Mittwoch, 10. April 2019

Planlosigkeit als Plan.


Vielleicht war das ja der geheime Plan der konservativen, aber nicht völlig Johnson-Rees-Mogg-Wahnsinnigen: Wir machen Britannien zur Schrödinger-Katze. Wir treten aus der Europäischen Union aus und bleiben gleichzeitig Vollmitglied.
Tatsächlich wird inzwischen fast vergessen, daß das Vereinigte Königreich reguläres Mitglied der EU ist, alle EU-Regelungen umsetzt und von allen EU-Gesetzen und Verträgen profitiert.
Währenddessen bleibt die Inselregierung aber de facto von allen wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen. Wenn wir von „die EU“ reden, meinen wir ganz selbstverständlich „die EU der 27“, also alle EU-Staaten minus England.
Alle wichtigen Weichenstellungen für die Zukunft treffen die Regierungschefs ohne Frau May.


Es wird inzwischen von höchstrangigen Ratsmitgliedern wie Merkel ventiliert, London könne auch noch bis Ende 2020 Mitglied bleiben, um der Premierministerin mehr Zeit zu geben einen Austrittsvertrag ratifiziert zu bekommen.
Man staunt, fast drei Jahre nach dem Leave-Votum des Volkes, nach fast drei Jahren der Paralyse des Londoner Unterhauses, nach mehr als einer halben Legislatur der völligen Untätigkeit soll also weiter abwarten die Lösung sein?

Die Antwort auf Frau Mays Bitte nach mehr Zeit, die gegenwärtig in Brüssel diskutiert wird kenne ich nicht.


Die besten Chancen einen chaotischen No-Deal zu verhindern sehen Merkel und
EU-Ratspräsident Donald Tusk in einer möglichst langen Frist, also einer Verschiebung des Austrittstermins um möglicherweise ein ganzes Jahr. Man habe schließlich erlebt wie unfähig das britische Parlament sei unter Zeitdruck Entscheidungen zu treffen.

[…..] Unsere Erfahrung und die tiefe Spaltung innerhalb des Unterhauses geben uns wenig Grund zur Annahme, dass der Ratifizierungsprozess bis Ende Juni abgeschlossen werden kann", schrieb Tusk am Dienstag in seiner Einladung an Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre EU-Kollegen zum Brexit-Gipfel an diesem Mittwoch in Brüssel.


[…..] Tusk sagte […..], die vergangenen Monate gäben wenig Anlass zur Hoffnung, dass es bis dahin eine Einigung im britischen Parlament geben werde. Eine kurze Brexit-Verschiebung berge das Risiko immer neuer Sondergipfel und immer neuer Fristen. "Deshalb glaube ich, dass wir über eine alternative, längere Fristverlängerung diskutieren sollten." Dann könne auch Großbritannien noch einmal über seine Strategie nachdenken. […..]

Kurz und Macron argumentieren genau umgekehrt.
Geduld und lange Fristen führten nur zu einer Verfestigung der jeweiligen Position der zerstrittenen Insulaner.
Nur unter enormen Zeitdruck hätten sich Labour und die Tories endlich zusammengesetzt.


[…..] "Ergebnisse bekommt man aus Großbritannien nur unter Druck", sagt ein EU-Diplomat. Im Falle einer langen Verlängerungen aber wäre der No-Deal-Brexit erst einmal vom Tisch - "und die Gespräche zwischen Tories und der Labour-Partei wären tot". Der drohende Chaos-Brexit sei der einzige Grund für Labour-Chef Jeremy Corbyn, überhaupt mit May zu verhandeln. Ohne diese Gefahr hätten weder die regierenden britischen Konservativen noch die Opposition noch einen Anreiz, dem Austrittsabkommen mit der EU zuzustimmen. Stattdessen könnte es dann zu Neuwahlen kommen - die womöglich einen Brexit-Hardliner wie Boris Johnson zum Premierminister machen. […..]

