehr daran, daß Trump mich noch überraschen könnte.


 Es gäbe auch nichts, das seine fanatischen Kultanhänger gegen ihn aufbrächte.
Eine Milliarde aus der Staatskasse stehlen? Sextape mit Putin? Sextape mit Ivanka?
Alle moralischen Barrieren sind gefallen. Trump propagiert Rassismus, Nepotismus, verteidigt Pädophile und Vergewaltiger; andere Kriminelle sowieso.


Eins von Trumps zentralen Wahlkampfversprechen war es das Staatsdefizit abzubauen. Nach zweieinhalb Jahren im Amt  - davon die ersten zwei Jahren mit republikanischer Mehrheit in beiden Parlamentskammern, ist das Staatsdefizit um umfassbare zwei Billionen (amerikanisch Trillionen) Dollar angestiegen. 2.000 Milliarden. Das sind zwei Millionen Millionen. 2.000.000.000.000 Dollar 2.000.000 Millionen.

Mick Mulvany, der Stabschef lächelt das einfach weg, als sogar FOX-Mann Chris Wallace staunt, wie jemand behauptet das Defizit zu reduzieren, nachdem er es um zwei Trillionen erhöht hat.

Der Mann fördert aktiv Terror im eigenen Land, weigert sich kategorisch Maßnahmen zu unternehmen, die russischen Einfluss auf amerikanische Wahlen verhindern.

Es ist natürlich ein Moment der Erleichterung und Entspannung, wenn man jemand seiner Wut und Abscheu über den orangen Hitler Ausdruck verleiht.


Haach, ist das angenehm, wenn einem jemand aus dem Herzen spricht.



Trump und seine Millionen Fans sind nicht schwer zu verstehen.

Schwer zu verstehen sind für mich die liberalen Amerikaner, die immer noch hartnäckig behaupten „we are better than that“, Trump vorwerfen „unamerikanisch“ zu sein oder wie Michael Rapaport offenabr noch eine leise Hoffnung haben Trump könnte auch einmal etwas Richtiges tun. Einmal die richtigen Worte finden, oder der Nation „comfort“ geben.


Nein, das wird dieser Abschaum, der sich so wenig Empathie für seine Opfer empfindet, daß er sich nicht mal drei Stunden lang merken konnte in welcher Stadt der Amoklauf von Dayton stattfand und von „Toledo“ sprach, nie tun.

Möglichst viel Golfspielen ist das was wir bestenfalls von einer Trump-Präsidentschaft erwarten können.
Wenn Trump redet, wenn er handelt, wenn er agiert, wird es gemeingefährlich.

Montag, 5. August 2019

Angebot und Nachfrage


Das sind ja auch nur Ausländer, die da arbeiten“ beklagte sich eine Dame auf der Eigentümerversammlung über den Hausmeisterservice.
Eigentümerversammlungen sind ja mein neues Hobby; das macht einen Riesenspaß da hinzugehen und den alten Herren zu vertreten, um den ich mich kümmere.
Ich blickte die Hanseatin im Twinset strafend an und sogleich versicherte sie der Runde nun wirklich gar nichts gegen Ausländer zu haben, aber sie beobachte die immer ganz genau beim Treppenhausputzen und nachdem sie unter der Fußmatte gefeudelt hätten, legten sie diese oft ganz schief zurück.
Das müsse sie denen immer erklären, aber die verstünden ja meist gar kein Deutsch.
Stoisch-verzweifelte Blicke des Versammlungsleiters von der Hausverwalterfirma.
Nein, es gibt keine deutschen Treppenhausreinigungskräfte mehr. Nahezu alle Wohnungseigentümergemeinschaften möchten deutsche Putzkräfte/Hausmeister/Gärtner/Winterdienstler haben, aber die gäbe es nun mal nicht.
Es ist in Hamburg ohnehin fast unmöglich noch einen Reinigungsdienst für Treppenhäuser zu bekommen; er rate uns daher, es sich besser nicht mit diesen zu verscherzen, sonst müssten wir am Ende selbst putzen.

Die Wohnungseigentümer, die sich über die ausländischen Treppen-Putzkräfte und deren aufgrund des Zeitdrucks mangelhafte Ausführung echauffieren, sind übrigens Dieselben, die in den Jahren zuvor ständig Anträge einbrachten die bisherigen Hausmeisterfirma zu entlassen, weil die „ja viel zu teuer“ wären. Ob das nicht auch billiger ginge, nur mal eben das Treppenhaus durchzuwischen und die Briefkästen abzuseifen.

Gegenfrage: Würden SIE für neun Euro die Stunde Treppenhäuser putzen und sich dann auch noch von jedem einzelnen Bewohner anmeckern lassen, wenn das nicht schnell oder nicht gründlich genug ist?

Zum Abschied des alten Herren habe ich mich noch einmal länger mit der sibirischen Pflegerin des ambulanten Dienstes unterhalten.
Natasja hat Nerven aus Stahl, ist immer geduldig und freundlich.
Sie arbeitet bei der evangelischen Kirche; in dem Fall der Diakonie.
Den Job macht sie seit 1995, ist ausgebildete Krankenschwester und Altenpflegerin. Pro Tag hat sie 20 Patienten, für die sie jeden Tag – egal ob Sonntag oder Feiertag – kreuz und quer durch den alptraumhaften Hamburger Innenstadtverkehr rasen muss.
Einige Patienten sind schwerstpflegebedürftig, müssen im Bett gewaschen und mit Spritzen versorgt werden. Der Herr nach uns auf ihrer Tour ist ein ehemaliger Seniorpartner einer Rechtsanwaltskanzlei. Steinreich, lebt in einer großen Villa, sagt weder Bitte, noch Danke, begrüßt sie nicht. Sie muss ihm die Beine bandagieren und Thrombosespritzen geben.
Sofort beginnen kann sie aber nicht, weil er sie gern anherrscht „Du siehst doch, daß ich gerade ein Glas Rotwein trinke, in 15 Minuten habe ich Zeit!“
1.400,- bringt Natasja im Monat nach Hause.
Ihr weißrussischer Mann ist Kindergärtner in Norderstedt (nördlich von Hamburg) in einer Einrichtung für verhaltensauffällige Kinder. 15 von ihnen betreut er tagsüber allein und verdient ungefähr das Gleiche wie seine Frau im Monat.
Familienleben gibt es aufgrund des Schichtdienstes wenig, die beiden Kinder sind 9 und 11 Jahre alt. Es erfordert viel Koordination und Planung bei zwei berufstätigen Eltern die Kinder aufzuziehen.
Die Vier wohnen in Reinbek, östlich von Hamburg. Natürlich nicht in Hamburg, weil es mit normalen Gehältern unmöglich ist zentral eine Wohnung für vier Personen zu finanzieren.
Abends sitzen sie zusammen und studieren Sonderangebote, fahren gezielt Discounter ab, um immer das Billigste zu erwischen.

Auch in der Seniorenresidenz im äußersten Westen Hamburgs, in der der von mir betreute Herr nun wohnt, sind die Pfleger in der Regel nicht von weißer Hautfarbe.
Ihr Monatsbruttogehalt beträgt ungefähr ein Viertel dessen, was der Grundpreis eines Zimmers in der Einrichtung kostet.

Ist es nicht außerordentlich eigenartig, daß Pflegekräfte knapp sind?
Wieso wollen sich nicht deutsche, studierte junge Menschen in so einen Beruf begeben, bei dem man ein Leben lang Knochenarbeit unter höchster psychischer Anspannung leistet und dann grandioserweise sogar über 1.000,- im Monat verdient?
Sehr eigenartig.