  
Beide, sich gegenseitig ausschließenden Argumentationslinien sind für sich genommenen schlüssig.
Ich neige allerdings mehr zur Wien-Paris-Lesart.
Ein langer Aufschub birgt zudem die Gefahr, daß London die Brüsseler Politikfähigkeit talibanisiert.
Schon in den letzten 10 Jahren litt die Runde der EU-Regierungschefs unter der Quertreiberei und musste wegen des Prinzips der Einstimmigkeit ständig Rücksichten auf die Bremser von der Themse nehmen.
Möglicherweise wäre die EU heute nicht in so einer Krise, wenn die Ratsentscheidungen der letzten Dekade nicht so quälend umständlich und mutlos gewesen wären.


Mays Parteifreund Rees-Mogg, Multimillionär, Dunkelkatholik, Klimawandelleugner und Homohasser, droht schon damit die EU bei einer weiter bestehenden Mitgliedschaft seines Landes von innen zu zerstören.

[…..] Jacob Rees-Mogg, einer der härtesten Hardliner, droht bereits: Wenn das so kommt, dann müsse man das schwierigstmögliche Mitglied sein.
Die Europäische Union verhalte sich ja keineswegs kooperativ, findet Rees-Mogg, denn sie versuche mit dem Backstop die Einheit des Landes auseinanderzubrechen. Deshalb sei auch Großbritannien nicht zur Kooperation verpflichtet. "Wenn der neue mehrjährige Haushaltsplan auf den Tisch kommt und wir immer noch dabei sind, dann ist das eine nur alle sieben Jahre wiederkehrende Möglichkeit, unser Veto einzulegen. Auch die Pläne von Herrn Macron für ein engeres Zusammenwachsen der EU könnten wir stoppen." [….]


Offenbar fürchten sich die „EU der 27“ tatsächlich vor diesen Drohungen und überlegt die Zustimmung zu einer Brexit-Fristverlängerung mit Klauseln zu verquicken, die England zu einem gewissen Wohlverhalten verpflichten.
Die meisten juristischen Einschätzungen halten das allerdings für undurchführbar. Es gibt keine Mitgliedschaft zweiter Klasse und wie soll man eigentlich genau messen, ob ein Land eine EU-Entscheidung aus ehrlicher Überzeugung oder aus einem destruktiven Impuls heraus erschwert?

Die konservativen Regierungschefs Merkel und Kurz, die sich in der Frage der Brexit-Verschiebung entgegenstehen, haben allerdings in einem anderen Aspekt allerdings gemeinsame Interessen. Sie möchten bei der Europawahl den CSU-Mann Weber als EVP-Spitzenkandidaten zum Juncker-Nachfolger machen.
Die Chancen stehen ob der notorischen schwachen S&D Fraktion gut – solange die Briten außen vor bleiben.
Sollte London nun allerdings doch bei der Europawahl teilnehmen – und das wird gegenwärtig vorbereitet – rechnet man aufgrund der Tory-Schwäche und des Mehrheitswahlrechtes mit einem Labour-Durchmarsch, der die sozialistische Fraktion in Brüssel erheblich stärken könnte.
Gut möglich, daß Merkel sich einen Aufschub bis Ende 2020 und eine Wahlniederlage Webers eher vorstellen kann, weil sie in zwei Jahren mutmaßlich als Rentnerin den ganzen Zirkus von außen anguckt und sich nicht erneut mit May ärgern muss.
Die jüngeren Regierungschefs wie Kurz oder Macron, die vorhaben noch länger zu amtieren, möchten der britisch-gordischen Knoten lieber jetzt zerschlagen.

Es bleibt also kompliziert.

  
Als Urnenpöbel-Skeptiker lehne ich die Ergebnisse der meisten Plebiszite bekanntlich ab: Brexit, Trump, das türkische Verfassungsreferendum, oder auch die gestrige Wiederwahl Netanjahus.
Ich halte die englische Entscheidung Europa den Rücken zu kehren für einen Jahrhundertfehler, den es noch bitter bereuen wird und für den wir alle zahlen müssen.
Der Souverän war zu doof und zu borniert, um die Entscheidung zu fällen, die David Cameron aus Feigheit im Jahr 2013 ankündigte.
Auch ein neues Referendum könnte die gespaltene Nation nicht einen.
Sie müssen genauso wie Trumpmerica erst schmerzhaft ihre Lektion lernen.

(…..) Man sollte Trump und den Brexit nicht abwenden bevor Trumpmerica und die Brexiteers ihre Lektion gelernt haben.