Nastasja sagte, natürlich würde sie gern mehr verdienen, aber wichtiger wäre ihr die Anerkennung. Die Deutschen wollten eben nicht Altenpfleger, Kindergärtner oder Krankenschwester werden, weil Menschen in diesen Berufen keine Achtung erfahren.
Jeder wisse, das wäre ein Beruf, den niemand machen wolle und gucke sie auch dementsprechend mitleidig an.
Ein Loser-Job.
Ein Beruf, bei dem man wie Treppenhausputzkräfte auch noch mies von den Kunden behandelt wird.
Die neoliberale Gesellschaft Deutschlands funktioniert so. Es gibt eine neue Paria-Klasse von Billigarbeitern für die ein besonderes Arbeitsethos Voraussetzung ist.
Der durchschnittliche deutsche Langzeitarbeitslose steht dafür nicht auf, weil das Leben auf Hartz IV tatsächlich bequemer ist.
Dabei sind gerade Berufe im Pflegebereich eben keine unwichtigen Hiwi-Jobs, für die man unwillige Nörgler verdonnern kann.
Das sind im Gegenteil, sehr ehrenhafte, wichtige Berufe, die viel zu wenig Anerkennung erfahren.

[…..] Die Pflege, sagt Meyer, [renommierte Pflegewissenschaftlerin und Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung für das Gesundheitswesen] mache es sich zu einfach. Über Jahre habe sich eine Jammerkultur aufgebaut. Wir können nicht anders, wir sind so unterbesetzt. "Aber das stimmt nicht immer", sagt Gabriele Meyer. Und erzählt von dem alten Mann aus Sachsen-Anhalt, der vor Kurzem in der Badewanne starb. Er wurde verbrüht, weil die beiden Pfleger rausgegangen sind und nicht merkten, dass kochend heißes Wasser in die Wanne lief, in die sie ihn gesetzt hatten. Ob sie den Hebel aus Versehen in die falsche Richtung gedreht haben oder der Mann selbst daran kam, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Er war dement, konnte sich nicht wehren, nicht rufen. "Einen alten Menschen beim Baden allein zu lassen, ist gegen jede pflegerische Vorschrift, das hat nichts mit Pflegenotstand zu tun", sagt Meyer. "Wenn ich nicht sicher ein Vollbad anbieten kann, dann mache ich es auch nicht."
Offensichtliche Fehler, Unterlassungen und schlechte Pflege können doch nicht mit Personalmangel erklärt werden, sagt Meyer. "Das würde ich als Angehöriger dieser Profession nicht auf mir sitzen lassen." […..]

Nastasja ist eine sehr ehrenwerte Person, aber man möge mir verzeihen, wenn ich zwar auch ihren Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung unterstütze, aber eben auch verlange, daß solche großartigen Menschen verdammt noch mal erheblich besser bezahlt werden.
Leider wollen die privaten Träger der Pflegeheime das gar nicht. Die meisten gehören zu Caritas und Diakonie und bei denen werden Mitarbeiter generell als Menschen zweiter Klasse behandelt. Sie dürfen weder streiken, noch Gewerkschaften gründen, noch einen Flächentarifvertrag bekommen und schon gar nicht dürfen sie schwul oder lesbisch sein.
Das Kirchenarbeitsrecht, das so vehement von all den politischen Frömmlern – AKK, Merkel, Brinkhaus, Kauder, Spahn, Nahles, Göring-Kirchentag, Käßmann – verteidigt wird, macht es möglich.

[….] Die Koalition der Unwilligen
 [….]  Das Ziel sind höhere Löhne in der Pflege, um die Branche attraktiver zu machen und so den Fachkräftemangel zu lindern. Das Problem ist, dass das Arbeitgeberlager letztlich keines ist. Die Causa Tarifvertrag scheidet es vielmehr in drei Gruppen mit widerstreitenden Interessen: die Unwilligen, die Willigen und die Kirchen. [….] Zu den Unwilligen gehört nicht nur Greiners AGVP, sondern auch der BPA-Arbeitgeberverband mit seinem Präsidenten Rainer Brüderle, dem ehemaligen FDP-Bundeswirtschaftsminister. [….] Zunächst aber muss noch final geklärt werden, wer überhaupt mit im Boot ist. Derzeit sind von den größeren Trägern nur die Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Arbeiter-Samariter-Bund, die Diakonischen Dienstgeber in Niedersachsen, der Paritätische Gesamtverband und die Volkssolidarität Mitglied in der neuen BVAP, die mit Verdi verhandeln wird. Nicht dabei sind die beiden Arbeitgeberverbände der privaten Pflegeunternehmen, aber auch das Deutsche Rote Kreuz ist abgesprungen. "Unerklärlich", heißt es bei Verdi dazu, "bestürzend", sagt AWO-Geschäftsführer Gero Kettler. [….]
Eine wichtige Rolle werden am Ende die kirchlichen Träger spielen, bei denen fast ein Drittel der rund 765 000 Pflegebeschäftigten arbeitet. [….]  Diakonie und Caritas schließen in der Regel keine Tarifverträge ab und sind auch der neuen BVAP nicht beigetreten; für sie gilt das kirchliche Arbeitsrecht, der "dritte Weg". [….]