Die vielen Millionen Menschen sind dümmer und amoralischer als alle Hunde Spaniens und Deutschlands zusammen.
Sie müssen wirklich mit voller Kraft ihren Kopf in die von ihnen selbst geschissene Scheiße gerammt bekommen.
Anders lernen sie es nicht.
Wer so heftig in sein Haus kackt, muss auf die harte Tour erzogen werden.

Die Evangelikalen, Hillbillies, Rednecks und sonstigen Trump-Rassisten müssen am eigenen Leib erleben wohin seine isolationistische Hasspolitik führt.
Sie brauchen eine tiefe Wirtschaftskrise, Jobverlust und böse Krankheiten ohne Obamacare.
Sie brauchen durch Trumps environment-feindliche Politik ausgelöste Umweltkatastrophen vor ihrer Haustür und durch von Trump ermächtigte raffgierige Banker herbeigeführte Obdachlosigkeit.



Nur so begreifen sie, daß Trumpismus in die Krise führt und daß man so einen nicht wieder wählen darf.

Und so leid es mir für alle normalen Briten tut – auch ihre Europa-hassenden Landsleute brauchen diese Lektion. Sie müssen einen katastrophalen Wirtschaftszusammenbruch mit Lebensmittelknappheit und geplatzter Immobilienblase erleben. Sie müssen deutlich spüren wie sehr sie auf die anderthalb Millionen in England arbeitenden Europäer anderer Länder angewiesen sind.
Erst wenn jeder das bitter erfahren hat und GB am Boden liegt, sollen sie wieder angekrochen kommen und ein neues EU-Beitrittsgesuch stellen.
Farage und Johnson werden dann nicht noch mal ihr Maul aufreißen. (…..)


Also bitte keine Fristverlängerung mehr, keine Zugeständnisse, sondern gebt den Forderungen der Ultras Rees-Mogg, Johnson, Farage nach: Brutaler No-Deal-Brexit jetzt.
Leseempfehlung:
Andreas Edmüller fasst alles sehr schön in einem Essay seines Philosophie-Blogs zusammen:

[….] Die Hauptargumente der Brexit-Kampagne sind heute im Grunde als Lügen, groteske Verzerrungen bzw. Erfindungen entlarvt.4) Nur: Wer das wissen wollte, hatte schon vor dem Referendum sehr leicht die Gelegenheit, sich die nötigen Fakten und Daten zu beschaffen und in Gegen-Argumente umzuformen. Und: Obwohl die Argumente offensichtlich entkräftet sind, will immer noch annähernd die Hälfte der Briten den Brexit. Für mich als Argumentationsprofi heißt das: Rational betrachtet hat der Brexit mit den Argumenten seiner Befürworter bzw. deren nüchterner Bewertung nicht viel zu tun.
Wir müssen also im Arationalen nach einer Antwort suchen. Das ist wie bei der Religion: Die zum Teil katastrophalen Denkfehler diverser Gottesbeweisversuche sind mittlerweile allgemein bekannt und Inhalt von Proseminaren zum Thema – trotzdem beeindruckt das Gläubige nicht. Sie wiederholen einfach ihre „Beweise“ und ignorieren deren Schwachstellen. Oder sie verzichten gleich darauf, die Existenz Gottes mit schnöden rationalen Mitteln beweisen zu wollen. Man glaubt und will einfach glauben. Wer braucht da schon Argumente …


So ähnlich ist das mit dem Wunsch nach dem Brexit: Argumente greifen nicht, man braucht auch keine, man weiß einfach, dass das der rechte Weg ist. […..] Bleibt das UK nun doch aus irgendeinem Grund in der EU, dann sehe ich die große Gefahr, dass der dadurch sich garantiert verschärfende Kampf der Brexiteers auf andere Länder bzw. die EU übergreifen wird. Sie werden keine Ruhe geben und alles tun, um die EU wie bisher von innen heraus zu schwächen und zu bekämpfen. Gleiches gilt für diverse sanftere Lösungen: Sie werden auch darin eine perfide Versklavung der Briten sehen und dagegen ins Feld ziehen. Verschärft wird diese Befürchtung noch durch einen recht einflussreichen Verbündeten, den sie in diesem Kampf gegen die EU haben: Trump und die USA. [….]

Dienstag, 9. April 2019

Plädoyer zur Dehysterisierung


In jedem Dorf gibt es einen Dorfdeppen. Offenbar ist das ein weltweites Phänomen. Mein Vater berichtete schon von dem „village idiot“, den es in dem kleinen Ort Bobtown gab, in dem er aufwuchs.
Nun gehört es zum evolutionären Prozess, daß es hellere und nicht so helle Kerzen auf der Intelligenz-Torte gibt.
Die ganz Doofen werden es schwerer haben sich zu vermehren und dadurch ihre Doofheit weniger stark weiterverbreiten.
Kurzum, ein Doofer schadet nicht, die Klugen werden mehr genetische Nachkommen produzieren, weil die Doofen auch ausgegrenzt werden.

Seit der Erfindung des Internets und insbesondere der Social Media, bleiben die Doofen aber nicht einfach schmollend und verlacht in ihrem Dorf hocken, sondern fangen an sich zu vernetzen, Kontakt zu Ihresgleichen aus dem Nachbardorf zu suchen. In Windeseile entstehen Doofen-Filterblasen, in denen sie sich alle gleichermaßen schlau fühlen.
Unglücklicherweise gibt es einen paradoxen Mechanismus der sozialen Medien, nach dem besonders bizarre, ergo doofe Ansichten überproportional verteilt werden. Einige lachen darüber, aber sie alle multiplizieren beispielsweise die „wirre Welt der Impfgegner“.


Das durch Algorithmen erreichte Aufkonzentrieren der Doofheit im Internet ist schon schlimm genug, weil wie in diesem Fall ungeimpfte Virenschleudern auf den Straßen andere Menschen töten können.

Umso wichtiger ist die Funktion der klassischen Medien und Politiker als Gatekeeper.
Sie müssen unbedingt dafür sorgen in der Flut der sekündlich neuen Meldungen die Themen und Probleme herauszupicken, die eine reale Bedrohung darstellen und um die Mensch sich kümmern muss.
Dazu zählen beispielsweise Klimawandel, Unterversorgung von Pflegebedürftigen oder Altersarmut.
Nicht relevant sind hingegen Genderbekämpfung, Chemtrailgefahren oder Autismus durch Impfen.
Der SPIEGEL muss nicht über die Scheidung Thomas Gottschalks oder die neue Frisur eines Fußballers berichten.
Gemeingefährlich wird es aber dann, wenn ernst zu nehmende Medien beginnen ausgerechnet die Theorien der Dorfdeppen aufzugreifen und erregt zu ventilieren.
Ein Land verblödet, wenn Politiker und Medien beginnen echten Schwachsinn wie den Creationismus als ernste Theorie zu behandeln.


Daher ist es auch unverantwortlich, wenn beinahe jede Woche Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehen AfD-Hetzer einladen und ihre Märchen von der „Messermigration“ verbreiten lassen, während die Kriminalität in Deutschland jedes Jahr sinkt.

Ein ausgesprochen verstörendes Beispiel dieses politischen und medialen Versagens erlebten wir in Hamburg angesichts der absolut nicht skandalösen Vorgänge an der Ida-Ehre-Schule.
Die AfD zündelte, produzierte einen Pseudoskandal und als die ersten Funken erschienen sprang sofort das FUNKE-„Abendblatt“ auf den Zug, ließ das Feuer zum Entzücken der AfD richtig auflodern.
Noch unrühmlicher als die konservative Zeitung war die Schulbehörde, die ebenfalls bereitwillig über das von den Ultrarechten hingehaltene Stöckchen sprang.


Das passiert leider immer wieder – bevor auch nur eine Minute recherchiert wird, greifen auch Medien mit richtigen Rechercheuren und Journalisten abstruse Themen auf, die eigentlich nur das Thema von Dorfdeppen in ihren ekeligen Filterblasen sind.

Also bitte erst mal nachdenken, bevor man hysterisch Öl ins Feuer gießt.

Montag, 8. April 2019

Alte Weisheiten.


Manchmal staune ich selbst wie umfangreich meine Büchersammlung inzwischen geworden ist.
Wenn ich nur die Zeit hätte das alles zu lesen.
Dabei lese ich schon sehr schnell, am schnellsten deutsch, dann kommt englisch und schon deutlich langsamer französisch.