Sonntag, 4. August 2019

MABA - Make Amerika Bad Again


Anders als beispielsweise die Generation der Parkland-Überlebenden, Kinder wie David Hogg, Emma Gonzalez, Sarah Chadwick, Jaclyn Corin, Ryan Deitsch, Aalayah Eastmond, Sam Fuentes, Cameron Kasky, Delaney Tarr and Alex Wind, die von Waffen-fanatischen Republikanern bekämpft werden, habe ich keinerlei Hoffnung, daß sich an den US-Waffengesetzen etwas ändert.
Zu tief stecken Trump und alle Republikaner im Arsch der NRA.

Das US-Christentum ist eine zutiefst abstoßende Religion der Niedertracht, das Donald Trump ins Amt half, ihn im Amt hält und möglicherweise 2020 wiederwählt.
Eins ihrer wichtigsten Argumente ist dabei sein radikaler Einsatz für Schusswaffen, der amerikanische Massaker alltäglich macht.

(…..) Die phallischen Mord-Instrumente sind im Land der 30.000 Schusswaffentoten den Rechten wichtiger als alles andere.

[….]  Trump signs bill reversing Obama rule to ban gun purchases by mentally ill
[….]  President Trump killed a regulation that would have tightened gun background checks Tuesday, signing a bill to undo one of his predecessor's executive actions following the San Bernardino shootings in 2015.
The Obama administration rule required the Social Security Administration to submit records of mentally disabled people to the National Instant Criminal Background Check System, the FBI database used to determine whether someone can buy a firearm under the 1993 Brady Bill.
The rule would have applied to about 75,000 people who were “adjudicated as a mental defective" and who had applied for Social Security benefits, and had a mechanism to notify those affected so they could appeal. But congressional Republicans said the rule could ensnare people who had mental health issues but otherwise were competent to own a gun. [….]  The bill signing fulfills a campaign promise for Trump. Even before Obama announced his executive actions before his State of the Union Address last year, Trump said he would "un-sign that so fast" once he becomes president. [….] 

Endlich können auch die psychisch Kranken ohne jede Einschränkung vollautomatische Waffen bekommen, so viel sie wollen.
Das freut das Republikanerherz.
Denn gegen Schulschießereien helfen bekanntlich nur Globuli und Gebete, nein, sorry, thoughts and prayers! Ich war kurz mit den evangelikalen Irren in Deutschland durcheinander gekommen.

[….]  Florida State Senator Kelli Stargel votes against assault weapons ban, claims “thoughts and prayers” are enough to stop school shootings.
 In a despicable but not surprising development, Republican State Senator Kelli Stargel voted against a moderate and sensible ban on assault weapons after the recent school shooting at Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, that left 17 dead and many more injured.
Adding insult to injury, the Florida lawmaker went on to suggest that “thoughts and prayers” are enough to stop school shootings. Speaking on the floor of the Florida Senate, Stargel said:
    Thoughts and prayers are really the only thing that’s going to stop the evil from within the individual that is taking up their arms to do this type of massacre. [….]

Dank der überzeugten Christen in Amerikas Parlamenten, werden die USA weiterhin extreme Hochburg des hausgemachten Terrors mit bis zu 40.000 jährlichen Toten durch Schusswaffen sein.
Es ist müßig das nach jedem grausamen Massenmordlauf, wie den beiden vom Wochenende in Texas und Ohio mit 29 Toten, erneut zu beklagen.
Die Trauer der Angehörigen ist natürlich echt, aber das kollektive Entsetzen im Land wirkt schal, wenn man sich vergegenwärtigt, daß je nach Gegenkandidat in den meisten Fällen eine absolute Mehrheit der Bürger Trump wiederwählen würde.