Ich besitze unter anderem eine 200 Jahre alte Originalausgabe des „Lavater“ in zehn Bänden. Das sind echte Kunstwerke mit wundervollen Zeichnungen.
Wenn es nicht französisch wäre, hätte ich mich längst intensiver damit beschäftigt.


Johann Caspar Lavater (*1741 in Zürich; † 1801 ebenda), Pfaff, Philosoph und Schriftsteller war zu seiner Zeit eine Berühmtheit in Europa, verkehrte mit den größten Geistern seiner Gegenwart: Johann Wolfgang von Goethe, Johann Bernhard Basedow, Christian Fürchtegott Gellert, Moses Mendelssohn, Friedrich Gottlieb Klopstock.
  Über seine Versuche Mendelsohn zum christlichen Glauben zu bekehren würde man vermutlich bei einer Straßenumfrage vor einem McDonald nicht viel erfahren können, aber möglicherweise wissen doch einige den Namen Lavater mit Physiognomik zu verbinden.
Mit seiner Theorie der Physiognomik erklärt er ausführlich wie man den Charakter eines Menschen an Gesichtszügen und Körperformen erkennt.
Auf nach dem zweiten Weltkrieg Geborene wirkt das etwas schauderhaft; man denkt gleich an die NS-Rassenkunde und eifrige Nazi-Lehrer, die Nase, Kopfumfang und Kiefer ihrer Schüler akribisch maßen, um den genauen Arier-Typ zu bestimmen.

Das kann eigentlich gar nicht sein, daß man Charaktere an Gesichtern und Figuren erkennt.
Aber immer wieder erwische ich mich dabei zu denken, daß man an der Physiognomie die politische Gesinnung ablesen kann.
Jeder, der sich auf Phoenix Parteitage ansieht, muss eigentlich schon mal diesen ketzerischen Gedanken gehabt haben.
Sozialdemokraten sehen besser aus als Christdemokraten.
Wer beim Zappen rein zufällig in eine Parteiveranstaltung gerät, kann vermutlich schon vor der erhellenden Regie-Einblendung ahnen, ob es sich um AfDler oder Grüne handelt.
Ich meine, am besten lassen sich politische Gesinnungen bei den Jugendorganisationen zuordnen. Je älter, grauer und voluminöser die Gesichter werden, desto mehr verschwimmen die Unterschiede.
Am sichersten lassen sich jüngere Politiker der FDP (bzw Julis) und CDU (JUler) zuordnen.
Typen wie der junge Westerwelle, Lindner, Daniel Bahr, Rösler können nur zur FDP gehören.
Insbesondere bei den pyknischen, teigigen Gestalten mit massivem Knochenbau, weiß man es handelt sich um CDU- oder CSU-Nachwuchs.
Natürlich gibt es Ausnahmen, wie die filigrane Ursula von der Leyen, aber eigentlich sehen C-Frauen aus wie Steinbach, Merkel, Schavan, Pantel, Aigner, Hasselfeld, Maria Böhmer, Marlene Mortler, Anita Schäfer.

Bei den Männern ist es noch extremer. Altmaier, von Klaeden, Gröhe, Glos, Söder, Bouffier, Koch, Kohl, Strauß – die hätte Johann Caspar Lavater ganz klar in die CDU/CSU-Bundestagsfraktion oder die Bischofskonferenz gesetzt.

Die extremsten Formen der C-Visagen findet man aber, wie gesagt, in den Jugend-Organisationen. Jeder kennt das aus der Schule oder der Uni: Die in JU und RCDS Organisierten sehen auch so aus als ob sie in der CDU wären.


Die JU-Chefs Philipp Mißfelder, Paul Zimiak, Tilman Kuban, Jürgen Echternach, Matthias Wissmann, Christoph Böhr, Hermann Gröhe oder Schatzmeister Philipp Amthor.

Ziemiak

von Klaeden

Kuban

Gröhe

[….] CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak [ist] "fassungslos darüber, dass jetzt die Maske gefallen ist" bei den Grünen, sagte Ziemiak nach einer Sitzung des Parteipräsidiums. Das sei keine Grundlage für eine Zusammenarbeit mit der CDU.
"Die Grünen sind nicht die nette bürgerliche Partei", sagte der CDU-Generalsekretär. Sie seien "die alten Grünen" mit Konzepten aus der Mottenkiste. Das gelte nicht nur für den Vorschlag Habecks zu Enteignungen, sondern auch für die erneute Forderung von Grünenfraktionschef Anton Hofreiter, ab 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen. [….]

Sonntag, 7. April 2019

Geistige Giganten des Konservatismus – Teil XXI


Gestern hatte ich mich mit der Prädisposition dafür ein Opfer zu werden beschäftigt.
Sehr problematisch ist aber auch wie Täter, aber auch Richter, Staatsanwälte und Medien die Opfer relativieren, indem sie stillschweigend davon ausgehen, die litten mehr oder weniger.
Das ist ein beliebter Topos in Krimiserien wie „Law And Order SVU“. Wird ein braves, jungfräuliches, weißes College-Mädchen vergewaltigt, setzt sich ein riesiger Apparat in Gang, um den Täter dingfest zu machen.
Ist aber eine Drogensüchtige, eine Schwarze oder gar eine Prostituierte das Opfer des gleichen Verbrechens, geht sie oft gar nicht erst zur Polizei, weil man eine Vergewaltigung an ihr als weniger schlimm ansehen könnte.
Diese Überlegungen schwingen auch in der causa #MeToo und #Grabbembythepussy eine Rolle. Haben nicht Frauen partiell selbst Schuld, wenn sie sich in Gefahr begeben? Kann ein Mann überhaupt anders, wenn die Frau aufreizend tanzt, kurze Röcke trägt oder ein ausladendes Dekolletee zeigt?
Kann man überhaupt eine Prostituierte vergewaltigen; eine Frau, die professionell mit Fremden schläft?
Die Fragen werden tatsächlich gestellt und im Jahr 2019 ist es offenbar immer noch notwendig „Nein heißt Nein“ zu betonen.
Dieses Jahr relativierten Kardinal Pell und sein Verteidiger Richter seine Vergewaltigung zweier kleiner Jungs damit, daß es sich um „naughty boys“ gehandelt haben, die zudem auch noch Messwein stehlen wollten.
Eine absolut ungeheuerliche Aussage für die Nummer Drei der 1,3 Milliarden Katholiken, der RKK, der selbsternannten Hüterin der Moral.

Eine andere Katholikin, Frau White, schrieb einen offenen Brief an die Studentinnen der Notre Dame, sie mögen doch bitte aufhören Leggings zu tragen. Sie habe vier Söhne und der Anblick quasi nackter Frauenbeine zwinge sie geradezu teuflisch zu werden.

[….] For years, Maryann White suffered in stoic silence. She prayed that fashions would change and the legging problem would go away. Alas, athleisure only became more popular. Eventually White could stand it no longer; distraught and desperate, she wrote a letter to Notre Dame’s student newspaper imploring female students to “turn their backs(ides) on leggings”.
“I’m not trying to insult anyone,” White writes in the letter, published on Monday. “I’m just a Catholic mother of four sons with a problem that only girls can solve: leggings.”
White explains that while her sons “know better than to ogle a woman’s body”, leggings make not-ogling impossible. She recounts a traumatic episode while attending mass at the university, when she was confronted by a group of young women wearing tight clothing. “You couldn’t help but see those blackly naked rear ends. I didn’t want to see them – but they were unavoidable.” Which honestly sounds like something she should have saved for the confession booth, rather than the letters page of her sons’ student newspaper.
“Leggings are so naked … so exposing,” she concludes. “Could you think of the mothers of sons the next time you go shopping and consider choosing jeans instead?” [….]

Die klassische Burka-Argumentation: Wenn Frauen sich nicht komplett verhüllen, nötigen sie die armen Männer dazu sie vergewaltigen zu müssen.
Das ist also keine ausschließlich islamische Argumentation.
Auch Frauen, die so supersexy wie Annegret Kramp-Karrenbauer oder Annette Schavan sind, müssen sich im Vatikan züchtig verhüllen, weil sonst die notgeilen Bischöfe lüsterne Gedanken bekommen.
Christliche Kleidervorschrift.