Die Parkland-Jugendlichen hatten sich an dem Gedanken berauscht zwar nicht die Republikaner umstimmen zu können, aber im Herbst 2018 bei den Zwischenwahlen die bösartigen NRA-Epigonen aus den Ämtern zu jagen.
Stattdessen bauten die Republikaner ihre Senatsmehrheit sogar aus und Moscow-Mitch blockiert hartnäckig jede Verbesserung für das amerikanische Volk.
Das bringt eine neue Qualität in die Diskussion über die Mass-Shotings in den USA, da es sich bei den Tätern immer weniger um verrückte Psychopathen handelt, sondern zuletzt die Täter meist radikalisierte glühende Trump-Fans waren.
Menschen mit tiefsitzenden Komplexen, die von Rassismus beseelt dem Hetzer im Oval Office zuhörten, bis sie sich eines Tages genötigt sehen zu handeln.
Gun-Massaker sind typisch für die USA, aber inzwischen hat eine Metamorphose zum „Weißen Terrorismus“ stattgefunden.


Der US-Präsident höchst selbst stiftet seine Follower zu terroristischen Attacken gegen ihr eigene Bevölkerung an.
Al Kaida und IS können jetzt in Rente gehen; ihr Job wird von den Amerikanern selbst viel effektiver erledigt.

[….]  Die demokratischen Herausforderer Donald Trumps machen den Präsidenten mitverantwortlich für die Morde von El Paso und Dayton. Die Gewalttaten könnten zu einem Wendepunkt im amerikanischen Wahlkampf werden.
  Donald Trump ist nicht dafür bekannt, dass er um Worte verlegen ist. Aber an diesem so furchtbaren Wochenende blieb der Präsident lange Zeit seltsam still. Was die Amerikaner und die Welt von ihm hörten, waren ein paar dürre Sätze auf Twitter: Dass seine Gedanken und Gebete bei den Bürgern von El Paso seien. [….]  Es waren Sätze, in die sich Trump schon so oft geflüchtet hat; Sätze, die so oder so ähnlich immer fallen, wenn wieder einmal die Eilmeldung über die Fernsehbildschirme jagt, dass ein Mann (und es sind fast immer Männer) mit einem Sturmgewehr ein Massaker angerichtet hat. In der Regel reichen die immer gleichen Phrasen aus, um zurückzukehren zur Normalität. [….]  Nach diesem Wochenende werden die Politiker in den USA nicht so schnell zur Tagesordnung übergehen. Und der Grund ist nicht nur, dass Stunden nach dem Terrorakt von El Paso ein bis an die Zähne bewaffneter Mann in Ohio ebenfalls neun Menschen tötete. Es liegt auch daran, dass in den USA Wahlkampf ist und die Demokraten keinen Zweifel daran lassen, wem sie eine Mitschuld geben für das Verbrechen in Texas.
"Donald Trump trägt die Verantwortung", sagte Cory Booker am Sonntag im Fernsehsender CNN. "Er benutzt selbst die Sprache des Hasses", so der Demokrat, der für seine Partei 2020 als Präsidentschaftskandidat antreten möchte.
So wie Booker, Senator in New Jersey, äußerten sich auch andere Anwärter. "Wir haben einen Präsidenten, der Mexikaner dämonisiert", sagte Pete Buttigieg, der Bürgermeister von South Bend, Indiana und fügte hinzu: "Wir erleben eine Form des weißen Terrorismus, der hier in den USA herangezüchtet wurde." Beto O'Rourke, der in El Paso geboren wurde, nannte Trump einen Rassisten, der an die Überlegenheit der weißen Amerikaner glaube: "Er befördert diese Gewalt." [….] 

Trump äußert sich schließlich nicht gelegentlich rassistisch oder setzt seinen Rassismus nur zu Wahlkampfzwecken ein.
Nein, die gesamte Familie Trump ist seit Generationen rassistisch, Trump selbst führt seit den 1970er Jahren rassistische Kampagnen und posaunt als Präsident beinahe täglich die übelsten rassistischen Attacken hinaus.
Rassismus ist aber keine bloße Unhöflichkeit oder Beleidigung, sondern führt zu Mord und Totschlag. Charles Manson brachte seine Opfer auch nicht mit eigenen Händen um.
Jeder halbwegs anständige Menschen versteht das; dafür muss man nichts selbst dunkelhäutig, schwul oder Ausländer sein.