Die Abrahamiten frönen alle dieser perversen Logik; keine orthodoxe Jüdin zeigt in der Öffentlichkeit ihr Haar. Im Gegensatz zu vielen Muslimischen Frauen tarnen sie aber ihre Tarnung, indem sie Perücken tragen, um den abstrusen Regeln ihrer primitiven Hirtenkultur zu folgen.

Der Geistige Gigant des Konservatismus Nummer 21 ist der republikanische Politiker David Stringer aus Alaska.
Der Jurist wurde 2016 in das Arizona House of Representatives gewählt; inszeniert sich dort als typischer konservativer, frommer Geschäftsmann.

[….] David Stringer is a local businessman, and long-time advocate for the taxpayers and families of the First Legislative District in Arizona. He is running for re-election to the Arizona Statehouse to continue his work with State Representative Noel Campbell and provide a strong voice for rural Arizona and its unique needs. During his first term in the State House, he helped on cutting taxes, boosting classroom funding and teacher pay, reducing regulation, and boosting Arizona’s status as a top-job creating state.
David is committed to working on criminal reform in Arizona and protecting our personal freedoms as guaranteed by the First, Second, and Fourth Amendments of the Constitution. [….]

Als echter Konservativer halt er nichts von Diversität.
Die USA solle keine schwarzen Immigranten aus Afrika aufnehmen, die könnten sich nicht einfügen, erklärte der Abgeordnete vor vier Monaten.

[….] Stringer recently told Arizona State University students that African-Americans "don't blend in" and that Somali immigrants don't look like "every other kid" as previous European immigrants did. In the New Times story, backed up by audio recordings, students question Stringer about his views on immigration and race.
He told them "diversity in our country is relatively new." He then was asked about immigrants from eastern Europe who assimilated well into the 20th century.
"They were all European," Stringer said. "So after their second or third generation, everybody looks the same. Everybody talks the same. That's not the case with African-American and other racial groups because they don't melt in. They don't blend in. They always look different." [….]

Seine Politkarriere ist jetzt allerdings erst mal unterbrochen.
Der homophobe Anwalt hatte in den 1980er Jahren Jungs unter 18 Jahren für Sex bezahlt. Er zog nachts durch die Parks von Baltimore und poppte sogar geistig behinderte Jungs. Für zehn Dollar.


Das ist für homophobe GOPer nicht sehr ungewöhnlich und muss nicht unbedingt ihre Karrieren beenden. Man betet und erklärt anschließend wie Ted Haggard Gott habe ihm verziehen. Schwamm drüber.

Stringer stritt aber alles ab, am 02.04.2019 veröffentlichte er ein entsprechendes Statement; alles wäre erlogen.

[….] What I will say is that the charges I faced in 1983 are as false today as they were 35 years ago. I had forgotten exactly how sharp the gut-punch sensation was when I first heard about them way back then. But seeing them splashed around in headlines today by people celebrating them takes me back to the same feelings I had then. That experience gave me an inside view of the dark side of the criminal justice system. I have been a crusader for fairness and reform ever since. [….]

Stringer schob 35 Jahre später allerdings eine Pell-artige Relativierung hinterher, die selbst in Trumpmerica nicht so gut ankam: Diese Kindersexgeschichten mit fünf Jungs und die Kinderpornos, für die er angeklagt wurde, wären nicht so eine große Sache; man solle das nicht dämonisieren, schließlich hätten ihnen das auch gefallen. Es gäbe schließlich 15-Jährige Prostituierte, lachte Stringer in einem Video.


[….] Their discussion can be overheard in a video, which Hamilton recorded as she live-streamed the event on Facebook.
In the video, Stringer and Hamilton discuss what issue he should ask the speaker about, and she suggests Stringer ask about child trafficking.
He responds by saying that he doesn't think sex trafficking is a concern and said, "I don't like to demonize it."
Stringer also said while he doesn't think there is much child sex trafficking there are "a lot of 15-year-old prostitutes." He laughed after making that comment. The 1980s charges included accusations that Stringer paid for sex with one child who was 15 for part of the time. [….]

Da ist sie wieder, diese Relativierung eines Verbrechens.
Waren ja Stricher, diese 15-Jährigen. Halb so wild.

Nun ist Stringer Ex-Abgeordneter.