Es gibt keine Rechtfertigung, um so ein mieses Stück Scheiße wie Trump zu akzeptieren.
Wir alle, von den einzelnen privaten Postern in den sozialen Medien bis hinaus zu den Regierungschefs müssen Trump und seinen ideologischen Freunden Johnson, Duterte, Salvini und Bolsonaro jederzeit massiv entgegen treten.

[….]  Die mexikanische Regierung spricht nach dem Terroranschlag im texanischen El Paso von "fremdenfeindlicher Barbarei". Der Vize-Außenminister lässt keinen Zweifel daran, wen er für den Anstifter hält.
[….]   "Wir verurteilen diese barbarische Tat, bei der unschuldige Mexikaner getötet wurden", sagte Außenminister Marcelo Ebrard [….]  Auch sein Vize, Jesús Seade, verurteilte den offenbar rassistisch motivierten Angriff: "Solche mutwilligen Taten der fremdenfeindlichen Barbarei haben keinen Platz in der heutigen Welt", schrieb er auf Twitter. Und weiter: "Die Rhetorik, die sie anstachelt, muss komplett beendet werden."
Eine deutliche Ansage an Donald Trump: War es doch der US-Präsident, der sich in den vergangenen Wochen mehrfach massiv rassistisch geäußert hatte. [….] 

So wie Trump seit drei Jahren die Zahl der Hate-Crimes in Amerika Monat für Monat ansteigen lässt führen auch die AfD und deutsche Hetzblogs zu einem kontinuierlichen Anstieg der Gewalt gegen Minderheiten.


[…..] AfD schürt Furcht vor Zuwanderern
Die AfD rückt ausländische Tatverdächtige in den Mittelpunkt und zeichnet im Vergleich zur Kriminalstatistik ein verzerrtes Bild. Das mache sie "überraschend konsequent", sagen Forscher, die AfD-Pressemitteilungen analysiert haben.
Eine Studie von Medienforschern über die AfD kommt zu dem Ergebnis, dass die Partei systematisch Angst vor Zuwanderern schürt. Die Professoren Thomas Hestermann (Hamburg) und Elisa Hoven (Leipzig) werteten dazu mehr als 240 Pressemitteilungen der AfD zum Thema Kriminalität auf Bundes- und Länderebene aus dem Jahr 2018. […..]

Ob AfD, ob Weidel, ob Steinbach, ob Berger oder ob Grenell, Trump, Johnson oder Salvini – diese Typen sind Abschaum.
Man muss sich ihrer Agenda 24/7 widersetzen.

[…..] Die EU täte gut dar­an, ihr ei­ge­nes au­ßen­po­li­ti­sches Pro­fil zu schär­fen. Ego­zen­tri­kern wie Trump und John­son ist nicht bei­zu­kom­men, in­dem man sie ein­bin­det, ihre Es­ka­pa­den her­un­ter­spielt. Ge­gen Po­pu­lis­mus hel­fen nur Hal­tung und Klar­heit. Kon­kret be­deu­tet das, dass die EU mit John­son nicht über das Aus­tritts­ab­kom­men nach­ver­han­deln und sich kei­nes­falls Trumps Iran­po­li­tik an­schlie­ßen soll­te. Statt­des­sen soll­ten sich die Eu­ro­pä­er um eine Schutz­mis­si­on in der Stra­ße von Hor­mus be­mü­hen und gleich­zei­tig nach di­plo­ma­ti­schen We­gen su­chen, das Ab­kom­men zu ret­ten. Wäh­rend des Irak­kriegs 2003 ge­wann Eu­ro­pa an Sta­tur, in­dem Frank­reich und Deutsch­land eng zu­sam­men­stan­den. Es ist an der Zeit, dass bei­de Staa­ten die­se Al­li­anz wie­der­be­le­ben.  […..]
(Der Spiegel, M. Popp, Leitartikel 03.08.2019)